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	<title>Jahresrückblick - Hirnfick 2.0</title>
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	<title>Jahresrückblick - Hirnfick 2.0</title>
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		<title>Musik 12/2025 – Favoriten und Analyse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 Dec 2025 23:01:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Oh! Ein Jahresbeginn! Ihr wisst, was das bedeutet, nämlich, dass es Zeit für die einzig richtige (d.h. meine) Liste der besten Musikalben des Jahres 2025 ist. Man sehe mir nach, dass ich das gestern (haha, Jahresrückblicke im November, hahaha) erschienene neue Album von Ulver trotzdem nicht rechtzeitig zu hören geschafft habe. Ich führe es daher ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2026/01/musik-12-2025-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2025 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Oh! Ein Jahresbeginn! Ihr wisst, was das bedeutet, nämlich, dass es Zeit für die einzig richtige (d.h. <b>meine</b>) Liste der <span class="musik-intro-hervorhebung">besten Musikalben des Jahres 2025</span> ist. Man sehe mir nach, dass ich das gestern <em>(haha, Jahresrückblicke im November, hahaha)</em> erschienene <a href="https://www.houseofmythology.com/releases/view/ulver-neverland" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">neue Album<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> von <span class="musik-review-bandname">Ulver</span> <em>trotzdem</em> nicht rechtzeitig zu hören <em>geschafft</em> habe. Ich führe es daher nur der Form halber auf.</p>
<p>Ergänzend sei festgehalten: Die Musikgruppe <span class="musik-review-bandname">Skillet Lickers</span>, inzwischen in der vierten Generation aktiv, feiert im nun begonnenen Jahr ihren 100. Geburtstag. Die <span class="musik-review-bandname">Rolling Stones</span> sollten sich nicht so aufführen mit ihren Jubiläen.</p>
<p><span id="more-23688"></span></p>
<p>Zur Punkmusik des Jahres 2025 erlaube ich mir – schon im April 2025, während ich diese Einleitung niederschreibe – eine desillusionierte Vorabbemerkung: Musiker, die sich in ihren Texten über das Üble auf der Welt beklagen, treiben damit, wenn sie es <em>ein</em> Lied lang machen, etwas Hörenswertes, wenn sie es <em>zwei</em> Lieder lang machen, etwas wenigstens Interessantes; aber wenn man als Musiker seine <em>komplette Karriere</em> auf zwei bis drei leicht mitgebrüllte Parolen beschränkt und also außer dem erkenntnisarmen „Polizei doof und Nazis schlecht“ nicht viel mitzuteilen hat, dann verschwendet man damit meine Zeit und das mag ich nicht so. Macht doch mal was mit Blumen oder Autos.</p>
<p>Der bis heute von vielen unterschätzte, doch inzwischen verstorbene <span class="musik-review-bandname">Lou Reed</span> sprach schon Ende der 1960er Jahre mit den <span class="musik-review-bandname">Velvet Underground</span>, was an damals zeitgenössischer Musik eine Last ist: „Cheap simian melodies, hillbilly outgush for illiterate ramblings, for cheap understanding, for mass understanding, (…) business and business and cheap, stupid lyrics and simple mass reverse while the real thing is dying“ („The Murder Mystery“). Ich wünschte, die seitdem geradezu explodierte Menge an Musik, die auf uns einprasselt, könnte wenigstens mit schierer Masse diesen Effekt umkehren. Stattdessen war es gar nicht <em>so</em> leicht, Behaltenswertes im Jahr 2025 zu finden – manches hatte seine Höhepunkte (so etwa „All That Is Over“ von <span class="musik-review-bandname">Sprints</span>), machte diesen Eindruck aber mit Fülltiteln zunichte, wieder anderes war einfach nur enttäuschend bis ermüdend. Mein persönliches Ergebnis dessen, was neben der <a href="https://www.metal-hammer.de/jen-majura-beendet-karriere-als-musikerin-2412981/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">überwältigenden Menge an Lächerlichkeit<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> übrig blieb, folgt.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/kratzen-iii.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_kratzen-iii.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Kratzen – III</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Wo ich mir Zukunft versprach / liegt nun Vergangenheit brach.“</span> (Immer)</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Kratzen</span>, das „2017 in Köln gegründete Trio“, „verbindet Krautrock und New Wave. Sie nennen es Krautwave“ (<span class="musik-review-bandname">Kratzen</span> über <span class="musik-review-bandname">Kratzen</span>) und <em>eigentlich</em> könnte ich das so stehen lassen.</p>
<p>Motorik-Beat, New-Wave-Gitarren, Gesang mit NDW-konformem Hall; harter Tobak ist es nicht, womit ich diese Liste beginnen lasse, aber ich habe es mir auch nicht zur wesentlichen Aufgabe gemacht, möglichst vielen Lesern auf die Nüsse zu gehen, sondern, diese jährlichen Zusammenfassungen zu nutzen, um meinerseits eine Ausrede zu haben, endlich mal wieder mehr Musik zu hören. Klappt, würde ich behaupten.</p>
<p>Was sonst noch drinsteckt, ist Postpunk, aber das ist ja <em>auch wieder</em> ein weites Feld. Mehr <span class="musik-review-bandname">Smiths</span> als <span class="musik-review-bandname">The Fall</span>, das sei erklärt. Krautrockfans mögen’s hören mögen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream:</span> <a href="https://tidal.com/album/411178926" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://kratzen.bandcamp.com/album/iii" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://www.amazon.de/dp/B0DSV3KYYD?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/neutral-lagliv.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_neutral-lagliv.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">neutral – lågliv</span></p>
<p>Nachdem das erledigt wäre, kann es ja jetzt doch losgehen mit dem harten Tobak. Von der von mir schon an anderer Stelle empfohlenen kalifornischen Helen Scarsdale Agency kommt zerbrechlicher Industrial aus Schweden in Form des Albums „lågliv“, was Schwedisch ist und ungefähr „das Leben eines Taugenichts“ bedeutet.</p>
<p>Das erste der beiden fast zwanzigminütigen Stücke, „enhet / röda sten / sömngång / punkt“, klingt eingangs wie eine Phonographenaufnahme eines Kinderkarussells, die in einem Sado-Maso-Studio neben einer Metall verarbeitenden Fabrik abgespielt wird, dazu murmelt <span class="musik-review-bandname">Sofie Herner</span> etwas ins Diktaphon, das zu verstehen ich in skandinavischen Sprachen zu wenig versiert bin. Bald kommt eine gerade gestimmt werdende E‑Gitarre hinzu, bevor etwa zur Halbzeit alles in sich zusammenfällt und eine dämonische Spieluhr kurz die Führung übernimmt, bis schließlich ein panischer Mönchschor ein Regal mittels Bohrmaschine an der Wand zu befestigen beginnt und anschließend Applaus empfängt. Klingt irre? Ist es auch. Sollte ich dereinst beerdigt werden, möchte ich, dass im Rahmen der Feierlichkeiten („Trauerfeier“ ist ja auch noch so ein Wort, mit dem man in „unserem“ „Kulturkreis“ wenig anzufangen vermag) unter anderem irgendwas von dieser Plattenfirma läuft. Damit die <em>normalen</em> Menschen mich weniger vermissen. (Diese sind hiermit ausgeladen.)</p>
<p>Das zweite Stück ist <em>anders</em> seltsam. Stimmverfremdungsübungen unter Wasser werden begleitet von zunächst tropischer Perkussion, dann von einem kläffenden viel zu kleinen Hund, dann wieder von einer dystopischen Fabrik, woraufhin eine verstimmte Westerngitarre kurz solieren darf. Der Gitarrist flüchtet jedoch vor einem Gewitter, die Stimmverfremdungsübungen klappen aber anscheinend auch bei Gewitter. Finde ich gut.</p>
<p>Das Leben ist zu kurz für Musik, die nicht herausfordert. „lågliv“ fordert heraus.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream und Vinyl:</span> <a href="https://helenscarsdale.bandcamp.com/album/l-gliv" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/bank-myna-eimuria.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_bank-myna-eimuria.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Bank Myna – Eimuria</span></p>
<p>Anderes Land, andere Musik. <span class="musik-review-bandname">Bank Myna</span> kommen aus Paris und tragen den Namen eines südasiatischen Vogels, hierzulande eher als Ufermaina bekannt. Ihr 2025er Album „Eimuria“, angeblich live eingespielt, hingegen wurde, glaubt man <em>dem Internet</em>, nach einem alten Wort für Glut benannt, was irgendwie passt.</p>
<p>Ich höre kräftigen Postrock mit einigem Gedrone und weiblichem (und zum Glück englischsprachigem) Gesang, zumindest mich ein bisschen an <span class="musik-review-bandname">Anna von Hausswolff</span> erinnernd, was aber auch daran liegt, dass ich einfach zu wenige Vergleiche kenne, was vermutlich vor allem an mir selbst liegt. <em>Das Internet</em> findet, dieses Album könnte Fans von <span class="musik-review-bandname">Earth</span> und <span class="musik-review-bandname">BIG|BRAVE</span> gefallen, und weil ich <span class="musik-review-bandname">Earth</span> und <span class="musik-review-bandname">BIG|BRAVE</span> ebenfalls mag, könnte das hinkommen. „Eimuria“ ist ziemlich intensiv und damit genau das, was uns Kopfhörerhörern bisweilen den Tag versüßt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Vinyl, CD:</span> <a href="https://www.amazon.de/Eimuria-Bank-Myna/dp/B0F7RTY4J9?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://bankmyna.bandcamp.com/album/eimuria" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/426019054" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/pearl-handled-revolver-tales-you-lose.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_pearl-handled-revolver-tales-you-lose.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Pearl Handled Revolver – Tales You Lose</span></p>
<p><span class="musik-review-bandname">Pearl Handled Revolver</span> sind eine Gruppe von Musikern aus Großbritannien, die das selten bestellte Feld zwischen Funk, Blues, Psychedelic Rock und R’n’B zu beackern behauptet. Ihr fünftes Album sei ein „Kopfsprung in ihre tiefsten Grooves und Psychedelic-Rock-Erkundungen“, fabuliert der Pressetext. Das lässt aufhorchen.</p>
<p>Dieses – wohl ihr fünftes – Album atmet dann auch in der Tat den Geist der 70er. Ich höre Bluesrock mit viel Hammondorgel und gelegentliche Psychedelic-Ausbrüche (völlig zutreffend betiteltes Lied, das klingt, wie es heißt: „Junkies“). Spontan tun sich mir Assoziationen an <span class="musik-review-bandname">Brother Grimm</span> und <span class="musik-review-bandname">Joe Bonamassa</span> auf, etwas <span class="musik-review-bandname">Deep Purple</span> auch. Sänger <span class="musik-review-bandname">Lee Vernon</span> wird bisweilen mit <span class="musik-review-bandname">Jim Morrison</span> verglichen, was stimmlich schon <em>irgendwie hinkommt</em> und zur Musik auch passt, nur dass <span class="musik-review-bandname">Pearl Handled Revolver</span> es mit spärlich instrumentierten Spannungsbögen nicht so haben. <em>Früher</em> hätte man „Tales You Lose“ wohl <em>fetzig</em> genannt, und weil ich es mag, wie man <em>früher</em> geredet hat, mache ich das jetzt einfach auch.</p>
<p>„Pearl Handled Revolver“ ist das 2025er Album für diejenigen, die eigentlich lieber ein neues Album aus den 70ern hätten. So könnten die <span class="musik-review-bandname">Doors</span> heute klingen, taten sie aber nie.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Download und Kauf:</span> <a href="https://www.amazon.de/dp/B0DPTPVX1R?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://pearlhandledrevolver.bandcamp.com/album/tales-you-lose" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/404425398" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/nytt-land-songs-of-the-shaman.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_nytt-land-songs-of-the-shaman.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Nytt Land – Songs of the Shaman</span></p>
<p><span class="musik-review-bandname">Nytt Land</span>, weiß die Wikipedia, sei eine „Nordic-Ritual-Folk-Band“ aus Sibirien. Der Sänger spielt nebenbei Flöte und Talharpa und nennt sich „Nordman“, zwei der fünf Musiker spielen unter anderem Maultrommel, zwei weitere wenigstens eine Trommel. Die von mir auffindbaren Texte der verschiedenen Alben sind auf Sprachen wie Altnordisch, Färöisch oder Isländisch gehalten. Wer jetzt schon keinen Bock mehr hat, der möge dieses Album überspringen.</p>
<p>Den Übriggebliebenen wünsche ich einen wachen Geist und die Bereitschaft für völlig Anderes, denn das werdet ihr brauchen. Die Band selbst schreibt zum Album, dort interpretierten sie, daher auch der Titel, „traditionelle schamanische Lieder oder Zaubersprüche der mandschu-tungusischen Ethno-Linguistikgruppen Sibiriens. Diese Lieder verwenden alte musikalische Techniken wie Kehlkopfgesang und Trommeln und wurden in ihrer Originalsprache aufgenommen“. Als der vermutlich nicht Einzige hier im Internet, dem das sibirische Schamanentum weitgehend unbekannt ist, der aber für das Erfahren von Naturreligionen und traditionellen Kulturen grundsätzlich empfänglich ist, respektiere ich die Ernsthaftigkeit des Unterfangens (es wurde, versichern die Musiker, darauf verzichtet, Zaubersprüche aufzunehmen, die Schaden verursachen könnten) und lausche dem, was hier zelebriert wird.</p>
<p>Ich möchte „Hoge Yage“, das mir noch Wochen später einen der merkwürdigeren Ohrwürmer meines Lebens bereiten sollte, exemplarisch für „Songs of the Shaman“ herausgreifen. Es beginnt mit rhythmischer Perkussion, woraufhin Sängerin „Krauka“ selbige mit Beschwörungsformeln in einer mir gänzlich unbekannten Sprache übersingt. Irgendwann setzen Maultrommel und Kehlkopfgesang im Hintergrund ein, die dieses in der Tat wie das, was ich banausenhafter Westeuropäer mir unter einem magischen Geistertanz vorstelle, klingende <em>Ereignis</em> begleiten, bis schließlich nach fünf Minuten nur noch ein wenig energisch stampfende Trommel übrigbleibt und dann verstummt. Ich fühle mich hinterher wie durch das Jenseits spaziert. Auch mal interessant.</p>
<p>Was für eine verrückte Idee. Was für ein verrücktes Album.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, CD, Vinyl:</span> <a href="https://www.amazon.de/Songs-Shaman-2cd-Hardcover-Book/dp/B0DWFJ23ZL?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://nyttland.bandcamp.com/album/songs-of-the-shaman" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/411792538" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/technicolor-blood-evolution-now.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_technicolor-blood-evolution-now.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Technicolor Blood – Evolution Now</span></p>
<p>Und da wir vorhin schon beim Postrock waren, machen wir mit Postpunk weiter und landen folgerichtig bei <span class="musik-review-bandname">Technicolor Blood</span> aus Montreal. Die dortige Postrockszene ist international bekannt, aber auf seinem wohl zweiten Studioalbum haben die vier Herren es sich anders überlegt.</p>
<p>Eine Prise Fuzz und Stoner haben sie wohlweislich aufgenommen, um das vermeintlich fertigbeackerte Feld des Postpunks wenigstens nicht mit immer denselben öden Pflanzen überwuchern zu lassen; dabei verzichten sie allerdings großteils auf ein Übermaß an Verzerrung, und auch der Gesang hält sich in der Abmischung zurück. <em>Das Internet</em> zieht hier Vergleiche zu den ziemlich guten <span class="musik-review-bandname">Verstärker</span> (denen aus Kentucky, nicht den anderen) und hat damit gar nicht mal Unrecht. Schwer psychedelisch (<em>heavy psychedelic</em>) sei dieses Album, steht anderswo, dafür ist dann aber doch zu wenig „zähes Gewaber“ (eine der schönsten Beschreibungen von <span class="musik-review-bandname">Pink-Floyd</span>-Musik, die ich je gelesen habe) enthalten. „Evolution Now“ sitzt irgendwo zwischen den Stühlen und ist <em>deswegen</em> interessant, es also sowohl in diese Liste aufzunehmen als auch zwischen zwei stilistisch andere Alben zu setzen erschien mir folgerichtig.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream und/oder Download:</span> <a href="https://technicolorblood.bandcamp.com/album/evolution-now" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/428397112" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/amplifier-gargantuan.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_amplifier-gargantuan.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Amplifier – Gargantuan</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I’m running from the future and the past.“</span> (Guilty Pleasure)</p>
<p>Vor einigen Jahren habe ich mal irgendwo geschrieben, dass ich die (britische, nicht jedoch ihre belgischen Namensvettern) Band <span class="musik-review-bandname">Placebo</span> für schwer erträglich halte, weil ich zwar nicht unbedingt was gegen allgegenwärtige Keyboards habe, aber der elend nölige Sänger mir nicht so recht Freude bereitet. Zum Glück haben <span class="musik-review-bandname">Amplifier</span> eine andere Besetzung.</p>
<p>Manche eher experimentierfreudige Bands, die mit <span class="musik-review-bandname">Amplifier</span> gern mal ins New-Artrock-Wasser geworfen werden, <a href="https://www.music-map.de/amplifier" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">etwa<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> die zu Recht hochgeschätzten <span class="musik-review-bandname">Oceansize</span> und die aufgrund der Trennung vor – huch! – auch schon wieder bald zwanzig Jahren in den Neuveröffentlichungen sehr fehlenden <span class="musik-review-bandname">Aereogramme</span>, hat die Zeit sozusagen auf dem Gewissen, aber <span class="musik-review-bandname">Amplifier</span>, seit wenigen Jahren nur noch als Duo aktiv, ziehen’s seit 1999 durch. Das ist erst mal eine Leistung. Dass <span class="musik-review-bandname">Steve Durose</span> von ebendiesen <span class="musik-review-bandname">Oceansize</span> nach deren Auflösung bis 2020 auch bei <span class="musik-review-bandname">Amplifier</span> spielte, spricht im Übrigen vermutlich für sich.</p>
<p>Nun also „Gargantuan“. Die für <span class="musik-review-bandname">Amplifier</span> nicht unbedingt ungewöhnliche Keyboarddominanz rückt „Gargantuan“, ich habe es eingangs angedeutet, in die (sehr grobe) Nähe von <span class="musik-review-bandname">Placebo</span>, aber ohne deren ständige Fanfaren. Eingebettet wird das in eine zusehends intensivere Weltraumlandschaft; als begönne man „Gargantuan“ auf der Autobahn („Gateway“), beobachtete, wie die Umgebung zusehends futuristischer wird („King Kong“), und flöge schließlich („Long Road“) entspannt durch das All. Dass die eher alltagsorientierten Texte mit dem musikalischen Thema wenig zu tun haben, darf als egal gelten, denn darum geht es ja auch nicht immer. Zu den Keyboards gesellen sich schneidend riffende Gitarren und ein hellwaches Schlagzeug mit Bewegungsdrang. Die zwei Herren bauen hier ein monolithisches Klangungetüm auf, das für die vollständige Entzifferung vermutlich mehr Hördurchläufe braucht; fest steht, dass es reich belohnt wird.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Amplifier</span> scheinen insofern auch 2025 noch eine gute Anlaufstelle für diejenigen Hörer zu sein, die in der Schnittmenge aus New Artrock und Spacerock nach neuen Ideen suchen. Möge es munden. (Oder wie heißt das bei Musik? Möge sie ohren?)</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Download und/oder Kauf:</span> <a href="https://www.amazon.de/Gargantuan-Amplifier/dp/B0DVH2XFJQ?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://amplifier.bandcamp.com/album/gargantuan" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/413657863" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/minerall-stromung.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_minerall-stromung.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Minerall – Strömung</span></p>
<p><span class="musik-review-bandname">Dave Schmidt</span>, vorrangig als <span class="musik-review-bandname">Sula Bassana</span> <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Sula_Bassana" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">bekannt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> für ungefähr zweiundfünfzig (plus/minus fünfzig) Musikprojekte aus dem weiten Bereich der psychedelischen Rockmusik, nahm 2023, glaubt man <em>dem Internet</em>, an einer Veranstaltung in <em>ausgerechnet</em> Hannover teil, in deren Rahmen eine weitere Gruppe (ein weiteres Projekt?) namens <span class="musik-review-bandname">Minerall</span> ins Leben gerufen wurde, dessen Debütalbum mit dem schier entzückenden Namen „Bügeln“ bei mir 2024 schon <a href="https://tuxproject.de/blog/2024/04/minerall-buegeln-unerforscht-mailto-ist-verboten/" data-wpel-link="internal">Montagsmusik spielen</a> durfte. „Strömung“ ist nun das zweite Album, entstanden wohl im Rahmen derselben Aufnahmesitzung.</p>
<p>Dargeboten wird in den beiden Stücken zu je „ungefähr“ zwanzig Minuten Länge – nun – eine Art Motorik-Spacerock. Ein stoisches Schlagzeug, bedient übrigens von <span class="musik-review-bandname">Tommy Handschick</span>, regelmäßigen Lesern meiner fragwürdigen Texte schon mal als Teil von <span class="musik-review-bandname">Kombynat Robotron</span> begegnet, begleitet ein waberndes Geräuschungetüm, das bisweilen an <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> erinnert, ansonsten aber wie ein Amalgam der musikalischen Hintergründe der beteiligten Musiker klingt.</p>
<p>Vierzig Minuten Kopfreise für die, die dafür keine anderen Drogen als Musik brauchen; Menschen wie mich und möglicherweise auch die, die hier <em>immer noch</em> mitlesen, also. Bitte, gern geschehen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream</span> (Vinyl ist gerade schwer erhältlich, existiert aber wohl auch): <a href="https://minerall.bandcamp.com/album/str-mung" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/mclusky-the-world-is-still-here-and-so-are-we.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_mclusky-the-world-is-still-here-and-so-are-we.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">mclusky – the world is still here and so are we</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Tell me you’re precious without being pissed on!“</span> (kafka-esque novelist franz kafka)</p>
<p>Mal was anderes, nämlich erdiger Rock. <span class="musik-review-bandname">Mclusky</span>, derzeit anscheinend wie auch der Titel dieses Albums sowie sämtliche Stücke darauf konsequent klein geschrieben, sind eine Post-Hardcore-Band, aber davon merkt man nichts, aus Cardiff, aber davon auch nicht. Ihr neuestes, viertes Album, nämlich dieses, wurde bei Ipecac veröffentlicht, was, wie der geneigte Musikfreund weiß, als Kriterium zum Interesseschüren durchaus hinreichend ist. Eine „Schönheit“ sei das Album, etikettiert die „VISIONS“, aber klassisch <em>schön</em> will es gar nicht sein.</p>
<p>Nein, auf „the world is still here and so are we“ geht es so sumpfig zu wie einst bei den wundervollen <span class="musik-review-bandname">Shellac</span>. Hier und da („chekhov’s guns“) bricht der Crossover-Nu-Metal der frühen 2000er hervor, aber im Wesentlichen haben wir es hier mit kräftig gepfeffertem Noiserock und ebensolchen Texten (etwa in „people person“: <span class="musik-review-lyrics-inline">„exploding kids can kill the mood / can kill the mood if kid explosions aren’t your heart’s desire“</span>; der „tagesschau“ gefällt das) zu tun. Nur drei der Texte haben ein „explizite Lyrik“-Etikett, aber danach suche ich mir die Musik hier ja auch nicht aus. Textlich soll es gar keinen Spaß machen, aber musikalisch geht es gar nicht anders. Misanthroper Krach ist anders schön. „Blabbermouth“ <a href="https://blabbermouth.net/reviews/the-world-is-still-here-and-so-are-we" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">zieht das Fazit<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, es sei „egal, ob irgendwer von uns versteht, was hier passiert“, wenn es doch „dermaßen gut“ klinge. Stimmt.</p>
<p>Nörgelei? Klar: Das Album könnte meinetwegen länger sein. Aber es ist ja vermutlich nicht das letzte.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Download, Kauf:</span> <a href="https://www.amazon.de/World-Still-Here-Ltd-Blue-Vinyl/dp/B0DWXL2H7W?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://mcluskymclusky.bandcamp.com/album/the-world-is-still-here-and-so-are-we" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/433822728" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/colosseum-xi.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_colosseum-xi.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Colosseum – XI</span></p>
<p>Das Ableben von <span class="musik-review-bandname">Jon Hiseman</span> hat seine Jazzrockcombo zum Glück nicht ihre Zelte abbrechen lassen, sondern, wie es sich anhört, erst recht befeuert. Das kennt man so ähnlich ja von <span class="musik-review-bandname">Gong</span>. Am Schlagzeug sitzt in seiner Nachfolge seit 2020 <span class="musik-review-bandname">Malcolm Mortimore</span>, einigen Lesern möglicherweise von <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span> (oder jedenfalls von deren Album „Three Friends“) bekannt und auch sonst seit Jahrzehnten recht umtriebig, weiterhin an Bord sind von der „alten“ Garde seit 1969 bzw. 1970 <span class="musik-review-bandname">„Clem“ Clempson</span> (Gitarre, Keyboards), <span class="musik-review-bandname">Mark Clarke</span> (Bass) und <span class="musik-review-bandname">Chris Farlowe</span> (Gesang). So viel zu den nackten Zahlen.</p>
<p>„XI“, das – ätsch! – neunte Studioalbum (sofern man die zwei EPs „Bread &amp; Circuses“ und „The Kettle“ nicht mitzählt) dieser verdienten Combo, beginnt schon mit ordentlich Groove. <span class="musik-review-bandname">Chris Farlowe</span> hat auch mit mittlerweile 85 Jahren immer noch den Soul von <em>früher</em> und auch sonst schließt man nahtlos an die eigene Geschichte an: der springende Herr auf dem Titelbild war so ähnlich schon auf dem Livealbum von 1971 zu sehen.</p>
<p>Es ist festzuhalten, dass die Musiker im Alter anscheinend ihren zweiten Frühling erfahren, denn während die letzten Studioalben bis 2014 weithin als enttäuschend wahrgenommen werden, geht es seit dem Vorgänger „Restoration“ (2022) wieder qualitativ aufwärts, und wer – wie ich – die „Valentyne Suite“ für bisher unerreicht im Schaffen <span class="musik-review-bandname">Colosseums</span> hält, der dürfte schon angesichts der Titelliste feststellen, dass hier eine fast neunminütige „English Garden Suite“ enthalten ist, die rein instrumental gehalten ist und am ehesten <em>wie früher</em> klingt. Natürlich sollte keine Musikgruppe auf jede Weiterentwicklung verzichten, man betrachte diesen Einwurf daher vielmehr als nostalgisches Seufzen denn als plumpe Kritik am Neuen. Um die „Suite“ herumgewoben sind zeitlose Stücke wie das eröffnende, <em>funkige</em> „Not Getting Through“, das jedenfalls mich an die jüngeren <span class="musik-review-bandname">Uriah-Heep</span>-Werke erinnernde „Hunters“ und die ausnahmsweise von <span class="musik-review-bandname">Mark Clarke</span> gesungene (weil wohl auch geschriebene) Bluesrockhymne „Gypsy“. Ich gebe zu, die Geschichte von <span class="musik-review-bandname">Colosseum</span> in den letzten Jahren eher vernachlässigt zu haben, und kann daher nicht mit hinreichender Treffsicherheit Vergleiche zu den vorherigen Alben ziehen, aber als für sich allein stehendes „Alterswerk“, das „XI“ wohl ist, ist es mehr als nur erfreulich.</p>
<p>Schön, dass das <span class="musik-review-bandname">Colosseum</span> noch steht. Es lebe (noch lange und) hoch.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Download und Kauf:</span> <a href="https://www.amazon.de/XI-Vinyl-LP-Colosseum/dp/B0DX15F8D3?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/414575038" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/sumac-and-moor-mother-the-film.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_sumac-and-moor-mother-the-film.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">SUMAC and Moor Mother – The Film</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Seems like every time there’s a bomb, there’s a round of applause“</span> (Scene 5: Breathing Fire)</p>
<p>Kratzen wir mal am anderen Extrem.</p>
<p>Für das Album „The Film“ hat sich das Postmetaltrio <span class="musik-review-bandname">SUMAC</span> mit der Experimentalmusikerin <span class="musik-review-bandname">Moor Mother</span>, die sonst bei der Free-Jazz-Combo <span class="musik-review-bandname">Irreversible Entanglements</span> ins Mikrofon spricht, zusammengetan. Zu hören gibt es folgerichtig eine Art Free Jazzmetal, recht frei im Rhythmus, verfeinert von besagter Musikerin, die ausweislich <em>des Internets</em> sowohl Synthesizer und Effektgeräte als auch das Mikrofon bedient. Gesang ist das nicht, stattdessen wird <a href="https://genius.com/Sumac-and-moor-mother-scene-3-lyrics" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">überwiegend Politisches<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> teils ruhig, teils aufgeregt erzählt. Am Ende des zweiten Stücks, „Scene 2: The Run“, kommt Growling ins Spiel. Das macht aber wohl wer anders.</p>
<p>Die Grundstimmung von „The Film“ ist verstörend. Ich weiß nicht, ob es dazu tatsächlich einen Film gibt, aber ansehen würde ich mir einen solchen schon. Mich erinnert das Album streckenweise an „Lulu“, teils an „The Cherry Thing“, aber hektischer. Dass das Album in den letzten fünf Minuten <em>trotzdem</em> eher sanft ausklingt, macht’s zu einer runden Sache. (Sind Tonträger nicht meistens rund?) Empfehlung abseits dieser Liste: Etwas von <span class="musik-review-bandname">Irreversible Entanglements</span> zur Einstimmung hören. Dann ist „The Film“ nur folgerichtig.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Kassette, CD, Vinyl, Downloads:</span> <a href="https://www.amazon.de/Film-Sumac-Moor-Mother/dp/B00UUU7YVS?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://sumac.bandcamp.com/album/the-film" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/407191542" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/osmium.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_osmium.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">OSMIUM</span></p>
<p>Von 2005 bis 2008 nannte sich die brasilianische Progmetalband <span class="musik-review-bandname">Daydream XI</span> stattdessen <span class="musik-review-bandname">Osmium</span>. Dies ist eine andere Gruppe, aber der Name war ja wieder frei. Diejenigen <span class="musik-review-bandname">OSMIUM</span> die im Juni 2025 ihr namenloses (oder eigenbenanntes?) Debütalbum <em>rausbrachten</em>, um das es hier gehen soll, sind stattdessen ein Quartett aus Berlin.</p>
<p>Eine Art Panikindustrial, vom Pressetext als „elektromechanischer Metal“ beschimpft, gibt es hier zu hören, hergestellt mithilfe einer Klangkulisse aus dreierlei selbst entworfenen Instrumenten, zu dem der Stimmkünstler <span class="musik-review-bandname">Rully Shabara</span> stöhnt, röchelt und schreit. Assoziationen: <span class="musik-review-bandname">Nine Inch Nails</span>, <span class="musik-review-bandname">Aphex Twin</span>, Filmmusik für Weltkriegsdokus. Da, wo es mal ruhiger wird (etwa in „Osmium 4“), quietscht und brummt es in eine metallische Kälte hinein, so dass man selbst da ein kaum erklärliches Unwohlsein verspürt. Wahrscheinlich ist das Absicht. Es gibt ein <a href="https://thequietus.com/interviews/osmium-interview/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">lesenswertes Interview<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu den Hintergründen des hier auf Platte Gepressten, das ich hiermit als weiterempfohlen betrachte. Ausweislich der Bandcampseite zum Album wird hier erfolgreich die Grenze zwischen der Ausdrucksform von Maschinen und derjenigen von Menschen verwischt, und ich stimme zu. So ähnlich müssen Cybermen klingen, wenn die jemals diesseits von Doctor Who vorkommen sollten. <em>(Lange dauert das wohl auch nicht mehr.)</em></p>
<p>„Osmium“ (das Album) will gar nicht gefallen und tut es nach klassischen Kriterien auch nicht. Ein anderer Rezensent schrieb irgendwo, es sei geeignet, um den Kopf zwischen zwei Popmusikalben wieder zu erden, und wahrscheinlich stimmt das. Aber so viel Popmusik höre ich gar nicht. Nein, wer Gefälliges braucht, der braucht das Gegenteil von dem hier. „Osmium“ (das Album) verlangt stattdessen dem Hörer einen Sinn für die Avantgarde ab. Zum Glück habe ich den und bin daher angetan.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Vinyl und/oder Download:</span> <a href="https://www.amazon.de/Osmium-White-Vinyl-LP/dp/B0F63S8NM3?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://osmiumosmium.bandcamp.com/album/osmium" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/423377932" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/ranges-sin.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_ranges-sin.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Ranges – Sin</span></p>
<p>Zahlenverrückte – dies ist übrigens das dreizehnte Album auf dieser Liste – dürfen sich entzücken lassen: Auf den sieben Stücken auf „Sin“ vertonen <span class="musik-review-bandname">Ranges</span> aus Montana die sieben Todsünden, namentlich – soweit ich das verstanden habe – Hochmut („The Falcon Cannot Hear the Falconer“), Neid („Their Eyes Sewn Shut“), Wollust („Bound To The Black Wind“), Völlerei („Three Throats“), Gier („Prodigal“), Jähzorn („The Red Mist“) und Faulheit („Idle Hands“). Hand hoch, wer noch keine von ihnen (und sei’s Wollust) jemals begangen hat. Die Platte für siebenundzwanzig US-Dollar gibt es in sieben verschiedenen Farbvarianten, den Download für sieben US-Dollar. Ihr merkt: Subtil sind die Musiker nicht.</p>
<p>Das gilt nicht nur für die Verpackung und die Vermarktung, sondern auch für die Musik selbst. Zu hören gibt es weitgehend energischen Postrock mit dem <em>alten Laut-leise-Spiel</em>. <span class="musik-review-bandname">Ranges</span> erfinden das Genre nicht neu, aber bewegen sich treffsicher in ihm wie auf einer großen Spielwiese, so dass das, was hier aus dem Kopfhörer gewittert, nicht nach Schablone klingt, sondern danach, dass hier Musiker am Werk sind, die sich <em>abreagieren</em> wollen und es gar nicht so ungern hätten, wenn ihr Publikum sich ihnen anschließt.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Ranges</span> malen breitwandig, aber keine gepunkteten Bergseen, sondern reißende Sturzfluten, die alles unter sich begraben, das sich ihnen in den Weg stellt. Hochemotionale Musik für diejenigen, deren Emotionen empfänglich für Musik sind. Selten klangen Todsünden so einladend, man möchte zu ihnen <em>abhotten</em>, wie die jungen Leute sagen bzw. mal sagten. Ich mache das mal und empfehle unterdessen weiter.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Kauf, Runterladen:</span> <a href="https://ranges.bandcamp.com/album/sin" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/423756279" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/we-lost-the-sea-a-single-flower.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_we-lost-the-sea-a-single-flower.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">We Lost the Sea – A Single Flower</span></p>
<p>Die jährliche Dosis Postrock wird überdies vorangebracht von einer Gruppe, die im Rahmen dieser Rezensionsreihe seit Jahren immer mal wieder zu Gast ist, nämlich <span class="musik-review-bandname">We Lost the Sea</span>. Deren 2025er Album „A Single Flower“ beginnt zurückhaltend mit Gitarre und ein wenig begleitendem Rhythmus, bevor nach etwas über drei Minuten erstmals das einsetzt, was der geneigte Postrockfreund vermutlich bereits erwartet, nämlich das volle Breitwandkino.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">We Lost the Sea</span> gestalten auch auf „A Single Flower“ prachtvolle Klanglandschaften, die über weite Strecken einem Freund des musikalischen Frühlings gefallen könnten. (Ist ja auch bald wieder so weit.) Gesungen wird nicht, was gut ist. Der etwas plumpe Discostampfrhythmus von „Everything Here is Black and Blinding“ zieht meine Bewertung etwas runter, aber <em>irgendwas ist ja immer</em> und <span class="musik-review-bandname">We Lost the Sea</span> versöhnen mich ja meist schnell.</p>
<p>Dass <em>ausgerechnet</em> im mit Abstand kürzesten Stück „The Gloaming“ <span class="musik-review-bandname">Sophie Trudeau</span> (bekannt mindestens von den nicht besonders eiligen <span class="musik-review-bandname">Godspeed You! Black Emperor</span>) am Streichinstrument aushilft, ist ein Detail, das wahrscheinlich mal wieder nur ich für bemerkenswert halte. Große Überraschungen gibt es darüberhinaus nicht und das ist auch gut so. Feine Scheibe.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Download und (Vinyl ist ausverkauft, aber trotzdem) Kauf:</span> <a href="https://www.amazon.de/dp/B0FDQDVDRH?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://welostthesea.bandcamp.com/album/a-single-flower" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/443087986" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/half-past-four-finding-time.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_half-past-four-finding-time.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Half Past Four – Finding Time</span></p>
<p>Ich weiß, ich weiß, ich empfehle hier eigentlich meist nur obskuren Krach. Das liegt daran, dass mir obskurer Krach gefällt. Doch machen wir uns nichts vor: Das hier ist Pop, aber guter.</p>
<p>2018 <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/01/kurzkritik-half-past-four-land-of-the-blind/" data-wpel-link="internal">erhoffte ich</a> mir eine Fortsetzung ihres damals aktuellen Albums „Land of the Blind“. Diese liegt nun vor; der Titel „Finding Time“ ist da schon Programm. Für die, die’s damals nicht <em>verfolgt</em> haben, wie „gelesen“ heutzutage wohl heißt, fasse ich deren Treiben kurz zusammen: <span class="musik-review-bandname">Half Past Four</span>, ein kanadisches Quintett um die Sängerin <span class="musik-review-bandname">Kyree Vibrant</span>, die sonst was mit Filmen macht, habe sich vor ein paar Jahren, so teilt’s <a href="https://halfpastfour.com/kyree" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">deren Website<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> mit, dazu entschieden, sich vollständig dem Progressive Rock hinzugeben. Das sollte man nicht verwechseln: Das, was Musikgruppen heute machen, wenn sie versuchen, so zu klingen wie solche Musikgruppen, die in den 1970er Jahren <em>progressive</em> Musik gespielt haben, nennt man „Oldies“. „Retrorock“. Schlimmstenfalls, und das geht mancherseits als Beleidigung durch, „Neoprog“. (Das bedeutet nicht, dass ich Musikgruppen, die versuchen, so zu klingen wie solche Musikgruppen, die in den 1970er Jahren <em>progressive</em> Musik gespielt haben, unbedingt schlecht finde. Aber Wörter haben eine Bedeutung und „progressiv“ heißt „vorwärts“ und nicht „wie früher“.)</p>
<p><em>Natürlich</em> steht auch neun Jahre nach dem Vorgänger die immer noch großartige Sängerin im Vordergrund. Auf ihrer eigenen Website zitiert sie gern Vergleiche mit <span class="musik-review-bandname">Leslie Hunt</span>, <span class="musik-review-bandname">Kate Bush</span> und <span class="musik-review-bandname">Grace Slick</span>. Lasse ich gelten. Beim Hören dachte ich gelegentlich an <span class="musik-review-bandname">Lee Triffon</span>, <span class="musik-review-bandname">Kim Wilde</span> (wieso auch immer) und – ja – auch <span class="musik-review-bandname">Kate Bush</span>, welche nicht die übelsten Drandenkkünstlerinnen sind. Die Musik dahinter, und da stimmt der Vergleich mit <span class="musik-review-bandname">Leslie Hunt</span> und damit <span class="musik-review-bandname">District 97</span> auf mehr als eine Art, ist wohl tatsächlich als „moderner Progressive Rock“ zu begreifen: Unabhängig von den Titellängen, angesichts derer fast jeder Radio-DJ dankend abwinken würde, gibt es grundsätzlich radiotaugliche Ideen (das geht schon im eröffnenden „Tomorrowless“ los), die, damit niemand aus Versehen spontan Bock darauf bekommt, sich im Edeka an der Wursttheke anzustellen (Pawlow funktioniert), von Jazz- (man höre etwa „Branches“) und Mathrockideen durchzogen sind. „Handwerklich von höchster Qualität“ findet ein <a href="https://babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=22358&amp;content=review" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">anderer Rezensent<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> das und irrt nicht.</p>
<p>Mich freut, dass die Musiker wieder, nun, <em>die Zeit gefunden</em> haben, auch wenn wir es hier mit einem neuen Gitarristen zu tun haben, der jedoch bemerkenswerte Akzente setzt. Hoffentlich dauert das nächste Album nicht noch mal neun Jahre.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream und/oder Download:</span> <a href="https://www.amazon.de/dp/B0DZFHS6TV?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://halfpastfour.bandcamp.com/album/finding-time" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/422121509" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/fieldwork-thereupon.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_fieldwork-thereupon.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Fieldwork – Thereupon</span></p>
<p>Noch mal Jazz, diesmal nicht von alten Meistern, sondern von einem jungen (oder jedenfalls erst 1971 geborenen) Herrn, nämlich <span class="musik-review-bandname">Vijay Iyer</span>. Dieses in New York heimische, und man muss es wohl so nennen, Multitalent (die englischsprachige Wikipedia listet allein Komponist, Bandleader, Produzent, Autor und Professor auf; Jazzmusiker sind oft ein sehr eigenes Völkchen) ist nicht nur Kopf einiger Musikprojekte, sondern dann und wann auch mal gleichberechtigtes Mitglied, so auch im Trio <span class="musik-review-bandname">Fieldwork</span>, das seit 2002 vier Studioalben veröffentlichen ließ, wobei das dritte, „Door“ (2008), schon eine Weile zurückliegt. Die anderen beiden Musiker im Trio sind <span class="musik-review-bandname">Tyshawn Sorey</span> und <span class="musik-review-bandname">Steve Lehman</span>, beide selbst ausgewiesene Experten und Bandleader mit jeweils eigenem Wikipediaartikel. (Von wegen, ich hör’ immer nur obskuren Kram von Musikern, die niemand kennt…)</p>
<p>Hier also liegt nun das vierte Album von <span class="musik-review-bandname">Fieldwork</span>, „Thereupon“, vor. Gesungen wird nicht und das ist in Ordnung so. Das ganze Album durchzieht ein Mitwipp-Groove, dabei wird es aber nie wirklich beliebig; das Trio an Klavier, Saxophon und Schlagzeug durchzieht die neun Stücke mit einer Spielfreude, die ansteckend ist und also den Hörer (oder zumindest mich) hier und da zum Sitztanz verleitet. An traditionelle Jazzformen halten sich die Musiker eher aus Versehen, stattdessen entfachen sie einen wahren Wirbelsturm <em>(entfacht man eigentlich Wirbelstürme?)</em> aus Rhythmus, Melodie und gekonnt Improvisiertem, der mir durchaus mehr als einmal ein anerkennendes Nicken entlockt. Das ist Zustimmung genug.</p>
<p>Das und natürlich meine hiesige Empfehlung, die hiermit erteilt ist.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Download, Kauf:</span> <a href="https://www.amazon.de/Thereupon-Vinyl-Fieldwork-Lehman-Tyshaw/dp/B0FFYH94P4?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://fieldworktheband.bandcamp.com/album/thereupon" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/454159025" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/la-dispute-no-one-was-driving-the-car.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_la-dispute-no-one-was-driving-the-car.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">La Dispute – No One Was Driving The Car</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„You carved ‚Die Young‘ with a pen / in the skin below your neck“</span> (Steve)</p>
<p>Den ungefähren Stil der US-Amerikaner <span class="musik-review-bandname">La Dispute</span> beschrieb ich <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/04/la-dispute-wildlife/" data-wpel-link="internal">bereits 2013</a>, damals stellte ich „Geschepper und Geschrei“ (d.h. Screamo-Stil) fest. Es scheint sich seitdem manches geändert zu haben, denn geschrien wird hier kaum noch.</p>
<p>„No One Was Driving The Car“ ist das, was man wohl heutzutage ein Spoken-Word-Album nennt: Es wird viel gesprochen. Dabei klingt Sänger/Sprecher <span class="musik-review-bandname">Jordan Dreyer</span> allerdings sehr ungeduldig, als wäre die Schlange vorm Klo unerträglich lang. – In den letzten Jahren, erfährt man, sei die sonst grundsätzlich unpolitisch handelnde Band zusehends wütender geworden und das müsse jetzt raus. An den Texten, plumpe Parolen findet man hier nicht, erkennt man keine übermäßige Politisierung, wohl aber findet man in ihnen einen gewissen fatalistischen Weltschmerz. Es hat Gründe, dass auch <em>das</em> ein Wort ist, das es ins Englische geschafft hat.</p>
<p>Die Musik dazu ist gut treibend, <em>kurzweilig</em> im besten Sinne und bisweilen (Reinhörempfehlung: „Top-Sellers Banquet“) beinahe <em>tanzbar</em>. <span class="musik-review-bandname">La Dispute</span> sind hier wie <span class="musik-review-bandname">The Fall</span> auf Speed und die <span class="musik-review-bandname">Pixies</span> auf Techno, sowohl die Post als auch das Hardcore in „Post-Hardcore“. Gepaart mit der dem Album innewohnenden Verzweiflung an der Welt und <em>dem ganzen Rest</em> ergibt das ein gutes Stück Musik, von dem man entweder depressiv oder geradezu ansteckend fröhlich wird. Bei jedenfalls mir war’s Letzteres.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Download und/oder Tonträger (Letztere nur bei Amazon):</span> <a href="https://www.amazon.de/One-Was-Driving-Coloured-Vinyl/dp/B0F8K39BCK?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://ladispute.bandcamp.com/album/no-one-was-driving-the-car" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/455795493" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/deaf-club-we-demand-a-permanent-state-of-happiness.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_deaf-club-we-demand-a-permanent-state-of-happiness.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Deaf Club – We Demand a Permanent State of Happiness</span></p>
<p>Apropos nervöse Musik.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Deaf Club</span> klingen an Gesang und Instrumenten eigentlich fortwährend wie vom wilden Affen gebissen. Sie „verlangen“ auf ihrem zweiten Album „andauernde Glückseligkeit“ und das hört man auch. <span class="musik-review-bandname">Deaf Club</span> spielen einen fiebrigen, hochexplosiven Hardcorepunk für Menschen, die heute noch zu wenig Kaffee hatten. Dass das Coverbild des Albums die Friedensbewegung grafisch zitiert, ist ein schönes Detail, das mit dem Inhalt des Albums allerdings kaum korreliert. Friedlich ist hier gar nichts.</p>
<p>„Panik schürenden Punkrock“ nannte das „New Noise Magazine“ das, was <span class="musik-review-bandname">Deaf Club</span> hier anrichten, und dem ist kaum zu widersprechen. „We Demand a Permanent State of Happiness“ ist musikalisches Chaos der angenehmeren Art. Manchmal schrille (gelungene Vorabsingle: „Nihilist for Dummies“), stets aber <em>fiese</em> Gitarren fliegen aus dem Kopfhörer, worüber der <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Justin_Pearson_(musician)" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">sowieso eifrige<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> <span class="musik-review-bandname">Justin Pearson</span> energisch ins Mikrofon schreit, während ein überdrehter Schlagzeuger die Trommelfelle windelweich prügelt. <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span> treffen auf <span class="musik-review-bandname">Dillinger Escape Plan</span>. „We Demand a Permanent State of Happiness“ gibt dem geneigten Hörer fortwährend <em>auf die Fresse</em> und das fühlt sich nicht mal schlecht an.</p>
<p>Live sei es immer besser als auf Platte, heißt es über Rockmusik. Das gehe <em>mehr ab</em>. Nun habe ich <span class="musik-review-bandname">Deaf Club</span> bisher nicht live gesehen, aber wenn da <em>noch</em> mehr geht, fürchte ich, ich muss da sowohl mal hin als auch hinterher dringend meine Ohren untersuchen lassen. Aber das wird’s wert gewesen sein.</p>
<p>Krasse Scheibe.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Download, Kauf:</span> <a href="https://www.amazon.de/Demand-Permanent-State-Happiness-Vinyl/dp/B0FH1D258J?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://deafclub31g.bandcamp.com/album/we-demand-a-permanent-state-of-happiness" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/438721252" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/zatokrev-.bring-mirrors-to-the-surface.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_zatokrev-.bring-mirrors-to-the-surface.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Zatokrev – …Bring Mirrors To The Surface</span></p>
<p><span class="musik-review-bandname">Zatokrev</span>, man ahnt es angesichts des Namens, kommen selbstverständlich – richtig – aus Basel. Zu ihren musikalischen Vorbildern gehören, glaubt man <em>dem Internet</em>, die großartigen <span class="musik-review-bandname">Neurosis</span>, zu Gehör bringen sie folgerichtig schweren, atmosphärischen Postmetal.</p>
<p>Das Album walzt sich ins Gehör wie sonst nur Bayern München durch die Bundesliga, ist dabei aber auch deutlich weniger langweilig. Dabei geben sie dem Hörer genug Zeit, sich auf das einzulassen, was ihm, man muss es wohl so ausdrücken, hier druckvoll widerfährt: Fünf der Stücke sind über neun Minuten lang. Tatkräftige Hilfe erhalten die Schweizer von Kollegen von <span class="musik-review-bandname">Minsk</span>, mit denen sie schon 2018 zusammen ihr bis dahin letztes Studiolebenszeichen, nämlich eine Split-EP, <em>rausgebracht</em> hatten, ebenso wie von einigen weiteren Kollegen aus der <em>Szene</em>. Das Gastspiel des <span class="musik-review-bandname">Zeal-&amp;-Ardor</span>-Frontmanns <span class="musik-review-bandname">Manuel Gagneux</span> („Unwinding Spirits“) ist auf diesem Album nur als folgerichtig zu verstehen.</p>
<p>Beinahe aus dem Rahmen fallen dagegen die beiden sehr gegensätzlichen Stücke „Blood“ und „Faint“: Während Letzteres ein (zu kurzes, aber) wahres Noisegewitter über den unvorbereiteten Hörer einbricht, was <em>mir</em> als altem Krachfreund das Album ja erst so richtig veredelt, nimmt „Blood“ ab etwa der Hälfte der Laufzeit das Tempo etwas heraus. Wer zuhört und jetzt glaubt, er könne kurz verschnaufen, der möge sich damit ein bisschen beeilen, denn bereits im folgenden „The Only Voice“ geben <span class="musik-review-bandname">Zatokrev</span> wieder Vollgas.</p>
<p>„…Bring Mirrors To The Surface“ ist ein musikalischer Mahlstrom, von dem sich mitreißen zu lassen nicht die schlechteste Idee ist. Die Rückkehr an Land hat was Reinigendes. Ich mag das.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Download und Kauf:</span> <a href="https://www.amazon.de/Bring-Mirrors-Surface-Vinyl-LP/dp/B0FDVJ7YKP?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://zatokrev.bandcamp.com/album/bring-mirrors-to-the-surface" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/439179215" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/tv-cult-industry.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_tv-cult-industry.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">TV Cult – Industry</span></p>
<p><span class="musik-review-bandname">TV Cult</span> kommen aus Köln, aber verzichten zu meiner Freude auf Mundartgesang. Das kann man ja von hinreichend bekannten Musikgruppen aus Köln nicht immer behaupten.</p>
<p>Was <span class="musik-review-bandname">Pearl Handled Revolver</span> (siehe oben) für die 70er sind, sind <span class="musik-review-bandname">TV Cult</span> für die (besseren) 80er. Mögt ihr <span class="musik-review-bandname">Joy Division</span> und/oder <span class="musik-review-bandname">Idles</span>? Dann mögt ihr auch <span class="musik-review-bandname">TV Cult</span>. „Industry“, ihr zweites Studioalbum, klingt vor allem <em>dreckig</em>, heiseren Gesang gibt’s gratis obendrauf. Das Album trage, las ich <a href="https://whenthehornblows.com/content/2025/10/9/long-read-tv-cult-on-emerging-from-the-kln-underground-making-80s-inspired-political-art-and-levelling-up-on-their-new-album-industry" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">anderswo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, seinen Namen unter anderem, um der gewaltigen Arbeit Rechnung zu tragen, die in die Produktion des Albums geflossen ist. Kann sein.</p>
<p><em>Gut gemacht</em> ist es auf jeden Fall: Hier und da fließen im Hintergrund des mal wütend, meist frustriert daherkommenden Rhythmusfundaments Synthesizermelodien ein (<em>wie früher</em>), Ohrwurmpotential hat für die, die sich jetzt schon angesprochen fühlen, sowieso vieles, wobei ich mich selbst immer wieder dabei erwische, dass ich ja eigentlich <a href="https://www.youtube.com/watch?v=CggRvQRNk2o" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">noch mal „Overpressure“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hören könnte.</p>
<p>„Aber das ist doch alles schon mal da gewesen!“ mögt ihr jetzt denken. Das verhält sich bei Musik ja in den letzten Jahrzehnten des Öfteren so. Aber muss denn immer alles noch nie da gewesen sein? – Innovation? Nein. Tolle Musik? Ja!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Download, Kauf:</span> <a href="https://www.amazon.de/Industry-Vinyl-LP-TV-Cult/dp/B0FHJF2T1W?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tvcult.bandcamp.com/album/--2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <ahref tidal.com album>TIDAL.</ahref></p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/lut.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_lut.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">LÜT</span></p>
<p>Aus Norwegen stammt das Punkrockquartett mit dem urnorwegischen Namen <span class="musik-review-bandname">LÜT</span>. Zuvor, weiß das Internet, spielten sie seit 2010 als <span class="musik-review-bandname">The Wolves</span> zusammen, nennen sich seit 2015 <span class="musik-review-bandname">LÜT</span> und hatten zwei Alben und diverse Besetzungsänderungen hinter sich gebracht, bevor sie 2022 noch mal von vorn anfingen und nun in Originalbesetzung ein konsequent selbstbetiteltes Album aufnahmen. So weit die Geschichte.</p>
<p>Ein Großteil des hier Enthaltenen ist auf Norwegisch, das gut klingt, aber mir nicht geläufig ist, gesungen, eine Ausnahme ist einzig das auch noch schwächste Lied auf dem Album, „Glücksschmied“, in dem <em>ausgerechnet</em> <span class="musik-review-bandname">Bela B.</span>, wohl selbst der Gruppe zugeneigt und mit den <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> bereits nach ihnen aufgetreten seiend, den ansonsten norwegischen Refrain auf Deutsch singt und eine einigermaßen uninteressante <a href="https://lutnorway.bandcamp.com/track/gl-cksschmied" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Strophe beisteuert<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Das Lied hat es freilich nicht ganz leicht, denn <span class="musik-review-bandname">LÜT</span> machen auch in ihrer Muttersprache Spaß und <em>gehen ab</em>. Eine musikalische Nähe zu zeitgenössischem Deutschpunk (d.h. „Indie“) kann ich ausmachen, verstehe aber immerhin kein Wort. Dafür gibt es ziemlich viele <em>Hummeln im Hintern</em>.</p>
<p>Das Album ist tatsächlich nur etwas über eine halbe Stunde lang, aber die Zeit wird komplett durchgeprescht. Wer Ruhe haben will, der ist hier falsch. Finde ich gut und gehe dazu ab.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream und Vinyl:</span> <a href="https://www.amazon.de/Lüt-Vinyl-LP/dp/B0FC5917G8?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://lutnorway.bandcamp.com/album/l-t" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/443440214" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/jo-montgomerie-ephemeral-rituals.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_jo-montgomerie-ephemeral-rituals.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Jo Montgomerie – Ephemeral Rituals</span></p>
<p>Von der Helen Scarsdale Agency gab es 2025 <em>noch mehr</em> Gutes für die Freunde gepflegter Geräusche. Die mir zuvor unbekannte <span class="musik-review-bandname">Jo Montgomerie</span> aus Manchester etwa, dort etikettiert unter „Musique concrète“, was gar nicht schlecht passt, hat eine sieben Stücke enthaltene CD / einen sieben Stücke enthaltenden Download <em>rausgebracht</em>.</p>
<p>Wer nicht zwingend Rhythmus, Harmonie oder auch nur Melodie braucht, sondern ganz zufrieden damit ist, etwas zu haben, das den Kopf mehr befreit als ihn anzustrengen, ohne dabei in die seichte Fahrstuhl- bzw. Bügelmusik zu kippen, dem könnten die <em>Rituale</em> gefallen. <span class="musik-review-bandname">Jo Montgomerie</span> webt einen Geräuschteppich mit allerlei Zirpen, Phonographenpulsieren, Donnergrollen und auch mal Telefonklingeln (sehr schön: das in Übereinstimmung mit seinem Titel immer näher zu kommen scheinende „you better run“) ins Ohr des <em>unvorbereiteten</em> Hörers, um den sich „Ephemeral Rituals“ wie eine Blase legt und über eine – Helen-Scarsdale-Agency-erfahrene Leser haben das vermutlich schon geahnt – verlassene, aber noch voll funktionstüchtige Fabrik mitten in einer futuristischen Wüstengegend trägt, während er nach und nach nicht nur seine Ängste, sondern unweigerlich auch seine Hoffnung verliert, bevor sie ihn am Schluss (auch gut benannt: das fordernd blechern grollende „everything is silent“) wieder absetzt und verlässt, als wäre nie etwas geschehen.</p>
<p>Ich habe eine Schwäche für Musik wie diese. Sie hat etwas Kathartisches an sich, eine irgendwie <em>befreiende</em> Wirkung eben. Die milde Klaustrophobie, die damit einhergeht, ist ein Nebeneffekt, der wieder verschwindet. Was bleibt, ist Stille.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Stream, Download und/oder Kauf:</span> <a href="https://jomontgomerie.bandcamp.com/album/ephemeral-rituals" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp 1<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://helenscarsdale.bandcamp.com/album/ephemeral-rituals" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp 2<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/baker-beck-wyskida-trzecia-drugi.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2025/12/Vorschau_baker-beck-wyskida-trzecia-drugi.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Baker-Beck-Wyskida – Trzecia (Drugi)</span></p>
<p>Ehemals Supergroupiges zum Schluss.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Baker-Beck-Wyskida</span> waren <span class="musik-review-bandname">Aidan Baker</span> (<span class="musik-review-bandname">Nadja</span> u.a.), <span class="musik-review-bandname">Tim Wyskida</span> (zumindest mir vor allem von <span class="musik-review-bandname">Insect Ark</span> bekannt) und der vor der Fertigstellung des Albums verstorbene <span class="musik-review-bandname">Daron Beck</span> (<span class="musik-review-bandname">Pinkish Black</span>). Enthalten sind vier Stücke zwischen 8:18 und 14:30 Minuten, die vor allem denen gefallen dürften, die gegen instrumentales Elektronisches nichts einzuwenden haben. <span class="musik-review-bandname">Baker-Beck-Wyskida</span> erschaffen große Atmosphäre, ohne dabei so ermüdend zu werden wie weiland <span class="musik-review-bandname">Tangerine Dream</span> in ihren schwächsten Phasen.</p>
<p>Das dritte Stück „Dziewiåty“ poltert nach dem flächigen, hier und da auch mal <em>spacig</em> hüpfenden Beginn ziemlich unerwartet los. Industrial, wo man ihn nicht erwartet, ist mein liebster Industrial. Ich denke kurz an „Ravvivando“ von <span class="musik-review-bandname">Faust</span> und bin entzückt. Dem gegenüber steht das vierte und zweitlängste Stück mit dem <em>kein bisschen verwirrenden</em> Titel „Dziesiåty“, das ähnlich <em>industriellen</em> Klängen eine schwermütige Stimmung zur Seite stellt, die mich an ein Begräbnis denken lässt, dissonant unterstützt. Keine Ahnung, ob <span class="musik-review-bandname">Daron Beck</span> wusste, dass sein Ableben nicht mehr lange dauern würde, aber es würde es erklären. Zu Grabe getragen hat dieses Stück jedenfalls mindestens dieses Album.</p>
<p>Schön, es noch gehört zu haben.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Kassette (!) und Stream:</span> <a href="https://cruelnaturerecordings.bandcamp.com/album/trzecia-drugi" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/480363468" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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</ol>
<hr>
<p>Reicht. Ergänzungen? Gern hier drunter. Genörgel? Später vielleicht. Weiteres, wenn alles Relevante beim Alten bleibt, gibt es hier in einem Jahr.</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li>keine ahnung schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2026/01/musik-12-2025-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">2. Januar 2026</a> dies: Ach, so viele Buchstaben – und so viel Musik. Es war nicht alles schlecht in 2025. Danke!</li><li><a href="https://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2026/01/musik-12-2025-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">2. Januar 2026</a> dies: Immer noch jedoch schreiben Menschen „in 2025“ statt „2025“. Seufz. Gern geschehen.</li><li><a href="https://polemica-blog.jimdofree.com/blog/" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Polemicer<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2026/01/musik-12-2025-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Januar 2026</a> dies: Ergänzung:

Cloakroom – Last leg of the human table 
https://cloakroom.bandcamp.com/album/last-leg-of-the-human-table
(Hat mich ziemlich abgeholt, weil irgendwie Stoner-Downtempo-Hillbillie-Punk-Metal oder so. Genretechnisch schwer festzunageln, i like that kind of stuff.)

(16) – Guide for the misguided
https://16theband.bandcamp.com/album/guides-for-the-misguided
(Schwer, variantenreich, fett)

Unto others – Never, Neverland
(Straighter Metal/Rock mit (glaube) Sisters of Mercy-Gedächtnisgesang, läuft oft auf meinen Geräten)</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2026/01/musik-12-2025-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg08.met.vgwort.de/na/774bcd4474dd44c29804b20c95ec1e3c" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
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		<title>Musik 12/2024 – Favoriten und Analyse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Dec 2024 23:01:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Huch! Ein neues Jahr! Dabei war ich noch gar nicht damit fertig, das alte zu verarbeiten. Selbst in der Musikwelt war einiges los: Die von wenigstens mir gemochten 417.3 haben sich aufgelöst, die tollen Kombynat Robotron haben derweil ein neues Album veröffentlicht. Bei „Betreutes Proggen“ nörgelte Klaus Reckert, dass nach dem Veröffentlichen seiner Jahresbestenliste immer ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2025/01/musik-12-2024-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2024 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Huch! Ein neues Jahr! Dabei war ich noch gar nicht damit fertig, das alte zu verarbeiten. Selbst in der Musikwelt war einiges los: Die von wenigstens mir gemochten <span class="musik-review-bandname">417.3</span> haben <a href="https://tuxproject.de/blog/2024/08/kurzkritik-417-3-strela/" data-wpel-link="internal">sich aufgelöst</a>, die tollen <span class="musik-review-bandname">Kombynat Robotron</span> haben derweil <a href="https://kombynatrobotron.bandcamp.com/album/west-mata" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ein neues Album<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> veröffentlicht. Bei „Betreutes Proggen“ <a href="https://www.betreutesproggen.de/2024/12/colonel-petrovs-good-judgement-madman-theory/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">nörgelte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Klaus Reckert, dass nach dem Veröffentlichen seiner Jahresbestenliste immer noch neue gute Musikalben rauskamen. Es bereitet mir ja immer ein bisschen mehr oder weniger heimliche Schadenfreude, dass jemand lange vor dem Ende eines Jahres eine vermeintliche „Jahresrückschau“ veröffentlicht und dann die wichtigsten Dinge gar nicht drin hat, weil das Jahr noch weitergeht und seine Liste nicht. Hihi.</p>
<p><span id="more-22692"></span></p>
<p>Die nach einem Stück von <span class="musik-review-bandname">Can</span> benannte Motorik-Krautband <span class="musik-review-bandname">You Doo Right</span> hat mit „From the Heights of Our Pastureland“ ein schönes Album voller psychedelischem Gitarrenkrach veröffentlichen lassen, das leider ein paar Schwächen und Längen aufzuweisen hat, die den Hörgenuss doch merklich schmälern und mich unbefriedigt ließen. Schade. Außer Konkurrenz verbleiben diesmal aufgrund früherer Rezensionen die neuen Alben von <a href="https://tuxproject.de/blog/2024/07/kurzkritik-jim-haynes-inconsequential/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Jim Haynes</span></a> und <a href="https://tuxproject.de/blog/2024/09/kurzkritik-faust-blickwinkel/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">faust</span></a>.</p>
<p>Hadmut Danisch <a href="https://www.danisch.de/blog/2024/12/25/hijo-de-la-luna-und-sonstige/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">fragt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, ob das „große Zeitalter“ der Musik „vorbei“ sei. Finden wir es heraus!</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/kreidler-twists-a-visitor-arrives.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_kreidler-twists-a-visitor-arrives.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Kreidler – Twists (A Visitor Arrives)</span></p>
<p>Obwohl sie wieder nur noch zu dritt sind, schaffen <span class="musik-review-bandname">Kreidler</span> es, einen beständigen <em>groove</em> in die Tiefe gehen zu lassen.</p>
<p>Auf dem weitgehend instrumentalen 2024er Album „Twists (A Visitor Arrives)“ herrscht neben einem allgegenwärtigen grollenden Bassfundament ein bemerkenswertes Zusammenspiel aus der guten alten Berliner Schule – es surrt, blubbert und fiept stückweise unentwegt – und entspanntem Jazz vor. Das höre ich so in dieser Kombination auch nicht allzu oft, auch bei <span class="musik-review-bandname">Kreidler</span> war mir der Jazzanteil nie so dominant begegnet. Einen Anteil daran könnten vielleicht auch die Gastbeiträge an Posaune („Polaris“) und Saxophon („Tanger Telex“) haben. „Twists (A Visitor Arrives)“ könnte damit bereits jetzt zu meinem Lieblingsalbum von <span class="musik-review-bandname">Kreidler</span> avanciert sein. Auch mal ein schöner Start ins Jahr (zum Zeitpunkt des Hörens und der Niederschrift ist’s erst der 14. Januar).</p>
<p>In zwei Stücken lassen sich die drei Herren auch stimmlich unterstützen: „Loisaida Sisters“ wird von einem Herrn intoniert, der sich <span class="musik-review-bandname"> Khan of Finland</span> nennt und <em>natürlich</em> in Berlin heimisch ist, während in „Hands“ <span class="musik-review-bandname">Natalia Beridse</span>, die, glaubt man dem Internet, als <span class="musik-review-bandname">TBA</span> <em>(wem?)</em> bekannt geworden ist, irgendwas über Hände erzählt. Obwohl gerade erstgenanntes Stück so nah an der zeitgenössischen Tanzpopmusik ist wie sonst kaum eines von <span class="musik-review-bandname">Kreidler</span>, verwässern die Gastbeiträge doch nicht den gesamten Eindruck. Man habe sich durch meine Empfehlungen gehört und brauche jetzt Therapie, gab man mir anlässlich der letztjährigen Rückschau zu verstehen. Für Freunde von Krautrock, 70er-Elektronik und durchaus auch zeitgenössischer <em>anspruchsvoller</em> Tanzmusik ist „Twists (A Visitor Arrives)“ als Therapie vielleicht durchaus geeignet. Gefallen tut’s jedenfalls schon mal.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Twists-Visitor-Arrives-Vinyl-LP/dp/B0CMSFT7TN?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://kreidler-official.bandcamp.com/album/twists-a-visitor-arrives" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/331434765?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/schubmodul-lost-in-kelp-forest.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_schubmodul-lost-in-kelp-forest.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Schubmodul – Lost In Kelp Forest</span></p>
<p>Bei dem Bandnamen denkt unsereins ja entweder an leichtfüßigen Spacerock oder an schräge Krautelektronik. Beides ist nicht der Fall. <span class="musik-review-bandname">Schubmodul</span> aus Bochum spielen auf „Lost In Kelp Forest“, ihrem zweiten, bereits im Sommer 2023 aufgenommenen Album, stattdessen schwere Kost.</p>
<p>Ich höre Stoner‑, aber auch Postrock. Das Album ist überwiegend instrumentell, doch kommen mehrere gesprochene <em>samples</em> vor, die die Handlung in Form eines Radioberichts sozusagen einrahmen. Es geht offenbar um ein U‑Boot namens Renegade One (so heißt auch das dritte Stück), in dem ohne Genehmigung psychedelische Drogen aus Seetang hergestellt werden oder so. Passt schon, so klingt das Album auch. (Dass momentan – 28. Dezember – <em>ausgerechnet</em> die blaue Version der Platte noch bei Bandcamp zu haben ist und die nicht wasserfarbene nicht, ist zumindest bemerkenswert.)</p>
<p>Vergleiche für diejenigen unter meinen Lesern, die unbedingt Vergleiche brauchen: <span class="musik-review-bandname">Colour Haze</span> und <span class="musik-review-bandname">God Is An Astronaut</span>. Zwischen diesen Polen liegt die Welt von <span class="musik-review-bandname">Schubmodul</span> und sie ist farbenreich. Stoner‑, Space- und Heavy Rock geben einander hier sozusagen die Klinke in die Hand, untermalt von wunderbar atmosphärischen und immer etwas <em>entrückten</em> Gitarrenflächen. In dieser musikalischen Nische war 2024, so weit es meine eigene Aufmerksamkeit betrifft, gar nicht so viel los, bei <span class="musik-review-bandname">Schubmodul</span> stimmt dafür um so mehr. Volle Kraft voraus, sozusagen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Lost-Forest-Ltd-180g-Cokebottlegreen-Vinyl/dp/B0CV6WTQ7F?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://schubmodul.bandcamp.com/album/lost-in-kelp-forest" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/392250918?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/lustmord-much-unseen-is-also-here.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_lustmord-much-unseen-is-also-here.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Lustmord – Much Unseen Is Also Here</span></p>
<p><span class="musik-review-bandname">Lustmord</span> ist der von <a href="https://www.kettererkunst.com/details-e.php?obnr=400506160&amp;anummer=299&amp;detail=1" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">deutscher Malerei<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> inspirierte Künstlername des Walisers <span class="musik-review-bandname">Brian Williams</span>, selbst „der Gustave Doré der Musik“ (Internet), der seit 1980, nach eigener Aussage überredet von Mitgliedern von <span class="musik-review-bandname">Throbbing Gristle</span>, Aufnahmen tätigt, die klingen, wie sie heißen. Live tritt er selten auf, doch Zeit für Aufnahmen nimmt er sich bisweilen.</p>
<p>„Much Unseen is Also Here“, erschienen im März 2024, zu beschreiben ist schwierig. Es ist ein Album, auf dem vordergründig fast nichts passiert und hintenrum wird man traurig. Auf Bandcamp trägt das Album das Etikett „weird shit“, was als Genrebezeichnung mal passen mag, andere mögen’s dronehaltiges Dark Ambient für uns Freunde der gepflegten Langsamkeit nennen und haben damit trotzdem Recht. Es sind <em>Geräusche</em> ohne Gesang, ohne Rhythmus, ohne Melodie, nicht einmal wirklich mit Instrumenten (sieht man von der einzeln klagenden Oboe in „Invocation of the Nameless One“ ab). „Their Souls Asunder“, das fast zwölfminütige sechste der acht Stücke, kommt zumindest vorübergehend mit einer Stimme daher, aber leichte Kost geht trotzdem anders. Der Geist eines Mönchs beschwört wortlos die Toten.</p>
<p>„Much Unseen is Also Here“ ist eines dieser Alben, nach deren durchgehendem Konsum man sich fühlt, als hätte man am selben Tag die Wohnung, die Arbeitsstelle und die Liebe seines Lebens sowie zwei Zähne verloren. Immerhin: Ist eins davon wirklich passiert, dann wird es mit dem Album fast erträglicher. Warum die menschliche Psyche so funktioniert, dass <em>genau dieser Effekt</em> den Hörer fesselt, weiß ich nicht. Ich freue mich, dieses Album gehört zu haben, und das nicht nur, weil es jetzt vorbei ist. Ihr solltet das auch tun.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Much-Unseen-Also-Here-Lustmord/dp/B0CS6WMLT1?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://lustmord.bandcamp.com/album/much-unseen-is-also-here" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/334202220?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/247-diva-heaven-gift.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_247-diva-heaven-gift.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">24/7 Diva Heaven – Gift</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Whatever you do: it’s never enough“</span> (Rat Race)</p>
<p>Täglich und rund um die Uhr im Divenhimmel wähnen sich die drei auf- und abgedrehten Musikerinnen von <span class="musik-review-bandname">24/7 Diva Heaven</span>. Wie der Name schon verrät, haben wir es hier mit einer Musikgruppe aus Berlin zu tun.</p>
<p>Diese nahmen auf ihrem zweiten Studioalbum „Gift“ genau die Art von Musik auf, die von Berlin nicht anders zu erwarten ist: <em>Rotziger</em> Garagenpunk mit Grungeaffinität, <em>natürlich</em> auf Englisch vorgetragen, unter vier Minuten pro Lied. Dass <em>ausgerechnet</em> das Titellied, immerhin nominell fast dreieinhalb Minuten lang, langweilig ausgeblendet statt mit einem <em>anständigen</em> Ende versehen wurde, ist der einzige relevante Kritikpunkt, den ich hier hätte. Dabei nörgele ich doch so gern!</p>
<p>24/7 Diva Heaven klingen nach den 90ern und sehen sich selbst als in der Riot-Grrrl-Tradition stehend, sind aber <em>trotzdem</em> auch in der gegenwärtigen <em>Szene</em> gut vernetzt: Es gab etwa eine gemeinsame Tour mit den meinerseits hochgeschätzten <span class="musik-review-bandname">Team Scheisse</span>, auf „Gift“ wiederum ist (in „These Days“) <span class="musik-review-bandname">Arnim Teutoburg-Weiß</span> von <em>ausgerechnet</em> den <span class="musik-review-bandname">Beatsteaks</span> am Mikrofon zu hören. Das macht aber nichts. „Gift“ ist ein ziemlich rundes Ding (also nicht die Tonträger jetzt, wobei: die natürlich auch) geworden, das die vornehme Zurückhaltung einer Diva nicht etwa schlicht vermeidet, sondern sie mit Anlauf in den Arsch fickt. Ohne Gleitgel.</p>
<p>„Gift“ ist ein erfreulich lautes, dreckiges, kraftvolles Album, das unter all den lauten, dreckigen, kraftvollen Alben des Jahres 2024 immer noch hervorragt. Dafür gibt’s meine Empfehlung.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/GIFT-Limited-Red-Vinyl-Gatefold/dp/B0DBBD7DPX?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://247divaheaven.bandcamp.com/album/gift" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/384339153?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/present-this-is-not-the-end.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_present-this-is-not-the-end.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Present – this is NOT the end</span></p>
<p>Im März 2021 ist <span class="musik-review-bandname">Roger Trigaux</span>, Gitarrist auf den ersten beiden Alben der belgischen Kammerrockband <span class="musik-review-bandname">Univers Zéro</span>, im Alter von 69 Jahren verstorben. Dieser Umstand bedeutet unumgänglich auch das Ende von <span class="musik-review-bandname">Present</span>, derjenigen Musikgruppe, die er nach seinem Ausstieg bei <span class="musik-review-bandname">Univers Zéro</span> im Mai 1979 gegründet hatte, um – im Gegensatz zur eher <em>klassisch</em> orientierten Musik seiner früheren Combo – das „Rock“ in „Kammerrock“ stärker zu betonen und gleichzeitig mehr Platz für seine eigenen Kompositionen zu haben.</p>
<p>Bis zu seinem Tod arbeitete <span class="musik-review-bandname">Roger Trigaux</span> an der hier dargebotenen Musik, die schließlich – das bis dahin letzte Studioalbum „High Infidelity“ stammt von 2001, live kam zuletzt 2009 „Barbaro (ma non troppo)“ auf den Markt – nach langer Zeit ohne Lebenszeichen der Band Anfang 2024 endlich veröffentlicht wurde. Der Titel „this is NOT the end“ sei, ließ man die Hörer wissen, ein Ergebnis des an <span class="musik-review-bandname">Roger Trigaux</span> gerichteten Drängens, mit <span class="musik-review-bandname">Present</span> dürfe es doch noch nicht vorbei sein. Dass dem nun <em>trotzdem</em> wohl so ist, gibt dem Titel eine zusätzliche Metaebene. Ich mag Metaebenen.</p>
<p>Auf dem Album – leider (wie auch die anderen <span class="musik-review-bandname">Present</span>-Alben) nicht auf Schallplatte erhältlich – sind drei Stücke zu finden, namentlich „Contre“ sowie das zweigeteilte Titelstück. Teil 2 kommt auf dem Album vor Teil 1. Das ist witzig. Musikalisch würde ich jetzt von „keinen Überraschungen“ schreiben, denn <em>natürlich</em> klingen Present auch nach über vierzig Jahren noch wie die schlecht gelaunte Gothicschwester von <span class="musik-review-bandname">Univers Zéro</span>. Der <em>klassische</em> Unterbau, der dieser Art von Musik zugrundeliegt, ist auch hier zu hören, wozu <span class="musik-review-bandname">Kurt Budé</span> (Saxophon, Klarinette und Bassklarinette) insbesondere im Titelstück, in dem es eigentlich fortwährend knarzt und brummt, einen nennenswerten Teil beiträgt, begleitet von <span class="musik-review-bandname">Liesbeth Lambrecht</span> (sonst bei <span class="musik-review-bandname">Aranis</span>) an der Violine. Dem gegenüber stehen <span class="musik-review-bandname">Roger Trigaux’</span> schneidende Gitarre und immer wieder – doch – überraschende Ausbrüche in vermeintlich ruhigen Abschnitten. Der avantgardistische Reiz dieser Musik wird von ständigen Tempowechseln unterstrichen, wobei die Musiker es schaffen, nie ungewollt hektisch zu klingen. Manchmal greift der Bandchef zum Mikrofon und rezitiert einen Text, was <em>im Internet</em> mit einer französischen Version von <span class="musik-review-bandname">Captain Beefheart</span> verglichen wird. Passt schon. Keine Ahnung, was er sagt (Französisch hat mich nie interessiert), aber es ist hinreichend gut in die Musik eingebunden, dass es mir <em>eigentlich</em> auch völlig egal ist.</p>
<p>Zum Ende des Albums, in der zweiten Hälfte von „Teil 1“ des Titelstücks also, hin werfen die acht Musiker noch mal alles in die Waagschale, nach einer mehrminütigen orchestralen Eruption klingt das Album ruhig aus. Ein toller Abschluss für eine tolle Karriere. Schade, dass ich nie das Vergnügen hatte, diese Musik live zu erleben.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/This-NOT-End-PRESENT/dp/B0CPJSC4Y7?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://cuneiformrecords.bandcamp.com/album/this-is-not-the-end-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (nur auszugsweise).</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/the-messthetics-and-james-brandon-lewis.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_the-messthetics-and-james-brandon-lewis.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Messthetics and James Brandon Lewis</span></p>
<p>Ungefähr 2016 gründeten die früheren <span class="musik-review-bandname">Fugazi</span>-Mitglieder <span class="musik-review-bandname">Joe Lally</span> und <span class="musik-review-bandname">Brendan Canty</span> gemeinsam mit dem Gitarristen <span class="musik-review-bandname">Anthony Pirog</span>, der vorher <em>nicht</em> bei <span class="musik-review-bandname">Fugazi</span> gewesen war, das Instrumentaltrio <span class="musik-review-bandname">The Messthetics</span>. Anders als <span class="musik-review-bandname">Fugazi</span> spielen sie unter diesem Namen eine Art Jazzpunk.</p>
<p>Nach zwei Alben zu dritt überraschten sie zumindest einen Teil der Musikwelt mit einer Zusammenarbeit mit dem Jazzsaxophonisten <span class="musik-review-bandname">James Brandon Lewis</span>, der mit dem <span class="musik-review-bandname">James Brandon Lewis Quartet</span> („erinnert an den musikalischen Geist von <span class="musik-review-bandname">David Murray</span>, <span class="musik-review-bandname">John Coltrane</span> oder <span class="musik-review-bandname">Albert Ayler</span> und beeindruckt durch ihre überschäumende Energie, Dringlichkeit und Kraft“) einen Deutschen Jazzpreis 2023 in der Kategorie „Band des Jahres international“ bekommen hatte, was ich gar nicht mitbekommen hatte, weil Jazz zwar interessant, aber nicht <em>so</em> interessant ist. Um so schöner, den Herrn jetzt <em>doch noch</em> kennengelernt zu haben.</p>
<p>Und er harmoniert prächtig mit den <span class="musik-review-bandname">Messthetics</span>, wie <a href="https://www.youtube.com/watch?v=wT2jX_Psdg0" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Liveauftritte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> belegen. Zu viert bringen die Musiker weiterhin instrumentalen, <em>tanzbaren</em> Jazzrock mit ordentlich Wumms hervor. Alles auf diesem Album <em>macht Spaß</em>, wenn man – wie ich – für gut gemachte gelegentliche Jazzlastigkeit nichts einzuwenden hat. Und wenn die Welt eines immer, immer zu wenig hat, dann ist es: Spaß.</p>
<p>Da helfe ich doch gern.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Messthetics-James-Brandon-Lewis/dp/B0CT4B79FM?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://themessthetics.bandcamp.com/album/the-messthetics-and-james-brandon-lewis" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/349712741?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/goddess-limax-black-monstranz.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_goddess-limax-black-monstranz.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Goddess Limax Black – monstranz</span></p>
<p>„Göttin Schnegelschwarz“, soso. Immerhin: Langsam sind sie ja, nur nicht unbedingt schleimig. Die sechs Stücke tragen Titel wie „Sabbatheske, die“ und – mit neuneinhalb Minuten Länge das aufmerksamkeitsforderndste Stück – „Die freudenreichen Geheimnisse/Die schmerzhaften Geheimnisse/Die glorreichen Geheimnisse“, zu dessen Instrumentenbeginn diverse christliche Gebete, von Avemaria bis zum Apostolischen Glaubensbekenntnis, angenehm monoton, aber mit etwas zu viel Hall vorgetragen werden. Man muss die Institution Kirche nicht mögen, um dem etwas abgewinnen zu können.</p>
<p>Trotz dieser quasi wie eine Monstranz <em>(hehe)</em> zur Schau getragenen Andächtigkeit bleibt die Fantasie erhalten: Gesang im eigentlichen Sinne gibt es hier nicht.</p>
<p>Die drei Österreicher in klassischer Rockbesetzung (plus Synthesizer, der, wenn mich mein Gehör nicht trügt, gern für Hintergrundklangflächen zum Einsatz kommt) nehmen sich auf ihrem bereits Anfang Januar 2024 veröffentlichten, doch bereits 2023 aufgenommenen Album „monstranz“ jede Menge Zeit, hier gibt es kaum mehr als schleppenden Doom mit mächtigen Drones. Genau das, was ich jetzt brauche!</p>
<p>Bisweilen wird das Grollen von schweren Gitarrenriffen zerschnitten, ohne dass diese ihm dabei wirklich Einhalt gebieten könnten. Ein unaufhaltsamer, aber zähflüssiger Mahlstrom bohrt sich ins Ohr.</p>
<p>„monstranz“ wirke „wie ein Versuch, inmitten all des Chaos’ Ordnung zu finden“, <a href="https://www.betreutesproggen.de/2024/03/goddess-limax-black-monstranz/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">schrieb<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Raphael Lukas Genovese im März und hat damit <em>natürlich</em> völlig Recht.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/dp/B0CV398VNJ?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://goddesslimaxblack.bandcamp.com/album/monstranz" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/344337989?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/monkey3-welcome-to-the-machine.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_monkey3-welcome-to-the-machine.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Monkey3 – Welcome To The Machine</span></p>
<p>Vier Schweizer gehen auf’s Ganze (so hätte es früher als deutscher Film geheißen) und veröffentlichten mit „Welcome To The Machine“ im Februar 2024 ein Album, das sie selbst ein „Magnum Opus“ nennen, ein <em>großes Werk</em> also. Rein von der Länge her mag das stimmen, kommen <span class="musik-review-bandname">Monkey3</span> doch mit nur fünf Stücken auf eine solide Laufzeit von fast fünfzig Minuten.</p>
<p>Das Titelbild des Albums zeigt ein futuristisches Dingsda im Weltall und passend hierzu nutzen die Musiker diese Laufzeit, um in gewohnt hoher Qualität außerweltliche Klangflächen zu malen. In diese Zeit drücken sie aber, wie auch auf vorherigen Alben, keinen Gesang hinein, sondern füllen sie mit treibendem Schlagzeug und singenden Gitarren. Ein „Meisterstück der psychedelischen Rockmusik“ nannte ein Rezensent irgendwo <em>im Internet</em> dieses Album und das ist nicht mal unbedingt übertrieben. Nach einem Science-Fiction-würdigen <em>intro</em> brettern die Musiker direkt los und halten das Tempo erst mal. Das wenigstens in seiner ersten Hälfte entspannt <em>groovende</em> „Collision“ kann die nervöse Grundstimmung des Albums nicht kaschieren und soll das wahrscheinlich auch gar nicht. Dass das Mittelstück „Kali Yuga“ in <span class="musik-review-bandname">God-Is-an-Astronaut</span>-Gewässern fischt, soll mir altem Postrockfreund ja nur recht und billig sein.</p>
<p>Auf „Welcome To The Machine“ gehe es, heißt es, um den Konflikt zwischen Mensch und Maschine. Den kann wohl jeder nachempfinden, der schon mal mit Linux arbeiten musste. Unter anderem in Ermangelung von Texten ist es nicht leicht, diesem Konzept inhaltlich zu folgen. <a href="https://www.thesleepingshaman.com/reviews/monkey3-welcome-machine/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Rob Walsh<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schlug daher vor, „Welcome To The Machine“ nicht an diesem Konzept zu messen, sondern es als das zu betrachten, was es ist: Ein durchweg gelungenes Musikalbum einer durchweg gelungenen Band. <em>More of the same</em> ist es sicherlich: Wer <span class="musik-review-bandname">Monkey3</span> bestellt, der bekommt auch <span class="musik-review-bandname">Monkey3</span>. Aber wie albern wäre es, darüber zu klagen?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Welcome-Machine-Vinyl-LP-Monkey3/dp/B0CQNTZQS9?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://monkey-3.bandcamp.com/album/welcome-to-the-machine" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (auch hier wieder nur auszugsweise), <a href="https://tidal.com/browse/album/327779348?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/halma-driving-by-numbers.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_halma-driving-by-numbers.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Halma – Driving by Numbers</span></p>
<p>Apropos Postrock.</p>
<p>Deutlich langsamer als die Schweizer (ironisch, nicht?) gehen die Hamburger <span class="musik-review-bandname">Halma</span>, wiederkehrende Leser <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/01/kurzkritik-so-melancholisch-muss-man-erst-mal-sein-halma-granular/" data-wpel-link="internal">erinnern sich</a> an sie, nach fünf Jahren ohne ein neues Album auf den vier Stücken von „Driving by Numbers“ zu Werke. Gesungen wird nicht (interessehalber: warum gibt eine Hamburger Musikgruppe einem weitgehend textlosen Album einen englischsprachigen Titel?), dafür wird ordentlich <em>gegroovt</em>. Dass so ein E‑Bass, hier seit einigen Jahren von <span class="musik-review-bandname">Gundi Voigt</span> bedient, ein fantastisches Melodieninstrument ist, ist in diesem <em>Genre</em> (allein das Wort schon!) keine unbekannte Feststellung, doch sie will auch weiterhin gemacht werden. Diese Ehre erweise ich ihr gern.</p>
<p>Unter dem Bass – auch mal eine interessante Schichtung – wird von Bariton- und anderer Gitarre ein dichtes Netz gewoben. Falls er mal runterfällt. Herz- und Kernstück des Albums scheint dabei der „Slow Song“ zu sein, der, mit seinem Titel in die Irre führend, gar kein Song (dt. „Singstück“), aber durchaus <em>slow</em> und folgerichtig dreizehn Minuten lang ist. Wer langsamer erzählt, dem sei auch mehr Zeit vergönnt. Mitten in diesem „Song“ nämlich, der Weg dahin wird treffend gepflastert, scheint die bis dahin gewohnt gemächliche Gruppe kurz zu eskalieren, sägender Noise fegt irrlichternd über das Fundament; schnell aber besinnen sich die vier Musiker wieder dessen, was sie eigentlich tun wollten, und kehren dorthin zurück, wo dann auch das letzte, das Titelstück anschließt (das zwar durchaus mit Text beginnt, aber nicht mit englischsprachigem Gesang, sondern mit anderssprachigen Wortsamples; versteh’ ich nicht), nämlich zu mitwippbarem Postrock mit krautrockigem Motorikschlagzeug. Als Verbeugung vor ihrer eigenen Geschichte und insbesondere ihren früheren Alben lassen <span class="musik-review-bandname">Halma</span> dieses Titelstück ambient ausklingen, und obwohl ich Ambientmusik schrecklich langweilig finde, fällt mir nichts ein, was ich hieran auszusetzen hätte.</p>
<p>Schönes Album, auch wenn’s mir etwas zu kurz vorkommt; was bei ungefähr vierzig Minuten Gesamtlaufzeit aber auch nicht mehr ist als ein Gefühl. Gefühle sind ja immer so eine Sache. Mich freut, dass es <span class="musik-review-bandname">Halma</span> noch gibt. Mögen viele weitere Alben folgen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Driving-Numbers-Halma/dp/B0CZWJC245?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://kapitaenplatte.bandcamp.com/album/driving-by-numbers" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/359628612?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/so-far-as-i-know-awe.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_so-far-as-i-know-awe.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">So Far as I Know – Awe</span></p>
<p>Noch mal etwas Postrock, weil nur schwere Gitarren vieles, was 2024 („in 2024“, wie Menschen, deren Umgang mit Sprache einer Prügelei gleichkommt, es nennen) geschehen ist, erträglich machen konnten: Aus Russland <em>(buh!)</em> kommt <span class="musik-review-bandname">Sergei Guselnikov</span> und damit auch sein Einmannprojekt <span class="musik-review-bandname">So Far as I Know</span>.</p>
<p>Dass eine Sängerin namens <span class="musik-review-bandname">Katya Zlobina</span>, die, verrät <em>das Internet</em>, sonst für eine Ambientgruppe namens <span class="musik-review-bandname">Vena Portae</span> singt, im zweiten Stück, „Tana Mao“, einen mir unverständlichen Text intoniert, ist das Einzige, das mich am Album „Awe“ stört, denn auch dieses Stück ist recht <em>ambient</em> geraten. Ambientmusik finde ich schrecklich ermüdend. Es hält mich jedoch der Rest des Albums quasi <em>in awe</em>, denn die übrigen sieben Stücke, jedes – der Stilrichtung zum Trotz – unter sieben Minuten lang, wobei das Titelstück „Awe“ es nicht einmal auf derer zwei schafft, exerzieren das vorzügliche <em>Laut-Leise-Spiel</em> des Postrocks auf gelungene Art durch.</p>
<p><em>Natürlich</em> gibt es auch hier Alleinstellungsmerkmale, sonst wäre das Album die Aufnahme in diese Liste nicht wert; am deutlichsten vielleicht das immer mal wieder anklingende Spiel mit der musikalischen <em>Unsauberkeit</em>. Das Stück „When Stars Collide and Fall Upon Us“ etwa klingt genau, wie es heißt, nämlich nach Kollision und trudelndem Absturz: auch die Gitarren brettern hier nicht nur in einem fort, sondern sie stolpern und stürzen, was ich so auch nur selten gehört habe. Von solchen Momenten gibt es auf „Awe“ (dem Album) manchen, was mir dem geneigten Postrockgeneigten selbiges Album zu empfehlen geradezu aufdrängt. Hiermit geschehen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/dp/B0CVBLQ1BL?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://sofarasiknow.bandcamp.com/album/awe" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/344613082?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/gurriers-come-and-see.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_gurriers-come-and-see.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Gurriers – Come and See</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I want that sentimental feeling to come right back online.“</span> (Des Goblin)</p>
<p>Wir bleiben bei der Post, wechseln aber in den Punk, denn <span class="musik-review-bandname">Gurriers</span> aus Dublin sind eine erstklassige Postpunkband, stilecht mit grollendem Bass und, hier und da, Noiserock- und Shoegazestreusel, die den Kuchen „Come and See“ perfektionieren und nicht nur verzieren. Ich kam und sah (akustischerweise) und war verzückt.</p>
<p>Ich höre (Banause, der ich bin) <span class="musik-review-bandname">Kaiser Chiefs</span>, <span class="musik-review-bandname">Fontaines D.C.</span> und eine ordentliche Portion <span class="musik-review-bandname">The Fall</span> („Des Goblin“). <span class="musik-review-bandname">Gurriers</span> beherrschen ruhige Momente ebenso wie das Reinsteigern in die Ekstase („Sign of the Times“). Keine negativen Überraschungen, dafür positive Erfahrungen. Man solle dazu „tanzen, als würde niemand zusehen“, <a href="https://www.clashmusic.com/reviews/gurriers-come-and-see/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">schreibt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Julia Mason. Mach‘ ich und schweige derweil.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Come-See-Vinyl-LP-Gurriers/dp/B0D3M2Q2CB?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://gurriersdub.bandcamp.com/album/come-and-see" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/386014214?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/outlander-acts-of-harm.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_outlander-acts-of-harm.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Outlander – Acts of Harm</span></p>
<p>Apropos Postpunk: Einen hab’ ich noch!</p>
<p>Aus dem Heimatland des Postpunks, genauer: aus Birmingham, stammt das Quartett <span class="musik-review-bandname">Outlander</span>. Allzu aktiv sind sie nicht, die Veröffentlichungen betreffend, seit dem Vorgängeralbum „The Valium Machine“ sind immerhin ungefähr fünf Jahre vergangen. Obwohl <em>natürlich</em> eine gewisse Retroartigkeit dem Stil selbst anhaftet, klingt „Acts of Harm“ erfreulich zeitlos. Ich mag das.</p>
<p>Entstanden sei „Acts of Harm“, lässt man die Hörer wissen, anfangs isoliert (es gab wohl irgendwo eine größere Epidemie von irgendwas), dann per Zusammenfügens des Stückwerks. Es gehe um die Versöhnung mit dem Erwachsensein und das „fragile Gleichgewicht der Normalität in der modernen Gesellschaft“. Wie passend.</p>
<p>In der Tat vereinen <span class="musik-review-bandname">Outlander</span> auf „Acts of Harm“ Verzweiflung mit Hoffnung beziehungsweise musikalische Kälte mit verheißungsvollen Melodien. Hier und da, gerade im letzten Teil des Albums, schlägt der Postpunk in Postrock um, Gitarrenwände eingeschlossen, aber die Grundstimmung bleibt bestehen. „Acts of Harm“ ist so grau wie sein Titelbild, aber die Wolken lichten sich immer mal wieder, um zu signalisieren, dass nicht alles trüb bleiben wird, als reichte die Musik immer mal wieder ein Seil, um sich selbst aus dem Treibsand zu ziehen. Acts of Harm? Acts of Hope. Auch ein unterschätztes Gefühl im Jahr 2024.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://outlandertheband.bandcamp.com/album/acts-of-harm" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/355569448?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/the-hard-quartet.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_the-hard-quartet.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Hard Quartet</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Rustling up some liquid hash to make some colours flash“</span> (Heel Highway)</p>
<p>Die Musikgruppe des Namens <span class="musik-review-bandname">The Hard Quartet</span> ist tatsächlich ein Quartett, bestehend aus <span class="musik-review-bandname">Emmett Kelly</span>, <span class="musik-review-bandname">Stephen Malkmus</span>, <span class="musik-review-bandname">Matt Sweeney</span> und <span class="musik-review-bandname">Jim White</span>, jeweils bekannt aus anderen musikalischen Zusammenhängen, wobei <span class="musik-review-bandname">Malkmus’ Pavement</span> vermutlich der bekannteste Zusammenhang sind.</p>
<p>Musikalisch bedient wird sich bei Gruppen wie <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span>, <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span> und den <span class="musik-review-bandname">Dandy Warhols</span>: Es gibt irgendwie <em>dreckigen</em>, verwaschenen 70er-Jahre-Rock’n’Roll mit Lo-Fi-Attitüde und mächtig Druck auf die Ohren. Abwechslung ist trotzdem gegeben: Auf das <em>punkige</em> „Renegade“ etwa folgt mit „Heel Highway“ direkt ein ruhiges Stück, an anderer Stelle werden Glam Rock („Chrome Mess“) oder Hardrock („Action for Military Boys“) gewürdigt. Damit es nicht langweilig wird.</p>
<p>Apropos „nicht langweilig“: Gesang ist gerade bei einem von mehreren Teilnehmern gleichzeitig komponierten Album oft ein <em>schwieriges</em> Kriterium (regelmäßige Leser wissen, dass ich Musikalben gern mal nur deshalb nicht empfehle, weil der Vokalinterpret zu oft nicht die Klappe hält), aber die Stimme von <span class="musik-review-bandname">Stephen Malkmus</span>, der hier den Großteil des Gesangs absolviert, passt zur Musik wie Faust aufs Auge, Arsch auf Eimer oder andere Dinge, die gut zueinander passen. „The Hard Quartet“ (das Album) ist eine gelungene Verbeugung vor einer der Hochzeiten der Rockmusik und ich kann <em>nicht mal da</em> etwas finden, das mich stört.</p>
<p>Wie ärgerlich. Wie schön.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Hard-Quartet/dp/B0DCS12GL2?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://thehardquartet.bandcamp.com/album/the-hard-quartet" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/386875552?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/oranssi-pazuzu-muuntautuja.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_oranssi-pazuzu-muuntautuja.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Oranssi Pazuzu – Muuntautuja</span></p>
<p>„Muuntautuja“ ist Finnisch und heißt Transformator. Entsprechend elektronisch gehen <span class="musik-review-bandname">Oranssi Pazuzu</span> auf ihrem so benannten 2024er Studioalbum zu Werke.</p>
<p>Ich fühle mich nicht nur einmal an <span class="musik-review-bandname">Cave In</span> erinnert, das geht beim Eröffner „Bioalkemisti“ schon los. Die erste Assoziation: Heiser intonierter Tanzmetal (oder heißt das noch „EBM“ wie <em>früher</em>?). Die Produktion „ersticke“ das Album auf eine nicht etwa störende, sondern sogar gefällige Art mit Verzerrungen aller Art, las ich so ähnlich anderswo und stimme zu. „Muuntautuja“ ist im Wesentlichen ein einziges Fuzzgewitter und ich mag es.</p>
<p>In irgendein <em>Genre</em> stecken lassen die Musiker das Album trotzdem nicht, das wäre auch zu langweilig. Es ist <em>irgendwie</em> auch Black Metal und Stoner Metal, es ist die Musik zu einem Horrorfilm, der in einer Achterbahn spielt, aber <span class="musik-review-bandname">Oranssi Pazuzu</span> erschaffen hier etwas <em>noch</em> Großartigeres, Atmosphärischeres, was sicher auch durch die Synthesizerflächen (das von einem fast schon sanften Rhythmus getragene „Hautatuuli“ ginge über weite Teile beinahe als Trip-Hop-Stück durch) hervorgerufen wird. Im reichlich geräuschverzierten Fastzehnminüter „Ikikäärme“ blitzt, Flügelspiel sei Dank, auch (ziemlich guter) Kammerprog hervor, der für <span class="musik-review-bandname">Present</span>genießer (hierzu siehe weiter oben) gar nicht <em>so</em> herausfordernd sein dürfte.</p>
<p>Mein Fazit: Eine, nun ja, <em>krasse</em> Scheibe. Nichts für schwache Nerven oder solche Menschen, die selbige gern behalten würden. „Muuntautuja“ sollte man als sportliche Herausforderung begreifen. Der Sport: Dazu abhotten. (Sagt man das noch, „abhotten“?) Ich fang’ schon mal an.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Muuntautuja-Oranssi-Pazuzu/dp/B0DBGS3BL9?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://oranssipazuzu.bandcamp.com/album/muuntautuja" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/374330710?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/tess-parks-pomegranate.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_tess-parks-pomegranate.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Tess Parks – Pomegranate</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„It feels like everyone should be dancing / maybe I should be dancing“</span> (Koalas)</p>
<p>Zur Abwechslung mal wieder ein etwas ruhigeres Album von einer etwas ruhigeren Künstlerin. <span class="musik-review-bandname">Tess Parks</span> ist eine kanadische, jedoch in London wohnende Liedermacherin, die seit 2013 mittlerweile fünf Alben <em>rausgebracht</em> hat, wobei zwei davon mit <span class="musik-review-bandname">Anton Newcombe</span> (<span class="musik-review-bandname">The Brian Jonestown Massacre</span>) zusammen entstanden sind, „Pomegranate“ jedoch nicht. Glaubt man ihren Beiträgen in <em>sozialen Medien</em>, so verehrt die Künstlerin unter anderem <span class="musik-review-bandname">Oasis</span> und die Hippiekultur. Das merkt man.</p>
<p>Eine „Pomegranate“ nennt man hierzulande meist einen Granatapfel. Früher nahm man Granatäpfel gegen Durchfall, heute gegen schlechte Laune: „Pomegranate“ ist ein Album mit entspanntem Artpop für den Sommerabend auf der Veranda.</p>
<p>Den Stil nennt der Pressetext „nouveau-delic“, also neudelisch. Mit der indischen Hauptstadt hat das nichts zu tun. Ich höre <em>natürlich</em> Einflüsse des 90er-Pops, eine ordentliche Portion dessen, was im Radio „Classic Rock“ heißt, aber damals als Hippiemusik <em>gemeint</em> war, und durchaus auch <span class="musik-review-bandname">Nick Cave</span> und <span class="musik-review-bandname">Leonard Cohen</span>. Das ergibt Sinn, denn <em>eigentlich</em> wollte sie aufgrund einer posttraumatischen Belastungsstörung, sofern <em>das Internet</em> <a href="https://whenthehornblows.com/content/2024/10/23/album-review-tess-parks-pomegranate" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">nicht lügt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (und das tut es bekanntlich nie), nie wieder Musik aufnehmen, doch haben ihre Mitmusiker, auf „Pomegranate“ sind es derer sieben, sie mit ein paar Musikvorschlägen davon überzeugt, doch weiterzumachen. Das finde ich sehr nett von ihnen. Das Album klinge, informiert der Pressetext weiter, nach Sehnsucht, Herzschmerz, aber auch Leichtigkeit und Freude. Stellt euch das mal kurz vor. Stellt ihr es euch vor? So klingt „Pomegranate“.</p>
<p>Möge <span class="musik-review-bandname">Tess Parks</span> ihren Antrieb nicht allzu bald wieder verlieren.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Pomegranate-Vinyl-LP-Tess-Parks/dp/B0DB2PJLWQ?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tessparks.bandcamp.com/album/pomegranate" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/374237931?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/zeug-vessel.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_zeug-vessel.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">zeug – Vessel</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„The secret of joy / keeps me awake“</span> (D.A.R.V.O.)</p>
<p>Mehr gute Neuigkeiten: Nach ein paar Download-EPs, zum Teil noch in anderer Besetzung – einzig Bassist und Sänger <span class="musik-review-bandname">Vladislav Overchuk</span> ist seit der ersten Demo-EP von Januar 2015 dabei -, hat das Berliner Trio <span class="musik-review-bandname">zeug</span> (konsequent klein geschrieben) endlich Leuten wie mir, die ihm schon recht früh mit der Frage nach <em>richtigen</em> Tonträgern auf die Nüsse gegangen sind, eine kaum in Worte zu fassende Freude gemacht und im Juni 2024 mit „Vessel“ sein erstes Vollzeitalbum auf Schallplatten <em>rausgebracht</em>. Schallplatte<em>n</em>? Ja: Es sind derer zwei, wobei lediglich die vierte Seite mehr als ein Stück (nämlich „Holst“, etwas über 14 Minuten, und „Stoned in a Queer Age“, etwas unter neun Minuten lang) enthält.</p>
<p>Drunter machen sie’s nicht.</p>
<p>Ihren sowieso schon interessanten Stilmix aus Postrock, Doom und 70er-Psychedelik entwickeln <span class="musik-review-bandname">zeug</span> auf „Vessel“ weiter. Vieles, schon ab dem ersten Stück „Hydras“, atmet den Geist der Krautimprovisation. Die Texte werden weitgehend auf Englisch, zum Teil („Sete“, „D.A.R.V.O.“) auch auf Russisch gesungen, klingen aber trotzdem nicht schlecht. Das ist bei deutschen Musikgruppen ja auch nicht selbstverständlich. Klang ist den Musikern im Allgemeinen sehr wichtig: Einige Tonspuren, darunter Blechbläser, wurden im Großen Wasserspeicher in Berlin aufgenommen, um dessen besondere Klangeigenschaften zunutze zu machen. Nun bin ich kein Tontechniker und kann diese Angaben daher nicht qualifiziert überprüfen, doch als Konsument bin ich vom Ergebnis nicht weniger als begeistert.</p>
<p>Abseits der Beiträge von Gastmusikern wurde, informieren <span class="musik-review-bandname">zeug</span> des Weiteren, das Album ohne jede Nachbearbeitung live an Bord der <a href="http://ms-loretta.de" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MS Loretta<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, mithin auf der Weser, aufgenommen. Es ist nicht alles schlecht in Bremen. Zum ersten Mal deutlich zum Einsatz kommen die Bläser in den letzten Minuten des zweiten Stücks „Sete“, wo sie die Stimmen der Sänger, es scheinen hier mehrere zu sein, als Teil der anschwellenden Doomkulisse langsam ertränken. Ergibt da schon Sinn, das mit dem Schiff. „D.A.R.V.O.“ beginnt mit eineinhalb Minuten Walzengeräuschen, und kaum will man nachsehen, was da beim Abspielen schiefgelaufen ist, setzen auch schon rumpelnd Schlagzeug und Bass ein. Eine Art Verschnaufpause ist das Stück trotzdem, denn gerade nach dem aufgekratzten „Sete“ ist der eher <em>coole</em> Postpunk der ersten paar Minuten geradezu ein Fels in der Brandung. Dass sich schnell immer weitere Spuren dazugesellen, bis sich (wieder) das Bahn bricht, was man wohl „geordnetes Chaos“ nennen kann, versteht sich von selbst. In der zweiten Hälfte gibt es ein kleines Päuschen in Form von Kammermusik mit Fagott, bevor der finale Klagegesang dieser Plattenseite einsetzt: <span class="musik-review-lyrics-inline">„Before you break me now / my hand slips out / and my head breaks out“</span>. Mitreißend.</p>
<p>„Stoned in a Queer Age“ ist nicht nur das mit Abstand kürzeste, sondern auch das merkwürdigste Stück auf „Vessel“: Es beginnt (textlich und musikalisch) beinahe wie ein Schlaflied und bleibt fast vier Minuten lang so, einzig vorangetrieben von energischem Trommeln. In der zweiten Hälfte hauen <span class="musik-review-bandname">zeug</span> allerdings, wie man so schön sagt, noch mal <em>auf die Kacke</em>, Blechbläser <em>und</em> beinahe erdrückten, aber <em>wütenden</em> Gesang <em>und</em> Punkrhythmusgitarre inbegriffen. Dass <span class="musik-review-bandname">zeug</span> hier buchstäblich bis zur letzten Minute des sowieso schon ambitionierten Debütalbums sozusagen den Fuß auf dem Gas lassen, spricht für sich und für es und für sie.</p>
<p>Es habe Projektmittel „der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien“ gegeben, informiert die Bandcampseite zum Album. Endlich tut mal einer was. „Vessel“ ist – jedenfalls <em>jetzt gerade</em> – mein Lieblingsalbum des Jahres 2024. Diese Auszeichnung vergebe ich ja nicht ganz so oft (d.h. genau einmal) und will also was heißen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://zeug.bandcamp.com/album/vessel" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Reicht.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/grundeis-every-second-an-ocean.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_grundeis-every-second-an-ocean.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Grundeis – Every Second an Ocean</span></p>
<p>Die Shoegazegruppe <span class="musik-review-bandname">Grundeis</span> aus Hamburg vereint drei Dinge, die ich mag: Shoegaze, Hamburg und einen Namen, mit dem man Wortspiele machen kann („mir geht der Arsch auf“ selbiges, zum Beispiel).</p>
<p>Bevor Frontfrau <span class="musik-review-bandname">Laura Müller</span>, die nur unter Zuhilfenahme ihres Namens im Internet zu finden auch nicht <em>so</em> leicht ist, im kommenden Februar wieder unter dem <em>anders</em> interessanten Namen <span class="musik-review-bandname">Undinyx</span> soliert, legt <em>ihre</em> Band noch schnell den Nachfolger ihres mir bisher unbekannten Debütalbums „Amygdala“, nämlich „Every Second an Ocean“, vor. Katrin Riedl vom „Metal Hammer“ findet, das Album sei zu lang (es seien immerhin 14 Stücke drauf). Das macht nichts, die etwas über 43 Minuten Zeit habe ich heute gerade noch.</p>
<p>Diese etwas über 43 Minuten füllen die Musiker mit einer bisweilen hypnotischen („As Close As It Gets“), manchmal ruhigen („Every Second an Ocean“), immer aber <em>fordernden</em> Melancholie, die breitflächig daherkommt und trotzdem <em>(Sprachbilder in Musikrezensionen sind ja immer so eine Sache)</em> zerbrechlich bleibt, wobei der Sängerin bemerkenswert emotionaler Stimme sicherlich ein großer Anteil an der perfekten Verzahnung von Stimmung und Musik zuteilkommt. Dass manche Wechsel etwas überraschend scheinen, so löst etwa das für <span class="musik-review-bandname">The-Cure</span>-Freunde vermutlich <em>noch</em> genussbietendere, schwungvolle „Ignoring People“ die letzten Klänge des den Hörer sanft wiegenden Titelstücks ab, spricht für die Klasse, die Grundeis hier beweisen.</p>
<p>„Zu lang“. Pfff. Der „Metal Hammer“ ist zu lang. „Every Second an Ocean“ hingegen ist <em>genau richtig</em>. Chapeau.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/dp/B0DHCSNJFH?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://grundeis.bandcamp.com/album/every-second-an-ocean" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/388087356?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/ulnaris-futur-passe.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_ulnaris-futur-passe.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Ulnaris – futur passé</span></p>
<p>Mal wieder etwas Albernes zwischendurch. Das kann ich guten Gewissens kurz halten, denn „futur passé“, fünf Lieder und keine vierzehn Minuten lang, ist es auch.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Ulnaris</span> kommen aus dem Saarland, <em>natürlich</em> wird auf Französisch gesungen. Dies übernimmt <span class="musik-review-bandname">Élodie Brochier</span>, namentlich das einzige Bandmitglied, zu dem das auch passt. Nun ist es ja so, dass ich mit französischsprachigem Gesang bekanntlich kaum etwas anzufangen weiß, weil ich die Sprache weder beherrsche noch mag, sieht man von der abgedrehten Avantgarde ab. So ist es auch hier, denn das, was die drei Musiker und eine Sängerin hervorbringen, muss man wohl als eine Art Avantgardepunk bezeichnen.</p>
<p>Im Grunde nämlich funktioniert die Musik von <span class="musik-review-bandname">Ulnaris</span> jedenfalls auf „futur passé“ so, dass Gitarre, Bass und Schlagzeug ein nur auf den ersten Blick gewöhnliches Punkfundament legen, dessen stilistische Vorhersehbarkeit aber hier gefesselt und geknebelt in den Keller gesperrt wurde. Oft hat Punk Berührungspunkte mit Ska und Reggae, der Punk von <span class="musik-review-bandname">Ulnaris</span> berührt <em>alles</em>. Darüber singt, flüstert und jubelt <span class="musik-review-bandname">Élodie Brochier</span> auf eine derart verspielte Weise, dass es eine wahre Freude ist.</p>
<p>Zu meinem Bedauern gibt es „futur passé“ nur als Download und/oder Stream, daher schreibe ich hier nicht: Was für eine verrückte, geile Scheibe! Stattdessen schreibe ich also: Was für ein verrückter, geiler Download und/oder Stream! Davon gern mehr.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://ulnaris-sulcus.bandcamp.com/album/futur-pass-4" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/405381976?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/the-body-the-crying-out-of-things.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_the-body-the-crying-out-of-things.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Body – The Crying Out of Things</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Dreams are worthless while in the hold of what we now know“</span> (Last Things)</p>
<p>Ich mag ja Musikalben, die so heißen, wie sie klingen. „The Crying Out of Things“ ist eines von ihnen.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Bert Kaempfert</span> hat mal gesagt, er möchte „Musik machen, die nicht stört“, ich jedoch möchte Musik <em>hören</em>, die stört. Hier bin ich richtig aufgehoben, hier fühle ich mich wohl. Dabei beginnt es mit „Last Things“ noch beinahe <em>harmlos</em>, als hätten <span class="musik-review-bandname">Aereogramme</span> sich von <span class="musik-review-bandname">Trent Reznor</span> produzieren lassen. Zum Glück täuscht das.</p>
<p>Nahezu alles, was nach den ersten paar Momenten auf „The Crying Out of Things“ geschieht, ist nämlich das <em>genaue Gegenteil</em> von Harmlosigkeit, mithin ein aus elektronischer Tanzmusik, <span class="musik-review-bandname">Joy-Division</span>-Bootlegs („All Worries“) und exorzistisch wertvoller Urschreitherapie gekonnt komponierter <em>Krach</em>, von dem ich noch während des Hörens das dringende Bedürfnis bekam, mir erst mit einem Hammer auf die Finger zu hauen und dann die Schallplatte zu kaufen. Die ist ganz hübsch, wenn ich das richtig gesehen habe. Deutlich aus dem Rahmen fällt allenfalls das zweieinhalbminütige „The Citadel Unconquered“, das sich auch von einem der <em>härteren</em> Nebenprojekte von <span class="musik-review-bandname">Godspeed You! Black Emperor</span> nicht allzu schlecht machen könnte.</p>
<p>Irgendwo <em>im Internet</em> las ich, dieses Album höre sich an wie der Moment, an dem man das Bewusstsein nach einem Autounfall verliert und/oder zurückerlangt. Kann schon sein. Es ist ganz großartiger Radau für Menschen wie mich, die Musik mögen, die jede Tanzfläche augenblicklich leeren. Warum tanzen, wenn man sich auch anders abregen kann?</p>
<p>Gefällt mir.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Crying-Out-Things-Body/dp/B0DG92BT11?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://thebody.bandcamp.com/album/the-crying-out-of-things" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/382475638?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/sleepytime-gorilla-museum-of-the-last-human-being.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2024/12/Vorschau_sleepytime-gorilla-museum-of-the-last-human-being.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Sleepytime Gorilla Museum – of the Last Human Being</span></p>
<p>Und da wir gerade beim Krach waren: Nach einer längeren Pause mit vielerlei sonstigen Projekten haben <span class="musik-review-bandname">Sleepytime Gorilla Museum</span>, die von 2001 bis 2007 mit Zirkusmetal (den Begriff habe ich mir gerade ausgedacht) die Progressive-Rock-<em>Szene</em> zumindest nicht kalt gelassen haben, in gleicher Besetzung das seit 2011 angekündigte Album „of the Last Human Being“ mittlerweile fertiggestellt und <em>rausgebracht</em>.</p>
<p>Der frühere Perkussionist <span class="musik-review-bandname">Moe! Staiano</span> – das Ausrufezeichen scheint Teil des Namens zu sein – lässt hier als Gast im tatsächlich treibenden <span class="musik-review-bandname">This-Heat</span>-Cover „S. P. Q. R.“ noch einmal von sich hören. Ob er <em>fehlt</em>, wie <em>das Internet</em> es formuliert, vermag ich nicht abschließend zu beurteilen, jedenfalls aber bekommen die übrigen fünf Musiker auch ohne ihn einen ordentlichen Rhythmus zustande. Große Veränderungen im Stil sind ohnehin ausgeblieben. Mich freut, dass Musiker auch nach über zehn Jahren mit <em>solcher</em> Musik nicht die Lust daran verlieren.</p>
<p>Modern sind immerhin die Texte: „The Gift“ etwa kritisiert die Allgegenwart von Computertechnik, die Sänger (nach wie vor Männlein und Weiblein) schlagen stattdessen vor: Geh doch mal wieder raus! (Wissen die eigentlich, wie <em>kalt</em> es ist?) In „Save It!“ meine ich gar Anleihen an <span class="musik-review-bandname">Primus</span> zu erkennen, aber <span class="musik-review-bandname">Sleepytime Gorilla Museum</span> bleiben trotzdem auch 2024 noch ganz sie selbst, reichlichen Geigeneinsatz eingeschlossen. Mit dem „Rose-Colored Song“ klingt das Album ebenso ruhig und unaufgeregt aus wie diese Liste.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Human-Being-Oxblood-Blood-Vinyl/dp/B0CNJ7V6TP?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://sleepytimegorillamuseum1.bandcamp.com/album/of-the-last-human-being" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/325367785?u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
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<p>Reicht? Reicht. Wie 2025 <em>das</em> überbieten will, weiß ich nicht, aber ich hoffe, die Musiker und Produzenten betrachten das als Ansporn und nicht als ausweglose Situation. Der Musikfreund dankt’s. Alles Übrige in einem Jahr an dieser Stelle.</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li>mike schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2025/01/musik-12-2024-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">1. Januar 2025</a> dies: +1</li><li>Anonym schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2025/01/musik-12-2024-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">8. Januar 2025</a> dies: Bei Nummer 19 passt der Titel nicht zum Text, Vessel ist bereits als Nummer 16 rezensiert worden.
Man merkt halt, dass dir das Album gefallen hat <img alt="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif"></li><li><a href="https://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2025/01/musik-12-2024-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">8. Januar 2025</a> dies: Wieso? Da stand doch nie was anderes! …

(Ja, hat es.)</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2025/01/musik-12-2024-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg08.met.vgwort.de/na/e21d4dc1e642497f91ee3bc6653f494c" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
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		<title>Musik 12/2023 – Favoriten und Analyse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Dec 2023 23:01:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Jahr ist vorbei und ihr wisst, was das heißt: Die Liste meiner bevorzugten Alben des Jahres bedarf wieder eurer ungeteilten Aufmerksamkeit. Es könnte das letzte Mal sein, dass ich es euch so einfach mache: Der außerordentlich unhöfliche Konzern Songtradr hat 2023 Bandcamp halbiert. Ich würde ja gern mit positiven Aussichten das Musikjahr 2023 verabschieden, ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2023 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Jahr ist vorbei und ihr wisst, was das heißt: Die Liste meiner <span class="musik-intro-hervorhebung">bevorzugten Alben des Jahres</span> bedarf wieder eurer ungeteilten Aufmerksamkeit. Es könnte das letzte Mal sein, dass ich es euch so einfach mache: Der außerordentlich unhöfliche Konzern Songtradr hat 2023 <a href="https://www.vulture.com/article/epic-games-bandcamp-sale-layoffs.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp halbiert.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Ich würde ja gern mit positiven Aussichten das Musikjahr 2023 verabschieden, aber ich kann nicht. Ich kann einfach nicht.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span> hat 2023 mit „The Harmony Codex“ ein weiteres vielgerühmtes Album mit Stampfpop (na gut: <i>artpop</i>) rausgebracht. Die Rezensenten waren wie üblich <i>hin und weg</i>, weil man Musik von <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span> (<span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span>!) ja nicht einfach ignorieren <i>darf</i>. Ich wollte das Album <i>eigentlich</i> selbst nicht hören (der Vorgänger „The Future Bites“ war <i>wirklich schlimm</i>, aber ich hatte zu viel Zeit und fasse mich mal kurz: Ich wünschte, Popmusik würde mich interessieren. 2024 werde das „Jahr der Popfrauen“, mutmaßte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ im Dezember. Das hoffe ich doch einfach mal nicht.</p>
<p>Dass es im jüngst <i>abgelaufenen</i> Jahr trotzdem ziemlich gute Musik gab, sei hier dennoch nicht verschwiegen. Einiges davon, nämlich die jeweiligen Alben von <a href="https://tuxproject.de/blog/2023/02/kuerzestkritik-uriah-heep-chaos-colour/" data-wpel-link="internal">Uriah Heep</a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2023/03/kurzkritik-poil-ueda/" data-wpel-link="internal">PoiL Ueda</a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2023/04/kurzkritik-scheissediebullen-simulation-eines-guten-lebens/" data-wpel-link="internal">scheissediebullen</a> und <a href="https://tuxproject.de/blog/2023/06/kurzkritik-sigur-ros-atta/" data-wpel-link="internal">Sigur Rós</a>, hatte ich schon früher im Jahr positiv bewertet. Siebzehn weitere gelungene Werke folgen im Folgenden. Es möge euch von Nutzen sein.</p>
<p><span id="more-21562"></span></p>
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<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/atsuko-chiba-water-it-feels-like-its-growing.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_atsuko-chiba-water-it-feels-like-its-growing.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Atsuko Chiba – Water, It Feels Like It’s Growing</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Atsuko Chiba</span>, der Name verrät es schon, stammen aus Montréal (Kanada), sind also mit einer florierenden Postrockszene vertraut. „Water, It Feels Like It’s Growing“ ist ihr drittes Studioalbum und war der erste wirkliche <i>Knaller</i> des Jahres. Also nicht im Wortsinne jetzt.</p>
<p>Ich höre <i>weitgehend</i> Rockmusik mit dem <i>gewissen Etwas</i>. Adjektiv? <i>Tanzbar</i>. Das Dargebotene ist vielschichtig, überall und ständig passiert etwas, aber man schafft es kaum, sich darauf zu konzentrieren, weil der Mahlstrom an Musik rhythmisch vorantreibt. Nicht innehalten. Bewegen. Die immer noch unterschätzten <span class="musik-review-bandname">Crippled Black Phoenix</span> fallen mir als Vergleich (auf und) ein.</p>
<p>Das Titelstück fließt zum Abschluss des Albums eher zäh, jazz-trippig aus dem Kopfhörer, ohne dabei Komplexität zu opfern. Ein Album, das sich zu kurz <i>anfühlt</i>. Atsuko Chiba ist eine Figur aus dem japanischen Anime „Paprika“ (noch so ein japanischer Name) von 2006. Ich mag keine Animes. Die Musik ist aber gut.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/dp/B0BFRXZ7FB?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/249315108" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://atsukochiba.bandcamp.com/album/water-it-feels-like-its-growing" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/hong-faux-desolation-years.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_hong-faux-desolation-years.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Hong Faux – Desolation Years</span>
<p>Hong, so sagt’s der Wissensschatz, sei unter anderem eine Marienkäferart. <span class="musik-review-bandname">Hong Faux</span>, ein falscher Marienkäfer also? Das schwedische Quartett dieses Namens spielt jedenfalls eine Musik derjenigen Art, die mit Marienkäfern wenig gemein hat.</p>
<p>Irreführend ist auch der Beginn von „Desolation Years“, des aktuellen Albums der vier Herren, denn das, was ich zunächst für grollenden Stoner hielt, geht später über in <i>gut gemachten</i> Indierock mit mitunter mehrstimmigem Powergesang. Yeah. Die „VISIONS“ zitiert die <span class="musik-review-bandname">Foo Fighters</span> (offensichtlich in „Starkiller“), <span class="musik-review-bandname">Clutch</span> (mag ich) und <span class="musik-review-bandname">Queens of the Stone Age</span> (haben auch so ihre Momente) als Einflüsse. Dem zu widersprechen liegt mir fern. „Desolation Years“, „trostlose Jahre“ – der Titel deutet erdige Klänge an und daran mangelt es hier nicht. Trockene Musik für die trockene Wüste. Blöd, dass ich diese Rezension im Winter zu Ende bringe. Aber das Album behalte ich ja noch etwas länger; im Sommer könnte ich es noch mal brauchen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Desolation-Years-Hong-Faux/dp/B0CMTT8XQF/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/273097604" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/mspaint-post-american.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_mspaint-post-american.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">MSPAINT – Post-American</span>
<p>Wenn man <span class="musik-review-bandname">MSPAINT</span> heißt, dann muss man wahrscheinlich genau so was machen wie die Musikgruppe gleichen Namens aus Mississippi, die von sich behauptet, sie würde „Tanzpunk“ hervorbringen. Auf ihrem ironisch „Post-American“ genannten 2023er Album ist davon auch tatsächlich etwas zu hören, wobei der Tanz- dem Punkfaktor übergeordnet scheint.</p>
<p>Sicher: Es gibt wütende Gitarren und zornigen Gesang (oft vielmehr: Gerufe), aber der Rezensent (= ich) erwischt sich doch öfter beim Mitwippen als beim Sitzpogo. Das wirklich großartige „Delete It“, eins dieser Lieder, an denen ich mich immer noch vergebens sattzuhören versuche, ist eins von zwei Liedern auf diesem Album, auf denen Gastmusiker zu hören sind – in „Delete It“ ist es <span class="musik-review-bandname">Ian Shelton</span>, Sänger der Post-Hardcore-Combo <span class="musik-review-bandname">Militarie Gun</span>, auf „Decapitated Reality“ singt <span class="musik-review-bandname">Pierce Jordan</span> der mir bislang unbekannten <span class="musik-review-bandname">Soul Glo</span>. Eine gewisse stilistische Stringenz ist dabei erkennbar, „Free From the Sun“ etwa glaube ich schon zuvor auf demselben Album so ähnlich gehört zu haben, aber das macht ja nichts, so lange es gut ist. In der Tat schwächeln <span class="musik-review-bandname">MSPAINT</span> auf „Post-American“ kaum, sondern gehen <i>gut ab</i>. Das haben sie dem Malprogramm voraus.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/dp/B0BW9QYHBX?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/277847837" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://mspainthattiesburg.bandcamp.com/album/post-american" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/shem-iii.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_shem-iii.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Shem – III</span>
<p>Das (ja, huch!) dritte Studioalbum des Stuttgarter Psychedelic-Kollektivs <span class="musik-review-bandname">Shem</span> – dessen Bandcampseite witzigerweise „Shemtrails“ heißt, hehe, wegen Chemtrails – möge die jährliche Dosis Postrock einleiten. Zwar spielt es nicht das alte Laut-leise-Spiel mit, doch ist die instrumentale Reise (im fast dreiminütigen „Lamentum“, leider ausgeblendet mit einem blöden <i>fade-out</i>, gibt es erstmals textlosen Gesang, ebenso im abschließenden „Refugium“) von Gitarren getragen.</p>
<p>Die unklare Anzahl an Musikern (es handelt sich immerhin um ein „Kollektiv“) rührt kräftig im Topf der „Kosmischen Musik“, bedient sich dabei aber moderner Mittel. Der Hörer wird mitgenommen auf eine Klangreise in den (mentalen) Wolken, natürlich hat man das schon mal gehört.</p>
<p>Das Album ist unter 40 Minuten lang, es <i>fühlt sich</i> nicht länger an als eine halbe Stunde. Schade eigentlich.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://shemtrails.bandcamp.com/album/iii" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/when-plagues-collide-an-unbiblical-paradigm.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_when-plagues-collide-an-unbiblical-paradigm.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">When Plagues Collide – An Unbiblical Paradigm</span>
<p>2023 erschienen manche gar nicht mal üble Alben, die in irgendeine Metalcorespielart einzusortieren sind. Dazu zählen Alben wie „Silhouettes of Disgust“ von <span class="musik-review-bandname">Downfall of Gaia</span>, das hier separat aufzuführen mir nur meine Faulheit verbietet, noch viel mehr aber lohnt sich ein Blick auf das europäische Ausland. Deutsche Musikalben werden hierzulande schon viel zu ausführlich gewürdigt.</p>
<p>2016 fanden <i>ausgerechnet</i> in Belgien fünf, nun, Musiker zusammen, um gemeinsam Geräusche hervorzubringen, die gemeinhin als „Symphonic Deathcore“, „sinfonischer Todeskern“ also, etikettiert werden. „Symphonic Deathcore“ muss man sich ungefähr wie folgt vorstellen: Man wohnt einem klassischen Konzert mit großem Orchester bei, hat aber in einem Ohr einen dieser unsäglichen Ohrstecker, in dem ein Metalgitarrist stundenlang dasselbe Riff spielt, begleitet von einem Schlagzeuger, der Hummeln im Hintern hat und <i>wirklich wütend</i> auf seine Exfreundin ist, deren neuen Freund er in Form eines Fotos auf seine Felle geklebt hat. Kurz nach Beginn des Konzerts springt Batman aus demjenigen Paralleluniversum, in dem er seit 50 Jahren Kettenraucher und überdies leicht erkältet ist, auf die Bühne und versucht ein störrisches, jedoch taubstummes Kind dazu zu bewegen, endlich mal sein Zimmer aufzuräumen.</p>
<p>Dieser Art von Musik, zumal deren Interpret „Wenn Plagen kollidieren“ heißt, kommt eine anstrengende Gesamtsituation wie die, in der die Welt sich im Zeitrahmen der Aufnahme und der Veröffentlichung von „An Unbiblical Paradigm“ (so heißt deren zweites Album) befand, freilich zupass und dem Verfasser dieser Zeilen ebenso; gelegentlich zieht es mich ja dazu, mich aus dem Kopfhörer anbrüllen zu lassen. Das abschließende „In alle stilte“ (das ist Ausländisch und heißt „In aller Stille“) macht es mit seinem beinahe melodischen Wesen und dem dazu erzählten Text (es mag Flämisch sein, das kann ich nicht) fast kaputt; aber eben nur fast.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Unbiblical-Paradigm-When-Plagues-Collide/dp/B0C4CV477J/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/280740596" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://whenplaguescollide.bandcamp.com/album/an-unbiblical-paradigm" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/vertonen-einige-schadstoffe.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_vertonen-einige-schadstoffe.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Vertonen – Einige Schadstoffe</span>
<p>Ich halte nicht viel von der Verwendung des schrecklichen Begriffs <i>Liefern</i> im Zusammenhang mit musikalischen oder sonstigen künstlerischen Werken, denn zwar <i>liefert</i> mir ein Bote bisweilen neue Schallplatten, die Künstler selbst <i>liefern</i> jedoch nur selten. Das ist auch nicht ihre Aufgabe.</p>
<p>Daher werde ich hier auch nicht auf die Formulierung zurückgreifen, die Helen Scarsdale Agency <i>liefere</i> zuverlässig völlig kaputte Musik, obwohl ich diesen Eindruck bereits <a href="https://tuxproject.de/blog/2023/01/musik-12-2022-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">seit Januar 2023</a> mit mir herumtrage. Mit <span class="musik-review-bandname">Vertonen</span> – so nennt sich ein Avantgardemusiker aus Chicago nicht ganz grundlos, obwohl ich nicht so genau weiß, <i>was</i> er eigentlich vertont – hat die „Agency“ einen weiteren Musiker im Programm, der völlig kaputte Musik hervorbringt. Gut, was habe ich von einem Album auch erwartet, das „Einige Schadstoffe“ heißt?</p>
<p>Aufgenommen wurde das Album 2022, veröffentlicht wurde es trotzdem erst im April 2023. Als Musikinstrumente kommen ein Synthesizer, Feldaufnahmen, Kurzwellengeräte und Altmetall zum Einsatz. Was <i>vertont</i> wurde, vermag ich nicht zu beurteilen; Banausen würden jetzt „ganz klar ein Autounfall“ schreiben, aber ich bin ja kein Banause, sondern <i>mag Krach</i>. Das Album sei eine Hommage an die klassische Phase des Industrial Noise, erzählt der Pressetext (welche Presse auch immer man mit dieser Art von Musik erreichen will). Das kann durchaus sein. Bezug genommen wird unter anderem auf <span class="musik-review-bandname">Throbbing Gristle</span> und <span class="musik-review-bandname">Maurizio Bianchi</span>. Dem kann ich nicht widersprechen. „Einige Schadstoffe“ ist ein Album mit lose strukturierten Geräuschen, das mich überdies mitunter an „Ravvivando“ von <span class="musik-review-bandname">Faust</span> denken lässt. Ab und zu gibt es Sprachfetzen, die zu verstehen ich gerade zu eingenommen von der auf mich einprasselnden Atmosphäre bin. Völlig kaputt. Großartig.</p>
<p>Das Album gibt es nur als Download und auf Kassette. Passt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://helenscarsdale.bandcamp.com/album/einige-schadstoffe" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/orsak-oslo-in-irons.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_orsak-oslo-in-irons.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Orsak:Oslo – In Irons</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Orsak:Oslo</span> ist eine Musikgruppe aus, nun ja, hauptsächlich Oslo. „Orsak“ ist Schwedisch und heißt Ursache oder Grund. Ich finde, Oslo ist ein akzeptabler Grund.</p>
<p>Die Gruppe heißt also gar nicht so seltsam wie ihre Stücke. Auf dem zweiten Studioalbum „In Irons“ setzen <span class="musik-review-bandname">Orsak:Oslo</span> ihre auf 13 EPs und dem Debütalbum begonnene Tradition, ihre Lieder zu nummerieren (und das nicht mal konsequent), jedenfalls fort: Die fünf Stücke heißen „068 The Swell“, „079 Dutchman’s Wake (Part I)“, „069 In What Way Are You Different“, „078 The Mute (Part II)“ und „074 Hadal Blue“. Angenommen, es wäre hier eine gewisse Chronologie verewigt, was Sinn ergäbe (auf der Debüt-EP war Nummer 8 drauf), gebührt den Musikern schon wegen ihrer Produktivität meine Hochachtung.</p>
<p>Zu hören ist, die Länge („Hadal Blue“ schafft es als mit Abstand längstes Stück auf nahezu 17 Minuten Laufzeit) könnte es verraten haben, keine gewöhnliche Alltagsmusik. Die vier Herren haben tief ins Krautglas gegriffen und präsentieren zu vortrefflich polterndem Bass und dem guten, alten Motorikbeat mal <i>klassische</i> <span class="musik-review-bandname">Can</span>-Reminiszenzen, mal gitarrenorientierten Postrock á la <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span>. Zur Veranschaulichung: „079 Dutchman’s Wake (Part I)“ ist zu einem nennenswerten Teil ein versiertes Gitarrensolo, das dem psychedelischen Grundmotiv nicht etwa zuwiderläuft, sondern es vielmehr unterstreicht. Texte gibt es kaum, sieht man von etwas mittendrin Gesprochenem ab, auf das ich aber nicht geachtet habe, weil ich zu sehr damit beschäftigt war, mich von der Wirkung einnehmen zu lassen. Andere nehmen Drogen, ich höre solche Musik. Legalize it.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Irons-Vinyl-LP-Orsak-Oslo/dp/B0BZ325PGD/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/281947641" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://orsakoslo.bandcamp.com/album/in-irons" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/mutoid-man-mutants.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_mutoid-man-mutants.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Mutoid Man – Mutants</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">I’m in love with my gravekeeper / I said, „Hey, make that hole deeper“</span> (Graveyard Love)
<p><span class="musik-review-bandname">Mutoid Man</span> ist der Name einer dreiköpfigen und sechsarmigen New Yorker <i>supergroup</i>, bestehend aus Mitgliedern von <span class="musik-review-bandname">Cave In</span>, <span class="musik-review-bandname">Converge</span> und <span class="musik-review-bandname">High On Fire</span>. Die schon oft gesehene Besetzung (Gitarre/Gesang, Schlagzeug, Bass) deutet, verbunden mit den Stammbands der Musiker, völlig zu Recht in eine gewisse stilistische Richtung: Metalcore, Punk, <i>irgendwie so</i>; und tatsächlich: Wirbelnde Gitarrenläufe tragen auf „Mutants“ komplexe Rockmusik mit Bewegungswillen.</p>
<p><i>Im Internet</i> wurde geschrieben, der Musik von <span class="musik-review-bandname">Mutoid Man</span> fehle eigentlich nur noch <span class="musik-review-bandname">Mike Patton</span>. Stimmt schon; zumal manche Lieder auch das richtige Maß an Witz aufweisen, etwa das eingangs zitierte „Graveyard Love“.</p>
<p>Mir gefällt übrigens das Coverbild. Es ist so farbenfroh und energiereich wie das Gehörte <i>und</i> es hat sogar was mit dem Titel des Albums zu tun. Zum eröffnenden Stück „Call of the Void“ gibt es ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=wdQFzJIG-dU" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">seltsames Musikvideo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, es legt nicht die schlechteste Grundlage für den Konsum von „Mutants“. Ein Album für diejenigen Momente, in denen quirliger Gitarrenkrach das Einzige ist, was den Tag noch retten könnte.</p>
<p>Zum Glück sind die Weihnachtsmärkte erst mal wieder vorbei.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Mutants-Mutoid-Man/dp/B0C159W67C/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/278616969" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://mutoidman.bandcamp.com/album/mutants" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/kvelertak-endling.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_kvelertak-endling.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Kvelertak – Endling</span>
<p>„<span class="musik-review-bandname">Kvelertak</span> aus Norwegen spielen instrumentalen Hardrock“ wollte ich eigentlich schreiben, aber dann setzte nach schlappen vier Minuten der Sänger ein. Also noch mal von vorn: <span class="musik-review-bandname">Kvelertak</span> aus Norwegen tourten vor einer Weile unter anderem mit <span class="musik-review-bandname">Mutoid Man</span> und spielen – insofern kaum überraschend – <i>ganz normalen</i> Hardrock mit Metal- und Punkanleihen. Ich habe keine Ahnung, worum es in den norwegischsprachigen Texten geht. Hoffentlich nicht um Schweinkram, <a href="https://blabbermouth.net/news/kvelertak-announces-new-album-endling" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">angeblich<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> um historische und zeitgenössische sterbende Völker in Norwegen. Gutes textliches Motiv für eine Hardrockband.</p>
<p>Zumindest in der ersten Hälfte des Albums dominiert der instrumentale Bestandteil der Musik deutlich, dann kommt derjenige Aspekt zum Tragen, der die Aufnahme in diese Liste zur Folge hatte: <span class="musik-review-bandname">Kvelertak</span> <i>rocken</i>, und das wirklich gut mit ordentlich <i>groove</i>. Ein- und ausgeblendet wird das Album mit einem Rauschen, was immerhin weniger blöd als das heutzutage immer noch übliche bloße Ausblenden ist. Hinsichtlich der Instrumente, die hier zum Einsatz kommen, steht diversen Gitarren auch ein Banjo („Døgeniktens Kvad“) zur Seite. Das amüsiert mich.</p>
<p>„Tanzbar“ sei „Endling“, las ich anderswo, und ich kann ja sogar zu Walzer nicht tanzen und bewerte das daher erst mal nur als Information.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Endling-Kvelertak/dp/B0C25TCNG6/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/284604680" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/bolt-05.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_bolt-05.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">[ B O L T ] – ( 0 5 )</span>
<p>Die Wiederentdeckung der Langsamkeit ist in hektischen Zeiten wie den unsrigen von so großer Wichtigkeit wie selten zuvor. Da kommen die Duisburger von <span class="musik-review-bandname">[ B O L T ]</span> mit ihrem 2023er Album „( 0 5 )“ gerade recht.</p>
<p>Die verhaltene Perkussion schon zu Beginn des Albums („[ 3 2 ]“, die Stücke tragen nicht chronologisch sortierte Nummern und selten zusätzliche Titel) trügt: Hauptsächlich spielen die drei Herren – zwei am Bass, einer am Schlagzeug – „Black Drone Metal“, das ein Genre sein soll und ein bisschen wie eine Frühlingsversion von <span class="musik-review-bandname">Sunn O)))</span> klingt. Die Leerzeichen im Gesamten sind so treffend, dass die Musiker <i>eigentlich</i> alles Übrige auch weglassen könnten. Das von mir als Kernstück des Albums identifizierte „[ 3 7 ]“, fast 22 Minuten lang, wäre in <i>normaler</i> Geschwindigkeit wahrscheinlich radiokompatibel (wenn auch sicher nicht ‑tauglich), dennoch würde ich nichts kürzen oder beschleunigen wollen. Das Stück – <i>das Album</i> – klingt wie ein Sommermorgen nach dem Krieg, ein „schizophrenes Szenario“ (Mike Langer). <span class="musik-review-bandname">Dennis Strillinger</span> trommelt in die kakophonische Dystopie hinein, die die gerade abgezogenen Marodeure von der einst blühenden Stadt, die in den Melodien noch zu erahnen ist, übrig gelassen haben.</p>
<p>Irgendwo in der Musik sei ein Zeichen der Hoffnung zu finden, wortsalatiert der Pressetext (haha, welche Presse?) zum Album. Dieses Zeichen kommt spät („[ 4 0 ] / Petite fleur des champs“), aber es kommt mit Wucht: Hinter dem schleppenden Dröhnen singt und flüstert <span class="musik-review-bandname">Sura Sol</span>, die ich immerhin bislang auch nicht kannte, für mich aus Abmischgründen schwer Verständliches, doch schön Klingendes, in mir unbekannter Sprache. Mit Gesang hatte ich an dieser Stelle nicht gerechnet, aber er <i>passt</i>. Das Lied klingt sanft, beinahe sakral, aus und geht ins ebenso ruhig beginnende letzte Stück „[ 2 9 ]“ über. Die Ruhe nach dem Sturm mag keine Aufregung. Das kann ich verstehen. Nach etwa zwei Minuten entschließt sich „[ 2 9 ]“ dann aber doch dazu, den Mitwipp- und Mitnickfaktor zu vervielfachen. Vielen Dank. Schönes Album, schönes Ende.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://tidal.com/browse/album/285845539" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://wearebolt.bandcamp.com/album/0-5" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/akira-sakata-toshimaru-nakamura-raiga-hayashi-kinjo-no-tabibito.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_akira-sakata-toshimaru-nakamura-raiga-hayashi-kinjo-no-tabibito.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Akira Sakata, Toshimaru Nakamura, Raiga Hayashi – Kinjo no Tabibito</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Akira Sakata</span> (Altsaxophon und Klarinette) ist ein Free-Jazz-Musiker, <span class="musik-review-bandname">Toshimaru Nakamura</span> (Mischpult) ist ein Improvisationsmusiker und <span class="musik-review-bandname">Raiga Hayashi</span> ist – darüber schweigt die Wikipedia – zumindest hier ein Schlagzeuger. Zu dritt nahmen die drei Japaner vor ein paar Monaten unter anderem das Album „Kinjo no Tabibito“ auf, das man wahrscheinlich ungefähr 近所 の旅人 schreiben <i>sollte</i>, was ungefähr „Reisende in der Nachbarschaft“ bedeutet.</p>
<p>Die Tonqualität erinnert nicht zufällig an eine Livesituation: Aufgenommen wurden beide Stücke, die überdies „1st Set“ und „2nd Set“ heißen, am 5. März <i>live</i> in Tokio. Das hier verwendete Mischpult weist die Besonderheit auf, dass es keine externen Eingänge hat, so dass das sonstige Gespielte eben nicht <i>gemischt</i> wird, sondern vielmehr ein Spiel mit elektronischen Klängen betrieben wird. <a href="https://daily.bandcamp.com/lists/toshimaru-nakamura-discography-list" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Auf Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es einen (englischsprachigen) Artikel über das Instrument (bzw. das Eben-nicht-Instrument), den weiter zu zitieren möglicherweise den Rahmen dieses Textes sprengen würde, weshalb ich darauf verzichte.</p>
<p>Die im Titel des Albums erwähnte Reise führt über holprigen Untergrund, stelle ich fest: Auf die Ohren gibt es vor allem hektischen Instrumentaljazz, worüber <span class="musik-review-bandname">Akira Sakata</span> gelegentlich eine japanischsprachige Geschichte murmelt. Man sehe mir nach, dass ich die Texte beim Hören nicht sofort zu übersetzen imstande war. Es ist den Musikern zu wünschen, dass in der <i>Nachbarschaft</i> Jazz zumindest nicht unerwünscht ist. Ich mag Jazz.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://meenna.bandcamp.com/album/kinjo-no-tabibito" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/kraan-zoup.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_kraan-zoup.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Kraan – Zoup</span>
<p>Zu den wenigen angenehmen Dingen, die 2023 passiert sind, gehört auch, dass viele der <i>Alten</i> gezeigt haben, dass sie <i>es</i> musikalisch immer noch <i>können</i>. Die deutlich verjüngte Mannschaft von <span class="musik-review-bandname">Gong</span> brachte ebenso ein neues <i>ganz gutes</i> Album <i>raus</i> wie die deutsche Krautrocklegende <span class="musik-review-bandname">Guru Guru</span>, die immer noch den „Elektrolurch“ auf ihren Alben schwingen.</p>
<p>Deren Wegbegleiter und Landsleute von <span class="musik-review-bandname">Kraan</span>, die es – zehn Jahre Pause eingeschlossen – auch schon seit 1970 gibt, scheinen aber noch ebenso hungrig zu sein, so dass es 2023 zu einem neuen Album namens „Zoup“ kam. Das heißt Suppe, glaube ich. Das Coverbild verstehe ich nicht. Gibt es Vogelsuppe? Zutaten: <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span>, <span class="musik-review-bandname">Caravan</span>, ein paar Esslöffel <span class="musik-review-bandname">Camel</span> („Plain Vanilla“) und eine Prise AOR („Twisted“).</p>
<p>Wie bei einem guten Eintopf können die Musiker hier insofern wenig falsch machen, denn sie bleiben bei ihrem bewährten Konzept. Die eingebrockte Suppe auszulöffeln sättigt nicht, aber schmeckt. Ich wünsche guten Appetit.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Zoup-Kraan/dp/B0CL1BTFYZ/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/321688778" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://kraan.bandcamp.com/album/zoup" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/citrus-citrus-albedo-massima.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_citrus-citrus-albedo-massima.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Citrus Citrus – Albedo Massima</span>
<p>Wie es der Titel des Albums für uns Vielgereiste schon vorschlägt, ist <span class="musik-review-bandname">Citrus Citrus</span> eine Musikgruppe aus Italien, auf „Albedo Massima“ zu fünft. Die Plattenfirma Sulatron Records, bekannt für allerlei Psychedelisches, <a href="https://www.sulatron.com/xoshop/vinyl/citrus-citrus-albedo-massima-lp-dl.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">hat Hintergrundinformationen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> <i>(31. Dezember 2023: zurzeit leider im Urlaubsmodus)</i> zum Titel des Albums (es geht um Pomelos) für diejenigen, die Trivia sammeln, doch erfasst es das Musikalische kaum.</p>
<p>Das Album <i>rotiert</i> gerade bei mir wie eine Pomelo im Mixer, als frischer Eindruck klebt an mir wie eine matschige Frucht ein wahrer Smoothie aus Indien (eine Sitar ist zu hören), Griechenland und 70er-Hardrock, Orgel inklusive. Gesungen (wenig) wird auf Englisch, was ich gut finde, weil ich den Klang der italienischen Sprache noch nie mochte und auch weiterhin nicht mag. In „Fetonte“ mache ich gar ein wenig Krautrock aus, Marco Buffettis Schlagzeug treibt hier ein musikalisches Kaleidoskop voran. Fetonte ist der italienische Name von Phaethon, einem Sohn der griechischen Sonnengöttin Eos. Ironischerweise klingt <i>dieses</i> Stück überhaupt nicht griechisch. Das ist in Ordnung.</p>
<p>Eine wahrlich vitaminreiche Mischung tischen <span class="musik-review-bandname">Citrus Citrus</span> hier auf.<br>
Nicht schlecht geeignet für kalte Abende.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Albedo-Massima-Vinyl-LP-Citrus/dp/B0CMZM9M7F/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/328697743" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://citruscitrus.bandcamp.com/album/albedo-massima" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/princess-thailand-golden-frames.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_princess-thailand-golden-frames.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Princess Thailand – Golden Frames</span>
<p>Apropos gute Musikgruppen aus sprachlich benachteiligten Ländern: <span class="musik-review-bandname">Princess Thailand</span> ist ein (klar, was auch sonst?) französisches Quartett, deren Sängerin erfreulicherweise ebenfalls auf Englisch singt; wobei Gesang in dem <i>genre</i>, in dem Princess Thailand sich herumtreiben, ein gewagtes Wort ist. Auf dem weiten Feld zwischen Postpunk und Noise, zwischen <span class="musik-review-bandname">Savages</span> und <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span> quasi, tanzen sie einen Reigen, von dem Daniel Thomas von der „VISIONS“ (6 von 12 Punkten) ganz schwindlig geworden ist.</p>
<p>Die lakonisch vorgetragenen Vokalbeiträge – mal singend, selten („Imperator“) raunend, oft eher energisch sprechend, wie’s sich in der Stilrichtung eben gehört – fügen sich indes ins Gesamte ein. Wütendes Schlagzeug und grollender Bass legen das Fundament des Gewohnten, das Übrige ist mal nervöser Krach, mal von sanfterer Art, aber trotz des vermeintlich <i>auserzählten</i> Stils (wenigstens mich) musikalisch beeindruckend. Gelegentlich werden Motive wieder aufgegriffen, das freut den Rezensenten, der sonst mitunter den Eindruck hat, dass das eigene Gedächtnis nicht mehr das beste sei. Es belegt, dass zumindest Wiedererkennen noch funktioniert. Die Lieder könnten länger sein, aber das ist ja fast immer so.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://tidal.com/browse/album/317936708" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://atantreverduroi.bandcamp.com/album/princess-thailand-golden-frames" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/seven-impale-summit.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_seven-impale-summit.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Seven Impale – Summit</span>
<p>Noch mal Jazz, damit ihr euch nicht unterfordert fühlt, und schon wieder was aus Norwegen und mit griechischen Sagengestalten: <span class="musik-review-bandname">Seven Impale</span> sind sechs Musiker mit klassischem und/oder Jazzhintergrund, die nach „Contrapasso“ von 2016 mit „Summit“ 2023 <i>endlich</i> ein neues Album „rausgebracht“ haben. Enthalten sind vier Stücke namens „Hunter“, „Hydra“, „Ikaros“ und „Sisyphos“. Aus welcher Sage Hunter stammt, weiß ich nicht. Vielleicht ist ja auch der Kommissar aus den Micky-Maus-Geschichten gemeint.</p>
<p>Die Stilzusammenfassung „Jazz“ ist allerdings auch <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=21039&amp;content=review" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">zu kurz gegriffen:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> „Avant-Prog-Anleihen und die jazzig eingefärbten Arrangements (…) brachiale Metal-Riffs (…) Stoner Rock-Momente“, <span class="musik-review-bandname">Motorpsycho</span> passt als Vergleich schon. Der Schlagzeuger spielt angeblich auch <i>schon wieder</i> irgendwo auf diesem Album Banjo. Gehört habe ich davon nichts. Das ist gut, ich finde den Klang von Banjos nämlich scheiße.</p>
<p>Hier aber finde ich fast alles gut. Nur „Sisyphos“, das letzte und mit etwas über 13 Minuten auch längste der vier Stücke, plätschert etwas enttäuschend („leicht optimistisch klingend“, <a href="https://www.metal.de/reviews/seven-impale-summit-483550/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">metal.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, aber das hätte es hier nicht gebraucht) aus, das gibt Abzüge in der B‑Note. Die A‑Note ist trotzdem immer noch überzeugend und gibt eine Empfehlung aus.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Summit-Seven-Impale/dp/B0C2QDB9DP/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/285588936" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://sevenimpale.bandcamp.com/album/summit" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/frankie-and-the-witch-fingers-data-doom.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_frankie-and-the-witch-fingers-data-doom.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Frankie and The Witch Fingers – Data Doom</span>
<p>Wenn ein Musikprojekt beliebiger Größe sich schon „Frankie and The Witch Fingers“ nennt, dann erwartet unsereins <i>(also: erwarte ich)</i> ein Mindestmaß an Unterhaltungswert vom Dargebotenen. Und tatsächlich: „Data Doom“, das neueste Album des US-amerikanischen Quartetts dieses Namens, macht <i>Spaß</i>. Dass es textlich – mehr oder weniger – um die zusammenbrechende Zivilisation unserer Zeit geht, steht dem nicht entgegen. Man kann den Niedergang der Menschheit bedauern und dabei trotzdem tanzen. Gut, außer mir. Ich kann ja nicht tanzen.</p>
<p>Über sich selbst sagt die Band (oder lässt die Band sagen, man – also ich – weiß es nicht), sie sei „a constant source of primordial groove“, also /&nbsp;eine ständige Quelle des ursprünglichen Grooves/. Das ist nicht hilfreich. <i>Das Internet</i> zieht <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> als Vergleich heran, wegen des Saxophoneinsatzes in „Burn Me Down“, aber auch das trifft den Kern nicht. Vielleicht versuche ich es doch mal mit Stilzuschreibungen: Desert (<span class="musik-review-bandname">ZZ Top</span>?) und Stoner Rock werden hier vermählt mit Funk („Mild Davis“, passender Titel auch) und erstaunlich <i>klassischem</i> Rock’n’Roll. Ich gehe davon aus, ich sollte mir diese Gruppe einmal live ansehen. Ich vermute, ich hätte Spaß.</p>
<p>Ein Wermutströpfchen (obwohl: ich <i>mag</i> Wermut): Das Album ist etwas zu kurz und wird am Ende langweilig ausgeblendet. Aber der Weg bis dahin gefällt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Data-Doom-Frankie-Witch-Fingers/dp/B0C8C1VXYG?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/288583346" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://frankieandthewitchfingers.bandcamp.com/album/data-doom" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/david-eugene-edwards-hyacinth.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2023/12/Vorschau_david-eugene-edwards-hyacinth.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">David Eugene Edwards – Hyacinth</span>
<p>Für Freunde der Musik von <span class="musik-review-bandname">Nick Cave</span> sei „Hyacinth“, das aktuelle Album von <span class="musik-review-bandname">David Eugene Edwards</span> (auch bei und mit der Gruppe <span class="musik-review-bandname">Woven Hand</span> aktiv), geeignet, riet man mir. Diese Gruppe enthält mittlerweile auch mich, daher hörte ich mal rein.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">David Eugene Edwards</span> sei ein sehr religiöser Countrymusiker, erklärte mir <i>das Internet</i>. Ich finde religiösen Country zwar scheiße, kann hier aber beruhigt vermelden, dass <i>das Internet</i> mit Genrezuschreibungen fast so schlecht umgehen kann wie der Musikjournalismus. Auf seinem ersten Soloalbum, nämlich diesem hier, werden tatsächlich nur am Rande Christentum und Country gestreift, vielmehr gibt es sonoren Experimental-Folk mit geringer Instrumentierung, im Fokus stehen elektronische Perkussion und die verstärkte (nicht verzerrte) Gitarre, ins Ohr. Keine Ahnung, ob Gastmusiker zu hören sind oder ob der Künstler alle Instrumente selbst eingespielt hat, die <a href="https://davideugeneedwards.bandcamp.com/album/hyacinth" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcampseite<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zum Album schweigt dazu und eine schnelle Recherche blieb erfolglos.</p>
<p>Ich höre – ja – <span class="musik-review-bandname">Nick Cave</span> („Bright Boy“), aber auch <span class="musik-review-bandname">Leonard Cohen</span> und bisweilen („Lionisis“) auch <span class="musik-review-bandname">Sisters of Mercy</span>. Gute Referenzen. „Hyacinth“ wolle „mit dem Herzen ergründet werden“, <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2023/David-Eugene-Edwards/Hyacinth/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">schrieb<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> anderswo Dominik Maier. Dem kann ich nicht widersprechen. Das Album schließt mit „The Cuckoo“, einer Coverversion eines Folkklassikers, wie abermals <i>das Internet</i> (diesmal wohl zutreffend) mitzuteilen weiß. Ein schönes Ende, dem einzig negativ zu attestieren ist, dass es <i>viel zu früh</i> kommt. Die Zeit vergeht mit „Hyacinth“ im Ohr erschreckend schnell.</p>
<p>Aber man kann es ja dann einfach noch mal von vorn hören.</p></li>
</ol>
<hr>
<p>Das soll’s erst mal gewesen sein. Wie immer gilt: Alben, die ich sträflich vernachlässigt haben könnte, sind als Kommentar gern willkommen. Cheerio.</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li>Thilo Bauer schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">1. Januar 2024</a> dies: Die lang erwartete (von mir, ausreichend) neue Platte von Patio. Saudummes Video zur Single, so erstickt man mögliche Karrieren im Keim. Besser erstmal hier: https://www.youtube.com/watch?v=93yd79yrfD8 Die Bassistin macht irgendwas. Paßt dann irgendwie doch ins Gesamt„bild“. Mesmerisierend.
Frohes Neues.</li><li><a href="https://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">1. Januar 2024</a> dies: Verdammt, die hätte ich früher kennen sollen. Danke.</li><li>KarlMarx schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">1. Januar 2024</a> dies: In meinen Vorlesungen/Seminaren habe ich den Studis immer erklärt, daß man seine persönliche Lieblingsmusik nur unter schwersten Verlusten anderen Mithörend*innen nahebringen kann, weil das eben (aus Gründen, die hier den Rahmen sprengen würden) schlicht und ergreifend unmöglich ist. Trotzdem habe ich jeden einzelnen Link hier durchgehört, obwohl die Mucke von meinem Musikplaneten aus gesehen wirklich eine komplett andere Baustelle ist. 

Klarer Testsieger sind die Flamen: wenn Musik (was sie nie oder nur dann tut, wenn sie schlecht ist) irgendetwas „Reales“ in der „Welt“ widerspiegelt, dann ist der flämische akustische Kommentar das einzige, was den andauernden Krieg, den medialen wie den realen wie auch den subtil versteckten, halbwegs adäquat „wiedergibt“. 

Das Flämische ist zwar meine Lieblingssprache, aber alles habe ich auch nicht kapiert. Nur so ungefähr (und im Original wirklich sprachgewaltig): 

Der Tot als der Lehrer der Stille. Als anonymer Tot infiltriert er die Gedanken der Wachenden, der Wach-Seienden, er wartet ab, bis seine kalte Hand zufassen kann, in aller Stille. Er umgibt uns, als einzige tatsächliche Regel, ohne Aussicht auf Besserung etc. pp.

Über allem schweben musikalisch (in my not so humble opinion) wirklich nur Bach, Richard Strauss, Messiaen, Woody Shaw, Rob Madna und Bob Brookmeyer. 

Aber mit den ästhetischen Urteilen ist das, wie gesagt, so eine Sache, denn wie sagt der alte Königsberger doch so treffend: „Um zu unterscheiden, ob etwas schön sei oder nicht, beziehen wir die Vorstellung nicht durch den Verstand auf das Objekt zum Erkenntnisse, sondern durch die Einbildungskraft (vielleicht mit dem Verstande verbunden) auf das Subjekt und das Gefühl der Lust oder Unlust desselben.“


Bach:

https://www.youtube.com/watch?v=3EnosoXeTWI&amp;pp=ygUlYmFjaCB3b2hsdGVtcGVyaWVydGVzIGtsYXZpZXIgcmljaHRlcg%3D%3D

Zu Risiken und Nebenwirkungen etc.: 

Messiaen:
https://www.youtube.com/watch?v=RJ_x_8o80TI

Und ein paar Leckerli, extra für Sie/Dich eingepackt. 

https://www.mediafire.com/file/veo59dtibm0th6m/tux0r.zip/file

Keine Sorge, das Zeug „verstehen“ vielleicht ein halbes Dutzend Leute auf der Welt (und ich selbst auch nur, wenn ich einen guten Tag habe). Muß man aber auch nicht „verstehen“, einfach ohne Vorurteile und Vorannahmen wirken lassen. 

Wie sagte größte Geist, dem ich jemals begegnen durfte, der Dombaumeister des Kölner Doms, Prof. Dr.-Ing. Arnold Wolff mal, als ich ihm eine von diesen Aufnahmen (auf denen ich selber mitspiele) vorgespielt habe: „Das gefällt mir zwar nicht, ist aber außerordentlich gut!“

Mehr braucht man nicht zu wissen… ;-)

In diesem Sinne ein frohes Neues Jahr!</li><li><a href="https://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">1. Januar 2024</a> dies: Gebe ich mir mal in einer ruhigen Minute. Tatsächlich fahre ich meinen Musikkonsum gerade ein bisschen zurück – ich habe in den letzten Wochen so viel davon gehört, dass ich sonst Angst hätte, dass sie mir zum Bingelistening verkommt. Danke, auch für die Erklärung des Textes.  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> 

Ich erwarte gar nicht, dass jeder mag, was mir gefällt. Ich höre auch manchmal Dinge, die ich nicht mag (Banjo…). Horizont. Weite. Ich finde Dinge gern begründet doof, grundlos kann jeder.</li><li><a href="http://www.wunschtraumfabrik.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">2. Januar 2024</a> dies: Das mit Bandcamp war mir neu und gefällt mir gar nicht. Das was du über Herrn Wilson schreibst ist ganz schön gemein. Ansonsten ist dein Musikgeschmack, nun ja, beängstigend. Ich habe gerade mal einiges neugierig angeklickt und bin froh, das ich morgen meinen Termin beim Seelenklempner habe. Ein frohes neues Jahr  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":-)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> </li><li><a href="https://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">2. Januar 2024</a> dies: Kennst mich doch…  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":)" width="18" height="18" class="wpml_ico">  … vielleicht werde ich einfach zu alt für Steven Wilson. So kann’s gehen. Auch frohes Neues!</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2024/01/musik-12-2023-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg02.met.vgwort.de/na/20b76ee8c1b544d3861e6af4fd25a3b3" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<title>Musik 12/2022 – Favoriten und Analyse</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2022 23:01:29 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Lange nichts mehr über Musik geschrieben. Es hat endlich ein neues Jahr begonnen. Der früheste Zeitpunkt für Jahresrückblicke ist jetzt. Wer schon im Oktober seinen Jahresrückblick fertiggestellt hatte, dem fehlt in diesem ein Sechsteljahr. Noch bis Silvester hätten theoretisch wunderbare Musikalben rauskommen können und die haben die anderen Rückschauer euch allen unterschlagen. Ich nicht! Daher ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2023/01/musik-12-2022-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2022 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Lange nichts mehr über Musik geschrieben.</p>
<p>Es hat <em>endlich</em> ein neues Jahr begonnen. Der früheste Zeitpunkt für Jahresrückblicke ist <b>jetzt</b>. Wer schon im Oktober seinen Jahresrückblick fertiggestellt hatte, dem fehlt in diesem ein Sechsteljahr. Noch bis Silvester hätten theoretisch wunderbare Musikalben rauskommen können und die haben die anderen Rückschauer euch allen unterschlagen. Ich nicht! Daher bekommt ihr den ersten zuverlässigen <span class="musik-intro-hervorhebung">musikalischen Jahresrückblick 2022</span> derjenigen Alben, die hörenswert sind, exklusiv hier auf dieser bezaubernden Webpräsenz (und später vielleicht auch woanders). Ist das nicht nett von mir?</p>
<p>Wie fast immer hatte ich mehrmals eine musiktheoretische <em>eiaculatio praecox</em> (hehe, <em>cocks</em>) und konnte hinsichtlich der jeweils aktuellen Alben von <a href="https://tuxproject.de/blog/2022/01/kurzkritik-faust-daumenbruch/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Faust</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2022/03/kurzkritik-empath-visitor/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Empath</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2022/04/kurzkritik-jirm-the-tunnel-the-well-holy-bedlam/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">JIRM</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2022/05/kurzkritik-ufomammut-fenice/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Ufomammut</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2022/07/kurzkritik-hiroe-wrought/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Hiroe</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2022/09/kurzkritik-motork-3/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Motor!k</span></a> und <a href="https://tuxproject.de/blog/2022/09/kurzkritik-naenocybboerg-vberrholoekaeaevst/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">NǽnøĉÿbbŒrğ VbëřřĦōlökäävsŦ</span></a> („Nanocyborg Uberholokaust“) nicht an mich halten. Der Rest folgt unten. Das vielgerühmte Rückkehralbum von <span class="musik-review-bandname">Porcupine Tree</span> – ihr „In Absentia“ ist immerhin seit weit über zehn Jahren mein bevorzugtes Avatarbild in manchen <em>sozialen Medien</em> – wusste mich dabei nicht zu begeistern, weshalb es hier nicht vorkommt. Das Leben ist zu kurz für (gleichwie gut gemachten) Kuschelrock.</p>
<p><span id="more-20511"></span></p>
<hr>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/earthless-night-parade-of-one-hundred-demons.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_earthless-night-parade-of-one-hundred-demons.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Earthless – Night Parade of One Hundred Demons</span>
<p>Mit schweren Gitarrenklängen beginnt es: Auf dem aktuellen Studioalbum des US-amerikanischen Psychedelic-Rock-Trios <span class="musik-review-bandname">Earthless</span> klingt fünf Minuten lang leichter Doom an, bevor sich das eröffnende Stück „Night Parade of One Hundred Demons (Part 1)“ in dunklen Blues auflöst, schließlich ganz verstummt und nach fast sieben Minuten plötzlich <em>explodiert</em>. Der Rest des Stücks wird von einer Art <em>heavy psychedelic</em> bestimmt, die man sich wahrscheinlich ungefähr so vorstellen kann, als hätten sich <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> und <span class="musik-review-bandname">Led Zeppelin</span> zusammengeschlossen und beschlossen, künftig Spacerock zu spielen. Der wesentliche Faktor scheint die Gitarre zu sein: Mal darf sie ein ausgiebiges Solo singen, mal ergänzt sie (mit viel Hall) das Treiben der anderen Instrumente. Sind ja nicht so viele, sind nur Schlagzeug und Bass.</p>
<p>„Part 2“ des gleichen Stücks wird mit <em>groovendem</em> Rhythmus aus Schlagzeug und Bass eingeleitet, dazu ein elektronisches Blubbern, über dem bald wieder eine <em>bluesige</em> Gitarre soliert. So ähnlich würde ich einen Wüstenthriller vertonen, glaube ich. Aber ich kenne mich nicht aus mit dem Vertonen von Wüstenthrillern. Es gab 2017 ein Album des fast gleichen Titels von einer Hardcorepunkband. Damit haben <span class="musik-review-bandname">Earthless</span> zum Glück nichts zu tun.</p>
<p>Auf „Night Parade of One Hundred Demons“ gibt es keinen Gesang, aber dafür auch nur drei Stücke. Keines davon ist unter 19 Minuten lang. Wieder eine Band ohne Radiotauglichkeit. Glück gehabt. Es <em>groovt</em> über die gesamte Dauer von etwas über einer Stunde, ohne auch nur kurz das Gefühl auszulösen, das habe man doch gerade erst gehört. Ein Album wie eine einzige lange Improvisation dreier gut eingespielter Musiker. Nicht übel.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Night-Parade-Hundred-Demons-Vinyl/dp/B09LGW2WM6?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="https://tidal.com/browse/album/201014441" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort sonst nichts).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/author-punisher-krueller.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_author-punisher-krueller.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Author &amp; Punisher – Krüller</span>
<p>Kein Knüller, aber zumindest ein Krüller: Unter diesem <em>interessanten</em> Titel veröffentlichte der US-amerikanische Solokünstler und <a href="https://www.midi.org/midi-articles/heavy-metal-midi-by-author-and-punisher" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Erfinder<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> <span class="musik-review-bandname">Tristan Shone</span> im Februar 2022 ein weithin als überdurchschnittlich wahrgenommenes Album. Weil ich den Namen interessant fand, habe ich es mir angehört und ich mag es.</p>
<p>Bereits das erste Stück „Drone Carrying Dread“ – mit 8:16 Minuten Laufzeit das längste auf dem Album – präsentiert die stilistische Bandbreite nahezu in Gänze. Tief tönende Drones (haha, daher der Name; nein, daran dürft’s nicht liegen), Industrialrhythmen und meist <em>cleaner</em> Gesang – der im Verlauf des Albums aber nicht immer so <em>sanft</em> bleibt – sagen mir zu. Ich hab‘ so meine Momente. <em>Im Internet</em> las ich, „Krüller“ sei stilistisch im Wesentlichen <em>Alternative Rock</em>, und das könnte stimmen. Ich höre eine <em>härtere</em> Version von <span class="musik-review-bandname">Linkin Park</span>, eine <em>andere</em> Version der <span class="musik-review-bandname">Nine Inch Nails</span>. Dem Widerklangfreund, der bei meinem Musikgenuss gelegentlich das dominante Ohr führt, gefällt auch das eigenartige elektronische Fiepsen, das manche Stücke (etwa das herrlich zerrissene „Blacksmith“) begleitet; aber <em>fade-out</em> („Glorybox“) ist doch immer ein bedauerlicher Abgang.</p>
<p>Für die Gesamtwertung sind solche <em>fehlenden Enden</em> aber letztlich nicht schmälernd genug: „Krüller“ gefällt. Schön, es entdeckt zu haben, und schön, es weiterempfehlen zu können.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://authorandpunisher.bandcamp.com/album/kr-ller" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="https://www.amazon.de/Krüller-Author-Punisher/dp/B00128UU0E?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD), <a href="https://tidal.com/browse/album/202620750" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort als explizite Lyrik gekennzeichnet).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/animals-as-leaders-parrhesia.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_animals-as-leaders-parrhesia.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Animals as Leaders – Parrhesia</span>
<p>Ich mag ja keinen Metal, <em>aber</em>.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Animals as Leaders</span>, ein US-amerikanisches Trio mit zwei Gitarren und einem Schlagzeug (wenngleich auf „Parrhesia“ <span class="musik-review-bandname">Misha Mansoor</span>, derzeit bei <span class="musik-review-bandname">Periphery</span>, als Bassist gastiert) und keinem Gesang. „Parrhesia“, der Name ihres diesjährigen Studioalbums, ist Englisch und heißt Parrhesie. Das ist witzig, weil Redefreiheit ohne Text gar nicht so einfach funktioniert wie mit Text.</p>
<p>Lassen wir also die Musik für sich sprechen. Das erste Stück „Conflict Cartography“ lässt mich während der gesamten fünf Minuten seiner Dauer in wechselnden Rhythmen neben dem Takt mit dem Kopf nicken, weshalb ich bereits sein <em>intro</em> zum Anlass nehme, dieses Album in diese Liste aufzunehmen. Die ineinander verzwirbelten Instrumente verdrehen dem geneigten Hörer (mir) indes bereits im zweiten Stück „Monomyth“ gehörig den Kopf. Die 80er-Alben von <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> sind gelegentlich – etwa hier – nicht fern und die mag ich bei fortschreitendem Alter auch immer lieber.</p>
<p>Dass die US-Amerikaner am Deutschen so viel Gefallen finden wie ich an ihrer Musik, erkenne ich zumindest am Titel des Stückes „Gestaltzerfall“. Ein schönes Wort. Das klaue ich mal für meine Autobiografie. Das abschließende „Gordian Naught“, das als dritte Single veröffentlicht worden ist (das musste ich nachlesen, Singles interessieren mich seit über zwanzig Jahren nur noch, wenn ich die B‑Seite mag), überwindet quasi im Vorbeigehen die Genregrenzen zwischen Progressive Metal, Math Rock und – tatsächlich – Funk. Interessant. Hörbar. Seltsam.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Parrhesia-Animals-As-Leaders/dp/B09M4R7DKZ?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="https://tidal.com/browse/album/250761740" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort nur Hören).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/green-asphalt.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_green-asphalt.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Green Asphalt</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I know that we will meet again some day.“</span> (She’s a Cow)<br>
<br>
Abseits dessen, dass die meisten früheren Mitglieder von <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span> während <em>der Pandemie</em> tatsächlich mal wieder gemeinsam einen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=NYjFP8gildU" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ihrer <em>hits</em> intonierten<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, war in den letzten Jahren in ihrer musikalischen Nische – ich würd’s <em>Barock-Prog</em> nennen – eher wenig los, und auch der <em>Canterbury Style</em>, eine Zeitlang von (unter anderem) <span class="musik-review-bandname">Argos</span> verwaltet, schien sich ein wenig auszuruhen. Umso mehr freut mich, dass <span class="musik-review-bandname">Green Asphalt</span> auf ihrem Debütalbum beides miteinander verbinden.
<p><span class="musik-review-bandname">Dan Bornemark</span>, befreundet mit <span class="musik-review-bandname">Kerry Minnear</span> und auch sonst im <span class="musik-review-bandname">Gentle-Giant</span>-<em>Kosmos</em> kein völlig Fremder, habe, erzählt das Internet, mit sechs weiteren Musikern (davon drei Sängerinnen) insgesamt siebzehn Jahre lang an diesem Album gearbeitet. Das Ergebnis klingt tatsächlich beeindruckend reif: Mehrstimmige Arrangements mit offensichtlichen („Suit Yourself“) und weniger offensichtlichen („&nbsp;‚Xcuse Me“) Verneigungen vor dem großen Vorbild, zwar weniger Instrumentendurcheinander als das Original, dafür mehr <em>jazzige</em> Canterburypassagen mit Flöte (beachtlich in „She’s a Cow“, in dem übrigens tatsächlich gemuht wird), gelegentliche Anleihen an <span class="musik-review-bandname">David Bowie</span> und dazu eine dem Jahr 2022 angemessene Produktion hinterlassen ein wissendes Lächeln auf dem Gesicht derer, die diesen <em>alten Kram</em> mögen, gegen ein wenig moderne Rockmusik mit Streichern („200 Girls“) aber auch nichts einzuwenden haben.</p>
<p>Auf meinem zum Beispiel.</p>
<p>Das über zehnminütige „Time in Your Face“ rundet das Album schließlich wie eine Zusammenfassung des bis dahin Gehörten – vielleicht mit einem zusätzlichen Löffel <span class="musik-review-bandname">Emerson, Lake &amp; Palmer</span> in der Mischung – ab und macht dabei <em>nichts</em> falsch. Das ist auch mal charmant. Dieses Album macht Spaß. Spaß ist wichtig.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://greenasphalt.bandcamp.com/album/green-asphalt-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/eunoia-psyop-of-the-year.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_eunoia-psyop-of-the-year.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Eunoia – Psyop of the Year</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Eunoia</span> – eigentlich: εὔνοιᾰ – ist Altgriechisch und heißt so viel wie „schön denken“. Der Name ist nicht unbedingt Programm, denn wie Schöndenken klingt das Album „Psyop of the Year“, das im April erschienen ist, eher nicht, sondern vielmehr nach einer seltsamen Mischung aus Grunge, Mathcore und beizeiten („Leather Lollipop“) Postpunk – auch gesprochene/gerufene Spracheinschübe kommen vor – beziehungsweise, wie’s wir Genreagnostiker zu formulieren pflegen, <em>nach Krach.</em></p>
<p>Mitunter instrumental, oft aber mit meist extrovertiertem Gesang (insbesondere in der zweiten Hälfte des Albums wird auch gegrowlt, passt aber trotzdem) gehen die drei Herren hier zu Werke. Ich denke an eine weniger verspielte, dafür <em>ziemlich wütende</em> Version der jetzt auch schon seit fünf Jahren verschwundenen <span class="musik-review-bandname">The Dillinger Escape Plan</span>. Der Name und das Titelbild des Albums folgen dem Konzept des Vorgängeralbums „YOU’RE NOT PARANOID ENOUGH“ (2019), das insgesamt das Bandkonzept zu sein scheint. Das abschließende Stück – keines überschreitet übrigens fünf Minuten Spieldauer – trägt den Titel „&nbsp;‚Saddam Never Worked for the CIA‘ and Other Lies Your Father Told You“.</p>
<p>Das Album klinge von Anfang an nach Gefahr und Unruhe, las ich <em>im Internet</em> und vermag nicht argumentativ zu widersprechen. Ich empfinde während des Hörvorgangs eine Stimmung wie auf einer politischen Demonstration in irgendeiner Großstadt, ein energisches <em>wir gegen die</em> in Musikform; vertrackte Rhythmen inklusive, weil so ein Straßenkampf ja auch selten abläuft wie ein Ballettstück.</p>
<p>„Psyop“ ist ein fremdsprachiges Kurzwort für psychologische Kriegsführung. Passt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/dp/B09TY4XL7X?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://eunoia513.bandcamp.com/album/psyop-of-the-year" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD), <a href="https://tidal.com/browse/album/219336255" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort sonst nichts).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/shadow-universe-subtle-realms-subtle-worlds.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_shadow-universe-subtle-realms-subtle-worlds.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Shadow Universe – Subtle Realms, Subtle Worlds</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Shadow Universe</span> ist der Projektname vierer slowenischer Musiker. Auf ihrem dritten Album „Subtle Realms, Subtle Worlds“ ist interessant groovender Instrumentalpostrock mit <em>wirklich viel</em> Klavier, gespielt von <span class="musik-review-bandname">Peter Dimnik</span> (auch: Gitarre und Synthesizer), und hin und wieder auch Geige zu hören, zwei der sechs Stücke haben Gastmusiker. Es handelt sich um ein Konzeptalbum, das die Annahme vertonen soll, dass jeder Mensch in seiner eigenen Welt lebt, weil er sie auf eine einmalige Art wahrnimmt oder so.</p>
<p>Das ist eine ziemlich esoterische Prämisse, der ich nur auszugsweise folgen kann, aber der Stimmungswechsel zwischen analogmusikalischer Beschaulichkeit, Bedrohlichkeit („Losing Home“) und Post-Metal-Eruptionen – „Frieden und Chaos“, wie’s der Pressetext nennt – ist tatsächlich erstaunlich fesselnd (aber auf die gute Art) und lässt mich <em>eigentlich</em> nur schade finden, dass das Album mit nur 38:10 Minuten Laufzeit viel zu kurz scheint, ohne dabei wirklich kurz zu sein.</p>
<p>Ich freue mich trotzdem und genieße sichtlich still.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Subtle-Realms-Worlds-Vinyl-LP/dp/B09QP3M92P?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="https://shadowuniverse.bandcamp.com/album/subtle-realms-subtle-worlds" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="https://tidal.com/browse/album/203761203" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort weder CD noch Vinyl).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/bruecken-innere-unruhen.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_bruecken-innere-unruhen.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Bruecken – Innere Unruhen</span>
<p>„Innere Unruhen liegen dann vor, wenn zahlenmäßig nicht unerhebliche Teile des Volkes in einer die öffentliche Ruhe und Ordnung störenden Weise in Bewegung geraten und Gewalttätigkeiten gegen Personen oder Sachen verüben“ (Internet). Da freut man sich gleich noch ein wenig mehr, dass man den Genuss von „Innere Unruhen“ der Oldenburger Postrockband <span class="musik-review-bandname">Bruecken</span> halbwegs ohne Prügelei überstehen kann, wenn man will.</p>
<p>Dass dem Rezensenten (d.h.: mir) im zweiten Stück „Abgrundtief“, das insofern immerhin einen passenden Namen trägt, immer wieder der Refrain von „Ein Kompliment“ der <span class="musik-review-bandname">Sportfreunde Stiller</span> ins Gedächtnis gerufen wird, spricht nicht für meinen <em>damals</em> konsequent durchgehaltenen hervorragenden Musikgeschmack, ist aber auch einer der seltenen Momente auf „Innere Unruhen“, in denen mir irgendwas <em>bekannt vorkommt</em>. Von wegen, Postrock klinge <em>immer gleich</em>.</p>
<p>Schwaches gibt es ebenfalls so gut wie nicht; vielleicht: Dem Sechseinhalbminüter „Ataxie“ haftet streckenweise ein gewisser Demo-EP-Charme an. Aber ich mag Demo-EPs von Postrockgruppen eigentlich fast immer. <em>Natürlich</em> lassen auch <span class="musik-review-bandname">Bruecken</span> das altbekannte Laut-Leise-Spiel nicht ungespielt, aber sie versuchen nicht eine Spalte in der Rezensionsrubrik „klingt wie …“ auszufüllen. Das finde ich sehr nett von ihnen. Zu ihren Vorbildern, behauptet irgendein Pressetext indirekt, zählen unter anderem <span class="musik-review-bandname">Red Sparowes</span>, diejenige Postrockband also, von der ich annehme, sie habe irgendeine Wette mit irgendwem laufen, wie lang die Titel ihrer Stücke sein dürfen, bevor jemand einschreitet.</p>
<p>Eine direkte Relation zwischen Namen und <em>Stimmungen</em> der auf „Innere Unruhen“ enthaltenen Musik kann ich auch schemenhaft erkennen; „Lichterloh“ klingt so, wie es heißt, und „Immersion“ wirkt tatsächlich immersiv. Das Album sei inspiriert von den „Gefühlen des Unbehagens“, behaupten die Musiker, reden aber von „Songs“, obwohl gar keiner singt. Unbehaglich ist „Innere Unruhen“ jedenfalls nicht geworden, aber ihnen das vorzuwerfen liegt mir fern. Stattdessen danke ich ihnen für ein gelungenes Stück inneres Gleichgewicht spendender Musik. Ätsch.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://bruecken.bandcamp.com/album/innere-unruhen-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="https://tidal.com/browse/album/215339891" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort Stream).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/dalek-precipice.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_dalek-precipice.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">dälek – Precipice</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Tick, tock, motherfucker!“</span> (A Heretic’s Inheritance)
<p>Ohne deren Zusammenarbeit mit <span class="musik-review-bandname">Faust</span> („Derbe Respect, Alder“, 2004) hätte ich die Existenz von <span class="musik-review-bandname">dälek</span>, einer US-amerikanischen Hip-Hop-Gruppe um den Frontmann <span class="musik-review-bandname">MC dälek</span>, benannt nach (aber falsch abgeschrieben von) Mutanten aus einer britischen Science-Fiction-Serie, wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen. Wer mag schon Hip-Hop?</p>
<p>„Precipice“, ihr 2022er Album, beginnt aber auch gar nicht mit Hip-Hop, sondern mit der „Lo-Fi-Soundwand“ (Dominik Steiner) „Lest We Forget“, die nicht im Geringsten auf das vorbereitet, was kommen mag: Im folgenden „Boycott“ wird druckvoll und <em>sehr US-amerikanisch</em> gerappt, wobei die Geräuschcollage im Hintergrund mich eher an <span class="musik-review-bandname">Jambinais</span> „Abyss“ als an typische Vertreter zeitgenössischen Sprechgesangs erinnert. dälek vermengen Industrial- ebenso wie krautige Elektronikklänge mit <em>handelsüblichem</em> Hip-Hop, als hätten sie eigentlich Berliner Elektronik aufnehmen wollen, dann aber <em>beats</em> und Bässe drübergeschüttet und plötzlich war’s eine andere Art von Musik. Nicht schlecht.</p>
<p>Diese Art klanglicher Hervorbringungen ohne Längen zu produzieren erscheint schwierig, und obwohl nur „A Heretic’s Inheritance“ sechs Minuten Laufzeit überschreitet, bemerke ich beim Hören des Albums, dass es manchmal ein paar Takte weniger auch tun würden, etwa in „Good“; andererseits lässt sich so die melodische Struktur noch etwas länger genießen, was ich insbesondere in den <em>Industrial</em>-näheren Stücken (etwa „The Harbingers“) gern annehme.</p>
<p>Auf der Vorabsingle „A Heretic’s Inheritance“ gastiere <span class="musik-review-bandname">Adam Jones</span> (unter anderem Gitarrist von <span class="musik-review-bandname">Tool</span>), vermeldet der Pressetext mit erkennbarem Stolz, und obwohl ich <span class="musik-review-bandname">Tool</span> gar nicht mal besonders gern mag, möchte ich diese fast sieben Minuten vorsichtig als den musikalischen Höhepunkt auf „Precipice“ bezeichnen: Kopfnickrhythmus, ein seltsam schräges Elektronikfundament, vier Minuten Instrumentalintro und erst dann von anschwellendem Krautrock (Krautrock!) begleiteter Sprechgesang, danach ein sanftes, aber schnelles Ausklingen. Ich bin angetan.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://dalek.bandcamp.com/album/precipice" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="https://www.amazon.de/Precipice-Dälek/dp/B09NS3KVV8?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="https://tidal.com/browse/album/226100037" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort sonst nichts).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/scoof-cdr003sa.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_scoof-cdr003sa.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Sc’ööf – CDR003SA</span>
<p>Ich weiß noch ungefähr, was eine CD‑R ist, und ahne daher auch, warum das Album „CDR003SA“ (das es indes nur auf Kassette und als Download gibt, nicht jedoch auf CD) so heißt, wie es heißt. Da endet mein Wissen aber auch schon.</p>
<p>Ich weiß nicht, was <span class="musik-review-bandname">Sc’ööf</span> – vier Herren aus der Schweiz und der Name der Band – heißen soll (zumindest die Aussprache ist klar: in „B“ und anderen Interludien klingt es ungefähr wie „Scurf“), und ich weiß auch nicht, was das hier genau ist. Musik, vermutlich, „brutal jazz“, also „brutaler Jazz“, kolportiert die Gruppe selbst bzw. lässt die Gruppe ihre Plattenfirma kolportieren, das weiß man ja heute nie so genau. Strukturen gibt es auf „CDR003SA“ jedenfalls nicht zu hören und Rhythmen auch nicht. Kein Stück überschreitet 3:16 Minuten Laufzeit, die meisten schaffen nicht mal 2 Minuten, bis auf das 13. Stück „10“, das fast 22 Minuten lang ist.</p>
<p>Das ist alles ein fabelhafter Krach auf „CDR003SA“, unterbrochen von Pseudo-Spotify-Werbung für die <a href="https://scoeoef.bandcamp.com" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcampseite<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> von <span class="musik-review-bandname">Sc’ööf</span>. Ich finde das lustig. Alles klingt, als würde man leiernde Kassetten auf zerkratzte CDs überspielen, und zwar mit einem Bagger. Viele Stücke hören abrupt auf. Das passt alles ins Konzept.</p>
<p>In der Rubrik „klingt wie“ kriegt „CDR003SA“ bei mir zehn Punkte auf der Kopfschmerz- und immerhin acht auf der „asia“-Skala. Langjährige Leser wissen: „asia“ von <span class="musik-review-bandname">boris</span> ist bis heute ein von mir gern zitiertes Album, wenn es um fabelhaften Krach geht. Mal was anderes als Gitarre.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Bandcamp.com wurde ja bereits verlinkt, mehr gibt es anscheinend nicht. Qualität muss man halt manchmal auf ungewohnten Pfaden suchen. Verdammter Kapitalismus.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/julie-tippetts-martin-archer-illusion.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_julie-tippetts-martin-archer-illusion.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Julie Tippetts &amp; Martin Archer – Illusion</span>
<p>Im Jahr 1969 nahm die junge Sängerin <span class="musik-review-bandname">Julie Driscoll</span> ihr erstes Soloalbum auf, das den Titel „1969“ trug. Bereits auf diesem gastierten unter anderem Mitglieder von <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span> sowie der mittlerweile verstorbene Jazzpianist <span class="musik-review-bandname">Keith Tippett</span>, der eigentlich Tippetts hieß und später ihr Ehemann wurde. In der Folge tauchte <span class="musik-review-bandname">Julie Driscoll</span> als <span class="musik-review-bandname">Julie Tippetts</span> in zahlreichen Besetzungslisten von Projekten von und mit letzterem auf, darunter auf dem empfehlenswerten Album „Septober Energy“ des 55-köpfigen Ensembles <span class="musik-review-bandname">Centipede</span>.</p>
<p>Seit einigen Jahren arbeitet sie vor allem mit <span class="musik-review-bandname">Martin Archer</span> zusammen, seines Zeichens Jazzsaxophonist und Keyboarder. Beide veröffentlichten im Jahr 2022 gemeinsam „Illusion“, was ein fast zweieinhalbstündiges Doppelalbum ist, das aus zwei <em>eigentlich</em> separaten Alben besteht, namentlich aus der avantgardistischen „Illusion Suite“, die aus sieben Teilen besteht, die aber wiederkehrende Themen aufweisen und insofern als <em>einzelnes Stück</em> begriffen werden sollten, sowie dem „Circle of Whispers“, der 13 einzelne, überwiegend in Jazz und Jazzrock anzusiedelnde Stücke umfasst. „Circle of Whispers“ beginnt dabei mit einem kraftvoll vorgetragenen Lied namens „Illusion“, schließt somit zumindest thematisch an die „Illusion Suite“ an.</p>
<p>Der kraftvolle Vortrag ist tatsächlich einer der stärksten Aspekte dieses ohnehin starken Albums. <span class="musik-review-bandname">Julie Tippetts</span> ist im Juni 2022 75 Jahre alt geworden, aber ihre Stimme – Alt, behauptet <em>das Internet</em> zugunsten von Holzohren wie mir – scheint das noch nicht gemerkt zu haben; da ist <em>ordentlich Feuer</em> drin. Überhaupt ist ihr wesentliches Instrument seit Jahrzehnten ihre Stimme und sie weiß sie einzusetzen (hierzu beachtliches Stück: „Never As They Seem“). Finde ich gut. <span class="musik-review-bandname">James Archer</span>, der vermutlich irgendwie mit <span class="musik-review-bandname">Martin Archer</span> verwandt ist oder auch nicht, streute über das Album eine Portion <em>beats</em> und <em>loops</em>, manchmal lugt also etwas Discomusik (mit Stampfbeat) vorsichtig um die Ecke, wird dabei aber niemals aufdringlich und bleibt nie lange. Die Aufmerksamkeit des Hörers hat auch genug anderes zu tun; der vermeintlich leichtfüßige Jazz weicht an interessanten Stellen (sehr, sehr gutes Teilstück: „Pandemonium“) einer RIO-Detonation mit eskalierenden Blasinstrumenten, findet aber stets zurück in die Spur.</p>
<p>Das letzte Stück der „Illusion Suite“ heißt „Turn It Around“, also „dreh es um“. Zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Rezension – 18. Juni 2022 – gibt es „Illusion“ (noch?) nicht auf Vinyl, sonst wäre das ein guter Abschluss meiner Ausführungen. Schade.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Illusion-Julie-Archer-Martin-Tippetts/dp/B09V318H6B?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD), <a href="https://discusmusic.bandcamp.com/album/illusion-131cd-2022" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch Download und CD), <a href="https://tidal.com/browse/album/221410016" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort sonst nix).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/j-peter-schwalm-stephan-thelen-transneptunian-planets.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_j-peter-schwalm-stephan-thelen-transneptunian-planets.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">J. Peter Schwalm &amp; Stephan Thelen – Transneptunian Planets</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Stephan Thelen</span> ist ein in Zürich lebender Komponist, Musiker und Mathematiker, den wiederholte Leser meiner Rezensionen vielleicht bereits als Mitglied der Gruppe <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/02/kurzkritik-sonar-black-light/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Sonar</span></a> kennen, <span class="musik-review-bandname">J. Peter Schwalm</span> wiederum ist ein deutscher Komponist und Musikproduzent, der um das Jahr 2000 herum erstmals in hinreichend populärem Umfeld, nämlich in mehreren Gemeinschaftsarbeiten mit <span class="musik-review-bandname">Brian Eno</span>, von sich hören ließ. Gemeinsam mit drei weiteren, an der Komposition jedoch nur wenig beteiligten Musikern, darunter dem Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Manuel Pasquinelli</span> (ebenfalls für <span class="musik-review-bandname">Sonar</span> tätig), haben die beiden in elektronischer Avantgarde bewanderten Herren unter dem Titel „Transneptunian Planets“ acht transneptunischen Objekten – unter ihnen <em>natürlich</em> Pluto und sein Herausforderer Quaoar – jeweils ein weitgehend instrumentales Stück mit wenigen Spracheinwürfen gewidmet.</p>
<p>Gelegentlich zerreißt eine schneidende Gitarre das elegant gewobene Tuch, aber größtenteils wird mit „Transneptunian Planets“ eine vordergründig groovende, im Detail aber <em>erfrischend verknotete</em> Weltraumlandschaft gemalt, deren Vortrag zwischen Spacerock, Industrial und Postrock schwebt (überhaupt: Schweben), angereichert allerdings mit einer oft kaum auffällig polyrhythmischen Grundstruktur, die vermeintliches Ambient (schöner Kontrast: „Orcus“) in Spannung versetzt, ohne es zu <em>verderben</em>. Mitunter, etwa im Stück „GongGong“ (mit der Band <span class="musik-review-bandname">Gong</span> hat es trotz ähnlicher musikalischer Ziele nichts zu tun), atmet „Transneptunian Planets“ auch etwas vom Geist des frühen Krautrocks (ich meine die <em>mittleren</em> <span class="musik-review-bandname">Can</span> zu hören), der Fokus liegt aber klar auf der <em>Reise durch das All</em>. Längen gibt es kaum, erst das vorletzte Stück „Sedna“ hätte meiner Meinung nach etwas kürzer sein können, aber ich bin ja auch Konsument und nicht <em>creator</em> und habe darum kein Mitspracherecht. Musik ist keine Demokratie. Das ist wahrscheinlich auch besser so.</p>
<p>Die Musiker haben, behauptet der Pressetext, sich von den äußeren Grenzen des Kosmos inspirieren lassen. Da war ich noch nie, aber es scheint dort voller Wohlklang zu sein. Vielleicht gucke ich doch mal, wann die nächste Bahn dahin fährt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://stephanthelen.bandcamp.com/album/transneptunian-planets" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="https://www.amazon.de/Transneptunian-Planets-J-Peter-Schwalm/dp/B09X3D44T9?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="https://tidal.com/browse/album/231933250" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort nur Stream).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/tassenschrank-vom-erfolg-verfolgt.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_tassenschrank-vom-erfolg-verfolgt.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Tassenschrank – Vom Erfolg verfolgt</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Kapitalismus, ich liebe dich / ich verehre dich ewiglich!“</span> (Ich habe Geld)
<p>„Die irrste Band Europas“, schreibt der Verantwortliche für die Website von <span class="musik-review-bandname">Tassenschrank</span> auf der Website von <span class="musik-review-bandname">Tassenschrank</span>, sei <span class="musik-review-bandname">Tassenschrank</span>. <a href="https://web.archive.org/web/20220801195652/https://tassenschrank.com/the-band/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Lorem ipsum!<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Das Schweizer Quintett sei im Jahr 2020 gegründet worden, als auch in der Schweiz plötzlich jede Menge Freizeit da war. Die Plattenfirma pretty noice, bei der 2022 ihr Debütalbum „Vom Erfolg verfolgt“ veröffentlicht wurde, verlegt unter anderem auch <span class="musik-review-bandname">Das Niveau</span> und <span class="musik-review-bandname">Die Streuner</span>. Wer daraus abzuleiten versucht, wie „Vom Erfolg verfolgt“ wohl klingt, der wird voraussichtlich scheitern.</p>
<p><em>Folk</em> spielen <span class="musik-review-bandname">Tassenschrank</span>, anders als die genannten Kollegen, in keiner Weise, hingegen einen humorvollen, oft gar albernen Poprock, der Genregrenzen allenfalls als grobe Empfehlung, nicht aber als festen Rahmen begreift. <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span> und <span class="musik-review-bandname">Primus</span> („Ich habe Geld“) kann ich ebenso wie die Neue Deutsche Welle („Der Wald“) als Inspirationen ausmachen, möglicherweise unbeabsichtigt, aber nicht ungefällig, hier und da auch mit Ohrwurmqualitäten: „Und plötzlich der Regen“ – so endet „Der Wald“ und damit auch das Album – bleibt noch eine Weile im Ohr.</p>
<p>Vom Erfolg verfolgt sind <span class="musik-review-bandname">Tassenschrank</span> tatsächlich, immerhin haben sie es hier auf diese noble Liste geschafft. Hoffentlich bleiben sie ihr auch mit dem nächsten Album gerecht – der Einstand war schon mal gut.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://tidal.com/browse/album/214382376" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat einen Komplettstream, es gibt im Übrigen auch einen offiziell scheinenden <a href="https://www.youtube.com/@tassenschrank8454" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube-Kanal<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> mit Auszügen aus dem Album.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/birth-born.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_birth-born.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Birth – Born</span>
<p>Da hat die <em>Birth Control</em> zum Glück versagt: „Born“, das Debütalbum von <span class="musik-review-bandname">Birth</span>, klingt tatsächlich eher britisch und ist <em>nach meinem Empfinden</em> das beste 70er-Progressive-Bluesrock-Album, das mir 2022 untergekommen ist. <span class="musik-review-bandname">Birth</span> ist trotzdem ein US-amerikanisches Quartett, das überwiegend aus Mitgliedern der derzeit anscheinend pausierenden Progressive-Rock-Band <span class="musik-review-bandname">Astra</span> besteht.</p>
<p>Ich höre <span class="musik-review-bandname">Deep Purple</span> („Descending Us“), die <span class="musik-review-bandname">Beatles</span>, frühe <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> (schön!), aber auch eine gitarrenorientierte Version von <span class="musik-review-bandname">Yes</span> („Born“), allgemein viel AOR mit wenig, dafür angenehm mit der Musik harmonierenden Gesang. Davon können sich andere zeitgenössische Musikgruppen, die versuchen, in den 1970er Jahren zu wildern, eine große Scheibe abschneiden und dann ist immer noch genug übrig. An Text soll’s auch genug sein.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://birthprog.bandcamp.com/album/born" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD, Vinyl und Beutel), <a href="https://www.amazon.de/Born-Black-Vinyl-LP/dp/B0B18WPS6K?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="https://tidal.com/browse/album/227638431" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort keine Tonträger).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/ana-fosca-poised-at-the-edge-of-structure.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_ana-fosca-poised-at-the-edge-of-structure.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">ANA FOSCA – Poised at the Edge of Structure</span>
<p>Ein zumindest glücklicher Zufall – ihre Mitwirkung an einer Zusammenstellung von Stücken von mehreren Künstlern, die mir aus nicht mehr lückenlos rekonstruierbaren Gründen empfohlen wurde – stellte mir <span class="musik-review-bandname">Ana Fosca</span> („ANA FOSCA“, die Groß- und Kleinschreibung scheint so gewollt zu sein) vor, eine der dänischen Untergrundszene anscheinend entwachsenden Musikerin aus Kopenhagen, die eigentlich anders heißt und, wie man den Presseinformationen entnehmen kann, beeinflusst wurde von „Kierkegaard, Plath, Tarkowski, Hannah Arendt, Wiener Aktionismus, Éliane Radigues Ansatz des Zuhörens, den Filmen von Kurt Kren“ sowie den „Gedanken und Schriften von Simone de Beauvoir“. Ihr neues Album „Poised at the Edge of Structure“ ist ihr Debüt bei der bemerkenswerten, weil wohl <a href="https://www.helenscarsdale.com/about.htm" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">aus <em>Liebe</em> zur Musik<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> statt aus rein finanziellen Erwägungen seit 2003 von einer Privatperson betriebenen Plattenfirma „The Helen Scarsdale Agency“, die ich bislang auch gar nicht kannte. Diese sei, erfahre ich, spezialisiert auf Post-Industrial, Surrealismus, Minimalismus und so weiter. Das klingt unironisch einladend nach fürchterlichem Krach, aber ich bin ja auch komisch.</p>
<p>„Poised at the Edge of Structure“ ist tatsächlich kein geeignetes Album für eine spaßige Tanzveranstaltung oder auch nur für ein Rendezvous (es sei denn, der Rendezvouspartner ist ebenfalls komisch). Es brummt, es knattert, manchmal zirpt es, irgendwo spricht eine Frau zum Verstehen zu Verzerrtes. „Gegensätzliche Kräfte, sengendes Geräusch und bedrohliches Dröhnen“, teilt der Pressetext weiter mit, seien der Kern dieses Albums, in den von Stimme ergänzten Teilen gepaart mit einer „kathartischen Beschwörung“ mit dem Ziel, „in all der Qual und Verzweiflung“ einen Sinn zu finden. Nach Abschluss des ersten Hördurchgangs (grundsätzlich ist der optimale Zeitpunkt für eine Rezension, wie ich finde, derjenige, der die spontanen Eindrücke noch frisch abbilden lässt) verstehe ich das nicht: Es fühlt sich alles irgendwie <em>sinnlos</em> an.</p>
<p>Genau die richtige Dosis <span class="musik-review-bandname">CoiL</span> und <span class="musik-review-bandname">Throbbing Gristle</span> füllt die vermeintliche Lücke, die der oft scheinbar fehlende Rhythmus hinterlässt. Der fehlt aber gar nicht, auch wenn gerade keine Trommeln ertönen, sondern er findet im Kopf statt. <em>Natürlich</em> klingt „Poised at the Edge of Structure“ in den Stücken, in denen die <em>Kante der Struktur</em> zurückgelassen wird, wie eine einsame Fabrikhalle, in der irgendeine Maschine effizient auf Metall rumkloppt. <em>Natürlich</em> ist dieses Album von dem, was diejenigen, die <span class="musik-review-bandname">Rammstein</span> oder meinetwegen <span class="musik-review-bandname">Laibach</span> als typische Industrialband verstehen, als „Industrial“ bezeichnen würden, so weit entfernt wie <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span> von einem Herrn, der beruflich singen sollte. Ich weiß nicht, wie ich die hier enthaltene Musik zusammenfassen soll. Ambient des Todes vielleicht. Factory Noise. Sengendes Geräusch und bedrohliches Dröhnen. Es ist <em>geil</em>. Ich mag das Wort nicht, aber es stimmt. Es ist nur etwas bedauerlich, dass es anscheinend derzeit <em>(Stand: 30. August 2022)</em> keine Vinylauflage gibt; bei <em>kleinen</em> Künstlern indes nicht ungewöhnlich.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://helenscarsdale.bandcamp.com/album/poised-at-the-edge-of-structure" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD), <a href="https://www.amazon.de/dp/B09SVW8ZBP/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort tatsächlich mal nur Stream), <a href="https://tidal.com/browse/album/217771810" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/the-slow-light-liminal.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_the-slow-light-liminal.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Slow Light – Liminal</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„As the sands divide / you see your ending / of grains piling as memories.“</span> (The Hourglass)
<p>Das jährliche Soll an gutem Postrock wurde 2022 von Alteingesessenen wie <span class="musik-review-bandname">Long Distance Calling</span> eigentlich übererfüllt, das Debütalbum der australischen Gruppe <span class="musik-review-bandname">The Slow Light</span> – „Liminal“ betitelt – bedarf dennoch besonderer Erwähnung, denn Postrock ist nur eine ihrer Facetten. „Liminal“ bedeutet ungefähr „Schwellenwert“, was passt, denn auf der <em>Schwelle</em> zwischen Postrock, Spacerock und <em>klassischem</em> Progressive Rock (sehr schön: der Bass im Mittelteil des Titelstücks), nicht <em>ganz</em> unähnlich den älteren Soloalben <span class="musik-review-bandname">Steven Wilsons</span>, bewegen sich die fünf Musiker hier fast eine Dreiviertelstunde lang. Die Streicher sind leider nicht echt, klingen aber schön.</p>
<p>Bei „Liminal“ handelt es sich um ein Konzeptalbum, das „die Kämpfe der Trauer und des Existenzialismus beleuchtet“, erklärt der Informationstext zum Album nebulös. Dieses Konzept wird von den von <span class="musik-review-bandname">Jack Bolingbroke</span> – schöner Name auch – intonierten Texten abgebildet, es existiert also wirklich. Das muss man bei vermeintlichen Konzeptalben dieser Tage ja immer dranschreiben.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://theslowlight.bandcamp.com/album/liminal" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (nur Digitales), <a href="https://www.amazon.de/dp/B0B94WT9XK/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (nur Digitales), <a href="https://tidal.com/browse/album/242302713" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (nur Digitales).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/archive-call-to-arms-and-angels.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_archive-call-to-arms-and-angels.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Archive – Call to Arms &amp; Angels</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I’m constantly falling / I constantly rise“</span> (Shouting Within)
<p>Ab „Controlling Crowds“ von 2009 hatte ich die Londoner Artrockgruppe <span class="musik-review-bandname">Archive</span> zwar noch <em>im Auge gehabt</em>, aber kaum mehr wirklich zu schätzen gewusst – spätestens der Gastrapper auf dem genannten Album hatte mir jede Lust an der zuvor für <em>eigentlich</em> ganz gut befundenen Band weitgehend genommen.</p>
<p>Nun erschien 2022 mit „Call to Arms &amp; Angels“ ein mit über anderthalb Stunden Laufzeit (das sind ungefähr drei Schallplatten, zumindest wird das Album als Dreifach-LP verkauft) nicht unbedingt kompaktes neues Album der wohl auf die Stammbesetzung aus den beiden letzten verbliebenen Gründungsmitglieder <span class="musik-review-bandname">Darius Keeler</span>, den eine Krebserkrankung 2022 erfreulicherweise nicht dahingerafft hat, und <span class="musik-review-bandname">Danny Griffiths</span>, die allerdings diesmal satte 14 Gastmusiker um sich geschart haben, darunter auch die langjährigen Sängerinnen <span class="musik-review-bandname">Holly Martin</span> und <span class="musik-review-bandname">Maria Q</span>. Rap gibt es diesmal gar nicht zu hören, stattdessen angenehm intensive Elektronik, die den Postrock früherer Alben immer mal wieder durchscheinen lässt und in längeren Teilen wie dem fast viertelstündigen Stück „Daytime Coma“ auch den Industrial mindestens streift. während die zweite Hälfte des Achteinhalbminüters „Enemy“ EBM und Postpunk <em>gar nicht schlecht</em> miteinander kombiniert. Die musikalischen Wurzeln der beiden faktischen <em>Bandleader</em> in der Londoner Tanzclubszene sind eben nie ganz verblasst.</p>
<p>„Call to Arms &amp; Angels“ wirkt wie eine Werkschau von <span class="musik-review-bandname">Archive</span>, aber das war ja „25“ (2019) schon: Bereits in den ersten sechs Stücken gibt es – außer Rap <em>natürlich</em> – einen Querschnitt aus all ihren bisherigen musikalischen Phasen. Dominant ist erstaunlich gitarrenfreundlicher psychedelischer Shoegaze mit einem Quäntchen Elektronik, die sich wie ein Schleier über die wenigen Popanklänge („Every Single Day“) legt. Obwohl es auf „Call to Arms &amp; Angels“ mehrere <em>lange Stücke</em> gibt, kann ich musikalisch keine einzige <em>Länge</em> ausmachen. Sehr erfreuliches Album, sehr erfreulicher Zufallsfund. Danke, <span class="musik-review-bandname">Archive</span>. Jetzt bitte so bleiben.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Call-Arms-Angels-2cd-Archive/dp/B09L9T6F84?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (auch Vinyl, CD ebenfalls dort irgendwo), <a href="https://tidal.com/browse/album/226100102" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (weder Vinyl noch CD).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/huracan-we-are-very-happy.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_huracan-we-are-very-happy.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Huracán – We Are Very Happy</span>
<p>So fröhlich wie das Titelbild dieses Albums ist auch die Musik und so ähnlich fühle ich mich, wenn ich einen schlechten Tag habe; soll heißen: Wenn <span class="musik-review-bandname">Huracán</span> so klingen, wenn sie <em>very happy</em> sind, möchte ich sie lieber nicht schlecht gelaunt erleben.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Huracán</span> kommen aus Belgien, aber das macht nichts. Gesungen wird trotzdem auf Englisch. Der Bandname – so heißt auch ein Auto, wahrscheinlich aus dem gleichen Grund – wurde dem Mayagott des Windes, des Sturmes und des Feuers entliehen und beschmutzt seinen Namen keineswegs, denn dargeboten wird <em>stürmischer, feuriger</em> Sludge Metal. Die beiden Gastsängerinnen <span class="musik-review-bandname">Nele De Gussem</span> (sonst bei <span class="musik-review-bandname">Maya’s Moving Castle</span> und <span class="musik-review-bandname">Future Old People Are Wizards</span> beschäftigt) und <span class="musik-review-bandname">Evelien Weymaere</span> (sonst anscheinend nirgends) sind erfreulich, aber die Stücke ohne ihre Beteiligung <em>liefern</em> trotzdem, wie es in zeitgenössischer Formulierung heißt. Zum eröffnenden Titelstück, das die Essenz des Albums (d.h. zentral ins Antlitz zimmernden Stoner, Doom und Postmetal) bereits in sich vereint, gibt es <a href="https://www.youtube.com/watch?v=7CGIaKYcsWM" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ein merkwürdiges Musikvideo.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Gefällt.</p>
<p>„Dem Gelegenheitshörer“, schrieb jemand anderswo, könnte dieses Album „etwas sperrig erscheinen“. Nun bin ich Gelegenheitshörer des Artverwandten, denn mein Leben ist selbst mir etwas zu kurz, um mich fortwährend anbrüllen zu lassen, aber ich teile diese Auffassung nicht. Im Gegenteil: Es könnte meinetwegen gern noch länger sein. Aber so viel Musik, so wenig Zeit. Mein altes Problem.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://huracantheband.bandcamp.com/album/we-are-very-happy" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (nur Stream), <a href="https://www.amazon.de/dp/B0BCL45BFH/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (nur Stream), <a href="https://tidal.com/browse/album/245994035" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (nur Stream).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/holz-holz.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_holz-holz.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Holz – Holz</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Die Hügel schieben sich an mir vorbei / mit äußerster Geduld.“</span> (50 Meilen geradeaus)
<p><em>Ich und mein</em> – nein, dies ist einfach nur „Holz“, nicht „Holziholz“ und schon gar nicht „Holziholziholz“, das jüngste und womöglich erste Studioalbum des Kasseler Trios gleichen Namens. <span class="musik-review-bandname">Holz</span> gab es von 2011 bis ungefähr 2016 und seit ungefähr 2021 wieder, sofern ich die Informationen <em>im Internet</em> korrekt zusammengekratzt habe. Die zehn Lieder sind überwiegend zwischen vier und viereinhalb Minuten lang, manchmal kürzer, nur „Garten“ hebt mit 8:32 Minuten Laufzeit den Schnitt deutlich.</p>
<p>Die zusätzlichen Minuten in „Garten“ werden überwiegend mit Instrumentalem gefüllt, womit wir auch schon bei der Hauptsache wären, nämlich der Musik; und die ist gut gelungen. <span class="musik-review-bandname">Holz</span> spielen energiegeladenen, dabei aber staubtrockenen Stoner Rock mit unanstrengend, aber kraftvoll vorgetragenen deutschen Texten. Irgendwo begegnete ich dem Einwand, Sänger <span class="musik-review-bandname">Leonard Riegel</span> habe eine nicht überzeugende Stimme, aber <em>mir</em> gefällt sie – sie hat genau das richtige Maß an <em>Dreckigkeit</em>, ohne dabei (ein Fehler, den sonst viele artverwandte Gruppen machen) in Metalgegrunze zu verfallen. Die Band selbst nennt ihren Stil auf Bandcamp in den <em>tags</em> „Stonerpunk“, passen könnte es. Saufen und Politik kommen in den Texten aber nicht vor, es ist also die jenseits von Feiern und Massenveranstaltungen <em>bessere</em> Art von Punk. „Holz“ macht Spaß, „Holz“ hebt die Stimmung. Ich finde diese Wirkung empfehlenswert.</p>
<p>Das Coverbild finde ich übrigens seltsam, aber seltsam mag ich ja.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://holzholzholz.bandcamp.com/album/holz" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="https://www.amazon.de/Holz-Ltd-180g-Black-Lp-Vinyl/dp/B0BFV28XQH?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/kamala-limbo666.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2022/12/Vorschau_kamala-limbo666.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Kamala – limbo666</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Kamala</span>, dieses Wort habe ich in einem Wiki namens „Yogawiki“ gefunden, ist ein Wort aus dem Sanskrit und bedeutet Lotosblüte. Überhaupt nicht indisch ist allerdings eine der mindestens zwei Musikgruppen gleichen Namens, von denen nämlich eine wiederum in Leipzig ansässig zu sein behauptet und auf ihrem jüngsten Album „limbo666“ erfreulicherweise trotzdem auf Englisch und nicht auf Sächsisch singt. Die Texte sind diesseitsbezogen und recht unmeditativ (der Titel „Freudian Autocorrect“ verrät es schon beim Drüberlesen). Alles Übrige würde mir auch missfallen.</p>
<p>Dass bereits das Titelstück („Limbo“, allerdings kommt „666“ im Text vor), das das Album anführt, nach etwas mehr als viereinhalb Minuten langweilig ausgeblendet wird, schmälert meine Freude ein wenig, aber grundsätzlich ist das hier zu Hörende nicht zu verachten: Ich höre recht geradlinigen, solide und mit <em>coolem</em> Gesang dargebotenen und nur selten („Freudian Autocorrect“ – zum Zeitpunkt der Niederschrift mein Favorit auf diesem Album) ins Harte gedrehten, manchmal („Narcissus“) hingegen balladesken Psychedelic Rock ohne Ecken und Kanten und ohne allzu abgedrehte Experimente. Ohne einen einzigen <em>Ausfall</em>. Wie unaufregend. Wie schön. Kann man mal machen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://kamalapsych.bandcamp.com/album/limbo666" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD und Vinyl), <a href="https://www.amazon.de/Limbo666-Kamala/dp/B0BHMZHMK3?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch CD), <a href="https://tidal.com/browse/album/256721206" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort weder CD noch Vinyl).</p></li>
</ol>
<hr>
<p>Mal sehen, was 2023 auf uns zukommt. Die ersten Alben hab‘ ich schon.</p>
<hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2023/01/musik-12-2022-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg02.met.vgwort.de/na/1f2266baef1f420084665b25718f570c" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
		
		
		
		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Musik 12/2021 – Favoriten und Analyse</title>
		<link>https://tuxproject.de/blog/2022/01/musik-12-2021-favoriten-und-analyse/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Jan 2022 07:30:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Ah, es ist wieder ein Jahr vorbei. Das kriegt man ja derzeit gar nicht so wirklich mit, deswegen schreibe ich es lieber dran. Während die meisten Jahresrückblicke aber schon im Spätherbst weitgehend fertiggeschrieben worden waren, gab ich auch diesmal wieder der Musikerwelt die Chance, mich noch bis zum letzten Tag des Jahres von ihrem Können ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2022/01/musik-12-2021-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2021 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ah, es ist wieder ein Jahr vorbei. Das kriegt man ja derzeit gar nicht so wirklich mit, deswegen schreibe ich es lieber dran. Während die meisten Jahresrückblicke aber schon im Spätherbst weitgehend fertiggeschrieben worden waren, gab ich auch diesmal wieder der Musikerwelt die Chance, mich noch bis zum letzten Tag des Jahres von ihrem Können zu überzeugen. Wenig wäre trauriger als einen Rückblick auf ein Jahr zu schreiben und einen Tag später geschähe etwas, das alles ändert. Nein, nein.</p>
<p>Hier also – zur Erbauung hoffentlich vieler – folgen einige der <span class="musik-intro-hervorhebung">bemerkenswertesten Musikalben des Jahres 2021</span>. Es scheinen einige Überraschungen – etwa das neueste Album von <span class="musik-review-bandname">Limp Bizkit</span> – zu fehlen. Dem ist aber nicht so. Die haben mir nur nicht gefallen.</p>
<p><span id="more-19036"></span>Bereits zuvor besprochen beziehungsweise beschrieben habe ich die aktuellen Werke von <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/01/kurzkritik-palo-alto-difference-and-repetition-a-musical-evocation-of-gilles-deleuze/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Palo Alto</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/05/kurzkritik-neurosenbluete-hallo-fruehling/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Neurosenblüte</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/07/kurzkritik-bossk-migration/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Bossk</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/10/kurzkritik-godspeed-you-black-emperor-g_ds-pee-at-states-end/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Godspeed You! Black Emperor</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/12/kurzkritik-dry-cleaning-new-long-leg/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Dry Cleaning</span></a> und <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/11/kurzkritik-electric-orange-psi-hybrid/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Electric Orange</span></a>. Bitte nicht mehr anrufen, die sind nicht mehr dabei.</p>
<p>Der Musiker <span class="musik-review-bandname">Morrissey</span> schrieb im <a href="https://www.morrisseycentral.com/messagesfrommorrissey/hello-hell" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">April 2021<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, in der modernen Musik haben Emotionen keinen Platz mehr. Das wollen wir doch mal sehen. In einer Studie kam vor einer <a href="https://www.egofm.de/blog/freizeit/studien-zeigen-es-gibt-einen-zusammenhang-zwischen-charakter-und-musikgeschmack" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Weile heraus<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, dass es durchaus einen Zusammenhang zwischen dem Charakter und dem Musikgeschmack eines Menschen gibt. Menschen, denen hiervon irgendetwas gefällt, sind daher gute Menschen. Wirklich.</p>
<p>Los geht’s.</p>
<hr>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/kombynat-robotron-270-c.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_kombynat-robotron-270-c.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">КОМВУИАТ ЯОВОТЯОИ – ‑270°C</span>
<p>Die Gruppe, die tatsächlich nicht „Kombinat Robotron“ heißt, weil die kyrillischen Buchstaben <em>eigentlich</em> irgendwie anders gelesen werden, reicht dem Genießer auf „-270°C“ gewohnt mitreißende (ich mag nicht „gereifte“ schreiben, das hätte was von Langeweile) Space-/Krautkost auf gewohnt hohem Niveau. Würde ich tanzen, tanzte ich dazu, doch ich tanze nicht. Ich höre, nicke unrhythmisch und freue mich.</p>
<p>Minus 270 Grad Celsius, wie der Name des Albums vielleicht ausgesprochen werden soll, sind 3,15 Grad Celsius über dem absoluten Nullpunkt, also immer noch recht kühl. Da es hier keinen Gesang gibt (uff!), ist der Kontext schwer auszumachen. Die vier Stücke heißen wie Teleskope („Compton“, „Chandra“, „Spitzer“ und „Hubble“). <em>Natürlich</em> ist „Hubble“ (21:21 Minuten) am längsten. Kennen die meisten, also braucht es auch am meisten Platz.</p>
<p>Die Vinylauflage ist restlos ausverkauft und gebraucht derzeit <a href="https://www.amazon.de/270-Ltd-Colored-Vinyl-LP/dp/B08VCH8SQ7?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">recht teuer.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Verdammter Mainstream.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://kombynatrobotron.bandcamp.com/album/270-c" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/171219695" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/sleaford-mods-spare-ribs.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_sleaford-mods-spare-ribs.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Sleaford Mods – Spare Ribs</span>
<p>Das erste Album <em>nach</em> dem „Brexit“ konnte wegen <em>der Krise</em> nicht per Tour beworben werden wie <em>früher</em>, trotzdem hat sich kaum etwas geändert: <span class="musik-review-bandname">Jason Williamson</span> erzählt wütend, wenn auch <a href="https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/sleaford-mods-die-wuetenden-maenner-aus-nottingham-sind-zurueck-100.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">zahmer als bisher<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, zu monotonen <em>beats</em> etwas über alles, was ihn aufregt; das ist, so viel sei vorweggenommen, immer noch einiges. Wirklich neu sind die beiden Kollaborationen mit den Gastsängerinnen <span class="musik-review-bandname">Amy Taylor</span> und <span class="musik-review-bandname">Billy Nomates</span>, wobei insbesondere letztere – in „Mork n Mindy“ zu hören – im gesungenen Refrain einen ungewöhnlichen Souleindruck hinterlässt. Dass die <span class="musik-review-bandname">Sleaford Mods</span> trotzdem weit von den furchtbar belanglosen Popstaralben von Eminem vor seiner Besinnung auf <em>früher</em> entfernt bleiben, beruhigt: Auf das Nötigste reduzierter Elektropunk ohne Kompromisse. Worauf sollten sie auch aus sein – auf <em>Verkaufszahlen</em>?</p>
<p>Wer bis zum Ende durchhält, den erwartet trotzdem noch eine Überraschung: Das abschließende „Fishcakes“, das angeblich autobiografisch die Kindheit des Texters nacherzählt, ist von einer geradezu traurigen Stimmung, wenn auch mit einem hoffnungsvollen Refrain versehen: <span class="musik-review-lyrics-inline">„And when it mattered, and it always did, at least we lived.“</span> Was für ein wundervolles Ende für ein Album, das jetzt leider auch zu Ende ist. Die <span class="musik-review-bandname">Sleaford Mods</span> aber sind es wohl noch lange nicht.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Es gibt ein <a href="https://youtube.com/watch?v=iKcbSOjIzjQ" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Musikvideo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu „Mork n Mindy“, ansonsten <em>natürlich</em> Hörproben <a href="https://www.amazon.de/Spare-Ribs-Explicit-Sleaford-Mods/dp/B08LCP4HDH?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und alles <a href="https://tidal.com/browse/album/167366064" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/syndone-kama-sutra.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_syndone-kama-sutra.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Syndone – Kama Sutra</span>
<p>Wenn man den Progressive Rock über eine Zeitlang verfolgt, erkennt man oft Muster, was Musiker und Regionen angeht. <span class="musik-review-bandname">David Jackson</span> etwa, früher unter anderem verdienter Saxophonist der inzwischen zahnlosen <span class="musik-review-bandname">Van der Graaf Generator</span>, spielt gelegentlich mit italienischen Stilkollegen zusammen.</p>
<p>Von italienischen „Progbands“ halte ich in der Regel wenig, weil mich italienischsprachiger Gesang ganz furchtbar nervt und die meisten hier relevanten Gruppen aus Italien anscheinend auch vor allem <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> nacheifern, die mich ebenfalls ganz furchtbar nerven; nicht aber so <span class="musik-review-bandname">Syndone</span>.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Syndone</span> wurden, sofern <em>das Internet</em> nicht irrt, 1988 gegründet und haben seitdem ein paar Alben <em>rausgebracht</em>. Auf dem neuesten, „Kama Sutra“, gastieren neben <span class="musik-review-bandname">David Jackson</span> unter anderem ein Sitarspieler, drei Bläser und das Budapest Scoring Symphonic Orchester. Stilistisch ist „Kama Sutra“ <em>zappaesk</em>, indem es nicht nur durchaus komplexe Kompositionen gibt, sondern auch überraschende Stilwechsel. Hier folgen auch schon mal Schlager („Into the Kama“, ein Stück mit dem Titelbestandteil „Sutra“ hingegen gibt es übrigens nicht auf dem Album), energischer Jazzrock („Bitches“), Blues und Filmmusik („You Still Shine“) direkt aufeinander. Bloß keine Langeweile!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Herausragend scheint mir das Stück <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Und1-suEYm8" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Sex Toys R Us<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu sein, ansonsten <a href="https://www.amazon.de/Kama-Sutra-Explicit-Syndone/dp/B09F3W96JC?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Schnipsel auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (leider kein Vinyl) und <a href="https://tidal.com/browse/album/195962359" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Komplettstream auf TIDAL.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/raedsel-menetekel.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_raedsel-menetekel.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Rædsel – Menetekel</span>
<p>Æs ist mir ein Rædsel, warum <span class="musik-review-bandname">Rædsel</span> sich Rædsel nennen. An der Sprache (Hessisch?) mag’s nicht liegen, die vier gut frisierten Herren (Quelle: Internet) kommen aus <em>Kassel oder so</em> und bringen druckvollen Postrock hervor. Das alte Laut-Leise-Spiel wird auf angenehm atmosphärische Weise durchexerziert, ohne dabei ins Schrammeln zu verfallen.</p>
<p>Auf das initiale instrumentale „My Hands Your Eyes“ folgt mit „Treetop“ ein Post-Metal-Stück, das schon in der ersten Hälfte (mehrstimmigen oder effektbeladenen?) Gesang aufweist; und das klingt dann sogar gut. Im sonst meist nicht mit gut klingendem Gesang auffallenden Postrock muss man das ja auch mal positiv bemerken. Sonst machen die das nie wieder.</p>
<p>Das mit dem Gesang machen <span class="musik-review-bandname">Rædsel</span> danach aber auch nie wieder. Auf dem Rest von „Menetekel“ bleiben sie wieder instrumental, ohne dabei langweilig zu werden. Postrockalben, von denen man <em>nicht</em> annimmt, man habe sie schon zu oft gehört, sind immer wieder reizend, und seien’s hier nur die kleinen Gitarrentupfer, die die Mauern aus Schall immer wieder durchbrechen. Hübsche Scheibe, so insgesamt, wenn auch mit etwas über 33 Minuten Spielzeit etwas kurz. Dafür macht es mehr Spaß als manch längeres Album, das dieses Jahr so <em>rausgekommen</em> ist. Auch mal schön.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Damit es nicht langweilig wird, mal eine andere Reihenfolge: <a href="https://tidal.com/browse/album/181131293" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://raedsel-music.bandcamp.com/album/menetekel" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort auch auf CD), <a href="https://www.amazon.de/Menetekel-Rædsel/dp/B092WTH59S?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (dort ohne Tonträger).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/suffocate-for-fuck-sake-fyra.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_suffocate-for-fuck-sake-fyra.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Suffocate for Fuck Sake – Fyra</span>
<p>Man sollte sich von dem beschaulichen Anfang dieses Albums wie auch von einigen Zwischentönen nicht beirren lassen: <span class="musik-review-bandname">Suffocate for Fuck Sake</span> tragen ihren Namen zu Recht. „Fyra“, das (wie der Name schon andeutet) vierte Album der Schweden, enthält <em>schon wieder</em> Postrock im weitesten Sinne, allerdings flankiert von <em>post hardcore</em> im vokalen wie im gerifften Sinne. Mitunter, in den ruhigeren Momenten, wird auf Schwedisch gesprochen. Schade. Ich kann kein Schwedisch.</p>
<p>In „Hope“ gibt es eine sanft-<em>clean</em> gesungene <em>bridge</em>, ansonsten gibt’s in „Fyra“ etwas mehr als eine Stunde und 21 Minuten lang weitgehend <em>auf die Fresse</em> (A. Nahles, anderer Zusammenhang). „Post-Metal mit Screamo-Einschlag“, schrieb ein Redakteur von „metal1.info“, werde mit dieser Dauer „anstrengend“. Ich teile diese Auffassung nicht, denn ich, obwohl meine Aufmerksamkeitsspanne inzwischen auch merklich nachlässt (man wird ja nicht jünger), empfand die Laufzeit als <em>genau richtig</em>. Muss so ein Menschenproblem sein.</p>
<p>„Fyra“ ist sicherlich kein Album für die Freunde beschaulicher Töne, aber das mir zuerst eingefallene Adjektiv für dieses Album war „kurzweilig“. (Einige Menschen, denen gegenüber ich dieses Wort verwendet habe, glauben, das bedeute so was ähnliches wie langweilig. Ich arbeite daran.) Und darum geht es ja letztendlich, oder?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Kauf usw. <a href="https://www.amazon.de/Fyra-Col-Vinyl-LP/dp/B08T74BF8M?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, Stream usw. <a href="https://tidal.com/browse/album/169503328" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">via TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://suffocateforfucksake.bandcamp.com/album/fyra" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Tonträger sind – außer den CDs, aber wer kauft schon noch CDs? – leider aus.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/oslo-tapes-or.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_oslo-tapes-or.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Oslo Tapes – ØR</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Oslo Tapes</span>, der Name sagt’s schon, ist ein Trio aus Italien, allerdings sind auf Pressefotos vier Herren zu sehen. Vielleicht ist es doch ein Quartett oder irgendwelche Texte und/oder Pressefotos müssten mal wieder erneuert werden. Sei’s drum.</p>
<p>Gegründet worden sei es, so will es die Legende, nach einer Reise durch Norwegen. Das dritte Album der mir unbekannten Anzahl an Musikem heißt „ØR“, was auf Norwegisch irgendwas heißt, und enthält <em>Avant-Rock</em> beziehungsweise „einen schwindelerregenden Ritt durch eine fiebrige Traumlandschaft des imaginären norwegischen Hochlands, gemalt in kubistischen Formen“ (Quelle: Pressetext) oder aber Free Jazz mit Elefantentrompeten („Exotic Dreams“; sind vermutlich norwegische Elefanten), <span class="musik-review-bandname">Depeche Mode</span> und <span class="musik-review-bandname">Joy Division</span> („Obsession is the Mother of All“) sowie jede Menge Spacerock mit <em>Dance</em>-Einschlag.</p>
<p>Die Stimmung auf „ØR“ ist tatsächlich <em>träumerisch</em>, der (nur manchmal etwas nervig) effektgeladene <em>dream-pop</em>-Gesang, der die nicht rein instrumentalen Teile des Albums begleitet, klingt wie hinter einem Schleier verborgen. Gesungen wird im Übrigen auf Englisch, was ich gut finde. Italienischsprachiger Gesang stört mich sehr; das erwähnte ich ja aber schon.</p>
<p>Aaron Kavanagh von „New Noise“ <a href="https://newnoisemagazine.com/album-review-oslo-tapes-or/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">findet<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <span class="musik-review-bandname">Oslo Tapes</span> sollten unbedingt bekannter werden. Meinetwegen. Hauptsache, sie bleiben so.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Amazon.de hat ausnahmsweise keinen Stream, <a href="https://www.amazon.de/Oslo-Tapes/dp/B08ZQD1FQX?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">nur die Tonträger<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>; <a href="https://oslotapes.bandcamp.com/album/r" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/177676933" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schaffen Abhilfe.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/caravan-its-none-of-your-business.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_caravan-its-none-of-your-business.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Caravan – It’s None of Your Business</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Country life’s not for you“</span> (Down From London)
<p>Ein neues Album von <span class="musik-review-bandname">Caravan</span> lässt mich meist schnell zum Kopfhörer greifen: In den inzwischen 53 Jahren ihres Bestehens haben die Altmeister des <em>Canterbury Style</em> selten wirklich nachdrücklich enttäuscht und man ist ja auch immer froh über alles, was aus dieser musikalischen Ecke <em>überhaupt</em> noch kommt; neben <span class="musik-review-bandname">Caravan</span>, <span class="musik-review-bandname">Camel</span> und den zurückgekehrten <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span> sind die <em>Alten</em> nahezu ausnahmslos in Rente gegangen, verstorben oder sonstwie verstummt.</p>
<p>„It’s None of Your Business“, das diesjährige insgesamt 15. Studioalbum, auf dem mit <span class="musik-review-bandname">Pye Hastings</span> (Gitarre, Gesang) immerhin noch ein Gründungsmitglied von <span class="musik-review-bandname">Caravan</span> zu hören ist (das werden andere Gruppen dieses Alters, etwa <span class="musik-review-bandname">Yes</span>, vermutlich nie wieder schaffen), beginnt mit „Down From London“ direkt mit einer Enttäuschung: Das Stück wird <em>langweilig ausgeblendet</em>, als sei es eigentlich viel länger, aber zu lang für – keine Ahnung – das Radio oder so. Diesen Fauxpas wiederholen <span class="musik-review-bandname">Caravan</span> auf dem Rest des Albums allerdings nicht oft. Sie wollten mit diesem Album zurück zu ihren <em>Wurzeln</em>, teilte <span class="musik-review-bandname">Pye Hastings</span> in einem Interview mit. Ursänger und ‑bassist <span class="musik-review-bandname">Richard Sinclair</span>, einst dessen stimmliches und musikalisches Gegengewicht, fehlt allerdings auch auf „It’s None of Your Business“.</p>
<p>Im zeitgenössischen Radio würde der sanfte Jazzrock, der hier zu hören ist, trotzdem auffallen, denn die Stücke sind entweder zu lang (das Titelstück schafft fast zehn Minuten Laufzeit) oder zu musikalisch anspruchsvoll für diejenigen, die einen drei Minuten lang durchgehaltenen 4/4‑Takt als höchstes Glück der Berieselung begreifen. Dabei sind schon ein paar veritable Ohrwürmer auf „It’s None of Your Business“ zu hören, etwa das bemerkenswert rhythmische „Ready Or Not“ (Abzug in der B‑Note, sozusagen: auch hier wird wieder blöde ausgeblendet), wenn auch sicher keine großen Überraschungen. <em><span class="musik-review-bandname">Caravan</span>: Da weiß man, was man hat.</em> Bisschen Flöte, viel Akustikgitarre und <em>natürlich</em> der prominent nach vorn gemischte, angenehme, nie aufdringliche, aber auch – stilunüblich – nicht auffallend schlechte Gesang Pye Hastings‘.</p>
<p>Schönes Album, auch von der Stimmung her. Gerne wieder.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Komplettstream <a href="https://tidal.com/browse/album/194636315" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">via TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, Schnipsel und Kauf <a href="https://www.amazon.de/Its-None-Your-Business-Caravan/dp/B09D38CM1X?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">per Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/whispering-sons-several-others.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_whispering-sons-several-others.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Whispering Sons – Several Others</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I carve silence in my forearm / there’s no silence in my head.“</span> (Flood)
<p>Nächster Stil- und Landsprung: Bei „Several Others“ der belgischen Band <span class="musik-review-bandname">Whispering Sons</span>, die ich als – wie eine Stichprobe im Bekanntenkreis ergab – anscheinend weltweit letzter Mensch noch <em>nicht</em> kannte, nicht binnen kürzester Zeit an <span class="musik-review-bandname">Joy Division</span>, <span class="musik-review-bandname">The Cure</span>, <span class="musik-review-bandname">Savages</span> und hin und wieder (zuerst am Schluss des zweiten Stücks „Heat“) auch an <span class="musik-review-bandname">Grinderman</span> zu denken vermochte ich nicht. Aufgespielt wird mit musikalisch oft angenehm zurückhaltendem, düsterem Postpunk, Gitarrendominanz herrscht nur selten. Sängerin <span class="musik-review-bandname">Fenne Kuppens</span> legt einen <em>interessanten</em> Gesang darüber, der kaum als eindeutig weiblich, wohl aber als zerbrechlich wahrzunehmen ist.</p>
<p>Diese Kombination wirkt am eindrucksvollsten, wenn <span class="musik-review-bandname">Whispering Sons</span> aus dem sowieso schon nur locker angelegten Genrekorsett ausbrechen, etwa im von Klavier und Perkussionselektronik getragenen „Screens“, dessen Streichereinsatz selbst einen hartgesottenen Griesgram wie mich nicht ganz unbewegt lässt; daran ändert auch das folgende stampfende „Flood“, das in einem zeitgenössischen Gothic-<em>Tanzschuppen</em> sowohl musikalisch als auch textlich kaum negativ auffiele und deswegen zumindest <em>meinen</em> Geschmack knapp verfehlt, nichts.</p>
<p>„Ein Traum“ (<a href="https://www.medienkonverter.de/artikel/whispering-sons-several-others" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">anderswo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gelesen) sei das hier Gehörte. In diesen „schwierigen Zeiten“ (danke, mir kommt’s selber hoch) sind Träume immer gern gesehen; und gehört.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Es gibt Stream (<a href="https://tidal.com/browse/album/187635751" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>) und/oder Kauf (<a href="https://whisperingsons.bandcamp.com/album/several-others" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://www.amazon.de/Several-Others-Whispering-Sons/dp/B08X9FTD5S?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/lotus-titan-odyssees.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_lotus-titan-odyssees.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Lotus Titan – Odyssées</span>
<p>Ich konnte nie Französisch und kann es bis heute nicht. Das macht den Genuss von <span class="musik-review-bandname">Lotus Titans</span> <em>irgendwie passend</em> benanntem Debütwerk „Odyssées“ etwas schwieriger als erhofft.</p>
<p>Die vier Musiker nämlich, von denen eine – <span class="musik-review-bandname">Julie Castel Jordy</span>, eine auch sonst vielseitig interessierte Künstlerin – neben dem Theremin auch das Mikrofon spielt, also <em>Texte darbietet</em>, spielen eine <em>merkwürdige</em> Mischung aus improvisiertem Free Jazz, dem gelegentlich <span class="musik-review-bandname">crimsonesque</span> Ausbrüche entlockt werden („Jeterrible“), und einer Art Poetry Slam, indem, sieht man vom auch sonst treffend betitelten, beinahe wie ein Fremdkörper erscheinenden „Silence“ ab, statt Gesangs oft intensive Monologe auf den Hörer einprasseln, auf dass er nicht mehr wissen möge, wo oben und unten, vorne und hinten und auch sonst irgendeine Richtung ist. Eine wahre <em>Odyssee</em> quasi.</p>
<p>Das auf „Silence“ folgende Titelstück, mt über zwölf Minuten Laufzeit auch das mit Abstand längste, lässt das Tempo zunächst gedrosselt: Es gibt geradezu sakrale Ambientklänge und zurückhaltende Stimmeinsätze zu hören. Erst nach etwa sieben Minuten setzt eine Instrumentalpassage ein, die erklärt, warum <span class="musik-review-bandname">Lotus Titan</span> sich für von <em>ausgerechnet</em> <span class="musik-review-bandname">Meshuggah</span> beeinflusst verstehen, denn deren Spielart des Progressive Metal beherrschen sie gar nicht mal schlecht. Dass <span class="musik-review-bandname">Julie Castel Jordy</span> zwischendrin wütend etwas reinruft, passt zur umgebenden Musik, ist aber trotzdem ärgerlich, weil ich auch jetzt immer noch kein Französisch kann. Vielleicht ist „Odyssées“ noch besser, wenn man es kann?</p>
<p>Auch für alle anderen ist es allerdings ein Album, das sicherlich eines aufmerksamen Konsumenten bedarf, dessen Aufmerksamkeit aber mit hintergründiger Verspieltheit bei gleichzeitiger musikalischer Überraschung belohnt. Mein Album des Jahres 2021 ist es nicht, aber in der Avantgardekategorie schon sehr weit oben. Das ist ja auch was.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Eine Darbietung von „Héroïne“ hatte ich schon mal <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/06/lotus-titan-heroine-ablassbriefe-699-euro/" data-wpel-link="internal">als Montagsmusik</a>, ansonsten gibt es „Odyssées“ <em>natürlich</em> auch auf <a href="https://tidal.com/browse/album/172785371" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://www.amazon.de/Odyssées-Lotus-Titan/dp/B08W6HWTJP?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://lotustitan.bandcamp.com/album/odyss-es" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu hören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/hippotraktor-meridian.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_hippotraktor-meridian.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Hippotraktor – Meridian</span>
<p>Toller Name, tolle Musik. Die (schon wieder!) Belgier tun mir den Gefallen, zumindest auf Englisch zu singen, denn auch mein Flämisch ist schlecht. Ihr seht: Ich bin zwar vielseitig interessiert und gebildet, aber meine Kenntnisse von zeitgenössischen europäischen Sprachen ist <em>dürftig</em>.</p>
<p>Auf „Meridian“, dem ersten <em>long player</em> von <span class="musik-review-bandname">Hippotraktor</span>, werden fast 42 (schöne Zahl auch) Minuten lang harte Riffs, <em>cleanen</em> wie <em>uncleanen</em> Gesang und geradezu fesselnde <em>grooves</em> entfesselt. Die Besetzung der Band, die man wohl als „Supergroup“, wie Musikgruppen aus mehreren schon bekannten Musikern früher mal hießen, bezeichnen sollte, spricht für sich; unter anderem ist hier sozusagen auch die DNS der Stoner-Metal-Gruppe <span class="musik-review-bandname">Psychonaut</span> und der „Krank-Rock“-Band <span class="musik-review-bandname">L’itch</span> – <em>ich</em> denke mir diese Genrenamen <em>nicht</em> aus – beteiligt.</p>
<p>Die wenigen <em>leise(re)n</em> Momente fängt das grollende Instrumentalgewitter mit Leichtigkeit auf, diese werden indes von vornherein nur spärlich angekündigt. „Meridian“ ist laut, ungestüm, „Meridian“ ist <em>Krach</em>. Ich mag Krach.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://hippotraktor.bandcamp.com/album/meridian" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/192895805" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und so weiter.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/kurushimi-chaos-remains.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_kurushimi-chaos-remains.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Kurushimi – Chaos Remains</span>
<p>„Kurushimi“ ist Japanisch und heißt „Leiden“. Das australische Sextett gleichen Namens – nicht zu verwechseln mit dem japanischen, anscheinend inzwischen inaktiven Musiker, der sich ebenfalls <span class="musik-review-bandname">Kurushimi</span> nennt – klagt auf seinem sechsten Tonträger „Chaos Remains“, namensgerecht aus Aufnahmeresten des Vorgängeralbums „What Is Chaos?“ (2018) zusammengestellt, aber kaum, denn Gesang im verbreiteten Sinne gibt es nicht. Man habe sich thematisch von Werken <span class="musik-review-bandname">John Zorns</span> inspirieren lassen, lässt die Band mitteilen. Der erfahrene Leser weiß nun bereits: Hier geht es um Freiform-Jazz.</p>
<p>Tatsächlich sei „Chaos Remains“ wie folgt entstanden: <span class="musik-review-bandname">Andrew Mortensen</span>, Bass- und Keyboardspieler von <span class="musik-review-bandname">Kurushimi</span>, habe ein paar Schallplattenschleifen („turntable loops“) erschaffen, indem er an zufälligen Stellen Aufkleber auf den Platten aufgebracht hat, und im Studio sollten die Musiker dann unter der Anleitung des gleichfalls zur freien Entfaltung angehaltenen Dirigenten <span class="musik-review-bandname">Simeon Bartholomew</span> zu diesen <em>loops</em> spielen, wonach ihnen gerade der Sinn stand. Aufgrund der immerhin zwei Saxophonisten klingt das Ergebnis ungefähr so, als würden die 70er- und die 90er-Besetzungen von <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> einander gleichzeitig covern, während ein Orchester auf einer Autobahn spielt und den dort zu findenden Fahrzeugen kaum auszuweichen imstande ist. In „Funeral Moon“ gibt es wenige Sekunden lang textlose Stimmeinwürfe, die zur Stimmung der Musik vor allem als bekräftigendes Element beitragen.</p>
<p>„Chaos Remains“ ist 29:35 Minuten lang und somit deutlich kürzer als „What Is Chaos?“, was etwas kurz scheint. Es wurde bereits im Februar veröffentlicht, angekündigt waren weitere Veröffentlichungen im Laufe des Jahres. Bislang – heute ist der 19. November 2021 – ist daraus nichts geworden. Blödes Corona. Tolles Album.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Neben „What Is Chaos?“ gibt es auch „Chaos Remains“ <a href="https://viakurushimi.bandcamp.com/album/chaos-remains" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">bei Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/174275194" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/idles-crawler.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_idles-crawler.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Idles – Crawler</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Can I get a Hallelujah?“</span> (The Wheel)
<p>Kommen wir nun zu etwas völlig anderem.</p>
<p>Es wäre zu einfach, an Idles und ihr neuestes Album „Crawler“ lediglich das langweilige Etikett „Postpunk“ anzuheften, zumal das eröffnende „MTT 420 RR“ – meine erste Assoziation war <span class="musik-review-bandname">Bryan Ferrys</span> <em>CPL 593H</em> und tatsächlich geht es auch um ein Fahrzeug, allerdings um einen Motorradunfall – eine klaustrophobische Bad-Seeds-Atmosphäre erzeugt, keineswegs aber eine dröhnend-intime, wie gewöhnlicher Postpunk sie üblicherweise hervorbringt.</p>
<p>„Crawler“ ist ein Konzeptalbum, das sich weitgehend mit einem Fahrzeugunfall unter Drogeneinfluss, dessen Zustandekommen und dessen Folgen beschäftigt. Erstmals explosiv wird es in „Car Crash“, das die Geschichte aus dem ersten Stück aus einer anderen Perspektive beleuchtet. Die Stimme des „mit Glas gurgelnden“ (<em>The Guardian</em>) Frontmanns <span class="musik-review-bandname">Joe Talbot</span>, dessen Gesang nicht nur im Refrain von „Stockholm Syndrome“ an <span class="musik-review-bandname">Bob Dylan</span> (man hole Fackeln und Mistgabeln, ich habe soeben ein Sakrileg begangen) erinnert, mitunter – in den ruhigeren Momenten („The Beachland Ballroom“) – aber auch sanft, zerbrechlich gar, aus dem Kopfhörer fließt, ist trotz schön dominanten Bassspiels das wesentliche Alleinstellungsmerkmal dieses Albums.</p>
<p>In „The New Sensation“, das textlich (<span class="musik-review-lyrics-inline">„re-train as a dancer“</span>) unter anderem auf eine sehr bescheuerte Werbung der britischen Regierung Bezug nimmt, die <em>wegen Corona</em> vorgeschlagen hat, dass Leute, die ihre Arbeit verlieren, ihre Karrierepläne aufgeben und etwas ganz anderes lernen sollten, meine ich mich an „Their Satanic Majesties Request“ und dessen musikalisches Vorbild – die <em>Drogenphase</em> der langweiligen <span class="musik-review-bandname">Beatles</span> – erinnert, und auch der von elektronischem Zirpen und Grollen begleitete Kanon „Progress“, der von zwei Halbminütern eingerahmt ist, fällt aus jedem Schema. Dass ich spätestens nach den ersten paar Stücken meine Einschätzung, dass es sich hier nicht um banalen Postpunk handelt, revidieren muss, bedaure ich indes kaum; denn zwar lässt sich der Postpunk selbst von mir nicht wegdiskutieren, aber <em>banal</em> ist er nicht, sondern vielmehr der bisher beste, der mir 2021 untergekommen ist.</p>
<p>„Crawl!“ würde ich gar einen <em>Partykracher</em> nennen, wenn ich allein von dem Wort nicht die sprichwörtlichen Krätze bekäme. Zum bedrückenden Thema des Albums mag’s nicht passen, aber ich bekomme tatsächlich <em>gute Laune</em>, während ich dieses Album höre. Das wäre doch jetzt nicht nötig gewesen.</p>
<p><span class="musik-review-inline">„Life is beautiful!“</span> stellt der Sänger am Ende des Albums – in „The End“ – fest. Ein passender Abschluss für ein großartiges Album.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://tidal.com/browse/album/204277921" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (Komplettstream), <a href="https://www.amazon.de/CRAWLER-Explicit-IDLES/dp/B096MTQ6XT?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (auch Kauf).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/bruit-the-machine-is-burning-and-now-everyone-knows-it-could-happen-again.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_bruit-the-machine-is-burning-and-now-everyone-knows-it-could-happen-again.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">BRUIT ≤ – The Machine is burning and now everyone knows it could happen again</span>
<p>Ich mag ja Bands mit Namen, die ich nicht aussprechen kann (aber anscheinend spricht man das „≤“ nicht mit), und Musikalben mit viel zu langen Titeln. Den Rekord scheinen bisher <span class="musik-review-bandname">Chumbawamba</span> zu halten. Haben sie verdient. <span class="musik-review-bandname">BRUIT ≤</span> machen Postrock und davon hatte es 2021 sonst sowieso zu wenig.</p>
<p>Auf „The Machine is burning and now everyone knows it could happen again“ sind vier Stücke von jeweils über achteinhalb Minuten Länge enthalten. Ich wünschte, das wäre noch ein Qualitätsmerkmal, aber das macht inzwischen <a href="https://www.republicworld.com/entertainment-news/music/taylor-swift-performs-10-minute-long-track-all-too-well-on-snl-acts-with-pete-davidson.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">sogar <span class="musik-review-bandname">Taylor Swift</span>.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Möglicherweise haben wir es hier mit einem Konzeptalbum zu tun; zwei der vier Stücke sind mit Textzitaten unterlegt, in denen eine bessere Welt mit mehr Menschlichkeit und weniger Kapitalismus und Umweltzerstörung herbeigesehnt wird. <span class="musik-review-bandname">BRUIT ≤</span> kommen aus Toulouse, aber das macht nichts.</p>
<p>Am langweiligen Laut-leise-Spiel, das in den Neunzigern schon perfektioniert worden ist und deshalb längst <em>uninteressant</em> ist, beteiligen sich <span class="musik-review-bandname">BRUIT ≤</span> nur scheinbar. Zur Stammbesetzung des Quartetts gehört ein Cellist, die vier Gastmusiker tragen Bassposaune, Klarinette, Horn und Vibraphon bei. Insbesondere unter der Prämisse, dass es sich hier um ein Debütalbum handelt, ist das Ergebnis außerordentlich beeindruckend. <span class="musik-review-bandname">BRUIT ≤</span> kombinieren <em>typische</em> Postrockeffekte, also <em>Gitarrenkrach</em> und durchaus überraschende elektronische Schnitte, mit diesen <em>klassischen</em> Zutaten („Renaissance“ zeigt sie erstmals in voller Pracht), ohne dass sie <em>zu viel</em> versuchen, wie es manch anderer Band geht, die zu <em>experimentieren</em> versucht. Wohldosierte instrumentale Explosionen an den richtigen Stellen und ein völliges Fehlen von <em>fade-outs</em> – das Album ist als Einheit zu erkennen, nicht bloß als lose Ideensammlung – tun ihr Übriges zu meiner Einschätzung, dass es in letzter Zeit kaum ein beeindruckenderes Postrockalbum als dieses gegeben hat.</p>
<p>Hoffentlich lassen <span class="musik-review-bandname">BRUIT ≤</span> jetzt nicht nach.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Es gibt ein <a href="https://bruitofficial.bandcamp.com/track/the-machine-is-burning" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Video<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zum Stück „The Machine Is Burning“. Es ist gut.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/trialogos-stroh-zu-gold.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_trialogos-stroh-zu-gold.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Trialogos – Stroh zu Gold</span>
<p>Der Titel des Albums klingt nach Grimm’schen Märchen, die Musik hingegen keinesfalls.</p>
<p>Das anscheinend in Berlin beheimatete Trio <span class="musik-review-bandname">Trialogos</span> trat erstmals – wie auch sonst? – im Jahr 2020 im Rahmen einer Kunstausstellung gemeinsam auf. Konsequent erschiene es mir falsch, diese <em>Kunst</em> zum Genre zu degradieren. Die drei subkulturell <em>diversen</em> Musiker spielen Noiserock, Postrock und Industrial, überwiegend instrumental. Wer braucht schon Gesang? Zur Beschreibung des treffend betitelten Stücks „Batdance“, das der <em>Tanzmusik</em> <span class="musik-review-bandname">And-One</span>-scher Manier angehört, las ich irgendwo im Web das Wort „Gruftidisco“. Schönes Wort.</p>
<p>Das Album endet mit einer instrumentalen Klimax, dank moderner Technik intensiver als der vielstimmige Orchesterakkord, den die blöden <span class="musik-review-bandname">Beatles</span> irgendwann mal gemacht haben. „Wellenreiter“ heißt das letzte Stück und es schickt tatsächlich Wellen durch den Körper. Hübsch.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Via <a href="https://trialogos.bandcamp.com/album/stroh-zu-gold" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> kann man streamen, kaufen und theoretisch auch (in mittelmäßiger Qualität) direkt herunterladen, aber <em>natürlich</em> macht man <a href="https://pypi.org/project/campdown/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">so was nicht<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, das wäre <em>unmoralisch</em>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/big-brave-vital.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_big-brave-vital.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Big ‡ Brave – Vital</span>
<p>Was fehlt in dieser Rückschau noch? Ach ja: Postrock und Artverwandtes.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Big ‡ Brave</span>, inzwischen zum Trio angewachsen, zelebrieren auf „Vital“  einen sehr, nun ja, <em>vitalen</em> Doom-Postmetal, dessen bedrohliches Donnern das Niederschreiben dieser Eindrücke erschwert, denn ich bin ein Mann, ich kann nicht zwei Dinge gleichzeitig machen. Diese Musik aber zwingt mich zu Aufmerksamkeit. Schade.</p>
<p>In fünf Stücken, aber insgesamt immerhin über 38 Minuten, trifft düsterste Instrumentalarbeit auf den expressiv-klagenden, mitunter auch wütenden („Of This Ilk“) Gesang von <span class="musik-review-bandname">Robin Wattie</span>, der jenen, die sowieso keinen Frauengesang mögen, ganz besonders wenig gefallen dürfte, für mich aber ein mehr als nur treffender Kontrast ist. Ich denke manchmal an <span class="musik-review-bandname">Anna von Hausswolff</span>. Ich denke sehr gern an <span class="musik-review-bandname">Anna von Hausswolff</span>. (Die seit 2021 übrigens auch als Gastsängerin und ‑organistin auf <span class="musik-review-bandname">Sunn O)))s</span> „Metta, Benevolence BBC 6Music: Live on the Invitation of Mary Anne Hobbs“ zu hören ist, aber Livealben und Späterveröffentlichungen nehme ich ja aus Prinzip nicht in diese Liste auf.)</p>
<p>Das Tempo bleibt dabei über weite Strecken gedrosselt, die brachiale Gewalt will sanft genossen werden. Ein passendes Adjektiv für das hier Gehörte ist „schwergewichtig“. Ich fühle mich musikalisch geradezu erdrückt und das gefällt mir auch noch gut. Ich weiß nicht, welcher ICD-10-Code das jetzt wieder ist. <em>Im Internet</em> wird dem Werk von <span class="musik-review-bandname">Big ‡ Brave</span> eine kathartische Wirkung bescheinigt. Stimmt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Es gibt <a href="https://www.youtube.com/watch?v=6CgK5w6E2ns" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ein Video<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu „Half Breed“, das zeigt, wie eine unsichtbare Hand Erde auf einen am Boden liegenden Menschen schüttet, der anschließend aufsteht und geht. Ich verstehe das nicht. Das macht nichts.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/spiritczualic-enhancement-center-carpet-album.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_spiritczualic-enhancement-center-carpet-album.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Spiritczualic Enhancement Center – Carpet Album</span>
<p>Was erwarte ich von einer Band, deren Name mit „Spiritczualic“ – ein Kofferwort aus „spirit“, „ritual“ und einem polnischen Zischlaut – beginnt? Klar: Drogenmusik. Bekiffte Audiotrips mit bedächtigem Rhythmus, gern mit dominantem Bass und gelegentlich ein bisschen Gitarrenflirren.</p>
<p>Was ist auf dem „Carpet Album“ des Berliner „Musikerkollektivs“ <em>(warum muss in Berlin immer alles ein „Kollektiv“ sein?)</em> <span class="musik-review-bandname">Spiritczualic Enhancement Center</span> zu hören? Klar: Drogenmusik. Bekiffte Audiotrips mit bedächtigem Rhythmus, gern mit dominantem Bass und gelegentlich ein bisschen Gitarrenflirren. Instrumental, versteht sich, und manchmal an der Grenze zur Massagepornomusik („Carpet Inauguration“), sich von dieser aber jedes Mal schnell wieder entfernend.</p>
<p>Die Musiker selbst <a href="https://www.psychedelicbabymag.com/2021/03/spiritczualic-enhancement-center-interview.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">sprechen von<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> „Spektraljazz“ und einer Inspiration durch die „kosmische Musik“, was ein Kunstbegriff war, den ein LSD-verrückter Idiot in den 1970er Jahren <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Cosmic_Couriers" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">propagieren zu müssen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> meinte, weshalb er heute pleite und verschollen ist. Zu Recht, wie ich meine. Ob <span class="musik-review-bandname">Spiritczualic Enhancement Center</span> auch pleite sind, weiß ich nicht, aber verschollen sind sie bisher nicht. Finde ich gut.</p>
<p>Erfreulicherweise verzichtet das „Kollektiv“ – wäh – auch darauf, den gleichen langweiligen Fehler wie die meisten anderen zeitgenössischen „psychedelischen“ Musikgruppen zu machen und <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> und/oder <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> zu imitieren. „Spektraljazz“ passt schon als Bezeichnung. Etwas schade sind nur die hier auch vorkommenden <em>fade-outs</em> und sonstigen eher abrupten Enden (sofern man bei so entspannender Musik überhaupt von „abrupt“ reden kann), denn während <span class="musik-review-bandname">Spiritczualic Enhancement Center</span> Anfänge <em>ganz gut</em> hinbekommen, fehlt ihnen für gute Schlüsse anscheinend manchmal der Antrieb. Ich behaupte: wären die 1980er Jahre nicht gewesen, wäre das Ausblenden von Musikstücken die fürchterlichste Erscheinung, die je in die Musik Einzug gehalten hat. Schön ist das trotzdem nicht.</p>
<p>Alles Weitere aber schon, deshalb: Empfehlung.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://kryptox-music.bandcamp.com/album/carpet-album" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (Vinyl ist aus).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/red-kite-apophenian-bliss.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_red-kite-apophenian-bliss.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Red Kite – Apophenian Bliss</span>
<p>Mal wieder ein bisschen Anstrengung zwischendurch, sonst langweilt ihr euch noch.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Red Kite</span>, ein Instrumentalquartett und gleichzeitig eine <em>supergroup</em>, unter anderem mit Beteiligung der großartigen <span class="musik-review-bandname">Elephant9</span>, aus Norwegen, hat mit „Apophenian Bliss“ im November 2021 sein bisher zweites Studioalbum veröffentlicht. Gitarre, Bass, Schlagzeug und Fender Rhodes, wobei insbesondere das Schlagzeug eine dominante Rolle einnimmt, überzeugen mit einer <em>merkwürdigen</em> Zusammenstellung von Jazz- und Space-Rock-Elementen, wobei diese <em>Fusion</em> schon im zweiten Stück „This Immortal Coil“ – mit fast achteinhalb Minuten Laufzeit das drittlängste auf dem Album – sich als „brennbar“ (Quelle: Internet) erweist. Von „Metal“ und „Heavy Prog“ quatscht das Etikettennetz. Ich mag keine Etiketten.</p>
<p>Selten – „Apophenia“ ist eines dieser Beispiele – wird der Space-Rock-Anteil merklich reduziert und macht Platz für eine <em>interessante</em> Mischung aus Bluesrock (mit <em>singender</em> Gitarre) und dem jetzt schon etablierten Jazz; dafür dürfen im folgenden „Red Kite Flight“ Schlagzeug und Bass wieder <em>eskalieren</em>. Eskalation ließ sich bei der Produktion von „Apophenian Bliss“ kaum vermeiden, fiel ihr Beginn doch auch mit der Eskalation <em>der Pandemie</em> zusammen. Mancherlei Musiker Kreativität haben die erschwerten Aufnahmebedingungen jedenfalls offenkundig keinen nennenswerten Schaden zugefügt. Die einzige Coverversion auf dem Album, das Psych-Jazz-Stück „Morrasol“, wurde von dem Saxophonisten und Komponisten <span class="musik-review-bandname">Gisle Johansen</span> <em>geliehen</em>, der „Death Metal und <span class="musik-review-bandname">Coltrane</span> gleichermaßen mag“ (Quelle: Internet). Schöne Mischung. Schönes Album.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Stream bei <a href="https://thisisredkite.bandcamp.com/album/apophenian-bliss" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/203182575" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, Kauf <a href="https://www.amazon.de/Apophenian-Bliss-Red-Kite/dp/B09FHCHTBJ?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/weston-super-maim-180-degree-murder.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_weston-super-maim-180-degree-murder.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Weston Super Maim – 180-Degree Murder</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„End me or I erupt“</span> (180-Degree Murder)
<p>Kurz und <em>schmerzhaft</em>: Der/die/das EP „180-Degree Murder“ – wunderbares Coverbild auch – ist ungefähr eine Viertelstunde lang und enthält zwei Stücke, namentlich das Titelstück sowie „We Need To Talk About Heaven“. Die Band <span class="musik-review-bandname">Weston Super Maim</span> ist ein britisch-US-amerikanisches Duo und setzt mit diesen zwei Stücken ein angemessen brutales Ausrufezeichen unter dieses verdammte Jahr 2021, obwohl „180-Degree Murder“ bereits im Juli 2021 <em>rauskam</em>. Macht ja nichts.</p>
<p>Musikalisch bekommt der Hörer es mit Tech-Metal und Mathcore zu tun, es wird gegrölt und gebrüllt und nicht gesungen. Das wäre auch eine sehr alberne Kombination. Die beiden Musiker verweisen auf <span class="musik-review-bandname">Meshuggah</span> als relevante Inspiration und dem zu widersprechen läge mir fern. Es gibt sogar 12-Zoll-Vinyl zu diesem kurzen Ausflug ins Extreme. Ich wünschte, das könnte ich von allen Alben sagen, die ich 2021 zu schätzen gelernt habe.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://westonsupermaim.bandcamp.com/album/180-degree-murder" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/183966601" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Tut fast gar nicht weh.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/zement-rohstoff.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_zement-rohstoff.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Zement – Rohstoff</span>
<p>Na gut, ich gebe es zu: Ich mag <span class="musik-review-bandname">Kraftwerk</span> nicht.</p>
<p>Das schließt mich möglicherweise von Diskussionen mit manchen Zeitgenossen aus, denn auch auf der anderen Seite des Musikhörerspektrums gibt es ähnliche Dickköpfe wie mich; aber ich kann es begründen: Obwohl sie als wirklich <em>hörbare</em> Krautrockband angefangen haben, sind sie sehr schnell in eine sehr langweilige elektronische Schiene abgebogen, die sich, glaubt man überschwänglichen Rezensenten, noch bis heute vor allem dadurch auszeichnet, dass da so schön wenig passiert und deswegen so schön viel Platz ist für so schöne Langeweile. Gleichbleibende Rhythmen, kaum eine neue Idee in den aktiven Jahrzehnten. Der Kunde („Hörer“) honoriert es als „seinem Stil treu bleiben“ oder so. Gähn.</p>
<p>Statt auf der Autobahn zu fahrnfahrnfahrn, werfe ich mich mitsamt meinen Kopfhörern lieber in den Mischer, denn hier produzierte das Würzburger Duo <span class="musik-review-bandname">Zement</span> 2021 neuen „Rohstoff“, wie dessen aktuelles Album – das bereits dritte Vollzeitwerk – heißt. Ähnlichkeiten zu <span class="musik-review-bandname">Kraftwerk</span>, vom Einsatz monotoner „Roboter“-Stimmen bis hin zu ebenfalls recht gleichbleibenden Rhythmen, lassen sich kaum verkennen, aber <span class="musik-review-bandname">Zement</span> machen es <em>besser</em>, denn während <span class="musik-review-bandname">Kraftwerk</span> ihre Krautrockwurzeln derart intensiv dem ewigen Vergessen überantwortet haben, dass in ihrem „Katalog“ (so heißt die ab 2009 in verschiedenen Versionen veröffentlichte Werkschau) die ersten drei Studioalben überhaupt nicht vorkommen, sind <span class="musik-review-bandname">Zement</span> nicht ganz so dämlich; hier darf auch mal eine Gitarre zu hören sein (etwa im polyrhythmischen Jazz-Ausflug „Kleiner 3“) und immer wieder schwingt die <em>gute alte</em> Psychedelik mit.</p>
<p>Im etwas zu kurzen „Zunder“ bedauert die Roboterstimme, etwas sei „such a shame“, aber von den Achtzigern lassen <span class="musik-review-bandname">Zement</span>, die dieser Stimme ein dominantes Saxophon entgegensetzen, ansonsten die Finger. Ist auch besser so. Die Achtziger waren musikalisch fürchterlich. Das längste Stück hingegen heißt „Entzücken“, folgt direkt auf „Zunder“ und ist über zehn Minuten lang. Ich bin entzückt. Mit „Atem“ endet „Rohstoff“ in einer Instrumentaleruption mit irrlichternder Gitarre und schier ungezügeltem Schlagzeug, wie man sie in dieser Ecke der elektronischen Musik gar nicht mehr erwartet hätte. Ich mag es, wenn ungenügende Erwartungen weit übertroffen werden.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Komplettstreams gibt’s bei <a href="https://zement.bandcamp.com/album/rohstoff" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/177317271" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, Hörschnipsel und (theoretisch) Stream und Kauf diesmal auch wieder auf <a href="https://www.amazon.de/Rohstoff-Zement/dp/B08Z7N5898/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/moor-mother-black-encyclopedia-of-the-air.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_moor-mother-black-encyclopedia-of-the-air.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Moor Mother – Black Encyclopedia of the Air</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I’m too fucking high.“</span> (Zami)
<p>Das erste Stück von „Black Encyclopedia of the Air“ erinnert mich spontan und daher unüberlegt an die von mir anderswo schon mal rezensierte neuere Musik von <span class="musik-review-bandname">I Like Trains</span>, aber auch an die elektronische Musik der 70er und frühen 80er Jahre. Irgendwie unwirklich verträumt wabert das minimalistische Stück „Temporal Control of Light Echoes“ zur Eröffnung desjenigen Albums aus dem Kopfhörer, das die in Rap und Jazz bewanderte US-Amerikanerin <span class="musik-review-bandname">Camae Ayewa</span> alias <span class="musik-review-bandname">Moor Mother</span> im Scherz <a href="https://pitchfork.com/reviews/albums/moor-mother-black-encyclopedia-of-the-air/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ihr „Ausverkaufsalbum“ nannte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, da es <em>zugänglicher</em> sei als manches, was sie zuvor herausgebracht habe.</p>
<p>Nun bin ich mit dem bisherigen Wirken von <span class="musik-review-bandname">Moor Mother</span> nicht vertraut und verlasse mich somit auf meine eigenen Eindrücke. Zu diesen zählt, dass neun von den enthaltenen dreizehn Stücken einen oder mehrere Gastmusiker aufweisen, die ich allesamt ebenfalls nicht kenne. Prima. Ich mag mir zuvor Unbekanntes in der Musik manchmal. Und tatsächlich: Es wird gerappt.</p>
<p>Ja, ja, <em>Rap ist keine Musik</em>, er genügt der Definition von Musik gemäß der deutschsprachigen Wikipedia nicht und so weiter und so fort. Das macht aber nichts, denn die musikalische Begleitung bleibt doch eher <em>jazzig</em>. Mir ist, als hörte ich eine US-amerikanische Konkurrenz zur <span class="musik-review-bandname">Jazzkantine</span>, aber mit <em>noch</em> tiefer im <em>spacig</em> Verspielten unterwegs. Textlich ist das Album weniger beschwingt, es geht in den meisten Stücken um den US-eigenen Rassismus, mitunter aber auch um Lehren aus dem Leben der Vorfahren („Tarot“) und die Freiheit zu leben, wobei das resignierende Schlussstück „Clock Fight“ sicher nicht hoffnungsfroh stimmen sollte. Vorhaben für die Zukunft: Öfter mal auf die Texte hören, auch wenn’s bloß Englisch ist. Dieses Vorhaben habe ich in letzter Zeit ein wenig vernachlässigt.</p>
<p>Während ich dies tippe, merke ich, dass ich <em>unbeholfen</em> an diese Art von Musik herangehe. Sie überrascht mich, weil ich diese Kombination nicht gewohnt bin. Sind die weniger „zugänglichen“ Früherwerke von <span class="musik-review-bandname">Camae Ayewa</span> wirklich anstrengender oder nur herausfordernder? Ich sollte das irgendwann mal herausfinden.</p>
<p>Am Ende zählt aber ohnehin nur: Gefällt’s oder gefällt’s nicht? Ganz ungeachtet der Textexegese, für die mehr Szenekenntnisse meinerseits wahrscheinlich notwendig wären: Mir gefällt’s; auf eine ganz neue Art gar. Das muss erst mal reichen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Für bloße Auszüge ist das Album zu schade, daher empfehle ich hier nur den Komplettstream via <a href="https://moormother.bandcamp.com/album/black-encyclopedia-of-the-air" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und/oder <a href="https://tidal.com/browse/album/183667353" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Haptisch interessantere Tonträger – also: überhaupt Tonträger – hingegen bietet <a href="https://www.amazon.de/Black-Encyclopedia-Nicole-Mitchell-Mother/dp/B098RFVF92?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> an, bei Bandcamp wird man diesmal zurzeit nicht fündig. Schade eigentlich.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/tomahawk-tonic-immobility.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" class="musik-review-album-covr1" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/12/Vorschau_tomahawk-tonic-immobility.jpg"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Tomahawk – Tonic Immobility</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Got a birthing coach with a COVID smile / We labor alone today“</span> (Doomsday Fatigue)
<p>Zum Abschluss dieser Liste muss dann doch noch ein wenig anständige Rockmusik her.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Mike Patton</span> möchte ich nicht sein müssen, der von mir geschätzte Herr ist anscheinend zu schnell gelangweilt und muss darum dauernd irgendwas machen. 2021 hat er, mittlerweile 53 Jahre alt, zum Beispiel neben den reaktivierten <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span> auch seiner seit 2020 wieder formierten Experimentalrockband <span class="musik-review-bandname">Tomahawk</span> zu einem neuen Studioalbum verholfen. Es heißt „Tonic Immobility“ und ist erwartungsgemäß vortrefflich gelungen.</p>
<p><em>Zeitlos</em> im klassischen Sinne ist es nicht, denn unter anderem wird auf Doomscrolling während <em>der Pandemie</em> („Doomsday Fatigue“) und zeitgenössische Körperideale („Business Casual“) Bezug genommen. Stilistisch passiert auf „Tonic Immobility“ jede Menge, ich höre Nu Metal, Grunge, Country („Howlie“; trotzdem gut und vor allem zum Ende hin eine höchst angenehme Eskapade) und gelegentlich auch etwas Punkrock. Zum Glück muss ich im Saturn nicht die Plattenregale sortieren. Keine Ahnung, in welche <em>Schublade</em> dieses Album reinmüsste. Einen roten Faden gibt es nicht, aber das tut dem Hörvergnügen keinen Abbruch. Es <em>rockt</em>. Braucht man immer mehr?</p>
<p>Ich könnte hier einen Indianerwitz machen, aber den lasse ich begraben wie andere das Kriegsbeil. Stattdessen spreche ich diesem Album meine wärmste Empfehlung aus. Hugh.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Tonic-Immobility-Explicit-Tomahawk/dp/B08S44JVN1/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder eben auch <a href="https://tidal.com/browse/album/177937180" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Dort sind alle enthaltenen Stücke als <em>explizit</em> gekennzeichnet. Weicheier.</p></li>
</ol>
<hr>
<p>Fragen, Kritik, Anmerkungen und Liebeserklärungen nehme ich gern als Kommentar entgegen. Ansonsten: Fortsetzung folgt!</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li>Thilo schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2022/01/musik-12-2021-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">1. Januar 2022</a> dies: So sehr ich auch Scheiß-Fan des Sarkasmus bzw. der feinen Beobachtungen des Herrn Hirnficks bin: Das ist typische Kneipenhocker-Musik. Wer, warum auch immer (kann nicht tanzen/hat sich nicht getraut/hatte nur männliche Freunde) in seiner „Prägungsphase“ nie in eine Disko hineingestolpert ist – der findet dann gleichsam als Akt der Abwehr Kraftwerk öde, wahrscheinlich auch „Disco“, „House“ und „Techno“. Und hört dann so einen Krampf. Habe mir die erste Hälfte der Empfehlungen angetan, ach Du meine Güte. Bin dennoch weiterhin Fan. Was ist heutzutage schon Musikgeschmack, da niemand mehr eine Plattensammlung sein eigen nennt. So egal wie eine Backrezeptesammlung. Ist er denn ge„impft“, das ist die Frage (Achtung, Ironie. Was geht es einen an, verdammt nochmal)!</li><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2022/01/frueher-war-alles-musikalischer/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Früher war alles musikalischer.</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2022/01/musik-12-2021-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">24. Januar 2022</a> dies: […] dem „Alten“ vor­aus hat. Das trägt sicher­lich auch dazu bei, dass es mehr Spaß macht, nach „Neuem“ zu fischen; des­halb aber dem „Alten“ ver­ständ­nis­los zu begeg­nen, weil es das „Neue“ […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2022/01/musik-12-2021-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg02.met.vgwort.de/na/b7f5bb1045314af99ab5f0e0c8ea5e75" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
	</item>
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		<title>Musik 12/2020 – Favoriten und Analyse</title>
		<link>https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Feb 2021 15:59:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Na gut, wenigstens eine späte Musikrückschau für das schreckliche Jahr 2020 gibt es – nur geringfügig verspätet – doch noch. Man verzeihe mir, dass sie kürzer ist als sonst – bei einigen anderen Alben konnte ich nicht an mich halten und ließ mich zu einer Rezension praecox hinreißen. Man wühle in der Blogkategorie, so’s gefällt: ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2020 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Na gut, wenigstens eine späte <span class="musik-intro-hervorhebung">Musikrückschau für das schreckliche Jahr 2020</span> gibt es – nur <a href="https://www.coffeeandtv.de/2021/01/29/alben-des-jahres-2020/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">geringfügig verspätet<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> – doch noch. Man verzeihe mir, dass sie kürzer ist als sonst – bei einigen anderen Alben konnte ich nicht an mich halten und ließ mich zu einer <em>Rezension praecox</em> hinreißen. Man wühle in <a href="https://tuxproject.de/blog/category/musikkritik/" data-wpel-link="internal">der Blogkategorie</a>, so’s gefällt: Von <span class="musik-review-bandname">Eminem</span> über das gar nicht so geschriebene <span class="musik-review-bandname">Kombynat Robotron</span> bis hin zu – obwohl deutschsprachiger Gesang nachweislich <a href="https://www.futurezone.de/science/article231449727/Corona-Ansteckung-Deutsche-Lieder-bringen-besonderes-Risiko-mit.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">krank macht<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> – den <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> war stilistisch alles Notwendige dabei, sogar ein bisschen <a href="https://tuxproject.de/blog/2020/06/kurzkritik-t-e-s-a-c-o-n-t-r-o-l/" data-wpel-link="internal">Postrock.</a> Mir sei verziehen, dass ich auf <a href="https://www.explica.co/youth-attention-has-decreased-by-33-since-2000/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">veränderte Hörgewohnheiten<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> auch diesmal keine Rücksicht nehme: Ist ein Stück länger als vier Minuten, so wird es hier trotzdem zum Reinhören empfohlen; nicht (nur), weil ich Sadist bin, sondern auch, weil ich Musik mag.</p>
<p><span id="more-17658"></span>Und zwar folgende:</p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/toundra-das-cabinet-des-dr-caligari.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_toundra-das-cabinet-des-dr-caligari.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Toundra – Das Cabinet des Dr. Caligari</span>
<p>„Das Cabinet des Dr. Caligari“, weiß die Wikipedia, sei „ein deutscher Horrorfilm von Robert Wiene aus dem Jahr 1920“, den ich aber nie gesehen habe, weil mich Horrorfilme schon hinsichtlich ihrer beabsichtigten Wirkung nicht interessieren. Wohl aber interessiere ich mich für Musik. Es verbinden beides miteinander aber unter anderem <span class="musik-review-bandname">Toundra</span> aus Madrid, die das hundertjährige Jubiläum des Films genutzt haben, um ihn noch mal anders zu vertonen.</p>
<p>Der Film besteht aus sechs Akten und der Titelsequenz, ebenso ist auch dieses Album aufgeteilt, denn es soll als Begleitung desselben wiedergegeben werden (hierzu siehe „Reinhören“). Zu hören gibt es „Film-Musik“ im Wortsinne, wobei auch das <em>genre</em> – ich glaube immer noch nicht an die Existenz von Genres – passt, denn <span class="musik-review-bandname">Toundra</span> spielen seit ihrer Gründung im Jahr 2007 meist instrumentalen Postrock mit gelegentlichen Ausflügen in den Postmetal, also mit <em>etwas</em> verzerrteren Gitarren, <em>etwas</em> lauterem Bass und <em>etwas</em> hektischerem Schlagzeug. Ein Rezensent <em>im Internet</em> fand „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (das Album) langweilig, ich finde es wenigstens ungewöhnlich, denn das vorhersehbare Laut-leise-Spiel steht hier zugunsten der Synchronität von Bild und Ton zurück, wofür man wahrscheinlich dann doch gleichzeitig den Film sehen muss.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://vimeo.com/393884802" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Vimeo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> werden Film und Album zugleich abgespielt, ansonsten gibt es das Album <em>natürlich</em> auch in Schnipseln <a href="https://www.amazon.de/Das-Cabinet-Dr-Caligari-Toundra/dp/B084TM9RJG?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und in Gänze <a href="https://tidal.com/browse/album/131429263" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">per TIDAL.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/heads-push.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_heads-push.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Heads. – Push</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Heads.</span> – der Punkt gehört zum Namen – aus Berlin (und Australien) sind namentlich ein Symptom der modernen Zeit, die Köpfe über Inhalt stellt. Trotzdem ist der Inhalt gar nicht mal furchtbar: Ich höre Noiserock mit deutlichem britischem Akzent im Gesang. Globalisierung wirkt.</p>
<p>Der Anfang („Empty Towns“), der als <em>reprise</em> im letzten Stück nochmals aufgegriffen wird, wirkt bedrohlich, kommt aber fast irreführend sanft daher. Nach einer überraschenden Welle aus Noise, Metal und Postpunk drosselt die Band mit dem Indie-Rock-Lied „Loyalty“ das Tempo wieder etwas herunter. Die etwas nölige Stimme des Sängers stört mich ein bisschen, aber <span class="musik-review-bandname">Lou Reed</span> hat es ja auch in meinen Plattenschrank geschafft. Der Vergleich sei unfair, heißt es jetzt vom Publikum? Ja, das ist er wahrscheinlich. Was ich ausdrücken wollte: Dieses Album reißt nicht mal der Gesang noch runter. Das ist doch auch schön.</p>
<p>Auch später („A Swarming Tide“) lässt die Band dem Hörer immer mal wieder eine kurze Verschnaufpause, aber es <a href="https://www.neolyd.com/news-kritiken/heads-push/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">stimmt schon:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Viel Platz für <em>friedvolle Momente</em> wird hier nicht gelassen. Macht nichts. Ich habe eh schlechte Laune.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Einen Komplettstream gibt es bei <a href="https://tidal.com/browse/album/140247902" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://headsnoise.bandcamp.com/album/push" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, dazu noch Schnipsel und Kauf auf <a href="https://www.amazon.de/Push-Heads/dp/B0864RZ7SR/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/danheim-skapanir.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_danheim-skapanir.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Danheim – Skapanir</span>
<p>Mongolenmönche beschwören antike Wikingergötter im Kampfgetrommel. Herrlich.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Skapanir-Danheim/dp/B085LJ121T/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, sonst <a href="https://tidal.com/browse/album/133452831" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/charivari-descent.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_charivari-descent.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Charivari – Descent</span>
<p>Vier <span class="musik-review-bandname">Can</span>-kundige Engländer huldigen postrockend der Berliner Schule, es wird sphärisch gesungen. Mehr Text braucht es nicht.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Warum nicht mal <a href="https://tidal.com/browse/album/132993948" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://www.amazon.de/gp/product/B085CN9VC7/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder <a href="https://worstbassistrecords.bandcamp.com/album/descent" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp?<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/taumel-there-is-no-time-to-run-away-from-here.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_taumel-there-is-no-time-to-run-away-from-here.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">taumel – there is no time to run away from here</span>
<p><span class="musik-review-bandname">taumel</span> sind nicht nur eine Beschreibung meines Heimwegs nach dem Stammtisch, sondern auch zwei bis vier Herren aus Rheda-Wiedenbrück.</p>
<p>Es werden auf „there is no time to run away from here“ fünf Stücke dargeboten, die die Titel „there is“, „no time“, „to run“, „away“ und „from here“ tragen, wobei die ersten beiden ineinander übergehen. Zu hören ist sehr langsamer Postrock ohne Gitarrengewitter. Wer die vermeintlich ruhigeren Momente von <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> mag, der mag auch dieses Album, wage ich zu versprechen.</p>
<p>Die hier ausgebreiteten Klanglandschaften sind eher ein Sonnenaufgang über der Wüste als ein prasselnder Wasserfall. Gerade das von <span class="musik-review-bandname">Manuel Viehmann</span> gespielte Flügelhorn (besonders durchdringend in der zweiten Hälfte von „to run“) vermittelt Hoffnung, obwohl ich selbst nicht so genau weiß, worauf. Trotzdem fühlt sich dieses Album nach Geborgenheit an und das kann man ja auch nicht von jedem Album behaupten. Das abschließende „from here“, getragen von Klavier und wenig Perkussion, ist insofern ein angemessener Abschluss, als es die Ruhe und Behäbigkeit von taumel auf die Spitze treibt.</p>
<p>Das Album ist instrumental: Kein Gesang, kein Gekreisch, kein Gestöhne. Die Leute halten ja viel zu selten die Fresse dieser Tage. Auch mal schön.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://taumel.bandcamp.com/album/there-is-no-time-to-run-away-from-here" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://www.amazon.de/There-Time-Run-Away-Here/dp/B08HDHFSBZ?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/154143500" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/airbag-a-day-at-the-beach.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_airbag-a-day-at-the-beach.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Airbag – A Day at the Beach</span>
<p>Ein schwieriges Album, gebe selbst ich zu, der schwierige Alben ja durchaus zu schätzen weiß.</p>
<p>Mit „Machines and Men“ beginnt die Band aus Oslo ihren „Tag am Strand“ mit einem Überzehnminüter, der den industrialgeimpften Artpop der Achtziger nicht wiederholt, sondern ihm seine Reverenz erweist, wenngleich mit besserem Gesang und ohne die ollen Plastikorgeln. Der folgende Teil 1 des Titelstücks verneigt sich vor <span class="musik-review-bandname">Roxy Music</span> und <span class="musik-review-bandname">David Gilmour</span> zugleich, verleugnet aber nicht das Selbstverständnis von <span class="musik-review-bandname">Airbag</span>, die sich sowohl als „Classic-Rock-“ als auch als „Progressive-Rock-Band“ begreifen (Quelle: Internet). Das Verstörendste an diesem Album ist das Coverbild.</p>
<p>Der zweite und letzte Überzehnminüter „Into the Unknown“ hebt nochmals die Nähe zu <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> hervor: Das Stück ist – wie die meisten von <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> – einfach zu lang. Nein, Scherz beiseite: Es geht um die <em>Stimmung</em>. Sanfte Gitarrensoli über wabernden Keyboards gibt es nach der Effektpause mittendrin, schon zuvor aber ist das Bedrückte, das auch über dem letzten <span class="musik-review-bandname">Pink-Floyd</span>-Album (dem mit dem Fluss, nicht dem mit dem Puls) schwebt, das bestimmende Element. Immerhin das folgende „Sunsets“ reißt dann wieder mit 80er-Elektrobeats aus dem milden Schlummer. <span class="musik-review-bandname">Depeche Mode</span>? Klingt doch alles gleich. Der Mitnickrefrain und die darin zu hörende Gitarre gefallen. Davon ein ganzes Album und ich würde weniger skeptische Kommentare anbringen. Vielleicht.</p>
<p>Teil 2 des Titelstücks <span class="musik-review-bandname">davidgilmourt</span> schon wieder. Für die, die es noch nicht verstanden haben: <span class="musik-review-bandname">Airbag</span> finden <span class="musik-review-bandname">David Gilmour</span> total schnafte. Für mehr von <span class="musik-review-bandname">David Gilmour</span> einfach <span class="musik-review-bandname">Airbag</span> hören. Ich verstehe das Konzept, ich mag dieses Album (weil es die langweiligen Teile von <span class="musik-review-bandname">David Gilmours</span> eigenen Werken ersetzt, nämlich den öden Gesang), aber für die, die eine eigenständige Arbeit hören wollen, ist das hier nichts. Da hilft auch das abschließende „Megalomaniac“, mein Lieblingsstück auf dem Album, weil es den 80er-Artpop, die 70er-Stimmung, die überraschenden Stilwechsel und die bemerkenswerte Gitarrenarbeit miteinander vereint, kaum.</p>
<p>Abgeschreckt? Nein? Ich auch nicht.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Day-at-Beach-Airbag/dp/B0868VDPSJ?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat Stream und Kauf und Hörproben, bei <a href="https://airbagsound.bandcamp.com/album/a-day-at-the-beach" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/135159572" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sind aber ebenfalls Streams zu haben.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/elizabeth-the-last-task.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_elizabeth-the-last-task.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Elizabeth the last – Task</span>
<p>Ich finde, viel mehr deutsche Bands sollten heißen wie eine Figur aus einer hypothetischen Adelspersiflage, aber ich finde auch, es gibt zu wenige zeitgenössische Adelspersiflagen. <span class="musik-review-bandname">Elizabeth the last</span> bringen jedenfalls instrumentalen Doom-Post-Sonstwasmetal zu Gehör, der mir zusagt. Ich mag ja so Gitarrenwände.</p>
<p>Die fünf Stücke haben bis zu elfeinhalb Minuten Länge und klingen genau so wie alles andere aus dem Genre; nämlich wie etwas, das nicht zu kennen ich sehr schade fände. Freunde des Kopfnickens zu verschobenen Rhythmen mögen ihren Nacken ölen und ab geht’s.</p>
<p>Ich habe schon mal angefangen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Für Amazon.de <a href="https://www.amazon.de/Task-Elizabeth-last/dp/B08JQJ7VVG/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">hier entlang<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, für TIDAL <a href="https://tidal.com/browse/album/156125999" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">dort entlang.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/the-ocean-collective-phanerozoic-ii-mesozoic-cenozoic.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_the-ocean-collective-phanerozoic-ii-mesozoic-cenozoic.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">The Ocean (Collective) – Phanerozoic II: Mesozoic | Cenozoic</span>
<p>Man merkt es den englischsprachigen <em>lyrics</em> nicht an, aber <span class="musik-review-bandname">The Ocean</span> (mitunter auch: <span class="musik-review-bandname">The Ocean Collective</span>) sind eine Band aus Berlin <em>(auuuus Berlin, jaja)</em>, die im Wesentlichen handwerklich guten Progressive Metal spielt. Wer aus dieser musikalischen Ecke nur <span class="musik-review-bandname">Tool</span> kennt, der liegt mit diesem Vergleich nur wenig daneben, denn sich an <span class="musik-review-bandname">Tool</span> zu messen gelingt wenigen. Ich persönlich halte <span class="musik-review-bandname">Tool</span> aber für langweilig, deshalb höre ich stattdessen zum Beispiel <span class="musik-review-bandname">The Ocean</span>.</p>
<p>Es gibt schon im ersten, mich bereits hinreichend überzeugten Stück „Triassic“ – das Album umfasst die erzählerische Zeitspanne vom Trias bis zum Holozän – bretternde, aber auch mal frickelnde Gitarren und Wechsel zwischen sanftem Gesang und hartem Gegröl (<em>„growling“</em>), später auf dem Album kommen unter anderem Bläser hinzu. Über verschiedene Erdzeitalter haben <span class="musik-review-bandname">The Ocean</span> unterschiedlich viel zu erzählen: „Jurassic | Cretaceous“ ist 13:25 Minuten lang, weist aber auch Längen auf, also mehrere Momente, die man auch kürzen könnte, ohne wichtige Botschaften streichen zu müssen; „Miocene | Pliocene“ hingegen dauert nur 4:40 Minuten, ist dabei aber auch nicht zu kurz. Was will man über Mio- und Pliozän auch groß erzählen?</p>
<p>Dass <span class="musik-review-bandname">The Ocean</span> neben der Fähigkeit zu Brachialem bis hin zum Black Metal („Pleistocene“) auch viel Wert auf Atmosphäre legen, beweisen die auf diesem Album nicht seltenen Momente wie die leider etwas zu kurze Shoegazeverschnaufpause „Oligocene“. Das abschließende „Holocene“ greift stilistisch und textlich nochmals die Themen von „Triassic“ auf, ist nur etwas reicher instrumentiert. Die Geschichte ist ein Kreis, jedes Ende ist auch ein neuer Anfang. Das Album „Phanerozoic II: Mesozoic | Cenozoic“ gibt es für Gesangsscheue auch als Instrumentalversion. Sind die Texte also wichtig? Ist <em>irgendwas</em> wichtig?</p>
<p><a href="https://www.metal.de/reviews/the-ocean-phanerozoic-ii-mesozoic-cenozoic-412027/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Anderswo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> nannte man „Phanerozoic II: Mesozoic | Cenozoic“ zusammengefasst <em>große Kunst</em>. Und ist das nicht alles, worauf es ankommt – die Kunst?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://tidal.com/browse/album/143812201" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://theocean.bandcamp.com/album/phanerozoic-ii-mesozoic-cenozoic" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder halt <a href="https://www.amazon.de/Phanerozoic-II-Mesozoic-Cenozoic-Ocean/dp/B089QG6HJ6/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/jesu-terminus.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_jesu-terminus.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Jesu – Terminus</span>
<p>Jessas! <span class="musik-review-bandname">Jesu</span> – gegründet in der Zeit, in der die Mitglieder von <span class="musik-review-bandname">Godflesh</span> lieber etwas anderes machen wollten als bei <span class="musik-review-bandname">Godflesh</span> zu spielen – ist ein englisches Bandprojekt um die einzige personelle Konstante <span class="musik-review-bandname">Justin Broadrick</span>, der eigentlich auch alle Instrumente nebst Mikrofon allein aufnehmen könnte, aber das nicht immer tut.</p>
<p>Obwohl <span class="musik-review-bandname">Justin Broadrick</span> <a href="https://www.tinymixtapes.com/features/jesu" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">der Ansicht ist<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, seine Musik sei vor allem <em>Pop</em>, was der lästigen Genrediskussion zumindest eine angenehm absurde Komponente beifügt, nehme ich hier hauptsächlich Shoegaze und Electronica als Zutaten wahr, hinreichend ausgedehnt, dass es die zweieinhalb Minuten, die im Radio zwischen zwei Werbeblöcken derzeit zur Verfügung stehen, mehrfach überbelegen müsste. Glück gehabt. Radiohörer sind sicher nicht das angenehmste Publikum.</p>
<p>Meine erste Assoziation waren <span class="musik-review-bandname">Aereogramme</span>, aber das kann auch daran liegen, dass ich <span class="musik-review-bandname">Aereogramme</span> zu lange nicht mehr gehört habe, während ich das hier aufschreibe. Die Musik von <span class="musik-review-bandname">Jesu</span> ist aber weit weniger <em>rockig</em>, eher ausladend-atmosphärisch. Zwar blitzt gelegentlich (etwa im Titelstück) auch mal reinrassiger Postrock hervor, das Album wird aber beherrscht von melancholischen Arrangements, denen anderswo nachgesagt wird, sie versprühten <em>Einsamkeit, Depression und Reue</em>. Das stimmt sogar.</p>
<p>„Terminus“ ist – wie so viele Postrock- und Shoegazealben – eigentlich ein sehr gutes Herbstalbum geworden, also eines, zu dem man drinsitzt, während es draußen regnet, und schwere Getränke zu sich nimmt, aber im Herbst habe ich diese Liste ja bereits prokrastiniert. Tut mir leid.</p>
<p>Man höre „Terminus“ dann also etwas später, zum Beispiel noch heute. Es ist nie zu spät.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Möglich ist das unter anderem auf <a href="https://www.amazon.de/Terminus-Jesu/dp/B08NH19XXH?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/160928222" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/six-days-of-calm-the-oceans-lullaby.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_six-days-of-calm-the-oceans-lullaby.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Six Days of Calm – The Ocean’s Lullaby</span>
<p>Leise Töne und ein Stimmengewirr eröffnen „The Ocean’s Lullaby“, das Debütalbum der „filmischen Postrockgruppe“ (<span class="musik-review-bandname">Six Days of Calm</span> über <span class="musik-review-bandname">Six Days of Calm</span>) <span class="musik-review-bandname">Six Days of Calm</span> aus Würzburg. Gesungen wird nicht, stattdessen gibt es Klangwelten und nur manchmal nicht weiter bedeutsame Sprachsamples. <em>Filmisch</em> „bassd scho“, wie man in Würzburg vermutlich sagen würde (ich bin ja nicht dort), ich würde Naturdokumentationen annehmen, irgendwas mit Bergen und Seen.</p>
<p>Dass Bandgründer <span class="musik-review-bandname">Marc Fischer</span> sich zuvor als Liedschreiber im Metalcore aufgehalten haben soll, wäre nicht anzunehmen, denn <em>natürlich</em> (bereits im eröffnenden „Breathe“) wird hier auch mal instrumental eskaliert, aber überwiegend hat man es mit weiten Klangflächen („Loss“) zu tun, in denen selbst das Schlagzeug manchmal nur als Beiwerk, aber nicht als wesentliches Rhythmusinstrument zu Einsatz kommt. Mir fallen <span class="musik-review-bandname">65daysofstatic</span> und <span class="musik-review-bandname">God Is An Astronaut</span> als Vergleich ein, aber (selten) auch <span class="musik-review-bandname">Oceansize</span> und die doch sehr vermissten <span class="musik-review-bandname">Dear John Letter</span>. (Wenn ihr das – was mich überraschen sollte – lest: <span class="musik-review-bandname">Carpet</span> ist nicht gut. Macht das bitte nicht mehr.)</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Six Days of Calm</span> tragen ihren Namen nicht zu Unrecht. Das zu oft gehörte Laut-Leise-Spiel betonen sie auf dem Leise, das majestätisch erhabene und doch befreiend auslaufende Ende von „Loss“ steht dieser Einschätzung wie auch die anderen <em>lauteren</em> Momente (besonders unerwartet: „Obscure“) nicht entgegen, zumal das anschließende „Reflections“ mit Streichern und melancholischer Schönheit bereits den Kontrapunkt setzt.</p>
<p>Wer Postrock vor allem mit musikalischer Schönheit verbindet und den Gitarrentürmen anderer Genrekollegen weniger abgewinnen kann, der möge es hiermit versuchen. Ist nicht schlecht geworden.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Locker bleiben und entspannt – gern auch erst in sechs Tagen – <a href="https://www.amazon.de/Oceans-Lullaby-Six-Days-Calm/dp/B08JD6D7FX?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://sixdaysofcalm.bandcamp.com/album/the-oceans-lullaby" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder <a href="https://tidal.com/browse/album/155606389" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> aufrufen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/pg.lost-oscillate.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_pg.lost-oscillate.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">pg.lost – Oscillate</span>
<p>Zwar gewohnte instrumentale Postrockkost, wie üblich verfeinert mit raffinierter Elektronik, tischen <span class="musik-review-bandname">pg.lost</span> auf ihrem nicht mehr ganz neuen, aber noch aktuellen Album „Oscillate“, das – nun ja – auch im alten Laut-Leise-Spiel <em>oszilliert</em>, auf. Für Freunde der Gitarrenbreitwände ist das – wie immer – ein Muss-Hör <em>(was stimmt heute eigentlich nicht mit mir?)</em>, für Postrocknichtkenner ist es kein sperriger Einstieg. Ich empfehl’s.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Oscillate-Pg-lost/dp/B08HPYB9KG?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/154609049" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> haben das Album im Repertoire, ebenso <a href="https://pglost.bandcamp.com/album/oscillate" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/lee-ranaldo-raul-refree-names-of-north-end-women.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_lee-ranaldo-raul-refree-names-of-north-end-women.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Lee Ranaldo &amp; Raül Refree – Names of North End Women</span>
<p>Was kommt dabei heraus, wenn ein spanischer Komponist und ein ehemaliges <span class="musik-review-bandname">Sonic-Youth</span>-Mitglied zusammen ein Album aufnehmen? Es ist nicht, wonach es aussieht!</p>
<p>„Names of North End Women“ ist ein erstaunlich ruhiges Album geworden, das mehr an <span class="musik-review-bandname">Leonard Cohen</span>, <span class="musik-review-bandname">John Cale</span> und die <span class="musik-review-bandname">Doors</span> als an <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span> erinnert, wenngleich mitunter (zum ersten Mal in „Words Out of the Haze“) Gitarreneffekte plötzlich auftauchen und ebenso plötzlich wieder verschwinden, deren Herkunft sich schwer leugnen lässt.</p>
<p>Komponiert wurde, behauptet <em>das Internet</em>, auf Marimba und Vibraphon, daher läuten Stücke wie „New Brain Trajectory“ auch wie diese deutlich lästigeren Weihnachtslieder, die jetzt zum Glück erst mal wieder nicht mehr zum Besten gegeben werden. Dazu gibt es verschiedene andere Instrumente vom Band, eigene und fremde Gedichte (oft als Spoken-Word-Vortrag) sowie die erwähnten Gitarren, selten akustisch von Elektronik zerrissen, die gemeinsam schönen Melodien folgen, die auch in Folk und Pop nicht auffallen würden. Das Ergebnis ist ein vordergründig angenehm entspanntes, aber doch brodelndes (man höre hierzu insbesondere das Titelstück) Stück Musik von zwei Menschen, die niemandem mehr ihr Können beweisen müssen.</p>
<p>Habe ich eigentlich schon die schönen Melodien angepriesen?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Diese Melodien gibt es auch unter anderem auf <a href="https://www.amazon.de/Names-North-Women-Refree-Ranaldo/dp/B08466XNL3/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/1315720492" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu erkunden.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/the-burden-remains-fluid.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_the-burden-remains-fluid.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">The Burden Remains – fluid</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Isch Schicksau nume Projektion und wär isch de Projäkter?“</span> (Fremdi Gstaade)
<p>„Aus isch teilt“, so heißt das erste Stück auf „fluid“, dem 2020er Album des Schweizer Quartetts <span class="musik-review-bandname">The Burden Remains</span>. Zu meiner großen sowohl Enttäuschung als auch Freude wird trotz des Bandnamens nicht auf Englisch oder gar Schwäbisch gesungen, sondern, mit Ausnahme des Instrumentalsechsminüters „Flussabwärts“, auf Schweizerdeutsch, stilecht mit überbetontem „K“. Das könnte den Bandnamen erklären. Hihi. „Gesungen“ ist andererseits auch falsch: Es wird geschrien. Fein.</p>
<p>Melodisch kommt mal ein von einem wahren Schlagzeugtrommelfeuer begleiteter Postpunk („Aus isch teilt“), mal ein schön ambientflächiger Laut-leise-Postrock („I de Fluet verhaut“), oft aber auch sogar gut passender Schrammelmetal mit, immerhin, hübsch brummendem Bass aus dem Kopfhörer. Für Freunde zurückhaltender Feinkunst ist „fluid“ sicherlich ungeeignet, aber Lärm muss ja auch nicht immer stilvoll sein.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> „fluid“ gibt es auf <a href="https://theburdenremains.bandcamp.com/album/fluid" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/153533756" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <em>natürlich</em> <a href="https://www.amazon.de/Fluid-Burden-Remains/dp/B08GYYTDPX?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> auszugsweise oder komplett zu hören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/neptunian-maximalism-eons.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_neptunian-maximalism-eons.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Neptunian Maximalism – Éons</span>
<p>Genug der seltsamen Sprachen aus fremden Ländern – kommen wir zu … Moment, ich muss nachlesen … einer zumeist grunzend intonierten rekonstruierten menschlichen Protosprache, begleitet von vier Musikern aus Belgien. Von dieser Sprache ist während der zwei Stunden und acht Minuten, die dieses Album dauert, allerdings wenig zu hören, denn das weitgehend instrumentale Album behandelt zwar <em>(schon wieder!)</em> ein Erdzeitalter, beginnt aber thematisch mit der Zeit <em>nach</em> dem Anthropozän, in der intelligente Elefanten regieren. Folgerichtig sind Saxophon und Trompete zeitweise dominante Instrumente. Nach etwa zwanzig Minuten zerschneidet erstmals eine vergleichsweise <em>rockige</em> Gitarre die Atmosphäre, löst sich aber sogleich in einen Klangteppich auf.</p>
<p>„Éons“ besteht aus drei wesentlichen Teilen, der Erde, dem Mond und der Sonne gewidmet. Ich bin mir nicht ganz sicher, was das für ein <em>genre</em> sein soll – eine Verquickung von Kammer-Avant-Prog (ich weigere mich, die offensichtliche Referenz <span class="musik-review-bandname">Univers Zéro</span> hier unerwähnt zu lassen) mit <span class="musik-review-bandname">zappaesquem</span> Free Jazz käme dem Ergebnis schon nahe, wäre aber deutlich unvollständig. Zwei Stunden. Acht Minuten. Fünfundzwanzig Sekunden, aber darauf mag es auch nicht mehr ankommen. Die Dreifach-LP ist auf Bandcamp.com längst ausverkauft, und zwar nicht meinetwegen. Schade eigentlich. Nach etwa einer Stunde, <em>natürlich</em> höre ich selbst dieses Album am Stück, fällt seine Länge tatsächlich nicht mehr auf – ich habe, während ich dies hier aufschreibe, tatsächlich <em>die Zeit vergessen</em>. Jetzt, da ich nachgucke, sehe ich, dass ich mit dem zweiten Teil des Albums fast <em>durch</em> bin. Dass zwei der vier Musiker jeweils auch ein Schlagzeug bedienen, kommt hier gut zum Tragen, denn das (welches?) Schlagzeug peitscht den Jazzunterbau dominant voran. Dass die über zehn (bis zu 18:32) Minuten langen Stücke erst noch folgen werden, tut dem Genuss keinen Abbruch: Mit steigender Dauer des Hörens steigt auch der Spaß am Gehörten. Ich mag es, wenn ich nicht anfange, meinen Jubel in Worte zu fassen, und dann drei Absätze später feststelle, dass mir fast die Ohren eingeschlafen sind, weil dem starken Anfang ein starkes Nachlassen folgt. Nein, hier steckt <em>Zeit</em> in beide Richtungen drin und das ist gut.</p>
<p>Eine <em>space opera</em> sei in „Éons“ drin, befindet die Selbstbeschreibung, aber wenn „Éons“ eine Oper ist, dann finde ich <span class="musik-review-bandname">Freddie Mercury</span> zwar immer noch scheiße, aber sollte wahrscheinlich viel öfter mal Opern hören. Etwas <em>spacig</em> beginnt der dritte Teil, „To the Sun“, der auch tatsächlich über zehn Minuten braucht, um wieder den Kammerprog vom Anfang in Erinnerung zu rufen, mit seinem bedrohlichen, flächigen Brummen zwar doch, aber Gläser werden hier nicht zersungen. Muss ja auch nicht sein, das ist immerhin teuer. Anders als „To the Earth“ (Japanisch und Akkadisch) und „To the Moon“ (Henochianisch und Tibetisch) tragen in „To the Sun“ alle Titel griechische Namen. Keine schöne Aussicht, dass das Zeitalter der Elefanten wieder mit alten Griechen endet. Andererseits: Das letzte Stück trägt den ausnahmsweise englischen Untertitel „We Are, We Were and We Will Have Been“ – „wir sind, wir waren und wir werden gewesen sein“. Das schöne Futur II gibt ein Bonusbienchen im Heft, das ist ein klares Bestanden.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Neben <a href="https://neptunianmaximalism.bandcamp.com/album/ons" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> – dem Portal mit der ausverkauften Dreifach-LP – fallen mir spontan auch <a href="https://www.amazon.de/Éons-Neptunian-Maximalism/dp/B08BZ1NFMR/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/146793761" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, beide von vornherein ohne Vinylangebot, ein.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/ingrina-siste-lys.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2021/02/Vorschau_ingrina-siste-lys.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Ingrina – Siste Lys</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Ingrina</span> wiederum kommen aus Frankreich, aber das merkt man ihnen nicht an. „Atmospheric Metal“ soll das hier sein und das ist es fürwahr: Zwei Schlagzeuger, drei Gitarristen, ein Bassist und Gesang, der klingt, als käme er direkt aus einem höllischen Abgrund – da lässt sich schon ordentlich <em>Atmosphäre</em> erzeugen.</p>
<p>„Siste Lys“ ist schon namentlich ebenso ein Konzeptalbum wie der Vorgänger, das Debütalbum „Etter Lys“, wobei drei der Stücke zwecks Neubearbeitung einfach noch mal verwendet wurden. Besagten Vorgänger kenne ich bisher nicht, deswegen ist das nicht so schlimm. Manches hier klingt wie ein vertontes futuristisches Industriegelände („Walls“), aber es dominiert Wüstenplanetendzeitstimmung. Ich mag das. Alles auf „Siste Lys“ ist Post-irgendwas: Post-Metal, Post-Hardcore, mitunter („Casual“) aber auch einfach nur Post-Rock. Bonusfeature: Die gelegentlichen Gitarrenbretter („Now“ et al.) spülen nach dem Genuss genüsslich ausgewalzter Vulkanlandschaften wieder die Ohren frei.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://ingrina.bandcamp.com/album/siste-lys" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/158539318" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und – zum heute letzten Mal – <a href="https://www.amazon.de/Siste-Lys-Ingrina/dp/B08L72J6VL?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
</ol>
<p>So, reicht jetzt mit 2020. Auf 2021 aber komme ich bei Gelegenheit noch zu sprechen.</p>
<p>Bis dahin wünsche ich höchsten Genuss in allen Belangen.</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li>Juri Nello schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Ich finde, es wird mal Zeit für ein Musikquiz hier. Tux spielt Drum Solos an, und der Rest muss Band, Stück und Land erraten.</li><li>ric schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Könntest ja mal den Anfang machen, vielleicht machen die Anderen dann auch mit.</li><li><a href="https://artodeto.bazzline.net" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">artodeto<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Da brauch ich ja wieder ewig bis ich das alles durchgehört habe. Toll, dabei wollte ich doch die fünfte Staffel vom Bachelor schauen.</li><li><a href="https://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Gern geschehen.</li><li><a href="https://artodeto.bazzline.net" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">artodeto<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: <img decoding="async" alt src="https://s.w.org/images/core/emoji/13.0.1/svg/1f917.svg"></li><li><a href="https://artodeto.bazzline.net" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">artodeto<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Uff, der ist ja so groß wie du weißt schon wer :-O.</li><li><a href="https://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Penis!</li><li><a href="http://n/a" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Kalle Marx<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Eine der Empfehlungen (Edit Peptide von Bubblemath, ist schon ein wenig her) hat es über diesen Blog sogar mal bis in die Vorlesungen an einer Musikhochschule geschafft – die Mühe findet also Adressat*innen (m/w/d).  ;-)

Ein Leser mehr!</li><li><a href="https://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Achgott, ich vergesse Bands einfach zu schnell.

Ich werde in Hochschulen behandelt? Als abschreckendes Beispiel?</li><li><a href="http://n/a" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Kalle Marx<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Ich habe ein paar Jahre (aus Gründen) meine Musikgeschichtsseminare (Mo., 13.00) immer mit den Pawlowschen Worten „Es ist Montag!“ begonnen, und Bubblemath (und ein paar andere, Pomrad, Collier und so) sind perfekt für alle diejenigen, die vom Hochschul-Jazz die Schnauze voll haben…

Dein Blog zieht also Kreise, nix abschreckend – ganz im Gegenteil!  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":-)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> </li><li><a href="https://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Ach, schade. Ich habe mir so viel Mühe gegeben.</li><li>Anonym schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Fail!

Soziopathie gibt’s bei uns zwar nur als Nebenfach (0,5 ECTS), wird aber ansonsten schon durchgängig in allen Veranstaltungen quasi durch Osmose unterrichtet.

Wenn Du Bock hast, schickt mir doch mal ’ne Mail von Deiner Wegwerfadresse an meine Wegwerfadresse: wegwerfdreck ät webpunktde… ;-)</li><li><a href="https://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Ich will einen Abschluss als promovierter Soziopath!</li><li>Anonym schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Soziopathie wird im allgemeinen immer noch unterbewertet! 

Ich rede mal mit der KolleginProfessX, die die Gender-Abteilung leitet – vielleicht kann Dir der Promotionsauschuß was anrechnen. Lange Schachtelsätze zählen z.B. doppelt, Parteimitgliedschaftszeiten achtfach!!!11eins!</li><li><a href="https://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Muss ich ja doch noch mal in eine eintreten. Och nö.</li><li>Anonym schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Bloß nicht irgendwo eintreten, die gelten doch rückwirkend! Da kommen schnell mal 2374 Semester zusammen, und zack! – schon feddich1!!1

Dr. soz.path.!

Ich möchte dann in dem Ausschuß sitzen; als habilitierter Soziopath steht mir das zu! (Natürlich nur über Zoom. Alles andere wäre igittpfuibä!)</li><li><a href="https://artodeto.bazzline.net" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">artodeto<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2021</a> dies: Langsam anfangen, ich trau mich bald an einen Kuhfladen ran.</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2021/02/musik-12-2020-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/18ae5fb3293645859c0cd90958776282" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Musik 12/2019 – Favoriten und Analyse</title>
		<link>https://tuxproject.de/blog/2019/12/musik-12-2019-favoriten-und-analyse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Dec 2019 20:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Kuckuck, nächstes halbes Jahr! Schüss, letztes halbes Jahr! Und damit auch: Willkommen zum zweiten Teil der Liste der feinsten Musikalben 2019, so weit sie mein Geschmack eben hergab. Teil 1 wurde im Juli hier und anderswo publiziert, seitdem war ich mal wieder ungeduldig und gab den neuen Studioalben von Cranial, bensnburner und You Guitarprayer Gelegenheit ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2019/12/musik-12-2019-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2019 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Kuckuck, nächstes halbes Jahr! Schüss, letztes halbes Jahr! Und damit auch: Willkommen zum zweiten Teil der Liste der <span class="musik-intro-hervorhebung">feinsten Musikalben 2019</span>, so weit sie mein Geschmack eben hergab. <span id="more-16335"></span>Teil 1 wurde <a href="https://tuxproject.de/blog/2019/07/musik-06-2019-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">im Juli</a> hier und anderswo publiziert, seitdem war ich mal wieder ungeduldig und gab den neuen Studioalben von <a href="https://tuxproject.de/blog/2019/10/kurzkritik-cranial-alternate-endings/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Cranial</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2019/11/kurzkritik-bensnburner-noclip/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">bensnburner</span></a> und <a href="https://tuxproject.de/blog/2019/12/kurzkritik-you-guitarprayer-art-wont-tear-us-apart-again/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">You Guitarprayer</span></a> Gelegenheit zur Entfaltung.</p>
<p>Ehrenhalber erwähnt sei das sehr hörenswerte, aber keinesfalls durchweg neue und darum disqualifizierte <a href="https://mikepatton.bandcamp.com/album/corpse-flower" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Gemeinschaftsalbum<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> von <span class="musik-review-bandname">Mike Patton</span> und <span class="musik-review-bandname">Jean-Claude Vannier</span>. Was die sonstigen Regeln angeht: Beim Verfassen dieser Zeile wurde ich gefragt, warum ich nicht ein einziges Album zum Sieger küre. Die Erklärung ist einfach: Was mir heute gefällt, kann morgen schon stören – und andersherum. Es gibt (abgesehen von <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span>) nicht die falsche Musik. Es gibt nur die falsche Stimmung.</p>
<p>Ich hoffe, ich bilde auch diesmal wieder ein breites Spektrum derselben ab.</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">1.</span> <span class="musik-review-header-text">Die Liste</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Злурад-Во-благо-злу.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_Злурад-Во-благо-злу.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Злурад – Во благо злу</span>
<p>Um meinem sorgsam gepflegten Ruf als <em>Putinversteher</em> gebührend Respekt zu zollen, beginne ich diese Liste mit „Во благо злу“ von <span class="musik-review-bandname">Злурад</span>, was Russisch ist und „Zlurad“ heißt, wobei es sich vermutlich um einen Eigennamen handelt, den zu übersetzen wenig Sinn ergäbe. Korrekterweise handelt es sich bei der Band um eine russische.</p>
<p>Der Mitglieder hat sie fünf, wovon vier auch mal singen, wovon eines, <span class="musik-review-bandname">Violetta Postnova</span>, überhaupt keine andere Aufgabe hat. Worum es in den Texten geht, weiß ich nicht, denn sie werden nicht nur sehr unsanft vorgetragen, sondern ich verstehe auch die Sprache nicht. Musikalisch ist das Album <em>völlig irre</em>. Der Reklametext zum Album (von mir übersetzt) fasst es so zusammen:</p>
<blockquote><p>Alle wilden Tiere in einem Moshpit – man kann Schreie und Flüstern hören, Stimmen von Mann und Frau, punkige Melodien und Explosionen. Halsbrecherischer Fastcore trifft auf Sludge, rituelle Perkussion und Mantragesänge.</p></blockquote>
<p>Ich höre Brachialpunkrock mit Horn und Trompete. Hui!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Во-благо-злу-Злурад/dp/B07MFRZDRL/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="http://zlurad.bandcamp.com/album/-" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/102780298" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/stonefield-bent.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_stonefield-bent.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Stonefield – BENT</span>
<p>Da bereits jetzt die weniger Hartgesottenen unter meinen Lesern die Flucht ergriffen haben dürften, können wir wenigen Verbliebenen das, was noch vor uns liegt, wenigstens unter uns genießen. Dafür greifen wir umgehend in eine ganz andere Schublade. Konstant bleibt allerdings, welchem Geschlecht der Gesang zufällt: Alle Mitglieder von <span class="musik-review-bandname">Stonefield</span> sind Frauen.</p>
<p>Um noch etwas präziser zu werden und weil’s <em>das Internet</em> bewegt: Es handelt sich um vier Schwestern aus Australien. Dem Vernehmen nach ist das Band zwischen Schwestern ein Leben lang gefestigt, was die Ausdauer erklärt. „BENT“ ist immerhin bereits ihr viertes Album. Aufgewachsen seien die vier Musikerinnen mit <span class="musik-review-bandname">Led Zeppelin</span>, deren Stück „Whole Lotta Love“ ihnen, <span class="musik-review-bandname">Stonefield</span>, in einer Neuaufnahme, glaubt man dem Hörensagen, erste größere Bekanntschaft eingebracht habe, und vergleichbaren Künstlern. Es ist daher kaum erstaunlich, dass auch auf „BENT“ vor allem der Musik aus älterer Zeit gehuldigt wird.</p>
<p>„Wie eine Mischung aus 80er-Pop und okkultem Doom“ lautete eine Beschreibung eines Rezensenten <em>im Internet</em>. Ich habe keine Ahnung, was okkulter Doom ist, aber 80er-Pop klingt hier zum Glück nur in Erinnerungen durch. <span class="musik-review-bandname">Stonefield</span>, sich selbst unter anderem mit „Heavy Metal“ etikettierend, spielen in meinen Ohren, die selbstredend die einzig maßgeblichen sind, vor allem Stoner Rock, allerdings in der melodiösen Retrorock‑, nicht in der Bretterspielart. Nicht, dass sie das nicht <em>könnten</em>, wie schon die Eruption in „Dead Alive“ deutlich belegt; aber sie <em>müssen</em> nicht. Selten war heuriger 70er-Orgelrock besser eingebunden, selten empfahl ich ein Album dieser Kategorie lieber.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Erneut gibt es einen Komplettstream auf <a href="https://www.amazon.de/BENT-Stonefield/dp/B07RX6Q4MB/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://stonefield.bandcamp.com/album/bent" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/111052448" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/black-midi-schlagenheim.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_black-midi-schlagenheim.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">black midi – Schlagenheim</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„They find different ways to suck themselves off.“</span> (bmbmbm)
<p>Darf man Dinge gut finden, die die meisten anderen Hörer auch gut finden? Ich finde: In diesem Fall <em>sollte</em> man das sogar, denn es ärgert die Richtigen. Ich mag es, wenn die Richtigen geärgert werden.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">black midi</span>, eine Gruppe von vier Londonern, die jeweils ungefähr 19 Jahre alt sind, haben mit „Schlagenheim“ „im Jahr 2019 nach Christus“ („ZEIT ONLINE“) ein Album veröffentlicht, das auch langweiligen Kritikern („ZEIT ONLINE“) gefällt. Der einzige Verriss, den ich während meiner (wenn auch: kurzen) Presseschau finden konnte, wurde von Daniela Weinmann, Liedautorin der mir unbekannten Gruppe <span class="musik-review-bandname">Odd Beholder</span>, in die Schweizer „WOZ“ <a href="https://static.woz.ch/1928/black-midi/in-kaputter-gesellschaft" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">reingeschrieben:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>So wie <span class="musik-review-bandname">Rammstein</span> keine Nazis sein mögen, sind <span class="musik-review-bandname">Black Midi</span> wahrscheinlich keine Incels, also keine misogynen Nerds, die sich das Patriarchat zurückwünschen. Dennoch könnten sie von den problematischen Frauenbildern in ihren Lyrics finanziell profitieren.</p></blockquote>
<p>Ich für meinen Teil profitiere von problematischen Rezensionen, denn sie legen mir mitunter gute Musik nahe. „Schlagenheim“ ist ein gutes Beispiel dafür.</p>
<p>Das auffallendste Element der Musik von <span class="musik-review-bandname">black midi</span> scheinen Stimme und Akzent des Sängers <span class="musik-review-bandname">Geordie Greep</span> zu sein. Musikalisch ist die Bandbreite eine vergleichsweise große: so ist etwa „953“ ein Stück aus explosivem Noiserock, durchsät von klanglichem Widerhaken; das <em>funkig</em>-ruhige „Speedway“ folgt einem <span class="musik-review-bandname">crimsonesquen</span> Gitarrengrundmuster (man ziehe sich zum Vergleich etwa letztgenannter Gruppe 80er-Werk rein); das Titelstück „Of Schlagenheim“ wiederum lässt den Industrial wieder aufleben. Selbst „bmbmbm“, das um Audioaufnahmen der hysterischen Nikki Grahame („Big Brother“) herum gesponnen wurde, ist mit dem expressiven, sich ins ebenso Irre steigernden Gesang und den gut abgestimmten Instrumentalausbrüchen mehr als eine bloße Provokation.</p>
<p>Mit „Ducter“ endet „Schlagenheim“ mit nervöser 80er-Elektronik und damit genau so, wie man es nicht erwartet hätte. Grandios!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Bandcamp.com <a href="https://bmblackmidi.bandcamp.com/album/schlagenheim" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">hier<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, TIDAL <a href="https://tidal.com/browse/album/111200967" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">dort.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/mindspeak-eclipse-chaser.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_mindspeak-eclipse-chaser.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">MindSpeak – Eclipse Chaser</span>
<p>Erneut wechseln wir Land und Stil.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">MindSpeak</span> haben eine blöde Binnenmajuskel, kommen aus Wien und ihr aktuelles Album „Eclipse Chaser“ lügt mich an. Die drei Stücke heißen „When Giants Cry“, „Tetrachrome“ und „The Human Element“ (wobei letzteres Stück sechs Teile zu haben vorgibt) und auch das Album hat einen eher astronomischen Titel, aber es ist gar kein Spacerock. Tz, Österreicher!</p>
<p>Stattdessen höre ich Stoner Rock und Retroprog, zum Teil sogar <em>gleichzeitig</em>, wobei von zweiterem Stil insbesondere der prägende Bass adaptiert wurde. Moment: Drei Stücke? Ja, und lang sind sie auch noch! Wieder so ein Album also, das eher nicht im Radio gespielt werden wird. Woran man das erkenne, wurde ich gefragt – und die Länge mag ein Argument sein. Da passt ja gar keine Werbung rein. Fast zwanzig Minuten lang passiert allerdings auf „Eclipse Chaser“ nicht viel, in der zweiten Hälfte des zweiten Stücks „Tetrachrome“ geht es erstmals, jedenfalls instrumental, <em>zur Sache</em>.</p>
<p>Sängerin <span class="musik-review-bandname">Viktoria Simon-Lukic</span> – wie man in Wien halt so heißt – macht ihre Sache insgesamt gut; sie ist <em>mit persönlich</em> stellenweise etwas zu glatt und wenig kraftvoll, überzeugt aber auch mal mit überraschenden Melodien, was sich also insgesamt die Waage hält.</p>
<p>Man merkt: Ich bin nicht übermäßig begeistert – aber ich halte „Eclipse Chaser“ noch immer für eines der hörenswerteren Alben des zweiten Halbjahrs. (Es erschien bereits im Juni, aber wir wollen ja nicht <em>immer</em> nur kleinlich sein.) Es möge auch unter meinen Lesern Menschen erreichen, die es nicht für wegwerfenswert halten.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Eclipse-Chaser-MindSpeak/dp/B081927KFZ/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (Schnipsel), <a href="https://mindspeak.bandcamp.com/album/eclipse-chaser" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (Komplettstream), <a href="https://tidal.com/browse/album/122155202" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (auch).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/brighteye-brison-v.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_brighteye-brison-v.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Brighteye Brison – V</span>
<p>Schon wieder so ein Format! Das Wichtigste zuerst: Auf „V“ von <span class="musik-review-bandname">Brighteye Brison</span> aus Stockholm, was man auch hört, sind schon wieder nur drei Stücke drauf, deren Länge jeweils zwischen zwölfeinhalb und fast 37 (siebenunddreißig!) Minuten liegt. So muss das sein!</p>
<p>Die ersten zweieinhalb Minuten des Albums weisen wabernde Elektronik auf, wie sie später an anderen Stellen, etwa in der Mitte des Titelstücks „V“, immer mal wieder zu hören sein wird. Der Teil danach aber hat es in sich: Zunächst zurückhaltend, dann druckvoller ertönt eine deutliche Erinnerung an <span class="musik-review-bandname">Starcastle</span> (beziehungsweise, weil diese selbst eine Art <em>US-amerikanische <span class="musik-review-bandname">Yes</span></em> waren, <span class="musik-review-bandname">Yes</span>). Die <em>besseren</em> Siebziger sind bei <span class="musik-review-bandname">Brighteye Brison</span> ständig zugegen.</p>
<p>Darum wird ab dem zweiten Stück „V“ per akustischer Sänfte auch ein Mellotron in die mellotronentwöhnten Ohren getragen. Mehr noch: Dasselbe Stück lässt bei ansteigender Abspieldauer auch den Gesang, parallel laufend, mehrstimmig erklingen, was nebenbei <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span> anklingen lässt, weil wir Menschen einfach gestrickte Wesen sind und mit nicht chorartiger Mehrstimmigkeit <em>immer</em> <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span> verbinden. Es passt eben auch <em>ganz gut</em> ins bis dahin Gehörte.</p>
<p>Das abschließende Stück, „The Magician Chronicles – Part II“, scheint schon aufgrund seiner Länge ein strukturell wichtiges zu sein, zumal es der Untertitel des Albums ist. Leider kenne ich Teil 1 von 2011, das wohl ein ganzes Album war, bisher nicht, es soll aber <em>ganz gut</em> <a href="https://www.betreutesproggen.de/pnl/index.htm?/pnl/cd74_21.htm" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">gewesen sein.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Es befindet sich mancher AOR in ihm, allerdings wenigstens der <em>bessere</em> AOR (ich denke an <span class="musik-review-bandname">Circa:</span>), auch scheint hier und da der Canterbury Sound durch.</p>
<p><em>Im Internet</em> wird dem Album eine eher durchschnittliche Bewertung zuteil: Es sei „mitunter zu austauschbar und beliebig“, was sicherlich auch daran liegt, dass man in der gegebenen Stilrichtung nur bedingt neue Wege beschreiten kann, ohne am Ende am völlig falschen Ort zu landen. Zum Glück bin ich nicht <em>das Internet</em> und vergebe auch keine Punkte. Mir gefällt’s. So.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Stream  und Kauf (leider nur als Download und/oder CD) gibt es per <a href="https://brighteyebrison.bandcamp.com/album/v" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://www.amazon.de/V-Brighteye-Brison/dp/B07SRL2LDJ/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, das übliche Nur-Streaming-Gedöns <em>natürlich</em> wie üblich auch auf <a href="https://tidal.com/browse/album/110813839" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/oiseaux-tempete-from-somewhere-inside.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_oiseaux-tempete-from-somewhere-inside.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Oiseaux-Tempête – From Somewhere Invisible</span>
<p>Aufmerksame wiederkehrende Leser vermissen an dieser Stelle womöglich bereits eine dieser skurrilen französischen Musikgruppen, die ich sonst relativ wortgewaltig würdige. Haben sie etwa seit der letzten Rückschau kaum etwas veröffentlicht, was der Rede wert wäre? Doch, natürlich haben sie das – und hier kommt auch schon eine solche!</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Oiseaux-Tempête</span> nämlich, man kann es am Namen erkennen, ist ein Quintett (das nicht) aus Frankreich (das schon). Das nächste Album ist bereits angekündigt worden, es soll im Februar 2020 erscheinen. Heute ist aber erst mal „From Somewhere Invisible“ von Oktober 2019 dran. Einer der beiden Gitarristen von <span class="musik-review-bandname">Oiseaux-Tempête</span> nennt sich <span class="musik-review-bandname">Mondkopf</span>. Ich mag das.</p>
<p>Zu den fünf Mitgliedern gesellen sich eine Violinistin und ein Bediener von Synthesizer sowie elektronischem Buzuk als Gäste. Da ich keine Ahnung habe, wie ein elektronischer Buzuk zu klingen hat, finde ich das Album bereits beim Lesen der Besetzungsliste interessant. Und höre da: Ich ward nicht enttäuscht. Ich höre <em>irgendwas zwischen</em> Kammermusik und Postrock. <span class="musik-review-bandname">Nick Cave</span> trifft <span class="musik-review-bandname">broken.heart.collector</span> trifft die wilden Gitarrenausbrüche der neueren <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>. „The Naming of a Crow“ ist gesprochener Text zu Streichmusik, ab etwa sieben Minuten kommt ein orientalisches <em>flair</em> hinzu.</p>
<p>Für Freunde des Widerklangs ist „From Somewhere Invisible“ eines der besten Alben des Jahres – und für diejenigen, die meinen Geschmack teilen, sowieso.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören und/oder kaufen:</span> Natürlich geht das auf <a href="https://oiseaux-tempete.bandcamp.com/album/from-somewhere-invisible" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, aber auch auf <a href="https://www.amazon.de/Somewhere-Invisible-Lp-Vinyl-LP/dp/B07Y1WQNF3/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/120672419" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/glutton-eating-music.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_glutton-eating-music.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Glutton – Eating Music</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„So I watch you from afar, but I don’t mind a second time.“</span> (Pinhole)
<p>„Eating Music“ ist ein hektisches Album und das finde ich gut. Seine Interpreten von <span class="musik-review-bandname">Glutton</span> nebst sieben bis acht Gastmusikern (je nachdem, ob man den abgetretenen Keyboarder <span class="musik-review-bandname">Åsmund R. Sæbøe</span> nun noch als Mitglied zählt oder nicht), von denen wenigstens einer, der Streicher <span class="musik-review-bandname">Kari Rønnekleiv</span>, als Orchestermusiker auch bereits mit <span class="musik-review-bandname">Sunn O)))</span>, <span class="musik-review-bandname">Ulver</span> und <span class="musik-review-bandname">Motorpsycho</span> gemeinsam musiziert hat, sind in Norwegen heimisch, wo man sich erfahrungsgemäß auskennt mit der Kunst, Gutes hervorzubringen.</p>
<p>„Eating Music“, „eine klare Empfehlung für Liebhaber eines Alternative-orientierten Prog mit Ecken und Kanten“ (Jochen Rindfrey), sortiere ich musikalisch zwischen <span class="musik-review-bandname">Umphrey’s McGee</span>, <span class="musik-review-bandname">Ulver</span> und (schon wieder) <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> ein, aber ich habe auch weder Geschmack noch Ahnung, wie mir gelegentlich mitgeteilt wird, weshalb das erst mal als Richtschnur untauglich ist. Man erlaube mir zwei der neun Stücke beispielhaft herauszugreifen:</p>
<p>„The Tomb of the Unknown Ontonaut“ ist eines der drei Stücke, in denen die vier Gastbläser an Waldhorn, Posaune, Euphonium und Trompete ebenso auftreten wie <span class="musik-review-bandname">Trond Gjellum</span> an Perkussion und Synthesizer. Diese für Rockmusik eher ungewöhnliche Besetzung sorgt nicht nur für schöne Melodien, sondern auch dafür, dass man noch genauer hinhört als ohnehin schon. So kann man das prima Zusammenspiel von mehrstimmigem Gesang, Progressive Rock und Bläsern noch aufmerksamer genießen. Dem entgegen steht das abschließende „Space &amp; Our Hearts“: Zum wiederholten, aber letzten Mal wird die musikalische Atmosphäre mit immer mehr Schichten verdichtet, freiformatig wuseln allerlei Instrumente, wohl überwiegend aus Synthesizern und/oder Keyboards gewonnen, unter einer Rockklimax. Das Album klingt sanft aus wie eine Welle bei Ebbe und man würde es gern sofort noch mal hören, aber es gibt noch so viele andere Alben. Mache ich also später.</p>
<p>So lange könnt ihr das ja für mich übernehmen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Ich hätte <a href="https://www.amazon.de/Eating-Music-Glutton/dp/B07R9SJZ2L/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://glutton.bandcamp.com/album/eating-music" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/108385195" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> im Angebot. Greift zu!</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/sleater-kinney-the-center-wont-hold.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_sleater-kinney-the-center-wont-hold.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Sleater-Kinney – The Center Won’t Hold</span>
<p>Bei <span class="musik-review-bandname">Sleater-Kinney</span> handelt es sich um eine dieser Gruppen, die mir zum ersten Mal medial aufgefallen sind, als die Schlagzeugerin ihren Ausstieg bekanntgab, was von einem hier nicht weiter erwähnenswerten Musikmagazin unnötig umständlich weitergetragen wurde. Auf „The Center Won’t Hold“ ist sie aber noch dabei, so dass es sich hier um ein Damentrio mit zwei Gitarren und einem Schlagzeug handelt.</p>
<p>Das hier Gehörte klingt britisch, kommt aber zusammen mit der Band aus Olympia, Washington. Man kennt ja diese Musik, bei der man zunächst denkt: Ah, britischer Punk! Ist das hier aber nicht. Wobei: Eigentlich ist es nicht mal wirklich Punk, sondern nur etwas ähnliches. Etwas besseres, wie ich meine.</p>
<p>Es dauert etwas über zwei Minuten, bevor <span class="musik-review-bandname">Sleater-Kinney</span> im eröffnenden Titelstück die interessant schleppende Elektronik, mit der sie das Album einleiten, durch krachenden, elektronisch verzierten Indierock mit deutlicher Punkschlagseite ersetzen, den sie erfreulich konsequent durchhalten, was nicht mal das balladesque „Restless“ zunichte machen kann. Dass das stilbedingt einen etwas einfallslosen Schlagzeugrhythmus mit sich bringt, fällt nur auf, wenn man darauf achtet, und selbst dann nur in wenigen Momenten. Überwiegend ist aber nichts zu hören außer nach vorn preschender Spaß machender Musik von überzeugt Spielfreude vermittelnden Musikerinnen. Ich heiße das gut.</p>
<p>Mit dem ruhigen Klavierstück „Broken“, dessen zerbrechlicher Gesang selbst einem abgehärteten alten Sack wie mir eine angenehme Gänsehaut verpasst, klingt „The Center Won’t Hold“ schließlich aus. Ein Narr, wen das kalt lässt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://tidal.com/browse/album/115095739" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, (zurzeit auszugsweise, Stand: 29. Dezember 2019) <a href="https://sleaterkinney.bandcamp.com/album/the-center-wont-hold" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, häppchenhaft auch <a href="https://www.amazon.de/Center-Wont-Hold-Sleater-Kinney/dp/B07SZXZGLT/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/yellow-eyes-rare-field-ceiling.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_yellow-eyes-rare-field-ceiling.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Yellow Eyes – Rare Field Ceiling</span>
<p>Noch mehr auf die Pauke hauen <span class="musik-review-bandname">Yellow Eyes</span> aus New York, deren fünftes Album „Rare Field Ceiling“, erschienen im Juni 2019, gemäß dem Pressetext ihr bislang <em>kältestes</em> sei. Ich hatte Black Metal bisher nicht mit emotionaler Hitze in Verbindung gebracht, insofern kann das durchaus sein.</p>
<p>Das Album klingt nun auch genau so, wie wir Banausen uns Black Metal eben so vorstellen: Rohe Herren wirbeln, kloppen und scheppern sich durch die Musik, dazu brüllt jemand heiser eigentlich völlig bekloppte, aber kaum verständliche und darum <em>nicht so schlimme</em> Texte; <span class="musik-review-lyrics-inline">„The glint above the swollen tree / The shrimp inside the pillowcase“</span> („No Dust“) – na dann!</p>
<p>Und das Ärgerlichste an diesem Album: Es gefällt mir. Es tut genau das, was diese Musikrichtung tun soll: Es <em>geht gut ab</em>. Dass <em>das Internet</em> behauptet, <span class="musik-review-bandname">Yellow Eyes</span> seien auch handwerklich überdurchschnittlich gut, sei <em>dem Internet</em> vergönnt. Sicher: Ein paar Finessen nehme ich in der Klangwucht selbst wahr, etwa den durchaus gelungenen Übergang zwischen „Warmth Trance Reversal“ und „No Dust“ und den Spannungsaufbau in den Momenten, in denen man die gar nicht immer belanglosen Gitarrenmelodien selbst wahrnehmen darf. Fünf der sechs Stücke, das den Stil brechende, weil zäh dahinfließende <em>outro</em> „Maritime Flare“ ausgenommen, sind über sieben Minuten lang, es bleibt somit hinreichend viel Zeit zum Genuss.</p>
<p>Aber muss man Musik denn immer mit einem Monokel im Gesicht und einem Cognac im Glas genießen? „Rare Field Ceiling“ schreit nach Sitztanz mit Dosenbier. Mal sehen, was sich machen lässt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://yelloweyes.bandcamp.com/album/rare-field-ceiling" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/108899632" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://www.amazon.de/Rare-Field-Ceiling-Yellow-Eyes/dp/B07RNDYM4D/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/we-lost-the-sea-triumph-disaster.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_we-lost-the-sea-triumph-disaster.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">We Lost The Sea – Triumph &amp; Disaster</span>
<p>Was dieser Liste noch dringend fehlt, ist eine ordentliche Dosis instrumentalen Postrocks. Da kommen <span class="musik-review-bandname">We Lost The Sea</span> gerade recht, die in meinen Ausführungen bisher, sofern ich das richtig archiviert habe, nur <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/04/we-lost-the-sea-a-gallant-gentleman-aprilscherzkater/" data-wpel-link="internal">als Montagsmusik</a> eine auffallende Rolle spielten.</p>
<p>Es handelt sich um ein australisches Sextett mit drei Gitarren, das ich 2017 auch schon mal – damals gemeinsam mit seinen Landsleuten von <span class="musik-review-bandname">Dumbsaint</span> und <span class="musik-review-bandname">Meniscus</span> – live gesehen habe, das aber von der brachialen Wucht letzterer Gruppe schlicht weggeblasen wurde. Da ich <span class="musik-review-bandname">Meniscus</span> aber mal wieder aus den Augen verloren habe, kommen <span class="musik-review-bandname">We Lost The Sea</span> mir dieses Jahr durchaus gelegen.</p>
<p>Präsentiert werden weitgehend kantenarme Gitarrenlandschaften, wobei die aufgetürmten <em>walls of sound</em> im stilüblichen Spiel von Laut und Leise hier kaum eine Rolle spielen. <span class="musik-review-bandname">We Lost The Sea</span> versuchen es stattdessen mit ausgedehnten Melodieverschrankungen – das längste Stück „Towers“ ist eine Viertelstunde lang – und nur selten („Dust“) elektronischer Effektwürze. Etwas aus dem Rahmen fällt das abschließende „Mother’s Hymn“, getextet und gesungen von <span class="musik-review-bandname">Louise Nutting</span> (<span class="musik-review-bandname">Wartime Sweethearts</span>), dessen Emotionalität mit der dichten Instrumentierung, Trompete eingeschlossen, vorzüglich harmoniert. <span class="musik-review-lyrics-inline">„Are we really too late?“</span> Nein, seid ihr nicht – ihr seid im perfekten Moment genau am richtigen Ort.</p>
<p>Danke dafür.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Noch mal <a href="https://welostthesea.bandcamp.com/album/triumph-disaster" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, noch mal <a href="https://tidal.com/browse/album/117967414" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, noch mal <a href="https://www.amazon.de/Triumph-Disaster-We-Lost-Sea/dp/B07XX2CQY5/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/kokomo-totem-youth.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_kokomo-totem-youth.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">kokomo – Totem Youth</span>
<p>Ich weigere mich, dieser Art von Musik ein schlichtes Etikett zu verpassen. Am Ende käme da wieder nur so ein langweiliges Wort wie „Postrock“ heraus und das hatten wir ja gerade erst.</p>
<p>Nein, dem Duisburger Quintett <span class="musik-review-bandname">kokomo</span> – auf gar keinen Fall zu verwechseln mit der britischen Soulgruppe gleichen Namens – wohnt eine Energie inne, die zu beschreiben mir schwer fällt. Im Schatten gigantischer Gitarrenwände bauen sie bereits im eröffnenden „Sterben am Fluss“ ein polterndes Belagerungsinstrumentarium auf, das jedes Bauwerk mit Wänden beliebiger Dicke erschauern ließe, wenn Bauwerke erschauern könnten. Texte gibt es abseits von „Melodic Rock Night“ nicht, aber Texte schreibe ich selbst schon genug. Obwohl: Sind das Schreie, die in „Narcosis“ in der Ferne zu hören sind, oder haben sie einen Text? Ich weiß es nicht und es kümmert mich auch nicht. Schade, dass ausgerechnet das Stück „Der Vogelmann“ auch keinen Text hat. Wie auch immer: Ich lasse mich vom Gitarrenarpeggio tragen und weiß noch nicht, wo ich landen werde. Gänsehaut bis nach Paris. Soll schön sein dort.</p>
<p>Dass die fünf Herren es trotz mancher Erfahrung mit Vergleichbarem immer wieder schaffen, dem Rezensenten eine kurze Entspannung zu gönnen, indem sie sich an sanften Melodien versuchen, bevor <em>die perfekte Welle</em> krachend die noch junge Landschaft unter sich begräbt, überrascht positiv. „Totem Youth“ ist bereits das fünfte eigene Studioalbum der Gruppe und es hat trotzdem immer noch Feuer. Ein Jammer, so spät erst auf sie aufmerksam geworden zu sein!</p>
<p>Ein Auge bleibt darum auf sie geworfen. Bis dahin sind sie auch hier etwas fürs Ohr.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Na? Richtig: <a href="https://kokomoband.bandcamp.com/album/totem-youth" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/122779790" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://www.amazon.de/Totem-Youth-Kokomo/dp/B081N2ZFPC/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>!</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/nap-ausgeklingt.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_nap-ausgeklingt.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">NAP – Ausgeklingt</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Was kommt nun?“</span> (Ausgeklingt)
<p>Machen wir noch was lustiges, hören wir Musik aus Oldenburg!</p>
<p>Dort haust das Trio <span class="musik-review-bandname">NAP</span>, dessen zweites Album „Ausgeklingt“ ein Wortspiel im Namen trägt und mir schon darum gefällt. Es klingt aber nicht aus, sondern an, und zwar stilvoll. Das eröffnende „Astrojelly“ etwa, mit nicht mal vier Minuten Länge nach meinem Dafürhalten etwas zu kurz geraten, ist ein schönes Stück Weltraumpsychedelic (instrumental). Wer den Fehler macht, das für den vorherrschenden Stil auf diesem Album zu halten, der ist selbst schuld.</p>
<p>Das folgende „Voigo“ enthält landesüblich belanglos vorgetragenen Gesang, dazu ertönt ein immer noch recht psychedelisch dargebotener Hardrock der alten Schule, bretternde Riffs inklusive. Bei <em>diesem</em> Stil wiederum bleibt die Band mal mit, mal ohne Gesang noch für einige Stücke. Beim Sitzen wird unterdessen eines der beiden Tanzbeine geschwungen, so verlangt es der Rhythmus.</p>
<p>„Amygdala“, das vorletzte Stück, bringt etwas Bluesrock (der mich, zugegeben, gegen Ende an die Titelmusik von „ALF“ erinnert) in das inzwischen deutlich <em>stonernde</em> Album, bevor dieses mit „Treibsand“ angemessen riffend, nun ja, ausklingt. <em>Interessante</em> Scheibe also.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Warum nicht mal <a href="https://napofficial.bandcamp.com/album/ausgeklingt-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/117255321" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder <a href="https://www.amazon.de/Ausgeklingt-Nap/dp/B07VSJGYY4/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>?</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/65daysofstatic-replicr-2019.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/12/Vorschau_65daysofstatic-replicr-2019.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">65daysofstatic – replicr, 2019</span>
<p>Es gab zuvor kein Album namens „replicr“ von <span class="musik-review-bandname">65daysofstatic</span> und vielleicht wird es auch später kein Album namens „replicr“ von <span class="musik-review-bandname">65daysofstatic</span> geben. Tatsächlich heißt dieses Album – ihr siebtes Studioalbum – von <span class="musik-review-bandname">65daysofstatic</span> trotzdem „replicr, 2019“. Vielleicht beschreibt das das englische Quartett bereits <em>ganz gut</em>.</p>
<p>Für den Rest meiner Leser verliere ich noch ein paar weitere Worte: „replicr, 2019“ enthält Stücke namens „stillstellung“, „interference_1“, aber auch „[]lid“ und „gr[]v‑_s“. Wer jetzt aufgrund der merkwürdigen Titelschreibung an die neulich vorübergegangene, aber meiner Meinung nach auch künftig schwer zu übertreffende Serie „Mr. Robot“ denkt, irrt, denn das ist Zufall.</p>
<p>Ein wenig Interesse an Elektronik setzen <span class="musik-review-bandname">65daysofstatic</span> bei ihren Hörern aber trotzdem voraus, denn auf „replicr, 2019“ servieren sie fast eine Dreiviertelstunde lang mal stampfendes („Bad Age“), mal sanft malendes („sister“), mal den Klängen einer Fabrik huldigendes („gr[]v‑_s“), aber immer die Grenze zum Postrock berührendes oder auch überschreitendes Instrumentalspiel, womit sie sich <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/06/musik-06-2009-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">seit 2009</a> <em>genau richtig</em> geändert haben, nämlich: kaum. Postrock ist immer auch ein Spiel dessen, was bleibt. <span class="musik-review-bandname">65daysofstatic</span> bleiben, ihr Stil bleibt, darum bleibe auch ich.</p>
<p>Man begleite mich.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Kein Bandcamp, dafür <a href="https://tidal.com/browse/album/112851955" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://www.amazon.de/replicr-2019-Special-CD-Digipak/dp/B07TKNGD1S/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
<p>Huch, so spät schon? Jetzt aber schnell!</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Russian Circles – Blood Year</span>
<p>Wie immer bringen <span class="musik-review-bandname">Russian Circles</span> ihre ganz eigene Melange aus Postrock und Industrial hervor – und immer ist das Ergebnis großartig. <a href="https://www.amazon.de/Blood-Year-Russian-Circles/dp/B07RHCG122/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Earth Moves – Human Intricacy</span>
<p>Noch ein bisschen Schreimusik gefällig? Hier, bitteschön! <a href="https://www.amazon.de/Human-Intricacy-Earth-Moves/dp/B07YNS7B4F/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Enablers – Zones</span>
<p>Mit Ausnahme des <em>gut abgehenden</em> „Squint“ haben <span class="musik-review-bandname">Enablers</span> hier etwas aufgenommen, was eine Art <span class="musik-review-bandname">Slint</span>-Postrock mit <span class="musik-review-bandname">Nick-Cave</span>-esquen <em>vocals</em> ist und mich restlos überzeugt. <a href="https://enablers.bandcamp.com/album/zones-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Ride – This Is Not A Safe Place</span>
<p>New Wave trifft auf Postpunk trifft voll auf meinen Geschmack – herrlich. <a href="https://www.amazon.de/This-Not-Safe-Place-Ride/dp/B07QXRLHLL/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Cosmic Ground – cosmic ground 5</span>
<p>„cosmic ground 5“ klingt, als spielten die mittleren <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> in einer futuristischen Wüstenlandschaft einen von Kraftwerk beeinflussten, instrumentalen Nachfolger von „Meddle“ ein; einen sehr guten, ohne Zweifel. <a href="https://cosmicground.bandcamp.com/album/cosmic-ground-5" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Soulsplitter – Salutogenesis</span>
<p>Nach einer an Jazz angelehnten Einführung („The Prophecy“) erfreut das deutsche Quartett mit vielen Gastmusikern meine sonst gelegentlich gequälten Ohren mit sinfonischem Retro-Prog/-Metal, der das weite Feld zwischen <span class="musik-review-bandname">echolyn</span> und <span class="musik-review-bandname">Dream Theater</span> nicht unbestellt lässt, wobei Sängerin <span class="musik-review-bandname">Ophelia T. Sullivan</span> mich in ihrem kontrastbildenden Vortrag mal wieder <span class="musik-review-bandname">Toc.Sin</span> vermissen lässt – aber der Lauf der Dinge ist bekanntlich ein zynischer. <a href="https://soulsplitter.bandcamp.com/album/salutogenesis" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">CHORD – CHORD II</span>
<p>Die beiden Gitarristen <span class="musik-review-bandname">Nick Didkovsky</span> (unter anderem <span class="musik-review-bandname">Doctor Nerve</span>) und <span class="musik-review-bandname">Tom Marsan</span> bringen auf dem zweiten gemeinsamen Album <em>live</em>, also ohne Nachbearbeitungen, aufgenommene Instrumentalgewitter hervor, die jeder erkennbaren Struktur – von wegen Takte! – stolz trotzen und fast eine Dreiviertelstunde lang mit <em>ordentlich Feedback</em> ein aurales Feuerwerk nach dem nächsten zünden. <a href="https://doctornerve.bandcamp.com/album/chord-ii" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Lingua Nada – Djinn</span>
<p>„Djinn“ klingt, als würden <span class="musik-review-bandname">Primus</span> versuchen, ein Jazzrockalbum aufzunehmen – herrlich durcheinander, großartig verspielt, erschreckend <em>tanzbar</em>, einfach gut. <a href="https://linguanada.bandcamp.com/album/djinn" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Bad Breeding – Exiled</span>
<p>Vielerorts sind die Siebziger mitsamt ihrem Schrammelpunkrock längst vorüber, nicht so aber in ihrem Ursprungsland Großbritannien, von wo aus die Anarchopunkband <span class="musik-review-bandname">Bad Breeding</span> 2019 mit „Exiled“ eine beruhigende Note in die Sorge setzte, es fehle der Musik heutzutage an Rebellion und Wut. <a href="https://badbreeding.bandcamp.com/album/exiled" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
</ol>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Was war</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor vierzig Jahren</span> lief in Deutschland neben Punk und Disco auch noch die elektronische („kosmische“) Musik, wenn auch: langsam aus. Es war daher viel Platz in Studios und vor allem Terminkalendern, um auch ausländische Künstler einzuladen. Die US-amerikanische Gruppe <span class="musik-review-bandname">Earthstar</span> nutzte diese Gelegenheit und ließ sich von <span class="musik-review-bandname">Klaus Schulze</span> mit <span class="musik-review-album-titel">French Skyline</span> das erste von drei Alben im hiesigen Inland produzieren, das gar nicht klingt, als hätte man mit dem Krautrock schon örtlich bedingt gar nichts zu tun. Wenige Jahre später und wieder zurück in den Vereinigten Staaten löste sich die Band wieder auf. Einen Zusammenhang könnte man herbeidenken, aber das lasse ich ausnahmsweise bleiben. Zurück bleiben eines der ungewöhnlicheren Alben aus der Welt der <em>krautigen</em> Klanglandschaften und eine viel zu späte Empfehlung meinerseits.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor dreißig Jahren</span> widmete <span class="musik-review-bandname">Lou Reed</span> seinen Alben über langweilige Städte (<span class="musik-review-album-titel">Berlin</span>), langweilige Frauen (<span class="musik-review-album-titel">Sally Can’t Dance</span>) und langweilige Geräuschverursacher (<span class="musik-review-album-titel">The Bells</span>) mit <span class="musik-review-album-titel">New York</span> endlich der einen Stadt ein Album, mit der man ihn so eng verband wie <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> mit Berlin oder graue Betonklötze mit Hannover. Es wurde später als „eines der besten Alben der 80er“ bewertet, was für sich genommen noch keine ungefähre Qualitätsangabe darstellt, enthält aber mit „Dirty Blvd.“ und „Romeo Had Juliette“ zwei derjenigen Lieder im Solowerk des Künstlers, deren ungefähren Klang man nicht gleich wieder vergisst. Müsste ich nur ein Album von <span class="musik-review-bandname">Lou Reed</span> empfehlen, so schlösse ich nicht aus, dass ich dieses hier als eine Empfehlung in Erwägung zöge. <span class="musik-review-bandname">Moe Tucker</span> ist in zwei Stücken als Perkussionistin zu hören. Aus dem Erfolg dieses Albums speiste sich dem Vernehmen nach die Reunion der <span class="musik-review-bandname">Velvet Underground</span> in den Neunzigern, und mindestens dafür gebührt ihm meine Würdigung.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor zwanzig Jahren</span> endete eine Ära: Das letzte Album von <span class="musik-review-bandname">Popol Vuh</span>, <span class="musik-review-album-titel">Messa di Orfeo</span>, erschien. Zwei Jahre später starb ihr Gründer <span class="musik-review-bandname">Florian Fricke</span> und die Band löste sich auf. Bis dahin, so auch auf diesem letzten Album, war unter ihrem Namen oft esoterische, mitunter religiöse, immer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=1u7vzaqITMA" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">entspannte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Musik erschienen, die den LSD-Konsum ihrer frühen musikalischen Wegbegleiter noch jahrzehntelang erahnen ließ. Dass es trotzdem immer den richtigen Moment geben wird, um diese Art von Musik zu genießen, möge bitte niemals ein Zustand sein, der zu hinterfragen ist.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor zehn Jahren</span> – und hier möchte ich den Kreis schließen – hatte ich gerade seit einem Jahr angefangen, Listen dieser Art zu führen – und meine Ausführungen von <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/06/musik-06-2009-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Juni</a> und <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/12/musik-122009-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Dezember 2009</a> sind, wie ich an dieser Stelle schreiben zu dürfen meine, im Jahr 2019 noch immer aktuell. Von <span class="musik-review-bandname">Olli Schulz</span> kenne ich übrigens noch immer nichts. Wahrscheinlich ist das auch gut so.</li>
</ul>
<p><span class="musik-review-header-nr">3.</span> <span class="musik-review-header-text">Schlussworte</span></p>
<p>Ich schließe nicht aus, dass dies das letzte Mal gewesen sein wird, dass ich der Jahresrückschau einen Ritt durch die Geschichte angefügt habe. Mir ist aufgefallen, dass man über musikalische Jahrzehnte nur bedingt viele verschiedene Aussagen treffen kann. Die Quelle der Ideen, aus der ich schöpfen kann, versiegt diesbezüglich in merklicher Geschwindigkeit. Insofern werde ich künftig immerhin noch mehr Zeit finden, um viel zu spät mit dem Schreiben dieser Listen zu beginnen.</p>
<p>Wie meist hoffe ich, meine Ausführungen waren auch diesmal wieder wenigstens für einige der hier Eingetroffenen erhellend. Ergänzungen bitte ich wie üblich per Kommentarfunktion zu hinterlassen. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit und grüße energisch.</p>
<p>In etwa einem halben Jahr geht es an gewohnter Stelle weiter. Es möge ein beachtliches Musikjahr 2020 werden!</p>
<hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2019/12/musik-12-2019-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/bc0fec2b1186427e8a14d627524e3194" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
		
		
		
		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Musik 06/2019 – Favoriten und Analyse</title>
		<link>https://tuxproject.de/blog/2019/07/musik-06-2019-favoriten-und-analyse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jul 2019 18:22:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://tuxproject.de/blog/?p=15717</guid>

					<description><![CDATA[Lange nichts mehr über Musik geschrieben. Das erste halbe Jahr 2019 ist vorbei – schon jetzt bietet sich daher eine Gelegenheit, ein paar Worte über die passabelsten Musikalben des Jahres zu verlieren. Wie üblich erhebe ich keinen Anspruch darauf, eine vollständige Liste vorzulegen, zumal noch – zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Absatzes – ein halbes ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2019/07/musik-06-2019-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 06/2019 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Lange nichts mehr über Musik geschrieben.</p>
<p>Das erste halbe Jahr 2019 ist vorbei – schon jetzt bietet sich daher eine Gelegenheit, ein paar Worte über die <span class="musik-intro-hervorhebung">passabelsten Musikalben des Jahres</span> zu verlieren. Wie üblich erhebe ich keinen Anspruch darauf, eine vollständige Liste vorzulegen, zumal noch – zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Absatzes – ein halbes Jahr vor uns liegt. <em>Natürlich</em> war ich wie meist ungeduldig und habe bereits die diesjährigen Studioalben von <a href="https://tuxproject.de/blog/2019/02/kurzkritik-mono-nowhere-now-here/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Mono</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2019/03/kurzkritik-the-claypool-lennon-delirium-south-of-reality/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">The Claypool Lennon Delirium</span></a> und <a href="https://tuxproject.de/blog/2019/05/kurzkritik-sunn-o-life-metal/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Sunn O)))</span></a> kurz bewertet, weshalb sie hier nicht mehr auftauchen.</p>
<p>Die anderen Musikwerke dieses ersten halben Jahres sind aber auch nicht unbedingt schlecht. <span id="more-15717"></span>Das wären diese hier:</p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/ithaca-the-language-of-injury.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_ithaca-the-language-of-injury.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Ithaca – The Language of Injury</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I’m not here to make friends.“</span> (Youth vs. Wisdom)
<p>Zur Einstimmung auf das, was folgt, beginne ich diesmal mit etwas Metal- und Mathcoremusik. Das aus London stammende Quintett <span class="musik-review-bandname">Ithaca</span>, dem <em>Brexit</em> trotzend, überzog Europa 2019 mit ihrem ersten <em>eigentlichen</em> Studioalbum „The Language of Injury“, nachdem sie mit einigen kürzeren Veröffentlichungen schon mal einen Vorgeschmack gewährt hatten. Die hier enthaltenen Stücke sind recht kurz, aber das ist nicht schlimm.</p>
<p>„The Language of Injury“ erreichte die Märkte im Februar, also bei eher unschönen Temperaturen, aber die enthaltene Musik hält hinreichend warm. <span class="musik-review-bandname">Djamila Azzouz</span>, die eine Frau ist, aber gar nicht so klingt, schraubt ihre Schreistimme in aberwitzige Intensität hinein, während Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">James Lewis</span> seine Bandkollegen (zweimal Gitarre, einmal Bass) maschinengewehrartig zur Höchstleistung an. Nach der Aufnahme von „The Language of Injury“ wurde Bassist <span class="musik-review-bandname">Drew Haycock</span> allerdings ersetzt, was ich bedaure, denn sein Spiel auf diesem Album sagt mir zu. „The Language of Injury“ wird <em>im Internet</em> als „chaotisch und aggressiv“ beschrieben, was nur die halbe Wahrheit ist.</p>
<p>Den taktversetzten, gitarrenbretternden Growlingattacken nämlich stehen Momente wie das instrumentale „(No Translation)“ oder auch Teile des Titelstücks entgegen, in denen es geradezu sphärisch und <em>sanft</em> zugeht. Das verdeckt allerdings – zum Glück – nicht, dass die herausgeschriene Einsamkeit die Essenz ist, die dieses Album bildet. Jedem, dem auch manchmal zum Schreien zumute ist, ist es sicherlich ein Genuss; mir zum Beispiel.</p>
<p>Ein Banause ist, wer noch sitzen bleibt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Stream und Kauf gibt es auf <a href="https://www.amazon.de/Language-Injury-Ithaca/dp/B07FTWBWKZ/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://ithacauk.bandcamp.com/album/the-language-of-injury" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/juleah-desert-skies.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_juleah-desert-skies.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Juleah – Desert Skies</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„High on junk, that’s what we are.“</span> (Analogue)
<p>Den Regelmäßigen meiner Leser ist die oft sonnenbebrillte Österreicherin <span class="musik-review-bandname">Juleah</span> eine alte Bekannte: Nicht nur war „Strawberry Shake“ von ihrem aktuellen Album „Desert Skies“ im Februar 2019 wie schon 2015 ihr <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/06/juleah-beautiful-for-you/" data-wpel-link="internal">Lied „Beautiful for you“</a> zur <a href="https://tuxproject.de/blog/2019/02/juleah-strawberry-shake/" data-wpel-link="internal">Montagsmusik</a> avanciert, auch ihr Album „Melt Inside The Sun“ endete bereits auf einer <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">meiner Jahreslisten.</a></p>
<p>Vielleicht kann man etwas daraus folgern, dass auch „Desert Skies“ hier in dieser Liste auftaucht, mindestens jedoch, dass es Musiker zu geben scheint, die einen Qualitätsverlust ablehnen. Alles, was <span class="musik-review-bandname">Juleah</span> dafür tun musste, war es, so zu bleiben, wie sie war. „Desert Skies“ ist ein Album voller Psychedelic Rock. Der „Falter“ nannte es „Dreampop“ und ich mag immer noch keine Genrenamen. Das Album ist ungefähr 39 Minuten lang, kommt mir aber kürzer vor.</p>
<p><em>Natürlich</em> dominiert die Gitarre dieses Album, wie sich das für <em>anständige</em> Rockmusik eben gehört, aber die Multiinstrumentalistin streut auch gern mal andere Töne, etwa die einer Orgel („Catch-22“), ein, was zu einem Gesamt<em>sound</em> führt, der zeitgenössische Rezensenten zu der Bemerkung veranlasste, <span class="musik-review-bandname">The Brian Jonestown Massacre</span> habe hier offenbar seine Spuren hinterlassen. Auch Bluesrock, insbesondere über den herrlichen Bass, und Folk werden gekonnt eingeflochten. Auch die Stimme, vielschichtig hallend gemischt und ein bisschen frech klingend, enttäuscht noch immer nicht. Sie habe Gesangsunterricht genommen, erzählte sie in einem Interview anlässlich der Veröffentlichung von „Desert Skies“. Zum Glück singt <span class="musik-review-bandname">Juleah</span> weiterhin auf Englisch. Österreichisch wäre doch wirklich eine Verschwendung.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Man könnte sich das <a href="https://www.youtube.com/watch?v=3ChmLcXJbAk" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Video<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu „Strawberry Shake“ reinziehen; und sich dann, <em>natürlich</em> das ganze Album gönnen, etwa auf <a href="https://www.amazon.de/Desert-Skies-Juleah/dp/B07MSFX?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder <a href="https://juleah.bandcamp.com/album/desert-skies" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/cabinets-of-curiosity-the-chaos-game.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_cabinets-of-curiosity-the-chaos-game.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Cabinets of Curiosity – The Chaos Game</span>
<p>Bei <span class="musik-review-bandname">Cabinets of Curiosity</span> handle es sich, las ich soeben, um die „bekannteste Progband in Bordentown, New Jersey“. Den Wahrheitsgehalt dieser Aussage kann ich nicht objektiv beurteilen, subjektiv ist es zumindest zutreffend, dass mir gerade keine andere Progressive-Rock-Band bekannt ist, die sich in Bordentown, New Jersey, befindet. Für die Beurteilung als „Progband“ gibt es aber Anhaltspunkte: Sängerin <span class="musik-review-bandname">Nat Hornyak</span> nahm um den Jahreswechsel von 2018 auf 2019 herum an einem dieser Wettbewerbe <a href="https://twitter.com/NattySciSings" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf Twitter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> teil, indem sie ein paar Musikalben nannte, die ihr etwas bedeuten. Darunter konnte der interessierte Leser auch etwas von <a href="https://twitter.com/NattySciSings/status/1072850338208759808" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right"><span class="musik-review-bandname">Genesis</span><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://twitter.com/NattySciSings/status/1076074830225727489" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right"><span class="musik-review-bandname">Jethro Tull</span><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://twitter.com/NattySciSings/status/1072148908728639489" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right"><span class="musik-review-bandname">Yes</span><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> – und keineswegs die schlechtesten ihrer Alben – finden. Sängerinnen setzen sich oft durch, ich verbuche das also als gutes Zeichen.</p>
<p>„The Chaos Game“ ist dabei das Debüt-Vollzeitalbum von <span class="musik-review-bandname">Cabinets of Curiosity</span>. <em>Dem Internet</em> ist ein/eine unbetitelte EP von Mai 2016 bekannt, seitdem wurde in der siebenköpfigen Besetzung lediglich der Keyboarder ausgetauscht. Eine gewisse Reife im Zusammenspiel der Band ist also anzunehmen.</p>
<p>Und die ist tatsächlich gegeben: Nach „Death, She Walks On“, einer Art A‑Cappella-Gesang der Sängerin mit sich selbst (bekannt geworden durch den „Prophet’s Song“ von <span class="musik-review-bandname">Queen</span>) exerziert die Band den Canterbury durch. Dabei ist „Angular Sterility“ <em>eigentlich</em> bloß Jazzrock mit abgedrehtem Gesang, der allerdings in einen gut gefüllten Eimer <span class="musik-review-bandname">Beardfish</span> und, der Flöte von <span class="musik-review-bandname">Kristina Bacich</span> sei’s gedankt, <span class="musik-review-bandname">Camel</span> getaucht wurde. Beim Gesang kommen mir zumeist die <span class="musik-review-bandname">Stolen Babies</span> in den Sinn, was auch eine Art Qualitätsmerkmal ist. „Fractals &amp; Coastlines“, über 12 Minuten lang, ist eine Art Suite, deren einzelne Teile jedoch nicht ineinander übergehen, sondern <em>nur</em> – etwas einfallslos – hintereinander hängen. Zu hören sind <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span>, <span class="musik-review-bandname">Hatfield &amp; the North</span> und, vermutlich vor allem dank der mir mit jeder Minute etwas besser gefallenden Sängerin, <span class="musik-review-bandname">Thinking Plague</span>, bevor das Stück abermals mit gemalten <span class="musik-review-bandname">Camel</span>-Landschaften ausklingt. Etwas aus dem Rahmen des übrigen Albums fällt „In A Day“, das ein Solostück von <span class="musik-review-bandname">Nat Hornyak</span> an Klavier und Mikrofon zu sein scheint, obwohl es mehrere Gesangsspuren gibt. Ich denke an <span class="musik-review-bandname">Tina Turner</span> und bin nicht unzufrieden damit.</p>
<p>Es gibt einen <a href="https://cabinets-of-curiosity.com/the-chaos-game/The-Chaos-Game-Album-Companion.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right"><em>companion</em><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu „The Chaos Game“, in dem Texte und eine Art Konzept drinstehen. Auf schnellen Erfolg haben sie es nicht unbedingt abgesehen. Das Album lebt von der Kombination aus der eindrucksvollen Stimme von <span class="musik-review-bandname">Nat Hornyak</span> und dem verspielten Jazzrock ihrer Mitmusiker, ungeachtet des Umstandes, dass das Wort „Mitmusiker“ niemals verwendet werden sollte.</p>
<p>Das Ziel von <span class="musik-review-bandname">Cabinets of Curiosity</span>, las ich, sei es, das Zeitalter des klassischen <em>Progs</em> wieder zum Leben zu erwecken. <em>(Wie tötet man eigentlich Zeitalter?)</em> Das Ziel haben sie nicht verfehlt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://cabinetsofcuriosity.bandcamp.com/album/the-chaos-game" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> scheint die bevorzugte Anlaufstelle zu sein, auf <a href="https://www.amazon.de/Chaos-Game-Cabinets-Curiosity/dp/B07N1VTLXB/ref?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es wenigstens einen Download und die üblichen Hörschnipsel.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/ni-pantophobie.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_ni-pantophobie.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">ni – Pantophobie</span>
<p>Im Dezember 2018 <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/12/musik-12-2018-favoriten-und-analyse" data-wpel-link="internal">befand ich</a> „Bran Coucou“, das anscheinend bisher einzige Album von <span class="musik-review-bandname">PinioL</span>, für <em>angenehm verrückt</em>. <span class="musik-review-bandname">PinioL</span> ist ein Zusammenschluss von <span class="musik-review-bandname">PoiL</span> und <span class="musik-review-bandname">ni</span>, von letzterer Band gab es bisher nur ein einziges eigenes Studioalbum.</p>
<p>Dies ist ihr zweites.</p>
<p>Es wird unter anderem als RIO und Jazzcore beworben, was nach „Bran Coucou“ recht nahe liegt und Assoziationen mit <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> weckt. In der Tat beginnt das erste der neun Titel, „Héliophobie“, so instrumental und zerrissen, wie es auch die <span class="musik-review-bandname">ProjeKcts</span> aufzunehmen imstande waren. Pantophobie ist die Angst vor allen Dingen, dass alle neun bis elf –  der erste („Phonophobie“) und der letzte („Apéirophobie“) Titel scheinen in der Bandcampvariante nicht vorhanden zu sein – Stücke eine Phobie benennen, ist daher nur konsequent. Nach etwa vier Minuten gibt es erstmals geschriene Vokaleinwürfe und das Album bleibt anschließend kantig irre.</p>
<p>Das Quartett flackert zwischen Metal und Jazzigem umher, zerreibt Strukturen im Chaos. Nach meinen Erfahrungen beim Zusammenstellen dieser fast regelmäßigen Listen ist es nicht verfehlt, von <em>typisch französischer</em> Avantgardemusik zu sprechen; eben „RIO/Avant“ im besten Sinne. Michael Bohli <a href="https://artnoir.ch/ni-pantophobie/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">zieht das Fazit:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>“Pantophobie” passiert, und zwar zu jeder Sekunde.</p></blockquote>
<p>Und wer braucht Takte und Ordnung, wenn er stattdessen ein Geschehen haben kann?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Vinyl, Downloads, CDs und Hörproben bietet <a href="https://www.amazon.de/Pantophobie-Vinyl-LP?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> feil, ansonsten gäbe es noch <a href="https://niiii.bandcamp.com/album/pantophobie" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/david-torn-tim-berne-ches-smith-sun-of-goldfinger.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_david-torn-tim-berne-ches-smith-sun-of-goldfinger.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">David Torn/Tim Berne/Ches Smith – Sun of Goldfinger</span>
<p><span class="musik-review-bandname">David Torn</span> ist ein US-amerikanischer Jazzgitarrist, der bereits mit <span class="musik-review-bandname">David Bowie</span>, <span class="musik-review-bandname">Bill Bruford</span>, <span class="musik-review-bandname">Tony Levin</span> und <span class="musik-review-bandname">Don Cherry</span> zusammengearbeitet hat. Gemeinsam mit dem Saxophonisten <span class="musik-review-bandname">Tim Berne</span> sowie dem unter anderem von <span class="musik-review-bandname">Secret Chiefs 3</span> bekannten Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Ches Smith</span> hat er ein Album namens „Sun of Goldfinger“ aufgenommen. Alle drei Musiker sind einander nicht unbekannt und halfen einander auch in der Vergangenheit bereits aus. Man verzeihe mir, dass ich als gelegentlich erfreuter Experimentaljazzhörer diesem Album manche Vorschusslorbeere in den Hals stopfte.</p>
<p>Es hat sie alle geschluckt.</p>
<p>Wie zu erwarten war, handelt es sich bei „Sun of Goldfinger“ um ein rein instrumentales Album. „JazzTrail“ sprach von einem Pflichtalbum für Anhänger neuer Musik, derer einer ich fraglos bin. Es gibt drei Stücke mit einer Länge zwischen 22 und 24 Minuten, was „Sun of Goldfinger“ nicht nur relativ lang (aber keineswegs längenhaltig) macht, sondern auch ahnen lässt, wohin die Reise geht: Ich höre vor allem Freiform-Jazz, in dem das Improvisieren hoch gehalten wird, aber auch eine in keiner Sekunde kitschige Spielart der Weltmusik, vor allem in der zweiten Hälfte von „Spartan, Before It Hit“. Sicher: Wer dem ungefähren beschriebenen Stil noch nie viel abgewinnen konnte, der kann dieses Album überspringen, ohne befürchten zu müssen, viel verpasst zu haben. Wer aber <em>grundsätzlich</em> für Jazz offen ist, dem scheint keine Minute dieses Albums eine Verschwendung von Zeit zu sein – auch und gerade nicht mir.</p>
<p>Als „Debütalbum“ wird es weithin benannt, was in dieser Konstellation vermutlich nicht falsch ist. Zwar ist im Jazz wechselnde Zusammenarbeit nicht ungewöhnlich, ich hoffe dennoch, „Sun of Goldfinger“ bleibe nicht das erste und letzte gemeinsame Album der drei Herren.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Goldfinger-David-Torn-Berne-Smith/dp/B07MWG8BFV/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (kurz), <a href="https://tidal.com/browse/album/104702030" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (lang).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/de-staat-bubble-gum.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_de-staat-bubble-gum.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">De Staat – Bubble Gum</span>
<p>Von <span class="musik-review-bandname">De Staat</span>, einer niederländischen Popgruppe, berichtete ich zuletzt <a href="https://tuxproject.de/blog/2016/07/musik-062016-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">2016</a>, als ihr angenehmes Album „O“ veröffentlicht worden war:</p>
<blockquote><p>(…) channeln <span class="musik-review-bandname">De Staat</span> mal <span class="musik-review-bandname">Primus</span> (…), mal die <span class="musik-review-bandname">Pet Shop Boys</span>, schwingen im Kosmos von Tanzpop (…), New Wave und Groove herum, ohne sich dabei in irgendwelche Grenzen zwängen zu lassen.</p></blockquote>
<p>Muss denn auf jedem Album ein ganz neuer Stil her? Ich finde: Nein. Und so ist auch „Bubble Gum“ trotz seines Titels zwar ein Album mit Popmusik geworden, aber Kaugummipop sucht man weiterhin vergebens. Gewürzt wird „Bubble Gum“ mit Früh-90er-Elektronik („Pikachu“) und einer beeindruckenden Eingängigkeit, ansonsten nehmen sie weiterhin die besten <span class="musik-review-bandname">Primus</span>-Alben auf, die nicht von <span class="musik-review-bandname">Primus</span> selbst stammen. „Bubble Gum“ ist ein sehr lebendiges Album, das auch mal in Text und Stil Boybands („Fake It Till You Make It“) persifliert. Man sollte den Humor dieser Band mögen, ansonsten kann man <span class="musik-review-bandname">De Staat</span> nicht gänzlich genießen. Ich mag ihn und genieße, <em>Tanzpop</em> hin oder her. Mein Bedarf an Kurzweil bedankt sich artig für die Reverenz.</p>
<p>Auf dem Niveau können’se gerne noch etwas bleiben.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Es gibt ein gewohnt seltsames <a href="https://www.youtube.com/watch?v=MWM9DC-31Xo" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Video<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zum eröffnenden „KITTY KITTY“, im Übrigen helfen <a href="https://www.amazon.de/Bubble-Gum-2lp-Vinyl-LP/dp/B07JGKCSDD/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/102245250" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> womöglich weiter.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/kuhn-fu-chain-the-snake.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_kuhn-fu-chain-the-snake.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Kuhn Fu – Chain The Snake</span>
<p>Wir bleiben in den Niederlanden.</p>
<p>Von dort, aus Groningen nämlich, kommen außer <span class="musik-review-bandname">De Staat</span> auch <span class="musik-review-bandname">Kuhn Fu</span>. Weil im deutschen Sprachraum der Name „Kuhn“ vielleicht Vergleiche weckt, die nicht unbedingt angemessen sind, sei hier darauf hingewiesen, dass der Name eigentlich falsch ist, denn der Gitarrist und Sänger dieses Quartetts heißt <span class="musik-review-bandname">Christian Kühn</span>. Nach zwei Alben, die ebenfalls irgendwas mit „Kuhn“ hießen, ist „Chain the Snake“ nun das dritte Studiowerk der seit dem letzten Album „KUHNSPIRACY“ (2017) lediglich am Schlagzeug umbesetzten Gruppe.</p>
<p>In „Traktus“ wird auf Deutsch geflucht, ansonsten ist der mal komödiantische („Wolf’s Muckenkogel“), meist aber wenigstens <em>irgendwie schräge</em> („Marco Messy Millionaire“) Gesang auf Englisch gehalten. Weil das einfallslos ist, spielt die Band dazu um so bemerkenswertere Musik: Es wird, kräftig unterstützt von <span class="musik-review-bandname">Ziv Taubenfeld</span> an der Bassklarinette, bläserorientierter Jazzrock hervorgebracht, der wieder einmal in guter, alter RIO-Tradition steht. Versetzte Rhythmen („Gargamel“) treffen auf <span class="musik-review-bandname">crimsonesque</span> Stücke („Gustav Grinch“)</p>
<p>Auf den „Babyblauen Seiten“ <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/album_17962.html#27839" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">befand<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Siggy Zielinski im März 2019, <span class="musik-review-bandname">Kuhn Fu</span> seien „ein heißer Tipp für die Freunde von Avant-Jazz-Punk-Prog“. Ich fühle mich angesprochen und bin nicht enttäuscht.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Das komplette Album gibt es als Stream bei <a href="https://tidal.com/browse/album/105195160" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://kuhnfumusic.bandcamp.com/album/chain-the-snake" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, bei letzterer Anlaufstelle sowie bei <a href="https://www.amazon.de/Chain-Snake-KUHN-FU/dp/B07PCV7WWR/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> auch auf physischem Tonträger zum Verkauf.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/inter-arma-sulphur-english.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_inter-arma-sulphur-english.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Inter Arma – Sulphur English</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Inter Arma</span> ist zwar Latein, bezeichnet jedoch ein recht haariges Quartett aus Richmond. Diesem sei bescheinigt, dass es auf seinem seltsam benannten Studioalbum „Sulphur English“ Sludge Metal spielt, der so gut ist, dass sogar ich ihn mag.</p>
<p>Schrilles Pfeifen, dumpfe Schläge von fern: Mit „Bumgardner“ beginnt „Sulphur English“ rätselhaft, bevor nach einer Minute schleppender Doom Metal einsetzt. <em>Lyrics</em> gibt es noch nicht, wohl aber im folgenden „A Waxen Sea“, in das „Bumgardner“ übergeht, wenngleich man sie akustisch kaum versteht: <span class="musik-review-lyrics-inline">„I raise my hands to the sea beyond, intoxicated by the winds that whip up from her fair shores“</span>, genau so klingt das hier Gehörte auch. Schönklang? Pah, Gebrüll – inmitten des Stücks gar: Gekreisch – zu Instrumentalrudelbums! Man hat ja hier einen Ruf zu verlieren (einen schlechten).</p>
<p>Wer jetzt noch nicht tot aus dem Sessel gefallen oder panisch aus dem Fenster gesprungen ist, dem sei versichert, dass das Album dieses Niveau bis zum Ende durchhält, mitunter bereichert von Zwischenspielen wie einem unerwarteten, ausgedehnten Psychedelic-Hardrock-Gitarrensolo („Citadel“), Doom- („Blood on the Lupines“) und Shoegazemomenten („Howling Lands“). Dabei schweifen sie auch schon mal aus – das längste Stück „The Atavist’s Meridian“ ist mitsamt Spannungsaufbau und Klimax über zwölfeinhalb Minuten lang -, keinesfalls aber lassen sie es dabei langsam angehen. <span class="musik-review-bandname">Inter Arma</span> halten sich nicht mit Bitten auf, sie verteilen „reinigende Kopfnüsse“ (Jake Walters) und das zu Recht.</p>
<p>Dass das warme „Stillness“, getragen von Schlagzeug und Akustikgitarre, in seiner ersten Hälfte neben den Spätalben von <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> nur aufgrund seiner seltsamen Unruhe besonders auffallen würde, widerspricht dieser Erkenntnis nicht, denn die zweite Hälfte erinnert wieder daran, womit wir es hier zu tun haben. Mich amüsiert der geschriene Titel des Stücks. Anscheinend gibt es auch eine Text-Klang-Schere.</p>
<p>„Sulphur English“ ist ein lautes, brutales Album. Es hat seinen Platz in dieser Liste redlich verdient. Bitte nicht schießen!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Zu „Howling Lands“ gibt es ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=HabdnpT9chA" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Musikvideo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, ansonsten könnten <a href="https://www.amazon.de/Sulphur-English-Inter-Arma/dp/B07MCWHXXQ?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/102409000" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://interarma.bandcamp.com/album/sulphur-english" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> weiterhelfen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/drahla-useless-coordinates.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_drahla-useless-coordinates.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Drahla – Useless Coordinates</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Have you ever seen a neon globe flicker?“</span> (Stimulus for Living)
<p>Weniger brutal geht <span class="musik-review-bandname">Drahla</span>, eine britische Postpunkband, zu Werke. Nach einigen kürzeren Veröffentlichungen hat sie es 2019 endlich geschafft, ihr Debütalbum „Useless Coordinates“ einer überraschten Öffentlichkeit zu präsentieren. Ihre Herkunft hat unter anderem den Vorteil, dass Sängerin <span class="musik-review-bandname">Luciel Brown</span> die schönere Form des Englischen von sich gibt, nämlich das Britische mit herrlich gedehnten Vokalen. Selbst schuld, wer den US-amerikanischen Dialekt wertschätzt, denn hier entgeht ihm was. Die Dame ist nie laut und aufgeregt, immer eher locker-luftig. Fein.</p>
<p>Und die Musik selbst taugt auch was. „Gilded Cloud“ etwa weist ein langes, immer wieder unterbrochenes <em>intro</em> auf. „Serenity“ führt den stiltypischen Sprechgesang ein, erstmals sind hier auch die Saxophoneinwürfe von Gastmusiker <span class="musik-review-bandname">Chris Duffin</span> zu hören, die später immer wieder vorkommen. Mitunter („Serotonin Level“) denke ich an diejenige Besetzung von <span class="musik-review-bandname">Van der Graaf Generator</span>, in der noch <span class="musik-review-bandname">David Jackson</span> mitspielen wollte, obwohl wir uns hier in einem <em>ganz</em> anderen Genre bewegen. Auch im folgenden „Pyramid Estate“ spielt das Saxophon neben dem dominanten Bass – den ich bei Postpunkplatten sehr schätze – eine gewichtige Rolle und bekommt sogar eine Solopassage. Anderswo („Stimulus for Living“, „Primitive Rhythm“) versucht sich die Band an Grunge. Fast bin ich der Ansicht, <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span> zu hören. Ich mag <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span>.</p>
<p>Das <em>im Internet</em> als zentrales Stück der Platte beschriebene „React/Revolt“ ist ein aus anderen Gründen erfreuliches: Saxophon und Bass leiten mit instrumentalem Free Jazz ein, bevor nach zweieinhalb Minuten gitarrengetriebener Postpunk übernimmt, wie er auch später („Serotonin Level“) wieder zu hören sein wird. Das ansonsten recht <em>normal</em> postpunkende „Twelve Divisions of the Day“ überrascht mittig mit einem erstaunlich <em>lauten</em> und druckvollen Teil mit angenehm schrägen Zwischentönen. Keine Sorge, eingeschlafen wäre ich auch sonst nicht. Dass <span class="musik-review-bandname">Drahla</span> aus der <em>eher linken</em> „Szene“ stammen, ruft das letzte Lied „Invisible Sex“ nochmals in Erinnerung, in dem es mit bedrückender Stimmung um erfundene Geschlechter geht. In Berlin könnte man damit auch erfolgreich werden.</p>
<p>Insgesamt dominieren hier allerdings vergleichsweise lange Instrumentalpassagen, die für die gelegentlich sehr <em>grünen</em> Texte mehr als entschädigen. Platten wie diese höre ich selten wegen ihres lyrischen Anspruchs, aber die Melodien, die Melodien! Da sieht man (also: sehe ich) auch darüber hinweg, dass Lieder und Album vergleichsweise kurz ausfallen. Bonuspunkte gibt es im Übrigen für das <em>schön schlechte</em> Coverbild, das darauf hinweist, was drin ist. So was wird heutzutage ja viel zu selten gemacht.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Das Album gibt es auf <a href="https://www.amazon.de/Useless-Coordinates-Drahla/dp/B07P18CTX2?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://drahla.bandcamp.com/album/useless-coordinates" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/106535601" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/boltzmann-brain-spacesquid-brain.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_boltzmann-brain-spacesquid-brain.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Boltzmann Brain – Spacesquid Brain</span>
<p>Ein Boltzmann-Gehirn, darüber informieren verschiedene Publikationen, bezeichnet das menschliche Gehirn, das in einem beliebig großen Universum in einem beliebigen Zeitraum irgendwann durch quantenphysikalische Zusammenhänge unweigerlich entstehen wird. <span class="musik-review-bandname">Boltzmann Brain</span> kommen trotzdem aus Ilmenau. Das Universum erlaubt sich eigenartige Scherze.</p>
<p>Dem Namen des Albums entsprechend haben wir es hier mit Spacerock zu tun, allerdings nicht in seiner unverfälschten Form, denn <span class="musik-review-bandname">Boltzmann Brain</span> mögen das Spiel mit den Stilen und lassen sich vom Krautrock ebenso inspirieren wie vom 70er-Fusion. Schon „Goodbye, Mr. Clooney“ (neuneinhalb Minuten lang), das erste der <em>nur</em> vier Stücke, beginnt mit einem langen experimentellen Instrumentalintro und gewährt erst nach über viereinhalb Minuten Laufzeit etwas Entspannung. Eine stark verzerrte Stimme spricht energiegeladen Texte, die ich erst mal nachlesen müsste, aber nicht will. Das erinnert mich an <span class="musik-review-bandname">Faust</span> und ich bin bereits entzückt. Eher an der Frühphase von <span class="musik-review-bandname">Can</span> ist das folgende „Infinity“ orientiert, das auf eine Jazzgrundlage aufgebaut ist. Der Sänger dreht allmählich durch, bellt und brüllt mal punkig, mal grungig, mal bluesig unverändert verzerrt ins Mikrofon. <span class="musik-review-lyrics-inline">„I tried to see / what you showed to me“</span>, ach so, naja.</p>
<p>Punkig ist auch „Sucqmah“, das anfangs aus zu Punkrock durchgeführten Elektronikexperimenten besteht, sich aber anschließend dem Jazzrock zuwendet. Das Stück ist instrumental. <em>Das Internet</em> behauptet, der Text zum Lied laute „oh“, aber das ist <em>natürlich</em> kein Text und <em>das Internet</em> sollte sich schämen. Falls jemand nicht so viel Zeit hat, wissen <span class="musik-review-bandname">Boltzmann Brain</span> Rat: „Until“ ist , musikalisch betrachtet, eigentlich eine Zusammenfassung der ersten drei Stücke mit ein bisschen Text drin. Lang sind die Texte auf „Spacesquid Brain“ allerdings allesamt nicht. Das macht nichts, dafür ist Spacerock auch nicht so gut geeignet.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Spacesquid-Brain-Boltzmann/dp/B07Q9QH8FG/ref?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat Schnipsel und Bezahlstream, Möglichkeiten zu Kauf und Komplettstream gibt es ansonsten auf <a href="https://boltzmannbrain.bandcamp.com/album/spacesquid-brain" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/big-brave-a-gaze-among-them.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_big-brave-a-gaze-among-them.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">BIG|BRAVE – A Gaze Among Them</span>
<p>Die Stadt Montréal kennen wir Musikliebhaber vor allem daher, dass <span class="musik-review-bandname">Godspeed You! Black Emperor</span> sowie ein halbes Dutzend personell verwandter Gruppen, zumeist mit Postrockhintergrund, sich dort beheimatet sehen. Bei mehreren von ihnen spielt unter anderem <span class="musik-review-bandname">Thierry Amar</span> (Bass und Kontrabass) mit.</p>
<p>Selbiger gastiert auch auf „A Gaze Among Them“, dem vierten Vollalbum von <span class="musik-review-bandname">BIG|BRAVE</span> aus derselben Stadt, zurzeit anscheinend bestehend aus <span class="musik-review-bandname">Robin Wattie</span> (Gitarre, Bass, Gesang), <span class="musik-review-bandname">Mathieu Ball</span> (Gitarre) und <span class="musik-review-bandname">Loel Campbell</span> (Schlagzeug). Das Album besteht aus fünf Stücken, grundsätzlich ein gutes Zeichen.</p>
<p>Dass <span class="musik-review-bandname">BIG|BRAVE</span> trotzdem keinen schwermütigen Postrock aufnehmen, sondern sich etwas abseits tummeln, tut der Abwechslung ja durchaus gut. Mehr als einmal werde ich trotz des extrovertiert-aufgedrehten Gesangs an <span class="musik-review-bandname">Sigur Rós‘</span> „Brennisteinn“ erinnert. Ich höre Noiserock, Postmetal und Psychedelic Rock, umwoben von und verflochten mit Gitarrendrones. Das zweite und zweitlängste Stück „Holding Pattern“ fällt dabei fast ein wenig aus der Reihe: Es beginnt ambient, geht dann aber wieder in beklemmend elektronische Psychedelic mit einem ungewöhnlichen, aber nicht störenden Stampfbeat über. Wenn ich etwas kritisieren müsste, dann, dass die Abmischung von „A Gaze Among Them“ für einen etwas verwaschenen Klang sorgt, der die <em>gedachte</em> Punktzahl aber auch nicht deutlich senkt. Erfreulich ist es jedoch, dass ich das gar nicht muss und es deswegen auch sein lasse.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Gaze-Among-Them-Big-Brave/dp/B07PZ2R84T?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/106338178" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://bigbravesl.bandcamp.com/album/a-gaze-among-them" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sind von mir empfohlene Reinhör- und zum Teil auch Kaufgelegenheiten.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/the-warlocks-mean-machine-music.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_the-warlocks-mean-machine-music.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Warlocks – Mean Machine Music</span>
<p>Von einer Band, die so heißt, wie sie heißt, weil <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span> irgendwann auch mal so hießen, wird schon vor dem Hören einiges erwartet, jedenfalls von mir. Dass sie ein Album herausbringt, das „Mean Machine Music“ heißt, verstärkt diesen Effekt.</p>
<p>Dass „Mean Machine Music“ von <span class="musik-review-bandname">The Warlocks</span> trotzdem keine Kopie von <span class="musik-review-bandname">Lou Reeds</span> „Metal Machine Music“ ist, verzeihe ich ihr gern, denn ihrer Vorbilder ist sie sich trotzdem bewusst. Die gemeinsame Liebe zu Rock &amp; Roll habe sie zusammengeführt, behauptet die Biografie auf der Bandcampseite, aber dahinter steckt mehr als <span class="musik-review-bandname">Elvis Presley</span>. „Rock &amp; Roll“ legt die Band auch großzügig aus, denn während ich die wohl bekannteste Rock-and-Roll-Band, die nur ein Album lang wirklich „Rock &amp; Roll“ – eines der Lieder hieß sogar so – zu spielen versucht hat, im Nuschelgesang ebenso wiedererkenne wie in den monotonen Rhythmen, die den Fuzz- und Droneschüben zugrunde liegen, ist vieles auf „Mean Machine Music“ doch eher dem Postpunk zuzuordnen, woran der grollende Bass, der mal von Sänger und Frontmann <span class="musik-review-bandname">Bobby Hecksher</span>, meist aber von <span class="musik-review-bandname">Christopher DiPino</span> bedient wird, seinen angemessenen Anteil einzufordern wohl berechtigt wäre.</p>
<p>Genau genommen ist „Mean Machine Music“ sogar zwei Alben, denn das Album ist sowohl in seiner <em>normalen</em> als auch in einer reduzierten, instrumentalen Version (also ohne Gesang) zu hören; nach „Tribute to <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span>“, das auch genau so klingt, wie es heißt, beginnen die <em>reprises</em> jedes der fünf Stücke. In der Beschreibung ist dazu, frei übersetzt, zu lesen:</p>
<blockquote><p>Inspiriert von allem zwischen <span class="musik-review-bandname">Stereolab</span>, Krautrock und Death-Rock präsentiert dieses Album fünf neue Kompositionen und sucht diese Lieder dann für instrumentale Wiederaufnahmen erneut auf, die tiefe Schichten voller Melodie und Atmosphäre offenbaren!</p></blockquote>
<p>Das mit der „Melodie und Atmosphäre“ klappt tatsächlich sehr gut. Der erste Teil des Albums begeistert mit dem Rückgriff auf den besseren Teil der Rockmusik der 1960er Jahre, der zweite Teil wiegt sich <em>groovend</em> ins Gehör und ins Innere. Ein Album zum Schwelgen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Wie inzwischen gewohnt stehen <a href="https://www.amazon.de/Mean-Machine-Music-Warlocks/dp/B07Q2FHDBY/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/browse/album/108707308" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://thewarlocks.bandcamp.com/album/mean-machine-music" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> bereits bereit. Offenbar ist die Instrumentalversion von „Tribute to <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span>“ jedoch nicht überall enthalten, ich empfehle darauf zu achten.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/die-goldenen-zitronen-more-than-a-feeling.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_die-goldenen-zitronen-more-than-a-feeling.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Die Goldenen Zitronen – More Than a Feeling</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Ihr dürft hier bald gar nichts mehr dürfen!“</span> (20x20)
<p>Dass die <span class="musik-review-bandname">Goldenen Zitronen</span>, vor vielen Jahren Spaßpunkband, wenig später Punksatiriker, seitdem Elektrotanzwasweißich, immer noch neue Sätze finden, die sie noch nicht vertont haben, überrascht mich auf jedem Album wieder. Dem sei beigefügt, dass auch Überraschungen vorhersehbar sein können. Die letzten paar Studiowerke haben mich tatsächlich etwas ermüdet zurückgelassen: Zu festgefahren schienen die Hamburger Schüler in ihrer Achtzigerästhetik.</p>
<p>Auf „More Than a Feeling“, Album Nummer 13, gelingt ihnen jedoch der textliche und melodische Brückenschlag zwischen ihren jüngeren Werken und Glanztaten wie „Schafott zum Fahrstuhl“. Dichte Spät-80er-Elektronik gibt es auch weiterhin, ansonsten hat die Gruppe ihre musikalischen Grenzen in dem eigenartigen Dreieck zwischen Trip-Hop, Indie-Pop („Nützliche Katastrophen“) und dem, was textlich klischeehaft albern und musikalisch den Punkrock verspottend jedem Genre trotzt und was ich daher <em>Zitronenstil</em> nennen möchte („Katakombe“), anscheinend noch längst nicht abschließend abgesteckt. Textlich sind sie unbeirrt in Hochform, wie man nicht erst in „Mauern bauen (testweise)“ belustigt feststellen darf: <span class="musik-review-lyrics-inline">„Was meinen sie mit ‚Volk‘? (…) Meinen sie damit, dass sie (…) um die Schweine, die sie essen wollen, die Schritte, die sie marschieren wollen, etwas herum bauen wollen?“</span> Dazu wundervolle Neologismen wie „Mitdemschwanzwedelung“ („In der Schleife“) und der einstmals enttäuschte Hörer (ich) kehrt freudig zurück.</p>
<p>Ihre deutliche politische <em>Haltung</em> – heutzutage ist ja alles eine <em>Haltung</em> – fließt freilich aus jedem Moment auf diesem Album, beginnend bei „Es nervt“, vorgetragen von „<span class="musik-review-bandname">LaToya Manly-Spain</span> von der Schwarzen Feministischen Bewegung“ („musikexpress“), die die Vereinnahmung ihrer Positionen seitens <em>der Guten</em> kritisiert, gipfelnd im Abschlussstück „Die alte Kaufmannsstadt, Juli 2017“, in dem die ausgeuferten G20-Demonstrationen vor zwei Jahren zusammengefasst werden: <span class="musik-review-lyrics-inline">„Wer vom Fach war, der wusste, was passieren würde.“</span> <span class="musik-review-bandname">Die Goldenen Zitronen</span> müssen es wissen, sie waren als musikalischer <em>act</em> mittendrin. Fraglich ist, ob die Demonstranten die hier vorgetragene Kritik an ihrer Berechenbarkeit als eine solche verstehen würden.</p>
<p>„More Than a Feeling“ bläst dem immerhin nur scheinbar müde gewordenen Zitronenschiff also wieder Wind in die Segel. Ihm sei allzeit eine Handbreit Wasser unter dem Kiel zuteil.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Zu „Es nervt“ gibt es ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ekusWGS2wtQ" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">gewohnt seltsames Video<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Des Weiteren sind <a href="https://www.amazon.de/More-Than-Feeling-Goldenen-Zitronen/dp/B07KH2ZW7S/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/browse/album/99253235" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sehr freundlich zu interessierten Konsumenten, andere Streamingdienste bitte ich bei Bedarf selbst zu konsultieren.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/per-wiberg-head-without-eyes.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_per-wiberg-head-without-eyes.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Per Wiberg – Head Without Eyes</span>
<p>Bei Durchsicht meiner bisherigen Bestenlisten habe ich überrascht festgestellt, dass unter denjenigen Bands, von denen ich annahm, sie wären bereits darin vorgekommen, womit ich jedoch falsch lag, auch die schwedische Progmetalgruppe <span class="musik-review-bandname">Opeth</span> ist. Aus naheliegenden Gründen ändere ich das auch heute nicht, denn das diesjährige Album von <span class="musik-review-bandname">Opeth</span> – „In Cauda Venenum“ – ist noch gar nicht erschienen. Stattdessen möchte ich ein wenig in ihrer Geschichte herumwühlen.</p>
<p>Diese ist geprägt von stetigem Wandel: Bereits drei Jahre vor Veröffentlichung ihres Debütalbums „Orchid“ (1995) war das letzte Gründungsmitglied <span class="musik-review-bandname">David Isberg</span> nicht mehr dabei, seitdem führt Gitarrist und Sänger <span class="musik-review-bandname">Mikael Åkerfeldt</span> die Band an. 2005 stieß Keyboarder <span class="musik-review-bandname">Per Wiberg</span> dazu, der drei Live- und zwei Studioalben lang dabei blieb. Neben seiner Aushilfe bei anderen Künstlern und seiner Mitgliedschaft bei den <span class="musik-review-bandname">Spiritual Beggars</span> hatte er jetzt sogar noch Zeit, ein erstes Soloalbum aufzunehmen. Es heißt „Head Without Eyes“ und ist nicht schlecht.</p>
<p><em>Im Internet</em> wird es für seinen Abwechslungsreichtum gewürdigt und das nicht unberechtigt. In sechs Stücken, teilweise („Anywhere the Blood Flows“) über 11 Minuten lang, höre ich vor allem atmosphärisch dichten Hard-/Spacerock. Wer <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> mag, dem sollte „Head Without Eyes“ gleichfalls gefallen. Anderswo gibt es mal Doom („Pile of Nothing“), mal <span class="musik-review-bandname">Nick-Cave</span>-taugliche Musik mit dazu passenden <em>lyrics</em> zu genießen: <span class="musik-review-lyrics-inline">„I don’t trust the light anymore“</span> („Fader“) – so muss das sein. Der Pressetext zum Album schwafelt was von <span class="musik-review-bandname">Van der Graaf Generator</span> und <span class="musik-review-bandname">Talk Talk</span>, aber Presseschreiber interessieren sich auch meist nicht besonders für Musik.</p>
<p>Wer einen Kopf hat, der höre. Gucken muss er ja nicht, das Coverbild ist ohnehin keines der schöneren dieses Jahres.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://tidal.com/browse/album/105836458" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat – wie oft – einen Komplettstream im Sortiment, für Kauf und Reinhören scheint <a href="https://www.amazon.de/Head-Without-Eyes-Wiberg/dp/B07PQVJC8Q?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> geeignet zu sein.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/magma-zess.jpg" class="fancybox image" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2019/07/Vorschau_magma-zess.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Magma – Zëss</span>
<p>Hurra! <span class="musik-review-bandname">Magma</span> sind im fünfzigsten Jahr ihres wenigstens ideellen Bestehens zurück und führen ein Werk mit sich, an dem seit wenigstens 1977 gearbeitet wurde.</p>
<p>Das jahrzehntelange Perfektionieren bereits live aufgeführter Rohfassungen hat dem erfreuten Rezensenten bereits einige sehr schöne Musikalben dieser Gruppe zu Gehör gebracht. Sollte es jetzt womöglich das letzte Mal sein? Vor inzwischen zehn Jahren hatte Bandchef und ‑gründer <span class="musik-review-bandname">Christian Vander</span> in einem Interview mitgeteilt, „Zëss“ werde das letzte Stück sein, das er jemals aufnehmen werde. Inzwischen hat er diese Einschätzung zwar revidiert, aber ihn daran zu messen erscheint mir trotzdem nicht verkehrt. <span class="musik-review-bandname">Magma</span> haben sich selbst von Anfang an – mit einer kurzen Unterbrechung („Merci“, 1984) – immer wieder zu übertreffen versucht und sind damit selten gescheitert.</p>
<p>„Zëss“ ist, vielleicht gibt es auch deshalb erst im September eine nachgeschobene Vinylausgabe, ein einziges Stück von 37:57 Minuten Länge. Inhaltlich gehe es, das lässt sich herausfinden, um griechische Mythologie und um den letzten Tag vor dem großen Nichts. Zumeist lässt die Gestaltung der Alben von <span class="musik-review-bandname">Magma</span> ja Schlüsse auf die ihnen zugrundeliegende Mythologie zu und auch diesmal ist der Schriftzug „Zëss“ <em>ungefähr</em> so gestaltet, wie man Texte eben so gestaltet, wenn man einen Bezug zu Griechenland herstellen will. Der Untertitel von „Zëss“, sogar auf dem Album selbst zu lesen, ist „le jour du néant“, also „der Tag des Nichts“. <span class="musik-review-bandname">Christian Vander</span>, sonst vor allem am Schlagzeug sitzend, zieht es in „Zëss“ seit über vierzig Jahren vor zu singen, seine Vertretung übernimmt <span class="musik-review-bandname">Morgan Ågren</span> von <span class="musik-review-bandname">Mats/Morgan</span>. Neben sieben weiteren Vokalisten, darunter die anscheinend unverwüstliche <span class="musik-review-bandname">Isabelle Feuillebois</span>, sowie den zurzeit nur noch sechs <span class="musik-review-bandname">Magma</span>musikern selbst nahm auch das <span class="musik-review-bandname">Prager Philharmonieorchester</span> an der Aufnahme teil. Theatralik stand <span class="musik-review-bandname">Magma</span> schon immer gut.</p>
<p>Apropos Untertitel: Das Stück besteht aus sieben Teilen, die ausnahmsweise neben einem kobaïanischen auch einen französischen Titel tragen. Das letzte dieser sieben Teile heißt „Dümgëhl Blaö (Glas Ultime)“, was, wie zuvor schon „Šlağ Tanz“ (2015), wahrscheinlich nur im Deutschen witzig klingt. Ich bin unvermindert froh darüber, dass <span class="musik-review-bandname">Magma</span> mit wenigen Ausnahmen darauf verzichten, die Sprache ihres Heimatlandes Frankreich zu der ihren zu machen. Schön ist es auch, dass auf „Zëss“ anfangs die Stärken der <em>klassischen</em> <span class="musik-review-bandname">Magma</span>-Phase, nämlich das Düstere und Hymnische, wieder über das allzu Beschwingte („Félicité Thösz“, 2012) siegen. Popmusik ist nicht von Dauer.</p>
<p>„Ẁöhm dëhm Zeuhl stadium“, untertitelt als die „Hymne des Nichts“, läutet das Album insofern sehr willkommen ein, nämlich getragen mit Klavier und tonlosem Chorgesang. Nach zweieinhalb Minuten setzt der Chef persönlich mit warm vorgetragenem Kobaïanisch ein, jedoch nur kurz, denn der Chor übernimmt schnell wieder. „Da Zeuhl Ẁortz dëhm Ẁrëhntt“ überrascht dann doch: Zu einem monotonen Klavierrhythmus und treibendem Jazzschlagzeug wird ein französischer Monolog gehalten. Ich bin verwirrt, zumal es nicht mal scheußlich, sondern sogar sehr stimmig klingt. <span class="musik-review-bandname">Christian Vander</span> fehlt vielleicht das Kratzig-Kühle, das ich bislang für eine Voraussetzung gehalten hatte, um französischer Sänger sein zu dürfen. Der nahtlose Übergang in „Dï Ẁööhr Sprašer“, „la voix qui parle“ („die sprechende Stimme“), fällt auch nur durch den Wechsel der Sprache auf, denn ohne Stilbruch fährt der Sänger, immer orchestraler begleitet, auf Kobaïanisch fort, das immer wieder, vielleicht <a href="https://kohntarkosz.blogspot.com/2009/11/some-words-about-recent-controversy.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">nicht zufällig<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, wie eine wenigstens gelungene Parodie des Deutschen klingt: „Und wir am werden Stürmen sein“, was man trotz des gerollten Rs wahrscheinlich aber ganz anders schreibt. Die zweite Hälfte dieses Teils wird im Wesentlichen bei gehaltenem Klavierrhythmus mit Scatgesang bestritten. Niemand soll behaupten, <span class="musik-review-bandname">Magma</span> hätten ihre Jazzwurzeln verdrängt.</p>
<p>Nach einem kurzen hymnischen Zwischenspiel mit erneutem textlosem Chorgesang schließt „Štreüm Ündets Ẁëhëm“ an, in dem das Orchester, wohl überwiegend streichend, endlich einmal <em>aufdrehen</em> darf. Dem Klavierrhythmus wird hier ein vorübergehendes Ende gesetzt, Blasinstrumente übernehmen. „Zëss Mahntëhr Kantöhm“ ist eine Fortsetzung von „Dï Ẁööhr Sprašer“ mit einem noch dichteren Orchester und dominantem Chor. Einen Stilwechsel kann erst „Zï Ïss Ẁöss Štëhëm“, in dem der Chor Jesus Christus – <span class="musik-review-lyrics-inline">Sanctus! Sanctus!</span> – besingt, wieder aufweisen, was nicht nur textlich auffällt, denn man kennt <span class="musik-review-bandname">Magma</span> nicht unbedingt als besonders <em>christliche</em> Band. Tatsächlich scheint „Zëss“ andauernd jubelnder und fröhlicher zu werden. Und das Blöde ist: Mir gefällt das sogar.</p>
<p>Aber Moment: Plötzlich verstummen die Instrumente. Wenig Orchester und ein zurückhaltendes Klavier bestimmen das abschließende „Dümgëhl Blaö“, das beinahe als Schlager durchginge, wenngleich als außergewöhnlich beschwörender und überdies auf Kobaïanisch gesungener. Zwar wird so der Bogen zum Beginn des Albums geschlagen, aber dieses Herausreißen aus dem Beschwingten erfolgte doch etwas unversehens.</p>
<p>Mein Fazit? Nun, „Zëss“ ist selbst im sowieso nicht gerade <em>gewöhnlichen</em> Gesamtwerk von <span class="musik-review-bandname">Magma</span> ein auffälliges Album, das konsequent auf dem auf den letzten paar Alben eingeschlagenen Weg fortschreitet, ohne den Ursprung aus den Augen zu verlieren. Als Einstieg in den Zeuhl mag es ungeeignet sein, aber Spaß macht’s dann eben doch. Sollte es das letzte Studioalbum <span class="musik-review-bandname">Magmas</span> bleiben, so war es wenigstens ein würdiger Abschied.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Überrascht stelle ich fest, dass sowohl Stream als auch Amazonschnipsel sich zurzeit noch rar machen beziehungsweise gemacht werden. Auf <a href="https://www.youtube.com/playlist?list=PLp58zvyi0EgyQu63PU3cDBUdiiIwHbTa7" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es jedoch eine Wiedergabeliste mit einer etwas älteren, aber bereits sehr guten Aufführung von „Zëss“.</p>
<p>Was sagt der Kalender? Ah, spät dran. Dann machen wir den Rest im Schnelldurchlauf:</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Pelican – Nighttime Stories</span>
<p>Diejenigen, die sich an energiegeladenem instrumentalem Postmetal erfreuen können, verleitet die Ankündigung eines neuen Albums der vier Herren von <span class="musik-review-bandname">Pelican</span> gelegentlich zu Ausdrücken der Freude, die auch an „Nighttime Stories“, ihr angriffslustig riffendes, doomendes und dröhnendes sechstes Studioalbum, nicht verschwendet sind. <a href="https://www.amazon.de/Nighttime-Stories-Pelican/dp/B07QN3DC2B?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>
</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Lost in Kiev – Persona</span>
<p>„Persona“ ist effektverzierter, gitarrengetriebener Konzept-Postrock aus Frankreich mit <em>genau richtig</em> eingesetzten gesprochenen Texten, für den tief in den Archiven von <span class="musik-review-bandname">Russian Circles</span> und <span class="musik-review-bandname">Explosions in the Sky</span> gewühlt wurde und der 2019 zu den bisher besten der Dekade gezählt werden kann. <a href="https://lostinkiev.bandcamp.com/album/persona" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Spotlights – Love &amp; Decay</span>
<p>Hinter diesem unauffälligen Titel verbirgt das Trio aus New York schön <em>dichten</em> Doom/Shoegaze, der es sich, verfeinert mit bemerkenswert sanftem Gesang, auf dem optimalen Platz zwischen Schwere und Melodie gemütlich gemacht hat. <a href="https://spotlights.bandcamp.com/album/love-decay" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Lost World Band – Spheres Aligned</span>
<p>Nach Aufnahmen in Moskau und New York erfreut diese russische Band den Freund klassischen Progressive Rocks sowie östlicher Folklore mit einer gelungenen Kombination aus beidem, dargeboten mit Flöte, Geige, brummendem Bass, schneidender Gitarre und einer angemessenen Menge an schön zurückhaltenden Vokaleinlagen. <a href="https://lostworldband.bandcamp.com/album/spheres-aligned" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Karakorum – Fables and Fairytales</span>
<p>Fast bleiben wir im Genre: <span class="musik-review-bandname">Karakorum</span> kredenzen eine vortreffliche Creme aus Retroprog, Canterbury und Classic Rock in einer Darbietung, die mit perlendem Bass und rauchigem Gesang besticht. <a href="https://karakorum.bandcamp.com/album/fables-and-fairytales" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Labirinto – Divino Afflante Spiritu</span>
<p>Heißt italienisch, kommt aber aus Brasilien: Das im Februar veröffentlichte „Divino Afflante Spiritu“, aus unklaren Gründen mit Großbuchstaben vor jedem Wort, vereint bretternden Postmetal mit endlich mal passendem Gesang, nämlich heiserem Growling, obwohl das Album weitgehend instrumental <em>stattfindet</em>. <a href="https://labirinto.bandcamp.com/album/divino-afflante-spiritu" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">The Moth Gatherer – Esoteric Oppression</span>
<p>Was dieser Liste ja auch noch gefehlt hat, war ein wenig Postmetal, und <span class="musik-review-bandname">The Moth Gatherer</span> servieren ihn auf einer reichhaltig gefüllten Platte mit Hauptgängen in den Geschmacksrichtungen Drone, Ambient und Blackmetal mit gebrüllten <em>lyrics</em> („The Drone Kingdom“); da verzeiht man auch das Übernehmen der schrecklichen Unsitte, ein Album mittels <em>fadeout</em> einfach auszublenden („Phosphorescent Blight“), statt sich ein gutes Ende zu überlegen. <a href="https://agoniarecords.bandcamp.com/album/esoteric-oppression" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Cities of Mars – The Horologist</span>
<p>Einen noch für den Weg: Das schwedische Trio <span class="musik-review-bandname">Cities of Mars</span> veröffentlichte im April 2019 ihr zweites Volllängenstudioalbum „The Horologist“, beworben als eine Art Konzeptalbum über die mythische Geschichte des Planeten Mars, auf dem sie – manchmal ein bisschen zu ausschweifend und monoton („The Last Electric Dream“), aber dennoch beachtenswert – dem Hörer einen hervorragenden <em>smoothie</em> aus Stoner Rock und Sludge präsentieren, wenngleich mein Lieblingsstück auf dem Album – „Work Song“, das sich auf ein mehrstimmiges Folk-<em>intro</em> stützt und allmählich ausufert – <em>eigentlich</em> gar nicht ins Konzept passt. <a href="https://citiesofmars.bandcamp.com/album/the-horologist-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
</ol>
<p>Mehr – und die Rückschau auf die letzten paar Jahrzehnte in der Musik – gibt es wie gewohnt in etwa einem halben Jahr an gewohnter Stelle zu lesen.</p>
<p>Man bleibe einander gewogen.</p>
<hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2019/07/musik-06-2019-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/b094af38ed9b4e36975e65af4b6db7a1" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
		
		
		
		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
	</item>
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		<title>Musik 12/2018 – Favoriten und Analyse</title>
		<link>https://tuxproject.de/blog/2018/12/musik-12-2018-favoriten-und-analyse/</link>
					<comments>https://tuxproject.de/blog/2018/12/musik-12-2018-favoriten-und-analyse/#comments</comments>
		
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		<pubDate>Wed, 26 Dec 2018 18:42:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Ach je, schon wieder haben wir es mit einem Jahresende zu tun! In einer Zeit schwindender Gewissheiten bleibt jedenfalls die, dass dies eine gute Gelegenheit ist, um zum zweiten Mal in diesem Jahr auf die empfehlenswertesten Musikalben 2018 zurückzublicken. Während die Jugend immer noch Podcasts hört, die doch heutzutage eigentlich Phonecasts heißen müssten, gebe ich ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2018/12/musik-12-2018-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2018 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ach je, schon wieder haben wir es mit einem Jahresende zu tun! In einer Zeit schwindender Gewissheiten bleibt jedenfalls die, dass dies eine gute Gelegenheit ist, um zum zweiten Mal in diesem Jahr auf die <span class="musik-intro-hervorhebung">empfehlenswertesten Musikalben 2018</span> zurückzublicken. Während <em>die Jugend</em> immer noch Podcasts hört, die doch heutzutage eigentlich <em>Phonecasts</em> heißen müssten, gebe ich mich lieber der wahren Kultur hin. „Nicht jedes Gequiek“, befand einmal Ulrich Erckenbrecht, „ist Musik“. So halte ich es selbstverständlich ebenfalls.</p>
<p>Der Kalender hinderte mich erneut nicht daran, im vergehenden Halbjahr ungeduldig und darum vorzeitig auf die aktuellen Studioalben von <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/07/kurzkritik-abraham-look-here-comes-the-dark/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Abraham</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/08/kurzkritik-arstidir-nivalis/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Árstíðir</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/09/kurzkritik-monophonist-ueber-die-freiheit-der-praktischen-unvernunft/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Monophonist</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/10/kurzkritik-vak-budo/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">VAK</span></a> und <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/11/kurzkritik-traeden/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Träden</span></a> hinzuweisen. <em>Kunden, die das kauften, kauften auch…</em></p>
<p><span id="more-14831"></span>Zum Glück sind noch genug andere Musikalben übrig geblieben, nämlich die folgenden. Fangen wir an.</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">1.</span> <span class="musik-review-header-text">Neues von heute.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/spurv-myra.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_spurv-myra.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Spurv – Myra</span>
<p>Wenn wir es hier schon mit solchen Temperaturen zu tun haben, dann wollen wir wenigstens auch die richtige Musik dazu hören. <span class="musik-review-bandname">Spurv</span> – das bedeutet „Spatz“ auf Norwegisch – ist daher eine durchaus ansprechende Formation aus Oslo, deren jüngstes Studioalbum „Myra“ allerdings bereits im Mai 2018 erscheinen durfte. Als Gastmusiker sind auf „Myra“ unter anderem Mitglieder von <span class="musik-review-bandname">Ulver</span> zu hören. Nicht immer sind solche Hilfsarbeiten ein Versuch des <em>namedroppings</em>, das haben <span class="musik-review-bandname">Spurv</span> nicht nötig. Auf dem Coverbild knuddelt eine Frau ein Rentier. Ich wäre sehr albern, leitete ich daraus etwas über Norwegen ab.</p>
<p>Trotzdem erfüllen <span class="musik-review-bandname">Spurv</span> wenigstens das Klischee, dass Musikgruppen aus der Gegend bitteschön vor allem so was wie Postrock zu spielen haben, denn in Norwegen ist es bekanntlich immer dunkel. So auch hier: Zwar nennen sich die Musiker selbst eine Postmetalband, ich aber weigere mich, mich dieser Selbstbezeichnung anzuschließen, und verorte sie stur im Shoegaze, Abteilung Instrumentalmusik. Tja! Zu hören gibt es flächige Gitarren mit Cello und Geige. Aus solchen einfachen Zutaten sind sehr gute Alben gemacht und auch „Myra“ ist ein sehr gutes Album.</p>
<p>Flächig geht es gelegentlich nicht nur in die Breite, sondern auch in die Höhe, so etwa im beinahe doomtauglichen „Fra Myrtempelet“ und im fantastischen „Fra dypet under stenen“, das, obwohl es auf ein Verglühen hincrescendiert, mit entspanntem Klavier ausklingt. Huch! In „Allting får sin ende, også natten“ lassen die Musiker Heidegger zu Klavierbegleitung über die Sterblichkeit des Menschen dozieren, anschließend bricht Postrockgewitter („Post-Metal“) los.</p>
<p>Eigentlich schade, dass normale Spatzen nur so blöde Piepgeräusche machen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://spurv.bandcamp.com/album/myra" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es einen Komplettstream, auf <a href="https://www.amazon.de/Myra-Vinyl-LP-Spurv/dp/B07BQRTYYD?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Hörproben und Kauf.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/koenji-hyakkei-dhorimviskha.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_koenji-hyakkei-dhorimviskha.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Kōenji Hyakkei – Dhorimviskha</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Veedem quidhas twlliees immidavally“</span> (Phlessttighas)
<p>Nachdem die französische Ausnahmeerscheinung <span class="musik-review-bandname">Magma</span> das <span class="musik-review-bandname">John-Coltrane</span>-Gedächtnisgenre Zeuhl – wohl ungefähr „Söhl“ ausgesprochen; verrückte Franzosen immer! – erfunden und eine Zeitlang allein ausgefüllt haben, entstanden irgendwann auch außerhalb Frankreichs erste Musikprojekte, die diesem Stil etwas abgewinnen konnten, etwa <span class="musik-review-bandname">Univers Zéro</span> aus Belgien. Nicht alle übernahmen die Kunstsprache Kobaïanisch oder den vielstimmigen Chorgesang, ihnen allen sind aber die dominante, jazznahe Rhythmik und das Spiel mit der hypnotischen Wiederholung gemein. Bis heute bleibt Frankreich der Mittelpunkt der internationalen Zeuhlszene, als starker Konkurrent hat sich aber inzwischen Japan herausgestellt.</p>
<p>In Japan, regelmäßigen Lesern meiner Rückschauen sowieso längst als Land der positiv bekloppten Musik bekannt, gründete Schlagzeuger und Sänger <span class="musik-review-bandname">Tatsuya Yoshida</span> bereits 1985 das Duo <span class="musik-review-bandname">Ruins</span>, dessen Musik mit Text zu beschreiben nicht ganz einfach ist, <em>Zeuhl auf Koks in der Achterbahn</em> träfe es aber ganz gut. Weil so ein Duo einen japanischen Musiker aber nicht auslastet, ist <span class="musik-review-bandname">Tatsuya Yoshida</span> nebenbei auch noch anderweitig beschäftigt, unter anderem in Projekten mit Mitgliedern der gleichfalls bisher nicht durch wenig Aktivität aufgefallenen <span class="musik-review-bandname">Acid Mothers Temple</span>. Außerdem gründete er 1991 die Band <span class="musik-review-bandname">Kōenji Hyakkei</span>, von deren Gründungsmitgliedern nur noch er selbst mitmacht, obwohl sie auf „Dhorimviskha“, ihrem ersten Studioalbum seit 2005, schon wieder zu sechst ist.</p>
<p>Weil man zu sechst auch <em>andere</em> Musik machen kann als zu zweit, unterscheidet sich dieselbe auf „Dhorimvishka“, was bestimmt irgendwas heißt, recht deutlich von dem, was von <span class="musik-review-bandname">Ruins</span> normalerweise zu hören ist. Neben diesen und <span class="musik-review-bandname">Magma</span> höre ich hier jedenfalls, vor allem in den textlosen Gesangspassagen, auch <span class="musik-review-bandname">Yes</span>. <em>Natürlich</em> gibt es hier weitgehend, bis in das abschließende Titelstück hinein, auch Zeuhlrhythmik und meist komisch überdrehten repetitiven Gesang mit und ohne Text, zumeist von Sängerin „Ah“, zu hören, aber Funk und Jazz kämpfen hart um die Aufmerksamkeit des Hörers. In „Levhorm“ meine ich gar Latinmusik auszumachen. Das für Bandverhältnisse ungewöhnlich ruhig groovend beginnende „Palbeth Tissilaq“ woanders als im reinen Jazzrock zu verorten schiene mir auch falsch.</p>
<p>Klar: Wer <span class="musik-review-bandname">Magma</span> nicht mag, der wird mit „Dhorimviskha“ voraussichtlich auch nicht zufrieden sein. Wer aber gelegentlich eine Dosis Zeuhl vertragen kann, den werden <span class="musik-review-bandname">Kōenji Hyakkei</span> kaum enttäuschen. Den Versuch ist es wert.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Dhorimviskha-Koenjihyakkei/dp/B07G35FC69?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat Download und Hörproben im Sortiment.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/body-head-the-switch.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_body-head-the-switch.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Body/Head – The Switch</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Scream to the wind“</span> (Last Time)
<p>Wir wechseln elegant das Land: <span class="musik-review-bandname">Body/Head</span> sind ein US-amerikanisches Gitarrenduo. Wer der Körper und wer der Kopf ist, weiß ich nicht. Das ist angesichts der Herkunft der beiden Musiker aber auch völlig unerheblich, denn wenigstens einen Namen kennt man: <span class="musik-review-bandname">Kim Gordon</span> war von 1981 bis 2011 Teil der erfreulichen Band <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span>, die mit ihrer Trennung von <span class="musik-review-bandname">Thurston Moore</span> zu existieren aufgehört hat, seit 2012 ist sie mit <span class="musik-review-bandname">Bill Nace</span> zusammen auf musikalischen Pfaden unterwegs. <span class="musik-review-bandname">Bill Nace</span> wiederum kennt man bisher nur vom 2013er Debütalbum von <span class="musik-review-bandname">Body/Head</span>, „Coming Apart“, aber man sollte ihn sich vermutlich endlich mal merken.</p>
<p>Dass <span class="musik-review-bandname">Body/Head</span> trotz dieses Neuanfangs und der minimalen Besetzung – offiziell sind nur Gesang (<span class="musik-review-bandname">Kim Gordon</span>) und zwei Gitarren (beide) als Beteiligte genannt – <em>eigentlich</em> wie eine Fortsetzung von <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span> klingen, überrascht kaum. „The Switch“ ist ein minimalistisch-experimentelles Album voller „No Wave“. Das hat man ja auch schon länger nicht mehr gehört. Enthalten sind fünf Stücke, aber die haben es in sich.</p>
<p>Die Gitarre schwingt und schweigt im eröffnenden „Last Time“, nach drei Minuten ertönt gedehnter Gesang. Es klingt wie die frühen Kraut-Psychedelic-Experimente und ich würde mir einen Experimentalfilm mit dieser Untermalung vermutlich aus Prinzip gern ansehen. Wieso gerate ich eigentlich in letzter Zeit immer wieder an dieses Avantgarde-Zeug? Mir soll’s ja auch recht sein. Unbeachtet schwellen die Instrumente zu Kammermusik mit Streicherstakkato an. Unwillkürlich denkt man darüber nach, was die <span class="musik-review-bandname">Beatles</span> aus der heutigen Studiotechnik gemacht hätten, wenn sie noch intakt wären. In „You Don’t Need“ wird die <em>Kammermusik</em> fortgesetzt. Es baut sich eine bedrohliche, dichte, beinahe industrielle, wie von einem alten Tonband abgespielt klingende Atmosphäre mit dünnem, fast untergehendem, aber wieder <em>krautigen</em> Gesang auf. Damals war Gesang ja auch selten gut. Das Stück endet plötzlich.</p>
<p>Es folgt „In The Dark Room“: Der Beginn klingt wie der Verbindungsaufbau eines alten Modems, geht dann aber über in eine vergleichbar sterile <em>Umgebung</em>. Genau so würde ich einen dunklen Raum auch vertonen, wenn ich ein bisschen Ahnung von Stimmung und Musikmachen hätte. Elektronisch erzeugte Klangeffekte, darunter ein unklares Kratzen, lassen mich abermals aufhorchen, wie es eigentlich immer passiert, wenn ich mich an das noch immer ziemlich <em>geile</em> „asia“ von <span class="musik-review-bandname">boris</span> (<a href="https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">hier entlang</a>) erinnert fühle. Hier gibt es keinen Gesang, hier gibt es nur Stimmung. Hui! „Change My Brain“ ist anfangs eigentlich fast das gleiche Stück, aber mit <em>noisiger</em> Gitarre statt bloßer Effekte. Nach zwei Minuten setzt abermals der melodiefreie Gesang <span class="musik-review-bandname">Kim Gordons</span> ein. Gegen 4:30 Minuten intensiviert sich dieser aber erstmals auf dem Album in einer Art Refrain, bevor der Instrumentalteil wieder einsetzt. Irgendwas ist mit meinem Hirn bereits jetzt passiert. „Change My Brain“ ist 10:41 Minuten lang und damit eigentlich immer noch zu kurz.</p>
<p>Zum Schluss – „Reverse Hard“ – haut das Duo dem Hörer noch einmal Dronegewitter, dann wieder industrielle Elektronik um die Ohren. Nach fast fünf Minuten ertönt Gesang, der wie durch ein Wasserglas gesungen klingt, dazu schneidende Gitarren. Nach sechs Minuten ist es vorb- nein, doch nicht, ein neuer Teil beginnt: Eine verzerrte Gitarre breitet eine Wüste vor dem geistigen Auge aus. Kakteen entstehen, hin und wieder ein bedrohliches Lebewesen, hier gespielt von einem Bass, der wahrscheinlich auch wieder so ein Gitarreneffekt ist. Erneut undeutlicher „Wasser“-Gesang. Das Stück wird zum Ende hin schneller, die Stimme bellt nun eher als sie singt. Das Stück verklingt instrumental mit verzerrter Elektronik.</p>
<p>Was war das? „The Switch“ braucht unbedingt einen zweiten, wenn nicht gar einen dritten Hördurchlauf, bevor es sich erschließt. Ich weiß es zu würdigen, dass hier oberflächlich nur wenig passiert, während sich das Album kaum merklich ins Nervensystem bohrt. Es muss ja nicht immer scheppern.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> „The Switch“ gibt es auf <a href="https://bodyhead.bandcamp.com/album/the-switch" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/album/91209066" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> als Komplettstream, auf <a href="https://www.amazon.de/Switch-Vinyl-LP-Body/dp/B07D4ZLGC6?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> auszugsweise und zum Kauf.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/hex-hex.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_hex-hex.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">H E X – H E X</span>
<p>Apropos Scheppern.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">H E X</span>, die anscheinend mit Leerzeichen geschrieben werden möchten, sind eine Schweizer Band und heißen wie ein Album von <span class="musik-review-bandname">Bark Psychosis</span>, aber das kann Zufall sein. Musikalisch und auch sonst ist wenig Gemeinsamkeit festzustellen, sieht man davon ab, dass ich beide Bands zu kennen nicht für Zeitverschwendung halte.</p>
<p>Die Band selbst nennt ihre Musik „Psychedelic Industrial“, was sich eigenartig genug vorstellen lässt. Dominiert wird das Album, das anscheinend wie die Band heißt und sogar nur aus vier (wenn auch vergleichsweise langen) Stücken zusammengesetzt ist, allerdings von einem mitunter monotonen <em>groove</em>, der vor allem (uns) von <span class="musik-review-bandname">Faust</span> und <span class="musik-review-bandname">Can</span> Begeisterte verzückt. Die Musik ist ziemlich <em>dicht</em> und klingt manchmal wie eine überwiegend instrumentale Variante von <span class="musik-review-bandname">Laibach</span> mit weniger <em>gothic</em>. Jau.</p>
<p>Überwiegend instrumental? Naja: In „Collider“ taucht erstmals kaum verständlicher Gesang auf, viel zu leise, um verstanden zu werden, was Absicht sein könnte. „Highrise“ ist wieder ein Gesangsstück, jedoch wird auch hier der Gesang von der Industrial-Wucht schier erdrückt und dient daher vielmehr als melodischer Gegenpunkt. Apropos „Collider“: Lässt sich dieses Liedlein noch als Postpunk kategorisieren und gräbt „Process“ tief im Industrial, so vermeidet der dronegeladene Postrock, den man sonst auch von <span class="musik-review-bandname">Isis</span> so oder so ähnlich schon mal gehört hat, ein Schwarzweißbild, was das Kategorisieren betrifft. Ich gäbe für so etwas grundsätzlich Bonuspunkte, wenn ich hier überhaupt irgendwelche Punkte verteilte.</p>
<p>Da ich darauf aber gern verzichte, bleibt mir in Reintext die Erkenntnis, dass „H E X“ eine willkommene Abwechslung in der sonst doch sehr gitarrenrockorientierten Liste dieses Semesters ist. Man sollte aber in der richtigen <em>Stimmung</em> sein – für Frühling oder gar Sommer ist das hier nichts, auch wenn’s bereits im Mai dieses Jahres <em>erschien</em>. Zu heute passt es allerdings ausgezeichnet.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Stream und Kauf stellen <span class="musik-review-bandname">H E X</span> via <a href="https://h-e-x.bandcamp.com/album/hex" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> bereit, ansonsten mag’s <a href="https://www.amazon.de/H-X/dp/B07BFNKR8X?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> tun.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/prairie-after-the-flash-flood.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_prairie-after-the-flash-flood.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Prairie – After the Flash Flood</span>
<p>Wir bleiben bei Drones. Bei <span class="musik-review-bandname">Prairie</span>, so ist <em>im Internet</em> zu lesen, handelt es sich um „das Projekt“ des aus Brüssel stammenden, aber in den Niederlanden wurzelnden Multiinstrumentalisten und Produzenten <span class="musik-review-bandname">Marc Jacobs</span>, der live noch mehr Musiker um sich schart und zuvor bereits Musik beim Berliner Verlag Shitkatapult, der zwar schön heißt, mir aber bisher namentlich unbekannt war, unterbringen konnte. Wenn das hier jedoch Scheiße ist, dann kann <span class="musik-review-bandname">Marc Jacobs</span> daraus Gold machen und gehört erst recht erwähnt.</p>
<p>Eine Eiswüste türmt sich auf, von fern donnert <span class="musik-review-bandname">floydesque</span> Perkussion auf und verklingt: Mit „Flash Flood“ beginnt das Album „After the Flash Flood“ ungefähr wie angenommen, hat man erst einmal einen Blick auf das Coverbild geworfen. Das Thema „Eiswüste“ wird später auch mit Geräuschen berstenden Eises („Hard Water:Cracked Ice“) nochmals in Erinnerung gerufen. Der geneigte Rezensent kommt nicht umhin, ein wenig zu frieren, was derzeit – Mitte September – keine Selbstverständlichkeit, dafür jedoch sehr angenehm ist.</p>
<p>Der Rest des Albums, der <em>nach „Flash Flood“</em> ertönt, steht diesem hinsichtlich der Intensität und Dichte nicht nach; mal wird mit Sprachfetzen und Störgeräuschen eine beklemmende Atmosphäre geschaffen („Raindeaf“), mal breiten <span class="musik-review-bandname">Prairie</span> mit vielschichtigen <em>drones</em> abermals eine, nun ja, akustische <em>Prärie</em> vor dem Hörer aus. Auch leise, mitunter indisch angehauchte Momente finden sich auf dem Album („A Permanent War Economy“, „Elephants Will Rise Again“). Was jedoch nicht auftaucht, ist Gesang. <em>Brauch’mer des?</em> Nein, in diese Stimmung reinzusingen wäre gehässig.</p>
<p>„After The Flash Flood“ belohnt Geduld mit Tiefe. Wer keine solche (also Geduld, nicht Tiefe) mitbringt, der möge dieses Album beim unvermeidlichen Kauf all meiner Empfehlungen  auslassen. Allen anderen möge es ein Genuss sein wie mir.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://prairie.bandcamp.com/album/after-the-flash-flood" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es – ungewöhnlicherweise – <em>nur</em> Auszüge aus „After the Flash Flood“ zu hören, <a href="https://www.amazon.de/After-Flash-Flood-Prairie/dp/B07BFDMG9Q?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/album/85876690" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> besorgen den Rest.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/oh-sees-smote-reverser.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_oh-sees-smote-reverser.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Oh Sees – Smote Reverser</span>
<p>Endlich mal wieder eine Band mit Geschichte – obwohl die gar nicht besonders lang ist.</p>
<p>Von 1997 bis 2003 existierte das kalifornische Punkrockduo <span class="musik-review-bandname">Pink and Brown</span>, bestehend aus den beiden schon zuvor aufeinander getroffenen Musikern <span class="musik-review-bandname">John Dwyer</span> (Gesang, Gitarre) und <span class="musik-review-bandname">Jeffrey Rosenberg</span> (Schlagzeug). Ersterer war ebenfalls ab 1997 als Solomusiker unter dem Projektnamen <span class="musik-review-bandname">Orinoka Crash Suite</span> (kurz <span class="musik-review-bandname">OCS</span>) tätig, von 2001 bis 2005 außerdem mit der Garagenrockband <span class="musik-review-bandname">Coachwhips</span> beschäftigt. 2002 gründete er zudem <span class="musik-review-bandname">Zeigenbock Kopf</span>, eine vorgeblich deutsche Partyband mit Schwulenimage, die vermutlich bis heute existiert.</p>
<p>Nach der Auflösung von <span class="musik-review-bandname">Pink and Brown</span> trat <span class="musik-review-bandname">Jeffrey Rosenberg</span> vorübergehend <span class="musik-review-bandname">OCS</span> bei, das offizielle Debütalbum „1“ wurde 2003 veröffentlicht. <span class="musik-review-bandname">John Dwyer</span> machte danach erst allein, dann mit Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Patrick Mullins</span> weiter und nahm so bis 2005 drei weitere Alben auf. Anschließend wurde Sängerin <span class="musik-review-bandname">Brigid Dawson</span> Bandmitglied, von 2006 bis 2007 hieß die Band erst <span class="musik-review-bandname">The Ohsees</span>, was eine mögliche Aussprache von „OCS“ zu sein scheint, dann <span class="musik-review-bandname">The Oh Sees</span>, schließlich bis 2016 <span class="musik-review-bandname">Thee Oh Sees</span>. Das „Thee“ wurde 2017 fallen gelassen, es erschien erst „Orc“ als <span class="musik-review-bandname">Oh Sees</span>, dann „Memory of a Cut Off Head“ als <span class="musik-review-bandname">OCS</span>. Wie die Band aktuell heißt, wage ich gar nicht nachzuschlagen, als <span class="musik-review-bandname">The Oh Sees</span> wurde im Mai 2018 jedenfalls das noch aktuelle Album „Smote Reverser“ veröffentlicht, das, zählt man nur die Studioalben und nicht auch die EPs, das 21. dieser Gruppe seit 2003 ist, was recht sportlich ist. Ich mag aber keinen Sport.</p>
<p>Womit ich hingegen eine Menge anfangen kann, ist – das sollte bekannt sein – gute Musik. Und „Smote Reverser“ ist durchaus nicht schlecht darin, solche zu bieten. In meinen Notizen zum Album steht „ordentlich Groove“. Ordentlich! Im Oktober dieses Jahres wurde „Moon Bog“, vom „Rolling Stone“ als Weltraumballade beschimpft, von mir als <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/10/oh-sees-moon-bog/" data-wpel-link="internal">Montagsmusik</a> ausgewählt, aber obwohl sich auf „Smote Reverser“ mit „Last Peace“ noch mehr Stilverwandtes finden lässt, greifen <span class="musik-review-bandname">Oh Sees</span> auf jede Menge Erfahrung und damit auch Vielfalt zurück: Dank der zurzeit beiden Schlagzeuger rhythmisch aufgeladener Progressive Metal („Sentient Oona“), Elektronik, die mitunter verspielt sein darf („Anthemic Aggressor“), Stoner/Hardrock („Enrique El Cobrador“, „Abysmal Urn“) und der seit über zwanzig Alben <em>irgendwie vorhandene</em> Garagenrock funktionieren hier großartig zusammen. Andere Bands – gern aus Großbritannien – kriegen nicht mal zwanzig <em>Jahre</em> lang mehr als einen Stil hin.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://tidal.com/album/89284882" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://ohsees.bandcamp.com/album/smote-reverser" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist neben anderen Alben von <span class="musik-review-bandname">Oh Sees</span> auch dieses zu finden.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/fire-down-below-hymn-of-the-cosmic-man.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_fire-down-below-hymn-of-the-cosmic-man.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Fire Down Below – Hymn of the Cosmic Man</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">Everything I’ve ever known means nothing“</span> (Ignition/Space Cruiser)
<p>Im Jahr 2016 veröffentlichte die belgische Stoner-/Psychedelic-Rock-Band <span class="musik-review-bandname">Fire Down Below</span> ihr Debütalbum „Viper Vixen Goddess Saint“, das von <em>Kritikern</em> als nicht schlecht wahrgenommen wurde. 2018 folgte das Folgealbum „Hymn of the Cosmic Man“, in dem der Stil weitgehend beibehalten, aber um Spacerock erweitert wurde. Wie sollte es bei diesem Titel auch anders sein?</p>
<p>Die hier gehörte Musik erinnert mich anfangs ein wenig an das <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">klar unterschätzte</a> „Lulu“, allerdings ohne Gesangsbeitrag. Wie dieses ist auch „Hymn of the Cosmic Man“ ein Konzeptalbum, es geht textlich im Wesentlichen um einen recht traurigen Herrn, der sich im Weltall, vermutlich von der nackten Dame auf dem Coverbild, gefangen fühlt. Musikalisch dominiert grollender Space/Thrash Metal mit kräftig verzerrter Gitarre, also so, wie ich ihn mag. Gelegentlich („Ascension“) darf es aber auch mal <em>einfacher</em> Hardrock sein.</p>
<p>Ab dem zweiten Stück „Ignition/Space Cruiser“ ertönt auch Gesang, der zwar recht <em>gewöhnlich</em> (also beinahe stadiontauglich) daherkommt, aber trotzdem nicht den Eindruck erweckt, sich besonders an Radiohörer zu richten. Dafür spricht auch das abschließende „Adrift in a Sea of Stars“, das mit seiner Länge von über elf Minuten im derzeitigen <em>Formatradio</em> nicht mal zwischen zwei Werbepausen passen würde. <em>Das Internet</em> findet stilistische Übereinstimmungen mit <span class="musik-review-bandname">Tool</span> und <span class="musik-review-bandname">Kyuss</span>. Ich kann das verstehen.</p>
<p>Beim „Angry Metal Guy“ <a href="https://www.angrymetalguy.com/fire-down-below-hymn-of-the-cosmic-man-review/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">heißt es:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>If you like your prog psyched up, and your stoner rock proggy, this is your album.</p></blockquote>
<p>Passt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://firedownbelow.bandcamp.com/album/hymn-of-the-cosmic-man" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist eine gute erste Anlaufstelle, ansonsten könnten <a href="https://www.amazon.de/Hymn-Cosmic-Explicit-Fire-Below/dp/B07DCFPDHD?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/album/87980566" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> nützlich sein.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/rolo-tomassi-time-will-die-and-love-will-bury-it.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_rolo-tomassi-time-will-die-and-love-will-bury-it.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Rolo Tomassi – Time Will Die And Love Will Bury It</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Rolo Tomassi</span>, benannt nach einer Figur aus dem Film L.A. Confidential, ist ein englisches Mathrockquintett, das seit seiner Gründung im Jahr 2005 mehr Alben, Singles und EPs veröffentlicht hat als manch ältere Band in drei Jahrzehnten und mit „Time Will Die And Love Will Bury It“ ein fantastisches Shoegaze-nahes Studioalbum <em>unter die Leute</em> zu bringen versucht. Die Genrekollegen <span class="musik-review-bandname">65daysofstatic</span>, mit denen <span class="musik-review-bandname">Rolo Tomassi</span> auch schon mal zusammen (bzw. nacheinander) aufgetreten sind, haben vor einigen Jahren eines ihrer Stücke <em>remixt</em>. Die Welt ist klein.</p>
<p>Wobei „Shoegaze“ auch zu einfach gedacht ist: Nachdem der instrumentale <em>opener</em> „Towards Dawn“ ebenso wie das leichtgängige Lied „Aftermath“ mich nachsehen ließen, was <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/11/toc-sin/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Toc.Sin</span></a> eigentlich gerade machen (leider <a href="http://lallalabor.de/lallalabor-preistraeger-tiktaalik/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">nichts mehr<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>), und ich mich also gerade in einer entspannten Stimmung befinde, brüllt mich die Band in „Rituals“ mit Gitarrengeschepper und Growlgeschrei an. Huch!</p>
<p>„The Hollow Hour“ macht nach einem gefälligen (wenn auch hektischen) Postrockintro genau so weiter. <em>Zeit wird sterben</em> und so klingt das auch. Selbst schuld, wer seine Rezensionen nach gerade mal zwei Stücken für einfach hält. Das Gesangsduo aus <span class="musik-review-bandname">James</span> und <span class="musik-review-bandname">Eva Spence</span> (vermutlich verwandt) schaltet im Weiteren zwischen „zuckersüßen“ (Quelle: Internet) <em>vocals</em> und Screamo-Aggression wie selbstverständlich um, Schönklang prägt „Time Will Die and Love Will Bury It“ nur als Alibi. So wütend muss man erst mal sein.</p>
<p>Eine Verschnaufpause gewährt erstmals das siebte Stück „A Flood of Light“, das für wenige Takte am Anfang und am Ende eine <em>ambient</em>-Landschaft errichtet, bevor erneut der Zorn („Whispers Among Us“) durchbricht. „Risen“ beendet das Album mit Gesang und Klavierklängen dann beinahe versöhnlich.</p>
<p>Hui!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Wenig überraschend ist, dass auch dieses Album auf <a href="https://rolotomassi.bandcamp.com/album/time-will-die-and-love-will-bury-it" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (leider nur noch als CD und Download) zu haben ist, zum Reinhören eignen sich aber auch <a href="https://www.amazon.de/Time-Will-Die-Love-Bury/dp/B07791SYBH?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/album/80914890" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/the-stock-humanize.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_the-stock-humanize.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The STOCK – Humanize</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„The white light is dancing like a morse code“</span> (Kronos)
<p>Komischer Name, komisches Coverbild.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">The STOCK</span> ist, wie man herausfinden kann, ein Trio aus Bad Camberg, das in Hessen liegt und trotzdem auf Fotos ganz gut aussieht. Anscheinend hat es seit seiner Gründung im Jahr 2010 bisher erst ein einziges Album aufgenommen, nämlich dieses. Auf „Humanize“, als „Langzeitprojekt“ nach dreijähriger Produktionszeit Anfang 2018 erschienen, werden drei Stücke von elfeinhalb bis etwas über 20 Minuten geboten. Schon wieder nichts fürs Radio.</p>
<p>Dessen ungeachtet versuchen die drei Musiker es mit solidem Alternative Rock mit mehr gesprochenen als gesungenen <em>lyrics</em>. Dass sie musikhistorisch einigermaßen bewandert sind, lässt sich allerdings nicht leugnen, vor allem in der süd- und westdeutschen Musik der 1970er Jahre scheint man zu Hause zu sein. Das, was anderswo <em>Krautrock</em> geschmäht wird, klingt auf „Humanize“ gar nicht so furchtbar. Gut: über den nach meinem Empfinden zu sehr in den Vordergrund gemischten Gesang von <span class="musik-review-bandname">Rainer Ludwig</span> ließe sich trefflich streiten, aber so ist das im <em>klassischen Krautrock</em> ja auch.</p>
<p>Dass staubtrockener Stoner Rock („Kronos“) das Album eröffnet, soll darüber nicht hinwegtäuschen. Das zweite Stück, „Proletarian Suicide“ (wundervoller Titel auch), klingt streckenweise nach einer Countryversion von <span class="musik-review-bandname">Faust</span>, ist insbesondere also schlagzeug- und rhythmusgetrieben. Auch das abschließende „Puzzles“ beginnt mit <em>krautig</em>-elektronischen Klangexperimenten, die immer wieder aufgegriffen werden, kokettiert aber durchaus auch mit <span class="musik-review-bandname">bowiesquem</span> Artpop. Dem gesamten Album „Humanize“ ist dennoch eine Ungeschliffenheit zu eigen, die für alle Fälle eine Brücke zur Garagenmusik offen hält. Man weiß ja nie. Menschlich klingen <span class="musik-review-bandname">The STOCK</span> jedenfalls auch ohne Hilfe. Kann man auch mal hören, so was.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auch <span class="musik-review-bandname">The STOCK</span> veröffentlichen Musik auf <a href="https://thestock2010.bandcamp.com/album/humanize" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/pigs-pigs-pigs-pigs-pigs-pigs-pigs-king-of-cowards.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_pigs-pigs-pigs-pigs-pigs-pigs-pigs-king-of-cowards.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs – King of Cowards</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I talk a lot.“</span> (Gloamer)
<p>Apropos „komischer Name“: <span class="musik-review-bandname">Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs</span> haben auch einen, den sogar die Band selbst gelegentlich als „Pigsx7“ abkürzt, etwa bei der Auswahl <a href="https://www.pigsx7.co.uk" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ihrer Webdomain<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Beim Schreiben ihres 2018er Albums „King of Cowards“ in einer umgebauten Scheune auf dem Land seien, behauptet die Band, tatsächlich auch Schweine anwesend gewesen.</p>
<p>Anders als auf dem Vorgängeralbum „Feed the Rats“ gehen <span class="musik-review-bandname">Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs</span> hier nicht mehr vor allem auf Länge, keines der sechs Stücke ist über neun Minuten lang. Erstmals in der Band ist Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Chris Morley</span>, der zuvor unter anderem für <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/12/musik-12-2017-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Gnod</span></a> trommeln, hihatten usw. durfte. Beim „Guardian“ sprach man mit Bezug auf „King of Cowards“ von „zugänglichem Metal“, aber das ist ja noch keine qualifizierte Aussage. Geht es nach Sänger, Keyboarder und „kreativem Schwamm“ (Andreas Schiffmann) <span class="musik-review-bandname">Matt Baty</span>, so ist „King of Cowards“ ein Konzeptalbum über die sieben Todsünden, die auch als Piktogramme auf dem Coverbild zu sehen sind, was zahlenmäßig doch erstaunt. Da hätte es gern ein Stück mehr sein dürfen.</p>
<p>Was anderswo mal Sludge, mal „zugänglicher Metal“ heißt, heißt bei mir dann doch eher Psychedelic/Hardrock. Hinter schweren, schleppenden Rhythmen und gelegentlich einer schreienden Gitarre spielen <span class="musik-review-bandname">Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs</span> zwischen <span class="musik-review-bandname">Motörhead</span> und <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span>, der heisere Gesang beziehungsweise – in „Gloamer“ – das heisere Gesprech darf sich über viel Hall freuen oder, je nach Vorliebe, ärgern. Ich ärgere mich nicht, ich höre und empfehle weiter.</p>
<p>Schwein gehabt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Stream und Kauf haben <a href="https://pigspigspigspigspigspigspigs.bandcamp.com/album/king-of-cowards" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://www.amazon.de/King-Cowards-Vinyl-LP-Pigs/dp/B07GJ395ZV?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> anzubieten, Kunden von TIDAL bekommen <a href="https://tidal.com/album/91015170" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ebenfalls<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> einen Stream.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/sanguine-hum-now-we-have-power.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_sanguine-hum-now-we-have-power.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Sanguine Hum – Now We Have Power</span>
<p>Vor elf Jahren, im Juli 2007, veröffentlichte die <span class="musik-review-bandname">Joff Winks Band</span>, gegründet von dem auch im Jazz nicht unbekannten Musiker <span class="musik-review-bandname">Joff Winks</span>, das einzige Album in voller Länge unter diesem Namen, nannte sich anschließend ein paarmal um und ist inzwischen ein Trio namens <span class="musik-review-bandname">Sanguine Hum</span>. Das diesjährige Album von <span class="musik-review-bandname">Sanguine Hum</span> heißt „Now We Have Power“ („Jetzt haben wir Kraft“), ist das Nachfolgealbum von „Now We Have Light“ („Jetzt haben wir Licht“, 2015) und lässt neugierig werden, was die drei Herren künftig noch alles haben werden.</p>
<p>Derzeit haben sie vor allem die Fähigkeit, gute Melodien mit ausreichender Fähigkeit zur Instrumentenbedienung zu verbinden. Gelegentlich denke ich an <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> aus der Zeit, bevor <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span> sich für einen akzeptablen Sänger hielt, aber wirklich qualitativ hochwertig klingt das ja nun auch nicht, also nehme ich das zurück. <span class="musik-review-bandname">Joff Winks</span> ist hingegen ein Sänger, der sich ein bisschen nach zeitgenössischen Popsängern, also nicht übermäßig interessant, anhört, sich aber <em>ganz gut</em> in den Bandkontext einfügt. Musikalisch präsentiert selbiger vor allem dichte Klaviermelodien (gespielt von <span class="musik-review-bandname">Matt Baber</span>), entspannend und angenehm zum Genießen. Ein wenig Jazz schwingt immer mit, auch wenn die Handlung hinter den Texten – ein Mann ist von einer riesigen schwebenden Blase runtergefallen – vergleichsweise hanebüchen ist. Aber <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/album_17647.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ist das wichtig?<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Die beschwingte stilistische Mischung, in der ich die Einflüsse von atmosphärischem Artrock, sanftem Canterbury-Prog, dem „klassischen“ Prog und Jazz zu entdecken glaube, lässt alle textlichen Konzepte zweitrangig erscheinen. Stellenweise scheinen die geschmackvollen Piano‑, Synthesizer- oder E‑Piano-Beiträge die führende Rolle zu übernehmen. Sobald die Gitarre hinzukommt, herrscht wieder das perfekte Gleichgewicht in den Arrangements, das in seltenen Fällen sogar zu rockigeren Momenten führen kann. Gelegentlich (wie in „Skydive“) sind zudem Vibraphonklänge zu vernehmen, die natürlich den Leichtigkeitsfaktor des Gebotenen bedeutend erhöhen. In zwei Stücken sorgt zudem ein Gasttrompeter für jazzige und kammermusikalische („Flight of the Uberloon“) Akzente.</p></blockquote>
<p>Eben.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Mit <a href="https://www.amazon.de/Now-Have-Power-Sanguine-Hum/dp/B07H5VW3SQ?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://sanguinehum.bandcamp.com/album/now-we-have-power-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/album/94763383" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es hierzu hinreichend viele Gelegenheiten.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/self-defense-family-have-you-considered-punk-music.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_self-defense-family-have-you-considered-punk-music.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Self Defense Family – Have You Considered Punk Music</span>
<p>Schon mal über Punkmusik nachgedacht?</p>
<p>Das ist schön, aber hier nicht ganz so wichtig, denn mit rohem Gekloppe hat „Have You Considered Punk Music“, das diesjährige Studioalbum von <span class="musik-review-bandname">Self Defense Family</span>, höchstens thematisch etwas zu tun: Sänger <span class="musik-review-bandname">Patrick Kindlon</span>, der beim Singen immer ein bisschen verzweifelt klingt, sprach andernorts, das Album handle davon, „sich mit einer Sache intensiv zu beschäftigen“, wobei man bemerkte, „dass sich der Rest der Welt einen Scheißdreck dafür interessiert“. Punk, yo.</p>
<p>Nee, das hier ist <em>Indie</em> (was immer das schon wieder ist). Vergleiche sind diesmal recht einfach zu ziehen, denn <span class="musik-review-bandname">Self Defense Family</span> sind stolz auf ihre Vorbilder; so heißt es etwa in „Have you considered anything else“:</p>
<blockquote><p>You’re big on wordplay<br>
Into the arms of <span class="musik-review-bandname">Nick Cave</span> (…)<br>
You want new thoughts<br>
<span class="musik-review-bandname">Kate Bush</span> on ready</p></blockquote>
<p>Das sind nur zwei der Namen, die genannt werden, und sie beide passen zur relativ melancholischen Grundstimmung. Man solle das Album „als Verb im Präteritum begreifen“, schwafelte ein Banause für die „VISIONS“ und hat damit <em>natürlich</em> völlig Unrecht, denn „Have You Considered Punk Music“ findet <em>jetzt</em> statt, immer <em>jetzt</em>, so post der Punk und so psychedelic der Rock auch sein mag. Nach über dreißig gemeinsamen <em>Veröffentlichungen</em> kennt man seine Richtung und/oder Pappenheimer. Es ist, so viel sei noch geschrieben, ungefähr die meine.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Es gibt zurzeit (Mitte Dezember 2018) noch Stream und Kauf von LP und/oder „digitalem Album“ (also <em>so Dateien</em>) via <a href="https://selfdefensefamily.bandcamp.com/album/have-you-considered-punk-music" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, ansonsten wie üblich <a href="https://www.amazon.de/Have-Considered-Punk-Music-Explicit/dp/B07C6Y889V?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> bzw. <a href="https://tidal.com/album/90673302" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> konsultieren.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/tangled-thoughts-of-leaving-no-tether.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_tangled-thoughts-of-leaving-no-tether.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Tangled Thoughts of Leaving – No Tether</span>
<p>Wir bleiben im Genre, wechseln aber den Kontinent: Das in Australien heimische Quartett <span class="musik-review-bandname">Tangled Thoughts of Leaving</span> (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier) veröffentlichte im Juli 2018 nach fast drei Jahren ohne neues Album ihr neuestes namens „No Tether“.</p>
<p>In den bisher zehn Jahren ihres Bestehens haben <span class="musik-review-bandname">Tangled Thoughts of Leaving</span> sich in einer Szene eingerichtet, in der es schwer scheint, noch positiv herauszustechen, aber die gemeinsamen Touren und Aufnahmen mit Kollegen wie <span class="musik-review-bandname">Russian Circles</span> und <span class="musik-review-bandname">sleepmakeswaves</span> haben gezeigt, dass es auch im gelegentlich von außen <em>ausgelutscht</em> wirkenden Psychedelic/Postrock noch möglich ist, aufzufallen. „Doom Jazz“, „Post-Jazz“ gar, wird die hier zu hörende Musik <em>im Internet</em> auch genannt, aber Doom klingt anders.</p>
<p>Den Jazzanteil kann aber selbst ich nicht leugnen, gelegentlich ausgedehnte Klavierpassagen („Inner Dissonance“, „Binary Collapse“) lassen das mit ihrer Intensität kaum zu. Dazwischen bleibt die Musik dicht und effektgeladen („The Alarmist“) und voller überraschender Wechsel zwischen Flächigkeit und ordentlich Wumms. Wem das <em>alte Laut-Leise-Spiel</em> jemals zu langweilig wird, der hat keine Seele mehr. Vor einigen Tagen sprach <span class="musik-review-bandname">Bela B.</span> im Interview mit der „ZEIT“ darüber, dass die allgemeine Verfügbarkeit von Musikstreaming der Musik dieselbe genommen habe, aber zum Glück haben <span class="musik-review-bandname">Tangled Thoughts of Leaving</span> das noch nicht gelesen.</p>
<p>„Cavern Ritual“ beeindruckt mich mit <em>genau richtig</em> eingesetzten Längen, die Spannung wird bis zum Ende des Stückes an der Berstgrenze gehalten. Gelegentlich denke ich hier an die letzten Siebzigeralben von <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> und gerate ein wenig ins Träumen. – Apropos Ende: Auch das zwölfeinhalbminütige Titelstück („No Tether“), mit dem „No Tether“ endet, schafft es noch einmal, eine beklemmende Atmosphäre nicht nur aufzubauen, sondern auch zu halten. Postrock ist Musik zum Film im Kopf. Dieser hier ist in Schwarz-Weiß gedreht und ein wahres Kunstwerk.</p>
<p>„In diesen Höhlen“, schrieb jemand auf „a closer listen“, könne man sich „leicht verirren“. Es bleibt aber immer das Licht am Ende des Tunnels. Nur Mut!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://music.tangledthoughtsofleaving.com/album/no-tether" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://www.amazon.de/No-Tether-Tangled-Thoughts-Leaving/dp/B07F365WFX?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/91163403" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Weiter im Text.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/wang-wen-invisible-city.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_wang-wen-invisible-city.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Wang Wen – Invisible City</span>
<p>Postrock zum Dritten? Aber gern!</p>
<p>Woher eine Band, die sich <span class="musik-review-bandname">Wang Wen</span> (eigentlich <span class="musik-review-bandname">惘闻</span>) nennt, kommen mag, bedarf keiner großen Erklärung, welche Art von Musik sie macht, womöglich aber doch. Sie sei die „führende Postrockband“ ihres Landes, spekulieren Medien, aber das ist ja auch wieder zu kurz formuliert.</p>
<p>Das Sextett hat unter anderem schon gemeinsam mit <span class="musik-review-bandname">pg.lost</span> Musik aufgenommen und veröffentlicht, was ja auch ein Qualitätskriterium sein kann. Aus dem Tonausgabegerät schwillt jedenfalls flächiger Psychedelic/Postrock, bei dem sich mir Vergleiche mit <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> anbieten, zu denen ich nicht Nein sage, obwohl ich <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> hin und wieder als <em>zähes Gewaber</em> wahrnehme. Immerhin singt <span class="musik-review-bandname">Roger Waters</span> hier nicht.</p>
<p>Überhaupt wird wenig gesungen, denn „Invisible City“ ist ein weitgehend instrumentales Album, sieht man vom stark verzerrten und somit für uns alte Leute nicht mehr verständlichen Gesang in „Stone Scissors“ ab. Im osteuropäisch anklingenden „Lost in Train Station“ wird auch ein wenig gesprochen. Als Instrument kommt unter anderem das Horn zum Einsatz, gemeinsam mit einem Klavier oder etwas, das klingt wie ein Klavier, lebt unter anderem „Silenced Dalian“ von Tiefe statt von Instrumentalwänden. Von wegen, Postrock geht nur mit Brachialgitarren! – Ich meine am Ende von „Stone Scissors“ auch ein wenig <em>typisch asiatische</em> Klänge (vgl. <span class="musik-review-bandname">Jambinai</span>) auszumachen. Bei „Sputnikmusic“ wurde „Invisible City“ als <em>exzellent</em> bewertet. Ich schließe mich vorbehaltlos an.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <em>Ist ja 2018</em>, also sind <span class="musik-review-bandname">Wang Wen</span> mitsamt ihrer Musik auch auf <a href="https://wangwen.bandcamp.com/album/invisible-city" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu finden. Amazon.de scheint derzeit leider keine Hörproben zu haben, Kunden von <a href="https://tidal.com/album/93161828" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hingegen werden ebenfalls fündig.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/toby-driver-they-are-the-shield.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_toby-driver-they-are-the-shield.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Toby Driver – They Are the Shield</span>
<p>Den Herrn hatte ich ja auch ganz vergessen. Obwohl ich <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/06/musik-06-2009-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">vor neun Jahren</a> das damals neue Album seiner Band <span class="musik-review-bandname">maudlin of the Well</span> empfahl und deren Nachfolgeformation <span class="musik-review-bandname">Kayo Dot</span> <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">ab und zu mal</a> in meiner Wahrnehmung auftauchte, blieb <span class="musik-review-bandname">Toby Driver</span> weitgehend unauffällig. Das scheint schade zu sein, denn wenn das, was er in der Zwischenzeit so angestellt hat, die Qualität von „They Are the Shield“ – wovon ich ausgehe – wenigstens teilweise erreicht, muss ich demnächst wohl etwas nachholen.</p>
<p>Grundsätzlich treibt sich der Musiker, der hier von fünf Gästen (davon zwei Violinisten) unterstützt wird, nach wie vor in eher ruhigen musikalischen Gewässern herum. Ich höre weitgehend Ambientmusik, der durchaus nicht üble Gesang sucht die Nähe zu Bands wie <span class="musik-review-bandname">a‑ha</span> einer‑, <span class="musik-review-bandname">Peter Gabriel</span> und <span class="musik-review-bandname">Ian Curtis</span> andererseits. Das ist alles gar nicht so seicht und die Musik ist es noch weniger: Mit dank lang gehaltener Noten ausgebreiteten Klangflächen beginnt „They Are the Shield“ mit dem imposanten „Anamnesis Park“, dem längsten Stück auf dem Album. Wer die späten <span class="musik-review-bandname">Talk Talk</span> oder die wenigstens mittleren <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> mag, der wird sich hier bereits pudelwohl fühlen. Wie dieses Stück zeichnet sich auch das folgende, „Glyph“, durch allerlei Streicherklänge aus. Erstmals macht sich eine enorme Melancholie bemerkbar. Auch „470 Nanometers“ findet eher im Artrock statt, wenn auch weiterhin in einer angenehm unaufgeregten Art. Das Solowerk von <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span> – nur deutlich besser – erscheint mir als geeigneter Vergleich.</p>
<p>„Scaffold of Digital Snow“ ist wieder etwas ruhiger, setzt sich selbst aber mit dem leichten Spiel mit Misstönen beinahe in RIO-Gegenden. Das hätte ich nicht erwartet, heiße es aber herzlich willkommen. <span class="musik-review-bandname">Bridget Bellavia</span>, mir sonst bisher unbekannt, steuert unpeinlichen Gesang bei, <span class="musik-review-bandname">Toby Driver</span> hält sich diesmal etwas zurück. Wieder anders ist „Smoke-Scented Mycelium“: Das Schlagzeug stolpert vorwärts, im Hintergrund verzerren Geigen. Es gibt keinen offensichtlichen Refrain, das Warten darauf schürt in beachtlichem Maße die Spannung. Mit ähnlicher Technik, wir erinnern uns, arbeiteten <em>früher</em> auch <span class="musik-review-bandname">maudlin of the Well</span>. Apropos „früher“: Ich höre hier auch Anklänge an <span class="musik-review-bandname">Nico</span>. Ein tiefes Danke demjenigen, der mir erklären kann, warum.</p>
<p>Mit dem <span class="musik-review-bandname">nickcaveesquen</span> „The Knot“, mit gerade mal 4:12 Minuten Laufzeit dem kürzesten Stück auf „They Are the Shield“, klingt das Album aus und fast wieder an. Das einzig Willkommene an digitalen Darreichungsformen ist bekanntlich, dass man nicht so lange warten muss, um wieder von vorn anzufangen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Leider nur als CD und Stream gibt es „They Are the Shield“ <a href="https://blood-music.bandcamp.com/album/they-are-the-shield" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu kaufen, Vinyl gibt <a href="https://www.amazon.de/They-Are-Shield-Vinyl-LP/dp/B07FVFKLKZ?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> her. Kunden von <a href="https://tidal.com/album/93282897" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> werden auch bedient.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/julia-holter-aviary.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_julia-holter-aviary.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Julia Holter – Aviary</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Julia Holter</span>, ungefähr in meinem Alter, ist eine US-amerikanische Musikerin mit theoretischer Ahnung von („Sie selbst machte ihren Abschluss in Elektronischer Musik am California Institute of the Arts“, Wikipedia) und praktischer Erfahrung mit Musik: „Aviary“ ist ihr inzwischen achtes Studioalbum.</p>
<p>Es war auch wirklich höchste Zeit, das Album (das es immerhin auch als Doppel-LP gibt) ist mit fast 90 Minuten an Musik sozusagen randvoll; und keine Minute ist verschwendet. Von einer Autorin des „Guardian“ wurde das hier Gehörte in die Nähe der sowieso unerreichten <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span> gerückt, weil es mitunter <em>dröhne</em>, aber das ist selbst im Vergleich zu meinen eigenen Vergleichen, die ich manchmal ziehe, zu wenig hilfreich. <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span> haben ja nie Musik gemacht, die man guten Gewissens <em>widerspenstigen Kammerpop</em> nennen könnte.</p>
<p>„Aviary“ hingegen klingt genau so, wie man sich <em>widerspenstigen Kammerpop</em> vorstellen sollte: Schon vom ersten Moment an („Turn the Light On“) durchsetzt eine ordentliche <em>Portion</em> an RIO/Avant die <em>eigentlich</em> sanfte Musik. Das ausgelutschte, abgeklapperte, durchgenudelte <em>(kann fortgesetzt werden)</em> Imaginärgenre „Singer/Songwriter“, obwohl’s ja nur eine Tätigkeitsbeschreibung ist, lernt hier endlich eine neue Nuance kennen. Nicht schlecht. „I Shall Love 2“, das überraschend in der Albumsabfolge vor „I Shall Love 1“ steht, und „Words I Heard“ waren, wie herauszufinden ist, Singles zu diesem Album. Schade, dass die meisten Radiosender so verschnarcht sind. Die Lieder aber wirken unruhig, als fürchteten sie einen heraufziehenden Sturm. Gelegentlich („Chaitius“) rufen Orgelklänge eine sakrale Stimmung hervor, dann klingt „Aviary“ fast wie eine rauschfreundlichere Variante von <span class="musik-review-bandname">Anna von Hausswolff</span>. Ihre sechs Mitmusiker (überwiegend Streicher und Bläser) leisten gute Arbeit, das sind hier keine Instrumente zum bloßen Selbsterhalt, das ist feine Kunst. Die deutsche Bezeichnung für ein <em>aviary</em> ist „Vogelhaus“. Der Rabe ist hier aber näher als der Papagei. <em>Nimmermehr.</em></p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Außer auf <a href="https://juliaholter.bandcamp.com/album/aviary" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> – allmählich mache ich mir Sorgen darum, was passiert, wenn Bandcamp mal die Tore schließt – ist „Aviary“ auch auf <a href="https://tidal.com/album/97398667" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu hören und auf <a href="https://www.amazon.de/Aviary-Heavyweight-2lp-Mp3-Vinyl/dp/B07GVX9BSX?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu kaufen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/me-el-ma-bowing-crosses.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_me-el-ma-bowing-crosses.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Me El-Ma – Bowing Crosses</span>
<p>In den 1970-er Jahren, so viel erfährt man aus halbwegs sicheren Quellen, war <span class="musik-review-bandname">Me El-Ma</span>, ein israelischer Schlagzeuger, in der Progressive-Rock-Gruppe <span class="musik-review-bandname">Atmosphera</span>, die <em>legendär</em> gewesen sei, von der ich aber trotzdem bisher nichts kenne, aktiv. Anschließend verschlug es ihn zunächst zu anderen Musikern, dann nach Deutschland und 2002 schließlich wieder zurück nach Israel, wo er immer noch aktiv ist. „Bowing Crosses“ dürfte also ein Soloalbum – mit Gesang von <span class="musik-review-bandname">Virja</span>, was ein Frauenname zu sein scheint – sein.</p>
<p>Im Onlineforum „Progressive Ears“ wurde darüber spekuliert, dass „Virja“ stattdessen auch „VirJA“, virtueller <span class="musik-review-bandname">Jon Anderson</span> also, heißen könnte. Die gesangliche Nähe zwischen <span class="musik-review-bandname">Virja</span> und besagtem früherem Sänger von <span class="musik-review-bandname">Yes</span> möchte ich auch gar nicht abstreiten, obwohl ich nicht so weit wie einige Diskussionsteilnehmer gehen würde, die hier eine Personalidentität annehmen. Gerade das fünfminütige „Please do as You please“ – Großschreibung anscheinend beabsichtigt – wäre auf „Relayer“ <em>seinerzeit</em> kaum aufgefallen, obwohl <span class="musik-review-bandname">Me El-Ma</span> rhythmisch noch über die Experimente der offensichtlichen Vorbilder hinausgeht; und immer nur so weit, dass es noch nicht zu viel des Guten wird. Das muss man heutzutage ja auch mal positiv anmerken.</p>
<p>Bei den Vorbildern für seine Polyrhythmik scheint sich der Musiker vielmehr bei den 90er-„ProjeKcts“ von <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> („Perception Perfection Satisfaction“, Titelstück „Bowing Crosses“) zu bedienen. Vieles ist recht technisch, kühl und <em>geradezu Kopf verdrehend</em> verworren – nicht ohne sich selbst wieder aufzulösen. Dafür braucht man mehr als bloß einen Kopfhörer, dafür braucht man <em>Talent</em>; und gerade in Kombination mit dem Gesang, den <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> selbst nur auf dem Album „Lizard“, auf dem <span class="musik-review-bandname">Jon Anderson</span> selbst gastierte, in dieser Weise in ihre damals noch weniger ausgereiften Arrangements einfließen lassen konnte, ist das trotz der Wiedererkennungen ein überraschend originelles Werk geworden, von denen es klar zu wenige gibt.</p>
<p>Für „mehr vom selben“ ist er sich selbst in Albenlänge zu schade: Wenn er nicht gerade avantgardesque Rockspektakel veranstaltet, spielt <span class="musik-review-bandname">Me El-Ma</span> in den ruhigeren Momenten („Eternity Heart“) auch mal Artpop – und auch das großartig: Es guckt mal <span class="musik-review-bandname">David Bowie</span>, mal <span class="musik-review-bandname">Kate Bush</span> um die Ecke. Anderen Bands nachzueifern ist unkreativ? Theoretisch ja, praktisch kann es begeistern. Wenn schon „klingt wie…“, dann wie „Bowing Crosses“!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://meelma.bandcamp.com/album/bowing-crosses" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> scheint zurzeit die alleinige Vertriebsplattform für „Bowing Crosses“ zu sein (und bietet leider nur die „digitale“ Version ohne Tonträger an).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/earth-ship-resonant-sun.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_earth-ship-resonant-sun.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Earth Ship – Resonant Sun</span>
<p>Kommen wir nun zu etwas völlig anderem.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Earth Ship</span> waren auch schon mal in Deutschland und sind es wahrscheinlich auch immer noch, denn es handelt sich um ein Berliner Trio (Gitarre/Gesang, Schlagzeug, Bass). „Resonant Sun“ ist ihr inzwischen fünftes Album und sicherlich kein schlechtes, sofern man mit stark verzerrten Gitarrenriffs und ungestümem „Gebrüll“, wie man es früher nannte, kein großes Problem hat: <span class="musik-review-bandname">Earth Ship</span> sind eine technisch versierte Sludgeband und haben nicht vor, das zu verstecken. Auf dem Coverbild macht ein Wolf im Kapuzenpulli ein <em>selfie</em> von sich. Versteh‘ ich nicht.</p>
<p>Dass das Album mit „A Handful of Flies“, einem, um es zurückhaltend auszudrücken, schwer zu schlagenden Stück, beginnt, ist vielleicht der einzige Kritikpunkt, denn die anderen sieben (bis neun) Stücke erreichen dessen Qualität nicht ganz, aber der musikalische Kern bleibt erhalten: Wahnwitzige Gitarrensoli und selten <em>cleaner</em>, meist heiser geschriener Gesang liegen über basslastigem Stoner-Metal mit wenig Doomeinsatz. Die Zahl der enthaltenen Liedlein ist abhängig vom Format, in der „digitalen Version“ ist unter anderem auch eine (wenig bereichernde) Coverversion von „Children of the Revolution“ enthalten, die ich nach Konsum (nicht: Genuss) für verzichtbar halte. Konzentrieren wir uns aber auf das Gute, nämlich auf die <em>Grundausstattung</em> von „Resonant Sun“, so bleibt genug übrig, was es <a href="https://www.xxl-rock.com/index.php/reviews/5977-earth-ship-resonant-sun.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">zu würdigen gilt:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>(…) wummernder E‑Bass trifft auf dynamisches Schlagzeugspiel trifft auf sägende Gitarren trifft auf beinharte Reibeisenstimme.</p></blockquote>
<p>Wohl dem, der jetzt trotzdem nicht an <span class="musik-review-bandname">Torfrock</span> denkt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://www.amazon.de/Resonant-Sun-Earth-Ship/dp/B07H5GH8SF?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es Hörproben, wie auch auf <a href="https://tidal.com/album/94834367" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sind die zuvor erwähnten Bonustitel hier verfügbar. Nur <a href="https://earthship.bandcamp.com/album/resonant-sun" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> lässt sie weg. Ich enthalte mich einer Wertung.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/piniol-bran-coucou.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_piniol-bran-coucou.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">PinioL – Bran Coucou</span>
<p>Apropos Metal – oder doch nicht? Ich bin jedenfalls ein bisschen enttäuscht von mir: Ich hatte angenommen, ich hätte zu <span class="musik-review-bandname">PoiL</span> in der Vergangenheit schon etwas geschrieben, dem scheint aber nicht so zu sein.</p>
<p>Dann hole ich das kurz nach: <span class="musik-review-bandname">PoiL</span> ist ein französisches Trio, das bis 2014 drei an <em>schrägem</em> Avant-Zeuhl reiche Studioalben, danach die ersten beiden Studioalben noch mal zusammen („L’ire des papes / Dins o cuol“) veröffentlicht hatte. Anschließend taten sich die drei Herren mit dem einheimischen Quartett <span class="musik-review-bandname">ni</span>, das bisher nur ein einziges „volles“ Album („Les insurgés de Romilly“, 2015) mit <a href="https://niiii.bandcamp.com/album/les-insurg-s-de-romilly-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ähnlich verrückter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Musik veröffentlicht hatte, zusammen und nennen sich in dieser Formation <span class="musik-review-bandname">PinioL</span>, was zwar unvernünftig ist, weil die Reihenfolge der Buchstaben nicht mehr stimmt, aber wenigstens <em>ganz gut</em> klingt. In dieser Formation nennen sich die Musiker ein „abscheuliches Monster, das vor nichts Angst hat“. Puh!</p>
<p>Unvernünftig, aber <em>ganz gut</em> klingend ist das hier Gehörte insgesamt und sowieso, was so weit geht, dass selbst der französische (das ist doch Französisch, oder?) Gesang sich hier nicht mal in der Scatform scheiße anhört. Das eröffnende „Pilon Bran Coucou“, das anscheinend also als „Titelstück“ durchgehen könnte, wiegt den Rezensenten zwar erst mal in Sicherheit, indem <span class="musik-review-bandname">PinioL</span> eine sich steigende Krautrocksalve im Stil einer leider so nie passierten Allianz von <span class="musik-review-bandname">Neu!</span> mit <span class="musik-review-bandname">Faust</span> abfeuern, bevor sie einen abrupten Wechsel in eine Art 80er-Avantdisco vollziehen, die auch später („Mimolle“) noch mal aufgegriffen wird. Ganz schön viel „Avant“ für ein Album? Ja, eben! – Wer bei dieser Beschreibung an vergleichbar <em>irre</em> französische Musikgruppen denkt, dem kann ich versichern, dass er damit nicht allein ist. Mir kommen sowohl <span class="musik-review-bandname">Pryapisme</span> als auch <span class="musik-review-bandname">Sebkha-Chott</span> in den Sinn, allerdings zeigen sich <span class="musik-review-bandname">PinioL</span> weniger an Brachialität interessiert als Letztgenannte. An Gitarren ist „Bran Coucou“ dennoch nicht arm, in Stücken wie das vierzehnminütige Mathcore-Brett „Shô Shin“ oder dem nur zum Schein erfreulich <em>jazzrockigen</em> „François 1er“ bekommt die doppelte Rockbandbesetzung (zwei Gitarren, zwei Bässe, zwei Schlagzeuge, sechs Mikrofone, ein Keyboard) hinreichend viel Gelegenheit, die unvergessenen <span class="musik-review-bandname">The Dillinger Escape Plan</span> nicht mehr ganz so schmerzlich vermissen zu lassen, was sogar vorübergehend gelingt. Direkt vorm Einschlafen sollte man es aber wahrscheinlich trotzdem nicht hören. <em>Meine Nerven!</em></p>
<p>Ob das <em>Projekt</em> <span class="musik-review-bandname">PinioL</span> von Dauer sein wird, ob es also zu weiteren Alben kommen wird, wird sich zeigen müssen. Für kommenden März wollen <span class="musik-review-bandname">ni</span> erst einmal wieder allein eines <em>rausbringen</em>. Mindestens das empfehle ich jedenfalls genauestens zu beobachten; und „Bran Coucou“ natürlich auch. Im kommenden April treten die zweieinhalb Bands in Berlin sozusagen <a href="https://www.songkick.com/festivals/2805509-das-hintertreffen/id/36437709-das-hintertreffen-2019" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">zusammen auf<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Das könnte interessant werden.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Bran-Coucou-PinioL/dp/B07BWS18S1?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (natürlich), <a href="https://tidal.com/album/86842414" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (natürlich), <a href="https://piniol.bandcamp.com/album/bran-coucou" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (natürlich).</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/soft-machine-hidden-details.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/12/Vorschau_soft-machine-hidden-details.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Soft Machine – Hidden Details</span>
<p>Vor fünfzig Jahren, 1968 also, veröffentlichten die nach dem visumsbezogenen Ausstieg <span class="musik-review-bandname">Daevid Allens</span> vorübergehend zum Trio gewordenen <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span>, neben <span class="musik-review-bandname">Caravan</span> eine der beiden Nachfolgebands der <span class="musik-review-bandname">Wilde Flowers</span>, ihr Debütalbum, das sich musikalisch im Psychedelic Rock verorten ließ und damit <em>damals</em> ganz dem Zeitgeist entsprach. Aufgrund vertraglicher Verpflichtungen fanden sie sich anschließend für weitere Alben zusammen, wechselten aber mehrfach die Besetzung. Der hierbei größte Einschnitt war vermutlich die Trennung von <span class="musik-review-bandname">Robert Wyatt</span>, der nach dem vierten Album <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span> verließ, deren zusehends jazzorientiertere Ausrichtung (ohne Gesang) er als sangesfreudiger Schlagzeuger nicht mehr unterstützen wollte, und <span class="musik-review-bandname">Matching Mole</span> gründete, was ein Wortspiel mit „machine molle“ und gar nicht mal so blöd ist. Im Juni 1973 fiel er aus einem Fenster und seitdem gibt es <span class="musik-review-bandname">Matching Mole</span> nicht mehr.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span> haben aber bis heute weiter gemacht, wenn auch unter wechselnden Namen, die allesamt mit „Soft“ begannen. Obwohl das letzte Gründungsmitglied <span class="musik-review-bandname">Mike Ratledge</span> bereits während der Aufnahmen zu „Softs“ (1976) die Band verlassen hatte, nannte man sich irgendwann <span class="musik-review-bandname">Soft Machine Legacy</span> und seit 2015 schließlich wieder <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span>. Das <em>dienstälteste</em> Mitglied <span class="musik-review-bandname">John Marshall</span> saß immerhin seit 1971 für mehrere <em>Versionen</em> der Gruppe an Schlagzeug und Perkussion, was ja im Jahr 2018 doch schon erwähnenswert ist. „Hidden Details“ ist also das erste Studioalbum unter dem Namen <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span> seit dem mauen „Land of Cockayne“ von 1981; damals bestand die Band aus <span class="musik-review-bandname">John Marshall</span> und <span class="musik-review-bandname">Karl Jenkins</span>, die beide vor ihrem Beitritt bei den leider inzwischen aufgelösten <span class="musik-review-bandname">Nucleus</span> spielten.</p>
<p>Wer die Bandgeschichte hinreichend aufmerksam verfolgt hat, der ahnt inzwischen vermutlich, wie „Hidden Details“ wohl klingt: Seit spätestens 1971 steht den <em>Jazzern</em> bei <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span> kein Gegengewicht mehr entgegen, sie können sich also nach Herzenslust austoben. „Hidden Details“ ist ein <em>solides</em> instrumentales Jazzrockalbum mit – dem auch schon seit Jahrzehnten aktiven Bassisten <span class="musik-review-bandname">Roy Babbington</span> sei Dank – viel <em>groove</em>, das die Wurzeln der Band in Ehren hält. Ob in der mal quirligen, mal („Ground Lift“) flehenden Gitarre, ob in den gelegentlich avantgardistischen „experimentellen“ Ausbrüchen („Life on Bridges“), an denen Saxophonist/Flötist/Pianist <span class="musik-review-bandname">Theo Travis</span> (zuvor unter anderem bei <span class="musik-review-bandname">Gong</span> und diversen Projekten von <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span>, derzeit auch bei <span class="musik-review-bandname">The Tangent</span> aktiv) womöglich nicht <em>unschuldig</em> ist: der <em>canterbury sound</em> begleitet „Hidden Details“ ohne Unterlass. Die Brücke zum Altwerk schlagen Neueinspielungen von „The Man who Waved at Trains“, ursprünglich auf „Bundles“ von 1975 erschienen, und „Out-Bloody-Rageous“ vom fantastischen „Third“ (1970). Abgerundet wird das Album nicht zuletzt von dem von <span class="musik-review-bandname">Theo Travis</span> und dem dritten Altmitglied <span class="musik-review-bandname">John Etheridge</span>, immerhin seit 1975 <em>an Bord</em>, geschriebenen Bonusstück „Night Sky“, das, sanft und ausladend Sonnenaufgangslandschaften malend, das (wenigstens „digitale“) Album abschließt.</p>
<p>Was wir hier haben, ist also sicherlich nicht das schlechteste aller Alterswerke. Besondere Überraschungen im Jazzrock zu erwarten wäre inzwischen kaum noch von Erfolg gekrönt, aber wer mit dieser Spielart der Musik etwas anfangen kann, der ist bei <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span> im Jahr 2018 so gut aufgehoben wie seit langer Zeit nicht mehr. Das ist doch auch mal schön.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Man ist nie zu alt für <a href="https://softmachine-moonjune.bandcamp.com/album/hidden-details-hd" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>; und für <a href="https://www.amazon.de/Hidden-Details-Soft-Machine/dp/B07FRLXYPF?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/album/92364494" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sowieso nicht.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Domadora – Lacuna</span>
<p>Auf dem diesjährigen Studioalbum der Franzosen gibt es funkelnden <em>heavy psych</em> in ausladender Jamform mit angriffslustiger Gitarre zu hören, dessen einziger Negativpunkt zu sein scheint, dass ich ihn noch nicht live erleben konnte; aber Konserve ist ja auch mal schön. <a href="https://domadora.bandcamp.com/album/lacuna" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Yuka &amp; Chronoship – Ship</span>
<p>Eines der besten Symphonic-Prog-Alben des ausklingenden Jahres 2018 legt <em>ausgerechnet</em> die japanische Gruppe um Sängerin und Keyboarderin <span class="musik-review-bandname">Yuka Funakoshi</span> vor, die auf dem Konzeptalbum über die Argonautensage alle Register zwischen <span class="musik-review-bandname">Camel</span> und <span class="musik-review-bandname">Rush</span> zu ziehen imstande ist. <a href="https://www.amazon.de/Ship-Yuka-Chronoship/dp/B07BF248C1?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Car Crash Weather – Secondary Drowning</span>
<p>Weitgehend instrumentaler Progressive Metal mit mal bretternden, mal sinfonischen, in „The End“ sogar stark von New Wave beeinflussten Eindrücken, die bleiben. <a href="https://carcrashweather.bandcamp.com/album/secondary-drowning-album" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Umphrey’s McGee – It’s Not Us</span>
<p>Wer (wie ich) <em>tanzbarer</em> Indie-Rock-Musik aus kulturell sonst eher abgehängten Staaten etwas abgewinnen kann und ganzjährig nichts gegen die mittels ihrer entstandene gute Laune einzuwenden hat, der ist auch im Winter mit „It’s Not Us“ mit Sicherheit glücklich zu machen. <a href="https://www.amazon.de/its-not-us-Umphreys-McGee/dp/B076J6S2XL?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Automatism –  From The Lake</span>
<p>Auf „From The Lake“, dem aktuellen Musikalbum des Stockholmer Quartetts <span class="musik-review-bandname">Automatism</span>, ist im Studio improvisierter, jedoch leider nachbearbeiteter, stellenweise recht <em>dreckiger</em> und rundum gelungener Psychedelic Rock ohne jeden Gesang, dafür mit drei Gastmusikern, zu hören. <a href="https://automatismband.bandcamp.com/album/from-the-lake" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Argos – Unidentified Dying Objects</span>
<p>Dass der Canterbury noch nie für überragende Sänger bekannt war, kommt den deutschen Ausnahmetalenten <span class="musik-review-bandname">Argos</span> nur gelegen, die auf ihrem fünften Studioalbum „Unidentified Dying Objects“ <em>eigentlich</em> auch nur das machen, was sonst auch machen (nämlich guten Canterbury Style mit dem szenetypischen Humor hervorbringen), das aber in noch immer steigender Qualität und gleichbleibender Freude am Spiel. <a href="https://argos.bandcamp.com/album/unidentified-dying-objects" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Homunculus Res – Della stessa sostanza dei sogni</span>
<p>Ebenfalls Canterbury, diesmal jedoch mit nicht mal furchtbarem, sondern sehr angenehm melodischem, teilweise sogar mehrstimmigem Gesang in der Landessprache, bringen <span class="musik-review-bandname">Homunculus Res</span> aus Italien mit, wobei sie zweifelsohne auch das Gesamtwerk von <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span> und <span class="musik-review-bandname">Caravan</span> mindestens schon mal gehört haben. <a href="https://homunculusres.bandcamp.com/album/della-stessa-sostanza-dei-sogni" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">a broken sail</span>
<p>Die allsemestrige Dosis Postrock vervollständigt am Ende des Jahres 2018 das Debütalbum des australischen Instrumentalquartetts <span class="musik-review-bandname">a broken sail</span>, das die Welt in fünf Stücken zwischen zwei und zwölf Minuten Länge – leider momentan nicht als physischer Tonträger zu haben -, die Titel wie „tall buildings collide“ (2018 geht das endlich wieder) tragen, um langsam dahintreibenden Shoegaze mit wärmend fließendem Bass bereichert. <a href="https://abrokensail.bandcamp.com/album/a-broken-sail" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Interpol – Marauder</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Interpol</span>, eine dieser erst vor wenigen Jahren populären Indie-Rock-Bands mit schneidenden Gitarrenmelodien, gehört zu den weniger verwüstlichen ihrer Gattung und beeindruckt 2018 mit ihrem immerhin sechsten Studioalbum „Marauder“, auf dem selbst einem Holzohr wie mir sich schwer entzieht, warum <span class="musik-review-bandname">Joy Division</span> ein häufig gewählter Vergleich bei denen sind, die beruflich gern Bands miteinander vergleichen. <a href="https://www.amazon.de/Marauder-Vinyl-LP-Interpol/dp/B07DL8GHJK?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Art Brut – Wham! Bang! Pow! Let’s Rock Out!</span>
<p>In gewohnt exaltierter Manier singt <span class="musik-review-bandname">Eddie Argos</span> gelegentlich beziehungs‑, oft – zum Teil <em>sogar</em> auf Deutsch – berlinbezogene Lieder voller Selbstreferenzen („She Kissed Me (And It Felt Like a Hit)“), begleitet von einer wieder einmal umbesetzten Band, die mit unverminderter Spielfreude die bandeigene Vorstellung von <em>Indie-Rock</em> nicht bloß spielen, sondern <em>leben</em>: <span class="musik-review-lyrics-inline">„Everyone’s lookin‘ at the ticket machine / like it’s the most complicated thing that they’ve ever seen“</span>, hihi. <a href="https://www.amazon.de/Wham-Bang-LetS-Rock-Vinyl/dp/B07HGJJD39?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
</ol>
<p>So viel zu diesem Jahr. Und früher?</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Gutes von gestern.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor vierzig Jahren</span> erschien neben dem Debütalbum der damals noch enorm produktiven Sängerin <span class="musik-review-bandname">Kate Bush</span> auch das <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/09/kurzkritik-babylon/" data-wpel-link="internal">einzige Album</a> der Band <span class="musik-review-bandname">Babylon</span>, die in einer Zeit des vorübergehend sterbenden Progressive Rocks vielleicht einfach nur zu spät dran waren; andererseits blieb ihnen so ein Schicksal als schreckliche 80er-Popband erspart, wie es anderen zeitgenössischen Gruppen, darunter <span class="musik-review-bandname">Yes</span>, deren schlimm benanntes <span class="musik-review-album-titel">Tormato</span> schon den folgenden Ärger erahnen ließ, leider widerfahren ist. Die französische Zeuhl-Institution <span class="musik-review-bandname">Magma</span> war mit <span class="musik-review-album-titel">Attahk</span> immerhin auch schon auf dem Weg dorthin, kam einem endgültigen Versumpfen aber mit ihrer Auflösung zuvor.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor dreißig Jahren</span>, die „neue deutsche Welle“ blühte fröhlich vor sich hin, sang der später als (großartiger) Schriftsteller bekannt gewordene <span class="musik-review-bandname">Max Goldt</span> als Teil des Duos <span class="musik-review-bandname">Foyer des Arts</span> auf dem Album <span class="musik-review-album-titel">Ein Kuss in der Irrtumstaverne</span> unter anderem von dem Zusammenspiel von Penis und Vagina, was manche (hier: mich) bis heute amüsiert. Seriöser ging es bei <span class="musik-review-bandname">Terminal Cheesecake</span> zu, deren EP <span class="musik-review-album-titel">Bladdersack</span> nicht nur den Grundstein für ihre Karriere, sondern auch den für Wiiija Records legte, die danach unter anderem auch <span class="musik-review-bandname">Therapy?</span> bekannt machten und heute trotzdem nicht mehr existieren. So schnell kann’s gehen.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor zwanzig Jahren</span> war <em>der Prog</em> zwar schon beerdigt, erfreute sich im Untergrund aber noch bester Gesundheit: <span class="musik-review-bandname">Fred Frith</span> etwa, einer der Gründer von <span class="musik-review-bandname">Henry Cow</span>, ließ sich nach deren Trennung in New York nieder und nahm an ungezählten musikalischen Projekten teil, darunter an der von ihm gegründeten Experimentalgruppe <span class="musik-review-bandname">Massacre</span> (nicht mit der gleichnamigen Death-Metal-Band zu verwechseln), die 1998 schließlich ihr zweites Studioalbum <span class="musik-review-album-titel">Funny Valentine</span> veröffentlichte. Sein Landsmann und zeitweiser Mitmusikant <span class="musik-review-bandname">Robert Wyatt</span> – der mit dem Fenster – blieb in Europa, sang und blechblies gelegentlich für andere Kollegen und überraschte <em>den Markt</em> mit einer Neuabmischung seines Albums <span class="musik-review-album-titel">Dondestan</span> von 1991 namens <span class="musik-review-album-titel">Dondestan (revisited)</span>. Während Musik aus Deutschland 1998 <span class="musik-review-album-titel">Kraut &amp; Rüben</span> (<span class="musik-review-bandname">WIZO</span>) blieb, brachten auch die Finnen es auf beachtliche Leistungen: Mit ihrem eigentlichen Debütalbum <span class="musik-review-album-titel">Pingvin</span> machten <span class="musik-review-bandname">Ektroverde</span>, wie erstaunlich viele andere finnische Bands auch ein Nebenprojekt von <span class="musik-review-bandname">Circle</span>, mit ihrem jazzgefärbten Postrock von sich reden. Dass seit 2003 kein neues Album mehr von ihnen erschienen ist, lässt aber leider nicht auf weitere Aufnahmen hoffen.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor zehn Jahren</span> – apropos Postrock – stand selbiger in voller Blüte: Nicht nur die famosen <span class="musik-review-bandname">Sigur Rós</span> bereiteten mir, wie schon <a href="https://tuxproject.de/blog/2008/12/musik-122008-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">damals erläutert</a>, mit ihrem ungewöhnlichen <span class="musik-review-album-titel">Með suð í­ eyrum við spilum endalaust</span> Vergnügen, auch <span class="musik-review-bandname">Misuse</span> (inzwischen anscheinend inaktiv), <span class="musik-review-bandname">Maybeshewill</span> (inzwischen leider aufgelöst) und <span class="musik-review-bandname">Russian Circles</span> (immerhin noch existent) spielten mit neuen Alben auf. Am anderen Ende der Skala debütierte die Post-Hardcore-Band <span class="musik-review-bandname">La Dispute</span> mit <span class="musik-review-album-titel">Somewhere at the Bottom of the River Between Vega and Altair</span>, mittendrin bahnte sich das, was regelmäßig „Indie“ genannt wird, als sei das eine Stilbeschreibung, seinen Weg: <span class="musik-review-bandname">Konstantin Gropper</span> setzte als <span class="musik-review-bandname">Get Well Soon</span> mit <span class="musik-review-album-titel">Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon</span> Nuancen, <span class="musik-review-bandname">Stephen Malkmus</span> (vorher bei <span class="musik-review-bandname">Pavement</span>) nahm gleich zwei Alben auf, nämlich <span class="musik-review-album-titel">Real Emotional Trash</span> mit den <span class="musik-review-bandname">Jicks</span> und <span class="musik-review-album-titel">Lookout Mountain, Lookout Sea</span> mit den <span class="musik-review-bandname">Silver Jews</span>. Auf ein Album, nämlich <span class="musik-review-album-titel">Narrow Stairs</span>, beschränkten sich <span class="musik-review-bandname">Death Cab for Cutie</span>. Der Autor dieser Zeilen nutzte das Jahr weniger sinnvoll und fing bereits <a href="https://tuxproject.de/blog/2008/06/musik-2008-favoriten-und-analyse-1/" data-wpel-link="internal">im Juni</a> mit diesen Jahresrückschauen an. Das haben wir jetzt alle davon.</li>
</ul>
<p>Das soll erst mal reichen. Ich bitte wie üblich um weitere Empfehlungen und wünsche ansonsten eine gute Reise – ich warte hier.</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2019/07/musik-06-2019-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Musik 06/2019 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/12/musik-12-2018-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">11. Juli 2019</a> dies: […] Dezember 2018 befand ich „Bran Coucou“, das anscheinend bisher einzige Album von PinioL, für angenehm […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/12/musik-12-2018-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/239ee49f351c456d9428d7331290586e" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Musik 06/2018 – Favoriten und Analyse</title>
		<link>https://tuxproject.de/blog/2018/06/musik-06-2018-favoriten-und-analyse/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Jun 2018 17:20:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Kaum ist es mal schier unerträglich warm geworden, schon ist wieder ein halbes Jahr vorbei. Das kann nur eines bedeuten: Es ist wieder Zeit für die besten Musikalben des ersten Halbjahres 2018. Dass seit der letzten Rückschau sowohl Mark E. Smith und mit ihm wohl auch The Fall als auch Dennis Edwards (The Temptations) und ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2018/06/musik-06-2018-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 06/2018 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum ist es mal schier unerträglich warm geworden, schon ist wieder ein halbes Jahr vorbei. Das kann nur eines bedeuten: Es ist wieder Zeit für die <span class="musik-intro-hervorhebung">besten Musikalben des ersten Halbjahres</span> 2018. Dass seit der letzten Rückschau sowohl <span class="musik-review-bandname">Mark E. Smith</span> und mit ihm wohl auch <span class="musik-review-bandname">The Fall</span> als auch <span class="musik-review-bandname">Dennis Edwards</span> (<span class="musik-review-bandname">The Temptations</span>) und <span class="musik-review-bandname">Jon Hiseman</span> (<span class="musik-review-bandname">Colosseum</span>, <span class="musik-review-bandname">Colosseum II</span>, <span class="musik-review-bandname">JCM</span>) sich für immer aus der Musik und voraussichtlich auch aus der Welt der Lebenden verabschiedet haben, mahnt zur Eile. Wer weiß, wie viele Künstler sterben, während ich dies hier schreibe?</p>
<p>Sicherheitshalber griff ich der Liste bereits vor: Die aktuellen Studioalben von <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/03/kurzkritik-awakebutstillinbed-what-people-call-low-self%e2%80%8b-%e2%80%8besteem-is-really-just-seeing-yourself-the-way-that-other-people-see-you/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">awakebutstillinbed</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/05/kurzkritik-messa-feast-for-water/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Messa</span></a> und den beiden <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/05/kurzkritik-david-cross-david-jackson-another-day/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Davids Cross und Jackson</span></a> bleiben Teil der diesjährigen Empfehlungen, auch das Debütalbum „Danger Dance“ von <span class="musik-review-bandname">Noseholes</span>, deren titellose EP mich <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/01/kurzkritik-noseholes-ep/" data-wpel-link="internal">Anfang Januar</a> zu einer Rezension veranlasste, ist erwartungsgemäß gut geworden.</p>
<p>Was sonst noch los war, folgt sofort.</p>
<p><span id="more-14112"></span><span class="musik-review-header-nr">1.</span> <span class="musik-review-header-text">Hören, was gut ist.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/mol-jord.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_mol-jord.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">møl – JORD</span>
<p>Zu Beginn gilt es, erst mal die Gehörgänge freizublasen. Hierfür bieten sich <span class="musik-review-bandname">møl</span> aus Dänemark eigentlich an.</p>
<p>Auf ihrem ersten Vollzeit-Studioalbum „JORD“ – voraus gingen zwei EPs – ignoriert das Quintett gekonnt die vermeintliche Genregrenze zwischen Postrock und Black Metal, was mich als Genreignoranten in mehrfacher Hinsicht erfreut. <em>Im Internet</em> ist von „Blackgaze“ als Genre die Rede und spätestens hier sollten auch Verfechter einfachster Schubladisierung erkennen, dass ihr Treiben mitunter grotesk wirkt.</p>
<p>Zu Beginn („Storm“) höre ich auch tatsächlich erst einmal Postrock, bevor unversehens das Gewitter losbricht. Im späteren Verlauf des Albums („Ligament“) wird es immer mal wieder beachtliche Postrockmomente geben, dominant ist aber die Selbstbeschreibung der Band als „ein zerschmetterndes Nichts“. „Jord“ ist das dänische Wort für Erde, als erdig wäre das Album aber nur unzureichend beschrieben. Anderswo schrieb jemand, es handele sich um „rasendes Geschrammel mit dank Keyboard (…) orchestraler Note“ und das ist <em>verdammt richtig</em>.</p>
<p>Ich solle erwarten, am Jahresende „JORD“ auf vielen Album-des-Jahres-Listen zu finden, kündigte das britische Musikmagazin „noizze“ an. Ich greife dem hiermit um mehrere Monate vor, ich Punk.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Freundlicherweise (naja, eigentlich: wie beinahe schon üblich) stellen <span class="musik-review-bandname">møl</span> „JORD“ via <a href="https://moeldk.bandcamp.com/album/jord-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> für Kauf und Stream zur Verfügung.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/black-space-riders-amoretum-vol-1.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_black-space-riders-amoretum-vol-1.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Black Space Riders – Amoretum Vol. 1</span>
<p>Wir bleiben erst mal beim Krach. Die Münsteraner Hardrockcombo <span class="musik-review-bandname">Black Space Riders</span> ist langjährigen Lesern meiner Musikkritiken nicht unbekannt, schon <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">2015</a> befand ich, dass es bei dieser Band mitunter vieles zu entdecken gebe. Auch ihr fünftes Album „Amoretum Vol. 1“ – ich erkenne immerhin ein Muster in der Benennung ihrer Alben – ist von Flachheit weit entfernt. „Amoretum“ ist dabei ein Kofferwort aus den lateinischen Wörtern für die Liebe und den Garten. Soll es „Liebesgarten“ bedeuten? Auszuschließen ist es nicht.</p>
<p>Beim Hören von „Amoretum Vol. 1“ denke ich in Übereinstimmung mit den gelegentlich zu lesenden Vergleichen mit <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> an <span class="musik-review-bandname">Motörhead</span>: Die beiden weiterhin in der Band beschäftigten Sänger (ich konnte bisher nicht ermitteln, wer am Mikrofon nun wer ist), die beide auch die Keyboards bedienen, tragen hier heiseren Gesang, gelegentlich („Lovely lovelie“, „Fire! Fire! Death of a giant“) auch Growling bei. Auch sonst hat sich bis auf einen Wechsel am Bass nicht viel geändert: Unverändert gehen die Musiker einer Tätigkeit nach, die Freunde von Spacerock, Hardrock und Psychedelic Rock gleichermaßen erfreuen mag. Dass „Amoretum Vol. 1“ außerdem „tanzbar“ sei, ein Wort, das ich als Musiker als Beleidigung empfände, ist dabei eine dennoch zutreffende Feststellung.</p>
<p>Zumal sie, wenn sie nicht gerade hardrocken, newwaven: Aus der Vorbereitung für diese Rückschau entnehme ich eine Notiz meinerseits, dass ich außer an <span class="musik-review-bandname">Motörhead</span> auch an die <span class="musik-review-bandname">Smiths</span> gedacht habe, als ich „Amoretum Vol. 1“ hörte, und da ich sonst eigentlich nie an die <span class="musik-review-bandname">Smiths</span> denke, könnte das an diesem Album liegen.</p>
<p>Marek Protzak <a href="https://www.metal.de/reviews/black-space-riders-amoretum-vol-1-307272/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">schrieb:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Wer sich von der Musik der <span class="musik-review-bandname">BLACK SPACE RIDERS</span> irgendwas mit kathartischer Transzendenz und einen Fluchtweg in den Schlaghosen-Orbit erhofft, geht auch 2018 leer aus.</p></blockquote>
<p>Und das, um an ungeeigneter Stelle ein Politikerzitat anzubringen, ist auch gut so. „Amoretum Vol. 2“ soll jedenfalls noch 2018 erscheinen. Ich vermute, es wird großartig sein.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://blackspaceriders.bandcamp.com/album/amoretum-vol-1" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, versteht sich.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/anna-von-hausswolff-dead-magic.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_anna-von-hausswolff-dead-magic.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Anna von Hausswolff – Dead Magic</span>
<p><span class="musik-review-lyrics">„Who is she / to say goodbye?“</span> („The Mysterious Vanishing Of Electra“)</p>
<p>Vorläufig ist’s genug des Krachs, denn wenn man immer nur Krach hört, verliert man den Sinn für das Schöne. Dabei gibt es so viel mehr als Gitarrenriffs und Geschrei, zum Beispiel Pfeifenorgeln.</p>
<p>Eine solche, aufgrund ihrer Verwendung in Kirchen oft als sakral klingend wahrgenommen und hier tatsächlich in der Kopenhagener Marmorkirken herumstehend, ist das bevorzugte Instrument von <span class="musik-review-bandname">Anna von Hausswolff</span>, schwedische Sängerin, Pianistin und Künstlertochter, die seit 2010 ab und zu Alben veröffentlicht, die Namen wie „Ceremony“, „Singing from the Grave“ oder „Dead Magic“ tragen. Alles deutet auf Gothic Rock hin, aber bei Gothic Rock denke ich an <span class="musik-review-bandname">The Cure</span> und <span class="musik-review-bandname">HIM</span> und werde ein bisschen ungehalten.</p>
<p>Allerdings ist das auf „Dead Magic“, auf dem außer ihr neun weitere Musiker, darunter ihr Produzent <span class="musik-review-bandname">Randall Dunn</span>, überwiegend an Saiten‑, sonst an Tasteninstrumenten zu hören sind, Aufgenommene zur Beruhigung auch nur bedingt geeignet. Wie wiederkehrende Leser vielleicht inzwischen wissen, mag ich ja herausragende Stimmen, dabei ist das Genre beinahe zweitrangig. Selbst <span class="musik-review-bandname">Sarah Lesch</span>, einer, nüchtern betrachtet, auch nur wenig anstrengenden Schlagersängerin, kann ich aufgrund ihrer Stimme etwas abgewinnen. Und <em>verdammt</em>, <span class="musik-review-bandname">Anna von Hausswolff</span> ist wirklich gut darin, eine herausragende Stimme zu haben. Wer einen Vergleich haben möchte, der nehme <span class="musik-review-bandname">Kate Bush</span> ohne das überdrehte Quietschen ihrer frühen Alben, <span class="musik-review-bandname">Björk</span> ohne die fürchterliche Exaltiertheit ihrer sämtlichen Alben oder finde sich einfach damit ab, dass manche Stimmen einmalig scheinen.</p>
<p>In fünf Liedern, von denen zwei über zwölf Minuten lang sind, lässt die Inhaberin dieser Stimme ihr Talent brillieren; von sanft beruhigend über beschwingten Poprock („Ugly and Vengeful“) bis hin zur stimmlichen Begleitung <span class="musik-review-bandname">A Silver Mt. Zion</span> nicht unwürdigen Drone-Postrocks („The Truth, The Glow, The Fall“) ist auf „Dead Magic“ alles zu finden, immer begleitet von der Orgel, die das stimmlose „The Marble Eye“ sogar als einziges Instrument bestreiten darf. Dass das, was sie selbst „Begräbnispop“ nennt, von fröhlicher Popmusik weit entfernt sei, obwohl die Künstlerin in Interviews mitunter mitteilte, Aufnahmen ließen sie stets fröhlich zurück, möchte ich nicht bestreiten, wohl aber, dass das Album doch aufgrund der Instrumentierung und der Titel bestimmt ziemlich deprimierend klinge. Fast ist das Gegenteil der Fall. Gerade die erste Single „The Mysterious Vanishing Of Electra“, eigentlich ein Gedicht ihres längst verstorbenen Landsmannes Walter Ljungquist, sprudelt vor eigener Energie dermaßen über, dass sie auf den Hörer überspringt. Der ungemein extrovertierte Gesang, nicht nur für Verehrer <span class="musik-review-bandname">Courtney Swains</span> einen zweiten und dritten Hördurchlauf wert, tut sein Übriges. <em>Boah!</em> Waren die Vorgängeralben noch merklich zurückhaltender, greift <span class="musik-review-bandname">Anna von Hausswolff</span> hier in die Vollen und legt die sprichwörtliche Latte um etliche Meter höher.</p>
<p>Ich wage zu schreiben: „Dead Magic“ wird jedenfalls dort, wo es sich einfindet, ein einmaliges Album im noch jungen Jahr 2018 bleiben. Wer sonst wird es nicht nur wagen, sondern auch schaffen, aus einem <em>uncoolen</em> Instrument so ein prachtvolles und dabei noch konstantes Werk zu schaffen? Ich bin bewegt, man sehe es mir nach.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Zur erwähnten Single gibt es <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Nre0hcDz5TI" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ein Video<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, ansonsten wissen <a href="https://www.amazon.de/Dead-Magic-Vinyl-Anna-Hausswolff/dp/B077Y6RBTH?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://annavonhausswolffmusic.bandcamp.com/album/dead-magic" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/album/84187477" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu helfen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/pipapo-kristov-in-der-allee-der-kosmonauten.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_pipapo-kristov-in-der-allee-der-kosmonauten.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Pipapo – Kristov in der Allee der Kosmonauten</span>
<p>Als ich mich auf der Bandcampseite von <span class="musik-review-bandname">Turbine Stollprona</span> herumtrieb, um aufgrund ihrer Liedtitel („Jens Müller wollte unbedingt ihren Vater anrufen“, auf so was muss man ja auch erst mal kommen) das <a href="https://turbinestollprona.bandcamp.com/album/effekthascherei" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Album „Effekthascherei“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> genauer zur Kenntnis zu nehmen als zuvor, stieß ich dort auf weitere Namen von Musikgruppen ähnlichen Typs und anscheinend auch ähnlichen Humors. Unter diesen Gruppen sah ich <span class="musik-review-bandname">Pipapo</span> und war spontan amüsiert.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Pipapo</span> ist ein Leipziger Duo, bestehend aus einem Schlagzeuger und einem Gitarristen, und seine Musik ist rein instrumental. Ich würde trotz meines Holzohrs neben der genannten Besetzung außerdem einen Bass erkennen, jedoch ist darüber nichts überliefert. Ob die Besetzungsliste sonst überhaupt zutreffend ist, ist unklar, denn die Liste der Musiker, die die Lieder <em>gerecordet</em> haben, unterscheidet sich hinsichtlich der dort notierten Initialien sehr. Mit Liedtiteln wie „Ramo Zepol at Tankstelle Bockwurst“ und „Goofy is not a Metalband, ok?“ bin ich nichtsdestotrotz versucht, dem Duo komödiantisches Interesse nachzusagen, Texte zum Nachweis gibt es jedoch nicht. Woher der Titel des Albums stammt, ist mir unklar, das Berliner Studio, in dem es aufgenommen wurde, heißt jedoch „Allee der Kosmonauten“. Nur ein Kristov ist nicht auszumachen.</p>
<p>Auf die Ohren bekomme ich hier eine gelungene, von der Band „Mathrock“ genannte Melange aus Psychedelic Rock und Jazzrock, weitgehend instrumental dargeboten, obwohl gelegentlich undeutliche Rufe oder auch Lachen <em>(was is’n der Plural eines Lachens?)</em> ertönen, wobei die Musiker angeblich von einem sonst nicht weiter erwähnten <span class="musik-review-bandname">Juri K.</span> unterstützt werden. Das macht sich bestimmt gut im Lebenslauf. Es sind „math pop prog post chemistry“ <em>im Internet</em> herumliegende Stichwörter für „Kristov in der Allee der Kosmonauten“. Es folgere daraus, wer will, was er will.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Via <a href="https://pipapo.bandcamp.com/album/kristov-in-der-allee-der-kosmonauten" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es Kauf, Stream und T‑Shirts.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/plurals-tri-tone.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_plurals-tri-tone.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Plurals – Tri Tone</span>
<p>Zum Jahresende 2015 war ich <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">ungeahnt begeistert</a> von <span class="musik-review-bandname">Boris‘</span> überragendem Album „asia“. Ich hatte nicht angenommen, dass mich so bald noch mal ein Album so sehr fesseln würde. „Tri Tone“ von <span class="musik-review-bandname">Plurals</span> aus Südengland gibt sich trotzdem große Mühe, es zu schaffen.</p>
<p>Auf ihrer (nach liberaler Schätzung) siebzehnten Veröffentlichung „Tri Tone“, veröffentlicht erst im März 2018, sind <span class="musik-review-bandname">Plurals</span> – daher womöglich der Titel des Albums – erstmals zu dritt, eines ihrer Mitglieder scheint ihnen abhandengekommen zu sein. Wie sie es so lange geschafft haben, von mir nicht bemerkt zu werden, verstehe ich selbst nicht. Da habe ich was nachzuholen.</p>
<p>Aber erst einmal gilt es, den beim Musikgenuss eher lästigen Verstand abzuschalten, so gut es eben geht. Wie schon auf vorigen Alben sind auf „Tri Tone“ zwei Stücke, angeblich das Ergebnis dreistündiger aufgenommener Ideenfindung, zu hören, die jeweils über 23 Minuten lang sind und so beide LP-Seiten <em>ganz gut</em> füllen. Es gibt nur Vinyl oder Download. CD-Spießer sind hier nicht willkommen. Wer aber die Geduld für Vinyl hat, der wird belohnt. Überhaupt ist „Tri Tone“ sehr entschleunigend, wobei innig das wohl noch bessere Adjektiv ist. Die gespielten Drones lassen nicht viel <em>action</em> außer gelegentlichen Misstönen zu. „Bas Fond“, was auf Französisch <em>laut Internet</em> „unten“ heißt, baut sich langsam auf, begleitet von einem kammermusikalisch klingenden, grummelnd kratzenden Fundament werden den restlichen Instrumenten wenige Töne, diese dafür lange anhaltend, entlockt. Kein Schlagzeug, wofür auch? Dass <em>überhaupt nichts</em> passiere, ist allerdings eine Fehlannahme; die anschwellenden und abebbenden Töne, gerade auch gepaart mit dem durchdringenden Brummen, hinterlassen schon nach wenigen Minuten (bei mir waren es etwa acht) eine erstaunliche Gänsehaut, die die sich immer weiter verdichtende Musik tatsächlich nicht nur halten, sondern sogar mehren kann. Hui! Ich mag das.</p>
<p>Dass „Bas Fond“ zwischendrin auch mal nach futuristischer Fabrikhalle klingt, fällt daher auch nur auf, wenn man mittendrin reinschaltet. Wer macht denn auch so was? In der zweiten Hälfte wird die Reibefläche schrittweise erhöht, aus der Wolkenreise über einer glänzenden Fabrik wird ein heraufziehendes Gewitter über verrosteten Schornsteinen. Man bleibt gespannt, wie es wohl ausgehen wird. Die Band selbst bleibt unentschlossen: Als „Bas Fond“ (etwas langweilig mit <em>fade-out</em>) verklingt, ist das Gewitter zwar überstanden, die Fabrik aber ist nicht mehr dieselbe, sie scheint in Flammen zu stehen. Hoffentlich ist niemandem etwas passiert.</p>
<p>Im direkten Vergleich damit wirkte „Sun Lock“, das auch nicht <em>ganz</em> so klingt, wie es heißt, beinahe sakral, wenn nicht in den ersten Minuten immer wieder ein Paukendonner erschölle. Man meint die Sonne über einer Kapelle während einer Messe aufgehen zu sehen. Musik, die wie Naturgewalten klingt, bleibt eine Rarität, was ich bedaure. Bei bloßem Schönklang belassen es <span class="musik-review-bandname">Plurals</span> aber nicht, sondern auch diesmal, beginnend ab etwa sechs Minuten, errichten sie zunächst fast unbemerkt, aber zusehends deutlicher eine disharmonische Dystopie mit einem verzweifelten Geiger mit verstimmtem Instrument in einer zerstörten Stadt. Ich weiß nicht, ob die Band sich das so gedacht hat, aber ein guter Künstler erklärt sein Werk nun mal nicht. Nicht zum ersten Mal auf „Tri Tone“ fühle ich mich zur Hälfte von „Sun Lock“ an besagtes „asia“ erinnert, der „Talkative Lord“ scheint nicht weit entfernt, seine blecherne Stimme ist im Sturm zu vernehmen. Was er sagt, ist unverständlich, aber es klingt beinahe menschlich; oder bilde ich mir das ein? Mit seiner Rede klingt auch er selbst ab, als würde er sich auflösen oder, wie es die religiöse Mythologie vorschlägt, <em>erleuchtet</em>. Zum Abschied spendieren <span class="musik-review-bandname">Plurals</span> mir noch einmal eine Gänsehaut.</p>
<p>Ein bisschen <em>erleuchtet</em> fühle ich mich nach den fast 49 Minuten, die das Album dauert, jetzt allerdings auch selbst – erleuchtet und unglaublich erschöpft. Ich bin glücklich. Doch, das trifft es.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Wer sich den Spaß unbedingt selbst verderben möchte, der kann vor dem Kaufen via <a href="https://plurals-drone.bandcamp.com/album/tri-tone" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> dort auch das Album in ganzer Länge anhören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/bardo-pond-volume-8.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_bardo-pond-volume-8.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Bardo Pond – Volume 8</span>
<p>Noch eine Reise? Noch eine Reise!</p>
<p>Auch <span class="musik-review-bandname">Bardo Pond</span> zählen hier nicht zu den völlig Unbekannten, erst im Januar dieses Jahres feierte ich das Ergebnis ihrer <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/01/kurzkritik-bardo-pond-acidgurupond/" data-wpel-link="internal">Zusammenarbeit mit <span class="musik-review-bandname">Acid Mothers Temple</span> und <span class="musik-review-bandname">Guru Guru</span></a>, um es mal angemessen seltsam auszudrücken, <em>voll ab</em>. Ihr neuestes Studioalbum, diesmal wieder im Alleingang eingespielt, klingt zwar beinahe selbstverständlich weniger durchgeknallt, aber auf keinen Fall eintöniger.</p>
<p>Weitgehend instrumental arbeiten die fünf US-Amerikaner auf „Volume 8“, Fünf ist auch die Anzahl der enthaltenen Stücke, die es zusammen auf etwa vierzig Minuten bringen. Ausschweifungen halten sich hier also bis kurz vor dem Ende in Grenzen. Hippieesque mit fernöstlichen Anklängen ist „Volume 8“ bereits ab den ersten Takten von „Kailash“. Genres verbieten sich weiterhin. Wer Schubladen will, der mag keine Musik. Ich mag „Volume 8“.</p>
<p>„Flayed Wish“ fließt zäh aus den Boxen wie ein entspannender Trip, was das Album sowieso <em>ganz gut</em> beschreibt. „Power Children“ ist eine instrumentale Hippieballade, die der Wahrnehmung von <span class="musik-review-bandname">Bardo Pond</span> als (im weitesten Sinne) Psychedelic-Drone-Band eine sonst fast vergessene Nuance anfügt. Ihm folgt mit „Cud“ ein ähnliches Stück, in dem eine unverzerrte E‑Gitarre als einziges zu hörendes Instrument die Stimmung auf entspannendem Niveau halten darf.</p>
<p>Der Höhepunkt und gleichzeitig der perfekte Kontrast zu „Cud“ aber steht am Ende: Das fast siebzehnminütige „And I Will“ frisst sich <em>krautig</em> mit heftig <em>fuzzender</em> Gitarre ins Ohr, Flöte und entrückter Gesang tragen selbst noch etwas dazu bei, dass man die musikalischen späten 60-er Jahre noch nicht vergangen glaubt. <em>Die nehmen doch alle Drogen.</em> Wie machen die das? Man sollte meinen, 17 Minuten seien lange, aber ich merke gar nicht, wie das Stück voranschreitet. Als es verklingt, kommt das jedenfalls überraschend und <em>viel zu früh</em>. Aber wofür gibt es denn die Wiederholen-Taste?</p>
<p>Das Album, steht <em>im Internet</em>, versetze den Hörer in einen anderen Bewusstseinszustand. Das halte ich für untertrieben.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auch <span class="musik-review-bandname">Bardo Pond</span> sind nicht nur auf <a href="https://www.amazon.de/8-Bardo-Pond/dp/B077ZPQS9D/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, sondern auch auf <a href="https://bardopondmusic.bandcamp.com/album/volume-8" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu finden.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/sopor-aeternus-the-ensemble-of-shadows-the-spiral-sacrifice.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_sopor-aeternus-the-ensemble-of-shadows-the-spiral-sacrifice.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Sopor Aeternus &amp; The Ensemble of Shadows – The Spiral Sacrifice</span>
<p><span class="musik-review-lyrics">„Ich brauch ein neues Aug‘, einen neuen Sinn“</span> (Everything is an Illusion)</p>
<p>Die Band („Musikprojekt“, <em>Wikipedia</em>) nennt sich selbst den <em>ewigen Schlaf mitsamt dem </em><em>Ensemble der Schatten</em>. Wer errät das Genre?</p>
<p>Wenn ein Musiker erst einmal in der deutschsprachigen Wikipedia auftaucht und der Artikel nicht von mir erstellt wurde, dann ist er entweder schon sehr lange im Geschäft, macht furchtbare Musik oder will sich selbst im vermeintlich richtigen Licht darstellen. Auf <span class="musik-review-bandname">Sopor Aeternus &amp; The Ensemble of Shadows</span> trifft im hektischen 21. Jahrhundert, relativ gesehen, erstere Annahme zu: Seit der Gründung im Jahr 1989 erschienen zwischen keinem und drei offizielle <em>Veröffentlichungen</em> beliebiger Länge und Qualität. 1994 wurde ein Album namens „…Ich töte mich jedesmal aufs Neue, doch ich bin unsterblich, und ich erstehe wieder auf: in einer Vision des Untergangs…“ auf die Öffentlichkeit losgelassen, die enthaltenen Lieder tragen Titel wie „Tanz der Grausamkeit“ und „Im Garten des Nichts“. Nicht sehr fröhlich, die Combo.</p>
<p>Aber man muss ja auch nicht immer nur fröhlich herumspringen. Über den Gründer von <span class="musik-review-bandname">Sopor Aeternus &amp; The Ensemble of Shadows</span> weiß man in der deutschsprachigen Wikipedia, dass er heute „allgemein als Frau“ lebe, wie auch immer man sich das vorzustellen hat. Ich wusste nicht mal, dass Frauen „allgemein“ anders leben als ich, vom gelegentlichen Aufsuchen eines Pissoirs abgesehen.</p>
<p>Einem insgesamt eher anstrengend zu lesenden <a href="https://www.siegessaeule.de/no_cache/newscomments/article/3837-sopor-aeternus-im-interview-ich-verkoerpere-gleich-zwei-gesellschaftliche-tabus.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Interview<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> mit Frontperson <span class="musik-review-bandname">Anna-Varney Cantodea</span>, was <em>natürlich</em> ein Künstlername ist, entnehme ich, dass die genaue Besetzung auf diesem Album eigentlich keine große Rolle spielt, denn Kreativität und somit künstlerische Identität von <span class="musik-review-bandname">Sopor Aeternus &amp; The Ensemble of Shadows</span> ist ein Ein-Personen-Spiel.</p>
<p>Gemessen daran ist das hier zu Hörende aber fantastisch, und das nicht nur im textlichen Sinne. „The Spiral Sacrifice“ ist, trotz des Coverbildes, erfreulich <em>action</em>-armer Kammerprog mit Streichern, wie ich ihn so zuletzt nur von den nicht minder fantastischen <span class="musik-review-bandname">Eclipse Sol-Air</span> gehört hatte. Zu dem ebenfalls ungewöhnlichen, aber zur vorliegenden Musik gut passenden Gesang, der in zehn der insgesamt 19 Stücke zu hören ist, gesellt sich zusätzlich ein schön grummelnder Bass, was insbesondere Kopfhörerbenutzern das zusätzliche <em>Etwas</em> geben könnte. Mit <span class="musik-review-bandname">Eclipse Sol-Air</span> verbindet die Band auch eine andere Gemeinsamkeit, nämlich die häufiger mal wechselnde Sprache. Überraschenderweise haben hier manchmal Lieder mit einem deutschen Titel englischsprachige <em>lyrics</em> und andersherum. Thematisch geht es um Tod, Abschied und dergleichen, was sich durch die Bandgeschichte wie ein roter Faden, der sich irgendwo durchzieht, zieht, wenn auch deutlich weniger theatralisch als zum Beispiel die auf andere Art hörenswerten <span class="musik-review-bandname">Untoten</span>. Das klingt womöglich jetzt nach einem Verriss, ist aber gar nicht so gemeint.</p>
<p>„The Spiral Sacrifice“ sei „möglicherweise“ das letzte Album, ist im oben verlinkten Interview zu lesen. Falls das zutreffen sollte, ist es zumindest kein übler Abgang; falls nicht, bleibt es doch ein Album, das nicht gehört zu haben ein bisschen bedauerlich wäre.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Das ist momentan auf <a href="https://www.amazon.de/Spiral-Sacrifice-Aeternus-Ensemble-Shadows/dp/B07882NV1N?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://tidal.com/album/82459708" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> möglich.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/man-mountain-infinity-mirror.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_man-mountain-infinity-mirror.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Man Mountain – Infinity Mirror</span>
<p>Die allsemestrige Dosis instrumentalen Postrocks wird weiter vergrößert von <span class="musik-review-bandname">Man Mountain</span>. Über Postrock heißt es aus Kreisen, deren Banausentum hier allenfalls abschätzige Würdigung verdient haben soll, dass er immer gleich klinge. Ich teile diese Auffassung nicht, denn selbst in jenen Poströcken, die mit zwei bis vier Gitarren, Schlagzeug und Bass Wände aufbauen und wieder einreißen, kann von Gleichform keine Spur sein. Diese Musik hört man nicht, man fühlt sie.</p>
<p>Womit ich zu „Infinity Mirror“ komme. <span class="musik-review-bandname">Man Mountain</span> aus <em>ausgerechnet</em> den USA (Michigan, heißt es) ist ein Quartett mit zwei Gitarren, einem Schlagzeug und einem Bass. Es gilt das alte Laut-Leise-Spiel, kaum besonders anders dargeboten als üblich, aber vielleicht gerade deshalb eine Erwähnung hier wert. Dauert ja auch nicht lange: Die sechs Stücke sind in 38 Minuten vorbei. Das passt noch rein. <em>Mehr vom selben</em> also? <a href="http://willnotfade.com/2018/03/15/man-mountain-infinity-mirror-review/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Natürlich!<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<p>Trotzdem (oder: deswegen) wird auch „Infinity Mirror“ nach einem langen Tag mit <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> und <span class="musik-review-bandname">Meniscus</span> nicht so schnell langweilig. Wer hier keinen Unterschied hört, dem kann ich nicht helfen, zu beschreiben jedenfalls ist und bleibt er schwer. Allein der Bass könnte vielleicht etwas lauter sein. Irgendwas ist ja immer. Kopfhörer sind jedenfalls Pflicht. Zuwiderhandlung wird mit Tzk-tzk-Geräuschen bestraft.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Man schaue hierzu bei <a href="https://manmountain.bandcamp.com/album/infinity-mirror" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> vorbei.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/vvlva-path-of-virtue.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_vvlva-path-of-virtue.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Vvlva – Path of Virtue</span>
<p><span class="musik-review-lyrics">„History has shown: many good ones were killed.“</span> (Cryptic Faith)</p>
<p>Was weiß man schon über Aschaffenburg? Oft nicht viel, aber zumindest die dortige Musikszene scheint etwas Aufmerksamkeit zu verdienen. Aus ihr nämlich entsprang das Quintett <span class="musik-review-bandname">Vvlva</span>, das man <em>trotzdem</em> hoffentlich wie „Vulva“ und nicht wie „Wlwa“ aussprechen soll, denn das klänge irgendwie bescheuert. Am Bass steht <span class="musik-review-bandname">Dr. Michael Hock</span>, also jemand mit aktiv genutztem Doktortitel, weiß <em>das Internet</em>. Von wegen Fachkräftemangel!</p>
<p>Das könnte man allerdings selbst dann von der Musik nicht behaupten, jedenfalls überwiegend nicht. Die nämlich ist genau so 70er-beseelt wie man sich das vorstellt, wenn man diese Wortschöpfung zum ersten Mal liest: Auf „Path of Virtue“ spielen <span class="musik-review-bandname">Vvlva</span> einen angenehm unmodernen Blues-/Hardrock mit nach Orgel klingenden Keyboards und <em>natürlich</em> Fuzzgitarre. <em>So spiel’n die Deutschen – die Deutschen, die spiel’n so.</em> Dass sich in meinen Rezensionen diese Stile vermehrt wiederfinden, werte ich als Zeichen, dass gerade eine Retrorock-Welle durch die Musikwelt schwappt. Irgendwo muss das ja herkommen. Man würde <span class="musik-review-bandname">Deep Purple</span> und <span class="musik-review-bandname">Uriah Heep</span> Unrecht tun, behauptete man, „Path of Virtue“ klinge wie <span class="musik-review-bandname">Deep Purple</span> mit ganz <em>anderem</em> Gesang oder wie <span class="musik-review-bandname">Uriah Heep</span> überhaupt, sonst würde ich genau das jetzt tun.</p>
<p>Nein, mit Schubladen und „klingt wie“ haben <span class="musik-review-bandname">Vvlva</span> höchstens aus Versehen was zu tun. In „Dieb der Seelen“ wird (leider zum einzigen Mal auf „Path of Virtue“) auf Deutsch gesungen, anderswo gibt es musikalische Überraschungen: Dominieren in der ersten Hälfte des Albums noch alte Meister, so wagt sich die Band später in verspielte Ecken. Das Titelstück „Path of Virtue“ etwa, das ich aufgrund seiner Qualität für so etwas wie den Anspieltipp des Albums halte, wird mit einer Art Kirmeswalzermelodie eingeleitet, bevor die Band nach einer halben Minute kraftvoll alles zu geben scheint, was sie hat. Sänger <span class="musik-review-bandname">Tobias Ritter</span> trägt im inbrünstigen Postpunkstil einen Refrain vor, der dem sonst eher bewegungsarmen Rezensenten ein wenig Mitgewackel auf dem Stuhl entlockt, dazwischen brillieren die Instrumentalisten mit energiereicher Siebzigerei. Dass zum Abschluss des Albums mit „Second Voice“ ein lahmes Classic-Rock-Liedlein ertönt, dessen wenigstens erste Hälfte ich zu überspringen empfehle, trübt den Eindruck kaum. Die anderen sieben Stücke kann einem ja niemand mehr nehmen.</p>
<p>„Path of Virtue“ sei, heißt es, das Debütalbum von <span class="musik-review-bandname">Vvlva</span>. Davon bitte gern mehr!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <span class="musik-review-bandname">Vvlva</span> sind, man ahnt es, außer auf <a href="https://www.amazon.de/Path-Virtue-Vvlva/dp/B07BK82TW7?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> auch auf <a href="https://vvlva.bandcamp.com/album/path-of-virtue" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu finden.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/shob-karma-obscur.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_shob-karma-obscur.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Shob – Karma Obscur</span>
<p>Seit einiger Zeit beginne ich Wochen gern damit, meine Leser mit Musik zu bereichern, auf dass der Montag etwas von seinem Schrecken verliere. Im April dieses Jahres <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/04/shob-except-im-65-eine-partei-wie-ein-unfall/" data-wpel-link="internal">traf es <span class="musik-review-bandname">Shob</span></a>, was laut Onlineübersetzer ein russisches, wahrscheinlich aber ein völlig frei erfundenes Wort sowie der Künstlername eines französischen Bassgitarristen ist.</p>
<p>Für „Karma Obscur“, nach „Pragmatism“ (2015) das erst zweite veröffentlichte Album des Herrn <span class="musik-review-bandname">Shob</span>, hat er sich prinzipbedingt eine Vielzahl an Gästen ins Studio bestellt oder sie sonstwie auf das Album bekommen. Ich zähle insgesamt 17 beteiligte Musiker, wobei diese <em>natürlich</em> nicht gleichzeitig überall zu hören sind. Sängerin <span class="musik-review-bandname">Laurène Pierre Magnani</span> aus eingangs verlinktem Stück scheint etwa nur dort zu hören zu sein, der Rest der Stücke ist gesanglos, obgleich in der Besetzungsliste zumindest auch <span class="musik-review-bandname">Monkey D’Beasty</span> (die Schreibweise scheint Absicht zu sein) als Beatboxer zu lesen ist. Über die einzelnen Gäste ist nur wenig zu finden, die Ausnahmen scheinen aber vor allem im Jazzrock aktiv zu sein.</p>
<p>Das spiegelt sich auch auf „Karma Obscur“, anscheinend ein Wortspiel mit „Camera obscura“, wider, in dessen musikalischem Inhalt, man höre insbesondere „The right move“, weitgehend Instrumentalfunk mit deutlichem Jazzeinschlag gespielt wird, was die Anwesenheit zweier Trompeter, eines Saxophonisten und eines Posaunisten sicherlich begünstigt. Dass die Musiker dazwischen (etwa gegen Ende von „Straight Ahead“) auch mal hart rocken oder dem Mathrock („Except I’m 65“) frönen, im Titelstück „Karma Obscur“ gar <span class="musik-review-bandname">crimsonesque</span> ans Werk gehen, ist dabei so beachtens- wie hörenswert.</p>
<p><a href="http://www.babyblaue-seiten.de/album_17282.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Andere Rezensenten<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> beschreiben „Karma Obscur“ im unerklärten Konjunktiv als „Funk-Prog für die anspruchsvolle Hörerschaft mit einem unermüdlich komplex groovenden Bassgitarristen“ zusammen. Das kann man so gelten lassen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Schwierig – warum nicht mal über <a href="https://shob.bandcamp.com/album/karma-obscur" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp?<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/hinds-i-dont-run.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_hinds-i-dont-run.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Hinds – I Don’t Run</span>
<p><span class="musik-review-lyrics">And all these random melodies sound again“</span> (Finally Floating)</p>
<p>Spanien ist nicht nur für seine Lebensmittel, seine Siestas und seine bedauerliche Innenpolitik bekannt, sondern ist auch in meinen halbjährlichen Rückblicken bisher ein wenig zu kurz gekommen. Das soll sich mit <span class="musik-review-bandname">Hinds</span> nun ändern. <span class="musik-review-bandname">Hinds</span> („Hirschkühe“) hießen bis 2014, weiß <em>das Internet</em>, <span class="musik-review-bandname">Deers</span> („Hirsche“), aber die ungeahnt unhöfliche und mir unbekannterweise bereits jetzt unsympathische kanadische Musikgruppe <span class="musik-review-bandname">The Dears</span> hielt das für keinen so guten Namen.</p>
<p>Die Umbenennung hatte aber nicht nur negative Folgen (wahrscheinlich war in der Folge etwas organisatorischer Aufwand vonnöten), sondern auch positive: Die <span class="musik-review-bandname">Hinds</span> sind seit ihrem Bestehen – anfangs als Duo, inzwischen als Quartett – eine ausschließlich von Frauen geführte Gruppe. Dass diese ihr aktuelles Album <em>ausgerechnet</em> „I Don’t Run“ nannte, was sämtliche Vorurteile über Frauensport… aber ich schweife ab.</p>
<p>Der Titel des Albums verrät es bereits: Trotz teilweise landessprachlicher Anfänge ist die hier dominante Sprache Englisch. Das finde ich gut, denn gesungenes Spanisch steht in meiner absteigend nach Rümpfigkeit sortierten Naserümpfliste nur aufgrund des Italienischen nicht an erster Stelle. Aber auch musikalisch ist das, was auf „I Don’t Run“ zu hören ist, nicht zu verachten: Was von der Band selbst (oder wenigstens ihrer Vermarktungsabteilung) „Garagenpop“ genannt wird, hört sich wie eine sehr sommertaugliche Surfrockvariante mit einer gehörigen Portion von heutigen Jugendlichen schon wieder fast vergessener Indiegaragenmusik (<span class="musik-review-bandname">The Hives</span>, <span class="musik-review-bandname">The Strokes</span> und so weiter).</p>
<p>Dass die <span class="musik-review-bandname">Hinds</span> wenigstens gesanglich noch ein wenig Riot-Grrrl-Pathos hinzufügen, indem sie den mal ein- („New For You“), mal mehrstimmigen („Finally Floating“) Gesang nicht popstarhaft in das ansonsten Gehörte einflechten, sondern ihn als schrillen Kontrapunkt präsentieren, rundet „I Don’t Run“, wie ich meine, erst ab. Wer zu lange nichts von <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span> gehört hat, dem dürften <span class="musik-review-bandname">Hinds</span> ebenso große Befriedigung verschaffen wie all jenen, die deren späte Nachfolger im Geiste leider verpasst haben. Es lebe Spanien, sozusagen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Wie auch die Vorgängeralben gibt es „I Don’t Run“ auf <a href="https://hinds.bandcamp.com/album/i-dont-run" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zum Stream und Kauf in vielerlei Formaten.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/brother-grimm-home-today-gone-tomorrow.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_brother-grimm-home-today-gone-tomorrow.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Brother Grimm – Home Today, Gone Tomorrow</span>
<p><span class="musik-review-lyrics">„Who put ‚Sax‘ in ‚Saxony‘?“</span> (Still Afraid of Germany)</p>
<p>„Home Today, Gone Tomorrow“ ist beileibe kein Märchen. Der Interpret <span class="musik-review-bandname">Brother Grimm</span>, der zwar wirklich Grimm, nicht jedoch wirklich Brother heißt, kommt <em>ausgerechnet</em> aus Berlin, macht aber Musik, die gar nicht klingt wie Musik aus Berlin. Im blöde herumgenrenden Web kann man (hier: jemand von seiner Plattenfirma „NOISOLUTION“ aus ebenfalls Berlin) sich zwischen „Geisterhausblues“ und „Albträume[n] in Fuckmoll“ gar nicht so recht entscheiden. Will man es? Ich will es nicht.</p>
<p>Stattdessen höre ich so unvoreingenommen wie möglich, was <span class="musik-review-bandname">Brother Grimm</span> mir zu erzählen hat. Das ist leichter, wenn man sich <em>erst</em> Notizen zum Album macht und <em>dann</em> ein wenig Hintergrundgeschichte recherchiert. Zum Glück bin ich Profi; wenngleich sich meine Professionalität zu meinem eigenen Bedauern auf das bloße Hören beschränkt, <span class="musik-review-bandname">Brother Grimm</span> aber ist Macher.</p>
<p>Was es ist, das er macht, in wenige einfache Begriffe zu fassen ist aber auch für mich nicht leicht, denn auch „Home Today, Gone Tomorrow“ ist ein Album der Vielfalt. <span class="musik-review-bandname">Brother Grimms</span> gebrochener und dennoch intensiv-warmer Gesang verleiht jedem Lied eine beachtliche Intimität, gewiss ist sonst nichts, nicht mal die Richtung, die im nächsten Moment eingeschlagen werden wird. Irgendwo im musikalischen Geflecht zwischen <span class="musik-review-bandname">Scott Walker</span>, <span class="musik-review-bandname">David Bowie</span> und <span class="musik-review-bandname">Nick Cave</span> suchte man nicht allzu verkehrt, begäbe man sich denn überhaupt auf eine Suche.</p>
<p>Das eröffnende „A Letter to Bob“ bin ich als <em>Akustikdoom</em> zu beschreiben versucht, „Sharp’s the Word“ hingegen als Noiserock mit mehr als nur ein bisschen Bluesbeifügung. Moll und Blues: Häkchen dran. Das gilt für die beiden erstgenannten ebenso wie die folgenden Stücke. Mit „The Black Lodge“ folgt aber erst einmal ein Instrumentalstück, düstere („Geisterhaus-“?)Elektronik mit gelegentlichen Ausbrüchen. Fröhlich wird es auf „Home Today, Gone Tomorrow“ auch nicht mehr, da können noch so viele Titel wie „Aloha“ auftauchen. Wie auch „Echoes“ ist dieses eher betrüblich. Wer dazu tanzt, ist selbst schuld. Unbedingt hörenswert ist der Freistilteil in der Mitte von „Aloha“ aber trotzdem, begleitet von unheilvollen Akkorden. <em>Aloha!</em></p>
<p>Die musikalische Weltreise von <span class="musik-review-bandname">Brother Grimm</span> setzt das Weltmusiklied „Born Under Punches“ fort, mit dem angejazzten „Still Afraid of Germany“ wird es beinahe ein wenig radiotauglich, obwohl ich annehme, dass gängige Radiosender Lieder ohne Mitklatsch‑4/4‑Takt gar nicht erst anhören wollen. Das Titelstück, eine erschreckend gefällige Ballade mit Gitarre und klopfendem Bass, geht schließlich über in einen „Hidden Track“, eine recht <em>noise</em>-umklammernde Coverversion von <em>ausgerechnet</em> <span class="musik-review-bandname">David Bowies</span> „Heroes“, deren Darbietung aufgrund des herausgenommenen Tempos und der Instrumentaleskalation beinahe bedrohlich wirkt und <em>deswegen</em> ein stimmiger Abschluss für ein Album ist, das genau auf dieses <em>versteckte Stück</em> hingearbeitet zu haben scheint. Passt!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://brothergrimm1.bandcamp.com/album/home-today-gone-tomorrow-3" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Ratet mal!<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/vantomme-vegir.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_vantomme-vegir.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Vantomme – Vegir</span>
<p>Kommen wir von einem Einzelkämpfer zu einer Zusammenarbeit.</p>
<p>Der belgische Pianist, Komponist, Produzent, Mellotronist (u.a.) <span class="musik-review-bandname">Dominique Vantomme</span> hat für sein diesjähriges Album „Vegir“, auf dem kein Gesang stattfindet, mindestens gleichwertig prominente Unterstützung gefunden. Während am Schlagzeug der vergleichsweise unbekannte Jazzschlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Maxime Lenssens</span> sitzt, steht <span class="musik-review-bandname">Michel Delville</span> (<span class="musik-review-bandname">The Wrong Object</span>, <span class="musik-review-bandname">douBt</span>, <span class="musik-review-bandname">Machine Mass</span>) an der Gitarre, gleichfalls meist im Jazz und dessen Spielarten aktiv. Nicht aus Belgien, eigentlich nicht einmal aus dem Jazz stammt hingegen der Mann am E‑Bass und am Chapman Stick, nämlich der umtriebige <span class="musik-review-bandname">Tony Levin</span> (<span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>, <span class="musik-review-bandname">Liquid Tension Experiment</span>, <span class="musik-review-bandname">Stick Men</span>).</p>
<p>Mit dessen dominantem, melodischem Bass ist konsequent während des gesamten Albums zu rechnen, was im Jazzrock – und darum handelt es sich bei „Vegir“ – grundsätzlich ein gutes Zeichen ist. Die Grundstimmung ist entspannt, gar <em>smooth</em>, auch wenn <span class="musik-review-bandname">Michel Delville</span> von vornherein („Double Down“) den Groove mit mancher verspielter, mitunter temporeicher Freiform bereichert. Gelegentlich fühlt man sich so an die 80er- und Mitt-90er-Aufnahmen von <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> und deren <span class="musik-review-bandname">ProjeKcts</span> erinnert. Außer Jazz- und gelegentlich („Agent Orange“) auch Postrock darf sich der Schubladenfreund auch auf RIO/Avant („Sizzurp“) freuen, dargeboten mit Professionalität einer- und Freude am Experimentieren andererseits. Immer bloß Jazz, so schön er auch ist, wäre unter dem Niveau der vier Musiker, sie müssen niemandem mehr beweisen, dass sie Regeln beherrschen. Sie zu überwinden ist die wahre Kunst.</p>
<p>„Vegir“ sei, schrieb Thoralf Koß <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2018/Vantomme/Vegir-feat-TONY-LEVIN/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">anderswo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, ein „progressives Jazz-Rock-Album voller Harmonie und Experimente“ und das ist fast noch ein bisschen untertrieben. Eines jedenfalls ist es unbedingt: Nicht schlecht.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://www.youtube.com/watch?v=hf_5M5vMZwg" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es diverse Videos, unter anderem eines, auf dem die Musiker beim Spielen von „The Self Licking Ice-cream Cone“ zu sehen sind. Das gesamte Album in voller Länge gibt es via <a href="https://dominiquevantomme.bandcamp.com/album/vegir-hd-24bit-882khz" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://www.amazon.de/Vegir-feat-Delville-Levin-Lenssens/dp/B078ZD8QCJ/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> als Stream und Kauf, leider aber nicht auf Vinyl.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/sammal-suuliekki.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_sammal-suuliekki.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Sammal – Suuliekki</span>
<p>„Suuliekki“ heißt auf Finnisch „Mündungsfeuer“. Trotzdem hat sich das finnische Quintett <span class="musik-review-bandname">Sammal</span> für sein drittes Album ein wenig Zeit gelassen, der Vorgänger „Myrskyvaroitus“ wurde immerhin schon 2015 veröffentlicht. Bemerkt habe ich die Band jedoch selbst erst 2018, das auf „Suuliekki“ enthaltene „Ylistys ja kumarrus“ läutete im April <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/04/sammal-ylistys-ja-kumarrus/" data-wpel-link="internal">eine Woche</a> ein.</p>
<p>Von einer „kauzigen“ und „pittoresk schrulligen“ Gruppe ist <em>im Web</em> die Rede, wenn versucht wird, <span class="musik-review-bandname">Sammal</span> zu beschreiben, was meinem ersten Eindruck durchaus entspricht. Das könnte mit dem Gesang zu tun haben, der nach dem Intro im Titelstück einsetzt und in der Landessprache stattfindet, was eigentlich sehr gut, aber doch ungewöhnlich klingt und „Suuliekki“ einen beinahe folkigen <em>touch</em> verleiht. Auf mindestens einem Pressefoto zum Album stehen die fünf mehrheitlich haarigen Herren folgerichtig in einem Wald herum. Warum sich auf dem Coverbild zwei Pinguine anscheinend prügeln, weiß ich aber nicht.</p>
<p>Die Musik selbst allerdings ist weit von Volksmusik entfernt, stattdessen höre ich Neoprog mit viel Keyboard (wer auch die leider aufgelösten <span class="musik-review-bandname">Beardfish</span> mag, der möge sich hier eingeladen fühlen), manchmal („Vitituksen valtameri“, was für eine faszinierende Sprache!) auch mit etwas mehr Gitarre. „Neoprog“ ist aber vielleicht auch etwas hoch gegriffen, denn, wie sich das für skandinavische Bands gehört, bringen <span class="musik-review-bandname">Sammal</span> eine gehörige Portion <em>retro</em> mit. Hatten wir schon einen Vergleich mit <span class="musik-review-bandname">Uriah Heep</span>? Hier haben wir noch einen.</p>
<p>„Am Ende“, schrieb „Mario“ für das „HandwrittenMag“, seien <span class="musik-review-bandname">Sammal</span> aber „einfach nur <span class="musik-review-bandname">Sammal</span>“, für einen Geheimtipp seien sie jedenfalls zu schade. Dem kann ich beipflichten und hoffe, hiermit meinen Beitrag zur Verbesserung geleistet zu haben.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://sammal.bandcamp.com/album/suuliekki" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> kann man das Album zwar hören und kaufen, aber leider zurzeit nur als „digitales Album“, also als flüchtige Kopie. Für Anspielen und handfeste Tonträger rate ich zu <a href="https://www.amazon.de/Suuliekki-Sammal/dp/B07BDNYB5Z?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/chromium-hawk-machine-annunaki.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_chromium-hawk-machine-annunaki.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Chromium Hawk Machine – Annunaki</span>
<p>Keine Sorge: Mit Enten hat „Annunaki“ nichts zu tun. Die <em>eigentlich</em> anders geschriebenen Anunnaki waren, glaubt man ausnahmsweise den Inhalten <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Anunnaki" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">der Wikipedia<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, vielmehr die mesopotamischen Götter der Unterwelt.</p>
<p>Um so erstaunlicher ist es, dass <em>ausgerechnet</em> eine Space-Rock-Gruppe ein Album dieses Titels aufnimmt, denn mit dem Weltall hat die Unterwelt ja nur bedingt etwas zu tun. <span class="musik-review-bandname">Chromium Hawk Machine</span> aus den USA sind das Ergebnis einer Zusammenarbeit von <span class="musik-review-bandname">Helios Creed</span>, Gitarrist von <span class="musik-review-bandname">Chrome</span>, und <span class="musik-review-bandname">Nik Turner</span>, mit einer Unterbrechung bis 1984 bei <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> an Saxophon und Flöte tätig. Das könnte den Bandnamen erklären. Mit ihnen in der Band ist <span class="musik-review-bandname">Jay Tausig</span> an Schlagzeug, Synthesizern und Bass, der aber, so weit ich das herausgefunden habe, nie in einer Gruppe gespielt hat, die irgendwas mit „Machine“ hieß. Vorn auf dem genreüblich schrecklichen Coverbild prangt jedoch vor allem der Name <span class="musik-review-bandname">Nik Turners</span> in genreüblich schrecklicher Schrift, der dort als einziger der drei Musiker komplett in Großbuchstaben zu lesen ist. Ehre, wem Ehre gebührt. <em>Laut Internet</em> ist „Annunaki“ bereits seit 2017 zu haben, die <a href="https://chromiumhawkmachine.bandcamp.com/album/annunaki" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcampseite<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zum Album behauptet aber, die Veröffentlichung sei erst am 28. Februar 2018 erfolgt. Ich bin mal mutig und nehme es in diese Liste auf.</p>
<p>Das Album beginnt mit hektischem RIO/spacigem Jazzrock unter bestmöglicher Ausnutzung der Stereotechnik, nicht unähnlich der Hochphase von <span class="musik-review-bandname">Gong</span>, vermengt mit Sprachfetzen: „Cosmic Explosion“, bereits eine Viertelstunde lang, ist genau das, was sein Titel behauptet. Erstmals erscheint (verzerrter) Sprechgesang, den sich auf dem Album <span class="musik-review-bandname">Nik Turner</span> und <span class="musik-review-bandname">Helios Creed</span> teilen, wie anderswo zu lesen ist. Ich wage keine Zuordnung, stelle aber fest, dass Spacerock und Sangeskunst miteinander tendenziell eher mittelgut harmonieren.</p>
<p>„Time and Terraforming“ und „Buttercups and Poppeyfields“ sind nervöser Industrial/Noise/Stoner Rock mit Flöte, Saxophon und Klimax, vermutlich war hier eher der <span class="musik-review-bandname">Chrome</span>-Teil federführend. Im „Titelstück“ – naja, „Annunaki Come“ – wird wieder mehr gesprochen als gesungen, was gut ist, denn der Sänger orientiert sich auch hier an den <span class="musik-review-bandname">Gong</span> der 1970-er Jahre. <span class="musik-review-bandname">Daevid Allen</span> war nie ein besonders überragender Darbieter von Melodien. Bei „Another System (The Adam is Born)“ handelt es sich um eine Art melodischen Spacefolk, mein Hirn assoziiert sofort <span class="musik-review-bandname">Circulus</span>, aber auch <span class="musik-review-bandname">The Moody Blues</span>; es folgt ein ausgedehnter Instrumental-Industrial-Teil mit zusehends stärkerem Jazzfundament.</p>
<p>Überraschungen? Aber gern! „Crying Moon, Dying Sun“ ist der schwer schleppende Gegensatz zum vorherigen Stück. Es ist 32:26 Minuten lang. Andere machen mit dieser Zeit ein ganzes Album voll. Es gibt groovenden Bass und schneidende Gitarre, etwa zur Hälfte auch ein wenig <span class="musik-review-bandname">Can</span> in ihrer besonders <em>rohen</em> Frühphase und vergleichbar krautig-elektronische Zeitgenossen. „They’re Buying Time“ und „My Fuzzy Fantasy“ sind schließlich zwei schön groovende, luftige Spacerock-Kleinode mit (wiederum) Flöteneinsatz zum Abschluss des Albums. Auch „My Fuzzy Fantasy“ kommt nochmals auf beinahe 20 Minuten Dauer, insgesamt bekommen <span class="musik-review-bandname">Chromium Hawk Machine</span> hier eine Stunde und 46 Minuten und damit zwei CDs voll, ohne dabei irgendwelche Längen zu erzeugen, die man lieber schnell überspringen möchte.</p>
<p>Da wäre jedes <span class="musik-review-hoerproben">Reinhören</span> beinahe verschwendet. Wer es denn unbedingt trotzdem tun möchte: <a href="https://chromiumhawkmachine.bandcamp.com/album/annunaki" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> steht zur Seite.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/neurosenbluete-disziplin-akut.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2018/06/Vorschau_neurosenbluete-disziplin-akut.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Neurosenblüte – Disziplin AKUT</span>
<p>Im <a href="https://tuxproject.de/blog/2016/07/musik-062016-favoriten-und-analyse" data-wpel-link="internal">Sommer 2016</a> tauchte erstmals die bizarre Hamburger Musikgruppe <span class="musik-review-bandname">Neurosenblüte</span> in meinem Wahrnehmungsfeld auf. Ich freute mich damals über eine „Rezension, die sich sozusagen von allein schreibt“, indem ich einfach den Werbetext zum Album übernahm.</p>
<p>Auch diesmal haben sie selbst einen geschrieben. Auch diesmal ist er besser als alles, was ich dazu schreiben könnte:</p>
<blockquote><p>Auf DISPLIZIN AKUT verzichten wir auf jeglichen Gesang und liefern ein etwa einstündiges Instrumentalbum, das sich wieder mal unsittlich quer durch die Musik fummelt.</p>
<p>Neben Reihentechniken und freier Atonalität gibt es natürlich wieder reichlich krumme Dinger, Polymetrik aus dem <span class="musik-review-bandname">stevesten Reich</span>, eine klassische <span class="musik-review-bandname">„Sweet“</span>, die sich nicht gewaschen hat und ein wenig improvisierten Schabernack, als nervenerodierende Intermezzi.</p></blockquote>
<p>Auf der <a href="https://neurosenbluete.bandcamp.com/album/displizin-akut" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcampseite<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zum Album ist außerdem zu lesen:</p>
<blockquote><p>Comes in a nice „Kartonstecktasche“.</p></blockquote>
<p>Welches andere Album kann das schon von sich behaupten?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Na gut, <a href="https://neurosenbluete.bandcamp.com/album/displizin-akut" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">einmal Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> geht noch.</p>
<p>War es das schon? Fast! Weitere Alben im Schnelldurchlauf:</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Cabbage – Nihilistic Glamour Shots</span>
<p>Trotz textlicher <em>Ärgernisse</em> – so scheint „Molotov Alcopop“ etwa ein Loblied auf Molotowcocktails zu sein – ist „Nihilistic Glamour Shots“ wenigstens musikalisch undoofer Postpunk (beziehungsweise Country, „Exhibit A“) mit 70er-Charme. <a href="https://www.amazon.de/Nihilistic-Glamour-Shots-Vinyl-LP/dp/B0794QVY4B/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Malady – Toinen toista</span>
<p>„Toinen toista“ ist epischer (allein „Nurja puoli“ ist bereits 23 Minuten lang!), mitunter <span class="musik-review-bandname">crimsonesquer</span> Psychedelic Rock aus Finnland mit Flöte, Streichern und unpeinlichem Gesang in der Landessprache. <a href="https://soundcloud.com/svart-records/malady-toinen-toista" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">SoundCloud<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/86158898" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://www.amazon.de/Toinen-Toista-Vinyl-LP-Malady/dp/B078X941V6/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">le_mol – Heads Heads Heads</span>
<p>Hier gibt es instrumentalen, um Soundscapes herum entwickelten Postrock aus Wien mit großen Vorbildern zu hören: Das dritte Stück, auf dem es dann endlich auch einmal etwas lauter wird, heißt „le_mol fear <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span>“, aber die beiden Österreicher arbeiten daran, selbst eine Furcht einflößende Gitarrenband zu werden. <a href="https://lemol.bandcamp.com/album/heads-heads-heads" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">BlackWater HolyLight</span>
<p>Die US-amerikanische Damencombo <span class="musik-review-bandname">BlackWater HolyLight</span> spielt auf ihrem Debütalbum einen erstaunlich dunklen Bluesrock mit Postpunkanleihen, der trotz des Bandnamens doch erfreulich unchristlich heraufdonnert. <a href="https://blackwaterholylight.bandcamp.com/album/blackwater-holylight" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Hot Snakes – Jericho Sirens</span>
<p>Kalifornische, energetische Rockmusik, der man ihre sommerliche Herkunft begeistert anhört. <a href="https://hotsnakes.bandcamp.com/album/jericho-sirens" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Demob Happy – Holy Doom</span>
<p>Was aussieht wie Doom und heißt wie Doom, ist manchmal gar kein Doom, sondern <span class="musik-review-bandname">beatlesquer</span> Sommerrock – und damit jetzt gerade genau das Richtige. <a href="https://www.amazon.de/Holy-Doom-Demob-Happy/dp/B077PH7H45/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://tidal.com/album/84367105" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">DDENT – Toro</span>
<p><em>Ausgerechnet</em> Franzosen errichten unter Zuhilfenahme instrumentalen, fantastisch dröhnenden Post-Metals mit flirrenden Gitarren bunte Klangwelten, die gelegentlich den Ausbrüchen <span class="musik-review-bandname">Meniscus‘</span> wenigstens ähneln. <a href="https://ddentmusic.bandcamp.com/album/toro-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Black Moon Circle – Psychedelic Spacelord</span>
<p>In einem einzigen fast 47-minütigen Stück exerzieren die mir zuvor unbekannten Norweger <span class="musik-review-bandname">Black Moon Circle</span> gemeinsam mit den Synthesizern des <span class="musik-review-bandname">Øresund Space Collectives</span> den im Hardrock der 1970er Jahre verwurzelten, psychedelisch gejammten Spacerock mit Gesang, Orgel und Geige (Geige!) vortrefflich durch. <a href="https://blackmooncircle.bandcamp.com/album/psychedelic-spacelord" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
</ol>
<p>Und sonst so? 2018 erst mal nichts, in den letzten Jahrzehnten dafür eine Menge!</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Alt und schön.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 40 Jahren:</span>
<p>1978, nach dem Hardrock und vor dem New Wave, befand sich die Musikwelt in einer Kreativität fördernden, weil instabilen Phase. Der in großen Schüben erfolgende Umbruch in der Musik rückte einstige Konstanten aus dem Blickfeld, <span class="musik-review-bandname">Cans</span> zehntes Studioalbum <span class="musik-review-album-titel">Out of Reach</span> hieß insofern schon ganz richtig. <em>Ausgerechnet</em> die <span class="musik-review-bandname">Rolling Stones</span> zollten auf <span class="musik-review-album-titel">Some Girls</span> sowohl dem Punk („Shattered“) als auch der Discomusik („Miss You“) Tribut. Die im Vorjahr gegründete italienische Punk- und spätere New-Wave-Band <span class="musik-review-bandname">Decibel</span> veröffentlichte unter dem Namen <span class="musik-review-album-titel">Punk</span> ihr Debütalbum, ließ aber später leider kein Album namens „New Wave“ folgen. Während sich wenigstens <span class="musik-review-bandname">Jethro Tull</span> mit <span class="musik-review-album-titel">Heavy Horses</span> noch bedingungslos treu blieben, ob nun im Guten oder im Schlechten, war das Ende der Veränderungen noch längst nicht erreicht: In England nahm die Punkband <span class="musik-review-bandname">Warsaw</span> ihr erst 1994 veröffentlichtes Debütalbum auf, beschloss aber noch während der Aufnahmen eine Namensänderung. Sie sollte fortan als <span class="musik-review-bandname">Joy Division</span> bekannt werden.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 30 Jahren:</span>
<p>Zehn Jahre später war außerhalb des <em>undergrounds</em> nicht mehr viel Bewegung zu verzeichnen: Während dort <span class="musik-review-bandname">Skinny Puppy</span> mit <span class="musik-review-album-titel">VIVIsectVI</span> <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/08/kurzkritik-skinny-puppy-vivisectvi/" data-wpel-link="internal">verstörten</a>, die kurzlebige Thrash-Metal-Band <span class="musik-review-bandname">Realm</span> mit <span class="musik-review-album-titel">Endless War</span> debütierte und die arbeitswütige Post-Punk-Gruppe <span class="musik-review-bandname">The Fall</span> ganze zwei Alben (<span class="musik-review-album-titel">The Frenz Experiment</span> und <span class="musik-review-album-titel">I Am Kurious Oranj</span>) veröffentlichte, implodierte das, was oft als „Deutschrock“ verallgemeinert wird: Die noch nicht gänzlich zu einer lauteren Schlagerband verkommenen <span class="musik-review-bandname">Toten Hosen</span> vertonten auf <span class="musik-review-album-titel">Ein kleines bisschen Horrorschau</span> die ungefähre Handlung von „Uhrwerk Orange“, die Droogs von den <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> – das „Die“ sei, heißt es, Teil des Bandnamens und damit nicht zu deklinieren – hingegen ließen ihre Karriere im gleichen Jahr mit einem mittelgroßen Knall (<span class="musik-review-album-titel">Das ist nicht die ganze Wahrheit …</span>, <span class="musik-review-album-titel">Nach uns die Sintflut</span>, anschließend Auflösung) ein vorläufiges Ende nehmen.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 20 Jahren:</span>
<p>Die inzwischen, geringfügig umbesetzt, wieder vereinten <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> veröffentlichten 1998 auf <span class="musik-review-album-titel">13</span> das bis heute einzige Lied ihrer Karriere, das ihnen bis heute peinlich ist. Es wäre falsch, sie dafür anzuprangern, denn auch der Autor dieser Zeilen durchlebte im selben Jahr eine im Nachhinein recht peinliche Phase, prall gefüllt mit den gerade aktuellen Werken von <span class="musik-review-bandname">Madonna</span>, <span class="musik-review-bandname">WestBam</span>, <span class="musik-review-bandname">Space Frog</span>, <span class="musik-review-bandname">Fatboy Slim</span>, <span class="musik-review-bandname">Music Instructor</span> und dergleichen. Dass 1998 außerdem <span class="musik-review-bandname">Tortoise</span> mit <span class="musik-review-album-titel">TNT</span> und <span class="musik-review-bandname">Ruins</span> mit <span class="musik-review-album-titel">Vrresto</span> unbedingt hörenswerte Alben veröffentlichten, konnte ich nicht ahnen. Zum Glück hat sich das später gelegt.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 10 Jahren:</span>
<p>2008 begann der Aufstieg der anscheinend bis heute bestehenden Rockband <span class="musik-review-bandname">1000 Robota</span>, die im selben Jahr eine EP (<span class="musik-review-album-titel">Hamburg brennt</span>) und das Album <span class="musik-review-album-titel">Du nicht er nicht sie nicht</span> auf den Markt werfen ließen. Seit 2010 gab es jedoch kein weiteres Album von ihnen. Auch <span class="musik-review-bandname">Cogs</span> herrliches <span class="musik-review-album-titel">Sharing Space</span> blieb das letzte Album vor deren Auflösung. Gerade erst angefangen haben auch die deutschen Postrockwunder <span class="musik-review-bandname">Dear John Letter</span> mit <span class="musik-review-album-titel">Between Leaves | Forestal</span>, dem ich „zeitnah“, wie es auf Neudeutsch heißt, <a href="https://tuxproject.de/blog/2008/06/dear-john-letter-between-leaves-forestal/" data-wpel-link="internal">eine Rezension</a> gewidmet hatte. Ob sie noch existieren, weiß ich leider nicht, einige der Mitglieder machen mit <span class="musik-review-bandname">Carpet</span> jetzt jedenfalls nicht mehr ganz so gute Musik. Weiterhin existieren ihre Landsleute von <span class="musik-review-bandname">Blackmail</span>, die 2008 das Album <span class="musik-review-album-titel">Tempo Tempo</span> veröffentlicht haben, und auch die Macher des Albums <span class="musik-review-album-titel">Violently Delicate</span>, die israelischen Musiker von <span class="musik-review-bandname">Eatliz</span>, sind bis heute zusammen, wenn auch nach mancher Umbesetzung längst nicht mehr so berauschend wie noch vor einem Jahrzehnt. Man wird sehen, wie ich in zehn Jahren darüber urteile.</p></li>
</ul>
<p>Für heute jedenfalls ist hier Schluss – meinen Dank an alle ausdauernden Leser.</p>
<p>Wie üblich gilt: Habe ich ein Album übersehen, freue ich mich unter Umständen – so lange <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span> nicht mitspielt – über einen Hinweis. Der zweite Teil wird, ebenfalls wie üblich, voraussichtlich am Jahresende folgen. Hoffentlich macht das Jahr in dieser Qualität weiter!</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2019/04/kurzkritik-merzbow-keiji-haino-balazs-pandi-an-untroublesome-defencelessness/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Kurzkritik: Merzbow, Keiji Haino, Balazs Pandi – An Untroublesome Defencelessness</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/06/musik-06-2018-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">20. April 2019</a> dies: […] einer Redepause intensiviert sich ein Fabrikhallen-industrial, wie ich ihn unter anderem bei Plurals schon zu hören das Vergnügen […]</li><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2020/05/kurzkritik-le_mol-white-noise-everywhere/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Kurzkritik: le_mol – White Noise Everywhere</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/06/musik-06-2018-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">31. Mai 2020</a> dies: […] Furcht einflößende Gitarrenband ist das Wiener Shoegazeduo le_mol entgegen meiner Vermutung bisher nicht geworden, obwohl es auf seinem vierten Album mitunter doch recht bedrohlich zugeht: […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2018/06/musik-06-2018-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/042a96184b394767b8e921bf2fccaac1" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Musik 12/2017 – Favoriten und Analyse</title>
		<link>https://tuxproject.de/blog/2017/12/musik-12-2017-favoriten-und-analyse/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Dec 2017 01:01:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein seltsames Jahr 2017 ist fast zu Ende und hat in seiner zweiten Jahreshälfte noch schnell ein paar einflussreiche Musiker, darunter die Hälfte von Can (Jaki Liebezeit und Holger Czukay), John Abercrombie, Walter Becker und Charles Manson, den jeweils nächsten Tag nicht mehr erleben lassen. Zum Glück wachsen immer wieder neue Musiker nach, die sich ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2017/12/musik-12-2017-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2017 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein seltsames Jahr 2017 ist fast zu Ende und hat in seiner zweiten Jahreshälfte noch schnell ein paar einflussreiche Musiker, darunter die Hälfte von <span class="musik-review-bandname">Can</span> (<span class="musik-review-bandname">Jaki Liebezeit</span> und <span class="musik-review-bandname">Holger Czukay</span>), <span class="musik-review-bandname">John Abercrombie</span>, <span class="musik-review-bandname">Walter Becker</span> und <span class="musik-review-bandname">Charles Manson</span>, den jeweils nächsten Tag nicht mehr erleben lassen. Zum Glück wachsen immer wieder neue Musiker nach, die sich auf alte Tugenden besinnen. Von einigen von ihnen soll heute anlässlich des zweiten Teils der <span class="musik-intro-hervorhebung">besten Musikalben 2017</span> die Rede sein.</p>
<p>Da der <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">erste Teil</a> merklich kürzer als üblich geraten war, blieb für den zweiten natürlich eine Menge Musik übrig. Vorzeitig befasst hatte ich mich seit Juli bereits mit den aktuellen Alben von <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/07/kurzkritik-ex-eye/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Ex Eye</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/08/kurzkritik-ohhms-the-fool/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">OHHMS</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/08/kurzkritik-hundredth-rare/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Hundredth</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/09/kurzkritik-reflections-in-cosmo/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Reflections in Cosmo</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/09/kurzkritik-igorrr-savage-sinusoid/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Igorrr</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/10/kurzkritik-leffondras-les-flavescences/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">L’Effondras</span></a> und <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/10/kurzkritik-the-narcotic-daffodils-summer-love/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">The Narcotic Daffodils</span></a>. Dennoch war das Jahr noch produktiv genug für eine lange Liste an noch unausgesprochenen Empfehlungen.</p>
<p><span id="more-13302"></span>Nämlich für diese:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">1.</span> <span class="musik-review-header-text">Lang und breit.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/broeselmaschine-indian-camel.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_broeselmaschine-indian-camel.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Bröselmaschine – Indian Camel</span>
<p>Bevor <span class="musik-review-bandname">Helge Schneider</span> sich dem Klamauk, wie man heute so schön sagt, <em>opferte</em>, war die Profession, mit dem ihn die Menschen wohl am meisten verbanden, die einigermaßen seriöse Musik, für die er heute zu Unrecht vergleichsweise wenig bekannt ist. In den 1970-er Jahren etwa spielte er in der schon namentlich ziemlich cannabisumwölkten – im Wortsinne – Krautrockband <span class="musik-review-bandname">Bröselmaschine</span>, zu der er später, zuletzt im Jahr 2005, gelegentlich wieder zurückkehrte.</p>
<p>Die Band <span class="musik-review-bandname">Bröselmaschine</span> aus <em>ausgerechnet</em> Duisburg, aus deren Mitte vor allem der Gitarrist <span class="musik-review-bandname">Peter Bursch</span>, dessen Lehrbücher zwecks Erlernens des Gitarrenspiels wohl eine gewisse Bekanntheit erlangt haben, sich immer mal wieder auf allerlei Bühnen zu sehen ist, hatte ihr viertes und bis dato letztes Studioalbum „Graublau“ 1985 veröffentlicht, seitdem gab es zwar noch manche Konzerte, jedoch keine neuen, allgemein erhältlichen Stücke mehr. Mit „Indian Camel“ wurde dieser Umstand nun korrigiert: 32 Jahre nach dem Vorgängeralbum hat sich eine siebenköpfige Besetzung, darunter die erst 2014 eingestiegene Sängerin <span class="musik-review-bandname">Liz Blue</span>, mit drei Gästen, zu denen auch <span class="musik-review-bandname">Helge Schneider</span> am Saxophon statt, wie einst, als Organist gehört, zusammengefunden, um einen vertonten Haschtag – nicht: <em>hashtag</em> – aufzunehmen, der diese Rückschau angenehm entspannt einleiten darf.</p>
<p>Dass mit „Children of the Revolution“ ein Lied von <span class="musik-review-bandname">T.Rex</span>, mit denen <span class="musik-review-bandname">Bröselmaschine</span> vor Jahrzehnten bereits gemeinsam aufgetreten waren, als Coverversion auf „Indian Camel“ zu finden ist und bei der Gelegenheit als prima Rockmusikstück auch beredt Zeugnis über die Wandlungsfähigkeit der Gruppe ablegt, ändert nichts an der Eigentümlichkeit, die „Indian Camel“ umgibt. Im Titelstück wird wie auch an anderer Stelle – passend zum Namen – Indisches mit Weltmusik und Blues mit akustischer Gitarre verbunden. Irgendwo im Web ist von einem „hypnotischen Trip“ die Rede, von einer „Nummer für die Geschichtsbücher“ gar, und ich mag angesichts mancher klanglicher Grausamkeit des Jahres 2017 da auch gar nicht widersprechen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Schnipsel gibt es auf <a href="https://www.amazon.de/Indian-Camel-Colored-Vinyl-LP/dp/B06ZXX5JGB/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, den Rest auf <a href="https://tidal.com/album/74177198" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/ulver-the-assassination-of-julius-caesar.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_ulver-the-assassination-of-julius-caesar.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Ulver – The Assassination of Julius Caesar</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Sigh, my heart, but do not break“</span> (Coming Home)
<p>Über den altrömischen Feld- und Kriegsherrn Julius Cäsar, anfangs bestechender, schließlich erstochener Herrscher des Römischen Reiches kurz vor der sog. „Zeitenwende“, ist manches gesichert bekannt, manches jedoch romantisierte Erfindung. Der Romantisierung selten verdächtigt wird das norwegische Sextett <span class="musik-review-bandname">Ulver</span>, das seinen anfänglichen <em>typisch skandinavischen</em> Black Metal schon bald nach seiner Gründung diversifizierte. Sein diesjähriges Studioalbum „The Assassination of Julius Caesar“, anderswo als das „einzige relevante <span class="musik-review-bandname">Depeche-Mode</span>-Album“ des Jahres bezeichnet, schafft das Kunststück, gleichzeitig für Metal- und Pop-Blogs von Interesse zu sein, wofür die Musik nicht einmal unbedingt etwas kann.</p>
<p>Tatsächlich wird hier klanglich tief in die New-/Dark-Wave-Kiste gegriffen. Den gezogenen Vergleich teile ich persönlich nicht, denn wo <span class="musik-review-bandname">Depeche Mode</span> zäh wabern, haben es <span class="musik-review-bandname">Ulver</span> mehr mit düsterem Dröhnen. In einer einfacheren Welt wäre dies hier vermutlich schlicht „elektronische Tanzmusik“, aber dieses Etikett ist seit der Discowelle untauglich geworden. Ich höre die jüngste, düsterste Inkarnation von <span class="musik-review-bandname">Crippled Black Phoenix</span> („So Falls The World“) ebenso wie – in den freiförmigeren Momenten – <span class="musik-review-bandname">Faust</span> und <span class="musik-review-bandname">Neu!</span> („Rolling Stone“). <a href="http://www.darklyrics.com/lyrics/ulver/theassassinationofjuliuscaesar.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Textlich<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist die Zeit der Cäsaren nur ein Teil des Umfassten, es geht um mancherlei prominenten Tod der vergangenen Jahrzehnte und Jahrtausende, darunter auch die Morde der „Family“ des vor kurzem verstorbenen <span class="musik-review-bandname">Charles Manson</span> („1969“). Anspruch darf es ja immer auch noch sein.</p>
<p><em>Natürlich</em> täuscht das nicht darüber hinweg, dass <span class="musik-review-bandname">Ulver</span> hier eine Kiste entstauben, die man meist <a href="http://static.nichtlustig.de/toondb/010530.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">lieber geschlossen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> lässt, nämlich die der musikalischen 80-er Jahre, aber sie tun es mit Stil und ohne Käsekeyboards, was allein schon eine Erwähnung wert wäre; dass <span class="musik-review-bandname">Ulver</span> es <em>insgesamt</em> schaffen, dass mir ein Album, dessen Inhalt anderswo schlicht als „Synthie-Pop“ beschrieben wird, gut gefällt, tut ein Übriges. Das Beste allerdings bleibt, dass nicht abzusehen ist, wie das Nachfolgealbum klingen wird, denn <span class="musik-review-bandname">Ulver</span> bleiben ungern stehen. Ich jedenfalls empfehle ein kurzes Innehalten zwecks Genusses dieses Albums.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <span class="musik-review-bandname">Ulver</span>  streamen auf <a href="https://ulver.bandcamp.com/album/the-assassination-of-julius-caesar" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, aber auch <a href="https://www.amazon.de/Assassination-Julius-Caesar-Black-Vinyl/dp/B06XC4X61Z/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ermöglicht kurzes Anhören und Kauf.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/gnod-just-say-no-to-the-psycho-right-wing-capitalist-fascist-industrial-death-machine.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_gnod-just-say-no-to-the-psycho-right-wing-capitalist-fascist-industrial-death-machine.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Gnod – Just Say No To The Psycho Right-Wing Capitalist Fascist Industrial Death Machine</span>
<p>Gelegentlich schlendere ich durch Geschäfte, die tatsächlich Filialen besitzen, also „offline“ existieren, und schaue dort die einschlägigen Vinylangebote an. Manchmal begegne ich interessanten Neuauflagen sehr geschätzter Altwerke, selten aber auch mir bis dahin völlig unbekannte Alben, deren Aufmachung allein mich neugierig macht. So ging es mir auch bei „Just Say No To The Psycho Right-Wing Capitalist Fascist Industrial Death Machine“ von <span class="musik-review-bandname">Gnod</span>: Würde das Enthaltene wirklich so liebenswürdig schlecht sein wie es den Anschein hat?</p>
<p>Überraschend stellt sich heraus: Das ist tatsächlich der Fall. <span class="musik-review-bandname">Gnod</span> – Debütalbum: „Ingnodwetrust“, Spaß an der Sache bringen die Musiker also mit – ist eine britische Band, der trotz ihrer Selbstbeschreibung als „Psych-Electronic-Combo“ und ihrer Herkunft von manchen Rezensenten das Etikett „Krautrock“ angeheftet wird, was über das Prinzip der Etikettierung selbst manches aussagt. Musikalisch stecken außer <span class="musik-review-bandname">Faust</span> und <span class="musik-review-bandname">Can</span> hier nämlich durchaus andere Überraschungen drin: Trotz beachtlichen Wortreichtums ist das Gebotene im Prinzip prima Postpunk.</p>
<p>Man möge sich von dieser schlichten Beschreibung nicht irreleiten lassen, denn <span class="musik-review-bandname">Gnod</span>, eine „Band unheiliger Kakophonie“ (Benjamin Bland, „Drowned in Sound“) geben in der Tat mehr Musik preis als die Genrekollegen <span class="musik-review-bandname">Sleaford Mods</span>, deren karges Tun regelmäßigen Lesern bereits <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">im Juli</a> begegnet sein könnte, und machen auch vor einem Genreübergriff in den Industrialbereich nicht Halt. Thematisch wie musikalisch ist „Just Say No To The Psycho Right-Wing Capitalist Fascist Industrial Death Machine“ ein Album der totalen Verweigerung, griffige Mitbrüll-Protestmusik ist hier nicht zu erwarten. <span class="musik-review-bandname">Gnod</span> begegnen ihrer feindlichen Umwelt stattdessen mit fünf teils langen Stücken („Stick In the Wheel“ ist über 12 Minuten lang) in recht unterschiedlicher Manier: „Bodies For Money“ beginnt mit jaulender Gitarre und klassischem Garagen-Punk, geht dann über in einen beinahe <em>jazzigen</em> Mittelteil, in dem der Refrain ungeduldig klingend gesprochen wird, eskaliert schließlich aber anschwellend in ein fabelhaftes Instrumentenspektakel. Während das zehnminütige „People“ auch mit seinem erneut <em>total durchdrehenden</em> Endteil eher im New Artrock zu Hause ist, bewegen sich „Paper Error“ und „Real Man“ augenscheinlich im schlichten Punkrock, fallen aber auf den zweiten Blick beziehungsweise Hör dadurch auf, dass die Band neben dem, was vielleicht anderswo Geschrammel hieße, eher einen psychedelisch-repetitiven Hardrock spielt, der in der Klischeepunkkneipe nicht verstanden würde. Sänger <span class="musik-review-bandname">Neil Francis</span> drängt sich niemals in den Vordergrund, was eine angenehme Abwechslung zu manch anderer Brüllpunkband, etwa aus Düsseldorf, darstellt.</p>
<p>„Stick In the Wheel“ schließlich vermengt vor allem in den ersten drei Minuten Postpunk mit Industrial, um dann plötzlich einen instrumentalen, „krautigen“ RIO/Avant-Teil einzuläuten, der so schnell verschwunden wie gekommen ist, um Platz für acht Minuten ausgedehnten Elektrojazzes zu machen, der (vielleicht unbewusst) rhythmisch <span class="musik-review-bandname">Talk Talks</span> einmaliges „Desire“ ebenso zitiert wie lateinamerikanische Tänze. Ein Stock im Rad der Genrefetischisten? Möglich wär’s. Einfach „Nein“ sagen? Ich sage „Ja“ – jedenfalls zu <span class="musik-review-bandname">Gnod</span>.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Stream und Kauf stellt die Band auf <a href="https://gnod.bandcamp.com/album/just-say-no-to-the-psycho-right-wing-capitalist-fascist-industrial-death-machine" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zur Verfügung, auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=PsY3MhSpHvg" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> kann man einen Auszug aus einem ihrer Liveauftritte ansehen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/circle-terminal.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_circle-terminal.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Circle – Terminal</span>
<p>Die wuselige Gruppe <span class="musik-review-bandname">Circle</span> ist jedenfalls mir zuerst <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Ende 2011</a> begegnet. Die umtriebige finnische Band überrascht nach wie vor mit einer enormen Veröffentlichungsfrequenz: Seit der Gründung im Jahr 1991 erschien eine Vielzahl an EPs, Live- und Studioalben, man benannte sich für die Dauer eines Albums (nämlich „Frontier“ von 2013) in <span class="musik-review-bandname">Falcon</span> um und wieder zurück. „Terminal“ ist der erstaunlich lange erwartete Nachfolger des 2015 veröffentlichten Albums „Pharaoh Overlord“ und nach konservativer Schätzung – also abzüglich des teilweise aus älteren Singles zusammengesetzten „Kollekt“ – das 31. Studioalbum der Band.</p>
<p>Momentan hat sie sieben Mitglieder, nach wie vor an Bord ist Gründer, Bassist und Sänger <span class="musik-review-bandname">Jussi Lehtisalo</span>, der sich neben <span class="musik-review-bandname">Circle</span> als Mitglied oder wenigstens Gast noch verschiedene andere Bands (darunter die beachtlichen <span class="musik-review-bandname">Kirvasto</span>, <span class="musik-review-bandname">Grumbling Fur</span> und <span class="musik-review-bandname">Ektroverde</span>) hielt oder noch hält. Andere zeitgenössische Musiker bringen es nicht einmal auf eine einzige, sind aber bekannter und beliebter. Kreativität wird nicht mehr belohnt. Das ist schade für <span class="musik-review-bandname">Circle</span>, denn so entgeht ihnen eine Menge verdienter Aufmerksamkeit.</p>
<p><em>Natürlich</em> gibt es auf „Terminal“, man möge nicht von plötzlichem Identitätsverlust ausgehen, gewohnte <span class="musik-review-bandname">Circle</span>-Kost, nämlich vorzüglichen Stoner- und Spacerock, der auch diesmal wieder nicht klingt wie etwas, was man schon hundertmal gehört hat. Intensive, hypnotisch-repetitive Rhythmen mit ebenso intensivem Gesang (und Geschrei) des unverändert großartigen <span class="musik-review-bandname">Mika Rättö</span> dominieren die knappe Dreiviertelstunde Laufzeit, durchsetzt mit spannenden Einfällen; in „Rakkautta al dente“ etwa scheint auch mal folkiger Mittelaltermetal durch.</p>
<p>Eigentlich ist auf „Terminal“ also alles wie immer – und es ist wie immer prima.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://www.amazon.de/Terminal-Vinyl-LP-Circle/dp/B06Y5ZMR51?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> kann man in „Terminal“ hinein- und es auf <a href="https://tidal.com/album/73027501" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> vollständig hören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/bask-ramble-beyond.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_bask-ramble-beyond.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Bask – Ramble Beyond</span>
<p>Wir wechseln nun wieder das Land und mit ihm den Kontinent: Aus Nordamerika, nämlich North Carolina, stammt das Quartett <span class="musik-review-bandname">Bask</span>, was auf Deutsch entweder „Sonnen“ und „Aalen“ oder gar nichts bedeutet, weil das Übersetzen von Eigennamen ja immer <em>so eine Sache</em> ist. Erfahrene Sprachbenutzer wissen, dass mit <em>so Sachen</em> besser nicht leichtfertig verfahren werden sollte.</p>
<p>Auf „Ramble Beyond“ gibt es in sechs Stücken, naturgemäß allesamt nicht gerade in Supermarktradioformat, donnernde Musik zu hören, die weitgehend als einigermaßen psychedelischer Hard-/Stoner-Rock („unverfälschter Rock“ schreibt Nadine Schmidt auf „Metal.de“) zu identifizieren ist, wenngleich „The Lonesome Sound“ passenderweise eher als allerdings recht energiereicher Bluesrock durchgehen mag. Ab Beginn („Asleep in the Orchard“) vernehme ich erfreut, dass der Gesang hier nicht unnötig dominant gemischt ist, sondern sich stattdessen sozusagen als stimmliche Leadgitarre in das Gesamtkonzept einfügt. Es herrschen melodiefreudige Gitarrenspiele und Rhythmus, als seien Post- und Hardrock eine Allianz eingegangen, die jedenfalls ich so reif und kantenlos auch noch nie wahrgenommen habe. Ich mag das.</p>
<p>Andreas Schiffmann <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2017/Bask/Ramble-Beyond/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">notierte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu „Ramble Beyond“:</p>
<blockquote><p>„Ramble Beyond“ ist (…) ein in sich stimmiges, nachhaltiges und episches, vor allem aber sehr eigenständiges Werk im Kontext des andauernden Vintage-Rock-Treibens, irgendwo zwischen Prog, Post und Weltraum, falls das Sinn ergibt.</p></blockquote>
<p>Das kann ich so stehen lassen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://basknc.bandcamp.com/album/ramble-beyond" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> stellt Stream und Kauf zur Verfügung.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/the-electric-family-terra-circus.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_the-electric-family-terra-circus.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">The Electric Family – Terra Circus</span>
<p><span class="musik-review-bandname">The Electric Family</span> ist ein 1996 von <span class="musik-review-bandname">Tom Redecker</span> gegründetes kommunenähnliches – daher wohl der Name – Musikprojekt, an dem sich immer mal wieder verschiedene Musiker aus unterschiedlichstem Umfeld, darunter die mittlerweile verstorbenen <span class="musik-review-bandname">Volker „Mist“ Kahrs</span> (<span class="musik-review-bandname">Grobschnitt</span>) und <span class="musik-review-bandname">Hagen Liebing</span> (unter anderem <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span>), beteiligt haben. „Terra Circus“ ist nach einer Veröffentlichungspause von etwa zehn Jahren das fünfte Studioalbum der Band, die neben ihren Eigenkompositionen auch gelegentlich Lieder anderer Künstler neu einspielen. Auf „Terra Circus“ sind es zwei – aber fangen wir vorn an.</p>
<p>„Vorn“, das ist in diesem Fall das eröffnende „Movin‘&nbsp;“, das eingängiger, aber sehr gefälliger Mitwippbluesrock ist. Fast wäre es radiotauglich, wäre das Stück nicht doppelt so lang wie Radiosender es heutzutage zulassen. Der Gesang wirkt auf mich etwas überpathetisch, aber daran soll es nicht scheitern. Es folgt die erste Coverversion: „Lucrecia, My Reflection“ ist genau das, wovon der musikalisch erfahrene Leser sofort beim Lesen ausgeht, wenn auch mehr an <span class="musik-review-bandname">Elvis Presley</span> oder dem Blues-/Country-Rock von <span class="musik-review-bandname">Bela B</span> als an den <span class="musik-review-bandname">Sisters of Mercy</span> orientiert. <span class="musik-review-bandname">Anders Becker</span> entlockt der Elektronik manches <em>Space</em>-Zirpen, ein ausgedehntes Gitarrensolo bestimmt die zweite Hälfte des Stücks.</p>
<p>Auch „When Dizzyness Comes Around“ lässt sich die Vorliebe der Musiker für Artverwandtes deutlich anmerken: <span class="musik-review-bandname">Velvet Undergrounds</span>  oft vergessenes „Squeeze“, die Soloalben von <span class="musik-review-bandname">Bela B</span> und die ersten zwei Alben von <span class="musik-review-bandname">Roxy Music</span> existieren hier prächtig nebeneinander. Das folgende „Mary, Mary, so Contrary“ ist ebenfalls eine Coverversion eines Klassikers, allerdings eines noch älteren, denn das Original erschien auf dem offiziellen Debütalbum „Monster Movie“ der Krautrockpioniere <span class="musik-review-bandname">Can</span>. Die verrückte Psychedelik dieses Originals weicht in der Version von <span class="musik-review-bandname">The Electric Family</span> einer sommerlich-leichten Stimmung, was zum übrigen Album fraglos gut passt. Eigenständigkeit geht eben auch mit Coverversionen.</p>
<p>„Landmark Visions II“ ist sozusagen die Fortsetzung von „Landmark Visions“ vom 2002 aufgenommenen „Ice Cream Phoenix“, diesmal jedoch nicht ganz so lang. Die bei <span class="musik-review-bandname">The Electric Family</span> allgegenwärtige Gitarre soliert, leider nur sehr kurz, hier angenehm disharmonisch. Apropos „sehr kurz“: „Santuario“ ist ein nicht einmal drei Minuten langes elektronisches Zwischenspiel, das ungefähr so klingt, wie man sich indische Housemusik vorstellen würde, wenn man – wie der Schreiber dieser Zeilen – Housemusik nicht so gut kennt. „Terra Circus“ endet schließlich mit „Name the Dreamboat“, das abermals schön ungeduldiger Gitarrenbluesrock ist, aber sich eines Postpunkeinschlags nicht erwehren kann. Statt Gesangs wird hier gesprochen – nicht die einzige Gemeinsamkeit mit den unvergleichlichen <span class="musik-review-bandname">The Fall</span> und allein schon ein Grund, in „Terra Circus“ einmal bewusst hineinzuhören.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Und zwar entweder auf <a href="https://www.amazon.de/Terra-Circus-Lim-Ed-Vinyl-LP/dp/B06XPXDKHB?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder auf <a href="https://tidal.com/album/73946237" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/the-hirsch-effekt-eskapist.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_the-hirsch-effekt-eskapist.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">The Hirsch Effekt – Eskapist</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Lustlos, achtlos / fällt ihm denn nicht mal was Neues ein?“</span> (Xenophotopia)
<p>Das bedauerlicherweise aus Hannover stammende Trio <span class="musik-review-bandname">The Hirsch Effekt</span>, für das sich bezahlte Schreibschergen irgendwann einmal das Nonsensgenre „Artcore“ überlegt haben, hat mich mit jedem seiner ersten drei Alben in doppeltem Sinne <em>vom Stuhl gehauen</em>. Feinsinn ist langweilig.</p>
<p>Nach dem Abschluss der „Holon“-Trilogie <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/05/the-hirsch-effekt-holon-agnosie-die-devolution-der-popmusik/" data-wpel-link="internal">im Jahr 2015</a> weigerte sich die umbesetzte Gruppe, sich völlig neu aufzustellen. Warum auch? „Eskapist“, der Titel deutet es an, ist eine <em>Flucht nach vorn</em>, eine Verbindung zwischen den orchestralen Teilen der ersten und dem wilden Brett der letzten „Holon“-Platte. Die Titel sind so gewohnt kryptisch wie die Melodien, surreale Grafik ist zu sehen und zu hören.</p>
<p>Es wird also dem Djent, dem technischen Metal, dem Math-Wasauchimmer gefrönt. Gesang, Geschrei, Growls wechseln einander ab, ohne unabsichtlich peinlich zu sein. Die Stücke – auch das kennt man von <em>früher</em> gehen zum Teil ineinander über. Von den zwölf enthaltenen Kleinoden greife ich einfach mal quasi willkürlich sechs heraus, die trotzdem beispielhaft für <em>die ganze Band</em> stehen: Da wäre „Xenophotopia“, das textlich und eben auch melodisch immer noch an „Holon“ anknüpft; das 42 Sekunden lange Artpop-Instrumental „Coda“, das „Natans“ und „Berceuse“ verbindet; das fast zweiminütige „Tardigrada“, das gegen Ende vermutlich absichtlich wie eine leiernde Schallplatte klingt; das Streicherstück „Nocturne“, das als Einleitung „Aldebaran“ voransteht; das Artrocklied „Inukshuk“ mit dann doch wieder typisch <em>bretterndem</em> Bandsound zum Ende; endlich „Lysios“, das 14:14 Minuten feinsten Metals bietet, von den Musikern allerdings mit steigender Laufzeit zu einem wahren RIO-Feuerwerk hochgepeitscht wird. Die Lust am Lärm ist eine reiche, soll aber keineswegs verbergen, dass das „Eskapist“ beherrschende Thema die Fassungslosigkeit über eine Gesellschaft, die nur mehr existiert statt lebt, ist: <span class="musik-review-lyrics-inline">„Warum kommt es mir so vor, als ob die halbe Welt einfach Schafe zählt?“</span> („Berceuse“), was die richtige Frage zum immerwährend richtigen Zeitpunkt ist und bleibt.</p>
<p>Zum Abschluss von „Eskapist“ verblüffen <span class="musik-review-bandname">The Hirsch Effekt</span> nochmals mit einer ihrer <em>trotzdem</em> typisch dystopischen Wunderlichkeiten, mit denen ihre Studioalben, stets als Gesamtwerk konzipiert, meist enden: „Acharej“ ist eher im New Age als in der wilden Gitarrenmusik zu Hause, der sauber, also ungebrüllt, intonierte Text ist genau das Erwartete, was auch immer man erwartet, wenn man „Acharej“ liest, von <span class="musik-review-bandname">The Hirsch Effekt</span> aber bisher nichts kannte: <span class="musik-review-lyrics-inline">„Kein Zurück mehr (…) ich bin der Einzige hier.“</span> Ob der Nachfolger von „Eskapist“ wohl daran anknüpfen wird?</p>
<p>Die Vinylversion von „Eskapist“ kommt mit einer CD-Beilage und aufgedruckten Texten, was gleich zweimal praktisch ist: Man muss die LP nicht selbst digitalisieren und kann, sofern man nicht gerade in feiner Gesellschaft ist, auch ungestraft mitbrüllen. Immer nur filigran zu sein ist nicht befreiend.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Angemessen deprimierende Videos zu <a href="https://www.youtube.com/watch?v=fqRPBtXZSsE" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Lifnej“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=3xsBA7UNW0E" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Berceuse<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=UJ_OI40SJJI" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Inukshuk“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat die Band selbst auf YouTube zur Verfügung gestellt oder stellen lassen <em>oder so</em>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/katie-von-schleicher-shitty-hits.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_katie-von-schleicher-shitty-hits.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Katie Von Schleicher – Shitty Hits</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Katie Von Schleicher</span> – mit Schmidtchen Schleicher, bekannt aus der Folklore, vermutlich weder verwandt noch verschwägert – ist eine junge US-amerikanische Künstlerin, die seit 2015 – ihr eigenproduziertes <em>eigentliches</em> Debüt „Silent Days“ von 2012 einmal außer Acht gelassen – alljährlich einen Tonträger befüllt mit dunkelster Popmusik, von der „Spex“ etwas übertrieben „Rumpelkammerpop“ genannt, veröffentlicht beziehungsweise veröffentlichen lässt. Es mag die <em>Echtheit</em> von „Shitty Hits“ augenscheinlich beschädigen, dass es, anders als seine beiden Vorgänger, nicht (oder noch nicht) auf Audiokassette erhältlich ist, denn <em>eigentlich</em> ist so eine Kassette für ein Album wie „Shitty Hits“ die ideale Darreichungsform.</p>
<p>Auf „Shitty Hits“ ist entgegen des Titels weder etwas scheiße noch ein wirklich radiotauglicher <em>Hit</em>, stattdessen wird über die Dauer von elf Stücken eine drückende, aber doch intime Atmosphäre aufgebaut, mal bedrohlich knarzend („Nothing“), mal verletzlich („Mary“); selbst das tatsächlich <span class="musik-review-bandname">beatlesque</span> „Life’s a Lie“ – „<span class="musik-review-bandname">Portishead</span> treffen auf die <span class="musik-review-bandname">Beatles</span>“ untertitelte man beim „Guardian“ dieses Album und wurde damit eigentlich niemandem gerecht – besitzt eine klangliche <em>Sperrigkeit</em>, die mit Worten zu beschreiben nicht eben eine einfach zu lösende Aufgabe ist. <span class="musik-review-bandname">Zola Jesus</span> – die <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/08/zola-jesus-vessel/" data-wpel-link="internal">hatte ich hier</a> schon mal – würde sich in meinem Kopf gern als Vergleich bewerben, also verweise ich erst einmal auf sie.</p>
<p>Die Künstlerin fasst auf ihrer <a href="https://katievonschleicher.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp-Seite<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> die enthaltene Musik derzeit so zusammen:</p>
<blockquote><p>Die Lieder sind schrecklich und müssen partout so laut sein.</p></blockquote>
<p>Man kann sie aber auch leise hören.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Naja, <a href="https://katievonschleicher.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> halt.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/nick-prol-and-the-proletarians-loon-attic.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_nick-prol-and-the-proletarians-loon-attic.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Nick Prol &amp; The Proletarians – Loon Attic</span>
<p>Bei <span class="musik-review-bandname">Nick Prol</span> schreiben sich die Namenswitze sozusagen von allein, deswegen macht er gleich selbst einen: Als selbstbenannter „Lärmmacher“ steht er dem Quartett <span class="musik-review-bandname">The Proletarians</span> vor, das neben ihm aus zwei Dritteln des Experimental-Rock-Trios <span class="musik-review-bandname">The Mercury Tree</span> (das dritte Drittel, <span class="musik-review-bandname">Oliver Campbell</span>, ist auf „Loon Attic“ allerdings als Gast zu hören) sowie <span class="musik-review-bandname">Dave Newhouse</span> von den <span class="musik-review-bandname">Muffins</span> besteht. Er selbst, <span class="musik-review-bandname">Nick Prol</span>, hat wohl kein reiches Bandportfolio vorzuweisen, das aber auch nicht nötig: „Loon Attic“ wurde von ihm ursprünglich allein aufgenommen, die <span class="musik-review-bandname">Proletarians</span> wurden erst für die Neuaufnahme zwecks Veröffentlichung ins Leben gerufen.</p>
<p>Als Musik, die denen gefällt, die „Loon Attic“ mögen, empfiehlt Bandcamp.com außer den vermutlich wenig überraschenden <span class="musik-review-bandname">The Mercury Tree</span> auch <span class="musik-review-bandname">Bent Knee</span> und <span class="musik-review-bandname">Aquaserge</span>. Ich selbst – beim Versuch, die unglaublich vielseitige Musik auf „Loon Attic“ zu ordnen – entdecke <span class="musik-review-bandname">Cheer-Accident</span>, <span class="musik-review-bandname">Utopianisti</span>, <span class="musik-review-bandname">Primus</span>, <span class="musik-review-bandname">Henry Cow</span> und <span class="musik-review-bandname">Caravan</span>; will sagen: schlicht ist nicht. Jazz-Artrock, Canterbury („8th Wonder“), Hardrock („Nameless“) und nicht auf bloßes <em>Ufftata</em> zu reduzierende Zirkusmusik überraschen in jedem Takt. Zu den weiteren Gastmusikern auf „Loon Attic“ zählen unter anderem <span class="musik-review-bandname">Dave Willey</span> (<span class="musik-review-bandname">Hamster Theatre</span>, <span class="musik-review-bandname">Thinking Plague</span>), der in „8th Wonder“ diverse Instrumente bedient, und <span class="musik-review-bandname">Thymme Jones</span> (<span class="musik-review-bandname">Cheer-Accident</span>; Schlagzeug, Trompete und Moog in „Shiny and Round“), was dann auch wieder großartig passt.</p>
<p>Was man an „Loon Attic“ offensichtlicherweise kritisieren könnte, wenn man das denn möchte, ist, dass statt weniger umfangreicher lieber viele kurze Stücke enthalten sind: Die insgesamt 23 Lieder sind mit nur zwei Ausnahmen jeweils (oft deutlich) unter vier Minuten lang. Umso erfrischender ist es zu hören, was die Musiker aus der kurzen Spielzeit herausholen können. Das Verständnis von Musik als Komik ist in den letzten Jahrzehnten der Professionalisierung vieler Genres leider ein wenig abhandengekommen. <span class="musik-review-bandname">Nick Prol</span> trägt seinen Teil dazu bei, dass der Canterbury-Stil (cf. <span class="musik-review-bandname">Matching Mole</span>) mehr ist als eine bloße klangliche Einsortierung: „Loon Attic“ ist – im einfachen Wortsinne – ein komisches Album. Prima!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Anscheinend werden Interessierte derzeit nur auf <a href="https://proletarians.bandcamp.com/album/loon-attic" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> fündig.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/black-country-communion-bcciv.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_black-country-communion-bcciv.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Black Country Communion – BCCIV</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Sometimes quick and sometimes slow“</span> (The Crow)
<p>Zurück zu etwas erdigerer Musik.</p>
<p>Von 2009 bis Anfang 2013 existierte eine Hardrockband namens <span class="musik-review-bandname">Black Country Communion</span>, die mit <span class="musik-review-bandname">Glenn Hughes</span> (vorher bei <span class="musik-review-bandname">Deep Purple</span> und <span class="musik-review-bandname">Black Sabbath</span>), <span class="musik-review-bandname">Jason Bonham</span> (unter anderem bei <span class="musik-review-bandname">UFO</span>, <span class="musik-review-bandname">Foreigner</span> und <span class="musik-review-bandname">Led Zeppelin</span>), <span class="musik-review-bandname">Derek Sherinian</span> (<span class="musik-review-bandname">Dream Theater</span>) und dem Bluesrock-Solisten <span class="musik-review-bandname">Joe Bonamassa</span> das abgenutzte Etikett „Supergroup“ <em>trotzdem</em> nicht zu Unrecht trug. Nachdem <span class="musik-review-bandname">Black Country Communion</span> sich infolge des Soloerfolges von <span class="musik-review-bandname">Joe Bonamassa</span> nach ihrem dritten Studioalbum „Afterglow“ vorübergehend getrennt hatten, das Nachfolgeprojekt <span class="musik-review-bandname">California Breed</span> jedoch schnell ein Ende gefunden hatte, dauerte es nur wenige Monate, bevor eine erneute Zusammenarbeit der vier Musiker für das Jahr 2017 bekannt gegeben wurde. Das Ergebnis heißt schlicht „BCCIV“ (über den Namen müssen hier keine weiteren Worte fallen) und ist ein Hören durchaus wert.</p>
<p>Dass die Beteiligten sich das <em>Recht</em> auf eine Inszenierung als das, was man im Schnodderrock „Poser“ nennt, längst verdient haben, wissen sie und lassen dieser Inszenierung mit großen, ausladenden musikalischen Gesten („The Cove“) freien Lauf. Der Blues- und Folk-Anteil ist gering, krachender Hardrock („Sway“) überwiegt. Das soll <em>natürlich</em> nicht heißen, dass <span class="musik-review-bandname">Joe Bonamassa</span> nicht an den Liedern mitgewirkt hätte: In seinem passend betitelten „The Last Song for My Resting Place“, das so klingt, wie es heißt, ist sogar eine Fiddle zu hören. Der Mann versteht sein Handwerk und bleibt prägnant: „BCCIV“ ist mehr <span class="musik-review-bandname">Deep Purple</span> als <span class="musik-review-bandname">AC/DC</span> und das ist, wie ich einfach mal annehmen möchte, auch sein Verdienst.</p>
<p>„BCCIV“ ist ein erfreuliches Album, die Wiederkehr von <span class="musik-review-bandname">Black Country Communion</span> erfolgte ohne erkennbaren Qualitätsverlust. Warum andere zeitgenössische Musikgruppen das nicht auch schaffen, weiß ich nicht. Ich könnte mich darüber gesondert aufregen, aber ich habe mir fest vorgenommen, über Musikalben, die nicht gut sind, im hier gegebenen Rahmen keine weiteren Zeilen zu verschwenden, weshalb ich das jetzt auch einfach lasse. Keineswegs lassen sollte jedoch jeder Leser ein Reinhören in „BCCIV“.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Wer TIDAL-Abonnent ist, der wird <a href="https://tidal.com/album/76626966" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">dort<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> fündig, ansonsten gibt es <a href="https://www.amazon.de/BCCIV-Black-Country-Communion/dp/B0747PGLWG?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/boris-dear.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_boris-dear.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Boris – Dear</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Nobody wants to pick up that nostalgia“</span> (Memento Mori)
<p><span class="musik-review-bandname">Boris</span> sind zurück und tragen ihre Drones aus limitierten Kleinstauflagen (siehe <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">„asia“</a>) mit ihrem <em>erst</em> 22. Studioalbum „Dear“ wieder in die Masse, sofern man bei der Zielgruppe, die hier bedient wird, überhaupt von „Masse“ sprechen sollte und nicht von Klasse.</p>
<p>Von Zugänglichkeit kann weiterhin keine Rede sein, das überlassen die drei Japaner dann doch ihren Alter Egos, die gelegentlich zumindest <em>gefällige</em> Standard-Rockalben veröffentlichen. Beim Hören von „Dear“ derweil fühle ich mich immer wieder an das <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">hörenswerte</a> „Soused“ von <span class="musik-review-bandname">Sunn O)))</span> erinnert, denn hier treffen Gitarrenerdwälle auf entrückten, wenn auch merklich weniger exaltierten Gesang als ihn <span class="musik-review-bandname">Scott Walker</span> auf vorgenannter <em>Scheibe</em> zum Besten gab: mal geflüstert, mal gerufen, aber immer hallend, denn Hall ist gut.</p>
<p>Keine Zeit zum Ausruhen: Es brodelt, poltert und dröhnt, von irgendwo zerreißt ein Schlagzeug die Augenblicke. Rockmusik? Unsinn: „DEADSONG“ ist ein Lied, aber was für eines! Wie ein auf halber Geschwindigkeit abgespieltes, leierndes Tonband, das absichtlich neu eingespielt wurde, ist dieses Stück angenehm verwirrend. Mit dem unvermittelt einsetzenden „Absolutego“ wird das Ohr desjenigen, der weniger Experimente gewohnt ist, mit einer doch recht gut <em>abgehenden</em> Fassung einer <span class="musik-review-bandname">Lenny-Kravitz</span>-trifft-<span class="musik-review-bandname">Rammstein</span>-Fiktion (<em>im Internet</em> werden <span class="musik-review-bandname">Alice in Chains</span> genannt und damit hat <em>das Internet</em> völlig recht) vorübergehend zurückgewonnen, bis es schließlich merklich an Geschwindigkeit verliert und in Schreien über schleppendem Rhythmus ausklingt. Die Abwechslung zwischen Brummen mit Gesang (großartig auch: „Kagero“), Art- („Biotope“) und avantgardesquem Noiserock wirkt dabei nicht einmal zerrissen, sondern um so stimmiger.</p>
<p>„Easy Listening“? Bei Liedlängen zwischen vierdreiviertel („Memento Mori“) und fast 12 („Dystopia – Vanishing Point“) Minuten ist davon nicht auszugehen. Wo <span class="musik-review-bandname">Boris</span> draufsteht, ist, pardon!, <span class="musik-review-bandname">Boris</span> meist auch drin – auch 2017 wirkt das noch besser als jedes Qualitätssiegel; jedenfalls, so lange es das Qualitätssiegel „ohne <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span>“ noch nicht gibt. Ein durchweg schlechtes Album von <span class="musik-review-bandname">Boris</span> existiert nicht. <em>Isso.</em></p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Wer bis hierhin durchgehalten hat, der ahnt, was kommt – ein <a href="https://tidal.com/album/73498247" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Link zu TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und ein <a href="https://www.amazon.de/Dear-Vinyl-LP-Boris/dp/B071Z28J72?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Link zu Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> nämlich.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/lunatic-soul-fractured.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_lunatic-soul-fractured.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Lunatic Soul – Fractured</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„And the broken hearts will not break through my mind“</span> (Battlefield)
<p>Wenn schlechte Musiker nicht ausgelastet sind, weihen sie Möbelhäuser ein oder fangen die Schauspielerei an. Wenn hingegen gute Musiker nicht ausgelastet sind, rufen sie neue Musikprojekte ins Leben. <span class="musik-review-bandname">Mariusz Duda</span>, Sänger und Bassist der polnischen Progressive-Rock-Band <span class="musik-review-bandname">Riverside</span>, die erst 2016 das seltsame Album „Eye of the Soundscape“ veröffentlicht hat, gehört zweifellos letzterer Gruppe an. Sein hauptsächliches Nebenprojekt heißt <span class="musik-review-bandname">Lunatic Soul</span>.</p>
<p>Falls man annimmt, dass nicht alles, was <em>so Musiker</em> tun, in einer frei erfundenen Gedankenwelt stattfindet, so ist <span class="musik-review-bandname">Lunatic Soul</span> ein wesentlich intimeres <em>Projekt</em> als <span class="musik-review-bandname">Riverside</span>. Dass letzterer Band 2016 der Gitarrist <span class="musik-review-bandname">Piotr Grudziński</span> ebenso wie in den Jahren zuvor diverse Menschen aus <span class="musik-review-bandname">Mariusz Dudas</span> Umfeld mittels Sterbens abhandengekommen war, ist laut verschiedenen Interviews einer der Gründe, warum das Konzeptalbum „Fractured“, das, passend zum Titel, größtenteils ziemlich zerbrechlich („Anymore“) klingt, so eine nachdenkliche Stimmung verbreitet.</p>
<p>Die Ohren – die Seele sowieso – werden auf „Fractured“ mit einem merkwürdigen Jazz-Elektro-Dance-Rock, der Musikhörer, die schon etwas länger <em>dabei</em> sind, an die frühen 1990er Jahre erinnert, konfrontiert, der oft nach <span class="musik-review-bandname">The Notwist</span> und <span class="musik-review-bandname">Depeche Mode</span>, manchmal (etwa im Titelstück) auch nach <span class="musik-review-bandname">Eloy</span> klingt. Als Quintessenz des Albums aber mache ich „A Thousand Shards of Heaven“ aus, das nicht nur mit traurigen Streichern, sondern auch mit einem Text überzeugt, der schon beim Lesen Fragiles zeigt:</p>
<blockquote><p>You can say that I am yearning<br>
for something that’s already gone<br>
but I am not a prisoner</p></blockquote>
<p>Uff.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Warum nicht mal <a href="https://www.amazon.de/Fractured-Vinyl-LP-Lunatic-Soul/dp/B074KY9HXR?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder <a href="https://tidal.com/album/77195830" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>? Zum <em>ganz guten</em> „Anymore“ (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=uGGe_B44DTU" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>), zum <a href="https://www.youtube.com/watch?v=WibnqJj3OTc" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Titelstück<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und zu „Moving On“ (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=iQAXz81WZGk" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>) gibt es im Übrigen auch offiziell scheinende Musikvideos.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/the-dream-syndicate-how-did-i-find-myself-here.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_the-dream-syndicate-how-did-i-find-myself-here.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">The Dream Syndicate – How Did I Find Myself Here?</span>
<p>Im Jahr 1963 gründete der US-amerikanische Komponist und Musiker <span class="musik-review-bandname">La Monte Young</span> das <span class="musik-review-bandname">Theatre of Eternal Music</span>, ein Kollektiv zur Umsetzung minimalistischer Kompositionen, in deren Fokus Drones standen. Zu den frühen Mitgliedern des Ensembles gehörten die späteren <span class="musik-review-bandname">Velvet-Underground</span>-Musiker <span class="musik-review-bandname">John Cale</span>, <span class="musik-review-bandname">Angus MacLise</span> und <span class="musik-review-bandname">Sterling Morrison</span> ebenso wie <span class="musik-review-bandname">Terry Riley</span>. Das <span class="musik-review-bandname">Theatre of Eternal Music</span> löste sich erst 2003 auf, war bis dahin aber längst auch unter dem Namen <span class="musik-review-bandname">The Dream Syndicate</span> bekannt geworden, was vermutlich mit der Serie von frühen Musikaufnahmen namens „Inside the Dream Syndicate“ zu tun hat.</p>
<p>1981 stellte der aufstrebende Gitarrist <span class="musik-review-bandname">Steve Wynn</span> gemeinsam mit seiner damaligen musikalischen Weggefährtin <span class="musik-review-bandname">Kendra Smith</span> eine Band zusammen, die sich infolge einer Anregung des Schlagzeugers <span class="musik-review-bandname">Dennis Duck</span> eben <span class="musik-review-bandname">The Dream Syndicate</span> nannte. Das ist in <em>so Tauschbörsen</em> manchmal etwas verwirrend: <span class="musik-review-bandname">John Cale</span> spielt hier nicht mit. Bassistin <span class="musik-review-bandname">Kendra Smith</span> sang auf dem hörbar von <span class="musik-review-bandname">Neil Young</span> und <em>natürlich</em> <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span> beeinflussten Debütalbum, mit dem <span class="musik-review-bandname">The Dream Syndicate</span> den „Paisley Underground“, eine Art musikalischer Szene in Los Angeles, die den Psychedelic Rock, den Pop und vor allem die <span class="musik-review-bandname">Velvet Underground</span> der 1960er Jahre kultisch verehrte, sozusagen unabsichtlich aus der Taufe hoben, das famose „Too Little, Too Late“ und verließ die Band bereits 1983, der Rest der Gruppe blieb nach Personalwechsel bis 1989 aktiv, um dann 2012 von <span class="musik-review-bandname">Steve Wynn</span> wieder ins Leben gerufen zu werden. Aus der letzten Besetzung von 1989 übrig geblieben sind neben ihm <span class="musik-review-bandname">Dennis Duck</span> und der 1984 eingestiegene Bassist <span class="musik-review-bandname">Mark Walton</span>, neu hinzugekommen ist Gitarrist <span class="musik-review-bandname">Jason Victor</span>.</p>
<p>Im Februar 2017 wurde das erste neue Studioalbum von <span class="musik-review-bandname">The Dream Syndicate</span> seit 1988 angekündigt, es erschien schließlich im September unter dem Namen „How Did I Find Myself Here?“. Verlernt haben sie nichts, das Quartett schafft es noch immer, die Musik von <em>damals</em> nicht nur zu konservieren, sondern aufzubereiten: Die späten <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span>, später bekanntlich vorzüglich imitiert von den <span class="musik-review-bandname">Dandy Warhols</span>, standen hier hörbar Pate, im Titelstück klingt auch mal <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> an. Im Oktober kürte ich das Lied „80 West“ <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/10/the-dream-syndicate-80-west/" data-wpel-link="internal">zur Montagsmusik</a> und hatte mir dabei schon etwas gedacht, denn dessen Kontrast zwischen bassgetrieben schepperndem Indierock und den guten, alten Drones bringt „How Did I Find Myself Here?“ komprimiert auf den Punkt. „Like Mary“ ist tatsächlich noch älter, es entsprang frühen Bandproben und wurde erst nach über 30 Jahren für dieses Album erstmals offiziell aufgenommen.</p>
<p>Heimlich ist auch <span class="musik-review-bandname">Kendra Smith</span> wieder zurück: Das letzte Lied „Kendra’s Dream“ wurde nicht nur von ihr (laut <em>Internet</em> als Bewusstseinsstrom) verfasst, sondern wird auch von ihr vorgetragen. Dass mich das Lied in der ersten Hälfte auffallend an „All Tomorrow’s Parties“ erinnert, mag zum Teil an <span class="musik-review-bandname">Kendra Smiths</span> tiefer gewordener Stimme liegen, vor allem aber wahrscheinlich an der musikalischen Darbietung selbst, die nach einem ziemlich <em>rockigen</em> Album noch <em>trippiger</em>, noch mehr am Funk orientiert ist.</p>
<p>Ich habe „How Did I Find Myself Here?“ einem Härtetest unterzogen, indem ich es <em>ausgerechnet</em> auf dem Weg nach Hannover erstmals hörte. Ich hatte beim Aussteigen immer noch gute Laune, das Album hat den Test also bestanden. Endlich mal wieder ein würdiger Vertreter für mein bevorzugtes Topalbenattribut „Geile Scheibe“ und eventuell durchaus mein Album des Jahres 2017.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Die Plattenfirma selbst hat sämtliche Stücke des Albums <a href="https://www.youtube.com/watch?v=AgavsxHsKNk&amp;list=PLJ7QPuvv91JslEUJqqCTrrVSCSSiHk3UA" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hochgeladen, woraus ich folgere, dass es dort komplett zu hören empfohlen ist.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/pingvinorkestern-look-no-hands.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_pingvinorkestern-look-no-hands.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Pingvinorkestern – Look – no hands!</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Close / close / close the door!“</span> (Happy)
<p>Auch beim <span class="musik-review-bandname">Pingvinorkestern</span> haben wir es – das ist tatsächlich nur Zufall, schschwör – mit einer Band zu tun, die sich zumindest geringfügig mit der Modernisierung alter Meister befasst: Das <em>im Internet</em> als „exzentrisch“ bekannte <span class="musik-review-bandname">Penguin Cafe Orchestra</span>, das ursprünglich von 1972 bis 1997 existierte und sich nach dem Tod ihres Gründers <span class="musik-review-bandname">Simon Jeffes</span> in verschiedenen Besetzungen verschiedene Namen gab, inspirierte das personell unabhängige schwedische Quintett zu seinem Namen.</p>
<p>An der <a href="https://www.pingvinorkestern.se/contact" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Besetzung<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> fällt auf, dass alle fünf Musiker sowohl <em>slagverk</em> als auch <em>ukulele</em> spielen. Popmusik sieht zum Glück ganz anders aus. Laut Selbstbeschreibung spielt das <span class="musik-review-bandname">Pingvinorkestern</span> „poporientierte postmoderne Kammermusik mit humoristischen Untertönen“, was sich <em>irgendwie</em> nach dem Original anhört, aber diese Band hier ist <em>anders</em>, erinnert sie mich doch viel mehr an die gloriose Kammerrockband <span class="musik-review-bandname">broken.heart.collector</span>. Man möge allerdings auch hier darauf verzichten, mit dem Genreetikettendrucker unvorsichtig zu hantieren: Abwechslung muss sein!</p>
<p>Dem <span class="musik-review-bandname">Penguin Cafe Orchestra</span> nicht unähnlich sind immerhin das Titelstück und „Stora moerdarbacken“, was immer das heißen mag: RIO und instrumentale Klezmermusik finden hier wie selbstverständlich zueinander. Bei „Stay“, „Free Fall“ und „Save Me“ handelt es sich um beachtlichen Artpop mit Gesang, wobei insbesondere letzteres Stück mit nach meinem unmaßgeblichen Geschmack wunderschönem Chorgesang überzeugt. Am kraftvollen und stilistisch überraschenden Rockstück „Happy“ kann ich nur kritisieren, dass es mit unter zwei Minuten deutlich zu kurz ist.</p>
<p>Folk- und Countryfreunde werden womöglich mit „Walk Slowly“ und „Honk“ höchst zufrieden sein, unsereins kommt zu einem anderen Zeitpunkt wieder herein: „If You’re a Dreamer, Come In“ klingt <em>mal wieder</em> so, wie es heißt: Die Band baut mit reichlich Perkussion eine psychedelische, nahezu <span class="musik-review-bandname">pinkfloydesque</span> Wunderwelt auf, aus der man am Ende mit einem Türklingeln aufgeschreckt wird. Humor? Oh ja.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Stream und Kauf gibt es via <a href="https://pingvinorkestern.bandcamp.com/album/pingvinorkestern-look-no-hands" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/cobra-family-picnic-magnetic-anomaly.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_cobra-family-picnic-magnetic-anomaly.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Cobra Family Picnic – Magnetic Anomaly</span>
<p>Ein Album wie eine Mondlandung, das sich in die Reihe der Musikalben, die so heißen, wie sie klingen, <em>ganz gut</em> einreiht, haben die fünfeinhalb US-Amerikaner von <span class="musik-review-bandname">Cobra Family Picnic</span> im Mai 2017 hervorgebracht. Groovender, in den 1960er Jahren wurzelnder Spacerock mit elektronischem Flirren, schwebendem Gesang und hypnotischem Bass, irgendwo nahe <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> einer- und <span class="musik-review-bandname">Baby Woodrose</span> andererseits angesiedelt, bestimmt die 38 beziehungsweise (in der aus unklarem Grund etwas längeren CD-Fassung) 47 Minuten.</p>
<p>„Magnetic Anomaly“ ist allerdings auch ein Album der Gegensätze, was den drei Zwischenspielen namens „Interplanetary Travel“, die wohl eine Art Rahmenhandlung darstellen sollen, geschuldet ist, die, wie der versierte Mathematiker und/oder Informatiker weiß, fälschlich als „001“, „011“ und „111“ nummeriert sind und verschieden schwere Klanglandschaften abbilden. In „Interplanetary Travel 011“ ertönt sogar Vogelgezwitscher, was im Weltraum gleich mehrfach merkwürdig ist. Der Gesamtqualität von „Magnetic Anomaly“ schadet diese rüde Unterbrechung jedoch nur geringfügig.</p>
<p>Der Schreiber dieser Zeilen jedenfalls verbrachte die 47 Minuten Spielzeit von „Magnetic Anomaly“ <em>völlig losgelöst von der Erde</em> und empfiehlt, den nun entstandenen Ohrwurm schnellstmöglich wieder zu vergessen und sich stattdessen auf die Verstandesreise zu begeben, die „Magnetic Anomaly“ ist.</p>
<p>Ganz famos.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Ich schlage abermals <a href="https://cobrafamilypicnic.bandcamp.com/album/magnetic-anomaly" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> vor, <a href="https://www.amazon.de/Magnetic-Anomaly-Cobra-Family-Picnic/dp/B075DS18JL?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist aber auch in Ordnung.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/hibushibire-freak-out-orgasm.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_hibushibire-freak-out-orgasm.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Hibushibire – Freak Out Orgasm!</span>
<p>„Alter!“</p>
<p>Das war die erste Notiz, die ich beim Anspielen der vorliegenden Musik verschriftlicht habe, und wiederholte Leser meiner Texte nehmen vermutlich zu Recht an, dass ich nicht ohne einen guten Grund dazu neige, meine Sprache altersmäßig dermaßen weit zurückzudrehen, aber es gibt tatsächlich musikalische Werke, denen eine sonstwie <em>erwachsene</em> Sprache nicht gerecht würde.</p>
<p>Wenn ein Tonträger schon „Freak Out Orgasm!“ heißt, dann erwartet man meist entweder eine <span class="musik-review-bandname">Frank-Zappa</span>-Reverenz oder andersartig <em>total durchgeknallten</em> Hörgenuss. Hier haben wir es mit Letzterem zu tun, was ich gut finde, weil ich <em>total durchgeknallte</em> Hörgenüsse mag und <span class="musik-review-bandname">Frank Zappa</span> nicht.</p>
<p>„Hibushibire“ heißt laut Quellen, deren Japanisch zumindest besser ist als meines, <em>ungefähr</em> „Geheimnis der Taubheit“, was ich nicht verstehe, weil ich bislang annahm, Geheimnisse seien nur dann als Geheimnisse qualifiziert, wenn man sie nicht per Lautsprecherwagen durch rege wuselnde Großstädte transportiert und sie überdies mit „Achtung, hier kommt ein Geheimnis!“ anmoderiert, wobei das Japanische <em>natürlich</em> eine dermaßen hintersinnige Sprache ist, dass „Hibushibire“ in einem, glaubt man dem virtuellen <em>Waschzettel</em> zu „Freak Out Orgasm!“, alten japanischen Pornodialekt – ich finde es etwas schade, dass mir gerade kein alter deutscher Pornodialekt einfällt, von Sächsisch einmal abgesehen – auch „Ausrastorgasmus“, „freak out orgasm“ also, heißen kann. Japaner sind merkwürdig. Die drei hier beteiligten Musiker „heißen“ <span class="musik-review-bandname">Chang Chang</span>, <span class="musik-review-bandname">Ryu Matsumoto</span> und <span class="musik-review-bandname">821</span>, was ein so schöner Name ist, dass ich ernsthaft hoffe, niemals eine Frau zu finden, die möchte, dass ich ihrem Kind einen Namen gebe, denn sonst wird das Kind mich später hassen, und bei „Freak Out Orgasm!“, fünf Jahre nach der Gründung des Trios veröffentlicht, handelt es sich laut verschiedenen Quellen entweder um das Debütalbum oder um den/die/das Debüt-EP der Gruppe, also noch nicht einmal ein <em>richtiges</em> Album, aber in einer Zeit, in der Musikalben ohnehin kaum noch mehr als eine halbe Stunde lang sein müssen, insbesondere dann nicht, wenn es um irgendwelche Geldesel geht, die es zu melken gilt, weshalb wenig „Musik“ auf so viele separate Verkaufseinheiten verteilt wird wie es irgendwie möglich ist, ohne dass die Schar der Anhänger allzu schnell verärgert ist und ihr Taschengeld nicht mehr herausrückt, sind EPs von 39:18 Minuten Länge schon aus wirtschaftlicher Sicht bemerkenswert. Wie lang das erste Vollzeitalbum wohl sein wird? Wie lang ist so eine japanische Vollzeit?</p>
<p>Die vier enthaltenen Stücke, <em>angeblich</em> an nur einem Tag aufgenommen, heißen „Lucifer’s My Friend“ (die Krautrockband ähnlichen Namens ist an dieser Stelle völlig egal), „Hallucination Valley Blues – Flying Shiva Attack – Hallucination Valley Blues (Reprise)“, „Trepanation Breakdown“ und „Deep Throat River Holy Mountain High“, wobei letzteres Stück mit fast 20 Minuten Länge <em>eigentlich</em> zusammengefasst schon völlig reichen würde, um jedem Leser dieses Absatzes, der einen mit dem meinen vergleichbaren musikalischen Vogel hat, sozusagen die Ohren wässrig zu machen (oder wie heißt das, wenn man eifrige Lust auf etwas zum Hören statt etwas zum Essen bekommt?), weshalb ich es jetzt nochmals höre und davon erzähle, warum mir dabei, um juvenil zu bleiben, <em>voll einer abgeht</em>: Weil es nämlich den mit aufgedrehtem Lautstärkeregler gespielten Stilmix aus psychedelisch fuzzgetränktem Bluesrock, japanischer Folkmusik und ungezügeltem RIO/Avant, der <span class="musik-review-bandname">Hibushibires</span> Debütwerk ausmacht, nicht bloß wiederholt, sondern auf die Spitze treibt, indem nämlich <em>zunächst</em> wie einst bei den <span class="musik-review-bandname">Beatles</span> fernöstliche Klänge ertönen, den ein textloser Chor begleitet, <em>dann</em> eine nervöse Gitarre über Bass und Schlagzeug soliert, bevor Gitarrist und Sänger <span class="musik-review-bandname">Chang Chang</span> in einer mir unbekannten Sprache so etwas wie Strophen zu den zuvor gehörten fernöstlichen Klängen singt. Die effektgeladene Gitarre walzt nach Abschluss dieses Gesangsteils das sich aufbäumende und hektisch um sich schlagende Schlagzeug mit schlichter Lautstärke sozusagen einfach platt. Sieben Minuten sind vorüber: Nach einem kurzen Intermezzo wettstreiten die entfesselten Instrumente, per Studionachbearbeitung abermals um hierzulande eher selten anzutreffende Instrumente wie Zurna und Santur erweitert, bis zur Klimax (<em>Ohrgasmus</em> eben) darum, welches wohl das dominante bleiben mag. Es folgt die Ruhe vor dem erneuten Sturm, ein Klangteppich mit Perkussion, von dem eine unbestimmte Gefahr ebenso auszugehen scheint wie eine unbestimmte Hoffnung, zu dem sich nach einiger Zeit wieder der textlose Chor gesellt. – Schnitt! Unbekannte Instrumente spielen eine beruhigend-hypnotische Melodie, deren Rhythmus man gerade zu finden glaubt, als das gesamte Instrumentalinventar ohne lange Vorrede wieder <em>völlig durchdreht</em> und jeden Gedanken an eine Orientierung vergessen lässt. Wer braucht Takte, wenn er stattdessen auch den Verstand verlieren kann? Es <em>bratzt</em> und hupt und brettert und knattert herrlichst und scheinbar ohne jeden Halt, bis plötzlich das Schlagzeugmotiv völlig unbemerkt wieder eine Regelmäßigkeit entwickelt hat und die letzte Strophe aufgrund der überhaupt nicht an etwas Zurückhaltung zu <em>denken</em> scheinenden Instrumente mehr gerufen als gesungen wird. Dem an schließt sich ein energiegeladenes Hardrocksolo, das nur so lange an <span class="musik-review-bandname">Black Sabbath</span> erinnert, bis einem der Name dieser Band wieder eingefallen ist, denn sofort zerstreut die Sprengung der Hardrockklischees mittels instrumentaler Eskalation die Irritation. „Deep Throat River Holy Mountain High“ endet mit einem Ausblenden der Melodie vom Anfang und ist laut Plattenfirma ein „repräsentatives Lied“ von <span class="musik-review-bandname">Hibushibire</span>, das oft auf Konzerten gespielt werde. Ich empfinde plötzlich das unbedingte Verlangen, mich davon eines Tages selbst zu überzeugen, falls ich bis dahin meine Sprache wiedergefunden habe. <em>Alter!</em></p>
<p>Als Einflüsse nennen die Musiker unter anderem <span class="musik-review-bandname">Can</span>, <span class="musik-review-bandname">Acid Mothers Temple</span> und deren Nebenprojekte, <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>, <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> und <span class="musik-review-bandname">Träd, Gräs och Stenar</span>. Wem das – wie mir – weder fremd noch unheimlich ist, der wird mit „Freak Out Orgasm!“ auf eine fantastische Weise voll auf seine Kosten kommen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Videos, Stream und Kauf empfehlen sich über <a href="https://riotseasonrecords.bandcamp.com/album/freak-out-orgasm" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/buffy-sainte-marie-medicine-songs.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/12/Vorschau_buffy-sainte-marie-medicine-songs.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Buffy Sainte-Marie – Medicine Songs</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„And now our history gets written in a liar’s scrawl“</span> (Bury My Heart at Wounded Knee)
<p>Zur Abwechslung haben wir es hier mit Musik zu tun, die älter ist als sie klingt: <span class="musik-review-bandname">Buffy Sainte-Marie</span> wurde im Februar 1941 in einem kanadischen Reservat für Cree-Indianer geboren und ist seit ihrer Kindheit musikalisch aktiv. In den 1960er Jahren hing sie, so will es die Legende, mit anderen jungen kanadischen Künstlern herum, darunter <span class="musik-review-bandname">Leonard Cohen</span>, <span class="musik-review-bandname">Neil Young</span> und <span class="musik-review-bandname">Joni Mitchell</span>, die sie vermutlich nicht unbeeindruckt ließen. In den folgenden Jahrzehnten schrieb <span class="musik-review-bandname">Buffy Sainte-Marie</span> manches Lied und veröffentlichte – mit einer sechzehnjährigen Pause bis 1992 – manches Album. 2017 gesellte sich „Medicine Songs“ hinzu, auf dem sich auch Lieder befinden, die von ihr schon vor Jahrzehnten erstmals gespielt wurden. Von einem bloßen kommerzorientierten „Best-of“-Album zu reden liegt mir aber fern.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Buffy Sainte-Marie</span> klingt wie eine indianische Rockversion von <span class="musik-review-bandname">Joni Mitchell</span> und/oder <span class="musik-review-bandname">Joan Baez</span>: Es gibt sitztanztaugliche Folkmusik mit <em>typisch indianischen</em> Gesängen, mal elektronischer („The War Racket“, „Power in the Blood“), mal akustischer, <span class="musik-review-bandname">dylanesque</span> gar (etwa „Universal Soldier“ und „My Country ‚tis Of Thy People You’re Dying“, eine Art kanadisches Volkslied, das <span class="musik-review-bandname">Buffy Sainte-Marie</span> bereits <a href="http://www.folkarchive.de/mycount.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">1966<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> aufgenommen hatte); es gibt Schlager („Fallen Angels“ oder das für Menschen, die Amerika mit den USA gleichsetzen, ungewöhnliche „America The Beautiful“), aber auch mal Gitarrenrock („Bury My Heart at Wounded Knee“, „Generation“). Mitunter ähnelt das der Musik, die in Deutschland in den 70ern und frühen 80ern („Starwalker“) oder ein halbes Jahrzehnt später („The Priests of the Golden Bull“) in die Hitparaden geschossen wurde („Pop“), aber für Radio klingt das viel zu prima.</p>
<p>Zweifellos sind dem Radio Liedtexte in fremden Sprachen auch egal (immerhin spielt man dort auch gleichgültig „Walk On The Wild Side“), sonst wäre <span class="musik-review-bandname">Buffy Sainte-Marie</span> für die öffentliche Wahrnehmung vermutlich auch zu kritisch: Textlich befassen sich die „Medicine Songs“ wie auch der überwiegende übrige Teil des Gesamtwerks der Sängerin mit der Verständigung zwischen Indianern und dem <em>weißen Mann</em>. Protestmusik eben – nur aus einer anderen Perspektive als <em>der Westen</em> das möglicherweise gewohnt ist. Jaja: Wer hört schon den Texten zu? Texte sind nur spannend, wenn sie gegen <em>den Richtigen</em> gerichtet sind. Trump. „Nazis“ und so. Aber doch nicht gegen <em>uns</em>!</p>
<p>Ach, ach.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Wie wär’s mit <a href="https://tidal.com/album/80208866" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>?</p>
<p>Keine Sorge, wir sind bald fertig. Ich fasse mich jetzt ein wenig kürzer, so viel Zeit haben wir ja alle nicht mehr.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Yowie – Synchromysticism</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Yowie</span> (allein der Name schon!) spielen instrumentalen Frickel-Shoegaze mit schweißtreibendem Schlagzeugspiel, wovon es fraglos so manchen Vertreter geben mag, weshalb kleine Perlen wie diese immer wieder ein Leuchten hervorbringen, was ja gerade im Winter nicht unwillkommen ist. <a href="https://www.amazon.de/Synchromysticism-Yowie/dp/B06XGVMT83?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Godspeed You! Black Emperor – Luciferian Towers</span><br>
Die vielköpfige kanadische Postrockinstitution begründet mit Musik gewordenem französischem Kino zwischen Drama und Tierdokumentation auch in diesem Jahr wieder, warum auf sie an langen Winterabenden nicht verzichtet werden sollte. <a href="https://tidal.com/album/77731862" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Mediabanda – Bombas en el aire</span><br>
Endlich mal Latinomusik, die zu gut ist, um bloß Telenovelas zu untermalen, weil sie nicht nur ziemlich gut <em>abgeht</em>, sondern überdies für Radiotauglichkeit deutlich zu ambitioniert ist, was sich nicht nur aus Prinzip, sondern auch und gerade beim Hören sehr angenehm auswirkt. <a href="https://www.amazon.de/Bombas-en-el-Aire-Mediabanda/dp/B06Y3Z19WP?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Kaiser Franz Josef – Make Rock Great Again</span><br>
Hardrock aus <em>natürlich</em> Österreich, der sich bei <span class="musik-review-bandname">AC/DC</span>, den <span class="musik-review-bandname">White Stripes</span> und den <span class="musik-review-bandname">Strokes</span> ebenso bedient wie bei den einschlägigen Vertretern der absurden Britpopwelle vor ein paar Jahren; was, freilich, eher wie 2007 als wie 2017 klingt, aber von <em>diesem</em> 2007 kann es noch nicht genug geben. <a href="https://www.amazon.de/Great-Again-Kaiser-Franz-Josef/dp/B06XK46NYQ?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Monolord – Rust</span><br>
Aus Schweden, Gegend der dunklen Metalbands, stammt auch die dunkle Doom-Metal-Band <span class="musik-review-bandname">Monolord</span>, deren aktuelles Album „Rust“ erst im September erschien und sich mit schleppenden Rhythmen und vielfacher Verzerrung exemplarisch für eine Vorführung als Antwort auf die gelegentlich zu stellende Frage, was man an solcher Musik eigentlich so gut finde, eignet, denn die Mitwippwahrscheinlichkeit ist hier genretypisch bemerkenswert hoch. <a href="https://monolord.bandcamp.com/album/rust" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Kettlespider – Kettlespider</span><br>
Auf ihrem zweiten, trotzdem nach sich selbst benannten Studioalbum brilliert das australische Instrumentalquintett <span class="musik-review-bandname">Kettlespider</span> mit jazzkompatiblem, dennoch gitarrenfokussiertem Progressive Rock, der in den ruhigen Momenten <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>, in den energetischeren <span class="musik-review-bandname">Rush</span> nicht einfach kopiert, sondern im Fluss aus bravourösen Rhythmen mitziehen lässt. <a href="https://kettlespider.bandcamp.com/album/kettlespider" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">In Search Of Sun – Virgin Funk Mother</span><br>
Dass ich Spaß an dem habe, was <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/02/jeavestone-11ok/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Jeavestone</span></a> einmal recht treffend als „Prog’n’Roll“ beschrieben, bei Quatschjournalisten vermutlich „Alternative Rock“ hieße und ungefähr klingt wie hüpfende, krummtaktige <em>Sommerhits</em> von Leuten, die ihr bevorzugtes Instrument noch selbst spielen und nicht am Computer simulieren, bestätigen 2017 die Briten von <span class="musik-review-bandname">In Search Of Sun</span>, die mit ihrem „ungestümen Genre-Cocktail“ (Marco Götz, „METAL HAMMER“) auch an kälter werdenden Abenden eine gewisse Freude an Bewegung aufkommen lassen. <a href="https://www.amazon.de/Virgin-Funk-Mother-Search-Sun/dp/B07543K3LD?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">I Am the Manic Whale – Gathering the Waters</span><br>
Wer glaubte, dass das Thema Retroprog in <span class="musik-review-bandname">Yes’scher</span> Tradition 2017 keine große Rolle mehr spiele, der unterschätzte die Begeisterung immer neuer Musiker für die alten Meister, wie auch die vier Herren von <span class="musik-review-bandname">I Am the Manic Whale</span>, einer sehr schön heißenden britischen Band mit ausgewiesener Freude an der Musik von <span class="musik-review-bandname">Big Big Train</span>, (den alten) <span class="musik-review-bandname">Yes</span>, <span class="musik-review-bandname">Rush</span> und Artverwandten, auf ihrem erfreulichen Zweitling „Gathering the Waters“, der bei aller Siebzigerei frisch und knackig aus dem Kopfhörer schallt, bereichernd belegen. <a href="https://iamthemanicwhale.bandcamp.com/album/gathering-the-waters" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Pere Ubu – 20 Years in a Montana Missile Silo</span><br>
Auch nach 42 Jahren weiß die musikalische Konstante – inzwischen zum Nonett angewachsen – die bewährte, aber niemals langweilige Verbindung aus Bluesrock, Rock’n’Roll und Avantgardesquem, die von <span class="musik-review-bandname">Tom Waits</span> bis <span class="musik-review-bandname">Henry Cow</span> <em>eigentlich</em> beinahe alles, was einigermaßen, aber noch nicht übertrieben <em>schräg</em> ist, als hörbaren Einfluss vereint, zu einem Genuss zu machen, was wohl auch an der wandlungsfähigen Stimme des letzten verbliebenen Bandgründers <span class="musik-review-bandname">David Thomas</span> liegen mag, dessen Vokalkünste allein schon eine Kenntnisnahme empfehlen. <a href="https://www.amazon.de/20-Years-Montana-Missile-Silo/dp/B074KZZP3P?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Lesser Men – Biding Time</span><br>
Die Musik auf „Biding Time“ ist im Kern melodischer Brüllmetal zwischen <span class="musik-review-bandname">Dream Theater</span>, <span class="musik-review-bandname">Tool</span> und <span class="musik-review-bandname">A Silver Mt. Zion</span> („2305“), der die innere Verzweiflung des Hörers (lies: Verfassers dieser kurzen Rezension) ausreichend anregen, dass er sich zum Mitbrüllen animiert fühlt, leider kenne ich aber den Text (und die Melodie) noch nicht gut genug, habe mir aber vorgenommen, das in nächster Zeit bei sich bietender Gelegenheit zu korrigieren. <a href="https://sundaydriverecords.bandcamp.com/album/biding-time" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Ufomammut – 8</span><br>
Das ziemlich italienische, ziemlich bärtige Stoner-Doom-Metal-Trio mit dem wohlklingenden Namen <span class="musik-review-bandname">Ufomammut</span> weiß auch nach achtzehn Jahren Bandgeschichte auf ihrem aus acht Stücken bestehenden achten Studioalbum, der Einfachheit zugunsten schlicht „8“ („Acht“) benannt, noch positive Überraschungen bereitzuhalten. <a href="https://ufomammut.bandcamp.com/album/8-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">The Flying Eyes – Burning Of The Season</span><br>
<span class="musik-review-bandname">The Flying Eyes</span> präsentieren soliden, modernen Rock’n’Roll mit angenehm bretternder Gitarre, galoppierendem Schlagzeug und genreuntypisch unpeinlichem Gesang und sind eine wertvolle Ergänzung für den Plattenschrank jedes Musikfreundes, der findet, dass diese Gitarrenbands heutzutage insgesamt viel zu viel Popmusik machen. <a href="https://theflyingeyes.bandcamp.com/album/burning-of-the-season" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Orpheus Nine – Transcendental Circus</span><br>
Das beste <span class="musik-review-bandname">Transatlantic</span>-Album des Jahres 2017 haben <span class="musik-review-bandname">Orpheus Nine</span> veröffentlicht: Retro-Prog mit deutlicher Canterburynote kann auch frisch und unpeinlich klingen – gern mehr davon. <a href="https://orpheusnine.bandcamp.com/album/transcendental-circus" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li>
</ol>
<p>So! Was machen wir jetzt? Ah, richtig: Eine Rückschau auf fuffzich Jahre Musikgeschichte. Das fällt mir jedes Mal ein bisschen schwerer, weil der Abstand zwischen heute und vor 50 Jahren mir immer kürzer vorkommt. Alt zu werden ist anstrengend, man möge es mir nicht nachmachen.</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Alt und stark.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 50 Jahren:</span>
<p>Über 1967 muss man musikalisch nicht mehr viele Worte verlieren, denn das meiste (<span class="musik-review-bandname">Beatles</span>, <span class="musik-review-bandname">Velvet Underground</span>, <span class="musik-review-bandname">Beach Boys</span>) ist zur Genüge bekannt. Ansonsten geschah unter anderem dies: Im Fernsehen lief „Daktari“, die Musik zur Serie wurde so beliebt wie die Serie selbst. <span class="musik-review-bandname">Marvin Gaye</span> erholte sich noch von dem Erfolg seiner Coverversion von „I Heard It Through the Grapevine“ und ließ erst einmal das zusammen mit der jungen, allerdings nicht mehr allzu lange lebenden Sängerin <span class="musik-review-bandname">Tammi Terrell</span> aufgenommene Album <span class="musik-review-album-titel">United</span> veröffentlichen. Der Schnulzensänger <span class="musik-review-bandname">Neil Diamond</span> nannte sein zweites, nicht <em>allzu</em> übles Vollzeitalbum, auf dem die meisten Lieder, die man von ihm <em>halt so kennt</em>, drauf sind, „Just For You“, die <span class="musik-review-bandname">Bee Gees</span> ihr drittes irritierenderweise <span class="musik-review-album-titel">Bee Gees‘ 1st</span>. Auch die Sängerin <span class="musik-review-bandname">Nico</span>, die 1966 im Film „Chelsea Girls“ mitgespielt hatte, begann im gleichen Jahr mit <span class="musik-review-album-titel">Chelsea Girl</span> ihre, wie ich finde, zu kurze Solokarriere, während <span class="musik-review-bandname">Leonard Cohen</span> offenbar gar nicht wusste, dass er noch bis 2016 eine Menge Musik machen würde, und sein ebenfalls 1967 erschienenes Debütalbum schlicht <span class="musik-review-album-titel">Songs of Leonard Cohen</span> nannte. Lustig wäre es gewesen, hätte er einfach jedes Album so genannt, denn es waren ja in der Regel allesamt seine Lieder. Dann eben nicht.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 40 Jahren:</span>
<p>1977, das Jahr des untergehenden Progressive Rock, zerrieben von Punk- und Discomusik? Fast! Die <em>natürlich</em> britische Band <span class="musik-review-bandname">England</span>, die es seit wenigen Jahren gab, zeigte mit ihrem ersten und letzten regulären Album <span class="musik-review-album-titel">Garden Shed</span> noch einmal, dass es ein Fehler sein würde, Drei-Akkorde-Musik dem elegischen „Prog“ der späten Sechziger vorzuziehen, ist damit jedoch leider nicht besonders weit gekommen. <span class="musik-review-bandname">Univers Zero</span> debütierten mit <span class="musik-review-album-titel">1313</span>, <span class="musik-review-bandname">Van der Graaf Generator</span> kaschierten den Weggang von <span class="musik-review-bandname">David Jackson</span> und <span class="musik-review-bandname">Hugh Banton</span>, indem sie den Generator aus ihrem Namen strichen und mit dem Neumitglied <span class="musik-review-bandname">Graham Smith</span> an der Violine und dem Altbassisten <span class="musik-review-bandname">Nic Potter</span> das stimmige <span class="musik-review-album-titel">The Quiet Zone / The Pleasure Dome</span> präsentierten. <span class="musik-review-bandname">Peter Gabriel</span> verarbeitete seinen Ausstieg bei der nervigen Inselband <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> inzwischen, indem er mit dem langweilig benannten Album <span class="musik-review-album-titel">I</span> seine Solomöglichkeiten zu erforschen begann. Mit dem fünften Album namens <span class="musik-review-album-titel">So</span> (1986) hörte er dann auch endlich auf, seine Alben einfach nur durchzunummerieren.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 30 Jahren:</span>
<p>Wer hat zwei Daumen und möchte nicht mehr über die Unmusik der 1980er reden? – 1987 war selbst dort, wo einst Großes geschaffen worden war, so scheußlich wie erwartet: <span class="musik-review-bandname">Yes</span> widerten die Welt mit <span class="musik-review-album-titel">Big Generator</span> an, <span class="musik-review-bandname">Michael Jackson</span> vertonte sein <span class="musik-review-album-titel">Bad</span>, selbst <span class="musik-review-bandname">Marillions</span> letztem Album mit dem fantastischen Sänger <span class="musik-review-bandname">Fish</span> namens <span class="musik-review-album-titel">Clutching at Straws</span> wohnte kein Zauber mehr inne. Aus der Deckung traute sich <span class="musik-review-bandname">Enya</span>, deren Debüt leider genau so hieß, jedoch machten <span class="musik-review-bandname">Pop Will Eat Itself</span> (<span class="musik-review-album-titel">Box Frenzy</span>) und <span class="musik-review-bandname">Värttinä</span> (Debütalbum <span class="musik-review-album-titel">Värttinä</span>) Hoffnung, dass das nicht alles gewesen sein würde.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 20 Jahren:</span>
<p>Na also, es ging doch: Die verrückten Japaner <span class="musik-review-bandname">Acid Mothers Temple &amp; the Melting Paraiso U.F.O.</span> entfernten 1997 den Genitivapostroph aus ihrem Bandnamen und veröffentlichten drei Alben, <span class="musik-review-bandname">Morphine</span> überzeugten auf dem erfolgreichen <span class="musik-review-album-titel">Like Swimming</span> noch einmal mit ihrem unvergleichlichen <em>jazz noir</em>, die <em>irgendwie ähnlichen</em> <span class="musik-review-bandname">Tindersticks</span> legten das feine <span class="musik-review-album-titel">Curtains</span> vor. In Kanada entfalteten sich <span class="musik-review-bandname">Godspeed You! Black Emperor</span> mit ihrem ersten Album <span class="musik-review-album-titel">F♯ A♯ ∞</span>, das von zeitgenössischer Kritik für seine, verglichen mit dem Rest der 1990er, bemerkenswerte Schönheit gewürdigt wurde, die schottischen – mehr oder weniger – Genrekollegen <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> debütierten mit <span class="musik-review-album-titel">Mogwai Young Team</span>. Schönheit ist ja immer auch eine Frage der Relation: Die einstigen Anarchopunks <span class="musik-review-bandname">Chumbawamba</span> landeten mit <span class="musik-review-album-titel">Tubthumper</span> und dem Quasi-Titellied „Tubthumping“ einen ärgerlichen Welthit, hinter dem ihre übrigen Werke zu Unrecht fast verschwanden und heute so gut wie vergessen sind. Konsequent veröffentlichte ebenfalls 1997 die englische Band <span class="musik-review-bandname">Blur</span>, die so heißt wie das Geräusch, das man macht, wenn man sie hört, ihr fünftes Album, das so heißt wie das Geräusch, das man macht, wenn man es hört, nämlich <span class="musik-review-album-titel">Blur</span>.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 10 Jahren:</span>
<p>Ein neues Jahrtausend, eine neue Musik. „Neu“? Nun ja, es wurde vieles schon gesagt, nur noch nicht von jedem: <span class="musik-review-bandname">Starcastle</span> waren mit <span class="musik-review-album-titel">Song of Times</span> wieder zurück und machten – wenn auch auf beachtlich hohem Niveau – immer noch den Progressive Rock  der 1970er nach, <span class="musik-review-bandname">Rush</span> spielten auf <span class="musik-review-album-titel">Snakes &amp; Arrows</span> Musik, die nach <span class="musik-review-bandname">Rush</span> klingt, und <span class="musik-review-bandname">Porcupine Tree</span>, deren Frontmann <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span> ich die Behauptung, es sei jede Musik schon gemacht worden, eigentlich entliehen habe, setzten auf <span class="musik-review-album-titel">Nil Recurring</span> ihren damals aktuellen Stil einfach fort. Mit <span class="musik-review-album-titel">Fornika</span> stagnierten auch <span class="musik-review-bandname">Die Fantastischen Vier</span>, auf den folgenden Alben ging es erschreckend schnell bergab. Wagemutiger zeigte sich <span class="musik-review-bandname">Nick Cave</span>, dessen gewaltige Noiserockband <span class="musik-review-bandname">Grinderman</span> 2007 eindrucksvoll im Studio debütierte, ebenso wie das Augsburger Postrockwunder <span class="musik-review-bandname">Dear John Letter</span>, dessen handgeklebte <span class="musik-review-album-titel">EP2007</span> auch heute noch, obwohl die Band längst <span class="musik-review-bandname">Carpet</span> heißt und mich langweilt, einen Ehrenplatz in meinem ausgedünnten CD-Regal hat.</p></li>
</ul>
<p>Durch? Durch! Die nächste Rückschau wird es, falls nichts dazwischenkommt, etwa zur Halbzeit 2018 an dieser Stelle geben. Ich hoffe, 2018 wird in musikalischer Hinsicht mindestens genau so interessant wie 2017 werden.</p>
<p>Nun bleibt es mir eigentlich nur, mich bei allen Lesern für die Geduld, bis hierhin gelesen zu haben, zu bedanken und ihnen eine ertragreiche Reise durch das hier Vorgestellte zu wünschen. Wie immer bitte ich um Ergänzung, sollte ich ein interessantes Album vergessen haben – ich reiche es dann gegebenenfalls später nach.</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2018/06/kurzkritik-tony-conrad-faust-outside-the-dream-syndicate/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Kurzkritik: Tony Conrad &amp; Faust – Outside the Dream Syndicate</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/12/musik-12-2017-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">30. Juni 2018</a> dies: […] Jahr 1963 entstand, wie aufmerksame Leser längst wissen, in den USA das von La Monte Young geführte Theatre of Eternal Music, ein Kollektiv von Musikern, […]</li><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2018/12/musik-12-2018-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Musik 12/2018 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/12/musik-12-2017-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">26. Dezember 2018</a> dies: […] neun Minuten lang. Erstmals in der Band ist Schlagzeuger Chris Morley, der zuvor unter anderem für Gnod trommeln, hihatten usw. durfte. Beim „Guardian” sprach man mit Bezug auf „King of Cowards” […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/12/musik-12-2017-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/c61ed4fbdb414f668fe57a39619c89bf" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
	</item>
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		<title>Musik 06/2017 – Favoriten und Analyse</title>
		<link>https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Jul 2017 19:41:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Ach, wie haben sich die Leute doch gefreut, als das für Musiker erstaunlich tödliche Jahr 2016 ein Ende nahm. Ich wartete mit der musikalischen Jahresrückschau 2016 also sicherheitshalber bis Januar – und am Tag darauf wurde der Tod John Wettons vermeldet. Ebenso hat dieses Jahr bisher Chuck Berry, Allan Holdsworth und sicher noch ein paar ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 06/2017 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ach, wie haben sich <em>die Leute</em> doch gefreut, als das für Musiker erstaunlich tödliche Jahr 2016 ein Ende nahm. Ich wartete mit der musikalischen <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/01/musik-122016-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Jahresrückschau 2016</a> also sicherheitshalber bis Januar – und am Tag darauf wurde der Tod <span class="musik-review-bandname">John Wettons</span> vermeldet. Ebenso hat dieses Jahr bisher <span class="musik-review-bandname">Chuck Berry</span>, <span class="musik-review-bandname">Allan Holdsworth</span> und sicher noch ein paar bemerkenswerte Musiker sozusagen <em>auf dem Gewissen</em>. Das macht doch alles keinen Spaß mehr.</p>
<p>Und wie immer, wenn ich den Spaß zu verlieren meine, hilft – der Ironie bin ich mir bewusst – Musik, den rechten Pfad wiederzufinden. Es folgen konsequent die <span class="musik-review-intro-hervorhebung">primasten Musikalben des ersten halben Jahres 2017</span> abzüglich der bereits zuvor thematisierten neuen Alben von <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/05/kurzkritik-buckethead-pike-244-out-orbit/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Buckethead</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/06/kurzkritik-pontiak-dialectic-of-ignorance/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Pontiak</span></a> und <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/03/kurzkritik-all-them-witches-sleeping-through-the-war/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">All Them Witches</span></a>. Ich empfehle alles Weitere den jeweiligen Artikeln zu entnehmen.</p>
<p><span id="more-12544"></span>Es gibt diesmal ein paar Besonderheiten zu vermelden: Verzichtet wird diesmal aus Motivationsgründen auf die Rückschau auf die letzten 40 Jahre sowie ab sofort auf die „Schrott“-Rubrik, denn das Leben ist zu kurz, um sich mit schlechter Musik zu beschäftigen. Man verzeihe mir die ausnahmsweise Kürze der Hauptliste – am Ende des Jahres gibt es um so mehr nachzuholen. Die Rezession macht vor niemandem Halt.</p>
<p>Gerade deshalb: Einen Kopfsprung gewagt!</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">1.</span> <span class="musik-review-header-text">Hörstu!</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/endless-floods-ii.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_endless-floods-ii.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Endless Floods – II</span>
<p>Im November 2014 erschien mit „The Endless River“ das letzte und mit großem Abstand langweiligste Studioalbum der sicherlich nicht ganz unbekannten Artrockband <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span>. Mit diesem Album haben <span class="musik-review-bandname">Endless Floods</span> nichts gemeinsam.</p>
<p>Vielmehr handelt es sich bei diesen um einen Abkömmling der französischen Drone-Metal-Gruppe <span class="musik-review-bandname">Monarch</span> (auch: <span class="musik-review-bandname">Monarch!</span>), mit der sie zwei Mitglieder, aber auch stilistische Besonderheiten teilen. Dem unbestreitbaren Fakt, dass französischer Gesang in guter Musik höchstens ironisch etwas zu suchen hat, steht beruhigend entgegen, dass auf „II“, dem zweiten Vollzeitalbum von <span class="musik-review-bandname">Endless Floods</span>, nicht besonders viel gesungen wird, was das Album selbst um so intensiver macht.</p>
<p>In den drei – na gut, zweieinhalb – Stücken auf „II“, von denen das erste („Impasse“) allein über 24 Minuten lang ist, geht es nämlich recht dicht zu. Kolossale Drones, die sich langsam aus dem Lautsprecher schieben, werden von einem geisterhaften Schlagzeug und verzerrten, Gänsehaut erzeugend verzweifelten Schreien, zu denen es bestimmt auch irgendwo einen nachlesbaren Text gibt, begleitet. Gegen Ende des Stücks, das zwischendurch <em>so langsam wird</em>, dass es beinahe zum Stillstand kommt (zum ersten Mal recht früh nach etwa vier Minuten), nimmt die Gitarre doch ein wenig Fahrt auf, was vom seltsamen zweiminütigen Interludium „Passage“ (im Wesentlichen gänzlich unaufgeregtes Fingerpicking) nur kurz unterbrochen wird.</p>
<p>„Procession“, mit 19:30 Minuten Laufzeit abermals recht lang, macht musikalisch da weiter, wo „Impasse“ aufgehört hat: Unterlegt von einem Grollen, diesmal jedoch ohne weitere Stimmbeteiligung, errichtet die Rhythmusabteilung von <span class="musik-review-bandname">Endless Floods</span> ein drohendes Fundament, über dem die Gitarre sich <em>endlich</em> auch einmal auf kurze Noise-Ausflüge – soll heißen: ordentlich verzerrter Krach – begeben darf. Insgesamt jedoch sind diese sicherlich nicht die Essenz von „II“, sondern es ist die schiere Emotionalität, die Drone-Metal wie dieser sie nun einmal besitzt. Intimität ohne Gesäusel. Ich mag das.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> „II“ gibt es zurzeit als Download und auf Vinyl-LP sowie Kassette zu kaufen, auf <a href="https://endlessfloods.bandcamp.com/album/ii" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es weitere Informationen sowie einen vollständigen Stream vom Album.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/the-tiger-lillies-cold-night-in-soho.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_the-tiger-lillies-cold-night-in-soho.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Tiger Lillies – Cold Night in Soho</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„If you want to win, take heroin!“</span> (Heroin)
<p>Das britische Dark-Cabaret-Trio <span class="musik-review-bandname">The Tiger Lillies</span> ist mittlerweile seit 28 Jahren nicht nur existent, sondern auch recht produktiv: „Cold Night in Soho“ ist ihr mittlerweile 30. Studioalbum und das erste seit vielen Jahren, das keine Vertonung bekannter Literatur ist. Nun sind die drei Herren bei Weitem keine Gute-Laune-Combo und haben sich daher auch diesmal ein Thema ausgesucht, das nicht eben einen Anlass zum Feiern lässt: Sänger und Texter <span class="musik-review-bandname">Martyn Jacques</span> schrieb, so wird behauptet, Erinnerungen an das Soho der 1980-er Jahre, als die Tiger Lillies ihre ersten gemeinsamen Auftritte absolvierten, auf, bevor auch dort die Gentrifizierung einsetzte.</p>
<p>Dieses noch nicht „klinisch gereinigte“ (Andy Gill) Soho scheint <span class="musik-review-bandname">Lou Reeds</span> New York nicht unähnlich gewesen zu sein: Schwermütig beginnt das Album mit Bluesgesang zu nachdenklicher Klavierbegleitung, „Salvation Army“ beschreibt die Zustände in Soho als von Drogendealern, Prostituierten und Gottlosigkeit bestimmt. Auf den Straßen tummeln sich Alkoholiker („Let’s Drink“), Erfrorene („In The Winter“, „Just Another Day“), Ziellose („Ticking of the Hours“), an und trotz ihrer Religion Verzweifelte („The First Day“, „Go“), Diebe („Soho Clipper Blues“) und Drogensüchtige („Screwed Blues“, „Heroin“). In diesem Stadtbezirk, das steht außer Frage, möchte man nicht wohnen müssen.</p>
<p>Transportiert wird die Erzählung in tiefem Blues, melancholischem Walzer („You Wouldn’t Know“) und der bandtypischen Zirkusmusik („Heroin“) mit Falsettgesang, der auf „Cold Night in Soho“ auch schon mal überraschend aggressiv („Dance Floor“) daherkommt. Im bisherigen Schaffen der Tiger Lillies ist dieses Album nicht besonders ungewöhnlich, weshalb „Cold Night in Soho“ als übermäßig herausragendes Album zu bezeichnen sicherlich aus rein musikalischer Sicht unpassend wäre, jedoch ist und bleibt der Anspruch, den ich an ein Album stelle, um <em>bedeutsam genug</em> zu sein, dass es mir <em>besonders gut gefällt</em>, und „Cold Night in Soho“, eine musikalische Geschichte auf durchaus immer noch hohem Niveau, erfüllt dieses Kriterium mit Bravour. In den schweren Momenten im Leben kommt diese Musik gerade recht.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Für einen Komplettstream möge sich <a href="https://tidal.com/album/70125975" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> anbieten, für Stream und Kauf selbst steht auch das Angebot von <a href="https://www.amazon.de/Cold-Night-Soho-Tiger-Lillies/dp/B01N3CCSB4/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zur Verfügung.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/pryapisme-diabolicus-felinae-pandemonium.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_pryapisme-diabolicus-felinae-pandemonium.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Pryapisme – Diabolicus Felinae Pandemonium</span>
<p>Ein Priapismus ist, latinisiert benannt, eine schmerzhafte Dauererektion. <em>Natürlich</em> stammt eine Band dieses Namens – hier <span class="musik-review-bandname">Pryapisme</span> geschrieben – aus Frankreich.</p>
<p>Die fünf Musiker, eine der <a href="https://weirdestbandintheworld.com/2013/03/13/weird-band-of-the-week-pryapisme/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">verrücktesten Bands der Welt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, nennen sich auf ihrer <a href="http://www.pryapisme.net/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">wunderschönen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Website, die voller Katzenbilder und schlimmer Farben ist, eine Rokokocore-Band und haben im Februar dieses Jahres ein derzeit (Stand: 4. Juni 2017) noch nicht auf ihrer <a href="https://pryapisme.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp-Seite<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> verfügbares neues Studioalbum namens „Diabolicus Felinae Pandemonium“, was auf Deutsch nach Grammatikkorrektur ungefähr „das teuflische Pandämonium der Katze“ bedeutet. Korrekterweise ist das derzeitige Bandlogo anscheinend auch eine 8‑Bit-Regenbogenkatze mit einem umgedrehten Kreuz auf der Stirn, was zu einer Band wie dieser, die mit vermeintlichen Tabus umgeht wie kaum eine zweite, hieß das Debütalbum doch „Rococo Holocaust“, großartig passt.</p>
<p>Musikalisch haben wir es hier, wie der Banause sofort erkennt, mit einem schrecklichen Lärm zu tun. Über zehn Stücke hinweg wird überwiegend instrumental (in „La Boetie Stochastic Process“ ist vorübergehend sexualisiertes Stöhnen zu hören) so etwas wie Genres nicht bloß ignoriert, sondern rücksichtslos in Scherben schlägt, immer wieder unterbrochen von Miauen und Schnurren der beiden Bandkatzen <span class="musik-review-bandname">La Belette</span> und <span class="musik-review-bandname">Styx</span>. Vergleichbare Bands? Ha! <span class="musik-review-bandname">Pryapisme</span> pürieren Digital Hardcore, Spacerock, Mathrock, Jazzrock und Progressive Metal – und das oft („A La Zheuleuleu“) schon binnen anderthalb Minuten – und gießen das Gebräu in einen dampfenden Kessel, der von des <span class="musik-review-bandname">Trans-Siberian Orchestras</span> längst legendärem „Wizards in Winter“ über <span class="musik-review-bandname">Atari Teenage Riot</span> bis zum <span class="musik-review-bandname">Penguin Cafe Orchestra</span> alles, was es während seiner Herstellung berührt hat, in Flammen setzt. Dass das Stück „C++“ mit der gleichnamigen Programmiersprache nicht mehr zu tun hat als mit eigentlich allem anderen, überrascht den Rezensenten da auch nicht mehr im Geringsten.</p>
<p>Was die Band dem irritierten Genießer damit (und mit den Katzen) eigentlich sagen möchte, bleibt unerklärt und auch deshalb Teil der Faszination. Genres, Schubladen, Kategorien – alles Quatsch. Eine schmerzhafte Erektion bekommt man davon nicht, nur vorübergehend fühlt sich der Kopf ein wenig wattig an. Das legt sich vielleicht irgendwann.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://www.amazon.de/dp/B01MS71BLB/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es die üblichen Ausschnitte zu hören, auf <a href="https://pryapisme.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> einen Einblick in das bisherige Schaffen der Gruppe. Das komplette Album können zurzeit unter anderem <a href="https://tidal.com/album/69231613" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>-Kunden streamen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/kairon-irse-ruination.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_kairon-irse-ruination.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Kairon; IRSE! – Ruination</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Kairon; IRSE!</span> ist eine junge finnische Band, deren Name zwar sehr schön sperrig ist, aber angeblich, glaubt man den Musikern selbst, keinerlei relevante Bedeutung hat, sondern lediglich so nervig aussehen soll wie möglich. Skandinavischer Humor trifft den meinen mitunter durchaus.</p>
<p>Mit dem im Februar 2017 erschienenen „Ruination“ veröffentlichte Svart Records nun ihr zweites Studioalbum, das zumindest leichter auszusprechen ist als der Erstling „Ujubasajuba“, im Gegensatz zu diesem verzichtete das Quartett für „Ruination“ auch weitgehend auf Improvisationen, sondern verbrachte laut eigener Aussage zwei Jahre mit Komposition und Abmischung. Leichte Kost aber bleibt hier fern; es ist, als wäre diese Band auch dann gut, wenn sie sich professionalisiert. Verrückt!</p>
<p>Auf die Ohren gibt es eine feine Mischung aus Shoegaze („Sinister Waters I“), Hardrock inklusive jaulend riffender Gitarre („Starik“) und dem <em>guten alten</em> progressiven Jazzrock der 1970-er Jahre mit recht kühlem Gesang, den man aus Hallgründen bedauerlicherweise nur schwer versteht. Gastmusiker <span class="musik-review-bandname">Andreas Heino</span> setzt mit Saxophon und Klarinette stiluntypische Akzente, selten begleitet von Violineneinsatz des Sängers <span class="musik-review-bandname">Dmitry Melet</span>.</p>
<p>Die <a href="https://www.theguardian.com/music/2017/jan/31/new-band-of-the-week-kairon-irse-no-137-nordic-funk-freakout-jazz-and-shoegaze" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">im „Guardian“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gewählten Vergleiche – <span class="musik-review-bandname">Yes</span>, <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>, <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span>, <span class="musik-review-bandname">Ornette Coleman</span>, <span class="musik-review-bandname">Fairport Convention</span> – entfachen des Musikfreunds Begeisterung keineswegs zu Unrecht, und oft ist „Ruination“ <em>das alles</em> gleichzeitig und klingt trotzdem so frisch und modern wie nur wenige andere jazzrockbeeinflusste Alben dieses noch recht jungen Jahres. Kairon! Irse!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörnse rein:</span> Das komplette Album liegt derzeit (8. Juni 2017) für Stream und Download auf <a href="https://kaironirse.bandcamp.com/album/ruination" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> herum, für CD und Vinyl ist <a href="https://www.amazon.de/Ruination-Brown-Vinyl-Kairon-Irse/dp/B01N2WE1HQ/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> nicht ungeeignet.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/sleaford-mods-english-tapas.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_sleaford-mods-english-tapas.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Sleaford Mods – English Tapas</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Brexit loves that fucking Ringo“</span> (Dull)
<p>Gleiches Jahrzehnt, andere Szene.</p>
<p>Das englische Duo <span class="musik-review-bandname">Sleaford Mods</span> stammt aus Nottingham (ha, reingefallen!) und macht minimalistischen Postpunk mit Anspruch. Das diesjährige Studioalbum „English Tapas“ landete in der britischen Hitparade, seit jeher ein etwas weniger schlechter Indikator für gute Musik als es die hiesige ist, immerhin auf Platz 12. Der Bandname hat zwar mit der Modbewegung (vgl. <span class="musik-review-bandname">The Who</span>) durchaus etwas zu tun, die Musik jedoch nur ein bisschen.</p>
<p>Vokalist <span class="musik-review-bandname">Jason Williamson</span> und Klangerzeuger <span class="musik-review-bandname">Andrew Robert Lindsay Fearn</span> (wie man als Engländer halt so heißt) nämlich haben es mit Gitarrenmusik nicht so, weite Teile des Albums bestehen stattdessen aus geringer Rhythmusuntermalung, also Bass und etwas Schlagzeug, zur gewaltigen Stimme <span class="musik-review-bandname">Jason Williamsons</span>, was trotzdem noch so klingt, dass es ohne zu zögern Bands wie <span class="musik-review-bandname">Art Brut</span>, <span class="musik-review-bandname">The Fall</span> und tatsächlich, in den etwas weniger zurückhaltenden Momenten („Army Nights“), auch die <span class="musik-review-bandname">Smiths</span> ins Gedächtnis ruft.</p>
<p><em>Ganz Punk</em> sind <span class="musik-review-bandname">Sleaford Mods</span> in ihren mit starkem nordenglischem Dialekt vorgetragenen (zumeist gerappten) zeit- und szenekritischen Texten, deren Themenspanne vom „Brexit“ und seinen Protagonisten („Dull“, „Moptop“) über die Pleite der Kaufhauskette BHS („B.H.S.“) bis hin zu nostalgisch verklärten Früher-war-alles-besser-Musikhörern („Just Like We Do“) reicht; was mich einerseits zwar trifft, andererseits aber auch nicht gerade abstößt. Ich werde wunderlich, vermute ich.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Zu meiner Überraschung gibt es Videos zu <a href="https://www.youtube.com/watch?v=BtMs-_VEeyE" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Moptop“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=GQZN01Cqzek" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„B.H.S.“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> mit einander recht ähnlicher Handlung, ansonsten möge <a href="https://www.amazon.de/English-Tapas-Explicit-Sleaford-Mods/dp/B01N2TLLK8/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder <a href="https://tidal.com/album/70590839" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> herhalten.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/thinking-plague-hoping-against-hope.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_thinking-plague-hoping-against-hope.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Thinking Plague – Hoping Against Hope</span>
<p>Das trotz ausbleibender personeller Überschneidungen gelegentlich als zumindest stilistischer Nachfolger von <span class="musik-review-bandname">Henry Cow</span> benannte Musikprojekt <span class="musik-review-bandname">Thinking Plague</span> ist nun auch schon seit über drei Jahrzehnten in wechselnder Besetzung aktiv. Wenngleich die Abstände zwischen zwei Alben – das Vorgängeralbum „Decline and Fall“ fand hier <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">im Juni 2012</a> meine nicht ganz ungeteilte Aufmerksamkeit – nicht mehr die Kürze von einst haben, so bleibt die Musik doch packend.</p>
<p>Das könnte auch daran liegen, dass die schon angesprochene Besetzung sich ausnahmsweise nicht nennenswert geändert hat. Neben Gründungsgitarrist <span class="musik-review-bandname">Mike Johnson</span> <em>und so weiter</em> ist auch die bemerkenswerte Sängerin und Akkordeonistin <span class="musik-review-bandname">Elaine Di Falco</span>, die schon auf dem Vorgängeralbum mit ihrem schräge Kontrapunkte einführenden statt bloß die Melodie begleitenden Gesang die sowieso schon prima RIO-Kompositionen letztlich veredelt hat, noch an Bord. Der inzwischen ebenfalls langjährige Bassist <span class="musik-review-bandname">Dave Willey</span>, der auch unter eigenem Namen bereits sehr ähnliche Musik veröffentlichen ließ, setzt mit donnernd grollendem Bass schließlich genau die richtigen Akzente in einem Album, das streckenweise („Thus Have We Made the World“) den Genreursprung im Jazz nicht zu übertönen, sondern zu betonen versucht.</p>
<p>Die renommierte Plattenfirma Cuneiform, die auch „Hoping Against Hope“ vertreibt, <a href="https://cuneiformrecords.bandcamp.com/album/hoping-against-hope" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">erklärt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> das Album ungefähr so:</p>
<blockquote><p>Wolken schaukeln über einen sturmverhüllten Himmel, aber während sie kurzzeitig seltene Scherben aus Blauem freigeben, lauern meist noch schwärzere, düsterere Graus hinter den Nebeln. (…) So viel diese Musik auch abverlangen mag, so ist sie doch gemacht worden, um einfach und, noch wichtiger, wunderschön zu klingen.</p></blockquote>
<p>Und genau das tut sie.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://cuneiformrecords.bandcamp.com/album/hoping-against-hope" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder <a href="https://www.amazon.de/Hoping-Against-Hope-Thinking-Plague/dp/B01N4F0TJ6/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/orchestra-of-the-upper-atmosphere-03.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_orchestra-of-the-upper-atmosphere-03.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Orchestra Of The Upper Atmosphere – ϴ3</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Time opens the mind, time opens the door.“</span> (Synaptic)
<p>Von einer Musikgruppe, die sich <span class="musik-review-bandname">Orchestra Of The Upper Atmosphere</span> nennt, Bemerkenswertes zu erwarten ist sicherlich kein besonders gewagtes Unterfangen. Dass mir die mehrköpfige britische Combo um den Multiinstrumentalisten <span class="musik-review-bandname">Martin Archer</span> trotz umjubelter Liveauftritte mit <span class="musik-review-bandname">Damo Suzuki</span> erst mit ihrem dritten Studioalbum „ϴ3“, also „Theta 3“ (ein großes Theta sieht, das halte ich dem Benenner zugute, ja fast wie eine Null aus) – der Vorgänger von 2014 hieß selbstverständlich „ϴ2“ – ins Netz geraten sind, ist insofern so schade wie erstaunlich.</p>
<p>Wie schon die beiden Alben davor kommt auch „ϴ3“ auf zwei CDs daher, von denen eine vermutlich aus typografischen Gründen „kleines Alpha“ und eine „großes Omega“ heißt. Eine Vinylversion scheint es nicht zu geben. Enthalten sind jeweils zehn Stücke, deren Titel meist irgendetwas mit Astronomie zu tun haben. Klar: Wer als <span class="musik-review-bandname">Orchestra Of The Upper Atmosphere</span> gemeinsam musiziert, der schwebt nicht nur musikalisch in höheren Sphären. Zu sphärischer Musik passt <em>natürlich</em> auch eine ausladende Besetzung, und so ist das <span class="musik-review-bandname">Orchestra Of The Upper Atmosphere</span> hier ein Septett, unterstützt von drei Streichern und einem Posaunisten.</p>
<p>Von Klassik ist hier, ungeachtet der Posaune, nichts zu hören, stattdessen treibt man sich auf dem weiten Feld zwischen Kammer‑, Kraut- und <span class="musik-review-bandname">gongesquem</span> Spacerock sowie elektronisch geprägtem Jazz herum, nicht ohne auch mal einen Abstecher in den Blues („Solar Prominences“) oder den Freejazz (das erfrischend freiförmige Ende von „Pororoca“) zu machen. Zweifellos fällt „ϴ3“ in die genrelose Kategorie jener Alben, für deren Genuss einander eine gute Reise zu wünschen nicht falsch wäre, auch, wenn es mitunter gilt, auf dem Flug klanglichen Asteroiden („Circumzenithal“, „Pororoca“) auszuweichen. Die Musik schwirrt derart einnehmend am wohlgesonnenen Hörer vorbei, dass ihm nur wie durch einen Schleier überhaupt wahrnimmt, dass – auch hier lassen <span class="musik-review-bandname">Gong</span> grüßen – erst nach der Hälfte der ersten CD in „Anisotropic Shapes“ so etwas wie Gesang, es ist eher ein fernes Flüstern, einsetzt. Frau <span class="musik-review-bandname">frostlake</span>, trotz des interessanten Künstlernamens außerhalb des Bandkontexts bisher kaum musikalisch in Erscheinung getreten, macht ihre Sache wirklich gut.</p>
<p>„ϴ3“ gehört zu den bisher wenigen Alben des Jahres 2017, die ihre eigene Stimmung nicht nur selbst mitbringen, sondern die des geneigten Rezensenten dabei völlig ignorieren. Schlechte Laune? „ϴ3“ hören! Bestens drauf? „ϴ3“ hören! Melancholisch? Richtig: „ϴ3“ hören! Übrig bleibt ein einziges Gefühl: Man ist irgendwie zufrieden mit der Welt. Das ist ja auch nicht schlecht.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf der <a href="http://discus-music.co.uk/catalogue-mobile/dis63cd-detail" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Website zum Album<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es zurzeit (25. Juni 2017) neben einer Kaufmöglichkeit auch einen zwölfeinhalbminütigen Auszug aus der hier enthaltenen Musik zu hören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/faust-fresh-air.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_faust-fresh-air.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Faust – fresh air</span>
<p>Von den zwei konkurrierenden <span class="musik-review-bandname">Fausts</span> ist diese (Eigenschreibweise derzeit: <span class="musik-review-bandname">faUSt</span>) die offenbar derzeit im Studio aktivere. Seit sich die Wege von <span class="musik-review-bandname">Hans-Joachim Irmler</span>, der seitdem mit einer eigenen Formation von <span class="musik-review-bandname">Faust</span> aktiv ist oder war, und den beiden anderen noch aktiven <span class="musik-review-bandname">Faust</span>-Gründungsmitgliedern nach über dreißig Jahren der musikalischen Zusammenarbeit um das Jahr 2002 herum wohl endgültig getrennt haben, sorgt zumindest letztere Formation weiterhin regelmäßig für frischen Wind.</p>
<p>2011 befasste ich mich <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">mit „something dirty“</a>, dem damals aktuellen Studioalbum dieser Formation, den Nachfolger „j US t“ hingegen habe ich leider weitgehend verpasst. Sicher ist jedenfalls, dass mit Alter und Besetzungsreduktion keine Milde eintritt, was nicht nur von Anhängern der Krautrockikonen, sondern auch von Verantwortlichen offenbar geschätzt wird: Die Hamburger Plattenfirma Bureau B, das auch andere Größen der deutschen elektronischen Musik vertrieb und vertreibt, ist auch für dieses Album zuständig.</p>
<p>Anders als die vorherigen Alben wurde „fresh air“ in Teilen jedoch nicht in den Bandstudios in Los Angeles und Austin – man kommt auch als Krautrockikone offenbar durchaus in der Welt herum – aufgenommen, das Titelstück und das letzte Stück „Fish“ nämlich entstammen im WFMU (ein nichtkommerzieller Hörfunksender in New Jersey) entstandenen Aufnahmen.</p>
<p>Komponiert wurde aber auch im Studio wohl eher nebenbei. Bandfranzose <span class="musik-review-bandname">Jean-Hervé Péron</span> erwähnte einmal, auf „fresh air“ habe die Band sich an <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cadavre_Exquis" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Cadavre Exquis<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> versucht, einer im Surrealismus beheimateten Methode zum Erreichen kreativer Höhepunkte, indem die einzelnen Künstler von den Ergebnissen ihrer Mitstreiter nichts wissen. Wer annimmt, dass das zu schwer erträglicher Musik führte, der unterschätzt <span class="musik-review-bandname">Faust</span> sehr, denn „fresh air“ klingt zwar erwartungsgemäß nicht weniger sperrig als vorherige Alben der Band, dabei aber keineswegs unzugänglicher als zum Beispiel <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span>, deren „The Black Angel’s Death Song“ ich in der Klangsammlung auch wiederzufinden meine, oder die früheren Genrekollegen <span class="musik-review-bandname">Can</span>.</p>
<p>Als Gäste sind aus „fresh air“ unter anderem die Sängerin  (hier vielmehr: Erzählerin) <span class="musik-review-bandname">Barbara Manning</span> und der mit ganz anderer Musik (<span class="musik-review-bandname">Die Krupps</span>) bekannt gewordene <span class="musik-review-bandname">Jürgen Engler</span> zu hören, es werden mal ein polnisches Gedicht, mal französische oder englische Texte rezitiert, während die Instrumentalisten mit reichlich Perkussion hypnotisch-repetitiv („Birds of Texas“) bis dissonant-aggressiv („Lights Flicker“) draufloskrauten. Alt und verbraucht wird es bei <span class="musik-review-bandname">Faust</span> wohl niemals geben, man prescht auch 46 Jahre nach dem Debütalbum noch in eine einzige Richtung, nämlich voll durch die Wand. „fresh air“ ist kein Album mit Ecken und Kanten, es ist ein Album <em>aus</em> Ecken und Kanten. Wer braucht schon Popmusik?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://soundcloud.com/bureau-1/faust-fresh-air-preview" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Soundcloud<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es momentan eine Vorschau auf das Album, auf <a href="https://tidal.com/album/71699407" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> einen Komplettstream zu hören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/samsara-blues-experiment-one-with-the-universe.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_samsara-blues-experiment-one-with-the-universe.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Samsara Blues Experiment – One with the Universe</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Think about the promises we made!“</span> (One with the Universe)
<p>Von wegen „Blues“!</p>
<p>Das Berliner Trio <span class="musik-review-bandname">Samsara Blues Experiment</span> feiert im Jahr 2017 sein zehnjähriges Bestehen und veröffentlichte passend dazu, wenn auch wohl unabhängig davon sein viertes Studioalbum „One with the Universe“, das erste mit dem 2014 eingeführten Bassisten <span class="musik-review-bandname">Hans Eiselt</span>. Die Selbstbeschreibung besagt, die Gruppe spiele „eine Mischung aus Stoner Rock, Psychedelic Blues, indischem Raga und Folkmusik“ und liegt damit gar nicht mal völlig daneben.</p>
<p>Aufgebaut sind die fünf Stücke auf „One with the Universe“, wie Pseudonymus „Mr. Omen“ <a href="https://morefuzz.net/reviews/samsara-blues-experiment-one-with-the-universe/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">richtig feststellte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, wie schon das Coverbild quasi wie ein Liebesspiel: Je länger die Spielzeit andauert, desto intensiver wird das Gehörte. Beginnt „Vipassana“ noch mit Meeresrauschen und anschwellenden Psychedelia, so wird schon zwei Minuten später früher Hardrock wie ein Teppich ausgebreitet, rauen Gesang eingeschlossen. Von einem Quickie lässt sich bei immerhin zehn vollen Minuten Dauer allein des ersten Stücks freilich nicht sprechen. Um bei der Metapher zu bleiben: Zum Höhepunkt kommt die Band trotzdem immer wieder; und wenn wie in „Glorious Daze“ (ein hervorragend drogenumwölkter Titel auch) die Energie bis zum Bersten anschwillt, um sich in einem Crescendo von beachtlicher Dichte zu entladen, dann ist das auf mehr als eine Art schön.</p>
<p>Den ollen Wortwitz vom <em>Ohrgasmus</em> möchte ich schon aus Stilgründen hier nicht noch weiter abnutzen, aber worauf ich hinaus will, sollte sich aus meinen Schilderungen auch quasi von allein ergeben: <span class="musik-review-bandname">Colour Haze</span>, <span class="musik-review-bandname">Led Zeppelin</span>, <span class="musik-review-bandname">Elvis Presley</span> und die späten <span class="musik-review-bandname">Beatles</span>, mehr muss es gar nicht sein.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://samsarabluesexperiment.bandcamp.com/album/one-with-the-universe" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> darf zurzeit nach Herzenslust gestreamt werden.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/the-universe-by-ear.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/07/Vorschau_the-universe-by-ear.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Universe by Ear</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Make it look like an accident!“</span> (Make It Look Like An Accident)
<p>Schon wieder eines dieser Musikalben ohne einen anständigen Titel! Aber für das Debüt-Vollzeitalbum – nach dem vorab veröffentlichten und dieses Album eröffnenden Stück „Seven Pounds“ vom Juli 2016 – mag es noch angehen.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">The Universe by Ear</span> ist ein Schweizer Trio, das <a href="http://www.20min.ch/schweiz/basel/story/Das-ganze-Album-von-Universe-By-Ear-im-Stream-13869347" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">von „20 Minuten“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> als „der nächste Urknall“ oder wenigstens als „Prog-Supergroup“ bezeichnet wird, was einigermaßen übertrieben ist, denn vorherige Erfahrungen aus einer lokalen <span class="musik-review-bandname">Frank-Zappa</span>-Coverband etablieren noch keinen Starstatus. Nichtsdestotrotz schwappte sich die Welle, die <span class="musik-review-bandname">The Universe by Ear</span> in Basel zum Schwingen brachten, augenscheinlich bereits bis nach Australien.</p>
<p>In einer ihrer Selbstbeschreibungen üben die Musiker sich nicht in Zurückhaltung:</p>
<blockquote><p>Drei wagemutige Basler Musiker haben sich zusammengefunden, um den Rock dorthin zu führen, wo bislang keiner einen Fuss auf den Boden gesetzt hat: in eine komplexe, farbenfrohe, überraschende, harte, melodiöse Landschaft und in einen Kosmos, in dem improvisierter Freifall neben durchstrukturierter Form existiert.</p></blockquote>
<p>Und sie haben damit sogar Recht. Das Klanguniversum bereisen sie tatsächlich hörbar weit: Aus <span class="musik-review-bandname">King Crimsons</span> „Larks‘ Tongues in Aspic“ (sämtliche Teile), Stoner- und Spacerock, aber auch den späten <span class="musik-review-bandname">Beatles</span> („Repeat Until Muscle Failure“, „Dead End Town“), Jazzrock und Canterbury sowie Desert Rock (noch mal „Dead End Town“), veredelt mit irrwitzigen Instrumentaleskapaden („Ocean/Clouds/Prism“), kreieren die Schweizer ihr ganz eigenes erstes musikalisches Ausrufezeichen. Der Gesang ist freilich nicht der besonderen Rede wert, stilistisch passend orientiert man sich hier überwiegend an den einschlägigen Krautrockbands, aber es wird ja nicht immer nur gesungen; von Anfang an, schon in der zweiten Hälfte von „Seven Pounds“, erfreuen ausgedehnte bass- und schlagzeuglastige Instrumentalpassagen des Hörers Ohren. Mein Album des Jahres scheint gefunden, aber ich lasse mich ja gern überraschen.</p>
<p>Pseudonyma „Eva Maria“ kommentierte auf „20 Minuten“:</p>
<blockquote><p>Unhörbar  sorry. Ist wahrscheinlich therapeutisch für die Musiker und ein Taxitiket zur Einlieferung in die Psychi für alle die es sich antun das hören zu wollen</p></blockquote>
<p>Ach, „Eva Maria“: dir entgeht was.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Einen Komplettstream gibt es auf <a href="https://theuniversebyear.bandcamp.com/album/the-universe-by-ear" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, Videos zu einigen Stücken auf <a href="https://www.youtube.com/channel/UCIKq37ZJ0ey7SOnggYPr-WA" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
</ol>
<p>Habe ich was vergessen? Natürlich habe ich was vergessen!</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Kurz und würzig.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-titel">The Jesus and Mary Chain – Damage and Joy</span>
<p><span class="musik-review-bandname">The Jesus and Mary Chain</span> präsentieren zehn Jahre nach ihrer Reformation ein großartiges Garagenrockalbum, das Anhängern von <span class="musik-review-bandname">The Velvet Unterground</span>, den <span class="musik-review-bandname">Strokes</span> und <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span> ein breites Grinsen auf’s Gesicht drückt. <a href="https://www.amazon.de/dp/B01N5C6PXH/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Disperse – Foreword</span>
<p>Hinter dem unauffälligsten Gesang des Jahres versteckt sich überraschend vertracktester Progressive Metal, für den ein einziger Hördurchlauf geradezu lächerlich wenig ist. <a href="https://disperseband.bandcamp.com/album/foreword" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">At the Drive-In – in•ter a•li•a</span>
<p>Die Nachfolgeprojekte, darunter die unvergesslichen <span class="musik-review-bandname">The Mars Volta</span> und <span class="musik-review-bandname">Antemasque</span>, sind offenbar allesamt gescheitert, also machen die Musiker von <span class="musik-review-bandname">At the Drive-In</span> weiter mit dem, was sie am besten können: Energiegeladene Rockmusik mit Punk- und Indiecharme, gefeiert von der Fachpresse und auch von mir trotz einschlägiger Werkkenntnisse für überraschend gut befunden. <a href="https://www.amazon.de/dp/B06W5V4ZNK/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Nova Collective – The Further Side</span>
<p>Instrumentaler Symphonic-Prog wie in der <em>guten alten</em> Zeit. <a href="https://novacollectivefusion.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Les Discrets – Predateurs</span>
<p>Sphärische Film-Noir-Musik zweier Franzosen mit Indie-Rock- und Trip-Hop-Hintergrund. <a href="https://les-discrets.bandcamp.com/album/pr-dateurs" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
</ol>
<p>Das war es schon? Vorerst ja – aber das Jahresende steht ja schon wieder bald bevor und mit ihm die Jahresrückschau, nächstes Mal wieder in alter Pracht. Ich freue mich darauf und ihr solltet das auch.</p>
<p>Bis bald!</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2017/12/musik-12-2017-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Musik 12/2017 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">27. Dezember 2017</a> dies: […] der erste Teil merklich kürzer als üblich geraten war, blieb für den zweiten natürlich eine Menge Musik […]</li><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2018/02/kurzkritik-sonar-black-light/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Kurzkritik: Sonar – Black Light</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Februar 2018</a> dies: […] Records kennen regelmäßige Leser meiner Musikbesprechungen möglicherweise als die Plattenfirma von Thinking Plague. Wer – wie ich – auf diese Angabe üblicherweise kaum achtet, falls nicht eine […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/a4f4d7ef025e465c8d904aab13cbe4ff" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<title>Musik 12/2016 – Favoriten und Analyse</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jan 2017 23:00:13 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie, was, 2016 ist schon lange vorüber? Zum Glück habe ich gewartet. Das könnte man für schlecht halten, aber statistisch gesehen ist es gut, denn 2016 hat nicht nur die Ankündigung der baldigen Auflösung von The Dillinger Escape Plan, sondern auch eine ganze Reihe an Toden auf der Rechnung, darunter nicht nur diverse ehemalige Politiker ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2017/01/musik-122016-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2016 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie, was, 2016 ist schon lange vorüber? <a href="http://netz10.de/2016/12/28/jahresrueckblicke-2016/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Zum Glück habe ich gewartet.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Das könnte man für schlecht halten, aber statistisch gesehen ist es gut, denn 2016 hat nicht nur die Ankündigung der baldigen Auflösung von <span class="musik-review-bandname">The Dillinger Escape Plan</span>, sondern auch eine ganze Reihe an Toden auf der Rechnung, darunter nicht nur diverse ehemalige Politiker der F.D.P., sondern vor allem auch Musiker. Nach <span class="musik-review-bandname">Wolfgang Rohde</span> (früher mal <span class="musik-review-bandname">Die Toten Hosen</span>), <span class="musik-review-bandname">Hagen Liebing</span> (früher mal <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span>) und <span class="musik-review-bandname">Chris Squire</span>, dem letzten in der Band verbliebenen Gründungsmitglied von <span class="musik-review-bandname">Yes</span>, sowie vielen anderen hat es vor einigen Wochen schließlich auch den großartigen <span class="musik-review-bandname">Greg Lake</span> erwischt, und auch für <span class="musik-review-bandname">Leonard Cohen</span> wäre es zu spät, seinem letzten Album „You Want It Darker“ einen gebührenden Preis zu verleihen, über das andererseits jedes geschriebene Wort sowieso und ohnehin Blasphemie gliche.</p>
<p>Schon früher im abgelaufenen Jahr allerdings schien es mir nicht verfehlt, lobende Worte über einige der <span class="musik-intro-hervorhebung">großartigsten Musikalben des Jahres</span> zu finden, darunter <span class="musik-review-bandname">katie deys</span> <a href="https://tuxproject.de/blog/2016/08/katie-dey-flood-network/" data-wpel-link="internal">flood network</a>, <span class="musik-review-bandname">MaidaVales</span> <a href="https://tuxproject.de/blog/2016/09/kurzkritik-maidavale-tales-of-the-wicked-west/" data-wpel-link="internal">Tales of the Wicked West</a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2016/12/kurzkritik-electric-orange-misophonia/" data-wpel-link="internal">misophonia</a> von <span class="musik-review-bandname">Electric Orange sowie das <a href="https://tuxproject.de/blog/2016/10/kurzkritik-moon-circle-moon-circle/" data-wpel-link="internal">Debütalbum</a> von <span class="musik-review-bandname">Moon Circle</span>.</span></p>
<p>Im Folgenden findet ihr, was bis jetzt noch fehlte, nämlich die bislang noch unrezensierten <em>Alben des Jahres</em>. Vielleicht ist ja was für euch dabei?</p>
<p><span id="more-12125"></span><span class="musik-review-header-nr">1a.</span> <span class="musik-review-header-text">Starker Stoff</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/arbor-labor-union-i-hear-you.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_arbor-labor-union-i-hear-you.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Arbor Labor Union – I Hear You</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I live in a song / I dance when it’s played.“</span> (Volume Peaks)
<p>Das fängt ja gut an.</p>
<p>Die <em>Gartenarbeitervereinigung</em> – prima Bandname auch – aus Atlanta bereicherte die Welt im Mai 2016 mit ihrem Zweitling „I Hear You“ und damit <em>mal eben</em> mit einem <em>dieser</em> Alben, die mich meine Wahl zum <em>Album des Jahres</em> noch mal ernsthaft überdenken lassen. Vermutlich ist es mit „cool“, sofern der Begriff zusagt, nicht völlig unzureichend beschrieben, Spaß macht es auf jeden Fall, und das ab der ersten Sekunde: „Mr. Birdsong“ beginnt stimmig mit instrumentaler Vogelimitation, bevor es ordentlich <em>zur Sache</em> geht.</p>
<p>Stilistisch bewegen sich <span class="musik-review-bandname">Arbor Labor Union</span> im dreckigsten der Garagenrocks <em>(meinten Sie: Röcke?)</em>, irgendwo zwischen <span class="musik-review-bandname">Pearl Jam</span> und den <span class="musik-review-bandname">Dandy Warhols</span> bis hin zu einer erstaunlichen Ähnlichkeit zu den ersten zwei monoton-hypnotischen Platten von <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span> („I Am You“), wenn nicht gerade der hier ebenfalls <em>vollkommen überdrehte</em> – also fast <em>wie früher</em> – Postpunk („Radiant Mountain Road“) die Führung übernimmt, der gleichfalls das Monoton-Hypnotische gar nicht erst zu verbergen versucht. Macht euch auf treibende Gedanken gefasst. Der hektisch-verwirrte Gesangsstil des Frontmanns <span class="musik-review-bandname">Here Orr</span> (ich würde annehmen wollen, hier handelt es sich um einen Künstlernamen) passt großartig zu der pulsierenden Instrumentalarbeit. Vergleiche, wenn’s denn nötig scheint: <span class="musik-review-bandname">Mark E. Smith</span>, <span class="musik-review-bandname">Julian Casablancas</span>, <span class="musik-review-bandname">Doug Yule</span> (und das ist positiv gemeint). Bingo.</p>
<p>Die Plattenfirma der <span class="musik-review-bandname">Arbor Labor Union</span> heißt „Sub Pop“ und ich habe wirklich schon mal weniger passende Namen von Plattenfirmen gesehen. <span class="musik-review-bandname">Arbor Labor Union</span>, ich höre euch. Und das wirklich gern.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://arborlaborunion.bandcamp.com/album/i-hear-you" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es „I Hear You“ nicht nur als schickes rosa Vinyl („Loser Edition“, ohne Punkattitüde geht es nicht), CD und blaue Kassette zu kaufen, sondern auch als kostenlosen Komplettstream. Ich kann dazu durchaus raten.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/ziguri-onetwothreefour.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_ziguri-onetwothreefour.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Ziguri – onetwothreefour</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Die Explosion in deinem Kopf lässt Paradies und Hölle bersten.“</span> (Apricot Brandy III)
<p><span class="musik-review-bandname">Günter Schickert</span> ist wohl ein Vertreter dessen, was gemeinhin ein Urgestein genannt wird: Seit der ersten Hälfte der 1970er Jahre spielte und spielt er mal zusammen mit <span class="musik-review-bandname">Klaus Schulze</span>, mal solo (zuerst 1974 mit „Samtvogel“), mal mit eigenen Gruppen weitgehend instrumentalen Krautrock im Stil der Berliner Schule. Als „handgemachten Dancefloor“ bezeichnet den Stil zumindest die Plattenfirma Sireena Records, was irgendwie auch stimmiger scheint.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Ziguri</span>, laut Internetinformationen <em>(sagt man das noch so?)</em> in der Sprache der Tarahumara der Name des halluzinogenen Peyote-Kaktusses, ist eine dieser eigenen Gruppen, deren Geschichte bis in die auslaufenden 1980-er Jahre zurückreicht. Das Trio aus <span class="musik-review-bandname">Günter Schickert</span> (Gitarre, Blasinstrumente, Gesang), <span class="musik-review-bandname">Udo Erdenreich</span> (Bass, Gesang) und <span class="musik-review-bandname">Dieter Kölsch</span> (Schlagzeug, Gesang) spielt bis heute anscheinend in der Ursprungsbesetzung miteinander, was zumindest eine fruchtbare kreative Zusammenarbeit suggeriert.</p>
<p>Wobei der Kraut<em>rock</em> ja schon immer unter seinem Etikett zu leiden hatte; <em>Kraut</em> ist oft im Wortsinne drin, Rock hingegen bleibt aus. So <em>natürlich</em> auch hier: Das Geschehen wird bestimmt von <em>tranciger</em> Instrumentalmusik im besten Sinne, mal dem Postrock nahe („Radio Bilsga“), mal eher dem, was die Welt der Psychedelia so hergibt („Skykiss“). Dass die drei Herren sich selbst nicht furchtbar ernst nehmen, schlägt mindestens ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=x6y70koe44g" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf YouTube zu findendes Video<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zum Stück „SunSonsSans“ (manchmal auch mit Leerzeichen geschrieben) vor, und das merkt man über die gesamte Länge des Albums hinweg.</p>
<p>Wobei das Album ja eigentlich wiederum zwei Alben in einem ist bzw. sind: Die drei <em>Bonusstücke</em> „Hotel Babel“, „DiaLekT“ und „Apricot Brandy III“ sind <em>Reste</em> von alten Aufnahmen von 1993 und 1996, wobei das gleiche Stück unter dem Namen „Apricot Brandy“ bereits auf dem Debütalbum zu hören war und offensichtlich eine Überarbeitung von „Apricot Brandy“ von „Samtvogel“ ist; „Apricot Brandy III“ ist auch das einzige der drei Stücke, an denen <span class="musik-review-bandname">Günter Schickert</span> wieder beteiligt ist, die anderen beiden sind stattdessen in völlig anderer Besetzung und mit Sängerinnen aufgenommen worden. Nichtsdestotrotz sind sie als musikalische Zusammenfassung von „onetwothreefour“ nicht völlig deplatziert, bilden sie doch dessen stilistische Bandbreite <em>ganz gut</em> ab. „Hotel Babel“ ist eine Vertonung eines Gedichts des mir bislang unbekannten Dichters <span class="musik-review-bandname">Guillaume Apollinaire</span> als <em>groovender</em> Jazzrock mit reichlich Trompete, „DiaLekT“ mag man mit seinem afrikaartigen Trommelrhythmus und dem seltsamen Hintergrundgesang wohl eher unter Weltmusik einsortieren, wenn auch als solche, deren Erschaffer vom Spacerock zumindest schon mal was gehört haben. „Apricot Candy III“ schließlich könnte mit seinem bühnensketchartigen Aufbau einerseits und der Elektronikverliebtheit andererseits – überall flirrt, klirrt und zwitschert es – auch von <span class="musik-review-bandname">Grobschnitt</span> oder <span class="musik-review-bandname">Can</span> stammen, mit deren Interimssänger <span class="musik-review-bandname">Damo Suzuki</span> die drei Musiker bereits eine Bühne teilten.</p>
<p>Die drogenschwangeren 1970er denken gar nicht daran, aufzuhören. Das ist ein gutes Zeichen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Neben besagtem Video gibt es auf <a href="https://www.youtube.com/channel/UCzC_krkSNQqOmTgI9irTiBA/videos" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right"><span class="musik-review-bandname">Dieter Kölschs</span> YouTube-Kanal<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> noch manch weiteren Ausschnitt aus „onetwothreefour“, auf <a href="https://www.amazon.de/Onetwothreefour-Ziguri/dp/B01H1VUYTM/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> kann man ebenfalls überall <em>mal reinhören</em>. Viel Vergnügen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/ahkmed-the-inland-sea.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_ahkmed-the-inland-sea.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Ahkmed – The Inland Sea</span>
<p>Kommen wir von <em>ein bisschen Postrock</em> zu <em>richtigem</em> Postrock, nämlich zu „The Inland Sea“ von <span class="musik-review-bandname">Ahkmed</span>, die trotz des Namens ein australisches Trio sind und deren Debüt „Distance“ Anlass zur Freude gab. Dass die Plattenfirma Elektrohasch (<span class="musik-review-bandname">Colour Haze</span> u.a.) durchaus nicht für besonders schlechte Musik bekannt ist, sollte sich bereits herumgesprochen haben, ansonsten hilft „The Inland Sea“ bei der Ruffestigung sicherlich erneut.</p>
<p>Mit fünf Stücken von zwischen zehn und zwanzig vollen Minuten Länge gefällt „The Inland Sea“ schon oberflächlich, und der Schein trügt diesmal nicht: Ich höre Stoner Rock, aufgelockert durch Drones und das Ganze in einen brodelnden Postrockkessel gekippt. Weitgehend instrumental findet „The Inland Sea“ statt; ein Teil der Platte hat durchaus Gesang, aber der geht nicht nur unter, weil’s erstens mit ordentlich Hall versehen ist und zweitens der Rest den Geist entführt, sondern dabei auch noch <em>ziemlich gut ab</em>, und das schon ab dem ersten Takt: „Kaleidoscope“ beginnt mit reichlich <em>fuzz</em> vom Gitarristen <span class="musik-review-bandname">Carlo Iacovino</span>, der schon bald von einem sehr <em>eigenartigen</em> Perkussionsrhythmus und einem kaum <em>hörbaren</em>, wohl aber spürbaren Bassfundament unterstützt wird, dessen Erzeuger, der neue Bandbassist <span class="musik-review-bandname">Finn Rockwell</span>, nach etwa der Hälfte der Zeit einen getrageneren Zwischenteil solistisch einleiten darf, bevor seine beiden Mitmusiker erneut einsteigen, dem Bass jedoch einigen Freiraum lassen, um sich zu entfalten, was hier keineswegs irgendwelche wilden Eskapaden bedeuten soll. Die Band lässt sich nicht beirren, hier werden Melodien eben auch mal zehn (oder mehr) Minuten lang wiederholt. Langweilig? Nein, nein, „Kaleidoscope“ ist schon ein treffender Name. „Dreamland“ hätte es aber auch getroffen.</p>
<p>Das folgende Titelstück mag sich zum Reisen wohl eignen: Die plötzlich schneidende Gitarre und der treibende <em>beat</em> leiten allmählich über in eine neue Traumsequenz, bevor das Stück erneut anschwillt. Einzelne Wortbeiträge von Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">John-Paul Caligiuri</span> schallen unwirklich aus der Farbenwelt. Auch in „Last Hour of Light“ sind vier Minuten dem <em>Spacerock</em> mit Gesang (<span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> gehören überhaupt viel häufiger mal derart unaufdringlich gewürdigt) gewidmet, bevor ein ungewöhnlich <em>cleanes</em> (also erfrischend unverzerrtes) Gitarrenriff, das mit seiner Eingängigkeit diesen <em>elenden Suchtfaktor</em> nochmals potenziert, sich unbeirrt in den Verstand des unbewaffneten Hörers ergießt, während es mal im Vordergrund, mal im Hintergrund trommelt, blubbert und vor allem fließt. Nach wiederum etwa der Hälfte des Stücks soliert erneut der Bass; Zeit zum Ausruhen? Die nächsten Minuten verbringt man jedenfalls im Schwebezustand, bevor die Geräuschkulisse quietschend eine Notbremsung einlegt. Keine Angst, es geht gleich weiter: „Pattern of Atolls“ spendiert der Gitarre, die den Hörer mit einer anderen, aber wieder grandiosen Melodie auf eine weitere Reise zu schicken beabsichtigt, eine Extraportion Effekte. <span class="musik-review-bandname">John-Paul Caligiuri</span> trägt erneut für wenige Augenblicke unwirklich scheinenden Gesang bei, ach was: Sprechgesang, bevor es erneut in höhere Sphären geht. Moment, war da was? Die kurze Ablenkung durch’s Drübernachdenken wird bestraft: Das Stück reißt plötzlich ab und macht einem wütend klingenden Intermezzo Platz, in dem Schlagzeug und Bass geradezu Kriegslärm zu simulieren scheinen, während <span class="musik-review-bandname">John-Paul Caligiuri</span> Verse deklamiert. Müsste ich unbedingt etwas an „The Inland Sea“ auszusetzen haben, ich wählte die unverständlichen Texte und würde das sofort wieder zurücknehmen wollen, denn wenn man auf eines hier auf keinen Fall achten sollte, dann sind es die Texte. Mit „The Empty Quarter“ schließlich beenden <span class="musik-review-bandname">Ahkmed</span> „The Inland Sea“ stilvoll, mit einer Viertelstunde feinsten Postrocks ohne besondere Vorkommnisse, mit einem sehr angenehmen letzten <em>trip</em> also.</p>
<p>„The Inland Sea“ ist unbegreiflich intensiv. Geile Scheibe.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://ahkmed.bandcamp.com/album/the-inland-sea" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es Stream und Kauf.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/t-e-morris-newfoundland.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_t-e-morris-newfoundland.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">T E Morris – Newfoundland (And Of That Second Kingdom Will I Sing)</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Do you feel like you’re at home?“</span> (A Year In The Wilderness)
<p><span class="musik-review-bandname">Her name is Calla</span> sind hier längst Stammgäste, erst Ende 2015 fanden sie an dieser Stelle <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">lobende Erwähnung</a> und auch ihr aktuelles Album „Newfoundland (And Of That Second Kingdom Will I Sing)“ – <em>dieser Name!</em> – ist erneut eines, das in gewohnter Qualität Gewohntes, bezaubernd und zerbrechlich wie es eben nur die sechs Musiker aus Leeds hinbekommen, bietet.</p>
<p>Moment – steht da nicht ein anderer Name auf dem Titelbild? Doch: Veröffentlicht wurde „Newfoundland“ zwar über die gewohnten Vertriebskanäle von <span class="musik-review-bandname">Her name is Calla</span>, seinen Namen auf’s Album ließ jedoch <span class="musik-review-bandname">Tom Elliot „T E“ Morris</span>, Sänger und Gitarrist und Pianist und Synthesizer- und Banjospieler von <span class="musik-review-bandname">Her name is Calla</span>, schreiben. Dass trotzdem die gleiche Besetzung zu hören ist und augenscheinlich <span class="musik-review-bandname">T E Morris</span> nur innerhalb des Bandkontextes Musik veröffentlicht, lässt den Rezensenten zwar einigermaßen verwundert zurück, schmälert aber die weitere Bewertung der zu hörenden Musik keinesfalls. Gehen wir also davon aus, dass da, wo <span class="musik-review-bandname">T E Morris</span> draufsteht, grundsätzlich <span class="musik-review-bandname">Her name is Calla</span> drin ist, so gibt es allerdings einen bitteren Beigeschmack: Während die Band selbst laut <em>sozialen Medien</em> fleißig an neuem <em>Material</em> (also: Musik) arbeitet, wird „Newfoundland“ zumindest das letzte, wie auch immer man das definieren möchte, Soloalbum von <span class="musik-review-bandname">T E Morris</span> sein, der <a href="http://temorris.co.uk/thanks-and-goodbye/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">im November<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> das Ende seiner Solokarriere bekanntgab. Möge es ihm wohl ergehen.</p>
<p>Die Annahme, dass traurige Menschen bessere Musik machen, findet auf diese Weise allerdings zumindest eine bedrückende Bestätigung. Zu einem Jahr wie 2016 passt dieses Album wie kaum ein zweites; <a href="http://echoesanddust.com/2016/07/t-e-morris-newfoundland/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">überhaupt:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>It’s a sad and beautiful world.</p></blockquote>
<p>Dies, was sonst?, ist die Begleitmusik dazu.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Wie bislang ist auch diesmal <a href="http://hernameiscalla.bandcamp.com/album/newfoundland" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> eine exzellente Anlaufstelle für’s Streamen und Kaufen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/autumnal-blossom-spellbound.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_autumnal-blossom-spellbound.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Autumnal Blossom – Spellbound</span>
<p>Bleiben wir im Genre, bleiben wir beim Wunderschönen.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Autumnal Blossom</span> kommen aus Rheinland-Pfalz und bestehen im Wesentlichen aus <span class="musik-review-bandname">Pia Darmstädter</span> (Flöte, Gesang, Tasteninstrumente), die mit <span class="musik-review-bandname">Poor Genetic Material</span> auch <em>ganz anders kann</em>, nebst fünfköpfiger Herrenband. <em>Das Internet</em> vergleicht die auf „Spellbound“ zu hörende Musik mit der <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/02/iamthemorning/" data-wpel-link="internal">grandiosen</a> russischen Musikgruppe <span class="musik-review-bandname">iamthemorning</span>. Das ist nicht die schlechteste Referenz.</p>
<p>Von Anfang an wird eine intime Stimmung aufgebaut: „Because I Could Not Stop For Death“ ist <span class="musik-review-bandname">Pia Darmstädters</span> Stimme über sanft wolkigen Klängen, was sich ungefähr anhört, als hätte <span class="musik-review-bandname">Nico</span> zur Abwechslung mal keine Drogen vor’m Musizieren genommen oder als hätten die <span class="musik-review-bandname">Raveonettes</span> versehentlich den Verzerrer zu Hause gelassen. „Memories Of A Child“ leitet anschließend den zweiten und längsten von insgesamt drei Teilen – hier: „Diaries Of An Estranged Voyager“ – ein. „Spellbound“ ist immerhin auch ein Konzeptalbum. Passend zum Titel hört man hier eine Spieluhr, außerdem Flöte, Gesang und Klavier. Ich bin versucht, den Genreaufkleber „Folk“ aus der Schublade zu holen.</p>
<p>Überhaupt würde sich der Folk auf „Spellbound“ wie zu Hause fühlen, und er könnte den Folkrock gleich mitbringen, wenn es etwa gegen Ende von „Memories Of A Child“ kaum überraschen würde, spränge gleich <span class="musik-review-bandname">Ian Anderson</span> wie ein Derwisch vor das Mikrofon und sänge den gleichen Text; es fiele nicht einmal auf. <span class="musik-review-lyrics-inline">„One day seemed as long as a lifetime / in this never-ending dream“</span>, jawohl.</p>
<p>„Paradise“, der letzte Teil (und auch das letzte Stück) von „Spellbound“, setzt abermals einen Kontrast: Im Gegensatz zum Liedtitel wirkt die Musik hier eher bedrohlich, gar postapokalyptisch. Dröhnen, Brummen, kalte Mechanik dominiert das Geschehen (habe ich schon <span class="musik-review-bandname">Nico</span> erwähnt?). Allein: Es gibt Hoffnung. <span class="musik-review-lyrics-inline">„Paradise is not so far away / paradise is here every day“</span>, trotzdem und vor allem. Die wenigen Popmomente auf „Spellbound“ (vgl. „My Blood“) geraten immer noch überdurchschnittlich gut, auch, wenn der schwebende Gesang hier oft ein wenig deplatziert wirkt – und gerade das macht seinen Reiz aus. Zusammengefasst mag die Eigenbeschreibung von der <a href="http://www.autumnal-blossom.de/spellbound/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Website zum Album<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> aber auch genügen:</p>
<blockquote><p>„Spellbound“ ist eine Mischung aus Geschichte, Fiktion und Realität – nie vergessene Episoden eines Lebens – durch Erinnerung unsterblich – ein Tagebuch, in dem sich der Zuhörer wiederfinden kann – ein Buch der Hoffnung – ein Ja zum Leben.</p></blockquote>
<p>Kann man so stehen lassen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Es kann neben <a href="https://www.amazon.de/Spellbound-Autumnal-Blossom/dp/B01CYO2OKS/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> auch, unter anderem, <a href="https://tidal.com/album/58252518" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> als Hörprobenursprung genutzt werden.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/king-gizzard-and-the-lizard-wizard-nonagon-infinity.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_king-gizzard-and-the-lizard-wizard-nonagon-infinity.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">King Gizzard &amp; The Lizard Wizard – Nonagon Infinity</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Loosen up, tighten up, fuck shit up, don’t forget about it“</span> (Robot Stop)
<p>Genug des Schwelgens, es darf wieder gepfeffert werden. <span class="musik-review-bandname">King Gizzard &amp; the Lizard Wizard</span> stammen aus Australien und erlauben sich mit „Nonagon Infinity“, ihrem achten Studioalbum und dem einzigen aus dem Jahr 2016, eine kurze Pause, bevor sie sich daran machen, ihre Ankündigung, 2017 ganze fünf Alben zu veröffentlichen, in die Tat umzusetzen. Eilig gilt es also dieses Album zu besprechen, bevor es zu spät ist.</p>
<p>Dabei gibt es allerdings ordentlich <em>zu tun</em>, denn <span class="musik-review-bandname">King Gizzard &amp; the Lizard Wizard</span> geben sich mit Schubladen lieber nicht ab. <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span>, die <span class="musik-review-bandname">Melvins</span>, <span class="musik-review-bandname">Primus</span>, Indierock, Punkrock und sogar Zeuhl („Invisible Face“) drängen sich hier so dicht aneinander, dass man sich beinahe bemüßigt sieht, ein wenig mit den einschlägigen Gliedmaßen zu wackeln, während man immer noch nicht ganz versteht, was da eigentlich gerade auf einen niederprasselt.</p>
<p>Dies im Übrigen schon ab dem ersten Moment: „Robot Stop“ prescht voran, als würden sich <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> am Punkrock versuchen. Ein kurzer orientalisch klingender Einschub setzt schon hier einen Kontrapunkt. „Robot Stop“ geht direkt über in „Big Fig Wasp“, das ein wenig das Tempo drosselt, bevor mit „Gamma Knife“ abermals das Thema von „Robot Stop“ aufgegriffen wird. Wer jetzt annimmt, dass „Nonagon Infinity“ seinen Namen doppelbödig trägt, der hat vollkommen Recht: Die neun <em>Lieder</em> bilden nicht nur ein einziges zusammenhängendes, sondern der Schluss des letzten Liedes „Road Train“ passt auch noch <em>ganz gut</em> zum Beginn von „Robot Stop“, man könnte „Nonagon Infinity“ also durchaus ohne merkliche Unterbrechung in Wiederholung hören.</p>
<p>Die Gefahr, dass man es irgendwann <em>nicht mehr hören kann</em>, ist dabei zwar möglich, aber <span class="musik-review-bandname">King Gizzard &amp; the Lizard Wizard</span> versuchen Langeweile durch immer neue Ideen zu vermeiden: Das vierte Stück „People-Vultures“ variiert das Ursprungsthema bereits ausreichend ins <em>Spacige</em>, um den Übergang in das <em>völlig andere</em> „Mr. Beat“, das sozusagen den Geist des psychedelischen Hardrocks der 1970er Jahre atmet, Klischee-Synthieorgel selbstverständlich eingeschlossen. <span class="musik-review-bandname">Stu Mackenzies</span> Gesang fügt sich hier <em>natürlich</em> nahe den <span class="musik-review-bandname">Beatles</span> ein, einzig der hektische Refrain setzt einen Kontrast. Mit „Evil Death Roll“, das wiederum das Thema aus „Robot Stop“ variiert, wird dieser Ausflug aber auch schon wieder beendet, erstmals gesellt sich hier zum Ende hin Jazzrock zur Genremischung hinzu, auf die Spitze getrieben im folgenden Liedduo aus „Invisible Face“ und „Wah Wah“, das hüpfenden Fusion nahtlos integriert. „Wah Wah“ zitiert melodisch aus <span class="musik-review-bandname">KISS‘</span> „I Was Made For Loving You“, eine Absicht mag Versehen sein, und tatsächlich zieht das Tempo hier wieder merklich an, bevor das Album mit „Road Train“ zu „Ende“ geht und mich einigermaßen ratlos zurücklässt.</p>
<p>Zum Glück muss ich hier keine Punkte vergeben. Fest steht: „Nonagon Infinity“ ist wirklich beeindruckend. Wie beeindruckend? Nun, das bleibt dem geneigten Leser überlassen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Stream und Kauf gibt es <em>mal wieder</em> auf <a href="https://kinggizzard.bandcamp.com/album/nonagon-infinity-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> – immer wieder.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/crobot-welcome-to-fat-city.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_crobot-welcome-to-fat-city.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Crobot – Welcome To Fat City</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Who paid your debt to be here?“</span> (Not For Sale)
<p><span class="musik-review-bandname">Crobot</span>, ihrem Namen zum Trotz, haben zu meiner großen Freude mit dem Pandarapper <span class="musik-review-bandname">Cro</span> nichts Weiteres gemein. Ihre Hintergründe liegen ein wenig im Dunklen, die Legende will es, dass ihre Gründer einst in einer <em>anderen Musikgruppe</em> zusammen spielten, sich aber vor wenigen Jahren entschlossen, als <span class="musik-review-bandname">Crobot</span> zusammen zu spielen. Inspiration für das neue Album „Welcome To Fat City“, so behaupten die derzeit vier Herren, sei <span class="musik-review-bandname">Hunter S. Thompson</span> gewesen, was mal eine angenehme Abwechslung zu dem üblichen <em>namedropping</em> mit irgendwelchen Allerweltsbands ist.</p>
<p>Musikalisch ist „Welcome To Fat City“ <em>eigentlich</em> ein prima Sommeralbum. Mein <em>timing</em> war auch schon mal besser. <em>Desert Rock</em> in der dreckig-bluesigen Variante wird gespielt, Mundharmonika („Easy Money“) eingeschlossen. <span class="musik-review-bandname">Wolfmother</span> und <span class="musik-review-bandname">Led Zeppelin</span> sind willkommene Vergleiche für Leute wie mich, die auf <em>so Musik</em> immer nur eher zufällig aufmerksam werden. Das ist dann oft ziemlich erfreulich.</p>
<p>„Welcome To Fat City“ nimmt keine Gefangenen. <span class="musik-review-bandname">Chris Bishops</span> Gitarre geht auf Frontalkurs, während die Rhythmusabteilung aus <span class="musik-review-bandname">Paul</span> und <span class="musik-review-bandname">Jake Figueroa</span> alles niederwalzt, was sich ihr in den Weg stellt, um final Platz zu schaffen für <span class="musik-review-bandname">Brandon Yeagleys</span> extrovertiert-aufgeputschtes Rockorgan. <em>Springt, ihr Narren</em>, und wahrlich, zum Stillsitzen animiert „Welcome To Fat City“ keineswegs, vielmehr findet man sich schon nach wenigen Minuten wild luftgitarrend unter dem Kopfhörer wieder, statt hier <em>endlich</em> mal was zu schreiben. Verzeihung, aber: Boah, geht das gut ab.</p>
<p>Ich bin versucht anzunehmen, „Crobot“ sei in irgendeiner von mir nicht aktiv verstandenen Sprache ein Synonym für das, was in anderen Sprachen schlicht <em>coolness</em> heißt. (Ohne zu unterstellen, dass das Referenzstück für <em>coolness</em>, <span class="musik-review-bandname">Lou Reeds</span> unübertroffenes „Kicks“ nämlich, auch nur ansatzweise so ähnlich klingt, versteht sich.)</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Warum nicht mal auf <a href="https://www.amazon.de/Welcome-Fat-City-Crobot/dp/B01IQO81DE/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder <a href="https://tidal.com/album/64772704" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>?</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/friends-of-gas-fatal-schwach.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_friends-of-gas-fatal-schwach.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Friends of Gas – Fatal Schwach</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Definiert / durch keinen Kern“</span> (Einknick)
<p>Irgendwann im Laufe des noch jungen Jahres 2017 bemühte sich ein unklar Bekannter um meine Teilnahme an einem Konzert der grundbekloppten Dadaband <span class="musik-review-bandname">HGich.T</span>. Es war sehr, sehr furchtbar, vor allem musikalisch. Mit furchtbaren Texten hingegen habe ich schon deutlich weniger Probleme, ein minimalistisch-elektronisches Klanggewand ist auch nicht immer zu verachten, wie jene Leser, die hier trotzdem immer wieder einmal reinschauen, sicherlich bereits wissen.</p>
<p>An ungewohnter Stelle, nämlich bei <a href="http://www.neolyd.com/audio-video/friends-of-gas-fatal-schwach/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">NEØLYD<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, wurden mir die <span class="musik-review-bandname">Friends of Gas</span>, eine junge fünfköpfige Gruppe aus München, über deren Namen Nadine Lange vom elenden „Tagesspiegel“ sich im Oktober 2016 bereits entsetzt ausließ (Gas gehe doch mal so überhaupt nicht!), ins Bewusstsein katapultiert, die vieles macht, was ich mag, nämlich zum Beispiel Postpunk mit deutschen Texten.</p>
<p>Es sind die <span class="musik-review-bandname">Fehlfarben</span> eine sich aufdrängende Assoziation, weil auch Sängerin <span class="musik-review-bandname">Nina Walser</span> mit einer ähnlichen Gesangstechnik (nämlich: keiner) aufzuwarten weiß wie <span class="musik-review-bandname">Peter Hein</span> und stattdessen dem nicht abgeneigten Hörer mit ihrer markanten heiser-rauchigen Stimme und mitunter steigender Intensität („Template“, „Einknick“) emotionsgeladenen Nihilismus entgegenschleudert, als müsste sie ihr Leben mit ihm verteidigen; konsequent wird deren „Es geht voran“ in „Kollektives Träumen“ nicht nur zitiert, sondern mit der harten Realität konfrontiert: <span class="musik-review-lyrics-inline">„Es geht nach vorne, es geht voran; Geschichte wird gemacht, doch nicht von mir und nicht von dir“</span>, weil es ja immer auch so ein Problem mit doppelten Textböden gibt.</p>
<p>Die Klangbasis für diese Vokalaggression bildet ein krautrockiges – möge die inflationäre Genreverwendung das Genre als Begriff bald erübrigen! -, hartes Fundament aus pochendem Bass und schneidender Gitarre, <em>so 80er</em> zwar, aber doch ohne einen Anflug von Alterung, worum man es nebenbei ein wenig beneidet. Aufgewühlt hinterlässt „Fatal schwach“ den Fühlenden bedingungslos, ein Frustabbau in sieben Liedern. Famos!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Von offizieller Seite gibt es <a href="https://www.youtube.com/channel/UCQX5wBiE6jZVqEbdmUKmdvg" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ein paar Videos<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, das ganze Album liegt <a href="https://www.amazon.de/Fatal-Schwach-Friends-Gas/dp/B01M3SS3MZ/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sowie <a href="https://tidal.com/album/66265568" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> herum.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/crippled-black-phoenix-bronze.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_crippled-black-phoenix-bronze.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Crippled Black Phoenix – Bronze</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Now we set fire to the sky, sick of war and sick of fighting“</span> (Champions of Disturbance)
<p>2012 machte ich den Fehler, ein Album von <span class="musik-review-bandname">Crippled Black Phoenix</span> schlicht <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">ermüdend</a> zu nennen, denn das bleibt beim Publikum haften. Ich weiß doch, dass sie es besser können, ist „We Forgotten Who We Are“ von, allerdings, einem anderen ihrer Alben doch auch nach Jahren eines dieser Stücke, an dem ich mich irgendwie nicht satthören kann.</p>
<p>2016 erschien mit „Bronze“ nunmehr ein neues Album der gewohnt reformierten haarigen Gruppe um <span class="musik-review-bandname">Justin Greaves</span>, der außerhalb der Bühne, wie man so liest, den Großteil der Bandwerke quasi allein einspielt; vom letzten Album „White Light Generator“ (2014) ist ungewohnterweise auch der Posten des Sängers mit <span class="musik-review-bandname">Daniel Änghede</span> besetzt geblieben, was in dieser Combo durchaus bemerkenswert ist. Auch sonst ist „Bronze“ ein eher ungewöhnliches Album, ein ziemlich dunkles, düsteres nämlich, selbst im nicht gerade von jauchzendem Frohsinn geprägten <span class="musik-review-bandname">Crippled-Black-Phoenix</span>-Universum.</p>
<p>Der gewohnt druckvolle Alternative Rock der Band findet in „Bronze“ ein Postmetalgegenstück. Getragene Melodien sind ihrer Sache diesmal nicht, dies allerdings sozusagen mit Ansage: <span class="musik-review-lyrics-inline">„In the beginning there was darkness“</span>; wie ein Weltraumepos beginnt „Dead Imperial Bastard“ mit einer gesprochenen Einleitung, die Schlimmes erahnen lässt. Tatsächlich entwickelt sich über die nächsten fünf Minuten ein Instrumentalstück, das <span class="musik-review-bandname">Pink Floyds</span> – Ping! – „Echoes“ nicht nur erahnen lässt, wenn auch wie auf einem kargen, verlassenen Wüstenplaneten aufgenommen. Das hysterische Gelächter am Ende (auch dies wohl eine Anleihe an deren „Meddle“-Album) leitet über in das erste <em>richtige</em> Lied mit dem nicht minder unfröhlichen Titel „Deviant Burials“, in dem alle acht gegenwärtigen Bandmitglieder mal so richtig losriffen dürfen, bevor bassdröhnende Psychedelic mit Countryunterton die Wilden vorübergehend zähmt. <span class="musik-review-bandname">Daniel Änghede</span> gibt hierbei den etwas jammerigen, nuschelnden Indie-Rock-Frontmann, als hätte <span class="musik-review-bandname">Brian Molko</span> versehentlich Singen gelernt und/oder als sei’s <span class="musik-review-bandname">Josh Homme</span>, dessen Bands mir andererseits auch recht egal sind. Nicht spaßig? „No fun“, das nächste Stück, beginnt abermals mit Sprach-<em>samples</em>, der anschließende Gesang ist hingegen recht angenehm in den Hintergrund gemischt, so dass der Mark erschütternde Bass die Kontrolle behalten kann. Ist Progressive Metal ohne Quietschkeyboards noch Progressive Metal? Ach, Genres, drauf geschissen, im nächsten Lied „Rotten Memories“ haben wir sowieso schon wieder was anderes im Ohr (ich würde beinahe <span class="musik-review-bandname">Metallica</span> oder <span class="musik-review-bandname">Kid Rock</span> anführen wollen, aber das würde <span class="musik-review-bandname">Crippled Black Phoenix</span> wiederum Unrecht tun).</p>
<p>Kleinkram, Großkram. „Champions of Disturbance (pt. 1 &amp; 2)“, nebenbei ein Mittelfinger für Liedlängenanalysten, ist mit 9:02 Minuten das zweitlängste Stück auf „Bronze“ und hüllt den <em>trotz allem</em> erstaunten Hörer in eine perlende Synthie-Groove-Decke mit wahnwitziger Perkussion ein, bis es nach vier Minuten zur ersten Eruption kommt, nur um direkt überzuleiten in <em>Teil 2</em>, dessen galoppierender Rhythmus ihm dermaßen das Hirn verknotet, dass er den längst eingeprägten Gesang fast wie hinter Schleier wahrnimmt. Grandios und eigentlich allein schon den Kauf <em>so was von wert</em>. – Aber es geht ja noch weiter, erst einmal etwas ruhiger („Goodbye then“), bevor es mal wieder eine Überraschung gibt: „Turn to Stone“ ist ein <span class="musik-review-bandname">Joe-Walsh</span>-Cover im zumindest angemessenen Classic-Rock-Gewand. Mit „Scared and alone“ (gesungen, fast gesäuselt, von <span class="musik-review-bandname">Belinda Kordic</span>) finden <span class="musik-review-bandname">Crippled Black Phoenix</span> auf ihre Spur zurück, noch etwas zerbrechlich, aber schnell wieder Kraft tankend, um in „Winning a Losing Battle“ (9:14 Minuten) abermals dem dunklen Indie-Rock zu huldigen. Abschließend gibt es mit „We Are The Darkeners“ ein Lied auf bzw. in die Ohren, das seinen Namen zu Recht trägt, denn heller wird es mit weinender Gitarre und Postpunkattitüde nicht mehr. Ein weiteres Sprach-<em>sample</em> beschließt die musikalische Bronzezeit. Was bleibt, sind Melancholie und Düsternis.</p>
<p>Ist ja auch mal schön.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://crippledblackphoenixsom.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> stellt – mit Ausnahme zweier Bonuslieder – einen Komplettstream zur Verfügung.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/giraffe-tongue-orchestra-broken-lines.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_giraffe-tongue-orchestra-broken-lines.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Giraffe Tongue Orchestra – Broken Lines</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Now you have a choice to suck up what they give you“</span> (Back to the Light)
<p>Alles furchtbar traurig 2016? Nein, nicht alles, auch der Spaßrock hat sich keine Pause gegönnt; zum Beispiel erschien mit „Broken Lines“ das Debütalbum der Supergroup <span class="musik-review-bandname">Giraffe Tongue Orchestra</span>.</p>
<p>Das <span class="musik-review-bandname">Giraffe Tongue Orchestra</span> besteht zurzeit aus derzeitigen und früheren Mitgliedern von <span class="musik-review-bandname">Alice In Chains</span> (<span class="musik-review-bandname">William DuVall</span>, Gesang), <span class="musik-review-bandname">Mastodon</span> (<span class="musik-review-bandname">Brent Hinds</span>, Gitarre), <span class="musik-review-bandname">Ben Weinman</span> (<span class="musik-review-bandname">The Dillinger Escape Plan</span>, ebenfalls Gitarre), <span class="musik-review-bandname">Pete Griffin</span> (<span class="musik-review-bandname">Dethklok</span>, Bass) und <span class="musik-review-bandname">Thomas Pridgen</span> (<span class="musik-review-bandname">The Mars Volta</span>, Schlagzeug). Daraus sollte keinesfalls gefolgert werden, was da am Ende für Musik <em>rauskommt</em> – meine erste Assoziation beim Anspielen von „Broken Lines“ nämlich hieß, Anglophonie zum Trotz, <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span>, die musikalisch jedenfalls auf ihren neueren Alben tatsächlich <em>so Momente</em> haben.</p>
<p>Na, noch alle Leser da? Gut, denn meinen ersten Eindruck revidierte ich schon schnell, als aus dem Anspielen ein Anhören wurde und sich das, was <span class="musik-review-bandname">Giraffe Tongue Orchestra</span> dem Genießer eigentlich mitteilen wollen, in einer fast verstörend sich einbrennenden Melange aus <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span>, <span class="musik-review-bandname">Faith No More</span>, <span class="musik-review-bandname">Bad Religion</span> sowie dann und wann etwas <span class="musik-review-bandname">Meshuggah</span> und mancherlei Mathrock in den Kopfhörer respektive Lautsprecher ergoss. Bei quasi massentauglichen Liedlängen von stets unter sechs Minuten bleibt die Frage, ob die Zeit zur Entfaltung denn wohl reiche.</p>
<p>Und das tut sie tatsächlich: Polyrhythmische Rockkracher („Crucifixion“, „No One Is Innocent“ u.a.) beherrschen „Broken Lines“, gefüttert von wenigen ruhigen Momenten („All We Have Is Now“), in denen <span class="musik-review-bandname">William DuVall</span> mich vorübergehend fast ein bisschen langweilt (ist eben einfach nicht <em>meine Musik</em>), aber eben auch nur fast, denn nach wie vor überwiegt das Rockige. „Broken Lines“ ist kein Album zum Nachdenken, keines, das sich erst beim aberdutzendsten Durchlauf erschließt, wer Musik also unbedingt als Kopfsache begreifen möchte, der ist hier falsch. (Es ist ja nun nicht so, dass mir solches nicht gelegentlich auch als Vorwurf begegnet.) Solide und ausreichend spannend für einen kleinen Fingerzeig ist „Broken Lines“ aber allemal. Ich zeige dann mal drauf.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Broken-Lines-Giraffe-Tongue-Orchestra/dp/B01M69GG64/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. <a href="https://tidal.com/album/66541286" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Weiter im Text.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/axon-neuron-metamorphosis.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_axon-neuron-metamorphosis.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Axon-Neuron – Metamorphosis</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„The future is confused through the fragments of the past“</span> (Shattered)
<p>Was sind das eigentlich für Liedtitel? „Shattered“, „Erasure“, „Silence“, immerhin auch „Kafka“; wollen <span class="musik-review-bandname">Axon-Neuron</span> hier Übles heraufbeschwören? Nein, im Gegenteil!</p>
<p>„Metamorphosis“ ist ein Progressive-Rock-Album aus <em>ausgerechnet</em> den USA, das trotz aller Verneigung vor <em>den Klassikern</em> nie anbiedernd oder gar angestaubt klingt, obwohl es gleichzeitig die meisten Klischees schon vor dem ersten Hören erfüllt: „Metamorphosis“ ist ein Doppelalbum aus zweimal acht Stücken, wobei jedes der beiden Teilalben, das zweite etwas ausdauernder als das erste, mit einem Präludium („Prelude“) beginnt und einem Postludium („Postlude“) endet. Das klingt nach Klassik? Oh, ja, und zwar in einem Ausmaß, das mir das „Death Defying Unicorn“, eines dieser anderen klassikorientierten Progressive-Rock-Alben, fast konkurrenzlos zum <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Album des Jahres 2012</a> machte, denn auch „Metamorphosis“ erhält seine Stärke durch etwas, was längst als abgeschrieben galt; durch den Jazzrock nämlich.</p>
<p>Wobei das erste „Prelude“ kompositorisch zunächst einmal an das zu Unrecht fast vergessene <span class="musik-review-bandname">Penguin Cafe Orchestra</span> erinnert, bevor es sich im Stile alter Sinfoniewerke (als, Verzeihung!, Klassikbanause würde ich <span class="musik-review-bandname">Smetana</span> als ungefähre erste Verbindungsstelle setzen wollen) ausbreitet. Es dominieren Saiteninstrumente. Dass das nur die Einleitung ist, wird in „Euclid“, in das das Präludium übergeht, deutlich, in dem Bandgründer und Multiinstrumentalist <span class="musik-review-bandname">Jeremey Poparad</span> seine Gitarre Arpeggien über einem soliden Bandfundament singen lässt, bevor Sängerin <span class="musik-review-bandname">Amanda Rankin</span> zu Schlagzeug‑, Bass- und Glockenspielbegleitung irgendwas über parallele Linien singt, die niemals einander schneiden, was leider schon vor mir jemanden zu der Feststellung verleitete, dass wir es hier wohl mit <em>Mathrock</em> zu tun haben. Vergleiche so weit: <span class="musik-review-bandname">Stolen Babies</span>, <span class="musik-review-bandname">Bent Knee</span> (allerdings weit weniger verrückt) und <span class="musik-review-bandname">Thinking Plague</span>. RIO/Avant ist bei <span class="musik-review-bandname">Axon-Neuron</span> jedenfalls offenkundig willkommen. Im folgenden Stück „Suspicions“ wiederum haben wir es mit etwas Jazz zu tun, der sich mit verschlepptem Rhythmus langsam zu einem veritablen Progressive-Metal-Stück entwickelt, das noch dazu <em>immer schneidender wird</em>, nur um dann überzugehen in die anfangs balladeske Grundstimmung von „Shattered“, das, wie sollte es anders sein?, sich in einen ziemlich verspielten Progressive Metal ergießt. „Koan“ ist ein leider recht kurzes, um so überzeugenderes Jazzstück mit Canterbury-Anklängen; wie der Canterbury Sound auf „Metamorphosis“ sowieso immer mal wieder unklar hervorblitzt, ebenso vielleicht auch der Jazzmetal von <span class="musik-review-bandname">Weltpinguintag</span> oder <span class="musik-review-bandname">Panzerballett</span> („Eyes“, „Summit“).</p>
<p>Auch auf Teilalbum Nummer zwei geht es vielfältig zu, ohne dabei bemüht zu klingen. Das Zusammenspiel zwischen Band und Orchester sorgt für fantastische Augenblicke und noch fantastischere Stimmungen. Wo sonst findet man Klassik und Avantrock so gekonnt verwoben wie in „Kronos“, das klingt, als würde man mit gebrochenem Herzen ausgelassen tanzen gehen? Wo sonst wird man so verzwirbelt <em>weggeblasen</em> wie in „Kafka“?</p>
<p>„Metamorphosis“ ist zweifellos großartig. Ich bin sehr gespannt, was in den folgenden Jahren noch von dieser Band zu erwarten ist.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Ach was, Komplettstream, und zwar <a href="https://axonneuron.bandcamp.com/album/metamorphosis-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/jambinai-a-hermitage.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2017/01/Vorschau_jambinai-a-hermitage.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Jambinai – A Hermitage</span>
<p>Was wäre ein Jahresrückblick ohne einen anständigen „WTF!“-Moment? Unvollständig wäre er. Zum Glück kommt Abhilfe aus Südkorea.</p>
<p>Das asiatische Land war 2016 vor allem wegen explodierender Taschentelefone, nicht jedoch wegen seiner musikalischen Exportprodukte in den Nachrichten zu sehen. Das ist zwar durchaus verständlich, denn der letzte namhafte südkoreanische Musiker, der reichlich Beachtung und Zuspruch bis in die hintersten Ecken <em>des Internets</em> fand, war vor einigen Jahren <span class="musik-review-bandname">Psy</span>, dessen ärgerliches „Gangnam Style“ eigentlich manchen Anlass zur pauschalen Schlechtfindung koreanischen Pops gäbe. Nun ist <span class="musik-review-bandname">Jambinai</span> allerdings erfreulicherweise auch keine Popband.</p>
<p>Im Kern handelt es sich um ein Trio, das sich vage im musikalischen Terrain von <a href="https://tuxproject.de/blog/2016/09/tesa-g-h-o-s-t/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">tesa</span></a> einer- und <span class="musik-review-bandname">Tool</span> andererseits aufhält, für „A Hermitage“ noch unterstützt durch <span class="musik-review-bandname">Hyeseok Oh</span> (Schlagzeug) und <span class="musik-review-bandname">Ignito</span> (Rap; dazu gleich noch etwas mehr). Die drei wesentlichen Bandmitglieder spielen nicht etwa nur Gitarre und Bass, sondern außerdem <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Haegeum" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Haegeum<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Piri_%28Musikinstrument%29" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Piri<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und Geomungo, das eine Art tieftönende Zither und eines der Leadinstrumente in den meisten Stücken ist. Wir lernen beim Hören von „A Hermitage“ also quasi nebenbei ein wenig über koreanische Musikkultur statt der immergleichen Neuinterpretation westeuropäischer Einfälle. Das ist ja auch schön, Musik sollte ja immer mehr bleiben als bloßes Geräusch.</p>
<p>Dabei ist „A Hermitage“ selbst an Geräuschen nicht arm. Schon das eröffnende „Wardrobe“ ist ein Klangspektakel mit stampfendem Rhythmus zu metallischen Schreien (großartig: <span class="musik-review-bandname">Ilwoo Lee</span>) und mit 3:07 Minuten <em>eigentlich</em> viel zu kurz. Spätestens im folgenden „Echo of Creation“ gibt es kein Halten mehr: Das <em>ungewohnte</em>, aber überragend gute Zusammenspiel aus fordernder Zither und jaulender Geige, hinter dem die dagegen ankämpfende Gitarre <em>völlig untergeht</em>, endet abrupt nach nur einer Minute, um ein wenig schöne, gar: psychedelische Atmosphäre zum bedächtigen Mitschwingen zu schaffen, bis die Lust am Krach in Gestalt von <span class="musik-review-bandname">Hyeseok Oh</span> wieder alles in Scherben trommelt. Die fünf Koreaner haben, wenn ich’s mal so schreiben darf, Hummeln im Hintern. Ich mag Hummeln.</p>
<p>Es ist ja nicht so, dass sie nicht auch <em>ganz anders könnten</em>: Das siebenminütige, instrumentale „For Everything That You Lost“ könnte, wäre da nicht der offenkundige Einschlag von asiatischer Folklore, auch von einem der zahlreichen Nebenprojekte der Mitglieder von <span class="musik-review-bandname">Godspeed You! Black Emperor</span> stammen, Laut-Leise-Spiel inbegriffen. Überwiegend ist einfacher Postrock ihre Sache aber nicht, wie bereits das folgende „Abyss“, abermals getragen von der unverwechselbaren Geomungo, beweist, das die ziemlich einmalige Musik von <span class="musik-review-bandname">Jambinai</span> mit dem Sprechgesang des koreanischen Rappers <span class="musik-review-bandname">Ignito</span>, <em>natürlich</em> in der Landessprache, verbindet – und das klingt sogar für den verwunderten Rezensenten, der andererseits auch schon <em>wirklich furchtbaren</em> Rap gehört hat, als wäre es die offensichtlichste aller möglichen Kombinationen.</p>
<p>„Abyss“ bleibt aber eine Ausnahme auf „A Hermitage“, denn im Weiteren sind den Koreanern ihre Instrumente wieder wichtiger als ein gutes Gespräch. „Deus Benedicat Tibi“ klingt ziemlich unchristlich, es springt vom Duett aus Schlagzeug und Haegeum, das <em>an sich</em> schon klingt, alswürde gleich etwas explodieren, ohne weitere Vorwarnung über in ein Free-Jazz-Durcheinander, dem nur die Rhythmusabteilung eine lose Form zu geben vermag. <em>So, jetzt drehen wir mal kurz durch.</em> Danach darf sich auch kurz ausgeruht werden: „The Mountain“ gönnt anfangs ein wenig Entspannung, findet aber schon nach wenigen Minuten den <em>beat</em> wieder und schließt herrlich <em>noisig</em> dröhnend, was mich an manche japanische Postrockband erinnert. Asien, du bist wirklich seltsam. – Die musikalisch begleitete Geräuschcollage „Naburak“ sticht selbst auf „A Hermitage“ noch als reichlich seltsam hervor, das letzte Wort auf „A Hermitage“ hat aber „They Keep Silence“, das einzige <em>Lied</em> im Wortsinne, in dem die Musiker den Untergang der Fähre Sewol im April 2014 verarbeiten; nicht etwa klagend, sondern aggressiv, was dem Gefühl der meisten Südkoreaner, geht es um das Unglück, zumindest <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-04/suedkorea-faehre-schiff-unglueck-angehoerige-aerger/komplettansicht" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">deutlich näher sein<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> dürfte.</p>
<p>„A Hermitage“ ist, Gesellschaftskritik eingeschlossen, große Kunst im besten Sinne. Es lohnt sich, sich ihr mit Neugier zu nähern.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://www.youtube.com/watch?v=PB1k7CDVWVk" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es ein Video zu „They Keep Silence“, auf <a href="https://www.amazon.de/Hermitage-Jambinai/dp/B01BODDG6G/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sind die gewohnt <em>zu kurzen</em> Tonschnipsel zu hören. Das ganze Album, wie gewohnt, mag man nach Belieben per <a href="https://tidal.com/album/61979423" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> streamen.</p></li>
</ol>
<p>Könnt ihr noch? Gut, ich beeile mich:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">1b.</span> <span class="musik-review-header-text">Kurz und knackig</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-titel">Gong – Rejoice! I’m Dead!</span>
<p>Eine im Durchschnitt verjüngte Combo tritt – wenn auch weniger <em>durchgeknallt</em> – auf dessen Geheiß das Erbe <span class="musik-review-bandname">Daevid Allens</span> auf gewohnt hohem Niveau an und debütiert mit einem starken Album mit ungewohnt deutlichem Canterbury- und Symphonic-Prog-Einschlag.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Neurosis – Fires Within Fires</span>
<p>Endlich mal ein Album von einer Band, die spielt, wie sie heißt, das heißt, wie es klingt.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Gandalf’s Fist – The Clockwork Fable</span>
<p>Eine bemerkenswerte weitgehend britische Musikcombo mit albernem Namen und Progressive-Rock-Hintergrund vertont gemeinsam mit Leuten, die das beruflich machen, eine fantastische Retro-Prog-Dystopie über eine postapokalyptische Welt als Hörspiel in drei Akten alias CDs.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Oranssi Pazuzu – Varahtelija</span>
<p>Wenn die oben empfohlenen <span class="musik-review-bandname">Neurosis</span> euch noch zu wenig Druck aufbauen, könnten <span class="musik-review-bandname">Oranssi Pazuzu</span> aus der Heimat des <em>bösen Metals</em>, Finnland nämlich, euren Ansprüchen kraftvoll genügen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Asteroid – III</span>
<p>In einem enorm vielschichtigen Stoner-Rock-Album machen <span class="musik-review-bandname">Asteroid</span> aus Örebro vieles richtig, was andere in die Beliebigkeit treibt, indem sie nicht bloß nach <em>Schema F</em> den <em>heavy psych</em> abspulen, sondern dem Hörer mit dem Auftürmen immer neuer Schichten einige Aufmerksamkeit abverlangen, für die er dann allerdings auch reich belohnt wird.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">pg.lost – Versus</span>
<p>Dieses Album besteht aus höchst angenehmem instrumentalem und obendrein schwedischem Postrock in der Breitwandversion, der seine sozusagen geistige Verwandtschaft mit Artrock („Along the Edges“) und Metal („Versus“) nicht zu verbergen versucht, sondern stolz als Jagdtrophäen über dem Kamin präsentiert.</p></li>
</ul>
<p>So weit zu den guten Nachrichten. Gibt es auch schlechte? Natürlich: Wir blieben auch 2016 nicht von scheußlichem Schund verschont. Früher haben <em>die Leute</em> sich aus Selbsthass irgendwas aufgeschnitten, heute rate ich ihnen stattdessen zu einem dieser Produkte:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Würg!</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-bandname">The Claypool Lennon Delirium – Monolith of Phobos</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Claypool</span>! <span class="musik-review-bandname">Lennon</span>! Leider aber auch nur: Delirium!</p></li>
<li><span class="musik-review-bandname">Fire! Orchestra – Ritual</span>
<p>Dieses Ritual ist höchstens ein müder Funke.</p></li>
<li><span class="musik-review-bandname">Hattler – Warhol Holidays</span><br>
Warhol würde vor Langeweile gleich ein zweites Mal sterben.</li>
<li><span class="musik-review-bandname">Archive – The False Foundation</span><br>
Als Sammlung von Kinderliedern vielleicht gerade noch erträglich, leider mag ich keine Kinderlieder.</li>
<li><span class="musik-review-bandname">Donny McCaslin – Beyond Now</span><br>
<span class="musik-review-bandname">David Bowies</span> Zöglinge führen seine Tradition der öden Popmusik gnadenlos fort.</li>
<li><span class="musik-review-bandname">Dungen – Häxan</span><br>
Bei allem geschichtlichen Firlefanz, der hinter diesem Album steht, haben sich <span class="musik-review-bandname">Dungen</span> dennoch wahrlich keinen Gefallen mit ihrem ersten Instrumentalalbum getan.</li>
</ul>
<p>Wie immer beenden wir den Rückblick des Jahres mit ein wenig Geschichte:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">3.</span> <span class="musik-review-header-text">Es war ja nicht alles schlecht.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 40 Jahren:</span>
<p>Im Jahr 1976 wurde das erst seit fünf Jahren bestehende <span class="musik-review-bandname">Mahavishnu Orchestra</span> für ein paar Jahre <em>auf Eis</em> gelegt, Gitarrist und Gründer <span class="musik-review-bandname">John McLaughlin</span> widmete sich in den kommenden Jahren anderen musikalischen Projekten. Als das <span class="musik-review-bandname">Mahavishnu Orchestra</span> 1984 neu formiert wurde, gab es eine andere Band, die ebenfalls 1976 gegründet wurde, schon gar nicht mehr, nämlich <span class="musik-review-bandname">Joy Division</span>, deren Nachfolger <span class="musik-review-bandname">New Order</span> völlig andere Musik hervorbringen. Bis heute die immer gleiche Musik kommt indes von <span class="musik-review-bandname">BAP</span>, gleichfalls seit 1976 <em>im Geschäft</em>; was nicht unbedingt sein müsste. Vielleicht war die Zeit für einen musikalischen Umbruch aber auch einfach reif, denn sowohl die neuen Alben von <span class="musik-review-bandname">Bob Dylan</span> (<span class="musik-review-album-titel">Desire</span>) als auch <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span> (<span class="musik-review-album-titel">Softs</span>) blieben mau. Einzig das von <span class="musik-review-bandname">John Cale</span> produzierte Debüt- und gleichzeitig letzte Studioalbum der jungen Artrockband <span class="musik-review-bandname">The Modern Lovers</span>, die zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr existierte, das vier Jahre nach seiner Entstehung <em>endlich</em> eine Plattenfirma fand, ließ aufhorchen, bot es doch eine erstaunlich eigenständige Rockmusik zwischen den <span class="musik-review-bandname">Rolling Stones</span> und <em>natürlich</em> <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span>, wenig gefälligen Gesang eingeschlossen. So was wird heute ja gar nicht mehr produziert.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 30 Jahren:</span>
<p>1986 waren <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span> allerdings trotzdem noch nicht vergessen; mit <span class="musik-review-album-titel">Another View</span> veröffentlichte Verve Records, deren Mutterkonzern MGM 1969 den Fehler machte, die wenig Umsatz erzeugende Band aus ihrem Vertrag zu entlassen, eine Sammlung von übrig gebliebenen Liedern, die es zum Teil auf <span class="musik-review-album-titel">Loaded</span> (1970), zum Teil in <span class="musik-review-bandname">Lou Reeds</span> Solowerk schafften. <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span> hielten die Fahne des dissonanten Noiserocks 1986 selbst noch hoch, das dritte Album <span class="musik-review-album-titel">EVOL</span> gehört nicht zu ihren schlechtesten. Die Luft für die <em>Alten</em> wurde allerdings zusehends dünner: Dem letzten Auftritt der <span class="musik-review-bandname">Smiths</span> und der Auflösung von <span class="musik-review-bandname">Asia</span> und <span class="musik-review-bandname">Neu!</span> stand die jeweilige Gründung von Bands wie <span class="musik-review-bandname">Roxette</span> und <span class="musik-review-bandname">No Doubt</span> entgegen. Die gleichfalls 1986 gegründeten <span class="musik-review-bandname">Pixies</span> und <span class="musik-review-bandname">Slint</span> versteckten sich scheu hinter den neuen Musikalben von <span class="musik-review-bandname">Nazareth</span>, <span class="musik-review-bandname">AC/DC</span>, <span class="musik-review-bandname">Judas Priest</span> und <span class="musik-review-bandname">Metallica</span>. Es waren merkwürdige Zeiten.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 20 Jahren:</span>
<p>Zehn Jahre später war die Situation keineswegs übersichtlicher geworden. <span class="musik-review-bandname">Take That</span> lösten sich auf, die keineswegs irgendwie besseren <span class="musik-review-bandname">Backstreet Boys</span> veröffentlichten derweil ihr Debütalbum. Die Mädchenschwarmmusik war zeitweise wie eine Hydra – und ihre Köpfe wurden immer größer. Klein fing 1996 <span class="musik-review-bandname">Eminem</span> an, dessen <span class="musik-review-album-titel">Infinite</span> den Grundstein für eine damals noch kaum abzusehende Karriere sein sollte. In der Vergangenheit wühlten <span class="musik-review-bandname">Neutral Milk Hotel</span>, deren Debütalbum <span class="musik-review-album-titel">On Avery Island</span> die Brücke vom Garagenrock zum Indie-Rock nicht nur schlug, sondern gleich noch einzementierte. Noch offensichtlicher nahmen <span class="musik-review-bandname">The Brian Jonestown Massacre</span> die <em>Siebziger</em> auf’s Korn; <span class="musik-review-album-titel">Their Satanic Majesties‘ Second Request</span> war nicht nur namentlich mehr als nur eine bloße Verneigung vor dem völlig unterschätzten <span class="musik-review-bandname">Rolling-Stones</span>-Album ähnlichen Namens. Inzwischen hatten drei der Mitglieder der angenehm verrückten Alternative-Metal-Band <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span> sich unter dem Namen <span class="musik-review-bandname">Secret Chiefs 3</span> zusammengetan und mit <span class="musik-review-album-titel">First Grand Constitution and Bylaws</span> wiederum ihr Weg weisendes Debütalbum veröffentlicht; auch 2017 kann von einer Auflösung noch immer nicht die Rede sein, mindestens ein neues Album ist für 2017 geplant. Das ist recht willkommen.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 10 Jahren:</span>
<p>2006 erlebte der Postrock eine neue Hochzeit: <span class="musik-review-bandname">Long Distance Calling</span> wurden gegründet und <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> veröffentlichten mit <span class="musik-review-album-titel">Mr. Beast</span> einen Genreklassiker. Wer lieber <em>laute</em> und <em>böse</em> Musik hören wollte, der musste auf das Debütalbum von <span class="musik-review-bandname">Nick Caves</span> neuer Band <span class="musik-review-bandname">Grinderman</span> noch bis 2007 warten, konnte sich bis dahin aber immerhin mit dem Thrash-Metal-Album <span class="musik-review-album-titel">Ever-Arch-I-Tech-Ture</span> der belgischen Band <span class="musik-review-bandname">Axamenta</span> behelfen, dessen Schubladeneinsortierung empfehlenswerterweise niemanden vorurteilsbedingt vom Reinhören abhalten sollte. Wer keine Überraschungen mag, dem kredenzten 2006 wenigstens <span class="musik-review-bandname">The Strokes</span> mit <span class="musik-review-album-titel">First Impressions of Earth</span> Bewährtes, nämlich – guten Hitparadenplatzierungen zum Trotz – gewohnt Gutes, mithin erstmals als „Parental Advisory“ Gekennzeichnetes, was in den prüden, aber erschreckend schießwütigen USA sicherlich irgendwas bedeutet, hierzulande aber schon fast einer Auszeichnung gleichkommt. Wer hier ankommt, der hat es geschafft. <span class="musik-review-bandname">The Strokes</span> jedenfalls haben es.</p></li>
</ul>
<p>Damit ist das musikalische Jahr 2016 – zumindest von meiner Seite aus – endlich abgeschlossen. Ergänzungen werden, wie gewohnt, gern gesehen, ansonsten hoffe ich, dass auch diesmal etwas für euch dabei war. Die nächste Rückschau kommt bestimmt, 2017 wirkt diesbezüglich vielversprechend.</p>
<p>Freuen wir uns darauf!</p>
<hr>
<p><em>Nachtrag:</em> Wenige Stunden nach der Veröffentlichung dieses Artikels wurde bekannt, dass <span class="musik-review-bandname">John Wetton</span> <a href="http://teamrock.com/news/2017-01-31/john-wetton-dies-aged-67" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">verstorben ist<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Ich möchte meine vorherige Einschätzung diesbezüglich korrigieren.</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Musik 06/2017 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/01/musik-122016-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">1. Juli 2017</a> dies: […] das für Musiker erstaunlich tödliche Jahr 2016 ein Ende nahm. Ich wartete mit der musikalischen Jahresrückschau 2016 also sicherheitshalber bis Januar – und am Tag darauf wurde der Tod John Wettons vermeldet. […]</li><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2018/03/kurzkritik-awakebutstillinbed-what-people-call-low-self%e2%80%8b-%e2%80%8besteem-is-really-just-seeing-yourself-the-way-that-other-people-see-you/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Kurzkritik: awakebutstillinbed – what people call low self​–​esteem is really just seeing yourself the way that other people see you</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/01/musik-122016-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">19. März 2018</a> dies: […] trotz größerer Unterschiede nicht völlig anderswo zu verortenden Friends of Gas habe ich vor einem Jahr bereits entsprechend gewürdigt. Interessant ist das hier Gehörte daher durchaus und zumindest ein […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2017/01/musik-122016-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/e2df68f36b6e492ab83e62198ecbf2bb" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
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		<title>Musik 06/2016 – Favoriten und Analyse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Jul 2016 19:14:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
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					<description><![CDATA[Es ist ein halbes Jahr vorbei, und schon der Disziplin (eine sonst überschätzte Tugend) wegen wird es daher Zeit, einmal die ersten sechs Monate der musikalischen Neuerscheinungen – all jene also, derer ich bis Ende Juni habhaft werden konnte – Revue passieren zu lassen, wohl wissend, dass all das von vornherein von vielen Toden und ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2016/07/musik-062016-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 06/2016 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist ein halbes Jahr vorbei, und schon der Disziplin (eine sonst überschätzte Tugend) wegen wird es daher Zeit, einmal die <span class="musik-intro-hervorhebung">ersten sechs Monate der musikalischen Neuerscheinungen</span> – all jene also, derer ich bis Ende Juni habhaft werden konnte – Revue passieren zu lassen, wohl wissend, dass all das von vornherein von vielen Toden und mittlerweile auch der <a href="http://teamrock.com/news/2016-07-11/beardfish-split-over-various-difficulties" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Auflösung<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> von <span class="musik-review-bandname">Beardfish</span> überschattet wird.</p>
<p>In diesem für die Musik doch eher merkwürdigen Jahr gibt es auch gute Neuigkeiten: <span class="musik-review-bandname">Beak&gt;</span> drohte es <a href="http://www.neolyd.com/audio-video/beak-the-end/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">nicht mehr zu geben<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, aber Ende März wurde eine <a href="https://twitter.com/BeakBristol/status/715223867082596353" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Neubesetzung angekündigt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Das zwischendurch erschienene Album „Couple in a Hole“, im Wesentlichen eine Skizzensammlung und deshalb hier nicht interessant, ist jedenfalls noch im alten Miteinander aufgenommen worden. Keinesfalls gesonderte Erwähnung finden hier auch die bereits anderweitig empfohlenen neuen Alben von <a href="https://tuxproject.de/blog/2016/02/kurzkritik-kula-shaker-k-2-0/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Kula Shaker</span></a> und <a href="https://tuxproject.de/blog/2016/03/karokh-needle-thread-nail-polish/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Karokh</span></a>, die allerdings weiterhin uneingeschränkt hörenswert sind.</p>
<p>Im Juni zweifelte Dirk Peitz <a href="http://www.zeit.de/kultur/musik/2016-06/popkonzerte-smartphone-filmen-fotos-social-media-erlebnis-selbstdarstellung/komplettansicht" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf „ZEIT ONLINE“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> daran, dass es eine gute Idee sei, Konzertbesucher per Beschluss davon abzuhalten, das Konzert nur durch ihre Smartphonebildschirme wahrzunehmen. Möge Dirk Peitz sich weiterhin mit seichter Popmusik herumschlagen, die ein fragwürdiges Klientel anlockt! Euch ist derweil viel Spaß mit folgenden Glanzstücken zu wünschen:</p>
<p><span id="more-11602"></span><span class="musik-review-header-nr">1.</span> <span class="musik-review-header-text">Super-Scheiben.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/neurosenbluete-ganz-frisch.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_neurosenbluete-ganz-frisch.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Neurosenblüte – ganz frisch</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Es ist und ist und ist einfach / und ist und ist.“</span> (Immer dieses Jetzt)
<p>Endlich mal eine Rezension, die sich sozusagen von allein schreibt!</p>
<p>Auf der Mailingliste „progrock-dt“ kündigte die Hamburger Band <span class="musik-review-bandname">Neurosenblüte</span> – allein der Name schon! – ihr diesjähriges Minialbum „ganz frisch“ wie folgt an:</p>
<blockquote><p>Was drin ist:<br>
‑Acht Titel mit einer Gesamtspielzeit von ca. 30 Minuten<br>
‑Front- und Backcover zum Selberbasteln (oder ‑backen)<br>
‑Texte mit Verstand<br>
‑Texte ohne Verstand<br>
‑Takte zum Kopfrechnen<br>
‑Ganzton‑, Zwölftonzeug<br>
‑langweiliges, normales Dur/Moll-Zeug<br>
‑Dinge, die klingen wie Verspieler<br>
‑echte Verspieler</p></blockquote>
<p>Das kann ich ruhigen Gewissens so stehen lassen. Ich höre Krautrock und vor allem viel <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>. Die Herren haben noch Großes vor sich, wie mir scheint. Ich wünsche viel Erfolg.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://neurosenbluete.bandcamp.com/releases" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> lässt sich „ganz frisch“ anhören und – leider nur als Download – kaufen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/dewolff-roux-ga-roux.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_dewolff-roux-ga-roux.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">DeWolff – Roux-Ga-Roux</span>
<p><span class="musik-review-bandname">DeWolff</span> – der Leser möge <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">sich erinnern</a> – ist ein immer noch junges Trio, dessen Mitglieder gegenwärtig noch immer weit von ihren 30ern entfernt sind und dem man ein fehlendes Profil schon jetzt nicht attestieren kann:</p>
<blockquote><p>Die Musiker selbst bezeichnen ihren Stil als „psychedelischen, elektrifizierten, fuzzgetränkten, ekstatischen, hart groovenden Space-Rock‑n’-Roll”.</p></blockquote>
<p>Nun also gibt es nicht nur ein neues Livealbum namens „Live &amp; Outta Sight“, sondern auch ein neues Studioalbum: „Roux-Ga-Roux“.</p>
<p>Ein <em>roux-ga-roux</em> oder <em>rougarou</em> ist, so teilt’s <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Rougarou" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">die Wikipedia<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> mit, ist ein Blut saugendes Fabelwesen aus indianischer Folklore, das irgendwie mit dem Werwolf zusammenhängt, womit man bei <span class="musik-review-bandname">DeWolff</span> ja eigentlich auch hätte rechnen können. Die „VISIONS“ nennt Teile des Albums <a href="http://www.visions.de/news/24340/VISIONS-Premiere-DeWolff-streamen-neues-Album-Roux-Ga-Roux" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">versumpft<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und meint das wahrscheinlich positiv.</p>
<p>Zu tun haben wir’s hier allerdings nicht mit Sumpfmusik, sondern mit feinstem Bluesrock, <a href="http://www.avalost.de/15863/musik/dewolff-roux-ga-roux/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">die Rede<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist von <span class="musik-review-bandname">Deep Purple</span> und <span class="musik-review-bandname">Led Zeppelin</span> als Anhaltspunkte und das ist nicht mal besonders falsch. Die psychedelische Spielrichtung des Bluesrocks, wie sie in den 1970ern populär war, findet in <span class="musik-review-bandname">DeWolff</span> nach wie vor einen willkommenen Fürsprecher. Ich bin willens, hier und da auch etwas von <span class="musik-review-bandname">Hendrix</span> und ein bisschen von den <span class="musik-review-bandname">Doors</span> anklingen zu hören, und bin restlos begeistert. Starke Scheibe, wie man auf Neudeutsch sagt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf <a href="https://www.youtube.com/watch?v=qmfcPoO34bU" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es ein thematisch passendes Video zu „Sugar Moon“, <a href="https://www.amazon.de/Roux-Ga-Roux-Dewolff/dp/B018SIQZE0/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat halbminütige Schnipsel zum Rest des Albums im Portfolio.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/jupiter-jones-bruellende-fahnen.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_jupiter-jones-bruellende-fahnen.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Jupiter Jones – Brüllende Fahnen</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Flimmernde Pupillen werfen Chaos zurück“</span> (Lauf.Forrest.Lauf!)
<p><span class="musik-review-bandname">Jupiter Jones</span>? Hier? Aber ja! Glaubt mir: ich bin mindestens so entsetzt wie ihr.</p>
<p>Dabei ist <em>die meiste Musik</em> solcher Deutschrockbands vor allem wegen des Sängers schaurig, ein ungeeigneter Sänger (zum Beispiel <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span>) kann selbst die theoretisch beste Band zu einem jämmerlichen Häuflein Popmusikanten degenerieren. <span class="musik-review-bandname">Jupiter Jones</span> sind mir insofern vielleicht auch deshalb zum ersten Mal positiv aufgefallen, weil sie für „Brüllende Fahnen“ mit ihrem neuen Sänger <span class="musik-review-bandname">Sven Lauer</span> zusammengearbeitet haben, der hier selbst für meine gequälten Ohren ungemein passend klingt.</p>
<p>Was wird hier musikalisch dargeboten? Nun, neben dem wohl genrebedingten Liebeslied „70 Siegel“ hört man eine interessante Mischung aus moderner Elektronik und erdigem Deutsch- und Indierock, als hätten die Musiker neben, dies teilten sie dem Publikum jedenfalls mit, den <span class="musik-review-bandname">Arctic Monkeys</span> auch <span class="musik-review-bandname">Die Goldenen Zitronen</span> sowie <span class="musik-review-bandname">The National</span> zu ihren Musen erkoren. (Ich habe zumindest das jetzt nicht überprüft.)</p>
<p>Die „VISIONS“ spekulierte sichtlich befremdet, alte Fans hätten an den Dissonanzen im Titelstück vermutlich schwer zu knabbern, das Radiobegleitmagazin „musikexpress“ ist naturgemäß <a href="http://www.musikexpress.de/reviews/jupiter-jones-bruellende-fahnen/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">geradezu schockiert<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> über die Abkehr von der Art Musik, die einstmals „Frühstücksfernsehzuschauern“ (ebd.) bekannt zu werden vermochte, mich indes begeistern die <em>krummen</em> Akzente. Dabei übertreiben <span class="musik-review-bandname">Jupiter Jones</span> es nicht übermäßig, zur Avantgarde mag’s nicht reichen; allein: Wenn bewährter Gitarrenrock (noch so eine Assoziation: <span class="musik-review-bandname">Die Toten Hosen</span>, erfreulicherweise nicht textlich) auf nach vorn preschendes Schlagzeug trifft, nicht begleitet, sondern <em>übertönt</em> von einem geradezu absichtlich introvertiert wirkend singenden Sänger, und <em>all das</em> häufig so, dass man sich dann doch mal ans Mitzählen der Takte macht, weil etwas <em>merkwürdig</em> erscheint, dann funktioniert hier irgendwas richtiger als da, wo der „musikexpress“ <span class="musik-review-bandname">Jupiter Jones</span> offensichtlich gern sehen würde.</p>
<p>„Grausam“ sei „Brüllende Fahnen“, da sich „kein einziger Song mit Hitpotenzial“ darauf befinde, befand ein übermäßig ungehaltener Hörer auf <a href="https://www.amazon.de/Brüllende-Fahnen-Jupiter-Jones/dp/B01AB7BFGO?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, und wenn wir uns nun alle einmal gemeinsam vor Augen führen, wie Alben, auf denen „Songs“ mit „Hitpotenzial“ zu hören sind, insgesamt so klingen (<span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span>!), dann ist allein das fünf Sterne wert.</p>
<p>Ich kaufe ja gern mal das Gegenteil.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Warum nicht mal auf <a href="http://tidal.com/album/58199358" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>?</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/de-staat-o.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_de-staat-o.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">De Staat – O</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I’ve got 99 solutions but the blues got none.“</span> (Blues Is Dead)
<p>Oh! <span class="musik-review-bandname">De Staat</span>, eine hocherfreuliche Combo aus einem hocherfreulichen Land, sind nach wie vor aktiv.</p>
<p>Es beginnt wie einst ein grauenhaftes Album von <em>ausgerechnet</em> <span class="musik-review-bandname">Muse</span> mit seltsamen Instrumentalfanfaren, wird dann aber deutlich besser. „Peptalk“ ist Selbstironie in Musikform. <span class="musik-review-lyrics-inline">„We’re gonna have some fun tonight, tonight“</span>, dargeboten in einer offensichtlich <em>absichtlich schrägen</em> Gruppengesangsnummer. Seit „Sweatshop“ („Machinery“, 2011) haben sie nichts verlernt.</p>
<p>Ansonsten <em>channeln</em> <span class="musik-review-bandname">De Staat</span> mal <span class="musik-review-bandname">Primus</span> („Make The Call, Leave It All“), mal die <span class="musik-review-bandname">Pet Shop Boys</span>, schwingen im Kosmos von Tanzpop („Baby“), New Wave und Groove herum, ohne sich dabei in irgendwelche Grenzen zwängen zu lassen. „Blues Is Dead“ ist eine Bluesrocknummer, die die üblichen Verdächtigen (<span class="musik-review-bandname">Gary Moore</span> und so weiter) als bekannt voraussetzt, aber den besungenen Stil als endlich begraben deklariert: <span class="musik-review-lyrics-inline">„Hip-hip hooray, the blues is dead“</span>. Hatte noch jemand angenommen, dass „O“ eins der üblichen bierernsten Indie-Rock-Alben ist, so weiß er es spätestens jetzt besser; <a href="http://www.eclat-mag.de/rezensionen/de-staat/o.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">beziehungsweise:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Unter den Dingen, die sich im <span class="musik-review-bandname">De-Staat</span>-Kosmos nicht geändert haben, ist auch, dass die Holländer mit ihrer Mischung aus Pop-Appeal, Kunstanspruch, Ironie und hemmungsloser Beklopptheit nach wie vor völlig unverwechselbar und eigenständig sind.</p></blockquote>
<p>Den Witz mit der „runden Sache“ haben schon zu viele Leute vor mir gemacht, was mir <em>natürlich</em> jetzt die Pointe ruiniert; und aber jedenfalls: „O“? O ja!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/O-Staat/dp/B017YDL29I/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat Halbminüter, zu „Make The Call, Leave It All“ gibt es ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=THhL8VVtQAU" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">beknacktes Studio-<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und zu „Get On Screen“ ein minder weniger <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ZcOrrLBNm20" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">beknacktes Livevideo.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Viel Vergnügen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/daevid-allen-weird-quartet-elevenses.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_daevid-allen-weird-quartet-elevenses.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Daevid Allen Weird Quartet – Elevenses </span>
<p>Die, so behauptet es ein Hinweis auf der CD-Umhüllung, „letzten Aufnahmen“ des verstorbenen <span class="musik-review-bandname">Daevid Allen</span>, einst Mitgründer von <span class="musik-review-bandname">Gong</span>, die erfreulicherweise <a href="http://www.planetgong.co.uk/bazaar/cd/gong-rejoice.shtml" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">weiterhin existieren<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, und <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span> sowie letztes Urmitglied der Erstgenannten, fanden nicht zusammen mit dem Rest einer dieser beiden Bands statt, sondern in einem Quartett, das sich immerhin standesgemäß das <span class="musik-review-bandname">Daevid Allen Weird Quartet</span> nennt.</p>
<p>Nun ist die Vermutung, es handele sich tatsächlich um Herrn <span class="musik-review-bandname">Allens</span> „letzte“ Aufnahmen, nicht nur geringfügig falsch, sondern trotz der vermutlich starken Vermarktungswirkung fernab der Tatsachen, sind doch seine Beiträge zum Album, wie <em>das Internet</em> weiß, zwischen 2006 und 2008 und somit mindestens drei Jahre vor seinem tatsächlich letzten Album, „soundbites 4 tha reVelation 2012“, entstanden. Auch das Quartett selbst ist eigentlich nicht neu, es nahm noch vor 2006 unter dem Namen <span class="musik-review-bandname">Weird Biscuit Teatime</span> – auch hier eine Anspielung auf das 70-er-Werk von <span class="musik-review-bandname">Gong</span> – bereits „DJDDAY“, ein krautiges Space-Rock-Album, auf und änderte seinen Namen erst für die Veröffentlichung dieses Albums, nachdem <span class="musik-review-bandname">Daevid Allen</span>, der zuvor dem <em>fast fertigen</em> Album seine Zustimmung gegeben hatte, gestorben war, weil die Plattenfirma das gern so haben wollte. Klar: <span class="musik-review-bandname">Daevid Allen</span> kennt man, aber wer war noch mal <span class="musik-review-bandname">Don Falcone</span>? Wenn es nicht gerade merkwürdige Namen trägt, nennt sich das „Kollektiv“ allerdings <span class="musik-review-bandname">Spirits Burning</span>, umfasst auch <a href="http://home.earthlink.net/~falcone/SBMasterCrewList.pdf" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">schon mal<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Mitglieder von <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> und lädt <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span>, <span class="musik-review-bandname">Nic Potter</span> und weitere Größen des Progressive Rocks zum Spielen ein. <em>Weird.</em></p>
<p>So weit zum Schlechten, denn das alles allerdings ist Schall und Rauch, insbesondere des Wortspiels wegen: „Elevenses“ ist pure Kraut- und Drogenmusik, psychedelisch im besten Sinne und obendrein dermaßen gespickt mit der guten alten Hippieorgel, dass man sich beim Hören beinahe wieder jung (und bekifft) fühlt. Musikalisch hat <span class="musik-review-bandname">Daevid Allen</span> 1970 seit seiner Ankunft nie verlassen.</p>
<p>Bereits das zweite Stück „Imagicknation“ wirkt wie direkt einem der frühen Space-/Krautrockalben entnommen, der Geist von <span class="musik-review-bandname">Can</span>, <span class="musik-review-bandname">Amon Düül (II)</span> und eben <span class="musik-review-bandname">Gong</span> weht durch jede der fast vier Minuten, „Grasshopping“ ist ein instrumentaler Trip durch eine <em>sehr</em> bunte Tropenwelt – oder vielleicht doch Gras? – und auch „God’s New Deal“, bis dato nur als eins der vielen Gedichte Daevid Allens bekannt, atmet in seiner bemerkenswerten Zusammensetzung aus Zirkusmusik, Folk und <span class="musik-review-bandname">beatlesquem</span> Psychedelic Rock die Aura der <em>Blumenkinder</em> ein.</p>
<p>Lässt man einmal die zumindest <em>unglückliche</em> Vermarktung außer Acht, ist „Elevenses“, was Alben von und mit <span class="musik-review-bandname">Daevid Allen</span> schon immer ausgezeichnet hat: <em>Freakig</em> im besten Sinne, drogenschwanger, farbenfroh und nie auch nur nahe dem Ernst; wohl auch, weil 2008 sein Krebstod noch nicht absehbar war. „Elevenses“ als sein Vermächtnis zu bezeichnen wäre sicherlich nicht in seinem Sinne gewesen. Ich schlage daher vor, es als das zu betrachten, was es eigentlich ist: Ein durchaus beachtliches Psychedelic-Rock-Album aus dem – wie treffend – <span class="musik-review-bandname">Allen’schen</span> Klangkosmos für jeden, der <span class="musik-review-bandname">Gong</span> und alles aus deren musikalischem Umfeld zu schätzen weiß.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Es möge ein Verweis auf <a href="https://www.amazon.de/Elevenses-Vinyl-LP-Allen-Daevid/dp/B01949EE04/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazons<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Hörproben vorübergehend genügen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/hawkwind-the-machine-stops,jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_hawkwind-the-machine-stops.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Hawkwind – The Machine Stops</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„The secret lies within us / deep inside the human mind“</span> (King of the World)
<p>Apropos <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span>.</p>
<p>Im Dezember 2015 starb <span class="musik-review-bandname">Lemmy Kilmister</span>, seines Zeichens nicht nur Gründer und Frontmann von <span class="musik-review-bandname">Motörhead</span>, <span class="musik-review-bandname">Phil-Collins</span>-Bewunderer und Bourbontrinker, sondern zur positiven Abwechslung zudem insgesamt vierter Bassist der Hardrockband <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> von 1972 bis 1975, die mit nur einer Pause von wenigen Monaten Dauer seit 1969 sozusagen durchgehend aktiv ist und somit neben <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> und ähnlichen Gruppen aus jener Zeit zu den Pionieren des Spacerocks gezählt werden kann, wenn man das unbedingt möchte.</p>
<p>Dass von der Urbesetzung von Hawkwind nur mehr Gitarrist/Sänger/Keyboarder <span class="musik-review-bandname">Dave Brock</span> übrig ist, der in diesem Jahr 75 Jahre alt wird, macht „The Machine Stops“ trotz des klischeehaft schaurigen Coverbildes um so interessanter. Die Band selbst ist 2016 zu sechst, wobei Neuzugang <span class="musik-review-bandname">Haz Wheaton</span> lediglich in den letzten beiden Stücken am Bass zu hören ist. Ansonsten servieren <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> hier weitgehend bewährte Kost, allerdings auch mit bewährt hohem Standard und mit einem erwähnenswerten Hintergrund: Es stand die gleichnamige Kurzgeschichte des Erzählers <span class="musik-review-bandname">Edward Morgan Forster</span> von 1909 Pate, in der die Menschheit, deren sämtliche Bedürfnisse von einer riesigen Maschine befriedigt werden und deren Kommunikation bevorzugt über „Sofortnachrichten“ stattfindet, nach ein paar unangenehmen Zwischenfällen unterirdisch leben muss; diejenigen Menschen, die Zweifel an der Quasigöttlichkeit der Maschine haben, gelten als Ausgestoßene und werden von ihren Mitmenschen entsprechend geringgeschätzt. Inwiefern <span class="musik-review-bandname">Edward Morgan Foster</span> das Smartphonezeitalter damit vorhergesehen hat, füllt sicherlich so manchen wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Aufsatz, soll allerdings auch gar nicht das Thema dieser Rezension sein. Vielleicht nur dieser Gedanke: Vieles, was wir als Fiktion kennen, ist eigentlich gar keine.</p>
<p>So. Zur Musik.</p>
<p>Mit „All Hail the Machine“ geht es bereits stilecht los: Blubbernde Synthesizer leiten über in einen <em>technischen</em>, hektisch flimmernden Rhythmus aus allerlei Verzerrtem, es spricht ein Erzähler exaltiert von der Großartigkeit der Maschine – <span class="musik-review-lyrics-inline">„Blessed is the machine! Blessed is the machine!“</span> -, bis schließlich viele Stimmen durcheinander rufen: <span class="musik-review-lyrics-inline">„All hail the machine!“</span> Der Hörer weiß so auch ohne Kenntnis von der Kurzgeschichte, worum es wohl geht. Fein.</p>
<p>Wie es sich für ein anständiges Konzeptalbum gehört, wird diese Einleitung mit dem ersten <em>richtigen</em> Lied, das den Namen „The Machine“ trägt, überblendet. Neben dem knackigen Bass, hier von <span class="musik-review-bandname">Jonathan Darbyshire</span>, der sich gelegentlich <span class="musik-review-bandname">Mr Dibs</span> nennt, gespielt, fällt mir ein musikalischer Rückgriff in den Postpunk der 1980-er Jahre auf, wenn auch etwas <em>frischer</em> klingend, dominiert vom Gitarrenspiel und Gesang <span class="musik-review-bandname">Dave Brocks</span>. Das <em>Punkige</em> legt die Band auf „The Machine Stops“ nie völlig ab, selbst in „Synchronized Blue“, das die Wurzeln der Band in der psychedelischen Musik der späten 1960-er Jahre noch einmal deutlich werden lässt; auch das großartige „King of the World“ schlägt in eine ähnliche Kerbe, angereichert mit den genre- und bandüblichen elektronischen Effekten, die dem Lied eine entrückte Atmosphäre verleihen. Zwei weitere Lieder sind eigentlich Soloaufnahmen zweier Bandmitglieder: „Hexagone“, eher eine Spaceballade als ein Spacerockstück, wird allein von <span class="musik-review-bandname">Phillip Reeves</span> alias <span class="musik-review-bandname">Dead Fred</span>, nebenberuflich Keyboarder bei <span class="musik-review-bandname">Inner City Unit</span>, intoniert und instrumentiert, das orientalisch anmutende „The Harmonic Hall“ von <span class="musik-review-bandname">Niall Hone</span> (sonst Gesang, Keyboards und Synthesizer).</p>
<p>Ihr merkt es vielleicht schon: „The Machine Stops“ macht Spaß, weil es nur selten in Spacerockklischees versinkt, dann aber immer so, dass man es für Selbstironie halten könnte. Es sind die kleinen Details, die es zu einem sehr angenehmen Erlebnis machen. <em>Natürlich</em> agieren <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> hier weit von dem Spacerock entfernt, den zum Beispiel <span class="musik-review-bandname">Gong</span> (hatten wir ja gerade) oder <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> in ihren besten Zeiten gemacht haben, aber genau das ist es, was diesem Jahr noch gefehlt hat.</p>
<p>Es möge die Maschine <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> noch lange nicht angehalten werden!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Wie wäre es mit <a href="http://tidal.com/album/57656914" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>? Ansonsten hilft <a href="https://www.amazon.de/Machine-Stops-Hawkwind/dp/B01BY1XM8K/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gern weiter.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/tonbruket-forevergreens.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_tonbruket-forevergreens.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Tonbruket – Forevergreens</span>
<p>Einfach mal ein bisschen Instrumentaljazz zwischendurch. Wobei: Ist das noch Jazz?</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Tonbruket</span>, ein Quartett aus der Peripherie des auf bedauerliche Weise untergegangenen <span class="musik-review-bandname">Esbjörn Svensson Trios</span> und der nicht üblen, aber ebenso aufgelösten Indierockband <span class="musik-review-bandname">The Soundtrack of Our Lives</span>, allesamt aus dem herrlichen Schweden, spielen hier jedenfalls alles andere als bloße Klassiker. Ignoriert das potthässliche Coverbild, es lenkt nur unnötig ab.</p>
<p>Nach der gesprochenen spanischen Einleitung („Intro“) wird zunächst einmal die Erinnerung an den Flat Beat – wenn ihr den gerade nicht im Kopf habt, holt das bloß nicht nach – geweckt. <span class="musik-review-bandname">Tortoise</span> und <em>vergleichbare</em> Bands lassen hier grüßen: Ein merkwürdig schleppender, verzerrter <em>beat</em> fräst sich ins Ohr, um sogleich wieder zu verschwinden und Platz zu machen für Perkussion und Klavier, deren Spiel von bemerkenswerter Melancholie geprägt ist und die bis zum Ende von „Mano Sinistra“, allmählich fordernder werdend, das Fundament für die Eskapaden der übrigen Instrumente. Etwas ruhiger geht es im folkigen „Sinkadus“, mit dem die norwegische Liedermacherin <span class="musik-review-bandname">Ane Brun</span> als Gast auf „Forevergreens“ ihren Einstand hat, zu. Mit „Tarantella“, „Linton“ und „First Flight of a Newbird“ finden <span class="musik-review-bandname">Tonbruket</span> immer wieder zur elektronischen Tanzmusik, immer wieder klingt Artverwandtes wie von <span class="musik-review-bandname">Jaga Jazzist</span> und eben <span class="musik-review-bandname">Tortoise</span> an, maßgeblich eigenständig durch die dominante Klavierarbeit von <span class="musik-review-bandname">Johan Lindström</span> und <span class="musik-review-bandname">Martin Hederos</span>, der ab und zu auch zu Akkordeon, zum ersten Mal hörbar in „Sinkadus“, und Geige greift.</p>
<p>„Forevergreens“ ist eines dieser Alben, die offensichtlich unscheinbarer wirken als sie tatsächlich sind. Wenn ihr gegen ein wenig Jazz nichts einzuwenden habt, gebt ihm eine Chance.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Bei Amazon.de geht’s <a href="https://www.amazon.de/Forevergreens-Tonbruket/dp/B01AYPMSR8/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">hier<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ein paar Auszüge, <a href="http://tidal.com/album/60872383" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat den Rest.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/joe-bonamassa-blues-of-desperation.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_joe-bonamassa-blues-of-desperation.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Joe Bonamassa – Blues of Desperation</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I keep searching this world / for someone to hold me“</span> (No good place for the lonely)
<p>Wahrscheinlich ist es ein Zeichen meiner allmählichen Vergreisung, aber ich gebe zu: Dieses – <em>schon wieder</em> – Bluesrockalbum beeindruckt mich. Das könnte am Künstler liegen. Nun fällt diese Rezension ein wenig aus der gewohnten Reihe, denn ich mag eigentlich keinen Bluesrock, deshalb verzeihe man mir die Freude an vielleicht Gewöhnlichem. Die offensichtlich auf bloßen Trübsinn geschriebenen Texte, deren Sänger trotzdem Voraussetzung für ein angenehmes <em>Klangerlebnis</em> ist, sind oft zu wenig tiefsinnig, zu uninteressant. Irgendetwas hat dieses Album aber an sich, das bei mir das sprichwörtliche <em>Klick</em> auslöst.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Joe Bonamassa</span> entstammt einer aussterbenden Spezies, namentlich derjenigen der Gitarristen, die als Einzelmusiker schon positiv aufgenommen worden waren, bevor sie sich einer Band angeschlossen hatten, obwohl er zumindest mir erst mit den zwischenzeitlich aufgelösten <span class="musik-review-bandname">Black Country Communion</span> zum ersten Mal <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/12/black-country-communion/" data-wpel-link="internal">aufgefallen ist</a>. Gelegentlich ist zu lesen, sein Spiel erinnere oft an <span class="musik-review-bandname">Eric Clapton</span>, was trotz des subtilen Subtextes, dass es ihm demnach wohl an Originalität mangele, durchaus nicht die schlechteste Referenz ist. In seiner Solodiskografie findet man mehrfach eine Zusammenarbeit mit <span class="musik-review-bandname">Beth Hart</span>, die trotz ihrer Entdeckung in der Castingsendung „Star Search“ später ernsthafte Musikerin wurde und, wie sich das für anständige Musiker gehört, nach ihrem Drogenentzug in den letzten zehn Jahren unter anderem zusammen mit <span class="musik-review-bandname">Jeff Beck</span> aufgetreten war, und seit 2008 ganze zehn Livealben beziehungsweise ‑videos. Der Mann ist gern unterwegs, wie mir scheint.</p>
<p>Jetzt also „Blues of Desperation“, „Blues der Verzweiflung“. Gibt es denn auch anderen Blues? Von Verzweiflung ist freilich jedenfalls musikalisch nicht viel zu hören, dafür feiner Bluesrock, dessen Rhythmusabteilung man vermutlich besser ausweichen sollte, denn sie gibt <em>voll auf die Fresse</em>. Vielleicht ist das im Bluesrock immer so. Die erste Verschnaufpause, das in der Tat <span class="musik-review-bandname">claptonesque</span> „Drive“, folgt direkt auf den ersten Höhepunkt, das kraftvolle „Mountain Climbing“, das allein es wert wäre, dieses Album mal gehört zu haben. Ein überragender Auftakt, der die Freude bis hin zum Ende des Albums festigt. Dass die Texte zu den erfreulichen Melodien nicht gerade zum Feiern einladen (<span class="musik-review-lyrics-inline">„Blood on my hands and there’s holes in my jeans / you scrub all day but you never get them clean“</span>), ist eines dieser Dinge, die ich am Bluesrock wohl nie verstehen werde. Ich habe beschlossen, die Liedtexte von „Blues of Desperation“ einfach einmal als schmückendes Beiwerk und nicht als essenzielle Komponente zu betrachten, und trotzdem <em>funktioniert</em> es immer noch für mich.</p>
<p>Zugegeben: Bluesrock lebt stilistisch nicht gerade von Vielfalt und Abwechslung. Aber das muss er auch gar nicht. Der Etikettenschwindel sei verziehen: „Blues of Desperation“ lässt den Hörer nicht etwa verzweifelt, sondern <em>völlig aus dem Häuschen</em> zurück. Ich sollte offensichtlich mehr über dieses Genre in Erfahrung bringen. Euch lege ich dieses Album bis dahin nahe. Es ist gut – und ich weiß nicht, warum.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=3qJ8bT3W1D0" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Mountain Climbing“ auf YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Mag ich.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/jeremy-flower-the-real-me.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_jeremy-flower-the-real-me.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Jeremy Flower – The Real Me</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„The curtains start to close / and everybody knows“</span> (Longing in the Tooth)
<p><span class="musik-review-bandname">Jeremy Flower</span> (heißt wohl wirklich so) war bisher ein vergleichsweise unbeschriebenes Blatt auf dem weiten Feld der anspruchsvollen Musik mit Rockbezug und tobte sich eher im Klassik- und Jazzbereich aus. Mit „The Real Me“ führt er dem geneigten Hörer vor, wie schade das eigentlich ist.</p>
<p>In 14 Stücken und etwa 70 Minuten, womit sich die Lieder „eigentlich“ auf Radiolänge halten, aber keinesfalls eine Chance haben, jemals im seichten Einheitsbrei aufzutauchen, brilliert Herr <span class="musik-review-bandname">Flower</span> (heißt wohl wirklich so) hier an Gitarre, Keyboards und Mikrofon, und das nicht einmal allein; an seiner Seite geigt und singt neben elf weiteren Musikern auch <span class="musik-review-bandname">Carla Kihlstedt</span>, die der geneigte Hörer von ihrer Zusammenarbeit mit respektive Mitgliedschaft in Bands wie den <span class="musik-review-bandname">Stolen Babies</span>, <span class="musik-review-bandname">Sleepytime Gorilla Museum</span>, <span class="musik-review-bandname">The Book of Knots</span> und so weiter und so fort kennt. Die Frau hat Referenzen und – dies steht außer jeglichem Zweifel – singen kann sie richtig gut. Davon macht sie – abgesehen von „Longing In The Tooth“ – hier auch reichlich Gebrauch. Ist das „wahre Ich“ <span class="musik-review-bandname">Jeremy Flowers</span> (heißt wohl wirklich so) also eigentlich <span class="musik-review-bandname">Carla Kihlstedt</span>? Und: Ist das eigentlich von Belang?</p>
<p>„The Real Me“ ist auf jeden Fall ein stimmungsvolles Album, es herrschen Melancholie und Schwermut. Das beginnt bereits im wütend-traurigen Titelstück, das den Hörer mit entschlossenem Rhythmus heranzieht und gleichsam gefangen nimmt. Die dunkle Ballade „Take“, in denen sich <span class="musik-review-bandname">Carla Kihlstedts</span> Stimme in beeindruckende Höhen schraubt, führt interessante Dissonanzen mit sich, was zum Text passt: <span class="musik-review-lyrics-inline">„When endings come we fall to pieces“</span>, ach. Wie anders doch das vordergründig beschwingt hüpfende „The Loneliest Number“, das mit einer überraschend guten Mischung aus RIO/Avant und Pop wie eine Reinkarnation von <span class="musik-review-bandname">Thinking Plague</span> und <span class="musik-review-bandname">Eatliz</span> zugleich klingt, während sich die Melodie immer weiter verknotet und schließlich in einem Streichersolo ausklingt. „Keep The Lights On“ lebt schließlich von seinem seltsam schleppenden Schlagzeugspiel.</p>
<p>Auch Folkrock („Along The Banks“) und New Artrock („This Paradise“) sind den Musikern offenkundig nicht fremd. Was ist das hier also für eine Schublade, in die man das Album gern stecken möchte? Wie so oft: Keine. Allenfalls Vergleiche (ich höre unter anderem <span class="musik-review-bandname">Evangelista</span>, <span class="musik-review-bandname">Nick Cave</span>, <span class="musik-review-bandname">Zola Jesus</span>, <span class="musik-review-bandname">broken.heart.collector</span> und alles, was traurig macht) bieten sich an und tun <span class="musik-review-bandname">Jeremy Flower</span> dennoch Unrecht.</p>
<p>„The Real Me“ – nichts für die fröhliche Autofahrt. Das ist durchaus etwas Gutes.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> „The Real Me“ gibt es auf <a href="http://jeremyflower.bandcamp.com/album/the-real-me" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zum Stream und Kauf.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/shamblemaths.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_shamblemaths.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Shamblemaths</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Uproarious rumpus! Bloody racket!“</span> (Conglomeration (or: The Grand Pathetic Suite))
<p>Vor zehn Jahren, um das Jahr 2006 herum, veröffentlichte das kurzlebige Duo <span class="musik-review-bandname">Fallen Fowl</span>, bestehend aus den norwegischen Musikern <span class="musik-review-bandname">Simen Ådnøy Ellingsen</span> (Gitarren, Saxophon, Gesang) und <span class="musik-review-bandname">Eirik Mathias Husum</span> (Bass), unterstützt von vier Gastmusikern ein paar Demoaufnahmen sowie den/die/das EP „Do They Love You Now?“. Ersterer beschloss anschließend, stattdessen in London einen richtigen Beruf zu erlernen, und hat inzwischen in Quantenphysik und Politikwissenschaften (Fachgebiet: Terrorismus mit Kernwaffen) promoviert, was erst mal wahlweise erschreckend oder unglaublich lustig klingt, während sein Kollege in diversen Bands spielte.</p>
<p>Offensichtlich hatten sie aber noch etwas zu sagen. Erfreulicherweise haben sich die beiden nun wieder zusammengetan, um gemeinsam mit neun Gastmusikern, zusätzlichen Instrumenten und unter neuem Namen, der zumindest eine Wissenschaftsreferenz beinhaltet, das Versäumte nachzuholen; leider mit einem grauenhaften Cover im Stil alter Sowjetkampfplakate, auf dem ein Lastkraftwagen zu sehen ist, der ein sowjetisches Flugzeugwrack (das ist doch ein Flugzeugwrack?) transportiert. Was auch immer die beiden Herren uns damit sagen wollen – nicht jedes Rätsel hat eine schnelle Lösung.</p>
<p>Enthalten sind drei Stücke in 54 Minuten, was, um die Band selbst zu zitieren, schon stark auf Prog hindeutet. Den Anfang macht „Conglomeration (or: The Grand Pathetic Suite)“, das tatsächlich pathetisch ist. Zu Beginn gibt es jauchzenden Keyboard-Zeuhl mit Canterbury- und <span class="musik-review-bandname">Gentle-Giant</span>-Einflüssen auf die Ohren. Der namenlose Ersteller der <a href="http://www.shamblemaths.com/newCD.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandwebsite<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> merkt dazu an:</p>
<blockquote><p>Zügellose Anglophilie zeigt sich in den skurrilen Texten, die, vielleicht schlecht beraten, nicht über ein oder zwei Wortspiele hinausgehen.</p></blockquote>
<p>Höhö; und weiter, der zweite Teil des Stücks, „Your Silly Stare“, beginnt: <span class="musik-review-bandname">Faith No More</span>, dann etwas krummtaktiger RIO/Avant, übergehend in von viel Gebläse befeuerten Jazzrock („A Mockery in the Making“), dazu eine irrlichternde Gitarre, dann wieder die gute, alte Orgel – und das waren nur die ersten sieben Minuten. Zwischendurch bedient man sich schamlos, aber nicht ohne offensichtlichen Hinweis, bei Jethro Tull und Ian Anderson: „Saucy Tiara Woman!“. Immer noch im gleichen Stück kommt auch experimentierfreudiger Spacerock zu Wort, plötzlich etwas <span class="musik-review-bandname">Primus</span>, dann wieder Orgel-Canterbury wie einst bei <span class="musik-review-bandname">Egg</span>. Das ist nichts für Leute, die ihre Musik gern übersichtlich und schlicht mögen. Zum Glück bin ich heute in der richtigen Stimmung dafür.</p>
<p>Es ist noch nicht vorbei! „A Failing Ember“: Mit <em>nur</em> fast neuneinhalb Minuten Länge ist das fast radiotauglich; nein, <em>nicht ganz</em>, zu unterschiedlich sind die Stimmungen. Nach einer Einleitung mit Akustikgitarre im Stile <span class="musik-review-bandname">Jethro Tulls</span> übernimmt ein eigenartig entrückter sinfonischer Folkrock mit leichtem schottischem Akzent, mittig aufgelockert durch elektronisches Fiepen, das einen Progressive-Metal-Zwischenteil einleitet, der nicht lange genug dauert, um anstrengend zu sein, gefolgt von griechischer Folklore und abermals <span class="musik-review-bandname">Jethro Tull</span>, die diesmal ein bisschen zu viel vom Kraut genascht zu haben scheinen. Ein ruhiger Moment – es spricht ein Säugling zu getragenen, aber <em>sehr schrägen</em> Klängen, woraufhin die Band sich an AOR versucht und selbst das erfreulich gut hinbekommt.</p>
<p>Für das letzte, wiederum fast zwanzigminütige Stück „Stalker“ schließlich, dessen Entstehung noch auf <span class="musik-review-bandname">TiaC</span> (offenbar eine Abkürzung für <span class="musik-review-bandname">There is a Crowd</span>), das Quintett, aus dem <span class="musik-review-bandname">Fallen Fowl</span> einst hervorgegangen waren und das zwischen 2002 und 2005 bestand, zurückgeht, das jedoch zuvor nie aufgenommen worden war, ist mit dem Gitarristen <span class="musik-review-bandname">Jan Røe</span> ein ehemaliger Bandkollege aus der Verschollenheit zurückgekehrt. Was gibt’s zu hören? „Die heiß ersehnte Stille“, verspricht die Bandwebsite, aber vorher ein wenig Liedermachertum, das beinahe in den Pop hineinreicht, aber rechtzeitig von hübsch dissonantem Indie-Rock unterbrochen wird (<span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span> werden schmerzlich vermisst), den Hardrock mit Saxophon (Saxophon!) ablöst, der sich langsam wieder etwas beruhigt, um wieder Platz zu machen für breitformatige Klangflächen, die nur die Ruhe vor dem Sturm sind, denn wiederum später gibt es auch ein Wiederhören mit den wilden Canterbury-Eskapaden und bläsergetragenem RIO/Avant, mit dem das Stück und damit das Album schließlich ausklingt.</p>
<p>Boah.</p>
<p>Mindestens aus des Frickelfreundes Sicht ist „Shamblemaths“ schon jetzt ein Anwärter auf das Album des Jahres 2016. So 70er war der Progressive Rock schon lange nicht mehr.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Die Quellen sind rar gesät, aber Streaminganbieter wie <a href="http://listen.tidal.com/artist/7647933" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> wissen Rat.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/april-fishes-carpe-d-or.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_april-fishes-carpe-d-or.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">april fishes – Carpe d’Or</span>
<p>Wer nennt sich denn bitte „Aprilfische“? Das können ja nur Franzosen sein!</p>
<p>Dabei klingen die vier Herren von Anfang an eher asiatisch; sofort bemerke ich das mächtige Brummen, wie es mich schon bei <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">boris</span></a> begeisterte, das dann in einen dröhnenden treibenden Rhythmus mit allerlei Knattern und Donnern übergeht. Kein Gesang? Kein Gesang! Ich bin wahrlich kein Freund französischer Sangeskunst, insofern ist das durchaus gut so. Gelegentliche Saxophonausbrüche schlagen die Brücke zu den guten alten <span class="musik-review-bandname">Van der Graaf Generator</span>, was <em>nebenbei</em> mit einer entsprechenden Stimmung einhergeht. Es geht thematisch wohl um die See, aber Seemannslieder sind das nun wirklich nicht. Seemannslieder sind auch erschreckend scheiße.</p>
<p>Womit haben wir es also zu tun? Puh. Sind Journalisten anwesend? Sie würden es vermutlich Slowcore-Dronejazz nennen, vielleicht Postrock, vielleicht Avantgarde, und alles davon ist wahr. Das ist anstrengend, das braucht Zeit, aber es ist wundervoll. Doch, wirklich.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> <a href="https://www.amazon.de/Carpe-dor/dp/B01CZ9VWAU/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. <a href="http://tidal.com/album/58312926" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Wohl bekomm’s.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/holy-esque-at-hopes-ravine.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_holy-esque-at-hopes-ravine.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Holy Esque – At Hope’s Ravine</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Holy Esque</span> aus Glasgow machten schon einmal <a href="https://tuxproject.de/blog/2016/06/holy-esque-strange/" data-wpel-link="internal">meine Musik zum Wochenbeginn</a>, das dazu gehörende Debütalbum „At Hope’s Ravine“, erschienen im Februar dieses Jahres, habe ich euch aber bisher verschwiegen. Interessant verzerrte Gitarren, als hätten <span class="musik-review-bandname">Placebo</span> endlich mal ein Instrumentalalbum aufgenommen, treffen auf die einmalige Stimme von <span class="musik-review-bandname">Pat Hynes</span> und <a href="http://www.nicorola.de/holy-esque-a-hopes-ravine-review/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ergeben zusammen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> …</p>
<blockquote><p>(…) einen mitreißenden Mix, der sich in etwa aus dem rauen Sound von <span class="musik-review-bandname">The Pains Of Being Pure At Heart</span>, den verspielten Melodien von <span class="musik-review-bandname">Bloc Party</span> und dem Pathos der <span class="musik-review-bandname">Editors</span> zusammensetzt.</p></blockquote>
<p><em>Natürlich</em> ist das im Wesentlichen <em>nur</em> gut gemachter Indie-Rock, aber mit einer derart besonderen und insbesondere großartigen eigenen Note, dass es wirklich schade wäre, „At Hope’s Ravine“ nicht zumindest einmal gehört zu haben.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Drüben auf Nicorola gibt’s eine Soundcloud-Liste mit dem kompletten Album, Ungeduldige können auch <a href="https://www.amazon.de/At-Hopes-Ravine-Holy-Esque/dp/B01735NC4A/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> reinhören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/combichrist-this-is-where-death-begins.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_combichrist-this-is-where-death-begins.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Combichrist – This is Where Death Begins</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Give me a break / you give what you take“</span> (Skullcrusher)
<p><span class="musik-review-bandname">Combichrist</span> sah ich zum ersten und bisher einzigen Mal in meinem Leben im Jahr 2011 auf einem Festival, auf dem sie beinahe den einzigen musikalischen Lichtblick gegenüber den ebenfalls auftretenden <span class="musik-review-bandname">Staubkind</span>, <span class="musik-review-bandname">Mina Harker</span> und sonstiger Mädchenmusik darstellten. Fragt mich bitte nicht, was ich überhaupt dort verloren hatte. Aus verschiedenen Gründen hatten sie danach bis heute meinen Blicken entzogen.</p>
<p>Die vier Norweger sind keine typische Rockband; die Besetzung mit Gesang, Schlagzeug, Perkussion und Keyboards, zu denen sich nur live regelmäßig eine <em>richtige</em> Gitarre gesellt, zeigt, dass hier noch mehr Elektronik am Werk ist. <span class="musik-review-bandname">Combichrist</span> haben wiederholte Erfahrungen als Vorgruppe von <span class="musik-review-bandname">Rammstein</span> gesammelt und dort passen sie auch hin. Aggressiver Industrial beherrscht letztlich auch dieses Album.</p>
<p>Dass die Texte und Musikvideos von <span class="musik-review-bandname">Combichrist</span> noch immer mit Klischees spielen, es geht ja doch immer nur um den Sinn des Lebens und des Daseins, sei ihnen gegönnt. Ernst nehmen sollte man solches nach der Pubertät keinesfalls, denn sonst kauft man eine Waffe und bringt jemanden um. Nein, <span class="musik-review-bandname">Combichrist</span> machen Musik zum Abreagieren, nicht zur allzu aufmerksamen Wahrnehmung. Es wird auf Felle gedroschen und zornesrot geschrien, selbst die Keyboards sind wütend. Aus der Perspektive des Genießers ist das alles eine schreckliche Zumutung, aus der Perspektive eines einfachen, unvoreingenommenen Hörers jedoch ist „This is Where Death Begins“ nicht weniger als bemerkenswert, zumal es in den meisten Stücken durchaus <em>ohrwurmtauglich</em> ist – ob man will oder nicht. Es muss ja nicht gleich die 3‑CD-Version sein.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Auf YouTube gibt es unter anderem Videos zu <a href="https://www.youtube.com/watch?v=FWCw0blnhN8" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Skullcrusher<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=0tEUP7vDMbo" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">My Life My Rules<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/vaults-of-zin-kadath.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2016/07/Vorschau_vaults-of-zin-kadath.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span> <span class="musik-review-album-titel">Vaults of Zin – Kadath</span>
<p>Einen noch für’n Weg.</p>
<p>Im Jahr 2014 machte sich das texanische Quartett <span class="musik-review-bandname">Vaults of Zin</span> daran, den Nachfolger zu ihrem 2011er Debütalbum aufzunehmen. Warum es noch bis März 2016 dauerte, bis die Öffentlichkeit daran teilhaben durfte, weiß ich nicht, wenngleich das Absicht sein könnte, behauptet die Band doch selbst von sich, sie sei willens, die Grenzen der Improvisation in langen Phasen der Komposition zu erforschen. Das klingt mehr nach Phrasendrescherei als angebracht wäre, denn „Kadath“ löst dieses Versprechen tatsächlich ein.</p>
<p>Auch „Kadath“ hat mit fünf Stücken zwischen dreieinhalb und 22:03 Minuten Laufzeit das Progressive schon strukturell erfasst. Los geht’s mit ausuferndem Gitarrenzeuhl („Amduat“). Dass auch <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> (vgl. deren „Red“) und Bands wie <span class="musik-review-bandname">Ruins</span> den Musikern nicht unbekannt sind, lässt sich nicht nur in „Mons Atanua“, dessen Gitarrenriff ich schon mal <em>irgendwo gehört habe</em>, erkennen, aber da ist dann doch diese besondere Note, dieses Schwingen zwischen Jazzrock, Drones und Metal, die dem Ganzen quasi die Krone aufsetzt. Schöner flirrten in diesem Jahr noch keine Bässe. Das abschließende „Moongate / Heart Girt with a Serpent“, mithin das längste Stück auf dem Album, ist zugleich auch das lauteste, nach einem schön <em>frickeligen</em>, spacerockigen Beginn schließlich kippend in schleppenden Doom-Metal, der selbst einem alten Schöngeist wie mir ein Wohlgefühl anbietet, alles Growling zum Trotz. Das hier macht <em>Gänsehaut</em>, Leute, und das wahrlich nicht zum Schlechten.</p>
<p>Dieses Album ist verrückt. Ich mag Verrücktes.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Komplettstream und ‑kauf gibt’s auf <a href="http://vaultsofzin.bandcamp.com/album/kadath" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
</ol>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Schlimmer Schrott.</span></p>
<p>Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten hierher. Ton aus und los.</p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-titel">David Bowie – Blackstar</span><br>
Angehörs dieses Albums ist <span class="musik-review-bandname">David Bowie</span> wahrscheinlich nicht einfach gestorben, sondern <em>für immer eingeschlafen</em>. Was für eine schnarchlangweilige Popgrütze.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Hypno5e – Shores Of The Abstract Line</span><br>
Laut <a href="http://www.laut.de/Hypno5e/Alben/Shores-Of-The-Abstract-Line-98963" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">laut.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> der „harsche Zwilling von <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span>“, dessen Langeweile wird hier allerdings geradezu vorbildlich adaptiert.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Long Distance Calling – Trips</span><br>
Stadion-Hardrock trifft auf 80er-Keyboards. So „schön“.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Heron Oblivion – Heron Oblivion</span><br>
Die musikalische Begleitung zu einem langen, ausgedehnten Spaziergang durch Hannover.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Santana – Santana IV</span><br>
Ich weiß nicht genau, wie Herr <span class="musik-review-bandname">Santana</span> es schafft, auch <em>rockige</em> Teile seiner Stücke zu Bügelbegleitmusik zu machen, aber er hat es tatsächlich auch diesmal wieder hinbekommen.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">LNZNDRF – LNZNDRF</span><br>
Mitglieder von <span class="musik-review-bandname">The National</span> (sonst eigentlich ganz gut) und <span class="musik-review-bandname">Beirut</span> (mir sonst unbekannt) versuchen wie <span class="musik-review-bandname">Joy Division</span> zu klingen, schaffen es aber doch nur zu einem müden Aufguss von <span class="musik-review-bandname">Mark Everett</span>.</li>
</ul>
<p><span class="musik-review-header-nr">3.</span> <span class="musik-review-header-text">Schnee von gestern.</span></p>
<p>Zum Abschluss gibt es einen Rückblick in die letzten vierzig Jahre Musik und Gesellschaft. Vor vierzig Jahren hatten wir’s erst 1976. Fühlt ihr euch auch gerade so unangenehm gealtert wie ich? – Musik, Maestro:</p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 40 Jahren:</span>
<p>Mao stirbt, Schmidt wird wiedergewählt, die Todesstrafe in den USA wird wieder eingeführt. Der Vogel des Jahres ist der Wiedehopf. Auch musikalisch erleben wir <span class="musik-review-hoerproben">1976</span> als ein Jahr der Tode und der Neugeburten:</p>
<p>Die US-amerikanische Symphonic-Prog-Band <span class="musik-review-bandname">Fireballet</span> beendet bereits mit ihrem zweiten Album <span class="musik-review-album-titel">Two, Too …</span>, das gleichzeitig den wahrscheinlich blödesten Namen und das garantiert bescheuertste Coverbild des Jahres trug, ihre eigene Karriere, was den bis dahin involvierten Musikern, im Vorjahr immerhin auch noch <span class="musik-review-bandname">Ian McDonald</span>, allerdings keinen dauerhaften Schaden zufügt. Ihre britischen Kollegen von <span class="musik-review-bandname">Camel</span> drehen indes gerade erst so richtig auf, mit <span class="musik-review-album-titel">Moonmadness</span> erscheint im vierten Jahr in Folge ein beeindruckendes, atmosphärisches Album, das <em>im Internet</em> gern und vollkommen zu Recht „wunderschön“ genannt wird. Geschwächelt wird erst in den Folgejahren, das maue <span class="musik-review-album-titel">Breathless</span> von 1978 zeigt die Zeichen der Zeit. Allein: <span class="musik-review-bandname">Camel</span> halten bis heute durch. Ebenfalls auch heute aktiv sind die zwischendurch immer mal wieder aufgelösten <span class="musik-review-bandname">Van der Graaf Generator</span>, die sich mit den beiden überragenden Alben <span class="musik-review-album-titel">Still Life</span> und <span class="musik-review-album-titel">World Record</span> – man war kreativ in jenen Tagen – ein letztes Mal aufbäumten, bevor die Gruppe erst den „Generator“ aus ihrem Namen strich und dann, nach einem letzten Studioalbum in neuer Besetzung (<span class="musik-review-album-titel">The Quiet Zone / The Pleasure Dome</span>, 1977) und dem Livealbum <span class="musik-review-album-titel">Vital</span> (schon wieder 1978), nicht zum ersten Mal in ihrer Geschichte vorübergehend zerfiel.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 30 Jahren:</span>
<p>Jahre, die mit 6 enden, sind offensichtlich ungesund. Im Januar <span class="musik-review-hoerproben">1986</span> fällt die Challenger kaputt vom Himmel, drei Monate später lässt ein Schichtleiter in der USSR ein Atomkraftwerk überlasten, was bis heute den Ruf der Kernkraft nicht zum Besseren beeinflusst.</p>
<p>Mit <span class="musik-review-album-titel">Balance of Power</span> zerstören im gleichen Jahr <span class="musik-review-bandname">Electric Light Orchestra</span> ihren Ruf mit klebriger Popmusik, bevor auch sie fünfzehn Jahre lang von der Bühne verschwinden. Ebenso ist für <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> bald Schluss mit lustig: Nach <span class="musik-review-album-titel">Invisible Touch</span>, das man bitteschön nie wieder auch nur auszugsweise öffentlich aufführen soll, macht <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span> erst mal ein paar Jahre lang blöde Dudelmusik unter seinem eigenen Namen. <em>Ist der Ruf erst ruiniert…</em> Die anschließende Reunion für das ebenso scheußliche <span class="musik-review-album-titel">We Can’t Dance</span> (1991) hätte es wirklich nicht gebraucht. Was es allerdings durchaus gebraucht hat, war, dass einer ganz anderen Band der Radiopop allmählich schnurzpiepegal wurde: <span class="musik-review-album-titel">The Colour of Spring</span> markiert 1986 den Wendepunkt in der Karriere der einstigen Popkapelle <span class="musik-review-bandname">Talk Talk</span>, deren Musik immer sperriger, immer ausladender und zugleich immer intimer wurde, bis die ganze Band eines Tages zu existieren aufhörte. Ihr Sänger <span class="musik-review-bandname">Mark Hollis</span> lässt seitdem nur gelegentlich von sich hören, zuletzt immerhin <a href="http://pitchfork.com/news/47680-talk-talks-mark-hollis-resurfaces-with-new-music-for-the-kelsey-grammer-tv-show-boss/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">2012<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Auch ein anderer Sänger meldet sich zur gleichen Zeit mit Ungewohntem zurück: <span class="musik-review-bandname">Rio Reiser</span> versucht sich nach der finanziell wohl notwendigen Auflösung von <span class="musik-review-bandname">Ton Steine Scherben</span> im Vorjahr auf <span class="musik-review-album-titel">Rio I.</span> als Solokünstler, wobei Stücke wie „König von Deutschland“ und „Junimond“, die ja irgendwie auch <em>niemand</em> mehr so richtig gut ertragen kann, eigentlich im Bandkontext hätten veröffentlicht werden sollen; Ersteres war bereits 1976 Teil des <span class="musik-review-bandname">Scherben</span>-Repertoires. Ebenfalls etwas Neues probiert die frühere Punkband <span class="musik-review-bandname">Beastie Boys</span> aus, die mit ihrem Debütalbum <span class="musik-review-album-titel">Licensed to Ill</span> einen Hip-Hop-Klassiker veröffentlicht, der nicht folgenlos (Ruhm, Reichtum, Coverversionen noch und nöcher) bleiben sollte.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 20 Jahren:</span>
<p><span class="musik-review-hoerproben">1996</span> wird Deutschland zum dritten und bisher letzten Mal Europameister im Herrenfußball. Ich sah damals zum ersten Mal ein Fußballspiel auf einer <em>richtigen</em> Leinwand in einer Scheune und verstand schon damals nicht, worüber sich alle so freuen.</p>
<p>Zur Freude gibt 1996 auch musikalisch kaum einen Anlass: <span class="musik-review-bandname">Tic Tac Toe</span> gehen diesem armen gebeutelten Land mit ihrem Debütalbum (kackdoofer Titel: <span class="musik-review-album-titel">Tic Tac Toe</span>) auf die Nerven, <span class="musik-review-bandname">Mr. President</span> sind mit der Single „Coco Jamboo“ und dem dazu bedrückend gut passenden Album <span class="musik-review-album-titel">We See the Same Sun</span> im Weg. Zwischen Retro- und Neoprog veröffentlichen gleichfalls diverse Bands ihre Debütalben ohne anständigen Titel, darunter <span class="musik-review-bandname">Quidam</span>, <span class="musik-review-bandname">Somnambulist</span> und <span class="musik-review-bandname">Spektakel</span>, deren gleichnamiges Album allerdings bereits 1974 aufgenommen worden war. Plattenfirmen waren damals wohl einfach nicht so schnell. Auch der bereits 1993 verstorbene <span class="musik-review-bandname">Frank Zappa</span> – der Tag, an dem ich <span class="musik-review-bandname">Frank Zappa</span> verstehe, wird sicherlich kommen – „veröffentlicht“ mit dem bereits zwei Dekaden zuvor <em>eigentlich</em> fertigen <span class="musik-review-album-titel">Läther</span> eines seiner wohl unwidersprochen besten Alben, konnte sich darüber aber nicht mehr so richtig freuen. Ob <span class="musik-review-bandname">Tortoise</span>, die für ihr zweites Studioalbum <span class="musik-review-album-titel">Millions now living will never die</span> den damals ehemaligen <span class="musik-review-bandname">Slint</span>-Gitarristen <span class="musik-review-bandname">David Pajo</span> als Ersatz für den ausgestiegenen <span class="musik-review-bandname">Bundy K. Brown</span> verpflichten konnten, mit dem Titel des Albums Recht behalten sollten, wird sich möglicherweise allerdings noch erweisen.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 10 Jahren:</span>
<p>Als unsterblich gelten heute allerdings ganz andere Herren: <span class="musik-review-hoerproben">2006</span> fanden zugleich der sehr lange 250. Geburtstag von <span class="musik-review-bandname">Wolfgang Amadeus Mozart</span> und der 150. Todestag von <span class="musik-review-bandname">Robert Schumann</span> statt. Wahrlich, wie <em>man</em> so sagt, <em>große Fußstapfen</em>.</p>
<p>In die <span class="musik-review-bandname">Amy Winehouse</span> nie so ganz hineinpasste: <span class="musik-review-album-titel">Back to Black</span> sollte ihr letztes Album bleiben, es folgten aufbrandender Erfolg, Alkohol und Tod. Bis heute das letzte Album veröffentlichen im gleichen Jahr auch <span class="musik-review-bandname">Tool</span> mit <span class="musik-review-album-titel">10,000 Days</span>, ein erst 2015 für überstanden erklärter Rechtsstreit verhindert bis heute die Veröffentlichung des längst angekündigten Nachfolgealbums, obwohl, wie man so hört, es jetzt tatsächlich nicht mehr allzu lange dauern soll. <span class="musik-review-bandname">The Mars Volta</span> hingegen existieren inzwischen gar nicht mehr, was ich bedaure, denn mit <span class="musik-review-album-titel">Amputechture</span>, dem Nachfolgealbum des von mir geschätzten, ähnlich überdrehten <span class="musik-review-album-titel">Frances the Mute</span>, erscheint auch 2006 wieder eines ihrer Alben, die ich Jahre später langsam zu mögen begann. Ganz woanders zu verorten sind <span class="musik-review-bandname">Katatonia</span>, deren <span class="musik-review-album-titel">The Great Cold Distance</span>, gefüllt mit einer zumindest bemerkenswerten Mischung aus Gothic und Progressive Metal, einen für dieses Jahr recht passenden Namen trägt.</p></li>
</ul>
<p>Damit ist das Halbjahr auch musikalisch endlich vorbei; aber verzagt nicht, die Liste für das zweite Halbjahr füllt sich unaufhörlich und es sind bereits jetzt einige feine Perlen dabei. Das wird noch ein wundervolles restliches Jahr für uns Musikfreunde. Näheres zu gegebener Zeit.</p>
<p>Danke für die Aufmerksamkeit!</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2018/06/musik-06-2018-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Musik 06/2018 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2016/07/musik-062016-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">28. Juni 2018</a> dies: […] Sommer 2016 tauchte erstmals die bizarre Hamburger Musikgruppe Neurosenblüte in meinem Wahrnehmungsfeld auf. […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2016/07/musik-062016-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/7c6eea4834674ee8931794bca32d6a4a" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
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		<title>Musik 12/2015 – Favoriten und Analyse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Dec 2015 16:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Die bisher schönste Nachricht des Jahres 2015 war es, dass Phil Collins nie wieder ein Lied komponieren möchte. Das ist vielleicht in der gewaltigen Nachrichtenmenge völlig untergegangen; vor nicht allzu langer Zeit berichtete Stefan Niggemeier in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ davon, dass Claus Kleber anlässlich seiner Honorarprofessur beklagte, dass die Jugend zu einem bedeutenden Teil ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2015 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die bisher schönste Nachricht des Jahres 2015 war es, dass <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span> nie wieder ein Lied komponieren möchte. Das ist vielleicht in der gewaltigen Nachrichtenmenge völlig untergegangen; vor nicht allzu langer Zeit berichtete <span class="musik-review-bandname">Stefan Niggemeier</span> in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ davon, dass <span class="musik-review-bandname">Claus Kleber</span> anlässlich seiner Honorarprofessur beklagte, dass <em>die Jugend</em> zu einem bedeutenden Teil Nachrichten nur noch häppchenweise statt in vollständiger Darbietungsform zur Kenntnis nehme; im selben Artikel war davon die Rede, dass es Nachrichten also so gehe wie Musik. Offensichtlich ist <em>die Jugend</em> über die Schönheit aktueller musikalischer Kleinode gar nicht mehr informiert (das liegt bestimmt an den zu kurz zusammengefassten Nachrichten). Höchste Zeit also, dass wir uns wieder einmal mit der <span class="musik-intro-hervorhebung">primasten Musik</span> des Jahres 2015 befassen.</p>
<p><span id="more-10982"></span>Wie gewohnt haben auch diesmal manche Alben einen zeitlichen Vorsprung, nämlich die bereits zuvor empfohlenen neuen Werke von <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/03/godspeed-you-black-emperor-asunder-sweet-and-other-distress/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Godspeed You! Black Emperor</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/06/katie-dey-asdfasdf/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Katie Dey</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/11/kurzkritik-gruenlich-grau-niederstes-gewaenz" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Grünlich Grau</span></a> sowie <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/05/the-hirsch-effekt-holon-agnosie-die-devolution-der-popmusik/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">The Hirsch Effekt</span></a>; aus dramaturgischen Gründen bleiben sie als Empfehlungen bestehen, werden aber kein zweites Mal rezensiert.</p>
<p>Apropos Drama:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">1a.</span> <span class="musik-review-header-text">Musikalische Kleinode</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Magma-Slag-Tanz.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Magma-Slag-Tanz.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Magma – Šlağ Tanz</span>
<p>„Schlagtanz“? Nein, keine Sorge, mit Folk möchte ich euch noch nicht schockieren. <span class="musik-review-bandname">Magma</span> haben nach ihrem bislang letzten Opus Magnum „Ëmëhntëhtt-Ré“ aus dem Jahr 2009 eine turbulente Veröffentlichungspolitik geführt: Mit „Félicité Thösz“ kam 2012 ein (für Bandverhältnisse) ziemlich fröhliches Quasipopalbum heraus, 2013 und 2014 jeweils ein Livealbum aus unterschiedlichen Bandepochen, zuletzt 2014 mit „Rïah Sahïltaahk“ eine EP, die das gleichnamige Stück von 1971 als neues Arrangement enthielt. Jetzt also „Šlağ Tanz“.</p>
<p>Mit nicht einmal 21 Minuten Laufzeit wäre es vielleicht vermessen, hier wieder von einem „Album“ zu sprechen; aber so lange die Qualität stimmt, wollen wir uns mal nicht beschweren. Außerdem haben wir es hier immerhin mit dem ersten mehr oder weniger neuen <em>output</em> im guten, alten hymnisch-repetitiven Zeuhl-Stil seit 2009 zu tun.</p>
<p>Die Besetzung hat sich nicht geändert, das Oktett von „Rïah Sahïltaahk“, dessen Kern (<span class="musik-review-bandname">Christian Vander</span>, <span class="musik-review-bandname">Stella Vander</span>, <span class="musik-review-bandname">Isabelle Feuillebois</span>, <span class="musik-review-bandname">James Mac Gaw</span>, <span class="musik-review-bandname">Phillipe Bussonnet</span>) seit der Studioreunion von 1998 („Floë Ëssi / Ëktah“) gemeinsam spielt, trat also auch hier wieder zusammen.</p>
<p>Von „Jazz Metal“ <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/album_14771.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">spricht<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ein Aufkleber, aber mit Metal haben wir es hier zum Glück auch weiterhin nicht zu tun, sondern mit dem musikalischen Gegenstück zu „Félicité Thösz“, das bereits vor vier Jahren auf Konzerten den Kontrast zum damals ebenfalls neuen „Šlağ Tanz“ bildete, dessen Dissonanz und harsche Rhythmik dem alten <span class="musik-review-bandname">Magma</span>-Hörer wohl zu gefallen vermögen. Wie <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> haben es indes auch <span class="musik-review-bandname">Magma</span> nie geschafft, ihren ersten Sänger (seinerzeit <span class="musik-review-bandname">Klaus Blasquiz</span>) im Laufe der Jahre adäquat zu ersetzen, <span class="musik-review-bandname">Hervé Aknin</span> intoniert ungewöhnlich exaltiert und lässt <span class="musik-review-bandname">Magma</span> in schwächeren Momenten eher italienisch klingen, was, wie regelmäßige Leser wissen, in der Progressive-Rock-<em>Szene</em> sangestechnisch von minderer Güte scheint; in den stärkeren aber freuen wir uns, dass <span class="musik-review-bandname">Magma</span> mit dem herausragenden Bassisten <span class="musik-review-bandname">Phillipe Bussonnet</span> und eben auch <span class="musik-review-bandname">Hervé Aknin</span> eine Erneuerung erfahren haben, die erfreulich ist. <span class="musik-review-bandname">Magma</span> bleiben sich musikalisch vielleicht auch wegen der neuen Köpfe noch im 46. Jahr ihres Bestehens treu, ohne sich zu wiederholen. Mir gefällt’s.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Auf <a href="https://www.youtube.com/watch?v=bmb2HEpBbes" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> lässt sich in „Šlağ Tanz“ hineinhören, auf <a href="http://www.amazon.de/Slag-Tanz-Magma/dp/B00LALVRBO/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es Kauf- und Hörschnipselmöglichkeiten.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/-isq-Too.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_-isq-Too.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">–isq – Too</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„So the darkest of places has room for a light“</span> (Tears of a Clown)
<p>Oh, ist das schön. Wirklich, wirklich schön.</p>
<p>Das Londoner Quartett mit dem eigenartigen Namen <span class="musik-review-bandname">–isq</span>, das in launiger Stimmung auch schon mal <span class="musik-review-bandname">Nirvana</span> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=cT54zbemnY4" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">covert<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, lässt mich mit seinem zweiten (haben wir hier etwa ein Wortspiel versteckt?) Album „Too“ vergebens nach geeigneten Synonymen suchen, was man einer Jazzcombo, deren Pianist, wie man vielerorts liest, bereits mit <em>ausgerechnet</em> <span class="musik-review-bandname">Björk</span> zusammengearbeitet hatte, eigentlich nicht zugetraut hätte, aber was wäre Musik ohne Überraschungen?</p>
<p>Melancholie fasst „Too“ möglicherweise gut zusammen, gebrochene Herzen stehen Pate für Texte und Musik. Die mir bedauerlicherweise zuvor völlig unbekannte Sängerin <span class="musik-review-bandname">Irene Serra</span>, geboren in Italien, aufgewachsen in Dänemark und reüssiert in den Jazzclubs Großbritanniens, trägt ihren Teil dazu bei, sie singt mit einem Weltschmerz, dass es einem beinahe frösteln würde, aber die Gänsehaut ist eine wärmere, angenehmere; will sagen: Fesselspielchen für die Ohren.</p>
<p>Dabei unterscheiden sich die Stücke eigentlich nur in der Intensität; behutsam und zurückhaltend wie das beinahe minimalistische „The Bird Has Flown“, soulschwanger wie das bedrückende „Falling Stars“ oder ergreifend wie das längst ohrwurmtaugliche bis ‑grenzüberschreitende „Zion“, jedes Stück trägt seine eigene Signatur und bleibt dennoch ein Stein im Mosaik.</p>
<p>„Too“ ist wie ein Musik gewordener Abend im Ohrensessel mit einem Glas besten Single Malts.</p>
<p>Habe ich schon erwähnt, wie schön es ist?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Auf YouTube gibt es zum Beispiel ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=jYPxfJvkEmQ" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Video<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu „Zion“ sowie eine <a href="https://www.youtube.com/watch?v=BBQHSiOKy64" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Livedarbietung<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> von „Falling Stars“ anzusehen. Wer es ohnehin nicht so mit Handfestem hat, der kann auf <a href="http://www.amazon.de/Too--isq/dp/B00TADKWL0/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> das Album im MP3-Format kaufen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/The-Brian-Jonestown-Massacre-Musique-de-Film-Imagine.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_The-Brian-Jonestown-Massacre-Musique-de-Film-Imagine.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Brian Jonestown Massacre – Musique de Film Imaginé</span>
<p>Nicht, dass ihr mir hier noch einschlaft vor lauter Ruhe: <span class="musik-review-bandname">The Brian Jonestown Massacre</span> haben gerade mal ein Jahr nach dem Vorgängeralbum „Revelation“ wieder nachgelegt und präsentieren nunmehr „Musik für einen eingebildeten Film“, wobei das ja nur zum Teil so stimmt.</p>
<p>Zum Einen nämlich hat, wie es heißt, <span class="musik-review-bandname">Anton Newcombe</span> das Album nur mit den Gastmusikerinnen <span class="musik-review-bandname">Stéphanie „Soko“ Sokolinski</span> (einer wohl nicht ganz unbekannten Goth-Pop-Musikerin) und einer gewissen Italienerin namens <span class="musik-review-bandname">Asia Argento</span> zusammen aufgenommen, womit es unter dem Bandnamen <span class="musik-review-bandname">The Brian Jonestown Massacre</span> <em>eigentlich</em> formell falsch aufgehoben ist, zum Anderen gibt es mit der Pariser Filmkultur der 1950-er Jahre offenbar ein reales Vorbild. Das nämlich hat die „Musique de Film Imaginé“ mit mancherlei Album von <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> gemein: Das ganze Werk ist <em>eigentlich</em> vertontes Kino. Sein Schöpfer gab hierzu zu Protokoll:</p>
<blockquote><p>Das Album, das Sie gleich hören werden, ist eine Tonspur, meine eigene Kreation, ein Tribut den großartigen Regisseuren und Filmmachern aus einer Ära, die nun hinter uns zu liegen scheint. Es ist den Klugen überlassen, sich vorzustellen, dass diese Kunst nunmehr im Schatten seiner früheren Glorie liegen könnte. Das Interessante an diesem Projekt ist allerdings, dass auch der Film nicht existiert. Trotzdem habe ich mir seine Tonspur ausgedacht und sie umgesetzt… Nun sind Sie an der Reihe, Sie als Zuhörer müssen sich den Film vorstellen.</p></blockquote>
<p>Was auch erklärt, wieso selten und dann auch noch <em>ausgerechnet</em> auf Französisch gesungen wird. Analog zum <em>film noir</em> steht mir der Sinn danach, hier von <em>musique noire</em> (nicht aber von der gleichnamigen Band) zu reden. Am Ende, so schreibt’s <em>das Internet</em>, sei alles Oboe und Fagott; ein expressionistisches Meisterwerk in Noten oder ein vertontes Drama des großen französischen Films. Nach sechzig Jahren war eine solche Hommage, andererseits, wohl überfällig.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Auf <a href="http://www.amazon.de/dp/B00T85O2TI?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es halbminütige Hörproben zu, nun, hören.
</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Arcane-Known-Learned.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Arcane-Known-Learned.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Arcane – Known/Learned</span>
<p>Von französischer Düsterheit ist es ein immer noch weiter Weg zu australischem Progressive Metal, aber da’s draußen gerade Wanderwetter ist, nehmen wir das mal auf uns.</p>
<p>Mit „Known/Learned“ haben <span class="musik-review-bandname">Arcane</span> ein Doppelalbum veröffentlicht, dessen erste Seite („Known“) die härtere darstellt. Möglicherweise ist der Titel so zu interpretieren, dass man den Progressive Metal von der Band schon kannte und nun auch noch die zweite Seite („Learned“) in Form von ziemlich überzeugendem Progressive und/oder Alternative Rock kennen lernt. Nun sind 2015 schon fast zwei Stunden Laufzeit ziemlich viel, das Publikum verliert ja mit den Jahren an Aufmerksamkeit, also muss man es spannend halten. <span class="musik-review-bandname">Arcane</span> schaffen das übrigens.</p>
<p>Aber fangen wir mal vorn an: „Known“ ist tatsächlich nichts Neues, Progressive Metal mit ordentlich Gitarre, Schlagzeug und Klavierklängen. Das heißt natürlich keinesfalls Langeweile, langweiligen Progressive Metal gibt es wahrlich zur Genüge. <span class="musik-review-bandname">Arcane</span> machen vieles anders, angefangen beim angenehm unanstrengenden Gesang bis hin zur merkwürdigen Verschränkung der beiden Teile ineinander; so gibt es auf „Known“ einen 23-minütigen Progressive-Metal-<em>longtrack</em> namens „Learned“ und auf „Learned“ ein fast dreiminütiges Schmacht-Popstück namens „Known“. Das letzte Stück auf „Learned“ heißt „Promise (Part 1)“ und das erste auf „Known“ „Promise (Part 2)“. Wo ist hier der Anfang, wo ist hier das Ende? Vielleicht ist „Known/Learned“ auch ein Endlosalbum, das wäre mal erfrischend. Trotzdem wird es Zeit für einen Scheibenwechsel.</p>
<p>„Learned“ erinnert mich, so weit es meine Notizen hergeben, an die fürchterlichen <span class="musik-review-bandname">Placebo</span>, allerdings ohne den Jaulgesang, der die Fürchternis erst hervorruft. Mitunter scheinen <span class="musik-review-bandname">echolyn</span> durch, der jazzige Bass der meisten Stücke fügt eine weitere interessante Nuance hinzu.</p>
<p>Wo <span class="musik-review-bandname">Pain of Salvation</span>qualitativ noch gehörig scheiterten, beim Umschwenken von Metal auf Artrock nämlich, machen <span class="musik-review-bandname">Arcane</span> vieles einfach richtig. Eine hörbar gereifte Band lotet ihre Grenzen aus, ohne sie zu überschreiten, und weiß mit ungewohnten Klängen positiv zu überraschen. Wie wohl der Nachfolger klingen mag? Dieses Album jedenfalls ist bereits ein feines.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> <a href="http://www.amazon.de/Known-Learned-Arcane/dp/B00PLH09FS/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat halbminütige Schnipsel auf Lager, einen Komplettstream gibt es auf <a href="https://www.youtube.com/playlist?list=PLecNru27P43PizWvRj_cOWucyhojSn6L4" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und zum Beispiel <a href="http://tidal.com/album/41066016" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Viel Vergnügen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Paisley-Tree-Paisley-Tree.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Paisley-Tree-Paisley-Tree.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Paisley Tree – Paisley Tree</span>
<p>Zurück nach Deutschland: Über Weinheim in Baden-Württemberg ist nicht viel bekannt, dennoch gibt es dort offensichtlich eine als kulturell zu verstehende <em>Szene</em>, die in jüngerer Vergangenheit offensichtlich ein wenig auszuufern begonnen hat.</p>
<p>Die Krautrockband <span class="musik-review-bandname">Space Debris</span> zum Beispiel, die erst 2014 ihr aktuelles Studioalbum „Phonomorphosis“ veröffentlicht hat, behauptet von dort zu stammen. Andere Bands brauchen viel Zeit zwischen zwei Studioalben, <span class="musik-review-bandname">Space Debris</span> aber scheinen die Kreativität geradezu auszustrahlen. Nur nicht rasten, nur nicht ruhen. Kurzerhand wurde – sozusagen als <em>Nebenprojekt</em> – vom Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Christian Jäger</span> gemeinsam mit der gelegentlichen Sängerin <span class="musik-review-bandname">Magic Petra</span> (was für ein obskurer Name!) die Band <span class="musik-review-bandname">Paisley Tree</span> gegründet.</p>
<p>Musikalisch ist <span class="musik-review-bandname">Paisley Tree</span> wie auch die Stammband tief in den musikalischen 70-ern verwurzelt, bedient allerdings eher die Hardrock- als die Hippieklientel. Auf Keyboards wird allerdings verzichtet, <span class="musik-review-bandname">Magic Petra</span> spielt, wenn sie gerade nicht singt, stattdessen Mundharmonika. Moment, Mundharmonika?</p>
<p>Nein, dies ist kein Folk, wie ihn <span class="musik-review-bandname">Bob Dylan</span> einst spielte, dies ist Posthardstonerrock mit dem <em>gewissen Extra</em>, als würden die alten Herren von <span class="musik-review-bandname">Cream</span> noch mal LSD einwerfen und los<em>jammen</em>. Fast am Ende und doch irgendwie im Zentrum steht das zehnminütige „Doppelstück“ „Far Away &amp; Colour Trip“, dessen Name allein bereits Charme versprüht und das ich hier einfach einmal als Beispiel anführen möchte. Wer aber aufgrund des Titels bloße uninspirierte Blumenkraft-Hymnen erwartet, der liegt doch etwas daneben. Es beginnt mit einer <em>guten alten</em> Bluesrock-Gitarre, erinnernd an frühe Glanztaten der <span class="musik-review-bandname">Rolling Stones</span>, bis <span class="musik-review-bandname">„Magic Petra“</span> druckvoll, aber hippieesk ihre Stimme ertönen lässt – halt: Duettgesang (leider ist nicht ersichtlich, welchem der drei Herren die zweite Stimme innewohnt) kann sie auch – und nach gerade einmal zweieinhalb Minuten eine <em>bridge</em> auf der Mundharmonika erklingen lässt. Mit Stücken wie diesem könnte man einen Film über die Jugend der späten 1960-er Jahre eigentlich recht gut untermalen. Und Gitarrensoli, immer wieder feine Gitarrensoli, begleitet von einem angenehm zu hörenden, druckvollen Bass und einem Schlagzeug, dessen Besetzer <span class="musik-review-bandname">Christian Jäger</span> auf einen 4/4‑Takt erfrischend wenig Wert legt.</p>
<p>In den von den Musikern selbst gewählten <em>tags</em> für „Paisley Tree“ sind <span class="musik-review-bandname">Jefferson Airplane</span>, <span class="musik-review-bandname">Led Zeppelin</span>, <em>garage rock</em> und Weinheim. Ich wage keine Einwände.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Das ganze Album lässt sich auf <a href="http://spacedebris.bandcamp.com/album/paisley-tree-same" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> vollständig anhören, auf <a href="http://www.amazon.de/Paisley-Tree/dp/B00UW8PJAQ/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es Vinyl und CD dazu.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Juleah-Melt-Inside-The-Sun.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Juleah-Melt-Inside-The-Sun.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Juleah – Melt Inside The Sun</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Joyful weariness is my reward, and the wild machine I turn into“</span> (Wild Machine)
<p>Ein Gutes, immerhin, hat es, dass Bandcamp wiederkehrende Nutzer gelegentlich per E‑Mail über interessante neue Musikalben informiert – auf diese oder eine ähnliche Art wurde ich auf das diesjährige Album „Melt Inside The Sun“ der Österreicherin <span class="musik-review-bandname">Julia Hummer</span> alias <span class="musik-review-bandname">Juleah</span> – regelmäßige Leser haben schon mal was <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/06/juleah-beautiful-for-you/" data-wpel-link="internal">von ihr gehört</a> – aufmerksam.</p>
<p>Wie passend doch zur diesjährigen <em>Hitzewelle</em> dieses Album benannt ist, ist zum Zeitpunkt dieser Niederschrift zwar wahrscheinlich nur noch eine schwächer werdende Erinnerung, aber die Psychedelik des Bildes vom <em>Zerfließen</em> bleibt Programm. Die <span class="musik-review-bandname">Raveonettes</span> sind hier so präsent wie die späten <span class="musik-review-bandname">Talk Talk</span>, der Gesang selbst ist allerdings so vielschichtig wie ich es selten gehört habe. Wer eine angenehme Singstimme bei Solomusikerinnen heutzutage oft vermisst: Hier habt ihr euer Gegenbeispiel.</p>
<p>Trotzdem ein Fokus auf die Musik, denn die ist keineswegs nicht der Rede wert. Von einem „Kaleidoskop für [die] Ohren“ spricht die Plattenfirma, der „New Musical Express“ siedelt <span class="musik-review-bandname">Juleah</span> dort an, wo <span class="musik-review-bandname">Mazzy Star</span> und die britischen Shoegazer von <span class="musik-review-bandname">Ride</span> einander treffen. <a href="http://fourculture.com/melt-inside-the-sun-with-juleah/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Mark Simpson<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> entdeckt darüber hinaus Ähnlichkeiten mit <span class="musik-review-bandname">Led Zeppelin</span>, <span class="musik-review-bandname">T. Rex</span> und <span class="musik-review-bandname">Tinariwen</span>, wobei ich mit letzteren beiden Bands nicht ausreichend vertraut bin. Klar ist: Hier obsiegt, was die Künstlerin selbst als Dreampop bezeichnet und unsereins als Stoner-Rock zu kennen meint.</p>
<p>Augen zu und nicht durch, sondern mitten rein. Ein musikalischer Sommer auch im Winter.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Erfreulicherweise ist das komplette Album <a href="https://juleah.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu hören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Ra-Scandinavia.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Ra-Scandinavia.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Ra – Scandinavia</span>
<p>Apropos psychedelisch.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Ra</span>, einer der Namen des altägyptischen Sonnengotts, hat in der Musik einige Spuren hinterlassen, die bekanntesten Vertreter sind möglicherweise die belgische Band <span class="musik-review-bandname">Amenra</span> und die Jazzlegende <span class="musik-review-bandname">Sun Ra</span>. Im eher kühlen Malmö hat man indes darauf verzichtet, die Verbindung zur Sonne allzu deutlich hervorzuheben; das Quartett, das in diesem Jahr nach langem Warten ihr <a href="http://www.amazon.de/Scandinavia-Vinyl-LP-Ra/dp/B00TENWKMU/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Debütalbum<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> namens „Scandinavia“ veröffentlichte, nennt sich schlicht <span class="musik-review-bandname">Ra</span>.</p>
<p>Nebenbei straft die Band all jene Lügen, die bislang dachten, aus Schweden kämen ausschließlich Metalbands, wie <a href="http://www.schallgrenzen.de/duestere-klaenge-aus-malmoe-ra-scandinavia/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> mit seinem gewohnt guten Gespür bereits feststellte:</p>
<blockquote><p>Zu hören gibt es Musik in Schwarz, druckvollen, lärmenden Post-Punk und psychedelischen Shoegaze, schrammelnde Gitarre, Feedbackorgien, rabiaten Gesang und ein paar wirklich eingängige Hymnen.</p></blockquote>
<p>Vergleichen möchte ich <span class="musik-review-bandname">Ra</span> mit <span class="musik-review-bandname">Joy Division</span> und den <span class="musik-review-bandname">Smiths</span> und tu‘ damit wenigstens allen Genannten gleichermaßen Unrecht, weil hier die melancholische Note erfreulicherweise völlig fehlt. <span class="musik-review-bandname">Ra</span>, das ist bretternder Postpunk mit viel Hall und, weil’s so selten zutrifft, mit <em>Eiern</em>. Sehr lobenswert.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Bei <a href="http://tidal.com/album/39834902" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es das Album zum Kompletthören, einzelne Stücke gibt es auch <a href="https://soundcloud.com/ramalmo" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">bei SoundCloud<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Fan<em>ra</em>stisch. (Entschuldigung.)</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Black-Space-Riders-Refugeeum.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Black-Space-Riders-Refugeeum.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Black Space Riders – Refugeeum</span>
<p>Die <span class="musik-review-bandname">Black Space Riders</span> sind eine mittlerweile fünfköpfige Space-Rock-Band aus Münster, die nach dem Eintritt von Sänger und Texter <span class="musik-review-bandname">„Seb“</span> 2014 ihr <a href="http://www.amazon.de/D-Rei-Black-Space-Riders/dp/B00HE0OOZQ/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">drittes Album „D:REI“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> veröffentlicht hatte, das überwiegend auf positive Kritik stieß.</p>
<p>Hier also liegt ihr aktuelles Werk vor. Wenige Titel könnten 2015 aktueller sein als „Refugeeum“, offensichtlich ein Kofferwort aus „Refugee“ („Flüchtling“) und „Refugium“ („Zuflucht“).</p>
<p>Das sei kein Zufall, behauptet die Band:</p>
<blockquote><p>REFUGEEUM, wie in „refugees“ wie auch in „Refugium“. Tief bewegt davon, was derzeit auf diesem Planeten geschieht, hat die Band ihre Wanderungen durch den Weltraum zumindest thematisch verlassen und sich stattdessen einem irdischen, ewigen Problem zugewandt; einem Problem, das traurigerweise wieder aktuell ist: Flucht und Vertreibung – Verlust der Heimat – abgrundtiefes Leid – der Wille zu überleben – Hoffnung für das, was kommen mag – Gejagter und Jäger – Opfer und Täter – Akzeptanz und Zurückweisung.</p></blockquote>
<p>(Frei übersetzt von mir.) Von einer <em>vertonten Flüchtlingskrise</em> zu sprechen wäre allerdings hier durchaus verfehlt, dafür ist es zu angenehm.</p>
<p>Obwohl man ja zunächst einmal gar nicht so genau weiß, wohin man hier flüchten soll, lauert doch gleichsam an jeder Ecke eine neue (meist positive) Überraschung. Und die Texte, die Texte. <span class="musik-review-lyrics-inline">„My dear, what happened to us when the madness began?“</span> („Universal Bloodlines“). Wisst ihr noch, wo ihr wart? Man traut sich ja fast nicht, hier mit leicht verdaulichen Etiketten um sich zu werfen, weil es zwischen psychedelischem Metal („Vortex Sun“), <span class="musik-review-bandname">Tindersticks</span>-Stimmung und <span class="musik-review-bandname">Talk-Talk</span>-Postrock, wie einst bei <span class="musik-review-bandname">Yes</span> vorgetragen von einer Doppelspitze (<span class="musik-review-bandname">„Seb“</span> und <span class="musik-review-bandname">„Je“</span>), hier eine Menge zu entdecken gibt.</p>
<p>Das überlasse ich dann einfach mal euch.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Einen Stream des Albums hält <a href="https://blackspaceriders.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> vorrätig. Natürlich mit Texten. Reinhören und Mitlesen sind empfohlen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Boris-asia.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Boris-asia.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Boris – asia</span>
<p>Vorhin noch waren wir in <em>Scandinavia</em>, nun wechseln wir den Kontinent. Eine musikalische Weltreise bringt manchmal überraschend schnellen Fortschritt.</p>
<p>Die Genreignoranten <span class="musik-review-bandname">Boris</span> sind regelmäßigen Lesern meiner Texte <a href="https://tuxproject.de/blog/2014/08/genres-sind-soo-90er-boris-noise/" data-wpel-link="internal">wahrscheinlich bekannt</a>. 2015 legten die Japaner wieder einmal nach, diesmal mit ihrem immerhin schon zweiundzwanzigsten Studioalbum, das aus <em>nur</em> drei Stücken besteht und, limitiert auf 1.000 physische Exemplare, gemeinsam mit den am selben Tag veröffentlichten 20. und 21. Studioalben „warpath“ und „urban dance“ ausschließlich auf Konzerten und im Onlineladen der Plattenfirma Inoxia zu haben ist. Großbuchstaben sind <em>so 90er</em> beziehungsweise auch nicht; in der „Designsprache“ von <span class="musik-review-bandname">Boris</span> stehen Großbuchstaben für Rockmusik und Kleinbuchstaben für Experimentelles. Das klingt doch viel versprechend. Wer aus folgender Rezension heraus ein Interesse an „asia“ entwickelt, dem seien insofern auch die anderen beiden Alben angeraten.</p>
<p>Allerdings beginnt es erst mal bedächtig. Die Zusammenarbeit mit <span class="musik-review-bandname">Sunn O)))</span> hat offenbar Spuren hinterlassen. „Terracotta Warrior“ beginnt mit anschwellendem elektronischem Brummen, es gesellen sich Effekte hinzu. Irgendwie bedrohlich. Minutenlang passiert also einerseits eine Menge und andererseits eigentlich nicht viel, bis die summende Höllenmaschine allmählich die Fahrt durch eine Geisterbahn aufnimmt. Eigenartiges instrumentales Flehen reißt den Hörer aus der Verwirrung oder macht sie vollständig. Eine schneidende E‑Gitarre legt sich langgezogen über die sich vor dem geistigen Auge langsam ausbreitende futuristische Wüsten- und Geisterstadt. Von beiden Seiten heulen eigenartige Winde.</p>
<p>Plötzlich: Merkwürdig verzerrtes Wasserrauschen. Die Geisterbahn hat Wildwasser erreicht. Unruhig schwappen die Wellen an den Rändern hoch, man ahnt, dass ein Wasserfall nicht fern ist. Das Wasser wird schneller, immer schneller und – Stille, durchschnitten von Klagelauten. Das Schlagzeug spielt einen sanften Rhythmus wie zur Rettung, aber man kann sich nicht festhalten, wird erdrückt von der unheimlichen, bebenden Welt, die sich um einen herum auftürmt. Man verliert die Orientierung und schließlich das Bewusstsein. Wieder: Stille.</p>
<p>Das folgende „Ant Hill“ reißt aus der Trance. Die 80-er sind da, sie wollen ihre Elektronik zurückhaben? Nein, nein – dies ist, tatsächlich, ein vertonter Ameisenhügel. Es zirpt in höchsten Tönen, die Elektronik knattert, und irgendwo ist wieder dieser bedrohlich-futuristische Grundton. Man ist unversehens umgeben von riesigen Ameisenrobotern; die allerdings immerhin im Gleichschritt zu marschieren imstande sind. Was ist dieses Brummen? Instinktiv blickt man sich um, ob nicht noch eine große Fliege lauert, aber es sind Ameisen, nur Ameisen. Die halten einen allerdings nicht gefangen, man ist vielmehr zu Gast: In „Talkative Lord vs Silent Master“ bekommt man schließlich sogar die Gelegenheit, einem eigenartig metallischen, elektronischen Zwiegespräch ihres Herrn auf einer stürmischen Anhöhe nahe der Geisterstadt zu lauschen. Das Album endet abrupt nach einem Monolog des „Silent Masters“. Der Hörer bleibt in dieser Welt, obwohl ihre Geschichte längst vorüber ist.</p>
<p>Keineswegs ist „asia“ irgendwie als <em>easy listening</em> zu etikettieren. Klaustrophobie und Depression sind Nebenwirkungen, die ich für nicht vollkommen ausgeschlossen halte. Es ist nichtsdestoweniger sehr wahrscheinlich ein hervorragendes Album im richtigen Moment. Ich brauche jetzt aber erst mal einen Schnaps.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> „Voo-Vah“ vom Album „warpath“ könnte <a href="https://www.youtube.com/watch?v=hB87f0Qz4e8" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">einen Eindruck vermitteln<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, „asia“ jedoch ist sein Superlativ. Seid vorsichtig.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Agent-Fresco-Destrier.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Agent-Fresco-Destrier.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Agent Fresco – Destrier</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I see your ghost / it finds no rest / leaning close / from crest of bed“</span> (Pyre)
<p>Zu den Publikumslieblingen des Jahres 2015 gehörten in mancherlei Kreisen die finnische Band <span class="musik-review-bandname">Agent Fresco</span>,  die mit <a href="http://www.amazon.de/Destrier-Agent-Fresco/dp/B00ZT0H31K/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Destrier<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> in diesem Jahr ihr zweites Studioalbum veröffentlicht hat. Die Entstehungsgeschichte ist wie schon die zum Debütalbum, in dem Sänger <span class="musik-review-bandname">Arnór Dan</span> den Tod seines Vaters verarbeitete, groß: Er erzählt hierzu, er sei vor einigen Jahren, nachdem er dem Vernehmen nach Opfer von Gewalt geworden war, in Zorn und Panik verfallen, während er Lieder für dieses Album schrieb, und habe die Gelegenheit genutzt, die aufgestauten Gefühle in die Musik zu kanalisieren. Das ist ja auch nicht immer verkehrt.</p>
<p>Der Anfang von „Destrier“ erinnert mich an <span class="musik-review-bandname">Slint</span> und auch an eine optimistische Variante der Geschichte von <span class="musik-review-bandname">Boris</span>: Wieder wächst die Musik mit langgezogenen Tönen langsam an, explodiert jedoch nicht in einer gewaltigen Eruption, sondern in etwas, was ich als <span class="musik-review-bandname">Lis Er Stille</span> mit New-Wave-Gesang beschreiben würde, also dem der 1980-er Jahre. Postrock trifft Hardrock, wenn man es einmal auf Genrisch ausdrücken möchte.</p>
<p>Nehmen wir als Beispiel einmal das gerade mal anderthalbminütige Stück „Angst“, angesichts der Entstehungsgeschichte des Albums womöglich sowieso schon namentlich interessant: Auf einem seltsamen Takt, gespielt von einem irrlichternden Schlagzeug, dreht ein <span class="musik-review-bandname">marsvoltaesquer</span> Gitarren<em>sound</em> vollkommen durch. Jetzt weiß ich auch wieder, woran mich <span class="musik-review-bandname">Arnór Dan</span> erinnert: Jene bedauerlicherweise aufgelöste Band hatte mit <span class="musik-review-bandname">Cedric Bixler-Zavala</span> einen stimmlich nicht unähnlichen Sänger in den eigenen Reihen.</p>
<p>Das Magazin „New Noise“ attestiert „Destrier“ einen „Wow-Faktor“ (ebd.), 10 von 10 Punkten gibt’s auch auf <a href="http://www.metal.de/post-metal/review/agent-fresco/61948-destrier/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">metal.de:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Das Fundament bilden erneut experimentelle, sphärische Rockklänge, welche <span class="musik-review-bandname">Agent Fresco</span> um Nuancen aus den Bereichen Metal, Jazz und Ambient erweitern. So gesellen sich zu kernigen, eindringlichen Riffs („Howls“, „See Hell“) immer wieder perlende Pianoläufe wie im herausragenden „Dark Water“, vertrackte Rhythmen und Mathcore-Rebellentum („Angst“ – so hart klangen <span class="musik-review-bandname">Agent Fresco</span> noch nie) sowie unwiderstehlich isländische Soundtrack-Eruptionen wie im packend-epischen Opener „Let Them See Us“ und dem verträumten „Death Rattle“. Das akkurat groovende und vieschichtige „Wait For Me“ sowie das mit betörend eingängigem Refrain ausgestattete „The Autumn Red“ sind weitere Höhepunkte der Tracklist. Im Titelstück wiederum überrascht der Vierer zwischen getragenen Passagen mit Noise-Anleihen und wuchtig-vertracktem Gelärme.</p></blockquote>
<p>Ich hätt’s kaum besser ausdrücken können.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Ein „offizielles Video“ zu „See Hell“ gibt es <a href="https://www.youtube.com/watch?v=PgArsBIbiFg" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf YouTube.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, Nutzer von TIDAL können <a href="http://tidal.com/album/47609676" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">das ganze Album<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> streamen. Für kurze Hörproben indes mag <a href="http://www.amazon.de/Destrier-Agent-Fresco/dp/B00ZT0H31K/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> genügen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Her-Name-is-Calla-A-Wave-of-Endorphins.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Her-Name-is-Calla-A-Wave-of-Endorphins.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Her Name Is Calla – A Wave of Endorphins OST</span>
<p>Kommen wir nun zu etwas völlig Anderem.</p>
<p>Die britische Ausnahmeformation <span class="musik-review-bandname">Her Name is Calla</span> ist regelmäßigen Lesern seit einigen Jahren nicht mehr völlig unbekannt. <a href="http://www.schallgrenzen.de/her-name-is-calla-kann-traurige-musik-gluecklich-machen/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Kann traurige Musik glücklich machen?<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Nun, sie kann. Offensichtlich empfinden ziemlich viele Menschen Ähnliches, so dass die Band bis heute nicht nur Bestand hat, was ja heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist, sondern in diesem Jahr obendrein das Jubiläum zehn Jahren gemeinsamen Musizierens begehen kann.</p>
<p>Manche lassen solche Regelmäßigkeiten ungehört verstreichen, <span class="musik-review-bandname">Her Name is Calla</span> hauen auf die Kacke: Es gab <a href="http://www.pledgemusic.com/projects/a-wave-of-endorphins" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">eine Dokumentation, drei Sonderkonzerte, ein Album zur Dokumentation und noch ein paar Dinge<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Die Dokumentation nennt sich treffend „A Wave of Endorphins“, „Eine Welle von Endorphinen“ also, und das dazu passende Album nennt sich ebenso. Passt ja auch irgendwie.</p>
<p>Nicht, dass da nun irgendwelche <em>Überraschungen</em> zu erwarten wären. <span class="musik-review-bandname">Her Name is Calla</span> machen einfach das, was ihre größte Stärke ist: Neun instrumentale Stücke zwischen etwas unter zweieinhalb und etwas über sechs Minuten. Viel Klavier, meist an Kammermusik, manchmal an die späten <span class="musik-review-bandname">Talk Talk</span> erinnernde Einwürfe von Bass, Streich- oder anderen Instrumenten, manchmal ein treibender Rhythmus mit Schlagzeug und Gitarrenklängen, aber nie, nicht einmal im abschließenden und hier erstaunlich gut passenden Postrock-Ausrufezeichen „The Hour Of The Gloam“, auch nur dem Verdacht nahe, jetzt plötzlich ordinäre Rockmusik machen zu wollen. Das hier ist <em>mehr</em>.</p>
<p>Habe ich da „instrumental“ geschrieben? Das stimmt ja eigentlich nicht; in „Transmute“ zum Beispiel wird gesungen: Zu fast unsicheren gezupften Saiten singt eine Frau – vermutlich Sophie, ihres Zeichens Frontviolinistin und Twitterzuständige des Quartetts – zerbrechlich sanfte Worte, im folgenden „Sparring Partner“, dem (trotz der merkwürdigen Stimmeffekte im Refrain) besten Britpop-Lied, das mir gerade einfallen möchte, darf einer ihrer drei Bandkollegen sich als wesentlich besserer <span class="musik-review-bandname">Brian Molko</span> versuchen. Der Text? Wen kümmert der Text? „A Wave of Endorphins“ ist instrumental, daran ändert keine Zeile Text etwas.</p>
<p>Jetzt, just in diesem Moment, läuft das Stück „I Chose Wrong“ im Kopfhörer und der Autor dieser Zeilen hat seit etwas mehr als zwei Minuten Gänsehaut und das dringende Verlangen zu reisen; nicht weg von diesem Album, sondern <em>mit</em> diesem Album irgendwo hin. Kurz meint man türkische Folklore zu hören, dann verschwindet dieser Augenblick auch schon wieder und weicht einer seltsamen Bedächtigkeit. Vielleicht ist „vertonte Augenblicke“ sowieso eine ziemlich gute Beschreibung dieses Albums.</p>
<p>Nach gerade einmal 35 Minuten – <em>gefühlt</em> nicht einmal zehn – ist die <em>Welle</em>, kaum dass sie mit „The Hour Of The Gloam“ an Druck gewonnen hat, schon wieder abgeebbt. Zeit, sich zu sammeln. „A Wave of Endorphins“ ist ein hervorragendes Postrockalbum, ein hervorragendes Schwermutalbum und ein hervorragendes Album, um dringend zu verreisen. Haltet also gepackte Koffer bereit.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Das ganze Album lässt sich – ihr kennt das – auf <a href=" https://hernameiscalla.bandcamp.com/album/a-wave-of-endorphins-ost-2" data-wpel-link="internal">Bandcamp.com</a> vollständig anhören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/The-Grand-Astoria-The-Mighty-Few.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_The-Grand-Astoria-The-Mighty-Few.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Grand Astoria – The Mighty Few</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I never heard of you, and what the hell are you talkin‘ ‚bout?“</span> (Curse of the Ninth)
<p>Woran denkt ihr, wenn ihr den Bandnamen <span class="musik-review-bandname">The Grand Astoria</span> hört? An Luxushotels, das Vereinigte Königreich, vielleicht auch Fußballvereine oder Kabarettisten? Wie klingt wohl die dazu passende Musik?</p>
<p>Nein, auf „The Mighty Few“ ertönen keine Fußballchöre; die klingen bekanntlich nicht mal bei <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> fein. Da, wo <span class="musik-review-bandname">The Grand Astoria</span> herkommen, ist der Fußball auch nicht unbedingt zu Hause: Der Gitarrist, Monotronist (ein Korg Monotron scheint eine Art Synthesizer zu sein) und Sänger <span class="musik-review-bandname">Kamille Sharapodinov</span> ist anscheinend in St. Petersburg zu Hause und diese Band ist sozusagen, trotz der hier immerhin neun Mitmusiker, sein Soloprojekt. Wir befolgen die alte Regel „keine Witze über Namen“ und lassen nahe liegende Wortspiele beiseite, so bleibt mehr Zeit, uns auf die Musik zu konzentrieren.</p>
<p>Und die hat es in sich.</p>
<p>Auf „The Mighty Few“ – „die mächtigen Wenigen“ – befinden sich zwei Stücke von jeweils über 20 Minuten Länge, zusammen haben wir hier fast 50 Minuten Laufzeit. Das macht Hoffnung. Und <em>natürlich</em> ist das Dargebotene schwer zu vergleichen, ich höre allein <span class="musik-review-bandname">Rush</span>, <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span> und <span class="musik-review-bandname">Opeth</span> ebenso wie <span class="musik-review-bandname">The Mars Volta</span>. Die Band selbst nennt neben <span class="musik-review-bandname">The Mars Volta</span> auch <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> (also doch Fußballchöre!) als Einflüsse, aber „The Mighty Few“ ist von der Schnarchigkeit der letzten gefühlt 32 Alben letztgenannter Band erfreulich weit entfernt.</p>
<p>Schon der Anfang lässt ein Progressive-Metal-Album erahnen, aber die erwartete Explosion lässt auf sich warten: „Curse of the Ninth“ beginnt mit Jazzrock, gelegentliche Bläsereinwürfe lassen die Spannung steigen, bis eine seltsam <em>bluesige</em> Stoner-Rock-Version von <span class="musik-review-bandname">Led Zeppelin</span> die Führung zu ergreifen scheint: <span class="musik-review-lyrics-inline">„And if you trust me, baby…“</span> Den exaltierten Gesang teilt sich <span class="musik-review-bandname">Kamille Sharapodinov</span> mit <span class="musik-review-bandname">Danila Danilov</span>, der seit Anfang 2014 immer mal wieder im Umfeld der Band aktiv ist und mal eines ihrer Alben produziert, mal Flöte, Kazoo und/oder Gesang übernimmt. Eine solche Häufigkeit an Produktionen kennt man ansonsten eher von japanische Bands wie <span class="musik-review-bandname">Acid Mothers Temple</span> und <span class="musik-review-bandname">Boris</span> (hierzu siehe oben). Mächtig, diese Wenigen. – Nach sechseinhalb Minuten ertönt erst asiatische Folklore, dann ein Jazzjam mit Rockfundament. Ich bin verwundert, aber mag das. Der Gesang wird anschließend etwas zurückgeschraubt, etwas Hall; nach kurzer Gesangspassage folgt ein sehr interessanter Wechsel aus RIO/Avant (mit Klavier- und Bläserekstase) und dem Hardrock vom Anfang, abrupt unterbrochen durch ein boybandesques A‑Cappella-Zwischenspiel, bei dem nach und nach mehr Stimmen und elektronische Effekte einsetzen, bis das Stück schließlich in ein wahres Gewitter aus Jazzrock mit perlendem Klavier, psychedelischem Hardrock und dem Gesang vom Anfang ausbricht. Dass Melodiefragmente über die gesamte Dauer des Stücks immer wieder aufgegriffen werden, geht bei all den Wechseln beinahe unter.</p>
<p>„The Siege“ geht direkt in die Vollen und beginnt mit einer guten, basslastigen Portion instrumentalen Hardrocks mit Gitarrensolo und Synthesizerflirren, wechselt aber recht bald zum Bluesrock; von da ist es dann auch nicht mehr weit zu, ah, da sind sie!, <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> und damit eigentlich auch dem Solowerk von <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span>, das hier melodisch wie gesanglich durchaus eine Referenz sein könnte. <span class="musik-review-lyrics-inline">„I trust my intuition / na na na hey / my intuition.“</span> Gut, dass ich das auch getan habe. Gegen Ende dürfen die Synthesizer nochmals zeigen, was sie können, ein wenig Spacerock zum Abschied quasi. Das Stück wird leider etwas einfallslos ausgeblendet, wie auch <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/album_15432.html#24229" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">anderswo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> bereits beklagt wurde. Meiner Gesamtwertung kann’s egal sein.</p>
<p>Seit dem Erscheinen von „The Mighty Few“ im Mai dieses Jahres haben <span class="musik-review-bandname">The Grand Astoria</span> übrigens bereits eine neue EP und ein einzelnes neues Stück via Bandcamp veröffentlicht. Ich weissage, von dieser Band werde man wohl noch manch Gutes zu hören bekommen. Hoffen wir das Beste.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Abermals ist <a href="http://thegrandastoria.bandcamp.com/album/the-mighty-few" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> eine hervorragende Anlaufstelle zum Hören und Kaufen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/t-fragmentropy.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_t-fragmentropy.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">t – fragmentropy</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„So I take my revolver and put it in my mouth / to get used to it for the day I need it“</span> (The Black of White)
<p>Nach der bedauerlicherweise offensichtlich dauerhaften Trennung seiner ehemaligen Band <span class="musik-review-bandname">Scythe</span> veröffentlichte der schwermütige Multiinstrumentalist mit „fragmentropy“ nunmehr sein fünftes Studioalbum. Die „eclipsed“ vergleicht es mit <span class="musik-review-bandname">Radiohead</span>, aber jeder weiß, dass <span class="musik-review-bandname">Radiohead</span> scheiße sind. Versuchen wir es also mal mit einer eigenen Herangehensweise.</p>
<p>„Fragmentropy“ ist ein Kofferwort aus „Fragment“ und „Entropie“, vielleicht ist eine Zerbrechungsstreuung gemeint, aber was <em>das</em> nun wieder sein mag … – <span class="musik-review-bandname">Thomas Thielen</span> alias <span class="musik-review-bandname">t</span> ist offensichtlich nicht nur ein Freund von Kleinbuchstaben, sondern schätzt auch Sprachspielereien. Dabei lässt er sich bisweilen viel Zeit bei der Ausarbeitung: Die <a href="http://www.t-homeland.de/fragm.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Website zum Album<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> behauptet, die Texte seien von 1994 bis 2015 entstanden. Was lange währt, wird endlich gut. Und <em>wie</em> gut!</p>
<p>Das Album ist in insgesamt drei „Kapitel“ aufgeteilt, die thematisch <em>irgendwie</em> zusammenhängen. Thematisch fröhlich wirkt keines davon, aber man sollte ja auch mal innehalten; dies ungeachtet von grandiosen „Seiten“ in diesen Kapiteln wie zum Beispiel dem Dreizehnminüter „Brand New Mornings“ aus dem ersten Kapitel, das den Namen „Anisotropic Dances“, „anisotrope Tänze“ also, trägt und bereits in den ersten zwei Minuten moderne Varianten des Canterbury Style (<span class="musik-review-bandname">Argos</span> u.a.), <span class="musik-review-bandname">Spock’s Beard</span>, <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span> und Zirkusmusik leichtfüßig aneinanderreiht.</p>
<p>Was bei einer Einmannband, die sich selbst begleitet, nicht gerade leicht ist. Aber <span class="musik-review-bandname">t</span> hat sich professionalisiert, von dem doch recht <em>computerisierten</em> Klang mancher Entwürfe ist hier nichts zu hören. Sind das etwa echte Instrumente? Stile jedenfalls beherrscht er mindestens ebenso viele; Postrockgitarren und eindringliches Flüstern zu Klavierbegleitung müssen einander eben nicht ausschließen. Überhaupt ist „fragmentropy“ mit „atmosphärisch“ wohl ziemlich treffend zu beschreiben. Viele Worte verderben den Brei.</p>
<p><a href="http://www.babyblaue-seiten.de/album_15249.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Dies vielleicht noch:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Spätestens seit seinem zweiten Album scheint <span class="musik-review-bandname">t</span> auf einer Reise zu sein, auf einer Reise immer tiefer in eine ganz eigene Klangwelt. So entsteht wohl aus einer Mischung von realen und programmierten Instrumenten ein dichtes Geflecht aus dramatischen Passagen, sinfonischen Ausbrüchen, aggressiven Eruptionen und filigran-melancholischen Ausflügen in düstere Gefilde. Flirrende Gitarren- und Keyboard-Klänge illuminieren diese Klangwelt, die zwischen Dramatik, Düsternis, Melancholie und Wucht munter oszilliert. Gerade die langen Stücke sind wie Ozeane, die mal bewegt, mal ruhig, mit einer ungeheuren Dynamik den Hörer umspülen. Aufwühlend, mitreißend, beeindruckend und erfüllend ist diese Musik.</p></blockquote>
<p>Wie wahr.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> <a href="http://www.amazon.de/Fragmentropy-T/dp/B013Z38DLG/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hält halbminütige Ausschnitte vorrätig, TIDAL-Nutzer können das Album <a href="http://tidal.com/album/51603596" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">komplett anhören.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/echolyn-I-Heard-You-Listening.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_echolyn-I-Heard-You-Listening.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">echolyn – I Heard You Listening</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Soon the water will rise / and soon it carries them home“</span> (Carried Home)
<p>„Ich hörte euch zuhören“ – von wem, wenn nicht von <span class="musik-review-bandname">echolyn</span>, ist so ein Titel zu erwarten?</p>
<p>Fangen wir ausnahmsweise einmal mit dem Unschönen an: „I Heard You Listening“ ist nicht „mei“. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass <span class="musik-review-bandname">echolyn</span> jemals ein noch besseres Album machen werden als „mei“, und das gilt auch für „I Heard You Listening“.</p>
<p>So viel zur Kritik, der Rest ist nämlich – wie so oft – ziemlich klasse. Weite Strecken des Albums sind <em>typisch <span class="musik-review-bandname">echolyn</span></em>: Auf ihrem achten Studioalbum kombiniert das Herrenquintett aus Philadelphia erneut tastenlastigen Retroprog mit modernen Zutaten, ohne sich dabei nur zu wiederholen. Das wäre doch auch langweilig.</p>
<p>„WarJazz“ zum Beispiel, Lied Nummer 2, beginnt wie eines der alten Klavierrocklieder von <span class="musik-review-bandname">Elton John</span>, wird dann aber schnell interessanter: Ein hektisches Schlagzeug und ein kurzer Keyboardteppich leiten über in eine Art Hardrockstrophe mit flirrender Gitarre und dem wie gewohnt überragenden Gesang von <span class="musik-review-bandname">Ray Weston</span>, der Refrain wiederum könnte schon wieder von  <span class="musik-review-bandname">Elton John</span> stammen (und das ist an dieser Stelle nicht mal negativ gemeint), wenn der Gesang nicht so klasse wäre. Was ist das? Es ist spannend.</p>
<p>Andere Stücke wie „Different Days“ könnten ebenso von <span class="musik-review-bandname">Spock’s Beard</span> stammen, wäre da nicht die raffinierte Dissonanz im Refrain, was sich die meisten dieser Neo-Retro-Irgendwas-Bands ja heutzutage nicht mehr trauen. Früher war vieles besser, nur <span class="musik-review-bandname">echolyn</span> halten ihr Niveau. „Once I Get Mine“ ist gleichsam eine <em>durchgedrehte</em> Variante in ähnlichem Stil, wenn auch näher an Bands wie <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span> und <span class="musik-review-bandname">Primus</span> als alles, was ich bislang mit <span class="musik-review-bandname">echolyn</span> verbunden hätte.</p>
<p>Keine Ruhe, keine Balladen. Neun Stücke, allesamt zwischen fünf und zehn Minuten lang, vergehen wie im Flug. Das letzte Stück, „Vanished Sun“, ist ebenso wenig ein Lückenfüller wie der Rest des Albums und mit der sich beinahe überschlagenden Stimme von <span class="musik-review-bandname">Ray Weston</span> und dem merkwürdigen Mitklatschrefrain so einmalig wie einprägsam. Es gehörte schon immer zu den Stärken dieser Band, komplexe „Popmusik“ zu machen, ohne einen einzigen Takt mit tatsächlicher Popmusik zu verschwenden. Ohrwürmer? Aber selbstverständlich! Gute Laune? Aber hallo!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Ach, warum nicht mal wieder <a href="http://echolyn.bandcamp.com/album/i-heard-you-listening-full-res-24-bit-96-khz" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (Komplettstream)?</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Herr-Geisha-The-Boobs-Book-of-Mutations.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Herr-Geisha-The-Boobs-Book-of-Mutations.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Herr Geisha &amp; The Boobs – Book of Mutations</span>
<p>Hehehe. <em>Boobs</em>. Das Beste zum Schluss, wie ihr seht.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Herr Geisha &amp; The Boobs</span>, bestehend aus den drei Musikern <span class="musik-review-bandname">Sir Bottom</span>, <span class="musik-review-bandname">Lady Body</span> und <em>natürlich</em> dem Gitarristen und Sänger <span class="musik-review-bandname">Herr Geisha</span>, stammen trotz des Namens aus Lyon, Frankreich, und haben seit 2012 bislang jedes Jahr ein Album veröffentlicht. Das nunmehr vierte Album „Book of Mutations“ klingt trotzdem kein bisschen müde. Es handele sich, so wird der Hörer instruiert, trotz der Aufteilung in neun „Titel“ (wobei „Chapter VIIII“ eigentlich „Chapter IX“ heißen müsste, andererseits könnte das Absicht sein) um ein einzelnes Stück, das man doch bitteschön vollständig und LAUT hören möge (Großbuchstaben wie in der Quelle). Wird gemacht.</p>
<p>Homogen ist das „Buch der Mutationen“ keinesfalls; von zwei „Kapiteln“ („Chapter II“ und „Chapter VII“), die im Postrock und/oder ‑metal anzusiedeln sind, wobei besonders „Chapter VII“ an die guten, alten, sehr vermissten <span class="musik-review-bandname">Aereogramme</span> erinnert, abgesehen hört der Schreiber dieser Zeilen hier eine bunte Mischung aus den experimentelleren Projekten von <span class="musik-review-bandname">Mike Patton</span> (<span class="musik-review-bandname">Fantômas</span>), <span class="musik-review-bandname">Frank Zappa</span>, Grunge, Mathrock, RIO/Avant und nicht zuletzt Noiserock. Das liest sich anstrengender als es klingt.</p>
<p>Zumal kein falscher Eindruck vermittelt werden <em>soll</em>. Das „Kapitel 1“ greift nach einem seltsamen Beginn (es ertönt etwas, das wohl Glocken nachahmen soll) schon frontal an: Ein krummtaktiges Gitarrenfundament begleitet <span class="musik-review-bandname">Herrn Geishas</span> Punkgeschrei. Avantgarde-Punk? Schönklang jedenfalls ist feige. Das beinahe vierzehnminütige, überwiegend instrumentale „Kapitel 2“ legt noch eine Schippe hinsichtlich der Härte drauf. Wer schon immer mal wissen wollte, wie es klingen würde, wenn eine Band wie <span class="musik-review-bandname">System of a Down</span> eine Band wie <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> <em>covern</em> würde, der bekommt hier vielleicht einen ersten Eindruck.</p>
<p>Ach, Schönklang. „Kapitel 6“ kommt diesem Wort vielleicht noch am nächsten, wenn man auch <span class="musik-review-bandname">The Velvet Undergrounds</span> „Sunday Morning“ als Schönklang bezeichnen würde. Allerdings ist dieser <em>Spuk</em> nach nicht einmal zwei Minuten wieder vorüber und es wird wieder gebrettert. Herrlich.</p>
<p>Das „Book of Mutations“ ist ein weiterer Anlass, dem Wort „Genre“ grundsätzlich zu misstrauen. Progressive Punkavantmetal klingt ja auch wirklich dämlich. Was wir hier haben, ist trotz gleichbleibender Menge an „Zutaten“ ein höchst kreatives, anregendes Gericht. Lasst es euch schmecken.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> <a href="http://herrgeishaandtheboobs.bandcamp.com/album/book-of-mutations" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat Stream und Kauf.</p></li>
</ol>
<p><span class="musik-review-header-nr">1b.</span> <span class="musik-review-header-text">Schnell empfohlen</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Demon-Head-Ride-The-Wilderness.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Demon-Head-Ride-The-Wilderness.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Demon Head – Ride the Wilderness</span>
<p>Drogenschwanger geht es bei <span class="musik-review-bandname">Demon Head</span> zu, einer dänischen Kapelle, die <em>drüben</em> auf dem Blog mit dem schönen Namen <a href="http://33rpmpvc.blogspot.de/2015/05/es-doomt-machtig-deamon-head-mit.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">33rpmPVC<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schon mal Thema war. Dort heißt’s:</p>
<blockquote><p>Doom Metal mit einem guten Schuß Psychedelia.</p></blockquote>
<p>Ich erhebe zaghaft eine meiner Hände zum Einwand, dass hier der <em>Doom Metal</em> – was soll das eigentlich sein? – eher durch Abwesenheit auffällt, was aber auch nicht unbedingt schlecht ist. Einverständnis allerdings äußere ich hier mit den <em>Psychedelia</em>, denn hier wird tatsächlich der Stoner-Rock (wie üblich mit Betonung auf „Stoner“) zelebriert.</p>
<p>Wobei ich mich frage, ob das noch Rock <em>ist</em>, immerhin spricht die Verspieltheit eine andere Sprache. Mag ja sein, dass <span class="musik-review-bandname">Demon Head</span> gemeinhin als Metalband geführt werden, wenngleich sie selbst sich unter „Heavy Rock“ einsortieren. Genrepampe. Es gibt ein paar hervorragende Soli, die ich mir so auch von einer guten Hard-Rock-Band wünschen würde, und dann aber gibt es auch Momente wie das vorletzte Stück „The Greatest Lie“, das von Stoner-/Krautrock allmählich doch in etwas übergeht, dem unsereins das Metalsein nur schwerlich absprechen können möchte.</p>
<p>Ein Adjektiv gefällig? Erfrischend. Ja, doch – ein sehr schön erfrischendes Album. Auch jetzt, lange nach der <em>schrecklichen Hitzewelle</em>.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Man höre <a href="https://demonhead.bandcamp.com/album/ride-the-wilderness" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hinein.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Ikarus-Echo.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Ikarus-Echo.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Ikarus – Echo</span>
<p>Den Namen <span class="musik-review-bandname">Ikarus</span> verbindet der geneigte Musikfreund vielleicht mit einem geflügelten Jüngling aus den griechischen Sagen des Altertums, vielleicht auch mit der Hamburger Krautrockband dieses Namens, die in den frühen 1970-er Jahren ein bisschen vor sich hinexistierte und irgendwann damit aufhörte.</p>
<p>2015 allerdings fanden sich in Zürich (Schweiz) wiederum andere Musiker unter dem Namen <span class="musik-review-bandname">Ikarus</span> zusammen und veröffentlichten mit „Echo“ ihr Debütalbum. Genres? Ach, Genres. Minimaljazz, nehme ich an, um nicht ulkige Satzverbrechen wie „Prog-Jazz-Groove-Quintett“ (cf. <a href="http://www.mockthebird.com/ikarus-echo-review/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Mock The Bird<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>) kopieren zu müssen. Ja, fünf sind’s an der Zahl, und jeder von ihnen hat eine Aufgabe. Gelegentlich erinnere ich mich beim Hören an <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/01/utopianisti-utopianisti-ii-utopianisti-meets-black-motor-jon-ballantyne/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Utopianisti</span></a>, obwohl’s weniger <em>rockt</em>.</p>
<p>„Echo“ ist trotz seines Namens weitgehend als Instrumentalalbum zu betrachten, das Vokalistenduo aus Stefanie Suhner und Andreas Lareida trägt eher Lautmalerei als <em>Gesang</em> bei; zwei Stimmen also als weiteres Instrument, als <em>soundscapes</em> eben, <em>a‑cappella</em> beziehungsweise indianischen Gesängen nicht unähnlich. Schwelgerisch wäre hier vielleicht ein angebrachtes Adjektiv, selbst während der kurzen Ausflüge in den Freiformjazz (etwa in „Sakura“) bleibt alles im Fluss. Referenzen zum Bandnamen, naja, vielleicht fliegen die Stimmen so hoch oder so. Zum Glück aber verbrennen sie nicht und möglicherweise tut ein Vergleich mit <span class="musik-review-bandname">Värttinä</span> und <span class="musik-review-bandname">Iki</span> niemandem ein Unrecht an. Ziemlich zauberhaft, das Ganze.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=nFMcMRyFpZ0" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=RMyC6_GKFf0" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Erneut YouTube.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Schließlich <a href="http://www.amazon.de/Echo-Ikarus/dp/B00V98DCPW/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Late-Night-Venture-Tychonians.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Late-Night-Venture-Tychonians.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Late Night Venture – Tychonians</span>
<p>Die diesjährige Dosis Postrock machen <span class="musik-review-bandname">Late Night Venture</span> komplett.</p>
<p>Das tychonische Weltsystem wurde im 16. Jahrhundert von dem dänischen Mathematiker <span class="musik-review-bandname">Tycho Brahe</span> ersonnen und besagte, dass die Erde im Mittelpunkt des Universums stehe und alle anderen Planeten um die Sonne kreisten. Aus heutiger Sicht ist das zumindest weniger blöd als manch andere Erklärungsansätze.</p>
<p>Inwiefern das eine Grundlage für das Album „Tychonians“ ist, ist beinahe ohne Texte schwer auszumachen. Fest steht, dass die fünf Musiker von <span class="musik-review-bandname">Late Night Venture</span> ebenfalls aus Dänemark stammen und sich offenbar bevorzugt mit Astrologie beschäftigen; das Vorgängeralbum zum Beispiel trug den Titel „Pioneers of Spaceflight“, das erste Stück auf „Tychonians“ beginnt zudem mit etwas, das ich als die Abfluggeräusche eines Raumschiffs interpretieren würde.</p>
<p>Die Band mischt das alte Laut-Leise-Spiel mit allerlei Doom‑, Spacerock- und Psychedelic-Zutaten, sie bleibt dabei überwiegend in instrumentalen Gefilden. Einzig in „Moon Shone on White Rock“ findet sich ein wenig verzerrter Gesang. <em>Das Internet</em> zieht Vergleiche mit <span class="musik-review-bandname">Anathema</span> und (mehrfach) <span class="musik-review-bandname">Long Distance Calling</span>, ich finde solche Vergleiche eher albern, obwohl ich <span class="musik-review-bandname">Long Distance Calling</span> hier streckenweise auch selbst wiederfinde.</p>
<p>Ein Rezensent auf <a href="http://www.amazon.de/tychonians-late-night-venture/dp/B016E9KDHU/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> merkt an, „Tychonians“ mache Spaß. Ich behaupte: Das stimmt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Neben den Schnipseln auf Amazon.de gibt es einen Komplettstream auf <a href="http://latenightventure.bandcamp.com/album/tychonians" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
</ul>
<p><span class="musik-review-header-nr">1c.</span> <span class="musik-review-header-text">Live und umsonst</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Umphreys-McGee-The-London-Session.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Umphreys-McGee-The-London-Session.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Umphrey’s McGee – The London Session</span>
<p>Wer ein Album „The London Session“ nennt, der weckt damit zumindest Assoziationen an viele gute und weniger gute Livealben vergangener Epochen. <span class="musik-review-bandname">Umphrey’s McGee</span> meinten das aber noch ironischer als es scheint, als sie im Juni 2014, über vier Jahrzehnte nach den <span class="musik-review-bandname">Beatles</span>, in den Abbey-Road-Studios (denen mit dem Zebrastreifen) in dem Raum – angeblich sogar in derselben Ecke -, in dem von 1962 bis 1970 ebenjene Popmusikgruppe ihre Alben einspielte, einige ihrer Stücke neu aufnahm.</p>
<p>Zwar ist mit „Bad Friday“ auch ein gänzlich neues Stück auf dem Album zu hören, aber <em>eigentlich</em> geht es ja um völlig andere Dinge. Die Band aus Chicago macht dafür, dass sie aus den musikalisch sonst eher langweiligen USA kommt, erfreulich spaßige Musik zwischen allen musikalischen Stühlen und weiß diese auch auf „The London Session“ angemessen in Szene zu setzen. <a href="http://www.popmatters.com/review/191930-umphreys-mcgee-the-london-session-a-day-at-abbey-road-studios/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Anders gesagt:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Langzeitbewunderer von Umphrey’s McGee sollten mit diesem Album weitere Bewunderung und Wertschätzung für Wagnis und Entschlossenheit der Band entwickeln. (…) Umphrey’s McGee fahren damit fort, das zu tun, was sie immer schon am besten konnten – nämlich, jeder Beschreibung auszuweichen und jeden Versuch, sie in eine Schublade zu stecken, in eine Übung in reiner Zwecklosigkeit zu verwandeln. Wenige andere Formationen können von sich behaupten, Ambition, Mehrdeutigkeit und Integrität in einer solch ausgeglichenen Weise zu bieten.</p></blockquote>
<p><em>(Grausame Übersetzung von mir.)</em></p>
<p>Dass mit „I Want You (She’s So Heavy)“ auch ein von <span class="musik-review-bandname">Umphrey’s McGee</span> seit Jahren live gespieltes Lied der <span class="musik-review-bandname">Beatles</span>, überdies von deren Album „Abbey Road“ (dem mit dem Zebrastreifen) stammend, seinen Weg auf „The London Session“ gefunden hat, ist da eigentlich nur noch das Sahnehäubchen dieser Veröffentlichung.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Man höre auf <a href="http://www.amazon.de/London-Session-UmphreyS-Mcgee/dp/B00TSOOSOI/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder <a href="http://tidal.com/album/41890717" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">TIDAL<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hinein.
</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Guilty-Ghosts-The-Witness.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/11/Vorschau_Guilty-Ghosts-The-Witness.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Guilty Ghosts – The Witness</span>
<p>2015 war hinsichtlich der „Name your price“-Alben erschreckend enttäuschend. Haben inzwischen alle Musiker ihren Geschäftssinn entdeckt?</p>
<p>Nein, auf eines ist Verlass, auf die <span class="musik-review-bandname">Guilty Ghosts</span> nämlich, die als Soloprojekt von <span class="musik-review-bandname">Tristan O’Donnell</span> gar nicht so viele sind, wie man glauben könnte. Mit „The Witness“ – „Der Zeuge“ – erschien im Juni nach über zwei Jahren Pause ein neues Album des Herrn, diesmal ausschließlich in digitaler Darreichungsform, aber auch weiterhin nicht an einen festen Preis gebunden.</p>
<p>Ist das denn schon ein Album? Die Laufzeit beträgt nicht einmal 23 Minuten. Ich bin geneigt, von einem „Minialbum“ zu sprechen. Und andere Leute sind schon überfordert, wenn es um Lappalien wie „Genres“ geht!</p>
<p>Die stilistische Zuordnung ist bei <span class="musik-review-bandname">Guilty Ghosts</span> indes wie gewohnt nicht schwer zu erraten. Weite Klanglandschaften breiten sich im Kopf aus und erreichen von dort jeden Ort im Körper des Hörers, der ihnen Zutritt gewährt. (Ergibt das überhaupt Sinn? Und ist das wichtig?) Ich höre feinste Instrumentalmelancholie, eine träumerische Remineszenz an <span class="musik-review-bandname">Long Distance Calling</span> und hier und da auch Balladesques. Dass manche Klimax durch’s gelegentliche Ein- und Ausblenden nicht zum Zug kommt: Geschenkt! Wenig empfehlenswert ist das hier Gehörte trotzdem noch lange nicht, sonst stünde es nicht hier.</p>
<p>Wahr bleibt auch die Selbstbeschreibung des Musikers: „Songs fit for rainy days, everlasting evenings, and melancholy moments in solitude.“ <span class="musik-review-hoerproben">Holt es euch</span> auf <a href="https://guiltyghosts.bandcamp.com/album/the-witness" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder via <a href="http://emulefuture.de/viewtopic.php?f=112&amp;t=6100" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, vergesst die anderen Alben des Herrn <span class="musik-review-bandname">O’Donnell</span> nicht und schaut mal in den Wolken vorbei. Es ist wirklich angenehm dort.</p></li>
</ul>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Schrottwichtel des Jahres</span></p>
<p>Es soll ja niemand behaupten, ich wäre plötzlich allzu beliebig geworden, weil bislang <em>erschreckend</em> wenig furchtbar Schräges aufgeführt war. Auch ein erweiterter Horizont kennt Grenzen. Beispiele gefällig? 2015 war da durchaus nicht geizig:</p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-titel">Panda Bear – Panda Bear Meets The Grim Reaper</span>: Weder flauschig-pelzig noch grimmig. Wenn ich ein Panda wäre, würde ich die Produzenten dieses Langweilers wegen Rufmords verklagen wollen.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Katzenjammer – Rockland</span>: Zu viele Ideen auf zu wenig Platz. <span class="musik-review-lyrics-inline">„Oh, sweet lord.“</span></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Mollmaskin – Heartbreak In ((Stereo))</span>: Herzzerreißendes, lahmes Geklimper.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Progoctopus – Transcendence EP</span>: Ein Album, das klingt, als hätte jemand ein gutes Progressive-Rock-Album in Fetzen geschnitten und dann halbherzig mit irgendeinem Fünf-Euro-Programm wieder zusammengewürfelt. <span class="musik-review-bandname">Jane Gillards</span> guter Gesang wirkt leider völlig verloren. So wird das nichts.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Portico – Living Fields</span>: Von bezauberndem Jazz auf früheren Alben zu einschläferndem Elektropop auf diesem Erzeugnis. So schnell kann’s gehen mit dem Fall.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Shining – International Blackjazz Society</span>: Wie die x’te Neuauflage der „Tubular Bells“, so ist auch die „International Blackjazz Society“ ein blut- und ideenarmer Versuch, aus dem Namen eines wirklich guten Albums noch etwas Profit zu gewinnen. Oder ist Blackjazz doch das „Genre“? Wenn ja: wann und warum hat dieses Genre aufgehört, spannend zu sein?</li>
</ul>
<p><span class="musik-review-header-nr">3.</span> <span class="musik-review-header-text">Neunzig Jahre Horrorschau</span></p>
<p>Wie üblich möge eine Rückschau auf die letzten Jahrzehnte Musikgeschichte diesen Text beschließen; diesmal beginne ich mit einem ganz besonderen Jubiläum:</p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 90 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Gid Tanner – Boll weevil blues</span>
<p>1925, mitten in der Weimarer Republik, war kein besonders gutes Jahr für Deutschland. <span class="musik-review-bandname">Friedrich Ebert</span>, Vorsitzender der bereits damals kriegsfreundlich eingestellten und auch vor Mord am politischen Gegner – seinerzeit <span class="musik-review-bandname">Rosa Luxemburg</span> und <span class="musik-review-bandname">Karl Liebknecht</span> – nicht zurückschreckenden SPD war bis Ende Februar 1925 Reichspräsident des merklich von der Politik der SPD gezeichneten Landes, ein österreichischer Künstler und Kriegsveteran publizierte derweil den ersten Band einer ziemlich langweiligen Geschichte namens „Mein Kampf“, der 2015 wieder erhöhte Aufmerksamkeit, diesmal aus Urheberrechtsgründen, zuteil wurde. Auch musikalisch gab es nicht viel, worüber man sich freuen konnte, und vieles ist mittlerweile zu Recht vergessen worden. In Georgia (USA) allerdings machte das Duo aus dem Fiddler <span class="musik-review-bandname">Gid Tanner</span> und dem blinden Gitarristen <span class="musik-review-bandname">Riley Puckett</span> von sich reden, das für die damalige Zeit einigermaßen moderne Folkmusik spielte und für die Plattenfirma Columbia bereits manche Schallplatte aufgenommen hatte. Der Bitte Columbias, eine Stringband zu gründen, kamen beide bald nach; <span class="musik-review-bandname">Gid Tanner’s Skillet Lickers</span> erwarben einen solch guten Ruf, dass seine Enkel und Urenkel noch heute unter dem Namen <span class="musik-review-bandname">Skillet Lickers</span> mit etwas, was wohl mittlerweile „Old-Time-Musik“ heißt, auf Festivals auftreten. Das sollen die <span class="musik-review-bandname">Rolling Stones</span> erst mal hinbekommen.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 40 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Van der Graaf Generator – Godbluff</span>
<p>1975 sah die Welt schon viel besser und friedlicher aus: Der spanische Diktator <span class="musik-review-bandname">Franco</span> starb und der erbärmliche Vietnamkrieg endete mit viel zu wenig toten Soldaten und viel zu viel Leid. Es war also ein ideales Jahr für etwas Beschaulichkeit. <span class="musik-review-bandname">Dave Greenslade</span> trug zu dieser Beschaulichkeit zum vorerst letzten Mal mit <span class="musik-review-bandname">Greenslades</span> Album „Time and Tide“ bei, auf dem abermals sehr empfehlenswerter Progressive Folk gespielt wurde. <span class="musik-review-bandname">Lou Reed</span> versuchte derweil seinen Plattenvertrag loszuwerden, der nach seinem bis heute in seiner Heimat erfolgreichsten Album „Sally Can’t Dance“ von 1974 die ungeliebte Erwartungshaltung von Publikum und Finanziers vervielfacht haben dürfte: „Metal Machine Music“ wurde ein gewaltiger Koloss aus Gitarrenlärm, der kommerziell der gewünschte Reinfall wurde, künstlerisch allerdings ein langes Nachspiel hatte, das schließlich erst 2002 in einer Neuinterpretation zusammen mit dem deutschen Ensemble <span class="musik-review-bandname">Zeitkratzer</span>, dann 2008 in der Gründung des bis zu seinem Tod im Jahr 2013 bestehenden <span class="musik-review-bandname">Metal Machine Trios</span> seinen Abschluss fand. Einen weiteren Neuanfang wagte 1975 die zuvor vorübergehend aufgelöste Progressive-Rock-Band <span class="musik-review-bandname">Van der Graaf Generator</span>, deren Mitglieder ohnehin für verschiedene Soloaktivitäten zusammengearbeitet hatten, und veröffentlichte vier Jahre nach „Pawn Hearts“ das bis heute als eines ihrer besten bewertete „Comeback“-Album „Godbluff“, das mit <em>nur</em> vier Stücken, darunter das grandiose „The Sleepwalkers“, den Auftakt zu einer in schneller Folge veröffentlichten Reihe von hervorragenden Werken führte. 1978 zerfiel die Band nach einigen Umbesetzungen wieder und fand sich erst 2005 wieder zusammen; eigentlich wäre („ALT“ ist von 2012) ja auch mal wieder ein neues Album fällig. Warten wir es ab.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 30 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Marillion – Misplaced Childhood</span>
<p>Viel besser abwarten – nicht nur in musikalischer Hinsicht – hätte man die 1980-er Jahre gekonnt. Zwar gab sich 1985 mit der Großveranstaltung „Live Aid“ menschenfreundlich, gleichzeitig aber wurde dieses Jahr zum „Jahr der Vereinten Nationen“ erklärt. Die Vereinten Nationen sind nun nicht für eine besondere Friedfertigkeit bekannt, immerhin unterhalten sie sogar eine eigene Armee. Dazu passt eigentlich der Titel des in diesem Jahr erschienenen Albums der Gruppe <span class="musik-review-bandname">Dire Straits</span>, nämlich „Brothers in Arms“, also „Waffenbrüder“, ebenso gut wie das anscheinend komisch gemeinte „Geld oder Leben!“ der österreichischen Popband <span class="musik-review-bandname">Erste Allgemeine Verunsicherung</span>, wobei bei Dingen, die die Vereinten Nationen betrafen, oft weniger Geld als Leben floss. Mitten in diese wirre Zeit wurde der Autor dieser Zeilen in eine <em>deplatzierte Kindheit</em> hinein geboren, und auch <span class="musik-review-bandname">Marillions</span> 1985 veröffentlichtes „Misplaced Childhood“ wirkte mit dem Radiohit „Kayleigh“ einerseits und Stücken wie „Lavender“ andererseits zerrissen zwischen Gefälligkeit und Anspruch. Der Abschied vom kühlen, technischen Stil der Vorgängeralben jedenfalls läutete auch den allmählichen Abschied vom angeblich zusehends mehr von sich eingenommenen Sänger <span class="musik-review-bandname">Fish</span> ein; nach einem weiteren Album verließ er die Band nur kurze Zeit später, seine ehemalige Band macht bis zum heutigen Tage mit dem damals neuen Sänger <span class="musik-review-bandname">Steve Hogarth</span> und einem zusehends mehr am Artrock als an <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> orientierten Stil weiter. Manchmal will auch die Musik mit der Zeit gehen.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 20 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Neu! – Neu! 4</span>
<p>Was fällt euch ein, wenn ihr „1995“ lest? Richtig: 50 Jahre Kapitulation der deutschen Wehrmacht, 5 Jahre deutsche Einheit und nicht zuletzt der Siegeszug eines zu diesem Zeitpunkt schon vierzehn Jahre alten Liedes, nämlich „Start Me Up“ von den <span class="musik-review-bandname">Rolling Stones</span>. Windows 95 brauchte eine einprägsame Hymne, und was lag da näher als ein vermeintliches Lied über den seinerzeit neuen „Startknopf“? Die <span class="musik-review-bandname">Rolling Stones</span> waren allerdings selbst längst weitergezogen, im November 1995 erschien mit „Stripped“ eine Art Studio-Live-Album ohne eigenes neues Material; auf das nächste „vollständige“ Studioalbum „Bridges to Babylon“ musste das geneigte Publikum noch bis 1997 warten. Es war ein vielfältiges Jahr, in das auch <span class="musik-review-bandname">Purs</span> erstes <em>Nummer-1-Album</em> „Abenteuerland“ gut hineinpasste. Pop und Radiorock, wohin man zunächst blickte. Aber was, wenn man einen zweiten Blick wagte? Vielleicht hat man dann das selbstbetitelte Debütalbum der schwedischen Progressive-Rock-Band <span class="musik-review-bandname">Ritual</span> entdeckt, die bereits auf ihm einen eigenständigen Stil zwischen Folk, AOR und Hardrock gezeigt hatten, den sie in den kommenden Jahren immer weiter zu einem beeindruckenden Folkrock weiterentwickeln sollten. In Deutschland bäumte sich derweil ein letztes Mal der Krautrock auf: Die von <span class="musik-review-bandname">Conny Plank</span>, der mittlerweile verstorben war, in den Jahren 1985 und 1986 produzierten letzten, allerdings unvollendeten Aufnahmen des Düsseldorfer Duos <span class="musik-review-bandname">Neu!</span> wurden nach der streitbedingten Trennung der beiden Musiker <span class="musik-review-bandname">Klaus Dinger</span> und <span class="musik-review-bandname">Michael Rother</span> erst nach neun Jahren zur Veröffentlichung als „Neu! 4“ freigegeben. Dass sich selbst die nicht auf kommerziellen Erfolg bedachte Band <span class="musik-review-bandname">Neu!</span> hier mit allerlei Elektronik an den schlimmen „musikalischen“ Zeitgeist des Jahrzehnts anzupassen versuchte, ist dank der ansonsten weiterhin experimentellen Spielweise beinahe unauffällig geblieben. Nichtsdestotrotz erschien 2010 eine überarbeitete Neuauflage unter dem Namen „Neu! ‚86“. Mit weiteren Aufnahmen ist nach dem Tod <span class="musik-review-bandname">Klaus Dingers</span> aber leider nicht mehr zu rechnen.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 10 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Nil – Nil Novo Sub Sole</span>
<p>Zehn Jahre ist es nun her, dass ich anfing, mehr oder weniger regelmäßig <em>richtige Texte</em> ins Web reinzuschreiben. Gleichzeitig erbebte die deutschsprachige Musikwelt allerdings aus ganz anderen Gründen, nämlich aufgrund des Albums „Schrei“ der absurden Combo <span class="musik-review-bandname">Tokio Hotel</span>, über die allzu kindische Witze zu machen selbst mir damals nicht zu unpassend erschien. Wer allerdings damals schon nicht viel Wert auf die Beschäftigung mit solch belanglosem Quark gelegt hatte, der ist zu beneiden, denn er hatte um so mehr Zeit für wirklich gute Lieder. <span class="musik-review-bandname">…And You Will Know Us by the Trail of Dead</span> zum Beispiel ließen den potenziellen Käufern viel Zeit für Vorfreude, indem die Veröffentlichung ihres Albums „Worlds Apart“ von 2004 auf 2005 verschoben wurde, damit die Verkaufszahlen sich nicht an denen von <span class="musik-review-bandname">Eminem</span> und <span class="musik-review-bandname">Destiny’s Child</span> (einer anständigen Plattenfirma ist kein Vergleich zu doof) messen lassen mussten. Nichts Neues also unter der Sonne? Dies jedenfalls behauptete das französische Symphonic-Prog-Quintett <span class="musik-review-bandname">Nil</span>, dessen Album „Nil Novo Sub Sole“ seit dem Jahr 2005 ebenfalls erhältlich ist, allerdings unter offensichtlich anderen Voraussetzungen, denn Zugeständnisse sind hier nicht erkennbar. Den großen Fehler vieler anderer Musikgruppen, die englische Sprache zu der eigenen zu machen, wiederholen <span class="musik-review-bandname">Nil</span> nicht, hier ist und bleibt alles auf Französisch, das ich zwar nicht verstehe, das aber authentisch und nah wirkt. Umgeben von einer atmosphärisch dichten Wolke aus teils psychedelischem, teils verzwirbelt-hartem Progressive Rock, der mal an <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> erinnert, meist aber eine ganz eigene Note trägt, schwebt Sängerin <span class="musik-review-bandname">Roselyne Benthet</span> gleichsam über den Dingen und verursacht ganz nebenbei selbst bei den ungänsigsten Hörern eine Gänsehaut, die man eigentlich gern eine Weile behalten würde. Manche Alben fühlen sich einfach <em>richtig</em> an; dies ist eins davon.</p></li>
</ul>
<p>Was wohl noch kommen mag? Wer weiß! <span class="musik-review-bandname">Sebkha-Chott</span> allerdings haben zum Jahreswechsel ihre Auflösung angekündigt. 2016 soll ein letztes Album erscheinen. Da bleibt zumindest etwas, worauf wir uns noch einmal freuen können.</p>
<p>Bis zum nächsten Mal!</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="https://www.facebook.com/Paisleytreeband/?ref=settings" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Magic Petra<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">25. Februar 2016</a> dies: Hi Sven, 
ich bin Petra von Paisley Tree und wollte mich im Namen der Band für Deinen schönen Review bedanken. 
Wir haben ihn auf unsere facebook Seite gestellt –&gt; https://www.facebook.com/Paisleytreeband/?ref=settings
Liebe Grüße, Petra

P.S. Die Zweittstimme habe ich selbst gesungen  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":-)" width="18" height="18" class="wpml_ico">   
Demnächst kommt noch eine Single in Kooperation mit Space Debris. Vielleicht hast Du ja Lust, auch die zu „reviewen“. 
Dann gib mir einfach per E‑Mail Bescheid. http://green-brain-krautrock.de/32cf191a5b396b39b03506d58647ad56,german,SPACE-DEBRIS-PAISLEY-TREE-New-Rag-Spiral-Cage-7-inch-Split-single-Green_23179.html</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">25. Februar 2016</a> dies: Heyho, magische Petra,

so als Facebookmeider (jetzt werft doch nicht so extensiv mit Daten aus meinem Impressum um euch, wenn ich hier schon unter Pseudonym parliere, Mensch) hab‘ ich mich schon gewundert, woher die vielen Zugriffe kommen. Schön, wenn es euch gefällt. (Aber die vier Alben darüber einfach ignorieren? Dz, dz! So war das ja nicht gedacht.)

Von Singles halte ich aus wirtschaftlichen Gründen nicht viel, aber ich hab‘ euch im Auge.  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif" alt=";)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> </li><li>Petra schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">25. Februar 2016</a> dies: Hi Tux, 
hab es in fb geändert (sorry :-))</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">25. Februar 2016</a> dies: Dankeschön!</li><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2016/07/musik-062016-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Musik 06/2016 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">26. Juli 2016</a> dies: […] von Anfang an eher asiatisch; sofort bemerke ich das mächtige Brummen, wie es mich schon bei boris begeisterte, das dann in einen dröhnenden treibenden Rhythmus mit allerlei Knattern und Donnern […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/12/musik-122015-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/0654373f59334d56a000ce9e4a03f793" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<title>Musik 12/2014 – Favoriten und Analyse</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Feb 2015 23:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[2015? Da war doch was? Mir war, als hätte ich etwas vergessen. Nein, vergessen wohl nicht, aber es gibt tatsächlich noch etwas aus dem Vorjahr zu vermelden, nämlich den zweiten Teil der Liste der wundervollsten Musikalben von 2014. Auch, wenn diesmal nicht noch in letzter Minute neue Alben dazugekommen sind, da ich mir genug Zeit ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2014 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>2015? Da war doch was? Mir war, als hätte ich etwas vergessen. Nein, vergessen wohl nicht, aber es gibt tatsächlich noch etwas aus dem Vorjahr zu vermelden, nämlich den zweiten Teil der Liste der <span class="musik-intro-hervorhebung">wundervollsten Musikalben von 2014</span>. Auch, wenn diesmal nicht noch in letzter Minute neue Alben dazugekommen sind, da ich mir genug Zeit genommen hatte, erhebt natürlich auch diese Liste nicht den Anspruch auf Vollständigkeit; schon weil mit <span class="musik-intro-hervorhebung">Bent Knee</span>s Debütalbum ein frenetisch gefeiertes Album fehlt, was nicht daran läge, dass es schlecht ist (es ist gut), sondern schlicht daran, dass die Band studioseitig weit unter ihren Möglichkeiten agiert. Eine Konzert-DVD wäre willkommen.</p>
<p>Draußen bleiben mussten überdies <span class="musik-intro-hervorhebung">Heino</span> („Schwarz blüht der Enzian“) und <span class="musik-intro-hervorhebung">Unheilig</span> aus Qualitätsgründen, im Gegenzug verzichtete ich auf die Mehrfachnennung der bereits anderswo von mir gewürdigten neuen Alben von <a href="https://tuxproject.de/blog/2014/08/genres-sind-soo-90er-boris-noise/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-intro-hervorhebung">Boris</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2014/08/erst-mal-nen-tee-margin-psychedelic-teatime/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-intro-hervorhebung">Margin</span></a> und den <a href="https://tuxproject.de/blog/2014/12/die-fantastischen-vier-rekord/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-intro-hervorhebung">Fantastischen Vieren</span></a>. Das ziemlich gute „Goodnight Civilization“ von <span class="musik-intro-hervorhebung">Zu</span> muss leider ebenfalls fehlen – als EP gelingt ihm das Hineinmogeln in diese Liste diesmal nicht.</p>
<p>Nichtsdestoweniger schließe ich nicht aus, auch schlicht etwas vergessen zu haben. Euch fehlt ein relevantes Album? Kommentiert’s hier gern unten drunter!</p>
<p><span id="more-10331"></span>Auf die Plätze, fertig, …</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">1.</span> <span class="musik-review-header-text">Los!</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Cosmograf-Capacitor.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Cosmograf-Capacitor.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Cosmograf – Capacitor</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„When I go through this door / I can’t take any more“</span> (The Reaper’s Song)
<p>Den Anfang macht bedrohliches Grollen. <span class="musik-review-bandname">Cosmograf</span> – das sind keine <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Asterix_und_die_Normannen" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Normannen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> – lassen sich Zeit.</p>
<p>Der nach Spacerock klingende Bandname ist kein Zufall, aber Multiinstrumentalist <span class="musik-review-bandname">Robin Armstrong</span> hat für das aktuelle Album seines Soloprojekts <span class="musik-review-bandname">Cosmograf</span> neben seinen bewährten Weggefährten <span class="musik-review-bandname">Nick D’Virgilio</span> (Schlagzeug, sonst bei <span class="musik-review-bandname">Big Big Train</span> und zuvor auch <span class="musik-review-bandname">Spock’s Beard</span>) und <span class="musik-review-bandname">Steve Dunn</span> (Bass, <span class="musik-review-bandname">Also Eden</span>) auch Unterstützung von <span class="musik-review-bandname">Colin Edwin</span> (Bass, <span class="musik-review-bandname">Porcupine Tree</span>), <span class="musik-review-bandname">Nick Beggs</span> (Bass, <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span> und <span class="musik-review-bandname">Lifesigns</span>) sowie <span class="musik-review-bandname">Matt Stevens</span> (Gitarre, <span class="musik-review-bandname">The Fierce And The Dead</span>) erhalten; zudem ist <span class="musik-review-bandname">Andy Tillison</span> (<span class="musik-review-bandname">The Tangent</span>, <span class="musik-review-bandname">Parallel or 90 Degrees</span>) in „The Drover“ an den Keyboards zu hören; dieses Personal wirkt sich <em>natürlich</em> darauf aus, wohin die musikalische Reise geht.</p>
<p>Laut Eigenbeschreibung der Band ist sie „verwurzelt im Classic Rock der 1970er mit einem zeitgemäßen und progressiven <em>twist</em>, jedoch ist auch hier nicht vom aberdutzendsten <span class="musik-review-bandname">Genesis</span>-Klon auszugehen, dafür ist es dann doch zu <em>modern</em>. Vielmehr deutet alles in Richtung der eher elektronischen Seite des New Artrocks. <span class="musik-review-bandname">Porcupine Tree</span> und <span class="musik-review-bandname">Spock’s Beard</span> klingen stets mit.</p>
<p>Apropos <span class="musik-review-bandname">Genesis</span>: Vor <span class="musik-review-bandname">Phil-Collins</span>-Gesang muss man sich hier nicht fürchten, vielmehr überwiegt das gesprochene Wort; auch dann, wenn ein Stück einen Titel wie „The Reaper’s Song“ trägt, dessen <em>lyrics</em> nebenbei das gute alte „I Am The Walrus“ der <span class="musik-review-bandname">Beatles</span> (<span class="musik-review-lyrics-inline">Waiting for the train to come</span>) in Erinnerung rufen. Von wegen <span class="musik-review-bandname">Unheilig</span> – der <span class="musik-review-bandname">Cosmograf</span> ist besser.</p>
<p>Damit wäre die Messlatte für Wortspiele im Übrigen dann auch mal gesetzt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Per <a href="http://cosmograf.bandcamp.com/album/capacitor" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt’s Stream und Kaufdownload, eine CD- oder Vinylversion indes scheint momentan nicht zu existieren.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Chromb-II.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Chromb-II.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">CHROMB! – „II“</span>
<p><span class="musik-review-bandname">CHROMB!</span> Gesundheit! Franzosen, natürlich. Das Wort scheint nur als Eigenname zu existieren und ist damit erfreulicherweise unübersetzbar. <span class="musik-review-bandname">CHROMB!</span> haben sich bereits Abende mit Bands wie <span class="musik-review-bandname">James Chance &amp; The Contortions</span> und den Landsleuten von <span class="musik-review-bandname">Magma</span> geteilt. Das sind gute Voraussetzungen.</p>
<p>Mit „II“ – die Anführungszeichen gehören offenbar zum Titel – liegt nun das zweite Album der Combo vor. <em>(Für eifrige Leser: Ratet mal, wie das erste hieß.)</em> Dass es gar nicht nach <span class="musik-review-bandname">Magma</span> klingt und die Zeuhl-Anleihen sich trotz des kammermusikalischen Beginns auf allenfalls kurze Momente („La Saulce“ enthält solche Momente) beschränken, stört nur wenig.</p>
<p>Die Keyboards von <span class="musik-review-bandname">Camille Durieux</span> sind hier dominant. Gitarre? Gibt es nicht, brauchen wir nicht. Das klingt bunt, das klingt <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/album_14414.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">so:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Da werden munter Klassik-Rock-Einlagen mit Jazz, RIO und sogar Pop (gelegentlich sind Disco-Rhythmen zu hören) vermengt, alles freilich in einer komplett überdrehten Variante und praktisch durchweg auf Speed. Hämmerndes Klavier, quietschige Synthies, rumpelnder Bass, furioses Schlagzeug und trötiges Saxophon (keine Gitarre!) prägen die Musik, die beständige Kapriolen schlägt, munter von einem Stil zum anderen springt.</p></blockquote>
<p>Franzosen. Schon seltsam manchmal.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Das Quartett ist auf <a href="https://chromb.bandcamp.com/album/ii-2014" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> präsent; diesmal gibt es auch CD und Vinyl zu kaufen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/iamthemorning-Belighted.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_iamthemorning-Belighted.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">iamthemorning – Belighted</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„How come that I still breathe?“</span> (The Howler)
<p>Auch seltsam manchmal: Russen. <span class="musik-review-bandname">iamthemorning</span> sind für regelmäßige Leser inzwischen alte Bekannte, erst <a href="https://tuxproject.de/blog/2014/07/musik-062014-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">im Juli 2014</a> war „Miscellany“ als Kurzzeitalbum eine Empfehlung wert. Ich kündigte zu diesem Anlass an:</p>
<blockquote><p>Pünktlich am 1. Januar 2014 erschien diese EP von etwas über 23 Minuten Spieldauer in Vorbereitung auf das zweite Vollzeitalbum, das ich dann mal in meinem schier grenzenlosen Optimismus noch in diesem Jahr erwarte.</p></blockquote>
<p>Seitdem haben sich in <em>unserem</em> Verhältnis zu Russland einige Änderungen ergeben, was als Rache für <span class="musik-review-bandname">t.A.T.u.</span> nicht mehr ganz so grotesk überzogen scheint.</p>
<p>Aber hier soll’s nicht um schrecklichen Pop, sondern um prima sphärischen Artrock gehen. <span class="musik-review-bandname">iamthemorning</span> legen nun immerhin seit über einem Jahr Musik von gleichbleibend hoher Qualität vor, was andere nicht mal für die Dauer eines einzigen Albums schaffen. Nun also „Belighted“. Soll noch einer sagen, das klinge <em>alles gleich</em>; mehr denn je zuvor greifen <span class="musik-review-bandname">iamthemorning</span> zum Wechsel zwischen sanftem Windsäuseln und kernigem Rock. Manchmal allerdings kommt es einem doch spanisch vor, wenn <span class="musik-review-bandname">iamthemorning</span> etwa an Flamenco erinnernde Rhythmen in ihre eigene Klangwelt einweben wie in einen viel zu wertvollen Teppich. Man greift nach neuen Welten und doch auf seinem Pfad.</p>
<p>Die „eclipsed“ wusste im Oktober zu mutmaßen:</p>
<blockquote><p>Mit „Belighted“ gehen die russischen Artrocker <span class="musik-review-bandname">iamthemorning</span> einer strahlenden Zukunft entgegen</p></blockquote>
<p>Das, freilich, nur, wenn der Zeitgeist begeistert bleibt. Daran indes zweifle ich nicht im Geringsten.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Hören und sich hübsch verpackt nach Hause liefern lassen kann man „Belighted“ zum Beispiel <a href="http://iamthemorningband.bandcamp.com/album/belighted" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Acid-Mothers-Temple-Astrorgasm-From-The-Inner-Space.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Acid-Mothers-Temple-Astrorgasm-From-The-Inner-Space.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Acid Mothers Temple &amp; The Melting Paraiso U.F.O. – Astrorgasm From The Inner Space</span>
<p>Wiederum beschwingter geht es beim japanischen <span class="musik-review-bandname">Acid Mothers Temple</span> zur Sache. <span class="musik-review-bandname">Acid Mothers Temple</span> haben in den demnächst zwanzig Jahren ihres Bestehens in verschiedenen Besetzungen bislang insgesamt 72 Studio- und 34 Livealben sowie diverse EPs und sonstige Veröffentlichungen eingespielt, machen das hier also nicht zum ersten Mal. Dass ich sie trotzdem bisher völlig ignoriert habe, ist allein mein Verschulden. Offensichtlich habe ich dabei sowieso etwas Großes verpasst.</p>
<p>Überwiegend ist die Band um den Gitarristen und Sänger <span class="musik-review-bandname">Kawabata Makoto</span> dabei unter dem Namen <span class="musik-review-bandname">Acid Mothers Temple &amp; the Melting Paraiso U.F.O.</span> aktiv, arbeitet aber auch mit Krautrockbands wie <span class="musik-review-bandname">Guru Guru</span> (<span class="musik-review-bandname">Acid Mothers Guru Guru</span>) und Artverwandten wie <span class="musik-review-bandname">Gong</span> (<span class="musik-review-bandname">Acid Mothers Gong</span>) zusammen. Im Allgemeinen spielt sie dabei Space- und Psychedelic Rock mit gelegentlichem „Heavy“-Einschlag. Die Studioalben tragen mitunter die Popkultur referenzierende Titel wie „41st Century Splendid Man“ (2002), „Son of a Bitches Brew“ (2012) und „Absolutely Freak Out (Zap Your Mind!!)“ (2001), die so gut wie nie auch nur annähernd nach den referenzierten Alben klingen. Dies nur als Einführung. Seid ihr schon verwirrt? Dann hört lieber gar nicht erst rein.</p>
<p>Diesmal trägt <a href="http://www.amazon.de/Astrorgasm-Mothers-Temple-Melting-Paraiso/dp/B00JBGEZ5A/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">das Album<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zumindest einen Titel, der andeutet, wohin die – tatsächlich – Reise führt. Krautrock, Kammerprog und Spacerock sind auszumachen, mitunter, etwa am Ende von „Pleasure Mantra of Sorrows“, wird es auch ambientartig. Von welchem der vielen Alben titels „<em>irgendwas</em> from Outer Space“ der „Astrorgasmus“ abgeleitet ist, konnte ich allerdings nicht herausfinden.</p>
<p>Erfreulicherweise werden die Texte von einer gewissen Frau <span class="musik-review-bandname">Cotton Casino</span> nicht stöhnend deklamiert, sondern tatsächlich genreüblich geflüstert oder wie <em>damals innen Sechzigern</em> zu Gitarrenbegleitung sauber eingesungen („Dark Star Blues“). Übrigens ist auch so ein Liedtitel nicht aussagekräftig, der „Dark Star Blues“ ist nämlich eigentlich gar keiner, sondern vielmehr ein Psychedelic-/Spacerock-Lied mit frei drehendem Ende (Vibravoid-Fans: aufgemerkt!). Ähnliches gilt indes auch für die übrigen drei Stücke, wenngleich der Gesang oft völlig in den Hintergrund tritt. Zwischen etwa 16 und fast 20 Minuten liegen die jeweiligen Spieldauern, die mit vielerlei elektronischem Zirpen angereichert werden, und das nicht nur in „Kiss in the Tangerine Dream House“.</p>
<p>Gute Überleitung eigentlich: Anfang 2015 verstarb überraschend <span class="musik-review-bandname">Edgar Froese</span>, mit <span class="musik-review-bandname">Tangerine Dream</span> einer der Pioniere der deutschen Krautrock-<em>Szene</em>. Vielleicht würde er, wenn er ein verrückter Japaner gewesen wäre, heute so ähnlich klingen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so wichtig, denn in jedem Fall ist das, was die Musiker hier ertönen lassen, ein Fest für die Ohren.</p>
<p>Sozusagen ein Ohrgasmus.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Der „Dark Star Blues“ auf <a href="https://www.youtube.com/watch?v=QUm1-klSP04" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist ein empfehlenswerter Einstieg in dieses Album.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Camera-Remember-I-Was-Carbon-Dioxide.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Camera-Remember-I-Was-Carbon-Dioxide.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Camera – Remember I Was Carbon Dioxide</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„We collected the white stones and split them into boxes“</span> (To the Inside)
<p>Apropos Spacerock.</p>
<p>Als ich dieses Album zum ersten Mal gehört hatte und davon erzählte, wurde ich mit der überraschten wie überraschenden Entgegnung konfrontiert, ich höre dann wohl Hipstermusik. Mit Hipstermusik hatte ich bis dahin nur Loungejazz und irgendwelchen Indie-Blödsinn in Verbindung gebracht, nicht aber Musik wie die von <span class="musik-review-bandname">Camera</span>. Als ich erleichtert festgestellt hatte, dass mir weder Schal noch Jutebeutel gewachsen waren, beschloss ich dieses Album in diese Liste aufzunehmen.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Camera</span> klingt ja zunächst wie ein Bandname aus den verrockten 70-ern, verbirgt aber ein junges Berliner Trio, das 2014 mit „Remember I Was Carbon Dioxide“ erst sein zweites Album vorgelegt hat. <span class="musik-review-bandname">Michael Rother</span> (ehemals <span class="musik-review-bandname">Kraftwerk</span>), so heißt es, war positiv überrascht und drängte nach dem Debüt von 2012 auf Zusammenarbeit, aber so sehr nach Autobahn und Model klingt es gar nicht. Die drei Herren – nebst Gastmusikern, darunter eine Sängerin – präsentieren vielmehr einen schnörkellosen, dafür herausragenden Krautrock der Marke <span class="musik-review-bandname">Neu!</span> und <span class="musik-review-bandname">Amon Düül II</span>, angereichert mit noch weiter reichender <em>kosmischer Musik</em> sowie einer Dosis The Fall.</p>
<p>Über weite Strecken instrumental, aber immer fesselnd kommt diese höchst hörenswerte Mischung aus dem Kopfhörer. Man setzt auf Entspannung, ist sich aber auch für eine gelegentliche Portion Gitarrenfeedback („Vortices“) nicht zu schade. Das vermag zu gefallen.</p>
<p>Das letzte Stück („Hallraum“) und damit das Album endet übrigens mit Plätschern. Nicht, dass noch jemand in den Klangwelten ertrinkt: Dieses Album ist ein Rettungsboot. Frauen und Kinder dürfen auch mitfahren. Volle Kraft voraus.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Schnipsel gibt es <a href="http://www.amazon.de/Remember-I-Was-Carbon-Dioxide/dp/B00KXHG5XG/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, das ganze Album zum Beispiel <a href="http://wimp.de/album/33867827" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">per WiMP<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Cast-Arsis.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Cast-Arsis.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Cast – Arsis</span>
<p>Nach so viel Weltraum dann doch mal wieder etwas Erdiges zur Reinigung, zur <em>Katharsis</em> gleichermaßen.</p>
<p>Religiös wollen wir nun aber nicht mehr werden, stattdessen geht’s zum Mexikaner. Es gibt eine US-amerikanische Band namens <span class="musik-review-bandname">Arsis</span>, die vermeintlich melodischen Metal spielt. Damit haben <span class="musik-review-bandname">Cast</span> – der <a href="http://www.weltenschummler.com/politik-gesellschaft/warum-ich-jetzt-wieder-satanist-bin/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Ziege<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sei’s gedankt – indes nichts am Hut.</p>
<p>Das Klaviersolo, das das Album eröffnet, mag den Metalfan allerdings noch hoffen lassen, instrumentales <em>understatement</em> ist ein beliebtes Stilmittel in einschlägigen Kreisen. Die nacheinander einsetzenden Musiker an Schlagzeug und Bass sowie die hardrockende Gitarre machen eine Genredistanzierung nicht leicht, wenn man was auf Genres gibt. <em>Das Internet</em> spricht von „Retro-Prog“ und vergleicht „Arsis“ mit Musik der <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span>, aber so langweilig ist es nun wahrlich nicht.</p>
<p>Wir haben es mit einem Dreiteiler („La Iliada“, 30:13 Minuten; „The Old Travel Book“, 9:10 Minuten; „El Puente“, 18:32 Minuten) zu tun, wie <em>üblich</em> aufgeteilt in einzelne „Kapitel“. Man neigt zunächst dazu, sich an eine folkbeeinflusste Variante von <span class="musik-review-bandname">Rush</span> erinnert zu fühlen, die ja ihrerseits ihren feinen Hardrock oft als „Prog“ etikettiert sehen müssen. Gesungen wird anfangs nicht viel, was dem Kenner gefällt, denn wie auch Italienisch ist die spanische Sprache keine sanfte, Gesang in ihr ist oft ein eher negativer Faktor beim Musikgenuss. Erst in „Old Travel Book“ wird Sänger <span class="musik-review-bandname">Bobby Vidales</span> aktiv, zunächst auf Englisch, in „El Puente“ schließlich doch noch auf Spanisch. Zwar klingt es etwas gepresst, aber auf irgendeine Weise doch in positiver Weise einmalig.</p>
<p>Hervorzuheben sei exemplarisch insbesondere das letzte <em>Kapitel</em> „Valle de los Sueños“, das von einem von textlosem Gesang (<span class="musik-review-bandname">Lupita Acuna</span> könnte man sich auch mal merken) begleiteten New-Artrock-Teil in – oh doch – gitarrenfixierten Progressive Metal übergeht, der überdies derart <em>abgeht</em>, dass man ihn gar nicht mitbekommt und plötzlich – das Album dauert ja nach Einsetzen dieses Stücks nicht mehr lange – überraschend vermisst; ein überraschendes, aber würdiges Ende für ein gutes Album.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Zu „El Puente“ gibt es einen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=tMxelUJFtm4" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Live-Videoclip<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> auf YouTube. Er ist gut.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Heisskalt-Vom-Stehen-und-Fallen.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Heisskalt-Vom-Stehen-und-Fallen.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Heisskalt – Vom Stehen und Fallen</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Ihr habt es nicht anders gewollt“</span> („Nicht anders gewollt“)
<p>Mir wird heiß und kalt: <span class="musik-review-bandname">Heisskalt</span> ist ein Bandname wie aus der düsteren Mädchengothicszene (<span class="musik-review-bandname">Eisbrecher</span>, <span class="musik-review-bandname">Eisblume</span>, <span class="musik-review-bandname">Unheilig</span>), dahinter verbirgt sich indes eine reizvolle Mischung aus <span class="musik-review-bandname">Surrogat’schem</span> Deutschrock und der Nachdenklichkeit von <span class="musik-review-bandname">Sport</span>, gesanglich dargeboten mit einer Intensität, die wahlweise von <span class="musik-review-bandname">Ira!</span> oder (oder?) <span class="musik-review-bandname">The Hirsch Effekt</span> ausgeliehen sein könnte; <a href="http://www.laut.de/Heisskalt/Alben/Vom-Stehen-Und-Fallen-92800" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">beziehungsweise:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Mal laut, mal leise stochern wahlweise cleane oder noisig angecrunchte Gitarren auf brüchigem Terrain. Entsteht ein Loch, bricht die Hölle los. Plötzlich wird geschrien, statt geredet, während sich scheppernd produziertes Lo-Fi-Chaos ausbreitet, das jedem Freund harmonischer Klänge den Angstschweiß auf die Stirn treibt. (…) <span class="musik-review-bandname">Heisskalt</span> machen ihrem Bandnamen alle Ehre. Hier gibt es kaum Grauzonen. Entweder es brennt lichterloh oder es zwängt sich eine Schicht aus Eis durch die Boxen.</p></blockquote>
<p>Ich mag Wermut, deswegen benutze ich das Wort „Wermutstropfen“ nicht besonders häufig, aber einen solchen (im wie auch immer negativen Sinne) gibt es schon: <span class="musik-review-bandname">Heisskalt</span> gehören zu Sony. Böse Plattenfirma, Kunden verachtende Scheißkerle, aber das Album ist es dann doch beinahe wert. Die vier Stuttgarter, wenngleich nicht vollends fantastisch, liefern zumindest ein fantastisches Debütalbum ab, das deutsche Bands derart klasse schon viel zu lange nicht mehr hinbekommen haben.</p>
<p>Zumal: <span class="musik-review-lyrics-inline">„So lange der Club nicht voller ist als wir“</span> („Alles gut“), also Feiern. Kopf in Nick- und Beine in Zappelstellung und los geht’s. Paady, Bitsch. Alles gut?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> <a href="http://www.amazon.de/Stehen-Fallen-Limitierte-Deluxe-Buch-/dp/B00I4F5U4E/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist halbminütig hilfreich, bei <a href="http://wimp.de/album/26828632" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">WiMP<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt’s einen Komplettstream.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Alternative-4-The-Obscurants.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Alternative-4-The-Obscurants.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Alternative 4 – The Obscurants</span>
<p>Etwas Entspannung nach so viel Rockmusik kann nicht schaden. „The Obscurants“, das – wie so oft in diesem Jahr – zweite Studioalbum von <span class="musik-review-bandname">Alternative 4</span>, eignet sich dafür ziemlich gut.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Alternative 4</span>, wohl ohne jeden Bezug zur AfD, ist ein britisches Trio, deren Gründer <span class="musik-review-bandname">Duncan Patterson</span> sich vorher bei <span class="musik-review-bandname">Anathema</span>, <span class="musik-review-bandname">Antimatter</span> und <span class="musik-review-bandname">Íon</span> einen Namen gemacht hatte, entsprechend klingt „The Obscurants“ nach einer entschleunigten Version von <span class="musik-review-bandname">Anathema</span>, was wiederum passt, denn Letztere haben 1998, in dem Jahr der Trennung von <span class="musik-review-bandname">Duncan Patterson</span>, ein Album namens „Alternative 4“ veröffentlichen lassen, womit sich der Kreis schließt.</p>
<p>Sänger <span class="musik-review-bandname">Simon Flatley</span> erinnert mich stimmlich an <em>ausgerechnet</em> <span class="musik-review-bandname">Campino</span> in den schrecklichen Balladen der <span class="musik-review-bandname">Toten Hosen</span>, was hier erstaunlich gut passt und klingt, darüberhinaus wird aber feinste klavierlastige Musik zwischen Ambient und Alternative präsentiert. Mit Rauheit wird gegeizt. <a href="http://www.medienkonverter.de/reviews-alternative-4_the-obscurants-5640.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Geil.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p><span class="musik-review-bandname">Alternative 4</span> zaubern (…) ein wundervolles Album, das (…) in seiner Gesamtheit dem gewillten Hörer wunderschöne Momente bereiten kann.</p></blockquote>
<p>Wer die Gutelaunemusik der weiter oben genannten Projekte mag und auch auf „The Obscurants“ erwartet, der wird beim Genuss vermutlich enttäuscht werden. Den unvoreingenommenen Hörer erwartet eine angenehme Überraschung.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Amazon.de hält sich leider ein wenig zurück, <a href="http://wimp.de/album/33545034" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">WiMP<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> jedoch bietet das komplette Album als Stream an.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Aranis-Made-in-Belgium-II.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Aranis-Made-in-Belgium-II.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Aranis – Made in Belgium II</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Das Einzige, was ich mir noch wünsche / ist, so frei zu sein wie ein tolles [Wiehern]“</span> (Tolles pferd)
<p>Völlig anders klingen wiederum <span class="musik-review-bandname">Aranis</span>. <span class="musik-review-bandname">Aranis</span> aus – ihr ahnt es – Belgien nehmen seit einigen Jahren Musik auf, die ein bisschen nach Jazz klingt, aber eigentlich gar kein Jazz ist. Üblicherweise wird das, was auf diesem zweiten <em>installment</em> von „Made in Belgium“ zu hören ist, als „Kammerrock“ etikettiert, aber so genau nehmen wir es hier ja sowieso nicht mit den Genres.</p>
<p>Ich höre jedenfalls diverse Streicher, ein Klavier, wenig Gesang. Klassik-Rock ganz ohne Geschepper. Freunde von <span class="musik-review-bandname">Univers Zéro</span> und <span class="musik-review-bandname">Eclipse Sol-Air</span> kommen hier gleichermaßen auf ihre Kosten. Wer darüber hinaus auf die Texte achtet, dem begegnet hier sogar klassisches <em>deutsches Liedgut</em>:</p>
<blockquote><p>Nein, ich möchte kein Eisbär sein!</p></blockquote>
<p>„Tolles pferd“ heißt das Stück und klingt mit deutlichem belgischem Akzent noch ulkiger als sowieso. Nicht, dass sie nicht auch ernsthaft könnten! Gesang wird außerhalb dieses Stücks nämlich tatsächlich rar gemacht und nicht vermisst. Er versperrt bei aller Komik doch nur den Blick auf’s Wesentliche, nämlich die Arrangements; die man dann auch für sich sprechen lassen möge. Ein Album für den Ohrensessel, mit Kennerblick und einem feinen Whiskey genossen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Per <a href="http://aranis.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt’s „Made in Belgium II“ zum Hören und Kaufen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Aviator-Head-in-the-Clouds-Hands-in-the-Dirt.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Aviator-Head-in-the-Clouds-Hands-in-the-Dirt.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Aviator – Head in the Clouds, Hands in the Dirt</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„This isn’t what we signed up for.“</span> (Dig Your Own Grave (and Save))
<p>So sehr ich – regelmäßige Leser wissen das – auch auf Schönklang bedacht bin: Manchmal überkommt auch den Freund gediegener Klänge der dringende Wunsch nach dem Rausschreien des Weltschmerzes; oder des Rausschreienlassens, denn das lässt die Stimmbänder entspannt. „Head in the Clouds, HandsiIn the Dirt“ der Band <span class="musik-review-bandname">Aviator</span> scheint prädestiniert, diese Rolle zu übernehmen.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Aviator</span> (weder die Pop- noch die Progressive-Rock-Band gleichen Namens) ist laut Eigenbeschreibung eine „emotional hardcore band“ aus Boston, Massachusetts, also <em>irgendwas mit Emocore</em>. Mag ja sein. <span class="musik-review-lyrics-inline">A year’s worth of memories poisoning every dream</span> („Head Noise“). Vertonter  Aber: Genres sind Wischiwaschi.</p>
<p>Wie’s mir eben auch gerade jetzt nicht darum geht, dieses Album theoretisch zu beschreiben. Die Gefühle zur Musik kennen kein Aber. Axtmusik, Herzmusik, Zerschmettermusik, wie’s beliebt.</p>
<p><a href="http://awholeorchestra-blog.blogspot.de/2014/08/aviator-head-in-clouds-hands-in-dirt.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Always thought <span class="musik-review-bandname">Aviator</span> should get more attention.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Das wäre dann erledigt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Auf <a href="https://www.youtube.com/watch?v=A1N37AuXnHE" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> musizieren die Herren sogar sichtbar; Audiostream und ‑kauf gibt’s per <a href="http://aviatorma.bandcamp.com/album/head-in-the-clouds-hands-in-the-dirt" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
</ol>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Fast ohne Worte.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Univers-Zero-Phosphorescent-Dreams.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Univers-Zero-Phosphorescent-Dreams.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Univers Zéro – Phosphorescent Dreams</span>
<p>Die Belgier von <span class="musik-review-bandname">Univers Zéro</span> sind auch im brutto 40. Jahr ihres Bestehens, wohl nicht zuletzt begünstigt vom sich drehenden Personalkarussell, noch immer nicht müde, hochklassigen instrumentalen Kammerprog (manche mögen’s RIO nennen) aufzunehmen; sehr schön, sehr rhythmisch, sehr hörenswert.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Pavees-Dance-Theres-Always-the-Night.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Pavees-Dance-Theres-Always-the-Night.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Pavees Dance – There’s Always the Night</span>
<p>Auf diesem halbstündigen Album, auf dem auch <span class="musik-review-bandname">Malcolm Mooney</span> (ehemals <span class="musik-review-bandname">Can</span>) endlich wieder einmal singend zu hören ist, vermengt das Projekt <span class="musik-review-bandname">Pavees Dance</span> um den Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Sean Noonan</span> allerlei Stile von Weltmusik bis Psychedelic Rock zu einem famosen Jazzfunk-Werk, wie es 2014 leider nur viel zu selten zu finden war.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Electric-Orange-Volume-10.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Electric-Orange-Volume-10.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Electric Orange – Volume 10</span>
<p>Wie <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">bereits 2003</a> erfreuen <span class="musik-review-bandname">Electric Orange</span> den Hörer mit krautigem Psychedelic Rock. Geändert hat sich seitdem nur der Schlagzeuger, der jetzt <span class="musik-review-bandname">Georg Monheim</span> heißt, ansonsten ist dieses (tatsächlich) zehnte Studioalbum gewohnte Kost – und das ist positiv gemeint. Augen zu und eingetaucht.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Scott-Walker-Sunn-O-Soused.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/02/Vorschau_Scott-Walker-Sunn-O-Soused.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Scott Walker + Sunn O))) – Soused</span>
<p>Vor einiger Zeit trafen <span class="musik-review-bandname">Sunn O)))</span>, ihres Zeichens US-amerikanische Drone-Doom-Musiker von Weltruhm, sich mit dem ähnlich bekannten, aber mit einem gänzlich anderen musikalischen Hintergrund versehenen Solisten <span class="musik-review-bandname">Scott Walker</span> (früher Mitglied der <span class="musik-review-bandname">Walker Brothers</span>) in einem Studio, um mit „Soused“ eins der <a href="https://tuxproject.de/blog/2014/10/aller-kuerze-wenigstens-kein-kommunist/" data-wpel-link="internal">durchgeknalltesten</a> Alben des Jahres 2014 aufzunehmen; nicht im schrillen Popsinne zwar, wohl aber bedingt durch die Verschiedenartigkeit der ungleichen Partner. Das beinahe <span class="musik-review-bandname">kingcrimsonesque</span> Ergebnis (affektierter Gesang zu sich kaum von der Stelle bewegendem Brummen, nur gelegentlich von Gitarrenriffen unterbrochen) ist <a href="http://thequietus.com/articles/16411-scott-walker-interview-sunn-o-soused" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">schockierend<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und – wie alles von <span class="musik-review-bandname">Sunn O)))</span> – laut noch besser. <em>Maximum volume yields maximum results.</em> Ein guter Rat.</p></li>
</ol>
<p><span class="musik-review-header-nr">3.</span> <span class="musik-review-header-text">Kost‘ ja nix.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-titel">The Echelon Effect – Pacific / Sierra</span>
<p><span class="musik-review-bandname">The Echelon Effect</span>, mir zuerst 2011 aufgefallenes Soloprojekt von <span class="musik-review-bandname">David Walters</span>, bleibt hochaktiv: 2014 erschien neben der EP „Sierra“ auch das Album „Pacific“, letzteres in Dreierbesetzung (<span class="musik-review-bandname">Steve Tanton</span> half an Schlagzeug und Perkussion aus, <span class="musik-review-bandname">Noah Champoux</span> steuerte <em>spoken words</em> bei).</p>
<p>Eine Wüste, ein Meer: Sprechend sind die Titel tatsächlich. <span class="musik-review-bandname">The Echelon Effect</span> steht weiterhin für atmosphärischen, teils hypnotischen musikalischen Genuss zwischen den Genres; und auch weiterhin will <span class="musik-review-bandname">David Walters</span> dafür kein Pflichtgeld sehen.</p>
<p>„Sierra“ und „Pacific“ gibt’s daher <a href="http://contentdb.emule-project.net/search.php?s=the+echelon+effect&amp;cat=all&amp;rel=1&amp;search_option=simple&amp;network=edonkey&amp;go=Search" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sowie <a href="https://theecheloneffect.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">per Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ab 0 Euro. Das trifft sich gut, denn gute Musik ist stets eigentlich unbezahlbar. Wer kann, sollte dennoch spenden. Wert ist’s das schon längst.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Antethic – Origin</span>
<p>Fast wäre der Postrock in diesem Jahr untergegangen. Gerade noch bemerkt! <span class="musik-review-bandname">Antethic</span> kommen aus Russland und haben mit „Origin“ 2014 ihr aktuelles Album <a href="http://antethic.bandcamp.com/album/origin" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">für lau<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> dem dürstenden, darbenden Publikum vorgestellt. Laut Eigenbeschreibung handelt es sich wahlweise um „Cinematic Rock“, Math Rock, Postrock, Shoegaze oder Ambient-Musik und somit um eine schlechte Eigenbeschreibung.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">North Atlantic Oscillation</span> und <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> dienen <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/album_14559.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">anderswo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> als Vergleich. Ich meinerseits füge vielleicht noch etwas <span class="musik-review-bandname">Mike Oldfield</span> und <span class="musik-review-bandname">Explosions In The Sky</span> hinzu. Der unbekannte Bassist spielt sich mitunter souverän in den Vordergrund, ohne aufdringlich zu werden, während Schlagzeug und Gitarre(n?) duettieren, vermag aber auch den Rhythmus zu stärken, derweil der Rest der Band <em>hart abrockt</em>. Stücke wie „This Game Has No Name“ versetzen den Hörer so schon nach wenigen Minuten in eine Trance, in der es nur noch die Melodien gibt und alles um sie herum unwirklich erscheint.</p>
<p>„Cinematic Rock“, ein Kino im Kopf. Ein tolles Album mit Suchtpotenzial und Tripgefahr. Guten Flug!</p></li>
</ul>
<p><span class="musik-review-header-nr">4.</span> <span class="musik-review-header-text">Deep Shit.</span></p>
<p>Es ist nicht alles Gold, was tönt. Auch 2014 war da keine Ausnahme:</p>
<ul>
<li><span class="musik-intro-hervorhebung">Pink Floyd – The Endless River</span><br>
Endloses Plätschern. <a href="http://www.amazon.de/review/R4WIXSQXECKWS?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Man schläft ganz gut zu „The Endless River“.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li>
<li><span class="musik-intro-hervorhebung">Eatliz – All Of It</span><br>
Belangloser Schönpop ohne Kanten, <a href="https://eatliz.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> rettet’s auch nicht. Die neue Sängerin ist scheiße.</li>
<li><span class="musik-intro-hervorhebung">Gazpacho – Demon</span><br>
Der Dämon des Schlafs überwältichhhhhrrrr…</li>
<li><span class="musik-intro-hervorhebung">Transatlantic – Kaleidoscope</span><br>
Offenbar gibt es Kaleidoskope auch ganz ohne Muster und Farben. Toll!</li>
<li><span class="musik-intro-hervorhebung">Archive – Axiom</span><br>
Spannend wie der Mathematikunterricht.</li>
<li><span class="musik-intro-hervorhebung">Flaming Row – Mirage – A Portrayal Of Figures</span><br>
So klingt es also, wenn man unmotiviert versucht Retroprog zu spielen. Nicht zur Nachahmung empfohlen.</li>
</ul>
<p><span class="musik-review-header-nr">5.</span> <span class="musik-review-header-text">Aaaaaaaaaalt!</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 40 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Lou Reed – Sally Can’t Dance</span>
<p>Denk‘ ich an 1974, denk‘ ich an Richard Nixon (Rücktritt), Helmut Schmidt (Antritt) und Rockmusik.  Zwar machten <span class="musik-review-bandname">Led Zeppelin</span> in diesem Jahr eine Veröffentlichungspause, dafür trauten sich <span class="musik-review-bandname">Kiss</span> mit ihrem Debütalbum <span class="musik-review-album-titel">Kiss</span> in die Läden. Die damals bereits etablierten <span class="musik-review-bandname">Rolling Stones</span> wiegelten ab: <span class="musik-review-album-titel">It’s Only Rock’n’Roll</span>. Kein Rock’n’Roll hingegen kam von <span class="musik-review-bandname">Yes</span>, deren Sänger <span class="musik-review-bandname">Jon Anderson</span> in einer Fußnote der „Autobiografie eines Yogi“ einen Hinweis auf die heiligen Schriften des Hinduismus‘ gefunden hatte und dazu inspiriert wurde, ein Album thematisch auf ihnen basieren zu lassen. <span class="musik-review-album-titel">Tales from Topographic Oceans</span>, vorübergehend das letzte Album mit dem Keyboarder <span class="musik-review-bandname">Rick Wakeman</span>, ist ein Doppelalbum mit vier Stücken, was also 4 LP-Seiten entspricht; selbst für <span class="musik-review-bandname">Yes‘</span> damalige Verhältnisse ein derart ambitioniertes Werk, dass die Musikpresse sich mit Lob deutlich zurückhielt. Letztere hatte mit <span class="musik-review-bandname">Lou Reed</span> ohnehin einen ungeahnten neuen Favoriten: <span class="musik-review-album-titel">Sally Can’t Dance</span> erreichte die „Top 10“ der Hitparade, was nach dem düsteren <span class="musik-review-album-titel">Berlin</span> im Vorjahr wiederum überraschte. Dass die Plattenfirma RCA diesen Karriereschub ausnutzen wollte und ein baldiges Nachfolgealbum forderte, war aus heutiger Sicht eine kommerziell blöde Idee: Mit <span class="musik-review-album-titel">Metal Machine Music</span> folgte 1975 ein ausgestreckter musikalischer Mittelfinger; doch dazu später mehr.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 30 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Dalbello – whomanfoursays</span>
<p>1984 war nicht bloß eine Anleitung oder wenigstens ein Buch, sondern in der Musikwelt vielmehr auch ein Jahr des Schreckens. Von <span class="musik-review-bandname">Barclay James Harvest</span> gab es das grauenvolle <span class="musik-review-album-titel">Victims of Circumstance</span>, das seine Mäßigkeit schon als Titel trägt, <span class="musik-review-bandname">Grobschnitt</span> machten sich mit <span class="musik-review-album-titel">Kinder und Narren</span> zu Letzteren. <span class="musik-review-bandname">Talk Talk</span> befanden sich mit <span class="musik-review-album-titel">It’s My Life</span> auf dem kommerziellen Höhepunkt ihrer Karriere, hatten außer Mainstream-Pop aber noch nicht viel beizutragen. Und dann war da noch <span class="musik-review-bandname">Dalbello</span>, eine junge Frau mit einer famosen Stimme und einer ebensolchen Frisur. Das <a href="https://tuxproject.de/blog/2014/11/dalbello-whomanfoursays/" data-wpel-link="internal">schon mal erwähnte</a> Album <span class="musik-review-album-titel">whomanfoursays</span> war zugleich ihre Rückkehr ins Musikgeschäft und ihre Erneuerung, denn vom Discopop wandte sie sich nunmehr ab und dem Alternative Rock zu, was das Plastikjahrzehnt dann doch noch ein bisschen zu retten half.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 20 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Subway to Sally – Album 1994</span>
<p>Weder mit <span class="musik-review-bandname">Yes</span> (<span class="musik-review-album-titel">Talk</span>) noch mit den <span class="musik-review-bandname">Rolling Stones</span> (<span class="musik-review-album-titel">Voodoo Lounge</span>) war <em>zwanzig Jahre danach</em> noch viel zu gewinnen. Das für lange Zeit letzte Studioalbum von <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span>, <span class="musik-review-album-titel">The Division Bell</span>, zeugte noch von der einstigen Größe von Bands, deren Mitglieder ihre Instrumente nicht nur einigermaßen gerade in die Kamera halten, sondern auch noch bedienen können; andere Musikstile waren jedoch bereits auf dem Vormarsch: <span class="musik-review-album-titel">Hyper Hyper</span>, die zweite Single von <span class="musik-review-bandname">Scooter</span>, mag dabei eine geschichtlich relevante Rolle gespielt haben, jedoch wurde auch der Metal als Abkömmling des Hardrocks größer: <span class="musik-review-bandname">Dimmu Borgirs</span> Debütalbum <span class="musik-review-album-titel">For all tid</span> wurde zum Eckpfeiler der skandinavischen Black-Metal-Szene, genreüblich mit Verweisen auf Satans Reich („Det nye riket“), etwas weiter südlich veröffentlichte eine Band, die wohl noch nichts davon ahnte, einmal für ein Genre zu stehen, das der Volksmund als „Mittelalter-Metal“ kennt, ebenfalls ihr Debütalbum: <span class="musik-review-bandname">Subway to Sallys</span> Erstlingswerk <span class="musik-review-album-titel">Album 1994</span>, auf dem <span class="musik-review-bandname">Eric Fish</span> noch nicht die Rolle des Frontmanns und Sängers innehat, verbindet mit seinen überwiegend englischsprachigen Texten noch nicht viel mit späteren Klassikern wie <span class="musik-review-album-titel">MCMXCV</span> oder <span class="musik-review-album-titel">Herzblut</span>, wohl aber legte es den Grundstein für ihre spätere Karriere und wohl auch die jener Bands, die maßgeblich von ihnen beeinflusst wurden. Es hätte schlimmer kommen können.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 10 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Yezda Urfa – Boris</span>
<p>Es kam tatsächlich schlimmer: Die Jammerpopband <span class="musik-review-bandname">Placebo</span> versuchte es <em>noch einmal mit Gefühl</em> und warf die schreckliche Resteverwertung <span class="musik-review-album-titel">Once More with Feeling</span> auf den Markt, die übrigen Massen wurden wahlweise mit <span class="musik-review-album-titel">Franz Ferdinand</span>, <span class="musik-review-album-titel">Tyrannosaurus Hives</span>, dem Album <span class="musik-review-album-titel">Louden Up Now</span> der von ihren Anhängern oft für weißwie untergründig gehaltenen Band <span class="musik-review-bandname">!!!</span> oder dem unterschätzten <span class="musik-review-album-titel">D12 World</span> beglückt. Zumindest <span class="musik-review-bandname">Haggard</span> hielten mit <span class="musik-review-album-titel">Eppur Si Muove</span> den Metal noch hoch. Diejenigen, die nicht nach immer schlichteren und schlechteren Tönen suchten, suchten stattdessen ihre Zukunft in der Vergangenheit: <span class="musik-review-bandname">Yezda Urfa</span>, eine einst verschmähte US-amerikanische Progressive-Rock-Band der mittleren 1970-er Jahre, traten 2004 auf dem NEARfest auf (seit 2010 gibt es mit <span class="musik-review-album-titel">Yezdaurfalive</span> einen Beleg dafür zu kaufen), <em>zufällig</em> ist seit jenem Jahr auch <span class="musik-review-album-titel">Boris</span>, das von Plattenfirmen einst verschmähte Debütalbum von 1975, das in seinen Grundzügen 1976 als <span class="musik-review-album-titel">Sacred Baboon</span> einer zweiten (Nicht-)Veröffentlichung harrte, für den Plattenkäufer frei erhältlich. <em>Honi soit.</em> Trotz der Wirren um die Veröffentlichung und das etwas schlechte <em>timing</em>, immerhin schien 1975 der Progressive Rock bereits angezählt, platzte dieses Album 2004 äußerst günstig in die Retrowelle hinein. <em>Im Internet</em> beschreibt man <span class="musik-review-bandname">Yezda Urfa</span> als „<span class="musik-review-bandname">Yes</span> meets <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span> mit Hummeln im Hintern“. Trocken ist diese Musik sicherlich nicht, die Augen bleiben es auch nur schwerlich.  Ernsthafter hat der Progressive Rock sich selbst nie wieder persifliert. Sänger <span class="musik-review-bandname">Rick Rodenbaugh</span>, der auf dem NEARfeat bereits nicht mehr dabei war, verstarb 2008, seitdem hat man von <span class="musik-review-bandname">Yezda Urfa</span> nur noch wenig wahrgenommen. Daran hätten sich andere Bands dieses Jahres zumindest ein Beispiel nehmen können.</p></li>
</ul>
<p>So – haben wir’s.</p>
<p>Habe ich ein relevantes Album übersehen oder eines zu Unrecht verrissen? Kommentare und Ergänzungen sind gern gesehen. Ansonsten stehen dieses Jahr ja bereits einige neue bedeutsame Musikalben in den Regalen. Ich freue mich schon auf die nächste Rückschau.</p>
<p>Danke für die Aufmerksamkeit.</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="http://hinterwaldwelt.blogspot.de/" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">hardy<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. März 2015</a> dies: ha!

http://hinterwaldwelt.blogspot.de/2014/09/seit-ein-paar-tagen-in-den-zittrigen.html

eine band, die gigs auf dem herrenklo beim bambi spielt, bis die bullen sie abräumen? die klingt wie neu! in den besten tagen? definitiv mein fall!</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. März 2015</a> dies: Hipster!</li><li><a href="http://hinterwaldwelt.blogspot.com/" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">hardy<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">4. März 2015</a> dies: since 1976.

oder, besser noch: seit dem moment als „the spoon“ in einem durbridge lief … ;-P

ernsthaft: ich war gerade versucht einen artikel von 76 aus einer alten <a href="http://hinterwaldwelt.blogspot.com/2012/11/urks-local-blogging-late-70ies-style.html" rel="nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank" class="wpel-icon-right">urks<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu posten, aber er ist noch nicht gescannt, in der ich einen fuchsteufelwilden rant über leute reite, die anderen die säcke damit vollmachen, wie cool sie zappa finden. den hipster gab’s schon immer und ich denke mal, das ist dieses typisch pubertäre verhalten, mit dem man seine position in der peergroup zu definieren sucht. das ist nur „useful“, wenn man eine solche braucht ;-)

wie auch immer: ist ja alles auch eine frage, was man mag oder nicht. oder eine von geschmack, weil es eben sachen gibt, die jenseits von „mag ich oder nicht“ bemerkenswert sind … und camera ist eben bemerkenswert, weshalb ich mir ja die erste genauso umgehend gekauft habe wie ich „puta’s fever“ von manu negra 1989 (damals noch als import) kaufen musste, weil es am samstag ene sendung in swf2 über die band lief. man hört es, man liebt es ab dem ersten moment eben liebt. so ging’s mir halt auch seinerzeit auch mit yello und camera. ist das hip? ist mir egal … sind alle in meinen 1001 records gelandet, nehme ich mit auf ne insel

ach ja, vor zwei monaten bin ich übrigens über hanni el kathib gestolpert, klingt nach was orientalischem, ist aber eine coole palästinensisch-stämmige gitarrensau aus la. die g*ttlich-kurze &amp; vor allem schräge  soli spielt.

konzert: https://www.youtube.com/watch?v=uANYiHx4Vgs (konzert ist immer das wichtigste …)
melt me: https://www.youtube.com/watch?v=hsdh4-jHs4o
moonlight: https://www.youtube.com/watch?v=e00xgN3ER_I

vielleichthast du ja auch spaß an so was</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">6. März 2015</a> dies: Orientalisch nervt. Mit Yello konnte ich auch noch nie was anfangen, da finde ich Devo deutlich interessanter.  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif" alt=";)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> </li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/4a73bab57b0d4ba881733683d5704ad5" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Musik 06/2014 – Favoriten und Analyse</title>
		<link>https://tuxproject.de/blog/2014/07/musik-062014-favoriten-und-analyse/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Jul 2014 16:27:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Huch, schon Mitte Juli! Hättet ihr mir nicht was sagen können? Ein halbes Jahr ist längst vorbei, und ihr wisst, was das bedeutet: Hier gibt’s Musik satt – alles, was bis Ende Juni so in meiner Bestenliste gelandet ist – zu lesen. Entgegen der öffentlichen Meinung ist die Nummerierung allerdings willkürlich gewählt. Ranglisten sind Firlefanz. ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2014/07/musik-062014-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 06/2014 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Huch, schon Mitte Juli! Hättet ihr mir nicht was sagen können?</p>
<p>Ein halbes Jahr ist längst vorbei, und ihr wisst, was das bedeutet: Hier gibt’s <span class="musik-intro-hervorhebung">Musik satt</span> – alles, was bis Ende Juni so in meiner Bestenliste gelandet ist – zu lesen. Entgegen der <a href="http://kaparecords.com/artists/the-canyon-observer/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">öffentlichen Meinung<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist die Nummerierung allerdings willkürlich gewählt. Ranglisten sind Firlefanz.</p>
<p><span id="more-9723"></span>Auch diesmal sind mehrere Musikalben, die eine Erwähnung verdient haben, bereits an anderer Stelle gewürdigt worden, so dass ich mich darauf beschränken möchte, <a href="https://tuxproject.de/blog/2014/05/thee-silver-mt-zion-memorial-orchestra-fuck-get-free-pour-light-everything/" data-wpel-link="internal">Fuck Off Get Free We Pour Light on Everything</a> von <span class="musik-review-bandname">Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra</span> und <a href="https://tuxproject.de/blog/2014/05/kurzkritik-last-remaining-pinnacle-64/" data-wpel-link="internal">64</a> von <span class="musik-review-bandname">Last Remaining Pinnacle</span> an dieser Stelle unbedingt auch noch mal empfohlen zu haben. Aus der Wertung fällt im Übrigen auch der als solcher allerdings hervorragende <a href="https://hernameiscalla.bandcamp.com/album/2014-sampler" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Sampler 2014<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> der hörenswerten <span class="musik-review-bandname">Her Name Is Calla</span>. Ein nennenswertes Jubiläum folgt erst 2015, dann ist die Hillbilly-Band <span class="musik-review-bandname">Skillet Lickers</span>, momentan mit Enkel und Urenkel ihres Gründers <span class="musik-review-bandname">Gid Tanner</span>, seit 90 Jahren im Geschäft.</p>
<p>Wie üblich besteht diese Rückschau aus mehreren Teilen, nach einer Übersicht über die Kaufbefehle für den Herbst wird es auch wieder ein paar Reinfälle, aber auch einen Griff in die Musikgeschichte geben. Ich freue mich jetzt schon darauf.</p>
<p>Viel Vergnügen!</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">1.</span> <span class="musik-review-header-text">Ins Töpfchen</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Mogwai-Rave-Tapes.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Mogwai-Rave-Tapes.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Mogwai – Rave Tapes</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„And thanks for all this / Trying to listen / Remembering a kill.“</span> (Blues Hour)
<p>Nach dem Soundtrack zu „Les Revenants“ im Vorjahr legen <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> 2014 mit „Rave Tapes“ schon wieder ein neues Studioalbum – ihr siebtes – vor. Diese Schotten geizen nicht.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> erfinden sich immer wieder neu, ohne dabei wie viele ihrer Mitstreiter irgendwann ihren Markenkern aufzugeben. Dabei lassen sie sich immer wieder etwas Neues einfallen. Nein, keine Sorge; trotz des Namens wird hier kein Love-Parade-Unfug <em>gecovert</em>.</p>
<p>Gespielt wird stattdessen weiterhin hochqualitativer Postrock vorwiegend instrumentaler Natur, lediglich in „Repelish“ und „Blues Hour“ sind Texte zu hören, mal gesprochen, mal gar gesungen; „Blues Hour“ erinnert den geneigten Rezensenten nicht nur deswegen an die viel zu früh zerstreuten <span class="musik-review-bandname">Aereogramme</span>. <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> waren schon immer groß darin, ihr stilistisches Repertoire subtil zu erweitern.</p>
<p>Dass <span class="musik-review-bandname">Mogwais</span> Kompositionen immer kürzer zu werden scheinen und auch auf „Rave Tapes“ kein neues „Mogwai Fear Satan“ oder „Stereodee“ zu hören ist, sei hier auch mal geschenkt. Die Kunst, in kurzer Zeit ohne Worte viel zu erzählen, beherrschen <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> immer noch vorzüglich, obwohl die angeschlagenen Töne doch leiser geworden sind. Während die Genrekollegen von <span class="musik-review-bandname">A Silver Mt. Zion</span> immer ausschweifender werden, breiten <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> ihre Klangflächen stattdessen einfach auf immer größeren Leinwänden aus. Das wirkt im Kopf und verschwendet keine Zeit. Wie schön.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Auf YouTube gibt es unter Anderem gute Liveversionen von <a href="https://www.youtube.com/watch?v=9GT7TyzkPEc" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Remurdered“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=fubU-oOfsic" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Blues Hour“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (letztere allerdings mit unangenehm wackeligem Kamerabild), Freunde von Streamingdiensten werden bei <a href="http://wimp.de/album/25450350" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">WiMP<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="http://grooveshark.com/#!/album/Rave+Tapes/9326018" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sowie auszugsweise <a href="http://www.amazon.de/Rave-Tapes-Mogwai/dp/B00G9Q3NBM/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> fündig.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Karokh-Karokh.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Karokh-Karokh.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Karokh – Karokh</span>
<p>Ich schätze Musikgruppen, die direkt mit denen, die ihren <em>output</em> konsumieren, kommunizieren, sehr.</p>
<p>Neben <span class="musik-review-bandname">echolyn</span> gehören auch <span class="musik-review-bandname">Karokh</span> – nicht mit der afghanischen Stadt Karukh zu verwechseln – aus Oslo zu denen, die offenbar gelegentlich Twitter nach Relevantem durchsuchen; meine <a href="https://tuxproject.de/blog/2014/02/karokh-flowers-every-day/" data-wpel-link="internal">Empfehlung</a> des Liedes „Flowers Every Day“ entging ihnen <a href="https://twitter.com/KarokhOslo/status/435470457677283328" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">jedenfalls nicht<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
<p>Dass <span class="musik-review-bandname">Karokh</span> erst seit 2010 existieren, verschafft ihnen die angenehme Freiheit, noch keine Erwartungen erfüllen zu müssen. Vielleicht auch deshalb überraschen sie mich positiv: Neue Bands, die <em>irgendwas mit Jazz</em> machen, schaffen es selten, ein durchweg starkes Album zu präsentieren. Dass ein Stück auf dem Album „Surf Decadence (Ooh Ooh)“ heißt, sollte niemanden abschrecken (oder vielleicht absichtlich doch); auf „Karokh“ von <span class="musik-review-bandname">Karokh</span> gibt es andererseits immerhin auch ein Stück namens „Karokh“.</p>
<p>„Irgendwas mit Jazz“ ist wahrscheinlich eine ziemlich präzise Genreschubladisierung für „Karokh“. Ich finde Schubladen ja prinzipiell zu unpräzise. <a href="http://kulturterrorismus.de/rezensionen/karokh-karokh.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">So auch diesmal:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>(…) <span class="musik-review-bandname">Karokh</span> bieten vielschichtige und intelligente Kompositionen, die auch bei anfänglicher Abneigung mehrere Anläufe verdienen. (…) Obwohl <span class="musik-review-bandname">Karokh</span>, von der Trompete abgesehen, generell mit Rock-typischer Instrumentierung agieren, die neben Gesang aus Gitarre, Bass und Schlagzeug besteht, sind auch zwei Synthesizer Teil des Line-Ups. Diese glänzen ebenfalls mit subtilem Einfluss – es gibt zum Glück keine kitschigen Horror-Synth-Linien. Vielmehr stützen die Synthesizer die Stimmung der Songs, steuern untypische Klänge bei, oder tragen auch mal mit einem Retro-Solo (Surf Decadence) zum Repertoire bei.</p></blockquote>
<p>Untypisch ist auch <span class="musik-review-bandname">Ina Sagstuens</span> Gesang, der mal im Vordergrund steht, mal („Once More No Bear“) sich wie ein weiteres Instrument im Geflecht einfügt. Frau <span class="musik-review-bandname">Sagstuen</span> säuselt („Into The Wild“), singt und stöhnt sich durch die bisweilen geradezu abgefahrene Musik, die ihre sechs Bandkollegen ihr kredenzen, dass es eine wahre Wonne ist.</p>
<p>„Genre: /alternative/rock/“ ist auf einer der Internetpräsenzen von <span class="musik-review-bandname">Karokh</span> zu lesen, und wenn das Rock ist, so will ich fortan Kevin heißen. Nein, <span class="musik-review-bandname">Karokh</span> steuern treffsicher an jeder Stilschublade vorbei, und auch, wenn eine Trompete allein noch keine große Kunst erschafft (auch die seltsamen <span class="musik-review-bandname">Touch and Go</span> hatten ihren bislang größten Erfolg ja mit einer solchen), bleibt unbestritten, dass man hier guten Gewissens die Theorie begraben und sich ganz auf das Gehörte einlassen sollte. <a href="http://www.allaboutjazz.com/php/article.php?id=46379" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Eyal Hareuveni<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> nannte „Karokh“ ein „höchst beeindruckendes Debütalbum mit einer bemerkenswerten Sängerin“. Ich finde das untertrieben. Ganz, ganz groß.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
„Flowers Every Day“ ist <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ltIR1kvTH74" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ebenso<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> auf YouTube zu finden <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ivj0hn6bg6Y" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">wie<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> „Into The Wild“. Auf <a href="http://www.amazon.de/Karokh/dp/B00HVSX704/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es „Karokh“ leider nur in der MP3-Fassung, der Streamingdienst <a href="http://wimp.de/album/25591450" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">WiMP<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zumindest auch in HiFi-Qualität.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Dawn-Darker.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Dawn-Darker.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Dawn – Darker</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I’m cool.“</span> (Cold)
<p>Nichts passiert. Oder doch?</p>
<p>Das aktuelle Album „Darker“ des Schweizer Quartetts <span class="musik-review-bandname">Dawn</span> beginnt mit leisen Orgeltönen. „Yesterday’s Sorry“, das Eröffnungsstück, lässt sich Zeit zur Entfaltung. Nach etwa einer Minute setzt <span class="musik-review-bandname">kingcrimsonesques</span> Spiel (entweder haben sich die vier Herren ein Mellotron zugelegt oder <span class="musik-review-bandname">Nicolas Gerber</span> ist ein wahrer Keyboardvirtuose) im Stil derer ersten beiden Alben, ergänzt durch <span class="musik-review-bandname">Starcastle</span>-Keyboards, ein.</p>
<p>Zugegeben: Neu ist das alles nicht. <span class="musik-review-bandname">Marillion</span>-Fans mag der lockere Retro-Prog von Dawn bekannt vorkommen, wir Freunde des Progressive Rocks wissen auch den gelegentlich (etwa in „Cold“) hohen Gesang von <span class="musik-review-bandname">René Degoumois</span> zu schätzen.</p>
<p>Aber an Abwechslung soll es nicht mangeln – von <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> (insbesondere „Cold“) aus geht die Reise noch weiter. Fällt mir im Instrumentalstück „Lullabies for Gutterflies“ noch das <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/08/music-from-the-penguin-cafe-music-for-a-found-harmonium/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Penguin Cafe Orchestra</span></a> ein, so sind im mehrteiligen Neunzehnminüter „8945“ <span class="musik-review-bandname">Pink Floyds</span> „Echoes“ nicht weit: Auf einen <span class="musik-review-bandname">pinkfloydesquen</span> Anfangsteil mit affektiertem Gesang folgt ein träumerischer Gitarrensolopart, in den nach einer Weile die anderen Instrumente einstimmen, unterbrochen durch den Refrain. Nach einem viel zu kurzen postrockigen Zwischenspiel nach etwa zehn Minuten wird vom Keyboard wiederum das Thema vom Anfang aufgegriffen.</p>
<p>„8945“ endet schließlich in einem furiosen Finale mit Climax, die im Progressive Rock ja durchaus üblich ist, aber hier besonders gut passt: Am 9. August 1945 wurde die Atombombe „Fat Boy“ über Nagasaki gezündet, wovon in „8945“ gelegentlich ein Sprecher erzählt; wie man <a href="http://www.johntuckeronline.co.uk/dawn-darker.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">so liest<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, wurde das Stück nach diesem Ereignis benannt. Zum Glück gibt es keine Toten.</p>
<p>Das Album „Darker“ hingegen ist eine Bombe. Ihr solltet euch das nicht entgehen lassen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Anspielen und kaufen lässt sich „Darker“ <a href="http://www.amazon.de/Darker-Dawn/dp/B00HZ7JWUA/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, die einschlägigen Streamingdienste sind zurzeit (Stand: 8. Juli 2014), wie so oft, eher ratlos.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Descend-Wither.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Descend-Wither.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Descend – Wither</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I am fear, wielder of the black darkness.“</span> (Confined by Evil)
<p>Kommen wir zu fröhlicheren Dingen: Metal. \m/</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Descend</span> stammen aus Schweden und haben im Januar 2014 mit „Wither“ ihr zweites Studioalbum <em>rausgebracht</em>, auf dem sie dem Progressive Metal mit allerlei Mathrockspielereien frönen. Das ist zwar alles <em>schon mal dagewesen</em>, aber selten wirklich beachtlich gut; auf „Wither“ allerdings schon.</p>
<p>Für das Album haben sie sich ein bisschen Zeit gelassen, aufgenommen wurde es bereits 2012. Progressive Death Metal (<a href="http://www.metalstorm.net/pub/review.php?review_id=12393" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Quelle: Internet<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>) ist eben kein Zuckerschlecken.</p>
<p>Vergleiche gefällig? <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=13989" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bittesehr:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>So gibt es in „The Rancorous Paradigm“ erst heftigste Polyrhythmik zu hören, und anschließend werden die Strophe[n] und die Zwischenspiele mit geradezu hypnotischen Rhythmen und träumerischen Harmonien unterlegt. Letzteres Stilmittel wird auch in „Diabolic“ bedient, wohingegen, „Severance“ lädt zwischenzeitlich, wenn nicht gerade mal wieder Raserei (…) angesagt ist, immer wieder mal zum genüsslichen Abzählen der Taktzahlen ein[.] Drauf gekommen? Richtig, auf „Wither“ halten auch Djent und Math Einzug in den Stil von <span class="musik-review-bandname">Descend</span>. Und tatsächlich fügen sich diese Komponenten bestens ins bisherige Bild ein – was zwar nicht überraschen sollte, aber eine konkrete Verbindung aus <span class="musik-review-bandname">Opeth</span> und kreativen <span class="musik-review-bandname">Meshuggah</span>-Epigonen ist mir bislang noch nicht untergekommen.</p></blockquote>
<p><span class="musik-review-bandname">Meshuggah</span> <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">beschrieb ich</a> 2012 als eine Musikgruppe, die wenig dezent agiert, verglichen mit <span class="musik-review-bandname">Descend</span> allerdings sind sie geradezu filigran.</p>
<p>Anders gesagt: <span class="musik-review-bandname">Descend</span> hauen <em>auf die Kacke</em>. Klotzen statt Kleckern. Von Stakkatorhythmen über Liedtitel wie „From Grace to Grave“ bis hin zu genretypischem <em>growling</em> ist alles dabei. Aber die Achterbahn steigt nicht nur hinab, sondern fährt auch mal bergauf, und während <a href="http://www.metal.de/death-metal/review/descend/57039-wither/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Christoph Meul<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> dem „Sanft-heftig-sanft-heftig-Schema“ (ebd.) nicht viel abgewinnen kann, bereiten sie mir als einem Liebhaber gepflegten, auch mal härteren Postrocks hingegen Freude, geben sie dem ansonsten dunklen „Wither“ doch ein paar schöne Farbtupfer. Oder ist Hellschwarz gar keine Farbe?</p>
<p>Musik zum Abreagieren. Gar nicht mal schlecht!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Während <a href="http://www.amazon.de/Wither-Descend/dp/B00H03T1TG/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> 30-sekündig herumschnipselt, ist zumindest <a href="http://wimp.de/album/24599513" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">WiMP<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu einer Komplettvorschau fähig. Ein vollständiges Konzert von 2012, auf dem auch „Confined by Evil“ gespielt wurde, hat <a href="https://www.youtube.com/watch?v=F-OkUntIiZY" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> im Repertoire.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Holy-Mountain-Ancient-Astronauts.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Holy-Mountain-Ancient-Astronauts.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Holy Mountain – Ancient Astronauts</span>
<p>Heilig’s Blechle (beziehungsweise: heiliger Berg), ausgerechnet die „Intro“ hat mir da <a href="http://www.intro.de/news/newsticker/23074430/holy-mountain-gewinnt-das-neue-album-auf-vinyl" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">was Schönes vorgespielt:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p><span class="musik-review-bandname">Holy Mountain</span> reisen mit Psychedelic Rock durchs All. Der Klang der Band aus Glasgow lässt sich grob im äußeren Grenzbereich von <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> oder <span class="musik-review-bandname">Black Sabbath</span> verorten, liebäugelt jedoch auch mit Art Rock und Jazz.</p></blockquote>
<p>Jazz? Mein Stichwort! Aufmerksame Leser haben möglicherweise bemerkt, dass sich mein musikalischer Schwerpunkt in den letzten Jahren ein wenig verschoben hat. Eine sporadische Leserin meiner Texte ließ sich unlängst zu der Bemerkung hinreißen, sie <em>hasse</em> Jazz, und vielleicht ist „Ancient Astronauts“ das ideale Album für sie, denn so jazzig ist’s eigentlich gar nicht; ich höre discodrogentauglichen Space-/Stoner-Rock mit klasse Rhythmik und einer Gitarrenarbeit, die <a href="http://www.veooz.com/news/5H3vkTQ.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auch andere Rezensenten beeindruckt:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p><span class="musik-review-bandname">Holy Mountain</span> have a rough-hewn but artisan’s skill in one enduring musical product: fashioning thunking great slabs of riffage.</p></blockquote>
<p>Seitens des Trios wird gerifft, dass es eine wahre Freude ist, von <span class="musik-review-bandname">Colour Haze</span> über <span class="musik-review-bandname">Deep Purple</span> bis zu, ja, <span class="musik-review-bandname">Black Sabbath</span> reichen die Assoziationen des begeisterten Hörers. Gesang gibt es auch, der aber mit seiner Verzerrtheit wahrscheinlich <em>gar nicht so wichtig</em> ist, weil’s auf „Ancient Astronauts“ inklusive dem Titelstück um den Kopfnickeffekt und nicht nur um tiefgründige Lyrik geht.</p>
<p>Nein, „Ancient Astronauts“ hat einen anderen Schwerpunkt. <a href="http://www.cackblabbath.com/2014/03/24/holy-mountain-ancient-astronauts/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Feiermusik für Stoner.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Und, liebe Leser und Hörer, darin sind sie wirklich gut. Gute Reise!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Während <a href="http://www.amazon.de/Ancient-Astronauts-Holy-Mountain/dp/B00HWJ2FDC/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> wieder einmal 30 Sekunden für aussagekräftig hält, hält immerhin <a href="http://wimp.de/album/28274701" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">WiMP<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> die Langversion des Albums vorrätig.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Lena-Bloch-Quartet-Feathery.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Lena-Bloch-Quartet-Feathery.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Lena Bloch Quartet – Feathery</span>
<p>Damit ihr nicht aus der Übung kommt, noch mal etwas Jazz.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Lena Bloch</span> ist eine russische Saxophonistin, die nach ihrer Auswanderung 1990 durch Europa und Amerika reiste, um den Jazz zu lernen, und das nicht ohne Erfolg.</p>
<p>Schon 1994 gewann sie den „Outstanding Performance Award“ (also den „Hervorstechender-Auftritt-Preis“), 1999 erwarb sie als Protegé von <span class="musik-review-bandname">Keith Copeland</span> und <span class="musik-review-bandname">John Marshall</span> an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln das Künstlerdiplom „mit Lob“ (cum laude). Bis 2006 lernte sie ihr Handwerk noch bei vielen weiteren bekannten Jazzmusikern. Die Theorie also ist ihr keinesfalls fremd.</p>
<p>Und die Praxis? So mancher Festivalbesucher sollte Frau <span class="musik-review-bandname">Blochs</span> Schaffen bereits selbst gehört haben, sei es während der  Leverkusener oder Ingolstädter Jazztage 2001, sei es während der „Temple Of The Arts Jazz Festivals“ der letzten paar Jahre. <a href="http://www.lenabloch.com/about/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">So weit die Eckdaten.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<p>Auf ihrem diesjährigen Album „Feathery“ hat sie sich neben ihrem Tenorsaxophon auch weitere Musiker zugelegt, namentlich <span class="musik-review-bandname">Dave Miller</span> (Gitarre), <span class="musik-review-bandname">Cameron Brown</span> (Bass) und <span class="musik-review-bandname">Billy Mintz</span> (Schlagzeug). Letztere beiden eröffnen das erste Stück „Hi-Lee“ (am Ende des Albums als „Hi-Lee (reprise)“ fortgesetzt) mit einem sehr angenehmen Duett, bevor Saxophon und einzelne Gitarrentöne in den Rhythmus einsteigen und ein ziemlich luftiges Jazzstück formen. „Hi-Lee“ ist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Lee_Konitz" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right"><span class="musik-review-bandname">Lee Konitz</span><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, Freund und Mentor von <span class="musik-review-bandname">Lena Bloch</span>, gewidmet, und wäre ich <span class="musik-review-bandname">Lee Konitz</span>, so errötete ich angehörs des Stücks.</p>
<p>Am <em>songwriting</em> (ein fürchterlicher Begriff, denn gesungen wird hier ebenso wenig wie es sich um leichte Liedchen handelt) waren alle vier Musiker beteiligt: Die über elfminütige „Baby Suite“ stammt von <span class="musik-review-bandname">Cameron Brown</span>, dessen Bass die Einleitung des Stücks dominiert, das allmählich an Fahrt gewinnt und schließlich mal freiförmig, mal strukturiert schon durch das Schlagzeug einen <em>groove</em> entwickelt, den man im „modernen Jazz“ abseits der Jazzrock- und Zeuhlpfade so immer noch viel zu selten zu hören bekommt. In „Rubato“ ist sein Komponist <span class="musik-review-bandname">Dave Miller</span> häufiger zu hören, im musikalischen Liebesbrief „Beautiful You“ jedoch nicht <span class="musik-review-bandname">Billy Mintz</span>, der mit diesem Titel bereits 2004 <a href="http://www.allaboutjazz.com/beautiful-you-john-gross-review-by-dan-mcclenaghan.php" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">von sich reden machte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>; Schlagzeug und <em>natürlich</em> Saxophon sind auf „Feathery“ ohnehin allgegenwärtig.</p>
<p>Dass es sich bei „Feathery“ eigentlich um ein Debütalbum handelt, was <span class="musik-review-bandname">Lena Bloch</span> doch bislang nur als Mitmusikerin in Erscheinung getreten, schmälert die Qualität nicht. Alle vier Instrumentalisten wissen, was sie tun, sie verzichten auf Effekthascherei oder Anbiederung. „Feathery“ macht Spaß und entspannt. Wohlfühljazz ohne auffälligen Makel. Toll!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Wer sich nicht mit den halbminütigen Ausschnitten auf <a href="http://www.amazon.com/Feathery-Lena-Bloch/dp/B00IQUZ524/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zufriedengeben möchte, der kann „Feathery“ momentan (Stand: 12. Juli 2014) auf <a href="http://thirteenthnoterecords.com/lena-bloch-quartet-feathery/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ThirteenthNoteRecords.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> in voller Länge hören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Kamchatka-The-Search-Goes-On.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Kamchatka-The-Search-Goes-On.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Kamchatka – The Search Goes On</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„No more lost, tired and lonely / no more begging please“</span> (Tango Decadence)
<p>Apropos <span class="musik-review-bandname">Opeth</span>, übrigens.</p>
<p>In den späten 1990-er Jahren war auch ich – wie viele Menschen meines Alters – dem <em>Punk</em> von Bands wie <span class="musik-review-bandname">Bad Religion</span> und <span class="musik-review-bandname">The Offspring</span> gegenüber noch aufgeschlossener als heute. Irgendwann verlor diese <em>Szene</em> für mich allerdings deutlich an Reiz und ich wandte mich anderen Beschäftigungen als dem Versuch, beim Rauchen cool auszusehen und die passende Musik zu hören, zu, wirklich gefallen hatte es mir ja <em>sowieso nie</em>.</p>
<p>Was ich am Punk allerdings zu schätzen wusste, war die Angewohnheit, die Gitarre zu misshandeln. Das Laute, Schnelle, Hektische ist es auch, das ich bis heute interessant finde; und so begann meine Entdeckungsreise in die Welt der singenden Gitarren weitgehend unauffällig, führte mich aber inzwischen zum Stoner Rock, Bluesrock und Postrock und wieder zurück.</p>
<p>Insofern versetzt mich „The Search Goes On“ von <span class="musik-review-bandname">Kamchatka</span> in Entzücken. Das schwedische Trio <span class="musik-review-bandname">Kamchatka</span> – wie <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kamtschatka" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">die Insel<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> – spielt auch auf seinem fünften Studioalbum „The Search Goes On“ einen ziemlich erdigen, ziemlich guten Bluesrock. Und, tatsächlich, die Gitarre singt im Duett mit ihrem Besitzer <span class="musik-review-bandname">Thomas Andersson</span> vortreffliche Liedlein.</p>
<p>Die Suche geht weiter. Wonach wird gesucht? Vielleicht nach den Wurzeln, gräbt man doch tief in den späten 1960-er und frühen 1970-er Jahren nach seinen Quellen. Dazu würde zumindest das <em>cover</em> passen, das einige sinkende Taucher zeigt. Gelegentliche Anleihen am Stoner Rock („Thank You For Your Time“) sind für das hier Dargebotene jedenfalls eine Bereicherung, Vergleichen mit <a href="http://powermetal.de/review/review-Kamchatka/The_Search_Goes_On,23707.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right"><span class="musik-review-bandname">Deep Purple</span><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> halten die drei haarigen Herren – <span class="musik-review-bandname">Per Wiberg</span>, ehemals unter Anderem bei <span class="musik-review-bandname">Opeth</span>, hat inzwischen <span class="musik-review-bandname">Roger Öjersson</span> am Bass abgelöst – problemlos stand.</p>
<p><a href="http://www.musikinstinkt.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=10290:kamchatka-the-search-goes-on&amp;catid=768&amp;Itemid=105" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Anders gesagt:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Ein echtes 70ies-Groove’n’Roll-Monster was das Trio <span class="musik-review-bandname">Kamchatka</span> da auf CD haben pressen lassen!</p></blockquote>
<p>Entfesselt das Monster! Keine Angst, es wartet nicht unter eurem Bett, es will nur spielen; nämlich hörenswerte Rockmusik mit Pfeffer. Guten Appetit!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Zu „Tango Decadence“ gibt es <a href="https://www.youtube.com/watch?v=pTZbWI3L3T8" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ein Musikvideo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Wem ein kurzer Ausschnitt reicht, der möge die anderen Stücke <a href="http://www.amazon.de/The-Search-Goes-Kamchatka/dp/B00HVF52MI/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> probehören, andersartige Interessenten können zum Beispiel zu <a href="http://wimp.de/album/26344874" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">WiMP<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> greifen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/END-People-of-the-Streams-Mouth.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_END-People-of-the-Streams-Mouth.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">END – People of the Stream’s Mouth</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Don’t waste your days and focus now, then the future should be bright“</span> (Tightrope Walkers on the Run)
<p><a href="http://www.nicorola.de/end-people-of-the-streams-mouth/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Nico<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> findet’s gut, und auch <a href="http://www.schallgrenzen.de/bitte-keine-vorurteile-end-people-of-the-streams-mouth/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> lobpries die Schweizer <span class="musik-review-bandname">END</span> bereits im März:</p>
<blockquote><p>Cooler Breitwand-Pop, geschmackvoller Alternative-Rock, “People of the Stream’s Mouth” ist eine Wundertüte prickelnder Ideen, handwerklich hervorragend umgesetzt und von hohen Unterhaltungswert. (…) <span class="musik-review-bandname">End</span>, das sind flirrende Gitarren, Melodien satt, mehrstimmiger Gesang und Ideen für eine ganze Handvoll respektabler Debüts. Gutes Album, meine Herren, weitermachen.</p></blockquote>
<p>Da kann natürlich auch ich nicht widerstehen und höre mal rein; und mein strömender Mund steht staunend offen: Was da nicht alles drinsteckt! Die unvermeidlichen <span class="musik-review-bandname">Beatles</span>, klar, aber auch: <span class="musik-review-bandname">Oasis</span> und allerlei „Indie-Rock“, was auch immer man darunter im Einzelfall verstehen möchte.</p>
<p>Auf „People of the Stream’s Mouth“ passiert zumindest eine Menge, was man von anderen Vertretern dieser Sparte nicht unbedingt behaupten sollte. Allein schon das Stück „Alaska“ ist atmosphärisch unglaublich <em>dicht</em>, gleichzeitig beklemmend und befreiend wie auch das zugehörige <a href="https://www.youtube.com/watch?v=JncnfGSZFV0" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Video<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Sonst so? <span class="musik-review-bandname">Placebo</span>-Poprock („Adrift“), Folkrock („Disconnected“), fetziges Gitarrendurcheinander („Tightrope Walkers on the Run“), schöne Bassrhythmen („In Amber“), Weltraumkeyboards („Levitate“, wie passend!).</p>
<p>Mankos? Schwierig. Ich äußerte an anderer Stelle, der Gesang sei <em>etwas nervig</em>, aber <span class="musik-review-bandname">Luca Daniels</span> (Mikrofon und Gitarre) Einsatz ist eigentlich gar nicht mal schlecht. Gelegentlich erinnert mich <em>das alles</em> an <span class="musik-review-bandname">Placebo</span>, möglicherweise hat das Abwehrreflexe hervorgerufen. <span class="musik-review-bandname">END</span>, das sind <span class="musik-review-bandname">Placebo</span> ohne Kopfschmerzen und aus der Schweiz. Ein prächtiges Land.</p>
<p>Wofür der Bandname <span class="musik-review-bandname">END</span> steht, weiß ich übrigens nicht. Am Ende ist das aber wahrscheinlich auch nicht wichtig.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Das Album ist momentan (13. Juli 2014) per <a href="https://soundcloud.com/end-band/sets/end-people-of-the-streams" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">SoundCloud<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> in ganzer Länge hörbar, auf YouTube gibt es schicke Videos <a href="https://www.youtube.com/watch?v=guNfC8nYuPI" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">zu „Adrift“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und weiteren Liedern.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Pixies-Indie-Cindy.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Pixies-Indie-Cindy.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Pixies – Indie Cindy</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Give me the pow-wow, give me the hexe!“</span> (Blue Eyed Hexe)
<p>Wer übrigens auch immer noch da ist, sind die <span class="musik-review-bandname">Pixies</span>, die schon in den 1980-er Jahren ziemlich <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/09/pixies-tame/" data-wpel-link="internal">aufgedreht</a> haben.</p>
<p>Seit ihrer jüngsten Reformation im Jahr 2004 hat die beeindruckende Bassistin und Sängerin <span class="musik-review-bandname">Kim Deal</span> die <span class="musik-review-bandname">Pixies</span> leider verlassen, ihr Ersatz <span class="musik-review-bandname">Kim Shattuck</span> von den <span class="musik-review-bandname">Muffs</span> sprang nur vorübergehend ein (sie ist auf „Indie Cindy“ zu hören) und wurde noch im gleichen Jahr wieder gefeuert; seit Ende 2013 ist die Argentinierin <span class="musik-review-bandname">Paz Lenchantin</span> die Frau am Bass.</p>
<p>Und eigentlich fehlt auch nichts, die <span class="musik-review-bandname">Pixies</span> klingen immer noch frisch wie <em>damals</em>, <span class="musik-review-bandname">Charles Thompsons</span> Alter Ego <span class="musik-review-bandname">Black Francis</span> hat von seiner Energie nur wenig eingebüßt. Mit „What Goes Boom“ beginnt „Indie Cindy“ standesgemäß mit kräftiger Gitarre, die Rhythmusgruppe tritt mit Schmackes voll in die Eisen, während ihr Frontmann gewohnt mehrdeutige Texte rezitiert. Der Refrain – wie einst „Debaser“ oder „Hey“ – ist einprägsam:</p>
<blockquote><p>Make<br>
Some<br>
Room<br>
What<br>
Goes<br>
Boom</p></blockquote>
<p>Kann man sich merken, kann man auch zu fortgeschrittener Stunde noch mitbrüllen. Höchst erfreulich für uns, die wir es bisweilen ja doch auf die frontale Breitseite der <span class="musik-review-bandname">Pixies</span> abgesehen haben und leise Töne gar nicht erst erwarten.</p>
<p>Dabei können sie auch anders: <span class="musik-review-bandname">Nick Cave &amp; The Bad Seeds</span> kommen – wäre da nicht der schlimme <span class="musik-review-bandname">Weezer</span>-Gedächtnisrefrain – im Titelstück in den Sinn, an wen mich das superbe „Bagboy“, das zunächst auf der „EP1“ als erstes Stück nach <span class="musik-review-bandname">Kim Deals</span> Weggang veröffentlicht wurde, mit seinem Wechselgesang (<span class="musik-review-lyrics-inline">cover your breath, polish your speech!</span>) erinnert, weiß ich nicht; vielleicht am Ehesten noch an die <span class="musik-review-bandname">Pixies</span> selbst. Sie zu <em>covern</em> sei schwierig, heißt es, und auch im Jahr 2014 stellen die <span class="musik-review-bandname">Pixies</span> wieder unter Beweis, was (neben obskuren Liedtiteln wie „Blue-Eyed Hexe“) wir eigentlich an ihnen haben.</p>
<p>Das ist vor allem eine Menge Spaß.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Ein annehmbares Livevideo zu „What Goes Boom“ gibt es auf <a href="https://www.youtube.com/watch?v=LjT3V78oG7g" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, ein Musikvideo zu „Bagboy“ auf <a href="http://vimeo.com/69293130" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Vimeo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu sehen. Auf <a href="http://www.amazon.de/Indie-Cindy-2lp-CD-Vinyl/dp/B00J4SP9V4/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> könnt ihr „Indie Cindy“ als Doppelvinyl mit CD kaufen und <a href="http://www.amazon.de/Indie-Cindy-Pixies/dp/B00J4SP83S/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">dreißigsekündig reinhören<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, per <a href="http://wimp.de/album/29072109" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">WiMP<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="http://grooveshark.com/#!/album/Indie+Cindy/9612815" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> auch in voller Länge.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Carla-Bozulich-Boy.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Carla-Bozulich-Boy.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Carla Bozulich – Boy</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Why do you think that I sing about these things that I do?“</span> (Ain’t No Grave)
<p>In Progressive-Rock-Kreisen sind zwei Carlas mittlerweile weltbekannt: Die US-amerikanische Violinistin <span class="musik-review-bandname">Carla Kihlstedt</span> arbeitete schon mit <span class="musik-review-bandname">John Zorn</span> und <span class="musik-review-bandname">Fred Frith</span> zusammen, regelmäßige Leser meiner Rezensionen kennen auch ihr Projekt <span class="musik-review-bandname">The Book of Knots</span>, deren Album „Traineater“ ich 2011 <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/08/the-book-of-knots-traineater/" data-wpel-link="internal">lobend hervorhob</a>.</p>
<p>Auf „Traineater“ ist <em>die andere</em> Carla am Mikrofon zu hören: <span class="musik-review-bandname">Carla Bozulich</span>, erstmals im Umfeld von <span class="musik-review-bandname">Sleepytime Gorilla Museum</span> aufgetaucht und seitdem mit diversen Musikgruppen wie etwa ihrer eigenen Band <span class="musik-review-bandname">Evangelista</span> zugange, hat mit „Boy“ nach einigen Jahren wieder einmal ein Soloalbum unter ihrem eigenen Namen aufgenommen. Solo? Nun ja, zu hören sind neben Frau <span class="musik-review-bandname">Bozulich</span> ein Schlagzeuger, ein Keyboarder und ein Hintergrundchor, aber alle Beteiligten waren offenbar damit einverstanden, ihren Namen nicht prominent auf das Album drucken zu lassen.</p>
<p>Die Musik von <span class="musik-review-bandname">Evangelista</span> wagte schon immer den Spagat zwischen Zerbrechlichkeit und Aggression, sie ist sanft und zugleich rau. Mit „Boy“ pflegt <span class="musik-review-bandname">Carla Bozulich</span> ihren gewohnten Stil weiter. Müsste ich Vergleiche bemühen, ich wählte „<span class="musik-review-bandname">Tom Waits</span> in weiblich“, was beiden Künstlern gegenüber zutiefst unfair wäre, weshalb ich dankbar bin, dass das gar nicht nötig ist.</p>
<p>Zumal Frau <span class="musik-review-bandname">Bozulich</span> auch wesentlich zurückhaltender musiziert, die Aggression, die in <span class="musik-review-bandname">Tom Waits‘</span> Schaffen immer wieder hervorscheint, fehlt hier. Das eröffnende „Ain’t No Grave“, das die dezente Avantgarde von <span class="musik-review-bandname">Evangelista</span> erahnen lässt, ist noch eins der <em>härteren</em> Stücke, aber es bleibt still. In der Ruhe liegt die Kraft; die dann auch „Deeper Than The Well“ und „One Hard Man“ ausstrahlen, während eine Gitarre und allerlei Elektronisches begleitend scheppern. Die <span class="musik-review-bandname">Bad Seeds</span> treffen auf <span class="musik-review-bandname">broken.heart.collector</span> und lassen <span class="musik-review-bandname">Gwen Stefani</span> auch mal singen. Kammerprog, Jazzpop. Genres sind für’n Arsch.</p>
<p>Egal, wie mörderisch die Texte sind (<span class="musik-review-lyrics-inline">„I’m gonna stop killing today, make better use of my hands“</span>, in: „Gonna Stop Killing“), <span class="musik-review-bandname">Carla Bozulich</span> bleibt gelassen. Beängstigend und deshalb faszinierend. „Boy“ sei ihr „Popalbum“, behauptet das Beiheft zur CD. Ich habe Pop viel schlimmer in Erinnerung. – Erwähnte ich, dass ich den Gesang mag?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
<a href="http://www.amazon.de/Boy-Carla-Bozulich/dp/B00HNTOYJO/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. <a href="http://wimp.de/album/26418495" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">WiMP<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. <a href="http://grooveshark.com/#!/album/Boy/9564552" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Völlig egal. Live? <a href="https://www.youtube.com/watch?v=G6eVvjQnMTo" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„One Hard Man“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Noch verrückter als auf dem Album, stilecht mit Kerzenlicht. Hörbefehl!</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Closure-In-Moscow-Pink-Lemonade.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Closure-In-Moscow-Pink-Lemonade.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Closure In Moscow – Pink Lemonade</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Do you know you’re a lovely old soul?“</span> (Seeds of Gold)
<p>Mit „Pink Lemonade“ – <em>dieser Name!</em> – schließlich legen die Australier <span class="musik-review-bandname">Closure In Moscow</span> – <em>dieser Name!</em> – eines der abwechslungsreichsten Musikalben der ersten Jahreshälfte vor.</p>
<p>Geprägt ist das Album von einer Zerrissenheit, die auch RIO/Avant-Bands wie <span class="musik-review-bandname">Sebkha-Chott</span> auszeichnet, obwohl <span class="musik-review-bandname">Closure In Moscow</span> weniger albern agieren und auch einen deutlich geringeren Metalanteil haben. Mehr noch als <span class="musik-review-bandname">Sebkha-Chott</span> kommen dem geneigten Rezensenten allerdings die guten alten <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span> in den Sinn, die ihrerzeit musikalische Späße wie <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ME9d2H4WWU0" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Egg“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=sOEThbaFZ50" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Girls of Porn“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> aufnahmen.</p>
<p>Zwar haben <span class="musik-review-bandname">Closure in Moscow</span> keinen <span class="musik-review-bandname">Mike Patton</span> als Sänger, dennoch schaffen sie es, mit insgesamt sechs Gastsängern (deren Beitrag dann auch schon mal als „Vocals and general adorableness“ beschrieben wird) ziemlich nennenswerte Leistungen zu vollbringen. Dass sich die Vertracktheit von „Pink Lemonade“ hinter Wohlklang verbirgt, steht außer Frage, und dass Titel wie „Mauerbauertraurigkeit“ <em>(sic!)</em> genau so klingen, wie sie heißen, ist höchst willkommen; dann steht eben schon mal das Indie-Rock-Pop-Lied „Seeds of Gold“ neben der Psychedelic-Suite „That Brahmatron Song“. Na und?</p>
<p>„That Brahmatron Song“ (was genau ein Brahmatron sein soll, konnte ich bislang nicht in Erfahrung bringen) ist ohnehin ein gutes Beispiel, wie’s auch gehen kann: Nach einem weitgehend unauffälligen <em>intro</em> folgt zunächst ein Alternative-Rock-Teil, in dem der „Brahmatron Song“ als <em>nicht göttlich</em>, eher satanisch beschrieben wird. Brahma, der hinduistische Schöpfungsgott, ist wahrscheinlich also nicht beteiligt. Das Stück geht zum Ende hin in ein ziemlich psychedelisches, überdrehtes Finale über.</p>
<p>Ach, überdreht? Schalten wir mal zwei Stücke zurück: „Neoprene Byzantine“ klingt wie von einer <a href="http://www.killyourstereo.com/reviews/1669/closure-in-moscow-pink-lemonade/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">noch breiteren Version von <span class="musik-review-bandname">The Mars Volta</span><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, und auch das Titelstück schlägt in diese Kerbe. Unterschiede? Es gibt mehr Sänger beiderlei Geschlechts, mehr Psychedelisches, mehr Effekte, mehr Spaß. Mir waren <span class="musik-review-bandname">The Mars Volta</span> immer etwas zu hektisch, <span class="musik-review-bandname">Closure In Moscow</span> dosieren ihre Mittel hingegen genau richtig. Massenware ist „Pink Lemonade“ nicht, <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=14264" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">eher im Gegenteil:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Wer sich etwas Ungewöhnliches, teilweise abgefahren Proggiges antun möchte, der sollte mal <span class="musik-review-bandname">Closure in Moscow</span> antesten.</p></blockquote>
<p>Einfach mal was ausprobieren. Schließung in Moskau, Tanz auf den Tischen.</p>
<p>„ピンクレモネード“, so heißt das letzte Lied, ist übrigens Japanisch und bedeutet so viel wie – ihr ahnt es – <em>rosa Limonade</em>. Prost!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Zu „Seeds of Gold“ gibt es ein <a href="https://www.youtube.com/watch?v=4ZseL6VyddQ" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Video auf YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, zum Anfixen mag’s genügen.</p></li>
</ol>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">In Kürze</span></p>
<p>War das schon alles? Aber nein! Diese drei Alben möchte ich zumindest noch kurz erwähnen, bevor es zum nächsten Thema geht:</p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-titel">Subway to Sally – Mitgift</span>
<p>Die ostdeutsche Mittelalter-Metal-Combo <span class="musik-review-bandname">Subway to Sally</span>, die ab Mitte der 1990-er Jahre ein paar (im Wortsinne) fabelhafte Musikalben aufgenommen hat, bevor sie es vorübergehend mit mehr Elektronik und weniger Authentizität versucht hatte, hat mit dem Konzeptalbum „Mitgift“ – Untertitel: „Mördergeschichten“ – zu alter Form und Stärke zurückgefunden. <span class="musik-review-lyrics-inline">„Was uns einst von Gott gegeben, wird uns auch der Tod nicht nehmen“</span> („Schwarze Seide“). Bittersüß und wunderbar.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">iamthemorning – Miscellany</span>
<p>Das russische Duo <span class="musik-review-bandname">iamthemorning</span> – jedenfalls behauptet <em>das Internet</em>, sie seien im Kern zu zweit – ist für regelmäßige Leser meiner Rezensionen ein <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/02/iamthemorning/" data-wpel-link="internal">bekanntes</a>, sein Album „~“ fand ich 2013 ja wortreich gut. Nun also statt eines kryptischen Titels ein ebenfalls nicht zielführender. „Miscellany“, „Vermischtes“. Pünktlich am 1. Januar 2014 erschien diese EP von etwas über 23 Minuten Spieldauer in Vorbereitung auf das zweite Vollzeitalbum, das ich dann mal in meinem schier grenzenlosen Optimismus noch in diesem Jahr erwarte. Zu hören gibt es überwiegend schönen <em>unplugged</em>-Kammerrock mit vielerlei Streichern und umwerfendem Gesang (Vorder- und Hintergrund) von <span class="musik-review-bandname">Marjana Semkina</span>. Es gibt auch <a href="https://iamthemorningband.bandcamp.com/album/miscellany" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">einen Stream<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Augen zu und hinein!</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">We Insist! – We Insist!</span>
<p>Ein Album, das wie die Band heißt. Ausdruck mangelnder Kreativität? <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Manchmal schon</a>, aber auf <span class="musik-review-bandname">We Insist!</span> trifft das nicht zu. Saxophonist <span class="musik-review-bandname">François Wong</span> und zweiter Gitarrist <span class="musik-review-bandname">Julien Divisia</span> sind weg, zurück bleibt ein Trio mit zwei Gastsängern und einem Gastakkordeonisten. Rudimentär musizieren die Herren dennoch nicht, schon das eröffnende „While the West is Falling“ überfällt den Hörer mit <em>fetzigem</em> Mathrock und einer angenehmen Dosis RIO/Avant, „First Draft“ überzeugt mit nach vorn preschenden Strophen und einem zerrissenen Rhythmus, der jedes stupide Mitklatschen quasi verbietet. „Grinding Down The Pole“ klingt sogar mit einem Banjo dreckig. Mathrock, wie er sein muss. Ich mag die Richtung, in die sich die Band entwickelt. <a href="https://soundcloud.com/vicious_circle/sets/we-insist" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Reinhören!<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
</ol>
<p><span class="musik-review-header-nr">3.</span> <span class="musik-review-header-text">Ins Downloadverzeichnis</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Tacita-Intesa-Tacita-Intesa.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2014/07/Vorschau_Tacita-Intesa-Tacita-Intesa.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Tacita Intesa – Tacita Intesa</span>
<p>Auch Italien weiß in diesem Jahr zu überzeugen: <span class="musik-review-bandname">Tacita Intesa</span> („Stillschweigendes Einverständnis“) aus der Toskana legen zwei Jahre nach ihrer Gründung mit ihrem Debütalbum ein kurzweiliges Psychedelic-Rock-Werk vor, das den Spuren von <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> und <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> bleibt, gleichwohl mehr bietet als eine bloße Kopie.</p>
<p>Der „Valzer della Morte“ ist tatsächlich ein solcher, im kurzen „Portmanteau“ klingt (sanft) Hardrock an, „Corona“ ist ein <span class="musik-review-bandname">floydeskes</span> Stück, dem <span class="musik-review-bandname">Daniele Stocchi</span> (Keyboards und Synthesizer) ebenso markant seinen Stempel aufdrückt wie auch dem Rest des Albums. Der (<em>natürlich</em> italienische) Gesang von Gitarrist und Sänger Alessandro Granelli rundet „Tacita Intesa“ ab.</p>
<p>„Tacita Intesa“ ist ein sehr <em>italienisches</em> Album, und ich meine das positiv: Zwar orientiert es sich wie viele italienische Musikalben der letzten Jahre mitunter stark am <em>klassischen</em> Progressive Rock, aber die fünf Musiker tragen über das bloße Nachahmen hinaus eine Spielfreude mit sich, die beinahe ansteckend ist. Ich bin gespannt, was da noch kommt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Runterholen:</span><br>
„Tacita Intesa“ gibt es auf <a href="https://tacitaintesa.bandcamp.com/releases" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> als Stream und zum Herunterladen und Kaufen, aber auch <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2511" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">via eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> werdet ihr fündig.</p></li>
</ul>
<p><span class="musik-review-header-nr">4.</span> <span class="musik-review-header-text">Ins Kröpfchen</span></p>
<p>Es ist nicht alles rund, was sich dreht, und wenn <em>die Medien</em> etwas gut finden, dann haben sie nur allzu oft Unrecht. Platten anhand ihrer Bewertungen auf Amazon.de zu kaufen. Ein neues Jahr, ein neues „hättet ihr mal lieber nicht“. Natürlich möge ein jeder Musiker das tun, was ihm Spaß macht, und wie auch der Rest dieser Liste ist meine Aversion gegen manches eine sehr persönliche Auffassung von dem, was gute und weniger gute Musik ausmacht.</p>
<p>Ich mache jedenfalls bei folgenden diesjährigen Musikalben und EPs aus:</p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-titel">Caravan – Paradise Filter</span><br>
Die wohl langlebigste Gruppe aus dem Canterbury-Umfeld ist immer noch da. Allmählich frage ich mich nur, wofür das gut ist.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Empire Years – Come Alive</span><br>
<a href="http://www.schallgrenzen.de/postpunk-aus-dem-pott-rettet-meinen-tag-empire-years-come-alive/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Kostet (auf Wunsch) nichts<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und wäre wirklich eine ziemlich primae Postpunkscheibe, wenn man nicht ständig diesen schrecklichen <span class="musik-review-bandname">Unheilig</span>-Gedächtnisgesang im Ohr hätte.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Pharrell Williams – G.I.R.L.</span><br>
Warum One-Hit-Wunder – „Happy“ macht mich gar nicht mehr fröhlich – immer ganze Alben aufnehmen müssen, ist mir unklar. Man weiß doch, wie es endet.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">The Melodic – Effra Parade</span><br>
Hier ist beinahe alles drauf, was auf Alben von <span class="musik-review-bandname">Belle and Sebastian</span> zu hören ist, leider jedoch nichts von dem, was auf Alben von <span class="musik-review-bandname">Belle and Sebastian</span> hörenswert ist.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Kaukasus – I</span><br>
Dies wäre großartiger Retro-Folk-Prog von Mitgliedern von <span class="musik-review-bandname">Änglagård</span>, <span class="musik-review-bandname">Motorpsycho</span> und <span class="musik-review-bandname">Opium</span>, wenn der Gitarrist nicht auch versuchen würde zu singen. Sehr schade.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Yes – Heaven &amp; Earth</span><br>
Nach dem <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">eigentlich recht guten</a> „Fly from Here“ von 2011 legen die guten alten <span class="musik-review-bandname">Yes</span> mit schon wieder neuem Sänger jetzt eine unglaubliche Scheiße vor. <span class="musik-review-bandname">Chris Squire</span> sagte im „eclipsed“-Interview, ihr Ziel seien die weltweiten Hitparaden. Nun denn.</li>
</ul>
<p>Aber genug von heute. Wie war’s gestern?</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">5.</span> <span class="musik-review-header-text">Aus der Geschichte</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 40 Jahren:</span><br>
1974 – <span class="musik-review-bandname">Erich Kästner</span> starb, die <span class="musik-review-bandname">Jackson Five</span> erklommen gerade die US-amerikanische und <span class="musik-review-bandname">Suzi Quatro</span> die deutsche Hitparade – war ein Jahr der letzten Male für den Progressive Rock. In Deutschland bewegten sich <span class="musik-review-bandname">Grobschnitt</span> mit ihrem zweiten Album <span class="musik-review-album-titel">Ballermann</span>, insbesondere mit dem enthaltenen Liveklassiker „Solar Music“, auf den Höhepunkt ihrer Karriere zu, <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> veröffentlichten mit <span class="musik-review-album-titel">Red</span> und <span class="musik-review-album-titel">Starless and Bible Black</span> zwei ihrer besten Studioalben, bevor sie sich – nicht zum letzten Mal – vorerst trennten. Auch bei den Canterbury-Urgesteinen <span class="musik-review-bandname">Caravan</span>, die ihren Bassisten <span class="musik-review-bandname">John Perry</span> durch <span class="musik-review-bandname">Mike Wedgwood</span> ersetzten, und den RIO/Avant-Pionieren <span class="musik-review-bandname">Henry Cow</span> gab es Änderungen: Mit <span class="musik-review-album-titel">Unrest</span> erschien das letzte reguläre <span class="musik-review-bandname">Henry-Cow</span>-Album mit <span class="musik-review-bandname">John Greaves</span>; nach dem anschließenden Zusammenschluss mit <span class="musik-review-bandname">Slapp Happy</span> verließ der Bassist die Band, die sich 1978 schließlich auflöste. <span class="musik-review-bandname">Yes</span>, deren Keyboarder <span class="musik-review-bandname">Rick Wakeman</span> es einmal solo versuchen wollte, konnten den Personalwechsel besser verkraften, liehen sich <span class="musik-review-bandname">Patrick Moraz</span> von <span class="musik-review-bandname">Refugee</span> aus und nahmen das für ihre Verhältnisse recht raue, <em>spacige</em> Album <span class="musik-review-album-titel">Relayer</span> mit dem ausufernden „The Gates of Delirium“, das lose auf <span class="musik-review-bandname">Tolstois</span> „Krieg und Frieden“ basiert, auf, das in meiner persönlichen <span class="musik-review-bandname">Yes</span>-Bestenliste weit vor dem Konsensalbum <span class="musik-review-album-titel">Close To The Edge</span> steht und einige großartige Textzeilen (<span class="musik-review-lyrics-inline">„Cha cha cha / cha cha“</span>, „Sound Chaser“) für die Ewigkeit konservierte. <span class="musik-review-bandname">Rick Wakeman</span> kehrte für das Folgealbum <span class="musik-review-album-titel">Going For The One</span> wieder zurück, <span class="musik-review-album-titel">Relayer</span> bleibt jedoch unvergänglich. Das ist sehr nett von <span class="musik-review-bandname">Yes</span>.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 30 Jahren:</span><br>
1984 war keine Anleitung! Wofür auch? Dafür passierte viel zu viel: <span class="musik-review-bandname">Richard von Weizsäcker</span> wurde Bundespräsident, der Apple Macintosh wurde eingeführt, <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> veröffentlichten mit <span class="musik-review-album-titel">Debil</span> – zuvor gab es bereits eine EP sowie das Minialbum <span class="musik-review-album-titel">Uns geht’s prima…</span> – ihr erstes, <span class="musik-review-bandname">Die Toten Hosen</span> mit <span class="musik-review-album-titel">Unter falscher Flagge</span> ihr zweites Album. RIO hatte sich auch in dieses Jahr herübergerettet: <span class="musik-review-bandname">Chris Cutler</span> von <span class="musik-review-bandname">Henry Cow</span> machte mit <span class="musik-review-bandname">Cassiber</span> weiter und nahm mit diesen das improvisierte, sympathisch schräge Album <span class="musik-review-album-titel">Beauty and the Beast</span> auf. <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> zerstreuten sich derweil nach <span class="musik-review-album-titel">Three of a Perfect Pair</span> wieder einmal in alle Winde. Die <span class="musik-review-bandname">Red Hot Chili Peppers</span> veröffentlichten ihr Debütalbum und <span class="musik-review-bandname">Herbert Grönemeyer</span> das Mitgrölalbum <span class="musik-review-album-titel">4630 Bochum</span> („Alkohol“, „Flugzeuge im Bauch“). <span class="musik-review-bandname">Magma</span> brachten mit <span class="musik-review-album-titel">Merci</span> ein verzichtbares Album zu Gehör, <span class="musik-review-bandname">Marillion</span> indes machten es besser: Dem Debütalbum <span class="musik-review-album-titel">Script for a jester’s tear</span> ließen die fünf Briten, nachdem sie den etwas holprig spielenden Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Mick Pointer</span> ausgetauscht hatten, das kriegskritische <span class="musik-review-album-titel">Fugazi</span> folgen, das zum Meilenstein des „Neo-Progs“ wurde. Bis zu <a href="https://www.youtube.com/watch?v=fK-viWbJd-E" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Kayleigh“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> war es dann aber leider nicht mehr weit.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 20 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-lyrics-inline">„Man muss sich ganz schön einschränken, wenn Krieg ist“</span> stellten <span class="musik-review-bandname">Die Goldenen Zitronen</span> auf dem 1994 erschienenen <span class="musik-review-album-titel">Das bißchen Totschlag</span> lapidar fest. An Krieg mangelte es ja auch in diesem Jahr nicht, insbesondere in <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkermord_in_Ruanda" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Ruanda<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> wurde hart gekämpft. Dazu passte das Album <span class="musik-review-album-titel">The Downward Spiral</span> der <span class="musik-review-bandname">Nine Inch Nails</span>, das vom „Rolling Stone“ zutreffend als <em>musikalische Existenzangst</em> beschrieben wurde, im Grunde ebenso gut wie <span class="musik-review-album-titel">Definitely Maybe</span>, das Debütalbum von <span class="musik-review-bandname">Oasis</span>, von denen ich immer Kopfweh <em>krieg</em>. Heute heißt’s immerhin „Nie wieder <span class="musik-review-bandname">Oasis</span>“, 1994 hingegen forderte die <span class="musik-review-bandname">Erste Allgemeine Verunsicherung</span>: <span class="musik-review-album-titel">Nie wieder Kunst</span>. Dessen ungeachtet nahmen die verrückten Japaner <span class="musik-review-bandname">Kōenji Hyakkei</span> mit ihrem Debütalbum <span class="musik-review-album-titel">Hundred Sights of Kōenji</span> Kunst zwar nicht auf’s Korn, aber auf. Irgendwann im März des Jahres lösten sich <span class="musik-review-bandname">Nirvana</span> auf, ihr Frontmann <span class="musik-review-bandname">Kurt Cobain</span> hatte aber nicht mehr viel davon. <span class="musik-review-lyrics-inline">„Me and my fucking gun“</span> (<span class="musik-review-bandname">Nine Inch Nails</span>, „Big Man With A Gun“) – so fügt sich alles zusammen.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 10 Jahren:</span><br>
Ähnlich, wie 1974 ein Jahr der letzten Male war, war 2004 ein Jahr der Anfänge. <span class="musik-review-bandname">Mark Zuckerberg</span>, <span class="musik-review-bandname">Dustin Moskovitz</span>, <span class="musik-review-bandname">Chris Hughes</span> und <span class="musik-review-bandname">Eduardo Saverin</span> gründeten Facebook, ein paar Vereinsmeier gründeten Wikimedia Deutschland, selbstbetitelte Debütalben gab es unter Anderem von <span class="musik-review-bandname">BIO</span>, dem Kammer-Jazzrock-Quartett <span class="musik-review-bandname">Far Corner</span>, <span class="musik-review-bandname">Steven Wilsons</span> ungezähltem Nebenprojekt <span class="musik-review-bandname">Blackfield</span> (mit <span class="musik-review-bandname">Aviv Geffen</span>) und der Schweizer Stoner-Rock-Band <span class="musik-review-bandname">Monkey3</span>. 2004 belebte im Übrigen <span class="musik-review-bandname">Graham Sutton</span> die Band <span class="musik-review-bandname">Bark Psychosis</span>, die nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums <span class="musik-review-album-titel">HEX</span> zehn Jahre zuvor auseinandergebrochen war, wieder. Für das Album <span class="musik-review-album-titel">///CODENAME:dustsucker</span> holte er neben dem Urmitglied <span class="musik-review-bandname">Mark Simnett</span> (Schlagzeug) auch viele Gastmusiker ins Studio, mit denen <span class="musik-review-bandname">Bark Psychosis</span> zum Teil bereits früher zusammengearbeitet hatten, darunter <span class="musik-review-bandname">Lee Harris</span> (<span class="musik-review-bandname">Talk Talk</span>, <span class="musik-review-bandname">.O.rang</span>). Das Ergebnis hat es unter Anderem in die Liste der „250 besten unbekannten Platten“ im „Musikexpress“ (aktuelle Ausgabe) geschafft, kann sich aber auch sonst <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=4728&amp;content=review&amp;top=reviews" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">hören lassen:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> „Eine wunderbare Scheibe“ für Freunde von <span class="musik-review-bandname">Mark Hollis‘</span> Musik liege hier vor, Postrock von seiner zerbrechlichen Seite. Seit 2005 haben <span class="musik-review-bandname">Bark Psychosis</span> allerdings nur wenig Aktivität gezeigt. Ich hoffe, sie kommen zurück.</li>
</ul>
<p>Dass sich seit Ende Juni noch einige weitere Musikalben angesammelt haben, die ich hier nicht berücksichtigt habe, spricht dafür, dass es im Dezember mit einer weiteren Rückschau weitergehen wird. Kritik, Anmerkungen und Ergänzungen sind willkommen.</p>
<p>Bis dann!</p>
<p><em>(Für S.)</em></p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li>Anonym schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2014/07/musik-062014-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">20. Juli 2014</a> dies: Gefällt mir.</li><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Musik 12/2014 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2014/07/musik-062014-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">27. Februar 2015</a> dies: […] manchmal: Russen. iamthemorning sind für regelmäßige Leser inzwischen alte Bekannte, erst im Juli 2014 war „Miscellany” als Kurzzeitalbum eine Empfehlung wert. Ich kündigte zu diesem Anlass […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2014/07/musik-062014-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/142987aab4ba4d62bdb4fac4dae30e7a" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<title>Musik 12/2013 – Favoriten und Analyse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Dec 2013 22:47:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Aber hallo, werte Leser und Musikfreunde, da ist doch tatsächlich schon wieder Ende Dezember; Zeit also, wie zuletzt im Juni die musikalischen Perlen aus dem großen Haufen an diesjährigen Veröffentlichungen herauszupicken. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten in die Vergessenheit. Keiner soll sagen, ich hätte mir die Entscheidung über die Aufnahme oder Nichtaufnahme in diese ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2013 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Aber hallo, werte Leser und Musikfreunde, da ist doch tatsächlich schon wieder Ende Dezember; Zeit also, <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">wie zuletzt im Juni</a> die <span class="musik-intro-hervorhebung">musikalischen Perlen</span> aus dem großen Haufen an diesjährigen Veröffentlichungen herauszupicken. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten in die Vergessenheit.</p>
<p><span id="more-8941"></span>Keiner soll sagen, ich hätte mir die Entscheidung über die Aufnahme oder Nichtaufnahme in diese Rückschau leicht gemacht; tatsächlich haben es einige Musikalben nach Abwägung der Argumente wider Erwarten nicht geschafft. Die <span class="musik-review-bandname">Wooden Shjips</span> etwa haben mit <span class="musik-review-album-titel">Back To Land</span> <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">mal wieder</a> ein hervorragendes <span class="musik-review-bandname">Velvet-Underground</span>-Gedächtnisalbum veröffentlicht. Zwar gibt es stilistisch nichts Neues zu vermelden, weshalb eine separate Rezension hier bloße Wiederholung bliebe; man mag’s trotzdem mögen. Schlechter wird es nicht. Das gilt im Übrigen auch für <span class="musik-review-bandname">Zola Jesus</span>‘ Album <span class="musik-review-album-titel">Versions</span>, auf dem sie eigentlich nur streicherbewehrte (allerdings sehr gute) Varianten früherer Lieder aus ihrem Œuvre darbietet.</p>
<p>Unschlüssig war ich mir bei <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span>s <span class="musik-review-album-titel">Les Revenants Soundtrack</span>, das als „nicht reguläres Studioalbum“ eigentlich nicht in diese Liste gehört. Ich habe mich dazu entschlossen, das wie üblich solide, aber ungewohnt melancholische und herbsttaugliche Album (mit Gesang!) trotzdem mal unverbindlich zu empfehlen und dann nicht weiter darauf einzugehen. Um so mehr Platz bleibt für die anderen hervorragenden Alben im zweiten Teil meiner Jahresrückschau.</p>
<p>Nämlich diese:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">1.</span> <span class="musik-review-header-text">Käufliche Begeisterung.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/ampledeed-a-is-for-ampledeed.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_ampledeed-a-is-for-ampledeed.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Ampledeed – A is for Ampledeed</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I hear a sound / from Underground“</span> (Wanders and Wonders)
<p>„A steht für Apfel“, so lernen’s die Kinder angeblich in den USA, und viel weiter kommen sie dann nicht mehr, weil sie lieber Leute erschießen gehen als in der Schule herumzusitzen. Dass die Amerikaner von <span class="musik-review-bandname">Ampledeed</span> bei der Suche nach einem Bandnamen auch irgendwas mit „A“ genommen haben, überrascht insofern nicht. Weiß der Geier, was ein „Ampledeed“ sein soll. Die Besetzung auf „A is for Ampledeed“ ist aber beachtenswert: Zweimal Keyboards (hiervon bekannt: <span class="musik-review-bandname">Aaron Goldich</span>, vorher Mitglied der Retroprogband <span class="musik-review-bandname">The Source</span>), dreimal Bass, zweimal Schlagzeug, Saxophon, Gitarre, Ukulele, mehrfach Gesang (personelle Überschneidungen sind teilweise gegeben).</p>
<p>Musikalisch haben sie sich jedenfalls bei <em>den Briten</em> bedient, unter anderem (wie so viele vor ihnen) bei <span class="musik-review-bandname">Yes</span> und <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span>. Los geht es aber erst einmal mit käsigen Keyboards und unsicher wirkendem Instrumentalgefrickel: „We Breathe Time“ ist ein vertracktes Progressive-Jazzrock-Stück, das den Hörer gleich von Anfang an zu überfordern versucht. Vier Genres in acht Minuten, das macht etwa zwei Minuten pro Genre. Andere brauchen dafür drei ganze Alben. Gesangspassagen beginnen ab etwa sechs Minuten Laufzeit. Relevante Vergleiche für besagten Gesang: <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> und die <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span>. Ein bisschen artverwandt (aber weniger jazzig): <span class="musik-review-bandname">The Season Standard</span> (könnt‘ ich auch mal wieder hören).</p>
<p>„Super Collider Bromwich“ setzt mit canterburyesquem Gesang (schon wieder: <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span>) und <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=glossar&amp;glossar=b&amp;left=glossarnav&amp;glossarnav=b&amp;top=faq#114" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">bratzender<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Gitarre ein, steigert sich dann aber zu einem prächtig verzwirbelten Jazzrock, in dem endlich auch mal die Keyboards ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden. So ähnlich geht das Album dann auch weiter; mäandernd zwischen Jazz, Retro-Prog und Avantgarde darf jeder Musiker seine Stärken demonstrieren. (Einige Stücke, etwa „Drum Fuckin‘&nbsp;“, sind auch in Gänze einem Soloinstrument gewidmet. Ratet mal, welchem!) Nils Macher von POWERMETAL.de <a href="http://powermetal.de/review/review-Ampledeed/A_Is_For_Ampledeed,23323,23217.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ist überfordert<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, was ja auch ein Qualitätsmerkmal sein kann:</p>
<blockquote><p>Allenfalls als kauzig ließe sich der Mischmasch wohl noch klassifizieren, denn wie Gesang, Akkorde und Melodien bei Tracks wie ‚Brown Hole Blues‘ gegeneinander laufen, das ist sicherlich nicht jedermanns Sache.</p></blockquote>
<p>Meine schon.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören!</span> Dafür bietet sich etwa <a href="http://www.ampledeed.com/ampledeed_004.htm" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">die Website der Band<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> an.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/disperse-living-mirrors.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_disperse-living-mirrors.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Disperse – Living Mirrors</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Those days, this dream wants to sleep away“</span> (Profane the Ground)
<p>Was <span class="musik-review-bandname">Dream Theater</span> (siehe Schrottecke weiter unten) dieses Jahr falsch gemacht haben, haben <span class="musik-review-bandname">Disperse</span> um so richtiger gemacht. (Hyperlative – uff. Nicht, dass mich jetzt SPIEGEL ONLINE anwirbt.) Ich mag ja <em>eigentlich</em> keinen Metal, <em>aber…</em></p>
<p><span class="musik-review-bandname">Disperse</span> („auseinandergehen“), 2007 gegründet, kommen aus Polen, und wer andere rezente polnische Bands wie <span class="musik-review-bandname">SBB</span> kennt, der weiß, dass das jedenfalls im Musikgeschäft oft mit hoher Qualität einhergeht. So auch hier. Gleich von Anfang an („Dancing with Endless Love“) prasselt die Gitarre auf den Hörer ein, dass es eine wahre Freude ist. Mühelos bewegen sich <span class="musik-review-bandname">Disperse</span> auf dem schmalen Grat zwischen (recht elektronischem) Progressive Metal und Postrock, zwischen <span class="musik-review-bandname">Oceansize</span> und <span class="musik-review-bandname">Fates Warning</span> quasi, ohne künstlich bombastisch zu wirken; auch <span class="musik-review-bandname">echolyn</span> sind immer mal wieder präsent. Die langen Instrumentalpassagen sind rhythmisch-vertrackt und so eingängig zugleich, dass die Beine des freudigen Rezensenten sich weigern, den Takt zu verpassen. Großartig!</p>
<p>Hält mich also noch etwas von der Vergabe der Höchstnote für dieses Jahr ab? Aber sicher: Der Gesang von Keyboarder <span class="musik-review-bandname">Rafal Biernacki</span> etwa ist, wohl genretypisch, wenig imposant und eher Beiwerk, stört aber auch nicht, was ja auch eine Art von Leistung ist. Andererseits geht’s beim Progressive Metal ja auch eher um die Instrumente, und die sind ziemlich gut.</p>
<p>Thomas Kohlruß <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=13394" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">konstatierte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <span class="musik-review-bandname">Disperse</span> legten hier…</p>
<blockquote><p>(…) ein Album voller kraftvollem, vertracktem, heftigem Mathrock, gepaart mit hinreißenden Melodien und gelegentlich filigran-lyrischen Momenten vor. Der Hörer wird guten Ideen, gelungenen unorthodoxen Wendung <em>(sic! A.d.V.)</em> und allerlei eingestreuten Gimmicks verwöhnt.</p></blockquote>
<p>Spannend bleibt es bis zur letzten Minute; Stück Nummer 13 („AUM“, was immer das bedeuten mag) bietet ein letztes Mal ein großartiges Wechselspiel zwischen flirrender Gitarre und prägnantem Bass, bevor ein Keyboardteppich in einen <span class="musik-review-bandname">Porcupine-Tree</span>-Teil überleitet. (Weniger einschläfernd als <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span>, der ansonsten hervorragende Arbeit leistet, singt <span class="musik-review-bandname">Rafal Biernacki</span> übrigens allemal.) Deren New Artrock, auf <span class="musik-review-bandname">Disperse</span>s Debütalbum „Journey Through The Hidden Gardens“ noch eine von vielen Zutaten, ist auf „Living Mirrors“ allerdings nur noch wenig mehr als ein entfernter Einfluss. <span class="musik-review-bandname">Disperse</span> haben sich mit „Living Mirrors“ freigeschwimmen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Das komplette Album steht auf <a href="http://disperseband.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zwecks Streamings zur Verfügung.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/days-between-stations-in-extremis.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_days-between-stations-in-extremis.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Days Between Stations – In Extremis</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„There’s no replacing what’s been left behind / There’s no returning to that place and time“</span> (Visionary)
<p>Das kalifornische Duo <span class="musik-review-bandname">Days Between Stations</span>, einst instrumental unterwegs, hat sich für sein Zweitlingswerk „In Extremis“ prominente Unterstützung an Bord geholt, die auch mal singen darf. Die bekanntesten Helfer sind <span class="musik-review-bandname">Tony Levin</span> (von 1982 bis Mitte der 1990er Jahre bei <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>), <span class="musik-review-bandname">Billy Sherwood</span>, <span class="musik-review-bandname">Peter Banks</span> und <span class="musik-review-bandname">Rick Wakeman</span> (allesamt zeitweise bei <span class="musik-review-bandname">Yes</span>). Dass „In Extremis“ in den Phasen, in denen <span class="musik-review-bandname">Billy Sherwood</span> singt, auch genau so klingt wie ein Album mit seiner Beteiligung („Visionary“ etwa könnte auch von <span class="musik-review-bandname">Circa:</span> aufgenommen worden sein), bedeutet ausnahms- wie erstaunlicherweise nicht, dass er dem kompletten Album <em>seinen Stempel aufdrückt</em>. Es spricht aber für sich, dass das Stück, in dem der Gesang irgendwie herausragend (<span class="musik-review-bandname">petergabriel</span>esque) aus dem Kopfhörer schallt, nämlich „The Man Who Died Two Times“, ausnahmsweise von <span class="musik-review-bandname">Colin Moulding</span> (vorrangig bekannt als Teil von <span class="musik-review-bandname">XTC</span>) intoniert wird.</p>
<p>Von seinem Gesang abgesehen leistet <span class="musik-review-bandname">Billy Sherwood</span> hier allerdings zumindest am Schlagzeug gute Arbeit. Ist es nicht auffällig, dass grundsätzlich gute Schlagzeuger zumindest im weiteren Umfeld des Progressive Rocks meistens schauderhafte Sänger sind? Nun gut, deswegen sind sie wahrscheinlich Schlagzeuger und keine <em>Frontmänner</em> geworden; in der vagen Hoffnung, dass das nicht so auffällt. (<span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span> hat es also, wie so vieles, völlig falsch gemacht.) Aber genug des Geplänkels, kommen wir zur Musik.</p>
<p>Um es auf Genrisch zu erklären: Trotz des seltsamen Anfangs, der mich eher an das <span class="musik-review-bandname">Trans-Siberian Orchestra</span> (oder irgendsoeinen Disco-Stampfer) erinnert, spielen <span class="musik-review-bandname">Days Between Stations</span> eher einen recht gitarrenlastigen New Artrock als den immergleichen Neoprog, von dem wohl die meisten Leute inzwischen genug haben dürften. Eher <span class="musik-review-bandname">Pendragon</span> als <span class="musik-review-bandname">Marillion</span>, eher <span class="musik-review-bandname">Porcupine Tree</span> als <span class="musik-review-bandname">Yes</span>. <span class="musik-review-bandname">Sepand Samzadeh</span>, der Gitarrist des Duos, bedient sich stilistisch an den <em>Großen</em>, laut <em>Internet</em> also mal an <span class="musik-review-bandname">David Gilmour</span>, mal an <span class="musik-review-bandname">Andrew Latimer</span>, und das ist ja auch nicht die schlechteste Referenz.</p>
<p>Und immer wieder Stilwechsel: Die „alten“ <span class="musik-review-bandname">Genesis</span>, <span class="musik-review-bandname">Camel</span>, <em>(natürlich)</em> <span class="musik-review-bandname">Circa:</span>, <span class="musik-review-bandname">Porcupine Tree</span> und <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> geben sich hier die Klinke in die Hand, mit dem zweiminütigen „Waltz In E Minor“ wird auch ein (deplatziert wirkendes) Streicherstück dazwischengeschoben. Vier der acht Stücke <em>knacken</em> die zehn Minuten, „In Extremis“ gar die zwanzig. Dieses Stück, unterteilt in sechs „Kapitel“, wie es so Brauch ist, ist sozusagen die Quintessenz des Albums: <span class="musik-review-bandname">King-Crimson</span>-, <span class="musik-review-bandname">Genesis</span>- und <span class="musik-review-bandname">Pink-Floyd</span>-Zitate treffen aufeinander, selbst <span class="musik-review-bandname">Marillion</span> werden (<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Misplaced_Childhood" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">passenderweise<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> an einer Stelle, an der die Worte <span class="musik-review-lyrics-inline">„childhood’s end“</span> fallen) hier kurz ins Gedächtnis gerufen. Garniert wird diese Mischung mit Neoprog-Keyboardklängen. Ah, der Neoprog! So ganz weggehen will er dann doch nicht. Macht ja nichts.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Days Between Stations</span> gelingt im Übrigen das seltene Kunststück, zum Ende hin besser zu werden. Die fast 70 Minuten Laufzeit des Albums sind nur in der Mitte, in diesen <em><span class="musik-review-bandname">Sherwood</span>-Momenten</em>, ein bisschen quälend. Andererseits: Es hätte wahrscheinlich noch schlimmer kommen können.</p>
<p>Bei der Suche nach <span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span> hilft <a href="http://www.amazon.de/In-Extremis-Days-Between-Stations/dp/B00CJAA2MA/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> mit den üblichen kurzen Ausschnitten weiter.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/savages-silence-yourself.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_savages-silence-yourself.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Savages – Silence Yourself</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„The world’s a dead sorry hole“</span> (Shut Up)
<p>Sprachfetzen und Horrormusik (nein, kein Pop) leiten „Silence Yourself“ ein, bis unvermittelt der Bass einsetzt. Oder heißt es die Bässin? <span class="musik-review-bandname">Savages</span> sind eine vierköpfige Londoner <em>Post-Punk</em>-Band, die den Vorbildern aus den späten 1970er und frühen 1980er Jahren ziemlich gut nacheifert. Frauenquote: 100 Prozent. Na, das mag ja was werden. „Silence Yourself“, „verstumme dich selbst“ – wie zum Trotz tun die vier Frauen hier das Gegenteil.</p>
<p>Die Texte jedenfalls sind vielversprechend: <span class="musik-review-lyrics-inline">Don’t worry about breaking my heart; oh Darling, are you free when you doubt?</span></p>
<p>Wie damals in den 1980ern.</p>
<p>Selbst die spießige „taz“ <a href="http://www.taz.de/!116393/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">findet’s gut<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>:</p>
<blockquote><p>Ihr Sound streift die üblichen Postpunk-Referenzquellen von <span class="musik-review-bandname">Gang of Four</span> bis <span class="musik-review-bandname">Joy Division</span> nur. Er verzichtet auf epigonale Posen und larmoyantes Selbstbedauern.</p>
<p>Vielmehr aktualisieren <span class="musik-review-bandname">Savages</span> die <em>angry young women</em> jener Ära. Sie erinnern an <span class="musik-review-bandname">X‑Ray Spex</span>’ „Oh Bondage Up Yours!“, <span class="musik-review-bandname">Poly Styrene</span>s wütende Anklage der männerdominierten Gesellschaft. Oder an den düster-metallenen Gothicpunk von <span class="musik-review-bandname">Siouxsie &amp; The Banshees</span>.</p></blockquote>
<p>„Strife“ mit seiner Lo-Fi-Garagengitarre und dem klagenden Gesang von Frontfrau <span class="musik-review-bandname">Jehnny Beth</span> fasst das Album eigentlich gut zusammen, aber warum sollte man sich auf ein einziges Lied beschränken? Zumal es auch die anderen Stücke in sich haben. Wie „Husbands“ gemeint ist (<span class="musik-review-lyrics-inline">He sung the final hour of my sleep / oh God I wanna get rid of it / (…) / my house, my bed, my husbands, husbands, husbands, (…)</span>), würde mich zum Beispiel schon interessieren. Aber Künstler verraten nicht, was sie meinen, wenn sie etwas sagen. Das wäre doch albern.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Entdeckt</span> „Silence Yourself“ also unerklärt:<br>
Auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=cL7uHhCo4qw" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> kann man den Musikerinnen beim Spielen zusehen, auf <a href="http://www.amazon.de/Silence-Yourself-Savages/dp/B00BXSASB4/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> kurz reinhören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/tomahawk-oddfellows.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_tomahawk-oddfellows.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Tomahawk – Oddfellows</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„And I’ll shoot you off the range / Sell your daddy’s grange“</span> (White Hats/Black Hats)
<p>Was macht eigentlich <span class="musik-review-bandname">Mike Patton</span> (umtriebiges Mitglied von <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span>, <span class="musik-review-bandname">Fantômas</span>, <span class="musik-review-bandname">Faith No More</span>, <span class="musik-review-bandname">Peeping Tom</span> und <span class="musik-review-bandname">The Moonchild Trio</span> sowie Gastsänger bei vielen, vielen anderen Musikgruppen und ‑projekten) gerade so? Nun, im Jahr 2000 hat er zusammen mit <span class="musik-review-bandname">Duane Denison</span> (unter anderem <span class="musik-review-bandname">The Jesus Lizard</span>) die Band <span class="musik-review-bandname">Tomahawk</span> gegründet, mit der er Alben wie „Mit Gas“ (2003 veröffentlicht) aufnahm. Mit „Oddfellows“ erschien 2013 das mittlerweile vierte Studioalbum von <span class="musik-review-bandname">Tomahawk</span>; ob es wie ältere Aufnahmen der Band irgendetwas mit Indianern zu tun hat, weiß ich nicht.</p>
<p>Die <a href="http://ipecac.com/artists/tomahawk" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Website der Plattenfirma<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Ipecac Recordings weist darauf hin, dass „Oddfellows“ trotz über fünfjähriger „Pause“ von <span class="musik-review-bandname">Tomahawk</span> keine Reunion bedeutet, „es sei denn, das bringt mehr Geld“ (Zitat von ebendort), denn so richtig aufgelöst hätten sich <span class="musik-review-bandname">Tomahawk</span> ja nie. Dass es mit „Stone Letter“ auf „Oddfellows“ sogar eine Single gibt (wie bei so ’ner Popband), ist allerdings ein bisschen komisch.</p>
<p>„Oddfellows“ ist andererseits auch wenig experimentell verglichen mit <span class="musik-review-bandname">Fantômas</span>, <a href="http://www.plattentests.de/rezi.php?show=10018" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Maik Maerten<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> nennt es gar „erstaunlich zahm“; und für <span class="musik-review-bandname">Mike Patton</span> mag das auch stimmen. Aber auch <span class="musik-review-bandname">Trevor Dunn</span>, der regelmäßigen Lesern meiner Rückschauen zuletzt zum Beispiel <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">auf ’nem <span class="musik-review-bandname">Melvins</span>-Album</a> begegnet sein dürfte, zeigt sich auf „Oddfellows“ ähnlich wandlungsfähig. <a href="http://powermetal.de/review/review-Tomahawk/Oddfellows,21828.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Mathias Freiesleben<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> geht ins Detail:</p>
<blockquote><p>Ich hoffe nur, ich vergesse das Album in der Jahresrückschau im Dezember 2013 nicht. Gefahr laufe ich da aber nicht, wenn ich an die schüchternen Perle ‚I.O.U.‘ oder den Neo-Jazz-Hauch ‚Rise Up Dirty Waters‘ denke. Das lauernde ‚A Thousand Eyes‘ ist auch ein Hit, ein leiser, hatte ich vergessen zu erwähnen. Mit  ‚Typhoon‘ durch die sterbende Kleinstadt brettern – eine Lust!</p></blockquote>
<p>Sonst so? <a href="http://consequenceofsound.net/2013/01/album-review-tomahawk-oddfellows/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right"><span class="musik-review-bandname">Nick Cave and the Bad Seeds</span><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="http://www.spin.com/reviews/tomahawk-oddfellows-ipecac/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right"><span class="musik-review-bandname">Tom Waits</span>, <span class="musik-review-bandname">Foo Fighters</span><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und natürlich alles von <span class="musik-review-bandname">Mike Patton</span>. Nehm‘ ich.</p>
<p>Nun fahre ich eher selten durch sterbende Kleinstädte – vergessen haben möchte aber auch ich „Oddfellows“ auf keinen Fall. Schön, dass das erledigt ist.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Reinhören könnt ihr auszugsweise <a href="http://www.amazon.de/Oddfellows-Tomahawk/dp/B00A7CP8XK/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, in voller Länge beim Streaminganbieter eurer Wahl, zum Beispiel <a href="http://grooveshark.com/#!/album/Oddfellows/8618902" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/bardo-pond-peace-on-venus.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_bardo-pond-peace-on-venus.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Bardo Pond – Peace on Venus</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I think it’s gonna be different this time.“</span> (Kali Yuga Blues)
<p>In „meiner“ Hochschule probt unter anderem gelegentlich eine Punkband, die unter anderem das doch recht bekannte Lied „Lemon Tree“ covert. Die engagierte Sängerin scheint jedoch Angst vor dem Mikrofon zu haben und ihre eigene Stimme nicht sonderlich gern zu mögen, allzu zaghaft lässt sie ihr Stimmchen zu den drückenden Gitarren ertönen. Zu rotzigem Brüllpunk passt das nicht, zu der Musik von <span class="musik-review-bandname">Bardo Pond</span> allerdings durchaus.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Bardo Pond</span>? Merkwürdiger Name! <em>Laut Internet</em> stammt „Bardo“ aus dem Tibetanischen Totenbuch, „Pond“ („Teich“) wurde ergänzt, weil es in dieser Verbindung <em>cool</em> klinge. Der „Bardo“ sei der Ort, an dem eine Seele nach dem Tod des Körpers landet. Dabei ist die Musik auf ihrem inzwischen neunten Album „Peace on Venus“ alles andere als tot. <span class="musik-review-bandname">Bardo Pond</span> stammen im Übrigen aus Philadelphia. Was das über Philadelphia aussagt, möge ein jeder Leser bitte selbst ergründen.</p>
<p>Das Cover zieren schwarzweiße nackte „Blumenkinder“. Wie klischeehaft. Wie treffend! Dargeboten wird verzerrter Garagenrock mit reichlich „Fuzz“, Flöte und angenehmen Amateurcharme. <span class="musik-review-bandname">Crazy Horse</span> (die Band, nicht der Indianerhäuptling) lassen grüßen. <span class="musik-review-bandname">Isobel Sollenberger</span>s angenehm unaufdringlicher Gesang, der dem eingangs erwähnter Punksängerin ähnelt, disharmoniert erfreulich angenehm mit dem psychedelischen Rhythmusfundament, dem „weißen Rauschen“ der Gitarren; und wohl wissend, dass die Scheißradiosender Musik wie diese sowieso nicht spielen, wird dann auch auf so etwas Langweiliges wie Längenbeschränkungen gepfiffen: „Peace on Venus“ sind fünf Stücke zwischen fast fünf und über zehn Minuten. In der Länge liegt die, äh, Musik.</p>
<p>Eine stilistische Einordnung ist trotzdem nicht so einfach wie es scheint: <a href="http://caughtinthecarousel.com/sustained-fuzz-stained-bardo-ponds-peace-venus/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Experimentell? Psychedelisch? Pop? Postrock?<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Ach, diese Musikjournalisten immer. Wer Musik mag, der redet nicht darüber, außer man ist ich und empfiehlt gern Gutes zum Hören.</p>
<p><a href="http://www.popmatters.com/review/176814-bardo-pond-peace-on-venus/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Rock’n’Roll sei nicht tot<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, befindet <em>das Internet</em> angehörs dieses Albums. Ich bin geneigt, dem zuzustimmen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Schaut einfach mal <a href="http://www.amazon.de/Peace-Venus-Bardo-Pond/dp/B00F5VQI64/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> vorbei.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/sons-of-kemet-burn.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_sons-of-kemet-burn.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Sons of Kemet – Burn</span>
<p>Ein Blick zurück nach Großbritannien, von wo aus die <span class="musik-review-bandname">Sons of Kemet</span> agieren. <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kemet_%28Altes_%C3%84gypten%29" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Kemet“ bedeutet <em>Schwarzes (Land)</em>, womit das fruchtbare Ackerland im Niltal und Nildelta gemeint ist.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Dass das Album „Burn“ trotzdem „Burn“ und nicht zum Beispiel „Moisturize“ heißt, ist sicher nur ein Versehen.</p>
<p>Das Dargebotene ist dann im Übrigen auch weit weniger antik als man annehmen könnte, obwohl <span class="musik-review-bandname">Sons of Kemet</span> tatsächlich einem betagten „Genre“ frönen, nämlich dem Jazz. Musikfreunde wissen, dass Jazz eine komplexe Welt ist, und auch <span class="musik-review-bandname">Sons of Kemet</span> tröten nicht lustlos wie der abertausendste <span class="musik-review-bandname">Miles-Davis</span>-Kopist vor sich hin, sondern begehen ihre eigenen Wege. Das fängt schon bei der Besetzung an: Saxophon/Klarinette, Tuba und zwei Schlagzeuge. Kein Gesang. Die Tuba ist dann tatsächlich auch ein dominantes Instrument, mal im Vordergrund, mal als markanter Teil der Rhythmusgruppe. </p>
<p>Das Ganze klingt etwas esoterisch, aber nicht störend. Die meisten der zehn Stücke treiben hektisch voran, ihnen haftet der Charakter einer Liveimprovisation an. Nicht nur hier erkenne ich Parallelen zum „Double Trio“ aus früheren <span class="musik-review-bandname">King-Crimson</span>-Tagen, das ähnliche Musik (wenn auch <em>rockiger</em>) auf Bühnen und Tonträger brachte. Schon der <em>opener</em> „All Will Surely Burn“ bereitet den Hörer angemessen vor: Während hallende Perkussion und Schlagzeug ertönen, gesellen sich allmählich weitere Instrumente hinzu, ein eingängiger Tubarhythmus trifft auf mal wild umherflatternde, mal taktgetreue Einwürfe von <span class="musik-review-bandname">Shabaka Hutchings</span>, Vordenker der <span class="musik-review-bandname">Sons of Kemet</span> und <a href="http://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/jazzfest/jazz13_programm/jazz13_veranstaltungsdetail_74467.php" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">umtriebiger Vertreter des Jazz<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, sagt das Internet. Mein Lieblingsstück auf „Burn“, das noch energischere „The Itis“, ist mit gerade einmal 2:29 Minuten Laufzeit leider etwas kurz geraten.</p>
<p>Auf „Burn“ sind mit „Song for Galeano“, <span class="musik-review-bandname">Eduardo Galeano</span> gewidmet, und „The Godfather“ auch zwei Stücke zu finden, die der experimentell-rauen Seite der <span class="musik-review-bandname">Sons of Kemet</span> eine ruhige Nuance hinzufügen, auch „Adonia’s Lullaby“ fließt vergleichsweise gemächlich neben „Beware“, das seinen Namen nicht zu Unrecht trägt, her. Dass nicht gesungen wird, tut im Übrigen auch der Coverversion „Rivers of Babylon“ (im Original nur schwer und/oder betrunken zu ertragen) gut, die „Burn“ beschließt.</p>
<p>Free Jazz mit Tuba könnt ihr euch wahrscheinlich jetzt ungefähr so gut vorstellen wie ich, aber wofür gibt es denn das Internet?</p>
<p>Mit <span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span> haben die <span class="musik-review-bandname">Sons of Kemet</span> <a href="https://soundcloud.com/sons-of-kemet" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">SoundCloud<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> bestückt, <a href="http://www.amazon.de/Burn-Sons-Kemet/dp/B00D01CG58/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat natürlich auch was.</p>
<p>Ihr solltet es auch bald haben.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/amplifier-echo-street.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_amplifier-echo-street.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Amplifier – Echo Street</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Driving at the wheel / there is a prisoner / upon a road of vainlessness / I’m traveling without a rival“</span> (The Wheel)
<p>„Echo Street“, <a href="http://www.schallgrenzen.de/blablabla-der-vergangenen-woche-google-reader-wird-ermordet-und-toller-psychedelic-rock/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">anderswo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schon mal zum <em>Album der Woche</em> gekürt, ist das (abzüglich der verschiedenen EPs) inzwischen vierte Studioalbum des britischen Alternative-Rock-Quartetts <span class="musik-review-bandname">Amplifier</span>. Auf Echos wird verzichtet.</p>
<p>Warum „Echo Street“, wenn doch schon <a href="http://powermetal.de/news/news-AMPLIFIER_veroeffentlichen_Mystoria_im_Herbst_2012,29458.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">für Herbst 2012<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> das bis heute nicht erschienene „Mystoria“ angekündigt war? Das übliche Problem trat auf: <a href="http://www.rockhard.de/megazine/heftarchiv/rh-312/interview/eine-riesige-leere-leinwand.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Das Geld ging aus.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Wir arbeiteten eigentlich an einem anderen Album namens „Mystoria“, bei dem allerdings absehbar war, dass sie nicht rechtzeitig fertig werden würde[,] (…) bevor uns das Geld ausgegangen wäre und wir nicht mehr die Möglichkeit gehabt hätten, eine Platte rauszubringen. Als uns dies im August 2012 klar wurde, mussten wir aus dem Stand eine andere Scheibe aus dem Boden stampfen und diese aufnehmen und pressen lassen, solange noch Kohle vorhanden war.</p></blockquote>
<p>Wie sich das für eine gute Musikgruppe, wie es <span class="musik-review-bandname">Amplifier</span> nun mal ist, gehört, waren dafür aber sowieso noch <a href="http://www.whiskey-soda.de/popup_print.php?id=33149" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Stücke übrig:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Das einzige was wir hatten, waren hunderte von Tonbändern aus unserer Anfangszeit. Das hat es für mich rückwirkend echt gerechtfertigt, die ganzen Kassetten überhaupt aufgehoben zu haben. Es war nur ein winziger Bruchteil des Archivs, was letztlich auf der Platte gelandet ist.</p></blockquote>
<p>„Echo Street“ ist also eigentlich keineswegs ein neues, sondern vielmehr eins von mehreren möglichen „alten“ <span class="musik-review-bandname">Amplifier</span>-Alben. Dabei klingt „alt“ schlimmer als es ist, gegründet wurde die Band ja erst 1999; was im Musikgeschäft andererseits wiederum eine <em>halbe Ewigkeit</em> – wie auch immer das gehen soll – darstellt. Schöne, neue Welt. Schlecht sind die <em>ollen Kamellen</em> aber trotzdem nicht.</p>
<p>Mit anschwellendem Klang beginnt „Matmos“, Stimme und unverzerrte Gitarre gesellen sich dazu. Schön, hat was von Psychedelic Rock. <em>Nanana na nana nana.</em> Die Stimmung, irgendwo zwischen <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span> und <span class="musik-review-bandname">Everlast</span> und intim wie dereinst <span class="musik-review-bandname">Talk Talk</span>, geht unter die Haut, noch bevor ein Text zu hören ist; der allerdings auch nicht schlecht ist: <span class="musik-review-lyrics-inline">„And hazy are all my memories / and take away from me the past / your deconstructed soul immortal / is thinking laughing gas thoughts.“</span> „Matmos“ ist nach einem Unheil bringenden See aus der Comicbuchreihe „Barbarella“ benannt, die ich im Übrigen auch nicht kenne. Am Ende wird’s rockig: <span class="musik-review-lyrics-inline">„For the love that I found, I found“ (Wdh.)</span> Was kommt mir da in den Sinn? echolyn.</p>
<p>Sonst so? „The Wheel“, ein vergnügliches Spacerockstück, das <span class="musik-review-bandname">beatles</span>que „Between Today and Yesterday“, das new-artrockige „Echo Street“ (<em>laut Internet</em> das älteste jemals aufgenommene <span class="musik-review-bandname">Amplifier</span>-Lied), am Ende der bassdominierte Rocker „Mary Rose“, der den Hörer vergebens auf die Eruption warten lässt – und dazwischen Gitarre und jede Menge Elektronik. Hervorragend!</p>
<p>Das <em>Punk-Grunge</em>-Album „Mystoria“ soll nach derzeitigem Stand übrigens nun endlich 2014 erscheinen. Wer bis dahin noch etwas mehr <span class="musik-review-bandname">Amplifier</span> braucht, der möge den/die/das mit „Echo Street“ zusammen erschienene EP <span class="musik-review-album-titel">Sunriders</span> gleich hinterherhören. Gefällt!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span> haben <a href="http://grooveshark.com/#!/album/Echo+Street/8829503" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="http://www.amazon.de/Echo-Street-Limited-Edition-Amplifier/dp/B00B1MSI5K/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und sonstwelche Seiten im Angebot. Sucht euch eine aus.</p></li>
</ol>
<p>Für diejenigen von euch, die Musik lieber hören als allzu viel über sie zu lesen, hatte ich <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">vor einem Jahr</a> die Rubrik „prima Alben in einem Absatz zusammengefasst“ eingeführt. Diese Rubrik wird auch 2013 fortgesetzt, schon deshalb, weil ich mal wieder nicht rechtzeitig mit Rezensieren fertig geworden bin. Fünf weitere Musikalben buhlen also im Folgenden um eure Aufmerksamkeit.</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Kurze Freuden.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-titel">De Staat – I_Con</span>
<p>„I_Con“ fügt <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/09/de-staat-ah-i-see/" data-wpel-link="internal">dem bandeigenen Rock</a> einige interessante Nuancen hinzu, die sie aus der Rockschublade entfernen und dann sozusagen den ganzen Schrank neu zimmern. Der <span class="musik-review-bandname">The-Strokes</span>-<em>touch</em> (wenn auch mit weniger „Lo-Fi“) ist zwar kaum zu überhören, aber auch <em>so Discomusik</em> wie damals in den 90-ern ist zu hören („Make Way For The Passenger“). Und erinnert sich noch jemand an <span class="musik-review-bandname">Pop Will Eat Itself</span>, <span class="musik-review-bandname">Rage Against the Machine</span> oder die <span class="musik-review-bandname">Beastie Boys</span>, an diese Melange aus Gitarren, Rap und <em>dance</em>? Spätestens in „Down Town“ kehrt die Erinnerung zurück. <span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span>? <a href="http://www.amazon.de/Con-Special-Edition-De-Staat/dp/B00DOQBWCC/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Hier entlang.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Sound of Contact – Dimensionaut</span>
<p>In „Dimensionaut“ treffen frühe <span class="musik-review-bandname">Yes</span> (aus der Zeit vor „Fragile“) auf späte (wenig experimentierfreudige) <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> und vermählen sich schließlich mit dem Spacerock von <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span>. Die <span class="musik-review-bandname">Genesis</span>nähe ist vermutlich kein Zufall, ist doch Schlagzeuger und Sänger <span class="musik-review-bandname">Simon Collins</span> der älteste Sohn des anderen, schlechteren Herrn <span class="musik-review-bandname">Collins</span>. Das fällt aber ansonsten zu meinem Entzücken kaum auf, wie zum Beispiel <a href="http://www.amazon.de/Dimensionaut-Sound-Contact/dp/B00CBW5UAU/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu hören ist.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Marnie Stern – The Chronicles of Marnia</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Marnie Stern</span> macht in den „Chroniken von Marnia“ das, was sie am Besten kann: Gitarre spielen und dazu seltsam singen. Häufig klingt das wie die neueren Stücke der ehemaligen <span class="musik-review-bandname">The-Velvet-Underground</span>-Schlagzeugerin <span class="musik-review-bandname">Moe Tucker</span>, manchmal auch nach den <span class="musik-review-bandname">Pixies</span>. Afrikanische („Noonan“) und 60-er-Jahre-Rhythmen („Still Moving“) verschmilzen mit den Tappingteppichen und Frau <span class="musik-review-bandname">Stern</span>s jedenfalls einzigartigem Gesang zu einem spaßigen Gesamtwerk, das seine Kraft vermutlich im Sommer eher entfaltet als im Winter, aber der nächste Sommer dauert ja voraussichtlich auch nicht mehr lange. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ZZDtMTY0I3w" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Es gibt auch ein Musikvideo dazu.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Juhu!</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Minerva – Germinal</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Minerva</span> ist die römische Göttin des Handwerks und der Weisheit, also eine Göttin der Gegensätze. <span class="musik-review-bandname">Minerva</span> ist außerdem eine Psychedelic-Rock-Band aus Potsdam, die mit „Germinal“ ein <a href="http://minervapotsdam.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">hörenswertes<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Debütalbum vorgelegt hat, das so gegensätzlich ist wie die Göttin selbst: Melodisch untermalte Gedichte („Der gläserne Käfig“) einerseits, treibender Rock wie von <span class="musik-review-bandname">The Mars Volta</span> („Before I Lost My Fight And Sight“) andererseits; hier Gitarren, da Saxophon und Bass; Stoner Rock („Hastily“) und Alternative Rock („All I’ve Done“) wechseln sich wie selbstverständlich ab. Texte wie von <span class="musik-review-bandname">Ira!</span> (<span class="musik-review-lyrics-inline">Herzen gefüllt mit Monotonie / Wo sind wir geblieben, wo?</span>), Musik wie seit Langem nicht mehr gehört.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Omb – SwineSong</span>
<p>Etwas <em>name dropping</em> zu „SwineSong“: <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span>, <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>, <span class="musik-review-bandname">Sleepytime Gorilla Museum</span>, <span class="musik-review-bandname">Eatliz</span>, <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span>, <span class="musik-review-bandname">The Void’s Last Stand</span>. <span class="musik-review-bandname">Omb</span> hießen früher <span class="musik-review-bandname">Of Marble’s Black</span> und machten Metal. Geblieben ist das Growling, hinzu kam abgedrehter Dämonengesang, verstärkt wurden verzwirbelte Gitarren. Alles auf einmal. Israel scheint fruchtbaren Nährboden für Bands zu liefern, die <em>alles anders machen wollen</em> (nochmals cf. <span class="musik-review-bandname">Eatliz</span>). Wer mag, kann’s <a href="http://ombmusick.bandcamp.com" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">per Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> <span class="musik-review-hoerproben">hören</span> und/oder kaufen. Schwein gehabt.</p></li>
</ol>
<p>Ein Manko des musikalischen Jahres 2013 ist es, dass das Angebot an wirklich außergewöhnlichen kostenlos zur Verfügung gestellten Produktionen entweder gesunken oder mir schlicht völlig entgangen ist. Aus dem Einheitsbrei der <span class="musik-review-bandname">Oceansize</span>-, <span class="musik-review-bandname">Tool</span>- und <span class="musik-review-bandname">Franz-Ferdinand</span>-Imitatoren konnte ich daher im zweiten Halbjahr 2013 auch nur diese zwei wahren Perlen herausfischen:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">3.</span> <span class="musik-review-header-text">Spaß für nix.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/snoehamn.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_snoehamn.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Snöhamn</span>
<p>Für regelmäßige Leser meiner Texte sind <span class="musik-review-bandname">Snöhamn</span> fast schon alte Bekannte, das Stück „Du vilar nu“ hatte ich <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/12/snoehamn-du-vilar-nu/" data-wpel-link="internal">erst kürzlich</a> empfohlen. „Snöhamn“ heißt <a href="http://www.lighthouserecords.se/?_escaped_fragment_=snohamn/cnzi#!snohamn/cnzi" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">laut Plattenfirma<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ungefähr so viel wie „Astralkörper aus Eis“ und klingt auch so ähnlich.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Snöhamn</span> machen im Wesentlichen ambienten Postrock. Schon wieder Postrock? <a href="http://www.schallgrenzen.de/kontemplativer-post-rock-aus-schweden-snoehamn/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Reicht es nicht langsam? Nö.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Das titellose Beinahealbum (das wird langsam zur Gewohnheit) haut dem Hörer nicht ständig irgendwelche Effekte oder Gitarrenbretter um die Ohren, sondern arbeitet sich behutsam mit Pinsel und Pinzette voran.</p>
<p>Beinahealbum? Nun ja, mit fünf Stücken und nicht ganz 40 Minuten Spieldauer ist dies eher ein/eine EP, aber die fünf Schweden wissen die Zeit wohl zu nutzen. Gesungen wird nicht. Gut so! Ihre Stimme ist die Musik. <span class="musik-review-bandname">Snöhamn</span> erzählen fünf Geschichten und reden nicht viel dabei. Was ist Traum, was Wirklichkeit? <a href="http://www.iamnotamusician.com/snohamn/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Snöhamn“ klingt wie wenn man durch einen schönen Wald spaziert und dem Wind lauscht.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Das machen wir viel zu selten.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Runterholen:</span><br>
Auf <a href="http://snohamn.bandcamp.com/album/sn-hamn-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es „Snöhamn“ in voller Länge zu hören und herunterzuladen, <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2499" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat es ebenfalls.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/il-rumore-bianco-mediocrazia.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_il-rumore-bianco-mediocrazia.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Il Rumore Bianco – Mediocrazia</span>
<p>Italienische Bands haben sehr oft das Problem, dass ihre Texte ebenfalls auf Italienisch gehalten sind. Italienisch ist zwar eine schöne melodiöse Sprache, aber italienischer Gesang ist in der Regel eher kantig und etwas störend. <span class="musik-review-bandname">Il Rumore Bianco</span> gelingt das Kunststück, mir trotzdem zu gefallen.</p>
<p>Was bekommen wir hier zu hören? Nun, ebenfalls eine sehr kurze „Scheibe“, die nicht mal eine halbe Stunde dauert. Stilistisch betätigen sich die sechs Herren (klassische Rockbandbesetzung plus Keyboards, Synthesizer und Saxophon) auf dem weiten Feld des Jazzrock, dabei in den durchaus gehobenen Gefilden. Passende Vergleiche: <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span>, <span class="musik-review-bandname">The Tangent</span>, <span class="musik-review-bandname">Van der Graaf Generator</span>. Eintönig bleibt es trotzdem nicht: Ist „Tutto un sogno (pt. 1)“ noch ein bass- und keyboardlastiges <em>straightes</em> (Progressive-)Rockbrett, dominieren in „Tutto un sogno (pt. 2)“ jazziges Saxophon und Tasteninstrumente zu weitgehend unaufgeregtem Gesang. Explodieren tut’s nur zwischendrin mal, da meldet sich auch die Gitarre zu Wort (und da sind <span class="musik-review-bandname">Van der Graaf Generator</span> so nah wie selten).</p>
<p>Dazwischen? Das streckenweise schön vertrackte „Il vestito buono“ und das seltsame „Il primo attore“, in dem ich mal wieder <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> aus den frühen 70-ern erkenne, Saxophon selbstverständlich inklusive. „Rock“- und „Jazz“-Teile werden auf „Mediocrazia“ jedenfalls so nahtlos aneinandergeheftet, dass man es kaum mitbekäme, würde man nicht plötzlich mittendrin den Takt beim Mitwippen verlieren. Aktives Musikhören ist ganz schön anstrengend; vor allem aber ganz schön. Das solltet ihr aber schon wissen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Runterholen:</span><br>
Stream und Download gibt’s <a href="http://ilrumorebianco.bandcamp.com/album/mediocrazia" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, holen und mitverbreiten könnt ihr „Mediocrazia“ zum Beispiel auch <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2501" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">per eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
</ul>
<p>War das schon alles? Aber nein! Neben all diesen Studioproduktionen landeten unlängst auch zwei Liveaufnahmen in meinem Musikspieler, die meine Wertschätzung ehrlich verdient haben.</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">4.</span> <span class="musik-review-header-text">Zwei Konzerte für zu Hause.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/moster-edvard-lygre-moster.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_moster-edvard-lygre-moster.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Møster! – Edvard Lygre Møster</span>
<p><a href="https://tuxproject.de/blog/2013/10/moster-edvard-lygre-moster/" data-wpel-link="internal">Ich wiederhole:</a> Was ein Edvard Lygre ist, vermag ich aufgrund mangelnder Norwegischkenntnisse nicht zu wissen. Ist das nicht aber sowieso beinahe egal? Ich lasse lieber die Musik für sich sprechen. Und die geht, Verzeihung!, <em>tierisch ab</em>.</p>
<p>Ist das erste Stück „Plastic Disco“ (12:10 Minuten; keine Sorge, <em>bumm-tschack</em> bleibt hier aus) schon ein prachtvoller Vorbote für das Folgende, drehen die vier Herren danach erst so richtig auf. In „Ransom Bird“ ist erstmals tatsächlich etwas Publikum (jubelnd) zu hören. Wer könnte es ihm angehörs der schieren Instrumenteneskapade, herausragend vorangetrieben von Schlagzeug und Bass, schon verdenken? <em>Das Internet</em> schreibt hier von „rauschhafter Ekstase“, und ich könnte es kaum besser umschreiben.</p>
<p>Jazz für jede Gelegenheit!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span><br>
<a href="http://www.amazon.de/Edvard-Lygre-Moster/dp/B00B8L4BCI/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> stellt kurze Ausschnitte aus jedem der vier enthaltenen Stücke bereit.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/prophexy-improvviso.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/12/Vorschau_prophexy-improvviso.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">PropheXy – Improvviso</span>
<p>Am 17. März 2012 fand sich die italienische Band <span class="musik-review-bandname">PropheXy</span> für eines ihrer Konzerte zusammen.</p>
<p>Der jazzige Retro-Prog-Hardrock ihres Debütalbums „alconauta“ von 2008 hat sich mit dem Ausstieg von <span class="musik-review-bandname">Matteo Bonazza</span> in eine freiförmigere Richtung bewegt, die mir sehr gefällt. Zu hören ist die <em>typische</em> Mischung aus den Rhythmusexperimenten von <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span>, dem Instrumentengefrickel der 1982er <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> und extrovertiertem italienischem Gesang, der sich schon aufgrund der reinen Sprachmelodie dem Hörer geradezu aufdrängt. Auch der Canterbury, vorrangig repräsentiert vom schier allgegenwärtigen Flötisten <span class="musik-review-bandname">Alessandro Valle</span>, kommt nicht zu kurz; mit „Disassociation“ und „Golf Girl“ wurden sogar zwei Coverversionen von <span class="musik-review-bandname">Caravan</span>-Klassikern gespielt, gesungen von <span class="musik-review-bandname">Richard Sinclair</span> höchstselbst, der vielleicht gerade mal etwas Zeit übrig hatte.</p>
<p>Lobenswert auch die Abmischung: Nervig dazwischenklatschendes Publikum wie in deutschen Bierzelten ist nicht zu hören, der Applaus ertönt, wenn überhaupt, allenfalls am Ende eines Stückes und wird dann recht schnell ausgeblendet. Ich bin ja für die Wiedereinführung der Rettichstrafe für jeden, der eine musikalische Aufführung mit blödem Gepatsche stört, aber dieses Publikum war ein sehr gutes.</p>
<p>Es war dem Konzert wohl durchaus angemessen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span><br>
Auch diesmal werdet ihr <a href="http://www.amazon.de/Improvviso-Prophexy/dp/B00D6NTIR4/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> fündig.</p></li>
</ul>
<p>Nach all der Freud‘ nun etwas Leid: Wie üblich habe ich es auch diesmal nicht versäumt, die einschlägigen Rezensionszeitschriften und ‑webseiten nach <em>Geheimtipps</em>, <em>Alben des Jahres</em> (und so weiter und so fort) zu durchforsten, und den Fehler gemacht, die Euphorie nachvollziehen zu wollen. Ein großer Name bewahrt oft nicht vor großem Mist. Die vier größten Totalausfälle sind diese:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">5.</span> <span class="musik-review-header-text">Geschenke für den Feindeskreis.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-titel">Nektar – Time Machine</span>
<p>Ich weiß nicht, in welche Zeit <span class="musik-review-bandname">Nektar</span> hier gereist sind, aber spannend geht es dort sicherlich nicht zu. Blöderweise sind sie auch wieder zurückgekehrt und erzählen allen davon.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Dream Theater</span>
<p>Ich hole mal etwas weiter aus: Ein neuer Schlagzeuger ist an Bord, <span class="musik-review-bandname">Mike Portnoy</span> will nicht mehr mitspielen. Ein Sakrileg? Wer weiß! Ein viel größeres Sakrileg vielleicht: <span class="musik-review-bandname">Dream Theater</span> hielt ich ja immer für etwas überbewertet (wie sonst nur die <span class="musik-review-bandname">Beatles</span> und <span class="musik-review-bandname">Miles Davis</span>). Der Anfang des Albums (trägt es nun eigentlich einen Namen oder nicht?): Opernhaft? <span class="musik-review-bandname">Nightwish</span>? Zum Glück keine <span class="musik-review-bandname">Tarja</span>! Ach, jetzt weiß ich wieder, wieso ich mich von allem, was sich „Progressive Metal“ nennt, normalerweise fernhalte, diese Keyboardfanfaren sind mir schon <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/09/drei-bands-drei-gefuhle/" data-wpel-link="internal">bei <span class="musik-review-bandname">Muse</span></a> auf die Nerven gefallen. Weiterhin in gebotener Kürze: Chor und Gitarrengebratze. Gesang folgt erst in Stück 2, klingt aber von Anfang an etwas arg gepresst. Und er wird nicht besser! Gitarre und Schlagzeug zweifelsfrei (wie oft behauptet) großartig, aber der Gesang verdirbt’s. Hat der Sänger Bauchschmerzen? Und dann noch die Texte! Jetzt weiß ich, wer <span class="musik-review-bandname">Transatlantic</span> zu ihrem grauenhaften textlichen Gejammer inspriert hat. Man verstehe mich nicht falsch und schmähe mich einen bloßen <span class="musik-review-bandname">Dream-Theater</span>-Verächter: „Metropolis Pt. II – Scenes From a Memory“ halte ich für ein gelungenes Album. „Dream Theater“, sieben Studioalben später, ist aber das, was der „Name“ verspricht: Schrecklich uninspiriert. Schade drum.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">The Flower Kings – Desolation Rose</span>
<p>Den Titel haben sie bei <span class="musik-review-bandname">Bob Dylan</span> abgeguckt und schlecht verkalauert, aber er spricht Bände: Mehr als <em>desolation</em> ist hier nicht zu erwarten. Denkmalpflege ja, aber nicht auf hohem Niveau. Hat man alles schon mal von den <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span> gehört – und zwar besser.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Public Service Broadcasting – Inform – Educate – Entertain</span>
<p>Das Londoner Duo <span class="musik-review-bandname">Public Service Broadcasting</span> musiziert auf „Inform – Educate – Entertain“ stilsicher an Konventionen vorbei. Um Ausschnitte aus alten Propaganda- und Werbefilmen herum stricken sie elektronische instrumentale Klangwelten, die mal minimalistisch („Late Night Final“), mal bedrohlich („Night Mail“), mal feierlich („The Now Generation“) daherkommen. Gelegentliche Reminiszenz ist das <span class="musik-review-bandname">Penguin Cafe Orchestra</span>, leider übernimmt man auch dessen größtes Manko: Das Zeug wird einfach sehr schnell langweilig. Spätestens nach dem zweiten Stück.</p></li>
</ol>
<p>Früher was alles besser? Aber nicht doch! Früher gab es zum Beispiel viel mehr furchtbare Musikgruppen als heute. Das ist ein wünschenswerter Zustand, über den wir uns jeden Tag wieder freuen sollten. Andererseits fällt das manchmal auch schwer, wenn man hingegen bedenkt, welch eigentlich prima Zeit für die Musik niemals zurückkehren wird. Erinnern wir uns also zurück!</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">6.</span> <span class="musik-review-header-text">Tage wie diese…</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 40 Jahren:</span><br>
„1973“ ist ein Lied von <span class="musik-review-bandname">James Blunt</span>, der erst 1974 geboren wurde. Worum es in dem Lied geht, weiß ich nicht, vielleicht singt er davon, wie schön die Welt vor seiner Geburt doch war. Dabei sah es 1973 zuerst gar nicht nach einem guten Jahr aus: Im Juni verließ <span class="musik-review-bandname">Brian Eno</span>, Stil prägender Experimentalmusiker, die Glamrockband <span class="musik-review-bandname">Roxy Music</span>, mit der er erst kurz zuvor die ersten beiden Alben <span class="musik-review-album-titel">Roxy Music</span> und <span class="musik-review-album-titel">For Your Pleasure</span> aufgenommen hatte. <span class="musik-review-bandname">Roxy Music</span> versanken danach in der Beliebigkeit, auch nachrückende Musiker konnten <span class="musik-review-bandname">Eno</span>s Kreativität nicht ersetzen. Er selbst verließ den eingeschlagenen Pfad auch recht schnell: Sein Solodebütalbum <span class="musik-review-album-titel">Here Come the Warm Jets</span>, das noch im September 1973 gemeinsam mit ehemaligen <span class="musik-review-bandname">Roxy-Music</span>-Mitstreitern, <span class="musik-review-bandname">Robert Fripp</span>, <span class="musik-review-bandname">John Wetton</span> und anderen aufgenommen wurde, zehrte noch von seiner Zusammenarbeit mit einer Rockband, im weiteren Verlauf widmete er sich dann doch lieber der elektronischen „Ambient“-Einschlafmusik. Anders erging es <span class="musik-review-bandname">Gong</span>, die 1973 gleich zwei herausragende Musikalben (<span class="musik-review-album-titel">Flying Teapot</span> und <span class="musik-review-album-titel">Angel’s Egg</span>) veröffentlichten, die mit dem im Folgejahr erschienenen <span class="musik-review-album-titel">You</span> die „Radio-Gnome-Trilogie“ bildeten, mit der sie wie zuvor ihre Landsmänner von <span class="musik-review-bandname">Magma</span> ihren eigenen Erzählkosmos schufen. <span class="musik-review-bandname">Gong</span> zerfiel wenig später in verschiedene Gongs (zeitweise gab es mindestens drei verschiedene Bands dieses oder eines ähnlichen Namens zur gleichen Zeit), erst 1992 kehrte man zum gemeinsamen Namen <span class="musik-review-bandname">Gong</span> zurück. Das bisher letzte Album mit Radio-Gnome-Bezug, <span class="musik-review-album-titel">Zero To Infinity</span>, erschien im Jahr 2000, <span class="musik-review-album-titel">2032</span> erst 2009. Weitere Aktivitäten sind nicht ausgeschlossen.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 30 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Rod Stewart</span>s „Baby Jane“, ich kann’s nicht mehr hören, war 1983 sein erster „Nummer-1-Hit“ in Deutschland, was über die deutsche Hitparade mehr aussagt als es mir lieb ist; das zugehörige Album <span class="musik-review-album-titel">Body Wishes</span> verkaufte sich im selben Jahr ebenfalls ziemlich gut. Dieser geballten Ladung Schmalz wusste man in Deutschland wohl nicht viel entgegenzusetzen und belebte stattdessen die inländische Punkszene. <span class="musik-review-bandname">Slime</span>, damals provokante Heroen der Szene, machten nach ihrem vorläufigen Abschiedsalbum <span class="musik-review-album-titel">Alle gegen Alle</span> aber erst einmal Pause; etwa zur selben Zeit entstanden aus verschiedenen Amateurpunkbands aber mit den <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> und den <span class="musik-review-bandname">Toten Hosen</span> neue Hoffnungsträger, die mal subtil (<span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span>), mal weniger subtil (<span class="musik-review-bandname">Die Toten Hosen</span>) das linkspolitische musikalische Engagement in das neue Jahrzehnt retteten. Auf ihrem 1983 erschienenen Debütalbum <span class="musik-review-album-titel">Opel-Gang</span> beschränken die <span class="musik-review-bandname">Toten Hosen</span> ihre politische Aussage zwar noch auf leisen Sarkasmus („Ülüsü“), alle übrigen Bestandteile ihrer Musik einschließlich der fehlenden Reime sind aber schon erkennbar. Dreißig Jahre später haben sie noch nichts verlernt.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 20 Jahren:</span><br>
Das musikalische 1993 in einem Wort: Verwirrend. Der von <span class="musik-review-bandname">Jimi Hendrix</span> hörbar beeindruckte Gitarrist <span class="musik-review-bandname">Caspar Brötzmann</span> sorgte mit seiner Band <span class="musik-review-bandname">Caspar Brötzmann Massaker</span> auf <span class="musik-review-album-titel">Koksofen</span> für eine angenehm anstrengende Mischung aus Jazzrock, Stoner Rock und <span class="musik-review-bandname">Zappa</span>esquem mit mantraartig wiederholten, obskuren englischsprachigen Texten für Verwirrung, die Punkrockband <span class="musik-review-bandname">Green Jellÿ</span> mit der Single <span class="musik-review-album-titel">Three Little Pigs</span> vom schon 1991 erschienenen <span class="musik-review-album-titel">Cereal Killer Soundtrack</span>, auf dem auch <span class="musik-review-bandname">Maynard James Keenan</span> und <span class="musik-review-bandname">Danny Carey</span> (<span class="musik-review-bandname">Tool</span>) zu hören sind. Damals, als MTV sich noch was traute. Auch <span class="musik-review-bandname">Die Fantastischen Vier</span> haben sich auf <span class="musik-review-album-titel">Die 4. Dimension</span> was getraut, nämlich die Hörerschaft wiederum zu verwirren, indem der Spaßrap der ersten beiden Alben textlich wie musikalisch den Drogen wich. „Tag am Meer“ statt „Die da!?“. Auch textlich war <span class="musik-review-album-titel">Die 4. Dimension</span> ein Konzeptalbum und handelte passenderweise von der Reise ins Ich, von der Reflexion über das eigene Dasein. Der Hörer honorierte das nicht, für eine nennenswerte Hitparadenplatzierung hat es trotz des „Tages am Meer“ nicht genügt; vielleicht auch deshalb wagte man erst 1999 auf <span class="musik-review-album-titel">4:99</span> wieder ähnlich Tiefgründiges. Dass die <span class="musik-review-bandname">Fantastischen Vier</span> laut Interviews heute noch Drogen als den Kraftstoff für ihr Schaffen betrachten, hört man ihrem aktuellen Album <span class="musik-review-album-titel">Für dich immer noch Fanta Sie</span> bedauerlicherweise <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/06/fur-mich-fanta-sie-los/" data-wpel-link="internal">auch an</a>. <span class="musik-review-album-titel">Die 4. Dimension</span> war trotzdem klasse.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 10 Jahren:</span><br>
Wie nennt man eigentlich als Musikgruppe eine Platte, wenn einem gar nichts einzufallen vermag? Genau: <span class="musik-review-album-titel">Platte</span>. <span class="musik-review-bandname">Electric Orange</span> veröffentlichten 2003 die Platte <span class="musik-review-album-titel">Platte</span> auf Platte (erst Jahre später gab es eine CD-Ausgabe), platt ist die aber gar nicht, vielmehr bin ich selbst platt von der Überdosis an frühen <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span>, die <span class="musik-review-album-titel">Platte</span> verursacht. Kein Gesang, nicht schlimm; dafür jede Menge Bass und Hammondorgel. Das Ausnahmestück heißt „Holzbock“, das <span class="musik-review-bandname">Can</span> noch näher ist als das dem verstorbenen <span class="musik-review-bandname">Can</span>-Musiker <span class="musik-review-bandname">Michael Karoli</span> gewidmete „Dedicated to Mk“. Musikalisch vorwärts statt rückwärts ging es für <span class="musik-review-bandname">Subway to Sally</span>, deren siebtes Studioalbum <span class="musik-review-album-titel">Engelskrieger</span> den Mittelalterrock früherer Werke zum allgemeinen Entsetzen durch öden Metal ersetzte. Einige Jahre später wechselte man die Plattenfirma und machte diesen Stilwechsel erfreulicherweise wieder rückgängig. Zumindest die schottische Postrockband <span class="musik-review-bandname">Aereogramme</span> blieb sich derweil treu und verarbeitete auf ihrem zweiten Album <span class="musik-review-album-titel">Sleep and Release</span> allerlei genreverwandte Einflüsse von <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> bis zu <span class="musik-review-bandname">Sigur Rós</span>. Reich wurden die Musiker damit aber nicht, und so ging man nach dem treffend benannten Album <span class="musik-review-album-titel">My Heart Has a Wish That You Would Not Go</span> im Jahr 2007 schließlich vorübergehend getrennte Wege. Falls sich noch jemand fragen sollte, wieso der Eindruck entsteht, dass es immer weniger neue wirklich gute Musik gibt, so empfehle ich, den Plattenfirmen die Schuld zu geben. Zum Glück gibt es inzwischen akzeptable Vertriebsformen über das Internet. Die Hälfte von <span class="musik-review-bandname">Aereogramme</span> ist seit 2008 unter dem Namen <span class="musik-review-bandname">The Unwinding Hours</span> aktiv, ihre Aktivitäten im Auge zu behalten ist derweil nicht die schlechteste Idee.</li>
</ul>
<p>Fertig? Fertig! Habe ich irgendein nennenswertes Album vergessen? Lasst es mich wissen!</p>
<p>Im Juni 2014 folgt voraussichtlich der nächste Teil. Vergesst bis dahin nicht, ab und zu Musik zu hören. Das Leben wäre ein tristes.</p>
<p>Bis dann!</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2015/02/musik-122014-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Musik 12/2014 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">27. Februar 2015</a> dies: […] bereits 2003 erfreuen Electric Orange den Hörer mit krautigem Psychedelic Rock. Geändert hat sich seitdem nur […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/62cd57a27aad4f47be58b29bafa79430" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
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		<title>Musik 06/2013 – Favoriten und Analyse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Jun 2013 08:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
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					<description><![CDATA[Eeeeeinenwunderschönengutentag, werte Freunde des angewandten Musikgenusses! Ein Blick in meinen Kalender wies mich mahnend darauf hin, dass das erste halbe Jahr 2013 ja quasi vorüber ist. Das bedeutet, dass es (wie alle sechs Monate) Zeit ist für meine Rückschau der kaufenswertesten Musikalben 2013. Ich muss euch allerdings verschämt gestehen, dass ich einfach nicht die Zeit ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 06/2013 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eeeeeinenwunderschönengutentag, werte Freunde des angewandten Musikgenusses!</p>
<p>Ein Blick in meinen Kalender wies mich mahnend darauf hin, dass das erste halbe Jahr 2013 ja quasi vorüber ist. Das bedeutet, dass es (wie alle sechs Monate) Zeit ist für meine Rückschau der <span class="musik-intro-hervorhebung">kaufenswertesten Musikalben 2013</span>. Ich muss euch allerdings verschämt gestehen, dass ich einfach nicht die Zeit gefunden (oder mir genommen habe), allen Musikalben, die vielversprechend erschienen, genug Zeit zu geben, sich zu entfalten.<br>
<span id="more-8112"></span></p>
<p>Dabei ist eines der bislang beachtlichsten Alben 2013 auch das wohl umstrittenste: Zu <span class="musik-intro-hervorhebung">Heino</span>s „Mit freundlichen Grüßen“ hatte ich mich ja schon <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/02/heino-mit-freundlichen-gruessen/" data-wpel-link="internal">im Februar</a> ausgelassen. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob es ein Kandidat für die Top- oder Schrottliste ist; skurril und darum interessant ist es aber auf jeden Fall. Das gelang in diesem Jahr ansonsten nicht vielen Musikern.</p>
<p>Das neue Album „Everybody Loves Sausages“ der <span class="musik-intro-hervorhebung">Melvins</span>, das so richtig <em>Eier hat</em>, ist leider ein Coveralbum und genügt daher meinen Ansprüchen für diese Liste nicht. Hören solltet ihr es natürlich trotzdem. Ansonsten ist von <span class="musik-intro-hervorhebung">Dante</span>s „November Red“ bis zu dem Comebackalbum von <span class="musik-intro-hervorhebung">My Bloody Valentine</span> jede Menge vielversprechender Musik angefallen, die leider nicht ansatzweise meinem Qualitätsstandard genügen konnte.</p>
<p>Die Hauptliste ist daher mit gerade einmal neun Musikalben (plus gegebenenfalls <span class="musik-intro-hervorhebung">Heino</span>) diesmal deutlich kürzer als sonst, das erste Halbjahr 2013 gab eben einfach nicht viel her – dafür wird’s am Ende des Jahres hoffentlich um so voller. Freut euch darauf!</p>
<p>Los geht’s:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">1.</span> <span class="musik-review-header-text">Kurz und gut.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/steven-wilson-the-raven-that-refused-to-sing-and-other-stories.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-steven-wilson-the-raven-that-refused-to-sing-and-other-stories.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Steven Wilson – The Raven That Refused To Sing (and other stories)</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Here we all are born into a struggle / to come so far but end up returning to dust“</span> (Luminol)
<p>Dass ich, <span class="musik-review-bandname">Porcupine-Tree</span>-Affinität hin oder her, mit der Solomusiziererei des Herrn <span class="musik-review-bandname">Wilson</span> nicht viel anfangen kann, ist altbekannt und hoffentlich verständlich. Viel zu sphärisch und zurückhaltend blubbert da die Elektronik aus den Lautsprechern, viel zu sanft und letztlich einschläfernd folgt er den Pfaden der frühen <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span>, wie es auch <span class="musik-review-bandname">Porcupine Tree</span> anfangs taten.</p>
<p>Insofern ist „The Raven That Refused To Sing (and other stories)“ nicht nur einfach gut, sondern ein Überraschungstreffer. Wer indes der „Rabe“ ist, weiß ich nicht. <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span> selbst ist zumindest nicht gemeint, denn er weigert sich keinesfalls zu singen, was ich ansonsten bedauern würde, aber „The Raven…“ – ich kürze das jetzt mal ab – ist, wie bereits erwähnt, recht großartig. Tatsächlich ist der Rabe aber ein Symbol für den Tod oder eine zumindest traurige Erinnerung.</p>
<p>Das kann man anhand des tristen grauen <em>artworks</em> theoretisch bereits folgern, bekannt aber sollte <span class="musik-review-bandname">Edgar Allan Poe</span>s <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/05/im-gedenken-an-edgar-allan-poe-1809-1849/" data-wpel-link="internal">Gedicht <em>The Raven</em></a> sein, das unter anderem von <span class="musik-review-bandname">Lou Reed</span>, <span class="musik-review-bandname">Omnia</span> und <span class="musik-review-bandname">Alan Parsons</span> musikalisch umgesetzt wurde und das diese Verbindung erstmals beschreibt. <span class="musik-review-bandname">Alan Parsons</span> ist es dann auch, der auf „The Raven…“, gerade einmal 37 Jahre nach seinem eigenen „Raben“, an einer der Gitarren zu hören ist und <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span> bei der Produktion des Albums unterstützte. Vielleicht ist das alles aber auch nur ein Zufall.</p>
<p>Andererseits ist „The Raven…“ durchaus mit Bedacht konzipiert worden. Jedes der sechs Stücke basiert auf Geschichten aus dem Supranaturalismus, es geht also in jedem der Stücke textlich um Geister. Entsprechend getrübt ist die Grundstimmung; dabei vergisst es <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span> aber nicht, den Hörer immer wieder aus der Beklemmung zu befreien.</p>
<p>Nicht alles an „The Raven…“ ist neu. Der <em>longtrack</em> <em>Luminol</em> etwa wurde bereits auf der Tour zum Vorgängeralbum „Grace For Drowning“ gespielt. Nie kam <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span> seinen eigenen Vorbildern <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> – neben <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span>, versteht sich – so nahe wie hier: Ein treibender Bass und <span class="musik-review-bandname">Theo Travis</span>‘ Flöte lassen Kenner des Canterbury Sound aufhorchen, dazu ist ein Mellotron zu hören. Unvermittelt setzt mehrstimmiger Gesang ein, der ebenso unvermittelt wieder endet und so den Beginn eines längeren Instrumentalteils markiert, der gegen Ende wieder das Thema vom Anfang aufgreift und nach etwa viereinhalb Minuten in einen ruhigen Teil mündet, der mit Klavier und beatlesquem Gesang ebenso von <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>s „Islands“ stammen könnte. Nach wiederum vier Minuten erfolgt eine weitere Zäsur, Mellotron und Schlagzeug steigern sich bis fast zur Explosion und verklingen, bis <em>Luminol</em> mit dem ursprünglichen Thema schließlich endet. Habe ich schon <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> erwähnt?</p>
<p>Einzelne Elemente dieses Beispiels ziehen sich durch alle Stücke auf dem Album; das beschauliche <em>The Watchmaker</em> steht so wie selbstverständlich neben dem offensiv rockenden <em>The Holy Drinker</em>. Wer wie ich bislang der Meinung war, von <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span> hätte er schon alles irgendwann mal gehört, könnte hier eine positive Überraschung erleben. Zu empfehlen ist’s jedenfalls ohne jedwelches Aber.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=E3MpGBwGdVk" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es zurzeit eine großartige Liveversion von <em>Luminol</em> zu bestaunen, das vollständige Album ist unter anderem <a href="http://grooveshark.com/#!/album/The+Raven+That+Refused+To+Sing+and+Other+Stories/8602888" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">per Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> streambar. Falls euch die Kurzform genügt: <a href="http://www.amazon.de/Raven-That-Refused-Limited-Edition/dp/B00AYATBP6/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> wurde mit den üblichen kurzen Ausschnitten bestückt.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/eels-wonderful-glorious.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-eels-wonderful-glorious.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Eels – Wonderful, Glorious</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„If you’re not ready then you better get out now!“</span> (Bombs Away)
<p>„My hovercraft is full of eels“ – dieses Zitat der britischen Komiker <span class="musik-review-bandname">Monty Python</span> sollte bekannt sein. So schlimm ist das aber gar nicht, denn wenn Aale so interessante Musik machen wie <span class="musik-review-bandname">Eels</span> auf „Wonderful, Glorious“, dann kaufe ich mir sofort ein Luftkissenfahrzeug.</p>
<p>Blöde historische Referenzen aber mal beiseite gelassen – mit <span class="musik-review-bandname">Monty Python</span> haben <span class="musik-review-bandname">Eels</span> tatsächlich nicht viel zu tun. Glaubt man den Aussagen von Bandgründer <span class="musik-review-bandname">Mark Oliver Everett</span>, der seine Soloalben zur Zeit der Gründung bereits seit Jahren unter dem Künstlernamen <span class="musik-review-bandname">E</span> veröffentlichen ließ, so wurde der Name gewählt, um die Alben der Band im Schallplattenladen möglichst nahe an seinen eigenen stehen zu haben. Es wurde nicht bedacht, dass <span class="musik-review-bandname">Earth, Wind &amp; Fire</span> sowie die <span class="musik-review-bandname">Eagles</span> das Alphabet klar auf ihrer Seite hatten. Nun, <span class="musik-review-bandname">Eels</span> ist ja trotzdem ein schöner Bandname.</p>
<p>Dem Mythos um die Entstehung des Namens sei’s verziehen, dass weder <span class="musik-review-bandname">Earth, Wind &amp; Fire</span> noch die <span class="musik-review-bandname">Eagles</span> musikalisch viel mit <span class="musik-review-bandname">Eels</span> gemeinsam haben. (Einen Saturnmitarbeiter stört so was erfahrungsgemäß übrigens nicht im Geringsten.) <span class="musik-review-bandname">Eels</span> machen stattdessen so genannten „Indie-Rock“ par excellence. Ich bin durchaus willens, „Wonderful, Glorious“ als bestes <em>mainstream</em>-Album des bisherigen Jahres zu betrachten, immerhin geben sich die Musiker nicht viel Mühe, den <em>Vorwurf</em> der Radiokompatibilität zu entkräften. Dennoch: „Wonderful, Glorious“ ist genau an den richtigen Stellen rau genug, um anzuecken.</p>
<p>Da wäre etwa <em>New Alphabet</em> zu nennen. Im Zentrum des Albums setzt es mit seiner Lo-Fi-Ästhetik nach Art der <span class="musik-review-bandname">Dandy Warhols</span> einen starken Kontrast zu der Klavierballade <em>The Turnaround</em> und dem stilistisch (wenn auch nicht musikalisch) an den Punk (und mehr noch an <span class="musik-review-bandname">Frank Zappa</span>) angelehnten Stück <em>Peach Blossom</em>, von dessen intensiv wiederholtem Refrain (<span class="musik-review-lyrics-inline">„Open the window, man, to smell the peach blossom / the tiger lily, the merrygold“</span>, viel mehr Text <a href="http://lyrics.wikia.com/Eels:Peach_Blossom" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">gibt es nicht<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>) ich eine Weile einen Ohrwurm hatte. Störend, so was!</p>
<p>Man stelle sich solche Zeilen überdies nicht sanft gesäuselt, sondern affektiert gerufen (fast: gerappt) vor, während im Hintergrund die Gitarre knarzt und Klavierklänge sie begleiten. Vielleicht sollte man <span class="musik-review-bandname">Eels</span> weniger ernst nehmen und versuchen, Spaß an dem zu finden, was sie hier darbieten. Dabei hilft es, dass man die unterschiedlichen Einflüsse leicht auseinanderhalten kann. Von <span class="musik-review-bandname">Simon &amp; Garfunkel</span> (<em>I Am Building A Shrine</em>) über <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span> oder ihre Zöglinge (<em>New Alphabet</em>) bis zu <span class="musik-review-bandname">John Lennon</span> (<em>The Turnaround</em>) reicht die Spanne der von jedenfalls mir spontan assoziierten Vergleiche.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Julian Schmitz</span> <a href="http://www.motor.de/motormeinung/motor.de/eels_wonderful_glorious.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">schrieb zutreffend:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Es ist dieser herrliche Wechsel zwischen schnarrenden, treibenden Beats und zwischendurch viele unerwartete Dynamikwechsel, locker-leichte Frühlignssynthiesounds <em>(sic!)</em>, die einen hoffnungsvoll und gut gelaunt gen hellere Tage blinzeln lassen.</p></blockquote>
<p>„Sommeralbum“ ist eigentlich ein Wort, das ich zu meiden versuche. Bei „Wonderful. Glorious“ fällt mir das aber gar nicht so leicht. Darum breche ich hier mal ab und überlasse euch den Rest.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Bei einem Musikalbum, das so heterogen wie „Wonderful, Glorious“ ist, ist das mit den Hörproben schwierig. Interessant ist vielleicht das <a href="http://www.youtube.com/watch?v=_vS_By_ZZ0g" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Musikvideo zu <em>Peach Blossom</em><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, ansonsten sind natürlich auch <a href="http://grooveshark.com/#!/album/Wonderful+Glorious/8646799" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ein Grooveshark-Stream<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="http://www.amazon.de/Wonderful-Glorious-Eels/dp/B00A18KBFA/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de-Hörproben<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> verfügbar.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/the-joy-formidable-wolfs-law.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-the-joy-formidable-wolfs-law.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Joy Formidable – Wolf’s Law</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I think I understand / that past is circling“</span> (Tendons)
<p>Erinnert ihr euch an <span class="musik-review-bandname">The Joy Formidable</span>? Ihr 2011 erschienenes Debütalbum „The Big Roar“ <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">sortierte ich damals</a> als „Artpop, Indie-Rock, Grunge, irgendwie so Alternative“ ein und legte euch ans Herz, dieses Album zu hören. Wenn der Tipp euch damals Freude bereitete, dann passt jetzt mal kurz auf: „Wolf’s Law“, das neue Album der Waliser (erschienen im Januar 2013), ist keineswegs schlechter.</p>
<p>So weit liegen die beiden Alben auch zeitlich nicht auseinander. Weite Teile von „Wolf’s Law“ wurden bereits während der zwölfmonatigen Tour zu „The Big Roar“ geschrieben. Erst großes Getöse, nun das Gesetz des Wolfs – die Wildnis hat’s <span class="musik-review-bandname">The Joy Formidable</span> anscheinend angetan.</p>
<p>Allzu wild ist jedoch auch „Wolf’s Law“ nicht. Vielmehr werden bekannte Stärken beibehalten und perfektioniert.</p>
<p>Es fängt harmlos mit Streichern an, die sich als Einführung in so ein Album immer gut machen. MTV-Seher wissen, was gemeint ist. Dann: Gitarrengeschepper. Schön. <em>This Ladder Is Ours</em>: Gitarrenlastiger Mainstream-Indie-Rock, der jeden Applaus verdient. Auf <a href="http://pitchfork.com/reviews/albums/17550-wolfs-law/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Pitchfork<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> werden auch schon mal <span class="musik-review-bandname">New Order</span> und die (allerdings grauenvollen) <span class="musik-review-bandname">Muse</span> als Vergleiche herangezogen. Schon wieder Indie-Rock! „Aber du magst doch sonst keinen Mainstream?!“, höre ich euch nun wieder unken. Stimmt, weil Mainstream meistens lahm ist. „Wolf’s Law“ ist aber nicht lahm.</p>
<p>Was ist das „Wolfsgesetz“ eigentlich? Laut dem Cover wohl: Tod des Wolfs. Ein Wolf liegt tot am Boden, Blumen liegen auf ihm (oder wachsen sie aus ihm?). Gesund ist das nicht. Ganz anders <span class="musik-review-bandname">The Joy Formidable</span>, die so lebendig wirken wie nur wenige Bands. Gelegentlich denke ich an <span class="musik-review-bandname">Blondie</span>, manchmal auch an die neueren <span class="musik-review-bandname">Eatliz</span>. <span class="musik-review-bandname">Jochen König</span> <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2013/The-Joy-Formidable/Wolfs-Law/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">spricht von<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> „Konsens-Pop, der nicht schmerzt, sondern das Herz erwärmt und ein Lächeln ins Grinsegesicht zaubert“, und meint das wahrscheinlich nicht mal böse.</p>
<p>Zugegeben, der Anfang des Albums ist, verglichen mit dem Vorgänger, trotz all der Großartigkeit ein wenig belanglos. Die Qualität steigt aber mit ansteigender Liednummer. <em>Little Blimp</em> (Lied Nummer 4) groovt mit dominantem Bass nach vorne, die Ballade <em>Silent Treatment</em> (6) ist mit ruhiger Gitarre und ebensolchem Gesang sozusagen die Ruhe vor dem Sturm. Dieser Sturm heißt <em>Maw Maw Song</em> und fasst das Album schon vor seinem Ende umfassend zusammen: Kopfnick-Refrain, scheppernde und quirlige Gitarren, <span class="musik-review-bandname">Ritzy Bryan</span>s stets begeistert klingende Stimme, begleitet „maw, maw“ im Refrain. Miau, miau. – Eigentlich genügt es, <em>Maw Maw Song</em> zu kennen, um dieses Album für großartig zu halten; und das mit Recht!</p>
<p>Zum Abschluss dann <em>The Turnaround</em>, eine neuneinhalbminütige Streicherballade, die sich nach sieben Minuten zu steigern beginnt und in einem fulminanten fast instrumentalen Finale endet, gleichsam als Verbeugung vor dem applaudierenden Publikum (also jedenfalls mir). Dieses Finale wurde bereits im August 2012 als Lied namens <em>Wolf’s Law</em> im Internet veröffentlicht, um den Hörer auf das Album vorzubereiten. Das ist ziemlich gut gelungen.</p>
<p>Die letzten Textzeilen auf „Wolf’s Law“ lauten: <span class="musik-review-lyrics-inline">„Don’t wait, let’s go, go, go“</span>. Das Ende dieses Albums ist nur der Aufbruch zum nächsten. Die Reise wird sicher spannend, ich bin dabei. Ihr auch?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=uEAPFvacK8M" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es unter anderem eine qualitativ gerade noch akzeptable Liveversion vom <em>Maw Maw Song</em> zu sehen und zu hören, das ganze Album ist <a href="http://grooveshark.com/#!/album/Wolf+s+Law/8346406" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">per Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sowie in 30-Sekunden-Schnipseln <a href="http://www.amazon.de/Wolfs-Law-Joy-Formidable/dp/B00A40MH3O/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> anzuhören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/henry-fool-men-singing.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-henry-fool-men-singing.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Henry Fool – Men Singing</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Henry Fool</span> ist der Name eines Actionfilms von 1997 sowie der Hauptfigur in diesem Film, die auch im Folgefilm „Fay Grim“ mitspielt. Im Jahr 2001, also zumindest nach dem gleichnamigen Film, erschien das Debütalbum der Musikgruppe wiederum gleichen Namens, auf dem unter anderem <span class="musik-review-bandname">Tim Bowness</span> (unter anderem <span class="musik-review-bandname">no-man</span>) an Mikrofon und Gitarre zu hören war. Zwölf Jahre später heißt das aktuelle Album von <span class="musik-review-bandname">Henry Fool</span> irritierenderweise „Men Singing“, obwohl <span class="musik-review-bandname">Tim Bowness</span> gar nicht mehr singt.</p>
<p>Ja, „Men Singing“ ist ein Instrumentalalbum. Die Besetzungsliste kann sich sehen lassen: Außer <span class="musik-review-bandname">Tim Bowness</span> sind unter anderem auch sein regelmäßiger musikalischer Partner <span class="musik-review-bandname">Peter Chilvers</span>, der gelegentlich auch mit <span class="musik-review-bandname">Brian Eno</span> zusammen musiziert, <span class="musik-review-bandname">Myke Clifford</span>, Saxophonist bei <span class="musik-review-bandname">The Pink Floyd Dimension</span>, und <span class="musik-review-bandname">Jarrod Gosling</span>, der sich in jüngerer Zeit vor allem mit <span class="musik-review-bandname">The Human League</span> und <span class="musik-review-bandname">I Monster</span> zusammengetan hatte. Zwei der vier Stücke veredelt Gastmusiker <span class="musik-review-bandname">Phil Manzanera</span> (<span class="musik-review-bandname">Roxy Music</span>) mit seiner Gitarre, der zweite Gast <span class="musik-review-bandname">Steve Bingham</span> (Violine) hat wiederum jahrelang Erfahrung mit der <span class="musik-review-bandname">no-man</span>-Liveband gesammelt. Im Wesentlichen ist <span class="musik-review-bandname">Henry Fool</span> also ein Projekt von <span class="musik-review-bandname">Tim Bowness</span> und seinen Wegbegleitern.</p>
<p>Das klingt nun wie <span class="musik-review-bandname">Billy Sherwood</span>, der in jedem seiner ungezählten Bandprojekte (<span class="musik-review-bandname">Circa:</span>, zeitweise <span class="musik-review-bandname">Yes</span> und einige weitere) den Ton maßgeblich angab und angibt, aber das Ergebnis ist ein viel besseres. <span class="musik-review-bandname">Thomas Kohlruß</span> <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=13339&amp;content=review&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">paraphrasierte:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>(…) wenn man sich eine Melange aus psychedelischer <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span>, <span class="musik-review-bandname">pinkfloyd</span>esken <span class="musik-review-bandname">Porcupine Tree</span>, einem Schuss <span class="musik-review-bandname">David Sylvian</span>, 80er-Jahre-Wave-<span class="musik-review-bandname">Crimson</span>, den <span class="musik-review-bandname">ProjeKcts</span>, leichten Postrock-Einflüssen und Minimal Music vorstellen kann, dann ist man schon irgendwie in der Welt von „Men Singing“, entspannend spannend!</p></blockquote>
<p>Gelegentlich ist Musik wie diese auf dieser Internetpräsenz ja auch schon mal Thema, „Tank“ von <span class="musik-review-bandname">Kreidler</span> etwa fand hier bereits <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">im Juni 2011</a> lobende Erwähnung. „Men Singing“ stößt in ein ähnliches Horn, eignet sich jedoch weniger zur Hintergrundbeschallung. Wer hier nicht aufpasst, verpasst wahrscheinlich vieles.</p>
<p>Auch die Fachwelt (sprich: Musikjournaille) ist begeistert von „Men Singing“. Es passiert tatsächlich oberflächlich nicht viel, aber die Atmosphäre, die auf „Men Singing“ eingefangen wurde, sucht sicherlich ihresgleichen. Freunde der gitarrenlastigen Rockmusik sind hier wahrscheinlich unterfordert; wer aber die genannten Vergleiche schätzt, dem sollte „Men Singing“ zusagen. Ich jedenfalls mag es.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Alle vier Stücke lassen sich auszugsweise <a href="http://www.amazon.de/Men-Singing-Henry-Fool/dp/B00B1MSID2/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hören, auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=wwmMNfcJlI8" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist ein Stop-Motion-Video zu <em>Everyone In Sweden</em> zu sehen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/motorpsycho-still-life-with-eggplant.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-motorpsycho-still-life-with-eggplant.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Motorpsycho – Still Life With Eggplant</span>
<p>Das norwegische Trio <span class="musik-review-bandname">Motorpsycho</span> erweist sich auch nach 24 Jahren weiterhin als recht aktiv. Dem jazzdominierten Album „The Death Defying Unicorn“, meinem <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Album des Jahres 2012</a>, folgt nun mit nicht einmal einem Jahr Abstand das inzwischen sechzehnte Studioalbum „Still Life With Eggplant“. Das zugrunde liegende Material entstammt teilweise Entwürfen, die wegen der Kollaboration mit <span class="musik-review-bandname">Ståle Storløkken</span> vorübergehend zurückgestellt wurden. Ein Orchester ist diesmal auch nicht dabei.</p>
<p>Die Jazzanteile auf „Still Life With Eggplant“ wurden konsequent (wieder) deutlich zurückgefahren, von Anfang an ist die Gitarre ein starkes Instrument, der druckvolle Bass trägt seinen Teil bei. Dies ist Rock.</p>
<p>Das ist auch dann Rock, wenn <span class="musik-review-bandname">Motorpsycho</span> ihr Bestes geben, ihn zu tarnen. Da wäre etwa der <em>longtrack</em> <em>Ratcatcher</em> (17:11 Minuten), der leider ein wenig uninspiriert und bluesig vor sich hinplätschert, bis er nach einigen Minuten deutlich an Tempo und Intensität gewinnt. Der durchschnittliche Rockfan hat da schon längst weitergeschaltet, der Progressive-Rock-Freund hingegen lauscht gebannt jeder neuen Nuance. Warum sollte Rock auch immer in das Drei-Minuten-Korsett der öffentlich-rechtlichen Radioanstalten passen müssen?</p>
<p>Und sonst? „The Afterglow“. Ist das <span class="musik-review-bandname">Oasis</span>? Zumindest ist es 60er-Beatpopirgendwas. (Also wiederum <span class="musik-review-bandname">Oasis</span>.) Der <em>rockige</em> Teil nach drei Minuten und zwanzig Sekunden ist überragend. Beim Gesang muss ich gerade in diesem Stück oft an <span class="musik-review-bandname">John Lennon</span> denken, aber das ist ja durchaus auch nichts Schlechtes.</p>
<p>Apropos „nicht schlecht“ beziehungsweise apropos „eclipsed“: Dort schrieb <span class="musik-review-bandname">Wolf Kampmann</span> im Mai 2013 über „Still Life With Eggplant“:</p>
<blockquote><p>„Still Life With Eggplant“ ist eine Compilation der besten Songs, die <span class="musik-review-bandname">Motorpsycho</span> niemals aufgenommen haben. Die Band hangelt sich durch ihre gesamte Geschichte mit semi-akustischen Balladen, saftigen Sleaze-Krachern und monumentalen Kraftpaketen.</p></blockquote>
<p>Keine Einwände!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
<a href="http://www.amazon.de/Still-Life-With-Eggplant-Motorpsycho/dp/B00BHXQ062/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat Ausschnitte vom Album in 30-Sekunden-Länge zum Anhören. Tut dies zahlreich!</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/daymoon-fabric-of-space-divine.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-daymoon-fabric-of-space-divine.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Daymoon – Fabric of Space Divine</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Let there be life!“</span> (Seed of Complexity)
<p>Es gibt auch Neues von der US-amerikanisch-portugiesischen Regressive-Rock-Institution <span class="musik-review-bandname">Daymoon</span>. Nach dem <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">überragenden Debütalbum „All Tomorrows“</a> ergaben sich einige Änderungen im Privatleben von Frontmann <span class="musik-review-bandname">Fred Lessing</span> wie auch in der Besetzung. Entsprechend lange haben die Aufnahmen gedauert.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Fred Lessing</span> begann nach eigenem Bekunden bereits 2002 mit den Aufnahmen für „Fabric of Space Divine“. Das Album hatte also viel Zeit zu reifen. Es basiert auf der Arbeit von <span class="musik-review-bandname">Stephen Baxter</span>, einem von ihm bewunderten englischen Science-Fiction-Autor, und erzählt im Wesentlichen die Geschichte des Universums (gemäß den <em>liner notes</em> „hintergründig missverstanden von <span class="musik-review-bandname">Fred Lessing</span>“) von seinem Anfang bis zu seinem Ende. Das Album wurde über die Jahre immer weiter verfeinert und schließlich ab 2010 vom neuen Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">André Marques</span> produziert. Vom Debütalbum geblieben ist nur besagter <span class="musik-review-bandname">Fred Lessing</span>, alle anderen Bandmitglieder wurden zwischen 2009 und 2011 ausgetauscht (obwohl noch einige von ihnen auf dem Album zu hören sind). Dass das den musikalischen Stil umwirft, ist wenig überraschend.</p>
<p>So beginnt (<em>Singularity to Sol</em>) es mit Spacerockzirpen, das in einen mit wenigen Canterburyelementen verfeinerten Spacerockteil übergeht. Gelegentlich ist er noch da, dieser <span class="musik-review-bandname">Yes</span>-Moment, aber er schwand zugunsten einer mir bis dahin noch nicht begegneten Herangehensweise an das Weltraumthema. Am Ende zum ersten Mal Gesang: <span class="musik-review-lyrics-inline">„Let there be light!“</span> Schön.</p>
<p>Dann: <em>Seed of Complexity</em>. Hier taucht zum ersten Mal der Titel des Albums auf, der sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Musikalisch herrscht hier weitgehend unauffälliger AOR vor, gelegentlich zumindest begleitet von interessanten RIO/Avant-Effekten. Ganz anders <em>Beyond Nature</em>, das uns olle <span class="musik-review-bandname">Ärzte</span>-Fans zuerst an „Die Bestie in Menschengestalt“ erinnert (zumal auch der Gesang <span class="musik-review-bandname">Bela B.</span> recht nahe kommt), dann aber erkennt man den Krautrock, Stilrichtung <em>world music</em> mit indischem <em>touch</em>, yeah. Der verstörende (kreischende) Hintergrundgesang ist ein hörenswerter Kontrapunkt.</p>
<p>Interessant ist auch <em>Beyond Trinity</em>, eine Klavierballade im ungefähren Stil von <span class="musik-review-bandname">Elton John</span>. Der Gesang ist aber schlechter. – Ja, der Gesang, die alte Schwachstelle von <span class="musik-review-bandname">Daymoon</span>. Es gibt viel Gesang auf „Fabric of Space Divine“, nur wenige Stücke kommen ohne ihn aus. Andererseits hat <span class="musik-review-bandname">Fred Lessing</span> zumindest etwas besser singen gelernt, oft fügt sich der Gesang gut in die Musik ein. – Nachtrag: In den Kommentaren weist mich Herr Lessing darauf hin, dass er gar nicht mehr selbst singt. Ich hatte mich schon gewundert.</p>
<p>Aber was wird eigentlich gesungen? Vor allem viel Religiöses. So heißt es etwa in <em>Beyond Multiplicity</em>:</p>
<blockquote><p>La ilahe illa allah, jamal of God we sing<br>
La ilahe illa allah, jalal of Allah we sing</p></blockquote>
<p>Natürlich: Wer die Geschichte des Universums erzählt, der sollte auch religiöse Bewegungen nicht auslassen. Dass <span class="musik-review-bandname">Fred Lessing</span> sich selbst als „überhaupt nicht religiös“ bezeichnet (und sich dafür unnützerweise entschuldigt), werte ich positiv. Also, wie gesagt, der Gesang ist die Schwachstelle auf diesem Album.</p>
<p>Wer darüber hinwegsehen kann und nichts gegen Spacerock mit Stilwechseln und ohne große Ecken und Kanten hat, der sollte „Fabric of Space Divine“ eine Chance gewähren. Fest steht jedenfalls: <span class="musik-review-bandname">Daymoon</span> schaffen es bislang, sich auf jedem Album neu zu erfinden. Mal sehen, wohin die Reise führt – dieses Jahr jedenfalls ins Weltall.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Ach was, warum mit Proben zufriedengeben? „Fabric of Space Divine“ gibt es in voller Länge <a href="http://daymoon.bandcamp.com/album/fabric-of-space-divine" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">per Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zum Streamen und Kaufen. Das verdient Applaus.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/carpet-elysian-pleasures.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-carpet-elysian-pleasures.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Carpet – Elysian Pleasures</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Carpet</span>. Teppich. Blöder Name. Andererseits ist Bandgründer <span class="musik-review-bandname">Maximilian Stephan</span>, der für das zweite Carpet-Album drei weitere Musiker an Bord geholt hat, ja für blöde Bandnamen bekannt: Seine <em>andere Band</em> heißt <span class="musik-review-bandname"><a href="https://tuxproject.de/blog/?s=dear john letter" data-wpel-link="internal">dear john letter</a></span> (Schreibweise variierend) und wurde für ziemlich großartigen, atmosphärischen Postrock bekannt. Auf „Elysian Pleasures“ ist auch Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Jakob</span> von ebendort zu hören. (Dass „Elysian Pleasures“ ein aufwändig gestaltetes Coverbild spendiert bekommen hat, das nur im Vinylformat richtig zur Geltung kommt, versteht sich da eigentlich von selbst.)</p>
<p>Man möge mir verzeihen, wenn die personellen und sonstigen Überschneidungen treue Leser meiner Rezensionen nun auf eine falsche Fährte locken: Postrock ist hier nicht zu finden. Stattdessen wird in den 70-ern gestochert: Post-<span class="musik-review-bandname">Beatles</span>-Beat (<em>For The Love Of Bokeh</em>), Canterbury-nahe Bläserklänge (<em>Smoke Signals</em>) und atmosphärischer Rock (<em>Man Changing The Atoms</em> mit, immerhin, einer gefälligen Lärmkaskade gegen Ende des Stücks) treffen hier aufeinander und ergeben ein interessantes Zusammenspiel. Etwas bedauerlich ist, dass der Gesang in den beigemischten Effekten beinahe zu ertrinken scheint; das tut dem Gesamteindruck aber keinen nachhaltigen Schaden an.</p>
<p>Im Magazin „eclipsed“ („alles, was das letzte halbe Jahrhundert Rockmusik ausgemacht hat, findet sich auf diesem Album wieder“) war man geradezu überschwänglich begeistert von „Elysian Pleasures“; halbwegs auf dem Boden bleibt jedenfalls <span class="musik-review-bandname">Peter</span> auf <a href="http://www.schallgrenzen.de/the-review-carpet-elysian-pleasures/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Schallgrenzen.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>:</p>
<blockquote><p>“Elysian Pleasures” ist, im Gegensatz zum eher eher ambienten, experimentellen Debüt, eine durchaus handfeste Veranstaltung. Zu hören gibt es nämlich treibenden Rock zwischen Psychedelic und Progressive. Aber auch eine immer wieder durchschimmernde subversive Jazz-Note gefällt mir sehr gut. Summa Summarum: Zeitsturz in die späten Siebziger. Schöne progressive Tütenmusik inklusive Orgel.</p></blockquote>
<p>Etwas weniger Hall täte, wie schon erwähnt, dem Album gut, aber irgendwas ist ja immer. Freunde der eher entrückten Musik der 1970-er Jahre sollten es aber auf keinen Fall versäumen, sich mit „Elysian Pleasures“ zu beschäftigen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Auch „Elysian Pleasures“ ist vor dem Kauf komplett <a href="http://carpet.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">per Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> streambar.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/shining-one-one-one.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-shining-one-one-one.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Shining – One One One</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I do not fight back, I paint the sky black“</span> (Paint The Sky Black)
<p>Metalfreunde kamen bis hierhin etwas weniger auf ihre Kosten. Aber auch für sie hat das Jahr 2013 schon einen Schatz zu bieten, nämlich „One One One“ von <span class="musik-review-bandname">Shining</span> (der norwegischen Metalband, nicht der schwedischen Metalband gleichen Namens).</p>
<p>„Metalband“ ist vielleicht etwas kurz gegriffen. Obwohl „One One One“ – „Six Six Six“ wäre zu plump – beim ersten Reinhören sehr, sehr gut und vor allem sehr, sehr laut klingt, liegen die Wurzeln der Band im Jazz. Geblieben ist die Lust am Experimentieren, die schon auf dem Vorgängeralbum – oder ist es ein ganzes Genre? – „Blackjazz“ (2010), auf das im Titel <em>Blackjazz Rebels</em> nochmals Bezug genommen wird, nur schwer zu überhören war. <span class="musik-review-bandname">Shining</span> mischen auch auf „One One One“ Black Metal, Nu-Metal (etwa <em>My Dying Drive</em>) und Avantgardistisches wie merkwürdige Klangsequenzen dort, wo andere Metalbands vielleicht ein Gitarrensolo platzieren würden, zu einer beachtlichen Kombination (auf <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2013/Shining-Nor/One-One-One/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">musikreviews.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und anderswo ist von „Jazz-Metal“ die Rede, was eben ungefähr so hilfreich ist wie „Schlagerpunk“, aber sei’s drum) zusammen, die trotz allem auch uns Freunde des Schönklangs dazu einlädt, die Texte mitzubrüllen. Wirklich schade, dass ich gerade kein Textbuch zur Hand habe.</p>
<p>Und ein wenig Jazz ist ja dann auch noch da: <em>How Your Story Ends</em> etwa beginnt mit Solosaxophon von – wahrscheinlich – Frontmann <span class="musik-review-bandname">Jørgen Munkeby</span>, der, wenn er gerade nicht bläst, bevorzugt brüllt und Gitarre spielt. So ein wenig Klischee muss ja schon sein. Das Saxophon als Metalinstrument erzielt zumindest eine interessante Wirkung, gerade in den etwas lauteren Teilen. Natürlich hat das mit <span class="musik-review-bandname">Metallica</span> weniger zu tun als mit <span class="musik-review-bandname">Marduk</span>, weniger mit <span class="musik-review-bandname">Tool</span> als mit einer satanistischen Kultmesse. Wer Metal nur aus dem Radio kennt, den könnte „One One One“ also eventuell überfordern. Aber das Ziel jedes Musikfreundes, liebe Leser, sollte es stets sein, seine Grenzen (eben seinen Horizont) kennenzulernen und beständig zu erweitern.</p>
<p>Natürlich ist das nur Modellpflege und kein radikaler Umbruch. Warum auch? Dieses Niveau dürfen <span class="musik-review-bandname">Shining</span> gern noch ein paar Jahre lang halten.</p>
<p>Ich finde Metal doof. „One One One“ finde ich aber überhaupt nicht doof. Ihr solltet es mir gleichtun.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
<a href="http://www.amazon.de/One-Shining/dp/B00CC3G5XE/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> lässt euch für jedes Stück dreißig Sekunden Zeit.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/sigur-ros-kveikur.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2013/06/Vorschau-sigur-ros-kveikur.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Sigur Rós – Kveikur</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Við skerum á / augnaráð / nú stingur í / ofbirta“</span> (Brennisteinn)
<p>Kommen wir nun zu etwas völlig Anderem (als Metal). Gerade noch rechtzeitig erreichte mich „Kveikur“, das neue Album der isländischen Postrockband <span class="musik-review-bandname">Sigur Rós</span>. Wer aber dachte, er wüsste, was ihn erwartet, der hat sich getäuscht. Nach einîgen vertonten Traumwelten und der Hinwendung zur beinahe fröhlichen Popmusik auf „Takk…“ und „Með suð í eyrum við spilum endalaust“ ging es mit „Valtari“ wieder zurück zum „Dreampop“ (Zitat: Wikipedia – ich finde Genres immer noch bescheuert) der früheren Alben.</p>
<p>Aber „Kveikur“?</p>
<p>Die Verpackung des Albums ist in Schwarz-Grau gehalten. Texte gibt es nicht. Innen sind mit schwarzbrauner Farbgebung merkwürdige Fantasieszenen gezeichnet, versehen mit wenigen roten Flecken. Eine große Krallenhand kommt von oben rechts und schießt auf Baumstümpfe. Merkwürdig, aber bezeichnend für „Kveikur“. Nachdem zum Jahreswechsel 2012/2013 der Keyboarder <span class="musik-review-bandname">Kjartan „Kjarri“ Sveinsson</span> sich aus vermutlich familiären Gründen aus der Band verabschiedet hatte, ist „Kveikur“ das erste Album, das <span class="musik-review-bandname">Sigur Rós</span> als Trio veröffentlichten; dies obendrein bei einer neuen Plattenfirma, namentlich XL Recordings. Wie bei den meisten Bands (etwa auch <span class="musik-review-bandname">Van der Graaf Generator</span>, „Trisector“) ist damit ein klanglicher Wechsel verbunden.</p>
<p>Das erste Adjektiv, das mir zu „Kveikur“ einfällt, ist: Dunkel. Der Postrock ist zu Hause angekommen. Nie klangen <span class="musik-review-bandname">Sigur Rós</span> so sehr nach <span class="musik-review-bandname">God Is An Astronaut</span> wie auf diesem Album. Das bedeutet nicht, dass es an Eigenständigkeit fehlt; etwa <em>Ísjaki</em> und <em>Yfirborð</em> knüpfen an alte Erfolge an. Neu sind Stücke wie <em>Brennisteinn</em> und das Titelstück <em>Kveikur</em>: Getrieben von allerlei elektronischen Spielereien und dröhnendem Bass und mit weniger sanftem Gesang und weniger monotonem Schlagzeug als noch auf „Með suð í eyrum við spilum endalaust“ wirken sie beinahe aggressiv und hektisch. Das ist gut! (Wenn ich nur die Texte verstünde!) „Kveikur“ klingt mit dem instrumentalen Quasiklavierstück <em>Var</em> dann aber doch noch standesgemäß aus.</p>
<p>Zumindest <em>Brennisteinn</em> (auf Deutsch „Schwefel“, was irgendwie passt) ist aufmerksamen Musikfreunden indes schon lange live bekannt, eine hervorragende Liveversion etwa ist <a href="http://www.youtube.com/watch?v=IPEhKNlPLBo" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf YouTube zu sehen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Wenn das aber die <em>neuen <span class="musik-review-bandname">Sigur Rós</span></em> sind, dann: Gern mehr davon!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Auf YouTube – im Text verlinkt – gibt es ziemlich gute Liveaufnahmen zu hören, auf Amazon.com gab es kurzzeitig <a href="http://www.amazon.com/gp/feature.html/?docId=1001227931&amp;tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">das ganze Album als Stream<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Wer es verpasst hat, der kann dies <a href="http://grooveshark.com/#!/album/Kveikur/9011125" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">per Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (plus zwei Bonusstücke) nachholen oder sich mit den kurzen Ausschnitten <a href="http://www.amazon.de/Kveikur-Sigur-Ros/dp/B00C1GBOU6/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zufrieden geben.</p></li>
</ol>
<p>Waren das schon neun? Oh, ja, das waren schon neun.</p>
<p>Aber es gab doch schon so viel gute Musik 2013, sagen die Medien! – Ja, die Medien. Die Medien <em>hypen</em> eine Menge furchtbaren Scheiß. Wollt ihr wissen, was ich meine? Nun, zum Beispiel folgende Musikalben:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Immer noch viel zu lang.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-titel">Villagers – Awayland</span><br>
Eine müde, kraftlose Variante des immergleichen <span class="musik-review-bandname">Mando-Diao</span>-Aufgusses.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">My Bloody Valentine – m b v</span><br>
<a href="http://www.schallgrenzen.de/elektronischer-verweis-vom-03-02-2013/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist der Ansicht, man könne sich das hier schönsaufen. Ich melde Bedenken an.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Jacco Gardner – Cabinet Of Curiosities</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Beatles</span>quer Einschlaf-Weichspülpop.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Long Distance Calling – The Flood Inside</span><br>
Die einstmals überragende Postrockband hat sich einen scheußlichen Sänger an Bord geholt. Graus!</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Lifesigns – Lifesigns</span><br>
Melodic Rock für Anfänger und Hausfrauen.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Mr Averell – Gridlock</span><br>
Tolle Besetzung, <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/06/kurzkritik-mr-averell-gridlock/" data-wpel-link="internal">grauenhafte Umsetzung.</a></li>
</ul>
<p>Ihr merkt, Qualität und Quantität unterscheiden sich mitunter stark. Nie wurde so viel Musik produziert wie heute, nie kam so viel Schrott dabei heraus. Wie anders doch frühere Jahrzehnte!</p>
<p>Zum Abschluss des diesjährigen Zwischenberichts machen wir also erneut eine Zeitreise durch die Musikgeschichte:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">3.</span> <span class="musik-review-header-text">Und viel zu lang ist’s her.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 40 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-album-titel">Genesis – Selling England by the Pound</span>
<p>1973 begann der Progressive Rock sich voll zu entfalten. Der Canterbury Sound hatte mit „Camel“ (<span class="musik-review-bandname">Camel</span>) und „For Girls Who Grow Plump in the Night“ (<span class="musik-review-bandname">Caravan</span>) seinen großen Auftritt, in Frankreich setzten <span class="musik-review-bandname">Magma</span> mit „Mekanïk Destruktïw Kommandöh“ alles auf eine Karte (und gewannen). In Großbritannien wetteiferten derweil zwei völlig unterschiedliche Musikgruppen um die Gunst des Publikums: Die 1966 gegründeten <span class="musik-review-bandname">10cc</span> vereinten auf ihrem endlich erschienenen Debütalbum Artrock und Progressive Rock zu einer überzeugenden Melange, die ihnen eine Bekanntheit einbrachte, angesichts derer es eigentlich verwunderlich ist, dass man ihren Namen gemeinhin nicht als Allgemeinwissen betrachtet, ganz im Gegensatz zu dem ihrer Landsmänner von <span class="musik-review-bandname">Genesis</span>, die im gleichen Jahr mit „Selling England by the Pound“ das vorletzte Album mit <span class="musik-review-bandname">Peter Gabriel</span> veröffentlichten (leider darf <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span> hier auch schon singen). Trotz Liedtiteln wie <em>The Battle of Epping Forest</em> und <em>Dancing with the Moonlit Knight</em> treten hier jedoch die mystischen Texte früherer Alben zugunsten gesellschaftskritischer Alltagsbeobachtungen zurück. Einen ähnlichen Wandel haben im gleichen Jahr übrigens die wieder vereinten <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> auf „Larks’ Tongues in Aspic“, dem ersten Studioalbum ohne Texter <span class="musik-review-bandname">Peter Sinfield</span>, vollzogen. Der Wandel zur radiotauglichen Poprock-Schlagergruppe jedoch dauerte bei <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> noch eine Weile.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 30 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-album-titel">Marillion – Script for a jester’s tear</span>
<p>Ein Jahrzehnt später war dieser Wandel abgeschlossen. Auf dem Album mit dem selten dämlichen Namen „Genesis“ (kommt schon, Jungs, als Debütalbum ist so was in Ordnung, aber doch nicht für’s zwölfte!) ist außer grauenvollen <span class="musik-review-bandname">Collins</span>-Schnulzen mit Bumm-Tschack-Schlagzeug (<em>That’s All</em>) zumindest auch <em>Mama</em> zu finden. Teuflisch lachen kann er ja, der <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span>; wenn da eben nur nicht die anderen Lieder auf dem Album wären! Besser machten es <span class="musik-review-bandname">Marillion</span>, die mit „Script for a Jester’s Tear“ mittels der Rückbesinnung auf die Tage, als <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> noch den Mut hatten, mit Konventionen zu brechen, einen der Grundsteine für das neue Genre des „Neo-Prog“ legten. Ein wirklicher <em>longtrack</em> fehlt auf dem Album, der wurde indes bereits im Vorjahr als B‑Seite der Single <em>Market Square Heroes</em> veröffentlicht. Dieses Stück (<em>Grendel</em>) wird heute als das <em>Supper’s Ready</em> der 1980er Jahre gehandelt, und tatsächlich waren <span class="musik-review-bandname">Marillion</span> nicht schlecht darin, ihren Vorbildern nachzueifern. Im dunklen Plastikjahrzehnt war tatsächlich auch außerhalb des <em>mainstreams</em> einiges möglich. Dass <span class="musik-review-bandname">Marillion</span> mit <em>Kayleigh</em> einige Jahre später einen Poprockhit in den Hitparaden hatten, soll diesen Erfolg nicht schmälern.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 20 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-album-titel">Nirvana – In Utero</span>
<p>Weniger rosa sah es für den Progressive Rock dann 1993 aus. <span class="musik-review-bandname">Marillion</span> wandelten sich mit ihrem neuen Sänger <span class="musik-review-bandname">Steve Hogarth</span> dem New Artrock zu (und machten damit immerhin nicht den gleichen Fehler wie <span class="musik-review-bandname">Genesis</span>), in Deutschland kämpften <span class="musik-review-bandname">Die Fantastischen Vier</span> mit dem drogenschwangeren „Die 4. Dimension“ und <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> mit ihrem Comebackalbum „Die Bestie in Menschengestalt“ um die Gunst der Jugendlichen. Diese gewann jedoch ein depressiver US-Amerikaner letztlich für sich: <span class="musik-review-bandname">Nirvana</span>s letztes Studioalbum „In Utero“ war auch ihr bestes. Verglichen mit dem Vorgängeralbum „Nevermind“ (dem mit dem nackten Kleinkind vorne drauf) sind <span class="musik-review-bandname">Nirvana</span> hier noch aggressiver und experimenteller geworden. Dass MTV der Band dennoch regelmäßige Werbung verschaffte, stimmt mich ein bisschen traurig, denn heutzutage nimmt MTV einen Musiker ja anscheinend nur noch ernst, wenn er langweilige Liebesscheiße ins Mikrofon heult. Nun ja. – Ein Problem stellte anscheinend nur <em>Rape Me</em> („Vergewaltige mich“) dar, das sich in den USA, wie zu erwarten, diversen Beschneidungen und Verboten unterziehen lassen musste. Dass mit den anderen Liedern, etwa <em>Milk It</em> (<span class="musik-review-lyrics-inline">„Look on the bright side is suicide“</span>), niemand eine Schwierigkeit zu haben schien, ist dann doch etwas seltsam. „In Utero“ jedenfalls ist aufgrund seiner Rauheit bei gleichzeitiger Kontroversität das <span class="musik-review-bandname">Nirvana</span>-Album, das man am ehesten kennen (und schätzen) sollte. Ab und zu sollte man es vielleicht auch mal wieder MTV vorspielen, vielleicht nehmen sie ja irgendwann wieder Vernunft an.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 10 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-album-titel">Ektroverde – Ukkossalama</span>
<p>Es ist ja auch nicht so, dass die Menschen nicht lernfähig wären. Sie wollen nur einfach selten. Andererseits versetzte sie das neue Jahrtausend offenbar in Aufbruchstimmung, und so schossen ab dem Jahr 2000 weltweit viele Musikgruppen schier aus dem Boden, die sich als kompromisslose Anhänger der alten Heroen präsentierten. Aus Spanien etwa kommt das selbstbetitelte Album der Combo <span class="musik-review-bandname">Psicotropia</span>, die trotz der Gitarrenfrickeleien im Stil <span class="musik-review-bandname">Robert Fripp</span>s wohl auch <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span>, <span class="musik-review-bandname">Primus</span>, <span class="musik-review-bandname">Tool</span>, <span class="musik-review-bandname">Muse</span> und nicht zuletzt <span class="musik-review-bandname">Frank Zappa</span> aufmerksam gelauscht hatten. Ganz anders dagegen <span class="musik-review-bandname">Ektroverde</span>, ein Nebenprojekt der umtriebigen Finnen <span class="musik-review-bandname">Circle</span>, das mit „Ukkossalama“ sein bis heute letztes Lebenszeichen vorgelegt hat. Das hat es aber in sich: Hier wird wild gejammt, <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=11873&amp;content=review&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">spacig-neokrautig-postrockig, mitunter auch jazzig-rockig, treibend, hypnotisch, laut und sperrig, dabei aber auch seltsam entspannt und gemächlich<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Dass überdies mal englischer, mal finnischer (Sprech-)Gesang ertönt, versetzt den Hörer dann endgültig in Verwirrung. Was ist das gerade? Natürlich hat das alles keine Struktur, keinen Rhythmus. Assoziation? <span class="musik-review-bandname">Can</span>. Freiformmusik, wie sie eindrucksvoller nicht sein könnte, sozusagen <span class="musik-review-bandname">Circle</span> ohne das dort ohnehin schon recht locker sitzende Strukturkorsett. Insgesamt dreizehn beteiligte Musiker können so ein Konsumentenhirn ziemlich auf Trab bringen. Was bleibt von <span class="musik-review-bandname">Ektroverde</span>? Vorerst: <span class="musik-review-bandname">Circle</span> hören. Das ist zu verschmerzen. Aber vielleicht kommen sie zurück, und das wird sicher grandios.</p></li>
</ul>
<p>Nun, ich bin am Ende. Ich danke euch für die Aufmerksamkeit.</p>
<p>Wenn ihr noch ein Musikalbum kennt, das ich hier eurer Meinung nach hätte aufführen sollen, hinterlasst es mir bitte in den Kommentaren; womöglich werde ich es berücksichtigen können. Noch auf Halde habe ich zum Beispiel die neuen Album von <span class="musik-review-bandname">Big Big Train</span>, <span class="musik-review-bandname">The Strokes</span> und <span class="musik-review-bandname">Spock’s Beard</span>. Das wird ein interessantes zweites Halbjahr.</p>
<p>Weiter geht es – wie gewohnt – im Dezember. Bis dann: Habt Spaß!</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Didi<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">28. Juni 2013</a> dies: Ich <strong>hasse</strong> jede vom Standard abweichende Begrüßungsvariante.</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">28. Juni 2013</a> dies: Was ist denn Standard bei Juristen?</li><li><a href="http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Didi<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">28. Juni 2013</a> dies: Schon gezahlt?</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">28. Juni 2013</a> dies: Dämliche Begrüßung.</li><li>Fred Lessing schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">9. Juli 2013</a> dies: Hallo  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":-)" width="18" height="18" class="wpml_ico">  Danke auch für diese Super-Review vom 2. Album meiner Band Daymoon. Es macht immer wieder Spass, wenn jemand Musik aufmerksam hört und so schön beschreibt, wie hier. Im Gegensatz zum Vorjahr haben sich diesmal allerdings ein paar sachliche Fehler eingeschlichen: 1. Auf dieser CD singe ich selbst bis auf ein paar Hintergrundchöre gar nicht. Hihi, und wer da auf „kreischt“ ist Michael Dorp  von der deutschen Prog-Band Flying Circus. Reinhören unbedingt empfohlen! 2. Von der „All Tomorrows“ Band sind ausser mir selbst wieder Paulo Chagas (Saxofon, Flöten), Adriano (Klarinette) und Paulo Catroga (Klavier auf einem der Stücke) mit dabei. Aber das wirklich nur nebenbei. Dank Dir GANZ lieb  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":-)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> 

Gruss aus Portugal,
Fred</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">9. Juli 2013</a> dies: Poah. Frech! Da liest man sich ein einziges Mal die Hintergründe zu einem Album durch und dann stimmen die nicht mal!  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif" alt=";)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> 

Danke für deine Korrekturen. Ich glaube, Flying Circus möchte ich jetzt gar nicht mehr kennen.  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif" alt=";)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> </li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Musik 12/2013 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">23. Dezember 2013</a> dies: […] werte Leser und Musikfreunde, da ist doch tatsächlich schon wieder Ende Dezember; Zeit also, wie zuletzt im Juni die musikalischen Perlen aus dem großen Haufen an diesjährigen Veröffentlichungen […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/3aecbd70d9b64134b2e9d7c2d3d100c5" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
	</item>
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		<title>Musik 12/2012 – Favoriten und Analyse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Dec 2012 08:49:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Noch bis zum 31. Dezember 2012 läuft auf Plattentests.de der „Jahrespoll“, und ich kenne nur einen sehr, sehr kleinen Teil der dort aufgeführten „Künstler“. Ich hatte 2012 nun mal bessere Musikalben zu hören als den immergleichen Indiepop-Mist. Und da schon wieder Jahresende ist, freue ich mich darauf, euch mit gewohnt herausragender Grammatik den zweiten Teil ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2012 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Noch bis zum 31. Dezember 2012 läuft auf Plattentests.de <a href="http://www.plattentests.de/jahrespoll.php" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">der „Jahrespoll“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, und ich kenne nur einen sehr, sehr kleinen Teil der dort aufgeführten „Künstler“. Ich hatte 2012 nun mal bessere Musikalben zu hören als den immergleichen Indiepop-Mist.</p>
<p>Und da schon wieder Jahresende ist, freue ich mich darauf, euch mit gewohnt herausragender Grammatik den zweiten Teil (den ersten Teil gibt es <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">hier</a>) der Liste der <span class="musik-intro-hervorhebung">mir am gefallendsten Alben 2012</span> zu präsentieren. Keine Sorge, selbstverständlich trägt jedes aufgeführte Album das übliche Gütesiegel: <a href="http://www.twitter.com/wortmusik/status/269281130560253952" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Ohne <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. <span id="more-7428"></span></p>
<p><span class="musik-review-bandname">Big Big Train</span> haben mit „English Electric Part I“ schon mal den ersten Teil eines Doppelalbums, das 2013 regulär erscheinen soll, veröffentlicht. Ich werde mich dann 2013 daran setzen, das <em>Gesamtkunstwerk</em> zu hören und wahlweise wegzuwerfen oder an dieser Stelle zu würdigen. Einmal muss reichen. Aufmerksame Leser wissen auch, dass ich es mir nicht nehmen lasse, auch zwischen den Rückschauen gelegentlich herausragende Musikalben zu empfehlen. Ich bitte daher auch die neuen Scheiben von <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/10/guilty-ghosts-trespasser-ep/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Guilty Ghosts</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/12/pixel-reminder/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Pixel</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/07/last-remaining-pinnacle-rhythmische-stoergeraeusche/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Last Remaining Pinnacle</span></a>, <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/11/belleruche-rollerchain/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Belleruche</span></a> und <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/11/toc-sin/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Toc.Sin</span></a> nicht aus den Augen zu verlieren.</p>
<p>Diesmal enthält die Rückschau eine Neuerung, nämlich eine Liste der Alben, die zu gut sind, um sie zu ignorieren, aber für die auf der Bestenliste dann doch kein Platz mehr war. Wie immer liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ich ein relevantes Album übersehen habe, dennoch bei ungefähr 100 Prozent. Ergänzungen sind erwünscht, über mir bislang unbekannte Musiker erfahre ich gern etwas, es kann ja sein, dass ihre Aufnahmen selbst mir gefallen.</p>
<p>Leider konnte ich nicht zu allen aufgeführten Musikalben frei verfügbare Hörproben finden, ich werde daher auch diesmal gelegentlich auf Grooveshark zurückgreifen, das in Deutschland nur über Proxyserver erreichbar ist; Erklärungen hierzu kann ich bei Bedarf nachreichen. Ich bitte dies zu entschuldigen.</p>
<p>Nun ist’s aber genug des Geplänkels. Los geht es wie gewohnt mit der Hauptliste:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">1.</span> <span class="musik-review-header-text">Kauft dies!</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Magma-Felicite-Thosz.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Magma-Felicite-Thosz.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Magma – Félicité Thösz</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Magma</span> sind wieder da – oder immer noch? Tatsächlich ist „Félicité Thösz“ in gewisser Weise ein Neuanfang: Mit den beiden nach langer Pause veröffentlichten Vorgängeralben „K.A“ und „Ëmëhntëhtt-Ré“ wurde die „Köhntarkösz“-Trilogie, deren Anfänge bereits in den 1970er Jahren auf Konzerten zu hören waren, abgeschlossen, „Félicité Thösz“ ist nun also das erste <em>neue</em> <span class="musik-review-bandname">Magma</span>-Album seit „Merci“ (1984).</p>
<p>Wie seinerzeit „Merci“ ist auch „Félicité Thösz“ für <span class="musik-review-bandname">Magma</span> eher untypisch: Der düstere, ausufernde, hypnotische Zeuhl klingt fast vollkommen anders. Statt der bombastischen Kompositionen sind kurze, beschwingte Lieder zu hören, wenngleich alle bis auf eines im 28-minütigen Titelstück <em>zusammengefasst</em> wurden. Auch andere Gemeinsamkeiten mit „Merci“ fallen auf: Mit „Les hommes sont venus“ ist auch mal wieder ein Stück mit einem französischen Titel enthalten – in der kobaïanischen Welt von <span class="musik-review-bandname">Magma</span> eine Seltenheit, die erwähnt werden sollte. Die Gesamtlaufzeit von „Félicité Thösz“ beträgt 32:24 Minuten. Gilt das schon als komplettes Album, oder ist das noch ein/e EP?</p>
<p>Vergleicht man „Félicité Thösz“ mit den vorherigen Alben, sieht es mit einer Bewertung also eher schlecht aus, denn das <em>Markenzeichen</em> von <span class="musik-review-bandname">Magma</span>, eben der Zeuhl, schwächelt hier ein wenig. Die Bewertung des Albums sollte also nicht im Kontext des Hauptwerkes von <span class="musik-review-bandname">Magma</span> erfolgen, sondern eigenständig. Und als ein eigenständiges Werk ist „Félicité Thösz“ gleich viel besser:</p>
<p>Wie schon auf „Merci“ herrscht eine fröhliche, beinahe ausgelassene Stimmung; <em>Les hommes sont venus</em> wird von zwei Sängerinnen zu rhythmischer Vibraphonbegleitung intoniert, einzig das repetitive Muster kommt dem <span class="musik-review-bandname">Magma</span>-Freund bekannt vor.</p>
<p>Alles andere als ein „typisches“ <span class="musik-review-bandname">Magma</span>-Album liegt hier also vor. Das ist eine merkwürdige und ungewohnte, aber willkommene Abwechslung. Dass es so kurz ist, hat einen einfachen Grund: Zum Titelstück gehört eigentlich noch ein zweites, das aber laut Schlagzeuger, Gründer und <em>mastermind</em> <span class="musik-review-bandname">Christian Vander</span> <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=12730&amp;content=review" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">nicht <em>dazu passte</em><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Es ist also absehbar, dass <span class="musik-review-bandname">Magma</span> noch lange nicht in den Ruhestand gehen. Gut so.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
„Félicité Thösz“ gibt es <a href="http://grooveshark.com/#!/album/F+licit+Th+sz/7962683" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">via Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> als vollständigen Stream.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/DeWolff-DeWolff-IV.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-DeWolff-DeWolff-IV.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">DeWolff – DeWolff IV</span>
<p>Die südniederländische (die Himmelsrichtung muss dem Trio sehr wichtig sein, denn sie betonen sie auf ihrer <a href="http://www.dewolff.nu" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Internetseite<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> an mehreren Stellen) Formation <span class="musik-review-bandname">DeWolff</span> wurde im Jahr 2007 von den beiden Brüdern <span class="musik-review-bandname">Pablo</span> (Gesang, Gitarre) und <span class="musik-review-bandname">Luka van de Poel</span> (Schlagzeug) sowie <span class="musik-review-bandname">Robin Piso</span> (Orgel, Hintergrundgesang) gegründet. Auf ihrem im Juni erschienenen dritten (!) Vollzeitalbum „DeWolff IV“ – das unbetitelte Debüt schaffte es nur als EP mit sechs Stücken in den Handel – treiben <span class="musik-review-bandname">DeWolff</span> weiterhin ihr Spiel mit den Genres. Bluesrock (<em>Six Holes &amp; A Ghost</em>) trifft auf Psychedelic Rock, Hardrock und gelegentliche Stoner-Rock-Anklänge (<em>Devil’s Due</em>).</p>
<p>Ihre Plattenfirma vergleicht <span class="musik-review-bandname">DeWolff</span> vollmundig mit <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span>, <span class="musik-review-bandname">Cream</span> und <span class="musik-review-bandname">Deep Purple</span> und liegt damit nicht so sehr daneben, wie man das eigentlich meinen sollte, immerhin sind <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> und <span class="musik-review-bandname">Cream</span> einander ungefähr so ähnlich wie Apple und das Rote Kreuz. Die Musiker selbst bezeichnen ihren Stil als „psychedelischen, elektrifizierten, fuzzgetränkten, ekstatischen, hart groovenden Space-Rock‑n’-Roll“. Immerhin ist das aussagekräftiger als „Wir sind eine Rockband“.</p>
<p>Genrequark hin oder her: Gefällig ist das Zusammenspiel der drei Herren zweifelsohne. Selbst der Sänger, der gelegentlich ein wenig nach <span class="musik-review-bandname">Robert Plant</span>, manchmal auch nach den <span class="musik-review-bandname">Beatles</span> (die sich ja damals alle vier recht ähnlich anhörten) klingt, gelegentlich aber auch ganz anders, schafft es, mich derart zu überzeugen, dass ich ihn hier separat erwähne, was bekanntermaßen nicht oft vorkommt. Und obwohl man sich beinahe ausnahmslos in den musikalischen 1970-er Jahren bedient, hat man beim Konsum der 11 Stücke keine Sekunde lang das Gefühl, das alles schon mal gehört zu haben.</p>
<p>Natürlich ist ín den zitierten Genres auch mitunter ein Ausfall zu verzeichnen. Das ruhige „Devil On A Wire / The Telephone“ etwa ist trotz der angeschrägten Streicher(?)begleitung so <em>unauffällig</em>, dass es das Hörvergnügen in kaum merklichem Maße beeinträchtigt; gesagt werden soll’s dann aber doch. Wobei es eigentlich allgemein Blödsinn ist, „DeWolff IV“ nach den einzelnen Stücken zu bewerten, da die Übergänge quasi fließend sind und der Hörer somit die Titel- eher als Kapitelliste lesen sollte. (Das reimt sich.) Das letzte dieser Kapitel, <em>Vicious Times</em>, steigert sich zum Ende hin zu einer dissonanten Klimax und klingt dann, leise brummend, aus. Und obwohl dieses <em>Buch</em> schwächere Kapitel hat, ist es in der Summe ein sehr empfehlenswertes Werk, das man zumindest mal gelesen haben sollte.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Zurzeit (11. Dezember) steht auf der <a href="http://www.dewolff.nu" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Website der Band<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> das komplette Album zum Anhören zur Verfügung.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Sebkha-Chott-The-NeXXXt-Epilog-v1.0.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Sebkha-Chott-The-NeXXXt-Epilog-v1.0.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Sebkha-Chott – The Ne[XXX]t Epilog v1.0</span>
<p>Auf <span class="musik-review-bandname">Sebkha-Chott</span> (die etwaige Bedeutung des Namens ist mir, Verzeihung!, nicht bekannt) wurde ich im, wenn ich mich recht entsinne, vorletzten Jahr eher zufällig aufmerksam. Sie wurden gelegentlich im Zusammenhang mit der mittlerweile aufgelösten Avantgarde-Metal-Kabarett-Gruppe <span class="musik-review-bandname">Sleepytime Gorilla Museum</span> erwähnt. Beim ersten Anhören war mir das Dargebotene allerdings deutlich zu schräg, und wer mich oder auch nur eine meiner vergangenen Bestenlisten kennt, der weiß, dass das schon <em>wirklich</em> schräg sein muss.</p>
<p>Allerdings habe ich seitdem viel Musik gehört, die mein Schrägheitsempfinden ein wenig gedehnt hat. Dem neuen Album von <span class="musik-review-bandname">Sebkha-Chott</span> – „The Ne[XXX]t Epilog v1.0“ – gewährte ich also eine zweite Chance, und das war im Nachhinein nicht die schlechteste von mir jemals getroffene Entscheidung.</p>
<p>Warum v1.0? Nun, es handelt sich um ein „wachsendes“ Album, das bereits die Fortentwicklung des Albums „Nigla(h) – Tapisseries Fines en XXX Scripts et LXX/X Trompettes“ von 2008 ist und zum Großteil aus überarbeiteten Versionen der gleichen Stücke besteht. Mit v0.9, das nur <em>Phial Shapes</em> und den kurzen <em>Free Software Song</em> enthält, wurde am 1. Oktober 2012 die erste Fassung veröffentlicht. Während v1.0 – nun in voller Länge – auf einem physischen Tonträger daherkommt, wird das Album quasi kontinuierlich weiterentwickelt. Am 1. Dezember dieses Jahres wurde „Version 1.1“ auf <a href="http://www.sebkhachott.net/spip/?The-Ne-XXX-t-Epilog&amp;lang=en" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">der Website der Band<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (die leider ziemlich unübersichtlich ist) veröffentlicht, allerdings (so weit mir bekannt ist) lediglich als Stream. Damit entgeht dem Musikfreund ziemlich gutes <em>artwork</em> in Form eines schlichten Pappkartons mit reichlich komplexem Spinnennetz-Muster, das die Titel der Stücke und einige weitere Informationen beinhaltet. Die Stücke tragen Namen wie <em>Nigla(h)</em> und sind unterteilt in bis zu neun „Kapitel“, die schon mal Titel wie <em>Nigla(h) I: Variations hemorragiques sur l’Agnus Dei</em> tragen. Komplex? Ja. Somit jedoch mehr als nur passend zur Musik.</p>
<p>Laut der Plattenfirma Musea haben <span class="musik-review-bandname">Sebkha-Chott</span> ihren Stil „Mekanik Metal Disco“ genannt. Das Wort „Mekanik“ sollte nun ebenso wie <a href="http://www.amarokprog.net/biographies_196_3296.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Vergleiche mit <span class="musik-review-bandname">Magma</span><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> niemanden in den Glauben versetzen, es handele sich um Zeuhl. Mitnichten! <span class="musik-review-bandname">Sebkha-Chott</span> sind bereits zusammen mit <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/04/extra-life-voluptuous-life/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Extra Life</span></a> und <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">uneXpect</span></a> auf Tour gewesen. Das trifft es wahrscheinlich besser.</p>
<p>Dass die mehr oder weniger renommierte Website Progarchives.com für „The Ne[XXX]t Epilog v1.0“ momentan <a href="http://www.progarchives.com/album.asp?id=39186" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">1 von 5 Punkten<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> („nur für Sammler“) vergibt, ist wahrscheinlich ein Qualitätskriterium – der Punktegeber war womöglich gleichsam überfordert wie ich.</p>
<p>Aber was ist das hier überhaupt? Vermutlich wäre es mit „Avantgarde-Kabarett-Metal-Rock“ gut umschrieben. Es wechseln sich auf Französisch gesprochene und gekreischte Passagen, instrumentale und nur mit Geräuschen unterlegte ebensolche, Blasmusik und Death-irgendwas in rascher Folge ab. Hier wird etwas erzählt, dort bricht bereits das Gewitter los, nur um gleich wieder zu verstummen. Geht das als „Musik“ durch? Zumindest sind’s Klänge. Den Avantgardefreund freut es. Zu <em>Nigla(h) I</em> gibt es sogar ein gleichfalls ziemlich unnormales <a href="http://www.youtube.com/watch?v=6cD2A6t-n4k" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Video<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Das ist harte Kost, aber man sollte sie mal probiert haben.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Per <a href="http://sebkhachott.bandcamp.com" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sind sämtliche Musikalben der Band – inklusive The Ne[XXX]t Epilog v1.0 und v1.1 – anhörbar und käuflich.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/echolyn.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-echolyn.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">echolyn</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„She’d love to fly but the sky won’t hold her.“</span> (Past Gravity)
<p>Die Symphonic-Progressive-Rock-Band <span class="musik-review-bandname">echolyn</span> aus den Vereinigten Staaten von Amerika, die normalerweise ja nicht gerade als die Wiege des Progressive Rock bekannt sind, hat sich im Jahr 2012 auf beeindruckende Weise nach sieben Jahren Pause wieder einmal zurückgemeldet.</p>
<p>Das neue Album trägt keinen Titel, auf dem Coverbild ist jedoch ein Fenster zu sehen. Es liegt daher nahe, es wie viele dieser Rezensions-Websites „The Window Album“ oder schlicht – wie bereits das Debüt von 1991 – „echolyn“ zu nennen, wenn man denn unbedingt einen Namen braucht. Namen jedoch, Freunde, sind Schall und Rauch. Lassen wir stattdessen die Musik für sich sprechen!</p>
<p>Und die ist beeindruckend: Das Doppelalbum – bestehend aus zweimal vier Stücken, die insgesamt auch auf eine einzige CD gepasst hätten, aber man hat sich sicherlich etwas dabei gedacht – beginnt mit <em>Island</em>, mit 16:37 Minuten das längste der Stücke, und somit mit (recht gutem) Rock.</p>
<p>Alte Stärken – vertrackte Melodieläufe mit interessantem Gitarrenspiel (<em>The Cardinal and I</em>) – treffen auf ungewohnte Neuerungen wie das fast elfminütige <em>(Speaking In) Lampblack</em>, das in seiner Melancholie und Besinnlichkeit an <span class="musik-review-bandname">Sigur Rós‘</span> schrecklich überbewertete Großtat „( )“ erinnert. Dabei ist gerade <em>(Speaking In) Lampblack</em> auch aus musikhistorischer Sicht interessant, immerhin erweist die Band mit ihm einer der <a href="http://www.echolynfan.net/2012/06/20/the-meaning-of-speaking-in-lampblack/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ältesten bekannten hörbaren Aufzeichnungen von menschlicher Stimme<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ihre Reverenz. „The Cardinal and I“ als letztes Stück auf dem Album endet unerwartet mit einer reichlich schrägen Barbershop-Remineszenz.</p>
<p>Interessant sind <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=12736&amp;content=review" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auch die Texte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>:</p>
<blockquote><p>Es lohnt sich mal einen Blick auf die Texte zu werfen oder einfach genau hinzuhören. Da gibt es mal ein Sprachsample, welches gerüchteweise ein zufällig entstandener Mitschnitt eines Streits in der Nachbarschaft von <span class="musik-review-bandname">Ray Weston</span> ist. Hier wird völlig unvoyeuristisch ein alltägliches Drama als Grundlage eines nachdenklichen Songs eingebaut, faszinierend.</p></blockquote>
<p>Natürlich kann man kein zweites Monumentalwerk wie „mei“ erwarten, das in der Diskografie von <span class="musik-review-bandname">echolyn</span> unerreicht bleiben dürfte. In puncto musikalischer Vielseitigkeit, Reife und nicht zuletzt Tiefe aber ist das 2012er Werk der US-Amerikaner ein großer Schritt nach vorn. Es wird schwer, das zu überbieten – aber auch eine hohe Messlatte sollte stets ein Ansporn und keine Hürde sein. Auf den nächsten Sprung bin ich gespannt; hoffentlich nicht erst in sieben Jahren.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
<a href="http://www.amazon.de/gp/product/B008DCCB4K?tag=hirnfi20-21&amp;creativeASIN=B008DCCB4K" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> bietet die üblichen Hörschnipsel an.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Beak.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Beak.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Beak&gt; – »</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Beak&gt;</span>. Schnabel&gt;. Ja, zweifelsohne. Der Zweitling „»“ lässt sich entsprechend interpretieren: Zwei Schnäbel, das zweite Album von „Schnabel&gt;“ oder einfach nur schnelles Vorspulen?</p>
<p>Interessant ist, was die Mannen um <span class="musik-review-bandname">Portishead</span>-Mitglied <span class="musik-review-bandname">Geoff Barrow</span> hier vorlegen, völlig unabhängig vom Titel, denn der etwas einschläfernde Trip-Hop seiner <em>anderen Hauptband</em> ist hier einer primaen Melange aus Krautrock, Ambient und Pop gewichen. <span class="musik-review-bandname">Jochen Rindfrey</span> von den Babyblauen Seiten <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/album_12767.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">erkennt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> <span class="musik-review-bandname">Neu!</span> und <span class="musik-review-bandname">Harmonia</span> als Inspirationsquellen. In Stücken wie <em>Wulfstan II</em> klingt das Trio gelegentlich auch nach ebenfalls ziemlich guten Musikanten wie <span class="musik-review-bandname">WIVE</span> (man höre etwa <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/11/kurz-verlinkt-cxxvii-unabhaengig-maennlich-zahnig/" data-wpel-link="internal">deren <em>Teethy</em></a> zum Vergleich).</p>
<p>Erfreulicherweise wird auch (etwa in „Yatton“) gesungen, und das nicht mal übel. <span class="musik-review-bandname">Carolin van Mark</span> schreibt im Magazin <a href="http://www.intro.de/content/pdf/intro_204.pdf" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Intro“, Ausgabe 204<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, über den Gesang:</p>
<blockquote><p>Drum-Parts ziehen sich wie eine Art Tempomat durch die Songs, die gelegentlich auftauchende Stimme formuliert ebenfalls eine Spannung aus, die selten aufgelöst wird. Wie wenn man niesen muss – aber nur beinah.</p></blockquote>
<p>Kurz gesagt: Hier brodelt es ständig bis kurz vor dem Ausbruch, aber der kommt nicht. Das ist gut und hält die Spannung aufrecht. Wer <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">im Juni 2011</a> meiner Empfehlung von <span class="musik-review-bandname">Kreidler</span>s „Tank“ folgte und dies nicht bereute, der möge hier ebenfalls zugreifen.</p>
<p>Muss ja nicht blind sein.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Hörproben (soll heißen: das komplette verdammte Album) gibt’s für lau auf <a href="http://beak.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder, wie üblich, auszugsweise <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B0083VZ5OO?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zum Streamen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/The-Melvins-Freak-Puke.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-The-Melvins-Freak-Puke.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Melvins – Freak Puke</span>
<p>Mit einem Brummen und merkwürdigem Rasseln, Tuten und Quietschen beginnt das Album „Freak Puke“ der US-amerikanischen Musikgruppe <span class="musik-review-bandname">The Melvins</span> (gelegentlich auch: <span class="musik-review-bandname">Melvins</span>). Diese Geräusche gehen nach einer Weile über in so etwas wie eine Rockfassung von <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span>s <em>Money</em> mit Registrierkassenklingeln und anderen Geräuschen, die Frontmann <span class="musik-review-bandname">Buzz Osborne</span> nach einer weiteren Weile mit einer elektrischen Gitarre begleitet und dazu sphärischen Gesang wie einstmals das Duo <span class="musik-review-bandname">Roger Waters</span> und <span class="musik-review-bandname">David Gilmour</span> vorträgt. Das Stück <em>Mr. Rip Off</em> trägt seinen Namen vielleicht nicht zu Unrecht.</p>
<p>Ansonsten sind zu hören: Schräge Streicher- und sonstige Klangexperimente („Inner Ear Rupture“) und allerlei Post-Punk- und Grunge-Anleihen (<em>Baby, Won’t You Weird Me Out</em>), die Stimmung ist ausgelassen bis mitunter morbid (<em>Worm Farm Waltz</em>). „Leon vs. The Revolution“ erklärt, wieso die <span class="musik-review-bandname">Melvins</span> in der <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Melvins" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">englischsprachigen Wikipedia<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> als Sludge-Metal-Band bezeichnet werden.</p>
<p>Woher diese Experimentierfreude? Nun, auf „Freak Puke“ spielt unter anderem Bassist <span class="musik-review-bandname">Trevor Dunn</span>, der ansonsten mit <span class="musik-review-bandname">Mike Patton</span> (<span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span>), <span class="musik-review-bandname">John Zorn</span> und ähnlichen Experimentalmusikern zusammenarbeitete und zusammenarbeitet. An seiner Stelle mussten die regulären Bandmitglieder <span class="musik-review-bandname">Jared Warren</span> (Bass) und <span class="musik-review-bandname">Coady Willis</span> (zweites Schlagzeug) zu Hause bleiben. Es ist davon auszugehen, dass allein diese Personalie schon großen Einfluss darauf hatte, wie „Freak Puke“ klingt.</p>
<p>Dabei sind die <span class="musik-review-bandname">Melvins</span> trotz der (hier) klassischen Punkband-Besetzung (Schlagzeug, Bass, Gitarre/Gesang) noch nie eindeutig einem Genre zuzuordnen gewesen. Seit ihrer Gründung 1983 haben sie 21 Studioalben in verschiedenen Besetzungen veröffentlicht, außer <span class="musik-review-bandname">Buzz Osborne</span> ist von der Originalbesetzung niemand mehr geblieben. Auffällig ist allenfalls, dass es in den letzten 29 Jahren <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/The_Melvins#Members" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">überwiegend<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> eine solche Triobesetzung gab.</p>
<p>Obwohl sie stilistisch eine eigene Nische besetzen, ist der Einfluss der <span class="musik-review-bandname">Melvins</span> auf andere Musikgruppen unverkennbar; unter anderem bezeichnete <span class="musik-review-bandname">Kurt Cobain</span> (<span class="musik-review-bandname">Nirvana</span>) sie gelegentlich als seine Lieblingsband. (Dass auf „Freak Puke“ mit <em>Let Me Roll It</em> auch ein Stück von <span class="musik-review-bandname">Paul McCartney</span> und den <span class="musik-review-bandname">Wings</span> <em>gecovert</em> wird, ist schon deshalb ein recht witziger Einfall.)</p>
<p>Gefallen könnte „Freak Puke“ allen, die Post-Punk (und eine zahme Version von <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span>) mögen. Wer davon noch nie etwas gehört hat, dem empfehle ich, zunächst einmal hineinzuhören.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Mit Auszügen kann <a href="http://www.amazon.de/Freak-Puke-Melvins/dp/B007NA9YPW/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> aufwarten, via <a href="http://grooveshark.com/#!/album/Freak+Puke/8213208" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es „Freak Puke“ in voller Länge zu hören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/The-Hirsch-Effekt-holon-anamnesis.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-The-Hirsch-Effekt-holon-anamnesis.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Hirsch Effekt – holon : anamnesis</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Wer sich jetzt noch umdreht, ist selber schuld.“</span> (Anamnesis)
<p><span class="musik-review-bandname">The Hirsch Effekt</span>, die ich bereits 2010 einen <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/03/musikalischer-wahnsinn-the-hirsch-effekt/" data-wpel-link="internal">musikalischen Wahnsinn nannte</a>, nahmen Anfang dieses Jahres ihren Zweitling „holon : anamnesis“ (zu Deutsch ungefähr „Seiendes: Erinnerung“) als Nachfolger von „holon : hiberno“ (zu Deutsch sicherlich auch irgendetwas) auf, der Ende August schließlich offiziell erschien. Die VISIONS (Nr. 234) mag dieses Album und ich mag es trotzdem auch.</p>
<p>Verglichen mit dem Debütalbum hat sich nur wenig verändert. Die Stilvielfalt, der hektische Wechsel zwischen Klassik und METAL \m/ haut den erfahrenen <span class="musik-review-bandname">The-Hirsch-Effekt</span>-Hörer nicht mehr überrascht vom Stuhl, was ein bisschen schade ist, denn vorliegendes Album ist, was man so leicht verkennt, quasi <a href="http://www.schallgrenzen.de/the-review-the-hirsch-effekt-holon-anamnesis/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">der ultimative rockende Wolpertinger<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
<p>Die Zahl der Gastmusiker ist nochmals gestiegen, ich zähle 32 (verglichen mit den 17 vom Debütalbum, auf dem allerdings auch der <span class="musik-review-bandname">Kammerchor Hannover</span> mitwirkte). Zu diesen Gastmusikern gehört auch <span class="musik-review-bandname">Tobias Lietz</span> von <span class="musik-review-bandname">Caleya</span>, mit denen <span class="musik-review-bandname">The Hirsch Effekt</span> gelegentlich gemeinsam musizierten und 2010 unter dem Titel „Apogæum / Perigæum“ eines dieser neumodischen <em>Split-EPs</em> veröffentlichten und deren Album „Trÿmmermensch“ (produziert von <span class="musik-review-bandname">Nils Wittrock</span>, Sänger und Gitarrist bei <span class="musik-review-bandname">The Hirsch Effekt</span>) ich <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">2011 empfahl</a>. <span class="musik-review-bandname">Tobias Lietz</span> steuert Gesang bei, aber das macht nichts.</p>
<p>Mit Kammermusik beginnt das Album: <em>Anamnesis</em> haut dem Hörer nicht gleich die volle Breitseite über den Schädel, sondern ist eine beinahe sanfte Einleitung in das zweite Stück <em>Limerent</em>. Der Übergang ist fließend. Die neun Stücke sind trotzdem neun Stücke, weil zwischen dem brachialen <em>Mara</em> und dem beeindruckenden Indie-Rock-Stück <em>Irrath</em> eine opernhafte Choralpassage mit Sopransängerin, Tenor, Bass und Countertenor eingeschoben ist, die in den <em>liner notes</em> zwar keinen eigenen Namen hat, aber als „Teil dazwischen“ bezeichnet wird. Irre, nicht nur wegen des ungewöhnlichen Musikstils.</p>
<p>Gesungen wird weiterhin – mit Ausnahme des Satzes <span class="musik-review-lyrics-inline">What took you so long?</span> in <em>Limerent</em>, bei dessen Lesen ich umgehend an den gleichnamigen Popquatsch von <span class="musik-review-bandname">Emma Bunton</span>, dem ehemaligen ehemaligen <span class="musik-review-bandname">Spice Girl</span>, dachte, was zeigt, dass MTV meine frühe Jugend nachhaltig verdorben hat; aber zurück zu <span class="musik-review-bandname">The Hirsch Effekt</span> – auf Deutsch. Ob man von Gesang sprechen sollte? <span class="musik-review-bandname">Nils Wittrock</span> kann zwar auch harmonisch, aber er bevorzugt Wildheit. Von Banausen oft gescholtenes <em>Geschrei</em> fehlt hier wie schon auf dem Debüt nicht, ist allerdings jedenfalls für mich nicht als Ausdruck von Gefährlichkeit – „raaah, wir sind so böse!“ – zu erkennen, sondern als Parodie auf ein ganzes Genre. Wo es passt, wird auch schon mal Aggression herausgebrüllt. Der Titel <em>Ira</em> (lateinisch „Zorn“) trägt seinen Namen nicht zu Unrecht.</p>
<p>Apropos: Die Texte sind gewohnt klasse. Es geht wie schon bisher vor allem um unglückliche Liebe, was ja nicht schlimm ist, wenn man es in Worte und vor allem Melodien kleidet, aus denen nicht der Schmalz trieft. Obwohl die Metapher vom „Kotzen vor Glücklichsein“ nochmals aufgegriffen wird, kann man sich über mangelnde Kreativität offensichtlich nicht beklagen: <span class="musik-review-lyrics-inline">Was ist schon der Tod im Verhältnis zu dir und der Kunst, die Gelassenheit, die mir so fehlt, zu haben?</span> (<em>Agitation</em>)</p>
<p><span class="musik-review-bandname">The Hirsch Effekt</span> betreiben hier nicht nur Denkmalpflege, sie entwickeln ihren Stil konsequent weiter. Zwar ist der Überraschungseffekt auf dem zweiten Album verflogen, dafür wurde der bekannte Stil verfeinert. Die Arrangements, die die Musik begleiten, sind erstklassig. Das abschließende <em>Datorie</em> rührt mit der Kombination aus Streichern und Text (<span class="musik-review-lyrics-inline">Und das, was mir hier so fehlt, / ist ganz bestimmt nicht billig, / sonst wärst du ja noch hier</span>) zu Tränen. Das Stück steigert sich – das wird allmählich zur Gewohnheit auf Musikalben – in eine leicht schräge Klimax mit zur Wut gesteigertem Gesang, und das Album ist beinahe aus.</p>
<p>„holon : anamnesis“ ist keine Stagnation auf hohem Niveau. Es wird nicht stagniert, es wird poliert. Man bewundere den Feinschliff ehrfürchtig und labe sich an diesem Album.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Wer glaubt, dass ihm 30 Sekunden genügen, der möge auf <a href="http://www.amazon.de/Holon-Anamnesis-Hirsch-Effekt/dp/B008S8BFEG/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> in das Album hineinhören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Dinosaur-Jr.-I-Bet-on-Sky.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Dinosaur-Jr.-I-Bet-on-Sky.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Dinosaur Jr. – I Bet on Sky</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I’ve been left with a bad taste now can you see it“</span> (See it on your side)
<p><span class="musik-review-bandname">Dinosaur Jr.</span> (das „Jr.“ hängten sie kurz nach ihrer Gründung Mitte der 1980-er Jahre an ihren Namen, um eine ältere Hippieband namens <span class="musik-review-bandname">Dinosaurs</span> zu ärgern) sind schon eine ganze Weile im Geschäft. Alle drei am Debütalbum „Dinosaur Jr.“ (1985) beteiligten Musiker sind noch beziehungsweise wieder Mitglied der Gruppe. Die sieben Jahre Auszeit, die sich <span class="musik-review-bandname">Dinosaur Jr.</span> von 1998 bis 2005 nahmen, hat ihnen sichtlich und vor allem hörlich gut getan.</p>
<p>Zu hören ist erdiger Bluesrock mit Einsprengseln von Alternative, Noise und Punk. („Punk ist tot“ ist tot.) <span class="musik-review-bandname">Jörn Schlüter</span> („Rolling Stone“) <a href="http://www.rollingstone.de/reviews/alben/article322366/dinosaur-jr-i-bet-on-sky.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">schreibt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ein wenig differenzierter:</p>
<blockquote><p>[D]ie Band insgesamt bei ihren Leisten: schwankende Midtempo-Hardrocker mit <span class="musik-review-bandname">Black-Sabbath</span>-Riffs, dünn-gebrochener Gesang, schmatzende <span class="musik-review-bandname">Crazy-Horse</span>-Soli, ultratraurige, im Gitarreninferno versenkte Popschmachter und pumpende Punkrock-Explosionen.</p></blockquote>
<p>Und immer diese Texte: <span class="musik-review-lyrics-inline">Caring is rude / and nature is cruel</span> (<em>Rude</em>). Zuversichtlich ist hier nichts. Der Protagonist sämtlicher Texte ist zumeist zynisch-deprimiert und hoffnungslos. <span class="musik-review-lyrics-inline">Can you help me along with things?</span>, fragt er in <em>Stick a toe in</em> und wartet gar nicht erst auf eine Antwort. Möge der Himmel helfen.</p>
<p>„I Bet on Sky“. Wer nicht auf Texte achtet, den dürfte dieses Album in Feierstimmung versetzen, wer es tut, dem könnte es ein tröstender Begleiter sein: Schau, anderen geht’s auch nicht besser. Die Musik jedenfalls ist Rock, wie ich ihn dieses Jahr leider viel zu selten gehört habe. Und von guter Rockmusik kann man nie genug haben.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Halbminütig darf auf <a href="http://www.amazon.de/Bet-Sky-Digi-Dinosaur-Jr/dp/B008HN05HK/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, komplett auf <a href="http://grooveshark.com/#!/album/I+Bet+On+Sky/8051811" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> reingehört werden.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/The-Flower-Kings-Banks-of-Eden.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-The-Flower-Kings-Banks-of-Eden.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Flower Kings – Banks of Eden</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„In the center of grief it’s the hour of need, the bell strikes for darker days.“</span> (Pandemonium)
<p>In den 1990-er Jahren wuchs das Retro-Prog-Genre, dessen Vertreter sich überwiegend auf <span class="musik-review-bandname">Yes</span>, <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> und <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span> berufen, heran zu einem unüberschaubar wuchernden Gestrüpp, in dem man sich leicht verfangen konnte. Einige wenige Vertreter (zum Beispiel <span class="musik-review-bandname">Änglagård</span>, <span class="musik-review-bandname">Beardfish</span> und die oben bereits erwähnten <span class="musik-review-bandname">echolyn</span>) schafften es, sich mit einem eigenständigen Stil aus der Masse positiv abzuheben, einige andere gingen glücklicherweise unter.</p>
<p>Und dann sind da noch die <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span>.</p>
<p>Von den <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span> halte ich nicht mehr als nötig. Gründer <span class="musik-review-bandname">Roine Stolt</span> kann man zugutehalten, dass er zumindest den Progressive Rock noch aus erster Hand kennt, immerhin war er in den 1970-er Jahren (und nochmals vor wenigen Jahren) in der schwedischen Band <span class="musik-review-bandname">Kaipa</span> aktiv. Dass <span class="musik-review-bandname">Kaipa</span> seit ihrer Reformierung im Jahr 2000 wie die <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span> klingen, ist eine ironische Fußnote. <span class="musik-review-bandname">Roine Stolt</span> ist sozusagen der schwedische <span class="musik-review-bandname">Billy Sherwood</span>: Sobald er beteiligt ist, klingt alles nach <span class="musik-review-bandname">Roine Stolt</span>. (Dass ich das, was <span class="musik-review-bandname">Roine Stolt</span> tut, grundsätzlich musikalisch besser finde als das, was <span class="musik-review-bandname">Billy Sherwood</span> tut, sollte dieser Aussage zumindest beigefügt werden.)</p>
<p>Mein persönliches Problem mit den <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span> ist die Beliebigkeit, mit der sie agieren. Natürlich ist das, was sie auf ihren Alben zu Gehör bringen, handwerklich gut, aber es klingt eben immer irgendwie gleich. Man stelle sich vor, <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> ohne <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span> und mit <span class="musik-review-bandname">Steve Hackett</span> würden vierzig Jahre später gemeinsam musizieren. Das sind die <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span>. <em>(Wer jetzt, wie ich, das Gummibärenlied im Kopf hat: Selbst schuld.)</em></p>
<p>Vor diesem Hintergrund ist „Banks of Eden“ nicht mal schlecht. Dass es außer der normalen Ein-CD-Version auch ein Doppelalbum gibt, das außer ein wenig mehr Musik auch ein Interview mit den Musikern zur Entstehung des Albums beinhaltet, sei mal verziehen, gerade im Progressive-Rock-Sektor werden Einzel-CDs heutzutage schon fast als Rarität betrachtet. (Der geneigte Musikfreund ärgert sich ein wenig darüber, dass Plattenfirmen das vor vierzig Jahren anders gesehen haben.) Man muss es ja nicht gleich übertreiben wie <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>, deren „Larks‘ Tongues in Aspic“ in diesem Jahr auf 13 <em>(dreizehn!)</em> CDs, 1 DVD-Audio und 1 Blu-Ray-Scheibe (macht 15 Scheiben insgesamt) <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B00926J3K6?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">neu aufgelegt wurde<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Aber wir schweifen ab.</p>
<p>Das Album selbst – die Einzel-CD-Version – hat eine Spielzeit von 53:25 Minuten und ist damit durchaus länger als <em>das durchschnittliche Album</em> heutzutage. Das könnte zwar reichlich eintönig werden, aber die Chance, dass doch noch irgendwas Herausragendes passiert, ist auf längeren Alben bekanntlich größer als auf kürzeren. Und tatsächlich: Obwohl „Banks of Eden“ gelegentlich aus altbekanntem AOR in unauffälligen Takten besteht, gibt es doch die Aha-Momente; vielleicht häufiger als auf den meisten vorherigen <span class="musik-review-bandname">Flower-Kings</span>-Alben.</p>
<p>So ein Moment ist etwa <em>For The Love Of Gold</em>, in dem die Musiker sich alle Mühe geben, ihr zweites großes Vorbild <span class="musik-review-bandname">Yes</span> ausführlich zu würdigen. Das markante Bassspiel <span class="musik-review-bandname">Chris Squire</span>s fehlt zwar auch weiterhin, aber selten waren die <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span> so weit entfernt vom immergleichen Stadionrock. Mit <em>Numbers</em> (25:20 Minuten) gibt es auch wieder – wie für die <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span> üblich, diese Marotte haben sie ebenfalls bei ihren Vorbildern abgeschaut – einen <em>longtrack</em> zu hören. Ich wage zu behaupten: Wer <span class="musik-review-bandname">Yes</span> und <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> mag und auch nichts gegen etwas weniger falsettierten Gesang einzuwenden hat, dem gefällt „Banks of Eden“ ebenfalls. Und dann wird er sich alles andere kaufen, was die <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span> bisher veröffentlicht haben, und dem Rest dieser Liste keine Aufmerksamkeit mehr widmen, weil das so lange dauert und er es danach vergessen haben wird. Schade. Ich hoffe, das geht nicht vielen so. Übrigens haben <span class="musik-review-bandname">Kaipa</span> in diesem Jahr mit „Vittjar“ ebenfalls ein neues Album herausbringen lassen, das ich nicht unerwähnt lassen möchte.</p>
<p>Ich mag <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> ohne <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span>.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
In alle Musikstücke von beiden (!) CDs kann man unter anderem <a href="http://www.amazon.de/Banks-Special-Edition-Flower-Kings/dp/B007Y57OD0/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hineinhören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Neneh-Cherry-The-Thing-The-Cherry-Thing.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Neneh-Cherry-The-Thing-The-Cherry-Thing.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Neneh Cherry &amp; The Thing – The Cherry Thing</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Keep those dreams burnin‘ forever“</span> (Dream Baby Dream)
<p><span class="musik-review-bandname">Neneh Cherry</span> ist halbgeschwisterlich mit <span class="musik-review-bandname">Eagle-Eye Cherry</span> (<em>Save Tonight</em>) verwandt und hat 1994 gemeinsam mit dem mir gleichfalls erfreulich unbekannten <span class="musik-review-bandname">Youssou N’Dour</span> die grauenvolle Single <em>7 Seconds</em> aufgenommen und/oder veröffentlichen lassen, die im Radio eine Zeitlang rauf und runter lief.</p>
<p>Hat euch das abgeschreckt? Das ist bedauerlich! Hier nämlich ist <span class="musik-review-bandname">Neneh Cherry</span> ausnahmsweise nicht mit irgendeinem schlechten Popmusiker zusammen zu hören, sondern mit dem skandinavischen Free-Jazz-Trio <span class="musik-review-bandname">The Thing</span>, deren Mitglieder (<span class="musik-review-bandname">Paal Nilssen-Love</span>, <span class="musik-review-bandname">Mats Gustafsson</span> und <span class="musik-review-bandname">Ingebrigt Håker Flaten</span>) in diesem Genre allesamt keine Unbekannten sind. Free Jazz – ich erkläre es kurz – ist das, was eure Eltern „MACH DEN MIST AUS!“ nennen.</p>
<p>Diese Wandlung ist nur wenig überraschend, <span class="musik-review-bandname">Neneh Cherry</span>s Stiefvater <span class="musik-review-bandname">Don Cherry</span> war ein dem Vernehmen nach nicht untalentierter und nicht unbekannter Free-Jazz-Trompeter. Konsequenterweise ist auf „The Cherry Thing“ nur wenig Pop zu hören, stattdessen wird ein so freier Jazz gespielt, dass auch RIO/Avant-Freunde wie ich auf ihre Kosten kommen. Wer Jazz zu langweilig findet, der könnte „The Cherry Thing“ trotzdem – oder erst recht – mögen. Von „kontrolliertem Chaos“ ist <a href="http://www.fairaudio.de/artikel/musik-rezension/2012/08_august_1/cd-neneh-cherry-and-the-thing-the-cherry-thing.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">im Internet<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> die Rede. Der geneigte Musikfreund vernimmt zudem – und sei’s nur die Instrumentierung – Erinnerungen an die längst legendäre und viel zu früh aufgelöste Slow-Rock-Gruppe <span class="musik-review-bandname">Morphine</span>, die die Jugend heutzutage natürlich auch längst nicht mehr kennt. Das ist ärgerlich.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Ben Hiltrop</span> <a href="http://www.gmx.net/themen/unterhaltung/musik/cd-kritiken/749cg8y-neneh-cherry-the-thing-the-cherry-thing" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">beschreibt’s<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> so:</p>
<blockquote><p>Zwar brechen <span class="musik-review-bandname">The Thing</span> gerne in typisches Jazz-Gefrickel aus und scheinen unkontrolliert ihre Instrumente zu malträtieren, doch in den genau richtigen Momenten zügeln sie ihre Spielfreude, um ihrer Frontfrau wieder ein angemessenes Sound-Bett zu garantieren. (…) [D]ie Fusion aus einem Jazz-Grundgerüst und der Attitüde einer Bristol-TripHop-Platte ist derzeit einmalig.</p></blockquote>
<p>Die Kombination aus dem rücksichtslosen <em>Lärm</em>, den <span class="musik-review-bandname">The Thing</span> seit jeher einem meist begeisterten Publikum servieren, und dem Avant-Pop und Trip-Hop, den <span class="musik-review-bandname">Neneh Cherry</span> außerhalb ihrer Chartskarriere üblicherweise veröffentlicht, ergibt eine ziemlich einzigartige Mischung. Dabei stört auch nicht, dass sechs der acht Stücke Coverversionen (darunter auch <em>Golden Heart</em> von <span class="musik-review-bandname">Don Cherry</span>) sind, denn die beteiligten Musiker beschränken sich nicht auf bloßes Nachspielen. „The Cherry Thing“ klingt wie aus einem Guss, der Charakter der Musik von sowohl <span class="musik-review-bandname">The Thing</span> als auch <span class="musik-review-bandname">Neneh Cherry</span> prägt quasi jeden Takt. So wenig ich auch von Jazz verstehe: Im Jazz-Umfeld ist dies hier eindeutig meine <em>Platte des Jahres</em>.</p>
<p>„The Cherry Thing“. Das Kind in mir lacht sich kaputt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Ich bezweifle, dass bloßes Anspielen einzelner Stücke genügt, um diesem Album gerecht zu werden. Wer’s denn unbedingt möchte, der wird zum Beispiel <a href="http://www.amazon.de/The-Cherry-Thing-Neneh/dp/B007NWCX7Q/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> fündig.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Barberos-OOO.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Barberos-OOO.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Barberos – OOO</span>
<p>„OOO“. Bisweilen auch <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=12960&amp;content=review" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„000“ genannt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Soso. Was kann bei so einem Titel schon schiefgehen?</p>
<p>Den Musikfreund wird’s vielleicht freuen, dass „OOO“ – in einer Auflage von vorerst 500 Exemplaren – nur als Vinyl und Download verfügbar ist. Das ist schön, mein CD-Schrank ist nämlich bereits voll genug. Zeit, einen Vinylschrank zu kaufen. Das Coverbild sollte man auch im Großformat gut finden können: Drei von Fernrohren durchstoßene Schädel mit Würmern und ähnlichem Inhalt. Interessant. (Schädel, immerhin, sind hier nicht völlig verkehrt: <span class="musik-review-bandname">Barberos</span> sind in der spanischen Sprache schlicht Friseure.)</p>
<p>Beteiligt sind dann auch exakt drei mir namentlich unbekannte Musiker, nämlich zwei Schlagzeuger und einer, der für diverse Tasteninstrumente (Synthesizer, Keyboards und dergleichen) zuständig ist. Das Ergebnis ist interessante (instrumentale) Polyrhythmik. In ihrer Selbstbeschreibung finden die Musiker ihr Bühnenspiel beinahe interessanter als die eigentliche Musik:</p>
<blockquote><p><span class="musik-review-bandname">Barberos</span> infuse elements of jazz, noise, dub, breakcore and prog, framed in heart racing theatrics using costume and projections to communicate their joyful danceable musings to their ever widening audience.</p></blockquote>
<p>Das ist ziemlich gut und ziemlich schräg. Wer RIO/Avant mag, dem sei’s ebenso wärmstens empfohlen wie denen, die „»“ von <span class="musik-review-bandname">Beak&gt;</span> (siehe oben) mögen; die elektronischen Spielereien mit monotonen Mustern (etwa in „Hot Squash“) sind selbigem recht ähnlich, wenngleich wegen der zwei Schlagzeuger deutlich mehr rhythmusfixiert.</p>
<p>Was trotzdem ein bisschen fehlt, ist Gesang. Der würde „OOO“ zwar zusätzlich abrunden, weigert sich jedoch partout, hier zu erscheinen. Nichtsdestoweniger ist das <em>joyful danceable musing</em> ausreichend prima, um hier aufgeführt zu werden. Ich mache das hier ja nicht zum ersten Mal und behaupte daher, dass das ein positives Qualitätskriterium ist.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
„OOO“ gibt es zum Streamen und Kaufen per <a href="http://barberos.bandcamp.com/album/ooo-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> als Komplettpaket.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Stolen-Babies-Naught.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Stolen-Babies-Naught.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Stolen Babies – Naught</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„All the things I think when I am weak are killing me.“</span> (Swimming Hole)
<p>Apropos schräg; Auch die <span class="musik-review-bandname">Stolen Babies</span> melden sich mit einem neuen Album zurück.</p>
<p>Seit ich im Jahr 2007 erstmals <a href="https://tuxproject.de/blog/2007/10/musiktipp-stolen-babies/" data-wpel-link="internal">über diese Musikgruppe berichtete</a>, war nur mehr wenig von ihnen zu hören. Das lange angekündigte zweite Album wurde immer wieder verschoben, es wurden lediglich nacheinander die Lieder <em>Grubbery</em> und <em>Splatter</em> veröffentlicht. Das war schön, denn so konnte man sehen, dass man noch mit den <span class="musik-review-bandname">Stolen Babies</span> rechnen konnte.</p>
<p>Nun erschien also „Naught“. Es zu bekommen erwies sich als trickreich: Die Plattenfirma liefert nicht nach Deutschland, Amazon hat den Liefertermin nach Erscheinen erst mal zwei Wochen nach hinten geschoben. Letztendlich konnte ich mittels heimlicher Kontaktierung finsterer Gestalten (und über den Amazon-„Marktplatz“) doch noch schnell ein Exemplar ergattern. Mein Fazit: Nun ja.</p>
<p>Vielleicht hat mich der Genuss allerlei schräger Musik in den letzten Jahren – etwa der oben erwähnten <span class="musik-review-bandname">Sebkha-Chott</span> – ein wenig taub gemacht für die eigentliche Radikalität der Musik auf „Naught“, vielleicht ist der Oha-Effekt des Debütalbums nach fünf Jahren auch einfach nur verflogen; vom Hocker haut mich das hier Dargebotene jedenfalls nicht.</p>
<p>Das soll keinesfalls bedeuten, dass selbiges irgendwie <em>schlecht</em> wäre. Die <span class="musik-review-bandname">Stolen Babies</span> bleiben sich treu und spielen eine eigenartige Mischung aus Thrash und Metal und Gothic und Zirkus, dass es eigentlich eine wahre Freude ist. Frontfrau und Akkordeonistin <span class="musik-review-bandname">Dominique Lenore Persi</span> (mit dem Namen kann man eigentlich kaum etwas anderes werden als Künstlerin) trägt dazu ihre bekannten, mitunter rasanten Wechsel zwischen verführerischem Säuseln und quasi <em>teuflischem</em> Schreien bei. Stagnation auf hohem Niveau sozusagen. Für Ohrwürmer ist jedenfalls auch wieder gesorgt. Allein schon <em>Splatter</em> ist ziemlich spitze und verbleibt für eine Weile im Gedächtnis.</p>
<p>Beinahe <em>understatement</em> zeigt das <em>artwork</em> diesmal. Keine Feuer, keine Monster, keine rennenden Kinder – „Naught“ wird verziert von einer ruhigen Comiclandschaft mit einem rosa Schaf. Klappt man das Album jedoch auf, entfaltet sich eine ganz andere Landschaft:</p>
<p><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Stolen-Babies-Naught-Inlay.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Stolen-Babies-Naught-Inlay.jpg" alt="Inlay von &quot;Naught&quot;"></a></p>
<p>Das spielt eindrucksvoll mit der Erwartungshaltung des Hörers, der sich dann mit Texten wie diesem konfrontiert sieht (<em>Dried Moat</em>): <span class="musik-review-lyrics-inline">No one ever gets outside without losing part of their life.</span></p>
<p>Da ist sie wieder, die <span class="musik-review-bandname">Tim-Burton</span>-Atmosphäre. Wer das Debütalbum mag, der sollte „Naught“ längst haben; wer beide Alben noch nicht kannte, der sollte das schleunigst nachholen. Die <span class="musik-review-bandname">Stolen Babies</span> sind eine dieser Musikgruppen, die man entweder mag oder nicht mag. Ich mag sie, und ihr solltet das auch tun.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Als ich mit dieser Rückschau begann, gab es noch manchen <em>offiziellen</em> Stream für „Naught“. Inzwischen ist <a href="http://grooveshark.com/#!/album/Naught/8284084" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> eine der wenigen verbliebenen legalen, verlässlichen Quellen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/SH.TG_.N.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-SH.TG_.N.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">SH.TG.N</span>
<p>Noch mal zurück zum guten, alten (beziehungsweise in diesem Fall neuen) RIO/Avant. <span class="musik-review-bandname">SH.TG.N</span> (sprich wahrscheinlich: Shotgun, ergänze also: O/U) kommen aus Belgien. Die sechs Musiker vereint gemäß eigener Aussage eine Faszination für <span class="musik-review-bandname">Frank Zappa</span>, <span class="musik-review-bandname">Dillinger Escape Plan</span>, <span class="musik-review-bandname">Naked City</span> und <span class="musik-review-bandname">James Last</span>. Ungefähr so muss man sich das Debütalbum – lässt man das selbstproduzierte Livealbum von 2011 unberücksichtigt – auch vorstellen. Hat es eigentlich einen Namen, heißt es wie die Musikgruppe selbst? Das ist zumindest mir bisher nicht ganz klar.</p>
<p>Das Coverbild ist bemerkenswert: Unter Bäumen, an denen jemand Tiere (eine Gans, einen Hasen und diverse andere) aufgehängt hat, tanzen zwei (vermutlich) Frauen mit Totenschädeln anstelle ihrer Köpfe. Nein, fröhlichen, beschwingten Pop braucht hier schon mal keiner zu erwarten. Auffällig ist auch die Besetzungsliste: Gitarre, Bass, Schlagzeug, Gesang und ein Vibraphon werden aufgeführt. Dass das Vibraphon ein Instrument ist, das bei allzu freiförmiger Musik oft untergeht, ist eine berechtigte Befürchtung, die hier jedoch nicht notwendig ist.</p>
<p>Die Band selbst nennt ihren Stil „psychotischen zeitgenössischen pompösen Heavy Metal“. Der <a href="http://www.moonjune.com/catalog/046_SH.TG.N_SH.TG.N_MJR046/album-description_expanded-text/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Pressetext<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> wird etwas präziser und umschreibt das Tun von <span class="musik-review-bandname">SH.TG.N</span> als <em>Konzentration der dunklen, gewaltsamen Energie des Metal mit den fordernden und aufregenden Strukturen zeitgenössischer Musik und der Freiheit des Jazz</em>. Jazz? Finde ich gut. Sollte irgendjemand von euch, liebe Leser, Jazz mit ödem Getröte (zum Beispiel <span class="musik-review-bandname">Miles Davis</span>) gleichsetzen, dann hat er obige Rezension zu „The Cherry Thing“ anscheinend auch noch nicht gelesen und sollte sich von mir an dieser Stelle gescholten fühlen.</p>
<p><del>Sänger</del> Mikrofonbediener <span class="musik-review-bandname">Fulco Ottervanger</span> klingt gelegentlich (<em>Camera Obscura</em>) nach <span class="musik-review-bandname">Toby Hoffmann</span> (<span class="musik-review-bandname">Ira!</span>), gelegentlich auch nach einem dieser heutigen <em>Hard-Rock-Shouter</em> (ist das überhaupt ein Wort?), und versucht gar nicht erst, Wohlklang zu erzeugen. Er schreit, kreischt und brüllt über die alles andere als gradlinige Instrumentalbasis einfach hinweg, was interessanterweise nicht mal als unpassend wahrgenommen wird. Je vertrackter die Musik, desto vertrackter die Vokalakrobatik. Hörbare Einflüsse? <span class="musik-review-bandname">Jello Biafra</span>, <span class="musik-review-bandname">Frank Zappa</span>, eine Schlägerei. „Es geht hier um alles andere als massentaugliche Musik“ schreibt „MP“ auf <a href="http://www.rezensator.de/shtgn_shtgn.htm" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Rezensator.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> wie zur Warnung. Aber ist die wirklich notwendig?</p>
<p>Trotz all der Verworrenheit hat das Album, wie auch immer es nun heißen mag, den „Tipp des Monats November 2012“ auf den ausreichend renommierten <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=tips&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews&amp;year=2012" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Babyblauen Seiten<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> erringen können. Diesem Tipp möchte ich mich vorbehaltlos anschließen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Die <a href="http://www.shtgn.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Website der Belgier<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist voll von solchen, nicht nur auf dieses Album beschränkt. Man mache reichlich Gebrauch davon.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Toy.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Toy.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Toy</span>
<p>Und noch ein Album, das eigentlich keinen Titel hat. „Selbstbetitelte“ Alben, also solche, die mangels erkennbarem Titel einfach mal den Namen des Interpreten aufgedrückt bekommen, sind ja gerade in Mode. (Mit diesem Unsinn angefangen haben meines Wissens 60-er-Jahre-Musiker wie die <span class="musik-review-bandname">Beatles</span> mit ihrem „weißen Album“, das nun mal schlicht keinen Namen hat; ich lasse mich übrigens in jedenfalls diesem Fall gern eines Besseren belehren.)</p>
<p>Wo’s schon an Oberflächlichkeiten fehlt, kommt der Inhalt um so besser zur Geltung. Ziemlich guten Indie-Rock mit New-Wave- und Noiserock-Einflüssen spielt das britische Quintett <span class="musik-review-bandname">Toy</span> auf seinem Debütalbum. <span class="musik-review-bandname">Toy</span> sind sozusagen Abtrünnige der im letzten Jahrzehnt mehr oder weniger aktiven Londoner Band <span class="musik-review-bandname">Joe Lean and the Jing Jang Jong</span>, aus deren angekündigtem Album offenbar nichts wurde. Das haben <span class="musik-review-bandname">Toy</span> nun nachgeholt. Dabei wird das Andenken an vergangene musikalische Hochzeiten hoch gehalten; ein <a href="http://www.nowtoronto.com/music/story.cfm?content=188581" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">aktuelles Foto<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> der fünf Herren weckt Erinnerungen. Und überhaupt: Die Achtziger.</p>
<p>Bereits das erste Stück <em>Colours Running Out</em> erinnert unsereinen an <span class="musik-review-bandname">The Cure</span>, <span class="musik-review-bandname">The Smiths</span>, <span class="musik-review-bandname">The Raveonettes</span> und ähnliche Musikgruppen. Das klingt zwar wie schon mal irgendwo gehört, aber keinesfalls schlecht. <span class="musik-review-bandname">El Hunt</span> vom Webmagazin DIY <a href="http://www.thisisfakediy.co.uk/articles/albums/toy-toy/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">schreibt:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>The sprawling post-rock of <span class="musik-review-bandname">My Bloody Valentine</span> is ever-present, hints of <span class="musik-review-bandname">Captain Beefheart</span> and the avant-garde rock of <span class="musik-review-bandname">Can</span> too. It’s nigh on impossible to listen to this album, in fact, without countless touchstones springing to mind.</p></blockquote>
<p>Das soll auch nicht bedeuten, dass <span class="musik-review-bandname">Toy</span> keinen eigenen Stil pflegen würden: Bereits das folgende <em>The Reasons Why</em> hat etwas von <span class="musik-review-bandname">The Who</span> und den <span class="musik-review-bandname">Strokes</span> (und diesem bereits angedeuteten 80-er-Jahre-Stil), klingt aber trotzdem erfrischend modern. Interessant sind die psychedelischen, instrumentalen Zwischenspiele etwa in <em>Dead &amp; Gone</em>, die mich als einen bekennenden Anhänger schrägen Krautrocks insbesondere davon ablenken, dass der Gesang <em>eher so mittel</em> ist, weil ihm eben die eigenständige Note fehlt. Diese Ablenkung ist gut, denn so ist das Album noch gut genug, um auf dieser selbstverständlich unumstößlichen Liste zu landen. Genießt es!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Momentan (Stand: 15. Dezember 2012) ist das Album auf <a href="http://www.musicomh.com/albums/toy_0912.htm" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">musicomh.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> in voller Länge zu hören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Broken-Water-Tempest.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Broken-Water-Tempest.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Broken Water – Tempest</span>
<p>Stürmische Zeiten für Musikliebhaber: Wie das neue <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/09/bob-dylan-der-sturm-im-wasserglas/" data-wpel-link="internal">Album von <span class="musik-review-bandname">Bob Dylan</span></a> heißt auch selbiges von den US-Amerikanern <span class="musik-review-bandname">Broken Water</span>. Während ersterer, Herrn <span class="musik-review-bandname">Dylan</span>s, <em>Sturm</em> jedoch eher ein laues Lüftchen bleibt, gibt’s von letzterem Trio stürmischen Noisepop um die Ohren.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Broken Water</span> werden im <abbr class="c2c-text-hover" title="Feuilleton">Föjetong</abbr> nur allzu gern mit <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span> verglichen. Natürlich, von Vergleichen lebt der Musikschreiberling. <em>Natürlich</em> hört der geneigte Musikfreund überall, wo’s noisig scheppert, „Goo“ heraus, aber das ist nicht alles. Bei all der Lo-Fi-Ästhetik, die <span class="musik-review-bandname">Broken Water</span> pflegen, sind sie nämlich doch auch melodiös und tatsächlich beinahe radiotauglich. <em>So</em> weit ist zum Beispiel <em>Paranoid</em> nicht von den allzu mainstreamigen <span class="musik-review-bandname">The Cure</span> (in weniger jaulig) entfernt, <a href="http://www.intro.de/platten/kritiken/23068353/broken-water-tempest" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">beziehungsweise eben:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Noisige Gitarrenwände treffen auf wütenden Punk auf wundervoll poppige Strukturen, und alles macht <em>(sic!)</em> zusammen Sinn.</p></blockquote>
<p>Anders als bei den <em>anderen Noisepopbands</em> kommt hier auch mal ein Mann zu Wort; <span class="musik-review-bandname">Jon Hanna</span>, der einzige Mann im Trio und neben Schlagzeugerin <span class="musik-review-bandname">Kanako Pooknyw</span> Gründer von <span class="musik-review-bandname">Broken Water</span>, übernimmt in einigen Stücken den Gesang, in anderen ist eine der beiden Frauen (die zweite ist Bassistin <span class="musik-review-bandname">Abigail Ingram</span>) zu hören. In jedem Fall steht er den rauen Eskapaden der Instrumente beinahe als ruhiger Gegenpol gegenüber, in <em>River Under The River</em> etwa erinnert die betonte Lässigkeit von Frau <span class="musik-review-bandname">Ingram</span> an die von <span class="musik-review-bandname">Lou Reed</span> in seinen jungen Jahren, der sich von aufgetürmten Gitarren-Feedbackwänden auch nicht aus der Ruhe bringen ließ. <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span>, ohne geht’s eben doch nicht.</p>
<p>Das alles ist laut und lärmend und eingängig und gut und sollte unbedingt mal gehört werden. Das hier ist mehr als heiße Luft.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
30 Sekunden genügen? Dann ist <a href="http://www.amazon.de/Tempest-Broken-Water/dp/B007P5U23S/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> eine gute Quelle für’s Reinhören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Pontiak-Echo-Ono.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Pontiak-Echo-Ono.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Pontiak – Echo Ono</span>
<p>Die US-amerikanische Psychedelic-Rock-Band <span class="musik-review-bandname">Pontiak</span> – nicht zu verwechseln mit dem Ottawa-Häuptling und/oder der Automarke Pontiac – hatte ich ganz vergessen, bis mir zufällig ihr diesjähriges Album „Echo Ono“ unterkam. Zu meiner persönlichen Freude hat es mit <span class="musik-review-bandname">Yoko Ono</span> so wenig zu tun, dass ich es direkt mal weiterempfehlen möchte.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Pontiak</span> wurden 2005 von drei Brüdern gegründet, die bis heute zusammen spielen. Das ist ja durchaus keine Selbstverständlichkeit.</p>
<p>Geplant wurde „Echo Ono“ als expressionistisches Album. Die Musik sollte nicht nur Farben malen, sondern Farben <em>sein</em>. „Echo Ono“ stellt sozusagen ein Gemälde aus Musik dar. Während die bisherigen Alben eine lose Ansammlung von Liedern waren, die eine Momentaufnahme der jeweiligen Zeit waren, wurde „Echo Ono“ konsequenterweise erstmals als vollständiges Album konzipiert. Tatsächlich ist das Zusammenspiel, das Ineinandergreifen der einzelnen Stücke hier präsenter als gewohnt.</p>
<p>Der Hörer wird begrüßt von Stoner-Rock-Gitarrengewittern. Der Gesang ist angenehm, irgendwo zwischen den <span class="musik-review-bandname">Strokes</span> und <span class="musik-review-bandname">Mando Diao</span> anzusiedeln, also <em>irgendwie unscheiße</em>. Über die ganze Länge des Albums hinweg spielt das Trio einen psychedelischen, rhythmischen Indie-Rock, der sich weigert, einem Genre eindeutig zuzuordnen zu sein, was ich schon aus Prinzip ziemlich gut finde. Kleinere Längen (etwa das für mich persönlich völlig uninteressante <em>The Expanding Sky</em>, das irgendwo zwischen <span class="musik-review-bandname">Aerosmith</span> und den späten <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> herumirrt) fallen nicht weiter ins Gewicht.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Michael Bambas</span> <a href="http://www.metalnews.de/cds/Pontiak+-+Echo+Ono.7178.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">fasst zusammen:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>„Echo Ono“ sprüht vor inspirierter und damit einhergehend auch inspirierender Musik, in der zeitlose Leidenschaft und Lebensgefühl von unschätzbarem Wert sind; in ungefähr derselben Kategorie wäre dieses Kleinod einzuordnen.</p></blockquote>
<p>Etwaige Langeweile kommt gar nicht erst auf, da auch ruhige Passagen immer wieder durch heftige Stoner-Rock-Eruptionen unterbrochen werden. Ein großartiges Album, um Weihnachtsmärkte oder ähnliche Veranstaltungen schadlos zu überstehen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Enttäuscht muss ich den geneigten Leser diesmal auf <a href="http://www.amazon.com/Echo-Ono/dp/B007CFUJBQ/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> verweisen. Dort gibt es zumindest 30-sekündige Ausschnitte aus den Liedern.</p></li>
</ol>
<p>Das war es eigentlich schon. Aber ich hatte ja eingangs etwas von einer neuen Liste geschrieben. Ja, es gibt einige gute Musikalben, die in diesem Jahr veröffentlicht wurden und über die ich nicht viele Worte verlieren kann oder möchte. Nach der bisherigen Vorgehensweise hätte ich diese einfach unterschlagen – das ist natürlich nicht im Sinne dieser Rückschauen. Also widme ich ihnen einen komplett eigenen Abschnitt. Die einzige Regel: Ein Absatz pro Album muss genügen.</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Beachtet auch dies!</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-titel">Gudrun Gut – Wildlife</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Gudrun Gut</span> hat 1980 die <span class="musik-review-bandname">Einstürzenden Neubauten</span> mitgegründet, die sie kurz darauf wieder verließ, 1981 dann <span class="musik-review-bandname">Malaria!</span>, die irgendwas über <em>kaltes, klares Wasser</em> zum Besten gegeben haben. „Wildlife“ – 31 bzw. 32 Jahre später – klingt immer noch genau so: Elektronisches Geschepper, Minimalismus, ein <span class="musik-review-bandname">Tina-Turner</span>-Cover (<em>Simply The Best</em>), Instrumentales, Besungenes. Wer die „<span class="musik-review-bandname">Neubauten</span>“ und/oder <span class="musik-review-bandname">Faust</span> mag, der möge hier mal <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B008S848F4?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">reinhören<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Kayo Dot – Gamma Knife</span><br>
Die Rückkehr von <span class="musik-review-bandname">maudlin of the Well</span> vor einigen Jahren blieb wohl leider auf das Album „part the Second“ (<a href="https://tuxproject.de/blog/2009/06/musik-06-2009-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">ich berichtete</a>) beschränkt. <span class="musik-review-bandname">Toby Driver</span> konzentriert sich nunmehr wieder auf deren mehr oder weniger offizielle Nachfolgeband <span class="musik-review-bandname">Kayo Dot</span>. Vom behäbigen Anfang mit bedrohlichen Glockenklängen und Choralgesang (<em>Lethe</em>) sollte man sich nicht täuschen lassen: Es folgt ziemlich experimenteller Doom-Metal-Avant-Indie-Poprock oder wie auch immer man <a href="http://kayodot.bandcamp.com/album/gamma-knife" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">das<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu nennen beliebt. Die Kehrseite? Das Album dauert nur eine halbe Stunde. Aber die ist keinesfalls verschwendete Zeit.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Periphery – Periphery II: This Time It’s Personal</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Periphery</span> – nie gehört? Das Debüt von 2010 war eines der ersten herausragenden Alben, die das Metal-Subgenre Djent begründeten; Vorreiter waren, glaubt man <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Djent" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">der englischsprachigen Wikipedia<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, die Schweden <span class="musik-review-bandname">Meshuggah</span>. Angeblich beschwerten sich jedoch zu viele Hörer über den etwas zu sterilen Klang, dem <span class="musik-review-bandname">Periphery</span> in der Folge den Garaus gemacht haben. <em>Dieses Mal ist es etwas Persönliches.</em> In einem Begriff: Verfrickelter Brüllmetal. Ein Album für den Freitagabend und das ganze Wochenende hindurch. Nur der Montag wird einem dann missfallen.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Alberta Cross – Songs of Patience</span><br>
<span class="musik-review-bandname">„Alberta Cross“</span> ist angeblich als Anagramm von „Scab Realtors“, „Krustenmakler“, entstanden. Das klingt ziemlich blöde und vor allem nach Metal. Ich bitte die geneigte Hörerschar zu entschuldigen, dass trotzdem kein Metal zu hören ist. Stattdessen: Viel <span class="musik-review-bandname">Portugal. The Man</span>, ein wenig <span class="musik-review-bandname">Sigur Rós</span>, ein wenig <span class="musik-review-bandname">Red Hot Chili Peppers</span>, viel zu selten auch ein wenig <span class="musik-review-bandname">… Trail of Dead</span>. Herausragend und hörenswert ist ausnahmsweise auch der Gesang. Wer erwähnte Musikgruppen mag, ist hier nicht völlig verkehrt.</li>
</ol>
<p>„Aber… aber wer soll sich denn all diese tolle Musik leisten können?“ fragt ihr jetzt vielleicht. Nun, keine Sorge, auch an den kleinen Geldbeutel (nämlich meinen) wurde gedacht; das Jahr 2012 brachte auch so manches vorzügliches Musikalbum mit sich, das euch auch ohne <em>so Tauschbörsen</em> keinen Aufpreis abverlangt, unter anderem diese:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">3.</span> <span class="musik-review-header-text">Saugt nun dies!</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/The-Echelon-Effect-Field-Recordings.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-The-Echelon-Effect-Field-Recordings.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Echelon Effect – Field Recordings</span>
<p><span class="musik-review-bandname">The Echelon Effect</span> sind in letzter Zeit häufige Gäste in meinen Rückschauen, zuletzt <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">im Dezember 2011</a>. Nachdem alle vier Jahreszeiten ihr/ eigene/n/s EP bekommen haben, gibt es wieder ein <em>richtiges</em> Album. Das geht immer schnell im Hause <span class="musik-review-bandname">The Echelon Effect</span>.</p>
<p>Diesmal ging es noch schneller als geplant, denn die Veröffentlichung von „Field Recordings“ wurde vorgezogen, um die Verbreitung von Bootlegs einzudämmen. Das Duo (Multiinstrumentalist <span class="musik-review-bandname">Dave Wolters</span> bekam beim Einspielen der Schlagzeugspuren Unterstützung von <span class="musik-review-bandname">Steve Tanton</span>) scheint inzwischen recht beliebt zu sein.</p>
<p>Zu hören gibt es gewohnt gute ambiente Elektronikklänge, malerische Landschaften, keinen Gesang. Instrumentale <em>soundscapes</em> ohne viel Drumherum. „Field Recordings“ ist Begleitmusik für Tagträume und lange Winterabende.</p>
<p>„This album is about flying“ steht auf der <a href="http://theecheloneffect.bandcamp.com/album/field-recordings" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp-Seite zum Album<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Eigentlich ist damit alles gesagt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Runterholen:</span><br>
Auf Bandcamp.com gibt’s den kompletten Stream und eine Kaufmöglichkeit (ab 0 Euro), alternativ hilft das gute alte <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2434" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> weiter.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/when-whales-collide-By-Default.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-when-whales-collide-By-Default.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">when whales collide – By Default</span>
<p><span class="musik-review-bandname">when whales collide</span>. Postrock aus Kalifornien. Der Name <a href="http://www.schallgrenzen.de/when-whales-collide-kernige-mischung-aus-ambienten-post-rock-und-metal/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">passt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> so gut wie sonst nur wenig:</p>
<blockquote><p>Wenn Wale kollidieren, ganz es ganz schön krachen. Nach diesem unglückseligen Szenario hat sich das Quartet <span class="musik-review-bandname">When Whales Collide</span> aus San Diego, Kalifornien benannt. Und sie lassen es dementsprechen ordentlich scheppern. Auf einem Fundament aus ambienten Post-Rock werden die Songs ziemlich lässig mit Metal und Hardcore unterfüttert. Gesungen wird auch. Und das sehr ordentlich.</p></blockquote>
<p>Nach dem/der EP namens „.ep“ (Februar) wurde „By Default“ im September 2012 veröffentlicht. Fast 28 Minuten dauert der Spaß. Ist das schon ein Album? Egal. Einflüsse gibt das Quartett nicht bekannt, ich tippe unter anderem auf <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> und <span class="musik-review-bandname">God Is An Astronaut</span>.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Runterholen:</span><br>
Per <a href="http://whenwhalescollidemusic.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> kann man „By Default“ hören und (ab 0 Euro) kaufen, auch auf physischem Tonträger mit hübschem Coverbild, ansonsten hilft das <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2437" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Maultier<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> weiter.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Rhun-Ih.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/12/Vorschau-Rhun-Ih.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Rhún – Ïh</span>
<p>Erst vor wenigen Tagen, am 14. Dezember 2012, erblickte „Ïh“ das Licht der Welt. „Iiih“. Ach Quatsch. Der Buchstabe „Ï“ sollte doch schon klarmachen, wohin das Löffeltier hoppelt. „Ïh“ ist (natürlich französischer) Zeuhl, wie er sein muss. Mit etwas mehr als 21 Minuten Laufzeit liegt hier zwar mal wieder „nur“ ein/e EP vor, aber das sollte nicht stören.</p>
<p>„Ïh“ ist dabei nach der 2009er Demo-CD „Fanfare du Chaos“ sozusagen das Debüt. Zwei Stücke von „Fanfare du Chaos“, nämlich <em>Toz</em> und <em>Dunb</em>, wurden hier neu (und besser) aufgenommen, das dritte (das leider nur kurze Kammerrock-Stück <em>Interlude</em>) ist völlig neu. Kammerrock? Fürwahr: Die üblichen Bestandteile des Zeuhl werden von <span class="musik-review-bandname">Rhún</span> mittels klassischer Instrumente wie Flöte und Oboe um eine interessante Nuance erweitert. Auf „Ïh“ sind insgesamt neun solcher Instrumente, teilweise eingespielt vom Ensemble <span class="musik-review-bandname">Pantagrulair</span>, zu hören.</p>
<p>Falls irgendwer dachte, Zeuhl müsse immer wie die Genrepioniere <span class="musik-review-bandname">Magma</span> klingen: Falsch gedacht.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Runterholen:</span><br>
Da <span class="musik-review-bandname">Rhún</span> aus unerfindlichem Grund noch eine Plattenfirma zu fehlen scheint, gibt es „Ïh“ zurzeit als Stream und freien Download in fast jedem gewünschten Format <a href="http://rhunmusic.bandcamp.com/album/h-2" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sowie im FLAC- und MP3-Format <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2466" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">per eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Stört mich nicht. Viel Vergnügen!</p></li>
</ul>
<p>So weit zum Positiven. Aber was wäre so ein Jahr ohne Musikalben, die <em>die Presse</em> unter „Muss man haben“ einsortiert, die dem geneigten Musikfreund aber allenfalls ein müdes Lächeln abzuringen vermögen?</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">4.</span> <span class="musik-review-header-text">Verachtet dies!</span></p>
<p>Davon gab es auch 2012 mehr als im Juni beschrieben, zum Beispiel diese hier (wie gewohnt ohne allzu viele Worte darüber zu verlieren):</p>
<ul>
<li><span class="musik-review-bandname">Gekko Project – Electric Forest</span><br>
Trotz <a href="http://www.jerrylucky.com/reviews%20f-j_072.htm" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Vergleichen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> mit <span class="musik-review-bandname">Camel</span>: Die guten Melodien werden in elektronischem Blubbern ertränkt. Schade.</li>
<li><span class="musik-review-bandname">Stabat Akish – Nebulos</span><br>
Der Beweis, dass Jazzrock/RIO auch schrecklich langweilig sein kann.</li>
<li><span class="musik-review-bandname">The xx – Coexist</span><br>
Der Titel des Albums sagt es bereits: Belangloser Schöngeistpop, der niemandem wehtut.</li>
<li><span class="musik-review-bandname">Barock Project – Coffee In Neukölln</span><br>
Es ist bedauerlich, dass an sich gute Retro-Prog-Bands fast immer einen unauffälligen Durchschnittssänger engagieren. Auch diese.</li>
<li><span class="musik-review-bandname">Between The Buried And Me – The Parallax II: Future Sequence</span><br>
Queen, Spock’s Beard, The Beatles, Metal mit lächerlich wirkendem Klischee-Growling. Einzeln nett, aber zusammen eigentlich nur verwirrend.</li>
</ul>
<p>Und sonst? Klar, die Reise in die Vergangenheit steht noch an, 40 Jahre zurück und was dann folgte. Wie schnell sich die Musikwelt wandelt, kann nur wenig besser offenbaren als ein Überblick über musikalische Entwicklungen im Schnelldurchlauf.</p>
<p>Beginnen wir mit 1972:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">5.</span> <span class="musik-review-header-text">Erinnert euch an dies!</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 40 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Roxy Music – Roxy Music</span>
<p>1972. Die Musikwelt hat schon schlimmere Jahre erlebt. Das Hard-Rock-Quintett <span class="musik-review-bandname">Bang</span> eiferte auf „Mother“ <span class="musik-review-bandname">Black Sabbath</span> nach, <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span> veröffentlichten in rascher Folge „Three Friends“ und das Weg weisende „Octopus“, das eine Vielzahl an Musikgruppen nachhaltig beeinflussen sollte. Kunstlehrer <span class="musik-review-bandname">Bryan Ferry</span> hatte unterdessen bereits ein Jahr zuvor zusammen mit Freunden und Freundesfreunden (unter anderem <span class="musik-review-bandname">Brian Eno</span>) die Musikgruppe <span class="musik-review-bandname">Roxy Music</span> – eine Gruppe namens <span class="musik-review-bandname">Roxy</span> gab es bereits – ins Leben gerufen. <span class="musik-review-bandname">Peter Sinfield</span>, bis zum 1971 erschienenen „Islands“ für Texte, Produktion und Beleuchtung zuständiges Mitglied von <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>, übernahm die Rolle des Produzenten für das Debütalbum. Auf dem Coverbild räkelt sich Model <span class="musik-review-bandname">Kari-Ann Muller</span>, die <span class="musik-review-bandname">Roxy-Music</span>-Tradition von anzüglichen Plattencovern wurde damit also begründet. Bereits das eröffnende „Re-Make/Re-Model“ <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/07/roxy-music-re-makere-model/" data-wpel-link="internal">sollte man mal gehört haben</a>. Der Artrock, den <span class="musik-review-bandname">Roxy Music</span> hier spielen, ist bereits eine ziemlich ausgereifte Variante dessen, was die folgenden Alben bringen sollten. Dass <span class="musik-review-bandname">Brian Eno</span> sich nach den Aufnahmen zum zweiten Album von <span class="musik-review-bandname">Roxy Music</span> trennte und so Platz für den nicht minder talentierten <span class="musik-review-bandname">Eddie Jobson</span> machte, ist dennoch bedauerlich, das Ergebnis der Zusammenarbeit aber bleibt ein Stück Musikgeschichte.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 30 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Marillion – Market Square Heroes</span>
<p>Die musikalischen Achtziger. Den Mantel des Schweigens bitte jetzt ausbreiten. Unter diesem Mantel darf gemütlich gemauschelt werden. Außer der Neuen Deutschen Welle waren auch in Deutschland gelegentlich gute Musiker zugegen. An der Krautrockband <span class="musik-review-bandname">Grobschnitt</span> ging besagte Welle leider nicht spurlos vorüber: Auf „Razzia“ wurde konsequent auf deutsche Texte gesetzt, musikalische Einflüsse von NDW und der zu diesem Zeitpunkt eigentlich bereits vor sich hin siechenden Punkmusik sind zu hören. Die Texte sind interessant („Wir wollen sterben“), aber letzten Endes verzichtbar. Nach „Razzia“ nahm Mitgründer, Schlagzeuger und kreativer <span class="musik-review-bandname">Grobschnitt</span>-Kopf <span class="musik-review-bandname">Eroc</span> konsequenterweise seinen Hut, was alles, was danach kam, nicht unbedingt verbesserte. Auch die Hannoveraner <span class="musik-review-bandname">Eloy</span> befanden sich noch mitten in ihrem Kreativitätsschub und ließen „Time to Turn“ auf den Markt bringen, <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=452&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">laut dem Internet<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> <em>die letzte wirklich überzeugende <span class="musik-review-bandname">Eloy</span>-Scheibe für lange, lange Zeit</em>. Die britische Band <span class="musik-review-bandname">Marillion</span>, die gerade erst um Sänger <span class="musik-review-bandname">Fish</span> bereichert wurden, publizierte derweil ihre ersten Gehversuche mit der Single „Market Square Heroes“, deren über 17-minütige B‑Seite <em>Grendel</em> insbesondere die Vorbilder <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> mit <span class="musik-review-bandname">Peter Gabriel</span> hervorhob. Dass <span class="musik-review-bandname">Marillion</span> das noch junge Genre des „Neo-Prog“ entscheidend prägen würden, war damals freilich noch nicht abzusehen, das 1983 erschienene Debütalbum „Script for a Jester’s Tear“ eignete sich jedoch hervorragend, um diese Vermutung zu festigen.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 20 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Änglagård – Hybris</span>
<p>Zumindest <span class="musik-review-bandname">Yes</span> haben die 1980-er Jahre trotz grauenvoller radiokompatibler Singles wie <em>Owner of a Lonely Heart</em> weitgehend schadlos überstanden. Nun, was heißt „schadlos“? Die DVD „Union Tour Live“ zeigt eine heillos zerstrittene Band, die auf Drängen der Plattenfirma notdürftig aus den beiden existierenden und miteinander konkurrierenden Gruppen <span class="musik-review-bandname">Yes</span> und <span class="musik-review-bandname">Anderson, Bruford, Wakeman, Howe</span> zusammengeklebt wurde. Diese Formation zerbrach dann auch bald, was durchaus kein Verlust war. Bei <span class="musik-review-bandname">Emerson, Lake &amp; Palmer</span> sah es nicht besser aus: Die Reunion im Jahr 1991 führte zu dem einfallslosen, von AOR und Pop geprägten Album „Black Moon“, auf das der geneigte Musikfreund gut verzichten könnte. Etwas besser sah’s im Acid Jazz aus: Die britische Formation <span class="musik-review-bandname">Corduroy</span> machte mit dem merkwürdig benannten, beinahe komplett instrumentalen Debüt „Dad Man Cat“ positiv auf sich aufmerksam. Ein anderes Debütalbum stammt aus Schweden: Die kurzlebigen <span class="musik-review-bandname">Änglagård</span> – drei der Musiker waren damals erst 17 Jahre alt – kombinierten auf ihrem Debütalbum „Hybris“ Retro-Prog und Folk (inklusive Flöte) mit einer eigenständigen Note zu etwas, das nicht weniger als ein Meisterwerk ist. Gesungen wird auf Schwedisch, die Stimmungen erreichen beeindruckende Tiefen. Vier Stücke lang erschaffen die Schweden Retro-Welten, wie sie schöner und schillernder kaum sein könnten. Ein Album später lösten sich <span class="musik-review-bandname">Änglagård</span> wieder auf, hinterließen noch einen Live-Mitschnitt („Buried Alive“) und kehrten etwa zehn Jahre später auf die musikalische Bühne zurück. Ihr 2012 erschienenes spätes <em>comeback</em>-Album „Viljans Öga“ – leider inzwischen ohne Gesang – zeigt, dass die fünf bis heute nichts verlernt haben.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 10 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">echolyn – mei</span>
<p>Abseits der progressiven Rockmusik gab es im Jahr 2002 ein Aufhorchen: Mitglieder von <span class="musik-review-bandname">Rage Against the Machine</span> schlossen sich mit <span class="musik-review-bandname">Soundgarden</span>-Sänger <span class="musik-review-bandname">Chris Cornell</span> zu <span class="musik-review-bandname">Audioslave</span> zusammen und knüpften stilistisch nahtlos an beide „Vorgängergruppen“ an. Fünf Jahre später war Schluss. Als zäher erwies sich die oben bereits lobend erwähnte US-amerikanische Progressive-Rock-Band <span class="musik-review-bandname">echolyn</span>, die sich nach vier Jahren Trennung – Sony Music verweigerte den Musikern die Unterstützung, wahrscheinlich waren sie zu kreativ – im Jahr 2000 wieder zusammengefunden hatte. Kompromisse mochten sie aber immer noch nicht. Im Jahr 2002 erschien mit „mei“ – Kleinbuchstaben sind eines ihrer Markenzeichen – ihr fünftes Studioalbum; oder sollte man es eine „Langzeit-Single“ nennen? Tatsächlich ist genau ein Stück – eben <em>mei</em> – enthalten, das es auf 49:33 Minuten Spielzeit bringt. Den geneigten Musikfreund freut es, immerhin ist es so nahezu unmöglich, die einzelnen Bestandteile des Stückes sinnvoll zu einer „Best-of“-Zusammenstellung zusammenzukleben. Ich wage zu behaupten, „mei“ bleibt auch musikalisch von <span class="musik-review-bandname">echolyn</span> unerreicht. Es handelt sich (<em>natürlich</em>) um ein Konzeptalbum, auch <a href="http://www.echolyn.com/lyrics.asp?iAlbumID=7" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">textlich<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>: Der Protagonist, von der Liebe enttäuscht, irrt umher, verzweifelt an seiner Situation, beschließt, Held zu werden, wird dann doch keiner und kehrt in die Zivilisation zurück. So weit die Zusammenfassung. Musik: <span class="musik-review-bandname">Kansas</span>? <span class="musik-review-bandname">Spock’s Beard</span>? Sicher. Vor allem aber: <span class="musik-review-bandname">echolyn</span>. Dass <span class="musik-review-bandname">echolyn</span> bekennende Anhänger von <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span> sind, wird selten so deutlich wie in den (viel zu kurzen) dreistimmigen Passagen (<span class="musik-review-lyrics-inline">„What have I done“ / „Here I am“ / „Live through me“</span>) von „mei“, kurze Keyboard-Momente klingen direkt wie von <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span> geliehen. Verpackt wird es in einem einmaligen Retro-Prog-Gewand, der Gesang variiert je nach Textzeile von Depression (<span class="musik-review-bandname">The Cure</span>) bis Zuversicht (<span class="musik-review-bandname">U2</span>), ohne jemals deplatziert zu wirken. Wie die Zeit vergeht, bemerkt der Hörer nicht einmal. Eine Liveversion von <em>mei</em> wurde 2003 auf dem Bootleg „Jersey Tomato vol. 2 (live at the Metlar Bodine Museum)“ veröffentlicht, inzwischen, da nicht mehr offiziell erhältlich, ist dieses Bootleg auszugsweise <a href="http://www.echolyn.com/discography.asp?iAlbumID=10" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf der Website der Band<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu hören. Ohne „mei“ wäre der Retro-Prog vermutlich viel ärmer. Zum Glück müssen wir uns das nicht vorstellen.</p></li>
</ul>
<p>So weit von mir.</p>
<p>Habt ihr etwas gefunden, was euch gefällt? Gibt es Kommentare, Ergänzungen, Beschimpfungen? Ich hoffe, letztere bleiben aus.</p>
<p>Ich wünsche viel Spaß beim Hören und sage: Nichts zu danken!<br>
Die nächste Rückschau folgt, wenn bis dahin nicht die Welt untergeht, im Juni 2013. Es wäre schön, wenn ihr dann wieder dabei seid.</p>
<p>Bis dann.</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li>Anonym schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">26. Dezember 2012</a> dies: Und doch (zu danken). Zusammen mit UliUlis Blog (AufeinNeues) sind diese Rückschauen unverzichtbare Kompendien der Gutmusik.</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">26. Dezember 2012</a> dies: Hm, hast du da mal einen Link?

Nachtrag: Danke, <a href="http://uliuli.twoday.net/" rel="nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank" class="wpel-icon-right">gefunden<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>! Und danke für das Kompliment.</li><li>Thilo schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">27. Dezember 2012</a> dies: Ich: Narzist.
Daher: Kontrolliert, warum ich verdammt nochmal kein Dankeschön – … ähem.
Peinlich berührt, Selbstbeschimpfung.
Lernen popernen: Conditio sine qua non für den Erhalt einer Antwort ist das Hinterlassen einer Antwortadresse.

UliUli beackert sozusagen die Galaktische Eastside unserer Milchstraße, ohne den Blues zu bekommen (na, auch DEN deutschen Raumfahrtepos als Kind verschlungen und für immer immun gegen diesen schnarchlangweiligen Star-Wars-Quatsch geworden? Wenn nein: Öder Insiderscherz, egal). Daß ich jemals mit Freude Prog-Rock hören würde (Echolyn), unfaßbar. Andererseits: Wieder ein Stein für das Mauerwerk des Elfenbeinturms, na danke auch (-;</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">27. Dezember 2012</a> dies: Oder häufiger mal hier reinschauen – spart die Adresse und freut meine Besucherzahlen. Von denen ich halt auch nix habe, wenn keiner meinen Amazon-Links kaufwillig folgt. Mist.

Ich finde UliUlis Musikempfehlungen beim Überblicken interessant, da mir komplett unbekannt. Mal gucken, ob ich irgendwann mal die Muße finde, reinzuhören. Natürlich: Gelesen. Star Wars? Buh!

Wenn dir echolyn gefällt, könnte ich dir nun diverse andere Anspieltipps geben. Aber dann kommst du zu nichts anderem mehr. Ich freue mich aber sehr, wenn meine Tipps wenigstens einem Menschen Freude bereiten konnten. Dann kommt mir mein eigenes Tun nicht so sinnlos vor.</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Musik 12/2013 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">23. Dezember 2013</a> dies: […] stimmen. Aber auch Trevor Dunn, der regelmäßigen Lesern meiner Rückschauen zuletzt zum Beispiel auf ‘nem Melvins-Album begegnet sein dürfte, zeigt sich auf „Oddfellows” ähnlich wandlungsfähig. Mathias […]</li><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2016/07/musik-062016-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Musik 06/2016 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">26. Juli 2016</a> dies: […] – der Leser möge sich erinnern – ist ein immer noch junges Trio, dessen Mitglieder gegenwärtig noch immer weit von ihren […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/df79ef57ca6a45508d791d9b5249095d" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<title>Musik 06/2012 – Favoriten und Analyse</title>
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		<pubDate>Fri, 22 Jun 2012 17:45:11 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Leck mich fett, is‘ schon wieder Ende Juni? Dann wird’s Zeit für die allsemestrige Liste der schmackhaftesten Studioalben der ersten sechs Monate, die mir bis dato untergekommen sind. Diesmal habe ich sogar daran gedacht, sie einigermaßen regelmäßig zu sichern, und kann diese Vorgehensweise ebenso empfehlen wie folgende Musikalben. Wie immer habe ich es nicht geschafft, ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 06/2012 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Leck mich fett, is‘ schon wieder Ende Juni? Dann wird’s Zeit für die allsemestrige Liste der <span class="musik-intro-hervorhebung">schmackhaftesten Studioalben der ersten sechs Monate</span>, die mir bis dato untergekommen sind. Diesmal habe ich sogar daran gedacht, sie einigermaßen regelmäßig zu sichern, und kann diese Vorgehensweise ebenso empfehlen wie folgende Musikalben. <span id="more-6630"></span></p>
<p>Wie immer habe ich es nicht geschafft, einige von diesen rechtzeitig zu erwerben und zu bewerten, im Gegenzug wurden einige Musikalben <span class="musik-intro-hervorhebung">disqualifiziert</span>; das Livealbum „The Gettysburg Address“ der Progressive-Rock-Band <span class="musik-review-bandname">Moon Safari</span> zum Beispiel ist zwar qualitativ sehr listentauglich, aber eben ein Livealbum und somit ebenso wie die gleichfalls sehr gute Kompilation „Lost Tapes“ von <span class="musik-review-bandname">Can</span> nicht in Konkurrenz zu den anderen hier aufgeführten Alben stehend. Auch die Neuauflage von <span class="musik-review-bandname">Talk Talk</span>s „Spirit of Eden“, obwohl <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/04/talk-talk-spirit-of-eden/" data-wpel-link="internal">unbedingt hörenswert</a>, erfüllt leider nicht das notwendige Kriterium „2012 erstmals veröffentlicht“. Ich bitte um Nachsicht.</p>
<p>Auf die separate Neubesprechung von „Big Fish“ der Cowboys From Hell verzichte ich diesmal und verweise stattdessen auf meinen <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/02/cowboys-from-hell-big-fish/" data-wpel-link="internal">entsprechenden Artikel</a> vom Februar dieses Jahres. Sollte mir jedoch, davon abgesehen, ein relevantes Album gänzlich entgangen sein, bitte ich, wie immer, um eine kurze Notiz. Eine Anmerkung noch: Obwohl der großartige Musikdienst Grooveshark mit deutscher IP-Adresse zurzeit nicht zugänglich ist, habe ich ihn im Folgenden gelegentlich referenziert. Selbstverständlich erkläre ich bei Bedarf gern die Vorgehensweise, um ihn verwenden zu können. Nun aber viel Spaß beim Erkunden der folgenden Werke:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">1.</span> <span class="musik-review-header-text">Kaufbefehle.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Les-Fragments-de-la-Nuit-Musique-de-Nuit.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Les-Fragments-de-la-Nuit-Musique-de-Nuit.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Les Fragments de la Nuit – Musique de Nuit</span>
<p>Wir lassen es ausnahmsweise mal ruhig angehen. Aus Frankreich stammt das Quintett <span class="musik-review-bandname">Les Fragments de la Nuit</span>, auf Deutsch „Die Fragmente der Nacht“, und zum Glück verzichten sie mit Ausnahme des zweiminütigen „La dame blanche“ auf Gesang. Mit französischsprachigen Texten werde ich einfach nicht warm.</p>
<p>Stattdessen wird die „Musik der Nacht“ im instrumentalen Klassikstil dargeboten. Trotzdem klingt das <em>Gefiedel</em> nur selten ein wenig träge, meist wird reichlich Spannung erzeugt. Das könnte auch daran liegen, dass sich „Musique de Nuit“ in diese Liste, mehr oder weniger, hineingeschummelt hat: Zu Beginn ihrer Karriere im Jahr 2005 machten <span class="musik-review-bandname">Les Fragments de la Nuit</span> vorrangig Musik für Dokumentarfilme, also recht kurze, aber um so stimmungsvollere Stücke. Tatsächlich sind auf „Musique de Nuit“ viele bereits ältere, aber auch einige neuere Stücke zwischen 0:56 und nur zweimal über 3 Minuten enthalten.</p>
<p>Zu der Neoklassik gesellen sich Elemente aus Avantgarde und Postrock, etwa dann, wenn Violinen und Cello bewusst mit Dehnung und Dissonanz spielen. Vergleiche? <a href="http://www.schallgrenzen.de/the-review-les-fragments-de-la-nuit-musique-de-nuit/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Wenn’s sein muss:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Klassisches Instrumentarium, neoklassische Ansatz, Experimentalkunst und Ambient mit selbst genannten Einflüssen wie <span class="musik-review-bandname">Debussy</span>, <span class="musik-review-bandname">Erik Satie</span> und <span class="musik-review-bandname">Godspeed You! Black Emperor</span>. Kopfkino für Fortgeschrittene.</p></blockquote>
<p>Gefällt mir. Wem noch?</p>
<p>Herausfinden kann man’s mit den <span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span> auf <a href="http://www.amazon.de/Musique-Nuit-Les-Fragments/dp/B006JTUY5W/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, drei Stücke in voller Länge sind auch auf der <a href="http://denovali.com/lesfragmentsdelanuit/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Internetseite von Denovali Records<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> anzuhören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Die-Ärzte-auch.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Die-Ärzte-auch.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Die Ärzte – auch</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Hast du nichts Besseres zu tun als die Die Ärzte zu hör’n?“</span> (ZeiDverschwÄndung)
<p><span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> legen nach: Auch nach 30 Jahren – netto immerhin 25 – vereinen sie soliden Poprock mit bisweilen amüsanten Texten und kokettieren mit den seit Jahren kursierenden Gerüchten über die unvermeidliche baldige Auflösung.</p>
<p>Dass auf „auch“, anders als noch auf dem Vorgänger „Jazz ist anders“, keine sofort mitgrölbare „Hitsingle“ wie seinerzeit „Junge“ zu finden ist, mag stimmen, obwohl das „lala-lala, lalala lala-la-lala“ der ersten Single „ZeiDverschwÄndung“ (von mir bereits <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/03/die-aerzte-keine-zeidverschwaendung-auch-kritik-der-kritik/" data-wpel-link="internal">an anderer Stelle</a> ausführlich gut gefunden) ziemlich <em>ins Ohr geht</em>. Wer aber <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> hört, der erwartet normalerweise auch keine Stadionkracher wie zum Beispiel von den <span class="musik-review-bandname">Toten Hosen</span>. Davon abgesehen sind die Unterschiede zu „Jazz ist anders“ nicht allzu groß: Jenes kam in einer Miniaturpizzaschachtel daher, dieses nun in einem Brettspielkarton. Beides ist enorm unpraktisch für zum Insregalstellen, aber immerhin kreativ. Enthalten ist auch ein Brettspiel, was für lange Abende mit Freunden (und Alkohol) sicherlich interessant ist.</p>
<p>Natürlich ist es unvermeidlich, dass man sich beim Texten nach ein paar Jahrzehnten auch mal wiederholt, ob mit Absicht oder aus Versehen. Das Lied „ZeiDverschwÄndung“ etwa beginnt so:</p>
<blockquote><p>Du surfst den ganzen Tag schon durch das weltweite Netz<br>
in der Hoffnung, dass vielleicht mal irgendeiner was petzt.</p></blockquote>
<p>Die zweite Strophe von „Rettet die Wale“, erschienen erstmals auf der Single „Manchmal haben Frauen …“ aus dem Jahr 2000, beginnt so:</p>
<blockquote><p>Ihr sitzt bestimmt den ganzen Tag am Bildschirm und ihr surft durchs Internet.</p></blockquote>
<p>Solche Details trüben den Hörspaß aber nur wenig. Schon zu Beginn nehmen sich <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> selbst auf die Schippe: <span class="musik-review-bandname">Farin Urlaub</span>s „Ist das noch Punkrock?“ beginnt mit Punkrock, ist im Refrain aber ein eher sanftes Liebeslied. In „TCR“ zitieren <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> Reggae, Death Metal und ihre eigene Frühphase mit Liedern wie „El Cattivo“, um ironisch ihre eigene stilistische Bandbreite darzulegen und sich somit einer Schubladisierung („Die Ärzte sind ’ne Punkband“, von wegen!) zu entziehen.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Bela B.</span> hat sein zweites Ich, den <em>lustigen Vampir</em>, bereits auf dem letzten Album „beerdigt“, Lieder über Gruften, Grafen und Untote trägt er diesmal ausnahmsweise also nicht bei, was dafür Platz macht für großartige Lieder wie „Miststück“. Selbst die Beiträge des Bassisten <span class="musik-review-bandname">„Rod“ González</span> (wohl nicht identisch mit dem gleichnamigen Schlagzeuger von <span class="musik-review-bandname">La Desooorden</span>), darunter das gothicrockartige „Sohn der Leere“, sind überaus gelungen. Und dann wäre da eben noch „ZeiDverschwÄndung“: <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> singen darüber, dass <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> eigentlich gar nicht so interessant sind und die Hörer doch lieber eine andere Musikgruppe favorisieren sollten. Ob das funktioniert?</p>
<p>Insgesamt ist „auch“ ein gutes Album; kein überragendes wie einst „Planet Punk“ und „Le Frisur“, aber auch kein Griff ins Klo wie „Ist das alles?“. Besser als das, was ihre langjährigen Weggefährten von den <span class="musik-review-bandname">Toten Hosen</span> mittlerweile unter Musik verstehen (siehe auch weiter unten), ist es allemal, und alles, was <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> ausmacht und bislang ausgemacht hat, ist <em>auch</em> auf „auch“ zu hören.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Farin Urlaub</span> hat vor ein paar Monaten in einem Interview gesagt, in zehn Jahren wolle er definitiv keine Musik mehr machen. Dann ist er fast 60 Jahre alt und somit eigentlich in einem guten Rockstaralter. Wenn vorliegendes Album also bereits Teil seines „Alterswerkes“ ist, gebührt ihm und seinen beiden Bandkollegen jede Hochachtung. Meinerseits erfolgt diese <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/08/mein-musikfaschismus/" data-wpel-link="internal">ja sowieso</a>.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Auf <a href="http://www.youtube.com/user/bademeisterTV" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es zurzeit offiziellerweise komplette Musikvideos für jedes (!) der Lieder auf dem Album und der Single zu sehen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Disappears-Pre-Language.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Disappears-Pre-Language.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Disappears – Pre language</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Minor patterns, nothing happens, changes, standards, doesn’t matter.“</span> (Minor patterns)
<p>Ganz anders als die fröhlichen Poprock-<span class="musik-review-bandname">Ärzte</span> kommen die vier Musiker von <span class="musik-review-bandname">Disappears</span> aus Chicago mit ihrem Noiserock daher. Spontane Assoziationen: <span class="musik-review-bandname">The Fall</span> und ein bisschen <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span>.</p>
<p>An Bord ist unter anderem <span class="musik-review-bandname">Steve Shelley</span>, einst einzig Schlagzeuger bei letzteren und nun auch bei <span class="musik-review-bandname">Disappears</span>. Das macht <span class="musik-review-bandname">Disappears</span> aber noch nicht zu bloßen Kopisten: Die Versatzstücke aus Post-Punk, Feedback-Schleifen und Shoegaze werden elegant in den eigenen Kontext eingewoben. <a href="http://www.schallgrenzen.de/alben-neuerscheinungen-im-marz-2012/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> nannte das „Psychedelic Rock“ und lag damit nicht mal allzu sehr daneben.</p>
<p>Die Klangwände aus Bass und Schlagzeug bilden zusammen mit den <em>dreckigen</em> Gitarrenteppichen ein angenehmes Fundament für die manchmal gequälten, manchmal flehenden, manchmal gelangweilten Deklamationen von <span class="musik-review-bandname">Brian Case</span>, der <span class="musik-review-bandname">Mark E. Smith</span> womöglich unabsichtlich, aber doch bravourös nacheifert.</p>
<p>Musikalisch bewegt man sich auf weitem Terrain: Klingt das Titelstück, vom Gesang abgesehen, nach den <span class="musik-review-bandname">Fehlfarben</span> in ihren besten Jahren, „Replicate“ und „Joa“ sind hypnotisch groovende Indie-Rock-Stücke. Das Musikmagazin SSG Music brachte den Terminus der Motorik <a href="http://www.ssgmusic.com/disappears-pre-language/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ins Spiel<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, also den präzisen 4/4‑Takt, der Krautrockgrößen wie <span class="musik-review-bandname">NEU!</span> und <span class="musik-review-bandname">Kraftwerk</span> angeblich <em>charakterisiert</em>, aber die stoische Schlichtheit des Rhythmus‘ ist nicht zwingend als Remineszenz, vielmehr als Mittel zum Zweck zu werten.</p>
<p>Mit „Krautrock“ hat „Pre language“ nämlich – erfreulicherweise – ansonsten nur wenig zu tun, wenn man genannte Vergleiche nicht gerade pauschal in die „Krautrock“-Schublade steckt (und von mir somit schief angeblickt würde), obwohl Thomas Pilgrim das <a href="http://www.plattentests.de/rezi.php?show=9163" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">anders sieht:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Diese dunkelgrauen Lieder kennen ihre Pappenheimer aus Post-Punk, Shoegaze und Krautrock – und springen entsprechend unsanft mit ihnen um.</p></blockquote>
<p>Vielleicht ist es für uns Musikfreunde wirklich manchmal das Beste, uns die Höreindrücke selbst zu verschaffen. Ich hoffe, dazu mit dieser Rezension ausreichend angeregt zu haben.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Auf <a href="http://www.amazon.de/Pre-Language-Disappears/dp/B006JZWIBE/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es 30-sekündige Ausschnitte zu hören, auf YouTube.com unter anderem eine <a href="http://www.youtube.com/watch?v=W5DF12odvgg" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Liveversion des Titelstücks<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu sehen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Field-Music-Plumb.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Field-Music-Plumb.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Field Music – Plumb</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„The narratives are so familiar…“</span> ((I Keep Thinking About) A New Thing)
<p>Aus Großbritannien stammt das Quartett <span class="musik-review-bandname">Field Music</span>, im Kern bestehend aus und gegründet von den beiden Brüdern <span class="musik-review-bandname">Peter</span> und <span class="musik-review-bandname">David Brewis</span>, und es lässt auf seinem vierten Studioalbum „Plumb“, das Mitte Februar erschienen ist, kaum ein Klischee über britische Rockmusik aus.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Field Music</span> hat die <em>Kreativpause</em> bis zum Album „Measure“ (2010) offenbar gut getan, denn seitdem sind sie von der Indie-Rock-Schiene der Marke <span class="musik-review-bandname">Maximo Park</span> abgewichen und widmen sich anderen musikalischen Sphären. <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span>, die <span class="musik-review-bandname">Beach Boys</span> und vor allem natürlich die unvermeidlichen <span class="musik-review-bandname">Beatles</span> („Sgt.-Pepper“-Phase, also nicht mal unbedingt die schlechteste) hört der geneigte Musikfreund sofort heraus. Das ist vielleicht nicht sonderlich kreativ, aber es spricht an, und das ist nun einmal das Wichtigste an Musik, die gut sein soll.</p>
<p>An Güte mangelt es dann auch tatsächlich nicht. Die erste Single „(I Keep Thinking About) A New Thing“, auf dem Album erfreulicherweise das letzte und nicht das erste Stück, beginnt mit Fanfaren, die in ein merkwürdig hektisches Bassmuster übergehen, zu dem teils ein‑, teils mehrstimmig gesungen wird. Funk klingt ebenso an wie der zu Unrecht nur wenig bekannte New Wave von <span class="musik-review-bandname">XTC</span>. Vorwerfen könnte man der Band hier nur, dass das Lied ein wenig zu kurz ist – oder wirkt es nur so? 3 Minuten und 16 Sekunden sind ja durchaus <em>üblich</em>, und das ist bedauerlich.</p>
<p>Während besagte Single die Indie-Wurzeln der Band kaum verleugnen kann, sind andere Stücke wie „A New Town“ eigenständiger: Nach einem melancholischen Akkordeon-Intro bricht der Funk mit hoher Stimmbegleitung wieder los; die Melodie (Gesang wie Instrumente) bekommt man nur noch schwer aus dem Kopf. „Sorry Again, Mate“ ist ein eher unauffälliges, von Streichern begleitetes Poplied im Stil der <span class="musik-review-bandname">Beatles</span> zu Zeiten von „Abbey Road“, das eröffnende „Start The Day Road“ bedient sich bei den mehrschichtigen Experimenten von <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> und ihren Nacheiferern.</p>
<p>Wer den Poprock der späten 60-er Jahre schätzt, dem dürfte „Plumb“ zweifelsohne gefallen. Gelegentliche Wechsel zwischen Gefälligkeit und Anspruch erhöhen das Hörvergnügen auch für diejenigen unter jenen, die Abwechslung mögen. „Plumb“ ist ein seltsames Album – aber ein gutes.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Zurzeit (Anfang Juni 2012) ist „Plumb“ auf <a href="http://www.nme.com/news/field-music/61934" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">nme.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> im Stream zu hören, aber <em>natürlich</em> stellt auch <a href="http://www.amazon.de/Plumb-Field-Music/dp/B0060O7WLA/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> die üblichen kurzen Hörproben bereit.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Soen-Cognitive.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Soen-Cognitive.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Soen – Cognitive</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„This is not the dust that we once came from“</span> (Savia)
<p>Vom Poprock zum Progressive Metal: „Cognitive“ ist das Debütalbum der „Supergroup“ <span class="musik-review-bandname">Soen</span>.</p>
<p>Unter einer „Supergroup“ versteht man bekanntlich eine Musikgruppe, an der bekannte Musiker aus anderen Musikgruppen aktiv beteiligt sind. <span class="musik-review-bandname">Transatlantic</span> und <span class="musik-review-bandname">Cream</span> sind bekannte Beispiele, aber auch <span class="musik-review-bandname">Soen</span> wird <a href="http://www.metalstorm.net/pub/review.php?review_id=10902" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">gelegentlich<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> als eine solche „Supergroup“ bezeichnet, obwohl nur zwei der vier Mitglieder sich bislang in einschlägigen Genres einen Namen gemacht haben.</p>
<p>Bei diesen handelt es sich um Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Martin Lopez</span> (ehemals <span class="musik-review-bandname">Opeth</span> und <span class="musik-review-bandname">Amon Amarth</span>) und dem später hinzugestoßenen Bassisten <span class="musik-review-bandname">Steve DiGiorgio</span> (unter anderem <span class="musik-review-bandname">Death</span> und <span class="musik-review-bandname">Autopsy</span>). Wohin die Reise zumindest instrumental geht, ist da absehbar: <span class="musik-review-bandname">Tool</span>, <span class="musik-review-bandname">Opeth</span> und <span class="musik-review-bandname">Dream Theater</span> lassen grüßen.</p>
<p>Dass das brachiale Element dieser Bands hier beinahe gänzlich fehlt, ist wohl auch Sänger <span class="musik-review-bandname">Joel Ekelöf</span> zu verdanken, der Gesang mit Wiedererkennungswert – eben „cognitive“ – beisteuert. Er verzichtet dankenswerterweise auf stumpfsinniges Gebrüll, singt seine Parts stattdessen so <em>sauber</em> ein, dass man mitunter einer Coverband von <span class="musik-review-bandname">Porcupine Tree</span> zu lauschen glaubt, deren Sänger <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span> ja gleichfalls recht markant intoniert. In den ruhigen Phasen, etwa in „Oscillation“, singt er gelegentlich auch (absichtlich?) so gekünstelt, dass unsereinem sofort <span class="musik-review-bandname">Extra Life</span> einfällt, obwohl diese in der Regel <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/04/extra-life-voluptuous-life/" data-wpel-link="internal">weniger dezent musizieren</a>.</p>
<p>Dennoch ist diese Melange aus verschiedensten Einflüssen oft so eingängig, dass sie sich im Kopf festsetzt. „Delenda“ – zu übersetzen wahlweise mit „zu entfernende Dinge“ oder mit „die Frau, die zu zerstören ist“, wie wir Lateiner wissen – ist instrumental ein ziemlich vertracktes Metalstück, zu dem man dennoch – oder deswegen – gut durch die Gegend hüpfen kann wie ein Bekloppter, der Kopf nickt zum Rhythmus von „Slithering“ (nicht etwa „Slytherin“), „Fraccions“, das erste, bereits 2010 veröffentlichte Lied der Gruppe, mit seiner eigenartigen Melodie ist <span class="musik-review-bandname">Dream Theater</span> so nahe wie sonst nur wenig auf dem Album.</p>
<p>Der Name „Soen“ in quasi beliebiger Großschreibung steht <em>laut Internet</em> für „Solar Energy“, „Southern Oscillation El Niño“ oder irgendwelchen umgangssprachlichen Firlefanz aus irgendwelchen Fremdsprachen. Nun hat er endlich auch eine für uns Musikfreunde greifbare Bedeutung bekommen, die von Naturgewalten – oder irgendwelchem umgangssprachlichen Firlefanz – etwas entfernt ist. Andererseits: Gewaltig ist das schon.</p>
<p>Hörempfehlung? Natürlich! <span class="musik-review-hoerproben">Hörproben?</span> Bitte sehr:<br>
Auf <a href="http://www.amazon.de/Cognitive-Soen/dp/B006UO3OC6/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es Schnipsel zu hören, das Musikvideo zu oben erwähntem „Delenda“ auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=KbWahoNCvVQ" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu sehen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Madonna-MDNA.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Madonna-MDNA.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Madonna – MDNA</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Some girls are not like me, I’m everything you ever dreamed of“</span> (Some Girls)
<p>„Madonna? Echt jetzt?!“</p>
<p>Ja, echt jetzt. Natürlich sollte man wie schon vor fast 30 Jahren darauf verzichten, das Werk von Frau <span class="musik-review-bandname">Ciccone</span> unter einem streng audiophilen Gesichtspunkt zu betrachten, zumal der <span class="musik-review-bandname">Cher</span>-Effekt – die schlichte <em>Weigerung</em> zu altern – nebst Vocodereinsatz hier auch keine Neuigkeit mehr ist. <span class="musik-review-bandname">Madonna</span> macht aber, wie schon vor 30 Jahren, prima Tanzmusik, und die Single „Girl Gone Wild“ (nur echt mit <a href="http://perezhilton.com/2012-03-21-madonna-releases-uncensored-girl-gone-wild-video" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">anzüglichem Video<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>) zeigt schon, was sich seit „Ray of Light“ (1998) getan hat, nämlich ’ne Menge.</p>
<p>Die Phase von Madonnas musikalischer Neuerfindung beziehungsweise ihrer Rückkehr zum Elektropop war spätestens ab „Music“ (2000) mit dem wenigstens noch einigermaßen bekannten Titelstück nicht zu überhören, danach wurde es ein wenig wirr; zuerst kamen allerlei Kompilationen auf den Markt, auf dem Altbekanntes wieder durchgekaut wurde, die wirklich neuen Studioalben, zuletzt „Hard Candy“ (2008), habe ich nicht einmal mehr mitbekommen.</p>
<p>Nun also „MDNA“.</p>
<p>„There’s only one Queen, and that’s <span class="musik-review-bandname">Madonna</span>, bitch!“<br>
<em>– „I Don’t Give A“</em></p>
<p>Der Titel ist so aussagekräftig wie sonst nur wenige („Music“, ach was?): Bescheidenheit hat <span class="musik-review-bandname">Madonna</span> längst nicht mehr nötig, der überheblichen Selbstlobhudelei von minderqualitativen Imitatorinnen wie <span class="musik-review-bandname">Lady Gaga</span> aber setzt sie ein mächtiges Zeichen entgegen: Seht her, ich kann’s immer noch besser als ihr. Und das ist nicht mal übertrieben.</p>
<p>„All the biters have to go standing in the front row.“<br>
<em>– „I Don’t Give A“</em></p>
<p>„MDNA“ – wiederholt in <a href="http://lyrics.wikia.com/Madonna:I%27m_Addicted" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„I’m Addicted“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu hören – bedeutet auch die Kontraktion, die Reduktion aufs Wesentliche. Zurück zu den Wurzeln, dem Schlichten. Um die <em>message</em> zu verdeutlichen, holte sie sich die beiden Rapperinnen <span class="musik-review-bandname">M.I.A.</span> und <span class="musik-review-bandname">Nicki Minaj</span> ins Boot, die an geeigneten Stellen <span class="musik-review-bandname">Madonna</span>s Großartigkeit loben. Musikalisch meint es nur wenig Pompöses, sondern eben <em>so Radiopop</em>; allerdings solchen, der mir persönlich als jemandem, der es gern etwas vertrackter mag, ziemlich gut gefällt. Gelegentliche Totalausfälle („uhlala, you’re my superstar“) fallen da kaum ins Gewicht.</p>
<p>Beziehungsweise eben: Wenn ausgerechnet „MDNA“ eins der besten Popmusikalben des Halbjahres ist, hat die Musik<em>industrie</em> was falsch gemacht. Hat sie dann wohl.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span> gibt es <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B007FOV0QW/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> in gebotener Kürze, das Video zu „Girl Gone Wild“ in voller Länge auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=tYkwziTrv5o" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu konsumieren.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Thinking-Plague-Decline-and-Fall.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Thinking-Plague-Decline-and-Fall.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Thinking Plague – Decline and Fall</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Eat more, think less, drink more, sleep less, die more.“</span> (Sleeper Cell Anthem)
<p><span class="musik-review-bandname">Thinking Plague</span> – trotz des Namens keine Plage – existieren nunmehr seit 30 Jahren und schaffen es immer noch, sich nicht nur noch zu wiederholen. Das ist in ihrem Sektor – die einschlägigen Schubladendenker sprechen meist von „RIO/Avant“ – aber (zum Glück) auch nicht schwer.</p>
<p>„Avant(garde)“ ist hier ein so zutreffendes Genre wie sonst nur selten. Die momentane Sängerin (dieser Posten wird ja sozusagen ständig neu besetzt) <span class="musik-review-bandname">Elaine di Falco</span>, deren Stimme mitunter, etwa in „I Cannot Fly“, lautmalerisch als zusätzliches Instrument agiert, statt nur als Transportmittel für die übrigens auch mal erwähnenswerten Texte zu dienen, fügt sich trefflich in das Gesamtgefüge ein. Freunden belanglosen Schönklangs wird das Dargebotene ziemliche Kopfschmerzen bereiten; mir gefällt es um so besser.</p>
<p>Ach ja, die Texte. „Abstieg und Fall“, so der übersetzte Titel des Albums, sind inhaltlich prägend, wobei der Abstieg der menschlichen Gesellschaft eines der Themen bildet. Ob man ihnen aber folgen sollte? Ich behaupte: Nein. „Decline and Fall“ ist sicherlich von solcher Musik, bei der man normalerweise mitsingen kann, weit entfernt. <span class="musik-review-bandname">Thinking Plague</span> sind vielmehr so <em>abgefahren</em> wie zuletzt <span class="musik-review-bandname">broken.heart.collector</span>, so schräg wie <span class="musik-review-bandname">Henry Cow</span> und dergleichen, so komplex wie <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span>, obwohl die Gesangsharmonien da jede Ähnlichkeit eigentlich verbieten sollten.</p>
<p>Mit letzteren hat man aber aufgrund der kammermusikalischen Elemente noch mehr gemeinsam; <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=12288" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">beziehungsweise eben:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Vom ersten Moment an gibt es hier komplexen, kantigen Kammerrock zu hören, der seine Beeinflussung durch moderne Klassik nicht verleugnen kann. Seltsam verquere Melodielinien von Holzblasinstrumenten (meist Saxophon, gelegentlich auch Klarinette) dringen auf krummen Wegen in die Gehörgänge ein, begleitet von filigran-verzwirbelter Gitarre und einer komplex agierenden Rhythmussektion. (…) Ergänzt wird das Ganze um dezente Tastenklänge, unter denen sich hin und wieder ein sanftes Mellotron befindet.</p></blockquote>
<p>„Kantig“ – ein hervorragendes, weil ungemein treffendes Adjektiv. Vom Einheitsbrei ist „Decline and Fall“ auch deshalb weit entfernt. Das finde ich gut. Und wem es gefällt, der sollte sich außer diesem Album auch „Rainbro“ von <span class="musik-review-bandname">Inner Ear Brigade</span> zulegen, das ebenfalls 2012 erschien und mit sehr ähnlichen Zutaten arbeitet. (Zwei Kaufbefehle in nur einer Rezension, wo sonst gibt es das schon?)</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> <a href="http://www.amazon.de/Decline-Fall-Thinking-Plague/dp/B006HH626G/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat Ausschnitte, <a href="http://grooveshark.com/#!/album/Decline+And+Fall/7780953" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> das ganze Album im Repertoire.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/A-Whisper-in-the-Noise-To-Forget.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-A-Whisper-in-the-Noise-To-Forget.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">A Whisper in the Noise – To Forget</span>
<p>Nach so viel lauter Musik schlage ich wieder leisere Töne an. Ein Flüstern im Krach. <span class="musik-review-bandname">A Whisper in the Noise</span>.</p>
<p>Eigentlich hatte man <span class="musik-review-bandname">A Whisper in the Noise</span> ja schon <a href="http://www.schallgrenzen.de/a-whisper-in-the-noise-to-forget-melancholisches-lebenszeichen/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">für scheintot erklärt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, nachdem aus einigen Mitgliedern dieser Musikgruppe <span class="musik-review-bandname">Wive</span> entstand, die ich 2010 für <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/09/not-if-i-wrap-myself-in-nylon/" data-wpel-link="internal">ihre großartige CD-Verpackung</a> lobte (und die aber auch ganz <em>okaye</em> Musik machen). Übrig geblieben ist nach der kurzzeitigen Auflösung nach dem Album „Dry Land“ auch tatsächlich nur noch das Duo <span class="musik-review-bandname">West Thordson</span> (Schlagzeug, Gitarre, Gesang, diverses) und <span class="musik-review-bandname">Sonja Larson</span> (Violine und ebenfalls Gesang).</p>
<p>Dabei scheinen die Gemeinsamkeiten mit <span class="musik-review-bandname">Wive</span> anfangs gar nicht einmal so groß zu sein, die instrumentale Eröffnung, nämlich das Titelstück, lässt <span class="musik-review-bandname">A Whisper in the Noise</span> den Japanern <span class="musik-review-bandname">Mono</span> nahe erscheinen, aber bereits im zweiten Stück, „Black Shroud“, schlägt die Stimmung um. Von der unterdrückten, zurückhaltenden Aggression von „Dry Land“ ist nichts mehr zu hören und zu spüren, Melancholie und elegische Verträumtheit behalten die Oberhand.</p>
<p>Wäre da nicht der zurückhaltende, beinahe ängstliche Paargesang, man könnte „To Forget“ für ein Spätwerk von <span class="musik-review-bandname">Talk Talk</span> halten (oder für eine Coverversion davon). <span class="musik-review-bandname">Slint</span> immerhin, wie <span class="musik-review-bandname">Talk Talk</span> Pioniere des Postrocks, nennt man gelegentlich als Referenz, und so schließt sich der Kreis dann ja doch noch beinahe.</p>
<p>Ein Flüstern im Krach. So klingt „To Forget“: Still, zerbrechlich, zurückhaltend. Unaufdringlich wie diese Sätze. Schön.</p>
<p>Ich empfehle Unentschlossenen folgende <span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
<a href="http://www.amazon.de/gp/product/B0068VZOJ2/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat die gewohnten Klangschnipsel vorrätig, die Band selbst hat auf <a href="http://soundcloud.com/awitn" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">SoundCloud<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> die beiden Stücke „Your Hand“ und „Black Shroud“ hochgeladen. Empfehlenswert.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Meshuggah-Koloss.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Meshuggah-Koloss.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Meshuggah – Koloss</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„My rules apply to all. You’ll heed me, bleed for me.“</span> (I am Colossus)
<p>In der <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">zweiten Halbjahresliste 2011</a> hatte ich <span class="musik-review-bandname">Cave In</span> lobend erwähnt und war damals schon nicht sicher, welches Genre angemessen wäre:</p>
<blockquote><p>„Metalcore“ ist zwar eine valide Beschreibung der allgemeinen Ausrichtung der Musik von <span class="musik-review-bandname">Cave In</span>, aber sie ist nicht ansatzweise vollständig.</p></blockquote>
<p>So geht es mir auch bei „Koloss“, dem neuen Album von <span class="musik-review-bandname">Meshuggah</span>. Die „Babyblauen Seiten“ <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=band&amp;bandId=1768&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">führen sie<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> als „Prog-Death-Thrash-Metal aus Schweden“, ich würde sie spontan vor allem unter „b“ wie „böse“ einsortieren. „Prog“ ist unsereins dann doch etwas zurückhaltender gewohnt, wäre da nicht <span class="musik-review-bandname">Dick Lövgren</span>, dessen Bassspiel diesem Koloss („Koloss“, wissenschon) von Musik eine Prise <span class="musik-review-bandname">Tool</span> hinzufügt, was wohl schon genügt, um pauschal „Prog“ draufzuschreiben. Ach, man könnte meschugge werden davon.</p>
<p>Apropos meschugge, bleiben wir bei <span class="musik-review-bandname">Meshuggah</span>. Von der Urbesetzung – formiert immerhin bereits 1987, was im <em>Musikgeschäft</em> inzwischen durchaus eine ansehnliche Zeitspanne ist – sind nur noch <span class="musik-review-bandname">Jens Kidman</span> (Gesang) und <span class="musik-review-bandname">Fredrik Thordendal</span> (Gitarren) an Bord, die Quintettbesetzung vom Vorgängeralbum „obZen“ ist indes unverändert geblieben.</p>
<p>Auch nach 25 Jahren sind sie noch kein bisschen leiser geworden. „Gesang“ ist hier nicht allzu wörtlich zu nehmen, klischeetauglich wird ins Mikrofon gebrüllt. Konterkariert wird das Klischee von den einigermaßen vertrackten Rhythmen und Melodien, die zeigen, dass es eben nicht nur um bloße brachiale musikalische Gewalt geht. Natürlich gibt es auch auf „Koloss“ trotzdem <a href="http://www.metal.de/progressive-metal/review/meshuggah/49454-koloss/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">mächtig auf die Zwölf:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Das Album brilliert mit einer dermaßen hervorragenden Balance, dass zur Perfektion nur noch ein Wimpernschlag zu fehlen scheint. Riffs, Gitarrenarbeit, Schlagwerk, Komposition, Arrangements und Klang – sämtliche Zutaten, von Mikrobestandteilen zu den groben Fragmenten, die ein Album, einen Song ausmachen, fügen sich auf „Koloss“ zu einem Gesamtbild zusammen, welches den Hörer mit einer erbarmungslosen Kanonade von Hiteinschlägen niederwalzt.</p></blockquote>
<p>Der Fauxpas „Hiteinschläge“, also „Schlageinschläge“, sei geschenkt: Hinzuzufügen ist dem ansonsten nichts mehr.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> <a href="http://www.amazon.de/Koloss-Meshuggah/dp/B0041B785Y/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat 30-sekündige Ausschnitte und eine <a href="http://www.amazon.de/Koloss-Meshuggah/dp/B006ZT47MM/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Sonderauflage mit DVD<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, <a href="http://grooveshark.com/#!/album/Koloss/7678608" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> das komplette Album zum Streamen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Graham-Coxon-A-plus-E.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Graham-Coxon-A-plus-E.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Graham Coxon – A + E</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Going down to the city hall, a billion lights in front of me…“</span> (City Hall)
<p>Aus dem näheren Umkreis der mal mehr, mal weniger aktiven Britpop-Gruppe <span class="musik-review-bandname">Blur</span> hört man gegenwärtig vor allem von <span class="musik-review-bandname">Damon Albarn</span>, nebenbei Vordenker der <span class="musik-review-bandname">Gorillaz</span> und sonstwie hyperaktiv, so manches. Dass bei <span class="musik-review-bandname">Blur</span> außer ihm auch andere Musiker spielten und/oder spielen, geht dabei fast vollkommen unter.</p>
<p>Einer von diesen anderen Musikern ist <span class="musik-review-bandname">Graham Coxon</span>, ebendort einst und nun, nach erfolgter Aussöhnung, wieder für’s Gitarrenspielen zuständig. Dieser nun veröffentlichte 2012 mit „A + E“ ein eigenartig betiteltes (sein inzwischen achtes) Musikalbum mit noch eigenartigerer Musik drauf, das ich <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/04/graham-coxon-city-hall/" data-wpel-link="internal">bereits im April</a> für nicht weniger als grandios hielt. An dieser Einschätzung meinerseits hat sich bislang nichts Wesentliches geändert.</p>
<p>Was „A + E“ oder „A+E“ – die <em>einzig wahre</em> Schreibweise ist mir gerade nicht geläufig – bedeuten soll, ist rätselhaft, aber das A und O des Lo-Fi-Garagenrocks beherrscht <span class="musik-review-bandname">Graham Coxon</span> aus dem ff. „Lo-Fi“ ist dabei ausnahmsweise mal nicht nur blechernes Geschrammel: Produzent <span class="musik-review-bandname">Ben Hillier</span> hielt ein wachsames Auge darauf, dass nichts entgleist.</p>
<p>Zugegebenermaßen haben Textfreunde wie ich nur wenig Spaß an den eher spärlichen Zeilen. In „City Hall“ genügt eine Zeile, die immer wieder wiederholt wird, das Elektropop-Lied „What’ll It Take“ hat immerhin schon zwei: <span class="musik-review-lyrics-inline">„What’ll it take to make you people dance?“</span>, das muss dann aber für eine Strophe auch reichen. Allerdings: „Dance“, ja, zum Tanzen oder jedenfalls leidlich rhythmischen Herumwackeln eignet sich „A + E“ ebenso wie die meisten Alben der <span class="musik-review-bandname">Dandy Warhols</span>, was ja nun auch nicht die schlechteste Referenz ist, jedoch wirkt der Gesang letzterer Musiker eher müde (nicht schlecht-müde, sondern müde-müde), was ein interessantes Stilmittel ist, „A + E“ aber dann doch wieder etwas ferner rücken lässt. Das ist gut, denn wer braucht schon ungezählte Musikalben, die einem eigentlich doch nur das gleiche zu sagen haben?</p>
<p>Übrigens wird das letzte Lied „Ooh, Yeh, Yeh“ als „Explicit Lyrics“ angepriesen, als textlich womöglich nicht sehr jugendfrei also, und <a href="http://lyrics.wikia.com/Graham_Coxon:Ooh,_Yeh,_Yeh" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">nach Durchsicht desselben<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> leuchtet mir das nicht ein. In anderen Ländern ist man jedoch manchmal etwas eigen, was die Bewertung von Versen betrifft, was ich einfach mal unter „ach, diese US-Amerikaner“ verbuche. (<span class="musik-review-bandname">Graham Coxon</span> ist übrigens gebürtiger Niedersachse, <span class="musik-review-bandname">Blur</span> stammen aus Großbritannien, aber „Explicit Lyrics“ ist ein Etikett, das von Niedersachsen und Briten gewöhnlich eher selten vergeben wird.)</p>
<p>Fieser Trickser, der er ist, hat <span class="musik-review-bandname">Graham Coxon</span> „Advice“ an den Anfang seines Albums gesetzt, stilistisch nahe den (frühen) <span class="musik-review-bandname">Kinks</span> zu verorten und kaum als Zusammenfassung des <em>ganzen Albums</em> geeignet, was wieder einmal zeigt, dass es nicht nur stil‑, sondern meist auch sinnlos ist, sich aus einem Musikalbum ein Lied herauszupicken und dieses als Kaufentscheidung heranzuzuiehen.</p>
<p>Sonst so? <span class="musik-review-bandname">Nine Inch Nails</span>, <span class="musik-review-bandname">The Cure</span>, <span class="musik-review-bandname">Joy Division</span> <a href="http://www.rollingstone.de/reviews/alben/article287261/graham-coxon-a-e.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">und so weiter und so fort<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, allesamt veredelt mit der dem Musiker eigenen Prise Minimalismus und Monotonie (<span class="musik-review-bandname">Kraftwerk</span>!), die „A + E“ oder „A+E“ oder jedenfalls dieses Album so erfrischend <em>anders</em> klingen lässt. Prima Musik, das.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Zurzeit (11. Juni 2012) ist „A + E“ <a href="http://soundcloud.com/theinsound/sets/graham-coxon-a-e" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">per SoundCloud<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu <em>streamen</em>, ansonsten gibt’s auch <a href="http://www.amazon.de/A-E-Graham-Coxon/dp/B006VSLNFQ/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> mit den gewohnten 30-Sekunden-Ausschnitten und einer <a href="http://www.amazon.de/A-E-Graham-Coxon/dp/B006VSLOA0/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Auflage mit DVD<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, auf der es Liveversionen zu hören gibt, was bei solcher Musik ja durchaus auch mal ganz interessant ist.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/The-Magnetic-Fields-Love-at-the-Bottom-of-the-Sea.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-The-Magnetic-Fields-Love-at-the-Bottom-of-the-Sea.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Magnetic Fields – Love at the Bottom of the Sea</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I want the whole bloody place red with your girlfriend’s face“</span> (Your Girlfriend’s Face)
<p>Ja. Was? – Das waren meine ungefähren Gedanken beim ersten Hören dieses Albums.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">The Magnetic Fields</span> sind eine 1990 in Boston gegründete Folkpop-/Indiepop-/Noisepop-/Irgendwas-mit-Pop-Band, behauptet <em>das Internet</em>. „Schon wieder Pop?“, ach, nein, so einfach mache ich es mir dann doch nicht. „Love at the Bottom of the Sea“ ist genau so „Pop“ oder „nicht Pop“ wie alles andere hier in dieser Liste. Tatsächlich spielen <span class="musik-review-bandname">The Magnetic Fields</span> hier mit Popklischees, aber sind schon rein textlich nicht sonderlich kompatibel mit dem <em>airplay</em> der Massensender.</p>
<p>„The moment he walked on the stage my tail began to wag,<br>
wag like a little weiner dog for Andrew in drag“<br>
<em>– Andrew In Drag</em></p>
<p>Die harmlosen, wohlklingenden Melodien dienen <span class="musik-review-bandname">The Magnetic Fields</span> somit als Katalysator für die <em>schwarzen</em> Texte, was vielleicht den einen oder anderen an <span class="musik-review-bandname">„Weird Al“ Yankovic</span> erinnern mag, der allerdings noch ein wenig alberner ist. Gesungen werden selbige Texte zum Teil von Bandgründer <span class="musik-review-bandname">Stephen Merritt</span>, aber auch <span class="musik-review-bandname">Shirley Simms</span> (Ukulele) und Bandmanagerin <span class="musik-review-bandname">Claudia Gonson</span> (Klavier, Perkussion) sind am Mikrofon zu vernehmen.</p>
<p>Musikalisch höre ich eine interessante Mischung aus – unter anderem – den <span class="musik-review-bandname">Raveonettes</span> (sehr gut zu hören in „Your Girlfriend’s Face“), diversen Britpop-Bands, den <span class="musik-review-bandname">Dandy Warhols</span> und New Wave (allein schon das prägnante Synthesizer-Blubbern) heraus. Die Synthesizer sind (wieder) <em>neu</em>, die vorherigen drei Alben kamen ohne sie aus (weshalb man <a href="http://www.musikexpress.de/reviews/alben/article282438/the-magnetic-fields-love-at-the-bottom-of-the-sea.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">anderswo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> von der „No-Synths-Trilogie“ spricht, was irgendwie dann doch albern ist), sie erweitern das Klangbild um interessante Facetten.</p>
<p>„Love at the Bottom of the Sea“ ist in all seiner <em>Poppigkeit</em> ziemlich seltsam, ziemlich hörbar und ein ziemlich gutes Sommeralbum. Dafür gibt es meine wärmste Empfehlung, wenn das Wetter schon nicht reicht.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Ein Stream ist über <a href="http://www.musikexpress.de/news/meldungen/article282607/the-magnetic-fields-love-at-the-bottom-of-the-sea-im-stream.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">musikexpress.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu erreichen, ansonsten hat <a href="http://www.amazon.de/Love-Bottom-Sea-Magnetic-Fields/dp/B006XABKVY/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> wieder Dreißigsekünder im Angebot.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/RAK-The-Book-of-Flight-Lepidoptera-II.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-RAK-The-Book-of-Flight-Lepidoptera-II.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">RAK – The Book of Flight – Lepidoptera II</span>
<p>Kehren wir nun zurück zu etwas Musik mit mehr Tiefgang: „The Book of Flight – Lepidoptera II“ ist – wer hätt’s gedacht? – der Nachfolger des 2004 erschienenen Albums „Lepidoptera“. Dass <span class="musik-review-bandname">RAK</span> (eigentlich der Künstlername des Keyboarders <span class="musik-review-bandname">Marc Grassi</span>) dafür acht Jahre gebraucht haben, ist nahe liegend, immerhin stammt das Quintett aus der nicht gerade für ihre Agilität bekannten Schweiz.</p>
<p>Gespielt wird klischeehafter (und trotzdem recht guter, sonst wäre er nicht hier zu finden) keyboardlastiger Neoprog. Sechs Stücke füllen etwas über 64 Minuten, womit klar sein dürfte, dass es auch dieses Album wahrscheinlich niemals in die Radios schaffen wird. Allein schon der Titel – lateinischer Name der Schmetterlinge – dürfte die meisten <em>typischen Radiohörer</em> hoffnungslos überfordern. (Bedenkt man, dass zum Beispiel die Braunschweiger Zeitung einen Bericht über ausgerechnet <span class="musik-review-bandname">Justin Bieber</span> auf ihrer Kulturseite zwischen Film, Lyrik und Theater unterbrachte, erscheint diese Befürchtung noch untertrieben.)</p>
<p>Das ist zu bedauern, denn „The Book of Flight – Lepidoptera II“ <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=12395" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">hat es in sich<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>:</p>
<blockquote><p>In sechs überwiegend langen Songs erzählt <span class="musik-review-bandname">Grassi</span> die Geschichte des „Book of Flight“. Gewaltige Tastengebirge werden aufgeworfen, scharfe Synthie‑, Orgel- und Pianoleads durchpflügen diese Klanglandschaften. Die Gitarre setzt mal mit kreischenden E‑Gitarren-Soli, mal mit nahezu metallischem Riffing, mal mit bluesgetränkten Harmonien ein ums andere Mal Gänsehaut-Akzente. Im Untergrund toben wuselig-virtuosen Drums, die dem Ganzen mit einem ordentlich komplexen Rhythmusgeflecht Feuer geben. Da macht sich nicht mal das Fehlen eines etatmäßigen Bassisten bemerkbar, soviel Druck und Zug entwickeln die Kompositionen. Die Arrangements bersten förmlich vor Details und Wendungen, die es nach und nach zu entdecken gilt.</p></blockquote>
<p><em>(Nach wenigen Stunden noch mal obiges Zitat lesen, sich endlich über das Wort „etatmäßigen“ wundern und trotzdem nicht das Zitat verfälschen: Erledigt.)</em></p>
<p>Um metaphorische Schmetterlinge geht es auch in den Texten, genauer gesagt um die Stärke und Selbstbestimmung des Individuums und den Widerstand gegen Autoritäten. Die deutsche Popgruppe <span class="musik-review-bandname">Echt</span> nannte eines ihrer Alben „Freischwimmer“ und wollte damit zum Ausdruck bringen, dass sie sich <em>befreit</em> haben von ihrem früheren Dasein, <span class="musik-review-bandname">RAK</span> ging es von Anfang an um das Freisein. Schmetterlinge, Schmetterlinge 2. Wie wohl der Nachfolger heißen wird?</p>
<p>Störend ist gelegentlich nur der englischsprachige Gesang von <span class="musik-review-bandname">Dave Thwaites</span>, der stimmlich doch sehr an den grauenvollen „Grafen“ von <span class="musik-review-bandname">Unheilig</span> erinnert. Aber darüber sehe ich gern hinweg, immerhin ist er wohltuend <em>nach hinten</em> gemischt worden und somit nur wenig aufdringlich.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Auf <a href="http://www.amazon.de/The-Book-of-Flight/dp/B007R9SW5W/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es zwar nur die MP3-Version des Albums (eklig in „Kapitel“ zerschnitten) zu kaufen, jedoch kann hineingehört werden. Das komplette Album ist auf <a href="http://grooveshark.com/#!/album/The+Book+Of+Flight/7761225" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> streambar.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Motorpsycho-and-Ståle-Storløkken-The-Death-Defying-Unicorn.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Motorpsycho-and-Ståle-Storløkken-The-Death-Defying-Unicorn.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Motorpsycho &amp; Ståle Storløkken – The Death Defying Unicorn</span>
<p>Die norwegische Musikgruppe <span class="musik-review-bandname">Motorpsycho</span>, seit 1989 bestehend, macht normalerweise eigentlich ganz guten Retro-Prog, Hardrock oder wie man es auch immer nennen möchte (die irgendwo im Internet aufgeschnappte Bezeichnung „Alternative-Psychedelic-Hard-Progger“ ist recht zutreffend). Diese eigentlich ganz gute Musik muss irgendwann <span class="musik-review-bandname">Ståle Storløkken</span>, Keyboarder der gleichfalls norwegischen, jedoch eher jazznahen (und ebenfalls guten) Avantgarde-Musikgruppe <span class="musik-review-bandname">Supersilent</span> zu Ohren gekommen sein, der für das 40-jährige Jubiläum des Molde-Jazzfestivals noch etwas Musik beitragen wollte.</p>
<p>So rief er besagte Musikgruppe (<span class="musik-review-bandname">Motorpsycho</span>), das <span class="musik-review-bandname">Trondheim Jazz Orchestra</span>, die Streichergruppe <span class="musik-review-bandname">Trondheimsolistene</span> und den Jazzviolinisten <span class="musik-review-bandname">Ola Kvernberg</span> zusammen, um Großes zu erschaffen. Das Ergebnis – fast instrumental – war ungefähr zwei Stunden lang und wurde 2010 uraufgeführt. Im weiteren Verlauf fand man sich gemeinsam im Studio ein, kürzte das Werk so, dass es auf ein Doppelalbum (etwas weniger als 84 Minuten Gesamtlaufzeit) passt, fügte noch einige Strukturen und Texte (letztere stammen von <span class="musik-review-bandname">Bent Sæther</span>, der hier und bei <span class="musik-review-bandname">Motorpsycho</span> singt und Bass spielt) hinzu und fertig war das „Death Defying Unicorn“, das dem Tod trotzende Einhorn. Progressive-Rock-Freunde kennen ja das Klischee von den esoterischen Texten über Elfen und Einhörner – allein das sollte schon ein Grund sein, das Album mal zu hören.</p>
<p>Auch, wenn ebenfalls groß <span class="musik-review-bandname">Motorpsycho</span> draufsteht: Drin ist vor allem <span class="musik-review-bandname">Ståle Storløkken</span>. Das ist gut, denn er setzt als Avantgarde-Jazzmusiker bei der Komposition andere Schwerpunkte. Wie das klingt? Ziemlich überragend!</p>
<p>Natürlich kann ein Doppelalbum stellenweise etwas langatmig wirken, etwa dann, wenn es minutenlang nur bedeutungsvoll aus dem Lautsprecher wabert. Gerade diese Abwechslung ist es aber, die das „Death Defying Unicorn“ befeuert. Das <span class="musik-review-bandname">Trondheim Jazz Orchestra</span> leistet ganze Arbeit, die Bläser (unter anderem zwei Trompeter und diverse Saxophonisten) sind ein ebenso druckvolles Element der Musik wie (<em>natürlich</em>) die Keyboards von <span class="musik-review-bandname">Ståle Storløkken</span>, dessen spacerockiges <em>(ist das überhaupt ein Wort?)</em> Keyboardspiel dem von <span class="musik-review-bandname">Patrick Moraz</span> (unter anderem auf dem prachtvollen Album „Relayer“ von <span class="musik-review-bandname">Yes</span> zu hören) oft recht nahe kommt.</p>
<p>Ach, <span class="musik-review-bandname">Yes</span>: <span class="musik-review-bandname">Motorpsycho</span> verleugnen ihre Wurzeln auch auf „The Death Defying Unicorn“ nicht. Bereits erwähnte <span class="musik-review-bandname">Yes</span> („Mutiny“) stehen hier gleichberechtigt neben <span class="musik-review-bandname">Simon &amp; Garfunkel</span> („Into The Gyre“) und <span class="musik-review-bandname">Lis Er Stille</span>, sozusagen ein beherzter Griff in die Retro-Tüte.</p>
<p>„Retro“ ist auch das Konzept, immerhin ist „The Death Defying Unicorn“ sozusagen eine Rockoper wie einst „Tommy“ und „The Wall“; beziehungsweise eben keine Rockoper, sondern „ein Wahnsinn“ (<a href="http://www.plattentests.de/rezi.php?show=9117" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right"><span class="musik-review-bandname">Christian Preußer</span><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>), denn in ein enges Genrekorsett lässt sich das „Einhorn“ beim besten Willen nicht zwängen. Die Rahmenhandlung ist folgendermaßen überliefert:</p>
<blockquote><p>Es ist der Reisebericht eines seltsamen jungen Kerls, der unter Seekrankheit leidet, sich aber trotzdem an Bord eines Schiffes schleicht. Das Schiff geht unter, er strandet auf einer Insel und muss sich mit der Natur, Halluzinationen und Visionen, und noch manch anderem auseinandersetzen. Es ist eine Art psychedelisch-metaphysischer Trip, dessen Ende – wie so vieles im Leben und Tod – offen bleibt.</p></blockquote>
<p>Trotz oder gerade wegen all dieser Klischees, vom Einhorn bis zur Metaphysik, bleibt eigentlich nur ein Schluss: „The Death Defying Unicorn“ ist anspruchsvoll, anstrengend, eingängig, vielseitig, filigran und rockig zugleich – kurz: <a href="http://www.motor.de/motormeinung/motor.de/motorpsycho_the_death_defying_unicorn.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Ein verflixt gutes Album.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Schon jetzt ein starker Anwärter auf das Album des Jahres.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span> gibt es auf <a href="http://www.amazon.de/The-Death-Defying-Unicorn-Motorpsycho/dp/B006U120JC/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, CD 1 als Streaming auch <a href="http://grooveshark.com/#!/album/The+Death+Defying+Unicorn/7561686" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf Grooveshark.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Liars-WIXIW.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Liars-WIXIW.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Liars – WIXIW</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Teach me how to be a person.“</span> (Flood to Flood)
<p>Von den <span class="musik-review-bandname">Liars</span> (den „Lügnern“) hörte man zuletzt im Jahr 2010, als sie das Album „Sisterworld“ veröffentlichten, das ich seinerzeit sehr gut fand. Zu hören waren Noise-Rock und Post-Punk, die Texte erzählten von Kriminalität und sonstigen Abgründen in der Großstadt. Mit „Sisterworld“, „Schwesterwelt“, war der eigene private Raum gemeint, den Bewohner einer solchen Stadt errichten, um ihr Leben weitgehend ungehindert leben zu können.</p>
<p>Mehrere Sprachversionen der Wikipedia betrachten die <span class="musik-review-bandname">Liars</span> konsequenterweise als ehemals im Dance-Punk beheimatete experimentelle Rock- und Post-Punk-Band, heften ihnen also ähnliche Etiketten wie <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span> an. Dumm nur: „WIXIW“ („Wish you“, weiß der Teufel, wie man auf so eine Aussprache kommt) klingt schon wieder ganz anders.</p>
<p>Die Gitarren sind sphärischer Elektronik gewichen, das Ergebnis erinnert eher an <span class="musik-review-bandname">Kreidler</span> als an <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span>. Vielerorts liest man auch Vergleiche mit <span class="musik-review-bandname">Radiohead</span>, mit denen die <span class="musik-review-bandname">Liars</span> einst tourten, aber dafür ist „WIXIW“ meines Erachtens einfach zu gut – das grauenhafte Gejaule eines <span class="musik-review-bandname">Thom Yorke</span> ist mit dem angenehmen Gesang von <span class="musik-review-bandname">Angus Andrew</span> erfreulicherweise auch nicht zu vergleichen.</p>
<p>Es regiert die vermeintliche <em>Tanzmusik</em>, die aber unter der Oberfläche immer noch so verzwirbelt ist wie man es von den <span class="musik-review-bandname">Liars</span> eigentlich erwartet hatte. <a href="http://mapambulo.blogspot.de/2012/05/einfach-gemacht.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Beziehungsweise eben:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Düstere Beats, der Gesang an anderer Stelle nur ein rezitatives Stimmengewirr, schwere, kunstvoll verschlaufte Sythievariationen – (…) hier ist kein Bit falsch gesetzt. Der Titeltrack (…) als experimentelle, auch atonale Fuge, die nach einem Drittel in ein Trommelsperrfeuer mündet, der Tranceteppich von „Who Is The Hunter“ und das bratzige, tja „Brats“ – kein Schwachpunkt auszumachen.</p></blockquote>
<p>„WIXIW“ mag das bisher zugänglichste Werk der <span class="musik-review-bandname">Liars</span> sein, es zu unterschätzen wäre trotzdem ein gewaltiger Fehler. Die Platte wächst bei jedem Hördurchlauf. Intensiv, berauschend, grandios. Beinahe vergisst man, dass der alte Gitarren-Schrammelrock auch nicht so schlecht war. Nur wenigen Musikgruppen gelingt es, sich neu zu erfinden, ohne dass die Anhängerschar mit den Augen rollt und sich der Konkurrenz zuwendet. Die <span class="musik-review-bandname">Liars</span> meistern dies augen- bzw. ohrenscheinlich mit Leichtigkeit. Auf weitere Überraschungen dieser Art freue ich mich jedenfalls.</p>
<p>Als <span class="musik-review-hoerproben">Hörprobe</span> gibt es unter anderem auf <a href="http://vimeo.com/40716035" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">vimeo.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> das Video zur ersten Single „No.1 Against The Rush“ zu bestaunen, <a href="http://www.amazon.de/Wixiw-Liars/dp/B007VQ7EHI/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat derweil Ausschnitte aus allen 11 Stücken im Angebot. Das komplette Album ist auf <a href="http://grooveshark.com/#!/album/WIXIW/7925560" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> streambar.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Astra-The-Black-Chord.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Astra-The-Black-Chord.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Astra – The Black Chord</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Chasing the bright side, losing the way.“</span> (Barefoot in the Head)
<p>Eines der scheußlichsten Biere, die ich je getrunken habe, trägt den gleichen Namen wie diese Musikgruppe. Von übermäßigem Konsum von „The Black Chord“ fühlt man sich jedoch nicht ganz so übel wie vom gleichnamigen Getränk. Auch das Fahrzeugmodell des wiederum gleichen Namens, gebaut im Auftrag von Opel, ist verglichen mit diesem Album gerade einmal mittelklassig.</p>
<p>Die erfreulichen Möglichkeiten, ebenfalls mittelklassige Wortspiele mit ihrem Namen zu machen, sind aber nur ein Vorteil der Musikgruppe <span class="musik-review-bandname">Astra</span> (lat. „Sterne“). Im Dezember 2009 <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/12/musik-122009-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">pries ich</a> das Vorgängeralbum „The Weirding“ und nannte es einen „vertonten Drogentrip“. Seitdem hat sich, oberflächlich betrachtet, nicht viel geändert: „The Black Chord“ ist erneut ziemlich drogig. (Wer hat dieses Wort eigentlich erdacht?)</p>
<p>Zwar stammen sie aus den USA, aber sie holen doch die Tugenden der <em>guten</em> britischen Rockmusik wieder hervor. Tief in den 70-ern verwurzelt spielen sie krautige Psychedelic mit Tiefgang. Die alten <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span>, <span class="musik-review-bandname">Glass Hammer</span> und <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> treffen auf junge Retrobands wie <span class="musik-review-bandname">Änglagård</span>. Freunde von Prog-Klischees dürfte es freuen, dass drei der fünf Mitglieder über Mellotrone und/oder Moog-Synthesizer verfügen, wenn sie nicht gerade Gitarre oder Keyboard spielen. Nur Schlagzeuger/Flötist <span class="musik-review-bandname">David Hurley</span> und Bassist <span class="musik-review-bandname">Stuart Sclater</span> halten sich von derlei fern, dafür beherrschen sie ihre eigenen Instrumente vortrefflich.</p>
<p>Gesang steht konsequenterweise nicht vorn in der Prioritäten-Rangliste, das fast neun Minuten lange Instrumentalstück „Cocoon“ leitet das Album mit dezentem Spacerock ein, steigert sich aber über seine volle Länge und mündet in einem ziemlich mitreißenden Finale. Ja, so war das bei guter Musik irgendwann mal üblich. („In The Court Of The Crimson King“ funktionierte nach einem ähnlichen Prinzip und ist immer noch klasse.) Es folgt das viertelstündige Titelstück „The Black Chord“, das zu Beginn <span class="musik-review-bandname">Marillion</span> zur Zeit ihrer ersten Alben in Erinnerung ruft, bevor nach etwa zwei Minuten der harmonische Gesang einsetzt. Treibende Instrumente: Tasteninstrumente und Gitarre, begleitet von gelegentlichen Bass- und Schlagzeugeinwürfen.</p>
<p>Noch im gleichen Stück winkt gelegentlich <span class="musik-review-bandname">Genesis</span>‘ „Trespass“ (man höre zuerst deren „The Knife“ und dann dieses Album oder umgekehrt) von Weitem, auch wegen der ähnlichen Gesangs- und sonstigen Effekte. <span class="musik-review-bandname">Brian Ellis</span> fügt ein paar druckvolle Gitarrensolo-Passagen hinzu, die er im folgenden Stück „Quake Meat“, das mit seinem kräftigen beinahe aggressiv wirkt, nochmals übertrifft. „Drift“ bringt wieder ein wenig Ruhe ins Album und ist so eine gute Überleitung zum vorletzten Stück „Bull Torpis“, in dem der Spacerock sich nochmals nachdrücklich bemerkbar macht. „Barefoot in the Head“ ist ein würdiges Ende für dieses Album – noch einmal wird eine Spannungskurve errichtet, die schließlich in einem fulminanten Finale mündet.</p>
<p>Verglichen mit „The Weirding“ sind die Ingredienzen zwar weitgehend gleich geblieben, aber <span class="musik-review-bandname">Astra</span> sind hörbar gereift. Das Ergebnis zu übertreffen könnte schwer werden, an ihm erfreuen kann man sich jedoch hoffentlich noch für lange Zeit.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Unter anderem „Quake Meat“ gibt es <a href="http://www.youtube.com/watch?v=kWiBTnGoGM8" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu hören, in alle Stücke hineinhören lässt sich <a href="http://www.amazon.de/The-Black-Chord-Astra/dp/B0073M6TRG/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Wassermanns-Fiebertraum-Brandung.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Wassermanns-Fiebertraum-Brandung.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Wassermanns Fiebertraum – Brandung</span>
<p>Zum Schluss der dieshalbjährigen Bestenliste gibt es noch einen Kaufbefehl für Freunde digitaler Musik, denn als einen physischen Tonträger gibt es das Album „Brandung“, erschienen im April dieses Jahres, meines Wissens allenfalls auf Konzerten der Regensburger Formation <span class="musik-review-bandname">Wassermanns Fiebertraum</span> zu erwerben.</p>
<p>Gesang? Trotz Liedtiteln wie „Flackerndes Sonnenlicht“ und „Zerkratzte Luft“ Fehlanzeige. Das ist ein bisschen schade, aber tut nicht weh. Gemäß der Eigenbeschreibung auf der Website der Band handelt es sich bei <span class="musik-review-bandname">Wassermanns Fiebertraum</span> um …</p>
<blockquote><p>(…) eine instrumentelle deutsch-österreichische Alternative/Post-Rock-Gruppe, verkörpert von vier Musikern, welche überwiegend in Städten an der Donau wohnen. Sie verzichten auf verbale Sprache, und kommunizieren nur durch Klänge und lebhafte Visuals. In <span class="musik-review-bandname">WASSERMANNS FIEBERTRAUM</span> vermischen sich Wahrheit und Unwirklichkeit, Melancholie, Leid und Bildung, Rausch und Phantasie.</p></blockquote>
<p>Obwohl der Bandname nach einem bislang unveröffentlichten Titel von <span class="musik-review-bandname">Hölderlin</span> oder auch <span class="musik-review-bandname">Amon Düül II</span> klingt, wird zwar gerockt, aber nicht gekrautet. Alle Signale stehen auf Postrock der lauten, dreckigen Gangart. Der <em>opener</em> „Flackerndes Sonnenlicht“ beginnt noch mit eher ruhigen Gitarrenklängen, aber nach etwa achtzig Sekunden scheppert’s im Karton. „Scheppern“ ist hier auch so gemeint, das Schlagzeug <em>scheppert</em>; ich schätze, hier wäre eine bessere Produktion hilfreich gewesen. Das ist aber auch schon das einzige Manko, das ich vorzubringen habe.</p>
<p>Das Quartett hat zwar <em>nur</em> zwei statt der gewohnten drei Gitarristen, aber die kommen kurz und um so prägnanter auf den Punkt. Ach ja, kurz: zwischen etwa zweieinhalb und fünf Minuten beträgt die Laufzeit der neun Stücke, und mit 36:38 Minuten Gesamtdauer wird jede drohende Länge – ein bekanntes Problem vieler anderer Postrockgruppen – gar nicht erst zugelassen. Das ist erfreulich.</p>
<p>Stilistisch angelehnt ist das zu Hörende an andere (überwiegend) instrumentale Postrockbands wie <span class="musik-review-bandname">Explosions In The Sky</span> und <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span>, zieht man deren Theatralik und Hang zur Überlänge ab.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> <span class="musik-review-bandname">Wassermanns Fiebertraum</span> hat einen <a href="http://www.youtube.com/user/WassermannsFT" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube-Kanal<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, der vielleicht von Interesse ist. Das Album „Brandung“ indes kann man nicht nur für 6 Euro (leider nicht auf CD) per <a href="http://wassermannsfiebertraum.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ordern, sondern obendrein ebendort ohne Aufpreis in voller Länge anhören, was ich dann jetzt auch einfach mal empfehle.</p></li>
</ol>
<p>Das erste Halbjahr 2012 hatte nicht nur allerlei <em>Kommerzmusik</em> im Portfolio, auch so manche kostenlose Delikatesse erblickte das Tageslicht. Einige davon habe ich im Folgenden zusammengetragen und füge kurze Erläuterungen bei:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Herunterladbefehle.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Petrels-All-things-in-common.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Petrels-All-things-in-common.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Petrels – All things in common (EP)</span>
<p>Ein wenig seltsam wirkt es vielleicht schon, dass diese fast zwanzigminütige EP aus nur zwei Stücken besteht. Die haben es aber in sich.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Petrels</span> heißt ein Projekt von <span class="musik-review-bandname">Oliver Barrett</span>, normalerweise mit <span class="musik-review-bandname">Bleeding Heart Narrative</span> unterwegs. Das Debütalbum „Haeligewielle“ wird begleitet von einer frei verfügbaren EP namens „All things in common“. Die musikalischen Wege der Stammband beschreitet er solo nicht: Ambiente Klangteppiche (<span class="musik-review-bandname">Tangerine Dream</span>, <span class="musik-review-bandname">Klaus Schulze</span>) sind hier ebenso zu hören wie fast kakophonische, wütende Noise-Ausbrüche. Gelegentlich erinnert das Treiben an jüngere Veröffentlichungen von <span class="musik-review-bandname">Sigur Rós</span>, ist aber rauer und weniger dem Schönklang verschrieben.</p>
<p>Die beiden Stücke auf der EP heißen „Thomas Müntzer“ und „Leonora Christine“. <span class="musik-review-bandname">Thomas Müntzer</span>, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_M%C3%BCntzer" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">laut Wikipedia<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, war ein Theologe und Revolutionär in der Zeit des Bauernkrieges (also in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts) und wurde später auf der 5‑Mark-Note der DDR sozusagen verewigt. <span class="musik-review-bandname">Leonora Christina</span> <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Leonora_Christina_Ulfeldt" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">war<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> etwa hundert bis hundertfünfzig Jahre später eine dänische Schriftstellerin und Prinzessin, die aufgrund ihrer zahlreichen Geburten (und Reisen) kaum Zeit für eine angemessene Ausbildung hatte (an welche deutsche Politikerin der Gegenwart erinnert uns das?), hat es aber nicht auf eine Banknote geschafft.</p>
<p>Was das zu bedeuten hat? Ich weiß es nicht, Texte gibt es nicht. Aber muss man immer alles verstehen?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Runterholen</span> und anhören geht sowohl <a href="http://petrels.bandcamp.com/album/all-things-in-common" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">per Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> als auch <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2375" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">via eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/The-Next-Hundred-Years-Troppo.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-The-Next-Hundred-Years-Troppo.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Next Hundred Years – Troppo</span>
<p>Etwas erdiger als <span class="musik-review-bandname">Petrels</span> gehen die Kanadier <span class="musik-review-bandname">The Next Hundred Years</span> zu Werke, und das schon, wie man hört, seit Jahren von Plattenfirmen ignoriert. Das ist gut für uns arme Musikfreunde, aber schade für die Musiker, denn sie verrichten ihr Tun vortrefflich.</p>
<p>„Troppo“ heißt das diesjährige Album der Band, was Italienisch ist und „zu viel“ bedeutet. Zu viel ist das aber alles natürlich nicht, sondern eher viel zu wenig. Fünf Herren mit Gitarren, Bass, Keyboard, Schlagzeug und Violine, unterstützt von einer Cellistin und einem Trompeter als Gastmusikerduo, obendrein gibt es Gesang. Und zwar ziemlich guten. <a href="http://www.schallgrenzen.de/the-next-hundred-years-ein-verdammtes-nein-zwei-verdammte-monster/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Ich zitiere<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ungefragt und unverfälscht:</p>
<blockquote><p>Knifflige Rhytmusabteilung, akurate Tempowechsel, Wahnsinns-Gesang, schnittige Gitarren-Riffs mit allem Pipapo.Ich schmeiss hier einfach mal ein paar Begriffe in den Raum. <span class="musik-review-bandname">Tool</span>, <span class="musik-review-bandname">Russian Circle</span>, <span class="musik-review-bandname">Kyuss</span> und <span class="musik-review-bandname">Queens of the Stone Age</span>. Oder anders herum, Musik im Spannungsfeld zwischen geerdeten Progressive-Rock, Psychedelic, Metal und Stoner-Rock.</p></blockquote>
<p>Dem füge ich noch ein zaghaftes <span class="musik-review-bandname">Oceansize</span> hinzu und sonst nichts. Nur noch so viel: Wenn so <em>die nächsten hundert Jahre</em> klingen, wird der Rest meines Lebens noch spannender als erwartet.<br>
Ich freue mich jetzt schon.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Runterholen</span> und anhören kann man „Troppo“ <a href="http://thenexthundredyears.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sowie wiederum <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2397" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">via eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/terraformer-the-sea-shaper.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-terraformer-the-sea-shaper.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">terraformer – the sea shaper</span>
<p>Wiederum instrumental spielt das belgische Trio <span class="musik-review-bandname">terraformer</span> (anscheinend komplett klein geschrieben, obwohl die Plattenfirma <a href="http://dunkrecords.bandcamp.com/album/the-sea-shaper" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Großbuchstaben verwendet<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>) auf. Nach dem ersten Hördurchlauf schrieb ich in ein Forum hinein, dieses Album sei mitunter „etwas langatmig“, aber das ist noch nicht alles.</p>
<p>Mathrock, Postrock und Postmetal finden hier zusammen. Die drei hauen dabei derart <em>auf die Kacke</em>, dass sogar <a href="http://www.punknews.org/review/11148" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Punknews.org<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> einen wohlwollenden Bericht hat, und dort ist man schon namentlich nicht unbedingt offen für komplexere Musik. <span class="musik-review-bandname">Mastodon</span> und die guten, alten <span class="musik-review-bandname">Pelican</span> kommen dem Hörer ebenso in den Sinn wie <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> (aber selten).</p>
<p>Die <a href="http://terraformer.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Eigenbeschreibung<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> der Band ist rätselhaft:</p>
<blockquote><p>Three pieces. Instrumental. Oh My God Climax. Almost shredding. Wild. Fake polyrythms. Cheesy layers. Rash looping. Evil patterns. Semi mosh. Catchy tappings. Messy. Sexy lads. Br00tal! Barefaced. Mickey. Emergency. Booby hatch. Ham rotten. Homeric. Ethereal. Celurean. Dragon. Terrestrial. Epic. Méduse. Explosions. Tasty shirts. Wolfes. Hibou. Ethyl. Beast. Puddles. Summoning creatures.</p></blockquote>
<p>Das klingt nach jeder Menge Spaß und ist sehr hörenswert.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Runterholen</span> und Anhören (und Kauf der CD) dieses spaßigen Albums ist <a href="http://terraformer.bandcamp.com/album/the-sea-shaper/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> möglich, alternatives Herunterladen klappt <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2412" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">via eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Elias-Schwerdtfeger-Die-singende-Maschine.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2012/06/Vorschau-Elias-Schwerdtfeger-Die-singende-Maschine.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Elias Schwerdtfeger – Die singende Maschine</span>
<p>„Manche nennen es Musik, doch für die meisten ist es Krach“ – dies sang <span class="musik-review-bandname">Farin Urlaub</span> im „Intro“ seines Solodebüts vor einigen Jahren. Ganz anders als Herr <span class="musik-review-bandname">Urlaub</span> empfindet Herr <span class="musik-review-bandname">Schwerdtfeger</span>, nach wie vor brotloser Künstler aus Hannover, jedoch für Musik.</p>
<p>Auf seinem – laut eigener Beschreibung – vorletzten <em>in dieser Form veröffentlichten</em> Album „Die singende Maschine“ ist zu hören, was draufsteht: Allerlei maschinelle Klänge und Gesang, wie der Vorgänger „Temple of Void“ (<a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">ich berichtete</a>) versehen mit subtil oder direkt gesellschaftskritischen Texten.</p>
<p>Da wird schon mal ein Paragraph des Sozialgesetzbuches von schwäbischen Grüßen begleitet („Sozialgesetzbuch“), und auch <span class="musik-review-bandname">Sven Regener</span>s verwerfliches Geschwätz <a href="http://www.youtube.com/watch?v=UZLsXYBJ08I" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">über Rockmusik und fiese Raubmordkopierer<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> wurde zu einem Elektromusikstück verwurstet. (Eigentlich ist es seltsam, dass es darüber noch kein mir bekanntes Rockmusikstück gibt.)</p>
<p>Überwiegend ist „Die singende Maschine“ ohnehin befüllt mit dem, was vom Vorgänger übrig blieb, sozusagen also eine Resteverwertung. Das macht das Album keinesfalls schlechter. „Die singende Maschine“ ist düster, deprimierend, monoton und experimentell, und niemand wird davon je eine Single auskoppeln. Das ist ein gutes Qualitätsmerkmal.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Bezugsquellen</span> sind die <a href="http://www.tamagothi.de/alben/die-singende-maschine/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Webseite zum Album<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (der dortige Stream wird sofort abgespielt, ich empfehle Vorsichtsmaßnahmen) und <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2096" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Viel Vergnügen.</p></li>
</ol>
<p>Was hingegen überhaupt kein Vergnügen bereitet, sind die Reinfälle der ersten sechs Monate dieses Jahres. Leider lasse auch ich mich von überschwänglichen Rezensionen manchmal dazu hinreißen, von <em>den Medien</em> für Pflichtkäufe gehaltene Musikalben zu hören, die sich mir dann als eher lästig offenbaren. Zum Beispiel die folgenden:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">3.</span> <span class="musik-review-header-text">Ignorierbefehle.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-titel">Tindersticks – The Something Rain</span><br>
Langweilig.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Vibravoid – Gravity Zero</span><br>
Belanglos.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">The Stranglers – Giants</span><br>
Erschreckend schlechter Gesang, der das eigentlich überdurchschnittlich gute Album komplett zerstört.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Crippled Black Phoenix – (Mankind) The Crafty Ape</span><br>
Ermüdend.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">The Intersphere – Hold On Liberty</span><br>
Mainstreamquatsch.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">The Mars Volta – Noctourniquet</span><br>
Mau.</li>
</ul>
<p>Zum Glück war das nicht immer so. Zum Abschluss dieses Beitrags unternehmen wir, wie gewohnt, eine kurze Zeitreise durch 40 Jahre Musikgeschichte:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">4.</span> <span class="musik-review-header-text">Sammelbefehle.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 40 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Matching Mole – Matching Mole</span><br>
1972 stand der neu erwachsene Progressive Rock kurz vor seinem Höhepunkt, nur wenige Musikgruppen, etwa die <span class="musik-review-bandname">Rolling Stones</span> mit ihrem Meisterwerk „Exile on Main St.“, hielten dagegen. Krautrockbands wie das kanadisch-deutsche Duo <span class="musik-review-bandname">Emtidi</span>, das mit „Saat“ ihr einziges, hörbar unter Drogeneinfluss entstandenes Krautfolk-Album über das „Pilz“-<em>label</em> veröffentlichen ließ, konnten sich ebenso großer Beliebtheit beim Publikum freuen wie symphonische „Progger“ wie <span class="musik-review-bandname">Jonesy</span>, die mit „No Alternative“ ein heute fast vergessenes Album aufgenommen hatten, das reichen Mellotroneinsatz mit kräftigem Hardrock vermengt. Diese Erfolge waren natürlich auch die Erfolge der Pioniere der progressiven Musik, seien es <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>, seien es die Canterbury-Bands wie <span class="musik-review-bandname">Caravan</span> und <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span>. Letztere hatten im Vorjahr Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Robert Wyatt</span> vor die Tür gesetzt, was dieser zum Anlass nahm, mit <span class="musik-review-bandname">Matching Mole</span> („machine molle“ ist angeblich Französisch und bedeutet ungefähr „weiche Maschine“…) eine frühe „Supergroup“ aus ehemaligen Mitgliedern von <span class="musik-review-bandname">Caravan</span>, <span class="musik-review-bandname">Delivery</span> und <span class="musik-review-bandname">Quiet Sun</span> zusammenzustellen. Die Auflösung erfolgte noch im selben Jahr, für zwei Studioalben und einige später veröffentlichte Archivaufnahmen hat diese kurze Zeitspanne jedoch genügt. Das Debüt glänzt mit freiförmigem Jazzrock im Canterbury-Stil, dem <span class="musik-review-bandname">Dave Sinclair</span> seine unverwechselbaren Keyboardklänge beigefügt hat. 1973 fiel <span class="musik-review-bandname">Robert Wyatt</span> aus einem Fenster und ist seitdem querschnittsgelähmt, was Pläne für eine Neuformierung von <span class="musik-review-bandname">Matching Mole</span> leider zunichte machte. Was bleibt, ist ein großartiges Zeitdokument, das in mancher Hinsicht seinesgleichen sucht.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 35 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Hawkwind – Quark, Strangeness And Charm</span><br>
Schon fünf Jahre später kam der Punk auf und machte alles kaputt, seufz!; die <span class="musik-review-bandname">Sex Pistols</span> wurden mit „Never Mind the Bollocks, Here’s the Sex Pistols“ frenetisch beklatscht beziehungsweise bepogt, und die Progressive-Rock-Musiker, die um ihren Erfolg bangten, versuchten sich an einer Neuausrichtung. Während <span class="musik-review-bandname">Yes</span> sich mit „Going for the One“ und <em>dem</em> <span class="musik-review-bandname">Yes</span>-Stück „Awaken“ ein vorerst letztes Mal aufbäumten, bevor sie sich im Popdschungel verirrten, hatten <span class="musik-review-bandname">Magma</span> mit „Attahk“ nicht nur ein <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/04/das-scheussliche-cover-magma-attahk/" data-wpel-link="internal">scheußliches Coverbild</a>, sondern auch eine teilweise Abwendung vom Zeuhl nebst Hinwendung zur Populärmusik der eher eintönigen Sorte zu verbuchen. Erfreuliches hingegen kam aus dem Spacerock-Lager: Das Quintett <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span>, aus dessen Reihen auch der wegen übermäßigen Drogenkonsums gefeuerte <span class="musik-review-bandname">Motörhead</span>-Gründer <span class="musik-review-bandname">Lemmy Kilmister</span> stammt, legte mit „Quark, Strangeness And Charm“ einen Klassiker in ihrem Katalog vor. Das Bekannteste der enthaltenen Stücke dürfte „Spirit Of The Age“ sein, das aus ihrem Repertoire nicht mehr wegzudenken ist. <span class="musik-review-bandname">Simon House</span>s Violine ist ebenso prägnant wie die futuristische und berechnende Kälte dieses Albums, die wohl auch eine Folge des Weggangs von Saxophonist <span class="musik-review-bandname">Nik Turner</span> und Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Alan Powell</span> ist. Der Gesundheitszustand von Sänger <span class="musik-review-bandname">Robert Calvert</span>, der bereits während der Aufnahmen unter manischer Depression litt, veranlasste <span class="musik-review-bandname">Dave Brock</span>, <span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> im Folgejahr aufzulösen; die Reunion 1979 fand – mit Ausnahme von <span class="musik-review-bandname">Dave Brock</span> und Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Tim Blake</span> – in neuer Besetzung statt. Auch die folgenden Besetzungen waren zu Großem fähig, „Quark, Strangeness And Charm“ sollte man dennoch einmal gehört haben.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 30 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Cassiber – Man or Monkey</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Hawkwind</span> lieferten 1982 mit „Choose Your Masques“ und „Church of Hawkwind“ zwei eher maue Alben ab, dafür ließen <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> wieder von sich hören: Das zweite 80-er-Album der neu formierten Progressive-Rock-Pioniere, „Beat“, zitierte im trockenen, industriellen New-Wave-Gewand Beat-Dichter wie <span class="musik-review-bandname">Allen Ginsberg</span>. Vom <em>mainstream</em> zum Glück weitgehend unbeachtet war derweil die oft so gescholtene <em>Frickelszene</em> auch nicht untätig: Als <span class="musik-review-bandname">Cassiber</span> hatten sich drei deutsche Musiker, darunter der Pianist und Bassist <span class="musik-review-bandname">Heiner Goebbels</span> (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Heiner_Goebbels" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">nicht identisch<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> mit dem anderen „Heiner“ Goebbels), mit dem englischen RIO/Avant-Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Chris Cutler</span> (<span class="musik-review-bandname">Henry Cow</span>, <span class="musik-review-bandname">Art Bears</span>, <span class="musik-review-bandname">Pere Ubu</span> und andere) zusammengetan und spielten mit „Man Or Monkey“ ein – die frei rezitierten Texte eingeschlossen – komplett improvisiertes Musikalbum ein, das ihnen trotz seiner Unzugänglichkeit eine Einladung zum Frankfurt Jazz Festival 1982 bescherte. Dass ausgerechnet „Die Verunreinigung des Flusses ist gerade noch erträglich“ ein Instrumentalstück ist, ist ein wenig schade, denn einen Text hierzu hätte ich gern einmal gehört. Die Texte stehen hier nämlich keinesfalls im Dienst der Musik: In „Our Colourful Culture“ etwa singt <span class="musik-review-bandname">Christoph Anders</span> zu, nun, Karnevalsmusik Zeilen wie <span class="musik-review-lyrics-inline">„I came from the country! / Arriba! Arriba! / They were killing my family! / Ha ha ha ha!“</span>. Arriba, arriba. „Man or Monkey“ ist schräg, skurril, experimentell und so großartig, dass es bedauerlich ist, dass sich <span class="musik-review-bandname">Cassiber</span> bereits 1992 nach nur vier Studioalben wieder auflösten. <span class="musik-review-bandname">Chris Cutler</span> ist bis heute musikalisch aktiv, und eine Beschäftigung mit seinen zahlreichen Projekten ist lohnenswert. <span class="musik-review-bandname">Cassiber</span> indes bleiben bis heute einzigartig.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 15 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Genesis – Calling All Stations</span><br>
In der durchkommerzialisierten Musikwelt der 1990-er Jahre war es schwierig, Neues zu wagen, ohne dafür alles aufs Spiel zu setzen. <span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span> hatten im Vorjahr ihr bisher einziges Konzeptalbum „Le Frisur“ veröffentlicht, das (unter anderem bei mir) als eines ihrer besten Werke gilt. Im selben Jahr verließ <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span> die Gruppe <span class="musik-review-bandname">Genesis</span>, nachdem er sie mit seiner grausigen Popscheiße gründlich gegen die Wand gefahren hatte, um das Radiopublikum fortan mit Soloschnulzen zu nerven. Die verbliebenen Mitglieder versuchten einen Neubeginn mit Sänger <span class="musik-review-bandname">Ray Wilson</span> und zwei Schlagzeugern, darunter <span class="musik-review-bandname">Nick D’Virgilio</span> von <span class="musik-review-bandname">Spock’s Beard</span>. Mit dem Album „Calling All Stations“ besannen sie sich zurück auf alte Tugenden und verzichteten auf die Produktion von Hitsingles (wenngleich „Congo“ dann doch eine wurde) zugunsten des Formats Musikalbum. Trotz (oder wegen?) des Titels und der Neuausrichtung beachteten die Radiosender dieses Album aber nur wenig, die Soloaktivitäten von <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span> waren ihnen – wohl wegen des Namens – wichtiger. Das Kapitel <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> war wenig später quasi beendet, ein Neuaufguss mit (wiederum) <span class="musik-review-bandname">Phil Collins</span> blieb eine einmalige Angelegenheit. Da bis heute keine offizielle Auflösung erfolgt ist, kann der geneigte Musikfreund trotz alledem auf bessere Zeiten hoffen. Das tu‘ ich dann mal.</li>
</ul>
<p>Tja, damit wären wir auch schon wieder am Ende angelangt. Wenn ihr diese Zeilen lest, dann habe ich bereits begonnen, Material für die Jahresendliste zu sammeln. Unter anderem <span class="musik-review-bandname">echolyn</span>, <span class="musik-review-bandname">Änglagård</span> und die <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span> läuten das zweite Halbjahr mit jeweils neuen Veröffentlichungen schon recht progressiv ein. Ob sich das Warten gelohnt hat? In einem halben Jahr wissen wir, wie gewohnt, mehr.</p>
<p>Bis dahin wünsche ich allen Musikfreunden ein paar angenehme Höreindrücke und danke euch für die Aufmerksamkeit: Danke sehr!</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="http://playplaythedrums.com/4712/sick-drummer-magazine-2011-year-in-review-video-3/" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Sick Drummer Magazine 2011 Year In Review Video #3 | Play Play The Drums<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">23. Juni 2012</a> dies: […] Magazine 2011 Year In Review Video #3. A look back at some of the shows from our 2011 filming year.  Sick Drummer Magazine 2011 Year In Review Video #3. A look back at some of the shows from our 2011 …     WordPress › Error  html { background: #f9f9f9; } body { background: #fff; color: #333; […]</li><li><a href="http://ju.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">.tux<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">24. Juni 2012</a> dies: Hätte man nicht warten können?!</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">24. Juni 2012</a> dies: Worauf denn diesmal?</li><li><a href="http://ju.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">.tux<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">24. Juni 2012</a> dies: evtl auf das nächste Tote Hosen Album welches dann bei dir mindestens auf Platz 1 gekommen wäre.</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">24. Juni 2012</a> dies: Unwahrscheinlich, die sind schon lange beliebig geworden.</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Musik 12/2012 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">19. Dezember 2012</a> dies: […] mich darauf, euch mit gewohnt herausragender Grammatik den zweiten Teil (den ersten Teil gibt es hier) der Liste der mir am gefallendsten Alben 2012 zu präsentieren. Keine Sorge, selbstverständlich […]</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Musik 06/2013 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">30. Juni 2013</a> dies: […] als recht aktiv. Dem jazzdominierten Album „The Death Defying Unicorn”, meinem Album des Jahres 2012, folgt nun mit nicht einmal einem Jahr Abstand das inzwischen sechzehnte Studioalbum „Still […]</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2013/10/moster-edvard-lygre-moster/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Møster! – Edvard Lygre Møster</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">24. Oktober 2013</a> dies: […] schon auf meinem Album des Jahres 2012 spielt Ståle Storløkken auch hier – an Synthesizer und Fender Rhodes – wieder mit. […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/132fc493914f4b60a0b842ce9278baf8" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
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		<title>Musik 12/2011 – Favoriten und Analyse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 24 Dec 2011 02:51:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Leydiesendtschentelmen, herzlich willkommen am Jahresende und damit zur üblichen Retrospektive der primasten Alben des Jahres, die es in die Halbjahresliste 2011 nicht mehr geschafft haben. Dabei ist das nicht einmal unbedingt eine Frage des Erscheinungsdatums, denn wie üblich hatten sich wieder einige Alben aus dem ersten Halbjahr geschickt vor mir versteckt. Ich erhielt anlässlich der ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2011 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Leydiesendtschentelmen, herzlich willkommen am Jahresende und damit zur üblichen Retrospektive der <span class="musik-intro-hervorhebung">primasten Alben des Jahres</span>, die es in die <a href="https://tuxproject.de/blog/?p=4768" data-wpel-link="internal">Halbjahresliste 2011</a> nicht mehr geschafft haben. Dabei ist das nicht einmal unbedingt eine Frage des Erscheinungsdatums, denn wie üblich hatten sich wieder einige Alben aus dem ersten Halbjahr geschickt vor mir versteckt.</p>
<p>Ich erhielt anlässlich der Rückschau 06/2011 vereinzelte Kritik, es sei zu viel Material zusammen gekommen, um sich in einer angemessenen Zeit damit beschäftigen zu können. Diesmal aber kann Peter, der glaubt, <a href="http://www.schallgrenzen.de/retrospektive-2011-eure-alben-des-jahres-bitte-give-away/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">drei Alben würden reichen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, aufatmen: Diese Liste wird kürzer als angenommen. Hierfür gibt es einen guten und einen beschämenden Grund: Das selbstbetitelte Debütalbum von <span class="musik-review-bandname">broken.heart.collector</span> etwa kann sich wie auch manch anderes interessantes Musikwerk längst eines <a href="https://tuxproject.de/blog/?p=5196" data-wpel-link="internal">separaten Artikels</a> erfreuen, vor allem aber hat noch während der Zusammenstellung der zu rezensierenden Alben meine alte digitale Schreibmaschine beschlossen, die Priesterlaufbahn einzuschlagen, und ohne Umschweife etwas gesegnet, nämlich das Zeitliche; und getreu Murphys immerwährendem Gesetz hatte ich diesmal keine Sicherheitskopie angefertigt.</p>
<p>Daher seht es mir nach, wenn euer persönliches <em>Album des Jahres</em> diesmal fehlt, und lasst es mich wissen: Vielleicht gefällt es auch anderen Musikfreunden, die dies hier zufällig entdecken. <span id="more-5623"></span></p>
<p>Ab geht’s mit einem Kopfsprung ins kalte Wasser:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">1.</span> <span class="musik-review-header-text">Fünfundzwanzig / Zweitausendundelf.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Cave-In---White-Silence.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Cave-In---White-Silence.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Cave In – White Silence</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Dead rise like ascending angels“</span> (Vicious Circles)
<p>Kaltes Wasser trifft es ganz gut, denn <span class="musik-review-bandname">Cave In</span> teilen kräftig aus. Mit „White Silence“ legt das Metalcore-Quartett das erste Album seit sechs Jahren vor, und obwohl die Gruppe bereits seit 1995 – mit Unterbrechungen – aktiv ist, war sie von mir bislang doch unbemerkt geblieben, was mir nun, da ich „White Silence“ kenne, sehr Leid tut.</p>
<p>Denn „Metalcore“ ist zwar eine valide Beschreibung der allgemeinen Ausrichtung der Musik von <span class="musik-review-bandname">Cave In</span>, aber sie ist nicht ansatzweise vollständig. Das Titelstück „White Silence“ erinnert mich als jemanden, der mit solcher Musik eher selten konfrontiert wird, an <span class="musik-review-bandname">Aphex Twin</span> und gleichzeitig an diverse Death-Metal-Gruppen: Ein monotoner Schlagzeugrhythmus, wenige Akkorde auf kaum als solche erkennbaren Gitarren, verzerrtes Schreien: <span class="musik-review-lyrics-inline">„Wraith / tracking the taste of warm blood / white silence is breaking the spirit / nature sews“</span>. Nein, <em>easy listening</em> geht anders, und das gefällt mir.</p>
<p>Das folgende „Serpents“ bleibt lärmig und ist strukturell angelehnt an die Punkmusik, die unsereins im Kindesalter auf völlig abgenudelten Audiokassetten gehört hat, und ist dann aber doch eher Metal. <span class="musik-review-bandname">Cave In</span> können aber auch anders: „Sing My Loves“ ist ein kraftvoller <em>Alternative Rocker</em> mit aufdringlichem Gesang, „Heartbreaks, Earthquakes“ gar eine <span class="musik-review-bandname">beatles</span>que Hommage an die frühe Popmusik <em>(allein das Wort schon!)</em>.</p>
<p><a href="http://www.metal.de/modern-metal/review/cave-in/47004-white-silence/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Stephan Möller<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schreibt, „White Silence“ sei „ein zwar echt seltsames, aber auch wirklich spannendes Album“ und hat damit Recht. Warum es allerdings „White Silence“ heißt, versteht man erst, wenn man mit dem Hören fertig geworden ist: Es wird schlagartig still.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> 30-sekündige Ausschnitte aus dem Album hat <a href="http://www.amazon.de/gp/recsradio/radio/B004VMX5TG/ref=pd_krex_dp_a?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> im Angebot, das Titelstück in ganzer Länge kann man zum Beispiel via <a href="http://www.youtube.com/watch?v=CQIskLfJ0d0" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="http://grooveshark.com/s/White+Silence/3N9Q10?src=5" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Daymoon---All-Tomorrows.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Daymoon---All-Tomorrows.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Daymoon – All Tomorrows</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Dark fear in me – which soul is mine, which half am I?“</span> (Human Again)
<p><span class="musik-review-bandname">Daymoon</span> ist der Name des gegenwärtigen, portugiesischstämmigen Projekts von <span class="musik-review-bandname">Fred Lessing</span>, einem deutschen Musiker, der hier zusammen mit <span class="musik-review-bandname">Andy Tillison</span>, zwei Musikern von <span class="musik-review-bandname">Isildurs Bane</span> und einigen anderen Künstlern etwas hervorgebracht hat, das er selbst „regressive rock“ nennt. In der Tat ist manches an „All Tomorrows“ ziemlich <em>retro</em>, aber das ist nicht etwa rückständig, sondern famos.</p>
<p>„Schräg-sanft“ ist eines der Attribute, mit denen „All Tomorrows“ <a href="http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=11743" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">in Verbíndung gebracht<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> wird, elegisch ist eines, das ich selbst hiermit anfügen möchte. Ich teile nicht einmal die geläufige Kritik, <span class="musik-review-bandname">Fred Lessing</span> sei als Sänger ungeeignet, im Gegenteil gefällt seine Darbietung und fügt sich harmonisch ins musikalische Gefüge ein – auch dann, wenn selbiges der Harmonie zwischenzeitig zu entrinnen versucht.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span> und ähnliche Musikgruppen standen vermutlich Pate für den Refrain des eröffnenden Titelstücks (das scheint ja heutzutage Mode zu sein, dass das erste Stück so heißt wie das Album), das anschließende „TranscendenZ“ eröffnet mit eigenartigem Vokalteil und geht über in ein hektisches, instrumentales RIO-/Jazzrock-Gewirr (<span class="musik-review-bandname">Henry Cow</span>, <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span> und eine unkoordinierte Inkarnation von <span class="musik-review-bandname">Andy Tillison</span>s <span class="musik-review-bandname">The Tangent</span> lassen grüßen), um vom beinahe versöhnlichen „Human Again“ abgelöst zu werden. „Arklow“ hat Anleihen an den Folk-Rock zu bieten. Überhaupt ist „All Tomorrows“ ein stilistisch vielseitiges Album, das sich jede Kategorisierung implizit verbittet. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, wieso es lange keine Plattenfirma gab, die die Musiker <em>entdeckt</em> hatte, und deshalb eine Veröffentlichung als physischer Tonträger bislang ausgeblieben ist. Dies soll jedoch nun, da der russische Progressive-Rock-Musikverlag Mals <span class="musik-review-bandname">Daymoon</span> unter Vertrag genommen hat, bald folgen, wie ich per E‑Mail erfuhr, nachdem ich diesen Absatz fertig geschrieben hatte; Frechheit, das.</p>
<p>Wie man eigentlich auf den Namen <span class="musik-review-bandname">Daymoon</span> kommt, erklärte <span class="musik-review-bandname">Fred Lessing</span> auf Rückfrage recht einleuchtend:</p>
<blockquote><p>Naja, ähm (Pein) (Schande) (Schäm), den hab’ ich erfunden, als ich so 15 war oder so. „Daimon“ (griechisch oder so für Dämon – war unnötigerweise an einem humanistischen Gymnasium, aber keine Sorge, hab’s nicht bestanden, meine ganzen 6 Jahre Latein sind flöten, dafür kann ich jetzt Flöten und Portugiesisch) gemischt mit dem Mond, dem man tagsüber sieht (was ich ja auch schön finde, aber Dämon ist natürlich völlig albern). Inzwischen ist’s nur noch der Mond, den man tagsüber sieht. Ist auch unser Logo. Oh je, wenn das bekannt wird…</p></blockquote>
<p>Keine Sorge, es wird nicht verraten.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Anhören</span> und in digitaler Form kaufen kann man das Album auf <a href="http://daymoon.bandcamp.com/album/all-tomorrows" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>; die Erlöse dienen einem guten Zweck, nämlich der Pressung auf CD, und dieses Anliegen ist eine Unterstützung wert, misst man es daran, wie viel Schrott heutzutage in den CD-Regalen großer Multimediaketten zu finden ist. Sozusagen zum Ausgleich.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Cheer-Accident---No-Ifs,-Ands-Or-Dogs.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Cheer-Accident---No-Ifs,-Ands-Or-Dogs.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Cheer-Accident – No Ifs, Ands or Dogs</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Cheer-Accident</span> wurden 2011 30 Jahre alt und schaffen es immer noch, ihre einzigartige Mischung aus Alternative Rock und Radiopopscheiß modern und frisch wirken zu lassen. Dabei haben die Chicagoer es eigentlich verdient, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, aber sie kommen in <em>den Medien</em> bislang schlicht nicht vor.</p>
<p>Auf „No Ifs, And or Dogs“ („Keine Wenns, Unds oder Hunde“) folgt man, dessen ungeachtet, dem bewährten Schema: Zwischen gefällige, eingängige Poplieder wie etwa „Cynical Girl“, das sicher nicht zufällig dem Lied „Penny Lane“ der <span class="musik-review-bandname">Beatles</span> ähnelt, hat das Quintett einige kurze Interludien eingespielt, deren Titel („Drug You Down“, „Go Gaunt Green“) an Lieder vom selben („Drag You Down“) oder von früheren („Go Gone Green“) Alben angelehnt sind; dass sie musikalisch nicht viel miteinander zu tun haben, ist bei <span class="musik-review-bandname">Cheer-Accident</span> beinahe eine Selbstverständlichkeit.</p>
<p>Natürlich behalten <span class="musik-review-bandname">Cheer-Accident</span> auch weiterhin ihren schrägen Humor bei, so dass allzu viel Rätselraten vielleicht einfach nicht nötig ist: Dem Lied „Life In Pollyanna“ etwa, einem Jazzrock-Stück mit Anleihen an (mal wieder) die <span class="musik-review-bandname">Beatles</span>, <span class="musik-review-bandname">Frank Zappa</span> und <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>, folgt als Gegensatz „Death By Pollyanna“, das von einer monoton-repetitiven Keyboardmelodie und dem ebensolchen Bass-/Schlagzeugspiel und dissonantem Gesang beherrscht wird und so wie von einem Nebenprojekt der <span class="musik-review-bandname">Dandy Warhols</span> hervorgebracht klänge, wäre nicht der einmalige Gesang von <span class="musik-review-bandname">Thymme Jones</span> so markant. Ist er aber.</p>
<p>Verglichen mit dem Vorgängeralbum „Fear Draws Misfortune“ ist „No Ifs, Ands or Dogs“ zwar nach meinem Empfinden kein Meisterwerk, jedoch auch nicht merklich <em>schlechter</em>. Dass das Album keine leichte Kost ist, ist klar, folgerichtig ist von <a href="http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=11647" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Lob<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> bis zu <a href="http://www.progarchives.com/album.asp?id=33438" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Missfallensbekundungen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> beinahe jede Form der Kritik über es zu lesen. Das soll den Musikfreund aber nicht stören.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span> zum Beweis gibt es unter anderem auf <a href="http://www.amazon.de/No-Ifs-Ands-Dogs-Cheer-Accident/dp/B004UHF5Z4/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Weedeater---Jason...The-Dragon.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Weedeater---Jason...The-Dragon.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Weedeater – Jason…the Dragon</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„My brain has come undone“</span> (Palms And Opium)
<p><span class="musik-review-bandname">Weedeater</span>. Grasfresser. Soso. Im Internet nannte man „Jason…the Dragon“ in einprägsamer Weise ein „Draußenindersonnegrillentrinkendrogennehmenalbum“, und das passt eigentlich gar nicht, denn für <span class="musik-review-bandname">Weedeater</span> sind das zu viele Silben in zu kurzer Zeit, und andererseits ist die Beschreibung inhaltlich ideal. Drogenmusik ohne diesen Reggae-Unsinn.</p>
<p>Ein wenig nach Graskonsum klingt dieses Album ja auch tatsächlich, die Bedächtigkeit der Interpretation steht in krassem Kontrast zu den Orkanen, die das musikalische Fundament bilden, soll heißen: Sänger und Bassist <span class="musik-review-bandname">„Dixie“ Dave Collins</span> (allein schon dieser Künstlername ist eigentlich ein Brüller, misst man ihn an der Musik seiner Band) brüllt in alter <span class="musik-review-bandname">Motörhead</span>-Manier irgendwelche merkwürdigen Texte ins Mikrofon, während Gitarrist und Schlagzeuger dem Hörer Stoner-Metal par excellence in die Gehörgänge projizieren.</p>
<p>Stoner, Gras und Dixie; doch, ja, sehr merkwürdig. Vom Stoner-Rock der Marke <span class="musik-review-bandname">Colour Haze</span> haben sich <span class="musik-review-bandname">Weedeater</span> immerhin die verzerrte Gitarre und die Darbietung abgeschaut. Wo andere Metalbands wüst schrammeln, kommen <span class="musik-review-bandname">Weedeater</span> auf zwei bis drei Akkorde pro Sekunde, das lässt das Album länger erscheinen und dreht aber vor allem an des Hörers Wahrnehmungsschraube. Sozusagen <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> in langsam und böse. Also: Noch böser.</p>
<p>Natürlich sollte man keine Wunder erwarten. Wer das Vorgängeralbum, „God Luck and Good Speed“, kennt, der wird <a href="http://ripplemusic.blogspot.com/2011/01/weedeater-jason-dragon.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">nicht viel Neues entdecken<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
<blockquote><p><em>Jason…</em> is essentially a variation on <em>God Luck…</em>. Almost like when jazz players release 25 live versions of their work. That’s perfectly acceptable there, indeed, it’s a pivotal part of jazz: how many versions of a melody can one make? How inventive can a player get?</p></blockquote>
<p>Wer von <span class="musik-review-bandname">Weedeater</span> aber noch nie etwas gehört hat und gegen ein wenig deftigen Metalkrach nicht grundsätzlich etwas einzuwenden hat oder wer auch einfach nur gern mehr von ihnen hören möchte, dem lege ich „Jason…the Dragon“ nahe.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span>: Einige Beispiele dafür, wie <span class="musik-review-bandname">Weedeater</span> so klingen, gibt es auf <a href="http://www.brooklynvegan.com/archives/2011/02/listen_to_new_w.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">BrooklynVegan.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und zum Beispiel <a href="http://www.amazon.de/Jason-Dragon-Weedeater/dp/B004H98PHA?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> auf die Ohren.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Circle---Infektio.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Circle---Infektio.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Circle – Infektio</span>
<p>Nach dem Genuss von Draußenindersonnegrillentrinkendrogennehmenundmetalhören ist erneut ein wenig Abwechslung nicht verkehrt. <span class="musik-review-bandname">Circle</span> aus Finnland sind dann auch ein anschauliches Gegenteil von <span class="musik-review-bandname">Weedeater</span>. Diese instrumentale Gruppe ist nicht nur produktiver als letztgenannte – allein 2007 erschienen mit „Katapult“, „TOWER“ und „Tyrant“ drei (3!) reguläre Studioalben -, sie ist auch sonst bemerkenswert anders.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Circle</span>, nicht mit der Jazzband gleichen Namens, die in den frühen 70-er Jahren aktiv war, zu verwechseln, wurde 1991 von <span class="musik-review-bandname">Jussi Lehtisalo</span>, der als Gitarrist begann, auf „Infektio“ aber den Bass spielt, und zwei mittlerweile nicht mehr in <span class="musik-review-bandname">Circle</span> involvierten Mitstreitern gegründet. (An dieser Stelle alles Gute zum Zwanzigsten.)</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Circle</span> ist eine Postrockband. Musikalisch ist man bei den Finnen, dessen ungeachtet, anscheinend so unstet wie in Sachen Besetzung: Das Debütalbum „Meronia“ war durchsetzt von Spacerockeinflüssen. Das psychedelische Element hielt sich bis ins neue Jahrtausend hinein, „TAANTUMUS“ (2001) könnte man auch als Krautrock kennzeichnen, kämen die Musiker aus Deutschland. Tun sie aber nicht. „Hollywood“ (Januar 2010) war durchsetzt vom Progressive Rock, selbst <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> war auszumachen und ein Sänger (<span class="musik-review-bandname">Bruce Duff</span>) war auch an Bord.</p>
<p>Nun also „Infektio“. Der Sänger ist längst wieder weg, der Progressive Rock ist es auch. Dafür hat man anscheinend seine Wurzeln wiederentdeckt. Achim Breiling <a href="http://babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=11662&amp;content=review" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">schrieb:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Mit „Infektio“ kehren <span class="musik-review-bandname">Circle</span> offenhörlich zu den krautig-experimentellen Postrock-Gefilden zurück, in denen sie sich besonders gerne um das Jahr 2000 herum aufgehalten haben. (…) E‑Gitarren sind klangbestimmend, vielschichtig, hallend, post-psychedelisch und spacig. Dazu kommen allerlei Tastenklänge, schwebende Keyboardfüllsel, diverses elektronisches Fiepen, Flirren und Zischen und verschiedene brummende und knurrende Fragmente vom Bass. Eher gemächlich vorangetrieben wird das hypnotisch dahingleitende Gemenge von sehr kargem, seltsam erratisch wirkendem Getrommel.</p></blockquote>
<p>Das klingt nicht nur beim Lesen nach <span class="musik-review-bandname">Can</span> und den diversen Besetzungen von <span class="musik-review-bandname">Neu!</span>, <span class="musik-review-bandname">La Düsseldorf</span> und dergleichen, auch das Ohr hat seine Freude. Verspielt wie eh und je gibt es mal bedrohlichen Cineasten-Postrock („Peruuttamaton“), mal <span class="musik-review-bandname">Sigur-Rós</span>-Remineszenzen („Salvos“), mal von Bass und Klavier dominierte Avantgarde-Beschallung („Maatunut“) zu hören, all dies durchsetzt mit den für <span class="musik-review-bandname">Circle</span> typischen Zutaten wie Murmeln und Stöhnen im Hintergrund sowie dissonante Klaviereinwürfe an den merkwürdigsten Stellen.</p>
<p>„Postrock? Das war doch dieses Genre, in dem alles gleich klingt.“ – Man spiele dem, der solches äußert, einmal „Infektio“ vor und freue sich an seinem staunenden Gesichtsausdruck.</p>
<p>Oder man staune selbst, etwa anlässlich der <span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span> auf <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B004P7VHV0?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und <a href="http://grooveshark.com/album/Infektio/6423250" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Wooden-Shjips---West.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Wooden-Shjips---West.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Wooden Shjips – West</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Stare at the sun … clouds“</span> (Lazy Bones)
<p>Alles im Griff auf dem hölzernen Schjiff?</p>
<p>Nein, hölzern agieren die vier Mannen aus San Francisco keinesfalls. Dass sie auch schon mal mit den <span class="musik-review-bandname">Black Angels</span> auf Tour waren, zeigt, wohin die <span class="musik-review-bandname">Wooden Shjips</span> fahren, nämlich geradewegs in den <span class="musik-review-bandname">Velvet Underground</span> <span class="musik-review-bandname">Cale</span>scher Ära. Da brummen die <em>drones</em>, irrlichtern die immer gleichen Akkordfolgen, auch die Keyboards können dem repetitiven Rhythmus nur wenig entgegensetzen, und das klingt dann etwa, <a href="http://www.plattentests.de/rezi.php?show=8653" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">als …<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>(…) wären <span class="musik-review-bandname">Black Rebel Motorcycle Club</span> in einer milchigen Zeitblase gefangen, wo ihnen nichts anderes übrigbleibt, als immer wieder dasselbe Riff zu spielen.</p></blockquote>
<p>Gelegentlich kommen auch <span class="musik-review-bandname">The Smiths</span> um die Ecke, etwa in den ersten Minuten von „Flight“, verdrücken sich aber schnell wieder, denn der Siebenminüter gipfelt titelgetreu in einer Spacerock-Explosion, die ihre Wurzeln im Psychedelic Rock der 60-er Jahre, etwa <span class="musik-review-bandname">Jefferson Airplane</span>, mit obsessiver Keyboardarbeit nicht etwa versteckt, sondern deutlich betont. „Lazy Bones“ hingegen ist nicht einmal vier Minuten lang, aber die <span class="musik-review-bandname">Stooges</span> wären auf diese Kaskade aus <em>noise</em>, Lo-Fi und Lärm sicherlich ebenso stolz gewesen wie <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span>, als sie noch wirklich gut waren; als hätte die Aufgabe geheißen, das längst legendäre „Sister Ray“ in höchstens einem Viertel der ursprünglichen Zeit zu spielen. (Dass der Text da auf der Strecke bleibt und mit Drogen- und Gewaltexzessen also nicht viel zu tun hat, soll nicht weiter stören.)</p>
<p>Trotz all der Referenzen auf Musiker der Ostküste, wie es auch die Bandmitglieder selbst sind, heißt das Album „West“. Angeblich übt der amerikanische Westen, nicht nur der Wilde, mit seiner Geschichte und seiner Kultur auf die Band eine eigenartige Faszination aus. „West“ ist gleichsam mit seiner audiovisuellen Bildsprache – am <em>artwork</em> isst das Auge mit – eine Hommage an diesen Teil der USA. Die Anziehungskraft, die dieser Westen ausübt, versucht die Band an ihre Hörer zu vermitteln. Und tatsächlich reißt das kalkulierte musikalische Chaos den aufmerksamen Genießer immer tiefer in seinen Sog, nur selten gibt es eine (kurze) Möglichkeit, sich am Geländer festzuhalten.</p>
<p>„West“ wirkt so wie eine Droge, es versetzt den Konsumenten in Trance und entreißt ihn seiner Welt; und Musik ist ja auch nicht die schlechteste Droge, von der man abhängig sein kann.</p>
<p>Zum <span class="musik-review-hoerproben">Anfixen</span> empfehle ich die Hörproben auf <a href="http://www.amazon.com/West-Wooden-Shjips/dp/B004ZPGFAA/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, die volle Dröhnung gibt es auf <a href="http://grooveshark.com/#/album/West/6537984" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Gute Reise!</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Portugal.-The-Man---In-The-Mountain-In-The-Cloud.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Portugal.-The-Man---In-The-Mountain-In-The-Cloud.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Portugal. The Man – In the Mountain in the Cloud</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I can’t make no sense of this at all“</span> (Senseless)
<p><span class="musik-review-bandname">Portugal. The Man</span> kann ich mittlerweile guten Gewissens als Garanten für gute Laune bezeichnen. „Censored Colors“ hat mich <a href="https://tuxproject.de/blog/2008/12/musik-122008-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">vor drei Jahren</a> schon erheitert, „In the Mountain in the Cloud“ schafft es wieder. Dass zwischenzeitlich mit „The Satanic Satanist“ und „American Ghetto“ zwei weitere Alben erschienen waren, auf denen wenig geschah – 2009 meinte ich <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/12/musik-122009-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Stagnation zu erkennen</a> -, soll diesen Eindruck nun keinesfalls schmälern.</p>
<p>„Luftig“ ist ein Adjektiv, das den Progressive-Rock-nahen elektronikdurchsetzten Poprock der fünf Herren gut beschreibt; insofern ist „In the Mountain in the Cloud“ („Auf dem Berg(,) auf der Wolke“) endlich mal wieder ein sprechender Titel, was für eine Musikgruppe, die sich laut eigenen Aussagen nach einem personifizierten europäischen Land benannt hat, ja nicht unbedingt selbstverständlich ist.</p>
<p>Zu „Censored Colors“ hat man hier auch wieder zurückgefunden, weg von dem Versuch des schlechten Sichselbstneuerfindens auf „American Ghetto“. Das geht alles wieder mehr in Richtung Radiopop, aber es ist keiner, an dem irgendwie Leute wie <span class="musik-review-bandname">Stefan Raab</span> oder <span class="musik-review-bandname">Dieter Bohlen</span> beteiligt sind, sondern es ist richtig guter, irgendwo zwischen <span class="musik-review-bandname">Mando Diao</span> und <span class="musik-review-bandname">Franz Ferdinand</span> und <span class="musik-review-bandname">Oasis</span> und den unvermeidlichen <span class="musik-review-bandname">Beatles</span>, aber eben viel sphärischer, entrückter, wozu sicherlich die Instrumentierung ihren Teil beiträgt.</p>
<p>Dominant sind immer noch die Synthesizer und <span class="musik-review-bandname">John Gourley</span>s Falsettgesang, zuzsammengehalten von Bass und Schlagzeug, das hier, unterstützt durch die federleichte Darbietung der übrigen Instrumente, manchmal so schneidend und peitschend daherkommt wie das Rhythmusfundament auf <span class="musik-review-bandname">Sigur Rós</span>‘ „Með suð í eyrum við spilum endalaust“. Mitunter ist’s Pop, mitunter ziemlich rockend, etwa in dem noch dazu für <span class="musik-review-bandname">Portugal.-The-Man</span>-Verhältnisse ziemlich politischen Eröffner „So American“:</p>
<blockquote><p>You are the one they call Jesus Christ.<br>
Who didn’t know no rock and roll.<br>
Just a mission made of guns that they give boys in Vietnam<br>
and a heart that always told you<br>
there’s a madness in us all.</p></blockquote>
<p>Wer <span class="musik-review-bandname">Sarah Palin</span> – auch die Band stammt aus Alaska – findet, darf sie behalten. Und wer guten Elektropoprockdings schätzt, der sollte zugreifen. <em>More of the same</em> höre ich hier mit viel Vergnügen.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören</span> könnt ihr zum Beispiel auf <a href="http://www.amazon.de/Mountain-Cloud-Portugal-Man/dp/B00518HAQI/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Continuo-Renacer---The-Great-Escape.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Continuo-Renacer---The-Great-Escape.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Continuo Renacer – The Great Escape</span>
<p>Apropos Alben, die Spaß machen: <span class="musik-review-bandname">Continuo Renacer</span> sind ein Progressive-Death-Metal-Trio, das mittlerweile ohne Sänger gemeinsam musiziert und das „Death“ im von der Band selbst via Myspace kolportierten Genre dankenswerterweise nur noch pro forma vor sich herträgt. Das kommt euch spanisch vor? Das ist kein Zufall, denn <span class="musik-review-bandname">Continuo Renacer</span> stammen von dort.</p>
<p>Dieses zweite Album (das Debüt erschien bereits 2005) ist mit 34 Minuten und 9 Sekunden allenfalls etwas zu kurz geraten, aber ansonsten gibt es selbst für mich als eher anspruchsvollen Musikfreund kaum Grund zur Klage. Das dominante Instrument ist der Bass, der den Metalriffs mit kräftigem Jazzrock entgegendröhnt. Vergleichbar ist das wohl am ehesten mit <span class="musik-review-bandname">Liquid Tension Experiment</span>, aber weniger blutleer, oder zum Beispiel <span class="musik-review-bandname">Cynic</span>.</p>
<p>Mit etwas mehr als einer Viertelstunde Spieldauer beschließt „The Newborn“ das Album, und allein dieses Stück ist schon jeden gedanklichen Applaus wert. <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> aus der „Doppeltrio“-Phase standen hier ebenso Pate wie (mal wieder) <span class="musik-review-bandname">Tool</span> und <span class="musik-review-bandname">Cynic</span>. Apropos <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>: Es gibt Melodic Death Metal, habe ich mal gelesen. Nicht aber hier: Krumme Rhythmen, dissonante Keyboardeinwürfe (wenn auch vielleicht nicht aus <em>richtigen</em> Keyboards) und dann wieder der Bass, der alles verschlingen würde, wenn man ihn nur ließe.</p>
<p>Eigentlich ist dieses Album auch ideal, um mal seine Lautsprecher und Kopfhörer auf ihre Qualität zu überprüfen: Wer hochkommt, kommt nicht automatisch auch runter. <a href="http://www.metalstorm.net/pub/review.php?review_id=9857" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Kurz gesagt:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>This is some wanky, jazzy, death-injected prog that doesn’t suck.</p></blockquote>
<p>Und damit man sich unter diesen Adjektiven auch etwas vorstellen kann, gibt es <span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span>:<br>
Auf <a href="http://www.myspace.com/continuorenacer" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Myspace<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es verschiedene Stücke vom ersten und zweiten Album komplett zu hören. Ach ja, das gute alte Myspace.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zombi---Spirit-Animal.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Zombi---Spirit-Animal.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Zombi – Spirit Animal</span>
<p>Tja, hm, <span class="musik-review-bandname">Zombi</span> und <span class="musik-review-bandname">Continuo Renacer</span> sind so verschieden, dass mir gerade keine gute Überleitung einfallen will, und das heißt vielleicht sogar etwas. Als jemandem, der nur selten mal die Welt der Computerspiele betritt, fiel mir auf, wie hervorragend sich „Spirit Animal“ als Untermalung für ein beliebiges MMORPG eignet, und entweder habe ich da zufällig Recht oder ich spiele einfach zu wenig. Aber ich schweife ab.</p>
<p>„<span class="musik-review-bandname">Zombi</span>, da fehlt doch was?“, denkt jetzt vielleicht der aufmerksame Leser; aber außer dem „e“ fehlt hier (obwohl es einen Film gibt, der ebenfalls „Zombi“ heißt) tatsächlich nichts, nicht einmal der <em>groove</em>, und das ist ja mittlerweile nicht mehr üblich und darum besonders lobenswert. <span class="musik-review-bandname">Zombi</span> ist ausnahmsweise kein untotes, sondern ein spring- und quicklebendiges Spacerock-Duo aus Pennsylvania, also aus den Vereinigten Staaten, dessen zwei multiinstrumentale Mitglieder die vorhandenen Instrumente gerecht unter sich aufteilen.</p>
<p>Ach, jetzt habe ich schon wieder den Fehler gemacht, von Genres zu sprechen. Spacerock steht zwar <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Zombi_%28band%29" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">in der Wikipedia<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, aber was sagt das schon wirklich aus? <a href="http://www.schallgrenzen.de/the-review-the-silent-section-contour-of-a-passing-dream/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Vielleicht sollte man die ganzen Schubladen schließen und die Musik ganz anders sortieren.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Sicher, den Spacerock kann der aufmerksame Hörer wohl verorten, aber es ist nun mal nicht alles <em>space</em> (oder jedenfalls <em>kraut</em>), was flirrt.</p>
<p>Auf „Spirit Animal“ lassen die 1980-er Jahre grüßen. Nicht die furchtbaren Bonbonsynthesizer zwar, wohl aber der exzessive Gebrauch von Elektronik. Und mit Elektronik kann man wirklich viel anstellen, zum Beispiel kann man sie mal nach alten Computerspielen, mal nach Ambient, mal nach <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> (die schon wieder!), mal nach <span class="musik-review-bandname">Harold Faltermeyer</span>, mal nach <span class="musik-review-bandname">Tangerine Dream</span>, mal nach <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> klingen lassen. Das, was <span class="musik-review-bandname">Kreidler</span> fehlt, machen <span class="musik-review-bandname">Zombi</span> sozusagen genau richtig.</p>
<p>Was <span class="musik-review-bandname">Zombi</span> vom Genre des Spacerock allerdings offenkundig allzu gern übernommen haben, ist die Lust an der Wiederholung. In dem über 17 Minuten langen Stück „Through Time“, das das Album beschließt, passiert in den letzten acht Minuten eigentlich nichts mehr, die letzten dreieinhalb Minuten sind ein langsames, leises Abklingen des Gehörten. Das ist nicht langweilig, nicht einschläfernd – das ist <em>psychedelisch</em>.</p>
<p>Schließlich herrscht alles andere als Monotonie, eröffnet doch jedes der fünf Stücke seine eigene Welt.<br>
<span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span>: Auf <a href="http://www.amazon.de/Spirit-Animal-Zombi/dp/B001KKRD9U?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> kann man jeweils 30 Sekunden lang den Zauber zu ergründen versuchen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/sleepmakeswaves---...and-so-we-destroyed-everything.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---sleepmakeswaves---...and-so-we-destroyed-everything.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">sleepmakeswaves – …and so we destroyed everything</span>
<p>Dass <span class="musik-review-bandname">sleepmakeswaves</span> erst jetzt ihr Debütalbum veröffentlicht haben, dürfte viele erstaunen, hatte sich das australische Quartett doch schon mit mehreren EPs einen Namen gemacht, „In Today Already Walks Tomorrow“ wird mitunter gar als erstes Album geführt. Tatsächlich aber ist „… and so we destroyed everything“ ihr erstes <em>wirkliches</em> Album in voller Länge.</p>
<p>Die „volle Länge“ beträgt hier 52 Minuten und 15 Sekunden, im Postrock fühlt sich das beinahe an wie eine (sehr angenehme) Ewigkeit. Deswegen sollten eigentlich viel mehr Bands Postrock machen: Auch mit nur einer Viertelstunde Laufzeit schaffen sie den Hörer mehr in ihren Bann zu ziehen als mit irgendwelchem Popquatsch. Leider scheint das nicht genug Inspiration zu bieten.</p>
<p>Inspiriert wurden <span class="musik-review-bandname">sleepmakeswaves</span> hingegen durchaus, zum Beispiel von <span class="musik-review-bandname">Explosions In The Sky</span> und hin und wieder <span class="musik-review-bandname">God Is An Astronaut</span>. Zu hören ist nicht ganz instrumentaler Postrock (im abschließenden Titelstück ist sogar kaum verständlicher Choralgesang zu vernehmen, allerdings ist dieser eher zusätzliches Instrument als sonstwie relevant) im bekannten Gewand.</p>
<p>Man macht reichlich Gebrauch von Elektronik: Zu den Gitarrenwänden gesellen sich allerlei Klangspielereien, Gastinstrumente sind Trompete, Violine und akustische Gitarre, leider nicht im selben Stück. Auch sonst hält man nicht viel von festgefahrenen Mustern, das alte Laut-Leise-Spiel im Postrock begeistert die vier Musiker anscheinend nicht sonderlich. Das gewählte Schema, das Setzen auf kontinuierliche Emotionalität ohne strukturbedingte Pausen, ist <a href="http://www.schallgrenzen.de/sleepmakeswaves-and-so-we-destroyed-everything/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">genau das richtige<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>:</p>
<blockquote><p>Das Album kann gut am Stück gehört werden, auch nebenher, geht runter wie Öl und sorgt zwischen ambienten Momenten und mächtige, vom bemerkenswerten Schlagzeugspiel auf Kurs gehaltenen Wall Of Sound für wohlige Zufriedenheit.</p></blockquote>
<p>Verglichen mit früheren Veröffentlichungen klingen <span class="musik-review-bandname">sleepmakeswaves</span> auf „…and so we destroyed everything“ reifer und runder, als wüssten sie jetzt endlich, wohin ihre Reise führen soll. Der Schlaf macht Wellen, und sie tragen weit hinaus in entfernte Sphären. Keine Flaute hindert sie daran. Na dann: Volle Kraft voraus!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span>: Momentan ist das Album komplett auf <a href="http://sleepmakeswaves.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">sleepmakeswaves.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> anhör- und kaufbar.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Karmakanic---In-A-Perfect-World.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Karmakanic---In-A-Perfect-World.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Karmakanic – In a Perfect World</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„The flowers in the air, they turn towards the sun / end of love and hate, riot in the name of freedom“</span> (1969)
<p>Nach so viel instrumentalem Schönklang darf es ruhig auch mal wieder Gesang sein. <span class="musik-review-bandname">Karmakanic</span> beherrschen diesen ganz gut.</p>
<p>Bandgründer <span class="musik-review-bandname">Jonas Reingold</span> von den <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span> bringt allerdings auch eine Menge Erfahrung mit; und wer die <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span> kennt, der ahnt, was ihn auf „In a Perfect World“ erwartet, nämlich allerlei <span class="musik-review-bandname">Yes</span>, <span class="musik-review-bandname">Styx</span> und <span class="musik-review-bandname">Genesis</span>.</p>
<p>Schubladenfreunde dürfen Hardrock und Retro-Prog auspacken, wenn sie halt gerade nichts besseres zu tun haben. Dabei ist das hier Gehörte viel komplexer, allein schon das eröffnende „1969“ ist eine wahre Schatztruhe an Referenzen und Einflüssen, erinnert anfangs an <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span>s „High Hopes“, geht in einen Hardrock-Teil mit Anleihen an <span class="musik-review-bandname">Yes</span>‘ „Don’t go“ über, gegen Mitte kündigen sich dann mit viel Bass und Keyboards die <span class="musik-review-bandname">Flower Kings</span> an, kommen aber dann eben doch nicht heraus, sondern lassen sich wiederum ablösen vom Hardrock, und so weiter und so fort; nein, langweilig ist das nicht.</p>
<p>Ganz anders Stück 2, „Turn It Up“, eine Art <span class="musik-review-bandname">Transatlantic</span> mit mehr Pop und irgendwie matschig klingender Gitarre von <span class="musik-review-bandname">Krister Jonsson</span>. Zwischendurch wird die Melodie des Refrains von <span class="musik-review-bandname">Clueso</span>s „Gewinner“ zitiert beziehungsweise eben nicht, mit einer begrenzten Anzahl an möglichen Noten kann man eben keine unbegrenzte Anzahl an Melodien schreiben.</p>
<p>Sonst so: <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span> und <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span> und merkwürdiger „lalala“-Gesang („Can’t Take It With You“), hier und da auch mal <span class="musik-review-bandname">Elton John</span>, aber vor allem viel <span class="musik-review-bandname">Yes</span>, bevorzugt aus ihrer 70-er-Phase.</p>
<p>In den 70-ern verwurzelt, „sucking in the Seventies“, wie einst die <span class="musik-review-bandname">Rolling Stones</span>, so sieht’s aus. Die 70-er Jahre sind ja auch nicht unbedingt das schlechteste Jahrzehnt, an dem man sich bedienen kann. Der Titel des Albums ist übrigens keinesfalls Programm: Das eher ruhige Stück „When fear came to town“ – etwas zu lang geraten allerdings – nimmt Bezug auf ein Selbstmordattentat.</p>
<p>Weniger traurig sind die <span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span> auf <a href="http://www.amazon.de/Perfect-World-Special-ed/dp/B0053Y99IW/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Mögen sie gefallen!</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Yes---Fly-From-Here.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Yes---Fly-From-Here.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Yes – Fly from Here</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„You’re riding a tiger, riding a tiger“</span> (Life On A Film Set)
<p>Apropos <span class="musik-review-bandname">Yes</span>: Ich hatte mich ja <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/04/lucien-dubuis-trio-auserdem-neues-von-yes/" data-wpel-link="internal">im April schon</a> darauf gefreut, bald ein neues Werk der Heroen hören zu dürfen. Nun, so recht zufrieden bin ich damit nicht. (Regelmäßigen Lesern wird ein kleiner Teil dieser Rezension bereits seit April bekannt vorkommen, ich bitte für die hierdurch vielleicht entstandene Verwirrung um Entschuldigung.)</p>
<p>Nach der Veröffentlichung des Vorgängeralbums „Magnification“ im Jahr 2001 und einer anschließenden Tour mit dem <span class="musik-review-bandname">European Festival Orchestra</span> verließen <span class="musik-review-bandname">Rick Wakeman</span> und <span class="musik-review-bandname">Jon Anderson</span> die Band erst aus gesundheitlichen, dann aus irgendwelchen anderen Gründen. Das ist in der Geschichte von <span class="musik-review-bandname">Yes</span> ja durchaus nicht ungewöhnlich, bandinterne Zerwürfnisse kamen immer mal wieder zum Vorschein, und Bassist <span class="musik-review-bandname">Chris Squire</span> ist folgerichtig der einzige Musiker, der seit der Gründung Mitglied jeder <span class="musik-review-bandname">Yes</span>-Besetzung war. Dazu gehört sicher eine Menge Toleranz oder wenigstens Dickköpfigkeit, meines Kompliments hierfür kann er sich sicher sein.</p>
<p>Dass <span class="musik-review-bandname">Chris Squire</span>s markantes Bassspiel nun seit über 40 Jahren ein essenzieller Bestandteil von <span class="musik-review-bandname">Yes</span>‘ Musik ist, lässt mich eines schon mal vorwegnehmen: Er kann es immer noch.</p>
<p>Nun ist „Fly from Here“ nicht das erste, sondern bereits das zweite Album ohne den Gesang <span class="musik-review-bandname">Jon Anderson</span>s. Die Studioarbeit nach dem durchwachsenen Album „Tormato“, das die vorläufige Abkehr vom Bombast-Prog einläutete, verlief offenbar nicht ganz nach den Vorstellungen der Musiker, und so verließ er mit <span class="musik-review-bandname">Rick Wakeman</span>, der seine Tätigkeit bei <span class="musik-review-bandname">Yes</span> ja alle paar Jahre mal beendet und wieder aufnimmt, die Band. Die verbliebenen Mitglieder hatten allerdings keine Lust, wegen solcher Personalien das Musizieren einzustellen. Praktischerweise waren die <span class="musik-review-bandname">Buggles</span> („Video killed the radio star“), <span class="musik-review-bandname">Trevor Horn</span> und <span class="musik-review-bandname">Geoff Downes</span>, gerade zugegen, um <span class="musik-review-bandname">Yes</span> ein paar Liedideen anzubieten, also machte man Nägel mit Köpfen und nahm die <span class="musik-review-bandname">Buggles</span> als Vollwertmitglieder auf. Diese bislang einmalige Formation spielte das gleichfalls einmalige Album „Drama“ ein, die <span class="musik-review-bandname">Buggles</span> gingen danach wieder eigene Wege, <span class="musik-review-bandname">Yes</span> besetzten sich noch mal um und nahmen unter anderem das scheußliche „Owner of a lonely heart“ (1983) auf.</p>
<p>Von den Aufnahmen für „Drama“ blieb anscheinend einiges Material übrig, für das die <span class="musik-review-bandname">Buggles</span> keine Verwendung mehr hatten. Dieses Material lag dann einige Jahrzehnte lang herum. Zwischendurch hatte sich <span class="musik-review-bandname">Yes</span> mal wieder umbesetzt: Für <span class="musik-review-bandname">Rick Wakeman</span> kam sein Sohn <span class="musik-review-bandname">Oliver Wakeman</span>, für <span class="musik-review-bandname">Jon Anderson</span> kam <span class="musik-review-bandname">Benoît David</span>, Sänger von <span class="musik-review-bandname">Mystery</span> und ehemals Frontmann der <span class="musik-review-bandname">Yes</span>-Coverband <span class="musik-review-bandname">Close to the Edge</span>.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Chris Squire</span> nun erinnerte sich vor einer Weile daran, dass zu „Drama“-Zeiten das Stück „We can fly from here“ live gespielt, aber nie im Studio aufgenommen wurde, und <a href="http://www.dprp.net/wp/?p=1136" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">rief <span class="musik-review-bandname">Trevor Horn</span> an<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, um das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Keyboarder <span class="musik-review-bandname">Geoff Downes</span> folgte bald und ersetzte <span class="musik-review-bandname">Oliver Wakeman</span>, der auf dem Album stellenweise noch zu hören ist und den das also ziemlich überraschte. Ja, so schnell kann es gehen bei <span class="musik-review-bandname">Yes</span>.</p>
<p>Mit Ausnahme des Gesangs ist „Fly from Here“ also sozusagen die Fortsetzung von „Drama“. Was bedeutet das? Nun, zunächst einmal nicht viel.</p>
<p>Die fünfteilige – plus Ouvertüre – <em>suite</em> „Fly from Here“ ist das Überbleibsel, das der Anlass für das Album war. Die Zerstückelung in fünf „Akte“ hätte nicht sein müssen, durch sie wirkt das Werk nicht homogen, aber denkt man sich diese Zwischenräume weg, eröffnet sich „Fly from Here“ dem Hörer. Mit dem großartigen „Machine Messiah“ von „Drama“ hat das Gehörte nicht viel zu tun, es ist fröhlicher, bombastischer. <span class="musik-review-bandname">Benoît David</span> tut sein Bestes, um mehr wie <span class="musik-review-bandname">Jon Anderson</span> (damit hat er ja Erfahrung) und weniger wie <span class="musik-review-bandname">Trevor Horn</span> zu klingen, und der <span class="musik-review-bandname">Yes</span>-typische Duettgesang trägt sein Übriges dazu bei, dass auch Teil 2, „Sad Night at the Airfield“, trotz der bedrückenden Stimmung nicht zum Ausfall wird. Teil 4, „Bumpy Ride“, ist seltsam, es klingt, wie es heißt. Zusammengehalten wird das Ganze vom Thema des Wegfliegens, „we can fly from here“, Teil 5 ist folgerichtig das <em>reprise</em> des Eingangsthemas. Nur, falls noch jemand dachte, <span class="musik-review-bandname">Yes</span> könnten keinen Progressive Rock mehr spielen.</p>
<p>Außer diesem Kern des Albums gibt es auch wieder die typischen kürzeren <span class="musik-review-bandname">Yes</span>-Stücke zu hören, Gitarrist <span class="musik-review-bandname">Steve Howe</span> steuert mit „Solitaire“ auch mal wieder ein formidables Solostück bei, <span class="musik-review-bandname">Chris Squire</span> mit „The Man You Always Wanted Me To Be“ ein eingängiges Poprockstück, das eigentlich mal für eines seiner Soloalben vorgesehen war. Bekannt sollte den Anhängern der beteiligten Musiker übrigens „Life On A Film Set“ vorkommen, das in einer frühen Version als Demoaufnahme unter anderem Namen auf neuen Auflagen des zweiten <span class="musik-review-bandname">Buggles</span>-Albums „Adventures in Modern Recording“ zu finden ist.</p>
<p>Sicher, hier und da kommt zum Vorschein, dass eben doch eine andere als die „klassische“ Besetzung hier zu hören ist. In diesen wenigen Momenten klingen <span class="musik-review-bandname">Yes</span> wie eine Band, die eine Band covert, die <span class="musik-review-bandname">Yes</span> covert und der auch <span class="musik-review-bandname">Änglagård</span>, <span class="musik-review-bandname">Gentle Giant</span> und <span class="musik-review-bandname">Wobbler</span> nicht fremd sind. Aber sollte man das mit Punktabzug bestrafen und nicht vielmehr als Zeichen dafür werten, dass <span class="musik-review-bandname">Yes</span> trotz der Rückkehr in ihre musikalischen 70-er und frühen 80-er Jahre immer noch frisch, modern und unverbraucht sind? Sollte man <span class="musik-review-bandname">Yes</span> dafür bestrafen, dass auch nach 43 Jahren ein <span class="musik-review-bandname">Yes</span>-Album immer die Summe der Beiträge der jeweiligen Mitglieder und nie ein wirklich homogenes Werk ist? Ich meine: Nein. Vergäbe ich Punkte, ich vergäbe für „Fly from Here“ die volle Punktzahl. Aus Überzeugung.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span>: Ausschnitte aus dem Album gibt es auf <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B004Y1USJE/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, das gesamte Album auf <a href="http://grooveshark.com/#/album/Fly+From+Here/6422988" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu hören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Zun-Zun-Egui---Katang.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Zun-Zun-Egui---Katang.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Zun Zun Egui – Katang</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Sexy worm went out and got the bird, hey!“</span> (Fandango Fresh)
<p>Von alten Meistern zu neuen Besen: Gerade höre ich anlässlich dieser Rezension nochmals „Katang“ von <span class="musik-review-bandname">Zun Zun Egui</span> und bin ratlos. Was wollen die drei Jungs und das Mädel aus Bristol uns eigentlich mitteilen?</p>
<p>„Tropical Thrash“ wird ihr Schaffen genannt, wenn es nicht gerade „Heavy Dance“ genannt wird, und dagegen haben sie nichts einzuwenden. Ja, ein tropischer Einfluss lässt sich nicht verleugnen, die Südseegitarre und der Bongo-Klang sind zu präsent. Aber was ist daran „thrash“? Die Texte vielleicht? Die sind auf Englisch und Französisch und Kreolisch und einer Fantasiesprache verfasst und trotz extrovertierter Darbietung von meistens <span class="musik-review-bandname">Kushal Gaya</span> auch akustisch schwer genug zu verstehen, vielleicht ist das Absicht. Was man versteht, ist schon verwirrend genug. (Was, bitte, ist an einem Wurm erotisch?) Das sollte aber niemanden erstaunen, heißt „zun zun egui“ auf Japanisch doch so viel wie „überaus seltsames Vorspulen“, es ist also vor allem schnell und verrückt.</p>
<p>Der multikulturelle Klang von „Katang“ könnte in der Ethnie der Bandmitglieder begründet liegen: Eines stammt aus Japan, eines von Mauritius, die beiden Rhythmusgeber indes sind Briten. Anscheinend hat jedes Mitglied Musik aus seiner Heimat als Inspiration mit eingebracht, was ein bisschen an <span class="musik-review-bandname">Kula Shaker</span> erinnert, aber gar nicht nach Indien klingt. Dieses Durcheinander nennt man <a href="http://consequenceofsound.net/2011/11/album-review-zun-zun-egui-katang/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">andernorts<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> „interessant und anders“ und meint das gar nicht so positiv, wie es klingt, und das finde ich schade.</p>
<p>Dieses Interessante, Andere klingt nach ein bisschen <span class="musik-review-bandname">Talking Heads</span>, ein bisschen <span class="musik-review-bandname">The Mars Volta</span>, ein bisschen <span class="musik-review-bandname">System of a Down</span> und ein bisschen „Was um alles in der Welt soll das sein?“. Die psychodrogeninduzierten Klangexperimente der zweiten Hälfte der 1960-er Jahre sind vielleicht eine wichtige Inspiration für <span class="musik-review-bandname">Zun Zun Egui</span> gewesen, vielleicht auch nicht, und wer auf eine meiner Empfehlungen hin mal <span class="musik-review-bandname">The Void’s Last Stand</span> gehört hat, der entdeckt auch so manche Ähnlichkeit, obwohl diese wahrscheinlich eher oberflächlich ist, denn <span class="musik-review-bandname">Zun Zun Egui</span> wechseln nicht ständig die Stile, sondern klingen immer gleichermaßen durchgeknallt. Ach ja, <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span> mal wieder: Dieser dezente Popanstrich, mächtig überdeckt von mit Bedacht strukturiertem Tohuwabohu. Katang, tschingderassabumm.</p>
<p>Noch nicht abgeschreckt? Tapfer, sage ich, und verweise auf die <span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span>:<br>
Auf YouTube gibt es das merkwürdige Video zu <a href="http://www.youtube.com/watch?v=AmpoD6Pm-YE" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Fandango Fresh“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu sehen, auf <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B0057FWUVA/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> 30-sekündige Ausschnitte aus dem Album zu hören. Viel Glück!</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Earth-Flight---Blue-Hour-Confessions.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Earth-Flight---Blue-Hour-Confessions.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Earth Flight – Blue Hour Confessions</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Thinking of you always tears me apart“</span> (By The Light Of The Moon)
<p>Zurück in etwas weniger obskure Gefilde und nach, mehr oder weniger, Deutschland, genau genommen nach Nürnberg. Von dort stammt mit <span class="musik-review-bandname">Earth Flight</span> eine herausragende Psychedelic-Metal-Band, die mit „Blue Hour Confessions“ bereits im Februar ihr aktuelles Album auf die Menschheit losließ.</p>
<p>Psychedelic Metal? Ja, die Einflüsse des zweifelsohne psychedelischen Stoner Rocks sind unüberhörbar. <a href="http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=11654" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Und sonst so:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Mal darf die Gitarre elegisch weinen, mal alternative-rockig schrammeln, dazwischen sogar mal wie bei <span class="musik-review-bandname">U2</span> klingeln, meistens aber fett riffen und da reicht die Härte durchaus lässig in metallische Gefilde. Und je nach Saitenanschlag entwickelt sich dann ein veritabler Rocker oder ein psychedelisch angehauchter leicht balladesker Song mit diesem New Artrock-Feeling oder auch atmosphärischer Progmetal, so ein bisschen in Richtung neuere <span class="musik-review-bandname">Fates Warning</span>. Die Rhythmusfraktion liefert dazu ein solides Fundament mit kraftvollen Bassläufen und vitalem, moderat vertracktem Drumming.</p></blockquote>
<p><span class="musik-review-bandname">Tobias Brunner</span> ergänzt diese Darbietung mit mal schrägem, mal elegisch-lyrischem Gesang und beherrscht den Hardrock ebenso wie das Geknödel eines <span class="musik-review-bandname">Brian Molko</span>, was man natürlich jetzt nicht unbedingt gut finden muss.</p>
<p>Obwohl die Plattenfirma laut Werbetexten nicht so ganz verstanden hat, was Progressive Rock eigentlich ist („starke Riffs und eine ausdruckskräftige Stimme“), liegt hier doch ein recht <em>progressives</em> Werk vor, was für eine Band aus der Doom-Metal-Szene eher ungewöhnlich ist. Ihre Wurzeln („Earth Flight“ ist der Titel eines Stückes von <span class="musik-review-bandname">Pentagram</span>) haben die Musiker aber gekonnt hinter sich gelassen und wandeln nun frei zwischen den Stühlen umher. Dabei gelingt ihnen das Kunststück, zugängliche und dennoch komplexe Musik zu machen. Das allein ist bereits ein Grund, dieses Album zu empfehlen, wenn die musikalische Zusammenfassung noch nicht genug Anlass bot.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span>: Das komplette Album kann man derzeit auf <a href="http://www.recent-records.de/veroeffentlichungen/blue-hour-confessions-earth-flight/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">recent-records.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> probehören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Tom-Waits---Bad-As-Me.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Tom-Waits---Bad-As-Me.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Tom Waits – Bad As Me</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„The dog is in the kitchen and the war drags on“</span> (Talking At The Same Time)
<p><span class="musik-review-bandname">Tom Waits</span> ist ein Liedermacher. Das könnte ich jetzt so stehen lassen und mich voller Schadenfreude ergötzen an der Reaktion derer, die jetzt einen zweiten <span class="musik-review-bandname">Reinhard Mey</span> erwartet haben, aber das wäre ja nicht nett.</p>
<p>Mit <span class="musik-review-bandname">Reinhard Mey</span> verbindet <span class="musik-review-bandname">Tom Waits</span> allenfalls die Bissigkeit der Texte. Feinsinniges passt nicht zu ihm. Und auch auf „Bad As Me“ – „Böse wie ich“ – enttäuscht er seine Hörerschaft nich‘; und am erstaunlichsten ist es immer noch, dass auch das spießige <abbr class="c2c-text-hover" title="Feuilleton">Föjetong</abbr> von <a href="http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pop/cd-der-woche/cd-der-woche-tom-waits-bad-as-me-ich-bin-hier-seit-eisenhower-11525068.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">FAZ<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> bis <a href="http://www.focus.de/kultur/musik/plattenkiste/plattenkritik-tom-waits-bad-as-me-dreckig-wie-eh-und-je_aid_676131.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Focus<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> diese sperrige Musik von diesem dem Schönklang noch nicht erlegenen alten Mann zu schätzen weiß. <span class="musik-review-bandname">Tom Waits</span> ist offenbar eine Institution, an der man schon lange nicht mehr herummäkelt. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass er niemanden mehr überrascht, von den armen Seelen abgesehen, die sonst nur so Schmusescheiße hören und dann von Scherzbolden wie mir unvorbereitet erstmals mit seiner Musik konfrontiert werden. Spaß muss sein.</p>
<p>Der eröffnende Blues „Chicago“ beginnt mit hektischem Bläserrhythmus, schon nach zehn Sekunden setzt der gewohnt raue Gesang ein: <span class="musik-review-lyrics-inline">„The seeds are planted here / But they won’t grow / We won’t have to say goodbye / If we all go / Maybe things will be better in Chicago…“</span> Bei der FAZ fragte man sich:</p>
<blockquote><p>Hat er mit Schotter gegurgelt und mit Reißzwecken nachgespült?</p></blockquote>
<p>Auch mit 61 Jahren klingt <span class="musik-review-bandname">Tom Waits</span> immer noch nach <span class="musik-review-bandname">Tom Waits</span> und nicht, wie <span class="musik-review-bandname">Bob Dylan</span>, nach einer Parodie seiner selbst. Das soll nun nicht bedeuten, dass seine Lieder seit Jahrzehnten klingen, als wäre er ein alter, vom Alkohol gezeichneter Mann. Mit seiner Stimme kann er immer noch spielen wie mit einem Instrument, und die Kombinationen scheinen unerschöpflich: Sei es Falsettgesang zu langsam schwingendem Noir-Jazz („Talking At The Same Time“), seien es die klassischen <span class="musik-review-bandname">Waits</span>-Balladen, die trotz aller Schnulzigkeit nie seicht klingen („Kiss Me“), sei es Sprech- oder besser Bellgesang zu Marsch- und Rockmusik wie etwa in „Hell Broke Luce“, einem Lied, über das <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/10/medienkritik-lviii-tom-waits-im-rolling-stone-wenigstens-haben-sie-es-versucht/" data-wpel-link="internal">man anderswo schrieb</a>, es schwanke „durch die Schützengräben wie ein Panzer auf Stelzen“, wie auch immer man sich das vorzustellen hat. Apropos Gitarren: <span class="musik-review-bandname">Tom Waits</span>‘ alter Weggefährte <span class="musik-review-bandname">Keith Richards</span> ist auf „Bad As Me“ als Instrumentalist zu hören, im Stück „Last Leaf“, in dem das lyrische Ich seine Existenz als „letztes Blatt am Baum“ beklagt, ist er auch als Duettpartner zu hören.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Tom Waits</span> revanchiert sich, indem er in „Satisfied“ nicht nur das <span class="musik-review-bandname">Rolling-Stones</span>-Lied „Satisfaction“ und <span class="musik-review-bandname">Mick Jagger</span>s Gesangsstil parodiert, sondern auch einen Seitenhieb auf die beiden kreativen Köpfe der Altherrencombo hinterlässt:</p>
<blockquote><p>Now Mr. <span class="musik-review-bandname">Jagger</span> and Mr. <span class="musik-review-bandname">Richards</span>: I will scratch where I’ve been itching.</p></blockquote>
<p>Vermutlich verliefen die Aufnahmen hierzu recht fröhlich, wenngleich „fröhlich“ nicht unbedingt etwas ist, was man gemeinhin mit <span class="musik-review-bandname">Tom Waits</span> assoziiert. Tatsächlich ist „Bad As Me“, ungeachtet seines Namens, für seine Verhältnisse ein Album, das in doppeltem Sinne <em>Spaß macht</em>. Ja, es schien, als wäre die Karriere des Künstlers nun vorüber, ließ die Kreativität doch nach dem, was man so liest, auf dem vorherigen Album zu wünschen übrig. Klar ist, dass sich jedes seiner Alben an den beiden Extremen „Bone Machine“ und „Rain Dogs“ messen lassen muss, die Musikjournaille braucht ja immer ein „klingt wie“ im Satzanfang. Betrachtet man diese beiden Ausnahmewerke des Ausnahmemusikers aber als solche, erscheint mir jeder Verriss von „Bad As Me“ als deplatziert.</p>
<p>Es soll nur niemand wagen, „Bad As Me“ als Alterswerk zu deklassieren. Vom alten Eisen ist <span class="musik-review-bandname">Tom Waits</span> künstlerisch noch weit entfernt. Möge dies noch lange erhalten bleiben!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span> hat <a href="http://www.amazon.de/Bad-As-Me-Tom-Waits/dp/B005IQ2LT4/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> reichlich im Angebot.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Weird-Al-Yankovic---Alpocalypse.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Weird-Al-Yankovic---Alpocalypse.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">„Weird Al“ Yankovic – Alpocalypse</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„You need a quickie confession? We’ll start a waterboarding session.“</span> (Party In The CIA)
<p>Auch nicht mehr der Jüngste ist <span class="musik-review-bandname">„Weird Al“ Yankovic</span>, und auch bei ihm ist keine künstlerische Schwäche zu erkennen. Sein mittlerweile 13. Studioalbum „Alpocalypse“ enthält zwölf Lieder, in denen er jeweils entweder ein bekanntes Musikstück oder den Stil eines Künstlers parodiert. Das mag manch einer für unkreativ halten, phänomenal ist es aber immer noch.</p>
<p>Der Name des Albums wurde passend zum für 2011 angekündigten Weltuntergang gewählt. Es ist erfreulich, dass er nicht eingetreten ist, denn sonst müssten wir nun wahrscheinlich auf dieses Album und auf unser Leben verzichten.</p>
<p>In seinem Bemühen, auf seinen Alben stets die momentane Popwelt abzubilden (wie viele der parodierten Künstler auf dem Vorgängeralbum „Straight Outta Lynwood“ von 2006 sind 2011 von gleich bleibender Bedeutung?), hat diesmal <span class="musik-review-bandname">Lady Gaga</span>, selbst nach eigenem Bekunden Anhänger des Musikers, die Ehre, Galionsfigur seines Albums zu sein. Im ersten Stück, „Perform This Way“, nimmt er zur Melodie ihres Liedes „Born This Way“ ihren Hang zur Selbstinszenierung textlich und in einem <a href="http://vimeo.com/26036540" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">höchst albernen Musikvideo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> auf die Schippe:</p>
<blockquote><p>I might be wearin‘ Swiss cheese or maybe covered with bees<br>
It doesn’t mean I’m crazy – I perform this way</p></blockquote>
<p>Das übliche Polka-Medley hört folgerichtig auf den Namen – Achtung – „Polka Face“ und beginnt mit einer Parodie von „Poker Face“, das eigentlich auch schon keiner mehr hören kann, aber im Polkagewand bekommt manches einen völlig neuen Klang. Dass die Polka-Medleys normalerweise eher eine Resteverwertung der Lieder sind, für deren Umtextung <span class="musik-review-bandname">„Weird Al“</span> die zündende Idee fehlte, schränkt ihren Spaßfaktor keineswegs ein.</p>
<p>Von diesem Popunfug abgesehen beruft sich <span class="musik-review-bandname">„Weird Al“ Yankovic</span> wie auch <span class="musik-review-bandname">Tom Waits</span> auf alte Meister, zwar ohne <span class="musik-review-bandname">Rolling-Stones</span>-Parodie, aber mit einer solchen auf die <span class="musik-review-bandname">Doors</span> („Craigslist“). Fachmännische Unterstützung hierbei erfolgt seitens <span class="musik-review-bandname">Ray Manzareks</span>, selbst Mitglied der <span class="musik-review-bandname">Doors</span>, am Keyboard.</p>
<p><span class="musik-review-bandname">„Weird Al“ Yankovic</span> beweist auf „Alpocalypse“ erneut, dass es ihm an Ideen für absurde Situationen und die Betextung derselben nicht mangelt. Es gibt wenige Musiker, die ihr Niveau über eine so lange Zeitspanne halten können. <span class="musik-review-bandname">„Weird Al“ Yankovic</span> gehört auf jeden Fall dazu.</p>
<p>Zum <span class="musik-review-hoerproben">Reinhören</span> verweise ich nochmals auf das <a href="http://vimeo.com/26036540" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Video zu „Perform This Way“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und zum Vollständighören auf <a href="http://grooveshark.com/#/album/Alpocalypse/6430383" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/3---The-Ghost-You-Gave-To-Me.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---3---The-Ghost-You-Gave-To-Me.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">3 – The Ghost You Gave To Me</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„The voices echo in your head“</span> (Only Child)
<p>Noch so eine Band, die ich bisher nicht einmal bemerkt hatte, nennt sich <span class="musik-review-bandname">3</span>. Versucht da mal brauchbare Informationen im Internet zu finden.</p>
<p>Dabei ist das Quartett gar nicht so unbekannt, wie Touren mit <span class="musik-review-bandname">Porcupine Tree</span>, <span class="musik-review-bandname">Cynic</span> <span class="musik-review-bandname">Opeth</span> und <span class="musik-review-bandname">Dream Theater</span> nahe legen, womit dann auch schon klar zu sein scheint, was hier wahrscheinlich gespielt wird, nämlich Metal. METAL! \m/</p>
<p>Stimmt aber nicht.</p>
<p>Tatsächlich gibt es auf „The Ghost You Gave To Me“ hochklassigen, progressiven Alternative/Indie Rock auf die Ohren. Das einleitende „Sirenum Scopuli“ gewährt bereits Einblick: Ambiente Gitarrenklänge zu völlig unaggressivem, hohem Gesang leiten über in das zweite Stück, „React“, das so unvermittelt anfängt, dass man den Übergang kaum bemerkt. „React“ aber hat erstmals einen Refrain und ist mindestens so energiegeladen wie <span class="musik-review-bandname">Mando Diao</span> außerhalb ihrer seichten Popliedchen. Wie dreckig die Band aber auch zu klingen versucht, der <span class="musik-review-bandname">caravan</span>esque, seltsam schwebende und <span class="musik-review-bandname">enya</span>mäßig hallende Gesang von <span class="musik-review-bandname">Joey Eppard</span> lässt all das immer unwirklich, wie im Traum erscheinen.</p>
<p>Das ist eigentlich auch schon das große Manko des Albums, denn dieser alles in eine unwirkliche Traumebene schiebende Gesang sorgt dafür, dass die großartigen Melodien, wie verfrickelt sie auch sein mögen, im „großen Ganzen“ beinahe untergehen beziehungsweise dass das ganze Album auch beim Bügeln im Hintergrund laufen könnte und man würde es wahrscheinlich nicht merken. Wenn man sich aber bewusst auf dieses Album einlässt, wird die Spielfreude der Musiker übertragen als Lauschfreude des Hörers, und das ist ziemlich famos.</p>
<p>Den Geist, den man ihnen gab, geben sie hier freimütig und leidenschaftlich zurück. Gefällt mir. Plus eins.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span> gibt es unter anderem auf <a href="http://www.amazon.de/Ghost-You-Gave-Me/dp/B005GIGEP6/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Flaming-Row---Elinoire.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Flaming-Row---Elinoire.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Flaming Row – Elinoire</span>
<p>Apropos METAL! \m/ – diesmal wirklich: <span class="musik-review-bandname">Flaming Row</span>, Musikgruppe deutschen Ursprungs, deren Mitglied <span class="musik-review-bandname">Marek Arnold</span> auch bei <span class="musik-review-bandname">Toxic Smile</span>, <span class="musik-review-bandname">Seven Steps To The Green Door</span> und mittlerweile auch <span class="musik-review-bandname">Stern-Combo Meißen</span> aktiv ist, erzählt auf „Elinoire“ eine Geschichte. Metal-Konzeptalben erfreuen des Progressive-Rock-Hörers Herz.</p>
<p><a href="http://www.terrorverlag.de/rezensionen/flaming-row/elinoire/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Die Geschichte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, die die Texte erzählen, klingt bemerkenswert:</p>
<blockquote><p>Textlich dreht sich das Ganze um eine englische Familie, wo die Mutter (Lea) bei der Geburt der Tochter (Elinoire)stirbt und der Vater (Adam) damit lange nicht klarkommt und so der Opa (Cyrus) erstmal die Vaterrolle übernimmt, bevor einige Dinge aus Leas Vergangenheit in einem neuen Licht erscheinen. Was sich zunächst recht einfach gestrickt anhört, ist komplex entwickelt mit Charakteren, deren Emotionen (u.a. Liebe und Wut) sowie Dimensionen (u.a. Zeit und Tod) jeweils durch andere zugeordnete Stimmen Leben eingehaucht wird!</p></blockquote>
<p>Dass die Texte in englischer Sprache verfasst worden sind, der Texter aber gelegentlich über englische Phrasen stolpert und sich anscheinend ziemlich weh tut, fällt nur wenig ins Gewicht. Die Qualität der Musik gleicht das wieder aus. Dabei ist der Gesang an sich ein tragendes Element des Albums: Neben Sängerin <span class="musik-review-bandname">Kiri Geile</span> (hihi) sind als Gastmusiker unter anderem zwölf gesonderte Vokalisten zu hören, darunter <span class="musik-review-bandname">Billy Sherwood</span>, der vor vielen Jahren mal bei <span class="musik-review-bandname">Yes</span> musizierte und heute mit <span class="musik-review-bandname">Circa:</span> und <span class="musik-review-bandname">Yoso</span> noch immer in deren weiterem Umfeld zu finden ist.</p>
<p>Das Konzept (eine mit verschiedenen Stimmen für verschiedene Charaktere erzählte, ziemlich dramatische Geschichte) ist vielleicht schon von <span class="musik-review-bandname">Ayreon</span>s ebenfalls großartigem Album „The Human Equation“ bekannt, und auch musikalische Ähnlichkeiten sind durchaus vorhanden. Da wird stilistisch quer durch die Genreschubladen gefahren, es gibt Country („Do you like country grandpa?“) neben Growlgebrüll („Rage of despair“), vor allem aber viel Gitarre und – <span class="musik-review-bandname">Marek Arnold</span> sei Dank – eine Menge Keyboards. <span class="musik-review-bandname">Dream Theater</span> sind selten fern.</p>
<p>„Elinoire“ ist gemessen daran, dass es als Debütalbum veröffentlicht wurde, nicht nur ein ambitioniertes, sondern auch ein unglaublich vielseitiges Album. Ganz großes Kopfkino.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören</span> kann man zum Beispiel per <a href="http://grooveshark.com/#/album/Elinoire/7209637" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und sollte dies unbedingt auch einmal tun!</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Black-Box-Revelation---My-Perception.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Black-Box-Revelation---My-Perception.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Black Box Revelation – My Perception</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„The wood is where your soul lives“</span> (My Perception)
<p>Ziemlich dreckig und eigentlich gar nicht nach einem belgischen Duo, bestehend aus zwei Herren Anfang 20, klingt „My Perception“, das dritte Album von <span class="musik-review-bandname">Black Box Revelation</span>. Als Produzent konnte man <span class="musik-review-bandname">Alain Johannes</span> gewinnen, der in Stoner-Rock-Kreisen kein Unbekannter ist und auch auf „My Perception“ klanglichen Eindruck hinterlassen hat.</p>
<p>Zu hören ist Gitarren-Indie-Rock, der mit den <span class="musik-review-bandname">Dandy Warhols</span> (und somit auch <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span>) nicht unbedingt die schlechtesten Paten hat. „Madhouse“ eröffnet das Album entsprechend mit Bluesriffs, <span class="musik-review-bandname">Jan Paternoster</span> sprechsingt dazu, stimmlich <span class="musik-review-bandname">Mick Jagger</span> nicht unähnlich, in guter, alter <span class="musik-review-bandname">Lou-Reed</span>-Manier, auch Hintergrundgesang ist dort, wo man ihn erwartet; nur das Schlagzeug schlägt die Brücke in neue Gefilde und bringt <span class="musik-review-bandname">The Strokes</span> und <span class="musik-review-bandname">The White Stripes</span> – insbesondere im Mittelteil von „Madhouse“ sind diese dominant – ins Spiel.</p>
<p>Das bedeutet allerdings beileibe keine Monotonie. „Skin“ etwa ist ein veritables, <em>tanzbares</em> Popstück mit viel Elektronik, „New Sun“ eine Folkballade mit eigenartigem Gitarreneinsatz; und dann eben auch immer wieder der Stoner Rock wie in „2 Young Boys“, das zwar nicht ohne Unterlass vor sich hinscheppert, aber doch das Herz des Verzerrerfreundes zum Hüpfen bringt. (Sieht übrigens merkwürdig aus.)</p>
<p>Tja, was ist das nun? <em>Damals</em> hätte man es wohl Rock’n’Roll genannt; aber <span class="musik-review-bandname">Elvis</span>, der Inbegriff dieses Stils, ist hier fern. <a href="http://www.the-spine.de/musik/black-box-revelation-my-perception" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Anderswo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> vergleicht man <span class="musik-review-bandname">Black Box Revelation</span> mit <span class="musik-review-bandname">Tool</span> und ist wahrscheinlich ziemlich froh darüber, dass es kein Kommentarfeld unter der Rezension gibt, in dem man seinen Unmut hierüber kundtun kann, aber schreibt ansonsten weniger Quatsch:</p>
<blockquote><p>Das ist Rock ohne Keyboards, Oldschool, mit vielen Gitarrenhooklines, schönen verzerrten Parts und melodiösen Soli, die nach alten Verstärkern klingen.</p></blockquote>
<p>So muss Rockmusik sein. Nehmt euch ein Beispiel daran, ihr strunzlangweiligen <span class="musik-review-bandname">Kettcar</span>!</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Anhören</span> und angucken kann man das Ganze beispielsweise, indem man das eigenartige Video zum Titelstück <a href="http://www.dailymotion.com/video/xlv5iu_the-black-box-revelation-my-perception-2011_music" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf Dailymotion.com betrachtet<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Tut dies!</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Baby-Woodrose---Mindblowing-Seeds-And-Disconnected-Flowers.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Baby-Woodrose---Mindblowing-Seeds-And-Disconnected-Flowers.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Baby Woodrose – Mindblowing Seeds And Disconnected Flowers</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Baby Woodrose blows your mind“</span> (Baby Blows)
<p>Und weil so Rockalben ja immer zu kurz sind, schieben wir gleich noch eins hinterher.</p>
<p>„Baby Woodrose“ ist einer der Namen für die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hawaiianische_Holzrose" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Hawaiianische Holzrose<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, deren Bestandteile eine LSD ähnliche Wirkung erzielen. Das ist wahrscheinlich ebensowenig dem Zufall geschuldet wie der Titel des Albums, wobei zumindest bei ersterem Bandkopf und einziges konstantes Mitglied <span class="musik-review-bandname">Lorenzo Woodrose</span> sein (angeblicher) Name gelegen gekommen sein dürfte. Tjaja, den Verstand in die Luft jagen muss man ja nicht mit Sprengstoff.</p>
<p>Bereits das Titelbild des Albums, inspiriert von den Blumenkinderplakaten der späten 60-er Jahre, zeigt: Anhänger von großartigen Gruppen wie <span class="musik-review-bandname">Vibravoid</span> (die allerdings mehr <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span> als <span class="musik-review-bandname">The Who</span> sind) kommen auch hier auf ihre Kosten. Psychedelischer Garagenrock dominiert. Dabei ist die hier zu hörende Musik nicht einmal neu.</p>
<p>Vor 10 Jahren, 2001, erschien nach zwei Jahren Arbeit das Debütalbum „Blows Your Mind“. Den dort zu findenden Stücken ging, wie üblich, ein kreativer Prozess voraus, der zahlreiche Demoversionen hervorbrachte, die nach und nach „geschliffen“ und irgendwann für das Album und den 7″-EP – wieder so etwas, was leider aus der Mode gerät – „Disconnected Flowers“ final aufgenommen und gemischt wurden. Auf „Mindblowing Seeds And Disconnected Flowers“ befinden sich insgesamt 15 Lieder aus dieser Phase in einem frühen Zustand, ähnlich dem <span class="musik-review-bandname">Beatles</span>-Album „Let it be… naked“ ohne allzu viel Nachbearbeitung. Eigentlich ist „Mindblowing Seeds And Disconnected Flowers“ somit eher eine Sammlung von Demoversionen als ein neues Studioalbum, aber tatsächlich erblicken die hier zu findenden Versionen erstmals das Licht der Öffentlichkeit.</p>
<p>Demoversionen sind ja dafür bekannt, noch nicht unter übermäßiger Kantenglättung zu leiden. Was hier zu hören ist, hat Biss. Dass die einzige enthaltene Coverversion „City of People“ von der US-amerikanischen Garage-Punk-Band <span class="musik-review-bandname">The Illusions</span> und aus dem Jahr 1966 stammt, ist ein Beleg dafür, wo <span class="musik-review-bandname">Lorenzo Woodrose</span> seine musikalischen Wurzeln ausmacht.</p>
<p>Dass die fünfzehn Lieder – großteils als „Explicit Lyrics“, <em>explizite Lyrik</em> also, beinhaltend gekennzeichnet – natürlich auch nur eine begrenzte Gesamtlaufzeit haben und daher nie länger, meist kürzer als ungefähr dreieinhalb Minuten sind, fällt kaum ins Gewicht, damals, in den 60-ern, waren Singles ja selten länger, und wer mit der damaligen Musik nicht viel anfangen kann, der kann <span class="musik-review-bandname">Baby Woodrose</span> auch unter „muss ich nicht hören“ ablegen.</p>
<p>Sicherlich ist dieses Album auch sonst kein „muss ich hören“, wenn man die Entwicklung von <span class="musik-review-bandname">Baby Woodrose</span> von Anfang an verfolgt hat. Wer das verpasst hat, dem bietet Bad Afro Records hier nochmals die Gelegenheit, ihre Musik kennen und schätzen zu lernen. Ein Angebot, das man nicht ausschlagen sollte.</p>
<p>Wildes Kopfschütteln und <span class="musik-review-hoerproben">Reinhören</span> sei auf <a href="http://www.amazon.de/Mindblowing-Seeds-Disconnected-Baby-Woodrose/dp/B004UPLP7I/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gewährt.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/thisquietarmy---Vessels.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---thisquietarmy---Vessels.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">thisquietarmy – Vessels</span>
<p>Im Mai dieses Jahres erschien als Vorläufer des im November erschienenen Albums „Resurgence“ der/die/das EP „Vessels“ von <span class="musik-review-bandname">thisquietarmy</span>, dem Soloprojekt von <span class="musik-review-bandname">Eric Quach</span>, Gitarrist der Instrumentalrocker <span class="musik-review-bandname">destroyalldreamers</span>. (Erkennt ihr das Muster?)</p>
<p>Anders als die Musik letzterer Protagonisten ist das Album von <span class="musik-review-bandname">thisquietarmy</span> genau das: Still. Es wird beherrscht von Seefahrts-/Unterwassergeräuschen, mal pfeifen die Kessel, mal tropft es. <span class="musik-review-bandname">Eric Quach</span> vermischt hier ambiente Klangflächen mit <em>drones</em>, also Bordunklängen, zu einer brodelnden Masse.</p>
<p>Das sechste und letzte (Bonus-)Stück „New Dawn Fades“, von Gesang und aufdringlichem Schlagzeug begleitet, fällt hier beinahe aus dem Rahmen, es gibt dem Dargebotenen abschließend einen Dark-Wave-Anstrich, der <span class="musik-review-bandname">Sisters of Mercy</span> und ähnliche Musikgruppen zitiert. Das erstaunt nur wenig, handelt es sich doch um eine Coverversion des gleichnamigen Stückes von <span class="musik-review-bandname">Joy Division</span>.</p>
<p>Frei übersetzt und etwas technischer formuliert <a href="http://post-engineering.blogspot.com/2011/05/album-thisquietarmy-vessels.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">klingt das so:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Indem er seine Gitarre als einen Klangfarbenerzeuger erforscht, erweitert er die Grenzen seines Instruments durch die Benutzung mehrerer Effektverarbeiter und Echtzeit-Loopsampler, die Form und Klang des Gitarrensignals ändern, Texturen über Texturen blenden, eine umfangreiche Kombination aus Klngen zusammenfügen und die Melodien entwickeln, die in diesen Klangkaskaden verborgen sind. Bestimmte musikalische Ideen werden oft mittels Neuinterpretation, De- und Rekonstruktion seiner eigenen Improvisationen entwickelt.</p></blockquote>
<p>Das klingt spannend und ist enorm. Musik für Kopf-Hörer und lange Nächte.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> „The Pacific Theater“ und „The Black Sea“ können geneigte Musikfreunde auf <a href="http://thisquietarmy.bandcamp.com/album/vessels-cd" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> in voller Länge hören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/The-Canyon-Observer---Chapter-1---The-Current-of-Her-Ocean-Brings-Me-To-My-Knees.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---The-Canyon-Observer---Chapter-1---The-Current-of-Her-Ocean-Brings-Me-To-My-Knees.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Canyon Observer – Chapter 1 – The Current of Her Ocean Brings Me To My Knees</span>
<p>Noch ein EP, diesmal aus Slowenien, bereichert dank <a href="http://www.schallgrenzen.de/the-canyon-observer-the-current-of-her-ocean-brings-me-to-my-knees/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Peters Fürsprache<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> diese Liste: „The Current of Her Ocean Brings Me To My Knees“ ist der Erstling von <span class="musik-review-bandname">The Canyon Observer</span>, mit einer ungefähren halben Stunde Laufzeit aber schon nicht übel befüllt.</p>
<p>Was gibt es auf die Ohren?</p>
<blockquote><p>(…) eine nicht uninteressante Mischung aus Sludge, Hardcore, Post-Rock und noisigen <em>(sic!)</em> Ambient (…)</p></blockquote>
<p>Nun, die Band selbst sortiert sich unter anderem in „ska“, „sludge“ und „punk rock“ ein. Nimm dies, genregeile Musikpresse. „Sludge“ passt noch am ehesten, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Sludge_%28Musik%29" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">laut Wikipedia gehört dies dazu:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Insgesamt ist die Musik eher schleppend und zäh, mit besonderer Hervorhebung der Gitarrenriffs. Der Gesang besteht vornehmlich aus hardcoreartigem Geschrei und Gekeife, aber auch Death-Metal-typische Growls können vorkommen.</p></blockquote>
<p>So ist das. Ska? Fehlanzeige. Das ist gut, ich mag keinen Ska.</p>
<p>Dass „The Current of Her Ocean Brings Me To My Knees“ <a href="http://borderlinefuckup.wordpress.com/2011/11/15/ep-vierer-the-canyon-observer-sail-on-sail-on-sneinton-zona-mexicana/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">irgendwie <em>beliebig</em> klingt,<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> mag sein. Wenn man viel Zeit mit einer einzigen Musikausrichtung verbringt, wird man irgendwann das Gefühl haben, das alles schon mal irgendwo gehört zu haben. Mir als Freund schrägen Lärms ist derlei jedoch noch ziemlich unbekannt, und mich erfreut die Kombination aus Behäbigkeit und Aggression. Auf die folgenden Kapitel („Chapter“) bin ich gespannt.</p>
<p>Wer Besagtes ebenfalls schätzt, dem rate ich, mal <span class="musik-review-hoerproben">reinzuhören:</span><br>
Auf <a href="http://kaparecords.bandcamp.com/album/the-current-of-her-ocean-brings-me-to-my-knees" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist das gesamte Werk hör- und kaufbar.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Lou-Reed-Metallica---Lulu.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Lou-Reed-Metallica---Lulu.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Lou Reed &amp; Metallica – Lulu</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I want to see your suicide, I want to see you give it up, give it up, your life of reason.“</span> (The View)
<p>Ach, was haben die Herren da nur losgetreten? <span class="musik-review-bandname">Cheer-Accident</span> hatte ich oben als kontrovers beschrieben, gegen „Lulu“ aber verblasst jede Kontroverse. Auf <a href="http://www.amazon.de/review/R10TT64NV2XVGM?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sind heiße Diskussionen entbrannt, ob <span class="musik-review-bandname">Lou Reed</span> oder seine Begleitband <span class="musik-review-bandname">Metallica</span> die störenden Elemente auf dem Album sind. Natürlich sind die Anhänger letzterer Combo anderen Gesang gewohnt:</p>
<blockquote><p>Man sollte mal untersuchen, ob Leute, die gerne <span class="musik-review-bandname">Lou Reed</span> hören, sich auch gerne auspeitschen lassen, oder ob Leute, die sich auspeitschen lassen, dabei gerne <span class="musik-review-bandname">Lou Reed</span> hören, quasi um den Effekt zu verstärken :o)<br>
Aber das nur am Rande …</p></blockquote>
<p>Nicht, dass <span class="musik-review-bandname">Lou Reed</span> so etwas nicht gewohnt wäre: Als er mit <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span> unter <span class="musik-review-bandname">Andy Warhol</span>s schützender Hand die New Yorker Kunstszene provozierte, wurde seine kreative Ader von der Presse nicht gewürdigt. Jahrzehnte später weiß man, dass das damals eine Weg weisende Stilrichtung war, die man erst viel zu spät als eine solche erkannte. Ob es mit „Lulu“ auch so sein wird?</p>
<p>Für einige – wenige – <em>fans</em> von <span class="musik-review-bandname">Metallica</span> ist „Lulu“ der <a href="http://www.amazon.de/review/R3K0M3HFNG4TUC?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">längst überfällige Befreiungsschlag<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, aber die meisten haben offenbar nicht verstanden, dass es eben kein <span class="musik-review-bandname">Metallica</span>-Album ist. Merke: Wo nicht nur <span class="musik-review-bandname">Metallica</span> draufsteht, ist nicht nur <span class="musik-review-bandname">Metallica</span> drin.</p>
<p>Wahrscheinlich ist „Lulu“ aber das Anspruchsvollste, woran sich <span class="musik-review-bandname">Metallica</span> je beteiligt haben. Text und Musik stammen von <span class="musik-review-bandname">Lou Reed</span> auf Basis des Theaterstücks „Lulu“, geschrieben von ihm und <span class="musik-review-bandname">Robert Wilson</span> auf Basis des gleichnamigen Stückes von <span class="musik-review-bandname">Frank Wedekind</span>, eine Theateradaption seiner Dramen „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“. Letzten Endes große deutsche Kunst also.</p>
<p>Dass man sich mit „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“ beschäftigen sollte, um dieses Album in seiner Gänze zu begreifen, ist wahr. Es geht aber auch ohne, die Texte lassen <a href="http://www.laut.de/Lou-Reed-Metallica/Lulu-%28Album%29" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">kaum Missverständnisse offen:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p>Ein leider echter Spiegel zur Seele der Menschheit, kein Disney-Zerrspiegel. <span class="musik-review-bandname">Reed</span> interpretiert <span class="musik-review-bandname">Wedekind</span> wenig überraschend, dafür mit der inhaltlichen Treffsicherheit des alten Fuchses. Berlin wird amerikanisiert und in den grimmen Händen <span class="musik-review-bandname">Lou</span>s zum psychoanalytisch fein austarierten Bastard aus <span class="musik-review-bandname">Hubert Selby</span>, <span class="musik-review-bandname">Burroughs</span> und der dentalbohrenden Präzision eines <span class="musik-review-bandname">Hemingway</span>. Sadomasochismus, Egoismus, Vergewaltigung, Kälte, Verführung, Sinnlichkeit, Tod, Ekel und ein kleines Tröpfchen Liebe. Der Mensch als Abschaum der Schöpfung. Schön klingt das in der Tat zu Anfang nicht.</p></blockquote>
<p>Klassisches <span class="musik-review-bandname">Lou-Reed</span>-Material eben, zuletzt so umfangreich aufgearbeitet auf seinem Album „Berlin“, das Tristesse, Depression und Apathie als Grundlagen menschlicher Handlungen kolportierte. Quasi als Gegensatz zu dem melancholisch ruhigen „Berlin“ fungiert also das aggressiv polternde „Lulu“, ein einst geschmähtes, existenzialistisches Werk in einer gleichfalls geschmähten Vertonung. Dieser Gegensatz ist aber nur musikalischer Natur, so heißt es etwa in „Cheat On Me“:</p>
<blockquote><p>I have no real feelings in my soul<br>
Where most have passion I got a hole<br>
I really got nobody else</p></blockquote>
<p>Apathie muss nicht still sein.</p>
<p>Trotz all dieser <span class="musik-review-bandname">Metallica</span>-untypischen Elemente sollte man nicht übersehen, dass durchaus Metal gespielt wird. „Pumping Blood“ lädt in seiner rhythmischen Schlichtheit zum kräftigen Kopfnicken ein, das großartige „Dragon“ steuert gar auf einen musikalischen und (textlich) sexuellen Höhepunkt zu. „Oh, oh, you’re so special“. Wie oft sonst sieht man <span class="musik-review-bandname">Lou Reed</span> beim Musizieren lächeln?</p>
<p>Natürlich ist „Lulu“ anstrengend. Natürlich wird kein Lied aus dem Album es in irgendwelche Klingeltonhitparaden schaffen. Na und?<br>
Das, werte Herrschaften, ist Kunst. Es muss nicht jedem gefallen – mir jedenfalls gefällt es.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören:</span> Das gesamte Album nebst Textbeilage ist derzeit auf <a href="http://loureedmetallica.com/lulu.php" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">loureedmetallica.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> einzusehen und einzuhören. Empfohlen wird das vor allem denen, die <span class="musik-review-bandname">Metallica</span> schätzen – für sie ist „Lulu“ besonders harte Kost.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/The-Voids-Last-Stand---Rakash.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---The-Voids-Last-Stand---Rakash.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Void’s Last Stand – Rakash</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„… but a dream that lives forever is never born“</span> (Glass Cabinet)
<p>Dass ich <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/12/musik-122009-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">vor zwei Jahren</a> das Debütalbum der deutschen Formation <span class="musik-review-bandname">The Void’s Last Stand</span> rezensierte, verschaffte mir offenbar ausreichend Reputation, denn gerade noch rechtzeitig für diese Liste fand ich nunmehr ihren Zweitling, „Rakash“, im Briefkasten. Das finde ich gut.</p>
<p>Zunächst einmal zu den Äußerlichkeiten: Die Zeiten schwer zu entziffernder Superengschrift ist vorüber, jeder beigelegte Text, selbst das Liedtextheftchen, ist ohne große Schwierigkeiten zu lesen. Auch sonst ist von dem, nun, eigenwilligen und viel kritisierten <em>artwork</em> des Debüts nicht viel übrig geblieben. Das Titelbild erinnert mich an <span class="musik-review-bandname">…And You Will Know Us by the Trail of Dead</span> oder die neueren Alben von <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>, die allerdings weniger quietschbunt daher kommen. <span class="musik-review-bandname">Helmut Wenske</span>, so erfährt man anhand der Beschriftung des Tonträgerummantelungsdingens, hat hier <a href="http://wenske-hyde.com/WH.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">in seinem typischen Stil<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ein wenig Kreativität ausgeübt. Sehr geehrte Musiker jedwelcher musikalischen Ausrichtung: Würden weniger von euch darauf erpicht sein, ihre Fressen auf ihre CDs zu drucken, und mehr von euch auf derartige Gemäldekunst zurückgreifen, so wäre es für eure Vermarktungsabteilungen ein Leichtes, mehr Geld mit Postern, Vinylplatten und ähnlichen Reproduktionen zu verdienen. Macht das doch mal.</p>
<p>Aber eigentlich geht es hier ja um die Musik. Und was höre ich da? Nun, es wirkt geordneter, weniger verwirrend als das Debüt. Los geht es mit „Mother Sun and the other Son (Part III)“, sozusagen der Fortsetzung von „Mother Sun and the other Son (Part I)“. (Ob es jemals einen Teil 2 gab, weiß wohl nur die Band allein.) Dieses ist auch das einzige Stück, auf dem die Legende von Elagabal nochmals erwähnt wird. Dem Personenkult bleibt man aber treu: In „Cut Open Feet“ etwa wird der Tänzer <span class="musik-review-bandname">Vaslav Nijinsky</span>, in „Glass Cabinet“ <span class="musik-review-bandname">He-Man</span> besungen.</p>
<p>Von „Mother Sun …“ abgesehen geht es musikalisch <a href="http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=12082" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">beinahe gemäßigt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu:</p>
<blockquote><p>(…) eigentlich sind das alles nicht übermäßig fordernde Retro-Rock-Stücke, (…).</p></blockquote>
<p>Je nachdem, wo man seine Maßstäbe ansetzt, würde ich sagen, diese Kritik trifft nicht den Kern. <span class="musik-review-bandname">Jonas Wingens</span> klingt immer noch, als hätte er zum Frühstück die <span class="musik-review-bandname">Can</span>-Diskografie (mit <span class="musik-review-bandname">Malcolm Mooney</span> <b>und</b> <span class="musik-review-bandname">Damo Suzuki</span>) verspeist, die <span class="musik-review-bandname">zappa</span>esquen Stil- und Rhythmuswechsel sind immer noch da, aber es klingt weniger nach „wir spielen jetzt mal, was wir gerade im Kopf haben, und nehmen das auf“.</p>
<p>Etwas ungewöhnlich ist auch das Ende: Stück Nummer 7 ist ein gesprochenes Gedicht, eine „Ode an <span class="musik-review-bandname">Antoine Marie Joseph Artaud</span>“, einen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Antonin_Artaud" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">bekannten französischen Schauspieler<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> mit reichlich seltsamem Tod:</p>
<blockquote><p>Am 4. März 1948 wurde er in sitzender Haltung im Bett mit einem Schuh in der Hand tot aufgefunden.</p></blockquote>
<p>Das Gedicht trägt passenderweise den Untertitel „Poesy in Asylum“.</p>
<p>So haben beide Alben ihren Reiz: Das Debüt spricht Freunde improvisierten Durcheinanders an, der Zweitling erfreut das Herz von <span class="musik-review-bandname">Can</span>-Jüngern. Ich als jemand, der beide Welten bereist, kann keinen Qualitätsverlust feststellen. Das irre Element, dessen bin ich mir sicher, wird diese Band jedenfalls so schnell nicht verlieren.</p>
<p>„Rakash“ ist großartig. Keine Widerrede geduldet.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Man schaue einmal bei <a href="http://grooveshark.com/#/album/Rakash/7371258" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Grooveshark<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hinein.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Das-Niveau---Volle-Album.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Das-Niveau---Volle-Album.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Das Niveau – Volle Album</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Wir bringen euch Niveau, wo nie Niveau war…“</span> (Niwowoniniwowa)
<p>Auf <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/07/son-festival-informationsarme-ruckschau-auf-eine-nicht-naher-benannte-veranstaltung/" data-wpel-link="internal"><em>so Veranstaltungen</em></a> lernt man ja immer mal <em>so Musiker</em> kennen und schätzen. Zum Abschluss beinahe versöhnlich klingt das „Volle Album“ von <span class="musik-review-bandname">Das Niveau</span>, nach dem „Losen Album“ deren Zweitling und nicht sehr niveauvoll.</p>
<blockquote><p>Ja, es ist so weit, die Stunde hat geschlagen,<br>
Das Niveau darf endlich wieder „ficken“ sagen!<br>
Ficken, Ficken!, was für ein schönes Wort,<br>
alles zwischen Liebemachen und Leistungssport …</p></blockquote>
<p>Was gibt es zu hören? Nun, vorrangig Liedermacher- beziehungsweise, ihrer Selbsteinordnung zufolge, Bardenduette, in denen es sich vor allem darum dreht, dass die beiden Protagonisten dicke <em>cojones</em> haben, Frauen toll finden und gern stinkreich wären. Im Gegensatz zu den Hip-Hop-Querflöten hierzulande versuchen sie aber gar nicht, das wie Ernst klingen zu lassen.</p>
<p>Mit „Am nächsten Galgen“ ist auch, wie schon „Der letzte Stern“ auf dem Debütalbum, das <em>traditionelle</em> Zeigefingerstück dabei:</p>
<blockquote><p>Wenn Menschen lieber kniend leb’n<br>
anstatt stehend im Kampf niederzugeh’n,<br>
keiner die Freiheit kennt,<br>
jeder Sklaverei sein Schicksal nennt -</p>
<p>dann nimm deine Rüstung und geh, (wdh.)<br>
sonst will ich dich am nächsten Galgen seh’n.</p></blockquote>
<p>Es muss ja nicht immer nur um’s Pimpern gehen. Für große Literatur reicht’s nicht, aber darum geht es auch gar nicht.</p>
<p>Man sieht zwei Musiker, die sichtlich Spaß daran haben, ihre Rolle als Blödelbarden voll auszufüllen, und es nebenbei schaffen, auch so etwas wie eine ernste <em>message</em> rüberzubringen, Alter. Ich werde oft dafür gescholten, dass meine präferierten Klangkünstler zu anspruchsvoll für den gelegentlichen Genuss sind. Wie wäre es mal damit?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span> Eine akzeptable Konzertaufnahme von „Niwowoniniwowa“ gibt es zum Beispiel auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=7l5-Lsh7xrU" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu sehen, wo ich zwecks Genusses einiger anderer Lieder auch einen Blick in das <a href="http://www.youtube.com/user/SoerenVogelsang" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Profil eines der Mitglieder<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> empfehle.</p></li>
</ol>
<p>Nachdem ihr also nun euer gesamtes restliches Weihnachtsgeld für so viel tolle Musik ausgegeben habt, ist es vielleicht angemessen, darauf hinzuweisen, dass es 2011 auch noch mehr Musik gab, die es frei herunterzuladen gilt. Ich nenne sie …</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Freibier.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/The-Echelon-Effect---Seasons-2-4.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---The-Echelon-Effect---Seasons-2-4.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/The-Echelon-Effect---Seasons-3-4.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---The-Echelon-Effect---Seasons-3-4.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Echelon Effect – Seasons (pt.2 &amp; 3)</span>
<p>Seit Sommer war <span class="musik-review-bandname">David Walters</span>, die treibende Kraft hinter <span class="musik-review-bandname">The Echelon Effect</span>, nicht untätig und setzte seine „Seasons“-Reihe fort. Das Jahr hat vier Jahreszeiten, gegenwärtig (23. Dezember 2011) sind allerdings erst Teil 2 und 3 erschienen. Ein wenig Eile wäre angebracht.</p>
<p>Musikalisch hat sich nicht viel geändert: Ruhiger, melancholischer, instrumentaler Ambient-Postrock plätschert leise aus den Lautsprechern. Wie das klingt? Nach Erwachen nach einem langen, entspannenden Schlaf, nach feierlichem Tanz, nach Krokussen. Selbst im Sommer. Wenn das Schlagzeug sich regt, trifft man auch schon mal auf <em>walls of sound</em>, aber nie aggressiv, stets verhalten und entspannend.</p>
<p>Dass es alle drei Teile vor dem Herunterladen auf der Projektwebseite zum <a href="http://www.theecheloneffect.com/music/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">kompletten <em>streaming</em><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt, erspart mir übrigens eine Menge Geschwätz: Hört’s euch einfach selbst an.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Runterholen</span> könnt ihr euch den Spaß gleichfalls auf besagter Seite, auf <a href="http://theecheloneffect.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und per <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2312" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Toehider---Children-Of-The-Sun.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Toehider---Children-Of-The-Sun.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Toehider – Children of the Sun</span>
<p><span class="musik-review-bandname">Mike Mills</span> aus Australien ist musikalisch recht rege, wie es scheint. Mit seiner Band <span class="musik-review-bandname">Toehider</span> (deren Debütalbum albernerweise „To Hide Her“ heißt) hat er zwischen April 2009 und Mai 2010 insgesamt 13 EPs aufgenommen, die 2011 als „The First Six“, „The Last Six“ und eben „Children of the Sun“ erschienen.</p>
<p>Warum „Children of the Sun“ gesondert veröffentlicht wurde, hat rechtliche Gründe: Seine musikalischen Grundlagen waren vor allem Themen aus allerlei Zeichentrickserien aus den 1980-er Jahren, deren Rechteinhaber mit dem Verkauf derivativer Werke nicht immer einverstanden waren, so dass „Children of the Sun“ kostenlos per Internet verteilt werden <em>muss</em>. Das ist ja auch keine Schande. Die Titel heißen zum Beispiel „M.A.S.K.“ und „Death of <span class="musik-review-bandname">Optimus Prime</span>“. Wer erkennt’s?</p>
<p>Die musikalische Umsetzung ist, wie ich finde, hervorragend gelungen: Keyboards, Retro-Prog, Neoprog, aber auch schlichter, wenngleich extrovertierter Pop/Rock mit hohem Spaßfaktor bestimmen das Geschehen.</p>
<p>Als multimedialer Künstler hat <span class="musik-review-bandname">Mike Mills</span> auch einen <a href="http://www.youtube.com/user/12eps12months" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube-Kanal<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> eingerichtet, auf dem unter anderem auch einige Videos zu „Children of the Sun“ zu finden sind, etwa ein Musikvideo zu <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lHC8OduKSK8" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Mysterious Cities of Gold“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, aus dessen Text auch die Zeile „Children of the Sun“ stammt. Auch hier ist natürlich das Anhören vorm tatsächlichen Herunterladen möglich: Alle Stücke werden zurzeit auf der <a href="http://toehider.com/12in12/ep/children-of-the-sun" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Toehider-Website gestreamt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Runterholen</span> geht ebendort sowie <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2353" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">per eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Guilty-Ghosts---Veils.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---Guilty-Ghosts---Veils.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Guilty Ghosts – Veils</span>
<p>Weniger spaßig agiert <span class="musik-review-bandname">Tristan O’Donnell</span>, der sich <span class="musik-review-bandname">Guilty Ghosts</span> nennt (ein einziger Geist würde vielleicht nicht genügen). Nach eigener Aussage hat er das Album in den eigenen vier Wänden aufgenommen. Stört nicht.</p>
<p>In seiner <a href="http://guiltyghosts.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Selbstbeschreibung<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hat er selbst unbescheiden behauptet:</p>
<blockquote><p>Seine Lieder passen ideal zu regnerischen Tagen, ewig andauernden Abenden und melancholischen Momenten der Einsamkeit.</p></blockquote>
<p>Ich weiß nicht, ob ich mir solche Momente nun herbeiwünschen sollte, um das zu verifizieren. Zu hören <a href="http://www.schallgrenzen.de/guilty-ghosts-musik-fur-nebeltage-und-melancholische-momente/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">gibt es jedenfalls<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> …</p>
<blockquote><p>Drone-Gitarren, Breakbeats und Tape-Loops. Ambient, Drone und Electronica. Unbestimmt und diffus. Gitarrenmusik. Elektronische Musik. Gesang.</p></blockquote>
<p>Schön, ja.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Runterzuholen</span> ist’s für einen beliebig wählbaren Preis <a href="http://guiltyghosts.bandcamp.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (Reinhören inklusive) und per <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2356" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/The-Beauty-of-Drowning---The-Beauty-of-Drowning.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/12/Vorschau---The-Beauty-of-Drowning---The-Beauty-of-Drowning.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Beauty Of Drowning – The Beauty Of Drowning</span>
<p>2011 ist das Jahr des Ertrinkens, scheint mir. Tsunamis und sonstige Naturkatastrophen ertränken haufenweise Menschen, <span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span> nennt sein neues Album „Grace for drowning“, ein deutsches Trio nennt sich gar <span class="musik-review-bandname">The Beauty Of Drowning</span> und sein erstes Album auch nicht anders.</p>
<p>Musik? Psychedelic Rock. Post-Rock. Metal. Viel Atmosphäre.<br>
Vergleiche? <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span>. <span class="musik-review-bandname">Oceansize</span>. <span class="musik-review-bandname">Dear John Letter</span>.<br>
Noch Fragen?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Runterholen</span> und reinhören kann man auf <a href="http://dedicatedrecords.bandcamp.com/album/the-beauty-of-drowning" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Aber nicht, dass ihr mir hier ertrinkt.</p></li>
</ol>
<p>Und weil nicht alles Gold ist, was glänzt und sich dreht, und weil die <em>Not leidende Musikindustrie</em> für Scheiße anscheinend immer noch zu viel Geld hat, wurde in den Medien auch im weiteren Verlauf des Jahres so manches als total prima hochstilisiert, was sich letztlich als ziemlicher Murks herausstellte:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">3.</span> <span class="musik-review-header-text">Klangbrei, rund mit Loch drin.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-bandname">Boris – Heavy Rocks</span><br>
Klingt in Einzelteilen gut, aber zusammengeklebt eher mau.</li>
<li><span class="musik-review-bandname">Arctic Monkeys – Suck it and see</span><br>
Ich saugte es und sah, dass es nicht gut war.</li>
<li><span class="musik-review-bandname">dEUS – Keep you close</span><br>
Ich halte mich lieber fern.</li>
<li><span class="musik-review-bandname">Frequency Drift – Ghosts…</span><br>
Wenn die Ambientpassagen nicht so einschläfernd wären, wäre dieses Album eigentlich richtig klasse. Davon merkt man im Schlaf nur nichts.</li>
<li><span class="musik-review-bandname">Nihiling – Egophagus</span><br>
Aus der einst überdurchschnittlichen Postrock-Truppe wurden Screamos; der nächste logische Schritt ist dann 80s-Pop, richtig? Schade.</li>
<li><span class="musik-review-bandname">Ske – 1000 Autunni</span><br>
Belangloses Geklimper.</li>
</ul>
<p>Und bevor ich euch, die ihr es bis hierhin geschafft habt, zu eurer Ausdauer und eurem Musikgeschmack (denn sonst hättet ihr längst aufgehört zu lesen) beglückwünsche, mache ich noch einen Abstecher in die Musikgeschichte und schaue, wie üblich, zurück, was sich in den letzten vierzig Jahren so getan hat.</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">4.</span> <span class="musik-review-header-text">Es war einmal …</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 40 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Can – Tago Mago</span>
<p>Mich beschleicht allmählich der Eindruck, 1971 ist ein Jahr, in dem so etwas wie schlechte Musik schlicht nicht existierte. So veröffentlichte etwa die noch junge Gruppe <span class="musik-review-bandname">Yes</span> mit „The Yes Album“ – nicht mit dem Debütalbum „Yes“ zu verwechseln – in diesem Jahr ein wegweisendes Werk, auf dem mit „Starship Trooper“ bereits einer ihrer großen Symphonic-Prog-<em>hits</em> vertreten ist. Die deutsche Jazzrockformation <span class="musik-review-bandname">Alcatraz</span> machte mit dem von <span class="musik-review-bandname">Soft Machine</span> und <span class="musik-review-bandname">Colosseum</span> beeinflussten Debütalbum „Vampire State Building“ von sich reden, zur gleichen Zeit tummelten sich <span class="musik-review-bandname">The Masters Apprentices</span>, hervorgegangen aus <span class="musik-review-bandname">The Mustangs</span>, mit „Choice Cuts“ und der Top-15-Single „Because I Love You“ im psychedelischen Hardrock und Gitarrenpop. Etwas ganz anderes machten die Kölner von <span class="musik-review-bandname">Can</span>, ihr (regulärer) Zweitling „Tago Mago“ nämlich ist <em>das</em> Krautrock-Album geworden. Neuzugang <span class="musik-review-bandname">Damo Suzuki</span> am Mikrofon drückte den avantgardischen Klangexperimenten seine eigene, unverwechselbare Note auf. „Halleluhwah“ ist eine 18 Minuten und 32 Sekunden lange Geräuschorgie. Monotoner Rhythmus. Seltsames Flirren. Wie (?) im Drogenrausch schreit der Frontmann eigenartige Sätze ins Leere. „Lalalalalalalalalala, let him up“. Verstehe. „Aumgn“, etwa eine Minute kürzer? Auch nicht besser. „Bring Me Coffee or Tea“ ist da beinahe versöhnlich, könnte ein Überbleibsel aus <span class="musik-review-bandname">Beatles</span>-Drogenzeiten sein. Wobei: Dieser eigenartige, hypnotische Rhythmus, der alles zusammenzufügen scheint? Dieser verstörende Gesang? Nein, doch keine <span class="musik-review-bandname">Beatles</span>; bis heute jedoch eins der wichtigsten Alben deutscher Musikgeschichte. Einmal hören und verstehen.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 35 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Ethos – Ardour</span>
<p>Bereits 1976 hatte die Musikwelt andere Prioritäten: <span class="musik-review-bandname">Schicke Führs Fröhling</span> veröffentlichten mit „Symphonic Pictures“ ihr Debütalbum, das heute als Meisterwerk des instrumentalen Jazzrocks gefeiert wird, unterdessen legten <span class="musik-review-bandname">Ethos</span> mit „Ardour“, gleichfalls ihr Debütalbum, einen der Grundsteine für Bands wie <span class="musik-review-bandname">The Tangent</span>, die trotz aller Referenzen mehr nach <span class="musik-review-bandname">Ethos</span> als nach <span class="musik-review-bandname">Yes</span> klingen. Mit <span class="musik-review-bandname">Yes</span>, <span class="musik-review-bandname">Weather Report</span> und <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> teilte man sich unter anderem Festivals, <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> waren auch einer der großen Vorbilder: Gitarrist <span class="musik-review-bandname">Will Sharpe</span> gab 1999 zu Protokoll, man habe verzweifelt versucht, die amerikanische Antwort auf <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> zu sein, jedoch wollte Amerika diese Antwort nicht hören. Entmutigt löste man sich nach dem Folgealbum „Open Up“ (1977) auf. Was bleibt, sind fünfzigtausend verkaufte Einheiten des Debüts und, rechnet man die Resteverwertung „Relics“ von 2000 mit, drei Alben mit packend progressiver, symphonischer Rockmusik. Schade, dass es so endete.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 30 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">John Cale – Honi Soit</span>
<p>Nach drei Jahren Pause kehrten 1981 <span class="musik-review-bandname">Amon Düül II</span> mit dem akzeptablen, aber nur noch selten an „Phallus-Dei“-Zeiten anknüpfende „Vortex“ wieder auf die Bildfläche zurück. Ebenfalls ins Seichte verabschiedeten sich <span class="musik-review-bandname">Genesis</span> mit dem letzten meinerseits noch vertretbaren, erstaunlich experimentellen Album „Abacab“ (was danach kam, war fast ausnahmslos belangloser Radiomüll) und <span class="musik-review-bandname">Grobschnitt</span>, deren „Illegal“ den Anfang vom Ende markierte. An deutschsprachigen Popgruppen mangelte es in den Folgejahren bekanntlich nicht. Woran es aber sehr wohl mangelte, war gute Musik mit Anspruch. Tja, die 80-er Jahre. Zum Glück meldete sich <span class="musik-review-bandname">John Cale</span>, Waliser Avantgarde-Pionier und überwiegend für seine Beiträge für <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span> bekannt, wieder zu Wort: „Honi Soit“ ist ein hervorragendes Artpop-Album, das den Werken von <span class="musik-review-bandname">Peter Hammill</span> um nichts nachsteht. Pop („Dead or Alive“), Uptempo-Rock („Fighter Pilot“ mit den <span class="musik-review-bandname">Bomberettes</span> – amüsanter Einfall – als Hintergrundchor, „Russian Roulette“), merkwürdig schräge Melancholie („The Streets of Laredo“); all dies verfeinert von des Herrn <span class="musik-review-bandname">Cale</span> einmaligem, weichem Gesang. Habe ich gerade „merkwürdig“ geschrieben? Das Titelstück übertrifft das noch: Viola und Gitarre liefern sich ein kurzes Duell, unversehens verstummen beide, und eine Trompete bläst den Marsch. Dazu gibt’s <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tex-Mex" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Tex-Mex<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>-Musik und einen Hintergrundchor, der wiederholt „Honi soit qui mal y pense“ („Ein Schuft, wer Böses dabei denkt“) singt. Diesen Teppich beschreitet <span class="musik-review-bandname">John Cale</span> bedächtig mit französischsprachigem Gesang, unterstützt gelegentlich aber auch den Chor. Zum Ohrwurm eignet sich dieses Stück vortrefflich, und wieder frage ich mich, warum <span class="musik-review-bandname">John Cale</span>s Plattenfirma anscheinend so wenig Geld in gelegentliche Radiovorführungen investiert. So muss der geneigte Musikfreund eben rein zufällig auf dieses großartige Stück Musik stoßen. Mancher Zufall führt zu überraschenden Entdeckungen.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 20 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Nirvana – Nevermind</span>
<p>Ein erneuter Zeitsprung in das Jahr 1991: Die Postrock-Urgesteine <span class="musik-review-bandname">Talk Talk</span> veröffentlichten mit „Laughing Stock“ leider ihr letztes, jedoch hervorragendes Album. Ganz und gar nicht hervorragend war das, was die beiden zerstrittenen <span class="musik-review-bandname">Yes</span>-Lager (<span class="musik-review-bandname">Yes</span> und <span class="musik-review-bandname">Anderson, Bruford, Wakeman &amp; Howe</span>) 1991 auf den Markt warfen: Man vereinte sich – mehr formell als ideell – wieder zu einer einzigen Band, die aus insgesamt acht Mitgliedern bestand und in dieser Formation auf Tour ging. Dass die Plattenfirma dafür einiges an Geld bekommen haben dürfte und – formell – wieder <span class="musik-review-bandname">Yes</span> drin war, wo <span class="musik-review-bandname">Yes</span> draufstand, kann den Ärger hinter den Kulissen nicht ungeschehen machen: Mehrere beteiligte Musiker sind auf dem Album kaum zu hören, im Studio wurden ihre Beiträge so lange nachgespielt, bis alle an der Produktion Beteiligten leidlich zufrieden waren. Aber der Progressive Rock interessierte die junge Generation bereits nur noch wenig, mit <span class="musik-review-bandname">Nirvana</span> hatte sie ihre neuen Idole. „Nevermind“, „das, wo <em>Smells Like Teen Spirit</em> drauf ist“, war erst deren zweites Album, ist jedoch bis heute ihr bekanntestes und erfolgreichstes, Werbung sei Dank. Dabei war dieser radiofreundlich glattpolierte <em>sound</em> nie im Sinne <span class="musik-review-bandname">Kurt Cobain</span>s, das letzte Album „In Utero“ (1993) ist insofern eher als <em>echtes</em> <span class="musik-review-bandname">Nirvana</span>-Album anzusehen. „Nevermind“ hätte es nie geben sollen; eventuell hätte <span class="musik-review-bandname">Kurt Cobain</span> dann die Nase von dem Musikgeschäft nicht so gestrichen voll gehabt und könnte noch leben. Es ist noch heute ein schrecklich überbewertetes Album; aber es enthält doch die wesentlichen Bestandteile von <span class="musik-review-bandname">Nirvana</span>s Musik. Klar ist, dass es eins der Alben ist, die man mal gehört haben sollte. Und dann gibt es eigentlich nur zwei valide Reaktionen: Must-have – oder: Nevermind. (Nebenbei bemerkt: Wortwitze, die nur auf Englisch funktionieren, machen mir keinen Spaß.) Für mich gilt: Gut, dass es später „In Utero“ gab, denn sonst könnte ich über <span class="musik-review-bandname">Nirvana</span> nur wenig Positives berichten.</p></li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 10 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Sleepytime Gorilla Museum – Grand Opening And Closing</span>
<p>2001 war auch ein Jahr der Livealben: <span class="musik-review-bandname">Magma</span> veröffentlichten erstmals eine im selben Jahr aufgenommene Livefassung der Trilogie „Theusz Hamtaahk“, <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> griffen mit „Vroom Vroom“ und darauf enthaltenen Livekonzerten von 1995 und 1996 etwas tiefer in die Mottenkiste. Die polnischen Jazz-/„Krautrocker“ <span class="musik-review-bandname">SBB</span> überboten das nochmals und beglückten ihre Anhänger mit „Live in Karlstad 1975“, das eigentlich eine Konzertaufnahme von 1975 (ja, wirklich!) ist. Neu in der Musikwelt waren hingegen unter anderem das Berliner Stoner-Rock-Trio <span class="musik-review-bandname">Rotor</span>, das mit dem Album „1“ schon ankündigte, dass eine „2“ folgen sollte (inzwischen sind sie bei „4“ angelangt), und das höchst seltsame Avantgarde-Kollektiv <span class="musik-review-bandname">Sleepytime Gorilla Museum</span>. Mit „Grand Opening And Closing“ („Große Eröffnung und Schließung“) haben sie auch einen vielsagenden Titel für ihr Debütalbum gewählt, denn ihre Konzerte erinnerten oft an Zirkusvorstellungen. Die Musik? Ha, was für Musik? Geräusche. Bekloppt. <a href="http://babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=3460&amp;content=review&amp;top=reviews" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">[E]in erfrischendes Konglomerat aus überraschenden, komplexen Klangkonstrukten, heftigen Ausbrüchen, schrägen, mitunter fast kakophonischen Tonlandschaften, bizarren Geräuschen und Soundideen, verspielter Perkussion und derbem Getrommle, metallischem Geriffe, dissonantem (Grunz)Gesang und knallharten Akkorden von Gitarre und Bass, die aber meist irgendwie „daneben“ zu liegen scheinen.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Das hat es so nur selten gegeben, nun, da <span class="musik-review-bandname">Sleepytime Gorilla Museum</span> nicht mehr existiert, gibt es mit Gruppen wie <span class="musik-review-bandname">uneXpect</span> jede Menge neues Material für diejenigen Verrückten, die mit „Grand Opening And Closing“ auf den Geschmack gekommen sind. Bandviolinistin <span class="musik-review-bandname">Carla Kihlstedt</span> ist auch nach dem Ende der Band noch in ähnlichen Formationen, etwa <span class="musik-review-bandname">The Book of Knots</span>, die ich <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/08/the-book-of-knots-traineater/" data-wpel-link="internal">im August</a> bereits gewürdigt hatte, tätig. Wer hat da gesagt, die Musik hätte nichts Neues mehr zu sagen?</p></li>
</ul>
<p>Damit sind wir auch schon wieder am Ende angelangt. Ich hoffe, einige erlesene Fundstücke haben auch euch gefallen.<br>
In einem halben Jahr gibt es, wenn bis dahin kein Unglück eine Fortführung verhindert, die nächste Rückschau.</p>
<p>Ich danke für die Aufmerksamkeit und wünsche allen Feiernden ein angenehmes Feiern.</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="http://http//www.atomkraftheilheil.fdp.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Deutschland<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">25. Dezember 2011</a> dies: Ich mag Wham!.</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">25. Dezember 2011</a> dies: FAIL!</li><li><a href="http://http//www.atomkraftheilheil.fdp.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Deutschland<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">25. Dezember 2011</a> dies: „Fröhliche scheiss Weihnacht! Gott schickt dir einen Arschtritt du﻿ schlitzäugiger Heidensack“</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">25. Dezember 2011</a> dies: Jesus und seine Kumpels?</li><li><a href="http://http//www.atomkraftheilheil.fdp.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Deutschland<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">25. Dezember 2011</a> dies: liga der allerbesten freunde</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">25. Dezember 2011</a> dies: Superkornkräfte aktivieren!</li><li><a href="http://www.daymoon-music.com" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Fred<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">27. Dezember 2011</a> dies: Dank Dir tausend Mal für deine liebe Kriik  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":-)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> </li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">27. Dezember 2011</a> dies: Verdient, verdient.  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> </li><li>Wastl schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">2. Januar 2012</a> dies: Und was unterscheidet jetzt deinen von dir selbst alle naselang erwähnten „Musikgeschmack“ von hunderten anderer Blogs? Gute Güte, nimm dich nicht so wichtig, Mister Aufpluster! Hirnfick.</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">2. Januar 2012</a> dies: Ich erhebe nicht den Anspruch, <strong>die</strong> ultimative Liste zusammengestellt zu haben.
Vielleicht ist das schon ein großer Unterschied.

Nimm dich nicht so wichtig, Mister Aufpluster!</li><li>Wastl schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">2. Januar 2012</a> dies: „Ich habe lediglich so etwas wie Musikgeschmack. Aber davon verstehst du nachweislich nichts mit deiner Dreampopscheiße.“

<a href="http://www.youtube.com/watch?v=gYH9TXOt3rc&amp;" rel="nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank" class="wpel-icon-right">Interessant<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">2. Januar 2012</a> dies: Jemand, der Dreampop mag, wird meinen Musikgeschmack wahrscheinlich nicht verstehen, richtig. Was daran braucht Erläuterung?</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Musik 06/2012 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">23. Juni 2012</a> dies: […] der zweiten Halbjahresliste 2011 hatte ich Cave In lobend erwähnt und war damals schon nicht sicher, welches Genre angemessen […]</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2012/10/guilty-ghosts-trespasser-ep/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Guilty Ghosts – Trespasser EP</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">2. Oktober 2012</a> dies: […] Ghosts kennwa, ich hatte den Herrn O’Donnell bereits 2011 erwähnt: Drone-Gitarren, Breakbeats und Tape-Loops. Ambient, Drone und Electronica. Unbestimmt und diffus. […]</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Musik 12/2012 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">19. Dezember 2012</a> dies: […] Echelon Effect sind in letzter Zeit häufige Gäste in meinen Rückschauen, zuletzt im Dezember 2011. Nachdem alle vier Jahreszeiten ihr/ eigene/n/s EP bekommen haben, gibt es wieder ein richtiges […]</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Musik 06/2013 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">28. Juni 2013</a> dies: […] auch Neues von der US-amerikanisch-portugiesischen Regressive-Rock-Institution Daymoon. Nach dem überragenden Debütalbum „All Tomorrows” ergaben sich einige Änderungen im Privatleben von Frontmann Fred Lessing wie auch in der […]</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2013/12/musik-122013-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Musik 12/2013 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">23. Dezember 2013</a> dies: […] der Argumente wider Erwarten nicht geschafft. Die Wooden Shjips etwa haben mit Back To Land mal wieder ein hervorragendes Velvet-Underground-Gedächtnisalbum veröffentlicht. Zwar gibt es stilistisch […]</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2014/02/kurzkritik-thisquietarmy-phantom-limbs/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Kurzkritik: thisquietarmy – Phantom Limbs</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">20. Februar 2014</a> dies: […] veröffentlichte Eric Quach („thisquietarmy”) nach dem großartigen „Vessels” mit dem bereits 2009 aufgenommenen „Phantom Limbs” („Phantomgliedmaßen”) ein weiteres […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/a599f9239ba541c5b8e60e96b004466f" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
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		<title>Musik 06/2011 – Favoriten und Analyse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Jun 2011 20:39:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Huch, schon wieder ist Juni, das geht ja immer schnell! Und traditionell bringt so ein Juni nicht nur zu dicke Mädchen in zu dünner Kleidung mit sich, sondern außerdem meine Halbjahresrückschau der gefälligsten und ungefälligsten Musikalben, erstmals komplett mit Alben des Jahres 2011 befüllt. Und in so einem halben Jahr kann sich viel ändern. Im ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 06/2011 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Huch, schon wieder ist Juni, das geht ja immer schnell! Und traditionell bringt so ein Juni nicht nur zu dicke Mädchen in zu dünner Kleidung mit sich, sondern außerdem meine Halbjahresrückschau der <span class="musik-intro-hervorhebung">gefälligsten und ungefälligsten Musikalben</span>, erstmals komplett mit Alben des Jahres 2011 befüllt.</p>
<p>Und in so einem halben Jahr kann sich viel ändern. Im Februar etwa <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/02/toxic-smile-im-your-saviour/" title="Toxic Smile – I’m your Saviour" data-wpel-link="internal">rühmte ich</a> das Album „I’m Your Saviour“ von <span class="musik-review-bandname">Toxic Smile</span>, für diese Liste aber hat es dennoch keine Berücksichtigung mehr gefunden, da die schiere Masse an guter Musik ansonsten den Rahmen dieser Internetseite gesprengt hätte und ich somit wieder einiges aussieben musste. Auch habe ich es leider nicht immer geschafft, mich jedem Musikalbum, das mich interessiert hätte, rechtzeitig ausreichend ausführlich zu widmen; die beim Probehören recht vorzüglichen Alben „Flanders Fields“ von <span class="musik-review-bandname">Humble Grumble</span> und „Blown Realms and Stalled Explosions“ von den <span class="musik-review-bandname">Enablers</span> bitte ich das geneigte Publikum also selbst zu rezensieren. (Gern als Kommentar hier unten drunter.  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_wink2.gif" alt=";)" width="18" height="18" class="wpml_ico">  )</p>
<p>Aber es ist auch ohne diese Alben eine recht abwechslungsreiche Liste geworden, von der ich hoffe, dass sie nicht jedem von euch bloßes Missfallen bereitet. <span id="more-4768"></span></p>
<p>Sie folgt:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">1.</span> <span class="musik-review-header-text">Musik für zum Gutfinden.</span></p>
<ol>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Codes-In-The-Clouds---As-The-Spirit-Wanes.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Codes-In-The-Clouds---As-The-Spirit-Wanes.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Codes In The Clouds – As The Spirit Wanes</span>
<p>Wir lassen es mal ruhig angehen. Codes in den Wolken, der Geist flaut ab. Zurücklehnen und entspannen, während die fünf Briten – nicht nur in Island beherrscht man dies vortrefflich – elegisch dahinmusizieren. Schublade auf, irgendwo zwischen <span class="musik-review-bandname">Sigur Rós</span> und <span class="musik-review-bandname">Caspian</span> einsortieren, Schublade zu. Der Kopf hat jetzt gerade mal die Klappe zu halten, es wird in wunderbaren Melodien geschwelgt.</p>
<p>Andererseits ist Postrock immer auch Kopfmusik. Jochen Overbeck <a href="http://www.monstersandcritics.de/artikel/201102/article_186274.php/Codes-In-The-Clouds-As-The-Spirit-Wanes" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">schrieb<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> nicht grundlos:</p>
<blockquote><p>Auch in den Stücken der Band öffnen sich weite, rein instrumentale Landschaften, warten Räume darauf, mit irgendetwas gefüllt zu werden.</p></blockquote>
<p>Freunde der scheppernden Postrockvariante, wie sie etwa von <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> zelebriert wird, werden auf dem Zweitling „As The Spirit Wanes“ nur eingeschränkt bedient, etwa in „Where Dirt Meets Water“, und auch all diejenigen, für die Musikgenuss und Texte direkt miteinander zusammenhängen, werden sich von diesem Album aufgrund des fehlenden Gesangs wohl enttäuscht abwenden, aber wir sind ja auch erst am Anfang der Liste.</p>
<p>Die <a href="http://www.myspace.com/codesintheclouds" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Eigenbeschreibung<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> der Postrocker besagt: „We are making pretty music“, also „wir machen hübsche Musik“. Ich hätte es nicht besser ausdrücken können.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span> gibt’s auf <a href="http://www.myspace.com/codesintheclouds" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.<br>
Von wegen, <a href="http://www.schallgrenzen.de/myspace-die-haelfte-ist-tot-oder-lebt-nicht-mehr/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace sei tot<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Pop ist es.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Faust---Something-Dirty.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Faust---Something-Dirty.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Faust – something dirty</span>
<p>Wer übrigens genau so wenig tot ist wie MySpace, ist die gleichfalls recht unpoppige deutsche Krautrocklegende <span class="musik-review-bandname">Faust</span>. <span class="musik-review-bandname">Faust</span> ist auch 40 Jahre nach dem namenlosen Erstling quicklebendig, wenn nicht gar hyperaktiv, haben sich doch erst vor wenigen Jahren die drei noch aktiven Gründungsmitglieder derart heftig miteinander verkracht, dass man nun getrennte Wege geht, und zwar nicht in Form einer Auflösung, sondern in Form einer Teilung. Das haben <span class="musik-review-bandname">Gong</span> ebenso gemacht wie <span class="musik-review-bandname">Acid Mothers Temple</span>, auch <span class="musik-review-bandname">Yes</span> gab es – wenn auch unter verschiedenen Namen – kurzzeitig mehrfach, <span class="musik-review-bandname">Amon Düül II</span> trägt die römische 2 auch nicht nur aus Jux und Tollerei im Namen, und <span class="musik-review-bandname">Faust</span> reihen sich fröhlich ein und besitzen dann die Frechheit, beide Inkarnationen schlicht <span class="musik-review-bandname">Faust</span> zu nennen. Das führt nicht etwa vorrangig zu Verstimmung und Verwirrung, sondern zu um so größerer Produktivität, denn das „andere <span class="musik-review-bandname">Faust</span>“ um <span class="musik-review-bandname">Hans-Joachim Irmler</span> hatte erst 2010 mit „Faust is Last“ ein Album vorgelegt, dieses <span class="musik-review-bandname">Faust</span> hier, in dem <span class="musik-review-bandname">Werner „Zappi“ Diermaier</span> und <span class="musik-review-bandname">Jean-Hervé Péron</span> residieren, hatte seit seiner vorigen Einspielung „C´est com… com… compliqué“ von 2009 derweil zwei Jahre Zeit für dieses Album. Es ist kom… kom… kompliziert. Könnt ihr mir trotzdem noch folgen?</p>
<p>Folgt mir dann auch mal vorsichtig in die musikalischen Schluchten, die sich hier auftun. Unter „Krautrock“ versteht mancher, gefördert auch von der ansonsten nicht mal üblen WDR-Dokumentation „Kraut und Rüben“ von 2006, irgendwie drogenschwangere Hippiemusik mit Hardrockattitüde. Wer jetzt versucht, <span class="musik-review-bandname">Faust</span> in diese Schublade zu stopfen, bevor er auch nur einen einzigen Takt aus dem Album gehört hat, dem wünsche ich viel Vergnügen, schlage die Hände über dem Kopf zusammen und hoffe für ihn das Beste. Das hippieske Element von <span class="musik-review-bandname">Faust</span> ist allenfalls in den Texten auszumachen. 1972 etwa sang man <span class="musik-review-lyrics-inline">„Daddy, take a banana, tomorrow is Sunday“</span> („No Harm“ vom Album „So Far“), und so blöde Texte kennt man ansonsten nur von <span class="musik-review-bandname">Can</span> (<span class="musik-review-lyrics-inline">„Hey you! You’re losing … your Vitamin C!“</span>). Ansonsten gilt: <span style="font-style:italic">Typische</span> Hippiemusik mit Gitarre und LSD ist gerade nicht mehr auf Lager, Krach hätten wir aber noch im Angebot.</p>
<p>Und den nicht zu knapp. Seit vierzig Jahren hat sich bei <span class="musik-review-bandname">Faust</span> bezüglich der musikalischen Ausrichtung nur wenig geändert, insofern sollte man nicht auf Überraschungen hoffen, und wer noch nie <span class="musik-review-bandname">Faust</span> gehört hat, der soll sich bitte die <span class="musik-review-bandname">Einstürzenden Neubauten</span> mit weniger Politik und mehr Verzerrung vorstellen und weiß dann ungefähr, wie die Musik von <span class="musik-review-bandname">Faust</span> so klingt, und findet sie dann spontan gut oder lässt es sein. Als Musikinstrument kommt auf „something dirty“ jedenfalls auch ein Flammenwerfer zum Einsatz.</p>
<p>Gesungen beziehungsweise gesprochen wird auch, aber bei <span class="musik-review-bandname">Faust</span> waren die Texte bislang nur selten essenziell, und auch auf „something dirty“ werden sie bis zur Unkenntlichkeit verzerrt oder von den Musikern übertönt. Wer herausfindet, was <span class="musik-review-bandname">Jean-Hervé Péron</span> und <span class="musik-review-bandname">Geraldine Swayme</span> dem Hörer hier mitteilen wollen, darf sich von mir geschätzt wissen.</p>
<p>Insgesamt ist „something dirty“ ein ebenso zeit- wie kompromissloses Album, etwas Dreckiges im sauberen Einheitsbrei eben. Wer es sich nicht vorstellen kann, der möge es <span class="musik-review-hoerproben">hören</span>; das geht stichprobenartig zum Beispiel auf YouTube, wo sowohl das eröffnende, ungewöhnlich rockige „Tell the Bitch to Go Home“ (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=-RaU0yE3vmY" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">hier<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>) als auch das experimentelle Gesangsstück „Lost The Signal“ (<a href="http://www.youtube.com/watch?v=Lpd9BQtgCpU" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">hier<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>) zu hören sind.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/And-You-Will-Know-Us-by-the-Trail-of-Dead---Tao-of-the-Dead.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-And-You-Will-Know-Us-by-the-Trail-of-Dead---Tao-of-the-Dead.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">…And You Will Know Us by the Trail of Dead – Tao of the Dead</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Let the fear guide your eye as your arrow burns into their time“</span> (Weight of the Sun (or The Post-Modern Prometheus))
<p>Meine Damen und Herren, ich präsentiere ehrfürchtig mein Sommeralbum 2011. Es macht gute Laune, lässt die Gliedmaßen rhythmisch wippen und lädt selbst mich, obschon ich von Wiederholungen nur wenig halte, dazu ein, nach dem Ende nochmals von vorn zu beginnen.</p>
<p>Und bis zum Ende dauert es seine Zeit, ganze 52 Minuten und 22 Sekunden ist das Album lang, was den Durchschnitt auch in dieser Liste hebt. „Das Album“ ist hier aber nicht mal der richtige Ausdruck, denn genau genommen ist „Tao of the Dead“ eine Suite, bestehend aus Teil 1, „Tao of the Dead“, und Teil 2, „Strange News From Another Planet“. Um die Verkäufe auch bei weniger geduldigen Menschen anzukurbeln, gibt es das Album auch zerhackt, das heißt, Teil 1 („Tao of the Dead“) wurde in insgesamt 11 Abschnitte („Lieder“) aufgeteilt, während immerhin der Sechzehneinhalbminüter „Strange News From Another Planet“ intakt bleibt. Da aber auch in der Langfassung die einzelnen Stücke nahtlos ineinander übergehen, empfehle ich direkt den Griff zur „Limited Edition“, die beide Fassungen des Albums enthält, zumal diese fließenden Übergänge durch die Aufteilung auf der „Kurzversion“ zum Teil zerstört werden. Die „Langversion“ ist leider nicht separat erhältlich.</p>
<p>Nicht nur in der inzwischen leider ungewöhnlichen Einteilung in lediglich zwei Stücke manifestiert sich der Anspruch von „Tao of the Dead“, ein Konzeptalbum – um nicht schon wieder „Gesamtkunstwerk“ zu schreiben – zu sein, sondern auch die optische Aufmachung weiß zu überzeugen. Die Leute, die Tonträger für veralteten Mist und „Limited Editions“ grundsätzlich nur für Geldschinderei halten, dürfen sich von mir jetzt mal kurz ausgelacht fühlen, denn ihnen entgeht nicht nur ein <a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/And-You-Will-Know-Us-by-the-Trail-of-Dead---Tao-of-the-Dead-INLAY.jpg" data-wpel-link="internal">farbenfrohes „Digipack“</a>, das sich obendrein noch toll anfühlt, sondern auch eine 33-seitige Kurzgeschichte und 16 Seiten aus der in der Entstehung befindlichen Bildgeschichte „Strange News From Another Planet – The Adventures of the Festival Thyme“, deren Titel zum Teil etwas mit dem zweiten Stück auf dem Album zu tun hat, zum Teil ein Rückgriff in die Bandgeschichte ist, denn 2008 veröffentlichte man den EP „Festival Thyme“. Die enthaltene Kurzgeschichte ist übrigens, wenn man verschiedenen Quellen im Internet glauben darf, sozusagen die Prosaform des Stückes „Strange News From Another Planet“, während „Tao of the Dead“ (Teil 1 also) etwas mit dem Daoismus (daher auch der Name des Albums), begründet einst von dem chinesischen Philosophen Laotse, zu tun hat.</p>
<p>Da sind wir dann auch schon beim Inhalt, denn nicht nur beim Angucken ist „Tao of the Dead“ ein beeindruckendes Stück Musik, sondern auch musikalisch weiß es zu überzeugen. Die Zeiten, in denen man im Hause <span class="musik-review-bandname">…Trail of Dead</span> zu den Klängen von „Fake Fake Eyes“ noch seine Instrumente auf der Bühne zertrümmerte, sind vorüber, es regiert der alternative Rock. Mein Favorit ist der „Retro-Rocker“ (<a href="http://www.stormbringer.at/reviews.php?id=6211" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">STORMBRINGER<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>) „Pure Radio Cosplay“, dessen Gitarrenmelodie ziemlich ohrwurmtauglich ist. Über all dem schwebt der Geist der 70-er Jahre. Sollte man <span class="musik-review-bandname">The Who</span> als Vergleich heranziehen? Ich tu es einfach ungefragt. Wer es etwas moderner mag, ist gehalten, alternativ <span class="musik-review-bandname">Coheed and Cambria</span> mit diesem Album zu assoziieren.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörprobe:</span><br>
Wer es bislang versäumt hat, zumindest schon mal irgendwo die Vorabsingle „Summer Of All Dead Souls“ zu hören, kann – selbst in Deutschland – auf YouTube das <a href="http://www.youtube.com/watch?v=zsF5y1XhGuA" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">zugehörige Video sowie einige andere Lieder vom Album goutieren.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Fugo---Avant-93-43.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Fugo---Avant-93-43.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Fugo – avant 93:43</span>
<p>Die Schweizer Band <span class="musik-review-bandname">Fugo</span> eifert zwar unter anderem den <span class="musik-review-bandname">Smashing Pumpkins</span> nach, hat aber vor allem das Interesse <span class="musik-review-bandname">Conrad Keely</span>s geweckt. <span class="musik-review-bandname">Conrad Keely</span> ist Teil der bereits erwähnten Musikgruppe <span class="musik-review-bandname">…And You Will Know Us by the Trail of Dead</span> und dort unter anderem für das <em>artwork</em> zuständig, und auch das Titelbild des Albums „Avant 93:43“ stammt von ihm. Dass <span class="musik-review-bandname">Fugo</span> bereits als Vorband von <span class="musik-review-bandname">…Trail of Dead</span> unterwegs waren, lässt den geneigten Hörer dann auch ungefähr erahnen, was ihn hier erwartet.</p>
<p>93:43. 93 Minuten und 43 Sekunden. So lang ist „avant 93:43“, aufgeteilt auf 3 CDs á 6 Lieder, macht also insgesamt 18 Lieder und eine Durchschnittslänge von ungefähr 5:15 Minuten, was die Geduld des Hörers dann doch etwas weniger strapazieren dürfte als er zunächst befürchtet hat. Zu befürchten hat er hier <a href="http://www.alternativmusik.de/rezensionen/fugo-avant-9343/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ohnehin nichts<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>:</p>
<blockquote><p>Die Aufnahme der Songs erfolgte (…) im Grundgerüst live, nur einige Gitarrenspuren und Overdubs wurden nachträglich hinzugefügt. Das bringt einen rauen und authentischen Grundton hinein in die verschachtelte Komposition. Und wenn man nun das „File Under: Hardcore, Post, Rock“ liest, merkt man: Irgendwie ist von allem was da, aber das trifft es auch alles nicht ganz so. Man könnte gar noch ein „Prog“ mit hinzufügen. <span class="musik-review-bandname">Fugo</span> kombinieren ausgefeilte Arrangements mit Härte und wilden Passagen, hauen gerne mal auf den Putz und bieten Gitarrenwände, ergänzen aber auch verhaltene Passagen. Vom Verhangenen bis zum Betonten reicht die Spannbreite und kann den Hörer packen.</p></blockquote>
<p>Wer die etwas zurückhaltendere Seite von <span class="musik-review-bandname">…Trail of Dead</span> mag und leicht melancholischer Stimmung, wie sie etwa <span class="musik-review-bandname">Dear John Letter</span> meisterhaft beherrschen, gegenüber nicht abgeneigt ist, sollte ein Ohr riskieren. Er wird es nicht verlieren.</p>
<p>Das geht zum Beispiel mit den <span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span> auf <a href="http://www.cede.de/de/music-cd/frames/frameset.cfm?aobj=875185" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">cede.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, wo man jedes der Lieder 30 Sekunden lang anhören kann.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Beardfish---Mammoth.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Beardfish---Mammoth.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Beardfish – Mammoth</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„In this frozen white wasteland I’m bound to wait forever“</span> (The Platform)
<p>Neues aus Skandinavien: <span class="musik-review-bandname">Beardfish</span> sind auch weiterhin auf der rastlosen Suche nach ihrer musikalischen Identität. War der Vorgänger „Destined Solitaire“ noch mit all seiner Verspieltheit und Titeln wie „In Real Life There Is No Algebra“ („Im wirklichen Leben gibt es keine Algebra“) die musikalische Konsequenz aus der bisherigen Entwicklung der Band, stellt „Mammoth“ sozusagen einen Gegenpol dar. Geblieben ist eine kurze „Growling“-Passage, die, wie schon auf „Destined Solitaire“, den Hörer zum Schmunzeln bringt, passt dieser Gesangsstil doch mal so gar nicht in das fröhlich retroproggige Konzept, davon jedoch abgesehen haben <span class="musik-review-bandname">Beardfish</span> sich, sozusagen, mal eben neu erfunden.</p>
<p>Dass „Destined Solitaire“ mit all den <span class="musik-review-bandname">Frank-Zappa</span>-, Canterbury- und vor allem <span class="musik-review-bandname">Yes</span>- und <span class="musik-review-bandname">Genesis</span>-Einflüssen unübertrefflich bleiben würde, war vermutlich auch <span class="musik-review-bandname">Beardfish</span> klar, und so vollzog man einen <em>radikalen</em> Schnitt. Das bedeutet keineswegs, dass „Mammoth“ schlechter wäre. Es ist anders. Genug der ausufernden Frickelei (sofern man den Viertelstünder „And The Stone Said ‚If I Could Speak‘&nbsp;“ nicht nur nach seiner Länge bewertet), stringent wird jetzt hardgerockt, weniger wie <span class="musik-review-bandname">The Who</span>, mehr wie <span class="musik-review-bandname">Uriah Heep</span> oder, um in Skandinavien zu bleiben, <span class="musik-review-bandname">Kaipa</span>, die jetzt natürlich vermutlich auch wieder kein Leser dieser Zeilen kennt, gesanglich allerdings viel besser passt: Der markante Gesang von <span class="musik-review-bandname">Rikard Sjöblom</span> ist eben trotz inzwischen nur noch englischsprachiger Texte <em>typisch schwedisch</em>.</p>
<p>Ihre Wurzeln haben <span class="musik-review-bandname">Beardfish</span> trotzdem nicht vergessen: Das instrumentale „Akakabotu“ und das abschließende „Without Saying Anything“ lassen außer <span class="musik-review-bandname">Frank Zappa</span> auch <span class="musik-review-bandname">echolyn</span>, <span class="musik-review-bandname">Van der Graaf Generator</span> und ähnliche Musikanten anklingen.</p>
<p>Wer extrovertierte Retromusik mag und auch nichts gegen ein wenig abwechslungsreichen Hardrock hat, der in keiner Sekunde auch nur ansatzweise so fad dahinplätschert wie Lieder der <span class="musik-review-bandname">Scorpions</span>, dem empfehle ich <span class="musik-review-bandname">Beardfish</span>s „Mammoth“ als Einstieg. Fortgeschrittene Hörer sollten sich dann „Destined Solitaire“, „Sleeping In Traffic: Part One/Two“ und überhaupt allem finden, was sie von <span class="musik-review-bandname">Beardfish</span> sonst finden können.</p>
<p>Als <span class="musik-review-hoerproben">Hörprobe</span> lege ich <a href="http://www.youtube.com/watch?v=jQH694U678k" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">diese grandiose Liveaufnahme<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> von „And The Stone Said…“ nahe. (Überhaupt sind auf YouTube verfügbare Liveaufnahmen von <span class="musik-review-bandname">Beardfish</span> klanglich meist exzellent!)</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Traumpfad---Aufbruch.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Traumpfad---Aufbruch.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Traumpfad – Aufbruch</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Reiß sie ein, die Brücken hinter dir; du musst vorwärts, willst du weg von hier“</span> (Der neue Weg)
<p>Von skandinavischen zu deutschen Retroklängen: <span class="musik-review-bandname">Traumpfad</span> klingt nach Esoterik und Schlagermusik, aber ich unterstelle dreist, dass sich das Chiemgauer Quintett nur deshalb <span class="musik-review-bandname">Traumpfad</span> nennt, weil alle guten Dichternamen schon vergeben waren. Das gleichen die Musiker dafür auf anderer Ebene aus, agieren sie doch im gleichen Klangkosmos wie einst <span class="musik-review-bandname">Novalis</span> und <span class="musik-review-bandname">Hölderlin</span> (heute <span class="musik-review-bandname">Hoelderlin</span>) mit dem Pathos der Landsleute von <span class="musik-review-bandname">High Wheel</span>, und auch textlich ist <span class="musik-review-bandname">Novalis</span> nicht fern. Der hippieske <em>Krautrock</em> (hierzu siehe die Rezension zu <span class="musik-review-bandname">Faust</span>s „something dirty“ weiter oben) erfreut sich also auch 2011 bester Gesundheit.</p>
<p>Für uns Muttersprachler sind Musikalben mit deutschen Texten insofern ärgerlich, als es uns beim besten Willen nicht gelingt, sie einfach auszublenden, und Sänger <span class="musik-review-bandname">Flo Huber</span> erweckt hier auch in keiner Weise den Eindruck, als wäre ihm das unangenehm. Und obwohl es wirklich sehr viele Liedtexte gibt, die zu schreiben vollkommen unnötig war, so verhält es sich mit den Liedern auf „Aufbruch“ anders.</p>
<p>Oft zitiert wird zum Beispiel das Lied „Vergebung“: <span class="musik-review-lyrics-inline">„Doch du kannst sie hören, diese Stimmen; eine Mutter, die noch schreit, ein totes Kind in ihren Armen, und ein Vater, der sich Rache schwört“</span>, das mag den einen oder anderen unter meinen Lesern womöglich an die Band <span class="musik-review-bandname">Oktober</span> erinnern, aber hier geht es nicht um vergangene Bürger‑, sondern um alltägliche Glaubenskriege: <span class="musik-review-lyrics-inline">„Und in Kirchen und Moscheen beten Menschen, um mit Kreuzen und mit Bomben ausgerüstet die Kunde zu verbreiten: (…) nur dieser eine Gott ist der, der dir vergibt!“</span></p>
<p>Das ist, „puh“ (<span class="musik-review-bandname">Die Ärzte</span>), harter Stoff, aber ein Indiz dafür, dass die Esoterik hier trotz all der Religiösität, die sich in manche Texte auf dem Album hineininterpretieren lässt, keinen Platz findet. Auf weltlichen Beinen steht die Lyrik von <span class="musik-review-bandname">Traumpfad</span>, und sie steht fest: <span class="musik-review-lyrics-inline">„Doch einer wird den Geist befrein, König aller Affen sein; wenn er spricht, hört alles nur auf ihn“</span> („Der 100. Affe“), derart zeitlose politische Metaphorik findet man auch bei <span class="musik-review-bandname">Ton Steine Scherben</span> nicht allzu oft.</p>
<p>Ich habe jetzt mehrfach <span class="musik-review-bandname">Novalis</span> erwähnt und möchte das als Warnung verstanden wissen: Wer diese Ausrichtung deutscher Rockmusik schätzt, dem wird „Aufbruch“ voraussichtlich viel Freude bringen. Wer aber deutschen Texten gegenüber, deren Interpretation die Musik deutlich dominiert und die obendrein tatsächlich so etwas wie eine Botschaft in sich tragen, aufgrund jahrelanger Dauerberieselung von irgendwelchem Mist eher skeptisch gegenübersteht, der sollte flugs die nächste Rezension betrachten und diese hier ausdrucken, rot umranden, durchstreichen und wegwerfen. Leser, die in keine der beiden Kategorien eingeordnet werden können, sind herzlich dazu eingeladen, mit diesem Album, nun ja, aufzubrechen in eine Welt jenseits ihres Tellerrandes.</p>
<p>Statt einer <span class="musik-review-hoerproben">Hörprobe</span> hat die Band selbst sozusagen ein Musikvideo zum Album <a href="http://www.youtube.com/watch?v=00hz5RsHjtM" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf YouTube veröffentlicht.<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Wobbler---Rites-at-Dawn.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Wobbler---Rites-at-Dawn.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Wobbler – Rites at Dawn</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Listen to the words that fly with the wind“</span> (In Orbit)
<p>Zurück nach Skandinavien: Auch <span class="musik-review-bandname">Wobbler</span> haben ihrem Album „Rites at Dawn“ – „Rituale bei Sonnenaufgang“ – ein <a href="http://www.youtube.com/watch?v=szuzkXOShUY" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Vorschauvideo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> vorausgeschickt. <span class="musik-review-bandname">Wobbler</span> hat in diesem Fall nichts mit Angeln zu tun, vielmehr handelt es sich um eine norwegische Retroprog-Band in bester <span class="musik-review-bandname">Yes</span>-Tradition, wie ihn, den Retroprog, auch <span class="musik-review-bandname">Änglagård</span>, die ebenfalls derzeit an einem neuen Album arbeiten, und <span class="musik-review-bandname">Starcastle</span> zelebrieren.</p>
<p>Allerdings sollte man die genannten Bands nicht in denselben Topf werfen, unterscheiden sich ihre Einflüsse doch zum Teil deutlich. Gastflötist <span class="musik-review-bandname">Ketil Einarsen</span> etwa war vor einigen Jahren für die Nu-Jazz-Formation <span class="musik-review-bandname">Jaga Jazzist</span> tätig, textlich wie thematisch bedient man sich bei den klassischen <span class="musik-review-bandname">Genesis</span>, Zitate aus dem „Court of the Crimson King“ von <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> und auch sonst ist „Rites at Dawn“ nicht nur ein <span class="musik-review-bandname">Yes</span>-Album aus Norwegen.</p>
<p>Apropos Thema: Was die „Rituale bei Sonnenaufgang“ genau sind, wird im ersten eigentlichen Stück – das Album wird von den Instrumentalpassagen „Lucid“ und „Lucid Dreams“ quasi eingerahmt – „La Bealtaine“, überzeugend dargeboten vom Neuzugang <span class="musik-review-bandname">Andreas Strømman Prestmo</span>, zumindest etwas näher angedeutet. „Bealtaine“ ist der Name des keltischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsfestes.</p>
<p>Symphonischer Progressive Rock, so hieß es einmal, sei mit dem Beginn der Punkwelle einen langsamen, qualvollen Tod gestorben. Womöglich ist das, was <span class="musik-review-bandname">Wobbler</span> seit ihrem Zweitling „Afterglow“ auf Tonträger pressen lassen, auch deshalb so entrückt, oder ist es ein Zeichen, dass die Nachrufe auf diese Musikgattung verfrüht waren? Vielleicht hat man das alles schon mal irgendwo gehört, wirklich neues von Musik zu erwarten, die bewusst bekannte Ideen aufgreift, wäre allerdings auch nicht angebracht. Es muss ja auch nicht unbedingt negativ gewertet werden, dass die vorhandenen Ingredienzen keiner vollkommen neuartigen Quelle entspringen, so lange das Ergebnis überzeugt, und das tut es wahrlich.</p>
<p>Als <span class="musik-review-hoerproben">Hörprobe</span> empfehle ich, wie bereits angedeutet, das entsprechende <a href="http://www.youtube.com/watch?v=szuzkXOShUY" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Video<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, das Auszüge aus dem Album enthält und so einen ungefähren Eindruck davon vermitteln kann, ob das Album gefällt oder nicht. Mir gefällt es.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Jolly---The-Audio-Guide-To-Happiness-Part-1.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Jolly---The-Audio-Guide-To-Happiness-Part-1.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Jolly – The Audio Guide To Happiness (Part 1)</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Close your eyes. Breathe. Fly.“</span> (Guidance One)
<p>Man sollte sich von der <em>wellness</em>-Säuselei in der eröffnenden „Anleitung“ („Guidance One“) nicht täuschen lassen: <span class="musik-review-bandname">Jolly</span> machen einen New Artrock mit Eiern bzw. Progmetalanleihen. Spontaner Vergleich: <span class="musik-review-bandname">Porcupine Tree</span> in der „In-Absentia“-Phase, aber mit weniger weichgespültem Gesang, alternativ <span class="musik-review-bandname">Nickelback</span> ohne den bekannten Ekelfaktor; etwas wohlwollender betrachtet: <span class="musik-review-bandname">Tool</span>.</p>
<p>Nach der „Guidance One“ (mitten im Album gibt es noch mal eine, passend „Guidance Two“ betitelt) scheppert das Album mit „Ends Where It Starts“ dann auch schon ordentlich los. Eigenartig ist das Keyboard<em>geklimper</em> während des Liedes, das während des Albums immer wieder auftaucht. Auf <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span>s „Lizard“ war so etwas auch einmal zu hören und hat auch dort den Hörer verstört. „Verstörend“ ist ohnehin das ganze Album, auch wegen der Ambient-Zwischenspiele, die gar nicht recht in das Konzept passen wollen. <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2011/Jolly/The-Audio-Guide-To-Happiness-Part-1/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Oder doch?<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p><span class="musik-review-bandname">JOLLY</span> verwenden sogenannte binaurale Töne, die aus einer Kombination von leicht abweichenden Frequenzen bestehen. Das sind wahrnehmbare Töne, die direkt im Gehirn entstehen, wenn den Ohren separat zwei leicht unterschiedliche Frequenzen zugeführt werden – so die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Binaurale_Beats" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Wikipedia<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> dazu. Diese Methode der Tonerzeugung soll dafür sorgen, dass Gefühle der Entspannung, Konzentration, Kreativität und des Glücks erzeugt werden.</p></blockquote>
<p>„<span class="musik-review-bandname">Jolly</span>“. Ausgelassen auf gut Deutsch. Warum haben sie erst auf dem zweiten Album daran gedacht? Und vor allem: Funktioniert es?</p>
<p>Bodenständige Zeitgenossen werden nun einwenden, dass es doch eigentlich egal sein sollte, wie die Klänge geartet sind, die man hört, und dass jedes gute Musikalbum glücklich macht. Richtig, werte bodenständige Zeitgenossen, sage ich, doch nehmt mal den Stock aus dem Hintern und lacht mit mir; denn was für Musik würde besser zu einem „Audioführer zum Glücklichsein“ passen als solche, die nachweislich entsprechende Auswirkungen auf das menschliche Gehirn haben? Ansonsten stimme ich euch selbstverständlich zu, ein Musikalbum, das nicht glücklich macht, sollte man meiden wie sonst nur Apple und Sony, sofern es kein <em>ganz besonderer Anlass</em> ist, denn dann gehen auch Musikalben, die traurig machen, etwa von den <span class="musik-review-bandname">Tindersticks.</span></p>
<p>Übrigens habe ich das Wort „scheppern“ oben keinesfalls negativ gemeint, denn ich mag es, wenn es scheppert. Im Kontrast zu den ambienten Klängen der beiden „Guidances“ ist die eigentliche Musik auf dem Album dann allerdings doch recht wenig zurückhaltend, wenngleich das Album mit dem wiederum ambient-rockigen „Dorothy’s Lament“ schließt.</p>
<p>Ob es nun an irgendwelchen wissenschaftlich bewiesenen, gar chemischen Vorgängen im Gehirn liegt oder ob <span class="musik-review-bandname">Jolly</span> einfach nur wirklich gute Musiker sind, soll mir dann auch gerade mal egal sein, aber das mit der Kreativität und dem Glück klappt dann doch schon ganz gut. Auf Teil 2 bin ich schon sehr gespannt.</p>
<p>2011 ist aber nicht nur ein gutes Jahr für Musik an sich, sondern auch für <span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span>, denn auch vom „Audio Guide To Happiness (Part 1)“ gibt es ein <a href="http://www.youtube.com/watch?v=OK_myvmlF4M" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">offizielles Video zum Vorhören<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Ich wünsche entspanntes Vergnügen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/The-Joy-Formidable---The-Big-Roar.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-The-Joy-Formidable---The-Big-Roar.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Joy Formidable – The Big Roar</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„And all your friends are having so much fun, they’re baking cakes and swapping numbers“</span> (The Magnifying Glass)
<p>Von der Glückseligkeit ist es nur ein kurzer Sprung zur formidablen Freude, zum <span class="musik-review-bandname">Joy Formidable</span>, obwohl das Waliser Trio musikalisch andere Wege beschreitet oder vielleicht auch durchhüpft. „The Big Roar“ ist jedenfalls eher Musik, zu der man hüpfen möchte, und <a href="http://www.plattentests.de/rezi.php?show=8207" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">dem Vernehmen nach<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> wird zu dieser Musik in der Regel auch fleißig gehüpft. Verzerrt wie die <span class="musik-review-bandname">Raveonettes</span>, energetisch wie die <span class="musik-review-bandname">Ting Tings</span> wuseln Frontfrau <span class="musik-review-bandname">Ritzy Bryan</span> und ihre beiden Mitstreiter durch die 12 Stücke des Albums, und wenn nicht gerade ausnahmsweise Bassist <span class="musik-review-bandname">Rhydian Dafydd</span>, etwa in „Llaw = Wall“, schwermütig ins Mikrofon seufzt, denkt man unwillkürlich an die <span class="musik-review-bandname">Kills</span> und findet es andererseits prima, dass <span class="musik-review-bandname">The Joy Formidable</span> nicht so minimalistisch zu Werke gehen, sondern auch mal ordentlich auf den Putz hauen. Besonders beeindruckend ist der markante Bass, der sich zwar nicht in den Vordergrund drängt, aber das Klangbild doch kräftig färbt.</p>
<p><a href="http://www.walesonline.co.uk/showbiz-and-lifestyle/news/2008/09/17/putting-on-the-ritz-91466-21831056/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Andere Medien<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> kramen außerdem noch <span class="musik-review-bandname">The Breeders</span> aus der Vergleichskiste, aber das ist albern, denn wenn weiblicher Gesang das einzige Kriterium wäre, könnte man auch die <span class="musik-review-bandname">Spice Girls</span> und <span class="musik-review-bandname">The Chordettes</span> in dieser Rezension auftauchen lassen, trotzdem wäre die Leserschaft hinterher immer noch nicht schlauer, was ihre Vorstellung von der Musik der drei Musiker betrifft, und das wäre doch schade, denn die ist durchaus vielseitig, obwohl jedes mir bekannte längere Interview mit der Band oder zumindest mit <span class="musik-review-bandname">Frau Bryan</span> immer irgendwann ihre umfangreich dokumentierte und anscheinend also stinklangweilige Liebesbeziehung mit <span class="musik-review-bandname">Herrn Dafydd</span> thematisiert. Dabei will unsereins doch nur etwas über die musikalischen Hintergründe erfahren!</p>
<p>Aber da das erfolglos ist, bleibt eben nur das Schubladendenken. Auch wenn man dafür ziemlich viele Schränke braucht. Artpop, Indie-Rock, Grunge, irgendwie so Alternative. Noch Fragen?</p>
<p>Eine ganz gute <span class="musik-review-hoerproben">Hörprobe</span> ist das <a href="http://www.youtube.com/watch?v=MTx3rYj_5FU" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Video zu „Austere“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> auf YouTube. Nicht wundern, dass es dort schon eine Weile zu finden ist, denn einige Lieder auf dem Album wurden in etwas weniger kratzbürstigen Versionen bereits 2009 veröffentlicht. 2011 stimmt also. In jeder Hinsicht.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Foster-the-People---Torches.png" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Foster-the-People---Torches.png" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Foster the People – Torches</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I took a sip of something poisoned but I’ll hold on tight“</span> (Helena Beat)
<p>Wir bleiben beim Pop und bemerken, dass entweder meine Urteilskraft nachlässt, die Qualität dieser Liste also mit den Jahren sinkt, oder dass Pop im Jahr 2011 endlich wieder besser wird. <span class="musik-review-bandname">Foster the People</span> ist ebenfalls ein Trio, die Frontfrau ist hier allerdings ein Frontmann namens <span class="musik-review-bandname">Mark Foster</span>, was vermutlich auch den Namen der Band („Pflegt das Volk!“) erklärt.</p>
<p>Und auch „Torches“ ist ein Debütalbum. Ich sehe gerade, dass ich das Adjektiv „tanzbar“ in diesem Artikel noch nicht verwendet habe, also verwende ich es jetzt, denn es passt. „Indie-Elektropop“ nannte dieses Album mal irgendwer, und ich frage mich seitdem, wie Akustikpop wohl klingen würde, komme aber kaum dazu, diesen Gedanken angemessen weiterzuspinnen, denn <span class="musik-review-bandname">Foster the People</span> nehmen meine gesamte Aufmerksamkeit gerade jetzt, da ich diese Zeilen hellgrau auf jedenfalls-nicht-schwarz niederschreibe, voll in Anspruch, weil ich versuche, das Geheimnis zu ergründen, warum mich eine Band, die mich mal („I Would Do Anything For You“) an <span class="musik-review-bandname">Owl City</span> (das sind die mit dem Lied „Fireflies“, das ich beim besten Willen nicht mehr hören kann), mal an die <span class="musik-review-bandname">Pet Shop Boys</span> und <span class="musik-review-bandname">Portugal. The Man</span> (mit weniger Atmosphäre) denken lässt, eigentlich so sehr fasziniert, dass ich sie als dieser Liste würdig erachte.</p>
<p>Und dass mir das nicht gelingt, werte ich dann einfach mal als gutes Zeichen und lasse dann eben <a href="http://forum.rollingstone.de/showthread.php?t=44823" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">andere<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu Wort kommen:</p>
<blockquote><p>Die Band kommt aus Kalifornien, die Musik erinnert an <span class="musik-review-bandname">MGMT</span>s erstes Album. <em>Upbeat</em> (zumindest was die Instrumentierung betrifft) und voll toller Melodien. Ob es förderlich ist, sich näher mit dem Text von „Pumped Up Kicks“ auseinanderzusetzen, vermag ich nicht zu beurteilen. Der Song ist aber so oder so großartig.</p></blockquote>
<p>Gerade <a href="http://lyrics.wikia.com/Foster_The_People:Pumped_Up_Kicks" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">der Text von „Pumped Up Kicks“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, das bereits im Sommer 2010 auf diversen Radiosendern zu hören war, setzt aber Akzente, die zwar nicht repräsentativ für das Album sind, aber für die man nur noch viel zu selten in der poulären Musik des 21. Jahrhunderts Verwendung findet: <span class="musik-review-lyrics-inline">„All the other kids with the pumped up kicks / you’d better run, better run, faster than my bullet“</span>, sehr schön, so etwas habe ich zuletzt vor viel zu langer Zeit von den <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/" title="Musik 06/2010 – Favoriten und Analyse" data-wpel-link="internal"><span class="musik-review-bandname">Liars</span></a> gehört, aber die stehen in der Tradition New Yorker Garagenrocks, und dort tanzt man ja allgemein nicht so gern, dort schießt man lieber Leute tot.</p>
<p>Und so ein Sommer ist ja auch eigentlich viel zu warm, um Amok zu laufen.</p>
<p>Stattdessen sollte man seine Knarre beiseitelegen und mal <span class="musik-review-hoerproben">reinhören</span>, zum Beispiel auf <a href="http://www.amazon.de/Torches-Foster-People/dp/B004UUKDNA/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Kreidler---Tank.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Kreidler---Tank.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Kreidler – Tank</span>
<p>Hat man „Torches“ dann zu Ende gehört und fertig getanzt und den anschließenden Amoklauf auch erfolgreich hinter sich gebracht, möchte man vielleicht dann erst mal wieder seine Nerven ein bisschen beruhigen. Dafür eignet sich zum Beispiel das Album „Tank“ der Düsseldorfer Electronica-Formation <span class="musik-review-bandname">Kreidler</span>, obwohl ihnen die Kategorisierung als „Electronica-Formation“ vermutlich selbst nicht so recht zusagt, immerhin halten sie musikalische <em>Schubladen</em> für <a href="http://www.inselmedia.de/leeson/nr8/kreidler.htm" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">deplatziert<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und steigen somit in meiner Achtung beträchtlich.</p>
<p>Wie man es nun aber nennt, wenn drei Herren aus überwiegend elektronischem Instrumentarium Klänge erzeugen und damit ein Album füllen, ist eigentlich auch nicht wichtig, <span class="musik-review-bandname">Tangerine Dream</span> zum Beispiel werden auch abwechselnd dem Krautrock und „elektronischer Musik“ zugeordnet, obwohl da nichts rockt und „elektronische Musik“ Techno und Popquatsch gleichermaßen umfasst, und so ist es bei <span class="musik-review-bandname">Kreidler</span> eben auch. Wahr ist, dass Analogien zu <span class="musik-review-bandname">Kraftwerk</span> unverkennbar sind, der Umstand, dass <span class="musik-review-bandname">Kraftwerk</span> in ihren Anfangsjahren noch anders musizierten als heute, sollte aber niemanden falsche Schlüsse ziehen lassen. In der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kreidler_(Band)" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Wikipedia<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist zu lesen, das Instrumentarium von <span class="musik-review-bandname">Kreidler</span> bestehe aus „elektronischen und akustischen Instrumenten und dem Computer“, und das klingt dann doch wenigstens schon etwas greifbarer.</p>
<p>Zum Teil meinte ich, die Anfangsszene des Stückes „Eraser“ der <span class="musik-review-bandname">Nine Inch Nails</span> wiederzuerkennen, allerdings viel filigraner und weniger bedrohlich. <span class="musik-review-bandname">Kreidler</span> entlocken ihren Instrumenten, welche das konkret auch immer sein mögen, hypnotische Klänge. Dabei wird es aber nicht eintönig, sondern bleibt abwechslungsreich; <a href="http://bothbarson.wordpress.com/2011/04/12/kreidler-tank/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">frei und schlecht übersetzt:<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></p>
<blockquote><p><span class="musik-review-bandname">Kreidler</span> sind Meister darin, Klänge über ein Stück zu legen, bei denen mannigfaltiges kybernetisches Pochen (sowohl dunkel als auch ätherisch), Bassimpulse (<em>funky</em> oder marschierend) und Rhythmen (stampfend oder komplex) eingeführt und eingewoben werden. In den Händen anderer Künstler würde dies unweigerlich zu Durcheinander führen; <span class="musik-review-bandname">Kreidler</span>s Geschicklichkeit und Präzision werden von der Tatsache bestärkt, dass man noch immer einen einzelnen Eröffnungsklang am Ende eines Stückes erkennen kann, obwohl viele andere längst hinzugefügt wurden.</p></blockquote>
<p><span class="musik-review-bandname">Kreidler</span> machen auf „Tank“ Musik zum Träumen, zum Entspannen, ohne dabei flach und einschläfernd zu werden.<br>
Kurz gesagt: Musik für lange Bahnfahrten.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörprobe:</span><br>
Das Stück „Kremlin Rules“ lässt sich derzeit zum Beispiel auf <a href="http://bothbarson.wordpress.com/2011/04/12/kreidler-tank/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Both Bars On<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> in voller Länge genießen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Long-Distance-Calling---Long-Distance-Calling.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Long-Distance-Calling---Long-Distance-Calling.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Long Distance Calling – Long Distance Calling</span>
<p>Von deutscher Instrumentalelektronik (krautig) zu deutscher Instrumentalelektronik (rockig) ist es nicht weit, und die Münsteraner von <span class="musik-review-bandname">Long Distance Calling</span> sind sogar so freundlich, selbst ein Genre <a href="http://www.myspace.com/longdistancecalling" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">vorzuschlagen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>; denn eine Postrockband wollen sie nicht sein, stattdessen sprechen sie von „Instrumentalrock“, was sich, glaubt man der offiziellen Darstellung, eher zufällig ergeben hat, denn nachdem man keinen geeigneten Sänger fand, versuchte man es dann halt mal ohne und bemerkte, dass das auch ganz gut klingt. Auf ihrem dritten Album „Long Distance Calling“ ist dennoch ein Vokalbeitrag von <span class="musik-review-bandname">John Bush</span> (früher <span class="musik-review-bandname">Anthrax</span>, heute <span class="musik-review-bandname">Armored Saint</span>) zu hören; damit setzt die Band die Tradition, hier und da eben solche Beiträge einzuflechten, fort.</p>
<p>Leider habe ich gerade keinen Link zu einem Blog parat, auf dem das schon mal erwähnt worden wäre, also erwähne ich es selbst: „Postrock“ (und alles, was so klingt, als wäre es Postrock) lässt sich unter anderem auch einteilen in „mit Gesang“ und „ohne Gesang“. Das sagt aber über die Musik selbst nur wenig aus, denn während die eingangs rezensierten und ebenfalls instrumentalen <span class="musik-review-bandname">Codes In The Clouds</span> zusammen mit <span class="musik-review-bandname">Sigur Rós</span> in höheren Sphären schweben, atmet „Long Distance Calling“ den Geist von <span class="musik-review-bandname">A Perfect Circle</span>, <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> und <em>ähnlichen</em> Musikern, wobei das mit der Ähnlichkeit eigentlich auch wieder nicht stimmt, denn was <em>ähnlich</em> klingt, ist eigentlich überflüssig. Entscheidend ist das eigenständige Merkmal, und das ist manchmal <a href="http://www.schallgrenzen.de/lights-at-sea-instrumentaler-post-rock-aus-grand-rapids-michigan/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">nicht so leicht<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
<p>Dieses eigenständige Merkmal ist bei <span class="musik-review-bandname">Long Distance Calling</span> jedenfalls, ganz klar, die Stilvielfalt. <em>Groovende</em> Rhythmen treffen auf jaulende Gitarren, zwischen Psychedelic Rock und Progressive Metal, zwischen New Artrock und Shoegaze wirbeln die fünf Musiker hin und her, ab und zu lugt auch mal der Stoner Rock vorsichtig um die Ecke, nur um sich gleich darauf von einer Gitarrenwand wieder plattwalzen zu lassen. Ich finde das gut.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Diverse Musikstücke aus der Bandgeschichte sind auf <a href="http://www.myspace.com/longdistancecalling" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu hören.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/The-Skull-Defekts---Peer-Amid.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-The-Skull-Defekts---Peer-Amid.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Skull Defekts – Peer Amid</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Nobody, nothing, nowhere no more, nobody, nothing no more“</span> (No More Always)
<p>Verlassen wir die Pfade instrumentaler Indiemusik dann erst mal wieder und wenden uns erneut Skandinaviens Rockszene zu. Dort, in Schweden, agieren zum Beispiel <span class="musik-review-bandname">The Skull Defekts</span>. Von <span class="musik-review-bandname">The Skull Defekts</span> erklingen effektreiche Low-Fidelity-Klangkonstrukte, die manchmal an <span class="musik-review-bandname">Einstürzende Neubauten</span> (eine gute Überleitung zwischen „Pyramiden“ und „Neubauten“ bitte ich meine Leser selbst herzustellen) und viel mehr noch an <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span> erinnern. Kaputt im Schädel wird man von dem Kredenzten trotz des Bandnamens übrigens nicht.</p>
<p><a href="http://www.noripcord.com/reviews/music/skull-defekts/peer-amid" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Nicht jeder<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> lässt sich überzeugen von dem zugrunde liegenden Konzept, das vor allem Kraft aus dem Prinzip der Wiederholung schöpft, wie es auch bei den ebenfalls recht ähnlichen <span class="musik-review-bandname">The Fall</span> der Fall ist, aber ich bin bekanntlich ebenfalls nicht jeder und finde es <a href="http://forum.board-of-metal.org/thread-9354.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">wie manch anderer<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> seltsam, aber prima. Passend hierzu ist das Coverbild: Eine Schlange, die sich selbst am Schwanz leckt (errötetes Kichern bitte unterlassen), als Sinnbild der Wiederholung ist eigentlich ganz gut gewählt. Man denke aber gar nicht erst daran, „Wiederholungen“ mit „Eintönigkeit“ zu verwechseln!</p>
<p>Als „Postpunk“ stand „Peer Amid“ mal irgendwo beschrieben, und irgendein Genre zu nehmen und „Post-“ davorzuschreiben ist bekanntlich ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Rezensent nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. (Alternativ freue ich mich dann schon mal auf die nächste Deutschrock-CD, die irgendein Rezensionskasper dann „Postschlager“ nennt. Oder so.) Was aber ist es dann?</p>
<p>Nun, vor allem ist es prima dreckige Rockmusik. Ungeschliffen, <em>garagig</em>. <span class="musik-review-bandname">The Skull Defekts</span> biedern sich nicht an, sondern schleudern dem Hörer ungefragt Gitarren entgegen. <em>In your face.</em> Vorn dabei: Gastsänger <span class="musik-review-bandname">Daniel Higgs</span>, manchen – mir nicht – vielleicht bereits als (inzwischen ehemaliges) Mitglied von <span class="musik-review-bandname">Lungfish</span> bekannt, der der ohnehin schon kraftvollen Interpretation mit seiner sich nahtlos in die Musik einfügenden Darbietung das sprichwörtliche i‑Tüpfelchen hinzufügt. (Habe ich schon <span class="musik-review-bandname">Sonic Youth</span> erwähnt?)</p>
<p>Wer es also auch mal ein wenig roher mag, der könnte durchaus viel Gefallen an „Peer Amid“ finden; und Freunde der anderen erwähnten Bands sollten ebenfalls mal reinhören.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Auf YouTube.com ist unter anderem das oben zitierte „No More Always“ <a href="http://www.youtube.com/watch?v=ZNcP5ozxgpU" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">zu hören<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Central-Park---Reflected.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Central-Park---Reflected.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Central Park – reflected</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„I will dry my tears, the wonder will take place“</span> (Another Part)
<p>Etwas weniger dreckig geht es bei <span class="musik-review-bandname">Central Park</span> zu, die mit „reflected“ ihr zweites Album vorlegen. Bebildert ist es, passend zum Titel, mit einem Fragezeichen, dessen Schatten ein Ausrufezeichen bildet; das könnte bedeuten, dass die Antwort auf die meisten Fragen bereits in den Fragen selbst zu finden ist, das könnte aber auch einfach nur ein hübsches Bildchen sein. Wer weiß das schon so genau?</p>
<p>So müssen wir Musikfreunde uns also allein darauf verlassen, was wir mit Sicherheit <em>sehen</em> (oder hören) können, und das ist eine Menge. <span class="musik-review-bandname">Central Park</span>s Zweitling ist nämlich musikalisch ein ziemlich zerrissenes Album. Instrumentalpassagen <span class="musik-review-bandname">kingcrimson</span>scher Qualität wechseln sich ab mit AOR und Hard Rock, Sängerin <span class="musik-review-bandname">Jannine Pusch</span> intoniert dazu so vielseitig und ausdrucksstark, dass es eine wahre Freude ist, und lässt mal die sanften <span class="musik-review-bandname">Hölderlin</span>, mal die ehemals ausgeflippten <span class="musik-review-bandname">Eatliz</span> anklingen.</p>
<p>In dem über 12 Minuten langen „Vision“, das als Stück 5 von 9 genau die Mitte des Albums markiert, wird diese Zerrissenheit besonders deutlich: Es beginnt mit langsamem, mehrstimmigem Gesang, unvermittelt setzen Schlagzeug und Keyboards ein, anschließend ertönen Rufe, die Warnschilder zitieren („Do not enter!“, „Private property!“ und was halt auf so Schildern immer draufsteht), und zwar in Stereo, also abwechselnd in beiden Kanälen, damit der Hörer sich nicht zu sehr entspannt. Dazu hat er in der folgenden Keyboardpassage etwas Gelegenheit, die von Gesang begleitet wird, der <span class="musik-review-bandname">Nico</span>-<em>fans</em> feuchte Träume bereiten sollte. Es folgt eine Experimentalphase mit merkwürdigen Schlagzeugeinlagen, <span class="musik-review-bandname">Frau Pusch</span>s Gesang wird opernhaft, bricht aber ab für eine neue Phase: Mehrstimmiger Sprechgesang über verzerrter Gitarre/Bass/Schlagzeug. Keyboards setzen ein, um das Ende dieses Abschnitts zu markieren, <span class="musik-review-bandname">Jannine Pusch</span> gibt noch mal kurz die <span class="musik-review-bandname">Tarja</span> (aber weniger schmerzhaft-jaulend), Stille. Sanfte Keyboards zu sanftem Gesang, sogar für diese „Castingshows“, die es heutzutage wieder rentabel machen, keinen Fernseher zu besitzen, wahrscheinlich zu seicht, und schon wird der Hörer wieder von merkwürdigen Klangeffekten umgeben. Die Rufe ertönen wieder, die Instrumentalabteilung spielt derweil wieder die Sprechgesangsszene durch, die Rufe enden, das Lied klingt aus. Oder war es doch ein Hörspiel?</p>
<p>Allgemein lässt sich über das Album zusammenfassend sagen: Standen bei den <span class="musik-review-bandname">Skull Defekts</span> noch die Gitarren im Vordergrund, so sind es bei <span class="musik-review-bandname">Central Park</span> Schlagzeug, Orgelklänge und viel Hall. Der Hall ist es auch, der mich auf diesem eigentlich faszinierenden Album am meisten stört, denn während er etwa in „Vision“ sicher den gewünschten Effekt hat, wirkt er in anderen Stücken eher fehl am Platz. Aber so etwas ist sicherlich auch immer rein subjektiv.</p>
<p>Weniger subjektiv sind da die <span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Zum Beispiel ist auf YouTube.com ein <a href="http://www.youtube.com/watch?v=hq_J8vgXun4" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Video zu „Guns’R’Us“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu finden. Dieses Lied greift, wie auch das Video, das Thema „Kindersoldaten“ auf und ist wirklich nicht schlecht.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Skeleton$---People.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Skeleton$---People.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Skeleton$ – People</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„So I say I try to replace that cartoon in my face, but fuck it!“</span> (Grandma)
<p>Dies nun ist der Moment, in dem ich es bereue, oben bereits „Tao of the Dead“ zu meinem Sommeralbum des Jahres erklärt zu haben, denn „People“ ist ebenfalls wirklich sehr, sehr gut. „Avantgarde“ ist vermutlich das Wort, das hier gut passt, befindet sich das Trio doch so in guter Nachbarschaft mit Bands wie <span class="musik-review-bandname">Cheer-Accident</span>, die ebenfalls im Avantgarde-Pop <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=9828&amp;content=review&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">verortet werden<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
<p>Obwohl <span class="musik-review-bandname">Skeleton$</span> durchaus mitunter sehr experimentell musizieren, wird es dennoch nie bloßer Krach, der aus den Lautsprechern schallt. Im Gegenteil wird es oft melodisch und eingängig, die Melodie des Stückes „Tania Head“ etwa lässt den versierten Musikfreund in Erinnerungen an <span class="musik-review-bandname">Pink Floyd</span>s „Fearless“ schwelgen, das diesem Stück <em>verdammt ähnlich</em> klingt. Andererseits beherrschen <span class="musik-review-bandname">Skeleton$</span> das Kunststück, jedes Lied ständig so klingen zu lassen, als stünde es kurz vor dem Ausbruch. Sänger <span class="musik-review-bandname">Matthew Mehlan</span>, stimmlich ungefähr das Gegenteil von <span class="musik-review-bandname">Daniel Higgs</span>, klingt derweil meistens so, als hätte er gerade guten Sex gehabt <em>und</em> dazu einen ebenfalls guten Joint geraucht, geradezu <em>unerträglich entspannt</em> eben, was einen interessanten Kontrast darstellt.</p>
<p>Keinesfalls aber bedeutet das, dass man von diesem Album quasi nur Lärmkaskaden zu erwarten hat. Dem beinahe neunminütigen „Barack Obama Blues“, der gar kein Blues ist und gegen Ende eine Geräuschwand aufbaut, angesichts derer von Entspannung keine Rede mehr sein kann, steht zum Beispiel das zurückhaltende, beinahe <span class="musik-review-bandname">beatles</span>que „No“ gegenüber. Auch „People“ hat also seine – kurzen – radiotauglichen Momente. (<a href="http://www.schallgrenzen.de" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, wie wär’s?)</p>
<p><span class="musik-review-bandname">Skeleton$</span> hießen früher <span class="musik-review-bandname">Skeletons</span> und waren angeblich noch experimenteller, avantgardistischer, <em>unhörbarer</em>. Ob das Dollarsymbol also für eine Ausrichtung auf kommerziellere Musik steht, kann man nur vermuten, vielleicht ist es auch als Kritik am allgegenwärtigen Kapitalismus zu sehen. Letzteres halte ich für wahrscheinlicher, denn von Massenkompatibilität kann man bei „People“ nicht ohne schlechtes Gewissen sprechen.</p>
<p>Der Anspruch an die Hörer wird untermauert durch den Umstand, dass „People“ ein Konzeptalbum ist; textlich geht es um Menschen, also um <em>people</em>, und um reale Ereignisse. <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=11428&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews#18252" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Andreas Hofmann<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> recherchierte etwas ausführlicher:</p>
<blockquote><p>So geht es z.B. um einen Mann, der am Tag nach Thanksgiving beim mittlerweile traditionellen <em>Black Friday Sale</em> im Walmart zu Tode getrampelt wurde („Walmart and the Ghost of Jimm“), „Tania Head“ wiederum ist eine Frau, die sich für ihre <em>five minutes of fame</em> eine spektakuläre 9/11-Überlebensgeschichte einfallen ließ, im Opener „L’il Rich“ wird erst ein Opfer von Gang-Gewalt in <span class="musik-review-bandname">Mehlan</span>s Nachbarschaft besungen und gegen Ende eine tragische Geschichte aufgegriffen, in der ein unbewaffneter Mann, der eigentlich einen Tag später heiraten wollte, von der New Yorker Polizei mit 50 Kugeln niedergestreckt wurde – allesamt <em>people</em> eben.</p></blockquote>
<p><span class="musik-review-bandname">Steven Wilson</span> hat vor einer Weile gesagt, die Rockmusik sei tot, sie habe nichts neues mehr zu erzählen. Zum Glück wissen <span class="musik-review-bandname">Skeleton$</span> das noch nicht.</p>
<p>Und daher kann sich der Musikfreund nun an den <span class="musik-review-hoerproben">Hörproben</span> erfreuen:<br>
„People“ wird via <a href="http://skeletonstv.bandcamp.com/album/people" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Bandcamp<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> in Gänze als Streaming und zum Kauf angeboten.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Monkey3---Beyond-The-Black-Sky.pmg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Monkey3---Beyond-The-Black-Sky.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Monkey3 – Beyond The Black Sky</span>
<p>Nach so viel Avantgarde kann man es dann auch mal wieder krachen lassen. Warum Musik, mit der man es krachen lassen kann, ausgerechnet aus der Schweiz kommt, weiß ich nicht, aber ich vermute, das liegt an den Bergen.</p>
<p>Das vierte Studioalbum der Instrumentalrocker <span class="musik-review-bandname">Monkey3</span> hat, wie auch seine Vorgänger, bereits ein augenfälliges Bild (stilecht mit stilisiertem Pavian) vorne drauf. Der Hörer weiß so schon vorher: Hausmannskost bekommt er hier nicht. „Typisch Schweiz“ sieht anders aus, mit mehr Gejodel und weniger blutigen Pavianeckzähnen, wobei ich mir spätestens seit <a href="http://www.schallgrenzen.de/zwegh-die-zweite-ein-fettes-monster-aus-der-schweiz/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right"><span class="musik-review-bandname">Zwegh</span><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> da auch nicht mehr sicher bin. Die Schweiz macht mir Angst.</p>
<p>Manchmal ist Angst aber auch ein guter Motor, der den Genuss eines Musikalbums erst so richtig fördert. Ängstlich also verstecke ich mich unter meiner Bettdecke, während die Stoner-Rock-Welle jede Faser meines Daseins davonzuspülen droht, angereichert mit gelegentlichen elektronischen Klangspielereien, quasi als psychedelische <em>Ruhe vor dem Sturm</em>. Wer jetzt einwendet, dass Stoner Rock doch grundsätzlich immer psychedelisch sei, der hat Recht und ist ein blöder Klugscheißer, so.</p>
<p><a href="http://www.gestromt.de/2011/06/07/monkey3-beyond-the-black-sky/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Irgendwer<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> war wieder voreilig und hat dem Album das Prädikat „Postrock“ („Post-Rock“) angetackert. Natürlich ist das, was <span class="musik-review-bandname">Monkey3</span> auf Tonträger bannen, <em>post-rock</em>, es zieht also an dem Genrekorsett von Rockmusik fröhlich winkend vorbei, aber wer hier <span class="musik-review-bandname">Mogwai</span> oder <span class="musik-review-bandname">Slint</span> oder andere Postrockbands herauszuhören versucht, wird kläglich scheitern.</p>
<p>Als Einflüsse karrt die Band unter anderem <span class="musik-review-bandname">Pelican</span>, aber auch <span class="musik-review-bandname">Led Zeppelin</span> heran. Als Anspieltipp für diejenigen, die sich nicht vorstellen können, wie das klingt, sei das Stück „Through The Desert“ empfohlen, das zwar nicht so schön losbrettert wie etwa „K.I“, dafür aber stilecht mit „Kashmir“-Gitarre aufwarten kann.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Reinhören kann man zum Beispiel auf <a href="http://www.amazon.de/Beyond-Black-Sky-Monkey-3/dp/B004TED4QA/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Caleya---Truemmermensch.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Caleya---Truemmermensch.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Caleya – Trÿmmermensch</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„Bis nichts mehr bleibt außer Zweifel, außer Phrasen …“</span> (Aporie)
<p>Peter, dem <em>Scheißkerl</em> (<a href="http://www.schallgrenzen.de/kurz-und-schmerzfrei-der-unterschied-zwischen-eurovision-song-contest-und-local-heroes-wettbewerb/comment-page-1/#comment-40224" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Peter über Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>), ist so manches Fundstück der letzten Jahre zu verdanken. Auch das Album „Trÿmmermensch“ der Hamburger Formation <span class="musik-review-bandname">Caleya</span> <a href="http://www.schallgrenzen.de/the-review-give-away-caleya-trummermensch/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">zählt dazu<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
<p>Regelmäßigen Lesern meiner Halbjahresrückschauen sollte die Kombination aus düsteren Texten und eigenartigen Liedtiteln (hier „Aporie“, „Archetyp“, „Akrasia“ und noch drei <em>so Titel</em>) bereits von <span class="musik-review-bandname">The Hirsch Effekt</span> bekannt vorkommen, und tatsächlich gibt es da gewisse Parallelen: Gemeinsames Touren, auch bereits eine gemeinsame CD (das Stück „Amygdala“ stammt von dieser „Split“-EP), und produziert wurde „Trÿmmermensch“ von <span class="musik-review-bandname">Nils Wittrock</span>, Sänger bei <span class="musik-review-bandname">The Hirsch Effekt</span>. Wer nicht gerade die „Screamo“-Begriffsbildung aus der Mottenkiste längst abgelutschter Genrebezeichnungen kramt, der nennt das, was <span class="musik-review-bandname">Caleya</span> hier auf Tonträger pressen ließen, „Post-Hardcore“, und hätte ich oben nicht schon ausführlich über derartige Bezeichnungen gelästert, ich würde es jetzt glatt noch mal tun.</p>
<p>Aber die Post geht tatsächlich ziemlich ab auf „Trÿmmermensch“. Deutsche Texte wirken für Muttersprachler noch emotionaler, wenn sie nicht gelangweilt dahingesungen, sondern verzweifelt ins Ohr gebrüllt werden, und das beherrscht man in Hamburg genau so prächtig, wie man eben auch <a href="http://www.whiskey-soda.de/review.php?id=28726" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ganz anders<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> kann:</p>
<blockquote><p>Durch das Gebrüll von Sänger <span class="musik-review-bandname">Tobi</span> wird der chaotische Anstrich verstärkt, wobei sich die gesuchte Harmonie in der Verwendung von progressiven Elementen auszeichnet. Diese erscheinen wie Löcher in den noisigen Riffs und erzeugen einen Kontrast, während das Gebrüll ganz zum Erliegen kommt und von melodischen, instrumentalen Parts, Gesang oder kurzen, gesprochenen Passagen abgelöst wird. Nach einer musikalischen Steigerung kommt es zur Entladung, zu der der Gesang wieder zum Gebrüll übergeht. Die Songs unterscheiden sich dabei im Muster zwischen den lauten und leisen Teilen und überraschen in derselben Weise, wie der Einsatz unterschiedlicher Instrumente, wie der eines Glockenspiels, einer Geige oder eines Xylophons.</p></blockquote>
<p>Kein Zweifel: Wäre „Trÿmmermensch“ ein Hörspiel, man würde die <em>Trÿmmer</em> förmlich fliegen hören. Volle Kanne Emotion, Depression. Aber ich schätze, jeder Leser dieser Zeilen hat manchmal das Bedürfnis, einfach nur laut zu schreien. Dies ist die Musik dazu.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Reinhören</span> und mitschreien!<br>
Das geht zum Beispiel auf <a href="http://www.myspace.com/caleyaband" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, wo auch einige ältere Musikstücke von <span class="musik-review-bandname">Caleya</span> blöd rumliegen.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Unexpect---Fables-of-the-Sleepless-Empire.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Unexpect---Fables-of-the-Sleepless-Empire.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Unexpect – Fables of the Sleepless Empire</span><br>
<span class="musik-review-lyrics">„A lunatic exorcism of impulsive literary stings, serving the untainted delight of devious cunnings“</span> (Words)
<p>Verglichen mit <span class="musik-review-bandname">Caleya</span> sind <span class="musik-review-bandname">Unexpect</span> beinahe schon zurückhaltend. Wohlgemerkt: Dies ist ausdrücklich als Vergleich zu werten!; denn Ambientlandschaften sind auf „Fables of the Sleepless Empire“ nicht zu finden. Kein Wunder ist es ein schlafloses Reich bei dem Krach.</p>
<p>Laut Eigenbeschreibung machen die Kanadier <em>avant-garde classical fusion experimental progressive metal</em>, und wen das nicht an die Labelkollegen von den <span class="musik-review-bandname">Stolen Babies</span> („<em>prog-pop-cabaret-thrash-quirky-goth-rock</em>“) erinnert, der hat einiges nachzuholen, aber ich erkläre es ihm dann trotzdem mal, schließlich wollen wir ja auch alle irgendwann noch mal ein wenig vorankommen hier:</p>
<p>Sanfte Gitarrenlaute, Streicher fiedeln irgendwas verträumtes vor sich hin, sie steigern sich, Schlagzeug und Gesang (weiblich) setzen ein. <span class="musik-review-lyrics-inline">„On the Right, words bleed in delicious erratic motions / to waltz and lunge deeply onto the frail paper dungeons“</span>, Gesang endet, <em>growling</em> tritt an seine Stelle, die Kapelle spielt feinstes Thrash-Hardcore-Irgendwas, während die Frau ihre gewohnte Stimme wiederfindet, und so ähnlich geht es dann noch eine Weile weiter, immer noch ein bisschen abgedrehter, quasi <em>schriller</em>, und vor allem lauter. Das Lied heißt „Words“ und ist nur ein willkürlich herausgepicktes Beispiel. Seit dem Vorgängeralbum „In A Flesh Aquarium“ von 2006 hat sich im Hause <span class="musik-review-bandname">Unexpect</span> erfreulich wenig geändert, die bewährten Rezepte ergeben noch immer ein hervorragendes Süppchen. Über den Vorgänger war <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=7675&amp;left=newReviews2&amp;top=reviews" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">zu lesen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>:</p>
<blockquote><p>Black-Metal Gitarren, rausgerotzter Gesang und Geröchel, das Tempo weitenteils am Anschlag, Geknüppel bis der Arzt kommt… und plötzlich engelsgleicher Gesang von Leïlindel, und plötzlich Teufelsgeiger, und plötzlich lässige Piano-Läufe, und plötzlich Electronic-Sounds, und plötzlich burlesker Walzer, und plötzlich spinnerte Dada-Ideen… Schliesslich gibt es noch eine Portion „Gothic“, ein klassisches Streich-Konzert, Bombast-Momente, Breaks, Stil- und Rythmusbrüche, (wo kommt denn der Dudelsack her?), Filmmusik und und und.</p></blockquote>
<p>„Dada“ regiert auch in den Texten. <span class="musik-review-lyrics-inline">„Heroic Icons of the vegetable supremacy; a mistreated garden, their ultimate purgatory“</span> heißt es etwa in „Orange Vigilantes“. Nicht zu viel darüber nachdenken, man bekommt nur Kopfweh davon. Obwohl beinahe sämtliche Attribute, die im zitierten Text genannt wurden (den Dudelsack habe ich noch nicht überprüft), auch auf „Fables of the Sleepless Empire“ zutreffen, ist all dieses Durcheinander doch hier beinahe als geordnet zu bezeichnen. Zugänglicher als „In A Flesh Aquarium“ ist es allemal. <span class="musik-review-bandname">Unexpect</span> haben ein Gespür dafür entwickelt, an welcher Stelle welche Form der Komplexität angemessen ist. (Wer jetzt „Zugänglichkeit“ und „weniger Komplexität“ mit simplen Strukturen verwechselt, ist selbst schuld.)</p>
<p>Der Avantgarde-Anstrich von <span class="musik-review-bandname">Unexpect</span> sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich vor allem um eine <a href="http://www.progarchives.com/Review.asp?id=456243" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Progressive-Metal-Formation<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> handelt. Die Betonung liegt hörbar auf dem „Metal“. Ideale Reihenfolge eigentlich: Erst dem ungeliebten Mitmenschen mit <span class="musik-review-bandname">Unexpect</span> quasi aufs Maul hauen und dann mit <span class="musik-review-bandname">Caleya</span> betrübt darüber sein. Verdammt – jetzt habe ich es verkehrt herum aufgeschrieben. Also erst betrübt sein und dann aufs Maul hauen.</p>
<p>Und wer nicht fühlen will, <span class="musik-review-hoerproben">muss hören:</span><br>
Das komplette Album wird auf <a href="http://unexpect.bandcamp.com/album/fables-of-the-sleepless-empire" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> als Stream angeboten. Also <em>streamt</em> fleißig!</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/The-Nerve-Institute---Architects-of-Flesh-Density.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-The-Nerve-Institute---Architects-of-Flesh-Density.jpg" class="musik-review-album-covr1"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Nerve Institute – Architects of Flesh-Density</span>
<p>Zum Abschluss der Hauptliste noch ein wenig (Avant-)Jazzrock. „Architects of Flesh-Density“ ist nach eigener Aussage bereits das achte aufgenommene Album des Multiinstrumentalisten und Sängers <span class="musik-review-bandname">Mike Judge</span>, aber das erste als <span class="musik-review-bandname">The Nerve Institute</span> veröffentlichte. Ihm gehen, wie er <a href="http://www.therocktologist.com/interview-with-mike-judge.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">unlängst erwähnte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, die Namen irgendwann auf den Keks, also denkt er sich immer mal wieder einen neuen aus. (Mein Lieblingszitat aus dem Interview ist, dass er mit seinem kompletten Alleingang vermeiden will, zum Miniatur<span class="musik-review-bandname">hitler</span> in einer Band zu werden, obwohl er doch eigentlich viel größer sei als <span class="musik-review-bandname">Hitler</span> und schönere Haare habe. Wenn das ein deutscher Künstler sagen würden täte, hagelte es Buhrufe. Hach, diese Musiker.)</p>
<p><span class="musik-review-bandname">The Underground Railroad</span> und <span class="musik-review-bandname">Frank Zappa</span> sind dem <a href="http://production.altrock.it/prod2.asp?lang=eng_&amp;id=159&amp;id2=162" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Waschzettel“ zum Album<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> in Fettdruck zu entnehmen, <span class="musik-review-bandname">Mike Judge</span> selbst erwähnt in besagtem Interview zudem insbesondere den symphonischen Progressive Rock (<span class="musik-review-bandname">Yes</span> u.a.) und, darauf aufbauend, die RIO/Avant- und frühe Zeuhl-Szene (<span class="musik-review-bandname">Henry Cow</span>, <span class="musik-review-bandname">Univers Zéro</span>) als Künstler, die ihn besonders beeindruckt haben.</p>
<p>Das Ergebnis klingt dann auch genau so: Der Jazzrock von <span class="musik-review-bandname">Yes</span> in der „Relayer“-Phase oder jedenfalls von <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> paart sich mit fetzigem Canterbury. Ach, und mit <span class="musik-review-bandname">Frank Zappa</span>. (Man stelle sich das bitte angesichts des Todes Herrn <span class="musik-review-bandname">Zappa</span>s gerade mal nicht bildlich vor.) „Klingt wie: Deformieren &amp; reformieren“, so steht’s auf des Künstlers <a href="http://www.myspace.com/thenerveinstitute" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace-Seite<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
<p>Bei der Durchsicht der <em>track list</em> bleibt das Auge womöglich auf dem Titel „Die neue moritat…“ haften. Tatsächlich bezieht sich dieser Titel weniger auf <span class="musik-review-bandname">Bertolt Brecht</span>s „Moritat von Mackie Messer“ als vielmehr auf G. W. Pabsts Verfilmung derselben. Der anschließende Titel „La jalousie“ wiederum nimmt direkt Bezug auf <span class="musik-review-bandname">Alain Robbe-Grillet</span>s Novelle gleichen Namens. Kultur kann <span class="musik-review-bandname">Mike Judge</span> jedenfalls trotz seiner Herkunft schon ganz gut.</p>
<p>Ich bin gespannt, welchen Namen sich der Herr als nächstes ausdenkt; bedenkt man, dass jeder Name auch einen Stilwechsel mit sich brachte, hoffe ich jedenfalls, dass dies nicht das einzige Album als <span class="musik-review-bandname">The Nerve Institute</span> bleibt.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Hörproben:</span><br>
Auszüge aus seinem Schaffen präsentiert der Musiker auf <a href="http://www.myspace.com/thenerveinstitute" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
</ol>
<p>Das soll dann für dieses Halbjahr auch erst mal wieder reichen mit Kaufbefehlen. Es folgen nun die Kostenlosherunterladbefehle:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">2.</span> <span class="musik-review-header-text">Von wegen Kommerz.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Our-Ceasing-Voice---When-The-Headline-Hit-Home.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Our-Ceasing-Voice---When-The-Headline-Hit-Home.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Our Ceasing Voice – When The Headline Hit Home</span>
<p>Die vier Österreicher, die 2009 eine(n) <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/11/kurz-und-gut-our-ceasing-voice-zum-zweiten/" title="Kurz und gut: Our Ceasing Voice zum Zweiten" data-wpel-link="internal">prima Debüt-EP</a> vorlegten und mich seitdem auf <a href="http://last.fm" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Last.fm<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> immer mal wieder auf dem Laufenden hielten, haben dann jetzt auch mal ein richtiges Album vorzuweisen; die Laufzeit beträgt fast eine Stunde, und das sollen manche dieser „richtigen Alben“ von anderen „Künstlern“ erst mal schaffen.</p>
<p>Andererseits ist das im Postrock – und dort fühlen sie sich hörbar <em>(ist „hörlich“ eigentlich das Gegenstück zu „sichtlich“?)</em> wohl – auch weniger schwer als in anderen Genres, allein das Stück „The Only Ones Dead (And Those Who Are Forgotten)“ bringt es beinahe auf neun Minuten.</p>
<p>Fast völlig instrumental wechseln <span class="musik-review-bandname">Our Ceasing Voice</span> auf „When The Headline Hit Home“ zwischen Laut und Leise, Breitwand und Tal hin und her. Meine Damen und Herren, dies jedenfalls ist Postrock. Kann man nicht anders sagen. Kostet nix, ist aber jeden Preis wert.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Runterholen</span> kann man sich’s auf dem <a href="http://www.our-ceasing-voice.com/download/when_the_headline_hit_home_RMR005_TLE010.rar" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">bandeigenen Webserver<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und natürlich <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2293" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">via eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/The-Echelon-Effect---Seasons-1-4.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-The-Echelon-Effect---Seasons-1-4.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">The Echelon Effect – Seasons 1/4</span>
<p>Darüber, dass es sich bei „Seasons Part 1“ um eine(n) EP, also um ein „Album“ mit eher kurzer Laufzeit, handelt, sehe ich ausnahmsweise hinweg, denn ambitioniert ist es auf jeden Fall, was <span class="musik-review-bandname">David Walters</span> mit Hilfe des Schlagzeugers <span class="musik-review-bandname">Steve Tanton</span> hier in die Tat umsetzt, nämlich den Auftakt zu einer vierteiligen Serie von „Jahreszeiten“-Kompositionen. Teil 1: Frühling. (Der „Sommer“-Teil 2 ist bereits <a href="http://www.theecheloneffect.com/pre-order-seasons-part-2-and-get-the-single-now/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">angekündigt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.)</p>
<p>Jahreszeiten musikalisch umzusetzen hat manch einer schon in der Grundschule nicht mehr sonderlich gern gemocht, <span class="musik-review-bandname">David Walters</span> macht das freiwillig und sehr gut. <em>Man spürt förmlich, wie die Erde aus dem Winterschlaf erwacht</em>, schrieb <a href="http://www.lady-metal.com/cd-reviews/the-echelon-effect-seasons-part-1.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">anderswo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ein gewisser „Chris“ hierzu.</p>
<p>Schon wieder instrumentaler Postrock also, aber zerbrechlicher als der der Herren <span class="musik-review-bandname">Our Ceasing Voice</span>.<br>
Wie wohl der Sommer klingen wird?</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Herunterladen</span> wird jedenfalls meinerseits wärmstens empfohlen, und zwar auf <a href="http://theecheloneffect.bandcamp.com/album/seasons-part-1" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">bandcamp.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2312" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">via eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Jardin-de-la-Croix---Ocean-Cosmonauts.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Jardin-de-la-Croix---Ocean-Cosmonauts.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Jardín de la Croix – Ocean Cosmonauts</span>
<p>Der unter eigener Verantwortung aufgenommene und verkaufte Vorgänger „Pomeroy“ fand bereits <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/10/jardin-de-la-croix-pomeroy/" title="Jardín de la Croix – Pomeroy" data-wpel-link="internal">lobende Erwähnung</a>, das neue Album „Ocean Cosmonauts“ konnte die spanische (!) Band <span class="musik-review-bandname">Jardín de la Croix</span> mithilfe der Plattenfirma Noma Records aufnehmen. Kommerzialisierung sieht aber anders aus, denn obwohl Noma Records jetzt auch hübsche CD-Verpackungen für die Musik anbietet, bleibt selbige doch einzigartig.</p>
<p>Es ertönt rein instrumentaler Mathrock mit komplexen Rhythmen und gelegentlichen Postrock-Zitaten. Anhänger von <span class="musik-review-bandname">Rush</span> kommen ebenso auf ihre Kosten wie all jene, die <span class="musik-review-bandname">Robert Fripp</span>s seltsame Experimente in den 1980er Jahren zu würdigen wissen, gerade auch hinsichtlich der Gitarrenarbeit von <span class="musik-review-bandname">Ander Carballo</span> und <span class="musik-review-bandname">Pablo Rodríguez</span>. Der neue Bassist <span class="musik-review-bandname">Carlos Schonert</span> leistet ebenfalls hervorragende Arbeit.</p>
<p>Im Internet ist zu lesen, „Ocean Cosmonauts“ sei stellenweise langweilig, weil zu lange auf dem gleichen Thema herumgeritten werde. Gerade das aber befähigt dieses Album dazu, sich sowohl zur Beschallung stiller Momente als auch dazu zu eignen, nebenbei (quasi <em>zum Bügeln</em>) gehört zu werden, ohne wirklich <em>anstrengend</em> zu werden. Sollte man mal ausprobiert haben.</p>
<p><span class="musik-review-hoerproben">Bezugsquellen:</span> Das Album ist unter anderem auf <a href="http://jardindelacroix.com/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">jardindelacroix.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sowie <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2315" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">via eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> herunterladbar.</p></li>
</ul>
<p>„Wie, war das schon alles?“, fragen jetzt die Leser. „Nein“, antworte ich, „denn es folgt eine Sondervorstellung zweier Musikalben, die aus unterschiedlichen Gründen keine Erwähnung in den beiden Listen oben finden konnten.“</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">3.</span> <span class="musik-review-header-text">Aus dem Abseits…</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Hand-aufs-Herz---Der-Soundtrack.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Hand-aufs-Herz---Der-Soundtrack.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Hand aufs Herz – Der Soundtrack</span>
<p>Dieser <em>soundtrack</em> hat aus zwei Gründen keinen Platz auf der Hauptliste gefunden: Zum Einen ist er eben kein „Album“ im eigentlichen Sinne, zum Anderen ist das eigentlich nicht mal meine Musik. Aber irgendwie hat diese Sammlung von Pop-Coverversionen aus der Sat.1‑Serie „Hand aufs Herz“ (<a href="https://tuxproject.de/blog/2011/04/medienkritik-l-hand-aufs-herz-oder-tracy-chapmans-botschaft/" title="Medienkritik L: Hand aufs Herz (oder: Tracy Chapmans Botschaft)" data-wpel-link="internal">ich berichtete</a>) etwas Warmes, Angenehmes an sich.</p>
<p>Sicher hat ein solches Album auch ein paar Totalausfälle vorzuweisen, welcher Musikfreund will schon „Sympathy For The Devil“, von Mädchen intoniert, hören?, aber es hat auch <em>verdammt gute</em> Momente, und das sage ich trotz nachgewiesener Männlichkeit und eigentlich ganz passablen Musikgeschmacks. Immerhin ist „Talkin‘ ‚bout a revolution“ auch drauf.</p>
<p>Obwohl ich ansonsten selbst dazu neige, Musik nach ihren Umständen zu beurteilen, ohne sie überhaupt gehört zu haben, rate ich in diesem Fall dringend davon ab. Wahrlich nicht übel.</p></li>
<li><span class="musik-review-album-cover"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Elias-Schwerdtfeger---Temple-of-Void.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2011/06/Vorschau-Elias-Schwerdtfeger---Temple-of-Void.jpg" class="musik-review-album-covr2"></a></span><span class="musik-review-album-titel">Elias Schwerdtfeger – Temple of Void</span>
<p>Aufgrund persönlicher Sympathie nicht objektiv und daher abseits der Liste empfehle ich dann auch mal dies hier: Dem weichgespülten Wohlklang obigen <em>soundtracks</em> stehen die elektronischen Klangeffekte <span class="musik-review-bandname">Herrn Schwerdtfeger</span>s entgegen. Der „Temple of Void“, der „Tempel des Nichts“ also, ist eine Metapher für Konsumtempel. Nein, Konsum mag der Künstler nicht. (Darum gibt’s das Album auch <a href="http://www.tamagothi.de/alben/temple-of-void/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">komplett für lau<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, wobei aufgrund seiner, des Künstlers, Lebensumstände eine kleine bis große Spende empfehlenswert ist.)</p>
<p>Düster-nihilistische Musik mit gelegentlicher Textbeilage, produziert unter Zuhilfenahme einiger defekter Geräte; das klingt nur teilweise nach den <span class="musik-review-bandname">Einstürzenden Neubauten</span>, vor allem klingt es nach einer Vertonung der Tristesse, die unvermeidlich scheint, wenn man im Raum Hannover lebt. Die Verwurzelung im Weltlichen zeigt auch das Coverbild, ein „Frosch spuckendes Lamm“ aus einer Publikation der Zeugen Jehovas, das den Irrsinn einer jeden Religion anschaulich vorführt.</p>
<p>Trotzdem bzw. gerade deshalb: Nichts für schwache Nerven.</p></li>
</ul>
<p>Genug des angenehmen Teils!<br>
Kommen wir zum unangenehmen Teil, nämlich einer Auflistung der <span class="musik-intro-hervorhebung">weniger erquickenden</span> Produkte der Musikindustrie im 1. Halbjahr 2011, bei deren bloßer Erwähnung sich mitunter schon ein leichtes Unwohlsein einstellt, weshalb ich mich, wie üblich, kurz fasse:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">4.</span> <span class="musik-review-header-text">… in den Müll.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-album-titel">The Megaphonic Thrift – Decay Decay</span><br>
Warum die Kopie? Lieber gleich <span class="musik-review-bandname">The Strokes</span>, da nervt der Gesang auch weniger.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Low Anthem – Smart Flesh</span><br>
Klingt wie ein uneheliches Kind von <span class="musik-review-bandname">Tindersticks</span> und einem unbekannten „<span class="musik-review-bandname">DSDS</span>“-Teilnehmer, der <span class="musik-review-bandname">Cat Stevens</span> covert.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Radiohead – The King of Limbs</span><br>
Eine Diskussion in der <em>[progrock-dt]</em>-Liste brachte es auf den Punkt: <span class="musik-review-bandname">Radiohead</span> muss man nicht mögen. Das ist gut, dann verzichte ich dankend auf diesen schrecklichen Krach.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Van der Graaf Generator – A Grounding in Numbers</span><br>
Die Herren haben zwar nicht die Atmosphäre, aber ihren Biss verloren. <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/04/van-der-graaf-generator-a-grounding-in-numbers/" title="Van der Graaf Generator – A Grounding in Numbers" data-wpel-link="internal">Schade.</a></li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Esben and the Witch – Violet Cries</span><br>
Für Freunde langsamen <span class="musik-review-bandname">Nico</span>-Gedächtnisschmalzfolks <a href="http://www.schallgrenzen.de/the-review-esben-and-the-witch-violet-cries/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">und Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> bestens geeignet.</li>
<li><span class="musik-review-album-titel">Beady Eye – Different Gear, Still Speeding</span><br>
Sollte <span class="musik-review-bandname">Liam Gallagher</span> eines Tages sterben, dann wohl an einer Überdosis <span class="musik-review-bandname">John Lennon</span>, den er hier noch überflüssiger als sonst kopiert; Ich habe beim Hören dieses Albums immer Angst, dass gleich <span class="musik-review-bandname">Yoko Ono</span> reinkreischt.</li>
</ul>
<p>2011 brachte aber nicht nur viele gute (und einige scheußliche) Musikalben mit sich, sondern markiert auch 40 Jahre 1971, quasi ein Jubiläum vom „Jahr 1 nach den Beatles“. Und was sich seitdem so getan hat, lest ihr hier:</p>
<p><span class="musik-review-header-nr">5.</span> <span class="musik-review-header-text">Reise durch die Zeit.</span></p>
<ul>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 40 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Jethro Tull – Aqualung</span><br>
Die <span class="musik-review-bandname">Beatles</span> waren 1971, wie gesagt, längst Geschichte. Die Welt begann also, sich eine andere Musikrichtung auszudenken, die man fortan toll finden sollte. <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span> brachen auseinander, ihre spätere Bedeutung für die Rockmusik sollte aber erst viel später entdeckt werden. In Deutschland blühte der „Krautrock“ gerade auf, sowohl <span class="musik-review-bandname">Ton Steine Scherben</span> als auch <span class="musik-review-bandname">Faust</span> veröffentlichten ihre Debütalben. In London hatten sich bereits 1969 drei afrikanische Musiker als <span class="musik-review-bandname">Osibisa</span> zusammengeschlossen und wirbelten 1971 mit ihren ersten beiden Alben, die von afrikanisch-karibischer Rockmusik dominiert wurden, die LP-Hitparaden durcheinander. Ebenfalls aus Großbritannien stammen die bekannteren <span class="musik-review-bandname">Jethro Tull</span>, die mit „Aqualung“ 1971 mal eben einen „wesentlichen Meilenstein der Rockmusik“ vorlegten, wie manche Kritiker es zu nennen pflegen. Zwar ist „Aqualung“ anders als die späteren „Thick as a Brick“ und „A Passion Play“ kein Konzeptalbum, thematisch aber sind in den Texten harsche Gesellschafts- und vor allem Religionskritik zu finden. <span class="musik-review-lyrics-inline">God, he stole the handle, and the train, it won’t stop going, no way to slow down.</span> Zahlreiche Nachahmer späterer Jahre sprechen eigentlich für sich.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 30 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">King Crimson – Discipline</span><br>
Die Musikwelt hatte sich 1981 wieder vorsichtig auf die eigenen Beine gestellt. Die <span class="musik-review-bandname">Buggles</span> hatten <span class="musik-review-bandname">Yes</span> wieder verlassen, um sich ihrem zweiten und letzten Album, passend „Adventures In Modern Recording“ betitelt, zu widmen, und auch sonst schien alles nach Plan zu verlaufen. <span class="musik-review-bandname">Robert Fripp</span> fand das aber blöd. <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> betrachtete er bereits seit Jahren als nicht mehr existent, stattdessen zog er mit wechselnden Musikern, unter anderem <span class="musik-review-bandname">David Byrne</span>, durch die Lande und begann immer neue musikalische Experimente. Mit der <span class="musik-review-bandname">League of Gentlemen</span> machte er bereits 1980 („God Save the Queen/Under Heavy Manners“) <em>typischen</em> komplexen, dennoch <em>tanzbaren</em> 80er-Jahre-New-Wave. Auf Grundlage dieser Erfahrungen begab sich <span class="musik-review-bandname">Robert Fripp</span> noch im selben Jahr auf die Suche nach Musikern, mit denen gemeinsam er „improvisierte Tanzmusik“ machen wollte. Schlagzeuger <span class="musik-review-bandname">Bill Bruford</span>, zuvor unter anderem bei <span class="musik-review-bandname">Genesis</span>, <span class="musik-review-bandname">Yes</span> und <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> aktiv, schloss sich an, es folgten Bassist <span class="musik-review-bandname">Tony Levin</span> und Gitarrist <span class="musik-review-bandname">Adrian Belew</span>. Unter dem Namen <span class="musik-review-bandname">Discipline</span> ging man also auf Tour, benannte sich aber, wohl auch aus marktstrategischen Gründen, bald in <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> um; mit zwei von vier ehemaligen <span class="musik-review-bandname">King-Crimson</span>-Musikern immerhin ein nicht allzu abwegiges Unternehmen. Dass die neuen <span class="musik-review-bandname">King Crimson</span> mit den mystischen Texten von <span class="musik-review-bandname">Peter Sinfield</span>, dem komplexen Jazzrock von Alben wie „Lizard“ und dem Progressive Rock als solchem vorerst nicht mehr viel zu tun hatten, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass sich hinter dem mitunter trocken wirkenden Klanggebilde „Discipline“ viel Komplexität verbirgt, etwa in den polymetrisch versetzten Gitarrenläufen der beiden Gitarristen. Das Ziel <span class="musik-review-bandname">Robert Fripp</span>s schien jedenfalls erreicht, bis sich die Formation 1986 nach nur drei gemeinsamen, einander recht ähnlichen Alben vorerst wieder auflöste.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 20 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle – Mr. Bungle</span><br>
Das Ende der furchtbaren musikalischen Dekade war gleichzeitig der Beginn einer bis dahin ungekannten Befreiungsbewegung. Die in den 80-ern erlernten elektronischen Techniken zur Klangerzeugung dienten nun der Kreation neuer Spielarten von Rock- und Popmusik. So erfanden <span class="musik-review-bandname">Slint</span> mit Alben wie „Spiderland“ quasi das, was Rezensionskasper heutzutage „Postrock“ nennen. <span class="musik-review-bandname">The Fall</span> nahmen mit „Shift-Work“ ein sehr eigenartiges Album auf, das Remineszenzen an den New Wave ebenso beinhaltete wie den bandeigenen Experimentalrock der Marke <span class="musik-review-bandname">The Velvet Underground</span>. <span class="musik-review-bandname">Die Goldenen Zitronen</span> streckten der deutschen Punkszene mit dem Album „Punkrock“ den Mittelfinger entgegen. <span class="musik-review-bandname">Mike Patton</span> und seine Mitstreiter von <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span> erklärten derweil Irrsinn zum musikalischen Stilmittel, und das nicht nur musikalisch, denn die seltsame Mischung aus Jazzrock, Hardrock, RIO und Pop (Pop!) wird ergänzt von dem längst berüchtigten, oft irren Gesang <span class="musik-review-bandname">Mike Patton</span>s, der auch mal in bester Boygroup-Manier (!) Zeilen singt wie etwa: <span class="musik-review-lyrics-inline">My hand gets tired and my dick gets sore, but the girls of porn want more</span>. Explizite Lyrik, sozusagen. Gesang, Bass, Gitarre, zwei Saxofonisten und ein DJ. Mit dem Nachfolger „Disco Volante“ haben <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span> dann noch eine Schippe draufgelegt. Man ist geneigt, sich zu fragen, wieso die einzigen Adaptionen dieses radikal anderen Stils (etwa <span class="musik-review-bandname">Fantômas</span>) aus den eigenen Reihen stammen, ist sich doch sonst auch nur selten ein Nachwuchsmusiker zu schade, Altbekanntes neu aufzuwärmen. Um so fester bleibt aber die Einzigartigkeit von <span class="musik-review-bandname">Mr. Bungle</span> in der Musikgeschichte verankert. Auch nicht schlecht.</li>
<li><span class="musik-review-hoerproben">Vor 10 Jahren:</span><br>
<span class="musik-review-bandname">TSOL – Disappear</span><br>
Gemessen an der Kreativität der 90-er Jahre waren die „Nuller“ zwar produktiv, aber doch nur wenig erfinderisch. <span class="musik-review-bandname">Yes</span>‘ Album „Magnification“ <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/01/die-rehabilitation-einer-institution-yes-magnification/" title="Die Rehabilitation einer Institution: Yes – Magnification" data-wpel-link="internal">zeigte</a>, dass der „klassische“ Progressive Rock nicht tot war, er hatte sich nur versteckt. Währenddessen entwuchs der „Indie-Rock“ den Kinderschuhen, die im Jahr 2000 gegründeten <span class="musik-review-bandname">Yeah Yeah Yeahs</span> hatten zwar einen blöden Namen ausgewählt, brachten aber mit dem selbstbetitelten und viel zu kurzen Erstling einen beachtlichen Tonträger unter die Leute, das Debütalbum „Fever to Tell“ folgte zwei Jahre später. Bereits seit 1978 existierte die Hardcore-Punkband <span class="musik-review-bandname">TSOL</span>, die zwischenzeitlich, wie viele andere Bands auch, damit zu kämpfen hatte, dass nach zahlreichen Umbesetzungen die Gründungsmitglieder wieder zusammenfanden, die Namensrechte an <span class="musik-review-bandname">TSOL</span> jedoch ihren „Nachfolgern“ gehörten. Etwas ausführlicher dokumentiert ist das in der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/TSOL" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Wikipedia<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. 1999 jedenfalls konnten diese Probleme aus der Welt geschafft werden, und man ging wieder auf Tour. 2001 folgte, quasi als „Comeback“, das Album „Disappear“, auf dem man seinen Wurzeln treu blieb; die musikalische Ähnlichkeit mit <span class="musik-review-bandname">Bad Religion</span>, mit denen die Band befreundet war, ist unverkennbar. Der Punk folgte in den folgenden Jahren mehr und mehr kommerziellen Pfaden, als selbst MTV entdeckt hatte, was für ein Potenzial in dieser Musik steckt, <span class="musik-review-bandname">TSOL</span> interessiert das aber bis heute nicht. Es ist seltsam, dass Punk noch Jahrzehnte nach den <span class="musik-review-bandname">Sex Pistols</span> erst dann mediale Aufmerksamkeit erhält, wenn er das Dreckigsein und somit seinen Geist aufgibt. („Opel-Gang“ von den <span class="musik-review-bandname">Toten Hosen</span> etwa fand erst großflächige Beachtung, nachdem die Band sich vom kompromisslosen Punk abgewendet hatte.) Dass das aber auch für andere Musikstile gilt, steht außer Frage, der „Geschmack der Massen“ ist eben nicht immer das, was die Masse mag, sondern das, was nach der Meinung einzelner Schlips tragender Entscheider in der Masse auf <em>die geringste Missgunst</em> trifft. Schade. Auch deshalb sollte man <span class="musik-review-bandname">TSOL</span> noch ein wenig häufiger preisen. Ich habe das dann jetzt mal erledigt.</li>
</ul>
<p>Und damit sind wir auch schon am Ende des 1. Halbjahres angelangt. Das 2. Halbjahr beginnt mit <span class="musik-review-bandname">Yes</span>, das ist jetzt schon klar. Einige Alben von 2011 schlummern auch noch ungehört in meinem Fundus und werden gegebenenfalls nachgereicht. Was sonst noch kommt? Wir werden sehen!</p>
<p>Sollte ich derweil ein bereits erschienenes, hörenswertes Album übersehen haben, so bitte ich vielmals um Verzeihung und um entsprechenden Hinweis, auf dass ich diesen Fauxpas baldmöglichst auszubügeln kann.</p>
<p>Ansonsten hoffe ich, dass ihr, die ihr dies hier lest, in meiner wirren, abschreckenden Musikauswahl auch einige Perlen entdeckt, die euch genau so gut gefallen wie mir.</p>
<p>Rückmeldung ist jederzeit willkommen.</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Didi<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">23. Juni 2011</a> dies: Komme im Moment nicht dazu, mir alles durchzulesen. Aber Deiner Wortwahl, wie
<blockquote>…ich hoffe, dass sie nicht jedem von euch blo­ßes Miss­fal­len bereitet…</blockquote>
<blockquote>…in mei­ner wir­ren, abschre­cken­den Musik­aus­wahl…</blockquote>
sind Zweifel, Selbstzweifel, wenn nicht sogar Panik zu entnehmen.</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">23. Juni 2011</a> dies: Ich nenne es gebotene Zurückhaltung. Entsprechend vernichtenden Kommentaren versuche ich so schon vorher die Grundlage zu entziehen.</li><li><a href="http://http//www.atomkraftheilheil.fdp.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">.tux<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">23. Juni 2011</a> dies: du weißt doch gar nicht was wirklich vernichtende Kommentare sind  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/icon_mad.gif" alt=":mad:" width="15" height="15" class="wpml_ico"> </li><li><a href="http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Didi<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">23. Juni 2011</a> dies: <blockquote> …ver­su­che ich so schon vor­her die Grund­lage zu entziehen.</blockquote>
Ein untauglicher Versuch.</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">23. Juni 2011</a> dies: Bis jetzt war der Versuch dermaßen klasse, dass nicht mal dem anderen Tux ein vernichtender Kommentar eingefallen ist</li><li><a href="http://www.schallgrenzen.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">25. Juni 2011</a> dies: Erfüllt dieser Beitrag nicht irgendwelche Straftatbestände? Mannomann, ich lese seit drei Tagen und bin immer noch nicht durch. Längste Blogpost Ever. Habe mir aber mal einige Bands die ich so noch nicht kannte, instapapert.</li><li><a href="http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Didi<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">25. Juni 2011</a> dies: Heh tuxi, das hier soll ’n Blog sein.</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">25. Juni 2011</a> dies: Nein, soll es nicht.  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> 

Entschuldige, Peter. Sieh es positiv: Hast bis Dezember Zeit bis Teil 2.  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> </li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2011/12/musik-122011-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Musik 12/2011 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">4. Februar 2012</a> dies: […] am Jahresende und damit zur üblichen Retrospektive der primasten Alben des Jahres, die es in die Halbjahresliste 2011 nicht mehr geschafft haben. Dabei ist das nicht einmal unbedingt eine Frage des Erscheinungsdatums, […]</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2012/06/musik-062012-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Musik 06/2012 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">22. Juni 2012</a> dies: […] Musik 06/2011 – Favoriten und Analyse (22.06.2011) […]</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2012/12/musik-122012-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Musik 12/2012 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">19. Dezember 2012</a> dies: […] es handele sich um Zeuhl. Mitnichten! Sebkha-Chott sind bereits zusammen mit Extra Life und uneXpect auf Tour gewesen. Das trifft es wahrscheinlich […]</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2013/06/musik-062013-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Musik 06/2013 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">28. Juni 2013</a> dies: […] ihr euch an The Joy Formidable? Ihr 2011 erschienenes Debütalbum „The Big Roar” sortierte ich damals als „Artpop, Indie-Rock, Grunge, irgendwie so Alternative” ein und legte euch ans Herz, […]</li><li><a href="https://tuxproject.de/blog/2017/07/musik-062017-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Musik 06/2017 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">3. Juli 2017</a> dies: […] befasste ich mich mit „something dirty“, dem damals aktuellen Studioalbum dieser Formation, den Nachfolger „j US t“ hingegen […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/aa5954f9202d4630829246ffc9243e04" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
	</item>
		<item>
		<title>Musik 12/2010 – Favoriten und Analyse</title>
		<link>https://tuxproject.de/blog/2010/12/musik-122010-favoriten-und-analyse/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Dec 2010 00:04:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Kaum dreht man sich kurz um, ist das Jahr schon wieder vorbei. Regelmäßige Leser dieser Seite wissen, was sie erwartet, nämlich Teil zwei der Rückschau der unblödesten Musikalben 2010 nebst Rückblick auf 40 Jahre Musikgeschichte, womöglich noch rechtzeitig für das ein oder andere Gewinnspiel. Der Finalausscheidung – ich wollte euch keine Rückschau auf fünfzig oder ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2010/12/musik-122010-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 12/2010 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Kaum dreht man sich kurz um, ist das Jahr schon wieder vorbei. Regelmäßige Leser dieser Seite wissen, was sie erwartet, nämlich Teil zwei der <span style="color:green">Rückschau der unblödesten Musikalben 2010</span> nebst Rückblick auf 40 Jahre Musikgeschichte, womöglich noch rechtzeitig für das ein oder andere <a href="http://www.schallgrenzen.de/retrospektive-2010-eure-alben-des-jahres-bitte/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Gewinnspiel<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
<p>Der Finalausscheidung – ich wollte euch keine Rückschau auf fünfzig oder mehr Alben bieten, das läse doch keiner – fielen unter anderem die <span style="color:green">Wise Guys</span> zum Opfer, die mit „Klassenfahrt“ zwar ein im Prinzip nicht übles Album mit dem ziemlichen Kracher <span style="font-style:italic">Hamlet</span> veröffentlicht haben, aber eben doch nur auf hohem Niveau stagnieren. Wie immer habe ich es leider auch nicht immer geschafft, mich ausreichend umfassend mit einigen viel versprechenden Werken zu beschäftigen, unter anderem <a href="http://postrockcommunity.blogspot.com/2010/06/sahara-surfers-space-trip-on-paper.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">„Spacetrip On A Paper Plane“<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> von den <span style="color:green">Sahara Surfers</span>; ich hoffe, ihr findet dennoch Gefallen an meiner Auswahl.</p>
<p><span id="more-3512"></span>Los geht es wieder mit der Hauptliste:</p>
<p><span style="color:blue;font-size:14px;font-weight:bold">1. <span style="text-decoration:underline">Jenseits der Hypes.</span></span></p>
<ol>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/410lcXxnoVL.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:100px;height:100px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/410lcXxnoVL._AA115_.jpg"></a></span><span style="color:green;font-weight:bold">Spock’s Beard – X</span><br>
<span style="color:red">„Trying hard to fight the good fight out of the darkness and into the light“</span> (From The Darkness)
<p>Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreiben würde, aber „X“ ist tatsächlich endlich ein Album von <span style="color:green">Spock’s Beard</span>, das mich nicht überwiegend langweilt. Mehr als je zuvor agiert die Band auf „X“ in Gefilden, die bisher von <span style="color:green">Beardfish</span> (<span style="font-style:italic">The Man Behind The Curtain</span>), <span style="color:green">Echolyn</span> und ähnlichen Vertretern metallisch nuancierten Neoprogs. In <span style="font-style:italic">The Emperor’s Clothes</span> frönen die Herren gar trotz <span style="color:green">Yezda-Urfa</span>-Remineszenzen großteils dem Indie-Rock, und wäre da nicht die markante Rhythmusarbeit von Frontmann <span style="color:green">Nick D’Virgilio</span> und seinem Bass spielenden Mitmnusizierenden <span style="color:green">Dave Meros</span>, würde man <span style="color:green">Spock’s Beard</span> kaum wiedererkennen.</p>
<p>Immerhin ist es nunmehr acht Jahre her, dass <span style="color:green">Neal Morse</span> <span style="color:green">Spock’s Beard</span> verließ, um sich der christlichen Erleuchtung zu widmen, und mit ihm ging der weichgespülte <span style="color:green">Transatlantic</span>-Neoprog seiner Wege und nahm offenkundig die Kreativität mit, und es dauerte ein paar Alben, bis sie wieder im Studio vorbeischaute.</p>
<p>Wie das mit der Kreativität dann aussah, zeigt zum Beispiel das Lied <span style="font-style:italic">Their Names Escape Me</span>, eins der Bonusstücke auf der extrateuren Hypersuperdeluxe-Ausgabe des Albums. <span style="color:green">Nick D’Virgilio</span> <a href="http://lyrics.wikia.com/Spock%27s_Beard:Their_Names_Escape_Me" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">singt zuerst darüber<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, dass er einige Namen nicht vergessen will:</p>
<blockquote><p>In my mind are faces<br>
In my hands I hold their destiny<br>
I will pray forgiveness<br>
If their names escape me</p></blockquote>
<p>Es handelt sich bei den Trägern der Gesichter um die Namen der Vorbesteller von „X“. Um daran keinen Zweifel aufkommen zu lassen, folgt den Strophen eine Liste ebenjener Namen; gesungen, versteht sich. Und das klingt auch noch prima!</p>
<p>Ob es die Extrasonderspezialauflage im freien Handel zu erwerben gibt, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen, aber das Album ist auch ohne <span style="font-style:italic">Their Names Escape Me</span> auf jeden Fall hörenswert.</p>
<p><span style="color:red">Hörprobe:</span><br>
Eine Livedarbietung von <span style="font-style:italic">From The Darkness</span>, allerdings mit einem anderen Schlagzeuger (gleichzeitig Gitarre und Schlagzeug geht live nicht allzu prima), gibt es <a href="http://www.youtube.com/watch?v=pxsU-68FUrE" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf YouTube.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu sehen.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51GBFC12GjL.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:100px;height:100px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51GBFC12GjL._SL500_AA280_.jpg"></a></span><span style="color:green;font-weight:bold">Zola Jesus – Stridulum (II)</span><br>
<span style="color:red">„Run me out again“</span> (Run Me Out)
<p>Mit dem EP „Stridulum“ und ihrem inzwischen dritten Album „Stridulum II“ hat die 21-jährige Sängerin <span style="color:green">Nika Roza Danilova</span> unter dem Namen <span style="color:green">Zola Jesus</span> in diesem Jahr auf sich aufmerksam gemacht. Mit viel Hall und schwermütigen Riffen kommen mir spontan <span style="color:green">Nico</span> und <span style="color:green">The Raveonettes</span>, bevor sie sich entschlossen haben, langweiligen Mist aufzunehmen, in den Sinn. Einen Vergleich mit früheren Alben habe ich nun leider nicht parat, da „Stridulum“ mein erster Kontakt mit der Künstlerin war, aber es nähme mich Wunder, wenn das vorherige Œuvre deutlich abfiele.</p>
<p>Ja, die unterhaltungsbedürftige Masse hätte gern einfache, prägnante Adjektive, aber ausführlich bitte, denn „gut“ oder „nicht gut“ ist zwar ein Urteil, aber keine Rezension. Nun gut, soll sein: Das Adjektiv lautet klaustrophobisch. Schon nach dem Genuss von „Stridulum“, also der „kleinen“ Ausgabe des Albums, brauchte ich jedenfalls erst mal eine Pause, um das Gehörte zu verarbeiten.</p>
<p><a href="http://www.schallgrenzen.de/news-and-stories-scheisshausfliegen-zola-jesus-liars-tracey-thorn/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> nannte das Werk „ein überaus avantgardisches, schleppend-düsteres Noise-Pop-Kleinod, mal wütend und düster, mal geheimnisvoll verrauscht und wahrlich nicht von schlechten Eltern“ und hat damit vollkommen Recht, auch, wenn <span style="color:green">Zola Jesus</span>, subjektiv betrachtet, immer noch weniger suizidal klingt als <span style="color:green">Kayo Dot</span> und ähnliche Protagonisten. „Pop“ habe ich allerdings anders in Erinnerung, denn für die breite Masse ist Musik wie diese sicher nicht geeignet, und Menschen mit seelischen Defiziten sollten schleunigst zum nächsten Album übergehen.</p>
<p>Eine nicht ganz so prima Eigenschaft erwähnte ich bereits, den Hall; denn wer, wie ich, beim Musikgenuss auch die Texte für bedeutsam befindet, der muss sich schon ein wenig anstrengen und kann sich somit nicht einfach den Klängen hingeben. In diesem einen Fall verzichtete ich also darauf, mich eingehend mit den Texten zu befassen, und ließ die Musik sich ihren Weg durch meine Nerven bahnen.</p>
<p>Das klingt dann etwa wie in den <span style="color:red">Hörproben</span>:<br>
Zurzeit (3. Dezember 2010) kann das vollständige Album auf <a href="http://www.souterraintransmissions.com/ecards/zolajesus/swf/index.htm" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">souterraintransmissions.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gut gefunden werden.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51sYPknmOUL.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:100px;height:100px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51sYPknmOUL._SL500_AA240_.jpg"></a></span><span style="color:green;font-weight:bold">Frogg Café – Bateless Edge</span><br>
<span style="color:red">„Will you understand I’ve tried with all the strength of a thousand men alone?“</span> (From the Fence)
<p>Mein <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/08/frogg-cafe-bateless-edge/" title="Frogg Café – Bateless Edge" data-wpel-link="internal">erster Eindruck</a> von „Bateless Edge“ hallt noch nach, und der Rest der Musik hörenden Insinternetschreiber <a href="http://billsprogblog.blogspot.com/2010/07/cd-review-frogg-cafe-bateless-edge-2010.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">stimmt in das Loblied ein<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Auch auf <a href="http://www.rocktimes.de/gesamt/f/frogg_cafe/bateless_edge.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">ROCKTIMES.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> werden die auf das Album gepressten Lieder einzeln analysiert und gelobt, und, obwohl mich die Assoziation mit <span style="color:green">Echolyn</span> eher verwundert, da liegt der Lobende richtig.</p>
<p>Und was ich im August schrieb, bleibt gültig:</p>
<blockquote><p>Sicher ist avantgardistischer Jazzrock keine spektakuläre neue Erfindung. <span style="color:green">Frogg Café</span> machen aber auf „Bateless Edge“ alles genau richtig. Sie erfinden das Rad nicht neu, das erwartet auch niemand. Sie konstruieren hingegen aus dem, was die Handwerker vorangegangener Generationen zurückgelassen haben, ein eigenes Rad, das so noch nie da gewesen ist. Und es macht verdammt viel Spaß, mit ihm zu fahren, auch, wenn es eine Steigung zu überwinden gibt. Die grünen Wiesen im Tal hinter der Steigung sind es allemal wert.</p></blockquote>
<p>Irgendwann hieß es einmal, <span style="color:green">Frogg Café</span> seien <span style="color:green">Frank-Zappa</span>-Kopisten im, so weit dies möglich ist, positiven Sinn. Diese Zeit ist spätestens mit „Bateless Edge“ vorbei. Sie frönen zwar auch weiterhin der angejazzten Frickelei, klingen aber unverkennbar und eigenständig. Sie hatten hörbar Spaß bei den Aufnahmen, und diesen Spaß geben sie an den Hörer weiter. Ich meine, dafür kann man ihnen eigentlich gar nicht genug danken.</p>
<p>Bei einer Gruppe wie <span style="color:green">Frogg Café</span> lohnt es sich übrigens sehr, auf die Instrumentalarbeit zu achten.</p>
<p>Daher empfehle ich folgende <span style="color:red">Hörprobe:</span><br>
Auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=jOodSCqbopA" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist derzeit mit dem gesangsfreien <span style="font-style:italic">Belgian Boogie Board</span> das letzte Stück des Albums in voller Länge zu hören. Unverändert hörenswert!</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51Pj-pJc1tL.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:100px;height:100px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51Pj-pJc1tL._AA115_.jpg"></a></span><span style="color:green;font-weight:bold">Kayo Dot – Coyote</span><br>
<span style="color:red">„Who knows who I am anymore?“</span> (Calonyction Girl)
<p>Bei der Rezension zu <span style="color:green">Zola Jesus</span>‘ „Stridulum“ habe ich oben bereits einen Nebensatz den Kammerrockern <span style="color:green">Kayo Dot</span> gewidmet, nun ist mir das Album „Coyote“ aber doch noch einen eigenen Abschnitt, quasi ein Apropos, wert, da ich es just in diesem Moment wieder höre und feststelle, dass es einen Platz in dieser Liste allemal verdient hat.</p>
<p>Nun, was ist „Coyote“? „Coyote“ ist, glaubt man der <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Coyote_%28album%29" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">englischsprachigen Wikipedia<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und anderen Quellen, eine vertonte, fast autobiografische Kurzgeschichte, ursprünglich verfasst von der an Brustkrebs erkrankten Künstlerin <span style="color:green">Yuko Sueta</span>, einer Vertrauten der Musiker.</p>
<p>Wer 2009 meinem Kaufbefehl für das aktuelle Album von <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/06/httptuxprojectdeblogp427/" title="Musik 06/2009 – Favoriten und Analyse" data-wpel-link="internal"><span style="color:green">maudlin of the Well</span></a> gefolgt ist, der weiß bereits ungefähr, was ihn auf „Coyote“ erwartet: Träge schleppen sich die Instrumente durch das in fünf „Kapitel“ aufgeteilte Konzeptstück, <span style="color:green">Toby Driver</span> singt quälend von Angst, Verlust <a href="http://www.last.fm/user/FootToFace/journal/2010/04/27/3lh16d_lyrics_to_kayo_dot%27s_album_coyote_:o_o:" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">und ähnlichen unschönen Substantiven<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, unterstützt von drei Blechbläsern. Im zweiten Stück, <span style="font-style:italic">Whisper Ineffable</span>, bestimmt Schlagzeuger <span style="color:green">David Bodie</span> streckenweise, in welche Richtung der Hörer sich geistig wenden sollte, und trotz des wie aus weiter Ferne herüberklingenden, klagenden Gesangs, den der geneigte Hörer vielleicht noch von früheren Aufnahmen von <span style="color:green">Kayo Dot</span> kennt, merkt man, dass der Frontmann auch gern mal Metalalben aufnimmt. Ein Amazon-Rezensent schrieb treffend: Harter Stoff.</p>
<p>Irgendwo las ich, wohl wegen des Gesangs, <span style="color:green">Kayo Dot</span> wären hier klanglich von der Szene um <span style="color:green">The Cure</span> nicht weit entfernt, aber da ich <span style="color:green">The Cure</span> nicht ausstehen kann, wäre mir das wohl aufgefallen. Viel prägnanter ist die stilistische Nähe zu <span style="color:green">Henry Cow</span>, die ihrerzeit ebenso schräge und dissonante Töne hervorbrachten, und <span style="color:green">Univers Zero</span>, die gleichfalls zeitweise ein Faible für sich gemächlich dahinschleppenden Melodien mit treibendem Rhythmus hatten.</p>
<p>Achim Breiling <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/album_10694.html#17052" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">schrieb<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>:</p>
<blockquote><p>Eine Postrock-Suite in fünf Teilen hat Toby Driver hier komponiert, die, wie schon die Musik auf „<a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=9761" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Blue Lambency Downward<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>“ und im Gegensatz zu den Klängen auf den ersten beiden Alben der Band, keine metallischen Ingredienzien mehr aufweist. Ein ziemlich schräges, reichlich dissonantes Gemenge jenseits normaler Rockstrukturen wird hier geboten, welches durch <span style="color:green">Mia Matsumiya</span>s Violine und die Beiträge der Bläser in deutlich kammerprogressive Gefilde gerät.</p></blockquote>
<p>Der Postrock ist eine vielschichtige Schublade; auch das sei damit bewiesen.</p>
<p><span style="color:red">Hörproben:</span><br>
Neugierige und grundsätzlich an ungewöhnlicher Musik Interessierte – also vermutlich die meisten von euch, liebe Leser, die ihr es bis hierher tapfer ertragen habt – können derzeit das Album auf <a href="http://www.last.fm/music/Kayo+Dot/Coyote" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Last.fm<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> anhören und toll finden.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/412kOfGMnJL.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:100px;height:100px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/412kOfGMnJL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="color:green;font-weight:bold">Devo – Something for Everybody</span><br>
<span style="color:red">„What we do is what we do, it’s all the same, there’s nothing new“</span> (What We Do)
<p>Ich habe in den letzten Monaten recht viele Texte über dumme Menschen verfasst, unter anderem <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/12/niwolimbo/" title="Niwolimbo" data-wpel-link="internal">den über Niveaulimbo</a>. Da passt es gut, dass <span style="color:green">Devo</span> wieder etwas veröffentlicht haben.</p>
<p>„<span style="color:green">Devo</span>“ steht für „De-Evolution“, also die Theorie, dass sich der Mensch keineswegs fort‑, sondern zurückentwickelt. Tatsächlich gibt es für die fortschreitende Deevolution des Menschen viele Anhaltspunkte, zum Beispiel die konstant überdurchschnittlichen Umfragewerte für die CDU. Das (also das mit der Deevolution, nicht unbedingt das mit der CDU) erscheint jetzt wahrscheinlich wie ein Scherz und das ist es wohl auch, dennoch ist <span style="color:green">Devo</span> in <a href="http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/32/Devo.JPG" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">seltsamen Kostümen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> bereits seit 1972 existent und wird damit wohl auch in absehbarer Zeit nicht einfach aufhören.</p>
<p>Musikjournalisten stecken <span style="color:green">Devo</span> gern in das Genre „New Wave“, weil sie nun einmal irgendwas schreiben müssen und Genrebezeichnungen sich immer gut in so einer <span style="font-style:italic">Infobox</span> machen und die Musiker ein bisschen aussehen wie <span style="color:green">The Buggles</span> vor bald 30 Jahren und auch irgendwie seltsame, genretypisch wie aus der Retorte klingende Musik mit viel Keyboardeinsatz und Stampfrhythmus machen, aber Genres sind grundsätzlich meist Unsinn.</p>
<p>Vermutlich werden Freunde des 80er-Jahre-New-Waves an <span style="color:green">Devo</span> Gefallen finden, andersherum gilt das hingegen nicht. Vermutlich spaltet der Gesang von <span style="color:green">Mark Mothersbaugh</span> die Gemüter ebenso wie der von <span style="color:green">Trevor Horn</span>, der 1979 <span style="font-style:italic">Video Killed the Radio Star</span>, dessen Text man eigentlich auch mal im Musikunterricht in der Schule analysieren lassen sollte, um die bis heute ungeminderte Bedeutung zu verstehen zu lehren, intonierte und dabei Herrn <span style="color:green">Mothersbaugh</span> nicht unähnlich klang und sich auch <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Iwuy4hHO3YQ" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">nicht unähnlich kleidete<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, was sich immerhin bis 2004 <a href="http://www.youtube.com/watch?v=laZw3Y3JCJ8" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">nicht nennenswert geändert hat<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>; aber ich schweife ab. Um die <span style="color:green">Buggles</span> geht es hier nicht.</p>
<p>Wer auch hier gern ein einfaches Adjektiv als Zusammenfassung lesen würde, den ignoriere ich dreist. Auf „Something for Everybody“ nämlich ist etwas zu hören, was etwas ausführlicher Beschreibung bedürfte, wäre das Schreiben über Musik nicht ungefähr so produktiv wie das Singen von Gemälden. „Something for Everybody“ ist selbstironisch, albern, durchgedreht und überhaupt ganz schön retro. Genre gefällig? Ich glaube, „New Dance Wave“ hat meines Wissens noch keiner benutzt. Dann mache ich das jetzt und ziehe das Fazit:</p>
<p>Bei <span style="color:green">Devo</span> bleibt man sich treu. „It’s all the same, there’s nothing new.“<br>
Hoffen wir, dass auch weiterhin keine De-Evolution bei ihnen eintreten wird.</p>
<p><span style="color:red">Hörproben:</span><br>
Auf <a href="http://www.amazon.de/Something-Everybody-Devo/dp/B003JYOFIW/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sind Liedschnipsel von jeweils etwa 30 Sekunden Länge zu hören.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51CD8MM0lVL.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:100px;height:100px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51CD8MM0lVL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="color:green;font-weight:bold">Mose Giganticus – Gift Horse</span><br>
<span style="color:red">„Now I’m in too deep, all I have left is sleep“</span> (The Seventh Seal)
<p>Lasst uns gemeinsam ein kleines Gedankenexperiment durchführen.</p>
<p>Was wäre, wenn die <span style="color:green">Böhsen Onkelz</span> einen Sänger, der diesen Namen verdient, engagiert und das mit der ständigen Politik in den Texten gar nicht erst angefangen hätten?</p>
<p>Vermutlich hätten sie dann statt ihrer von ihres Frontmanns grausigem Gegröle übertönten, aber handwerklich soliden Alben solche veröffentlicht, wie sie stattdessen von <span style="color:green">Mastodon</span> oder eben <span style="color:green">Mose Giganticus</span> aufgenommen werden und positiven Anklang finden, zum Beispiel bei mir.</p>
<p>„<span style="color:green">Mose Giganticus</span>“, riesiger Moses? Die Geschichte hinter dem Namen hat weniger mit Christentum zu tun als man zunächst vermuten könnte. Wie Sänger, Multiinstrumentalist und alleiniges festes Bandmitglied <span style="color:green">Matt Garfield</span> <a href="http://puregrainaudio.com/interviews/interview-with-mose-giganticus-mastermind-matt-garfield" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">zu Protokoll gab<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, ist „<span style="color:green">Mose Giganticus</span>“ eine Verballhornung von „most gigantic“, „am gigantischsten“ also. Auf „Gift Horse“ wird es dennoch ausnahmsweise christlich, denn die Texte des Albums sind aus der Perspektive Gottes sowie Satans verfasst, die sich miteinander unterhalten, und werden auch als ebensolche vorgetragen. Der Text des abschließenden <span style="font-style:italic">The Seventh Seal</span> übrigens wurde <a href="http://sudsonbleeker.com/2010/07/24/mose-giganticus-gift-horse-album-review/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">angeblich<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> von ausgerechnet <span style="color:green">Genesis</span> inspiriert.</p>
<p>Nein, <span style="color:green">Matt Garfield</span> ist kein zweiter <span style="color:green">Neal Morse</span> oder sonst ein radiokompatibler Knödelinterpret. Auf „Gift Horse“ wird gebrettert und gebratzt, dass die Wände wackeln, und der Mann hat eine Stimme, für die andere selbst ernannte Metalsänger lange und hart trainieren müssen, und er kann nicht nur singen, sondern beherrscht auch seine Instrumente vorzüglich. <span style="color:green">Dream Theater</span> kommt da <a href="http://www.blistering.com/fastpage/fpengine.php/templateid/19933/menuid/2/tempidx/4/link/1" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">manchem Rezensenten<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> wohl in den Sinn, die allerdings fragiler und weniger brachial musizieren.</p>
<p>Zwischen Metal, Grunge und Death-irgendwas schwingt das Album herum, <span style="font-style:italic">The Seventh Sea</span> lässt mich an <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/05/my-own-private-alaska-amen/" title="My Own Private Alaska – Amen" data-wpel-link="internal"><span style="color:green">My Own Private Alaska</span></a> denken und damit eben doch wieder an Grunge. Es ist angenehm, ein Album innerhalb bestimmter Genregrenzen ansiedeln zu können, weil man sich dann beim dritten oder vierten Hördurchlauf die Mühe spart, noch weitere Einflüsse herauszuhören, damit man noch etwas mehr hat, was man über es schreiben kann.</p>
<p>Es gibt Leute, die von Zeit zu Zeit das Bedürfnis verspüren, sich dem zelebrierten Lärm hinzugeben. Zu diesen Leuten gehöre auch ich, und ich halte „Gift Horse“ bei der Lärmauswahl für einen geeigneten Kandidaten.</p>
<p>Für <span style="color:red">Hörproben</span> ist gesorgt:<br>
Das <a href="http://www.myspace.com/mosegiganticus" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Myspace-Profil<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (heißt das inzwischen eigentlich offiziell „My_“?) von <span style="color:green">Mose Giganticus</span> ermöglicht einen kurzen Einblick in „Gift Horse“, zu dessen Konsum ich hiermit erfolgreich angeregt zu haben hoffe.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51uTF4oTR2L.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:100px;height:100px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51uTF4oTR2L._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="color:green;font-weight:bold">Scumbucket – Sarsaparilla</span><br>
<span style="color:red">„The world is now bleeding, and silent tears will flow“</span> (Kennedy’s Blues)
<p>Da wir gerade beim Thema „Musik zum Rumhüpfen“ waren, möchte ich auch nicht weit abschweifen. Das Wort „Schweinerock“ haben sicher die meisten von euch, liebe Leser, schon einmal gehört. Zwar weiß ich nicht so genau, was sich die Erfinder des Wortes ursprünglich darunter vorgestellt haben, aber das Album „Sarsaparilla“ klingt so, wie ich mir beim ersten Hördurchlauf dieses Albums Musik vorstellte, die man „Schweinerock“ nennen könnte.</p>
<p>Manchmal (<span style="font-style:italic">Pray for the Devil Ray</span>) klingt das dann wie <span style="color:green">Nirvana</span>, manchmal wie eine erträgliche Version von <span style="color:green">Placebo</span>, oft jedenfalls aber immerhin wie eine Band, die „Indie“ nicht für das hält, was <span style="color:green">Tocotronic</span> so machen. <span style="font-style:italic">Namedropping</span> zu betreiben erscheint hier aber beinahe fehl am Platz, betreibt das doch die Fantasie des Autors dieser Zeilen schon in ausreichendem Maße und somit auch <span style="color:green">Scumbucket</span> selbst, denn „Sarsaparilla“ kannte ich, ich gebe es zu, bislang nur als Lieblingsnahrung der <span style="color:green">Schlümpfe</span> und hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, ob es wie etwa <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Naphthalin" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Naphthalin<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, die Leibspeise von <span style="color:green">Gamma</span> aus einigen <span style="color:green">Micky-Maus</span>-Bildgeschichten, eine tatsächliche Bedeutung hat; hat es aber, denn mehrere Quellen weisen darauf hin, dass die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Raue_Stechwinde" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Raue Stechwinde<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> diesen Namen trägt.</p>
<p>„Was für eine langweilige Erklärung!“ denkt sich nun der Leser, daher lasse ich die <span style="color:green">Spongebob</span>-Referenz nun auch weg und kehre zur Musik zurück. Auf die <a href="http://www.scumbucket-music.com/http___www.scumbucket-music.com/Info.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Selbstbeschreibung seitens der Musiker<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sollte man sich nicht verlassen, denn die ist Quatsch:</p>
<blockquote><p>Für viele Musiker, Kritiker und vor allem Fans gelten Scumbucket als die Vorreiter und Urväter der deutschen Gitarrenmusik.</p></blockquote>
<p>Wahr ist: Das, was die drei Koblenzer (an der Gitarre: <a href="https://tuxproject.de/blog/2008/06/musik-2008-favoriten-und-analyse-1/" title="Musik 06/2008 – Favoriten und Analyse" data-wpel-link="internal"><span style="color:green">Blackmail</span></a>-Musiker Kurt Ebelhäuser) auf „Sarsaparilla“ von sich geben, ist gitarrenorientierter Indie-Rock mindestens anderthalbster Güte. (Warum ich bei <span style="font-style:italic">Call Me Anyone</span> an <span style="color:green">Nickelback</span> denken muss, weiß ich nicht, vielleicht habe ich <span style="color:green">Nickelback</span> auch einfach nur lange genug nicht gehört.) Der Gesang, ungewöhnlich für diese Sparte, passt zur gespielten Musik, und auch sonst ist „Sarsaparilla“ ein Album, das man als Rückschauer mal erwähnt haben sollte, weil man es sonst vermutlich irgendwann bereut.</p>
<p>Abrupt schließe ich diese Rezension, bevor ich endgültig den Faden verliere:<br>
Wer Ohren hat, der <span style="color:red">höre</span>, bevorzugt auf der <a href="http://www.myspace.com/scumbucketmusic" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">My_-Seite<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> des Trios.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/41w18dLQL-L.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:100px;height:100px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/41w18dLQL-L._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="color:green;font-weight:bold">Autolux – Transit Transit</span><br>
<span style="color:red">„No more thoughts from moving mountains“</span> (High Chair)
<p>Peter wunderte sich, als ich (<a href="http://www.schallgrenzen.de/retrospektive-2010-eure-alben-des-jahres-bitte/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">hier<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>) bekanntgab, <span style="color:green">Autolux</span>‘ neues Album zu einem meiner mittlerweile in stattlicher Anzahl ernannten Lieblingsalben des Jahres kürte, und ich konnte es auch erst nicht fassen, dass diese Band, deren Zweitling „Future Perfect“ von 2004 mich nicht vom Hocker riss, es nun doch geschafft hatte. Auf „Transit Transit“ hat das Trio aus Los Angeles („Ju Es Äih“, c/o „Far Out“) das ihrem Stil noch fehlende gewisse Etwas hinzugefügt und mich begeistert; so schnell kann’s gehen.</p>
<p>„Alternative Rock“, aber auch „nur schwer einem Genre zuzuordnen“ – während ich diese Zeilen schreibe, entferne ich diese Wirrnis aus dem deutschen Wikipediaartikel zu <span style="color:green">Autolux</span> – ist vermutlich eine <span style="font-style:italic">ganz gute</span> Beschreibung dessen, was den geneigten Hörer erwartet:</p>
<p><span style="color:green">Autolux</span> verbinden den scheppernden Noiserock der früheren <span style="color:green">Raveonettes</span> mit sorglosem Gesang, der mal ein bisschen wie <span style="color:green">Portugal. The Man</span>, mal ein bisschen wie <span style="color:green">The Amber Light</span> und mal ein bisschen wie der drogenschwangere Psychedelic Rock der späten 60-er Jahre klingt, und streuen eine Prise Postrock darüber. Hierbei ist das sechsminütige <span style="font-style:italic">The Science of Imaginary Solutions</span> bereits das längste Stück auf dem Album, verschwurbelte Arroganz ist also nicht zu befürchten.</p>
<p>Fur unbedingt hörenswert befinde ich das verzerrte <span style="font-style:italic">Headless Sky</span> und das <span style="color:green">dandywarhols</span>esque <span style="font-style:italic">Supertoys</span>, aber die anderen Lieder sind mit Ausnahme des belanglosen Titelstücks auch nicht übel; will sagen, „Transit Transit“ an sich ist unbedingt hörenswert, und ich betone ausdrücklich, dass ich nicht „eigentlich“ schrieb. Was mich an „Transit Transit“ begeistert, ist die Selbstverständlichkeit, mit der <span style="color:green">Autolux</span> hier agieren. Unverkrampften psychedelischen Noiserock hatte die Musikwelt schon ein paar Dekaden lang nicht mehr regelmäßig im Angebot.</p>
<p>„Transit Transit“ sollte man als musikaffiner Mitmensch in diesem Jahr zumindest einmal gehört haben, damit der Kulturpessimismus, der sich beim Blick auf die aktuellen Hitparaden zwangsläufig einzustellen beabsichtigt, noch ein weiteres Jahr die Klappe hält. Will noch irgendjemand meine zwei, drei, sieben oder einundzwanzig „Top-Alben 2010“ in Erfahrung bringen, weil ihm irgendwelche Ranglisten wichtiger sind als die von mir bevorzugte Prosaform, dann darf er diesem Text gern entnehmen, dass „Transit Transit“ da, bittesehr, auf jeden Fall hineingehört. Ich selbst verzichte allerdings darauf, Ranglisten zu führen, denn das, was ich in meinen Rückschauen empfehle, ist grundsätzlich ohne Tendenzen und Nuancen spitze, versteht sich. Wer braucht das „Album des Jahres“, wenn er derer gleich mehrere haben kann?</p>
<p>Und wer es noch ein bisschen genauer wissen möchte, <span style="font-style:italic">wie</span> spitze „Transit Transit“ eigentlich ist, der wird auf der <a href="http://www.myspace.com/autolux" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">My-irgendwas-Seite von <span style="color:green">Autolux</span><span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> fündig, auf der als <span style="color:red">Hörproben</span> gegenwärtig (11. Dezember 2010) einige Auszüge aus dem Album zu finden sind.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51oLuCU%2BERL.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:100px;height:100px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51oLuCU%2BERL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="color:green;font-weight:bold">Extra Life – Made Flesh</span><br>
<span style="color:red">„Too much life, so much life that we die“</span> (Voluptuous Life)
<p>Bereits im September, wie regelmäßige Leser meiner Publikationen wissen, wollte ich <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/09/not-if-i-wrap-myself-in-nylon/" title="“Not if I wrap myself in nylon …”" data-wpel-link="internal">dieses Album rezensieren</a>, allerdings kam etwas dazwischen. Eine ausführliche Würdigung hat „Made Flesh“ aber noch immer verdient. Sie folgt:</p>
<p><span style="color:green">Extra Life</span> ist ein Folkrock-/RIO-Quintett aus Brooklyn (schon wieder „Ju Es Äih“), und so seltsam, wie man sich diese Kombination vorstellt, klingt „Made Flesh“ dann auch. Das Violinen- und Mandolinenspiel von <span style="color:green">Caley Monahon-Ward</span> und der diatonische Gesang von Frontmann und Gitarrist <span style="color:green">Charlie Looker</span>, ehemals <span style="color:green">Zs</span>, einerseits und der experimentelle Avantgarde-Rock der Mitstreiter andererseits klingen zweifelsohne ungewohnt auch für jene, denen Vertreter beider Stilrichtungen (<span style="color:green">Circulus</span> kommt mir da in den Sinn) bereits bekannt sind.</p>
<p>„Progressiv“ bedeutet in bloßer Übersetzung „fortschrittlich“, und so ist die auf „Made Flesh“ gepresste Klangwelt, die zwei bereits bekannte Welten zu einer neuen verbindet, im Wortsinne eben „Progressive Rock“. Laut <a href="http://www.myspace.com/extralifetheband" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">My-irgendwas-Profil<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zählen unter anderem <span style="color:green">John Coltrane</span> und <span style="color:green">Steeleye Span</span> zu den musikalischen Vorbildern der Beteiligen, aber was bedeutet diese Angabe, wenn das Resultat der Beeinflussung eben völlig eigenständig ist? Als ich für den <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Extra_Life" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">deutschen Wikipedia-Artikel<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zur Band recherchierte, fand ich unter anderem <a href="http://www.sputnikmusic.com/review/35808/Extra-Life-Made-Flesh/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">diese Rezension<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu „Made Flesh“, deren Autor <span style="color:green">Extra Life</span> attestiert, sie gehörten zu den Musikgruppen, die ständig die Grenzen von Genres und Popmusik ausloten. Das ist, wie ich meine, eine treffende Beobachtung.</p>
<p>„Made Flesh“ ist, man erkennt es bereits am Namen, ein Konzeptalbum zum Thema Körperkult. Das abschließende <span style="font-style:italic">The Body Is True</span> fasst das Album <a href="http://lyrics.wikia.com/Extra_Life:The_Body_Is_True" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">textlich<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zusammen: Der Mensch, ständig nach optischer Perfektion und darauf aufbauender Zweisamkeit strebend, bleibt doch nur ein Sklave seiner eigenen Vergänglichkeit.</p>
<blockquote><p>Share with me, share with me the doomed flesh I made.<br>
Masterpiece! Masterpiece!<br>
The fine physique of a slave.</p></blockquote>
<p>Mitunter, etwa in <span style="font-style:italic">Easter</span>, wird es kakophonisch, eine „apokalyptische Klangmasse aus einzelnen minimalistischen Klangfiguren, die sich unerbittlich in die Gehörgänge einhämmern und einfräsen“ (Jochen Rindfrey, <a href="http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=10758#17132" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">hier<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>). So kommen auch Freunde der weniger harmonischen Klänge, die etwa <span style="color:green">Henry Cow</span> schätzen, auf ihre Kosten.</p>
<p><span style="color:red">Hörproben:</span><br>
Connoisseurs empfehle ich <a href="http://www.youtube.com/watch?v=-LwQoVjrFWI" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">diese<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Liveversion von <span style="font-style:italic">Easter</span>, ansonsten gibt es <a href="http://www.amazon.com/gp/product/B0036I5QYI?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> 30-sekündige Ausschnitte aus „Made Flesh“ zu hören.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51UAwdGVPcL.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:100px;height:100px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51UAwdGVPcL._SL500_AA240_.jpg"></a></span><span style="color:green;font-weight:bold">The WindMill – To be continued…</span><br>
<span style="color:red">„Why is everything so hard to appreciate?“</span> (Don’t Be Afraid)
<p>Eine Sonderstellung in dieser Liste nimmt „To be continued…“ ein, denn es ist zwar ebenso spitze wie die anderen hier genannten Alben, jedoch spreche ich in diesem Fall keine uneingeschränkte Kaufempfehlung aus, ohne ein wenig zu meckern:</p>
<p>Steht der Gesang bei <span style="color:green">Extra Life</span> im Vordergrund, kann man ihn bei <span style="color:green">The WindMill</span>, lustigerweise (oder absichtlich?) bei Windmill Records unter Vertrag, beinahe vernachlässigen. Zwar wird auf „To Be Continued…“ gesungen, aber überwiegend agieren die Norweger instrumental mit Inspiration von <span style="color:green">Camel</span> und <span style="color:green">Caravan</span>, und wenn <span style="color:green">Morton Clason</span> losflötet, kommt auch mal <span style="color:green">Jethro Tull</span> durch. Das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie vor allem eine Rockband sind, mäandernde Wolken aus Synthesizern oder jedenfalls Keyboards hier also nicht ständig produziert werden.</p>
<p>Achja, der Gesang. Es ist eigentlich schade, dass er aufgenommen wurde, denn ohne ihn würde „To be continued…“, wenn mich das kurze Überfliegen der einschlägigen Rezensionen nicht trog, deutlich positiveren Anklang finden. Ihn zu ignorieren ist unterschiedlich schwierig, gerade, wenn man wie ich bei Musik immer auch auf die Texte achtet. Er wirkt, oft (etwa im Balladenteil von <span style="font-style:italic">A Day in a Hero’s Life</span>) ein wenig zu sehr in den Vordergrund gemischt, meist deplatziert und aufgesetzt, mitunter auch <a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2010/The-Windmill/To-Be-Continued/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">gelangweilt<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, und vielleicht wäre es besser gewesen, <span style="color:green">The WindMill</span> hätten auf ihn verzichtet.</p>
<p>Nun aber genug der Meckerei, denn trotzdem reicht es noch nicht, um „To be continued…“ aus der Rückschau zu werfen, es ist musikalisch zu gut. Der instrumentale Einstieg <span style="font-style:italic">Cinnamon</span> ist ein feines Stück Retro-Prog, das folgende <span style="font-style:italic">The Colour of Seasons</span>, ein retroprog-orientiertes Rockstück, wartet sogar, obigen Abschnitt durchaus berücksichtigt, mit Gesang auf, der zur Musik passt. Fast bin ich geneigt, beim Hören dieses Liedes vom Sofa aufzuspringen und zu rufen: „Na bitte, es geht doch!“.</p>
<p>Im Mittelpunkt steht aber das fast 22-minütige <span style="font-style:italic">A Day in a Hero’s Life</span>, ein mehrteiliger <span style="font-style:italic">longtrack</span>, der <a href="http://www.progarchives.com/Review.asp?id=295585" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">im Ausland<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> besser ankommt als <a href="http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=10807" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">in Deutschland<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>:</p>
<blockquote><p>This is an epic in the <span style="color:green">Yes</span> and <span style="color:green">Genesis</span> vein. It is also a pretty heavy prog track which leads my thoughts over to <span style="color:green">Rush</span> too. Not to mention <span style="color:green">Jethro Tull</span> at Aqualong <span style="font-style:italic">(sic)</span>. <span style="font-style:italic">A Day in a Hero’s Life</span> is an excellent epic and a proof that this band has a lot of different arrows in their armory.</p></blockquote>
<p>Wirklich schlecht ist „To be continued…“ nicht, ebenso wie ich allerdings auch das vielfach verrissene „Pure“ von <span style="color:green">Pendragon</span>, mit denen <span style="color:green">The WindMill</span> mitunter verglichen werden, mag. Etwas weniger anstrengender Gesang wäre schön; und dann kann es sein, dass das Nachfolgealbum mir so richtig gut gefällt und ich aufhöre zu meckern. Freunde soliden Neoprogs, die auch gegen <span style="color:green">Pendragon</span> und <span style="color:green">IQ</span> nichts einzuwenden haben, können mit diesem Album jedenfalls nicht viel verkehrt machen.</p>
<p>Als <span style="color:red">Hörprobe</span> lässt sich <span style="font-style:italic">The Colour of Seasons</span> derzeit <a href="http://www.youtube.com/watch?v=_11gS-g35qg" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf YouTube<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> konsumieren. Man möge dies tun!</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51pb6Xn2kvL.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:100px;height:100px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51pb6Xn2kvL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="color:green;font-weight:bold">The High Confessions – Turning Lead Into Gold With The High Confessions</span><br>
<span style="color:red">„The bullets fly back to the gun“</span> (Mistaken For Cops)
<p>Für die halbjährliche Dosis <span style="color:green">The Velvet Underground</span> ist diesmal jedenfalls teilweise das Debütalbum dieser <span style="font-style:italic">supergroup</span> mit <span style="color:green">Chris Connelly</span> (u.a. <span style="color:green">Ministry</span>), <span style="color:green">Steve Shelley</span> (<span style="color:green">Sonic Youth</span>), <span style="color:green">Sanford Parker</span> (<span style="color:green">Minsk</span>) und <span style="color:green">Jeremy Lemos</span> (<span style="color:green">White/Light</span>) mit dem obskuren Retro-Albentitel zuständig. Aus zwei von <span style="color:green">The Velvet Underground</span> beeinflussten Noise-Rock-Bands und zwei Metalbands setzen sich also die Wurzeln der <span style="color:green">High Confessions</span>, der „hohen Bekenntnisse“, zusammen, und wozu sich die vier Herren bekennen, wird schnell klar:</p>
<p>Die repetitiven Strukturen mit dem Wechsel von Gitarre und Gesang sowie der treibende Rhythmus, die bereits im ersten Stück <span style="font-style:italic">Mistaken For Cops</span> auffallen, ließen mich schon beim ersten Hören an die <span style="color:green">VU</span>-Glanztaten <span style="font-style:italic">I Can’t Stand It</span> und <span style="font-style:italic">Sister Ray</span> denken. Wer nun aber eine bloße Kopie vermutet, der hat sich geschnitten und sollte etwas tun, bevor er hier alles vollblutet; mitnichten sind <span style="color:green">The High Confessions</span> ein weiterer Versuch, nur wie die alten Helden zu klingen, denn hinter all dem steht ein eigenes Konzept.</p>
<p><span style="font-style:italic">Mistaken For Cops</span> ist mit 4:03 Minuten das kürzeste Stück des Albums, es folgen zwei Elf- und ein Siebzehnminüter in umgekehrter Reihenfolge. Als fünftes und letztes Stück steht <span style="font-style:italic">Chlorine And Crystal</span> auf der Titelliste, das es auch auf immerhin neuneinhalb Minuten bringt und wie eine weniger angestaubte Inkarnation der <span style="color:green">Talking Heads</span> klingt. „<span style="color:green">Talking Heads</span>“, fragt mich nun der aufmerksame Leser, „was haben die denn mit <span style="color:green">VU</span> zu tun?“ – nun: Nichts. Wie ich schon schrieb, wird hier mehr als nur der Pflege alten Kulturguts gefrönt.</p>
<p><span style="font-style:italic">Along Came The Dogs</span>, stolze 17:07 Minuten lang, ist zum Beispiel eher eine Klangcollage als ein tatsächliches „Lied“. Los geht es mit Trommelwirbel, leise setzt Bassbrummen ein, ab 1:36 Minuten sind dann Stimmen zu hören, die etwas von Hunden dahermurmeln und ‑rufen. Nach fünfeinhalb Minuten verstimmt dann schließlich die letzte Stimme, zu <span style="font-style:italic">Little-Drummer-Boy</span>-Trommeln fiept, brummt und surrt es elektronisch. Zwei Minuten später setzen erneut Stimmen ein, die sich in einen monotonen Sprechgesang hineinsteigern, während die Hintergrundgeräusche mit Gitarren- und Keyboardeinwürfen bedrohlich anschwellen und erst ab etwa 14:30 langsam abebben, um sich zum Ende hin nochmals in Feedback zu entladen. „Post-Psychedelic“ nennen das die schubladenwütigen Musikjournalisten wohl heutzutage, und obwohl sich Parallelen zu etwa <span style="color:green">Pink Floyd</span> doch mitunter zeigen, so wäre dies ungerecht. Ekstatisch und hypnotisch kommt <span style="font-style:italic">Along Came The Dogs</span> daher und bleibt dabei fesselnd; „Atmosphäre“ heißt das Zauberwort hier, denn damit steht und fällt so ein Konzept, und vom Fallen kann hier keine Rede sein.</p>
<p>Auch die übrigen beiden Stücke, <span style="font-style:italic">Dead Tenements</span> und <span style="font-style:italic">The Listener</span>, funktionieren nach diesem Prinzip, obgleich diese weniger collagenartig sind. Ich bin versucht, <span style="font-style:italic">The Listener</span> als Postrock zu bezeichnen, denn mit seinem trägen Rhythmus und dem entrückten, leicht schrägen Gesang könnte es auch von <span style="color:green">A Silver Mt. Zion</span> stammen. (Auf Amazon.de geht „Turning Lead Into Gold With The High Confessions“ übrigens ohne weitere Differenzierung als „Post-Rock-Album“ durch. Amazon.de ist doof.)</p>
<p>„Turning Lead Into Gold With The High Confessions“ ist ein anstrengendes, aber auch vielseitiges Album. Wer Musik gern auch ein wenig Zeit lässt, sich zu entfalten, dessen Anstrengungen belohnen die <span style="color:green">High Confessions</span> recht bald, und ihr Lohn ist kein geringer.</p>
<p>Zum Anfixen verweise ich auf diese <span style="color:red">Hörproben</span>:<br>
Während <a href="http://www.amazon.de/Turning-Lead-Into-Gold/dp/B003EXVTXM/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> mit den üblichen 30-sekündigen Ausschnitten aufwartet, kann man derzeit (12. Dezember 2010) <span style="font-style:italic">Mistaken For Cops</span> und <span style="font-style:italic">Chlorine And Crystal</span> in voller Länge auf der <a href="http://www.myspace.com/thehighconfessions" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">My-irgendwas-Profilseite<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> der Band hören.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51aQqD%2BwYWL.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:100px;height:100px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/51aQqD%2BwYWL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="color:green;font-weight:bold">For A Minor Reflection – Höldum í átt að óreiðu</span>
<p>Aus Island kommen <span style="color:green">Björk</span>, eine lustige Sprache und <span style="color:green">Sigur Rós</span>, für sphärische Instrumentalmusik bietet die Gegend offenbar einen guten Nährboden. Entsprechend entspannend geht es bei den instrumentalen Postrockern <span style="color:green">For A Minor Reflection</span> voran, deren in diesem Jahr veröffentlichtes Album „Höldum í átt að óreiðu“ bezeichnenderweise in den <span style="color:green">Sigur-Rós</span>-Studios aufgenommen wurde.</p>
<p>Mitunter liest man Vergleiche mit <span style="color:green">Mogwai</span>, etwa von <span style="color:green">Sigur Rós</span> höchstselbst, aber trotz dieses schmeichelhaften Vergleichs klingt „Höldum í átt að óreiðu“ vor allem skandinavisch. Das kann man auch, wie etwa in <a href="http://whitetapes.de/album-reviews/for-a-minor-reflection-holdum-i-att-a%C3%B0-orei%C3%B0u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">dieser<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ansonsten eher unnetten Kritik, so ausdrücken:</p>
<blockquote><p>Entgegen dem Albumtitel, was soviel heißt wie „Auf’s Chaos zusteuern“, bestimmen liebliche Melodien und ein insgesamt helles Timbre die Platte; an lauten Schlagzeugeinlagen fehlt es trotzdem nicht.</p></blockquote>
<p>Ja, hier und da wird es auch mal schrammel-postrockig, etwa dann, wenn in <span style="font-style:italic">Kastljós</span> die Gitarrenwände auf den Hörer einprasseln, wie Wände das eben so machen; aber <span style="color:green">For A Minor Reflection</span> kann auch anders, wie etwa <span style="font-style:italic">Sjáumst Í Virginíu</span> und insbesondere das fröhlich-beschwingte <span style="font-style:italic">Dansi Dans</span> (mit Klavierintro!) zeigen, dann nämlich zeigen die Isländer ihre Stärke, eben auch mal in alter <span style="color:green">Sigur-Rós</span>-Manier – isländisch eben – mit sanften Tönen zu musizieren.</p>
<p>Ich behaupte: Wer instrumentalen Postrock schätzt, der nicht nur brachial, sondern auch mal dezent sein darf, dem wird „Höldum í átt að óreiðu“ gefallen; wer damit bislang nicht viel anfangen kann, dem empfehle ich, zumindest einmal in dieses Album hineinzuhören.</p>
<p>Bevorzugt mit diesen <span style="color:red">Hörproben:</span><br>
Auf YouTube stehen prima Liveaufnahmen von <a href="http://www.youtube.com/watch?v=eYunN086akw" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Kastljós<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> )mit viel blödem Vorgeplänkel) und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=IAsS6h7dBG8" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Dansi Dans<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (mit ohne blödes Vorgeplänkel) zur Verfügung.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/61%2Bd1FZTQxL.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:100px;height:100px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/61%2Bd1FZTQxL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="color:green;font-weight:bold">Dear John Letter – Part &amp; Fragment</span><br>
<span style="color:red">„I’m a shaky hand, I’m a restless leg…“</span> (You Remain Unshakeably Calm)
<p><span style="color:green">Dear John Letter</span>, meine persönlichen Götter auf dem eigens für sie errichteten Alternative-Psychedelic-Postrock-Olymp, haben sich ihren Stammplatz in meinen Rückschauen mit ihrer Musik hart erkämpft und so nicht erst seit dem <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/11/ein-psychedelischer-genuss-dear-john-letter-in-braunschweig/" title="Ein psychedelischer Genuss: Dear John Letter in Braunschweig" data-wpel-link="internal">überwältigenden Konzert in Braunschweig</a> gesichert.</p>
<p>Mit dem Plattenvertrag, der nach der Veröffentlichung des Debüts vor zweieinhalb Jahren (<a href="https://tuxproject.de/blog/2008/06/dear-john-letter-between-leaves-forestal/" title="dear john letter: Between Leaves – Forestal" data-wpel-link="internal">ich berichtete</a>) geschlossen wurde, hat sich nicht viel geändert. „Part &amp; Fragment“ ist weniger kantig als die vorigen Tonträger und wirkt aufgrund der teilweise fließenden Übergänge wie ein einziges Musikstück aus mehreren, dafür vergleichsweise kurzen Teilen. Die Betonung (ich berichtete <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/10/dear-john-letter-part-fragment/" title="Dear John Letter – Part &amp; Fragment" data-wpel-link="internal">ebenfalls</a>) liegt auf einer anderen Stärke von <span style="color:green">Dear John Letter</span>, der zelebrierten Hypnose nämlich:</p>
<blockquote><p>Eine Abwendung vom Postrock <a href="http://www.musikansich.de/review.php?id=8966" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">wurde attestiert<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, und auch, wenn sich das Album nicht bloß in die Worte „klingt wie Postrock mit prima Gesang“ kleiden lässt, so ist doch keinesfalls eine Abkehr zu hören, sondern vielmehr eine Ergänzung. Zu den gewohnten Tönen (<span style="color:green">Mogwai</span>, <span style="color:green">Oceansize</span>, <span style="color:green">Amplifier</span>, eine Prise <span style="color:green">Pink Floyd</span>) stoßen neue Einflüsse, der dies für mich am beeindruckendsten demonstrierende Part ist das abschließende Gitarrensolo in <span style="font-style:italic">House of Leaves</span>, das mir auch endlich erklärt, wieso <a href="http://www.schallgrenzen.de/the-review-dear-john-letter-parts-fragment/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> <span style="color:green">Led-Zeppelin</span>-Remineszenzen aus der Vergleichsschublade kramte, die andererseits trotz wunderbarer Momente wie etwa <span style="font-style:italic">Achilles’ Last Stand</span> nie so detailverliebt zu Werke gingen.</p></blockquote>
<p>„Part &amp; Fragment“, „teile und zerbrich“? Dies ist eine mögliche Bedeutung des Titels, und es möge <span style="color:green">Dear John Letter</span> so bald nicht widerfahren. Großartige Musik gerade während der kalten Wintertage. Es muss ja nicht immer <span style="font-style:italic">Last Christmas</span> sein.</p>
<p><span style="color:red">Hörproben:</span><br>
Vom eröffnenden <span style="font-style:italic">You Remain Unshakeably Calm</span> gibt es auf YouTube ein <span style="font-style:italic"><a href="http://www.youtube.com/watch?v=dwnMBE0Fwfw" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">radio edit<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a></span>, eine Radioversion also, die es wohl nie in deutsche Radiosender schaffen wird. Das spricht nicht für die Qualität des Rundfunks, lässt mich aber hoffen, dass es auch weiterhin nicht zu einer dem bloßen Ausverkauf geschuldeten Orientierung an aktueller Popmusik kommen wird.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/61-G4o5wTOL.jpg" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:100px;height:100px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/61-G4o5wTOL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="color:green;font-weight:bold">U.S. Christmas – Run Thick In The Night</span><br>
<span style="color:red">„Leave your body, it is ruined“</span> (Fire Is Sleeping)
<p>Zum Abschluss der Hauptliste wird es dann zumindest namentlich, passend zur Jahreszeit, weihnachtlich:<br>
<span style="color:green">U.S. Christmas</span>, kurz <span style="color:green">USX</span>, heißt zwar so, hat aber mit Weihnachten ansonsten nichts zu tun.</p>
<p>Ich greife mal willkürlich das eröffnende <span style="font-style:italic">In The Night</span> heraus, 12:57 Minuten lang. Es ertönt ein Postrockrhythmus, ab etwa zwei Minuten setzt klagender Gesang mit viel Hall ein, Gitarrenwände werden aufgeschichtet und kollabieren, den <span style="color:green">Einstürzenden Neubauten</span> nicht unähnlich, am Ende des Stückes. Ich greife <span style="font-style:italic">Suzerain</span> heraus, 8 Minuten und 46 Sekunden lang, und höre das gleiche.</p>
<p>Aber es bleibt nicht dabei. <span style="font-style:italic">Ephraim In The Stars</span> klingt mit seiner <span style="font-style:italic">clean</span> gespielten Gitarre, den Streichern und den Chören wie eine Kollaboration von <span style="color:green">Her Name Is Calla</span> mit <span style="color:green">Pure Reason Revolution</span> auf „The Dark Third“ und ein bisschen <span style="color:green">Wive</span>. <span style="font-style:italic">The Moon In Flesh And Bone</span> lebt von <span style="color:green">Nate Hall</span>s klagendem Gesang und lässt mich dann doch noch mal <span style="color:green">A Silver Mt. Zion</span> als Referenz heranziehen. Das kurze <span style="font-style:italic">Fire Is Sleeping</span> könnte auch Anhänger von <span style="color:green">John Cale</span>s experimentelleren Stücken verzücken.</p>
<p><a href="http://drownedinsound.com/releases/15704/reviews/4141180" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Anderswo<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> nennt man das, was hier ertönt, einen „Spaghettiwestern“, und ich finde den Vergleich blöd, weil ich auch Western blöd finde. Schöner vergleicht <a href="http://www.metalnews.de/?metalid=05&amp;action=show&amp;cdid=5128" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">dieser<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> Rezensent:</p>
<blockquote><p>Bereits im dreizehnminütigen Eröffnungssong <span style="font-style:italic">In The Night</span> ziehen <span style="color:green">US CHRISTMAS</span> alle Register von dröhnenden Riffs über wabernde Gitarren- und Synthieflächen bis hin zu von Tribal-Rhythmik unterlegtem und mit akustischen Einsprengseln versehenen Space Rock inklusive der allseits beliebten „Raumschiffkommandobrückengeräusche“, wie sie durch <span style="color:green">HAWKWIND</span> populär gemacht wurden. Die Übergänge gestalten die Amerikaner dabei derart subtil und unauffällig, dass man gar nicht erst auf Worte wie „kopflastiges Konstrukt“ oder „Stilbruch“ kommt. Das Sextett aus North Carolina lässt vor allem in den langen Stücken einfach mal die eine, mal die andere Spielart Oberhand gewinnen, ohne dass es zu Rangordnungskämpfen kommen könnte. Wozu auch, denn man hat ja Zeit und weiß sie zu nutzen.</p></blockquote>
<p>Interessant liest sich übrigens auch die Gästeliste. <span style="color:green">Sanford Parker</span>, unter anderem Mitglied der oben bereits gewürdigten <span style="color:green">The High Confessions</span>, spielt auf „Run Thick In The Night“ ein „über den Boden gezerrtes Tamburin“. Kicher.</p>
<p><span style="color:red">Hörproben:</span><br>
Auszüge aus dem Album gibt es <a href="http://www.amazon.de/Run-Thick-Night-Us-Christmas/dp/B003RXXZXQ/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">auf Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sowie <a href="http://www.myspace.com/uschristmas" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf My-irgendwas<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu hören.</p></li>
</ol>
<p>Nachdem ihr nun euer Konto für einige prima Musikalben geleert habt, lege ich quasi als Dreingabe drei schöne gratis und legal herunterladbare Werke obendrauf. Sie folgen umgehend:</p>
<p><span style="color:blue;font-size:14px;font-weight:bold">2. <span style="text-decoration:underline">Kost‘ nix und klingt gut.</span></span></p>
<ol>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><img decoding="async" style="width:60px;height:60px" src="http://www.theboiler.de/MySpace/tb-ms-order-from-noise.jpg"></span><span style="color:green;font-weight:bold">The Boiler – Order From Noise</span>
<p><span style="color:green">The Boiler</span> aus Münster gibt es <a href="http://www.myspace.com/theboileronline/blog/539925651" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">seit Oktober nicht mehr<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, zum Abschied haben sie jedoch diesen schönen EP mit fünf am Metal etwa der <span style="color:green">Stolen Babies</span> orientierten Stücken von insgesamt über 20 Minuten Länge hinterlassen.</p>
<p><a href="http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=10932" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Coheed and Cambria<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> werden als Vergleichsobjekt benutzt, besondere Erwähnung verdient jedoch Sängerin <span style="color:green">Alina</span>, die auf Fotos immer ein bisschen blöd guckt, aber eine beeindruckende Stimme vorweisen kann. Zwei der vier Mitglieder <a href="http://theboiler.de/tb-infos2.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">finden <span style="font-style:italic">Complicate</span> überragend<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, mir gefällt besonders <span style="font-style:italic">One Missing</span>.</p>
<p>Was nun definitiv das bessere Lied ist, möge der geneigte Leser selbst entscheiden, <a href="http://www.myspace.com/theboileronline/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf My-irgendwas<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist „Order From Noise“, der „Befehl vom Krach“ also, vollständig als Stream verfügbar.</p>
<p><span style="color:red">Bezugsquellen:</span><br>
„Order From Noise“ könnt ihr zum Beispiel <a href="http://theboiler.de" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">auf der Internetseite der Band<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> sowie natürlich <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2279" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">via eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> herunterladen.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><img decoding="async" style="width:60px;height:60px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/LostChildren083.jpg"></span><span style="color:green;font-weight:bold">Pet Slimmers of the Year – …And The Sky Fell</span>
<p>Bei <a href="http://www.schallgrenzen.de/pet-slimmers-of-the-year-and-the-sky-fell/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> fand ich diesen EP von dem für prima Postrock inzwischen einschlägig bekannten Netlabel Lost Children, eine (in gewohnt kreativer Schreibweise)</p>
<blockquote><p>grossartiges Bolzerei. Elegnate Flanken und wuchtige musikalische Grätschen. Eine feine instrumentale Mischung aus Metal und Post-Rock von <span style="color:green">Pet Slimmers Of The Year</span>.</p></blockquote>
<p>Zwar wird auch vokal intoniert, aber das ist laut Aussage der Musiker nicht beachtenswert:</p>
<blockquote><p>From the mournful grey shadows of the English winter in early 2008, three friends sought to create something new and exciting with sounds alone. There are few words, they are not redundant.</p></blockquote>
<p>Auf etwas mehr als 20 Minuten kommen <span style="color:green">Pet Slimmers of the Year</span>, obwohl sie ebenfalls mit „nur“ fünf Stücken auskommen. Allein <span style="font-style:italic">I Am The Ocean</span> ist über 12 Minuten lang. Musikalisch verwandt mit <span style="color:green">God Is An Astronaut</span> und <span style="color:green">Nihiling</span>, komplett anzuhören auf <a href="http://www.archive.org/details/LostChildren083" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Archive.org<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
<p><span style="color:red">Bezugsquellen:</span><br>
Außer dem Download auf <a href="http://www.archive.org/details/LostChildren083" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Archive.org<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es auch den üblichen <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2219" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Download via eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><img decoding="async" style="width:60px;height:60px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/12/mona_2_apm250.png"></span><span style="color:green;font-weight:bold">mona de bo – nekavejies šis ir speles ar tevi</span>
<p><span style="color:green">mona de bo</span> in einem Wort: Filmmusik. Als einziger der drei hier aufgeführten Gratisdownloads ist „nekavejies šis ir speles ar tevi“ ein richtiges Album von fast 70 Minuten Länge. Von Drones durchsetzter Postrock instrumentaler Natur wird hier geboten, vergleichbar zum Beispiel mit <span style="color:green">Earth</span>, aber auch <span style="color:green">Sunn O)))</span> und <span style="color:green">Dead Can Dance</span> <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/album_10845.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">bieten Vergleichspunkte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
<p>Cineasten dürften von diesem Album begeistert sein, die Mischung aus dröhnenden Drones und <span style="color:green">queen</span>esquer Theatralik weiß aber auch andere, etwa mich, zu überzeugen. Feines Album, das.</p>
<p><span style="color:red">Bezugsquellen:</span><br>
Man kann das Album für 10 Euro plus Versand bei der Band <a href="http://monadebo.com" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">bestellen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> oder im MP3-Format dort herunterladen. Wer seine E‑Mail-Adresse lieber nicht in irgendwelchen Formularen im Internet eintragen möchte, der wird auch <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2233" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">bei eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> fündig.</p></li>
</ol>
<p>Nicht alles war in diesem Jahr aber musikalisch prima. Zum Halbjahr <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/" title="Musik 06/2010 – Favoriten und Analyse" data-wpel-link="internal">schrieb ich</a>, ich hoffe für die zweite Rückschau 2010 auf mehr furchtbaren Schrott, über den ich mich aufregen kann. Diese Aufgabe wurde bravourös gelöst, ein Auszug folgt, wie üblich, in Kurzform:</p>
<p><span style="color:blue;font-size:14px;font-weight:bold">3. <span style="text-decoration:underline">Grausame Klänge.</span></span></p>
<ol>
<li><span style="color:green;font-weight:bold">Anathema – We’re here because we’re here</span><br>
Na, wenn das der einzige Grund ist…?</li>
<li><span style="color:green;font-weight:bold">Tempano – Selective Memory</span><br>
Eine viel versprechende Einleitung, aber dann doch nur Weichspülgesang über einschläfernden Melodien. Schade!</li>
<li><span style="color:green;font-weight:bold">Mystery – One among the living</span><br>
<span style="color:green">Dream Theater</span> für wirklich sehr, sehr Arme.</li>
<li><span style="color:green;font-weight:bold">The Pineapple Thief – Someone Here Is Missing</span><br>
<span style="font-style:italic">Worst Of <span style="color:green">Porcupine Tree</span></span></li>
<li><span style="color:green;font-weight:bold">Grinderman – Grinderman 2</span><br>
So sehr ich mir auch Mühe gebe: Ich verstehe nicht, was <span style="color:green">Nick Cave</span> mit diesem Album sagen will.</li>
</ol>
<p>Wie immer schließe ich diesen Text mit einer Rückschau auf 40 Jahre Musikgeschichte. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber es ist tröstlich zu sehen, dass bisher noch jedes Jahrzehnt wichtige Alben vorzuweisen hatte.</p>
<p><span style="color:blue;font-size:14px;font-weight:bold">4. <span style="text-decoration:underline">Musikalische Zeitreise 1970 – 2000.</span></span></p>
<ul>
<li><span style="color:red">Vor 40 Jahren:</span><br>
<span style="color:green">The Stooges – Fun House</span><br>
Während die Musikwelt überwiegend noch dem <span style="font-style:italic">Summer of Love</span> nachtrauerte und Bands wie <span style="color:green">Evolution</span> mit ihrem gleichnamigen Album noch versuchten, den Psychedelic Rock zu dem weiterzuentwickeln, was heute als Stoner Rock bezeichnet wird und sich zu Recht großer Beliebtheit erfreut, hatten sich andere Musiker längst anders orientiert. <span style="color:green">Kevin Ayers</span> legte mit „Shooting At The Moon“ <span style="font-style:italic">das</span> RIO/Avantgarde-Album des Jahres vor, auf dem er sich außer mit elektronischen Klangexperimenten auch mit Country (<span style="font-style:italic">Clarence In Wonderland</span>) beschäftigte, und <span style="color:green">Iggy Pop</span> bereitete gemeinsam mit den <span style="color:green">Stooges</span> von Detroit aus mit dem unbequemen Garagenrock, der auch später die entstehende Punkszene beeindruckte, des Albums „Fun House“ ein Ende, der plakativ der bis dahin vorherrschenden Musikszene die Zunge herausstreckte. Spaß macht das Album sicherlich, aber es ist und macht vor allem auch aggressiv. <span style="font-style:italic">Do you feel it when you touch me?</span>, so etwas hätten die <span style="color:green">Beatles</span> nie gesungen, aber die stimmten zu dieser Zeit bereits ihren Schwanengesang an. <span style="font-style:italic">I’ll stick it deep inside ‚cause I’m loose.</span> Ein Weg weisendes Album, das in die Richtung wies, der man in den späten 70-er Jahren weitgehend folgte. Ein Jahrzehnt freundlicher Beat und Hippiegesäusel waren genug. Die <span style="color:green">Stooges</span> hatten sich allerdings bald satt; 1973 erschien mit „Raw Power“ das dritte und vorerst letzte Album der zwischenzeitlich bereits aufgelösten und wieder vereinten Band, und erst 29 Jahre später fanden sie sich wieder zusammen. Der Rest ist Geschichte.</li>
<li><span style="color:red">Vor 30 Jahren:</span><br>
<span style="color:green">Yes – Drama</span><br>
Was ist das erste Wort, das dem geneigten Musikfreund beim Begriff „80-er Jahre“ einfällt? Richtig: Drama. Der Progressive Rock lag im Sterben, Bands wie <span style="color:green">Harmonium</span> gingen längst getrennte Wege; die Punkszene, die in Deutschland noch nicht einmal voll erblüht war, hatte in Großbritannien mit der Auflösung der <span style="color:green">Sex Pistols</span> 1978 bereits ihre wichtigsten Protagonisten verloren. Irgendein Unsympath entdeckte derweil die einschläfernde Wirkung elektronischer Perkussions- und Tasteninstrumente und trug so maßgeblich dazu bei, die Welt mit eintönigem Müll zu überschwemmen. Einzig <span style="color:green">Yes</span> widersetzten sich noch, indem sie nach dem Weggang von <span style="color:green">Jon Anderson</span> und <span style="color:green">Rick Wakeman</span> die vakanten Posten mit den <span style="color:green">Buggles</span> besetzten, die mit <span style="font-style:italic">Video Killed The Radio Star</span> gerade weit reichende Berühmtheit erlangt hatten. „Drama“ wurde für lange Zeit das letzte „progressive“ <span style="color:green">Yes</span>-Album; das 1983 veröffentlichte Nachfolgewerk „90125“ verkaufte sich wegen <span style="font-style:italic">Owner Of A Lonely Heart</span> zwar nicht schlecht, war aber doch nur mehr ein immerhin noch überdurchschnittliches Artpop-Album. Wenig tröstlich ist es da, dass die folgenden Alben noch schrecklicher waren. „Drama“ jedenfalls war ein letztes Aufbäumen der einstigen Heroen des Progressive Rock und ist ein wirklich starkes Werk, das schon mit dem einleitenden <span style="font-style:italic">Machine Messiah</span> an den bekannten <span style="color:green">Yes</span>-Stil anknüpft. Erst 1996 fand man zurück zu alter Größe, die beiden 2010 als Vierfachalbum neu aufgelegten Alben „Keys To Ascension“ und „Keys To Ascension 2“ bleiben bis heute das letzte Vermächtnis einer längst vergangenen Epoche. Die Hoffnung stirbt zuletzt.</li>
<li><span style="color:red">Vor 15 Jahren:</span><br>
<span style="color:green">Mr. Bungle – Disco Volante</span><br>
Nach einer nahezu ereignislosen Phase weitgehend unspannender musikalischer Entwicklungen, sieht man einmal von der Reunion der <span style="color:green">Die Ärzte</span> im Jahr 1993 ab, ging es gegen Mitte des Jahrzehnts endlich voran. Mit „P.U.L.S.E.“ kann man seitdem das letzte Album <span style="color:green">Pink Floyd</span>s kaufen, das zum vorerst letzten Mal ihre Livequalitäten darlegte, die mal wieder reformierten <span style="color:green">King Crimson</span> verwirrten die Käufer mit seltsamen Alben- („THRAK“, „B’Boom“) und Liedtiteln („VROOOM VROOOM“), <span style="color:green">Mike Patton</span> legte nach dem verrückten Debütalbum seiner Band <span style="color:green">Mr. Bungle</span> derweil noch eine Schippe drauf: „Disco Volante“ ist anstrengende Avantgarde, die man wahrscheinlich nicht mal eben nebenbei hören kann, ohne den Verstand zu verlieren. Klezmermusik, Jazz vieler Stilrichtungen, Metal, Rock, Polka, Tango, Salsa, Filmmusik: All das prasselt hier quasi im Sekundentakt auf den Hörer ein, inspiriert unter anderem von <span style="color:green">Edgar Allan Poe</span>, <span style="color:green">Ennio Morricone</span> und depressiven Phasen der Bandmitglieder. (Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Disco_Volante" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">deutschsprachige Wikipedia<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> weiß mehr.) Wer <span style="color:green">Mike Patton</span> nur von <span style="color:green">Faith No More</span> (<span style="font-style:italic">I’m easy, I’m easy like Sunday morning</span>) kennt und solcherlei seichte Unterhaltung mag, dem erscheint „Disco Volante“ wohl einem Ritt durch die Hölle gleich. Während <span style="color:green">Mr. Bungle</span> sich mit dem folgenden und vorerst letzten Album „California“ wieder von der gefälligen Seite zeigten, gründete <span style="color:green">Mike Patton</span> die Band <span style="color:green">Fantômas</span>, die den auf „Disco Volante“ eingeschlagenen Weg seitdem weiter verfolgt. Was bleibt, ist eine Momentaufnahme der Kombination aus Free Jazz, Metal und Surrealismus, die <span style="color:green">Mr. Bungle</span> stets auszeichnete.</li>
<li><span style="color:red">Vor 10 Jahren:</span><br>
<span style="color:green">Porcupine Tree – Lightbulb Sun</span><br>
Im Jahr 2000, als ein großer Teil der Menschen das „neue Jahrtausend“ feierte und sich daran auch von Mathematikern nicht hindern ließ, die sie jedenfalls zu Recht daran erinnerten, dass sie das viel zu früh taten und dass das mit den Jahrtausenden ohnehin wegen diverser Kalenderreformen so nicht stimmte, hatte sich die Musikwelt von den Plastikpop-/rockausbrüchen der 80-er und frühen 90-er Jahre endlich weitgehend erholt, und vergessen geglaubte Musikstile wurden neu entdeckt. Die Kanadier <span style="color:green">Hamadryad</span> spielten auf ihrem Debütalbum „Conservation of Mass“ interessanten, bereits hörbar von <span style="color:green">Genesis</span> beeinflussten Progressive Rock, <span style="color:green">Ufomammut</span> setzten mit dem psychedelischen Stoner Rock auf „Godlike Snake“ (ein Titel, der besonders fromme Musikhörer in den USA erschüttert haben dürfte) eines von vielen Ausrufezeichen, <span style="color:green">King Crimson</span> führten auf „The ConstruKction of Light“ sowohl die Lärmausbrüche von „THRAK“ und dem Livealbum „THRaKaTTaK“ als auch die blöde Angewohnheit fort, blöde Lied- und Albentitel zu kreieren, und ein gewisser <span style="color:green">Steven Wilson</span>, der fast zehn Jahre später die Alben des „karmesinroten Königs“ gemeinsam mit <span style="color:green">Robert Fripp</span> neu zusammensetzen durfte, gab seiner <span style="color:green">floyd</span>igen Psychedelic-Band <span style="color:green">Porcupine Tree</span> auf „Lightbulb Sun“ einen rockigen Anstrich, erfand so nebenbei den „New Artrock“ und machte sich mit Liedern wie <span style="font-style:italic">Four Chords That Made A Million</span> – der Titel sagt alles – über die Musikindustrie lustig. Ganz ohne die altbewährten Psychedelic-Teppiche ging es zum Glück doch nicht, und so ist auf „Lightbulb Sun“ mit <span style="font-style:italic">Shesmovedon</span> einer der schönsten Momente in der bisherigen Geschichte von <span style="color:green">Porcupine Tree</span> zu finden. Eigentlich ist es schade, dass man auf dem 2010 veröffentlichten „The Incident“ den Rockansatz wieder zugunsten ausgedehnter Klangwolken verworfen hat, letztendlich aber ist und bleibt „Lightbulb Sun“ ein Meilenstein des New Artrock, an dem sich nur wenig später Bands wie <span style="color:green">The Pineapple Thief</span> und <span style="color:green">Anathema</span> orientierten; ein Ende ist nicht in Sicht. Das lässt hoffen.</li>
</ul>
<p>Huch, wir sind schon wieder am Ende angelangt. Mein Texteditor sagt, dies ist Zeile 334, und auch ohne meine Notiz- und Formatierungsliste über dem eigentlichen Text meine ich daher, es genügt für dieses Jahr.</p>
<p>Habe ich ein essenzielles, womöglich Weg weisendes Album vergessen? Kommentiert und diskutiert nach Belieben.  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> <br>
Denen, die tatsächlich bis hierher gelesen haben, wünsche ich einen schönen was-man-halt-so-wünscht. Auf weitere sechs Monate voll hoffentlich packender Musik!</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="http://www.eycooley.de/blog/2010/12/13/hirnfick-2-0-%c2%bb-blogarchiv-%c2%bb-musik-122010-%e2%80%93-favoriten-und-analyse/" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Musik 12/2010 – Favoriten und Analyse « eycooley.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/12/musik-122010-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">13. Dezember 2010</a> dies: […] the original post here: Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Musik 12/2010 – Favoriten und Analyse Musik No Comments […]</li><li><a href="http://www.lastfm.de/music/sahara+surfers" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Sahara Surfers<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/12/musik-122010-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">13. Dezember 2010</a> dies: Schade. Knapp an den Best Of vorbeigeschrammt…  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> 
Grüße, steini / sahara surfers</li><li><a href="http://www.schallgrenzen.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/12/musik-122010-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">13. Dezember 2010</a> dies: Sehr schöne, lesenswerte  Zusammenfassung deiner musikalischen Highlights. Auf jeden Fall ist unsere Überreinstimmung erheblich grösser als die mit der Liste von Lie in the Sound, die ich mir gerade angeschaut habe.  Werde mir mal so einiges aus deiner Zusammenstellung anhören müssen. Auf jeden Fall mona de bo. muss ich mir doch glatt mal anhören. Sunn O))) und Dead Can Dance, das hört sich ja nach einer interessanten Mischung an. Klingt spannend. Ich war ja früher mal so‚n richtiger Alternative-Rocker. In deser Richtung gab es 2010 quasi nur Schrott, ausser eben Scumbucket.. Das Album ist richtig gut und rockt und rollt ganz wunderbar. Und auch Deine Wahl von For A Minor Reflection  und Höldum í átt að óreiðu stimme ich zu. Gehört aus  der ganzen Post-Rock Schwemme mit zum besseren. Autolux ist toll, wobei ich das Vorgänger-Album noch ein klein bisschen besser finde. Wie gesagt, tolle Zusammenstellung abseits der üblichen Jahrescharts, die so berechenbar sind wie das Wetter von gesterrn.</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/12/musik-122010-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">13. Dezember 2010</a> dies: Immer nur Radio ist ja auch nichts, davon wird man nur blöd im Kopf. Beruhigend aber, dass überhaupt jemand meinen komischen Geschmack teilt. Ja, das hört sich noch interessanter an als es sich liest.  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> 

Huch, Steini, da habe ich mich ja schön in die Nesseln gesetzt. Aber ich kann immerhin schon mal attestieren, dass ihr die Nennung wert seid.  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif" alt=":)" width="18" height="18" class="wpml_ico"> 
Hachja.</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2011/01/sahara-surfers-spacetrip-on-a-paper-plane" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Sahara Surfers – Spacetrip On A Paper Plane</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/12/musik-122010-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">24. Januar 2011</a> dies: […] aus Zeitgründen keine Beachtung fand, was Schlagzeuger Michael “Steini” Steingress dazu veranlasste, mir seine Aufwartung zu machen; ein Glück, denn so plagte mich immenses Bedauern, das mich […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/12/musik-122010-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small><div id="wp-worthy-pixel"><img class="wp-worthy-pixel-img skip-lazy " src="https://vg07.met.vgwort.de/na/fe60bc358ac44165ad53e5853e9ce5f5" loading="eager" data-no-lazy="1" data-skip-lazy="1" height="1" width="1" alt="" /></div>]]></content:encoded>
					
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		<series:name><![CDATA[Jahresrückblick]]></series:name>
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		<title>Musik 06/2010 – Favoriten und Analyse</title>
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		<dc:creator><![CDATA[tux0r]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 21:54:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kaufbefehle]]></category>
		<category><![CDATA[Musikkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Das ging schnell; schon wieder ist das erste halbe Jahr beinahe vorbei. Zeit also wird es, die sehnsüchtigen Gedanken einmal beiseite zu wischen und stattdessen einen Blick auf die prächtigsten Musikveröffentlichungen der letzten sechs Monate zu werfen, ob Rock oder Pop, ob gratis oder teuer, ob Kaufbefehl oder völliger Reinfall. Auf eine separate Liste für ...</p><p><a href="https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/" class="more-link" data-wpel-link="internal">&#8216;Musik 06/2010 – Favoriten und Analyse&#8217; weiterlesen &#187;</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das ging schnell; schon wieder ist das erste halbe Jahr beinahe vorbei. Zeit also wird es, die sehnsüchtigen Gedanken einmal beiseite zu wischen und stattdessen einen Blick auf die <span style="color:green"><span style="font-weight:bold">prächtigsten Musikveröffentlichungen der letzten sechs Monate</span></span> zu werfen, ob Rock oder Pop, ob gratis oder teuer, ob Kaufbefehl oder völliger Reinfall.</p>
<p>Auf eine separate Liste für deutschsprachige Alben habe ich diesmal verzichtet, die dreieinhalb Exemplare habe ich stattdessen in der Hauptliste untergebracht. Das hat einen ganz einfachen Grund: Ich habe zu spät daran gedacht. Selbstverständlich tut mir dieser Fauxpas unglaublich Leid, für die Rückschau 12/2010 gelobe ich Besserung. (Nachtrag vom 13. Dezember 2010: Leider gab das Jahr keinen Anlass, eine solche Liste anzulegen.)</p>
<p>Wie üblich jedenfalls wird diese Liste auch dieses Mal wieder gekrönt von einer Rückschau auf 40 Jahre wechselnden Zeitgeists in der Musik. Vielleicht findet ja jemand von euch, meine geschätzten Leser, wieder einen kleinen Schatz darunter, der nur darauf wartet, von euch gehoben zu werden.</p>
<p>Viel Spaß beim Erforschen!</p>
<p><span id="more-2617"></span><br>
<span style="font-size:14px"><span style="color:blue"><span style="font-weight:bold">Teil 1: <span style="text-decoration:underline">Gute CDs zum Kaufen.</span></span></span></span></p>
<ol>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/31N1fnZBRvL._SL500_AA300_.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/31N1fnZBRvL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">The Hirsch Effekt – Holon : Hiberno</span><br>
<span style="color:red">„Und zum Glück fällst du mir nicht mehr ein, wenn ich hier kotze vor Scheißglücklichsein“</span> (Epistel)<br>
&nbsp;<br>
Ich hatte es vor einer Weile schon <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/03/musikalischer-wahnsinn-the-hirsch-effekt/" title="Musikalischer Wahnsinn: The Hirsch Effekt" data-wpel-link="internal">ausführlich erwähnt</a>, und darum nimmt es wohl auch nur kaum Wunder, wenn ich auch die erste Halbjahresrezension dieses Jahres mit diesem Album beginne:
<p>„Holon : Hiberno“ ist die bislang positivste musikalische Überraschung dieser Dekade. Ich <a href="http://www.schallgrenzen.de/the-hirsch-effekt-holon-hiberno/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">zitiere<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> von’nen Schallgrenzen:</p>
<blockquote><p>Nichts auf “Holon : Hiberno” ist vorhersehbar, ein Wiegen in Sicherheit nicht angeraten. Gleich springen dir blutgrätschende Gitarren entgegen, infernalischer  Gesang (es wird  übrigends deutsch gesungen) lässt dich in die Knie gehen und von hinten bekommst du noch einen hundsgemeinen Tempowechsel ins Kreuz. Heiland Gewitter,  direkt aus dem Irrenhaus. Aber dort finden wir die Genies, die sich aus hunderten Töpfen bedienen, Konventionen mir nichts, dir nichts über Bord schmeissen und den Rezensenten mit dicken Kopf im Regen stehen lassen.</p></blockquote>
<p>Begeistert war und bin nicht nur ich (wer meine ausführliche Rezension verpasst hat, der möge <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/03/musikalischer-wahnsinn-the-hirsch-effekt/" title="Musikalischer Wahnsinn: The Hirsch Effekt" data-wpel-link="internal">hier</a> klicken und dies nachholen), begeistert bezeugen auch die Rezensenten der <a href="http://www.babyblaue-seiten.de/index.php?albumId=10551&amp;content=review" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Babyblauen Seiten<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ihre Bewunderung für diese Band und dieses Album, und sie sind damit nicht allein: Auch in der jeweiligen Redaktion der Zeitschriften Visions und eclipsed sowie des Ox-Fanzines war man <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Holon_:_Hiberno" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">hellauf begeistert<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. So ungern ich auch in die Euphorie um Gruppen und/oder Alben einfalle, die ich meist eher skeptisch betrachte: Kauft euch das verdammte Album. Es ist es wert.</p>
<p>Meine Zusage allein genügt noch nicht? Ihr wollt mehr? Angst vor der Katze im Sack? (Gibt es dafür eigentlich auch so einen hübschen griechischen Namen, der auf ‑phobie endet?)<br>
In dem Fall jedenfalls kann ich die üblichen <span style="color:red">Hörproben</span> auf dem <a href="http://www.myspace.com/thehirscheffekt" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace-Profil der Band<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> wärmstens empfehlen. Reinhören, süchtig werden und tagelang nichts anderes mehr hören wollen; so jedenfalls lief’s bei mir.</p>
<p>All die schöne Klangwelt ist euch zu laut? „Zu viel Metal“? Ihr seid weit über 30 und mögt’s lieber etwas behäbiger? Dann riskiert doch mal anderswo euer Ohr:</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41tvuQH3xBL.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41tvuQH3xBL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">Jaga Jazzist – One-Armed Bandit</span><br>
&nbsp;<br>
Meinen üblichen Hörgewohnheiten keinesfalls entsprechend entschloss ich mich dazu, diesem Album eine Chance zu geben; und es hat sie weise genutzt. <span style="color:green">Jaga Jazzist</span> ist, wie man teilweise schon dem Namen entnehmen kann, eine instrumentale Jazzrock-/Progressive-Rock-Band (laut Eigenbeschreibung „Nu-Jazz“) mit verschiedenen anderen Einflüssen wie <span style="color:green">Frank Zappa</span> und Dancefloor <span style="font-style:italic">(sic!)</span>, die somit ein bisschen wie die <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/12/musik-122009-favoriten-und-analyse/" title="Musik 12/2009 – Favoriten und Analyse" data-wpel-link="internal">im Vorjahr</a> bereits erwähnten <span style="color:green">Tortoise</span> klingt und doch eigentlich völlig anders. Nicht so abrupt sind hier die Stilwechsel innerhalb der Stücke, aber die Norweger gehen ähnlich elektronisch zu Werke. Auffallend in der wilden Stilmischung sind vor allem die Trompeten einerseits (etwa in <span style="font-style:italic">Prognissekongen</span>), die Anleihen an moderner Tanzmusik andererseits. Erstaunlicherweise ist ausgerechnet das Stück <span style="font-style:italic">Music! Dance! Drama!</span> weitgehend frei von allem, was kein Progressive Rock ist.
<p>Ein in sich stimmiges Album ist „One-Armed Bandit“ allemal. Wer Jazz, Progressive Rock und <span style="color:green">Frank Zappa</span> mag und auch <span style="color:green">Tortoise</span>‘ aktuelles Album begeistert aufgenommen hat oder wer auch einfach nur wissen möchte, wie es klingt, wenn man Jazz clubtauglich macht, dem sei empfohlen, auch <span style="color:green">Jaga Jazzist</span> eine Chance zu gewähren. Vergleichsweise anstrengend ist diese Melange allemal, aber auch höchst unterhaltsam.</p>
<p><span style="color:red">Hörproben</span> wollt ihr? Die üblichen 30-Sekunden-Schnipsel hat <a href="http://www.amazon.de/One-Armed-Bandit-Jaga-Jazzist/dp/B002YY04JM/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=music&amp;qid=1276826475&amp;sr=8-1&amp;tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> im Angebot, auf <a href="http://www.myspace.com/jagajazzist" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es weitere Aufnahmen zu hören; derzeit (18. Juni 2010) unter anderem etwa eine mit stampfendem Beat unterlegte Neufassung von <span style="font-style:italic">Bananfluer Overalt</span>. Hat was.</p>
<p>Schön und gut, sagt ihr, ihr wollt aber lieber mehr Gesang? Könnt ihr haben:</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/518B851pD%2BL.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/518B851pD%2BL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">My Own Private Alaska – Amen</span><br>
<span style="color:red">„If I don’t kill myself it’s ‚cause I’ve already left / elsewhere, anywhere, nowhere“</span> (I Am An Island)<br>
&nbsp;<br>
In die Reihe der Alben, die auch mit der vorherigen <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/05/my-own-private-alaska-amen/" title="My Own Private Alaska – Amen" data-wpel-link="internal">Erwähnung</a> meinerseits noch längst nicht genug gewürdigt werden, habe ich nunmehr also auch „Amen“ der französischen, dennoch sehr guten Band <span style="color:green">My Own Private Alaska</span>, kurz <span style="color:green">M.O.P.A.</span>, aufgenommen. Auf <a href="http://kulturterrorismus.de/rezensionen/my-own-private-alaska-amen.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">kulturterrorismus.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> wird das Album wie folgt gewürdigt:
<blockquote><p>Musikalisch gleichen Matthieu Miegeville aka „Milka“ (Gesang), Tristian Mocquet (Piano) &amp; Yohan Henequin (Schlagzeug) hinter <span style="color:green">M.O.P.A.</span> einer tiefen Verschmelzung von <span style="color:green">Chopin</span> &amp; <span style="color:green">Nirvana</span>, welche tragisch, brutal &amp; mitreißend aus Lautsprechern tönt und entweder für totale Verstörung oder Begeisterung sorgt – dazwischen gibt es bei <span style="color:green">M.O.P.A.</span> nix! Besonders die „abgedrehte“ Stimmbandarbeit von „Milka“, die sich irgendwo zwischen <span style="color:green">Robert Smith</span> (<span style="color:green">The Cure</span>) &amp; Postcore- /Screamo „Schreihälsen“ bewegt, nimmt entweder völlig gefangen oder schreckt endgültig ab!</p></blockquote>
<p>Unterstützt wird diese ungewöhnliche Konstellation von Texten, die allesamt von einer tiefen Verbitterung über die Frauenwelt zeugen, Todessehnsucht inklusive. „Emo“ (oder was man landläufig dafür hält) ist diese Musik sicher nicht, jedoch immerhin höchst emotional. Bestünde der viel zitierte „Soundtrack zum Untergang“ nur aus Musik wie dieser, ich könnte ihn kaum erwarten. Allein ist dies dann doch eher unwahrscheinlich; viel zu eigenständig, viel zu unverkennbar ist das Werk des Trios. So bleibt also zu hoffen, dass sie bis zum kommenden Untergang noch viel Musik gemeinsam aufnehmen.</p>
<p>Dem interessierten Konsumenten bleibt selbstverständlich auch der Wunsch nach <span style="color:red">Hörproben</span> nicht verwehrt:<br>
Während Amazon.de eher enttäuscht, hat das <a href="http://www.myspace.com/myownprivatealaska" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace-Profil<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> der Band immerhin derzeit (18.6.2010) zweieinhalb Lieder zum Probehören auf Lager.</p>
<p>Das ist euch zu abstrakt, zu emotional oder zu lärmig? Dann versucht’s mal damit:</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="http" ecx.images-amazon.com="" images="" i="" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51jggED4sLL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">So So Modern – Crude Futures</span><br>
&nbsp;<br>
Ich weiß nicht mehr, wie ich auf „Crude Futures“ aufmerksam wurde, aber angesichts des anstehenden Sommers ist das Album ein wahrer Glücksfund. Musik für lange Tage auf Wiesen oder Terrassen mit Bier und viel Sonne.
<p>Aber was ist das eigentlich für Musik? Anderswo ist in Originalschreibweise zu lesen:</p>
<blockquote><p>Ein tolles Album zwischen Indie-Rock, Post-Punk, Electro &amp; psychedelischen Kraut-Rock Elemten.</p></blockquote>
<p>Auch wenn’s so scheinen mag: Allzu viel Krautrock, wie ihn etwa <span style="color:green">Can</span> einst spielten, ist hier nicht enthalten, die anderen genannten Genres dafür im Überfluss. Zu hören sind <span style="color:green">The Raveonettes</span>, <span style="color:green">The Mars Volta</span>, <span style="color:green">Phoenix</span>, die <span style="color:green">Kaiser Chiefs</span> und noch einige mehr, und obendrein ist der Gesang keinesfalls omnipräsent, sondern eher dezent und unauffällig, sofern überhaupt vorhanden. Sommerliche Musik, die sich aus der immergleichen Indierock-Sülze herausschält.</p>
<p>Der Anspieltipp für dieses Album ist der instrumentale Sechseinhalbminüter <span style="font-style:italic">Berlin</span>.<br>
Apropos <span style="font-style:italic">Berlin</span>, eine sehr gute Liveaufnahme dieses Stückes gibt es als <span style="color:red">Hörprobe</span> auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=wvY9gPwUhJc" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, es ist neben einigen weiteren Liedern auch auf <a href="http://www.myspace.com/sosomodern" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zu hören. Prima!</p>
<p>Darf’s dann doch lieber etwas klassischer sein? Bittesehr:</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/61Y4eouiiAL.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/61Y4eouiiAL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">The Watch – planet earth?</span><br>
<span style="color:red">„There must be something wrong with me“</span> (Something Wrong)<br>
&nbsp;<br>
Wenn ich „klassisch“ schreibe, dann meine ich meist „klassisch“ im progressivsten Sinn. Die italienische Progressive-Rock-Band <span style="color:green">The Watch</span> eifert dann auch einer der klassischsten Progressive-Rock-Formationen nach, nämlich <span style="color:green">Genesis</span> zu Zeiten des charismatischen Frontmannes <span style="color:green">Peter Gabriel</span> (nicht also der Band, die <span style="color:green">Phil Collins</span> später daraus gemacht hat, der Depp). Dies ist sicher kein Zufall; nicht umsonst war <span style="color:green">The Watch</span> jahrelang mit Livedarbietungen von <span style="color:green">Genesis</span>-Klassikern auf Tournee. Nicht nur haftet ihrem inzwischen vierten Album „planet earth?“ also eine deutliche Ähnlichkeit zu deren längst legendären Alben „Foxtrot“ und „Trespass“ an, auch Sänger <span style="color:green">Simone Rossetti</span> bemüht sich nicht ganz erfolglos, wie sein Vorbild zu klingen; und wäre seine Stimme nicht ein wenig tiefer, würde der Unterschied kaum auffallen.
<p>Auch das Instrumentarium dürfte Freunden des Genres Freude bereiten: Neben Gitarren, Bass und Schlagzeug kommen unter anderem auch Hammond-Orgel, Moog-Synthesizer und Mellotron zum Einsatz, allesamt Instrumente, deren bloße Erwähnung eigentlich schon einen Kaufgrund und den Stoff für feuchte Träume eines jeden Progressive-Rock-Anhängers darstellen sollte.</p>
<p>Kurzer geschichtlicher Hintergrund übrigens: Laut Amazon.de wird „planet earth?“ oft zusammen mit Solowerken des ehemaligen <span style="color:green">Genesis</span>-Gitarristen <span style="color:green">Steve Hackett</span> erworben; nach dessen Weggang blieb von <span style="color:green">Genesis</span> nur noch ein kümmerliches Poptrio übrig, somit dürfte einwandfrei feststehen, wer für die musikalisch wirklich guten Ideen in der Band zuständig war. <span style="color:green">Steve Hackett</span> liefert bis heute durchweg <a href="http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=band&amp;bandId=151" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">bessere Alben<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ab als <span style="color:green">Phil Collins</span>, und – hier schließt sich der Kreis – sein Bruder <span style="color:green">John Hackett</span> ist auf „planet earth?“ in dem Stück <span style="font-style:italic">New Normal</span> an der Flöte zu hören.</p>
<p>Wer die „klassischen“ <span style="color:green">Genesis</span> kennt und schätzt, der kann bei „planet earth?“ bedenkenlos zugreifen; wer sie nicht kennt oder nur grausame Alben wie „We Can’t Dance“ sein Eigen nennt, dem lege ich zunächst ein unverbindliches Reinhören nahe.</p>
<p>Das geht mittels <span style="color:red">Hörproben</span> zum Beispiel auf dem <a href="http://www.myspace.com/thewatchmusic" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace-Profil der Band<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, das allerlei Auszüge aus dem bisherigen Schaffen der Italiener bietet, aber auch auf <a href="http://www.last.fm/music/The+Watch/+tracks" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Last.fm<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> gibt es einige Lieder zum Anhören; jedoch, der Wermutstropfen bleibt, bislang keines aus dem Album „planet earth?“. Aber vielleicht ändert sich das ja noch. Bis dahin jedenfalls bleibt dieses Album eine Empfehlung zum Blindkauf für jeden Leser dieses Textes.</p>
<p>„Geh weg mit den ollen Kamellen!“, sagt ihr, „Progressive Rock ist doch seit Jahrzehnten tot! Neue Helden braucht das Land!“? Wie entzückend, da fällt mir doch tatsächlich ein ganz anderes Album ein:</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51fZoxhOmkL.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51fZoxhOmkL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">Erste Allgemeine Verunsicherung – Neue Helden braucht das Land</span><br>
<span style="color:red">„Weil ich für ein Seil zu geizig bin, häng ich mich am Gartenschlauch“</span> (Rabatt, Rabatt)<br>
&nbsp;<br>
„Hurra, hurra, die <span style="color:green">EAV</span> ist wieder da“, so begann 1994 das Album „Nie wieder Kunst“, und beinahe sah es so aus, als dürfte man sich nie wieder darauf freuen. Seit „Frauenluder“ waren die bis dahin weitgehend amüsanten Texte und feinen Melodien der <span style="color:green">Verunsicherung</span> einer Pop- und Schlagerästhetik gewichen, die in dem schier unerträglichen „Amore XL“ von 2007 ihren unrühmlichen Höhepunkt fand. Dann, 2010, kam „Neue Helden braucht das Land“ mit dem Titel gebenden Lied samt <a href="http://www.verunsicherung.de/news/2010-03-13.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">merkwürdigem Video<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, und die Fachwelt wunderte sich: Durfte man tatsächlich noch mit einer Rückkehr der <span style="color:green">EAV</span>, wie man sie einst kennen und schätzen gelernt hatte, rechnen?
<p>Fest steht: „Neue Helden braucht das Land“ ist ein völlig anderes Album als noch „Amore XL“. Mit seichten Schlagern ist Schluss, auf belanglose Texte hat sich Texter und Komponist <span style="color:green">Thomas Spitzer</span> diesmal nicht eingelassen. Die <span style="color:green">EAV</span> hat ihre alte Bissigkeit zurück und holt das nach, was sie jahrelang versäumt hat. Ein drittes <span style="font-style:italic">Zwirch und Zwabel</span> – das zweite war <span style="font-style:italic">Bimsemann und Roggenkeil</span> von „Frauenluder“ – gibt es nicht, im Gegenteil sprüht das ganze Album förmlich vor Sarkasmus und politischer Brisanz. Ein weiterer Textauszug, diesmal aus dem Stück <span style="font-style:italic">Toleranz</span>, einem fiktiven Dialog:</p>
<blockquote><p>Ich hab auch nix gegen die Chinesen,<br>
täten’s nicht die Hunderln fressen.<br>
Stell dir vor, mein kleiner Waldi<br>
in am Wok von Garibaldi!</p></blockquote>
<p>Auch die <a href="http://www.verunsicherung.de/diskografie/neue_helden_braucht_das_land.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">restlichen Lieder<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> üben textlich Kritik an Gesellschaft und Politik und ziehen nebenbei diverse Genres durch den Kakao; während etwa in <span style="font-style:italic">Nostradamus</span>, das <span style="color:green">Rammstein</span> alle Ehre gemacht hätte, die Pius-Bruderschaft scharf kritisiert wird, macht sich die Band in dem schlichten Elektropopstück <span style="font-style:italic">Bitte Bier</span>, das seinen wiederkehrenden Refrain als Titel trägt, über trinkfreudige Mallorca-Touristen lustig, gleichsam als Antwort auf das nicht unbekannte Coverlied <span style="font-style:italic">Pump ab das Bier</span>, das, stilistisch ähnlich, seit Jahren immer wieder fälschlicherweise der <span style="color:green">EAV</span> zugeschrieben wird. <span style="font-style:italic">Männer brauchen Tritte</span> ist gar eine Verbeugung vor <span style="color:green">Roger Cicero</span>, und man fragt sich immer wieder aufs Neue, wie Sänger <span style="color:green">Klaus Eberhartinger</span> es schafft, in jedem Lied völlig anders zu klingen; meines vollen Respekts kann er sich jedenfalls sicher sein.</p>
<p>Zwischen all der Misanthropie birgt das Album auch immer wieder kurze Zwischenspiele, die wie für die Bühne geschaffen wirken, was den Besuch künftiger <span style="color:green">EAV</span>-Konzerte durchaus wieder einladend erscheinen lässt.</p>
<p>Obendrein gibt es für dieses Album auch ausreichend <span style="color:red">Hörproben</span>, so dass die Gefahr, wie noch beim Vorgängeralbum einen wirklich bedauerlichen Fehlkauf zu tätigen, minimiert wird. Gemeint ist keinesfalls die lächerliche Schnipselsammlung auf <a href="http://www.amazon.de/Neue-Helden-braucht-das-Land/dp/B002OLV3UE/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>; stattdessen gibt es derzeit (19. Juni 2010) das vollständige Album auf <a href="http://www.youtube.com/user/EAVneuehelden" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> in voller Länge zu hören. Hierfür wie auch für das gesamte Album: Chapeau, die Herren!</p>
<p>Deutsch gut, Österreichisch nicht so gut? Wie wäre es dann damit?:</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51wjS4zEq2L.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51wjS4zEq2L._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">Tocotronic – Schall und Wahn</span><br>
<span style="color:red">„Wer zu viel selber macht, wird schließlich dumm (ausgenommen Selbstbefriedigung)“</span> (Macht es nicht selbst)<br>
&nbsp;<br>
Auch diesem Album hatte ich kurz nach seinem Erscheinen schon <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/01/tocotronic-schall-und-wahn/" title="Tocotronic – Schall und Wahn" data-wpel-link="internal">ein paar Zeilen gewidmet</a>, und noch immer hat sich seine Faszination nur wenig abgenutzt. Ich prophezeite noch im Januar: „Ich nehme an, ‚Schall und Wahn‘ wird in diesem Jahr eins der wenigen guten Indierockalben bleiben“, und bislang sieht es so aus, als würde diese Prophezeiung voll erfüllt werden.
<p>Tja, <span style="color:green">Tocotronic</span> machen es mir aber auch wahrlich nicht leicht, sie nicht zu mögen, also lasse ich es und finde sie stattdessen spitze. Dies allerdings immerhin schon seit Jahren: Gefielen mir einst die simplen Rhythmen, Texte und Melodien von Liedern wie <span style="font-style:italic">Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein</span>, so konnten mich spätestens seit dem diesem Album vorangegangenen „Kapitulation“ die poetischen Texte überzeugen; so heißt es etwa in <span style="font-style:italic">Harmonie ist eine Strategie</span> von ebendiesem Album:</p>
<blockquote><p>Als wir wiederum nicht wussten, was zu tun, wohin sich wenden,<br>
liefen wir stundenlang umher durch die Alleen, und am Ende<br>
kamen wir zu einem Fluss, dessen Lauf uns dorthin führte,<br>
wo wir noch nie gewesen sind; es schien zumindest so.</p></blockquote>
<p>Man sieht: Mit Reimen muss man nicht arbeiten, um Dichtung zu betreiben, was ja auch die ansonsten doch recht anderen <span style="color:green">Toten Hosen</span> regelmäßig demonstrieren; und genau so geht es auf „Schall und Wahn“ weiter. Das bedeutet aber keinesfalls, dass „Schall und Wahn“ einfallslos ist; es ist vielmehr das „Neue Helden…“ von <span style="color:green">Tocotronic</span> (hierzu auch siehe oben). Die Poesie von „Kapitulation“ und die Belanglosigkeit der Vorgängeralben sind einer juvenilen Albernheit gewichen, eindrucksvoll etwa im Lied <span style="font-style:italic">Bitte oszillieren Sie</span>:</p>
<blockquote><p>Bitte oszillieren Sie Ping-Pong ohne Hierarchie!<br>
Bitte oszillieren Sie, ich bitte Sie! Genießen Sie!</p></blockquote>
<p>Mit <span style="font-style:italic">Stürmt das Schloss</span>, unverändert meinem Lieblingsstück des Albums, hält die Band auch einen veritablen Nachfolger des überaus rockigen „Kapitulation“-Liedes <span style="font-style:italic">Sag alles ab</span>, zwar nicht textlich, aber stilistisch, parat. Auch die übrigen Lieder sid erwähnenswert: Die <a href="http://lyrics.wikia.com/Tocotronic:Schall_%26_Wahn_%282010%29" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Texte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> variieren trotz der überwiegenden, <span style="color:green">Tocotronic</span>-eigenen Schlichtheit zwischen Nonsens und Nachdenklichem (<span style="font-style:italic">Im Zweifel für den Zweifel</span>). Ein sehr feines Stück Musik für den, der kluge Texte und Indie-Rock mag und auch nichts dagegen einzuwenden hat, dass <span style="color:green">Dirk von Lowtzow</span> die Texte, ähnlich <span style="color:green">Mark E. Smith</span> von den unverwüstlichen <span style="color:green">The Fall</span>, eher deklamiert als tatsächlich singt; denn selbst das klingt um Längen besser als das, was viele andere so genannte Rockbands mit ihrem immergleichen <span style="color:green">beatlesquen</span> „Harmoniegesang“ zu erreichen versuchen.</p>
<p>Ich wiederhole mich gern: „Schall und Wahn“ ist eins der bislang wenigen guten Indierockalben dieses Jahres.</p>
<p>Als <span style="color:red">Hörprobe</span> kann man, was mich sehr erfreut, auch weiterhin auf die Seite <a href="http://www.deezer.com/de/music/tocotronic/schall-und-wahn-471823" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Deezer.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zurückgreifen, die nach wie vor das vollständige Album zum unbegrenzten Anhören zur Verfügung stellt. Hierfür einen herzlichen Dank an Deezer.com!</p>
<p>Ach, da ich gerade <span style="color:green">Mark E. Smith</span> erwähnte:</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41oLkwTXibL.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41oLkwTXibL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">The Fall – Your Future Our Clutter</span><br>
&nbsp;<br>
„Your Future Our Clutter“ ist, dies erfährt man vielerorts, das mittlerweile 28. Studioalbum der Band <span style="color:green">The Fall</span>, und noch immer ist es unergründlich, wofür sie steht. Genreschubladen kann man hier ohnehin direkt geschlossen belassen: Von atonalem Noiserock der <span style="color:green">The Velvet Underground</span> über hingerotzten Punk, Marke <span style="color:green">Sex Pistols</span>, bis hin zu rhythmuslastigem Indierock (etwa in <span style="font-style:italic">Chino</span>) hat <span style="color:green">John Peel</span>s erklärte Lieblingsband jeden nur erdenklichen Einfluss in puncto hochwertiger Schrammelmusik in ihre Musik aufgenommen und damit ihrerseits inzwischen 34 Jahre lang andere Musikergenerationen beeinflusst. (Sinnloser Fakt am Rande: Sollte es <span style="color:green">The Fall</span> 2011 noch geben, und dagegen scheint derzeit nichts zu sprechen, so wird es Zeit, das alte Lied <span style="font-style:italic">35 Jahre</span> der <span style="color:green">Toten Hosen</span> wieder auszugraben; ihr wisst schon, <span style="font-style:italic">more of the same</span>.)
<p>Das soll keinesfalls bedeuten, dass „Your Future Our Clutter“ überflüssig wäre, nur weil man nur wenig neues zu sagen hat; nein, jedes Album der Combo klingt frisch und unverbraucht und immer auch ein wenig überraschend. Das Album wird durchzogen von Lo-Fi-Effekten und <span style="color:green">Mark E. Smith</span>s unverwechselbarem Murmeln, das in einigen wenigen Momenten, etwa dem Titelstück-Duo <span style="font-style:italic">Y.F.O.C.</span> und <span style="font-style:italic">O.F.Y.C.</span>, in rebellisches Rufen umschlägt, jedoch nie die mit durchaus hörbarem Akzent vorgetragenen Texte verständlich werden lässt, so dass ich hier leider, anders, als eigentlich üblich, auf Zitate verzichten muss. Aber ist das denn wichtig?</p>
<p>Wie schon das längst legendäre Album „White Light / White Heat“ der bereits erwähnten <span style="color:green">VU</span> entfaltet „Your Future Our Clutter“ seine destruktive Wirkung auch, wenn man die Texte nicht beachtet. Das Schöne an jahrzehntelanger Beschallung mit harmonischen Klängen ist es, dass das Bedrohliche aus Gitarren-Rückkopplungen und gewaltigen Rhythmusteppichen partout nicht verschwindet; <span style="color:green">The Fall</span> haben dem <span style="font-style:italic">mainstream</span> viel zu verdanken, und sie geben es seit mehr als drei Jahrzehnten reichlich zurück. Möge es noch lange so bleiben!</p>
<p>Und wer sich noch immer nicht viel unter meinen – zugegeben – etwas schwurbeligen Beschreibungen vorstellen kann, aber durchaus nicht abgeneigt ist, mehr über diese Musik zu erfahren, der möge einen Blick auf den folgenden Absatz werfen:</p>
<p>Als <span style="color:red">Hörprobe</span> nämlich steht auch dieses Album derzeit vollständig zur Verfügung, möglich macht’s <a href="http://3voor12.vpro.nl/speler/luisterpaal/43371622#luisterpaal.43371622" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">3voor12.vpro.nl<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Nutzt das Angebot weise!</p>
<p>„Och nee, das ist mir zu lärmig“, ruft ihr jetzt enttäuscht, „hast du nichts Harmonischeres in deiner Liste?“<br>
Doch, habe ich:</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51zrcWTdbBL.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51zrcWTdbBL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">Kaipa – In the Wake of Evolution</span><br>
<span style="color:red">We are closer to the edge than yesterday“</span> (In the Wake of Evolution)<br>
&nbsp;<br>
Nanu, der Titel des Albums kommt bekannt vor; trägt nicht das zweite Album von <span style="color:green">King Crimson</span> den Namen „In the Wake of Poseidon“? Und dann dieser Textauszug; <span style="color:green">Yes</span>‘ grandioses <span style="font-style:italic">Close To The Edge</span> ist zwar schon ein paar Jahrzehnte her, aber hat man es nicht auch schon mal gehört? Ist das Zufall?
<p>Kurz gesagt: Nein, keinesfalls. <span style="color:green">Kaipa</span> ist, dies deutet das an <span style="color:green">Transatlantic</span> oder auch <span style="color:green">Eloy</span> erinnernde Coverbild bereits an, eine Progressive-Rock-Band, die erstmals 1974, also noch zur Hochzeit des Progressive Rock, gegründet wurde und zu deren Mitgliedern im Laufe der Jahrzehnte unter anderem <span style="color:green">Roine Stolt</span> (u.a. <span style="color:green">The Flower Kings</span>, <span style="color:green">The Tangent</span>, <span style="color:green">Transatlantic</span>) und <span style="color:green">Jonas Reingold</span> (u.a. <span style="color:green">The Flower Kings</span>, <span style="color:green">The Tangent</span>) angehörten, was schon ungefähr zeigt, in welche Richtung die Reise geht:</p>
<p>Auf „In the Wake of Evolution“ ist solider Retro-Prog im Stil von <span style="color:green">Yes</span>, <span style="color:green">Ritual</span>, <span style="color:green">RPWL</span> und, trotz des Ausstiegs von <span style="color:green">Roine Stolt</span>, immer wieder auch der <span style="color:green">Flower Kings</span> zu hören. Drei Stücke überschreiten die „magische“ 10-Minuten-Grenze, eines geht sogar über 17 Minuten hinaus; die längere Spieldauer führt aber niemals zu überflüssigen Längen. Der Gesang von <span style="color:green">Patrick Lundström</span> und <span style="color:green">Aleena Gibson</span> erinnert mal, etwa im Titelstück, an den harmonischen Neo-Prog von <span style="color:green">Transatlantic</span>, mal an <span style="color:green">Yes</span>, all dies wird verziert von den verdächtig nach <span style="color:green">Genesis</span> klingenden Keyboards von Bandgründer <span style="color:green">Hans Lundin</span>, <span style="color:green">Jonas Reingold</span>s längst etabliertem, druckvollem Bassspiel und flirrenden Gitarren, mitunter auch von Violine und Flöte begleitet, was ein wenig an die ersten Alben von <span style="color:green">King Crimson</span> erinnert. (Und schon schließt sich der mühsam geöffnete Kreis; tadah!)</p>
<p>Das längst angekündigte nächste Studioalbum von <span style="color:green">Yes</span> lässt noch immer auf sich warten. Wer es – wie ich – fiebernd erwartet, dem sei als Übergang „In the Wake of Evolution“ nahe gelegt. Und natürlich auch <a href="http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=band&amp;bandId=107" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">alle anderen Alben<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> von <span style="color:green">Kaipa</span>, einer Band, die meines Erachtens viel zu wenig Beachtung findet, wenn es um Musik dieser Art geht.</p>
<p>Als <span style="color:red">Hörproben</span> empfehle ich zunächst die üblichen Ausschnitte auf <a href="http://www.amazon.de/Wake-Evolution-Kaipa/dp/B0037B6W06/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Wem das nicht genügt, der kann sich auf dem <a href="http://www.myspace.com/kaipa" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace-Profil<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> der Band weitere Eindrücke verschaffen und etwa das Titelstück auch auf <a href="http://www.youtube.com/watch?v=n6YSKfK1HHQ" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hören.</p>
<p>Auch fünf Buchstaben wie „Kaipa“ hat übrigens der Name der folgenden Musikgruppe, und er beginnt folgerichtig mit einem „L“:</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51R3PvaoX6L.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51R3PvaoX6L._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">Lapko – A New Bohemia</span><br>
<span style="color:red">„I asked for nothing more than a little time“</span> (I Don’t Even Kill)<br>
&nbsp;<br>
Schon als ich dieses Album <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/05/vom-bord-zum-rinnstein-und-zuruck-ein-reisebericht-angefordert-und-geliefert/" title="Vom Bord- zum Rinnstein und zurück: Ein Reisebericht, angefordert und geliefert." data-wpel-link="internal">zum ersten Mal hörte</a>, dachte ich spontan: Ein solides Rockfundament mit viel Rhythmus, prima Musik, bis der schrecklich nölende Gesang einsetzt; ah, <span style="color:green">Placebo</span>. Und tatsächlich ist diese Parallele, wenn man dem Internet in seiner schier unendlichen Weisheit trauen darf, nicht nur mir aufgefallen; so schreibt man etwa auf motor.de:
<blockquote><p>Bereits auf ihren drei Vorgängern konnten Lapko mit ihrem unkonventionellen Mix aus Metal – und New Wave-Elementen überzeugen. Der wuchtige und teils epische Grundsound der Band steht im krassen Gegensatz zur fast schon femininen Stimme von Sänger Malja. Dennoch vermag sein Organ sich perfekt in den Sound einzubinden, ohne die Musik zu splitten. Vergleiche mit <span style="color:green">Mew</span>, oder auch <span style="color:green">Placebo</span> liegen schnell auf der Hand.</p></blockquote>
<p>Was also macht dieses Album so empfehlenswert, wenn doch <span style="color:green">Placebo</span> wahrlich nicht zu meinen (wenngleich indes zu <a href="http://www.schallgrenzen.de/besuch-in-berlin-bei-lie-in-the-sound-meinen-waffenbruedern-und-placebo/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">seinen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>) Favoriten zählt? Nun, die Mischung macht’s.</p>
<p>Lieder wie etwa <span style="font-style:italic">I Shot The Sheriff</span> haben durchaus Ohrwurmqualität, und auch wenn die Texte ein wenig an <span style="color:green">M.O.P.A.</span> (siehe erneut oben) erinnern, so wird man von „A New Bohemia“ dennoch nicht deprimiert, sondern, im Gegenteil, einigermaßen fröhlich gestimmt. Schon das Lied <span style="font-style:italic">King &amp; Queen</span>, wenn ich mich mal so ausdrücken darf, geht <span style="font-style:italic">ziemlich ab</span>, daran ändern auch die ständigen, dann doch irgendwie auffälligen Britpop-„ohou“-Passagen nichts. (Und überhaupt, der Text mal wieder: „If I could be an animal, you should be a zoo“ – fantastisch.)</p>
<p>Wenn schon <span style="color:green">Placebo</span>, dann doch bitte wenigstens so!</p>
<p><span style="color:red">Hörproben</span> gibt es unter anderem auf <a href="http://www.amazon.de/New-Bohemia-Lapko/dp/B0037KVH6Q/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p>
<p>Was fehlt denn bisher in der Liste? Ach ja: Gitarrenwände, instrumentaler Postrock und alles, was damit zu tun hat.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/414oEULVmJL.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/414oEULVmJL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">nice nice – Extra Wow</span><br>
&nbsp;<br>
Das Duo <span style="color:green">Jason Buehler</span> und <span style="color:green">Mark Shirazi</span>, kurz <span style="color:green">nice nice</span>, dessen Debütalbum (eben „Extra Wow“) im April d.J. erschien, gilt noch immer als Geheimtipp, und das ist eigentlich schade, denn die Musik, die es macht, ist durchaus hörenswert:
<p>Ich höre Shoegazing, Spacerock, Psychedelic Rock, Noise-Rock und immer wieder auch Math-Rock durchblitzen, all dies nie überladen wirkend und allzu pompös aufgeblasen, sondern fein säuberlich aufgeteilt und nebeneinander. Der Verzicht auf Gesang erspart dem Hörer jede Ablenkung.</p>
<p>Anderswo vergleicht man <span style="color:green">nice nice</span> mit <span style="color:green">Brian Eno</span>, der unter anderem der beste Grund ist, um sich etwa mit manchen Alben der ansonsten doch recht schwülstigen <span style="color:green">Roxy Music</span> anzufreunden, und liegt damit zwar nicht verkehrt, verallgemeinert die Musik des Duos aber unnötigerweise, denn sie bietet weitaus mehr als nur zusammenkopierte Ideen. Musik nicht nur für das Herz, sondern auch für das Tanzbein, das dann auch fleißig geschwungen werden will und sich bei Bedarf auch selbst schwingt, sofern keine Aktion des an ihm hängenden Konsumenten erfolgt.</p>
<p>Und wer mittanzen, aber noch nicht draufloskaufen möchte, dem empfehle ich das mit <span style="color:red">Hörproben</span> gespickte <a href="http://www.myspace.com/nicenice" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace-Profil<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> von <span style="color:green">nice nice</span>. <span style="font-style:italic">Nice, nice</span>, wie der Franzose sagt.<br>
(Das Wortspiel konnte ich nicht ungemacht lassen. Es war einfach zu einladend. Verzeiht!)</p>
<p>Die soeben getätigte Erwähnung eines Franzosen lässt mich geschickt überleiten zu Wörtern aus noch abstruseren Sprachen, nämlich dem Namen folgender Combo:</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51OkYcElwDL.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51OkYcElwDL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">Hamadryad – Intrusion</span><br>
<span style="color:red">„Suspicion included in every question“</span> (In My Country)<br>
&nbsp;<br>
Von <span style="color:green">Hamadryad</span> hatte ich, ebenso wie übrigens die deutschsprachige Wikipedia, vor dem Erscheinen des Albums „Intrusion“ noch nie gehört; den unverwüstlichen <a href="http://babyblaue-seiten.de/index.php?content=review&amp;albumId=10651" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Babyblauen Seiten<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist es zu verdanken, dass ich, von ihnen über die Existenz dieser Band aus Kanada informiert, mich mit den Hintergründen deren Namens beschäftigt habe und euch, liebe Leser, nebenbei auch ein wenig Kultur abseits guter Musik präsentieren kann:
<p>Die Hamadryaden sind in der griechischen Mythologie die acht Töchter des einäugigen Waldgeistes Oxylos und der Hamadryas. Sie alle sind Dryaden, also Nymphen, und leben jeweils in einem Baum, u.a. dem Walnussbaum. Es wird davon ausgegangen, dass die Hamadryade ebenfalls stirbt, wenn ihr Hausbaum dies tut; letztendlich also davon, dass alle acht Hamadryaden schon ein paar Jahre das Zeitliche gesegnet haben dürften, was nebenbei hübsch demonstriert, dass die griechische Mythologie fast so albern ist wie die Bibel. Ihr seht: Es lohnt sich, Altgriechisch zu lernen. Man hat immer wieder etwas zu lachen.</p>
<p>Zurück zur Musik: Das hier behandelte Album von <span style="color:green">Hamadryad</span> klingt zum Glück nicht nach alten, knarzenden Bäumen, sondern im Gegenteil frisch wie ein Morgen im Frühling in einem jungen Laubwald. Mit der Schublade „Retro-Prog“ würde man <span style="color:green">Hamadryad</span> Unrecht tun, auch, wenn in <span style="font-style:italic">In My Country</span> der derzeitige <span style="color:green">Yes</span>-Ersatzsänger <span style="color:green">Benoît David</span> Frontmann <span style="color:green">J‑Phil Major</span> tatkräftig unterstützt, denn „retro“ (lat. „zurück“, apropos Kultur) klingt „Intrusion“ nur streckenweise. Es überwiegt ein energiereicher Progressive Rock mit Anleihen aus Neo-Prog (<span style="color:green">Marillion</span> immerhin nicht) und den metalähnlichen Klängen von etwa <span style="color:green">Tool</span> (eindrucksvoll und mich sprachlos hinterlassend ist etwa der Fünfminüter <span style="font-style:italic">Lost</span>).</p>
<p>Klar, hier und da schauen <span style="color:green">Genesis</span>-Keyboards und <span style="color:green">Yes</span>-Bass um die Ecke und winken freundlich, aber sie bleiben nicht lange, behalten ihren Mantel an und sind meist schnell wieder weg. Keyboard- und basslastig ist es dennoch, was auf „Intrusion“ mein Ohr erfreut, und somit genau so, wie es mir gefällt; nicht einmal die viel zitierten <span style="color:green">Spock’s Beard</span> wussten mir jemals derartige Freude zu bereiten.</p>
<p>Und da ich gerade den Gesang erwähnte: Er bleibt weitgehend auf kurze Passagen beschränkt, mit Ausnahme weniger Stücke wie <span style="font-style:italic">Here and Now</span>, und klingt trotz des Gastsängers nicht nach <span style="color:green">Yes</span>, <span style="color:green">Genesis</span> und den anderen üblicherweise Genannten, sondern teils nach <span style="color:green">High Wheel</span>, die ich eigentlich auch mal wieder häufiger erwähnen sollte, teils nach den <span style="color:green">Flower Kings</span>, meist aber wiederum ganz anders (unter anderem gewürzt mit einer Prise <span style="color:green">Jon Bon Jovi</span>, wenn mich mein spätestens seit dem gruseligen „Eurovision Song Contest“ arg gebeuteltes Gehör nicht allzu sehr täuscht), stets angemessen, nie übertrieben theatralisch. Kurz gesagt: Der Gesang ist eins der wesentlichen Erkennungsmerkmale von <span style="color:green">Hamadryad</span>, und das kann man heutzutage leider nicht mehr oft attestieren. Sollte also eines der Mitglieder der Band diesen Text hier jemals lesen: Ich gratuliere zu eurem Sänger. Gut gemacht!</p>
<p>Ein Fazit zu „Intrusion“ ist schwerlich zu ziehen, und ich freue mich gerade darüber, dass ich diesen Text hier aus Eigeninteresse schreibe und nicht etwa für ein Magazin, das mich dafür bezahlt, sonst müsste ich mir nun womöglich eines ausdenken und säße auf der Straße bei den drei Chinesen; und ich kann doch gar nicht Kontrabass spielen, geschweige denn Chinesisch! So aber genügt es mir, zusammenfassend Thomas Kohlruß von den Babyblauen Seiten zu zitieren:</p>
<blockquote><p>Teils hardrockigen, teils jazzrockigen, teils symphonisch angehauchten Retroprog bieten uns Hamadryad auf „Intrusion“ an. Dabei steht „Retro“ nur dafür, dass hier klassische Motive des Progressive Rock, wie wirbelige Keyboards, flirrende Synthie-Solos, kraftvolles Gitarrenriffing, farbige, vertrackte Arrangements, bollernder Bass und vitales Drumming, verarbeitet werden. Instrumental sind Hamadryad immer noch eine Klasse für sich, wenn sie erstmal die Fesseln abstreifen und ordentlich loslegen.</p></blockquote>
<p>Und in wem ich jetzt das durchaus gebotene Interesse an diesem Album wecken konnte, dem ich mit Vergnügen den Stempel „bestes Progressive-Rock-Album des ganzen verdammten Jahres“ aufdrücken würde, wären da nicht die restlichen Monate noch abzukaspern, den lasse ich selbstverständlich nicht blind gegen die nächstbeste Laterne rennen, sondern verweise auf die <span style="color:red">Hörproben</span>, die das <a href="http://www.myspace.com/hamadryadmusic" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace-Profil<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> der Band zieren.</p>
<p>Aber schalten wir doch nun erst einmal einen Gang zurück:</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51lGFTEAwhL.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51lGFTEAwhL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">Tindersticks – Falling Down A Mountain</span><br>
<span style="color:red">„It’s the wine that makes me sad, not the love I never had“</span> (Factory Girls)<br>
&nbsp;<br>
„Die <span style="color:green">Tindersticks</span> sind wieder da“, so oder so ähnlich klang so manche Schlagzeile angesichts der Veröffentlichung des Albums „Falling Down A Mountain“. Allzu selbstverständlich war es nicht, dass dieses Album jemals erscheinen würde, waren die <span style="color:green">Tindersticks</span> doch bereits mit dem Vorgängeralbum „The Hungry Saw“ vom Sextett zum Trio geschrumpft.
<p>Und „wieder da“ ist so auch nicht zutreffend. Ähnlich wie <span style="color:green">Sigur Rós</span> sich in den letzten Jahren zu einer beinahe fröhlichen Popband entwickelten, so unterzogen sich auch die <span style="color:green">Tindersticks</span> einer Metamorphose. Geblieben ist der immer etwas wehleidig klingende, zerbrechliche Gesang von <span style="color:green">Stuart A. Staples</span>, der mitunter dem eigentlich als unvergleichbar geltenden <span style="color:green">Leonard Cohen</span> nicht unähnlich ist, die Lieder selbst jedoch haben sich gewandelt.</p>
<p>Vorbei ist es mit dem düsteren Dark Wave, der noch auf „The Hungry Saw“ vorherrschte und an manchen Tagen auch einem fröhlichen Menschen mal so richtig die Stimmung versauen konnte, zwar noch nicht, unter anderem das Lied <span style="font-style:italic">Factory Girls</span> wahrt die Tradition, aber bereits das eröffnende Titelstück zeigt, was den Hörer erwartet. Los geht’s mit Bläsern und einem Jazz-Rhythmus von Schlagzeug und Bass, bis mehrstimmiger Gesang – kennt man von den <span style="color:green">Tindersticks</span> bislang auch nicht unbedingt – einsetzt. Über insgesamt sechs Minuten entwickelt sich eine surreale Stimmung, bis die Psychedelik plötzlich endet und das Lied langsam abschwellt, nur noch von Gesang, Gitarre und Schlagzeug getragen. Andere Stücke wie etwa <span style="font-style:italic">Harmony Around My Table</span> und <span style="font-style:italic">No Place So Alone</span> zollen dem Shuffle-Blues und der Soulmusik Tribut, in ersterem Fall gar stilecht mit fröhlichen Hintergrundchören und „lalala“-Gesang, gleichsam das <span style="font-style:italic">Gobbledigook</span> der <span style="color:green">Tindersticks</span>. Was immer man von dieser Band erwartet hatte: Man wird überrascht sein.</p>
<p>Natürlich geht es bei den <span style="color:green">Tindersticks</span> nicht ohne sexuelle Anspielungen, siehe etwa <span style="font-style:italic">Rented Rooms</span> vom Album „Curtains“:</p>
<blockquote><p>We tried a drinking bar, it gets so very hard,<br>
and when the cab ride gets too long, we go fuck in the bathroom.</p></blockquote>
<p>So gesehen ist es sicher kein Zufall, dass das Lied <span style="font-style:italic">She rode me down</span> („Sie ritt mich nieder“) mit den wiederholten Worten „She rode me“ endet, zwinker, zwinker; Details wie dieses machen die Faszination der Texte der <span style="color:green">Tindersticks</span> indes erst aus, wie ich meine. Fast möchte ich (wieder einmal) schreiben: Hihi.</p>
<p>Genug der schnöden Worte! Als <span style="color:red">Hörproben</span> gibt es auf <a href="http://www.amazon.de/Falling-Down-Mountain-Tindersticks/dp/B002ZCWAA4/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> die üblichen blöden 30-Sekunden-Häppchen, auf <a href="http://www.youtube.com/user/heavensinversionvox#p/u" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">YouTube.com<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ist indes derzeit das vollständige Album anzuhören, so lange die Plattenfirma nichts dagegen unternimmt, also hoffentlich noch lange. (Nota bene: Ich kann der gesellschaftlich akzeptierten Schwarzkopie via YouTube nicht viel abgewinnen, so lange die Nutzung von Tauschbörsen beinahe mit mindestens Kinderschändung auf eine Stufe gestellt wird; aber darum soll’s hier ausnahmsweise einmal nicht gehen.)</p>
<p>Und nachdem wir uns nun diese kleine Verschnaufpause gegönnt haben, können wir wieder ein wenig gitarrenlastigen Rock vertragen, und er kommt wie bestellt:</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41azIsMkSeL.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41azIsMkSeL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">The Black Box Revelation – Silver Threats</span><br>
<span style="color:red">„Madness freaking out“</span> (Where Has All This Mess Begun)<br>
&nbsp;<br>
Woran denkt man zuerst, wenn man „Garagenrock“ liest? An <span style="color:green">MC5</span>, vielleicht auch <span style="color:green">The Strokes</span>?<br>
Nun, <span style="color:green">The Black Box Revelation</span> ist ein belgisches Duo, das genau diese Musik macht, und der einzige Einfluss, der mir spontan auffiel, war der <span style="color:green">Mando-Diao</span>-ähnliche Gesang, was weniger einen Widerspruch darstellt, als dies zunächst erscheinen mag. Als die <span style="color:green">Rolling Stones</span> mit derlei Klängen experimentierten, nannte man sie noch Bluesrock. Aber ist das noch zeitgemäß?
<p>Während der Aufnahmen für ihr zweites Album arbeiteten die beiden Männer, beide erst um die 20 Jahre alt, mit <span style="color:green">Ray Davies</span> von den längst legendären <span style="color:green">Kinks</span> zusammen, und auch, wenn dieser nicht selbst auf dem Album zu hören ist, so ist dies doch offensichtlich mehr als nur eine Zweckgemeinschaft gewesen; Anonymus „Klaus“ schreibt zum Beispiel auf <a href="http://www.persona-non-grata.de/2010/02/05/the-black-box-revelation-%E2%80%93-silver-threats/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Persona-Non-Grata.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>:</p>
<blockquote><p>(…) ordentlich abgehangene Bluesriffs, genuschelter Gesang mit fast schon arrogant größenwahnsinnigem Unterton, eher <span style="color:green">Black Keys</span> als <span style="color:green">White Stripes</span>, mehr <span style="color:green">Kinks</span> als <span style="color:green">Zeppelin</span>, obwohl die Ausflüge ins psychedelische gegen Ende dann doch an Ausmaßen erheblich zunehmen und in dem fast schon <span style="color:green">young</span>esken Feedbackgewitter „<span style="font-style:italic">Here Comes The Kick</span>“ mit neun Minuten Länge gipfeln.</p></blockquote>
<p>Der Vergleich mit <span style="color:green">Neil Young</span> zu dessen besten Zeiten ist so weit nicht einmal hergeholt, tatsächlich geht <span style="font-style:italic">Here Comes The Kick</span> ordentlich zur Sache, aber zum Glück mit Gesang, der dann doch eher an <span style="color:green">Jack White</span> erinnert. (Und dann auch immer wieder: <span style="color:green">The Velvet Underground</span>. Lo-Fi, dröhnende Gitarren, ein Schlagzeug, das quasi als verstärktes Metronom funktioniert, und dieser merkwürdige Rhythmus, der ohne bewusstes Zutun den Kopf des Hörers bewegt; das hat bei mir zuletzt bei <span style="color:green">Nihiling</span> funktioniert, die allerdings wiederum ganz andere Musik machen.)</p>
<p>Ich sage: Zum Teufel mit den ewigen Etiketten, entscheidend ist, dass es gefällt, und das tut es in der Tat.<br>
<span style="color:red">Hörproben</span> gibt es, außer natürlich auf <a href="http://www.amazon.de/Silver-Threats-Ltd-Version-Black-Revelation/dp/B00305ICLG/?tag=hirnfi20-21" rel="nofollow external noopener noreferrer" target="_blank" data-wpel-link="external" class="wpel-icon-right">Amazon.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>, auch auf dem <a href="http://www.myspace.com/theblackboxrevelation" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace-Profil<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> der Band; zwar nicht <span style="font-style:italic">Here Comes The Kick</span>, aber einige andere Lieder. Und so bleibt immerhin auch noch etwas, was zum Kauf des Albums einlädt. Wer also noch nach einem Kaufgrund gesucht hat: Da ist er. Bittesehr!</p>
<p>Bleiben wir, Etikettierung hin oder her, nun einmal im Rockgenre und seinen zahlreichen Subgenres und starren begierig auf folgendes Album:</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41yhouWSQdL.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/41yhouWSQdL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">Liars – Sisterworld</span><br>
<span style="color:red">„Stand in the street with a gun, and then kill ‚em all!“</span> (Scarecrows on a Killer Slant)<br>
&nbsp;<br>
Apropos <span style="color:green">The Velvet Underground</span>: In den 60-er Jahren war diese Band ja dafür bekannt, als Antagonisten der Hippiekultur die dunklen Seiten New Yorks anzuprangern, eben Drogen, Gewalt und sexuelle Umtriebe. Seit dieser Zeit hat sich offenbar erwartungsgemäß nur wenig getan in den VSvA, und so kann über 40 Jahre später die aus Los Angeles stammende Musikgruppe <span style="color:green">Liars</span> eine „Sisterworld“, eine „Schwesterwelt“ also, inmitten ihrer Heimatstadt dokumentieren, die auch weiterhin ein Biotop für Aussteiger aus der Gesellschaft darstellt.
<p>Der Pressetext liest sich auszugsweise folgendermaßen:</p>
<blockquote><p>„Sisterworld“ ist ein ganz eigenes <span style="color:green">Liars</span>-Album, ohne hörbare Einflüsse und sehr weit weg von den oft falschen Versprechungen und zerbrochenen Träumen von Los Angeles. Auf „Sisterworld“ untersucht <span style="color:green">Liars</span> die Undergroundkultur zu erkunden, die sich in der Stadt gebildet hat um dem Verlust der eigenen Identität in der oberflächlichen Gesellschaft von Los Angeles entgegenzuwirken. Die Band erklärt dazu, „Uns interessieren die alternativen Lebensräume die sich die Leute in Los Angeles aufgebaut haben um ihre eigene Identität in dieser Stadt zu wahren. Lebensräume, in denen Outcasts und Einzelgänger eine verdrehte Beziehung zum Rest der Gesellschaft führen.“</p></blockquote>
<p>Musikalisch auch hier: Kraftvoller Garagenrock, pumpender Bass, treibendes Schlagzeug. Mitunter fällt <span style="color:green">Nick Cave</span> ein. Man brauche, so Frontmann <span style="color:green">Angus Andrew</span> im <a href="http://www.chartattack.com/features/81041/liars-arent-nihilists-just-realists" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Interview<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> mit Chartattack.com, eine gesunde Portion Realismus‘, um das Leben in dieser Stadt zu ertragen, und das spiegelt sich auch in den Texten wieder.</p>
<p>Als <span style="color:red">Hörproben</span> gibt es auf dem <a href="http://myspace.com/liarsliarsliars" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace-Profil<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> des Trios derzeit unter anderem das Lied <span style="font-style:italic">Too Much, Too Much</span> sowie diverse Remixe anderer Lieder zu hören.</p>
<p>Zum Abschluss des ersten Teils noch mal ein etwas heitereres Album, das erst seit kurzem mein Inventar bereichert:</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51eS-eUSjUL.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:80px;height:80px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/51eS-eUSjUL._SL500_AA300_.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">Argos – Circles</span><br>
<span style="color:red">„Nothing here is quite like anything you know“</span> (Willow Wind)<br>
&nbsp;<br>
Das ging schnell: War <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/12/musik-122009-favoriten-und-analyse/" title="Musik 12/2009 – Favoriten und Analyse" data-wpel-link="internal">im Dezember</a> noch das selbstbetitelte Debütalbum der Mainzer Formation <span style="color:green">Argos</span> Objekt meiner Begierde, so war zu diesem Zeitpunkt das Nachfolgealbum „Circles“ bereits in der Entstehung begriffen, und es fand eine positive Entwicklung statt.
<p>Gitarrist <span style="color:green">Rico Florczak</span>, auf „Argos“ noch Gastmusiker, ist nunmehr ein festes Bandmitglied und drückt „Circles“ seinen Stempel auf. War ersteres noch von <span style="color:green">Caravan</span> und <span style="color:green">The Tangent</span> beeinflusst, so ist der Canterbury Sound auf „Circles“ einem symphonischen Progressive/Art Rock gewichen, wie ihn etwa die <span style="color:green">Flower Kings</span> praktizieren. Und auch der Gesang, auf dem Debüt noch Anlass für vielerlei Kritik, ist druckvoller und empathischer geworden, mitunter <span style="color:green">Peter Hammill</span> nicht unähnlich.</p>
<p>Ansonsten: Jazzrock, <span style="color:green">Yes</span> (kommt außer mir noch jemandem der Titel <span style="font-style:italic">Total Mess Retail</span> bekannt vor?), mitunter auf Deutsch eingesprochene <span style="color:green">Erich-Kästner</span>-Zitate als wiederkehrendes Motiv (drum „Circles“).</p>
<p><a href="http://www.musikreviews.de/reviews/2010/Argos/Circles/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Musikreviews.de<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> zieht zudem <span style="color:green">Eloy</span>, <span style="color:green">Jadis</span> und <span style="color:green">IQ</span> als Vergleich heran, vergisst aber immerhin nicht, zu erwähnen, dass das, was <span style="color:green">Argos</span> auf Tonträger bannen, mit nur selten gehörter Eigenständigkeit daherkommt.</p>
<p>Mit ihrem zweiten Album hat <span style="color:green">Argos</span> sich freigespielt. Geblieben sind der Humor in Texten und Liedtiteln sowie die Verehrung vor den Helden der 70-er Jahre, Geschichte aber ist die Unsicherheit, wohin die Reise gehen soll. Das bereits angekündigte dritte Album wird zeigen, ob sie ihrem eigenen Anspruch genügen können; nach mehrmaligem Genuss des bisherigen Œuvres jedenfalls bin ich zuversichtlich.</p>
<p><span style="color:red">Hörproben:</span> Auszüge aus beiden bisher veröffentlichten Alben hat die Band auf ihrem <a href="http://www.myspace.com/returntowhatever" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace-Profil<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> (für Liebhaber von Details: auch ein recht amüsanter MySpace-Profilname übrigens) veröffentlicht. Feines Album!</p></li>
</ol>
<p>Nachdem ich nun euren Geldbeutel geschändet habe, gönne ich ihm ein wenig Erholung und stelle drei digital erhältliche Gratistonträger vor:</p>
<p><span style="font-size:14px"><span style="color:blue"><span style="font-weight:bold">Teil 2: <span style="text-decoration:underline">Gratis ist zu teuer!</span></span></span></span></p>
<ol>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="http://www.metal.de/pix_cdreviews/futi_7nig.jpg" target="_blank" data-wpel-link="external" rel="nofollow external noopener noreferrer"><img decoding="async" style="width:50px;height:50px" src="http://www.metal.de/pix_cdreviews/futi_7nig.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">Futile – 7 Nightmares</span><br>
&nbsp;<br>
Ganz und gar nicht <span style="font-style:italic">Futile</span>, also zwecklos, ist dieses kurze Album. 7 Lieder (oder doch Albträume?) lang Alternative-Progressive-Rock-Metal-Musik mit <span style="color:green">Tool</span>-Remineszenzen aus der Südpfalz.<br>
Ich hatte das Album <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/02/gleich-klatscht-et-junge/" title="Gleich klatscht et, Junge." data-wpel-link="internal">hier</a> schon kurz rezensiert bzw. eben rezensieren <a href="http://www.schallgrenzen.de/futile-7-nightmares/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">lassen<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und verweise daher nur auf dort.
<p><span style="color:red">Bezugsquellen:</span> Herunterladen kann man das schöne Stück Musik via <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2149" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> und auf der eigens dafür eingerichteten <a href="http://www.7nightmares.com" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Internetseite<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Wer das MP3-Format nicht sonderlich schätzt oder auch einfach nur gern gute Musik finanziell subventioniert, der kann für zehn Euro eine <a href="http://shop.futilemusic.com" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">CD-Version<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> erwerben.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/longgrass200.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:50px;height:50px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/longgrass200.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">Her Name Is Calla – Long Grass (EP)</span><br>
&nbsp;<br>
<span style="color:green">Her Name Is Calla</span>, 2009 mit dem <a href="https://tuxproject.de/blog/2009/12/musik-122009-favoriten-und-analyse/" title="Musik 12/2009 – Favoriten und Analyse" data-wpel-link="internal">prima Album</a> „Heritage“ bereits Anlass für zahlreiche melancholische Stunden, legte Anfang 2010 mit dem „Long Grass“-EP drei kurze Stücke in der gewohnten Stimmung nach.
<p><a href="http://www.schallgrenzen.de/her-name-is-calla-long-grass-oder-kann-traurige-musik-gluecklich-machen-teil-2/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrieb im März hierzu:</p>
<blockquote><p>Fröhlich ist einfach, Melancholie um vieles schwieriger. Zu beschreiben, zu besingen, zu vertonen. Einfach ist doof, verkomplizierte Seelenzustände, tragische Gegebenheiten, Glück und Trauer machen das Leben nicht leichter, aber bestimmen unserer tägliches Sein. (…) Die elegischen Soundlandschaften, die sich über uns ausbreiten,  machen sturzbesoffen vor Glück.</p></blockquote>
<p><span style="color:red">Bezugsquellen:</span> Schade, dass es die CD in der Holzkiste nicht mehr zu kaufen gibt. Auf Vinyl und als <span style="font-style:italic">einfache</span> CD ist „Long Grass“ aber, ebenso wie „Heritage“, noch immer <a href="http://denovali.com/shop/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">erhältlich<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>. Beide Tonträger kann man auch auf der <a href="http://www.denovali.com/hernameiscalla/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">Internetseite<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> von <span style="color:green">Her Name Is Calla</span> vollständig anhören, wo es auch eine .zip-Version zum Herunterladen gibt. eMule-Freunde werden <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2154" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">hier<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> fündig.</p></li>
<li><span style="float:right;padding-left:0.3em"><a href="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/m_a06a07ed1f7542bebb62eb62d1a5af38.jpg" target="_blank" data-wpel-link="internal"><img decoding="async" style="width:50px;height:50px" src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2010/06/m_a06a07ed1f7542bebb62eb62d1a5af38.jpg"></a></span><span style="font-weight:bold;color:green">All You’ve Seen – Mahali</span><br>
&nbsp;<br>
Kurzmeldung zum Dritten: <span style="color:green">All You’ve Seen</span> ist ein Postrock-Trio bzw. inzwischen <a href="http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&amp;friendId=430361801&amp;blogId=530078586" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">wahrscheinlich<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> ‑Quartett aus der Schweiz, das weltweit einen <a href="http://dezji.wordpress.com/2010/04/05/some-mini-reviews/" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">positiven Eindruck<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> hinterließ.
<p>Was auf dem Album erklingt: Wunderbar unaufdringlicher instrumentaler Postrock, der meist behäbig dahinplätschert, aber auch mal so richtig losbrettern kann. THE GLASS FOREST <a href="http://glassforest.blogspot.com/2010/02/all-youve-seen-mahali.html" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">publizierte<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>:</p>
<blockquote><p>Was bei AYS definitiv neu ist, sind die meditativen Passagen in den Songs, hier haben wir zum Beispiel bei Lhasa einen mono-ähnlichen Aufbau, der einen gleichzeitig in Sicherheit zu wiegen scheint und trotzdem die Spannung bis zum Äussersten aufbläst. Bis die Spannungsblase platzt und der Ausbruch den Hörer erneut paralysiert.</p></blockquote>
<p>Sehr überzeugend und empfehlenswert, trotz Schweiz.</p>
<p><span style="color:red">Bezugsquellen:</span> Reinhören kann man auf dem <a href="http://www.myspace.com/allyouveseen" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">MySpace-Profil<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> der Band, frei herunterzuladen ist „Mahali“ zum Beispiel ebenfalls dort (der Verweis befindet sich in der linken Spalte) und natürlich auch via <a href="http://contentdb.emule-project.net/view.php?pid=2137" data-wpel-link="external" target="_blank" rel="nofollow external noopener noreferrer" class="wpel-icon-right">eMule<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a>.</p></li>
</ol>
<p>So viel dann zu dem, was man hören sollte. Kommen wir zu dem, was man lieber nur hören sollte, wenn gerade unliebsame Personen anwesend sind, wie üblich in der gebotenen Kurzform, weil jedes weitere Wort eines zu viel wäre:</p>
<p><span style="font-size:14px"><span style="color:blue"><span style="font-weight:bold">Teil 3: <span style="text-decoration:underline">Musik für den Erzfeind.</span></span></span></span></p>
<p>Diesmal haben es nur zwei Alben geschafft, mich ausreichend zu langweilen, um hier auf der Liste zu erscheinen. Ich hoffe, es ist nur das Sommerloch, das die Schuld daran trägt. Liebe Musikindustrie: Bis Jahresende brauche ich mehr Schrott. Das schafft ihr doch, oder?</p>
<ol>
<li><span style="font-weight:bold;color:green">Gorillaz – Plastic Beach</span><br>
Trotz <span style="color:green">Lou Reed</span>: Gähn.</li>
<li><span style="font-weight:bold;color:green">Die Fantastischen Vier – Für dich immer noch Fanta Sie</span><br>
So ungern ich das auch über ein Album der <span style="color:green">Fantastischen Vier</span> schreibe: <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/06/fur-mich-fanta-sie-los/" title="Für mich Fanta Sie, los!" data-wpel-link="internal">Nein, Sir, gefällt mir nicht.</a></li>
</ol>
<p>Es ist eigentlich erstaunlich: Jedes Jahr, das auf 5 oder 0 endet, bietet ein ebensolches „rundes“ oder „halbrundes“ Jubiläum in der Rock- und Popgeschichte seit etwa Mitte der 60-er Jahre. Das ist schön, denn so kann ich auch in diesem Jahr wieder die Tradition der Retrospektive pflegen. Werte Leser, ich präsentiere abschließend zum wiederholten Mal 40 Jahre Rockgeschichte im Schnelldurchlauf.</p>
<p><span style="font-size:14px"><span style="color:blue"><span style="font-weight:bold">Teil 4: <span style="text-decoration:underline">Retrospektive 1970 bis 2010.</span></span></span></span></p>
<ul>
<li><span style="color:red">Vor 40 Jahren:</span><br>
<span style="color:green">Drosselbart – Drosselbart</span><br>
1970 war ein schwieriges Jahr für die Rockmusik. <span style="color:green">Paul McCartney</span> löste die <span style="color:green">Beatles</span> auf und kam damit <span style="color:green">John Lennon</span> zuvor, <span style="color:green">The Velvet Underground</span> verloren <span style="color:green">Lou Reed</span> und bäumten sich mit dem immerhin als Rockalbum immer noch soliden „Loaded“ ein letztes Mal auf, bevor <span style="color:green">Doug Yule</span> noch für drei weitere Jahre unter diesem Bandnamen tourte und mittelmäßigen Poprock darbot, und in Deutschland begann derweil die Welle an deutschsprachigem „Krautrock“ zu erblühen, lange, bevor die „Neue Deutsche Welle“, die sich ausgerechnet aus ihr entwickelte, zwei Jahrzehnte Rockmusik einfach über den Haufen fegte und in Plastik zu konservieren vorgab. <span style="color:green">Drosselbart</span> war einer der Protagonisten des Proto-Krautrocks, die Mitglieder fand man später unter anderem in <span style="color:green">Udo Lindenbergs Panikorchester</span> wieder, Sängerin <span style="color:green">Jemima</span> wechselte an die Oper. Was bleibt, ist ein Album mit arg christlichen Texten, das rein musikalisch doch ähnlich dem war, was später die aufkommenden Politrockbands prägen sollte und etwa auch bei <span style="color:green">Novalis</span> zu finden war, nämlich folkrock-inspirierte Gitarrenmelodien und ein aggressiv deklamierender Gesangsstil, vom Sopran der Sängerin einmal abgesehen. <span style="color:green">Drosselbart</span> räumten hernach die Bühne, es bleibt ihnen jedoch der Ruhm, zu den Pionieren des noch jungen Deutschrocks zu gehören.</li>
<li><span style="color:red">Vor 35 Jahren:</span><br>
<span style="color:green">Led Zeppelin – Physical Graffiti</span><br>
Bereits mitten in den 70-er Jahren befand sich die Musikwelt schon wieder im Umbruch. (Da war was los in dem Jahrzehnt.) Der Progressive Rock hatte mit <span style="color:green">Yes</span> und <span style="color:green">Genesis</span> seine Idole längst gefunden, von Punk und Discomania war, außer in wenigen, weithin unbekannten Alben wie etwa „Take It Or Leave It“ von <span style="color:green">Zzebra</span>, noch nichts zu spüren. <span style="color:green">Kaipa</span> veröffentlichten ihr Debütalbum, die Progressive-Rock-Welt schien heil und unzerbrechlich. Was in anderen Rückschauen hingegen meist übersehen wird, ist, dass sich neben der psychedelisch-verschwurbelten Musik, die damals Europa und Nordamerika weitgehend beherrschte, längst ein anderer Musikstil Gehör verschaffte, namentlich der Hard Rock, in dessen Namen <span style="color:green">Led Zeppelin</span> 1975 ihr sechstes Album „Physical Graffiti“ – erstmals ein Doppelalbum – veröffentlichten. Wenngleich es meist erst nach Alben wie etwa „Four Symbols“ („Led Zeppelin IV“) mit dem furchtbar nervigen <span style="font-style:italic">Stairway To Heaven</span> genannt wird, so war und ist es doch ein wichtiges Album, das unter anderem das bekannte Stück <span style="font-style:italic">Kashmir</span> enthält, an dessen markantem Riff sich später <span style="color:green">Puff Daddy</span> für das auch gar nicht mal allzu üble <span style="font-style:italic">Come With Me</span> bediente. Dennoch bleibt „Physical Graffiti“ bis heute sträflich unterschätzt.</li>
<li><span style="color:red">Vor 25 Jahren:</span><br>
<span style="color:green">Die Ärzte – Im Schatten der Ärzte</span><br>
Im Jahr 1985, über das es außer meiner Geburt nicht viel Positives zu berichten gibt, war das bislang furchtbarste Jahrzehnt der jüngeren Musikgeschichte noch längst nicht vorüber. Nur wenige seiner Protagonisten überlebten es, darunter etwa <span style="color:green">a‑ha</span>, auf deren Album „Hunting High And Low“ in diesem Jahr unter anderem das oft gecoverte <span style="font-style:italic">Take On Me</span> veröffentlicht wurde, aber auch die deutsche Funpunk-Combo <span style="color:green">Die Ärzte</span>, die mit ihrem zweiten regulären Album „Im Schatten der Ärzte“ längst zu einer Konstanten in der deutschen Musiklandschaft geworden waren, bekannt auch für ihren ebenfalls 1985 veröffentlichten, furchtbaren Film „Richy Guitar“, in dem auch <span style="color:green">Nena</span> eine Rolle als <span style="color:green">Nena</span> bekam, den man dennoch aber nicht unbedingt ansehen sollte. Wenig später wurde Bassist <span style="color:green">Sahnie</span> wegen persönlicher Differenzen aus der Band geworfen, eine Zeitlang machten <span style="color:green">Die Ärzte</span> dann als Duo weiter und veröffentlichten unter anderem das Album „Die Ärzte“ mit dem indizierten Klassiker <span style="font-style:italic">Geschwisterliebe</span>. „Im Schatten der Ärzte“ jedenfalls ist auch in anderer Hinsicht ein besonderes Album: Erstmals (in <span style="font-style:italic">Käfer</span>) spielte der noch junge <span style="color:green">Farin Urlaub</span> seine Gitarre verzerrt ein; eine Technik, die er bis heute gern einsetzt. Der Rest ist Geschichte.</li>
<li><span style="color:red">Vor 10 Jahren:</span><br>
<span style="color:green">Morphine – The Night</span><br>
Der „Y2K-Fehler“, vor dem Unheilspropheten weltweit gewarnt hatten, blieb wohl weitgehend aus; hier und da scheint er jedoch das Hirn einiger selbst ernannter „Musikproduzenten“ zu befallen haben, die seit etwa dem Jahr 2000 vermehrt auf die Ausschlachtung alten Musikgutes (auch als „Coverversionen“ bekannt) setzen. Nur selten drang auch Kunde von neuer, guter Musik durch die meterhohen Türme an Meldungen über irgendwelche kurzlebigen Popsternchen, etwa von dem Album „Lightbulb Sun“ von <span style="color:green">Porcupine Tree</span>, das den Auftakt zu einer Reihe an wahrlich formidablen Tonträgern bilden sollte. Abgetreten indes ist die Jazzrock-/Low-Rock-Band <span style="color:green">Morphine</span>, die 1997 das fesselnde Album „Like Swimming“ mit einmaligen Liedern wie <span style="font-style:italic">Early To Bed</span> und <span style="font-style:italic">French Fries w/ Pepper</span> veröffentlicht hatte und deren Sänger <span style="color:green">Mark Sandman</span> im Juli des Vorjahres während eines Konzertes einem Herzinfarkt erlegen war; das Album „The Night“ erschien posthum. Die Fangemeinde blieb <span style="color:green">Morphine</span> dennoch treu und hartnäckig, letztlich mit Erfolg: Seit 2009 treten zwei der ursprünglichen Mitglieder unter dem Namen <span style="color:green">Members of Morphine</span> wieder gemeinsam auf. Was lange währt, wird endlich gut; diesen Satz hätte ich in diesem Jahrzehnt viel häufiger verwenden wollen. Ein halbes Jahr hat es noch, das Jahrzehnt. Möge es sich Mühe geben!</li>
</ul>
<p>Und schon sind wir wieder am Ende der Liste angelangt. Jetzt habt ihr wieder ein halbes Jahr Ruhe.<br>
Bis zum Dezember bleibt euch viel Zeit, wieder ein wenig Geld zu sparen, denn dann steht voraussichtlich die Rückschau 12/2010 auf dem Programm. Einige Alben, die voraussichtlich ein Teil von ihr sein werden, die es aber leider aus Zeitgründen noch nicht in diese Liste geschafft haben, habe ich bereits vorliegen; ihr dürft euch also wieder auf eine prall gefüllte Wundertüte freuen, die für jeden etwas bereithält.</p>
<p>Habe ich ein wichtiges Album vergessen? Weist mich und andere Leser in den Kommentaren darauf hin; mehr Benutzerinteraktion ist ja immer wünschenswert.<br>
An dieser Stelle auch ein herzlicher Dank an V., ohne die dieser Beitrag erst im Laufe der kommenden Tage erschienen wäre; das hast du jetzt davon!</p>
<p>Ich danke ansonsten allen, die es bis hierhin geschafft haben, für die Geduld und Aufmerksamkeit, und hoffe, euch alle bald wieder hier auf dieser Internetpräsenz begrüßen zu dürfen.<br>
Bis die Tage!</p>
<hr><h2>Kommentare</h2><ul><li><a href="http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress/" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Didi<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">22. Juni 2010</a> dies: Uff, schon lange nicht mehr soviel gescrollt. Könntest Du solche Berichte nicht auf’s Wochenende legen? Jedenfalls habe ich mir die Seite im G-  <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_twistedevil1.gif" alt=":evil:" width="18" height="18" class="wpml_ico">  ‑Kalender auf den Samstag notiert Man ist schließlich kein Student mehr.</li><li><a href="http://www.schallgrenzen.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Peter<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">22. Juni 2010</a> dies: Wie lange haste den an dem Artikel gesessen? Man scrollt sich ja die Finger wund. Trotzdem sehr lesenswert . Ätsch übrigends, ich habe die CD in der Holzkiste ;-)</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">22. Juni 2010</a> dies: Didi: Läuft ja nicht weg.
Peter: Frechheit!   <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_twistedevil2.gif" alt=":twisted:" width="18" height="18" class="wpml_ico">  Ansonsten: Die Textdatei befüllte ich seit einigen Wochen. Die Ausarbeitung dauerte etwa drei Tage.</li><li><a href="http://dietmarjanowski.bplaced.net/wordpress/" class="url wpel-icon-right" rel="ugc external nofollow noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">Didi<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">22. Juni 2010</a> dies: Na ja, bei den kostenlos zu erhaltenen Stücken weiß man das nie. Ich ziehe sie mir gerade rein vorsorglich runter.</li><li><a href="http://tuxproject.de" class="url wpel-icon-right" rel="ugc nofollow external noopener noreferrer" data-wpel-link="external" target="_blank">tux0r<span class="wpel-icon wpel-image wpel-icon-6"></span></a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">22. Juni 2010</a> dies: Kostenlos erhältlich ist grundsätzlich alles.   <img src="https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_biggrin2.gif" alt=":D" width="18" height="18" class="wpml_ico">  
Die, die ich hier verlinkte, stehen ja auch nicht erst seit kurzem im Internet. Aber du hast Recht, Vorsicht ist prima.

Angenehmes Hören schon mal!</li><li><a href="http://tuxproject.de/blog/2011/06/musik-062011-favoriten-und-analyse/" class="url" rel="ugc" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0 » Blogarchiv » Musik 06/2011 – Favoriten und Analyse</a> schrob am <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">28. November 2011</a> dies: […] than my bullet“, sehr schön, so etwas habe ich zuletzt vor viel zu langer Zeit von den Liars gehört, aber die stehen in der Tradition New Yorker Garagenrocks, und dort tanzt man ja allgemein […]</li></ul><hr><small>Quelle: <a href="https://tuxproject.de/blog/2010/06/musik-062010-favoriten-und-analyse/" data-wpel-link="internal">Hirnfick 2.0</a><br>Digitaler Fingerabdruck:  2d020bafea029b2fea2acbb1e974a437</small>]]></content:encoded>
					
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