KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2013 – Favo­ri­ten und Analyse

Die­ser Arti­kel ist Teil 11 von 25 der Serie Jah­res­rück­blick

Eeeeei­nen­wun­der­schö­nen­gu­ten­tag, wer­te Freun­de des ange­wand­ten Musikgenusses!

Ein Blick in mei­nen Kalen­der wies mich mah­nend dar­auf hin, dass das erste hal­be Jahr 2013 ja qua­si vor­über ist. Das bedeu­tet, dass es (wie alle sechs Mona­te) Zeit ist für mei­ne Rück­schau der kau­fens­wer­te­sten Musik­al­ben 2013. Ich muss euch aller­dings ver­schämt geste­hen, dass ich ein­fach nicht die Zeit gefun­den (oder mir genom­men habe), allen Musik­al­ben, die viel­ver­spre­chend erschie­nen, genug Zeit zu geben, sich zu entfalten.

Dabei ist eines der bis­lang beacht­lich­sten Alben 2013 auch das wohl umstrit­ten­ste: Zu Hei­nos „Mit freund­li­chen Grü­ßen“ hat­te ich mich ja schon im Febru­ar aus­ge­las­sen. Ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob es ein Kan­di­dat für die Top- oder Schrott­li­ste ist; skur­ril und dar­um inter­es­sant ist es aber auf jeden Fall. Das gelang in die­sem Jahr anson­sten nicht vie­len Musikern.

Das neue Album „Ever­y­bo­dy Loves Sausa­ges“ der Mel­vins, das so rich­tig Eier hat, ist lei­der ein Cover­al­bum und genügt daher mei­nen Ansprü­chen für die­se Liste nicht. Hören soll­tet ihr es natür­lich trotz­dem. Anson­sten ist von Dan­tes „Novem­ber Red“ bis zu dem Come­back­al­bum von My Bloo­dy Valen­ti­ne jede Men­ge viel­ver­spre­chen­der Musik ange­fal­len, die lei­der nicht ansatz­wei­se mei­nem Qua­li­täts­stan­dard genü­gen konnte.

Die Haupt­li­ste ist daher mit gera­de ein­mal neun Musik­al­ben (plus gege­be­nen­falls Hei­no) dies­mal deut­lich kür­zer als sonst, das erste Halb­jahr 2013 gab eben ein­fach nicht viel her – dafür wird’s am Ende des Jah­res hof­fent­lich um so vol­ler. Freut euch darauf!

Los geht’s:

1. Kurz und gut.

  1. Ste­ven Wil­son – The Raven That Refu­sed To Sing (and other stories)
    „Here we all are born into a strugg­le / to come so far but end up retur­ning to dust“ (Lumi­nol)

    Dass ich, Por­cu­p­i­ne-Tree-Affi­ni­tät hin oder her, mit der Solo­mu­si­zie­re­rei des Herrn Wil­son nicht viel anfan­gen kann, ist alt­be­kannt und hof­fent­lich ver­ständ­lich. Viel zu sphä­risch und zurück­hal­tend blub­bert da die Elek­tro­nik aus den Laut­spre­chern, viel zu sanft und letzt­lich ein­schlä­fernd folgt er den Pfa­den der frü­hen Pink Floyd, wie es auch Por­cu­p­i­ne Tree anfangs taten.

    Inso­fern ist „The Raven That Refu­sed To Sing (and other sto­ries)“ nicht nur ein­fach gut, son­dern ein Über­ra­schungs­tref­fer. Wer indes der „Rabe“ ist, weiß ich nicht. Ste­ven Wil­son selbst ist zumin­dest nicht gemeint, denn er wei­gert sich kei­nes­falls zu sin­gen, was ich anson­sten bedau­ern wür­de, aber „The Raven…“ – ich kür­ze das jetzt mal ab – ist, wie bereits erwähnt, recht groß­ar­tig. Tat­säch­lich ist der Rabe aber ein Sym­bol für den Tod oder eine zumin­dest trau­ri­ge Erinnerung.

    Das kann man anhand des tri­sten grau­en art­works theo­re­tisch bereits fol­gern, bekannt aber soll­te Edgar Allan Poes Gedicht The Raven sein, das unter ande­rem von Lou Reed, Omnia und Alan Par­sons musi­ka­lisch umge­setzt wur­de und das die­se Ver­bin­dung erst­mals beschreibt. Alan Par­sons ist es dann auch, der auf „The Raven…“, gera­de ein­mal 37 Jah­re nach sei­nem eige­nen „Raben“, an einer der Gitar­ren zu hören ist und Ste­ven Wil­son bei der Pro­duk­ti­on des Albums unter­stütz­te. Viel­leicht ist das alles aber auch nur ein Zufall.

    Ande­rer­seits ist „The Raven…“ durch­aus mit Bedacht kon­zi­piert wor­den. Jedes der sechs Stücke basiert auf Geschich­ten aus dem Supra­na­tu­ra­lis­mus, es geht also in jedem der Stücke text­lich um Gei­ster. Ent­spre­chend getrübt ist die Grund­stim­mung; dabei ver­gisst es Ste­ven Wil­son aber nicht, den Hörer immer wie­der aus der Beklem­mung zu befreien.

    Nicht alles an „The Raven…“ ist neu. Der long­track Lumi­nol etwa wur­de bereits auf der Tour zum Vor­gän­ger­al­bum „Grace For Drow­ning“ gespielt. Nie kam Ste­ven Wil­son sei­nen eige­nen Vor­bil­dern King Crim­son – neben Pink Floyd, ver­steht sich – so nahe wie hier: Ein trei­ben­der Bass und Theo Tra­vis‘ Flö­te las­sen Ken­ner des Can­ter­bu­ry Sound auf­hor­chen, dazu ist ein Mello­tron zu hören. Unver­mit­telt setzt mehr­stim­mi­ger Gesang ein, der eben­so unver­mit­telt wie­der endet und so den Beginn eines län­ge­ren Instru­men­tal­teils mar­kiert, der gegen Ende wie­der das The­ma vom Anfang auf­greift und nach etwa vier­ein­halb Minu­ten in einen ruhi­gen Teil mün­det, der mit Kla­vier und beat­les­quem Gesang eben­so von King Crim­sons „Islands“ stam­men könn­te. Nach wie­der­um vier Minu­ten erfolgt eine wei­te­re Zäsur, Mello­tron und Schlag­zeug stei­gern sich bis fast zur Explo­si­on und ver­klin­gen, bis Lumi­nol mit dem ursprüng­li­chen The­ma schließ­lich endet. Habe ich schon King Crim­son erwähnt?

    Ein­zel­ne Ele­men­te die­ses Bei­spiels zie­hen sich durch alle Stücke auf dem Album; das beschau­li­che The Watch­ma­ker steht so wie selbst­ver­ständ­lich neben dem offen­siv rocken­den The Holy Drin­ker. Wer wie ich bis­lang der Mei­nung war, von Ste­ven Wil­son hät­te er schon alles irgend­wann mal gehört, könn­te hier eine posi­ti­ve Über­ra­schung erle­ben. Zu emp­feh­len ist’s jeden­falls ohne jed­wel­ches Aber.

    Hör­pro­ben:
    Auf You­Tube gibt es zur­zeit eine groß­ar­ti­ge Live­ver­si­on von Lumi­nol zu bestau­nen, das voll­stän­di­ge Album ist unter ande­rem per Groo­veshark stream­bar. Falls euch die Kurz­form genügt: Amazon.de wur­de mit den übli­chen kur­zen Aus­schnit­ten bestückt.

  2. Eels – Won­der­ful, Glorious
    „If you’­re not rea­dy then you bet­ter get out now!“ (Bombs Away)

    „My hover­craft is full of eels“ – die­ses Zitat der bri­ti­schen Komi­ker Mon­ty Python soll­te bekannt sein. So schlimm ist das aber gar nicht, denn wenn Aale so inter­es­san­te Musik machen wie Eels auf „Won­der­ful, Glo­rious“, dann kau­fe ich mir sofort ein Luftkissenfahrzeug.

    Blö­de histo­ri­sche Refe­ren­zen aber mal bei­sei­te gelas­sen – mit Mon­ty Python haben Eels tat­säch­lich nicht viel zu tun. Glaubt man den Aus­sa­gen von Band­grün­der Mark Oli­ver Ever­ett, der sei­ne Solo­al­ben zur Zeit der Grün­dung bereits seit Jah­ren unter dem Künst­ler­na­men E ver­öf­fent­li­chen ließ, so wur­de der Name gewählt, um die Alben der Band im Schall­plat­ten­la­den mög­lichst nahe an sei­nen eige­nen ste­hen zu haben. Es wur­de nicht bedacht, dass Earth, Wind & Fire sowie die Eagles das Alpha­bet klar auf ihrer Sei­te hat­ten. Nun, Eels ist ja trotz­dem ein schö­ner Bandname.

    Dem Mythos um die Ent­ste­hung des Namens sei’s ver­zie­hen, dass weder Earth, Wind & Fire noch die Eagles musi­ka­lisch viel mit Eels gemein­sam haben. (Einen Saturn­mit­ar­bei­ter stört so was erfah­rungs­ge­mäß übri­gens nicht im Gering­sten.) Eels machen statt­des­sen so genann­ten „Indie-Rock“ par excel­lence. Ich bin durch­aus wil­lens, „Won­der­ful, Glo­rious“ als bestes main­stream-Album des bis­he­ri­gen Jah­res zu betrach­ten, immer­hin geben sich die Musi­ker nicht viel Mühe, den Vor­wurf der Radio­kom­pa­ti­bi­li­tät zu ent­kräf­ten. Den­noch: „Won­der­ful, Glo­rious“ ist genau an den rich­ti­gen Stel­len rau genug, um anzuecken.

    Da wäre etwa New Alpha­bet zu nen­nen. Im Zen­trum des Albums setzt es mit sei­ner Lo-Fi-Ästhe­tik nach Art der Dan­dy War­hols einen star­ken Kon­trast zu der Kla­vier­bal­la­de The Tur­naround und dem sti­li­stisch (wenn auch nicht musi­ka­lisch) an den Punk (und mehr noch an Frank Zap­pa) ange­lehn­ten Stück Peach Blossom, von des­sen inten­siv wie­der­hol­tem Refrain („Open the win­dow, man, to smell the peach blossom / the tiger lily, the mer­ry­gold“, viel mehr Text gibt es nicht) ich eine Wei­le einen Ohr­wurm hat­te. Stö­rend, so was!

    Man stel­le sich sol­che Zei­len über­dies nicht sanft gesäu­selt, son­dern affek­tiert geru­fen (fast: gerappt) vor, wäh­rend im Hin­ter­grund die Gitar­re knarzt und Kla­vier­klän­ge sie beglei­ten. Viel­leicht soll­te man Eels weni­ger ernst neh­men und ver­su­chen, Spaß an dem zu fin­den, was sie hier dar­bie­ten. Dabei hilft es, dass man die unter­schied­li­chen Ein­flüs­se leicht aus­ein­an­der­hal­ten kann. Von Simon & Gar­fun­kel (I Am Buil­ding A Shri­ne) über The Vel­vet Under­ground oder ihre Zög­lin­ge (New Alpha­bet) bis zu John Len­non (The Tur­naround) reicht die Span­ne der von jeden­falls mir spon­tan asso­zi­ier­ten Vergleiche.

    Juli­an Schmitz schrieb zutref­fend:

    Es ist die­ser herr­li­che Wech­sel zwi­schen schnar­ren­den, trei­ben­den Beats und zwi­schen­durch vie­le uner­war­te­te Dyna­mik­wech­sel, locker-leich­te Früh­ligns­syn­thie­s­ounds (sic!), die einen hoff­nungs­voll und gut gelaunt gen hel­le­re Tage blin­zeln lassen.

    „Som­mer­a­l­bum“ ist eigent­lich ein Wort, das ich zu mei­den ver­su­che. Bei „Won­der­ful. Glo­rious“ fällt mir das aber gar nicht so leicht. Dar­um bre­che ich hier mal ab und über­las­se euch den Rest.

    Hör­pro­ben:
    Bei einem Musik­al­bum, das so hete­ro­gen wie „Won­der­ful, Glo­rious“ ist, ist das mit den Hör­pro­ben schwie­rig. Inter­es­sant ist viel­leicht das Musik­vi­deo zu Peach Blossom, anson­sten sind natür­lich auch ein Groo­veshark-Stream und Amazon.de-Hörproben verfügbar.

  3. The Joy For­mi­da­ble – Wolf’s Law
    „I think I under­stand / that past is cir­cling“ (Ten­dons)

    Erin­nert ihr euch an The Joy For­mi­da­ble? Ihr 2011 erschie­ne­nes Debüt­al­bum „The Big Roar“ sor­tier­te ich damals als „Art­pop, Indie-Rock, Grunge, irgend­wie so Alter­na­ti­ve“ ein und leg­te euch ans Herz, die­ses Album zu hören. Wenn der Tipp euch damals Freu­de berei­te­te, dann passt jetzt mal kurz auf: „Wolf’s Law“, das neue Album der Wali­ser (erschie­nen im Janu­ar 2013), ist kei­nes­wegs schlechter.

    So weit lie­gen die bei­den Alben auch zeit­lich nicht aus­ein­an­der. Wei­te Tei­le von „Wolf’s Law“ wur­den bereits wäh­rend der zwölf­mo­na­ti­gen Tour zu „The Big Roar“ geschrie­ben. Erst gro­ßes Getö­se, nun das Gesetz des Wolfs – die Wild­nis hat’s The Joy For­mi­da­ble anschei­nend angetan.

    All­zu wild ist jedoch auch „Wolf’s Law“ nicht. Viel­mehr wer­den bekann­te Stär­ken bei­be­hal­ten und perfektioniert.

    Es fängt harm­los mit Strei­chern an, die sich als Ein­füh­rung in so ein Album immer gut machen. MTV-Seher wis­sen, was gemeint ist. Dann: Gitar­ren­ge­schep­per. Schön. This Lad­der Is Ours: Gitar­ren­la­sti­ger Main­stream-Indie-Rock, der jeden Applaus ver­dient. Auf Pitch­fork wer­den auch schon mal New Order und die (aller­dings grau­en­vol­len) Muse als Ver­glei­che her­an­ge­zo­gen. Schon wie­der Indie-Rock! „Aber du magst doch sonst kei­nen Main­stream?!“, höre ich euch nun wie­der unken. Stimmt, weil Main­stream mei­stens lahm ist. „Wolf’s Law“ ist aber nicht lahm.

    Was ist das „Wolfs­ge­setz“ eigent­lich? Laut dem Cover wohl: Tod des Wolfs. Ein Wolf liegt tot am Boden, Blu­men lie­gen auf ihm (oder wach­sen sie aus ihm?). Gesund ist das nicht. Ganz anders The Joy For­mi­da­ble, die so leben­dig wir­ken wie nur weni­ge Bands. Gele­gent­lich den­ke ich an Blon­die, manch­mal auch an die neue­ren Eat­liz. Jochen König spricht von „Kon­sens-Pop, der nicht schmerzt, son­dern das Herz erwärmt und ein Lächeln ins Grin­se­ge­sicht zau­bert“, und meint das wahr­schein­lich nicht mal böse.

    Zuge­ge­ben, der Anfang des Albums ist, ver­gli­chen mit dem Vor­gän­ger, trotz all der Groß­ar­tig­keit ein wenig belang­los. Die Qua­li­tät steigt aber mit anstei­gen­der Lied­num­mer. Litt­le Blimp (Lied Num­mer 4) groovt mit domi­nan­tem Bass nach vor­ne, die Bal­la­de Silent Tre­at­ment (6) ist mit ruhi­ger Gitar­re und eben­sol­chem Gesang sozu­sa­gen die Ruhe vor dem Sturm. Die­ser Sturm heißt Maw Maw Song und fasst das Album schon vor sei­nem Ende umfas­send zusam­men: Kopf­nick-Refrain, schep­pern­de und quir­li­ge Gitar­ren, Rit­zy Bryans stets begei­stert klin­gen­de Stim­me, beglei­tet „maw, maw“ im Refrain. Miau, miau. – Eigent­lich genügt es, Maw Maw Song zu ken­nen, um die­ses Album für groß­ar­tig zu hal­ten; und das mit Recht!

    Zum Abschluss dann The Tur­naround, eine neun­ein­halb­mi­nü­ti­ge Strei­cher­bal­la­de, die sich nach sie­ben Minu­ten zu stei­gern beginnt und in einem ful­mi­nan­ten fast instru­men­ta­len Fina­le endet, gleich­sam als Ver­beu­gung vor dem applau­die­ren­den Publi­kum (also jeden­falls mir). Die­ses Fina­le wur­de bereits im August 2012 als Lied namens Wolf’s Law im Inter­net ver­öf­fent­licht, um den Hörer auf das Album vor­zu­be­rei­ten. Das ist ziem­lich gut gelungen.

    Die letz­ten Text­zei­len auf „Wolf’s Law“ lau­ten: „Don’t wait, let’s go, go, go“. Das Ende die­ses Albums ist nur der Auf­bruch zum näch­sten. Die Rei­se wird sicher span­nend, ich bin dabei. Ihr auch?

    Hör­pro­ben:
    Auf You­Tube gibt es unter ande­rem eine qua­li­ta­tiv gera­de noch akzep­ta­ble Live­ver­si­on vom Maw Maw Song zu sehen und zu hören, das gan­ze Album ist per Groo­veshark sowie in 30-Sekun­den-Schnip­seln auf Amazon.de anzuhören.

  4. Hen­ry Fool – Men Singing

    Hen­ry Fool ist der Name eines Action­films von 1997 sowie der Haupt­fi­gur in die­sem Film, die auch im Fol­ge­film „Fay Grim“ mit­spielt. Im Jahr 2001, also zumin­dest nach dem gleich­na­mi­gen Film, erschien das Debüt­al­bum der Musik­grup­pe wie­der­um glei­chen Namens, auf dem unter ande­rem Tim Bow­ness (unter ande­rem no-man) an Mikro­fon und Gitar­re zu hören war. Zwölf Jah­re spä­ter heißt das aktu­el­le Album von Hen­ry Fool irri­tie­ren­der­wei­se „Men Sin­ging“, obwohl Tim Bow­ness gar nicht mehr singt.

    Ja, „Men Sin­ging“ ist ein Instru­men­tal­al­bum. Die Beset­zungs­li­ste kann sich sehen las­sen: Außer Tim Bow­ness sind unter ande­rem auch sein regel­mä­ßi­ger musi­ka­li­scher Part­ner Peter Chil­vers, der gele­gent­lich auch mit Bri­an Eno zusam­men musi­ziert, Myke Clifford, Saxo­pho­nist bei The Pink Floyd Dimen­si­on, und Jar­rod Gos­ling, der sich in jün­ge­rer Zeit vor allem mit The Human League und I Mon­ster zusam­men­ge­tan hat­te. Zwei der vier Stücke ver­edelt Gast­mu­si­ker Phil Manz­ane­ra (Roxy Music) mit sei­ner Gitar­re, der zwei­te Gast Ste­ve Bing­ham (Vio­li­ne) hat wie­der­um jah­re­lang Erfah­rung mit der no-man-Live­band gesam­melt. Im Wesent­li­chen ist Hen­ry Fool also ein Pro­jekt von Tim Bow­ness und sei­nen Wegbegleitern.

    Das klingt nun wie Bil­ly Sher­wood, der in jedem sei­ner unge­zähl­ten Band­pro­jek­te (Cir­ca:, zeit­wei­se Yes und eini­ge wei­te­re) den Ton maß­geb­lich angab und angibt, aber das Ergeb­nis ist ein viel bes­se­res. Tho­mas Kohl­ruß para­phra­sier­te:

    (…) wenn man sich eine Melan­ge aus psy­che­de­li­scher Soft Machi­ne, pink­floydesken Por­cu­p­i­ne Tree, einem Schuss David Syl­vi­an, 80er-Jah­re-Wave-Crim­son, den Pro­jeKcts, leich­ten Post­rock-Ein­flüs­sen und Mini­mal Music vor­stel­len kann, dann ist man schon irgend­wie in der Welt von „Men Sin­ging“, ent­span­nend spannend!

    Gele­gent­lich ist Musik wie die­se auf die­ser Inter­net­prä­senz ja auch schon mal The­ma, „Tank“ von Kreid­ler etwa fand hier bereits im Juni 2011 loben­de Erwäh­nung. „Men Sin­ging“ stößt in ein ähn­li­ches Horn, eig­net sich jedoch weni­ger zur Hin­ter­grund­be­schal­lung. Wer hier nicht auf­passt, ver­passt wahr­schein­lich vieles.

    Auch die Fach­welt (sprich: Musik­jour­nail­le) ist begei­stert von „Men Sin­ging“. Es pas­siert tat­säch­lich ober­fläch­lich nicht viel, aber die Atmo­sphä­re, die auf „Men Sin­ging“ ein­ge­fan­gen wur­de, sucht sicher­lich ihres­glei­chen. Freun­de der gitar­ren­la­sti­gen Rock­mu­sik sind hier wahr­schein­lich unter­for­dert; wer aber die genann­ten Ver­glei­che schätzt, dem soll­te „Men Sin­ging“ zusa­gen. Ich jeden­falls mag es.

    Hör­pro­ben:
    Alle vier Stücke las­sen sich aus­zugs­wei­se auf Amazon.de hören, auf You­Tube ist ein Stop-Moti­on-Video zu Ever­yo­ne In Swe­den zu sehen.

  5. Motor­psy­cho – Still Life With Eggplant

    Das nor­we­gi­sche Trio Motor­psy­cho erweist sich auch nach 24 Jah­ren wei­ter­hin als recht aktiv. Dem jazz­do­mi­nier­ten Album „The Death Defy­ing Uni­corn“, mei­nem Album des Jah­res 2012, folgt nun mit nicht ein­mal einem Jahr Abstand das inzwi­schen sech­zehn­te Stu­dio­al­bum „Still Life With Egg­plant“. Das zugrun­de lie­gen­de Mate­ri­al ent­stammt teil­wei­se Ent­wür­fen, die wegen der Kol­la­bo­ra­ti­on mit Stå­le Stor­løk­ken vor­über­ge­hend zurück­ge­stellt wur­den. Ein Orche­ster ist dies­mal auch nicht dabei.

    Die Jaz­z­an­tei­le auf „Still Life With Egg­plant“ wur­den kon­se­quent (wie­der) deut­lich zurück­ge­fah­ren, von Anfang an ist die Gitar­re ein star­kes Instru­ment, der druck­vol­le Bass trägt sei­nen Teil bei. Dies ist Rock.

    Das ist auch dann Rock, wenn Motor­psy­cho ihr Bestes geben, ihn zu tar­nen. Da wäre etwa der long­track Ratcat­cher (17:11 Minu­ten), der lei­der ein wenig unin­spi­riert und blue­sig vor sich hin­plät­schert, bis er nach eini­gen Minu­ten deut­lich an Tem­po und Inten­si­tät gewinnt. Der durch­schnitt­li­che Rock­fan hat da schon längst wei­ter­ge­schal­tet, der Pro­gres­si­ve-Rock-Freund hin­ge­gen lauscht gebannt jeder neu­en Nuan­ce. War­um soll­te Rock auch immer in das Drei-Minu­ten-Kor­sett der öffent­lich-recht­li­chen Radio­an­stal­ten pas­sen müssen?

    Und sonst? „The After­glow“. Ist das Oasis? Zumin­dest ist es 60er-Beat­po­pir­gend­was. (Also wie­der­um Oasis.) Der rocki­ge Teil nach drei Minu­ten und zwan­zig Sekun­den ist über­ra­gend. Beim Gesang muss ich gera­de in die­sem Stück oft an John Len­non den­ken, aber das ist ja durch­aus auch nichts Schlechtes.

    Apro­pos „nicht schlecht“ bezie­hungs­wei­se apro­pos „eclip­sed“: Dort schrieb Wolf Kamp­mann im Mai 2013 über „Still Life With Eggplant“:

    „Still Life With Egg­plant“ ist eine Com­pi­la­ti­on der besten Songs, die Motor­psy­cho nie­mals auf­ge­nom­men haben. Die Band han­gelt sich durch ihre gesam­te Geschich­te mit semi-aku­sti­schen Bal­la­den, saf­ti­gen Slea­ze-Kra­chern und monu­men­ta­len Kraftpaketen.

    Kei­ne Einwände!

    Hör­pro­ben:
    Amazon.de hat Aus­schnit­te vom Album in 30-Sekun­den-Län­ge zum Anhö­ren. Tut dies zahlreich!

  6. Day­moon – Fab­ric of Space Divine
    „Let the­re be life!“ (Seed of Complexity)

    Es gibt auch Neu­es von der US-ame­ri­ka­nisch-por­tu­gie­si­schen Regres­si­ve-Rock-Insti­tu­ti­on Day­moon. Nach dem über­ra­gen­den Debüt­al­bum „All Tomor­rows“ erga­ben sich eini­ge Ände­run­gen im Pri­vat­le­ben von Front­mann Fred Les­sing wie auch in der Beset­zung. Ent­spre­chend lan­ge haben die Auf­nah­men gedauert.

    Fred Les­sing begann nach eige­nem Bekun­den bereits 2002 mit den Auf­nah­men für „Fab­ric of Space Divi­ne“. Das Album hat­te also viel Zeit zu rei­fen. Es basiert auf der Arbeit von Ste­phen Bax­ter, einem von ihm bewun­der­ten eng­li­schen Sci­ence-Fic­tion-Autor, und erzählt im Wesent­li­chen die Geschich­te des Uni­ver­sums (gemäß den liner notes „hin­ter­grün­dig miss­ver­stan­den von Fred Les­sing“) von sei­nem Anfang bis zu sei­nem Ende. Das Album wur­de über die Jah­re immer wei­ter ver­fei­nert und schließ­lich ab 2010 vom neu­en Schlag­zeu­ger André Mar­ques pro­du­ziert. Vom Debüt­al­bum geblie­ben ist nur besag­ter Fred Les­sing, alle ande­ren Band­mit­glie­der wur­den zwi­schen 2009 und 2011 aus­ge­tauscht (obwohl noch eini­ge von ihnen auf dem Album zu hören sind). Dass das den musi­ka­li­schen Stil umwirft, ist wenig überraschend.

    So beginnt (Sin­gu­la­ri­ty to Sol) es mit Spa­ce­rock­zir­pen, das in einen mit weni­gen Can­ter­bu­ryele­men­ten ver­fei­ner­ten Spa­ce­rock­teil über­geht. Gele­gent­lich ist er noch da, die­ser Yes-Moment, aber er schwand zugun­sten einer mir bis dahin noch nicht begeg­ne­ten Her­an­ge­hens­wei­se an das Welt­raum­the­ma. Am Ende zum ersten Mal Gesang: „Let the­re be light!“ Schön.

    Dann: Seed of Com­ple­xi­ty. Hier taucht zum ersten Mal der Titel des Albums auf, der sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Musi­ka­lisch herrscht hier weit­ge­hend unauf­fäl­li­ger AOR vor, gele­gent­lich zumin­dest beglei­tet von inter­es­san­ten RIO/A­vant-Effek­ten. Ganz anders Beyond Natu­re, das uns olle Ärz­te-Fans zuerst an „Die Bestie in Men­schen­ge­stalt“ erin­nert (zumal auch der Gesang Bela B. recht nahe kommt), dann aber erkennt man den Kraut­rock, Stil­rich­tung world music mit indi­schem touch, yeah. Der ver­stö­ren­de (krei­schen­de) Hin­ter­grund­ge­sang ist ein hörens­wer­ter Kontrapunkt.

    Inter­es­sant ist auch Beyond Tri­ni­ty, eine Kla­vier­bal­la­de im unge­fäh­ren Stil von Elton John. Der Gesang ist aber schlech­ter. – Ja, der Gesang, die alte Schwach­stel­le von Day­moon. Es gibt viel Gesang auf „Fab­ric of Space Divi­ne“, nur weni­ge Stücke kom­men ohne ihn aus. Ande­rer­seits hat Fred Les­sing zumin­dest etwas bes­ser sin­gen gelernt, oft fügt sich der Gesang gut in die Musik ein. – Nach­trag: In den Kom­men­ta­ren weist mich Herr Les­sing dar­auf hin, dass er gar nicht mehr selbst singt. Ich hat­te mich schon gewundert.

    Aber was wird eigent­lich gesun­gen? Vor allem viel Reli­giö­ses. So heißt es etwa in Beyond Mul­ti­pli­ci­ty:

    La ila­he illa allah, jamal of God we sing
    La ila­he illa allah, jalal of Allah we sing

    Natür­lich: Wer die Geschich­te des Uni­ver­sums erzählt, der soll­te auch reli­giö­se Bewe­gun­gen nicht aus­las­sen. Dass Fred Les­sing sich selbst als „über­haupt nicht reli­gi­ös“ bezeich­net (und sich dafür unnüt­z­er­wei­se ent­schul­digt), wer­te ich posi­tiv. Also, wie gesagt, der Gesang ist die Schwach­stel­le auf die­sem Album.

    Wer dar­über hin­weg­se­hen kann und nichts gegen Spa­ce­rock mit Stil­wech­seln und ohne gro­ße Ecken und Kan­ten hat, der soll­te „Fab­ric of Space Divi­ne“ eine Chan­ce gewäh­ren. Fest steht jeden­falls: Day­moon schaf­fen es bis­lang, sich auf jedem Album neu zu erfin­den. Mal sehen, wohin die Rei­se führt – die­ses Jahr jeden­falls ins Weltall.

    Hör­pro­ben:
    Ach was, war­um mit Pro­ben zufrie­den­ge­ben? „Fab­ric of Space Divi­ne“ gibt es in vol­ler Län­ge per Band­camp zum Strea­men und Kau­fen. Das ver­dient Applaus.

  7. Car­pet – Ely­si­an Pleasures

    Car­pet. Tep­pich. Blö­der Name. Ande­rer­seits ist Band­grün­der Maxi­mi­li­an Ste­phan, der für das zwei­te Car­pet-Album drei wei­te­re Musi­ker an Bord geholt hat, ja für blö­de Band­na­men bekannt: Sei­ne ande­re Band heißt dear john let­ter (Schreib­wei­se vari­ie­rend) und wur­de für ziem­lich groß­ar­ti­gen, atmo­sphä­ri­schen Post­rock bekannt. Auf „Ely­si­an Plea­su­res“ ist auch Schlag­zeu­ger Jakob von eben­dort zu hören. (Dass „Ely­si­an Plea­su­res“ ein auf­wän­dig gestal­te­tes Cover­bild spen­diert bekom­men hat, das nur im Vinyl­for­mat rich­tig zur Gel­tung kommt, ver­steht sich da eigent­lich von selbst.)

    Man möge mir ver­zei­hen, wenn die per­so­nel­len und son­sti­gen Über­schnei­dun­gen treue Leser mei­ner Rezen­sio­nen nun auf eine fal­sche Fähr­te locken: Post­rock ist hier nicht zu fin­den. Statt­des­sen wird in den 70-ern gesto­chert: Post-Beat­les-Beat (For The Love Of Bokeh), Can­ter­bu­ry-nahe Blä­ser­klän­ge (Smo­ke Signals) und atmo­sphä­ri­scher Rock (Man Chan­ging The Atoms mit, immer­hin, einer gefäl­li­gen Lärm­kas­ka­de gegen Ende des Stücks) tref­fen hier auf­ein­an­der und erge­ben ein inter­es­san­tes Zusam­men­spiel. Etwas bedau­er­lich ist, dass der Gesang in den bei­gemisch­ten Effek­ten bei­na­he zu ertrin­ken scheint; das tut dem Gesamt­ein­druck aber kei­nen nach­hal­ti­gen Scha­den an.

    Im Maga­zin „eclip­sed“ („alles, was das letz­te hal­be Jahr­hun­dert Rock­mu­sik aus­ge­macht hat, fin­det sich auf die­sem Album wie­der“) war man gera­de­zu über­schwäng­lich begei­stert von „Ely­si­an Plea­su­res“; halb­wegs auf dem Boden bleibt jeden­falls Peter auf Schallgrenzen.de:

    “Ely­si­an Plea­su­res” ist, im Gegen­satz zum eher eher ambi­en­ten, expe­ri­men­tel­len Debüt, eine durch­aus hand­fe­ste Ver­an­stal­tung. Zu hören gibt es näm­lich trei­ben­den Rock zwi­schen Psy­che­de­lic und Pro­gres­si­ve. Aber auch eine immer wie­der durch­schim­mern­de sub­ver­si­ve Jazz-Note gefällt mir sehr gut. Sum­ma Sum­ma­rum: Zeit­sturz in die spä­ten Sieb­zi­ger. Schö­ne pro­gres­si­ve Tüten­mu­sik inklu­si­ve Orgel.

    Etwas weni­ger Hall täte, wie schon erwähnt, dem Album gut, aber irgend­was ist ja immer. Freun­de der eher ent­rück­ten Musik der 1970-er Jah­re soll­ten es aber auf kei­nen Fall ver­säu­men, sich mit „Ely­si­an Plea­su­res“ zu beschäftigen.

    Hör­pro­ben:
    Auch „Ely­si­an Plea­su­res“ ist vor dem Kauf kom­plett per Band­camp streambar.

  8. Shi­ning – One One One
    „I do not fight back, I paint the sky black“ (Paint The Sky Black)

    Metal­freun­de kamen bis hier­hin etwas weni­ger auf ihre Kosten. Aber auch für sie hat das Jahr 2013 schon einen Schatz zu bie­ten, näm­lich „One One One“ von Shi­ning (der nor­we­gi­schen Metal­band, nicht der schwe­di­schen Metal­band glei­chen Namens).

    „Metal­band“ ist viel­leicht etwas kurz gegrif­fen. Obwohl „One One One“ – „Six Six Six“ wäre zu plump – beim ersten Rein­hö­ren sehr, sehr gut und vor allem sehr, sehr laut klingt, lie­gen die Wur­zeln der Band im Jazz. Geblie­ben ist die Lust am Expe­ri­men­tie­ren, die schon auf dem Vor­gän­ger­al­bum – oder ist es ein gan­zes Gen­re? – „Black­jazz“ (2010), auf das im Titel Black­jazz Rebels noch­mals Bezug genom­men wird, nur schwer zu über­hö­ren war. Shi­ning mischen auch auf „One One One“ Black Metal, Nu-Metal (etwa My Dying Dri­ve) und Avant­gar­di­sti­sches wie merk­wür­di­ge Klang­se­quen­zen dort, wo ande­re Metal­bands viel­leicht ein Gitar­ren­so­lo platz­ie­ren wür­den, zu einer beacht­li­chen Kom­bi­na­ti­on (auf musikreviews.de und anders­wo ist von „Jazz-Metal“ die Rede, was eben unge­fähr so hilf­reich ist wie „Schla­ger­punk“, aber sei’s drum) zusam­men, die trotz allem auch uns Freun­de des Schön­klangs dazu ein­lädt, die Tex­te mit­zu­brül­len. Wirk­lich scha­de, dass ich gera­de kein Text­buch zur Hand habe.

    Und ein wenig Jazz ist ja dann auch noch da: How Your Sto­ry Ends etwa beginnt mit Solosa­xo­phon von – wahr­schein­lich – Front­mann Jør­gen Mun­ke­by, der, wenn er gera­de nicht bläst, bevor­zugt brüllt und Gitar­re spielt. So ein wenig Kli­schee muss ja schon sein. Das Saxo­phon als Metal­in­stru­ment erzielt zumin­dest eine inter­es­san­te Wir­kung, gera­de in den etwas lau­te­ren Tei­len. Natür­lich hat das mit Metal­li­ca weni­ger zu tun als mit Mard­uk, weni­ger mit Tool als mit einer sata­ni­sti­schen Kult­mes­se. Wer Metal nur aus dem Radio kennt, den könn­te „One One One“ also even­tu­ell über­for­dern. Aber das Ziel jedes Musik­freun­des, lie­be Leser, soll­te es stets sein, sei­ne Gren­zen (eben sei­nen Hori­zont) ken­nen­zu­ler­nen und bestän­dig zu erweitern.

    Natür­lich ist das nur Modell­pfle­ge und kein radi­ka­ler Umbruch. War­um auch? Die­ses Niveau dür­fen Shi­ning gern noch ein paar Jah­re lang halten.

    Ich fin­de Metal doof. „One One One“ fin­de ich aber über­haupt nicht doof. Ihr soll­tet es mir gleichtun.

    Hör­pro­ben:
    Amazon.de lässt euch für jedes Stück drei­ßig Sekun­den Zeit.

  9. Sigur Rós – Kveikur
    „Við sker­um á / aug­naráð / nú stin­gur í / ofbir­ta“ (Bren­ni­steinn)

    Kom­men wir nun zu etwas völ­lig Ande­rem (als Metal). Gera­de noch recht­zei­tig erreich­te mich „Kvei­kur“, das neue Album der islän­di­schen Postrock­band Sigur Rós. Wer aber dach­te, er wüss­te, was ihn erwar­tet, der hat sich getäuscht. Nach einî­gen ver­ton­ten Traum­wel­ten und der Hin­wen­dung zur bei­na­he fröh­li­chen Pop­mu­sik auf „Takk…“ und „Með suð í eyrum við spilum enda­l­aust“ ging es mit „Val­ta­ri“ wie­der zurück zum „Dream­pop“ (Zitat: Wiki­pe­dia – ich fin­de Gen­res immer noch bescheu­ert) der frü­he­ren Alben.

    Aber „Kvei­kur“?

    Die Ver­packung des Albums ist in Schwarz-Grau gehal­ten. Tex­te gibt es nicht. Innen sind mit schwarz­brau­ner Farb­ge­bung merk­wür­di­ge Fan­ta­siesze­nen gezeich­net, ver­se­hen mit weni­gen roten Flecken. Eine gro­ße Kral­len­hand kommt von oben rechts und schießt auf Baum­stümp­fe. Merk­wür­dig, aber bezeich­nend für „Kvei­kur“. Nach­dem zum Jah­res­wech­sel 2012/2013 der Key­boar­der Kjar­tan „Kjar­ri“ Sveins­son sich aus ver­mut­lich fami­liä­ren Grün­den aus der Band ver­ab­schie­det hat­te, ist „Kvei­kur“ das erste Album, das Sigur Rós als Trio ver­öf­fent­lich­ten; dies oben­drein bei einer neu­en Plat­ten­fir­ma, nament­lich XL Record­ings. Wie bei den mei­sten Bands (etwa auch Van der Graaf Gene­ra­tor, „Tri­sec­tor“) ist damit ein klang­li­cher Wech­sel verbunden.

    Das erste Adjek­tiv, das mir zu „Kvei­kur“ ein­fällt, ist: Dun­kel. Der Post­rock ist zu Hau­se ange­kom­men. Nie klan­gen Sigur Rós so sehr nach God Is An Astro­naut wie auf die­sem Album. Das bedeu­tet nicht, dass es an Eigen­stän­dig­keit fehlt; etwa Ísja­ki und Yfir­borð knüp­fen an alte Erfol­ge an. Neu sind Stücke wie Bren­ni­steinn und das Titel­stück Kvei­kur: Getrie­ben von aller­lei elek­tro­ni­schen Spie­le­rei­en und dröh­nen­dem Bass und mit weni­ger sanf­tem Gesang und weni­ger mono­to­nem Schlag­zeug als noch auf „Með suð í eyrum við spilum enda­l­aust“ wir­ken sie bei­na­he aggres­siv und hek­tisch. Das ist gut! (Wenn ich nur die Tex­te ver­stün­de!) „Kvei­kur“ klingt mit dem instru­men­ta­len Quas­ik­la­vier­stück Var dann aber doch noch stan­des­ge­mäß aus.

    Zumin­dest Bren­ni­steinn (auf Deutsch „Schwe­fel“, was irgend­wie passt) ist auf­merk­sa­men Musik­freun­den indes schon lan­ge live bekannt, eine her­vor­ra­gen­de Live­ver­si­on etwa ist auf You­Tube zu sehen. Wenn das aber die neu­en Sigur Rós sind, dann: Gern mehr davon!

    Hör­pro­ben:
    Auf You­Tube – im Text ver­linkt – gibt es ziem­lich gute Live­auf­nah­men zu hören, auf Amazon.com gab es kurz­zei­tig das gan­ze Album als Stream. Wer es ver­passt hat, der kann dies per Groo­veshark (plus zwei Bonus­stücke) nach­ho­len oder sich mit den kur­zen Aus­schnit­ten auf Amazon.de zufrie­den geben.

Waren das schon neun? Oh, ja, das waren schon neun.

Aber es gab doch schon so viel gute Musik 2013, sagen die Medi­en! – Ja, die Medi­en. Die Medi­en hypen eine Men­ge furcht­ba­ren Scheiß. Wollt ihr wis­sen, was ich mei­ne? Nun, zum Bei­spiel fol­gen­de Musikalben:

2. Immer noch viel zu lang.

  • Vil­la­gers – Awayland
    Eine müde, kraft­lo­se Vari­an­te des immer­glei­chen Man­do-Diao-Auf­gus­ses.
  • My Bloo­dy Valen­ti­ne – m b v
    Peter ist der Ansicht, man kön­ne sich das hier schönsau­fen. Ich mel­de Beden­ken an.
  • Jac­co Gard­ner – Cabi­net Of Curiosities
    Beat­lesquer Ein­schlaf-Weich­spül­pop.
  • Long Distance Cal­ling – The Flood Inside
    Die einst­mals über­ra­gen­de Postrock­band hat sich einen scheuß­li­chen Sän­ger an Bord geholt. Graus!
  • Life­signs – Lifesigns
    Melo­dic Rock für Anfän­ger und Hausfrauen.
  • Mr Averell – Gridlock
    Tol­le Beset­zung, grau­en­haf­te Umsetzung.

Ihr merkt, Qua­li­tät und Quan­ti­tät unter­schei­den sich mit­un­ter stark. Nie wur­de so viel Musik pro­du­ziert wie heu­te, nie kam so viel Schrott dabei her­aus. Wie anders doch frü­he­re Jahrzehnte!

Zum Abschluss des dies­jäh­ri­gen Zwi­schen­be­richts machen wir also erneut eine Zeit­rei­se durch die Musikgeschichte:

3. Und viel zu lang ist’s her.

  • Vor 40 Jahren:
    Gene­sis – Sel­ling Eng­land by the Pound

    1973 begann der Pro­gres­si­ve Rock sich voll zu ent­fal­ten. Der Can­ter­bu­ry Sound hat­te mit „Camel“ (Camel) und „For Girls Who Grow Plump in the Night“ (Cara­van) sei­nen gro­ßen Auf­tritt, in Frank­reich setz­ten Mag­ma mit „Mekanïk Destruk­tïw Kom­man­döh“ alles auf eine Kar­te (und gewan­nen). In Groß­bri­tan­ni­en wett­ei­fer­ten der­weil zwei völ­lig unter­schied­li­che Musik­grup­pen um die Gunst des Publi­kums: Die 1966 gegrün­de­ten 10cc ver­ein­ten auf ihrem end­lich erschie­ne­nen Debüt­al­bum Art­rock und Pro­gres­si­ve Rock zu einer über­zeu­gen­den Melan­ge, die ihnen eine Bekannt­heit ein­brach­te, ange­sichts derer es eigent­lich ver­wun­der­lich ist, dass man ihren Namen gemein­hin nicht als All­ge­mein­wis­sen betrach­tet, ganz im Gegen­satz zu dem ihrer Lands­män­ner von Gene­sis, die im glei­chen Jahr mit „Sel­ling Eng­land by the Pound“ das vor­letz­te Album mit Peter Gabri­el ver­öf­fent­lich­ten (lei­der darf Phil Col­lins hier auch schon sin­gen). Trotz Lied­ti­teln wie The Batt­le of Epping Forest und Dan­cing with the Moon­lit Knight tre­ten hier jedoch die mysti­schen Tex­te frü­he­rer Alben zugun­sten gesell­schafts­kri­ti­scher All­tags­be­ob­ach­tun­gen zurück. Einen ähn­li­chen Wan­del haben im glei­chen Jahr übri­gens die wie­der ver­ein­ten King Crim­son auf „Larks’ Tongues in Aspic“, dem ersten Stu­dio­al­bum ohne Tex­ter Peter Sin­field, voll­zo­gen. Der Wan­del zur radio­taug­li­chen Pop­rock-Schla­ger­grup­pe jedoch dau­er­te bei Gene­sis noch eine Weile.

  • Vor 30 Jahren:
    Maril­li­on – Script for a jester’s tear

    Ein Jahr­zehnt spä­ter war die­ser Wan­del abge­schlos­sen. Auf dem Album mit dem sel­ten däm­li­chen Namen „Gene­sis“ (kommt schon, Jungs, als Debüt­al­bum ist so was in Ord­nung, aber doch nicht für’s zwölf­te!) ist außer grau­en­vol­len Col­lins-Schnul­zen mit Bumm-Tschack-Schlag­zeug (That’s All) zumin­dest auch Mama zu fin­den. Teuf­lisch lachen kann er ja, der Phil Col­lins; wenn da eben nur nicht die ande­ren Lie­der auf dem Album wären! Bes­ser mach­ten es Maril­li­on, die mit „Script for a Jester’s Tear“ mit­tels der Rück­be­sin­nung auf die Tage, als Gene­sis noch den Mut hat­ten, mit Kon­ven­tio­nen zu bre­chen, einen der Grund­stei­ne für das neue Gen­re des „Neo-Prog“ leg­ten. Ein wirk­li­cher long­track fehlt auf dem Album, der wur­de indes bereits im Vor­jahr als B‑Seite der Sin­gle Mar­ket Squa­re Heroes ver­öf­fent­licht. Die­ses Stück (Gren­del) wird heu­te als das Supper’s Rea­dy der 1980er Jah­re gehan­delt, und tat­säch­lich waren Maril­li­on nicht schlecht dar­in, ihren Vor­bil­dern nach­zu­ei­fern. Im dunk­len Pla­stik­jahr­zehnt war tat­säch­lich auch außer­halb des main­streams eini­ges mög­lich. Dass Maril­li­on mit Kayl­eigh eini­ge Jah­re spä­ter einen Poprock­hit in den Hit­pa­ra­den hat­ten, soll die­sen Erfolg nicht schmälern.

  • Vor 20 Jahren:
    Nir­va­na – In Utero

    Weni­ger rosa sah es für den Pro­gres­si­ve Rock dann 1993 aus. Maril­li­on wan­del­ten sich mit ihrem neu­en Sän­ger Ste­ve Hogarth dem New Art­rock zu (und mach­ten damit immer­hin nicht den glei­chen Feh­ler wie Gene­sis), in Deutsch­land kämpf­ten Die Fan­ta­sti­schen Vier mit dem dro­gen­schwan­ge­ren „Die 4. Dimen­si­on“ und Die Ärz­te mit ihrem Come­back­al­bum „Die Bestie in Men­schen­ge­stalt“ um die Gunst der Jugend­li­chen. Die­se gewann jedoch ein depres­si­ver US-Ame­ri­ka­ner letzt­lich für sich: Nir­va­nas letz­tes Stu­dio­al­bum „In Ute­ro“ war auch ihr bestes. Ver­gli­chen mit dem Vor­gän­ger­al­bum „Never­mind“ (dem mit dem nack­ten Klein­kind vor­ne drauf) sind Nir­va­na hier noch aggres­si­ver und expe­ri­men­tel­ler gewor­den. Dass MTV der Band den­noch regel­mä­ßi­ge Wer­bung ver­schaff­te, stimmt mich ein biss­chen trau­rig, denn heut­zu­ta­ge nimmt MTV einen Musi­ker ja anschei­nend nur noch ernst, wenn er lang­wei­li­ge Lie­bes­schei­ße ins Mikro­fon heult. Nun ja. – Ein Pro­blem stell­te anschei­nend nur Rape Me („Ver­ge­wal­ti­ge mich“) dar, das sich in den USA, wie zu erwar­ten, diver­sen Beschnei­dun­gen und Ver­bo­ten unter­zie­hen las­sen muss­te. Dass mit den ande­ren Lie­dern, etwa Milk It („Look on the bright side is sui­ci­de“), nie­mand eine Schwie­rig­keit zu haben schien, ist dann doch etwas selt­sam. „In Ute­ro“ jeden­falls ist auf­grund sei­ner Rau­heit bei gleich­zei­ti­ger Kon­tro­ver­si­tät das Nir­va­na-Album, das man am ehe­sten ken­nen (und schät­zen) soll­te. Ab und zu soll­te man es viel­leicht auch mal wie­der MTV vor­spie­len, viel­leicht neh­men sie ja irgend­wann wie­der Ver­nunft an.

  • Vor 10 Jahren:
    Ektro­ver­de – Ukkossalama

    Es ist ja auch nicht so, dass die Men­schen nicht lern­fä­hig wären. Sie wol­len nur ein­fach sel­ten. Ande­rer­seits ver­setz­te sie das neue Jahr­tau­send offen­bar in Auf­bruch­stim­mung, und so schos­sen ab dem Jahr 2000 welt­weit vie­le Musik­grup­pen schier aus dem Boden, die sich als kom­pro­miss­lo­se Anhän­ger der alten Hero­en prä­sen­tier­ten. Aus Spa­ni­en etwa kommt das selbst­be­ti­tel­te Album der Com­bo Psi­co­tro­pia, die trotz der Gitar­ren­fricke­lei­en im Stil Robert Fripps wohl auch Mr. Bung­le, Pri­mus, Tool, Muse und nicht zuletzt Frank Zap­pa auf­merk­sam gelauscht hat­ten. Ganz anders dage­gen Ektro­ver­de, ein Neben­pro­jekt der umtrie­bi­gen Fin­nen Cir­cle, das mit „Ukkos­s­a­la­ma“ sein bis heu­te letz­tes Lebens­zei­chen vor­ge­legt hat. Das hat es aber in sich: Hier wird wild gejammt, spa­cig-neo­krau­tig-postrockig, mit­un­ter auch jaz­zig-rockig, trei­bend, hyp­no­tisch, laut und sper­rig, dabei aber auch selt­sam ent­spannt und gemäch­lich. Dass über­dies mal eng­li­scher, mal fin­ni­scher (Sprech-)Gesang ertönt, ver­setzt den Hörer dann end­gül­tig in Ver­wir­rung. Was ist das gera­de? Natür­lich hat das alles kei­ne Struk­tur, kei­nen Rhyth­mus. Asso­zia­ti­on? Can. Frei­form­mu­sik, wie sie ein­drucks­vol­ler nicht sein könn­te, sozu­sa­gen Cir­cle ohne das dort ohne­hin schon recht locker sit­zen­de Struk­tur­kor­sett. Ins­ge­samt drei­zehn betei­lig­te Musi­ker kön­nen so ein Kon­su­men­ten­hirn ziem­lich auf Trab brin­gen. Was bleibt von Ektro­ver­de? Vor­erst: Cir­cle hören. Das ist zu ver­schmer­zen. Aber viel­leicht kom­men sie zurück, und das wird sicher grandios.

Nun, ich bin am Ende. Ich dan­ke euch für die Aufmerksamkeit.

Wenn ihr noch ein Musik­al­bum kennt, das ich hier eurer Mei­nung nach hät­te auf­füh­ren sol­len, hin­ter­lasst es mir bit­te in den Kom­men­ta­ren; womög­lich wer­de ich es berück­sich­ti­gen kön­nen. Noch auf Hal­de habe ich zum Bei­spiel die neu­en Album von Big Big Train, The Strokes und Spock’s Beard. Das wird ein inter­es­san­tes zwei­tes Halbjahr.

Wei­ter geht es – wie gewohnt – im Dezem­ber. Bis dann: Habt Spaß!

Seri­en­na­vi­ga­ti­on« Musik 12/2012 – Favo­ri­ten und Ana­ly­seMusik 12/2013 – Favo­ri­ten und Analyse »

Senfecke:

  1. Hal­lo :-) Dan­ke auch für die­se Super-Review vom 2. Album mei­ner Band Day­moon. Es macht immer wie­der Spass, wenn jemand Musik auf­merk­sam hört und so schön beschreibt, wie hier. Im Gegen­satz zum Vor­jahr haben sich dies­mal aller­dings ein paar sach­li­che Feh­ler ein­ge­schli­chen: 1. Auf die­ser CD sin­ge ich selbst bis auf ein paar Hin­ter­grund­chö­re gar nicht. Hihi, und wer da auf „kreischt“ ist Micha­el Dorp von der deut­schen Prog-Band Fly­ing Cir­cus. Rein­hö­ren unbe­dingt emp­foh­len! 2. Von der „All Tomor­rows“ Band sind ausser mir selbst wie­der Pau­lo Chagas (Saxo­fon, Flö­ten), Adria­no (Kla­ri­net­te) und Pau­lo Catro­ga (Kla­vier auf einem der Stücke) mit dabei. Aber das wirk­lich nur neben­bei. Dank Dir GANZ lieb :-)

    Gruss aus Portugal,
    Fred

    • Poah. Frech! Da liest man sich ein ein­zi­ges Mal die Hin­ter­grün­de zu einem Album durch und dann stim­men die nicht mal! ;)

      Dan­ke für dei­ne Kor­rek­tu­ren. Ich glau­be, Fly­ing Cir­cus möch­te ich jetzt gar nicht mehr ken­nen. ;)

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