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Musik 06/2011 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 8 von 20 der Serie Jahresrückblick

Huch, schon wieder ist Juni, das geht ja immer schnell! Und traditionell bringt so ein Juni nicht nur zu dicke Mädchen in zu dünner Kleidung mit sich, sondern außerdem meine Halbjahresrückschau der gefälligsten und ungefälligsten Musikalben, erstmals komplett mit Alben des Jahres 2011 befüllt.

Und in so einem halben Jahr kann sich viel ändern. Im Februar etwa rühmte ich das Album „I’m Your Saviour” von Toxic Smile, für diese Liste aber hat es dennoch keine Berücksichtigung mehr gefunden, da die schiere Masse an guter Musik ansonsten den Rahmen dieser Internetseite gesprengt hätte und ich somit wieder einiges aussieben musste. Auch habe ich es leider nicht immer geschafft, mich jedem Musikalbum, das mich interessiert hätte, rechtzeitig ausreichend ausführlich zu widmen; die beim Probehören recht vorzüglichen Alben „Flanders Fields” von Humble Grumble und „Blown Realms and Stalled Explosions” von den Enablers bitte ich das geneigte Publikum also selbst zu rezensieren. (Gern als Kommentar hier unten drunter. ;) )

Aber es ist auch ohne diese Alben eine recht abwechslungsreiche Liste geworden, von der ich hoffe, dass sie nicht jedem von euch bloßes Missfallen bereitet.

Sie folgt:

1. Musik für zum Gutfinden.

  1. Codes In The Clouds – As The Spirit Wanes

    Wir lassen es mal ruhig angehen. Codes in den Wolken, der Geist flaut ab. Zurücklehnen und entspannen, während die fünf Briten – nicht nur in Island beherrscht man dies vortrefflich – elegisch dahinmusizieren. Schublade auf, irgendwo zwischen Sigur Rós und Caspian einsortieren, Schublade zu. Der Kopf hat jetzt gerade mal die Klappe zu halten, es wird in wunderbaren Melodien geschwelgt.

    Andererseits ist Postrock immer auch Kopfmusik. Jochen Overbeck schrieb nicht grundlos:

    Auch in den Stücken der Band öffnen sich weite, rein instrumentale Landschaften, warten Räume darauf, mit irgendetwas gefüllt zu werden.

    Freunde der scheppernden Postrockvariante, wie sie etwa von Mogwai zelebriert wird, werden auf dem Zweitling „As The Spirit Wanes” nur eingeschränkt bedient, etwa in „Where Dirt Meets Water”, und auch all diejenigen, für die Musikgenuss und Texte direkt miteinander zusammenhängen, werden sich von diesem Album aufgrund des fehlenden Gesangs wohl enttäuscht abwenden, aber wir sind ja auch erst am Anfang der Liste.

    Die Eigenbeschreibung der Postrocker besagt: „We are making pretty music”, also „wir machen hübsche Musik”. Ich hätte es nicht besser ausdrücken können.

    Hörproben gibt’s auf MySpace.
    Von wegen, MySpace sei tot. Pop ist es.

  2. Faust – something dirty

    Wer übrigens genau so wenig tot ist wie MySpace, ist die gleichfalls recht unpoppige deutsche Krautrocklegende Faust. Faust ist auch 40 Jahre nach dem namenlosen Erstling quicklebendig, wenn nicht gar hyperaktiv, haben sich doch erst vor wenigen Jahren die drei noch aktiven Gründungsmitglieder derart heftig miteinander verkracht, dass man nun getrennte Wege geht, und zwar nicht in Form einer Auflösung, sondern in Form einer Teilung. Das haben Gong ebenso gemacht wie Acid Mothers Temple, auch Yes gab es – wenn auch unter verschiedenen Namen – kurzzeitig mehrfach, Amon Düül II trägt die römische 2 auch nicht nur aus Jux und Tollerei im Namen, und Faust reihen sich fröhlich ein und besitzen dann die Frechheit, beide Inkarnationen schlicht Faust zu nennen. Das führt nicht etwa vorrangig zu Verstimmung und Verwirrung, sondern zu um so größerer Produktivität, denn das “andere Faust” um Hans-Joachim Irmler hatte erst 2010 mit „Faust is Last” ein Album vorgelegt, dieses Faust hier, in dem Werner „Zappi” Diermaier und Jean-Hervé Péron residieren, hatte seit seiner vorigen Einspielung „C´est com… com… compliqué” von 2009 derweil zwei Jahre Zeit für dieses Album. Es ist kom… kom… kompliziert. Könnt ihr mir trotzdem noch folgen?

    Folgt mir dann auch mal vorsichtig in die musikalischen Schluchten, die sich hier auftun. Unter „Krautrock” versteht mancher, gefördert auch von der ansonsten nicht mal üblen WDR-Dokumentation „Kraut und Rüben” von 2006, irgendwie drogenschwangere Hippiemusik mit Hardrockattitüde. Wer jetzt versucht, Faust in diese Schublade zu stopfen, bevor er auch nur einen einzigen Takt aus dem Album gehört hat, dem wünsche ich viel Vergnügen, schlage die Hände über dem Kopf zusammen und hoffe für ihn das Beste. Das hippieske Element von Faust ist allenfalls in den Texten auszumachen. 1972 etwa sang man „Daddy, take a banana, tomorrow is Sunday” („No Harm” vom Album „So Far”), und so blöde Texte kennt man ansonsten nur von Can („Hey you! You’re losing … your Vitamin C!”). Ansonsten gilt: Typische Hippiemusik mit Gitarre und LSD ist gerade nicht mehr auf Lager, Krach hätten wir aber noch im Angebot.

    Und den nicht zu knapp. Seit vierzig Jahren hat sich bei Faust bezüglich der musikalischen Ausrichtung nur wenig geändert, insofern sollte man nicht auf Überraschungen hoffen, und wer noch nie Faust gehört hat, der soll sich bitte die Einstürzenden Neubauten mit weniger Politik und mehr Verzerrung vorstellen und weiß dann ungefähr, wie die Musik von Faust so klingt, und findet sie dann spontan gut oder lässt es sein. Als Musikinstrument kommt auf „something dirty” jedenfalls auch ein Flammenwerfer zum Einsatz.

    Gesungen beziehungsweise gesprochen wird auch, aber bei Faust waren die Texte bislang nur selten essenziell, und auch auf „something dirty” werden sie bis zur Unkenntlichkeit verzerrt oder von den Musikern übertönt. Wer herausfindet, was Jean-Hervé Péron und Geraldine Swayme dem Hörer hier mitteilen wollen, darf sich von mir geschätzt wissen.

    Insgesamt ist „something dirty” ein ebenso zeit- wie kompromissloses Album, etwas Dreckiges im sauberen Einheitsbrei eben. Wer es sich nicht vorstellen kann, der möge es hören; das geht stichprobenartig zum Beispiel auf YouTube, wo sowohl das eröffnende, ungewöhnlich rockige „Tell the Bitch to Go Home” (hier) als auch das experimentelle Gesangsstück „Lost The Signal” (hier) zu hören sind.

  3. …And You Will Know Us by the Trail of Dead – Tao of the Dead
    „Let the fear guide your eye as your arrow burns into their time” (Weight of the Sun (or The Post-Modern Prometheus))

    Meine Damen und Herren, ich präsentiere ehrfürchtig mein Sommeralbum 2011. Es macht gute Laune, lässt die Gliedmaßen rhythmisch wippen und lädt selbst mich, obschon ich von Wiederholungen nur wenig halte, dazu ein, nach dem Ende nochmals von vorn zu beginnen.

    Und bis zum Ende dauert es seine Zeit, ganze 52 Minuten und 22 Sekunden ist das Album lang, was den Durchschnitt auch in dieser Liste hebt. „Das Album” ist hier aber nicht mal der richtige Ausdruck, denn genau genommen ist „Tao of the Dead” eine Suite, bestehend aus Teil 1, „Tao of the Dead”, und Teil 2, „Strange News From Another Planet”. Um die Verkäufe auch bei weniger geduldigen Menschen anzukurbeln, gibt es das Album auch zerhackt, das heißt, Teil 1 („Tao of the Dead”) wurde in insgesamt 11 Abschnitte („Lieder”) aufgeteilt, während immerhin der Sechzehneinhalbminüter „Strange News From Another Planet” intakt bleibt. Da aber auch in der Langfassung die einzelnen Stücke nahtlos ineinander übergehen, empfehle ich direkt den Griff zur „Limited Edition”, die beide Fassungen des Albums enthält, zumal diese fließenden Übergänge durch die Aufteilung auf der „Kurzversion” zum Teil zerstört werden. Die „Langversion” ist leider nicht separat erhältlich.

    Nicht nur in der inzwischen leider ungewöhnlichen Einteilung in lediglich zwei Stücke manifestiert sich der Anspruch von „Tao of the Dead”, ein Konzeptalbum – um nicht schon wieder „Gesamtkunstwerk” zu schreiben – zu sein, sondern auch die optische Aufmachung weiß zu überzeugen. Die Leute, die Tonträger für veralteten Mist und „Limited Editions” grundsätzlich nur für Geldschinderei halten, dürfen sich von mir jetzt mal kurz ausgelacht fühlen, denn ihnen entgeht nicht nur ein farbenfrohes „Digipack”, das sich obendrein noch toll anfühlt, sondern auch eine 33-seitige Kurzgeschichte und 16 Seiten aus der in der Entstehung befindlichen Bildgeschichte „Strange News From Another Planet – The Adventures of the Festival Thyme”, deren Titel zum Teil etwas mit dem zweiten Stück auf dem Album zu tun hat, zum Teil ein Rückgriff in die Bandgeschichte ist, denn 2008 veröffentlichte man den EP „Festival Thyme”. Die enthaltene Kurzgeschichte ist übrigens, wenn man verschiedenen Quellen im Internet glauben darf, sozusagen die Prosaform des Stückes „Strange News From Another Planet”, während „Tao of the Dead” (Teil 1 also) etwas mit dem Daoismus (daher auch der Name des Albums), begründet einst von dem chinesischen Philosophen Laotse, zu tun hat.

    Da sind wir dann auch schon beim Inhalt, denn nicht nur beim Angucken ist „Tao of the Dead” ein beeindruckendes Stück Musik, sondern auch musikalisch weiß es zu überzeugen. Die Zeiten, in denen man im Hause …Trail of Dead zu den Klängen von „Fake Fake Eyes” noch seine Instrumente auf der Bühne zertrümmerte, sind vorüber, es regiert der alternative Rock. Mein Favorit ist der „Retro-Rocker” (STORMBRINGER) „Pure Radio Cosplay”, dessen Gitarrenmelodie ziemlich ohrwurmtauglich ist. Über all dem schwebt der Geist der 70-er Jahre. Sollte man The Who als Vergleich heranziehen? Ich tu es einfach ungefragt. Wer es etwas moderner mag, ist gehalten, alternativ Coheed and Cambria mit diesem Album zu assoziieren.

    Hörprobe:
    Wer es bislang versäumt hat, zumindest schon mal irgendwo die Vorabsingle „Summer Of All Dead Souls” zu hören, kann – selbst in Deutschland – auf YouTube das zugehörige Video sowie einige andere Lieder vom Album goutieren.

  4. Fugo – avant 93:43

    Die Schweizer Band Fugo eifert zwar unter anderem den Smashing Pumpkins nach, hat aber vor allem das Interesse Conrad Keelys geweckt. Conrad Keely ist Teil der bereits erwähnten Musikgruppe …And You Will Know Us by the Trail of Dead und dort unter anderem für das artwork zuständig, und auch das Titelbild des Albums „Avant 93:43” stammt von ihm. Dass Fugo bereits als Vorband von …Trail of Dead unterwegs waren, lässt den geneigten Hörer dann auch ungefähr erahnen, was ihn hier erwartet.

    93:43. 93 Minuten und 43 Sekunden. So lang ist „avant 93:43”, aufgeteilt auf 3 CDs á 6 Lieder, macht also insgesamt 18 Lieder und eine Durchschnittslänge von ungefähr 5:15 Minuten, was die Geduld des Hörers dann doch etwas weniger strapazieren dürfte als er zunächst befürchtet hat. Zu befürchten hat er hier ohnehin nichts:

    Die Aufnahme der Songs erfolgte (…) im Grundgerüst live, nur einige Gitarrenspuren und Overdubs wurden nachträglich hinzugefügt. Das bringt einen rauen und authentischen Grundton hinein in die verschachtelte Komposition. Und wenn man nun das „File Under: Hardcore, Post, Rock” liest, merkt man: Irgendwie ist von allem was da, aber das trifft es auch alles nicht ganz so. Man könnte gar noch ein „Prog” mit hinzufügen. Fugo kombinieren ausgefeilte Arrangements mit Härte und wilden Passagen, hauen gerne mal auf den Putz und bieten Gitarrenwände, ergänzen aber auch verhaltene Passagen. Vom Verhangenen bis zum Betonten reicht die Spannbreite und kann den Hörer packen.

    Wer die etwas zurückhaltendere Seite von …Trail of Dead mag und leicht melancholischer Stimmung, wie sie etwa Dear John Letter meisterhaft beherrschen, gegenüber nicht abgeneigt ist, sollte ein Ohr riskieren. Er wird es nicht verlieren.

    Das geht zum Beispiel mit den Hörproben auf cede.de, wo man jedes der Lieder 30 Sekunden lang anhören kann.

  5. Beardfish – Mammoth
    „In this frozen white wasteland I’m bound to wait forever” (The Platform)

    Neues aus Skandinavien: Beardfish sind auch weiterhin auf der rastlosen Suche nach ihrer musikalischen Identität. War der Vorgänger „Destined Solitaire” noch mit all seiner Verspieltheit und Titeln wie „In Real Life There Is No Algebra” („Im wirklichen Leben gibt es keine Algebra”) die musikalische Konsequenz aus der bisherigen Entwicklung der Band, stellt „Mammoth” sozusagen einen Gegenpol dar. Geblieben ist eine kurze „Growling”-Passage, die, wie schon auf „Destined Solitaire”, den Hörer zum Schmunzeln bringt, passt dieser Gesangsstil doch mal so gar nicht in das fröhlich retroproggige Konzept, davon jedoch abgesehen haben Beardfish sich, sozusagen, mal eben neu erfunden.

    Dass „Destined Solitaire” mit all den Frank-Zappa-, Canterbury- und vor allem Yes– und Genesis-Einflüssen unübertrefflich bleiben würde, war vermutlich auch Beardfish klar, und so vollzog man einen radikalen Schnitt. Das bedeutet keineswegs, dass „Mammoth” schlechter wäre. Es ist anders. Genug der ausufernden Frickelei (sofern man den Viertelstünder „And The Stone Said ‘If I Could Speak'” nicht nur nach seiner Länge bewertet), stringent wird jetzt hardgerockt, weniger wie The Who, mehr wie Uriah Heep oder, um in Skandinavien zu bleiben, Kaipa, die jetzt natürlich vermutlich auch wieder kein Leser dieser Zeilen kennt, gesanglich allerdings viel besser passt: Der markante Gesang von Rikard Sjöblom ist eben trotz inzwischen nur noch englischsprachiger Texte typisch schwedisch.

    Ihre Wurzeln haben Beardfish trotzdem nicht vergessen: Das instrumentale „Akakabotu” und das abschließende „Without Saying Anything” lassen außer Frank Zappa auch echolyn, Van der Graaf Generator und ähnliche Musikanten anklingen.

    Wer extrovertierte Retromusik mag und auch nichts gegen ein wenig abwechslungsreichen Hardrock hat, der in keiner Sekunde auch nur ansatzweise so fad dahinplätschert wie Lieder der Scorpions, dem empfehle ich Beardfishs „Mammoth” als Einstieg. Fortgeschrittene Hörer sollten sich dann „Destined Solitaire”, „Sleeping In Traffic: Part One/Two” und überhaupt allem finden, was sie von Beardfish sonst finden können.

    Als Hörprobe lege ich diese grandiose Liveaufnahme von „And The Stone Said…” nahe. (Überhaupt sind auf YouTube verfügbare Liveaufnahmen von Beardfish klanglich meist exzellent!)

  6. Traumpfad – Aufbruch
    „Reiß sie ein, die Brücken hinter dir; du musst vorwärts, willst du weg von hier” (Der neue Weg)

    Von skandinavischen zu deutschen Retroklängen: Traumpfad klingt nach Esoterik und Schlagermusik, aber ich unterstelle dreist, dass sich das Chiemgauer Quintett nur deshalb Traumpfad nennt, weil alle guten Dichternamen schon vergeben waren. Das gleichen die Musiker dafür auf anderer Ebene aus, agieren sie doch im gleichen Klangkosmos wie einst Novalis und Hölderlin (heute Hoelderlin) mit dem Pathos der Landsleute von High Wheel, und auch textlich ist Novalis nicht fern. Der hippieske Krautrock (hierzu siehe die Rezension zu Fausts „something dirty” weiter oben) erfreut sich also auch 2011 bester Gesundheit.

    Für uns Muttersprachler sind Musikalben mit deutschen Texten insofern ärgerlich, als es uns beim besten Willen nicht gelingt, sie einfach auszublenden, und Sänger Flo Huber erweckt hier auch in keiner Weise den Eindruck, als wäre ihm das unangenehm. Und obwohl es wirklich sehr viele Liedtexte gibt, die zu schreiben vollkommen unnötig war, so verhält es sich mit den Liedern auf „Aufbruch” anders.

    Oft zitiert wird zum Beispiel das Lied „Vergebung”: „Doch du kannst sie hören, diese Stimmen; eine Mutter, die noch schreit, ein totes Kind in ihren Armen, und ein Vater, der sich Rache schwört”, das mag den einen oder anderen unter meinen Lesern womöglich an die Band Oktober erinnern, aber hier geht es nicht um vergangene Bürger-, sondern um alltägliche Glaubenskriege: „Und in Kirchen und Moscheen beten Menschen, um mit Kreuzen und mit Bomben ausgerüstet die Kunde zu verbreiten: (…) nur dieser eine Gott ist der, der dir vergibt!”

    Das ist, „puh” (Die Ärzte), harter Stoff, aber ein Indiz dafür, dass die Esoterik hier trotz all der Religiösität, die sich in manche Texte auf dem Album hineininterpretieren lässt, keinen Platz findet. Auf weltlichen Beinen steht die Lyrik von Traumpfad, und sie steht fest: „Doch einer wird den Geist befrein, König aller Affen sein; wenn er spricht, hört alles nur auf ihn” („Der 100. Affe”), derart zeitlose politische Metaphorik findet man auch bei Ton Steine Scherben nicht allzu oft.

    Ich habe jetzt mehrfach Novalis erwähnt und möchte das als Warnung verstanden wissen: Wer diese Ausrichtung deutscher Rockmusik schätzt, dem wird „Aufbruch” voraussichtlich viel Freude bringen. Wer aber deutschen Texten gegenüber, deren Interpretation die Musik deutlich dominiert und die obendrein tatsächlich so etwas wie eine Botschaft in sich tragen, aufgrund jahrelanger Dauerberieselung von irgendwelchem Mist eher skeptisch gegenübersteht, der sollte flugs die nächste Rezension betrachten und diese hier ausdrucken, rot umranden, durchstreichen und wegwerfen. Leser, die in keine der beiden Kategorien eingeordnet werden können, sind herzlich dazu eingeladen, mit diesem Album, nun ja, aufzubrechen in eine Welt jenseits ihres Tellerrandes.

    Statt einer Hörprobe hat die Band selbst sozusagen ein Musikvideo zum Album auf YouTube veröffentlicht.

  7. Wobbler – Rites at Dawn
    „Listen to the words that fly with the wind” (In Orbit)

    Zurück nach Skandinavien: Auch Wobbler haben ihrem Album „Rites at Dawn” – „Rituale bei Sonnenaufgang” – ein Vorschauvideo vorausgeschickt. Wobbler hat in diesem Fall nichts mit Angeln zu tun, vielmehr handelt es sich um eine norwegische Retroprog-Band in bester Yes-Tradition, wie ihn, den Retroprog, auch Änglagård, die ebenfalls derzeit an einem neuen Album arbeiten, und Starcastle zelebrieren.

    Allerdings sollte man die genannten Bands nicht in denselben Topf werfen, unterscheiden sich ihre Einflüsse doch zum Teil deutlich. Gastflötist Ketil Einarsen etwa war vor einigen Jahren für die Nu-Jazz-Formation Jaga Jazzist tätig, textlich wie thematisch bedient man sich bei den klassischen Genesis, Zitate aus dem „Court of the Crimson King” von King Crimson und auch sonst ist „Rites at Dawn” nicht nur ein Yes-Album aus Norwegen.

    Apropos Thema: Was die „Rituale bei Sonnenaufgang” genau sind, wird im ersten eigentlichen Stück – das Album wird von den Instrumentalpassagen „Lucid” und „Lucid Dreams” quasi eingerahmt – „La Bealtaine”, überzeugend dargeboten vom Neuzugang Andreas Strømman Prestmo, zumindest etwas näher angedeutet. „Bealtaine” ist der Name des keltischen Frühlings- und Fruchtbarkeitsfestes.

    Symphonischer Progressive Rock, so hieß es einmal, sei mit dem Beginn der Punkwelle einen langsamen, qualvollen Tod gestorben. Womöglich ist das, was Wobbler seit ihrem Zweitling „Afterglow” auf Tonträger pressen lassen, auch deshalb so entrückt, oder ist es ein Zeichen, dass die Nachrufe auf diese Musikgattung verfrüht waren? Vielleicht hat man das alles schon mal irgendwo gehört, wirklich neues von Musik zu erwarten, die bewusst bekannte Ideen aufgreift, wäre allerdings auch nicht angebracht. Es muss ja auch nicht unbedingt negativ gewertet werden, dass die vorhandenen Ingredienzen keiner vollkommen neuartigen Quelle entspringen, so lange das Ergebnis überzeugt, und das tut es wahrlich.

    Als Hörprobe empfehle ich, wie bereits angedeutet, das entsprechende Video, das Auszüge aus dem Album enthält und so einen ungefähren Eindruck davon vermitteln kann, ob das Album gefällt oder nicht. Mir gefällt es.

  8. Jolly – The Audio Guide To Happiness (Part 1)
    „Close your eyes. Breathe. Fly.” (Guidance One)

    Man sollte sich von der wellness-Säuselei in der eröffnenden „Anleitung” („Guidance One”) nicht täuschen lassen: Jolly machen einen New Artrock mit Eiern bzw. Progmetalanleihen. Spontaner Vergleich: Porcupine Tree in der „In-Absentia”-Phase, aber mit weniger weichgespültem Gesang, alternativ Nickelback ohne den bekannten Ekelfaktor; etwas wohlwollender betrachtet: Tool.

    Nach der „Guidance One” (mitten im Album gibt es noch mal eine, passend „Guidance Two” betitelt) scheppert das Album mit „Ends Where It Starts” dann auch schon ordentlich los. Eigenartig ist das Keyboardgeklimper während des Liedes, das während des Albums immer wieder auftaucht. Auf King Crimsons „Lizard” war so etwas auch einmal zu hören und hat auch dort den Hörer verstört. „Verstörend” ist ohnehin das ganze Album, auch wegen der Ambient-Zwischenspiele, die gar nicht recht in das Konzept passen wollen. Oder doch?

    JOLLY verwenden sogenannte binaurale Töne, die aus einer Kombination von leicht abweichenden Frequenzen bestehen. Das sind wahrnehmbare Töne, die direkt im Gehirn entstehen, wenn den Ohren separat zwei leicht unterschiedliche Frequenzen zugeführt werden – so die Wikipedia dazu. Diese Methode der Tonerzeugung soll dafür sorgen, dass Gefühle der Entspannung, Konzentration, Kreativität und des Glücks erzeugt werden.

    Jolly“. Ausgelassen auf gut Deutsch. Warum haben sie erst auf dem zweiten Album daran gedacht? Und vor allem: Funktioniert es?

    Bodenständige Zeitgenossen werden nun einwenden, dass es doch eigentlich egal sein sollte, wie die Klänge geartet sind, die man hört, und dass jedes gute Musikalbum glücklich macht. Richtig, werte bodenständige Zeitgenossen, sage ich, doch nehmt mal den Stock aus dem Hintern und lacht mit mir; denn was für Musik würde besser zu einem „Audioführer zum Glücklichsein” passen als solche, die nachweislich entsprechende Auswirkungen auf das menschliche Gehirn haben? Ansonsten stimme ich euch selbstverständlich zu, ein Musikalbum, das nicht glücklich macht, sollte man meiden wie sonst nur Apple und Sony, sofern es kein ganz besonderer Anlass ist, denn dann gehen auch Musikalben, die traurig machen, etwa von den Tindersticks.

    Übrigens habe ich das Wort „scheppern” oben keinesfalls negativ gemeint, denn ich mag es, wenn es scheppert. Im Kontrast zu den ambienten Klängen der beiden „Guidances” ist die eigentliche Musik auf dem Album dann allerdings doch recht wenig zurückhaltend, wenngleich das Album mit dem wiederum ambient-rockigen „Dorothy’s Lament” schließt.

    Ob es nun an irgendwelchen wissenschaftlich bewiesenen, gar chemischen Vorgängen im Gehirn liegt oder ob Jolly einfach nur wirklich gute Musiker sind, soll mir dann auch gerade mal egal sein, aber das mit der Kreativität und dem Glück klappt dann doch schon ganz gut. Auf Teil 2 bin ich schon sehr gespannt.

    2011 ist aber nicht nur ein gutes Jahr für Musik an sich, sondern auch für Hörproben, denn auch vom „Audio Guide To Happiness (Part 1)” gibt es ein offizielles Video zum Vorhören. Ich wünsche entspanntes Vergnügen.

  9. The Joy Formidable – The Big Roar
    „And all your friends are having so much fun, they’re baking cakes and swapping numbers” (The Magnifying Glass)

    Von der Glückseligkeit ist es nur ein kurzer Sprung zur formidablen Freude, zum Joy Formidable, obwohl das Waliser Trio musikalisch andere Wege beschreitet oder vielleicht auch durchhüpft. „The Big Roar” ist jedenfalls eher Musik, zu der man hüpfen möchte, und dem Vernehmen nach wird zu dieser Musik in der Regel auch fleißig gehüpft. Verzerrt wie die Raveonettes, energetisch wie die Ting Tings wuseln Frontfrau Ritzy Bryan und ihre beiden Mitstreiter durch die 12 Stücke des Albums, und wenn nicht gerade ausnahmsweise Bassist Rhydian Dafydd, etwa in „Llaw = Wall”, schwermütig ins Mikrofon seufzt, denkt man unwillkürlich an die Kills und findet es andererseits prima, dass The Joy Formidable nicht so minimalistisch zu Werke gehen, sondern auch mal ordentlich auf den Putz hauen. Besonders beeindruckend ist der markante Bass, der sich zwar nicht in den Vordergrund drängt, aber das Klangbild doch kräftig färbt.

    Andere Medien kramen außerdem noch The Breeders aus der Vergleichskiste, aber das ist albern, denn wenn weiblicher Gesang das einzige Kriterium wäre, könnte man auch die Spice Girls und The Chordettes in dieser Rezension auftauchen lassen, trotzdem wäre die Leserschaft hinterher immer noch nicht schlauer, was ihre Vorstellung von der Musik der drei Musiker betrifft, und das wäre doch schade, denn die ist durchaus vielseitig, obwohl jedes mir bekannte längere Interview mit der Band oder zumindest mit Frau Bryan immer irgendwann ihre umfangreich dokumentierte und anscheinend also stinklangweilige Liebesbeziehung mit Herrn Dafydd thematisiert. Dabei will unsereins doch nur etwas über die musikalischen Hintergründe erfahren!

    Aber da das erfolglos ist, bleibt eben nur das Schubladendenken. Auch wenn man dafür ziemlich viele Schränke braucht. Artpop, Indie-Rock, Grunge, irgendwie so Alternative. Noch Fragen?

    Eine ganz gute Hörprobe ist das Video zu „Austere” auf YouTube. Nicht wundern, dass es dort schon eine Weile zu finden ist, denn einige Lieder auf dem Album wurden in etwas weniger kratzbürstigen Versionen bereits 2009 veröffentlicht. 2011 stimmt also. In jeder Hinsicht.

  10. Foster the People – Torches
    „I took a sip of something poisoned but I’ll hold on tight” (Helena Beat)

    Wir bleiben beim Pop und bemerken, dass entweder meine Urteilskraft nachlässt, die Qualität dieser Liste also mit den Jahren sinkt, oder dass Pop im Jahr 2011 endlich wieder besser wird. Foster the People ist ebenfalls ein Trio, die Frontfrau ist hier allerdings ein Frontmann namens Mark Foster, was vermutlich auch den Namen der Band („Pflegt das Volk!”) erklärt.

    Und auch „Torches” ist ein Debütalbum. Ich sehe gerade, dass ich das Adjektiv „tanzbar” in diesem Artikel noch nicht verwendet habe, also verwende ich es jetzt, denn es passt. „Indie-Elektropop” nannte dieses Album mal irgendwer, und ich frage mich seitdem, wie Akustikpop wohl klingen würde, komme aber kaum dazu, diesen Gedanken angemessen weiterzuspinnen, denn Foster the People nehmen meine gesamte Aufmerksamkeit gerade jetzt, da ich diese Zeilen hellgrau auf jedenfalls-nicht-schwarz niederschreibe, voll in Anspruch, weil ich versuche, das Geheimnis zu ergründen, warum mich eine Band, die mich mal („I Would Do Anything For You”) an Owl City (das sind die mit dem Lied „Fireflies”, das ich beim besten Willen nicht mehr hören kann), mal an die Pet Shop Boys und Portugal. The Man (mit weniger Atmosphäre) denken lässt, eigentlich so sehr fasziniert, dass ich sie als dieser Liste würdig erachte.

    Und dass mir das nicht gelingt, werte ich dann einfach mal als gutes Zeichen und lasse dann eben andere zu Wort kommen:

    Die Band kommt aus Kalifornien, die Musik erinnert an MGMTs erstes Album. Upbeat (zumindest was die Instrumentierung betrifft) und voll toller Melodien. Ob es förderlich ist, sich näher mit dem Text von „Pumped Up Kicks” auseinanderzusetzen, vermag ich nicht zu beurteilen. Der Song ist aber so oder so großartig.

    Gerade der Text von „Pumped Up Kicks”, das bereits im Sommer 2010 auf diversen Radiosendern zu hören war, setzt aber Akzente, die zwar nicht repräsentativ für das Album sind, aber für die man nur noch viel zu selten in der poulären Musik des 21. Jahrhunderts Verwendung findet: „All the other kids with the pumped up kicks / you’d better run, better run, faster than my bullet”, sehr schön, so etwas habe ich zuletzt vor viel zu langer Zeit von den Liars gehört, aber die stehen in der Tradition New Yorker Garagenrocks, und dort tanzt man ja allgemein nicht so gern, dort schießt man lieber Leute tot.

    Und so ein Sommer ist ja auch eigentlich viel zu warm, um Amok zu laufen.

    Stattdessen sollte man seine Knarre beiseitelegen und mal reinhören, zum Beispiel auf Amazon.de.

  11. Kreidler – Tank

    Hat man „Torches” dann zu Ende gehört und fertig getanzt und den anschließenden Amoklauf auch erfolgreich hinter sich gebracht, möchte man vielleicht dann erst mal wieder seine Nerven ein bisschen beruhigen. Dafür eignet sich zum Beispiel das Album „Tank” der Düsseldorfer Electronica-Formation Kreidler, obwohl ihnen die Kategorisierung als „Electronica-Formation” vermutlich selbst nicht so recht zusagt, immerhin halten sie musikalische Schubladen für deplatziert und steigen somit in meiner Achtung beträchtlich.

    Wie man es nun aber nennt, wenn drei Herren aus überwiegend elektronischem Instrumentarium Klänge erzeugen und damit ein Album füllen, ist eigentlich auch nicht wichtig, Tangerine Dream zum Beispiel werden auch abwechselnd dem Krautrock und „elektronischer Musik” zugeordnet, obwohl da nichts rockt und „elektronische Musik” Techno und Popquatsch gleichermaßen umfasst, und so ist es bei Kreidler eben auch. Wahr ist, dass Analogien zu Kraftwerk unverkennbar sind, der Umstand, dass Kraftwerk in ihren Anfangsjahren noch anders musizierten als heute, sollte aber niemanden falsche Schlüsse ziehen lassen. In der Wikipedia ist zu lesen, das Instrumentarium von Kreidler bestehe aus „elektronischen und akustischen Instrumenten und dem Computer”, und das klingt dann doch wenigstens schon etwas greifbarer.

    Zum Teil meinte ich, die Anfangsszene des Stückes „Eraser” der Nine Inch Nails wiederzuerkennen, allerdings viel filigraner und weniger bedrohlich. Kreidler entlocken ihren Instrumenten, welche das konkret auch immer sein mögen, hypnotische Klänge. Dabei wird es aber nicht eintönig, sondern bleibt abwechslungsreich; frei und schlecht übersetzt:

    Kreidler sind Meister darin, Klänge über ein Stück zu legen, bei denen mannigfaltiges kybernetisches Pochen (sowohl dunkel als auch ätherisch), Bassimpulse (funky oder marschierend) und Rhythmen (stampfend oder komplex) eingeführt und eingewoben werden. In den Händen anderer Künstler würde dies unweigerlich zu Durcheinander führen; Kreidlers Geschicklichkeit und Präzision werden von der Tatsache bestärkt, dass man noch immer einen einzelnen Eröffnungsklang am Ende eines Stückes erkennen kann, obwohl viele andere längst hinzugefügt wurden.

    Kreidler machen auf „Tank” Musik zum Träumen, zum Entspannen, ohne dabei flach und einschläfernd zu werden.
    Kurz gesagt: Musik für lange Bahnfahrten.

    Hörprobe:
    Das Stück „Kremlin Rules” lässt sich derzeit zum Beispiel auf Both Bars On in voller Länge genießen.

  12. Long Distance Calling – Long Distance Calling

    Von deutscher Instrumentalelektronik (krautig) zu deutscher Instrumentalelektronik (rockig) ist es nicht weit, und die Münsteraner von Long Distance Calling sind sogar so freundlich, selbst ein Genre vorzuschlagen; denn eine Postrockband wollen sie nicht sein, stattdessen sprechen sie von „Instrumentalrock”, was sich, glaubt man der offiziellen Darstellung, eher zufällig ergeben hat, denn nachdem man keinen geeigneten Sänger fand, versuchte man es dann halt mal ohne und bemerkte, dass das auch ganz gut klingt. Auf ihrem dritten Album „Long Distance Calling” ist dennoch ein Vokalbeitrag von John Bush (früher Anthrax, heute Armored Saint) zu hören; damit setzt die Band die Tradition, hier und da eben solche Beiträge einzuflechten, fort.

    Leider habe ich gerade keinen Link zu einem Blog parat, auf dem das schon mal erwähnt worden wäre, also erwähne ich es selbst: „Postrock” (und alles, was so klingt, als wäre es Postrock) lässt sich unter anderem auch einteilen in „mit Gesang” und „ohne Gesang”. Das sagt aber über die Musik selbst nur wenig aus, denn während die eingangs rezensierten und ebenfalls instrumentalen Codes In The Clouds zusammen mit Sigur Rós in höheren Sphären schweben, atmet „Long Distance Calling” den Geist von A Perfect Circle, Mogwai und ähnlichen Musikern, wobei das mit der Ähnlichkeit eigentlich auch wieder nicht stimmt, denn was ähnlich klingt, ist eigentlich überflüssig. Entscheidend ist das eigenständige Merkmal, und das ist manchmal nicht so leicht.

    Dieses eigenständige Merkmal ist bei Long Distance Calling jedenfalls, ganz klar, die Stilvielfalt. Groovende Rhythmen treffen auf jaulende Gitarren, zwischen Psychedelic Rock und Progressive Metal, zwischen New Artrock und Shoegaze wirbeln die fünf Musiker hin und her, ab und zu lugt auch mal der Stoner Rock vorsichtig um die Ecke, nur um sich gleich darauf von einer Gitarrenwand wieder plattwalzen zu lassen. Ich finde das gut.

    Hörproben:
    Diverse Musikstücke aus der Bandgeschichte sind auf MySpace zu hören.

  13. The Skull Defekts – Peer Amid
    „Nobody, nothing, nowhere no more, nobody, nothing no more” (No More Always)

    Verlassen wir die Pfade instrumentaler Indiemusik dann erst mal wieder und wenden uns erneut Skandinaviens Rockszene zu. Dort, in Schweden, agieren zum Beispiel The Skull Defekts. Von The Skull Defekts erklingen effektreiche Low-Fidelity-Klangkonstrukte, die manchmal an Einstürzende Neubauten (eine gute Überleitung zwischen „Pyramiden” und „Neubauten” bitte ich meine Leser selbst herzustellen) und viel mehr noch an Sonic Youth erinnern. Kaputt im Schädel wird man von dem Kredenzten trotz des Bandnamens übrigens nicht.

    Nicht jeder lässt sich überzeugen von dem zugrunde liegenden Konzept, das vor allem Kraft aus dem Prinzip der Wiederholung schöpft, wie es auch bei den ebenfalls recht ähnlichen The Fall der Fall ist, aber ich bin bekanntlich ebenfalls nicht jeder und finde es wie manch anderer seltsam, aber prima. Passend hierzu ist das Coverbild: Eine Schlange, die sich selbst am Schwanz leckt (errötetes Kichern bitte unterlassen), als Sinnbild der Wiederholung ist eigentlich ganz gut gewählt. Man denke aber gar nicht erst daran, „Wiederholungen” mit „Eintönigkeit” zu verwechseln!

    Als „Postpunk” stand „Peer Amid” mal irgendwo beschrieben, und irgendein Genre zu nehmen und „Post-” davorzuschreiben ist bekanntlich ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Rezensent nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. (Alternativ freue ich mich dann schon mal auf die nächste Deutschrock-CD, die irgendein Rezensionskasper dann „Postschlager” nennt. Oder so.) Was aber ist es dann?

    Nun, vor allem ist es prima dreckige Rockmusik. Ungeschliffen, garagig. The Skull Defekts biedern sich nicht an, sondern schleudern dem Hörer ungefragt Gitarren entgegen. In your face. Vorn dabei: Gastsänger Daniel Higgs, manchen – mir nicht – vielleicht bereits als (inzwischen ehemaliges) Mitglied von Lungfish bekannt, der der ohnehin schon kraftvollen Interpretation mit seiner sich nahtlos in die Musik einfügenden Darbietung das sprichwörtliche i-Tüpfelchen hinzufügt. (Habe ich schon Sonic Youth erwähnt?)

    Wer es also auch mal ein wenig roher mag, der könnte durchaus viel Gefallen an „Peer Amid” finden; und Freunde der anderen erwähnten Bands sollten ebenfalls mal reinhören.

    Hörproben:
    Auf YouTube.com ist unter anderem das oben zitierte „No More Always” zu hören.

  14. Central Park – reflected
    „I will dry my tears, the wonder will take place” (Another Part)

    Etwas weniger dreckig geht es bei Central Park zu, die mit „reflected” ihr zweites Album vorlegen. Bebildert ist es, passend zum Titel, mit einem Fragezeichen, dessen Schatten ein Ausrufezeichen bildet; das könnte bedeuten, dass die Antwort auf die meisten Fragen bereits in den Fragen selbst zu finden ist, das könnte aber auch einfach nur ein hübsches Bildchen sein. Wer weiß das schon so genau?

    So müssen wir Musikfreunde uns also allein darauf verlassen, was wir mit Sicherheit sehen (oder hören) können, und das ist eine Menge. Central Parks Zweitling ist nämlich musikalisch ein ziemlich zerrissenes Album. Instrumentalpassagen kingcrimsonscher Qualität wechseln sich ab mit AOR und Hard Rock, Sängerin Jannine Pusch intoniert dazu so vielseitig und ausdrucksstark, dass es eine wahre Freude ist, und lässt mal die sanften Hölderlin, mal die ehemals ausgeflippten Eatliz anklingen.

    In dem über 12 Minuten langen „Vision”, das als Stück 5 von 9 genau die Mitte des Albums markiert, wird diese Zerrissenheit besonders deutlich: Es beginnt mit langsamem, mehrstimmigem Gesang, unvermittelt setzen Schlagzeug und Keyboards ein, anschließend ertönen Rufe, die Warnschilder zitieren („Do not enter!”, „Private property!” und was halt auf so Schildern immer draufsteht), und zwar in Stereo, also abwechselnd in beiden Kanälen, damit der Hörer sich nicht zu sehr entspannt. Dazu hat er in der folgenden Keyboardpassage etwas Gelegenheit, die von Gesang begleitet wird, der Nicofans feuchte Träume bereiten sollte. Es folgt eine Experimentalphase mit merkwürdigen Schlagzeugeinlagen, Frau Puschs Gesang wird opernhaft, bricht aber ab für eine neue Phase: Mehrstimmiger Sprechgesang über verzerrter Gitarre/Bass/Schlagzeug. Keyboards setzen ein, um das Ende dieses Abschnitts zu markieren, Jannine Pusch gibt noch mal kurz die Tarja (aber weniger schmerzhaft-jaulend), Stille. Sanfte Keyboards zu sanftem Gesang, sogar für diese „Castingshows”, die es heutzutage wieder rentabel machen, keinen Fernseher zu besitzen, wahrscheinlich zu seicht, und schon wird der Hörer wieder von merkwürdigen Klangeffekten umgeben. Die Rufe ertönen wieder, die Instrumentalabteilung spielt derweil wieder die Sprechgesangsszene durch, die Rufe enden, das Lied klingt aus. Oder war es doch ein Hörspiel?

    Allgemein lässt sich über das Album zusammenfassend sagen: Standen bei den Skull Defekts noch die Gitarren im Vordergrund, so sind es bei Central Park Schlagzeug, Orgelklänge und viel Hall. Der Hall ist es auch, der mich auf diesem eigentlich faszinierenden Album am meisten stört, denn während er etwa in „Vision” sicher den gewünschten Effekt hat, wirkt er in anderen Stücken eher fehl am Platz. Aber so etwas ist sicherlich auch immer rein subjektiv.

    Weniger subjektiv sind da die Hörproben:
    Zum Beispiel ist auf YouTube.com ein Video zu „Guns’R’Us” zu finden. Dieses Lied greift, wie auch das Video, das Thema „Kindersoldaten” auf und ist wirklich nicht schlecht.

  15. Skeleton$ – People
    „So I say I try to replace that cartoon in my face, but fuck it!” (Grandma)

    Dies nun ist der Moment, in dem ich es bereue, oben bereits „Tao of the Dead” zu meinem Sommeralbum des Jahres erklärt zu haben, denn „People” ist ebenfalls wirklich sehr, sehr gut. „Avantgarde” ist vermutlich das Wort, das hier gut passt, befindet sich das Trio doch so in guter Nachbarschaft mit Bands wie Cheer-Accident, die ebenfalls im Avantgarde-Pop verortet werden.

    Obwohl Skeleton$ durchaus mitunter sehr experimentell musizieren, wird es dennoch nie bloßer Krach, der aus den Lautsprechern schallt. Im Gegenteil wird es oft melodisch und eingängig, die Melodie des Stückes „Tania Head” etwa lässt den versierten Musikfreund in Erinnerungen an Pink Floyds „Fearless” schwelgen, das diesem Stück verdammt ähnlich klingt. Andererseits beherrschen Skeleton$ das Kunststück, jedes Lied ständig so klingen zu lassen, als stünde es kurz vor dem Ausbruch. Sänger Matthew Mehlan, stimmlich ungefähr das Gegenteil von Daniel Higgs, klingt derweil meistens so, als hätte er gerade guten Sex gehabt und dazu einen ebenfalls guten Joint geraucht, geradezu unerträglich entspannt eben, was einen interessanten Kontrast darstellt.

    Keinesfalls aber bedeutet das, dass man von diesem Album quasi nur Lärmkaskaden zu erwarten hat. Dem beinahe neunminütigen „Barack Obama Blues”, der gar kein Blues ist und gegen Ende eine Geräuschwand aufbaut, angesichts derer von Entspannung keine Rede mehr sein kann, steht zum Beispiel das zurückhaltende, beinahe beatlesque „No” gegenüber. Auch „People” hat also seine – kurzen – radiotauglichen Momente. (Peter, wie wär’s?)

    Skeleton$ hießen früher Skeletons und waren angeblich noch experimenteller, avantgardistischer, unhörbarer. Ob das Dollarsymbol also für eine Ausrichtung auf kommerziellere Musik steht, kann man nur vermuten, vielleicht ist es auch als Kritik am allgegenwärtigen Kapitalismus zu sehen. Letzteres halte ich für wahrscheinlicher, denn von Massenkompatibilität kann man bei „People” nicht ohne schlechtes Gewissen sprechen.

    Der Anspruch an die Hörer wird untermauert durch den Umstand, dass „People” ein Konzeptalbum ist; textlich geht es um Menschen, also um people, und um reale Ereignisse. Andreas Hofmann recherchierte etwas ausführlicher:

    So geht es z.B. um einen Mann, der am Tag nach Thanksgiving beim mittlerweile traditionellen Black Friday Sale im Walmart zu Tode getrampelt wurde („Walmart and the Ghost of Jimm”), „Tania Head” wiederum ist eine Frau, die sich für ihre five minutes of fame eine spektakuläre 9/11-Überlebensgeschichte einfallen ließ, im Opener „L’il Rich” wird erst ein Opfer von Gang-Gewalt in Mehlans Nachbarschaft besungen und gegen Ende eine tragische Geschichte aufgegriffen, in der ein unbewaffneter Mann, der eigentlich einen Tag später heiraten wollte, von der New Yorker Polizei mit 50 Kugeln niedergestreckt wurde – allesamt people eben.

    Steven Wilson hat vor einer Weile gesagt, die Rockmusik sei tot, sie habe nichts neues mehr zu erzählen. Zum Glück wissen Skeleton$ das noch nicht.

    Und daher kann sich der Musikfreund nun an den Hörproben erfreuen:
    „People” wird via Bandcamp in Gänze als Streaming und zum Kauf angeboten.

  16. Monkey3 – Beyond The Black Sky

    Nach so viel Avantgarde kann man es dann auch mal wieder krachen lassen. Warum Musik, mit der man es krachen lassen kann, ausgerechnet aus der Schweiz kommt, weiß ich nicht, aber ich vermute, das liegt an den Bergen.

    Das vierte Studioalbum der Instrumentalrocker Monkey3 hat, wie auch seine Vorgänger, bereits ein augenfälliges Bild (stilecht mit stilisiertem Pavian) vorne drauf. Der Hörer weiß so schon vorher: Hausmannskost bekommt er hier nicht. „Typisch Schweiz” sieht anders aus, mit mehr Gejodel und weniger blutigen Pavianeckzähnen, wobei ich mir spätestens seit Zwegh da auch nicht mehr sicher bin. Die Schweiz macht mir Angst.

    Manchmal ist Angst aber auch ein guter Motor, der den Genuss eines Musikalbums erst so richtig fördert. Ängstlich also verstecke ich mich unter meiner Bettdecke, während die Stoner-Rock-Welle jede Faser meines Daseins davonzuspülen droht, angereichert mit gelegentlichen elektronischen Klangspielereien, quasi als psychedelische Ruhe vor dem Sturm. Wer jetzt einwendet, dass Stoner Rock doch grundsätzlich immer psychedelisch sei, der hat Recht und ist ein blöder Klugscheißer, so.

    Irgendwer war wieder voreilig und hat dem Album das Prädikat „Postrock” („Post-Rock”) angetackert. Natürlich ist das, was Monkey3 auf Tonträger bannen, post-rock, es zieht also an dem Genrekorsett von Rockmusik fröhlich winkend vorbei, aber wer hier Mogwai oder Slint oder andere Postrockbands herauszuhören versucht, wird kläglich scheitern.

    Als Einflüsse karrt die Band unter anderem Pelican, aber auch Led Zeppelin heran. Als Anspieltipp für diejenigen, die sich nicht vorstellen können, wie das klingt, sei das Stück „Through The Desert” empfohlen, das zwar nicht so schön losbrettert wie etwa „K.I”, dafür aber stilecht mit „Kashmir”-Gitarre aufwarten kann.

    Hörproben:
    Reinhören kann man zum Beispiel auf Amazon.de.

  17. Caleya – Trÿmmermensch
    „Bis nichts mehr bleibt außer Zweifel, außer Phrasen …” (Aporie)

    Peter, dem Scheißkerl (Peter über Peter), ist so manches Fundstück der letzten Jahre zu verdanken. Auch das Album „Trÿmmermensch” der Hamburger Formation Caleya zählt dazu.

    Regelmäßigen Lesern meiner Halbjahresrückschauen sollte die Kombination aus düsteren Texten und eigenartigen Liedtiteln (hier „Aporie”, „Archetyp”, „Akrasia” und noch drei so Titel) bereits von The Hirsch Effekt bekannt vorkommen, und tatsächlich gibt es da gewisse Parallelen: Gemeinsames Touren, auch bereits eine gemeinsame CD (das Stück „Amygdala” stammt von dieser „Split”-EP), und produziert wurde „Trÿmmermensch” von Nils Wittrock, Sänger bei The Hirsch Effekt. Wer nicht gerade die „Screamo”-Begriffsbildung aus der Mottenkiste längst abgelutschter Genrebezeichnungen kramt, der nennt das, was Caleya hier auf Tonträger pressen ließen, „Post-Hardcore”, und hätte ich oben nicht schon ausführlich über derartige Bezeichnungen gelästert, ich würde es jetzt glatt noch mal tun.

    Aber die Post geht tatsächlich ziemlich ab auf „Trÿmmermensch”. Deutsche Texte wirken für Muttersprachler noch emotionaler, wenn sie nicht gelangweilt dahingesungen, sondern verzweifelt ins Ohr gebrüllt werden, und das beherrscht man in Hamburg genau so prächtig, wie man eben auch ganz anders kann:

    Durch das Gebrüll von Sänger Tobi wird der chaotische Anstrich verstärkt, wobei sich die gesuchte Harmonie in der Verwendung von progressiven Elementen auszeichnet. Diese erscheinen wie Löcher in den noisigen Riffs und erzeugen einen Kontrast, während das Gebrüll ganz zum Erliegen kommt und von melodischen, instrumentalen Parts, Gesang oder kurzen, gesprochenen Passagen abgelöst wird. Nach einer musikalischen Steigerung kommt es zur Entladung, zu der der Gesang wieder zum Gebrüll übergeht. Die Songs unterscheiden sich dabei im Muster zwischen den lauten und leisen Teilen und überraschen in derselben Weise, wie der Einsatz unterschiedlicher Instrumente, wie der eines Glockenspiels, einer Geige oder eines Xylophons.

    Kein Zweifel: Wäre „Trÿmmermensch” ein Hörspiel, man würde die Trÿmmer förmlich fliegen hören. Volle Kanne Emotion, Depression. Aber ich schätze, jeder Leser dieser Zeilen hat manchmal das Bedürfnis, einfach nur laut zu schreien. Dies ist die Musik dazu.

    Reinhören und mitschreien!
    Das geht zum Beispiel auf MySpace, wo auch einige ältere Musikstücke von Caleya blöd rumliegen.

  18. Unexpect – Fables of the Sleepless Empire
    „A lunatic exorcism of impulsive literary stings, serving the untainted delight of devious cunnings” (Words)

    Verglichen mit Caleya sind Unexpect beinahe schon zurückhaltend. Wohlgemerkt: Dies ist ausdrücklich als Vergleich zu werten!; denn Ambientlandschaften sind auf „Fables of the Sleepless Empire” nicht zu finden. Kein Wunder ist es ein schlafloses Reich bei dem Krach.

    Laut Eigenbeschreibung machen die Kanadier avant-garde classical fusion experimental progressive metal, und wen das nicht an die Labelkollegen von den Stolen Babies (“prog-pop-cabaret-thrash-quirky-goth-rock“) erinnert, der hat einiges nachzuholen, aber ich erkläre es ihm dann trotzdem mal, schließlich wollen wir ja auch alle irgendwann noch mal ein wenig vorankommen hier:

    Sanfte Gitarrenlaute, Streicher fiedeln irgendwas verträumtes vor sich hin, sie steigern sich, Schlagzeug und Gesang (weiblich) setzen ein. „On the Right, words bleed in delicious erratic motions / to waltz and lunge deeply onto the frail paper dungeons”, Gesang endet, growling tritt an seine Stelle, die Kapelle spielt feinstes Thrash-Hardcore-Irgendwas, während die Frau ihre gewohnte Stimme wiederfindet, und so ähnlich geht es dann noch eine Weile weiter, immer noch ein bisschen abgedrehter, quasi schriller, und vor allem lauter. Das Lied heißt „Words” und ist nur ein willkürlich herausgepicktes Beispiel. Seit dem Vorgängeralbum „In A Flesh Aquarium” von 2006 hat sich im Hause Unexpect erfreulich wenig geändert, die bewährten Rezepte ergeben noch immer ein hervorragendes Süppchen. Über den Vorgänger war zu lesen:

    Black-Metal Gitarren, rausgerotzter Gesang und Geröchel, das Tempo weitenteils am Anschlag, Geknüppel bis der Arzt kommt… und plötzlich engelsgleicher Gesang von Leïlindel, und plötzlich Teufelsgeiger, und plötzlich lässige Piano-Läufe, und plötzlich Electronic-Sounds, und plötzlich burlesker Walzer, und plötzlich spinnerte Dada-Ideen… Schliesslich gibt es noch eine Portion „Gothic”, ein klassisches Streich-Konzert, Bombast-Momente, Breaks, Stil- und Rythmusbrüche, (wo kommt denn der Dudelsack her?), Filmmusik und und und.

    „Dada” regiert auch in den Texten. „Heroic Icons of the vegetable supremacy; a mistreated garden, their ultimate purgatory” heißt es etwa in „Orange Vigilantes”. Nicht zu viel darüber nachdenken, man bekommt nur Kopfweh davon. Obwohl beinahe sämtliche Attribute, die im zitierten Text genannt wurden (den Dudelsack habe ich noch nicht überprüft), auch auf „Fables of the Sleepless Empire” zutreffen, ist all dieses Durcheinander doch hier beinahe als geordnet zu bezeichnen. Zugänglicher als „In A Flesh Aquarium” ist es allemal. Unexpect haben ein Gespür dafür entwickelt, an welcher Stelle welche Form der Komplexität angemessen ist. (Wer jetzt „Zugänglichkeit” und „weniger Komplexität” mit simplen Strukturen verwechselt, ist selbst schuld.)

    Der Avantgarde-Anstrich von Unexpect sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich vor allem um eine Progressive-Metal-Formation handelt. Die Betonung liegt hörbar auf dem „Metal”. Ideale Reihenfolge eigentlich: Erst dem ungeliebten Mitmenschen mit Unexpect quasi aufs Maul hauen und dann mit Caleya betrübt darüber sein. Verdammt – jetzt habe ich es verkehrt herum aufgeschrieben. Also erst betrübt sein und dann aufs Maul hauen.

    Und wer nicht fühlen will, muss hören:
    Das komplette Album wird auf bandcamp.com als Stream angeboten. Also streamt fleißig!

  19. The Nerve Institute – Architects of Flesh-Density

    Zum Abschluss der Hauptliste noch ein wenig (Avant-)Jazzrock. „Architects of Flesh-Density” ist nach eigener Aussage bereits das achte aufgenommene Album des Multiinstrumentalisten und Sängers Mike Judge, aber das erste als The Nerve Institute veröffentlichte. Ihm gehen, wie er unlängst erwähnte, die Namen irgendwann auf den Keks, also denkt er sich immer mal wieder einen neuen aus. (Mein Lieblingszitat aus dem Interview ist, dass er mit seinem kompletten Alleingang vermeiden will, zum Miniaturhitler in einer Band zu werden, obwohl er doch eigentlich viel größer sei als Hitler und schönere Haare habe. Wenn das ein deutscher Künstler sagen würden täte, hagelte es Buhrufe. Hach, diese Musiker.)

    The Underground Railroad und Frank Zappa sind dem „Waschzettel” zum Album in Fettdruck zu entnehmen, Mike Judge selbst erwähnt in besagtem Interview zudem insbesondere den symphonischen Progressive Rock (Yes u.a.) und, darauf aufbauend, die RIO/Avant- und frühe Zeuhl-Szene (Henry Cow, Univers Zéro) als Künstler, die ihn besonders beeindruckt haben.

    Das Ergebnis klingt dann auch genau so: Der Jazzrock von Yes in der „Relayer”-Phase oder jedenfalls von King Crimson paart sich mit fetzigem Canterbury. Ach, und mit Frank Zappa. (Man stelle sich das bitte angesichts des Todes Herrn Zappas gerade mal nicht bildlich vor.) „Klingt wie: Deformieren & reformieren”, so steht’s auf des Künstlers MySpace-Seite.

    Bei der Durchsicht der track list bleibt das Auge womöglich auf dem Titel „Die neue moritat…” haften. Tatsächlich bezieht sich dieser Titel weniger auf Bertolt Brechts „Moritat von Mackie Messer” als vielmehr auf G. W. Pabsts Verfilmung derselben. Der anschließende Titel „La jalousie” wiederum nimmt direkt Bezug auf Alain Robbe-Grillets Novelle gleichen Namens. Kultur kann Mike Judge jedenfalls trotz seiner Herkunft schon ganz gut.

    Ich bin gespannt, welchen Namen sich der Herr als nächstes ausdenkt; bedenkt man, dass jeder Name auch einen Stilwechsel mit sich brachte, hoffe ich jedenfalls, dass dies nicht das einzige Album als The Nerve Institute bleibt.

    Hörproben:
    Auszüge aus seinem Schaffen präsentiert der Musiker auf MySpace.

Das soll dann für dieses Halbjahr auch erst mal wieder reichen mit Kaufbefehlen. Es folgen nun die Kostenlosherunterladbefehle:

2. Von wegen Kommerz.

  • Our Ceasing Voice – When The Headline Hit Home

    Die vier Österreicher, die 2009 eine(n) prima Debüt-EP vorlegten und mich seitdem auf Last.fm immer mal wieder auf dem Laufenden hielten, haben dann jetzt auch mal ein richtiges Album vorzuweisen; die Laufzeit beträgt fast eine Stunde, und das sollen manche dieser „richtigen Alben” von anderen „Künstlern” erst mal schaffen.

    Andererseits ist das im Postrock – und dort fühlen sie sich hörbar (ist „hörlich” eigentlich das Gegenstück zu „sichtlich”?) wohl – auch weniger schwer als in anderen Genres, allein das Stück „The Only Ones Dead (And Those Who Are Forgotten)” bringt es beinahe auf neun Minuten.

    Fast völlig instrumental wechseln Our Ceasing Voice auf „When The Headline Hit Home” zwischen Laut und Leise, Breitwand und Tal hin und her. Meine Damen und Herren, dies jedenfalls ist Postrock. Kann man nicht anders sagen. Kostet nix, ist aber jeden Preis wert.

    Runterholen kann man sich’s auf dem bandeigenen Webserver und natürlich via eMule.

  • The Echelon Effect – Seasons 1/4

    Darüber, dass es sich bei „Seasons Part 1” um eine(n) EP, also um ein „Album” mit eher kurzer Laufzeit, handelt, sehe ich ausnahmsweise hinweg, denn ambitioniert ist es auf jeden Fall, was David Walters mit Hilfe des Schlagzeugers Steve Tanton hier in die Tat umsetzt, nämlich den Auftakt zu einer vierteiligen Serie von „Jahreszeiten”-Kompositionen. Teil 1: Frühling. (Der „Sommer”-Teil 2 ist bereits angekündigt.)

    Jahreszeiten musikalisch umzusetzen hat manch einer schon in der Grundschule nicht mehr sonderlich gern gemocht, David Walters macht das freiwillig und sehr gut. Man spürt förmlich, wie die Erde aus dem Winterschlaf erwacht, schrieb anderswo ein gewisser „Chris” hierzu.

    Schon wieder instrumentaler Postrock also, aber zerbrechlicher als der der Herren Our Ceasing Voice.
    Wie wohl der Sommer klingen wird?

    Herunterladen wird jedenfalls meinerseits wärmstens empfohlen, und zwar auf bandcamp.com oder via eMule.

  • Jardín de la Croix – Ocean Cosmonauts

    Der unter eigener Verantwortung aufgenommene und verkaufte Vorgänger „Pomeroy” fand bereits lobende Erwähnung, das neue Album „Ocean Cosmonauts” konnte die spanische (!) Band Jardín de la Croix mithilfe der Plattenfirma Noma Records aufnehmen. Kommerzialisierung sieht aber anders aus, denn obwohl Noma Records jetzt auch hübsche CD-Verpackungen für die Musik anbietet, bleibt selbige doch einzigartig.

    Es ertönt rein instrumentaler Mathrock mit komplexen Rhythmen und gelegentlichen Postrock-Zitaten. Anhänger von Rush kommen ebenso auf ihre Kosten wie all jene, die Robert Fripps seltsame Experimente in den 1980er Jahren zu würdigen wissen, gerade auch hinsichtlich der Gitarrenarbeit von Ander Carballo und Pablo Rodríguez. Der neue Bassist Carlos Schonert leistet ebenfalls hervorragende Arbeit.

    Im Internet ist zu lesen, „Ocean Cosmonauts” sei stellenweise langweilig, weil zu lange auf dem gleichen Thema herumgeritten werde. Gerade das aber befähigt dieses Album dazu, sich sowohl zur Beschallung stiller Momente als auch dazu zu eignen, nebenbei (quasi zum Bügeln) gehört zu werden, ohne wirklich anstrengend zu werden. Sollte man mal ausprobiert haben.

    Bezugsquellen: Das Album ist unter anderem auf jardindelacroix.com sowie via eMule herunterladbar.

„Wie, war das schon alles?”, fragen jetzt die Leser. „Nein”, antworte ich, „denn es folgt eine Sondervorstellung zweier Musikalben, die aus unterschiedlichen Gründen keine Erwähnung in den beiden Listen oben finden konnten.”

3. Aus dem Abseits…

  • Hand aufs Herz – Der Soundtrack

    Dieser soundtrack hat aus zwei Gründen keinen Platz auf der Hauptliste gefunden: Zum Einen ist er eben kein „Album” im eigentlichen Sinne, zum Anderen ist das eigentlich nicht mal meine Musik. Aber irgendwie hat diese Sammlung von Pop-Coverversionen aus der Sat.1-Serie „Hand aufs Herz” (ich berichtete) etwas Warmes, Angenehmes an sich.

    Sicher hat ein solches Album auch ein paar Totalausfälle vorzuweisen, welcher Musikfreund will schon „Sympathy For The Devil”, von Mädchen intoniert, hören?, aber es hat auch verdammt gute Momente, und das sage ich trotz nachgewiesener Männlichkeit und eigentlich ganz passablen Musikgeschmacks. Immerhin ist „Talkin’ ’bout a revolution” auch drauf.

    Obwohl ich ansonsten selbst dazu neige, Musik nach ihren Umständen zu beurteilen, ohne sie überhaupt gehört zu haben, rate ich in diesem Fall dringend davon ab. Wahrlich nicht übel.

  • Elias Schwerdtfeger – Temple of Void

    Aufgrund persönlicher Sympathie nicht objektiv und daher abseits der Liste empfehle ich dann auch mal dies hier: Dem weichgespülten Wohlklang obigen soundtracks stehen die elektronischen Klangeffekte Herrn Schwerdtfegers entgegen. Der „Temple of Void”, der „Tempel des Nichts” also, ist eine Metapher für Konsumtempel. Nein, Konsum mag der Künstler nicht. (Darum gibt’s das Album auch komplett für lau, wobei aufgrund seiner, des Künstlers, Lebensumstände eine kleine bis große Spende empfehlenswert ist.)

    Düster-nihilistische Musik mit gelegentlicher Textbeilage, produziert unter Zuhilfenahme einiger defekter Geräte; das klingt nur teilweise nach den Einstürzenden Neubauten, vor allem klingt es nach einer Vertonung der Tristesse, die unvermeidlich scheint, wenn man im Raum Hannover lebt. Die Verwurzelung im Weltlichen zeigt auch das Coverbild, ein „Frosch spuckendes Lamm” aus einer Publikation der Zeugen Jehovas, das den Irrsinn einer jeden Religion anschaulich vorführt.

    Trotzdem bzw. gerade deshalb: Nichts für schwache Nerven.

Genug des angenehmen Teils!
Kommen wir zum unangenehmen Teil, nämlich einer Auflistung der weniger erquickenden Produkte der Musikindustrie im 1. Halbjahr 2011, bei deren bloßer Erwähnung sich mitunter schon ein leichtes Unwohlsein einstellt, weshalb ich mich, wie üblich, kurz fasse:

4. … in den Müll.

  • The Megaphonic Thrift – Decay Decay
    Warum die Kopie? Lieber gleich The Strokes, da nervt der Gesang auch weniger.
  • Low Anthem – Smart Flesh
    Klingt wie ein uneheliches Kind von Tindersticks und einem unbekannten “DSDS“-Teilnehmer, der Cat Stevens covert.
  • Radiohead – The King of Limbs
    Eine Diskussion in der [progrock-dt]-Liste brachte es auf den Punkt: Radiohead muss man nicht mögen. Das ist gut, dann verzichte ich dankend auf diesen schrecklichen Krach.
  • Van der Graaf Generator – A Grounding in Numbers
    Die Herren haben zwar nicht die Atmosphäre, aber ihren Biss verloren. Schade.
  • Esben and the Witch – Violet Cries
    Für Freunde langsamen Nico-Gedächtnisschmalzfolks und Peter bestens geeignet.
  • Beady Eye – Different Gear, Still Speeding
    Sollte Liam Gallagher eines Tages sterben, dann wohl an einer Überdosis John Lennon, den er hier noch überflüssiger als sonst kopiert; Ich habe beim Hören dieses Albums immer Angst, dass gleich Yoko Ono reinkreischt.

2011 brachte aber nicht nur viele gute (und einige scheußliche) Musikalben mit sich, sondern markiert auch 40 Jahre 1971, quasi ein Jubiläum vom „Jahr 1 nach den Beatles”. Und was sich seitdem so getan hat, lest ihr hier:

5. Reise durch die Zeit.

  • Vor 40 Jahren:
    Jethro Tull – Aqualung
    Die Beatles waren 1971, wie gesagt, längst Geschichte. Die Welt begann also, sich eine andere Musikrichtung auszudenken, die man fortan toll finden sollte. The Velvet Underground brachen auseinander, ihre spätere Bedeutung für die Rockmusik sollte aber erst viel später entdeckt werden. In Deutschland blühte der „Krautrock” gerade auf, sowohl Ton Steine Scherben als auch Faust veröffentlichten ihre Debütalben. In London hatten sich bereits 1969 drei afrikanische Musiker als Osibisa zusammengeschlossen und wirbelten 1971 mit ihren ersten beiden Alben, die von afrikanisch-karibischer Rockmusik dominiert wurden, die LP-Hitparaden durcheinander. Ebenfalls aus Großbritannien stammen die bekannteren Jethro Tull, die mit „Aqualung” 1971 mal eben einen „wesentlichen Meilenstein der Rockmusik” vorlegten, wie manche Kritiker es zu nennen pflegen. Zwar ist „Aqualung” anders als die späteren „Thick as a Brick” und „A Passion Play” kein Konzeptalbum, thematisch aber sind in den Texten harsche Gesellschafts- und vor allem Religionskritik zu finden. God, he stole the handle, and the train, it won’t stop going, no way to slow down. Zahlreiche Nachahmer späterer Jahre sprechen eigentlich für sich.
  • Vor 30 Jahren:
    King Crimson – Discipline
    Die Musikwelt hatte sich 1981 wieder vorsichtig auf die eigenen Beine gestellt. Die Buggles hatten Yes wieder verlassen, um sich ihrem zweiten und letzten Album, passend „Adventures In Modern Recording” betitelt, zu widmen, und auch sonst schien alles nach Plan zu verlaufen. Robert Fripp fand das aber blöd. King Crimson betrachtete er bereits seit Jahren als nicht mehr existent, stattdessen zog er mit wechselnden Musikern, unter anderem David Byrne, durch die Lande und begann immer neue musikalische Experimente. Mit der League of Gentlemen machte er bereits 1980 („God Save the Queen/Under Heavy Manners”) typischen komplexen, dennoch tanzbaren 80er-Jahre-New-Wave. Auf Grundlage dieser Erfahrungen begab sich Robert Fripp noch im selben Jahr auf die Suche nach Musikern, mit denen gemeinsam er „improvisierte Tanzmusik” machen wollte. Schlagzeuger Bill Bruford, zuvor unter anderem bei Genesis, Yes und King Crimson aktiv, schloss sich an, es folgten Bassist Tony Levin und Gitarrist Adrian Belew. Unter dem Namen Discipline ging man also auf Tour, benannte sich aber, wohl auch aus marktstrategischen Gründen, bald in King Crimson um; mit zwei von vier ehemaligen King-Crimson-Musikern immerhin ein nicht allzu abwegiges Unternehmen. Dass die neuen King Crimson mit den mystischen Texten von Peter Sinfield, dem komplexen Jazzrock von Alben wie „Lizard” und dem Progressive Rock als solchem vorerst nicht mehr viel zu tun hatten, täuscht aber nicht darüber hinweg, dass sich hinter dem mitunter trocken wirkenden Klanggebilde „Discipline” viel Komplexität verbirgt, etwa in den polymetrisch versetzten Gitarrenläufen der beiden Gitarristen. Das Ziel Robert Fripps schien jedenfalls erreicht, bis sich die Formation 1986 nach nur drei gemeinsamen, einander recht ähnlichen Alben vorerst wieder auflöste.
  • Vor 20 Jahren:
    Mr. Bungle – Mr. Bungle
    Das Ende der furchtbaren musikalischen Dekade war gleichzeitig der Beginn einer bis dahin ungekannten Befreiungsbewegung. Die in den 80-ern erlernten elektronischen Techniken zur Klangerzeugung dienten nun der Kreation neuer Spielarten von Rock- und Popmusik. So erfanden Slint mit Alben wie „Spiderland” quasi das, was Rezensionskasper heutzutage „Postrock” nennen. The Fall nahmen mit „Shift-Work” ein sehr eigenartiges Album auf, das Remineszenzen an den New Wave ebenso beinhaltete wie den bandeigenen Experimentalrock der Marke The Velvet Underground. Die Goldenen Zitronen streckten der deutschen Punkszene mit dem Album „Punkrock” den Mittelfinger entgegen. Mike Patton und seine Mitstreiter von Mr. Bungle erklärten derweil Irrsinn zum musikalischen Stilmittel, und das nicht nur musikalisch, denn die seltsame Mischung aus Jazzrock, Hardrock, RIO und Pop (Pop!) wird ergänzt von dem längst berüchtigten, oft irren Gesang Mike Pattons, der auch mal in bester Boygroup-Manier (!) Zeilen singt wie etwa: My hand gets tired and my dick gets sore, but the girls of porn want more. Explizite Lyrik, sozusagen. Gesang, Bass, Gitarre, zwei Saxofonisten und ein DJ. Mit dem Nachfolger „Disco Volante” haben Mr. Bungle dann noch eine Schippe draufgelegt. Man ist geneigt, sich zu fragen, wieso die einzigen Adaptionen dieses radikal anderen Stils (etwa Fantômas) aus den eigenen Reihen stammen, ist sich doch sonst auch nur selten ein Nachwuchsmusiker zu schade, Altbekanntes neu aufzuwärmen. Um so fester bleibt aber die Einzigartigkeit von Mr. Bungle in der Musikgeschichte verankert. Auch nicht schlecht.
  • Vor 10 Jahren:
    TSOL – Disappear
    Gemessen an der Kreativität der 90-er Jahre waren die „Nuller” zwar produktiv, aber doch nur wenig erfinderisch. Yes‘ Album „Magnification” zeigte, dass der „klassische” Progressive Rock nicht tot war, er hatte sich nur versteckt. Währenddessen entwuchs der „Indie-Rock” den Kinderschuhen, die im Jahr 2000 gegründeten Yeah Yeah Yeahs hatten zwar einen blöden Namen ausgewählt, brachten aber mit dem selbstbetitelten und viel zu kurzen Erstling einen beachtlichen Tonträger unter die Leute, das Debütalbum „Fever to Tell” folgte zwei Jahre später. Bereits seit 1978 existierte die Hardcore-Punkband TSOL, die zwischenzeitlich, wie viele andere Bands auch, damit zu kämpfen hatte, dass nach zahlreichen Umbesetzungen die Gründungsmitglieder wieder zusammenfanden, die Namensrechte an TSOL jedoch ihren „Nachfolgern” gehörten. Etwas ausführlicher dokumentiert ist das in der Wikipedia. 1999 jedenfalls konnten diese Probleme aus der Welt geschafft werden, und man ging wieder auf Tour. 2001 folgte, quasi als „Comeback”, das Album „Disappear”, auf dem man seinen Wurzeln treu blieb; die musikalische Ähnlichkeit mit Bad Religion, mit denen die Band befreundet war, ist unverkennbar. Der Punk folgte in den folgenden Jahren mehr und mehr kommerziellen Pfaden, als selbst MTV entdeckt hatte, was für ein Potenzial in dieser Musik steckt, TSOL interessiert das aber bis heute nicht. Es ist seltsam, dass Punk noch Jahrzehnte nach den Sex Pistols erst dann mediale Aufmerksamkeit erhält, wenn er das Dreckigsein und somit seinen Geist aufgibt. („Opel-Gang” von den Toten Hosen etwa fand erst großflächige Beachtung, nachdem die Band sich vom kompromisslosen Punk abgewendet hatte.) Dass das aber auch für andere Musikstile gilt, steht außer Frage, der „Geschmack der Massen” ist eben nicht immer das, was die Masse mag, sondern das, was nach der Meinung einzelner Schlips tragender Entscheider in der Masse auf die geringste Missgunst trifft. Schade. Auch deshalb sollte man TSOL noch ein wenig häufiger preisen. Ich habe das dann jetzt mal erledigt.

Und damit sind wir auch schon am Ende des 1. Halbjahres angelangt. Das 2. Halbjahr beginnt mit Yes, das ist jetzt schon klar. Einige Alben von 2011 schlummern auch noch ungehört in meinem Fundus und werden gegebenenfalls nachgereicht. Was sonst noch kommt? Wir werden sehen!

Sollte ich derweil ein bereits erschienenes, hörenswertes Album übersehen haben, so bitte ich vielmals um Verzeihung und um entsprechenden Hinweis, auf dass ich diesen Fauxpas baldmöglichst auszubügeln kann.

Ansonsten hoffe ich, dass ihr, die ihr dies hier lest, in meiner wirren, abschreckenden Musikauswahl auch einige Perlen entdeckt, die euch genau so gut gefallen wie mir.

Rückmeldung ist jederzeit willkommen.

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Senfecke:

  1. Komme im Moment nicht dazu, mir alles durchzulesen. Aber Deiner Wortwahl, wie

    …ich hoffe, dass sie nicht jedem von euch blo­ßes Miss­fal­len bereitet…

    …in mei­ner wir­ren, abschre­cken­den Musik­aus­wahl…

    sind Zweifel, Selbstzweifel, wenn nicht sogar Panik zu entnehmen.

    • Ich nenne es gebotene Zurückhaltung. Entsprechend vernichtenden Kommentaren versuche ich so schon vorher die Grundlage zu entziehen.

    • Bis jetzt war der Versuch dermaßen klasse, dass nicht mal dem anderen Tux ein vernichtender Kommentar eingefallen ist

  2. Erfüllt dieser Beitrag nicht irgendwelche Straftatbestände? Mannomann, ich lese seit drei Tagen und bin immer noch nicht durch. Längste Blogpost Ever. Habe mir aber mal einige Bands die ich so noch nicht kannte, instapapert.

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