KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2010 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 5 von 23 der Serie Jahresrückblick

Das ging schnell; schon wieder ist das erste halbe Jahr beinahe vorbei. Zeit also wird es, die sehnsüchtigen Gedanken einmal beiseite zu wischen und stattdessen einen Blick auf die prächtigsten Musikveröffentlichungen der letzten sechs Monate zu werfen, ob Rock oder Pop, ob gratis oder teuer, ob Kaufbefehl oder völliger Reinfall.

Auf eine separate Liste für deutschsprachige Alben habe ich diesmal verzichtet, die dreieinhalb Exemplare habe ich stattdessen in der Hauptliste untergebracht. Das hat einen ganz einfachen Grund: Ich habe zu spät daran gedacht. Selbstverständlich tut mir dieser Fauxpas unglaublich Leid, für die Rückschau 12/2010 gelobe ich Besserung. (Nachtrag vom 13. Dezember 2010: Leider gab das Jahr keinen Anlass, eine solche Liste anzulegen.)

Wie üblich jedenfalls wird diese Liste auch dieses Mal wieder gekrönt von einer Rückschau auf 40 Jahre wechselnden Zeitgeists in der Musik. Vielleicht findet ja jemand von euch, meine geschätzten Leser, wieder einen kleinen Schatz darunter, der nur darauf wartet, von euch gehoben zu werden.

Viel Spaß beim Erforschen!


Teil 1: Gute CDs zum Kaufen.

  1. The Hirsch Effekt – Holon : Hiberno
    „Und zum Glück fällst du mir nicht mehr ein, wenn ich hier kotze vor Scheißglücklichsein“ (Epistel)
     
    Ich hatte es vor einer Weile schon ausführlich erwähnt, und darum nimmt es wohl auch nur kaum Wunder, wenn ich auch die erste Halbjahresrezension dieses Jahres mit diesem Album beginne:

    „Holon : Hiberno“ ist die bislang positivste musikalische Überraschung dieser Dekade. Ich zitiere von’nen Schallgrenzen:

    Nichts auf “Holon : Hiberno” ist vorhersehbar, ein Wiegen in Sicherheit nicht angeraten. Gleich springen dir blutgrätschende Gitarren entgegen, infernalischer Gesang (es wird übrigends deutsch gesungen) lässt dich in die Knie gehen und von hinten bekommst du noch einen hundsgemeinen Tempowechsel ins Kreuz. Heiland Gewitter, direkt aus dem Irrenhaus. Aber dort finden wir die Genies, die sich aus hunderten Töpfen bedienen, Konventionen mir nichts, dir nichts über Bord schmeissen und den Rezensenten mit dicken Kopf im Regen stehen lassen.

    Begeistert war und bin nicht nur ich (wer meine ausführliche Rezension verpasst hat, der möge hier klicken und dies nachholen), begeistert bezeugen auch die Rezensenten der Babyblauen Seiten ihre Bewunderung für diese Band und dieses Album, und sie sind damit nicht allein: Auch in der jeweiligen Redaktion der Zeitschriften Visions und eclipsed sowie des Ox-Fanzines war man hellauf begeistert. So ungern ich auch in die Euphorie um Gruppen und/oder Alben einfalle, die ich meist eher skeptisch betrachte: Kauft euch das verdammte Album. Es ist es wert.

    Meine Zusage allein genügt noch nicht? Ihr wollt mehr? Angst vor der Katze im Sack? (Gibt es dafür eigentlich auch so einen hübschen griechischen Namen, der auf -phobie endet?)
    In dem Fall jedenfalls kann ich die üblichen Hörproben auf dem MySpace-Profil der Band wärmstens empfehlen. Reinhören, süchtig werden und tagelang nichts anderes mehr hören wollen; so jedenfalls lief’s bei mir.

    All die schöne Klangwelt ist euch zu laut? „Zu viel Metal“? Ihr seid weit über 30 und mögt’s lieber etwas behäbiger? Dann riskiert doch mal anderswo euer Ohr:

  2. Jaga Jazzist – One-Armed Bandit
     
    Meinen üblichen Hörgewohnheiten keinesfalls entsprechend entschloss ich mich dazu, diesem Album eine Chance zu geben; und es hat sie weise genutzt. Jaga Jazzist ist, wie man teilweise schon dem Namen entnehmen kann, eine instrumentale Jazzrock-/Progressive-Rock-Band (laut Eigenbeschreibung „Nu-Jazz“) mit verschiedenen anderen Einflüssen wie Frank Zappa und Dancefloor (sic!), die somit ein bisschen wie die im Vorjahr bereits erwähnten Tortoise klingt und doch eigentlich völlig anders. Nicht so abrupt sind hier die Stilwechsel innerhalb der Stücke, aber die Norweger gehen ähnlich elektronisch zu Werke. Auffallend in der wilden Stilmischung sind vor allem die Trompeten einerseits (etwa in Prognissekongen), die Anleihen an moderner Tanzmusik andererseits. Erstaunlicherweise ist ausgerechnet das Stück Music! Dance! Drama! weitgehend frei von allem, was kein Progressive Rock ist.

    Ein in sich stimmiges Album ist „One-Armed Bandit“ allemal. Wer Jazz, Progressive Rock und Frank Zappa mag und auch Tortoise‚ aktuelles Album begeistert aufgenommen hat oder wer auch einfach nur wissen möchte, wie es klingt, wenn man Jazz clubtauglich macht, dem sei empfohlen, auch Jaga Jazzist eine Chance zu gewähren. Vergleichsweise anstrengend ist diese Melange allemal, aber auch höchst unterhaltsam.

    Hörproben wollt ihr? Die üblichen 30-Sekunden-Schnipsel hat Amazon.de im Angebot, auf MySpace.com gibt es weitere Aufnahmen zu hören; derzeit (18. Juni 2010) unter anderem etwa eine mit stampfendem Beat unterlegte Neufassung von Bananfluer Overalt. Hat was.

    Schön und gut, sagt ihr, ihr wollt aber lieber mehr Gesang? Könnt ihr haben:

  3. My Own Private Alaska – Amen
    „If I don‚t kill myself it’s ’cause I’ve already left / elsewhere, anywhere, nowhere“ (I Am An Island)
     
    In die Reihe der Alben, die auch mit der vorherigen Erwähnung meinerseits noch längst nicht genug gewürdigt werden, habe ich nunmehr also auch „Amen“ der französischen, dennoch sehr guten Band My Own Private Alaska, kurz M.O.P.A., aufgenommen. Auf kulturterrorismus.de wird das Album wie folgt gewürdigt:

    Musikalisch gleichen Matthieu Miegeville aka „Milka“ (Gesang), Tristian Mocquet (Piano) & Yohan Henequin (Schlagzeug) hinter M.O.P.A. einer tiefen Verschmelzung von Chopin & Nirvana, welche tragisch, brutal & mitreißend aus Lautsprechern tönt und entweder für totale Verstörung oder Begeisterung sorgt – dazwischen gibt es bei M.O.P.A. nix! Besonders die „abgedrehte“ Stimmbandarbeit von „Milka“, die sich irgendwo zwischen Robert Smith (The Cure) & Postcore- /Screamo „Schreihälsen“ bewegt, nimmt entweder völlig gefangen oder schreckt endgültig ab!

    Unterstützt wird diese ungewöhnliche Konstellation von Texten, die allesamt von einer tiefen Verbitterung über die Frauenwelt zeugen, Todessehnsucht inklusive. „Emo“ (oder was man landläufig dafür hält) ist diese Musik sicher nicht, jedoch immerhin höchst emotional. Bestünde der viel zitierte „Soundtrack zum Untergang“ nur aus Musik wie dieser, ich könnte ihn kaum erwarten. Allein ist dies dann doch eher unwahrscheinlich; viel zu eigenständig, viel zu unverkennbar ist das Werk des Trios. So bleibt also zu hoffen, dass sie bis zum kommenden Untergang noch viel Musik gemeinsam aufnehmen.

    Dem interessierten Konsumenten bleibt selbstverständlich auch der Wunsch nach Hörproben nicht verwehrt:
    Während Amazon.de eher enttäuscht, hat das MySpace-Profil der Band immerhin derzeit (18.6.2010) zweieinhalb Lieder zum Probehören auf Lager.

    Das ist euch zu abstrakt, zu emotional oder zu lärmig? Dann versucht’s mal damit:

  4. So So Modern – Crude Futures
     
    Ich weiß nicht mehr, wie ich auf „Crude Futures“ aufmerksam wurde, aber angesichts des anstehenden Sommers ist das Album ein wahrer Glücksfund. Musik für lange Tage auf Wiesen oder Terrassen mit Bier und viel Sonne.

    Aber was ist das eigentlich für Musik? Anderswo ist in Originalschreibweise zu lesen:

    Ein tolles Album zwischen Indie-Rock, Post-Punk, Electro & psychedelischen Kraut-Rock Elemten.

    Auch wenn’s so scheinen mag: Allzu viel Krautrock, wie ihn etwa Can einst spielten, ist hier nicht enthalten, die anderen genannten Genres dafür im Überfluss. Zu hören sind The Raveonettes, The Mars Volta, Phoenix, die Kaiser Chiefs und noch einige mehr, und obendrein ist der Gesang keinesfalls omnipräsent, sondern eher dezent und unauffällig, sofern überhaupt vorhanden. Sommerliche Musik, die sich aus der immergleichen Indierock-Sülze herausschält.

    Der Anspieltipp für dieses Album ist der instrumentale Sechseinhalbminüter Berlin.
    Apropos Berlin, eine sehr gute Liveaufnahme dieses Stückes gibt es als Hörprobe auf YouTube.com, es ist neben einigen weiteren Liedern auch auf MySpace.com zu hören. Prima!

    Darf’s dann doch lieber etwas klassischer sein? Bittesehr:

  5. The Watch – planet earth?
    „There must be something wrong with me“ (Something Wrong)
     
    Wenn ich „klassisch“ schreibe, dann meine ich meist „klassisch“ im progressivsten Sinn. Die italienische Progressive-Rock-Band The Watch eifert dann auch einer der klassischsten Progressive-Rock-Formationen nach, nämlich Genesis zu Zeiten des charismatischen Frontmannes Peter Gabriel (nicht also der Band, die Phil Collins später daraus gemacht hat, der Depp). Dies ist sicher kein Zufall; nicht umsonst war The Watch jahrelang mit Livedarbietungen von Genesis-Klassikern auf Tournee. Nicht nur haftet ihrem inzwischen vierten Album „planet earth?“ also eine deutliche Ähnlichkeit zu deren längst legendären Alben „Foxtrot“ und „Trespass“ an, auch Sänger Simone Rossetti bemüht sich nicht ganz erfolglos, wie sein Vorbild zu klingen; und wäre seine Stimme nicht ein wenig tiefer, würde der Unterschied kaum auffallen.

    Auch das Instrumentarium dürfte Freunden des Genres Freude bereiten: Neben Gitarren, Bass und Schlagzeug kommen unter anderem auch Hammond-Orgel, Moog-Synthesizer und Mellotron zum Einsatz, allesamt Instrumente, deren bloße Erwähnung eigentlich schon einen Kaufgrund und den Stoff für feuchte Träume eines jeden Progressive-Rock-Anhängers darstellen sollte.

    Kurzer geschichtlicher Hintergrund übrigens: Laut Amazon.de wird „planet earth?“ oft zusammen mit Solowerken des ehemaligen Genesis-Gitarristen Steve Hackett erworben; nach dessen Weggang blieb von Genesis nur noch ein kümmerliches Poptrio übrig, somit dürfte einwandfrei feststehen, wer für die musikalisch wirklich guten Ideen in der Band zuständig war. Steve Hackett liefert bis heute durchweg bessere Alben ab als Phil Collins, und – hier schließt sich der Kreis – sein Bruder John Hackett ist auf „planet earth?“ in dem Stück New Normal an der Flöte zu hören.

    Wer die „klassischen“ Genesis kennt und schätzt, der kann bei „planet earth?“ bedenkenlos zugreifen; wer sie nicht kennt oder nur grausame Alben wie „We Can’t Dance“ sein Eigen nennt, dem lege ich zunächst ein unverbindliches Reinhören nahe.

    Das geht mittels Hörproben zum Beispiel auf dem MySpace-Profil der Band, das allerlei Auszüge aus dem bisherigen Schaffen der Italiener bietet, aber auch auf Last.fm gibt es einige Lieder zum Anhören; jedoch, der Wermutstropfen bleibt, bislang keines aus dem Album „planet earth?“. Aber vielleicht ändert sich das ja noch. Bis dahin jedenfalls bleibt dieses Album eine Empfehlung zum Blindkauf für jeden Leser dieses Textes.

    „Geh weg mit den ollen Kamellen!“, sagt ihr, „Progressive Rock ist doch seit Jahrzehnten tot! Neue Helden braucht das Land!“? Wie entzückend, da fällt mir doch tatsächlich ein ganz anderes Album ein:

  6. Erste Allgemeine Verunsicherung – Neue Helden braucht das Land
    „Weil ich für ein Seil zu geizig bin, häng ich mich am Gartenschlauch“ (Rabatt, Rabatt)
     
    „Hurra, hurra, die EAV ist wieder da“, so begann 1994 das Album „Nie wieder Kunst“, und beinahe sah es so aus, als dürfte man sich nie wieder darauf freuen. Seit „Frauenluder“ waren die bis dahin weitgehend amüsanten Texte und feinen Melodien der Verunsicherung einer Pop- und Schlagerästhetik gewichen, die in dem schier unerträglichen „Amore XL“ von 2007 ihren unrühmlichen Höhepunkt fand. Dann, 2010, kam „Neue Helden braucht das Land“ mit dem Titel gebenden Lied samt merkwürdigem Video, und die Fachwelt wunderte sich: Durfte man tatsächlich noch mit einer Rückkehr der EAV, wie man sie einst kennen und schätzen gelernt hatte, rechnen?

    Fest steht: „Neue Helden braucht das Land“ ist ein völlig anderes Album als noch „Amore XL“. Mit seichten Schlagern ist Schluss, auf belanglose Texte hat sich Texter und Komponist Thomas Spitzer diesmal nicht eingelassen. Die EAV hat ihre alte Bissigkeit zurück und holt das nach, was sie jahrelang versäumt hat. Ein drittes Zwirch und Zwabel – das zweite war Bimsemann und Roggenkeil von „Frauenluder“ – gibt es nicht, im Gegenteil sprüht das ganze Album förmlich vor Sarkasmus und politischer Brisanz. Ein weiterer Textauszug, diesmal aus dem Stück Toleranz, einem fiktiven Dialog:

    Ich hab auch nix gegen die Chinesen,
    täten’s nicht die Hunderln fressen.
    Stell dir vor, mein kleiner Waldi
    in am Wok von Garibaldi!

    Auch die restlichen Lieder üben textlich Kritik an Gesellschaft und Politik und ziehen nebenbei diverse Genres durch den Kakao; während etwa in Nostradamus, das Rammstein alle Ehre gemacht hätte, die Pius-Bruderschaft scharf kritisiert wird, macht sich die Band in dem schlichten Elektropopstück Bitte Bier, das seinen wiederkehrenden Refrain als Titel trägt, über trinkfreudige Mallorca-Touristen lustig, gleichsam als Antwort auf das nicht unbekannte Coverlied Pump ab das Bier, das, stilistisch ähnlich, seit Jahren immer wieder fälschlicherweise der EAV zugeschrieben wird. Männer brauchen Tritte ist gar eine Verbeugung vor Roger Cicero, und man fragt sich immer wieder aufs Neue, wie Sänger Klaus Eberhartinger es schafft, in jedem Lied völlig anders zu klingen; meines vollen Respekts kann er sich jedenfalls sicher sein.

    Zwischen all der Misanthropie birgt das Album auch immer wieder kurze Zwischenspiele, die wie für die Bühne geschaffen wirken, was den Besuch künftiger EAV-Konzerte durchaus wieder einladend erscheinen lässt.

    Obendrein gibt es für dieses Album auch ausreichend Hörproben, so dass die Gefahr, wie noch beim Vorgängeralbum einen wirklich bedauerlichen Fehlkauf zu tätigen, minimiert wird. Gemeint ist keinesfalls die lächerliche Schnipselsammlung auf Amazon.de; stattdessen gibt es derzeit (19. Juni 2010) das vollständige Album auf YouTube.com in voller Länge zu hören. Hierfür wie auch für das gesamte Album: Chapeau, die Herren!

    Deutsch gut, Österreichisch nicht so gut? Wie wäre es dann damit?:

  7. Tocotronic – Schall und Wahn
    „Wer zu viel selber macht, wird schließlich dumm (ausgenommen Selbstbefriedigung)“ (Macht es nicht selbst)
     
    Auch diesem Album hatte ich kurz nach seinem Erscheinen schon ein paar Zeilen gewidmet, und noch immer hat sich seine Faszination nur wenig abgenutzt. Ich prophezeite noch im Januar: „Ich nehme an, ‚Schall und Wahn‘ wird in diesem Jahr eins der wenigen guten Indierockalben bleiben“, und bislang sieht es so aus, als würde diese Prophezeiung voll erfüllt werden.

    Tja, Tocotronic machen es mir aber auch wahrlich nicht leicht, sie nicht zu mögen, also lasse ich es und finde sie stattdessen spitze. Dies allerdings immerhin schon seit Jahren: Gefielen mir einst die simplen Rhythmen, Texte und Melodien von Liedern wie Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein, so konnten mich spätestens seit dem diesem Album vorangegangenen „Kapitulation“ die poetischen Texte überzeugen; so heißt es etwa in Harmonie ist eine Strategie von ebendiesem Album:

    Als wir wiederum nicht wussten, was zu tun, wohin sich wenden,
    liefen wir stundenlang umher durch die Alleen, und am Ende
    kamen wir zu einem Fluss, dessen Lauf uns dorthin führte,
    wo wir noch nie gewesen sind; es schien zumindest so.

    Man sieht: Mit Reimen muss man nicht arbeiten, um Dichtung zu betreiben, was ja auch die ansonsten doch recht anderen Toten Hosen regelmäßig demonstrieren; und genau so geht es auf „Schall und Wahn“ weiter. Das bedeutet aber keinesfalls, dass „Schall und Wahn“ einfallslos ist; es ist vielmehr das „Neue Helden…“ von Tocotronic (hierzu auch siehe oben). Die Poesie von „Kapitulation“ und die Belanglosigkeit der Vorgängeralben sind einer juvenilen Albernheit gewichen, eindrucksvoll etwa im Lied Bitte oszillieren Sie:

    Bitte oszillieren Sie Ping-Pong ohne Hierarchie!
    Bitte oszillieren Sie, ich bitte Sie! Genießen Sie!

    Mit Stürmt das Schloss, unverändert meinem Lieblingsstück des Albums, hält die Band auch einen veritablen Nachfolger des überaus rockigen „Kapitulation“-Liedes Sag alles ab, zwar nicht textlich, aber stilistisch, parat. Auch die übrigen Lieder sid erwähnenswert: Die Texte variieren trotz der überwiegenden, Tocotronic-eigenen Schlichtheit zwischen Nonsens und Nachdenklichem (Im Zweifel für den Zweifel). Ein sehr feines Stück Musik für den, der kluge Texte und Indie-Rock mag und auch nichts dagegen einzuwenden hat, dass Dirk von Lowtzow die Texte, ähnlich Mark E. Smith von den unverwüstlichen The Fall, eher deklamiert als tatsächlich singt; denn selbst das klingt um Längen besser als das, was viele andere so genannte Rockbands mit ihrem immergleichen beatlesquen „Harmoniegesang“ zu erreichen versuchen.

    Ich wiederhole mich gern: „Schall und Wahn“ ist eins der bislang wenigen guten Indierockalben dieses Jahres.

    Als Hörprobe kann man, was mich sehr erfreut, auch weiterhin auf die Seite Deezer.com zurückgreifen, die nach wie vor das vollständige Album zum unbegrenzten Anhören zur Verfügung stellt. Hierfür einen herzlichen Dank an Deezer.com!

    Ach, da ich gerade Mark E. Smith erwähnte:

  8. The Fall – Your Future Our Clutter
     
    „Your Future Our Clutter“ ist, dies erfährt man vielerorts, das mittlerweile 28. Studioalbum der Band The Fall, und noch immer ist es unergründlich, wofür sie steht. Genreschubladen kann man hier ohnehin direkt geschlossen belassen: Von atonalem Noiserock der The Velvet Underground über hingerotzten Punk, Marke Sex Pistols, bis hin zu rhythmuslastigem Indierock (etwa in Chino) hat John Peels erklärte Lieblingsband jeden nur erdenklichen Einfluss in puncto hochwertiger Schrammelmusik in ihre Musik aufgenommen und damit ihrerseits inzwischen 34 Jahre lang andere Musikergenerationen beeinflusst. (Sinnloser Fakt am Rande: Sollte es The Fall 2011 noch geben, und dagegen scheint derzeit nichts zu sprechen, so wird es Zeit, das alte Lied 35 Jahre der Toten Hosen wieder auszugraben; ihr wisst schon, more of the same.)

    Das soll keinesfalls bedeuten, dass „Your Future Our Clutter“ überflüssig wäre, nur weil man nur wenig neues zu sagen hat; nein, jedes Album der Combo klingt frisch und unverbraucht und immer auch ein wenig überraschend. Das Album wird durchzogen von Lo-Fi-Effekten und Mark E. Smiths unverwechselbarem Murmeln, das in einigen wenigen Momenten, etwa dem Titelstück-Duo Y.F.O.C. und O.F.Y.C., in rebellisches Rufen umschlägt, jedoch nie die mit durchaus hörbarem Akzent vorgetragenen Texte verständlich werden lässt, so dass ich hier leider, anders, als eigentlich üblich, auf Zitate verzichten muss. Aber ist das denn wichtig?

    Wie schon das längst legendäre Album „White Light / White Heat“ der bereits erwähnten VU entfaltet „Your Future Our Clutter“ seine destruktive Wirkung auch, wenn man die Texte nicht beachtet. Das Schöne an jahrzehntelanger Beschallung mit harmonischen Klängen ist es, dass das Bedrohliche aus Gitarren-Rückkopplungen und gewaltigen Rhythmusteppichen partout nicht verschwindet; The Fall haben dem mainstream viel zu verdanken, und sie geben es seit mehr als drei Jahrzehnten reichlich zurück. Möge es noch lange so bleiben!

    Und wer sich noch immer nicht viel unter meinen – zugegeben – etwas schwurbeligen Beschreibungen vorstellen kann, aber durchaus nicht abgeneigt ist, mehr über diese Musik zu erfahren, der möge einen Blick auf den folgenden Absatz werfen:

    Als Hörprobe nämlich steht auch dieses Album derzeit vollständig zur Verfügung, möglich macht’s 3voor12.vpro.nl. Nutzt das Angebot weise!

    „Och nee, das ist mir zu lärmig“, ruft ihr jetzt enttäuscht, „hast du nichts Harmonischeres in deiner Liste?“
    Doch, habe ich:

  9. Kaipa – In the Wake of Evolution
    We are closer to the edge than yesterday“ (In the Wake of Evolution)
     
    Nanu, der Titel des Albums kommt bekannt vor; trägt nicht das zweite Album von King Crimson den Namen „In the Wake of Poseidon“? Und dann dieser Textauszug; Yes‚ grandioses Close To The Edge ist zwar schon ein paar Jahrzehnte her, aber hat man es nicht auch schon mal gehört? Ist das Zufall?

    Kurz gesagt: Nein, keinesfalls. Kaipa ist, dies deutet das an Transatlantic oder auch Eloy erinnernde Coverbild bereits an, eine Progressive-Rock-Band, die erstmals 1974, also noch zur Hochzeit des Progressive Rock, gegründet wurde und zu deren Mitgliedern im Laufe der Jahrzehnte unter anderem Roine Stolt (u.a. The Flower Kings, The Tangent, Transatlantic) und Jonas Reingold (u.a. The Flower Kings, The Tangent) angehörten, was schon ungefähr zeigt, in welche Richtung die Reise geht:

    Auf „In the Wake of Evolution“ ist solider Retro-Prog im Stil von Yes, Ritual, RPWL und, trotz des Ausstiegs von Roine Stolt, immer wieder auch der Flower Kings zu hören. Drei Stücke überschreiten die „magische“ 10-Minuten-Grenze, eines geht sogar über 17 Minuten hinaus; die längere Spieldauer führt aber niemals zu überflüssigen Längen. Der Gesang von Patrick Lundström und Aleena Gibson erinnert mal, etwa im Titelstück, an den harmonischen Neo-Prog von Transatlantic, mal an Yes, all dies wird verziert von den verdächtig nach Genesis klingenden Keyboards von Bandgründer Hans Lundin, Jonas Reingolds längst etabliertem, druckvollem Bassspiel und flirrenden Gitarren, mitunter auch von Violine und Flöte begleitet, was ein wenig an die ersten Alben von King Crimson erinnert. (Und schon schließt sich der mühsam geöffnete Kreis; tadah!)

    Das längst angekündigte nächste Studioalbum von Yes lässt noch immer auf sich warten. Wer es – wie ich – fiebernd erwartet, dem sei als Übergang „In the Wake of Evolution“ nahe gelegt. Und natürlich auch alle anderen Alben von Kaipa, einer Band, die meines Erachtens viel zu wenig Beachtung findet, wenn es um Musik dieser Art geht.

    Als Hörproben empfehle ich zunächst die üblichen Ausschnitte auf Amazon.de. Wem das nicht genügt, der kann sich auf dem MySpace-Profil der Band weitere Eindrücke verschaffen und etwa das Titelstück auch auf YouTube.com hören.

    Auch fünf Buchstaben wie „Kaipa“ hat übrigens der Name der folgenden Musikgruppe, und er beginnt folgerichtig mit einem „L“:

  10. Lapko – A New Bohemia
    „I asked for nothing more than a little time“ (I Don’t Even Kill)
     
    Schon als ich dieses Album zum ersten Mal hörte, dachte ich spontan: Ein solides Rockfundament mit viel Rhythmus, prima Musik, bis der schrecklich nölende Gesang einsetzt; ah, Placebo. Und tatsächlich ist diese Parallele, wenn man dem Internet in seiner schier unendlichen Weisheit trauen darf, nicht nur mir aufgefallen; so schreibt man etwa auf motor.de:

    Bereits auf ihren drei Vorgängern konnten Lapko mit ihrem unkonventionellen Mix aus Metal – und New Wave-Elementen überzeugen. Der wuchtige und teils epische Grundsound der Band steht im krassen Gegensatz zur fast schon femininen Stimme von Sänger Malja. Dennoch vermag sein Organ sich perfekt in den Sound einzubinden, ohne die Musik zu splitten. Vergleiche mit Mew, oder auch Placebo liegen schnell auf der Hand.

    Was also macht dieses Album so empfehlenswert, wenn doch Placebo wahrlich nicht zu meinen (wenngleich indes zu seinen) Favoriten zählt? Nun, die Mischung macht’s.

    Lieder wie etwa I Shot The Sheriff haben durchaus Ohrwurmqualität, und auch wenn die Texte ein wenig an M.O.P.A. (siehe erneut oben) erinnern, so wird man von „A New Bohemia“ dennoch nicht deprimiert, sondern, im Gegenteil, einigermaßen fröhlich gestimmt. Schon das Lied King & Queen, wenn ich mich mal so ausdrücken darf, geht ziemlich ab, daran ändern auch die ständigen, dann doch irgendwie auffälligen Britpop-„ohou“-Passagen nichts. (Und überhaupt, der Text mal wieder: „If I could be an animal, you should be a zoo“ – fantastisch.)

    Wenn schon Placebo, dann doch bitte wenigstens so!

    Hörproben gibt es unter anderem auf Amazon.de.

    Was fehlt denn bisher in der Liste? Ach ja: Gitarrenwände, instrumentaler Postrock und alles, was damit zu tun hat.

  11. nice nice – Extra Wow
     
    Das Duo Jason Buehler und Mark Shirazi, kurz nice nice, dessen Debütalbum (eben „Extra Wow“) im April d.J. erschien, gilt noch immer als Geheimtipp, und das ist eigentlich schade, denn die Musik, die es macht, ist durchaus hörenswert:

    Ich höre Shoegazing, Spacerock, Psychedelic Rock, Noise-Rock und immer wieder auch Math-Rock durchblitzen, all dies nie überladen wirkend und allzu pompös aufgeblasen, sondern fein säuberlich aufgeteilt und nebeneinander. Der Verzicht auf Gesang erspart dem Hörer jede Ablenkung.

    Anderswo vergleicht man nice nice mit Brian Eno, der unter anderem der beste Grund ist, um sich etwa mit manchen Alben der ansonsten doch recht schwülstigen Roxy Music anzufreunden, und liegt damit zwar nicht verkehrt, verallgemeinert die Musik des Duos aber unnötigerweise, denn sie bietet weitaus mehr als nur zusammenkopierte Ideen. Musik nicht nur für das Herz, sondern auch für das Tanzbein, das dann auch fleißig geschwungen werden will und sich bei Bedarf auch selbst schwingt, sofern keine Aktion des an ihm hängenden Konsumenten erfolgt.

    Und wer mittanzen, aber noch nicht draufloskaufen möchte, dem empfehle ich das mit Hörproben gespickte MySpace-Profil von nice nice. Nice, nice, wie der Franzose sagt.
    (Das Wortspiel konnte ich nicht ungemacht lassen. Es war einfach zu einladend. Verzeiht!)

    Die soeben getätigte Erwähnung eines Franzosen lässt mich geschickt überleiten zu Wörtern aus noch abstruseren Sprachen, nämlich dem Namen folgender Combo:

  12. Hamadryad – Intrusion
    „Suspicion included in every question“ (In My Country)
     
    Von Hamadryad hatte ich, ebenso wie übrigens die deutschsprachige Wikipedia, vor dem Erscheinen des Albums „Intrusion“ noch nie gehört; den unverwüstlichen Babyblauen Seiten ist es zu verdanken, dass ich, von ihnen über die Existenz dieser Band aus Kanada informiert, mich mit den Hintergründen deren Namens beschäftigt habe und euch, liebe Leser, nebenbei auch ein wenig Kultur abseits guter Musik präsentieren kann:

    Die Hamadryaden sind in der griechischen Mythologie die acht Töchter des einäugigen Waldgeistes Oxylos und der Hamadryas. Sie alle sind Dryaden, also Nymphen, und leben jeweils in einem Baum, u.a. dem Walnussbaum. Es wird davon ausgegangen, dass die Hamadryade ebenfalls stirbt, wenn ihr Hausbaum dies tut; letztendlich also davon, dass alle acht Hamadryaden schon ein paar Jahre das Zeitliche gesegnet haben dürften, was nebenbei hübsch demonstriert, dass die griechische Mythologie fast so albern ist wie die Bibel. Ihr seht: Es lohnt sich, Altgriechisch zu lernen. Man hat immer wieder etwas zu lachen.

    Zurück zur Musik: Das hier behandelte Album von Hamadryad klingt zum Glück nicht nach alten, knarzenden Bäumen, sondern im Gegenteil frisch wie ein Morgen im Frühling in einem jungen Laubwald. Mit der Schublade „Retro-Prog“ würde man Hamadryad Unrecht tun, auch, wenn in In My Country der derzeitige Yes-Ersatzsänger Benoît David Frontmann J-Phil Major tatkräftig unterstützt, denn „retro“ (lat. „zurück“, apropos Kultur) klingt „Intrusion“ nur streckenweise. Es überwiegt ein energiereicher Progressive Rock mit Anleihen aus Neo-Prog (Marillion immerhin nicht) und den metalähnlichen Klängen von etwa Tool (eindrucksvoll und mich sprachlos hinterlassend ist etwa der Fünfminüter Lost).

    Klar, hier und da schauen Genesis-Keyboards und Yes-Bass um die Ecke und winken freundlich, aber sie bleiben nicht lange, behalten ihren Mantel an und sind meist schnell wieder weg. Keyboard- und basslastig ist es dennoch, was auf „Intrusion“ mein Ohr erfreut, und somit genau so, wie es mir gefällt; nicht einmal die viel zitierten Spock’s Beard wussten mir jemals derartige Freude zu bereiten.

    Und da ich gerade den Gesang erwähnte: Er bleibt weitgehend auf kurze Passagen beschränkt, mit Ausnahme weniger Stücke wie Here and Now, und klingt trotz des Gastsängers nicht nach Yes, Genesis und den anderen üblicherweise Genannten, sondern teils nach High Wheel, die ich eigentlich auch mal wieder häufiger erwähnen sollte, teils nach den Flower Kings, meist aber wiederum ganz anders (unter anderem gewürzt mit einer Prise Jon Bon Jovi, wenn mich mein spätestens seit dem gruseligen „Eurovision Song Contest“ arg gebeuteltes Gehör nicht allzu sehr täuscht), stets angemessen, nie übertrieben theatralisch. Kurz gesagt: Der Gesang ist eins der wesentlichen Erkennungsmerkmale von Hamadryad, und das kann man heutzutage leider nicht mehr oft attestieren. Sollte also eines der Mitglieder der Band diesen Text hier jemals lesen: Ich gratuliere zu eurem Sänger. Gut gemacht!

    Ein Fazit zu „Intrusion“ ist schwerlich zu ziehen, und ich freue mich gerade darüber, dass ich diesen Text hier aus Eigeninteresse schreibe und nicht etwa für ein Magazin, das mich dafür bezahlt, sonst müsste ich mir nun womöglich eines ausdenken und säße auf der Straße bei den drei Chinesen; und ich kann doch gar nicht Kontrabass spielen, geschweige denn Chinesisch! So aber genügt es mir, zusammenfassend Thomas Kohlruß von den Babyblauen Seiten zu zitieren:

    Teils hardrockigen, teils jazzrockigen, teils symphonisch angehauchten Retroprog bieten uns Hamadryad auf „Intrusion“ an. Dabei steht „Retro“ nur dafür, dass hier klassische Motive des Progressive Rock, wie wirbelige Keyboards, flirrende Synthie-Solos, kraftvolles Gitarrenriffing, farbige, vertrackte Arrangements, bollernder Bass und vitales Drumming, verarbeitet werden. Instrumental sind Hamadryad immer noch eine Klasse für sich, wenn sie erstmal die Fesseln abstreifen und ordentlich loslegen.

    Und in wem ich jetzt das durchaus gebotene Interesse an diesem Album wecken konnte, dem ich mit Vergnügen den Stempel „bestes Progressive-Rock-Album des ganzen verdammten Jahres“ aufdrücken würde, wären da nicht die restlichen Monate noch abzukaspern, den lasse ich selbstverständlich nicht blind gegen die nächstbeste Laterne rennen, sondern verweise auf die Hörproben, die das MySpace-Profil der Band zieren.

    Aber schalten wir doch nun erst einmal einen Gang zurück:

  13. Tindersticks – Falling Down A Mountain
    „It’s the wine that makes me sad, not the love I never had“ (Factory Girls)
     
    „Die Tindersticks sind wieder da“, so oder so ähnlich klang so manche Schlagzeile angesichts der Veröffentlichung des Albums „Falling Down A Mountain“. Allzu selbstverständlich war es nicht, dass dieses Album jemals erscheinen würde, waren die Tindersticks doch bereits mit dem Vorgängeralbum „The Hungry Saw“ vom Sextett zum Trio geschrumpft.

    Und „wieder da“ ist so auch nicht zutreffend. Ähnlich wie Sigur Rós sich in den letzten Jahren zu einer beinahe fröhlichen Popband entwickelten, so unterzogen sich auch die Tindersticks einer Metamorphose. Geblieben ist der immer etwas wehleidig klingende, zerbrechliche Gesang von Stuart A. Staples, der mitunter dem eigentlich als unvergleichbar geltenden Leonard Cohen nicht unähnlich ist, die Lieder selbst jedoch haben sich gewandelt.

    Vorbei ist es mit dem düsteren Dark Wave, der noch auf „The Hungry Saw“ vorherrschte und an manchen Tagen auch einem fröhlichen Menschen mal so richtig die Stimmung versauen konnte, zwar noch nicht, unter anderem das Lied Factory Girls wahrt die Tradition, aber bereits das eröffnende Titelstück zeigt, was den Hörer erwartet. Los geht’s mit Bläsern und einem Jazz-Rhythmus von Schlagzeug und Bass, bis mehrstimmiger Gesang – kennt man von den Tindersticks bislang auch nicht unbedingt – einsetzt. Über insgesamt sechs Minuten entwickelt sich eine surreale Stimmung, bis die Psychedelik plötzlich endet und das Lied langsam abschwellt, nur noch von Gesang, Gitarre und Schlagzeug getragen. Andere Stücke wie etwa Harmony Around My Table und No Place So Alone zollen dem Shuffle-Blues und der Soulmusik Tribut, in ersterem Fall gar stilecht mit fröhlichen Hintergrundchören und „lalala“-Gesang, gleichsam das Gobbledigook der Tindersticks. Was immer man von dieser Band erwartet hatte: Man wird überrascht sein.

    Natürlich geht es bei den Tindersticks nicht ohne sexuelle Anspielungen, siehe etwa Rented Rooms vom Album „Curtains“:

    We tried a drinking bar, it gets so very hard,
    and when the cab ride gets too long, we go fuck in the bathroom.

    So gesehen ist es sicher kein Zufall, dass das Lied She rode me down („Sie ritt mich nieder“) mit den wiederholten Worten „She rode me“ endet, zwinker, zwinker; Details wie dieses machen die Faszination der Texte der Tindersticks indes erst aus, wie ich meine. Fast möchte ich (wieder einmal) schreiben: Hihi.

    Genug der schnöden Worte! Als Hörproben gibt es auf Amazon.de die üblichen blöden 30-Sekunden-Häppchen, auf YouTube.com ist indes derzeit das vollständige Album anzuhören, so lange die Plattenfirma nichts dagegen unternimmt, also hoffentlich noch lange. (Nota bene: Ich kann der gesellschaftlich akzeptierten Schwarzkopie via YouTube nicht viel abgewinnen, so lange die Nutzung von Tauschbörsen beinahe mit mindestens Kinderschändung auf eine Stufe gestellt wird; aber darum soll’s hier ausnahmsweise einmal nicht gehen.)

    Und nachdem wir uns nun diese kleine Verschnaufpause gegönnt haben, können wir wieder ein wenig gitarrenlastigen Rock vertragen, und er kommt wie bestellt:

  14. The Black Box Revelation – Silver Threats
    „Madness freaking out“ (Where Has All This Mess Begun)
     
    Woran denkt man zuerst, wenn man „Garagenrock“ liest? An MC5, vielleicht auch The Strokes?
    Nun, The Black Box Revelation ist ein belgisches Duo, das genau diese Musik macht, und der einzige Einfluss, der mir spontan auffiel, war der Mando-Diao-ähnliche Gesang, was weniger einen Widerspruch darstellt, als dies zunächst erscheinen mag. Als die Rolling Stones mit derlei Klängen experimentierten, nannte man sie noch Bluesrock. Aber ist das noch zeitgemäß?

    Während der Aufnahmen für ihr zweites Album arbeiteten die beiden Männer, beide erst um die 20 Jahre alt, mit Ray Davies von den längst legendären Kinks zusammen, und auch, wenn dieser nicht selbst auf dem Album zu hören ist, so ist dies doch offensichtlich mehr als nur eine Zweckgemeinschaft gewesen; Anonymus „Klaus“ schreibt zum Beispiel auf Persona-Non-Grata.de:

    (…) ordentlich abgehangene Bluesriffs, genuschelter Gesang mit fast schon arrogant größenwahnsinnigem Unterton, eher Black Keys als White Stripes, mehr Kinks als Zeppelin, obwohl die Ausflüge ins psychedelische gegen Ende dann doch an Ausmaßen erheblich zunehmen und in dem fast schon youngesken Feedbackgewitter „Here Comes The Kick“ mit neun Minuten Länge gipfeln.

    Der Vergleich mit Neil Young zu dessen besten Zeiten ist so weit nicht einmal hergeholt, tatsächlich geht Here Comes The Kick ordentlich zur Sache, aber zum Glück mit Gesang, der dann doch eher an Jack White erinnert. (Und dann auch immer wieder: The Velvet Underground. Lo-Fi, dröhnende Gitarren, ein Schlagzeug, das quasi als verstärktes Metronom funktioniert, und dieser merkwürdige Rhythmus, der ohne bewusstes Zutun den Kopf des Hörers bewegt; das hat bei mir zuletzt bei Nihiling funktioniert, die allerdings wiederum ganz andere Musik machen.)

    Ich sage: Zum Teufel mit den ewigen Etiketten, entscheidend ist, dass es gefällt, und das tut es in der Tat.
    Hörproben gibt es, außer natürlich auf Amazon.de, auch auf dem MySpace-Profil der Band; zwar nicht Here Comes The Kick, aber einige andere Lieder. Und so bleibt immerhin auch noch etwas, was zum Kauf des Albums einlädt. Wer also noch nach einem Kaufgrund gesucht hat: Da ist er. Bittesehr!

    Bleiben wir, Etikettierung hin oder her, nun einmal im Rockgenre und seinen zahlreichen Subgenres und starren begierig auf folgendes Album:

  15. Liars – Sisterworld
    „Stand in the street with a gun, and then kill ‚em all!“ (Scarecrows on a Killer Slant)
     
    Apropos The Velvet Underground: In den 60-er Jahren war diese Band ja dafür bekannt, als Antagonisten der Hippiekultur die dunklen Seiten New Yorks anzuprangern, eben Drogen, Gewalt und sexuelle Umtriebe. Seit dieser Zeit hat sich offenbar erwartungsgemäß nur wenig getan in den VSvA, und so kann über 40 Jahre später die aus Los Angeles stammende Musikgruppe Liars eine „Sisterworld“, eine „Schwesterwelt“ also, inmitten ihrer Heimatstadt dokumentieren, die auch weiterhin ein Biotop für Aussteiger aus der Gesellschaft darstellt.

    Der Pressetext liest sich auszugsweise folgendermaßen:

    „Sisterworld“ ist ein ganz eigenes Liars-Album, ohne hörbare Einflüsse und sehr weit weg von den oft falschen Versprechungen und zerbrochenen Träumen von Los Angeles. Auf „Sisterworld“ untersucht Liars die Undergroundkultur zu erkunden, die sich in der Stadt gebildet hat um dem Verlust der eigenen Identität in der oberflächlichen Gesellschaft von Los Angeles entgegenzuwirken. Die Band erklärt dazu, „Uns interessieren die alternativen Lebensräume die sich die Leute in Los Angeles aufgebaut haben um ihre eigene Identität in dieser Stadt zu wahren. Lebensräume, in denen Outcasts und Einzelgänger eine verdrehte Beziehung zum Rest der Gesellschaft führen.“

    Musikalisch auch hier: Kraftvoller Garagenrock, pumpender Bass, treibendes Schlagzeug. Mitunter fällt Nick Cave ein. Man brauche, so Frontmann Angus Andrew im Interview mit Chartattack.com, eine gesunde Portion Realismus‘, um das Leben in dieser Stadt zu ertragen, und das spiegelt sich auch in den Texten wieder.

    Als Hörproben gibt es auf dem MySpace-Profil des Trios derzeit unter anderem das Lied Too Much, Too Much sowie diverse Remixe anderer Lieder zu hören.

    Zum Abschluss des ersten Teils noch mal ein etwas heitereres Album, das erst seit kurzem mein Inventar bereichert:

  16. Argos – Circles
    „Nothing here is quite like anything you know“ (Willow Wind)
     
    Das ging schnell: War im Dezember noch das selbstbetitelte Debütalbum der Mainzer Formation Argos Objekt meiner Begierde, so war zu diesem Zeitpunkt das Nachfolgealbum „Circles“ bereits in der Entstehung begriffen, und es fand eine positive Entwicklung statt.

    Gitarrist Rico Florczak, auf „Argos“ noch Gastmusiker, ist nunmehr ein festes Bandmitglied und drückt „Circles“ seinen Stempel auf. War ersteres noch von Caravan und The Tangent beeinflusst, so ist der Canterbury Sound auf „Circles“ einem symphonischen Progressive/Art Rock gewichen, wie ihn etwa die Flower Kings praktizieren. Und auch der Gesang, auf dem Debüt noch Anlass für vielerlei Kritik, ist druckvoller und empathischer geworden, mitunter Peter Hammill nicht unähnlich.

    Ansonsten: Jazzrock, Yes (kommt außer mir noch jemandem der Titel Total Mess Retail bekannt vor?), mitunter auf Deutsch eingesprochene Erich-Kästner-Zitate als wiederkehrendes Motiv (drum „Circles“).

    Musikreviews.de zieht zudem Eloy, Jadis und IQ als Vergleich heran, vergisst aber immerhin nicht, zu erwähnen, dass das, was Argos auf Tonträger bannen, mit nur selten gehörter Eigenständigkeit daherkommt.

    Mit ihrem zweiten Album hat Argos sich freigespielt. Geblieben sind der Humor in Texten und Liedtiteln sowie die Verehrung vor den Helden der 70-er Jahre, Geschichte aber ist die Unsicherheit, wohin die Reise gehen soll. Das bereits angekündigte dritte Album wird zeigen, ob sie ihrem eigenen Anspruch genügen können; nach mehrmaligem Genuss des bisherigen Œuvres jedenfalls bin ich zuversichtlich.

    Hörproben: Auszüge aus beiden bisher veröffentlichten Alben hat die Band auf ihrem MySpace-Profil (für Liebhaber von Details: auch ein recht amüsanter MySpace-Profilname übrigens) veröffentlicht. Feines Album!

Nachdem ich nun euren Geldbeutel geschändet habe, gönne ich ihm ein wenig Erholung und stelle drei digital erhältliche Gratistonträger vor:

Teil 2: Gratis ist zu teuer!

  1. Futile – 7 Nightmares
     
    Ganz und gar nicht Futile, also zwecklos, ist dieses kurze Album. 7 Lieder (oder doch Albträume?) lang Alternative-Progressive-Rock-Metal-Musik mit Tool-Remineszenzen aus der Südpfalz.
    Ich hatte das Album hier schon kurz rezensiert bzw. eben rezensieren lassen und verweise daher nur auf dort.

    Bezugsquellen: Herunterladen kann man das schöne Stück Musik via eMule und auf der eigens dafür eingerichteten Internetseite. Wer das MP3-Format nicht sonderlich schätzt oder auch einfach nur gern gute Musik finanziell subventioniert, der kann für zehn Euro eine CD-Version erwerben.

  2. Her Name Is Calla – Long Grass (EP)
     
    Her Name Is Calla, 2009 mit dem prima Album „Heritage“ bereits Anlass für zahlreiche melancholische Stunden, legte Anfang 2010 mit dem „Long Grass“-EP drei kurze Stücke in der gewohnten Stimmung nach.

    Peter schrieb im März hierzu:

    Fröhlich ist einfach, Melancholie um vieles schwieriger. Zu beschreiben, zu besingen, zu vertonen. Einfach ist doof, verkomplizierte Seelenzustände, tragische Gegebenheiten, Glück und Trauer machen das Leben nicht leichter, aber bestimmen unserer tägliches Sein. (…) Die elegischen Soundlandschaften, die sich über uns ausbreiten, machen sturzbesoffen vor Glück.

    Bezugsquellen: Schade, dass es die CD in der Holzkiste nicht mehr zu kaufen gibt. Auf Vinyl und als einfache CD ist „Long Grass“ aber, ebenso wie „Heritage“, noch immer erhältlich. Beide Tonträger kann man auch auf der Internetseite von Her Name Is Calla vollständig anhören, wo es auch eine .zip-Version zum Herunterladen gibt. eMule-Freunde werden hier fündig.

  3. All You’ve Seen – Mahali
     
    Kurzmeldung zum Dritten: All You’ve Seen ist ein Postrock-Trio bzw. inzwischen wahrscheinlich -Quartett aus der Schweiz, das weltweit einen positiven Eindruck hinterließ.

    Was auf dem Album erklingt: Wunderbar unaufdringlicher instrumentaler Postrock, der meist behäbig dahinplätschert, aber auch mal so richtig losbrettern kann. THE GLASS FOREST publizierte:

    Was bei AYS definitiv neu ist, sind die meditativen Passagen in den Songs, hier haben wir zum Beispiel bei Lhasa einen mono-ähnlichen Aufbau, der einen gleichzeitig in Sicherheit zu wiegen scheint und trotzdem die Spannung bis zum Äussersten aufbläst. Bis die Spannungsblase platzt und der Ausbruch den Hörer erneut paralysiert.

    Sehr überzeugend und empfehlenswert, trotz Schweiz.

    Bezugsquellen: Reinhören kann man auf dem MySpace-Profil der Band, frei herunterzuladen ist „Mahali“ zum Beispiel ebenfalls dort (der Verweis befindet sich in der linken Spalte) und natürlich auch via eMule.

So viel dann zu dem, was man hören sollte. Kommen wir zu dem, was man lieber nur hören sollte, wenn gerade unliebsame Personen anwesend sind, wie üblich in der gebotenen Kurzform, weil jedes weitere Wort eines zu viel wäre:

Teil 3: Musik für den Erzfeind.

Diesmal haben es nur zwei Alben geschafft, mich ausreichend zu langweilen, um hier auf der Liste zu erscheinen. Ich hoffe, es ist nur das Sommerloch, das die Schuld daran trägt. Liebe Musikindustrie: Bis Jahresende brauche ich mehr Schrott. Das schafft ihr doch, oder?

  1. Gorillaz – Plastic Beach
    Trotz Lou Reed: Gähn.
  2. Die Fantastischen Vier – Für dich immer noch Fanta Sie
    So ungern ich das auch über ein Album der Fantastischen Vier schreibe: Nein, Sir, gefällt mir nicht.

Es ist eigentlich erstaunlich: Jedes Jahr, das auf 5 oder 0 endet, bietet ein ebensolches „rundes“ oder „halbrundes“ Jubiläum in der Rock- und Popgeschichte seit etwa Mitte der 60-er Jahre. Das ist schön, denn so kann ich auch in diesem Jahr wieder die Tradition der Retrospektive pflegen. Werte Leser, ich präsentiere abschließend zum wiederholten Mal 40 Jahre Rockgeschichte im Schnelldurchlauf.

Teil 4: Retrospektive 1970 bis 2010.

  • Vor 40 Jahren:
    Drosselbart – Drosselbart
    1970 war ein schwieriges Jahr für die Rockmusik. Paul McCartney löste die Beatles auf und kam damit John Lennon zuvor, The Velvet Underground verloren Lou Reed und bäumten sich mit dem immerhin als Rockalbum immer noch soliden „Loaded“ ein letztes Mal auf, bevor Doug Yule noch für drei weitere Jahre unter diesem Bandnamen tourte und mittelmäßigen Poprock darbot, und in Deutschland begann derweil die Welle an deutschsprachigem „Krautrock“ zu erblühen, lange, bevor die „Neue Deutsche Welle“, die sich ausgerechnet aus ihr entwickelte, zwei Jahrzehnte Rockmusik einfach über den Haufen fegte und in Plastik zu konservieren vorgab. Drosselbart war einer der Protagonisten des Proto-Krautrocks, die Mitglieder fand man später unter anderem in Udo Lindenbergs Panikorchester wieder, Sängerin Jemima wechselte an die Oper. Was bleibt, ist ein Album mit arg christlichen Texten, das rein musikalisch doch ähnlich dem war, was später die aufkommenden Politrockbands prägen sollte und etwa auch bei Novalis zu finden war, nämlich folkrock-inspirierte Gitarrenmelodien und ein aggressiv deklamierender Gesangsstil, vom Sopran der Sängerin einmal abgesehen. Drosselbart räumten hernach die Bühne, es bleibt ihnen jedoch der Ruhm, zu den Pionieren des noch jungen Deutschrocks zu gehören.
  • Vor 35 Jahren:
    Led Zeppelin – Physical Graffiti
    Bereits mitten in den 70-er Jahren befand sich die Musikwelt schon wieder im Umbruch. (Da war was los in dem Jahrzehnt.) Der Progressive Rock hatte mit Yes und Genesis seine Idole längst gefunden, von Punk und Discomania war, außer in wenigen, weithin unbekannten Alben wie etwa „Take It Or Leave It“ von Zzebra, noch nichts zu spüren. Kaipa veröffentlichten ihr Debütalbum, die Progressive-Rock-Welt schien heil und unzerbrechlich. Was in anderen Rückschauen hingegen meist übersehen wird, ist, dass sich neben der psychedelisch-verschwurbelten Musik, die damals Europa und Nordamerika weitgehend beherrschte, längst ein anderer Musikstil Gehör verschaffte, namentlich der Hard Rock, in dessen Namen Led Zeppelin 1975 ihr sechstes Album „Physical Graffiti“ – erstmals ein Doppelalbum – veröffentlichten. Wenngleich es meist erst nach Alben wie etwa „Four Symbols“ („Led Zeppelin IV“) mit dem furchtbar nervigen Stairway To Heaven genannt wird, so war und ist es doch ein wichtiges Album, das unter anderem das bekannte Stück Kashmir enthält, an dessen markantem Riff sich später Puff Daddy für das auch gar nicht mal allzu üble Come With Me bediente. Dennoch bleibt „Physical Graffiti“ bis heute sträflich unterschätzt.
  • Vor 25 Jahren:
    Die Ärzte – Im Schatten der Ärzte
    Im Jahr 1985, über das es außer meiner Geburt nicht viel Positives zu berichten gibt, war das bislang furchtbarste Jahrzehnt der jüngeren Musikgeschichte noch längst nicht vorüber. Nur wenige seiner Protagonisten überlebten es, darunter etwa a-ha, auf deren Album „Hunting High And Low“ in diesem Jahr unter anderem das oft gecoverte Take On Me veröffentlicht wurde, aber auch die deutsche Funpunk-Combo Die Ärzte, die mit ihrem zweiten regulären Album „Im Schatten der Ärzte“ längst zu einer Konstanten in der deutschen Musiklandschaft geworden waren, bekannt auch für ihren ebenfalls 1985 veröffentlichten, furchtbaren Film „Richy Guitar“, in dem auch Nena eine Rolle als Nena bekam, den man dennoch aber nicht unbedingt ansehen sollte. Wenig später wurde Bassist Sahnie wegen persönlicher Differenzen aus der Band geworfen, eine Zeitlang machten Die Ärzte dann als Duo weiter und veröffentlichten unter anderem das Album „Die Ärzte“ mit dem indizierten Klassiker Geschwisterliebe. „Im Schatten der Ärzte“ jedenfalls ist auch in anderer Hinsicht ein besonderes Album: Erstmals (in Käfer) spielte der noch junge Farin Urlaub seine Gitarre verzerrt ein; eine Technik, die er bis heute gern einsetzt. Der Rest ist Geschichte.
  • Vor 10 Jahren:
    Morphine – The Night
    Der „Y2K-Fehler“, vor dem Unheilspropheten weltweit gewarnt hatten, blieb wohl weitgehend aus; hier und da scheint er jedoch das Hirn einiger selbst ernannter „Musikproduzenten“ zu befallen haben, die seit etwa dem Jahr 2000 vermehrt auf die Ausschlachtung alten Musikgutes (auch als „Coverversionen“ bekannt) setzen. Nur selten drang auch Kunde von neuer, guter Musik durch die meterhohen Türme an Meldungen über irgendwelche kurzlebigen Popsternchen, etwa von dem Album „Lightbulb Sun“ von Porcupine Tree, das den Auftakt zu einer Reihe an wahrlich formidablen Tonträgern bilden sollte. Abgetreten indes ist die Jazzrock-/Low-Rock-Band Morphine, die 1997 das fesselnde Album „Like Swimming“ mit einmaligen Liedern wie Early To Bed und French Fries w/ Pepper veröffentlicht hatte und deren Sänger Mark Sandman im Juli des Vorjahres während eines Konzertes einem Herzinfarkt erlegen war; das Album „The Night“ erschien posthum. Die Fangemeinde blieb Morphine dennoch treu und hartnäckig, letztlich mit Erfolg: Seit 2009 treten zwei der ursprünglichen Mitglieder unter dem Namen Members of Morphine wieder gemeinsam auf. Was lange währt, wird endlich gut; diesen Satz hätte ich in diesem Jahrzehnt viel häufiger verwenden wollen. Ein halbes Jahr hat es noch, das Jahrzehnt. Möge es sich Mühe geben!

Und schon sind wir wieder am Ende der Liste angelangt. Jetzt habt ihr wieder ein halbes Jahr Ruhe.
Bis zum Dezember bleibt euch viel Zeit, wieder ein wenig Geld zu sparen, denn dann steht voraussichtlich die Rückschau 12/2010 auf dem Programm. Einige Alben, die voraussichtlich ein Teil von ihr sein werden, die es aber leider aus Zeitgründen noch nicht in diese Liste geschafft haben, habe ich bereits vorliegen; ihr dürft euch also wieder auf eine prall gefüllte Wundertüte freuen, die für jeden etwas bereithält.

Habe ich ein wichtiges Album vergessen? Weist mich und andere Leser in den Kommentaren darauf hin; mehr Benutzerinteraktion ist ja immer wünschenswert.
An dieser Stelle auch ein herzlicher Dank an V., ohne die dieser Beitrag erst im Laufe der kommenden Tage erschienen wäre; das hast du jetzt davon!

Ich danke ansonsten allen, die es bis hierhin geschafft haben, für die Geduld und Aufmerksamkeit, und hoffe, euch alle bald wieder hier auf dieser Internetpräsenz begrüßen zu dürfen.
Bis die Tage!

Seriennavigation« Musik 12/2009 – Favoriten und AnalyseMusik 12/2010 – Favoriten und Analyse »

Senfecke:

  1. Uff, schon lange nicht mehr soviel gescrollt. Könntest Du solche Berichte nicht auf’s Wochenende legen? Jedenfalls habe ich mir die Seite im G- :evil: -Kalender auf den Samstag notiert Man ist schließlich kein Student mehr.

  2. Wie lange haste den an dem Artikel gesessen? Man scrollt sich ja die Finger wund. Trotzdem sehr lesenswert . Ätsch übrigends, ich habe die CD in der Holzkiste ;-)

  3. Didi: Läuft ja nicht weg.
    Peter: Frechheit! :twisted: Ansonsten: Die Textdatei befüllte ich seit einigen Wochen. Die Ausarbeitung dauerte etwa drei Tage.

  4. Na ja, bei den kostenlos zu erhaltenen Stücken weiß man das nie. Ich ziehe sie mir gerade rein vorsorglich runter.

  5. Kostenlos erhältlich ist grundsätzlich alles. :D
    Die, die ich hier verlinkte, stehen ja auch nicht erst seit kurzem im Internet. Aber du hast Recht, Vorsicht ist prima.

    Angenehmes Hören schon mal!

Comments are closed.

:) 
:D 
:( 
:o 
8O 
:? 
8) 
:lol: 
:x 
:aufsmaul: 
:P 
:ups: 
:cry: 
:evil: 
:twisted: 
mehr...
 

Erlaubte Tags:
<strong> <em> <pre> <code> <a href="" title=""> <img src="" title="" alt=""> <blockquote> <q> <b> <i> <del> <span style=""> <strike>

Datenschutzhinweis: Ihre IP-Adresse wird nicht gespeichert. Details finden Sie hier.