Was mir übrigens gerade durch die Kopfhörer donnert, ist das 2010 erschienene Album “Amen” des Trios “My Own Private Alaska”, das sich selbst als “M.O.P.A.” abkürzt. Obwohl von melodischem Gesang, üblicherweise eines meiner wichtigsten Kriterien bei der Bewertung von Musik, keine Rede sein kann, der Frontmann vielmehr eine zunächst recht wild erscheinende Melange aus heiserem Geschrei und sanften Emotionen, die mal an bspw. Limp Bizkit, mal an Ville Valo erinnert, ertönen lässt, hat diese Gruppierung sich doch bereits einen Platz auf der noch fertigzustellenden ersten Halbjahresrückschau 2010 gesichert.
Musik wie die, die My Own Private Alaska produzieren, hat man so irgendwo, so glaubt man, schon einmal gehört; irgendwo zwischen Filmmusik, Folk-Metal und Klassik schwelt die Atmosphäre entlang. Die Besetzung hingegen hat’s in sich: Auf Bass und Gitarre wird verzichtet, zum Einsatz kommen allein Schlagzeug und Klavier. Die Eigenwerbung stellt mutige Vergleiche an:
Bass und Gitarre wurden beiseitegelassen um einen ganzen neuen, musikalischen Stil zu kreieren: Eine unheilvolle Verbindung zwischen Chopin, Nirvana, Danny Elfman und Envy, irgendwo in Alaska!
Nun kenne ich, mea culpa, weder Danny Elfman noch Envy ausreichend gut, um dies zu beurteilen. Fest steht jedoch, dass die ungewöhnliche Besetzung, die beim Lesen vermutlich allzu aufregend nun nicht klingt, indes mehr action zu erzeugen weiß als manche dieser leider noch immer im Trend liegenden teen-pop-Murksgruppierungen.
Herrliche Musik mit künstlerischem Anspruch, ohne dabei allzu masseninkompatibel zu sein. Menschen mit New-Wave-Tick ist’s, zugegeben, mitunter ein wenig zu hektisch, nehme ich an. Für alle anderen, insbesondere für die, die auch gegen expressiven Gesang und reduzierte Instrumentierung keinesfalls grundsätzlich etwas einzuwenden haben, spreche ich hiermit eine klare Reinhörempfehlung aus. Wenn’s gefällt: Unbedingt kaufen!


New-Wave Tick? Was soll den das nun schon wieder heißen?
Ich lese in letzter Zeit erstaunlich viele Rezensionen deinerseits, die The Cure o.vglb. referenzieren. Ich nenn das “New-Wave-Tick”; vielleicht auch, weil ich mit dem ‑zig’ten Album der immergleichen Bauart nur wenig anfangen kann. :oops: