Musikkritik
Van der Graaf Generator — A Grounding in Numbers

Jüngst lauschte ich dem neuen Werk “A Ground­ing in Num­bers” der britis­chen Pro­gres­sive-Rock-Leg­ende Van der Graaf Gen­er­a­tor und sah Poten­zial für einen kurzen Ver­riss mein­er­seits. Er fol­gt:

Die Geschichte Van der Graaf Gen­er­a­tors ist bewegt, bedenkt man, dass die Band sich seit ihrem Beste­hen mehrfach aufgelöst und umbe­set­zt hat und zwis­chen zwei Stu­dioal­ben (“The Qui­et Zone/The Plea­sure Dome”, 1977, und “Present”, 2005) auch schon mal 28 Jahre vergin­gen. Anders als etwa King Crim­son, deren Geschichte ähn­lich ver­lief, hat­ten “VdGG” aber auch mit verän­dert­er Instru­men­tierung nie ihren Stil als Marken­ze­ichen, das leicht düster-the­atralis­che Dra­ma in Musik­form, aufgegeben, was wohl auch der Stimme Peter Ham­mills zu ver­danken ist, dem nicht umson­st unheil­volle Beina­men wie “King of Fear”, “König der Angst” also, angedichtet wer­den.

Nun also ist “A Ground­ing in Num­bers” das neue Album der zum Trio geschrumpften Band (Sax­o­phon­ist David Jack­son hat­te bere­its nach “Present” zum wieder­holten Mal aus unbekan­ntem Grund seinen Hut genom­men), und es ist ein Konzep­tal­bum zum The­ma Math­e­matik gewor­den.

Die Texte Van der Graaf Gen­er­a­tors waren ja schon immer etwas boden­ständi­ger als die von Gen­rekol­le­gen wie Yes, sieht man von deren Popaus­fällen ein­mal ab, insofern ist das eigentlich noch keine Erwäh­nung wert. Was aber “A Ground­ing in Num­bers” anzuhören ist, ist ein beina­he schon radikaler Schnitt in allem, was die Musik der Band einst ausze­ich­nete.

Rück­blende: Nach dem dro­gen­schwan­geren Psy­che­del­ic-Rock-Debüt “The Aerosol Grey Machine” von 1969 wandten sich “VdGG” in neuer Beset­zung dem Pro­gres­sive Rock zu und veröf­fentlicht­en eine Rei­he von leg­endären Alben wie “H to He who Am the Only One” von 1970, deren markan­testes Merk­mal die Instru­men­tierung (Orgel/Basspedal, Schlagzeug, Sax­ophon, sel­ten Gitarre) ist. Sax­o­phon­ist David Jack­son wurde später von einem Vio­lin­is­ten vertreten, wodurch die mitunter Angst ein­flößende Stimme von Peter Ham­mill noch apoka­lyp­tis­ch­er (ist das ein Wort?) wirk­te.

Und jet­zt also: “A Ground­ing in Num­bers”, nach “Tri­sec­tor” das zweite Album in Tri­obe­set­zung, aber was auf “Tri­sec­tor” noch wirk­te, näm­lich statt des Sax­ophons Gitarre und Orgel als Klang bes­tim­mende Instru­mente zu ver­wen­den, schlägt auf “A Ground­ing in Num­bers” fehl. In ein­er anderen Rezen­sion las ich, “A Ground­ing in Num­bers” sei in der “VdGG”-Diskografie so etwas wie “Road Salt One” in der von Pain of Sal­va­tion: Statt in epis­ch­er Bre­ite Geschicht­en zu erzählen, konzen­tri­ert sich die Band auf kurze Lieder und geht dabei so spär­lich wie möglich vor. In gewiss­er Weise hat “A Ground­ing in Num­bers” die Merk­male von Peter-Ham­mill-Soloal­ben, die auch stets eher zer­brech­lich als bedrohlich wirken.

Über­haupt ist mir nach Ablauf der fast 49 Minuten — und immer­hin 13 kurzen Stücke — nicht so ganz klar, was ich nun von dem Album hal­ten soll. Wäre da nicht das über­ra­gende, lei­der nicht repräsen­ta­tive “Mr. Sands”, ich hätte wohl besten­falls die Achseln gezuckt. Instru­men­tale Ambi­entstücke statt extro­vertiert­er Dra­matik; habe ich verse­hentlich das falsche Album im Spiel­er? Ich schaue noch ein­mal nach: Nein, es stimmt.

Ja, “A Groud­ing in Num­bers” ist Kun­st, ein Musikalbum, das sich mit der Math­e­matik befasst; sozusagen schon Metakun­st. Ich bin kein Kun­stken­ner und ich geste­he jed­er Kun­st zu, dass sie Meis­ter­w­erke her­vor­brin­gen kann. Kunst­werke, die ich nicht ver­ste­he, lobe ich allerd­ings auch nicht ehrfürchtig, son­dern ich lasse sie links oder rechts liegen und warte, bis irgendw­er sie wegräumt. Und genau so geht es mir mit diesem Album: Ich lasse es nun liegen und warte, bis es ver­staubt.

Vielle­icht werde ich es später noch ein­mal her­vorkra­men und den “Aha!”-Moment erleben, so ähn­lich ging es mir vor einiger Zeit ja auch mit King Crim­sons “Lizard”. Man schimpfe mich einen Banau­sen, aber hier und jet­zt ringt es mir nur ein Gäh­nen ab.

Senfecke:

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