Nerdkrams
Cine24.tv: Betrug hat Tradition

Wer ernst­haft dach­te, das Ende von Kino.to wür­de auch dem gewerbs­mä­ßi­gen Betrug im Internet einen emp­find­li­chen Dämpfer ver­pas­sen, der hat sich geirrt. Die desi­gnier­ten „Nachfolger“ der erwähn­ten Seite sind kei­nes­falls besser.

Als sol­che wer­den zum Beispiel Movie2k.to und Cine24.tv genannt. Zweitere Seite, die sich anschei­nend also gro­ßer Beliebtheit erfreut, schaue ich mir dann mal mit einem unge­si­cher­ten Browser an, um das gan­ze Ausmaß der Katastrophe auch so rich­tig genie­ßen zu kön­nen. Also mit Chromium ohne irgend­wel­che Blockierhilfen.

Das stellt sich aber als schwie­rig her­aus, denn ohne zumin­dest einen akti­vier­ten Werbeblocker dau­ert es eine Weile, bis man zwi­schen all den blin­ken­den Sponsorengrafiken das eigent­li­che Filmangebot ent­decken konn­te. Auf mei­nem Bildschirm jeden­falls muss­te ich dafür scrol­len, obwohl der Browser im Vollbildmodus betrie­ben wird. (Allerdings muss­te ich nicht erst eine die­ser total wich­ti­gen Eingangsseiten wegklicken; das ist schon mal ein guter Anfang!)

Von der Herumsucherei bereits dezent genervt klicke ich also auf einen belie­bi­gen Film und bin gespannt, was pas­siert. Oh, ein Layerpopup mit meh­re­ren Frauen, die offen­bar kein Geld haben, sich etwas zum Anziehen zu kau­fen, aber kla­re Wünsche äußern: „Regensburg, Ostenviertel, 30 Jahre möch­te Candy“, also Süßkram. Hat ihre Klamotten wohl für Gummibären ver­tickt, die Gute. Kopf schüt­telnd klicke ich auf das „X“, eigent­lich woll­te ich ja etwas ganz ande­res. Dass neben­bei ein zwei­tes Fenster geöff­net wird, das mich dar­über infor­miert, dass der­zeit wohl ziem­lich vie­le Frauen ziem­lich viel Geld in Webcams inve­stie­ren, igno­rie­re ich gekonnt.

Ich wen­de tap­fer mei­nen Blick von den all­ge­gen­wär­ti­gen Blinkebannern ab („Echte Fickdates jetzt live vor der Webcam“, wie das wohl funk­tio­niert?) und scrol­le wie­der ein­mal abwärts. Ein etwa zwei­mi­nü­ti­ger Trailer ist zu sehen, für den kom­plet­ten Film müss­te ich aber woan­ders hinklicken. Nur: Wohin?

Die Verweise zum „HD-Stream“ füh­ren mich zu einem eigen­ar­ti­gen Usenet-Resteverwerter. Schön, dass es das Usenet noch gibt, scha­de, dass es nie­mand mehr ver­steht. Dann muss ich mich wohl mit „LD“ zufrie­den­ge­ben, den­ke ich, und klicke auf einen der drei „Film ab!“-Verweise. (Wer ein guter Streamanbieter ist, der weiß, dass ein Hoster allein nicht reicht. „Videoweed“ - kann­te ich noch nicht, klingt aber sym­pa­thisch.) „Bock auf die Nachbarin?“ fragt mich der­weil ein blin­ken­der Werbebanner. Ich bin erschüttert.

Das Fenster, in dem ein unbe­darf­ter Anwender nun eigent­lich den Film erwar­ten soll­te, sieht übri­gens so aus:

Als beson­de­re Würze ver­schwin­den die bei­den „Play Now“- und „Download“-„Schaltflächen“ oben übri­gens gleich, nach­dem ich die­ses Bild anfer­tig­te, und wer­den ersetzt von einem „Labyrinth“, das man mit einem „Bleistift“ von Start bis Ziel nach­zeich­nen soll. Dabei ist es übri­gens egal, ob man über­haupt trifft: Sobald der „Bleistift“ das „Ziel“ erreicht, geht ein neu­er Tab auf, der Jambas neue­stes Klingeltonabonnement feil­bie­tet. Kaum hat­te ich mich dar­über aus­rei­chend gewun­dert, waren die bei­den „Schaltflächen“ auch schon wie­der da. Wer aber erwar­tet hät­te, dass ein Klick auf „Download“ den Film her­un­ter­lädt, der ist schief gewickelt: Tatsächlich wird etwas „her­un­ter­ge­la­den“, was als „gra­tis“ ange­prie­sen wird. Es han­delt sich um ein Programm des Namens „iLividSetupV1.exe“, und nach kur­zer Recherche fin­det unser­eins her­aus, dass die­ses Programm irgend­was mit die­sen wer­be­fi­nan­zier­ten Quatschbildchen für irgend­wel­che Chats zu tun hat, aber sicher kei­nen Filmgenuss beschert. (Aber ob das auch der „typi­schen Klientel“ von Cine24 bekannt ist?) „Play Now“ tut übri­gens dasselbe.

Der YouTube-ähn­li­che „Abspielen“-Knopf, der auf der Seite zu sehen ist, hat über­haupt kei­nen Effekt. Also her­aus aus die­ser Sackgasse. Versuchen wir es mal mit „rapid­load“ („100% sag­ten gut“, das muss ja was bedeuten!):

Selbstverständlich genügt mir als unbe­darf­tem Streamguckwilligem der „kosten­lo­se“ Stream. Den Spaß, mir vor­aus­sa­gen zu las­sen, wann ich denn zu hei­ra­ten beab­sich­ti­ge, gön­ne ich mir even­tu­ell spä­ter, jetzt will ich end­lich die­sen blö­den Film gucken. Ich tip­pe stumpf vier Ziffern ab, klicke auf „Stream anse­hen“ und … muss erst mal den Banner wegklicken („CLOSE AD“, der Mauszeiger ver­wan­delt sich hier­für nicht in eine Hand). Aber der Stream läuft. Danach. Unfassbar.

Um hier­her zu gelan­gen, hat der typi­sche Anwender sich also unzäh­li­ge Tracking-Cookies ein­ge­fan­gen, Programme aus dubio­ser Quelle her­un­ter­ge­la­den, deren Zweck nicht erläu­tert wird, und den Betreibern des Portals flei­ßig dabei gehol­fen, ihr ille­ga­les Angebot, für das sie selbst ver­mut­lich nicht ein­mal all­zu viel bezahlt haben, mehr als nötig zu finan­zie­ren. Sofern sei­ne Geduld ihn über­haupt an die­sen Punkt kom­men ließ.

Ich bezweif­le, dass es bei ande­ren Diensten die­ser Art anders zugeht; immer­hin ist Cine24 nur ein will­kür­lich aus­ge­wähl­tes Beispiel. Während der Recherchen zu die­sem Beitrag stieß ich unter ande­rem auch auf einen Streaminganbieter, bei dem es nicht ein­mal mög­lich war, Streams wirk­lich anzu­se­hen, statt­des­sen wur­de der Surfer stets dar­auf auf­merk­sam gemacht, er sol­le doch bit­te zunächst das Xvid-Plugin instal­lie­ren, und zwar nicht etwa eine garan­tiert viren­freie Version, son­dern eine von einem dubio­sen Server, den ich hier aus Gründen nicht ver­lin­ke. „Logisch“, wird der unbe­darf­te Surfer den­ken und gedan­ken­los alles anklicken, was man von ihm ver­langt, damit er nur end­lich die­sen blö­den Stream sehen kann. Echt prak­tisch, die­ses Streaming.

Wer ande­ren Internetbenutzern also allen Ernstes erzäh­len will, das Angucken von Filmen auf irgend­wel­chen omi­nö­sen Streamingseiten sei „sicher“, ist ein gemein­ge­fähr­li­ches Arschloch und/oder zumin­dest ein rie­sen­gro­ßer Depp. Aber ich befürch­te, dass die­se Warnung, wie so oft, unge­hört ver­hal­len wird; bis zum näch­sten „Zwischenfall“ eben.

Senfecke:

  1. Mich wun­dert es, dass die­se Portale über­haupt noch genutzt wer­den: Eine ver­mie­te­te DVD kostet etwa € 1,- - € 1,50. Da lohnt es sich weder, mit einem ent­spre­chen­dem Programm, wel­ches den Kopierschutz knackt, zu ver­viel­fäl­ti­gen, noch das Risiko ein­zu­ge­hen, durch die Gerichtsinstanzen geprü­gelt zu wer­den, nur um der Rechtsprechung bei ihrer Entscheidungsfindung behilf­lich zu sein, fest­zu­stel­len, ob das kurz­fri­sti­ge Speichern auf dem PC nun eine Kopie dar­stellt oder nicht.

  2. Für Tauschbörsen sind die Leute halt zu blöd.

    Davon mal ganz abge­se­hen, dass sich jeden­falls bei mir ange­sichts der run­ter­kom­pri­mier­ten „Passt auf einen Rohling!“-Qualität kein rech­tes Kinogefühl ein­stel­len mag…

  3. Sven du gemein­ge­fähr­li­ches Riesenarschloch.
    Bis heu­te wuss­te ich nicht dass es „Streaming Anbieter“ gibt, dan­ke. :evil:

  4. super geschrie­ben, humor­voll und wit­zig, der Artikel, paßt auf die mei­sten unbe­darf­ten auf Allesklicker…
    den Link hab ich schon weitergeleitet.…

    Gruß
    Reinhard

  5. Klasse Beitrag. Nur lei­der ver­ste­hen das die mei­sten in mei­nem Bekanntenkreis nicht…
    Geiz ist nun mal geil, da sucht man lie­ber eine hal­be Stunde nach einem fuk­tio­nie­ren­den Link, lädt jeden Dreck run­ter, bevor man in die Videothek nebenann geht.

    Btw. Ins Regensburger Ostenviertel brauchst du nicht zu gehen. Dort woh­nen sowie­so nur zicken.

  6. Verdammt - gera­de hat­te ich das Bedürfnis, nach Regensburg zu fah­ren und der Dame Süßigkeiten zu schenken.

  7. Was für ein sel­ten bescheu­er­ter Beitrag.
    wer geht denn noch ohne wer­be­blocker online, kino to is wie­der online nur als kinox, die ande­ren genann­ten sei­ten sind ein­w­an­frei zu nut­zen wenn ein wer­be­blocker vorhanden,
    ich fin­de die sei­ten des­halb gut weil man dort fil­me sehn kann die man im han­del kaum oder gar nicht merh erhält weil sie so alt sind und eini­ge seri­en oder dokus bekommt man auch nur sel­ten gekauft, was aktu­el­le kino­fil­me betrifft (oder neu auf dvd her­aus­ge­kom­men) ist es schön sich den film vor­her anzu­sehn um zu ent­schei­den ob man den über­haupt auf dvd haben will
    wie man­che hor­ror­fil­me die sel­ten in den kinos lan­den da will ich erst wis­sen wie der film ist bevor ich ihn kau­fe, denn auf den umschlä­gen sieht man nicht immer wie die qua­li­tät ist (gute/ schlech­te effekte/schauspieler und ob sich bei der syn­cro mühe gege­ben wur­de oder man ihn statt­des­sen auch selbst hät­te syn­cro­ni­sie­ren können)
    es gibt immer fil­me die man ger­ne als gekauf­te dvd zuhau­se hat wenns fil­me sind die man immer wie­der sehn kann (walli,avatar oder älte­re die irgend­wie zeit­los spit­ze bleiben)

  8. Der Beitrag ist etwas merk­wür­dig. Derartige Probleme hat­te ich nie. Außerdem hat man natür­lich einen Putzer an Bord, der einem die even­tu­ell ein­ge­fan­ge­nen „Extras“ von der Platte putzt. Ein Werbeblocker ist ein Muß (Sollte auch in kei­nem TV-Gerät fehlen. ;))
    Bei Bedarf kann man den Blocker mal kurz wie­der abschal­ten, spä­ter wie­der ein­schal­ten. Aber das ist natür­lich schwer. Meine Mutter tut sich schon schwer, mit dem Zug zu fahren.
    Die Geataltung man­cher Seiten lässt aller­dings zu wün­schen übrig. Wenn Deutsch dran steht, soll­te auch Deutsch drin sein.
    Vor vie­len Jahren (ich hat­te damals mit Commodores, Archimedes, Sinclairs usw. rum­ge­macht), hat­te ich etli­che Filme im TV oder Kino gese­hen, die bis heu­te auf deutsch nicht zu bekom­men sind. Vor allem fran­zö­si­sche und deut­sche Produktionen bekommt man nicht auf DVD, beta, oder wenig­stens auf VHS. Letztere waren mal erhält­lich, doch heu­te wer­den kei­ne Klassiker mehr her­ge­stellt, außer irgend­wel­chen Schinken aus Hollywood. Ein Ruhmesblatt für die Industrie ist es nicht, sich nur auf den aktu­el­len Schrott zu kon­zen­trie­ren, und den dann spä­ter zu Dumpingpreisen in Supermärkten zu verschleudern.
    Andererseits geht es in der Industrie weni­ger um die Ansprüche des Konsumenten, als viel­mehr um Gewinnmaximierung, die qua­si mit nichts erreicht wer­den soll.
    Da ist es kein Wunder, dass lai­en­haft pro­gram­mier­te Portale ent­ste­hen, auf denen mehr Werbung, Viren, Trojaner oder sonst­was, als Filme erscheinen.
    Ich selbst habe fast alles bekom­men. Ich suche nur noch Borsalino 1&2 und le tou­bib auf deutsch.

    • Nicht put­zen - Dreck ver­mei­den ;)

      Es gab vor eini­gen Jahren ja schon Werbeblocker für Videorecorder. Leider hat die Industrie das verhindert.

    • Anonymous, 12. September 2015, 17:21

      Wenn Sie die „Fähigkeit“ besit­zen, eine Suche durch­zu­füh­ren, haben Sie sicher­lich auch Erfolg.
      Meine Wenigkeit hat inner­halb weni­ger Minuten eine deutsch­spra­chi­ge Version von Le Toubib gefunden.

      Auch Die Losleger (1970) habe ich durch Bemühen von einer gewis­sen Suchmaschine inner­halb weni­ger Minuten gefun­den (sogar als Datenstrom).

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