Archiv für die Kategorie ‘Nerdkrams’.

Hier geht’s um Software – je nerdiger, desto besser.

Nerdkrams
„Sicherer als Windows“ des Tages (7)

Na, auch Linux statt Windows zu Hause?

Dann patcht mal schön einen „Fix“ von 2016!

NerdkramsProjekte
Wer sich in die „Cloud“ begibt, der kommt darin um (2).

Ich arbeite momentan quasi nebenbei an einem etwas umfangreicheren Browserdingens, zu dem ich zu gegebener Zeit vielleicht noch ein bisschen Vermarktungsblabla fallen lassen werde. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, habe ich für den endlich veröffentlichten Chromefox „Firefox“ 57 eine einfache Erweiterung geschrieben, die auf deutsch- und englischsprachigen Websites das gefährliche Bingowort „Cloud“ durch „die Computer anderer Leute“ ersetzt, zum Beispiel auf Vergleichsportalen:

So klingt es gleich viel richtiger.

Ich vermute, die Grammatik ist in mancher Formulierung noch nicht ganz sauber. Die erste Testversion ist jedenfalls auf Mozilla.org zu finden. Die Lizenz – wie meist – ist die WTFPL. Erfrischenderweise findet Mozillas automatische Überprüfung, die Lizenz sei nicht sehr schön formuliert. Ich bin immer wieder überrascht.

NerdkramsNetzfundstückePersönliches
Nachtrag zu #280Zeichen: Macht euch ein Blog, ihr Labertaschen.

Twitter kannich erwähnte es gestern – jetzt 280 Zeichen. Die Deutsche Bahn beschwerte sich vermeintlich selbstironisch, dass die Zeichen für die möglichen Gründe für eine Zugverspätung immer noch nicht reichen.

Selbstverständlich hält die Verdoppelung der Zeichenanzahl niemanden auf Twitter davon ab, Twitter gründlich misszuverstehen und seitenlange Selbstgespräche („Threads“) zu beginnen, jetzt noch länger als zuvor, worauf – je nach Thema – dann „Experten“ aus der vornehmlich linkspolitischen Szene (das kann natürlich auch ein Zufall sein) dergestalt reagieren, dass sie den Anfang dieses Selbstgesprächs verlinken und so kurz wie doof „Thread!“ oder „Thread.“ oder „Der ganze Thread.“ drüberschreiben, denn so spannend anmoderierte Vorträge besucht man doch gerne. Dass der großartige Android-Twitterclient Tweetings jüngst wie auch ZenTweet eine Option erhalten hat, Tweets, deren Länge 140 Zeichen überschreitet, gar nicht erst anzuzeigen, lindert die Idiotie zwar, löst es aber nicht.

Es sind – wenig überraschend – oft die gleichen Menschen, die sich einerseits darüber beschweren, dass Twitter sich hinsichtlich seiner neuen Funktionen nicht nach seiner nicht zahlenden Kundschaft richtet, andererseits den Dienst aber für etwas missbrauchen, wofür er gar nicht da ist. Die Zeichenbegrenzung, wie lang auch immer sie nun sein möge, sollte dazu anleiten, eben nicht diese „Tweetstürme“, wie sie im Englischen genannt werden, loszulassen, also einen Text auf eine mehrstellige Anzahl an einzelnen Tweets zu verteilen, sondern sich kurz zu fassen. Dass Twitteraccounts, die von irgendwelchen „linken“ Demonstrationen berichten, in der Regel vor dem eigentlichen Text noch die Uhrzeit nennen, als wären ihre Leser zu dämlich, eine Uhr zu benutzen, war schon wunderlich genug. – Einer meiner langjährigen Twitterkontakte monierte gestern, dass der Wechsel von „Tweetstürmen“ aus jeweils 140 zu bis zu 280 Zeichen Twitter schier unbenutzbar gemacht habe, weil das Kurze, Prägnante dieses Mikroblogsystems bis dahin das Hauptargument gewesen sei, wieso man dort statt zum Beispiel auf Google+ oder Instagram seine Kontakte pflege, und hat damit eigentlich völlig Recht.

Ich teile die Auffassung allerdings nicht, dass ein Wechsel der Plattform hin zu einem anderen fremdgehosteten System, das noch mehr Gelaber ermöglicht, die Fehlkonzeption von Twitter vergessen lässt. Es spricht nichts dagegen, dass längere Monologe eben nicht dort stattfinden, wo sie schwer zu durchschauen, zu zitieren und vor allem wiederzufinden sind, sondern in einem eigenen Blog oder Nichtblog festgehalten werden, dessen neue Beiträge man dann nach Belieben auch etwa auf Twitter und sonstwo automatisch verbreiten kann. Mit Medium gibt es, so ungern ich das auch zugebe, mittlerweile auch einen vergleichsweise unblöden Dienst, der einem das lästige Einrichten weitgehend abnimmt und auf dem man sozusagen sofort lostippen kann. Es gibt keine vernünftige Entschuldigung mehr für „Twitter-Threads“, die über die vorgeschobene Ausrede, dass man dort wenigstens gelesen werde (warum denn?), hinausgeht.

Jaja, Dinge im Web auszuformulieren ist nicht mehr modern, Informationen sind im Fluss, heute Abend interessiert es niemanden mehr, was man heute früh noch für wichtig hielt. Im weißen Rauschen der Twitterstürme bekommt man seine Viertelstunde Ruhm praktisch täglich, zumal sich selbst Tageszeitungen längst auf Twitter bedienen, wenn ihre Redaktionen mal wieder nicht wissen, womit sie die Seiten befüllen sollen. Es bedarf allerdings schon einer äußerst kurzen Aufmerksamkeit für das eigene Tun, wenn man auch nach über 60 Tweets, die allesamt zum selben Beitrag gehören, noch nicht bemerkt hat, dass das, was man gerade tut, für niemanden eine Bereicherung darstellt.

„Thread!“ ist, dieser Schluss drängt sich förmlich auf, ein Szenebegriff für „ich bin zu blöd für Blogs“ und gehört zu den Begriffen, die, wenn sie im eigenen Stummschaltfilter stehen, nicht zu Gesicht zu bekommen niemandem eine lesenswerte Information vorenthält.

Macht euch ein Blog, ihr Labertaschen.


In weiteren Nachrichten: Der Deutsche Tierschutzbund warnt: Tiere, die nur leben, damit wir sie umbringen und essen können, werden mitunter nicht artgerecht gehalten. Wie ärgerlich.

In den NachrichtenNerdkrams
Wer sich in die „Cloud“ begibt, der kommt darin um.

Aus der beliebten Reihe „wer nutzt denn bitte 2017 noch Desktopanwendungen für seine Dokumente?“: Bei „Google Docs“, der bescheuerten Google-„Webanwendung“ zur Erstellung und Verwaltung von so Officekram in „der Cloud“, also auf den Computern anderer Leute, wurden aus Versehen Benutzern ihre Dokumente weggenommen, weil ein Filter, also eine vorsätzlich eingebaute Analysefunktion, der Meinung war, das Geschriebene sei ungeeignet für Google.

Welche Art von Texten diese Analysefunktion, sobald sie endlich wie gewünscht funktioniert, denn überhaupt zulassen oder nicht zulassen wird, bleibt angenehm undokumentiert. Es wäre ja auch langweilig, würde ein so genannter „Dienst“ eines „Dienstleisters“ wie Google einfach mal seinen Dienst verrichten. Zuverlässigkeit ist sooo 90er.

NerdkramsPiratenpartei
Suchmaschinenoptimierung dank Lesezeichenignoranz

Als ich noch ein wenig jünger und das Web noch interessant war, galt bei Gestaltern dieses Webs, zu denen zeitweise auch ich gehören wollte, allen FRAMEs zum Trotz die von Tim Berners-Lee höchstpersönlich tradierte Regel, dass es keinen ersichtlichen Grund gebe, warum coole URIs überhaupt geändert werden sollten, jedoch einige gute Gründe, die dagegen sprechen.

Zu diesen Gründen zählt, dass es durchaus denkbar ist, dass es Menschen geben könnte, die einen URI zwecks späterer Wiederverwendung in ihren Browserlesezeichen hinterlegt haben. Ändert sich dieser URI und gibt es keine serverseitige Umleitung der alten auf die neuen URIs, so laufen die Lesezeichen ins Leere, was nicht nur unpraktisch, sondern zudem oft höchst unerfreulich ist. Mit Xanadu wäre das nicht passiert.

Nun mag man es digitalen Laien noch verzeihen, wenn sie über die Folgen ihres Handelns nicht nachdenken, weil sie zum Beispiel statt Lesezeichen einfach eine Suchmaschine benutzen und alles ab Seite 2 der Ergebnisse – als seien diese unveränderlich – sie ohnehin nicht interessiert, aber solche Laien werden auch einigermaßen selten als Webentwickler eingestellt. Schwerer wiegen Verstöße bei denen, die darum bitten, sich auf das Neuland zu freuen, und sich so als diejenigen darstellen, die verstanden haben wollen, wie das Netz funktioniert: Seit der letzten Erneuerung der Website der Piratenpartei Deutschland sind wieder einmal manche alte Verweise auf Besucherseite aus SEO-Gründen kaputt. Muss man ja verstehen: Wenn man seine Seitenstruktur aus Kosmetikgründen über den Haufen wirft, dann ist es wichtig, dass zuerst einmal die großen Suchmaschinen darüber in Kenntnis gesetzt werden, denn eine politische Partei, die sich der Transparenz verschrieben zu haben behauptet, sollte zwar jederzeit ihre bisherigen Aktionen publiziert haben, aber doch nicht immer an der gleichen Stelle. Bürger langweilen sich, wenn sie nicht dauernd suchen müssen.

„Coole“ URIs werden nicht geändert? Einer der Websitetechniker sieht das so:

Ach, die alte Diskussion wieder. „Cool URLs dont change“. Jaja klar. Damals.
Wir leben aber heute und machen Webseiten für Menschen.

Denn anders als Computer wollen Menschen gar nicht, dass ihre Lesezeichen morgen noch funktionieren. Bemerkenswert ist allerdings, dass ähnlich alte Verweise auf das berüchtigte Piratenpartei-Wiki sich, Diskussionsalter hin oder her, bis heute einer bemerkenswerten Lebendigkeit erfreuen.

Wer war noch mal die Zielgruppe der Piratenpartei?

In den NachrichtenNerdkrams
Bitkom: 11 Prozent der Jugendlichen computern irgendwie.

(Vorbemerkung: Ich empfehle vorab die Lektüre meiner Auffassung von Informatikunterricht.)

Der viel zu gesprächige Verein Bitkom, laut eigenen Angaben „der Digitalverband Deutschlands“, ist in der Vergangenheit nicht gerade dadurch aufgefallen, kluge Überlegungen bloßem Werberduktus vorzuziehen (cf. Kuhstall 4.0). Das leistet der Freude bei Kenntnisnahme einer neuen Pressemitteilung des Verbandes einigen Vorschub, denn man weiß schon vor dem Lesen: Ah, endlich wieder Gratisblödsinn.

Das war auch heute wieder richtig. Heute nämlich erschien unter der geradezu apokalyptischen Überschrift „Nur jeder zehnte Jugendliche kann programmieren“ eine Pressemitteilung („Presseinformation“), mit der Pressesprecher Bastian Pauly offensichtlich versucht hat, die Wette zu gewinnen, wer wohl unwidersprochen den größtmöglichen Quatsch auf der Verbandsseite veröffentlichen darf. Der Dateiname der Pressemitteilung – httpswwwhubberlinen.html, offensichtlich ein Bezug zu dieser zwielichtigen Website – ist dabei noch vergleichsweise harmlos, denn nach der Überschrift wird es nicht mehr besser.

Der größte Teil des Texts ist eine Werbung für die „Verdienste“ und Veranstaltungen des Bitkom e.V. selbst, in deren Rahmen der Verein Schülern „das Coden“ beibringen will; spannend ist jedoch dieser Absatz:

Programmierkenntnisse werden in der digitalen Welt immer wichtiger, aber nur wenige können schon im Jugendalter selbst coden: Gerade einmal jeder zehnte Jugendliche (11 Prozent) kann eigene Programme schreiben oder Webseiten erstellen, wie eine repräsentative Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 10- bis 18-Jährigen ergab. „Smartphones und Tablets gehören für viele Kinder und Jugendliche wie selbstverständlich zum Alltag. Aber nur die wenigsten wissen, wie die Geräte eigentlich funktionieren“, sagt Bitkom-Geschäftsleiter Christian Kulick.

Klar: Ist die Prämisse (nämlich: dass Programmieren – im Bitkomvokabular: „Coden“ – eine immer wichtigere Fähigkeit sei, als gäbe es immer noch nicht viel zu viele Programmierer im Land und als sei die Aufgabe von Computern einzig diejenige, programmiert zu werden) erst einmal falsch, ist ihre Folgerung eigentlich auch völlig egal, insofern wäre ich beinahe willens, das so stehen zu lassen, aber eben auch nur beinahe.

Dass „gerade einmal jeder zehnte Jugendliche“ und „11 Prozent der Jugendlichen“ eine unterschiedliche Bedeutung haben, weil 11 Prozent eben nicht „gerade einmal“, sondern „deutlich mehr als“ einer von zehn sind, sei verziehen. Mathematik lässt man als „Digitalverband“ vermutlich lieber den Computer machen und der rundet manchmal nicht so offensichtlich. Schwerer wiegt die ausbleibende Differenzierung zwischen Programmieren, Codeschreiben („Coden“), Webseitenerstellen und Smartphonesverstehen, denn nichts davon bedingt einander. Programmieren kann man einen Videorekorder ebenso wie einen gewöhnlichen Computer, ohne eine einzige Zeile Code zu schreiben; Code kann man bequem irgendwo rauskopieren oder abschreiben, ohne selbst etwas zu programmieren; eine Website kommt (gesetzt den Fall, dass man HTML wie auch zum Beispiel RTF, PDF oder Office XML, das Format von neueren Word-Dokumenten, nicht als Programmiersprache, sondern als Beschreibungssprache versteht, wessen ich mir bei Deutschlands nicht parteilichen Digitalexperten freilich nicht sicher sein kann) selbstredend ohne Programmieren aus; was schließlich das Verständnis der Funktionsweise von Smartphones und Tablets mit Programmieren zu tun hat, kann mir vermutlich nicht einmal Bitkom-Geschäftsleiter Christian Kulick sinnvoll beantworten.

Klar: Sind alles Computer, alles ein Brei. Nach dem Feierabend erst mal Strom in den Computer coden, die Anmeldedaten einprogrammieren und online ein paar virtuelle Monster ins Nichts hacken. Wird schon irgendwie passen. Du machst doch was mit Computern, kannst du nicht…? Ist ja alles Computer heute.

Hat eigentlich schon mal jemand eine solche repräsentative Umfrage unter der Bitkom-Belegschaft durchgeführt?

Nerdkrams
Bescheuertes aus der Welt der Aluhüte: Keyboard Privacy

Wir müssen, fürchte ich, einmal kritisch über Datenschutz sprechen.

In einer Diskussionsgruppe für den ganz guten Webbrowser Vivaldi stellte heute einer der „Sopranos“, wie die Betatester dort offiziell heißen (Oper, nicht Mafia), folgende Frage:

Hat noch irgendjemand bemerkt, dass die aktuelle Testversion beim Tippen äußerst langsam reagiert?

(Wie auch im Folgenden schlecht übersetzt von mir.)

Angehängt ist ein Video, in dem zu sehen ist, dass das Eingabefeld auf einer Website eingegebenen Text tatsächlich nur mit merklicher Verzögerung anzeigt, was sich in „Sprüngen“ bemerkbar macht.

Nur drei Minuten später zog der „Soprano“ die Frage zurück:

Entschuldigt die Aufregung, ich glaube, ich weiß es. Sehr klug von mir, zu vergessen, dass ich Keyboard Privacy installiert habe.

Keyboard Privacy – gibt es natürlich auch für Firefox – ist eine Erweiterung (Vorsicht: Verweis auf google.com) für Chrome-kompatible Browser, die laut Eigenbeschreibung der Erstellung von Verhaltensprofilen vorbeugt, indem sie die Geschwindigkeit, in der eingegebene Zeichen eine Website erreichen, zufällig verzögert. Dadurch soll anscheinend die zumindest belegte eindeutige Identifizierung von Benutzern anhand ihrer Tippgeschwindigkeit erschwert werden.

Nun ist das technisch gesehen natürlich eine fragwürdige Lösung, denn, während es allzu naiv wäre, immer noch davon auszugehen, dass datenschutzfeindliche Maßnahmen dieser Art nur in unrealistischen Szenarien eine Rolle spielen, ist der Gewinn vermutlich überschaubar, weil das Ergebnis offensichtlich erstens ungewöhnlich anstrengend für den Datenschützer selbst ist und zweitens das größere zweifache Problem beim Datenschutz auf Websites, nämlich die Browseridentifikation einerseits und die Erkennung von bestimmten sprachlichen Marotten andererseits, nicht behebt, was besonders dann komisch ist, wenn man diese Erweiterung benutzt, um zum Beispiel in irgendwelchen zwielichten Webforen nicht erkennbar zu sein. Eine einfachere Lösung für das Problem der Tippgeschwindigkeitserkennung wäre das Abschalten von JavaScript, denn ohne aktiviertes JavaScript können Websites nach gegenwärtigem Stand der Technik nicht unauffällig das Benutzerverhalten ohne Verzögerung protokollieren. Aber ich verstehe schon: JavaScript ist wichtig, weil man ohne JavaScript seine wichtigen Webanwendungen, die man nur nutzt, weil man zu blöde für die Bedienung von richtiger E-Mail-, Tabellen- und sonstiger Software ist, nicht mehr benutzen kann. Sicherheit ist nicht wichtiger als Komfort, nämlich! – Wie man dann auf die bescheuerte Idee kommen kann, stattdessen das Komfort behindernde Keyboard Privacy zu installieren, bleibt unklar.

Wenn man aber unkomfortable Lösungen und aktiviertes JavaScript gleichzeitig haben möchte, dann möchte ich dem solches Annehmenden anlässlich der Identifizierbarkeit anhand sprachlicher Marotten zusätzlich vorschlagen, das, was man gern schreiben möchte, vorher von Drunk Eliza oder einem sonstwie zufälligen Textwürfler verschleiern zu lassen oder das Internet – das sowieso weit über den Umfang eines Webbrowsers hinausgeht – nur noch unter angemessenem Drogeneinfluss zu bedienen; oder sich einfach nicht in jedem zwielichtigen Portal, das nicht schnell genug weglaufen kann, anzumelden und dort aktiv herumzutippen. Wenn ich einer Website so sehr misstraue, dass ich bereit bin, meinen eigenen Komfort zu opfern, nur, um mich dort sorgenarm schreibend hervortun zu können, ist vielleicht der Punkt erreicht, an dem ich meine Beteiligung an der dortigen Gemeinschaft im Allgemeinen einmal in Frage stellen sollte; oder mich halt für einen Vorzeigedatenschützer halten, weil ich vor der Fahrt über eine Straße voller Schlaglöcher einfach ein Messer in meinen Arm ramme, damit es vergleichsweise weniger am Hintern weh tut.

Natürlich gibt es auch im keineswegs esoterischen Feld des Datenschutzes, in dem jede Vorsicht geboten ist, falsche Lösungen. Keyboard Privacy scheint eine davon zu sein.

Nerdkrams
Chromefox 57 (Symbolbild)

Jaja, viel besser als Chrome, ist jetzt nämlich schneller und so. Denn das ist alles, worauf es ankommt: Schnelligkeit.

Chromefox 57

(Siehe auch.)

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt: „Programmierer“ (2)

„Ja, ich habe viele Fehler in meinem Code, aber das liegt nicht an meinem Code oder auch nur an mir, sondern daran, dass, äh, C zu kompliziert ist, weil, andere machen solche Fehler auch in C!“

:wallbash:

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt: Lautsprecher, aber Leishörer

Da es noch immer Menschen für eine großartige Idee halten, sich vom eigenen Ersparten Dinge ins Schlafzimmer zu stellen, die menschliche Geräusche durch das Internet an irgendwelche Server zur Auswertung schicken können, sei vielleicht noch auf diese großartige Zusatzfunktion verwiesen:

Sprachgesteuerte digitale Assistenten lassen sich kapern, ohne dass der rechtmäßige Nutzer es hören kann.

Neu: Nichtsprachsteuerung! Selbstverständlich ist nicht davon auszugehen, dass diese Funktion einen Nutzen für irgendwem außer dem rechtmäßigen Besitzer des Geräts haben könnte, denn sonst wäre es ja ein geradezu rekordverdächtig dämliches Tun, sich einen solchen Assistenten ins Haus zu holen, nicht wahr?

Bonuspointe:

Diese Verzerrungen können Hacker ausnutzen, um Befehle auszulösen, die für Menschen (…) wie sinnloses Geplapper klingen (…).

Jetzt verstehe ich den Wahlkampf der Grünen!

NerdkramsNetzfundstücke
Medienkritik CVII: t3ns sieben Tipps für eine schnellere Einordnung als schändlicher Spambot

E-Mail-Signaturen – kennta? -, in der Frühzeit der Kommunikation via E-Mail ein durchaus praktisches Hilfsmittel, um nicht jedes Mal händisch „Ruhe jetzt! Herzlichst, NAME“ drunterschreiben zu müssen, sind seit dem Aufkommen von HTML-formatierten E-Mails durch irgendwelches redundantes Werbergeschmeiß eigentlich nur noch dafür da, den Spamfilter zuverlässiger konfigurieren zu können: Je bunter die Signatur, desto unerwünschter die E-Mail.

Das hat sich wenig überraschend freilich noch nicht bis zu „t3n“ (Untertitel „digital pioneers“), deren Redaktions-E-Mails ich vermutlich auch lieber niemals erhalten möchte, herumgesprochen, denn dort gibt Andreas Weck derzeit sieben Tipps für eine bessere E-Mail-Signatur, bei deren Lesen man sich einigermaßen unsicher wird, ob die Signatur jetzt der Teil über oder unter dem Strich war. (Wieso Strich? – Eben!)

Also:

Wer eine smarte E-Mail-Signatur anlegen möchte, sollte diese sieben Tipps beachten.

Ah, smart also; wie ein Auto, das nicht mehr startet, wenn dem Smartphone mal das Netz ausgeht, oder ein sprachgesteuerter Salzstreuer – kurz gesagt: so was möchte man nicht haben, wenn man keinen gewaltigen Birnenschaden hat.

Das ist Andreas Weck allerdings offensichtlich egal, denn er fährt, albern-jovial duzend, unbeirrt mit den „sieben Tipps“ fort:

1. Arbeite mit Farben

Denn es ist wichtig, dass das Auge beim ersten Erfassen der E-Mail nicht etwa Zeit mit dem Text oben drüber verschwendet, sondern von Anfang an den wichtigsten Inhalt fokussiert, nämlich die Reklame vom – zumeist – Arbeitgeber des Absenders. Wäre ja blöd sonst!

2. Arbeite mit Bildern

(…) Am besten eignet sich beispielsweise eine weiße Wand, vor der sich die Person ablichten lässt.

Oder auch ein tanzender Jesus oder eine Nahaufnahme einer Wasserleiche. Soll sich ja „visuell einbrennen“ (ebd.), die Signatur. – Dass anständige Mailprogramme (also nicht unbedingt so Browserkram) eingebundene Bilder entweder direkt als Spammerkmal markieren oder die Bilder wenigstens als Anhang statt als direkt eingebundenes Bild herunterladen, so dass der Empfänger, falls er die E-Mail überhaupt zu sehen bekommt, noch einmal zusätzlich aktiv werden muss, nur um die langweilige Fresse eines Werbers, die er, falls er gerade mobil ist, auch noch kostenintensiv herunterladen musste, sehen zu dürfen, spricht prinzipiell ja schon dagegen, aber was weiß man bei „t3n“ schon von anständigen Mailprogrammen und/oder mobilen Netzen?

3. Priorisiere die Informationen

Es gilt immer, den begrenzten Platz nicht mit nutzlosen Informationen zu verschwenden.

Das ist prinzipiell richtig und dieser Tipp hätte, wäre es nach mir gegangen, der einzige Tipp sein sollen, denn er sagt im Wesentlichen aus, dass E-Mail-Signaturen nicht der richtige Ablageort für Werbescheiße sind; aber natürlich musste Andreas Weck das präzisieren:

Die persönliche E-Mail-Adresse sollte beispielsweise schnellstens aus der Signatur verschwinden, denn die braucht der E-Mail-Empfänger nicht mehr.

Richtig, denn in einem E-Mail-Header stehen protokollbedingt alle wesentlichen Informationen zur Person, darunter die Absenderadresse (sofern nicht gefälscht), der Absendername (sofern nicht gefälscht) und das Absendedatum. Alles Informationen, die nicht überflüssigerweise nochmals separat übermittelt werden müssten, damit mehr Platz für das Wesentliche (also hochauflösende Fotos von Wirtschaftspfeifen vor noch weißen Wänden) bleibt.

Andererseits:

4. Leite visuell durch die Informationen

(…) Der eigene Name könnte sich beispielsweise durch größere oder fette Buchstaben absetzen.

Der eigene Name, der sowieso schon darüber oder daneben steht, gehört rein, die Mailadresse aber nicht, weil sie sowieso schon darüber oder daneben steht? Ja, wie denn nun?

Sinnvoll ist beispielsweise auch, dass Texte neben einer der oben genannten Bilddateien zu finden sind. Das Bild wird das Augenmerk sofort auf sich lenken und die wichtigen Informationen stehen direkt daneben.

Denn die wichtigen Informationen in einer E-Mail stehen, wie jeder weiß, in der Signatur und nicht etwa über ihr. :ja:

5. Nutze Call-to-Actions

(…) Ein CTA sollte sich entlang der aktuellen Ziele orientieren. Wollt ihr beispielsweise euren neuen Snapchat-Channel pushen? Dann fügt einen Snapcode zum Abscannen ein.

Wenn ich mal von einem großen Internetkonzern gebeten werden sollte, ein neues E-Mail-Protokoll zu entwerfen, werde ich als ersten Schritt eingebundene Bilder als ungültig kennzeichnen. :motz:

6. Sag, wo Kunden dich auch persönlich treffen können

(…) Ein Satz wie „Ich werde vom 25. bis 26. Februar auf der Online-Marketing-Rockstars in Hamburg sein. Ich freue mich, dich dort zu sehen!“ könnte der Aufmacher für ein spannendes Gespräch sein.

Der Aufmacher für ein spannendes Gespräch mit einem potenziellen Kunden oder Geschäftspartner gehört nach meinem Verständnis ja in den verdammten E-Mail-Text und nicht auf die Werbefläche unten drunter, denn der Text ist in der Regel zumindest wenigstens teilweise anlassbezogen und wird nicht einfach gedankenlos weiterverwendet. Ich meine: Ich schließe nicht aus, dass Andreas Weck („Online- und Print-Redakteur“) sein Leben lang immer nur Signaturen, aber noch keinen einzigen Mailtext geschrieben hat und nicht einmal etwas dafür kann, weil man bei „t3n“ nur noch über Snapchat und nicht mehr über E-Mail miteinander redet. Dann möchte ich diesen Einwand zurückziehen. In allen anderen Fällen gibt es für die Annahme, den Aufmacher für ein Gespräch platziere man am besten an einer Stelle, die der Empfänger mit großer Wahrscheinlichkeit höchstens noch bis zur ersten halben Zeile lesen wird, keine vernünftige Ausrede.

7. Achte auf die Pflichtangaben

So nach den ersten drei Bildschirmseiten Signatur kann man ja getrost einmal darüber nachdenken, auch noch steuerrechtliche Quatschtexte in Schriftgröße 9 unterzubringen. Dann ist der Scrollbalken auch länger und der Empfänger freut sich gleich doppelt darüber, so viel schöne Signatur lesen zu dürfen. (Ich kreide dies ausdrücklich, jedoch ausnahmsweise, nicht Andreas Weck an, halte die rechtlichen Vorgaben, sofern sie in der Tat den beschriebenen Inhalt haben, aber für riesengroße Scheiße.)

Ich vermisse die Zeit, als man für eine Signatur, die mehr als drei Textzeilen umfasste, noch umgehend auf irgendwelchen killfiles landete.

In den NachrichtenNerdkrams
Der menschliche Android-Trojaner

In den frühen 1990er Jahren machte sich im Usenet – für die Jüngeren: wie Chat, nur ohne Emojis, dafür mit richtiger Grammatik – der zur damaligen Zeit noch als Ausdruck von Kreativität geltende „Signaturvirus“ breit, der darin bestand, dass man zwecks dessen Ausbreitung einen Text, der übersetzt ungefähr „ich bin ein manueller Virus, bitte kopieren Sie mich“ lautete, in seine eigene Signatur übernehmen sollte. Wie die meisten einigermaßen amüsanten Meme aus der damaligen Zeit schaffte auch dieser „Signaturvirus“ per Mutation die Ausbreitung ins Web und tauchte in den folgenden Jahren – oft erweitert um „bitte löschen Sie eine oder mehrere Dateien“, denn das Web war von Anfang an reich an Benutzern, die feinsinnigen Humor lieber mit dem Holzhammer eingeprügelt bekommen wollten – als afghanischer, elbonischer, irischer, albanischer, schwedischer, polnischer, mexikanischer oder sonstwoher stammender „Virus“ immer mal wieder auf.

Es ist schön, dass diese Tradition nicht vergessen wird:

Eine (…) Variante das Banking-Trojaners Svpeng hat es auf Android-Geräte abgesehen und soll seit Juli auf der Jagd nach Banking- und Kreditkarten-Daten sein. (…) Eine Infektion ist nicht ohne weiteres möglich: Svpeng lauert als Flash Player getarnt auf Webseiten. Ein Opfer muss demzufolge gezielt eine derartige Seite aufrufen, den Schädling herunterladen und installieren. Anschließend muss es sogar noch den Zugriff auf die Accessibility Services des Android-Systems erlauben. (…) Erst wenn das alles erfüllt ist, kann Svpeng Daten abgreifen.

27 Prozent der erkannten Infektionen, heißt es, seien in Deutschland gefunden worden, was wieder einmal dafür spricht, dass es eine ziemlich bescheuerte Idee ist, hierzulande jedem ohne vorherige Reifeprüfung einen Internetzugang zu verkaufen.

Vielleicht sollten wir einfach abwarten, bis die Evolution dieses Problem gelöst hat.

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 25. Juli 2017: Der Webcomics Rettung und anderes.

Gute Neuigkeiten: Zwar wird Microsoft Paint aus Windows 10 demnächst entfernt, jedoch war der Aufruhr so groß, dass es weiterhin zumindest angeboten werden wird. Die Szene der absichtlich laienhaft gestalteten Webcomics (man verstehe dies keineswegs ausnahmslos als Qualitätskritik) und ihrer Abonnenten ist eine durchsetzungskräftige, wie es scheint. Politische Parteien wären gut beraten, ließen sie in Wahlkampfdingen häufiger einmal langjährige Paintnutzer ihre Vorschläge einbringen.


Als stolzer Linux-Desktop-Nutzer – natürlich mit einer dieser Klickibunti-systemd-Distributionen ausgerüstet – hat man sein Portemonnaie gezückt, um ein Netflix-Abonnement abzuschließen, weil man sonst nichts mit seiner Freizeit anzufangen weiß? Dann wünsche ich viel Glück beim Streamen.


Endlich nie wieder in der eigenen Wohnung verlaufen! Der „Roomba“-Staubsauger verscherbelt künftig Raumpläne seiner „Besitzer“.


Ganz ohne Politik würde hier doch etwas fehlen: Was ist eigentlich ein Populist? Wer sich an das Grundgesetz halten möchte, sei ein Populist, behaupten die Fragesteller einer populären Bertelsmannstudie.

NerdkramsWirtschaft
Die Strafe der Spielgeldmillionäre

Eine der wenigen unbeschränkt gültigen Börsenweisheiten lautet ungefähr so: Investiere niemals Geld, das du nicht verlieren möchtest. Das gilt vor allem dann, wenn das Ziel der Investition keinen greifbaren Gegenwert besitzt.

Bezogen auf den greifbaren Gegenwert dessen, was versierte Schwafler als „Fiatgeld“ bezeichnen und was gewöhnlichen Menschen schlicht als Geld bekannt ist, besteht zweifelsohne kein besonders großer Diskussionsbedarf: Über gedrucktes oder geprägtes Geld, längst nicht mehr von Edelmetallen gedeckt, besteht inzwischen seit Jahrhunderten ein gesellschaftlicher Konsens, der ungefähr absehbar macht, gegen welche Waren man es in vielen Geschäften eintauschen kann. Es handelt sich somit eigentlich nur um staatlich akzeptierte Äquivalente zu Muscheln und Schafen. Dass die Umsetzung dieses Konzeptes mit steigender Inflation, sinkenden Zinsen und psychologisch wirkendem Unsinn wie dem Abzug eines Cents vom Preis, damit die Zahl vor dem Komma kleiner ist, bislang mindestens etwas unglücklich verlaufen ist, halte ich auch ohne selbst vorgenommene vorherige statistische Erhebung für einen Konsens der meisten Menschen, die in der wirtschaftlichen Nahrungskette nicht ganz hinten stehen.

Um zumindest einen Teil dieser konzeptionellen Herausforderungen zu umgehen, wurde zwischen 2008 und 2009 die dezentrale Währung „Bitcoin“ ins Leben gerufen. Bei Bitcoins handelt es sich im Wesentlichen um eine Art nicht papiernes Spielgeld ähnlich dem in „Monopoly“ verwendetes, dessen realer Gegenwert in den zur Erzeugung nötigen Stromkosten, die aufgrund der Art der „Berechnung“ neuer Bitcoins fortwährend steigen, besteht; man verschwendet also elektrische Energie, um gehashte Hexadezimalwerte in eine immer größer werdende verteilte Datenbank („Blockchain“) zu schreiben. Wie zum Beweis dafür, wie egal Menschen entgegen der allgemeinen Annahme realer Besitz wirklich ist, bekommt jemand, der einen dieser Hexadezimalwerte einer Bitcoin-Tauschbörse oder einem Mitmenschen verkauft, heute deutlich über 2.000 Euro dafür. Weil dieses Konzept so schön einfach umzusetzen und zu modifizieren ist, gibt es mittlerweile über 800 miteinander konkurrierende, teilweise voneinander abstammende „Blockchains“ beziehungsweise darin gespeicherte Arten von Hashwerten („Kryptowährungen“), von denen einige nach Großinvestition durch Banken und/oder EDV-Konzerne einen höheren Europreis erzielen können als andere. Der nennenswerte Unterschied zwischen Aktionären und Kryptoinvestoren besteht also darin, dass Kryptoinvestoren nichts zum Gelingen der realen Wirtschaft beitragen, sondern ihr Geld aus dem Fenster werfen und hoffen, dass unten jemand steht, der das Geld freiwillig verdoppelt und wieder zurückwirft, statt einfach damit wegzurennen, was manchmal funktioniert und meistens eben nicht. Die eigene Sammlung an Hashwerten wird in der Regel in so genannten wallets abgelegt, was Englisch ist und „Portemonnaie“ bedeutet, aber eigentlich nur eine lokal herumliegende Datei ist. Es gibt bekanntlich kaum einen besseren Ablageplatz für „Geld“ als eine lokal herumliegende Datei.

Um das Zurückwerfen des aus dem Fenster geworfenen Geldes schmackhafter zu machen, gibt es mit „ICOs“, „Initial Coin Offerings“, eine „Blockchain“-Alternative zur Erstzeichnung an einer Börse: Jemand würde gern eine neue „Blockchain“, eine Tauschplattform für Hashwerte, eine neue Hashwertart oder sonstigen virtuellen Krempel programmieren und sammelt zur Finanzierung dieser Unternehmung irgendwelche Hashwerte (derzeit wird gern eine Bezahlung in Ethereum, der momentan zweitplatzierten Hashwährung, verlangt) ein. Die Gegenleistung besteht nach Ablauf der Erstzeichnungsfrist dann meist in Anteilsscheinen in Form von oft wiederum neuartig gehashten Hexadezimalwerten zum Vorzugspreis, die dann vielleicht im Wert steigen und vielleicht auch nicht, was, abhängig von der erfolgten Verwendung des eingenommenen echten Geldes, dann ein riesiger Verlust ist oder vielleicht auch nicht. Scheiterte etwa ein „ICO“, dessen Einkünfte in die Förderung einer Pandapopulation fließen sollten, so wäre dies sicherlich bedrückender als das Scheitern manch anderer Geschäfte. Dass die „ICO“-Idee aus wirtschaftlicher Sicht, berücksichtigt man die andauernde Hyperinflation und -deflation der Wechselkurse zwischen den Hashwerten (allein Bitcoins gewinnen oder verlieren am Tag mitunter dreistellige Dollarbeträge pro „Stück“), eigentlich nur Idioten anziehen sollte, hat bekanntlich noch fast niemanden an irgendetwas gehindert: Allein im Ankündigungsforum des virtuellen Szenetreffs bitcointalk.org nähme das Trinkspiel, für jeden neuen „Smart Contract“, was das gegenwärtige Lieblingsquatschwort der Krypteria ist und ungefähr bedeutet, dass die Hashwerte, die man irgendwo hinschickt, beim Gegenüber weniger wahrscheinlich nicht ankommen als üblich, einen Schnaps frei wählbarer Menge zu trinken, binnen erschreckend kurzer Zeit ein tödliches Ende.

Überraschenderweise ist die dezentrale Schöpfung von gegenwertloser Handelsware über ein nicht nur von wohlwollenden Asketen genutztes Netz aus modifizierbaren Maschinen gar nicht mal aus Sicherheitsgründen eine überragend gute Idee. Ein Währungssystem mit menschlicher Beteiligung kann und wird früher oder später an der fehlenden Perfektion des Menschen zugrunde gehen; und die Unperfektesten sitzen meist am langen Hebel.

Eine der beliebteren wallet-Umsetzungen für Ethereum-Hashwerte trägt den Namen „Parity“ und läuft dort, wo reale Werte am schlechtesten aufgehoben wären, nämlich innerhalb der meistangegriffenen Komponente von Desktopcomputern, d.h. im Webbrowser. Als gäbe das noch nicht genug Anlass zum Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Mitglieder der um „Parity“ herum entstandenen Gemeinschaft, verfügt es obendrein um eine Funktion namens „Multi-Sig-Wallets“, die im Wesentlichen das Geschehen dadurch noch spannender macht, dass mehrere Leute auf das virtuelle „Portemonnaie“ zugreifen können. Eine grandiose Idee. Was kann da schon passieren?

Ach, richtig:

Unbekannte haben eine inzwischen geschlossene Sicherheitslücke im Ethereum-Client des Unternehmens Parity genutzt, um 153.000 Ether auf ihr eigenes Konto zu überweisen. Beim aktuellen Kurs der Kryptowährung sind das umgerechnet etwa 30 Millionen US-Dollar. Der Diebstahl und die Lücke wurden sofort entdeckt. Daraufhin tat sich spontan eine Gruppe namens White Hat Group zusammen und nutzte die gleiche Schwachstelle, um weitere 377.116 Ether aus noch nicht geplünderten Konten zu sichern.

Wie hier zu sehen ist, ist eine „Kryptowährung“ viel besser als anderes Geld, denn wenn irgendjemand an mein reguläres Portemonnaie herankommt, um etwas herauszunehmen, wird sich keine Gruppe zusammenfinden, die den Rest des Geldes in meinem Portemonnaie sichert; und wenn doch, dann hießen sie gleichfalls Diebe und nicht Sicherer. – Zum Glück gibt es mit „ICOs“ eine bequeme und sehr sichere Anlagemöglichkeit für die gesammelten Hashwerte, denn wer hat schon gern ständig ein volles Portemonnaie dabei? Das endet dann manchmal aber statt mit einer Pleite des Projekts auch so:

Unbekannte Angreifer hackten die Website des Projekts Coindash und änderten dort die Kryptogeld-Adresse, an die Investoren bei einem Crowdfunding Geld schicken sollten. Die falsche Adresse war nur wenige Minuten online – genug für einen Millionen-Coup.

(Beide Meldungen sind von heute.)

Wer sein Geld auf die Fensterbank legt, der sollte eben besser nicht im Erdgeschoss wohnen.

Dass die jeweils betroffene „Währung“ Ethereum trotzdem weiter im Wert steigt, spricht zumindest nicht für ein Problembewusstsein der Anleger, denn nach wie vor sind Webbrowser nicht vom Handel mit Kryptogedöns ausgeschlossen. Werfen wir einfach mehr Geld drauf. Dass das Draufwerfen von mehr Geld auf lange Sicht mehr zerstört als repariert, ist einem Zyniker wie mir da ein schwacher Trost: Möglicherweise wird sich in wenigen Wochen die auf großes Wachstum nicht vorbereitete Problemursache Bitcoin zweiteilen, wie es bei Ethereum schon im Juli 2016 – wenn auch, hihi, aus Sicherheitsgründen – passiert ist. Wenn das eintritt, werden diejenigen, die jetzt noch viel Zeit damit verschwenden, ihren Mitmenschen ungefragt von ihrem Reichtum und/oder ihrem guten Riecher zu erzählen, was eine Art Nebenwirkung von Bitcoinbesitz zu sein scheint, möglicherweise vorübergehend ein wenig leiser sein. Das wird schön.

Erinnert sich noch jemand an „Second Life“?

(Offenlegung: Ich habe gelegentlich den einen oder anderen Cent in eine dieser weniger medial beworbenen Spielwährungen investiert, die sich nach wie vor weigert, mich zu einem arroganten reichen Schnösel werden zu lassen. Das stört mich aus vorgenannten Gründen jedoch nicht im Geringsten.)

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt: „Programmierer“ / Chromefox‘ Googleanalyse

Was über Python-„Programmierer“ und GitHub-Nutzer im Übrigen noch zu verlinken bleibt:

Ein Python-Modul, das automatisch den erstbesten leidlich relevanten Code von StackOverflow.com herunterlädt und einbindet – besternt von über 1.400 GitHub-Konten.

:wallbash:


Die zivilisatorische Decke unter Datenschützern wird dünner: Firefox bindet Google Analytics ein.

"Genießen Sie den Browser mit den meisten integrierten Datenschutzfunktionen" (Quelle: https://www.mozilla.org/de/firefox/new/)

Da wächst zusammen, was zusammen gehört.