Archiv für die Kategorie ‘Nerdkrams’.

Hier geht’s um Software – je nerdiger, desto besser.

Mir wird geschlechtNerdkramsNetzfundstücke
Open Source schläft ein und der Feminismus trägt die Schuld daran.

Im August 2017 beschrieb ich unter anderem mein ausbleibendes Verständnis für große Technikkonzerne, die sich einen diversity genannten Klotz mitsamt Verwaltungsaufwand und letztendlich auch unnötigen Kosten ans Bein binden. Die Gesellschaft hat sich seitdem weiter um sich selbst gedreht, gebessert hat sie sich jedoch nicht.

In einer vernünftigen Welt (wie auch in meinen eigenen Projekten) gilt im Wesentlichen der Verdienstkodex: Wer was kann, der darf mitmachen, wer nicht, der nicht, und persönliche Wehwehchen mögen bitte irgendwo ausgelassen werden, wo es dem Rest des Projektteams nicht weiter auf die Nerven geht.

Leider ist die Welt der Open-Source-Software nicht vernünftig, sondern stark emotionsgetrieben (das mag den enormen Windowshass in einschlägigen Foren erklären, als wäre das verwendete Werkzeug für irgendeine Aufgabe ein Politikum, dessen ethisch korrekte Auswahl jede Personaldebatte in Parlamenten oder auch nur Parteien in den Schatten stellte). Infolgedessen wurde ich heute mit der Information belästigt, dass selbst das FreeBSD-Projekt, das sich vor Jahren ein besonders anstrengendes Beispiel für den Dunning-Kruger-Effekt eingetreten hatte, sich ja nun positiv durch einen neuen Verhaltenskodex bemerkbar mache.

In diesem Kodex, den das FreeBSD-Team gemäß dem Dokument selbst im Wesentlichen aus dem „Geek Feminism Wiki“ – geek feminists bilden einen Teil des Kerns jener sich gemeinhin als weiße Ritter verstehenden Krawallschachteln, die auch den Chaos Communication Congress (ich berichtete mehrfach) schon totgequatscht haben – abgetippt hat, wird in viel zu vielen Zeilen erläutert, dass es die Projektaufsicht ungern sieht, wenn Teammitglieder sich anderen Menschen gegenüber wie jemand verhalten, dem grundlegende Höflichkeitsformen fremd sind. Man sollte meinen, so etwas sei auch ohne festgeschriebene Regeln vernünftig unterbindbar, aber an der Vernunft scheitert es bei denen, die wertvolle Zeit anderer Leute mit dem Zusammenschreiben und stolzen Herumzeigen von Dingen, von denen sie sich total belästigt fühlen, verschwenden, nun mal von vornherein. Da wundert es auch nur noch wenig, dass sich ein paar der besonders bescheuerten Punkte im Kodex auch in den Verhaltenskodizes von zergenderten Plattformen wie GitHub wiederfinden, die die Idiotie mit der Feststellung, für „Privilegierte“, also für die viel zitierten „weißen Männer“, gelte der Schutz vor Belästigung aus Prinzip nicht, bislang auf die Spitze treiben. Mal gucken, wann das FreeBSD-Projekt sie überbietet.

Als strafbewehrt werden seinerseits nämlich außer Dingen, die ohnehin illegal sein dürften, unter anderem Drohung mit Gewalt, und halbwegs verdienstorientierte Dinge wie die „nachhaltige Störung von Diskussionen“ auszugsweise auch folgende Ärgernisse beschrieben (Wortnutzung wie im Original):

  • Absichtliches Fehlgendern.
  • Die absichtliche Nutzung abgelegter Namen.
  • Simulierter physischer Kontakt, etwa „*knuddel*“.
  • Kommentare, die die systemische Unterdrückung in Bezug auf das Geschlecht, Neurodiversität, Religion und so weiter (gekürzt, A.d.V.) wieder in Kraft setzen.

Vor wenigen Tagen habe ich in einem computerbezogenen Forum gelesen, dass es merkwürdig sei, dass seit Jahrzehnten, abgesehen von (und selbst nur bedingt in) Smartphones, keine nennenswerte Innovation auf dem Betriebssystemmarkt mehr gefunden werden konnte. Ich habe eine Ahnung, woran das liegen könnte: Die Innovativen sind damit beschäftigt, nicht versehentlich an der systemischen Unterdrückung teilzunehmen.

Zu meiner Zeit hätte man denen ja einfach den Computer weggenommen.

Es ist heutzutage recht üblich, Menschen sagen zu hören: „Ich fühle mich davon ein wenig verletzt“, als ob ihnen das irgendwelche Rechte einräumte. Es ist nicht mehr als Flennen. Es hat keine Bedeutung, es hat keinen Zweck, es hat keinen Grund, um als Phrase respektiert zu werden. „Ich fühle mich davon verletzt.“ Na und – was, verdammt?
Stephen Fry

In den NachrichtenMir wird geschlechtNerdkrams
Kurz verlinkt: „Halt! Algorithmenkontrolle!“ (2)

Wie nennt man das eigentlich, wenn es Menschen afroamerikanischer Abstammung und/oder weiblichen Geschlechts entweder wegen fehlender Ahnung oder fehlenden Interesses nicht gebacken bekommen, eine eigene Gesichtserkennungssoftware zu programmieren, und die vorhandene daher am besten bei denen funktioniert, die den Löwenanteil der Arbeit (einschließlich der Tests) geleistet haben?

Richtig: Rassistisch-sexistische Algorithmen!

Zum einen sind Algorithmen nur so klug wie die ihnen zur Verfügung gestellten Daten – und spiegeln deren rassistische oder sexistische Tendenzen wider. (…) Das Ergebnis: die Algorithmic Justice League, ein Projekt, das sich dem Problem widmen soll.

Die Liga der algorithmischen Gerechtigkeit, demnächst auch als Musical. :irre:

Es war im Nachhinein offensichtlich ein Fehler, Computertechnik aus dem universitären Umfeld zu extrahieren.

Nerdkrams
„Sicherer als Windows“ des Tages (8)

Na, auch Linux statt Windows zu Hause?

Dann patcht mal schön euren Virenscanner!

NerdkramsNetzfundstücke
Datengefährdung dank Digitalcourage

Was macht eigentlich der digitalcourage e.V. (Themen: EU-Datenschutz, Vorratsdatenspeicherung, Feminismus usw.) gerade so? Nun, er wird mal wieder durch die Medien getrieben, weil er trotz allem noch immer als in Datenschutzdingen halbwegs standfest gilt. Der aktuelle Anlass scheint eine zwei Jahre alte Pressemitteilung zu sein, der zufolge noch 2018 in Wolfsburg Grundschüler verwanzt werden sollen, um nicht überfahren zu werden.

Für den soeben verlinkten Artikel wurden zwei Auskenner aus dem „Verein, der sich seit 1987 für Grundrechte und Datenschutz einsetzt“ (ebd.), nach ihrer Meinung zu diesem Projekt gefragt. Um den Inhalt soll es mir hier aber nicht gehen, sondern um den Verein selbst. Diesen hatte ich vor etwa einem Jahr zum letzten Mal wirklich bewusst zur Kenntnis genommen – damals empfahl der Verein auf seiner Website, man möge die Installation von Ubuntu, das gerade erst wegen massiver Datenschutzärgernisse, nämlich eingebauter Amazon-Spyware, in die Kritik geraten war, anstelle von Windows in Erwägung ziehen. Es handelt sich also fraglos um einen Verein, der mitunter populistischen Aktionismus (was auch seine medial beachtete Verleihung der „Big Brother Awards“ belegt) überlegtem Raisonnement vorzieht und dabei auch Schaden im eigenen Lager in Kauf nimmt. Kurz gesagt: Was den Datenschutz betrifft, traue ich dem digitalcourage e.V. (der mir unter dem alten Namen „FoeBuD“ wenigstens klanglich sympathischer war) nicht über den Weg und würde dies auch niemandem empfehlen.

Aufgrund des Artikels begutachtete ich die inzwischen – offenbar nach „mobile first“, auf einem vernünftigen Bildschirm sieht sie also zum Speien aus – neu gestaltete Website allerdings doch noch einmal, um mich zu vergewissern, dass meine Vorbehalte nicht plötzlich veraltet sind; das Gute im Menschen beziehungsweise im Verein sei ja nicht gänzlich in Abrede gestellt. Natürlich war das ein Fehler.

Denn zwar wird nun die weniger grundfalsche Linuxdistribution Tails statt Ubuntu empfohlen und auch an anderen Stellen zeigt der Verein zumindest, woher sein weitgehend guter Ruf eigentlich ursprünglich einmal stammte, aber eine konsequente Umsetzung der eigenen Empfehlungen ist dem digitalcourage e.V. auch weiterhin nicht gegeben. Wasser predigen, Cognac saufen.

Auf der Seite über „Anti-Tracking-Tools“ wird nämlich zu Recht darauf hingewiesen, dass es eine saudämliche Idee ist, Websites ohne vernünftigen Grund das Ausführen von Code auf dem eigenen Rechner („JavaScript“) zu erlauben. Leider wird jemand, der sich dessen bewusst ist, diesen Hinweis nicht so leicht finden wie etwas dümmere Menschen, denn wenn man mit ausgeschaltetem JavaScript auf der auf vernünftigen Bildschirmen grotesk gigantischen „Menü“-Schaltfläche herumdrückt, passiert genau gar nichts, denn das „Menü“ (im Wesentlichen aus dem unteren Teil der Seite bestehend) wird nicht etwa mit CSS oder einem einfachen HTML-Verweis auf eben diesen unteren Teil, sondern per JavaScript eingeblendet. Das mag auf mobilen Geräten, auf denen die Aktivierung grundlegender Sicherheitsmaßnahmen oft nicht einmal vorgesehen ist, kein großes Problem darstellen, wenn man auf die Datensicherheit seiner Besucher keinen besonderen Wert legt; aber eben auch nur dann. Dass vor diesem Hintergrund die vollmundige Behauptung aus der Datenschutzerklärung, in der unter anderem auch steht, der Server speichere meine Browserversion (wofür eigentlich?), dass „grundsätzlich“ weder „Tracking“ noch „aktive Inhalte“ (verstehe schon: JavaScript ist eben nicht aktiv genug) verwendet werden, sich als heiße Luft entpuppt, spielt da schon fast keine Rolle mehr.

Vielleicht ist es aber auch nur Unfähigkeit und nicht etwa Unwissen:

Eine Ausnahme stellt das has_js-Cookie dar, mit dem während der Sitzung festgehalten wird, ob im Browser „Javascript“ eingeschaltet ist. Diese Information wird von unserem Content Management System „Drupal“ genutzt, um die Seiten-Darstellung in Ihrem Browser zu optimieren.

Mensch, das mit der Optimierung funktioniert ja richtig klasse! Inwiefern es die Seitendarstellung zu verbessern vermag, wenn man stattdessen JavaScript aktiviert, steht natürlich nicht dabei. Bis auf eine Sammlung dann bewegter Bilder und einer endlich mal funktionierenden Navigationsleiste unter der dafür vorgesehenen Schaltfläche konnte ich jedenfalls gerade keinen Unterschied erkennen. Mir wäre es das ja nicht unbedingt wert.

An verschiedenen Stellen auf seiner Website verkündet der Verein:

Digitalcourage setzt sich für Ihre Privatsphäre und Grundrechte ein. Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende oder mit einer Fördermitgliedschaft.

Ich hatte noch nie so wenig Lust, einem Verein beizutreten.

NerdkramsNetzfundstücke
wahr / falsch / mal sehen

Datentyp des Tages: Troolean.

xdebug.overload_var_dump
Type: boolean, Default value: 2

(via @raichoo)

In den NachrichtenNerdkrams
„Meltdown“ und „Spectre“ beweisen: Open Source bedeutet Korruption.

Es gibt etwas zu feiern im Land der nie enden wollenden bizarren Lust an der Selbstentmannung, nämlich in Linuxland, wo die meisten Sicherheitsforscher zu wohnen scheinen, sichtlich berauscht von Dingen, von denen ich lieber nichts abbekommen möchte: Es durften wieder bunte Bildchen gemalt und Wörter aus dem Englischwörterbuch einer Zweitverwendung zugeführt werden. Ich frage mich ja, wann wohl die erste Sicherheitslücke nur deshalb irgendwo absichtlich eingebaut wird, damit man auch mal so ein Logo bekommt.

Das Doppelloch aus „Meltdown“ und „Spectre“ hat die unfeine Eigenheit, dass es nicht etwa Betriebssysteme, sondern Prozessoren betrifft und vermutlich in Teilen bereits in den 1980er Jahren auf DEC-Systemen, von denen Intel sich manches abgeguckt zu haben scheint, zu finden war. Zu lösen ist das Problemchen letztlich also nur auf unterster Ebene, notdürftig geflickt werden die meisten Stellen, aus denen die Fehler heraustropfen, allerdings zunächst unter Windows, macOS und Linux.

Diese Reihenfolge überrascht, wenn man weiß, dass sich die Entwickler von OpenBSD schon vor über zehn Jahren der potenziellen Ärgernisse in wenigstens x86-kompatiblen CPUs bewusst waren. Die Gründe dafür sind allerdings rein ökonomischer Natur:

Details of the vulnerability within Intel’s silicon are under wraps: an embargo on the specifics is due to lift early this month, perhaps in time for Microsoft’s Patch Tuesday next week. Indeed, patches for the Linux kernel are available for all to see but comments in the source code have been redacted to obfuscate the issue.

Das heißt übersetzt und zusammengefasst: Derjenige Hersteller, der einen mit „Sicherheitslücke“ nur unzureichend beschriebenen Fehler in einer Kernkomponente der meisten derzeit verwendeten Computer verursacht hat, trifft allein die Entscheidung, welche Betriebssysteme vor ihr sicher sein dürfen und welche nicht, und verhängt auf der Grundlage reinen Bauchgefühls ein Embargo gegen die Veröffentlichung von Details. Wer sich an ein solches Embargo nicht hält, der darf beim nächsten Mal eben nicht mehr mitspielen; OpenBSD, dessen Projektleiter Theo de Raadt von irgendwelchen Geheimnissen auf Kosten einer möglichst breiten Computersicherheit ausdrücklich nichts hält, hat jetzt (wie auch andere BSDs) das Nachsehen.

Open Source ist sicher – wenn die Wirtschaft das so will. Aber Hauptsache, das Logo ist schick.


Nachtrag vom 5. Januar:
Der „heise“-Verlag bläst Alarm: Nicht nur gewöhnliche Intelprozessoren sind betroffen, sondern sogar die in Apple-Geräten!!!11!

In den NachrichtenNerdkrams
Passwortcloud dank Reklame im Web

Es freut sich Technikblogger „caschy“:

Nutzer von Android 8.0 Oreo bekommen nämlich Autofill in die Hand gedrückt, der Entwickler greift hierbei nach eigenen Aussagen auf das neu geschaffene Autofill-API zurück, wie es bereits mehrere Passwort-Manager auf der Android-Plattform machen. Bedeutet für euch, dass Inhalte in Passwort-Formularen automatisch unter Android ausgefüllt werden können.

(Absatz zwecks Lesbarkeit umformatiert.)

Was aber tut dieses „Autofill-API“? Nun, laut Dokumentation – Übersetzung und Hervorhebung von mir – ungefähr das, was es auch in gewöhnlichen Webbrowsern auf anständigen Rechnern tut, nur eben auf Android- statt bloß auf Webebene:

Benutzer können Zeit beim Ausfüllen von Formularen sparen, indem sie „Autofill“ auf ihren Geräten nutzen. Android macht das Ausfüllen von Formularen, etwa Konto- und Kreditkartenformularen, mit der Einführung des Autofill-Frameworks einfacher. Dieses Framework verwaltet die Kommunikation zwischen der App und einem Dienst zum automatischen Ausfüllen.

Ist ja immer alles praktisch und wir leben nun mal im Jahr 2018, da muss man sich an so etwas gewöhnen, nicht wahr?

Nein, nicht wahr:

Forscher haben zwei verschiedene Scripts ausgemacht (…), die darauf ausgerichtet sind, identifizierbare Informationen aus browserbasierten Passwortmanagern auszulesen. Die Scripts verrichten ihr Werk, indem sie unsichtbare Anmeldeformulare im Hintergrund der Website einfügen und alles, was die Browser automatisch eintragen, aufschaufeln. (…) Die Plugins fokussieren sich überwiegend auf die Benutzernamen, aber den Forschern zufolge gibt es keine technischen Vorkehrungen dagegen, dass sie auf demselben Weg auch Passwörter sammeln.

Bislang entstammen die Fundstücke der Reklameszene, wer also – wie jeder vernünftige Mensch – seinen Browser von derlei Krempel frei hält, der dürfte nicht ganz so gefährdet sein wie die Zielgruppe todgeweihter Verlage, die unbeirrbar der Ansicht sind, das Blockieren von Schadsoftware sei vor allem geschäftsschädigend. Eine noch wesentlich angenehmere Atmosphäre wird allerdings geschaffen, wenn man einfach darauf verzichtet, irgendwas automatisch ausfüllen zu lassen. In Webbrowsern und in Android selbst ist das noch eine optionale, also abschaltbare Funktion.

Dass das zwangsläufig zu fragwürdigen Kommentaren seitens technikhöriger Zeitgenossen führen wird, denn es sei doch eh egal, weil Google/Facebook/Apple/NSA/Amazon sowieso schon alles über den Protagonisten wissen, sei hier einmal freudig in Kauf genommen. Digitale Selbstverteidigung hieß früher Paranoia.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt: „Halt! Algorithmenkontrolle!“

Es forderte Markus Beckedahl, Gründer und Lautsprecher des schrägen Personalityblogs „Netzpolitik.org“ und qualifizierter Maasversteher, auf dem zur Genüge kommentierten „Congress“:

Netzaktivist Markus Beckedahl hat vor Risiken im Umgang mit Algorithmen gewarnt und eine bessere Kontrolle der Künstlichen Intelligenz gefordert. (…) „Es ist ein weites Feld: Gesundheitsalgorithmen muss man anders regulieren als Facebook-Algorithmen“, erklärte der Blogger.

Diese vorgeschriebenen Handlungsabläufe (lat. „Algorithmen“) sollte wirklich mal jemand in den Griff bekommen. Die geraten sonst noch außer Rand und Band!

In den NachrichtenNerdkrams
UEFIs Rache

Stimmt schon, ist viel besser als Windows:

Unter bestimmten Umständen zerstört die Desktop-Ausgabe des aktuellen Ubuntu 17.10 das Bios vor allem (aber nicht nur) von Lenovo-Rechnern. (…) Auf den genannten Rechnern zerstört Ubuntu 17.10 Desktop die Firmware derart, dass sich dessen Einstellungen nicht mehr speichern lassen.

Dass Tim Schürmann ein BIOS („Bios“) nicht von einem EFI unterscheiden kann: Geschenkt, ist halt „Golem.de“. Nun ist allerdings einer der großen Vorteile eines BIOS („Bios“) gegenüber einem EFI, dass es nicht einfach programmierbar und erweiterbar ist. Ich verstehe schon: Heutige Computernutzer wollen ihre Startparameter mit der Maus zusammenklicken können, mit einem BIOS geht das halt nicht so gut.

Muss wirklich jeder einen Computer benutzen dürfen?

Nerdkrams
„Sicherer als Windows“ des Tages (7)

Na, auch Linux statt Windows zu Hause?

Dann patcht mal schön einen „Fix“ von 2016!

NerdkramsProjekte
Wer sich in die „Cloud“ begibt, der kommt darin um (2).

Ich arbeite momentan quasi nebenbei an einem etwas umfangreicheren Browserdingens, zu dem ich zu gegebener Zeit vielleicht noch ein bisschen Vermarktungsblabla fallen lassen werde. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, habe ich für den endlich veröffentlichten Chromefox „Firefox“ 57 eine einfache Erweiterung geschrieben, die auf deutsch- und englischsprachigen Websites das gefährliche Bingowort „Cloud“ durch „die Computer anderer Leute“ ersetzt, zum Beispiel auf Vergleichsportalen:

So klingt es gleich viel richtiger.

Ich vermute, die Grammatik ist in mancher Formulierung noch nicht ganz sauber. Die erste Testversion ist jedenfalls auf Mozilla.org zu finden. Die Lizenz – wie meist – ist die WTFPL. Erfrischenderweise findet Mozillas automatische Überprüfung, die Lizenz sei nicht sehr schön formuliert. Ich bin immer wieder überrascht.

NerdkramsNetzfundstückePersönliches
Nachtrag zu #280Zeichen: Macht euch ein Blog, ihr Labertaschen.

Twitter kannich erwähnte es gestern – jetzt 280 Zeichen. Die Deutsche Bahn beschwerte sich vermeintlich selbstironisch, dass die Zeichen für die möglichen Gründe für eine Zugverspätung immer noch nicht reichen.

Selbstverständlich hält die Verdoppelung der Zeichenanzahl niemanden auf Twitter davon ab, Twitter gründlich misszuverstehen und seitenlange Selbstgespräche („Threads“) zu beginnen, jetzt noch länger als zuvor, worauf – je nach Thema – dann „Experten“ aus der vornehmlich linkspolitischen Szene (das kann natürlich auch ein Zufall sein) dergestalt reagieren, dass sie den Anfang dieses Selbstgesprächs verlinken und so kurz wie doof „Thread!“ oder „Thread.“ oder „Der ganze Thread.“ drüberschreiben, denn so spannend anmoderierte Vorträge besucht man doch gerne. Dass der großartige Android-Twitterclient Tweetings jüngst wie auch ZenTweet eine Option erhalten hat, Tweets, deren Länge 140 Zeichen überschreitet, gar nicht erst anzuzeigen, lindert die Idiotie zwar, löst es aber nicht.

Es sind – wenig überraschend – oft die gleichen Menschen, die sich einerseits darüber beschweren, dass Twitter sich hinsichtlich seiner neuen Funktionen nicht nach seiner nicht zahlenden Kundschaft richtet, andererseits den Dienst aber für etwas missbrauchen, wofür er gar nicht da ist. Die Zeichenbegrenzung, wie lang auch immer sie nun sein möge, sollte dazu anleiten, eben nicht diese „Tweetstürme“, wie sie im Englischen genannt werden, loszulassen, also einen Text auf eine mehrstellige Anzahl an einzelnen Tweets zu verteilen, sondern sich kurz zu fassen. Dass Twitteraccounts, die von irgendwelchen „linken“ Demonstrationen berichten, in der Regel vor dem eigentlichen Text noch die Uhrzeit nennen, als wären ihre Leser zu dämlich, eine Uhr zu benutzen, war schon wunderlich genug. – Einer meiner langjährigen Twitterkontakte monierte gestern, dass der Wechsel von „Tweetstürmen“ aus jeweils 140 zu bis zu 280 Zeichen Twitter schier unbenutzbar gemacht habe, weil das Kurze, Prägnante dieses Mikroblogsystems bis dahin das Hauptargument gewesen sei, wieso man dort statt zum Beispiel auf Google+ oder Instagram seine Kontakte pflege, und hat damit eigentlich völlig Recht.

Ich teile die Auffassung allerdings nicht, dass ein Wechsel der Plattform hin zu einem anderen fremdgehosteten System, das noch mehr Gelaber ermöglicht, die Fehlkonzeption von Twitter vergessen lässt. Es spricht nichts dagegen, dass längere Monologe eben nicht dort stattfinden, wo sie schwer zu durchschauen, zu zitieren und vor allem wiederzufinden sind, sondern in einem eigenen Blog oder Nichtblog festgehalten werden, dessen neue Beiträge man dann nach Belieben auch etwa auf Twitter und sonstwo automatisch verbreiten kann. Mit Medium gibt es, so ungern ich das auch zugebe, mittlerweile auch einen vergleichsweise unblöden Dienst, der einem das lästige Einrichten weitgehend abnimmt und auf dem man sozusagen sofort lostippen kann. Es gibt keine vernünftige Entschuldigung mehr für „Twitter-Threads“, die über die vorgeschobene Ausrede, dass man dort wenigstens gelesen werde (warum denn?), hinausgeht.

Jaja, Dinge im Web auszuformulieren ist nicht mehr modern, Informationen sind im Fluss, heute Abend interessiert es niemanden mehr, was man heute früh noch für wichtig hielt. Im weißen Rauschen der Twitterstürme bekommt man seine Viertelstunde Ruhm praktisch täglich, zumal sich selbst Tageszeitungen längst auf Twitter bedienen, wenn ihre Redaktionen mal wieder nicht wissen, womit sie die Seiten befüllen sollen. Es bedarf allerdings schon einer äußerst kurzen Aufmerksamkeit für das eigene Tun, wenn man auch nach über 60 Tweets, die allesamt zum selben Beitrag gehören, noch nicht bemerkt hat, dass das, was man gerade tut, für niemanden eine Bereicherung darstellt.

„Thread!“ ist, dieser Schluss drängt sich förmlich auf, ein Szenebegriff für „ich bin zu blöd für Blogs“ und gehört zu den Begriffen, die, wenn sie im eigenen Stummschaltfilter stehen, nicht zu Gesicht zu bekommen niemandem eine lesenswerte Information vorenthält.

Macht euch ein Blog, ihr Labertaschen.


In weiteren Nachrichten: Der Deutsche Tierschutzbund warnt: Tiere, die nur leben, damit wir sie umbringen und essen können, werden mitunter nicht artgerecht gehalten. Wie ärgerlich.

In den NachrichtenNerdkrams
Wer sich in die „Cloud“ begibt, der kommt darin um.

Aus der beliebten Reihe „wer nutzt denn bitte 2017 noch Desktopanwendungen für seine Dokumente?“: Bei „Google Docs“, der bescheuerten Google-„Webanwendung“ zur Erstellung und Verwaltung von so Officekram in „der Cloud“, also auf den Computern anderer Leute, wurden aus Versehen Benutzern ihre Dokumente weggenommen, weil ein Filter, also eine vorsätzlich eingebaute Analysefunktion, der Meinung war, das Geschriebene sei ungeeignet für Google.

Welche Art von Texten diese Analysefunktion, sobald sie endlich wie gewünscht funktioniert, denn überhaupt zulassen oder nicht zulassen wird, bleibt angenehm undokumentiert. Es wäre ja auch langweilig, würde ein so genannter „Dienst“ eines „Dienstleisters“ wie Google einfach mal seinen Dienst verrichten. Zuverlässigkeit ist sooo 90er.

NerdkramsPiratenpartei
Suchmaschinenoptimierung dank Lesezeichenignoranz

Als ich noch ein wenig jünger und das Web noch interessant war, galt bei Gestaltern dieses Webs, zu denen zeitweise auch ich gehören wollte, allen FRAMEs zum Trotz die von Tim Berners-Lee höchstpersönlich tradierte Regel, dass es keinen ersichtlichen Grund gebe, warum coole URIs überhaupt geändert werden sollten, jedoch einige gute Gründe, die dagegen sprechen.

Zu diesen Gründen zählt, dass es durchaus denkbar ist, dass es Menschen geben könnte, die einen URI zwecks späterer Wiederverwendung in ihren Browserlesezeichen hinterlegt haben. Ändert sich dieser URI und gibt es keine serverseitige Umleitung der alten auf die neuen URIs, so laufen die Lesezeichen ins Leere, was nicht nur unpraktisch, sondern zudem oft höchst unerfreulich ist. Mit Xanadu wäre das nicht passiert.

Nun mag man es digitalen Laien noch verzeihen, wenn sie über die Folgen ihres Handelns nicht nachdenken, weil sie zum Beispiel statt Lesezeichen einfach eine Suchmaschine benutzen und alles ab Seite 2 der Ergebnisse – als seien diese unveränderlich – sie ohnehin nicht interessiert, aber solche Laien werden auch einigermaßen selten als Webentwickler eingestellt. Schwerer wiegen Verstöße bei denen, die darum bitten, sich auf das Neuland zu freuen, und sich so als diejenigen darstellen, die verstanden haben wollen, wie das Netz funktioniert: Seit der letzten Erneuerung der Website der Piratenpartei Deutschland sind wieder einmal manche alte Verweise auf Besucherseite aus SEO-Gründen kaputt. Muss man ja verstehen: Wenn man seine Seitenstruktur aus Kosmetikgründen über den Haufen wirft, dann ist es wichtig, dass zuerst einmal die großen Suchmaschinen darüber in Kenntnis gesetzt werden, denn eine politische Partei, die sich der Transparenz verschrieben zu haben behauptet, sollte zwar jederzeit ihre bisherigen Aktionen publiziert haben, aber doch nicht immer an der gleichen Stelle. Bürger langweilen sich, wenn sie nicht dauernd suchen müssen.

„Coole“ URIs werden nicht geändert? Einer der Websitetechniker sieht das so:

Ach, die alte Diskussion wieder. „Cool URLs dont change“. Jaja klar. Damals.
Wir leben aber heute und machen Webseiten für Menschen.

Denn anders als Computer wollen Menschen gar nicht, dass ihre Lesezeichen morgen noch funktionieren. Bemerkenswert ist allerdings, dass ähnlich alte Verweise auf das berüchtigte Piratenpartei-Wiki sich, Diskussionsalter hin oder her, bis heute einer bemerkenswerten Lebendigkeit erfreuen.

Wer war noch mal die Zielgruppe der Piratenpartei?

In den NachrichtenNerdkrams
Bitkom: 11 Prozent der Jugendlichen computern irgendwie.

(Vorbemerkung: Ich empfehle vorab die Lektüre meiner Auffassung von Informatikunterricht.)

Der viel zu gesprächige Verein Bitkom, laut eigenen Angaben „der Digitalverband Deutschlands“, ist in der Vergangenheit nicht gerade dadurch aufgefallen, kluge Überlegungen bloßem Werberduktus vorzuziehen (cf. Kuhstall 4.0). Das leistet der Freude bei Kenntnisnahme einer neuen Pressemitteilung des Verbandes einigen Vorschub, denn man weiß schon vor dem Lesen: Ah, endlich wieder Gratisblödsinn.

Das war auch heute wieder richtig. Heute nämlich erschien unter der geradezu apokalyptischen Überschrift „Nur jeder zehnte Jugendliche kann programmieren“ eine Pressemitteilung („Presseinformation“), mit der Pressesprecher Bastian Pauly offensichtlich versucht hat, die Wette zu gewinnen, wer wohl unwidersprochen den größtmöglichen Quatsch auf der Verbandsseite veröffentlichen darf. Der Dateiname der Pressemitteilung – httpswwwhubberlinen.html, offensichtlich ein Bezug zu dieser zwielichtigen Website – ist dabei noch vergleichsweise harmlos, denn nach der Überschrift wird es nicht mehr besser.

Der größte Teil des Texts ist eine Werbung für die „Verdienste“ und Veranstaltungen des Bitkom e.V. selbst, in deren Rahmen der Verein Schülern „das Coden“ beibringen will; spannend ist jedoch dieser Absatz:

Programmierkenntnisse werden in der digitalen Welt immer wichtiger, aber nur wenige können schon im Jugendalter selbst coden: Gerade einmal jeder zehnte Jugendliche (11 Prozent) kann eigene Programme schreiben oder Webseiten erstellen, wie eine repräsentative Befragung des Digitalverbands Bitkom unter 10- bis 18-Jährigen ergab. „Smartphones und Tablets gehören für viele Kinder und Jugendliche wie selbstverständlich zum Alltag. Aber nur die wenigsten wissen, wie die Geräte eigentlich funktionieren“, sagt Bitkom-Geschäftsleiter Christian Kulick.

Klar: Ist die Prämisse (nämlich: dass Programmieren – im Bitkomvokabular: „Coden“ – eine immer wichtigere Fähigkeit sei, als gäbe es immer noch nicht viel zu viele Programmierer im Land und als sei die Aufgabe von Computern einzig diejenige, programmiert zu werden) erst einmal falsch, ist ihre Folgerung eigentlich auch völlig egal, insofern wäre ich beinahe willens, das so stehen zu lassen, aber eben auch nur beinahe.

Dass „gerade einmal jeder zehnte Jugendliche“ und „11 Prozent der Jugendlichen“ eine unterschiedliche Bedeutung haben, weil 11 Prozent eben nicht „gerade einmal“, sondern „deutlich mehr als“ einer von zehn sind, sei verziehen. Mathematik lässt man als „Digitalverband“ vermutlich lieber den Computer machen und der rundet manchmal nicht so offensichtlich. Schwerer wiegt die ausbleibende Differenzierung zwischen Programmieren, Codeschreiben („Coden“), Webseitenerstellen und Smartphonesverstehen, denn nichts davon bedingt einander. Programmieren kann man einen Videorekorder ebenso wie einen gewöhnlichen Computer, ohne eine einzige Zeile Code zu schreiben; Code kann man bequem irgendwo rauskopieren oder abschreiben, ohne selbst etwas zu programmieren; eine Website kommt (gesetzt den Fall, dass man HTML wie auch zum Beispiel RTF, PDF oder Office XML, das Format von neueren Word-Dokumenten, nicht als Programmiersprache, sondern als Beschreibungssprache versteht, wessen ich mir bei Deutschlands nicht parteilichen Digitalexperten freilich nicht sicher sein kann) selbstredend ohne Programmieren aus; was schließlich das Verständnis der Funktionsweise von Smartphones und Tablets mit Programmieren zu tun hat, kann mir vermutlich nicht einmal Bitkom-Geschäftsleiter Christian Kulick sinnvoll beantworten.

Klar: Sind alles Computer, alles ein Brei. Nach dem Feierabend erst mal Strom in den Computer coden, die Anmeldedaten einprogrammieren und online ein paar virtuelle Monster ins Nichts hacken. Wird schon irgendwie passen. Du machst doch was mit Computern, kannst du nicht…? Ist ja alles Computer heute.

Hat eigentlich schon mal jemand eine solche repräsentative Umfrage unter der Bitkom-Belegschaft durchgeführt?