Archiv für die Kategorie ‘Nerdkrams’.

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NerdkramsNetzfundstücke
Medienkritik CVII: t3ns sieben Tipps für eine schnellere Einordnung als schändlicher Spambot

E-Mail-Signaturen – kennta? -, in der Frühzeit der Kommunikation via E-Mail ein durchaus praktisches Hilfsmittel, um nicht jedes Mal händisch „Ruhe jetzt! Herzlichst, NAME“ drunterschreiben zu müssen, sind seit dem Aufkommen von HTML-formatierten E-Mails durch irgendwelches redundantes Werbergeschmeiß eigentlich nur noch dafür da, den Spamfilter zuverlässiger konfigurieren zu können: Je bunter die Signatur, desto unerwünschter die E-Mail.

Das hat sich wenig überraschend freilich noch nicht bis zu „t3n“ (Untertitel „digital pioneers“), deren Redaktions-E-Mails ich vermutlich auch lieber niemals erhalten möchte, herumgesprochen, denn dort gibt Andreas Weck derzeit sieben Tipps für eine bessere E-Mail-Signatur, bei deren Lesen man sich einigermaßen unsicher wird, ob die Signatur jetzt der Teil über oder unter dem Strich war. (Wieso Strich? – Eben!)

Also:

Wer eine smarte E-Mail-Signatur anlegen möchte, sollte diese sieben Tipps beachten.

Ah, smart also; wie ein Auto, das nicht mehr startet, wenn dem Smartphone mal das Netz ausgeht, oder ein sprachgesteuerter Salzstreuer – kurz gesagt: so was möchte man nicht haben, wenn man keinen gewaltigen Birnenschaden hat.

Das ist Andreas Weck allerdings offensichtlich egal, denn er fährt, albern-jovial duzend, unbeirrt mit den „sieben Tipps“ fort:

1. Arbeite mit Farben

Denn es ist wichtig, dass das Auge beim ersten Erfassen der E-Mail nicht etwa Zeit mit dem Text oben drüber verschwendet, sondern von Anfang an den wichtigsten Inhalt fokussiert, nämlich die Reklame vom – zumeist – Arbeitgeber des Absenders. Wäre ja blöd sonst!

2. Arbeite mit Bildern

(…) Am besten eignet sich beispielsweise eine weiße Wand, vor der sich die Person ablichten lässt.

Oder auch ein tanzender Jesus oder eine Nahaufnahme einer Wasserleiche. Soll sich ja „visuell einbrennen“ (ebd.), die Signatur. – Dass anständige Mailprogramme (also nicht unbedingt so Browserkram) eingebundene Bilder entweder direkt als Spammerkmal markieren oder die Bilder wenigstens als Anhang statt als direkt eingebundenes Bild herunterladen, so dass der Empfänger, falls er die E-Mail überhaupt zu sehen bekommt, noch einmal zusätzlich aktiv werden muss, nur um die langweilige Fresse eines Werbers, die er, falls er gerade mobil ist, auch noch kostenintensiv herunterladen musste, sehen zu dürfen, spricht prinzipiell ja schon dagegen, aber was weiß man bei „t3n“ schon von anständigen Mailprogrammen und/oder mobilen Netzen?

3. Priorisiere die Informationen

Es gilt immer, den begrenzten Platz nicht mit nutzlosen Informationen zu verschwenden.

Das ist prinzipiell richtig und dieser Tipp hätte, wäre es nach mir gegangen, der einzige Tipp sein sollen, denn er sagt im Wesentlichen aus, dass E-Mail-Signaturen nicht der richtige Ablageort für Werbescheiße sind; aber natürlich musste Andreas Weck das präzisieren:

Die persönliche E-Mail-Adresse sollte beispielsweise schnellstens aus der Signatur verschwinden, denn die braucht der E-Mail-Empfänger nicht mehr.

Richtig, denn in einem E-Mail-Header stehen protokollbedingt alle wesentlichen Informationen zur Person, darunter die Absenderadresse (sofern nicht gefälscht), der Absendername (sofern nicht gefälscht) und das Absendedatum. Alles Informationen, die nicht überflüssigerweise nochmals separat übermittelt werden müssten, damit mehr Platz für das Wesentliche (also hochauflösende Fotos von Wirtschaftspfeifen vor noch weißen Wänden) bleibt.

Andererseits:

4. Leite visuell durch die Informationen

(…) Der eigene Name könnte sich beispielsweise durch größere oder fette Buchstaben absetzen.

Der eigene Name, der sowieso schon darüber oder daneben steht, gehört rein, die Mailadresse aber nicht, weil sie sowieso schon darüber oder daneben steht? Ja, wie denn nun?

Sinnvoll ist beispielsweise auch, dass Texte neben einer der oben genannten Bilddateien zu finden sind. Das Bild wird das Augenmerk sofort auf sich lenken und die wichtigen Informationen stehen direkt daneben.

Denn die wichtigen Informationen in einer E-Mail stehen, wie jeder weiß, in der Signatur und nicht etwa über ihr. :ja:

5. Nutze Call-to-Actions

(…) Ein CTA sollte sich entlang der aktuellen Ziele orientieren. Wollt ihr beispielsweise euren neuen Snapchat-Channel pushen? Dann fügt einen Snapcode zum Abscannen ein.

Wenn ich mal von einem großen Internetkonzern gebeten werden sollte, ein neues E-Mail-Protokoll zu entwerfen, werde ich als ersten Schritt eingebundene Bilder als ungültig kennzeichnen. :motz:

6. Sag, wo Kunden dich auch persönlich treffen können

(…) Ein Satz wie „Ich werde vom 25. bis 26. Februar auf der Online-Marketing-Rockstars in Hamburg sein. Ich freue mich, dich dort zu sehen!“ könnte der Aufmacher für ein spannendes Gespräch sein.

Der Aufmacher für ein spannendes Gespräch mit einem potenziellen Kunden oder Geschäftspartner gehört nach meinem Verständnis ja in den verdammten E-Mail-Text und nicht auf die Werbefläche unten drunter, denn der Text ist in der Regel zumindest wenigstens teilweise anlassbezogen und wird nicht einfach gedankenlos weiterverwendet. Ich meine: Ich schließe nicht aus, dass Andreas Weck („Online- und Print-Redakteur“) sein Leben lang immer nur Signaturen, aber noch keinen einzigen Mailtext geschrieben hat und nicht einmal etwas dafür kann, weil man bei „t3n“ nur noch über Snapchat und nicht mehr über E-Mail miteinander redet. Dann möchte ich diesen Einwand zurückziehen. In allen anderen Fällen gibt es für die Annahme, den Aufmacher für ein Gespräch platziere man am besten an einer Stelle, die der Empfänger mit großer Wahrscheinlichkeit höchstens noch bis zur ersten halben Zeile lesen wird, keine vernünftige Ausrede.

7. Achte auf die Pflichtangaben

So nach den ersten drei Bildschirmseiten Signatur kann man ja getrost einmal darüber nachdenken, auch noch steuerrechtliche Quatschtexte in Schriftgröße 9 unterzubringen. Dann ist der Scrollbalken auch länger und der Empfänger freut sich gleich doppelt darüber, so viel schöne Signatur lesen zu dürfen. (Ich kreide dies ausdrücklich, jedoch ausnahmsweise, nicht Andreas Weck an, halte die rechtlichen Vorgaben, sofern sie in der Tat den beschriebenen Inhalt haben, aber für riesengroße Scheiße.)

Ich vermisse die Zeit, als man für eine Signatur, die mehr als drei Textzeilen umfasste, noch umgehend auf irgendwelchen killfiles landete.

In den NachrichtenNerdkrams
Der menschliche Android-Trojaner

In den frühen 1990er Jahren machte sich im Usenet – für die Jüngeren: wie Chat, nur ohne Emojis, dafür mit richtiger Grammatik – der zur damaligen Zeit noch als Ausdruck von Kreativität geltende „Signaturvirus“ breit, der darin bestand, dass man zwecks dessen Ausbreitung einen Text, der übersetzt ungefähr „ich bin ein manueller Virus, bitte kopieren Sie mich“ lautete, in seine eigene Signatur übernehmen sollte. Wie die meisten einigermaßen amüsanten Meme aus der damaligen Zeit schaffte auch dieser „Signaturvirus“ per Mutation die Ausbreitung ins Web und tauchte in den folgenden Jahren – oft erweitert um „bitte löschen Sie eine oder mehrere Dateien“, denn das Web war von Anfang an reich an Benutzern, die feinsinnigen Humor lieber mit dem Holzhammer eingeprügelt bekommen wollten – als afghanischer, elbonischer, irischer, albanischer, schwedischer, polnischer, mexikanischer oder sonstwoher stammender „Virus“ immer mal wieder auf.

Es ist schön, dass diese Tradition nicht vergessen wird:

Eine (…) Variante das Banking-Trojaners Svpeng hat es auf Android-Geräte abgesehen und soll seit Juli auf der Jagd nach Banking- und Kreditkarten-Daten sein. (…) Eine Infektion ist nicht ohne weiteres möglich: Svpeng lauert als Flash Player getarnt auf Webseiten. Ein Opfer muss demzufolge gezielt eine derartige Seite aufrufen, den Schädling herunterladen und installieren. Anschließend muss es sogar noch den Zugriff auf die Accessibility Services des Android-Systems erlauben. (…) Erst wenn das alles erfüllt ist, kann Svpeng Daten abgreifen.

27 Prozent der erkannten Infektionen, heißt es, seien in Deutschland gefunden worden, was wieder einmal dafür spricht, dass es eine ziemlich bescheuerte Idee ist, hierzulande jedem ohne vorherige Reifeprüfung einen Internetzugang zu verkaufen.

Vielleicht sollten wir einfach abwarten, bis die Evolution dieses Problem gelöst hat.

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 25. Juli 2017: Der Webcomics Rettung und anderes.

Gute Neuigkeiten: Zwar wird Microsoft Paint aus Windows 10 demnächst entfernt, jedoch war der Aufruhr so groß, dass es weiterhin zumindest angeboten werden wird. Die Szene der absichtlich laienhaft gestalteten Webcomics (man verstehe dies keineswegs ausnahmslos als Qualitätskritik) und ihrer Abonnenten ist eine durchsetzungskräftige, wie es scheint. Politische Parteien wären gut beraten, ließen sie in Wahlkampfdingen häufiger einmal langjährige Paintnutzer ihre Vorschläge einbringen.


Als stolzer Linux-Desktop-Nutzer – natürlich mit einer dieser Klickibunti-systemd-Distributionen ausgerüstet – hat man sein Portemonnaie gezückt, um ein Netflix-Abonnement abzuschließen, weil man sonst nichts mit seiner Freizeit anzufangen weiß? Dann wünsche ich viel Glück beim Streamen.


Endlich nie wieder in der eigenen Wohnung verlaufen! Der „Roomba“-Staubsauger verscherbelt künftig Raumpläne seiner „Besitzer“.


Ganz ohne Politik würde hier doch etwas fehlen: Was ist eigentlich ein Populist? Wer sich an das Grundgesetz halten möchte, sei ein Populist, behaupten die Fragesteller einer populären Bertelsmannstudie.

NerdkramsWirtschaft
Die Strafe der Spielgeldmillionäre

Eine der wenigen unbeschränkt gültigen Börsenweisheiten lautet ungefähr so: Investiere niemals Geld, das du nicht verlieren möchtest. Das gilt vor allem dann, wenn das Ziel der Investition keinen greifbaren Gegenwert besitzt.

Bezogen auf den greifbaren Gegenwert dessen, was versierte Schwafler als „Fiatgeld“ bezeichnen und was gewöhnlichen Menschen schlicht als Geld bekannt ist, besteht zweifelsohne kein besonders großer Diskussionsbedarf: Über gedrucktes oder geprägtes Geld, längst nicht mehr von Edelmetallen gedeckt, besteht inzwischen seit Jahrhunderten ein gesellschaftlicher Konsens, der ungefähr absehbar macht, gegen welche Waren man es in vielen Geschäften eintauschen kann. Es handelt sich somit eigentlich nur um staatlich akzeptierte Äquivalente zu Muscheln und Schafen. Dass die Umsetzung dieses Konzeptes mit steigender Inflation, sinkenden Zinsen und psychologisch wirkendem Unsinn wie dem Abzug eines Cents vom Preis, damit die Zahl vor dem Komma kleiner ist, bislang mindestens etwas unglücklich verlaufen ist, halte ich auch ohne selbst vorgenommene vorherige statistische Erhebung für einen Konsens der meisten Menschen, die in der wirtschaftlichen Nahrungskette nicht ganz hinten stehen.

Um zumindest einen Teil dieser konzeptionellen Herausforderungen zu umgehen, wurde zwischen 2008 und 2009 die dezentrale Währung „Bitcoin“ ins Leben gerufen. Bei Bitcoins handelt es sich im Wesentlichen um eine Art nicht papiernes Spielgeld ähnlich dem in „Monopoly“ verwendetes, dessen realer Gegenwert in den zur Erzeugung nötigen Stromkosten, die aufgrund der Art der „Berechnung“ neuer Bitcoins fortwährend steigen, besteht; man verschwendet also elektrische Energie, um gehashte Hexadezimalwerte in eine immer größer werdende verteilte Datenbank („Blockchain“) zu schreiben. Wie zum Beweis dafür, wie egal Menschen entgegen der allgemeinen Annahme realer Besitz wirklich ist, bekommt jemand, der einen dieser Hexadezimalwerte einer Bitcoin-Tauschbörse oder einem Mitmenschen verkauft, heute deutlich über 2.000 Euro dafür. Weil dieses Konzept so schön einfach umzusetzen und zu modifizieren ist, gibt es mittlerweile über 800 miteinander konkurrierende, teilweise voneinander abstammende „Blockchains“ beziehungsweise darin gespeicherte Arten von Hashwerten („Kryptowährungen“), von denen einige nach Großinvestition durch Banken und/oder EDV-Konzerne einen höheren Europreis erzielen können als andere. Der nennenswerte Unterschied zwischen Aktionären und Kryptoinvestoren besteht also darin, dass Kryptoinvestoren nichts zum Gelingen der realen Wirtschaft beitragen, sondern ihr Geld aus dem Fenster werfen und hoffen, dass unten jemand steht, der das Geld freiwillig verdoppelt und wieder zurückwirft, statt einfach damit wegzurennen, was manchmal funktioniert und meistens eben nicht. Die eigene Sammlung an Hashwerten wird in der Regel in so genannten wallets abgelegt, was Englisch ist und „Portemonnaie“ bedeutet, aber eigentlich nur eine lokal herumliegende Datei ist. Es gibt bekanntlich kaum einen besseren Ablageplatz für „Geld“ als eine lokal herumliegende Datei.

Um das Zurückwerfen des aus dem Fenster geworfenen Geldes schmackhafter zu machen, gibt es mit „ICOs“, „Initial Coin Offerings“, eine „Blockchain“-Alternative zur Erstzeichnung an einer Börse: Jemand würde gern eine neue „Blockchain“, eine Tauschplattform für Hashwerte, eine neue Hashwertart oder sonstigen virtuellen Krempel programmieren und sammelt zur Finanzierung dieser Unternehmung irgendwelche Hashwerte (derzeit wird gern eine Bezahlung in Ethereum, der momentan zweitplatzierten Hashwährung, verlangt) ein. Die Gegenleistung besteht nach Ablauf der Erstzeichnungsfrist dann meist in Anteilsscheinen in Form von oft wiederum neuartig gehashten Hexadezimalwerten zum Vorzugspreis, die dann vielleicht im Wert steigen und vielleicht auch nicht, was, abhängig von der erfolgten Verwendung des eingenommenen echten Geldes, dann ein riesiger Verlust ist oder vielleicht auch nicht. Scheiterte etwa ein „ICO“, dessen Einkünfte in die Förderung einer Pandapopulation fließen sollten, so wäre dies sicherlich bedrückender als das Scheitern manch anderer Geschäfte. Dass die „ICO“-Idee aus wirtschaftlicher Sicht, berücksichtigt man die andauernde Hyperinflation und -deflation der Wechselkurse zwischen den Hashwerten (allein Bitcoins gewinnen oder verlieren am Tag mitunter dreistellige Dollarbeträge pro „Stück“), eigentlich nur Idioten anziehen sollte, hat bekanntlich noch fast niemanden an irgendetwas gehindert: Allein im Ankündigungsforum des virtuellen Szenetreffs bitcointalk.org nähme das Trinkspiel, für jeden neuen „Smart Contract“, was das gegenwärtige Lieblingsquatschwort der Krypteria ist und ungefähr bedeutet, dass die Hashwerte, die man irgendwo hinschickt, beim Gegenüber weniger wahrscheinlich nicht ankommen als üblich, einen Schnaps frei wählbarer Menge zu trinken, binnen erschreckend kurzer Zeit ein tödliches Ende.

Überraschenderweise ist die dezentrale Schöpfung von gegenwertloser Handelsware über ein nicht nur von wohlwollenden Asketen genutztes Netz aus modifizierbaren Maschinen gar nicht mal aus Sicherheitsgründen eine überragend gute Idee. Ein Währungssystem mit menschlicher Beteiligung kann und wird früher oder später an der fehlenden Perfektion des Menschen zugrunde gehen; und die Unperfektesten sitzen meist am langen Hebel.

Eine der beliebteren wallet-Umsetzungen für Ethereum-Hashwerte trägt den Namen „Parity“ und läuft dort, wo reale Werte am schlechtesten aufgehoben wären, nämlich innerhalb der meistangegriffenen Komponente von Desktopcomputern, d.h. im Webbrowser. Als gäbe das noch nicht genug Anlass zum Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Mitglieder der um „Parity“ herum entstandenen Gemeinschaft, verfügt es obendrein um eine Funktion namens „Multi-Sig-Wallets“, die im Wesentlichen das Geschehen dadurch noch spannender macht, dass mehrere Leute auf das virtuelle „Portemonnaie“ zugreifen können. Eine grandiose Idee. Was kann da schon passieren?

Ach, richtig:

Unbekannte haben eine inzwischen geschlossene Sicherheitslücke im Ethereum-Client des Unternehmens Parity genutzt, um 153.000 Ether auf ihr eigenes Konto zu überweisen. Beim aktuellen Kurs der Kryptowährung sind das umgerechnet etwa 30 Millionen US-Dollar. Der Diebstahl und die Lücke wurden sofort entdeckt. Daraufhin tat sich spontan eine Gruppe namens White Hat Group zusammen und nutzte die gleiche Schwachstelle, um weitere 377.116 Ether aus noch nicht geplünderten Konten zu sichern.

Wie hier zu sehen ist, ist eine „Kryptowährung“ viel besser als anderes Geld, denn wenn irgendjemand an mein reguläres Portemonnaie herankommt, um etwas herauszunehmen, wird sich keine Gruppe zusammenfinden, die den Rest des Geldes in meinem Portemonnaie sichert; und wenn doch, dann hießen sie gleichfalls Diebe und nicht Sicherer. – Zum Glück gibt es mit „ICOs“ eine bequeme und sehr sichere Anlagemöglichkeit für die gesammelten Hashwerte, denn wer hat schon gern ständig ein volles Portemonnaie dabei? Das endet dann manchmal aber statt mit einer Pleite des Projekts auch so:

Unbekannte Angreifer hackten die Website des Projekts Coindash und änderten dort die Kryptogeld-Adresse, an die Investoren bei einem Crowdfunding Geld schicken sollten. Die falsche Adresse war nur wenige Minuten online – genug für einen Millionen-Coup.

(Beide Meldungen sind von heute.)

Wer sein Geld auf die Fensterbank legt, der sollte eben besser nicht im Erdgeschoss wohnen.

Dass die jeweils betroffene „Währung“ Ethereum trotzdem weiter im Wert steigt, spricht zumindest nicht für ein Problembewusstsein der Anleger, denn nach wie vor sind Webbrowser nicht vom Handel mit Kryptogedöns ausgeschlossen. Werfen wir einfach mehr Geld drauf. Dass das Draufwerfen von mehr Geld auf lange Sicht mehr zerstört als repariert, ist einem Zyniker wie mir da ein schwacher Trost: Möglicherweise wird sich in wenigen Wochen die auf großes Wachstum nicht vorbereitete Problemursache Bitcoin zweiteilen, wie es bei Ethereum schon im Juli 2016 – wenn auch, hihi, aus Sicherheitsgründen – passiert ist. Wenn das eintritt, werden diejenigen, die jetzt noch viel Zeit damit verschwenden, ihren Mitmenschen ungefragt von ihrem Reichtum und/oder ihrem guten Riecher zu erzählen, was eine Art Nebenwirkung von Bitcoinbesitz zu sein scheint, möglicherweise vorübergehend ein wenig leiser sein. Das wird schön.

Erinnert sich noch jemand an „Second Life“?

(Offenlegung: Ich habe gelegentlich den einen oder anderen Cent in eine dieser weniger medial beworbenen Spielwährungen investiert, die sich nach wie vor weigert, mich zu einem arroganten reichen Schnösel werden zu lassen. Das stört mich aus vorgenannten Gründen jedoch nicht im Geringsten.)

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt: „Programmierer“ / Chromefox‘ Googleanalyse

Was über Python-„Programmierer“ und GitHub-Nutzer im Übrigen noch zu verlinken bleibt:

Ein Python-Modul, das automatisch den erstbesten leidlich relevanten Code von StackOverflow.com herunterlädt und einbindet – besternt von über 1.400 GitHub-Konten.

:wallbash:


Die zivilisatorische Decke unter Datenschützern wird dünner: Firefox bindet Google Analytics ein.

"Genießen Sie den Browser mit den meisten integrierten Datenschutzfunktionen" (Quelle: https://www.mozilla.org/de/firefox/new/)

Da wächst zusammen, was zusammen gehört.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt: Männer, Frauen und Transalgorithmen sind vor dem Gesetz gleich.

Apropos „die EDV nicht verstehen“:

In Anlehnung an das zehn Jahre alte Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) spricht sich Maas für ein „digitales AGG, ein Antidiskriminierungsgesetz für Algorithmen gegen digitale Diskriminierung und für vorurteilsfreies Programmieren“ aus.

Ich fordere eine Algorithmenquote in deutschen DAX-Vorständen von mindestens 30 Prozent! :aufsmaul:

Nerdkrams
Deutschland ergeht sich in Plattformgewäsch.

Medien auf: Alles voller „Plattformen“.

„Plattformen“, erklärt Steffan Heuer aktuell in einem mehrseitigen Artikel im Wirtschaftsmagazin „brand eins“ (S. 48 ff.), seien die Dienste von Unternehmen wie Facebook, Amazon und Slack, von denen Entscheider aus Einfachheitsgründen gern mal Gebrauch machen. Dass Slack, das restriktive IRC für Mausschubser, als Standardlösung für Firmenchats und das Betriebssystem Unix als Computerfirma (Seite 53 unten) bezeichnet wird, nimmt dem Artikel freilich manche Seriösität.

Trotzdem sind „Plattformen“ (als wäre nicht jede poplige Webseite bereits eine kleine „Plattform“!) gerade auch wegen des „NetzDG“, des vom Bundestag jüngst durchgewinkten Zensurgesetzes, gerade wieder ein aktuell schwelendes Thema: Patrick Breyer, einer der wenigen verbliebenen Datenschutz- und Netzpolitikfachleute der Piratenpartei, hat dieser Tage seinen Twitteraccount entfernt und wird fortan nur noch auf GNU Social erreichbar sein. GNU Social, den Jüngeren muss man das erklären, ist eine vom fanatisch religiösen GNU-Projekt gesteuerte „dezentrale“ Alternative zu Twitter, die ähnlich aussieht, aber zumindest in der Theorie von jedem Benutzer selbst installiert werden kann, so dass die Anzahl an miteinander vernetzten Servern beliebig groß ist und eine zentrale Zensurinfrastruktur nicht ohne Weiteres eingerichtet werden kann. Von GNU Social gab es in der Vergangenheit mit Quitter eine twitterähnliche Instanz, die während einer der ungezählten Wellen von „wir gehen jetzt alle von dem doofen Zensurtwitter weg“ in den letzten Jahren einen bedeutsamen Zuspruch fand; erst vor wenigen Wochen fanden Gab.ai und Mastodon als weitere Twitteralternativen größere mediale Aufmerksamkeit.

Nun steht und fällt natürlich der Erfolg einer solchen „Plattform“ (meinten Sie: Website?) mit einer ausreichend großen Sogwirkung, und wer vor ein paar Jahren das Gewese um Ello, Minds und Diaspora mitbekommen hat, die allesamt ein viel besseres Facebook sein sollten, aber bis heute von den meisten der wenigen Benutzer vermutlich höchstens als Zweit- oder Drittkanal zu Twitter genutzt werden, der fasst sich bei Aufforderungen, man möge doch bitte in irgendeines dieser wie Unkraut nachwachsenden „dezentralen Netze“ kommen, nur mehr an die Stirn. Twitter ist nicht so groß geworden, wie es heute ist, weil es besonders aktiv die Daten seiner Nutzer schützt, sondern, weil man gern nicht nur mit sich selbst reden würde. Auf GNU Social (und so weiter) sind die Interaktionsmöglichkeiten mit anderen Menschen in Ermangelung anderer Menschen hingegen eher begrenzt, was durch die unregelmäßig auftretende Aufteilung der community in diverse, teilweise miteinander inkompatible Besser-als-Twitters nicht besser wird.

Natürlich gibt es Dienste, die man hinsichtlich ihrer liberalen Technik irgendwie besser finden kann als andere, die zumeist irgendwelchen kommerziell orientierten Unternehmen gehören. Man kann also seine Erreichbarkeit in den großen „sozialen Netzwerken“ auf ein Minimum beschränken und der dritte oder vierte Benutzer von GNU Social werden. Man kann auch aus Prinzip irgendein Nischenbetriebssystem nutzen, für das es höchstens drei brauchbare Anwendungen gibt, um es Microsoft mal so richtig zu zeigen. Man kann sich auch ein Bein abhacken, damit skrupellose Schuhhersteller nur noch die Hälfte bekommen. Blödheit ist ja nicht verboten.

Effektiv ist sie nur eben auch nicht unbedingt.

(Offenlegung: Man findet mich sowohl auf Diaspora als auch auf Quitter, jedoch bin ich insbesondere auf Quitter allenfalls alle paar Wochen einmal lesend aktiv.)

NerdkramsNetzfundstücke
„SPIEGEL ONLINE“ weiß: Audiodateien haben häufig keine Bildsequenz.

Am Anfang, so steht es geschrieben, war das Netz kalt und grau.

Neben Mailboxen, BBSen, Gopher und dem Usenet etablierten sich allmählich erste noch recht chatlastige Vorläufer des heutigen Webs, darunter CompuServe, das heute zum damaligen Konkurrenten AOL gehört. Die Computer zur damaligen Zeit konnten wie auch die Leitungen nur vergleichsweise wenig zu einem „Multimedia-Erlebnis“, wie das Angucken von Unsinn in heutiger Werbesprache heißt, beitragen, jedes Byte war wertvoll – ein Grundsatz, der heutzutage leider ein wenig in Vergessenheit geraten ist.

Um trotzdem das eigene Netz ein wenig bunter machen zu können, entwarf man bei CompuServe Mitte der 1980-er Jahre das Grafikformat GIF (Graphics Interchange Format, also „Grafikaustauschformat“), das mit der erst 1984 veröffentlichten LZW-Kompression eine damals innovative Möglichkeit bot, auch über behäbige Leitungen recht ansehnliche Bilder zu verteilen; diese, freilich, waren zwar auf 256 Farben beschränkt, was sowohl 1987 (GIF87a) als auch 1989 (GIF89a) eine Verbesserung gegenüber den vorherigen Graustufenbildern darstellte und noch problemlos ausreichte, um auf gängigen Bildschirmen nicht blöd auszusehen, besaßen jedoch Funktionen, die erst fast zehn Jahre später mit dem PNG-Format wieder ähnlich populär werden sollten, nämlich das Festlegen von Farben als „transparent“ sowie insbesondere das Zusammenfügen mehrerer Einzelbilder zu einer Animation; eine GIF-Datei kann praktisch beliebig viele Teilbilder, mindestens aber 0, enthalten.

Obwohl das LZW-Verfahren (und damit GIF) bis ins derzeitige Jahrtausend hinein patentbehaftet war und wohl auch wegen der Dateigröße setzte sich das ansonsten funktionsreichere APNG (animiertes PNG) niemals durch, auch dann noch nicht, als die Leitungen immer schneller und die Computer immer leistungsfähiger wurden. Während die begrenzte Farbenzahl GIF für einfache Grafiken mit der Zeit gegenüber den fortgeschrittenen, mitunter sogar zu kleineren Dateien führenden Formaten JFIF („JPEG“) und PNG an Boden verlieren ließ, blieb es für einfache Animationen doch die erste Wahl, woran selbst das Aufkommen und Abebben von Flash sowie die Entwicklung von HTML5 und Webvideoformaten nicht viel änderte. Das tanzende Kleinkind symbolisiert das junge World Wide Web bis heute recht treffend.

Diese neuen Webvideoformate kamen GIF sogar entgegen: Der beliebte Bilderhoster Imgur bietet mit GIFV ein eigenes „Format“ an, das hochgeladene animierte GIF-Dateien als MPEG-Video darstellt, wobei mitunter tatsächlich Speicherplatz gespart werden kann. Im Jahr 2013 wurde mit Giphy gar eine eigene Datenbank für animierte GIF-Dateien ins Leben gerufen, die in „sozialen Netzwerken“ auch auf Smartphones einen neuen Ansturm auf witzige Animationen (leider nur noch selten das gute alte Baustellen-GIF), inzwischen von störenden Dateigrößenhemmungen befreit, aus.

Wenn man all das nicht verstanden hat, aber trotzdem im Fachmagazin „SPIEGEL ONLINE“ mit halbgarem Technikwissen reüssieren möchte, klingt obige Erklärung stattdessen ungefähr so:

Ein Gif, die Abkürzung steht für Graphics Interchange Format, ist ein meist extrem kurzes Video. Es zeigt in Dauerschleife nur einige wenige Bilder, häufig ohne Ton.

Zumindest der letzte Teil des Satzes ist ziemlich präzise. :-?

In den NachrichtenNerdkrams
Linuxnutzer entsetzt: Von der NSA entwickelte Software ist überraschend unsicher!

Wikipedia (schon länger):

SELinux (…) ist eine Erweiterung des Linux-Kernels (…). SELinux wird maßgeblich von der NSA und von dem Linux-Distributor Red Hat entwickelt.

Nachrichten (gestern):

Das sudo-Kommando in Linux-Distributionen mit SELinux-Unterstützung enthält eine kritische Schwachstelle. Über diese können Anwender beliebige Daten auf dem System überschreiben und sich so mehr Rechte sichern, als ihnen eigentlich zustehen.

Die Einschläge kommen näher.

Nerdkrams
Tippen statt Wischen: Android und der T-UI-Launcher.

Wenn es einen guten Grund gibt, Android irgendwie prima zu finden, dann ist die Anpassbarkeit sicherlich einer, der in die engere Auswahl kommt. Die Myriaden an konkurrierenden apps für beinahe alles sind längst nicht mehr zu bezwingen.

Das trifft auch und gerade auf die Welt der „Launcher“ zu, der Startbildschirme und Programmwähler; hier konkurrieren die Standardanwendung von Android, die vorinstallierten Alternativen verschiedener Smartphonehersteller (HTCs „Sense“, Samsungs „TouchWiz“, Huaweis „EmotionUI“ und so weiter) und teilweise über Jahre hinweg gepflegte, oft auf dem Programmwähler von Android oder dessen Fork „Trebuchet“ (CyanogenMod) basierende Anwendungen wie Nova Launcher, Apex Launcher, Action Launcher oder der von mir in letzter Zeit immer positiver aufgenommene und aktuell hauptsächlich genutzte Arrow Launcher von ausgerechnet Microsoft darum, den weiterhin stetig wachsenden Kreis der potenziellen Kunden von sich zu überzeugen.

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Nerdkrams
Vims Vielfalt ist sein Untergang

(Vorbemerkung: Es folgt langweiliger Computerkram.)

Im Jahr 2009 jubelte ich:

Vim ist der beste Vielzweckeditor dieses Planeten.

Manchmal liege ich falsch.

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Nerdkrams
Schöner lesezeichnen mit Buku

Das nahende Ende von Firefox als benutzbarer Browser lässt mich nicht nur nach einem neuen Standardbrowser, sondern auch nach neuen Lösungen für bisher für gelöst gehaltene Probleme suchen. Während sich ersteres noch über ein paar Monate erstrecken dürfte, nachdem ich erst gestern feststellen musste, dass selbst der ansonsten nicht schlechte Browser Vivaldi gelegentlich nur mit einem neuen Profil zur Mitarbeit bereit ist, passiert zweiteres in kleinen Schritten.

Heute ersetze ich zum Beispiel Xmarks.

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In den NachrichtenNerdkrams
Überraschende Erkenntnisse aus Vault 7

Es gibt wieder einmal einen neuen Spionagefall, den einen Spionageskandal zu nennen sich allenfalls diejenigen Medien und -konsumenten trauen, deren Blauäugigkeit diese Spionage überhaupt erst ermöglicht: Russische Hacker Informanten unklarer Herkunft haben der Enthüllungsplattform WikiLeaks geheime Dokumente zugesteckt, die den US-amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA überraschenderweise auf eine mit der, auf der die NSA in der öffentlichen Wahrnehmung gerade steht, vergleichbare Stufe heben bzw. senken.

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In den NachrichtenNerdkrams
Reklame, verlegerisch bestätigtes Bollwerk des guten Linksseins

Wisst ihr, warum ihr die sog. „Schuld“ daran tragt, dass Donald Trump der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten wurde?

Weil ihr Werbung blockiert. Denn nur durch das Angucken von Werbung ist die rechte Gefahr noch zu bändigen. Doch, wirklich!

Und Reklame sei immerhin eine wertvolle Ergänzung der journalistischen Qualitätserzeugnisse:

„Anzeigen sind Nachrichten – es sind inhaltliche Informationen im Kernbereich der Pressefreiheit.“ Unabhängig von der Qualität ihres Beitrages hätten „die Annoncen einen informations-, meinungs- und bildungsfördernden Einfluss auf den Leser hinsichtlich des jeweiligen Sachgebietes“.

So weit ist es schon gekommen mit dem Journalismus, dass er bunter Schadsoftware inhaltliche Qualität auf wenigstens eigenem Standard bescheinigt. Werbung gucken gegen Trump.

Mir gehen allmählich die Emotionsausdrücke aus.


Nachtrag vom 8. März 2017, bzw.: Die Trojaner, die Sie sich möglicherweise wegen unserer Lügen einfangen, sind Ihr Problem, nicht unseres.

Nerdkrams
Chromefox‘ Ende

Im Februar 2011, als Google die Welt mit übertriebener Werbung für den ekligen, aber wenigstens noch schön neuen Browser Chrome, die aufstrebende Konkurrenz zum Platzhirsch Mozilla Firefox, behelligte, nahm ich noch an, dass das nichts Gutes zu bedeuten habe. Leider behielt ich Recht.

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