Archiv für die Kategorie ‘Nerdkrams’.

Hier geht’s um Software – je nerdiger, desto besser.

In den NachrichtenNerdkrams
Tore zum Mistmachweb (Nachtrag)

Ich so, 2014:

Auf dem Browser der Zukunft sollte „Bitte keine Werbung einwerfen“ stehen.

Europäische Union so, gestern:

Das Stichwort lautet „Privacy by Design“: Die Software-Anbieter sollen verpflichtet werden, alle Voreinstellungen Privatsphäre-freundlich zu gestalten. Das heißt beispielsweise, dass Cookies von Drittanbietern, etwa Werbenetzwerken, erst einmal geblockt werden sollen. Der Browser soll sich die Einwilligungen vom Nutzer einholen müssen.

Die Wirtschaft so, kurz darauf:

Diese Verordnung stellt etablierte und von den Verbrauchern akzeptierte Geschäftsmodelle in Frage und negiert fundamentale Prinzipien der Digitalen Wirtschaft. Das Internet, wie wir es heute kennen, wird es damit nicht mehr geben.

Das Internet, wie wir es heute kennen, jetzt so:

Party (Lizenz: CC0)

(via Trash-Log)

NerdkramsNetzfundstücke
Wo muss denn unbedingt mehr Internet rein? (CES-2017-Edition)

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt: Was hat Markus Beckedahl eigentlich gegen eine liberale Gesellschaft?

„tante“, 29. November 2016, über die unsägliche „Digitalcharta“ von Markus Beckedahl und so weiter:

Artikel 5 ist für die Meinungsfreiheit sehr gefährlich, insbesondere, weil der Eingriff grundsätzlich vor das Vergehen geschoben wird.

„heise online“, 31. Dezember 2016, über Markus Beckedahls verbale Selbstfünf auf dem schrecklichen 33C3:

Bei den geplanten Maßnahmen gegen Terror und Fake-News im Internet droht die Etablierung einer Zensur-Infrastruktur, warnt Blogger Markus Beckedahl. (…) „Wir sind zu wenige, um für alle Probleme auf der Welt auch sofort die Lösung präsentieren können.“ Deshalb sei es nötig, dass sich mehr Menschen an der Diskussion beteiligten und die Gesetzgebungsverfahren in Brüssel kritisch begleiteten.

Wer begleitet eigentlich Markus Beckedahl kritisch?

In den NachrichtenNerdkrams
Seid Terroristen! (2)

Der richtige Tag, um Terrorist zu werden, ist heute.

Seit Silvester darf der BND offiziell Daten aus ganzen Telekommunikationsnetzen mit Auslandsverkehren auch im Inland komplett abschöpfen, ein halbes Jahr lang auf Vorrat speichern und mit Dritten austauschen.

Es ging nie um Terrorismus.

NerdkramsNetzfundstückePersönliches
Chaos Orchid Club (Nachtrag): Der #33c3 und die Feigen_blätter.

Stefan Krempl („heise online“) findet, ich hätte ein Szeneblog, weil ich zufällig meinen Unmut über die politische Entwicklung des „Congresses“ zu einem passenden Zeitpunkt verschriftlichte. Das ist eigentlich ein bisschen unfair, weil ich es eigentlich zu vermeiden versuche, diese Webpräsenz zu einem dieser elenden Nerdblogs verkommen zu lassen; aber gut, „heise online“ („Das Erwachen der Macht: Star Wars ist endlich erwachsen“, 16. Dezember 2015 u.v.m.) hält sich ja auch für eine Fachpublikation.

Seit meinem Aufreger ist manche Zeit ins Land gegangen und seitdem nicht wieder aufgetaucht, währenddessen geschahen im Wesentlichen zwei Dinge: Zum Ersten wurde der vorläufige „Fahrplan“, also die Vortragsliste, veröffentlicht. Einer meiner Kommentatoren, Thomas Wallutis, zählte auf dieser Liste die Themenblöcke zusammen und stellte fest, dass der mit Abstand größte der Blöcke „Ethics, Society & Politics“ ist, mit 42 Vorträgen liegt dieser Sonderblock für Tagungstouristen, für die das Hackertum allenfalls noch lustige Folklore im Rahmenprogramm ist, sogar noch vor „Security“ (37) und sowieso weit vor „Science“ (17); Politik und Wohlfühlflauschiwatti sind eben wichtig, da sollen die Altnerds sich mal nicht so anstellen. Können ja auf Wahlpartys gehen, wenn sie was mit Computern machen wollen. In „Ethics, Society & Politics“ komme sogar am Rande mal was Technisches vor, stellte er fest, also mal Ruhe bewahren hier. Es werden ja immer noch ein paar EDV-relevante Vorträge reingelassen, so schlimm wird’s dann wohl nicht sein. Das Feigenblatt – Entschuldigung, Sie haben da noch etwas Hacken zwischen den Zähnen – ist von wohlfeiler Art.

Zum Zweiten hat der CCC (da kann man noch so wortreich die Unterschiede zwischen dem Chaos Computer Club und der „Congress“-Veranstaltungs-GmbH zu erklären versuchen) das „Awarenessteam“ für den kommenden „Congress“ noch einmal erklärt; zusammenfassend sind das ein paar Freiwillige, die Hilfe bei Seelenwehwehchen anbieten:

Sexismus, Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit, Ableismus und andere Diskriminierungsformen sind auch dann nicht okay, wenn sie unbeabsichtigt geschehen. (…) Das Awarenessteam steht euch insbesondere zur Seite, wenn:
– ihr euch belästigt oder diskriminiert fühlt
– eure persönlichen Grenzen missachtet wurden
– ihr (akute oder strukturelle) Diskriminierung von anderen Teilnehmenden wahrnehmt
– ihr euch unwohl fühlt und eine Person zum Reden braucht

„Ableismus“, wie Fefe 2014 einmal anschaulich erläutert hat, ist die vermeintliche Diskriminierung von Menschen, die nicht alles können, was man selbst kann; insofern heiße es (siehe ebd.) selbstverständlich „Stand_Sitz_Liegepunkt“ statt „Standpunkt“, denn nicht jeder Mensch ist des Stehens mächtig. Es sei übertrieben, davon zu reden, dass der „Congress“ von Leuten mit einer eher merkwürdigen Agenda in eine bestimmte Richtung gelenkt werde, gaben Leser meines vorherigen Beitrags zum Thema zu bedenken, aber so sicher bin ich mir da keinesfalls.

Wenn sich eines dieser zarten Pflänzchen, die unbedingt auf einem vermeintlichen „Hackerkongress“ sein zu wollen meinen, von einer vermeintlich rüden Zurückweisung, wie sie in introvertiert-technophilen Hackerkreisen durchaus nicht unüblich ist, derart verstört fühlt, dass ein ganzes Team nötig ist, um sein ansonsten irreparabel zerrüttetes Seelenheil wieder auf ein lebensfähiges Niveau zu hieven, dann hat etwas in seiner Entwicklung zu einem gesellschaftstauglichen Menschen dermaßen wenig funktioniert, dass der „Congress“ sich höchstwahrscheinlich eher nicht als geeigneter Therapieplatz anböte. Der da war nicht nett zu mir. Gehaltsverhandlungen mit den Betroffenen stelle ich mir ziemlich anstrengend vor.

Vor ein paar Jahren gab es mit den „Creepercards“ schon einmal eine Aktion, die das „Awarenessteam“ ins öffentliche Bewusstsein brachte, indem ebensolche Orchideen ihr ständiges Beleidigtsein in Kartenform mitbrachten, was zu geradezu bizarren Anschuldigungen führte, allerdings in den folgenden Jahren nicht mehr wiederholt wurde. Nein, die neuen Mittel sind subtiler.

Und sie wirken viel zu gut.

Nerdkrams
Entdigitalisierung als Chance

Vor einigen Tagen schwebte ein Tweet in meine Aufmerksamkeitsblase, der eine Karte des gesamten Internets von Mai 1973 enthielt:

Das Internet 1973. Quelle: Paul Newbury, Carnegie Mellon University

Das Internet („das war doch das mit dem blauen E / der bunten Kugel, ne?“) hat sich seitdem verändert, wenn auch nicht unbedingt zum Besseren. Nicht immer ist mehr auch besser, gerade qualitativ ist das Netz durch den Zuwachs an Linuxforen, Personalityblogs und spammenden Mailservern nicht gerade gewachsen. Dass die Benutzer selbst dabei eine große Rolle spielen, ist nicht von der Hand zu weisen, und wahrscheinlich wäre vieles gewonnen, würde das Grundrecht auf Internetnutzung (sinngemäß spätestens 2013 vom Bundesgerichtshof etabliert) an ein Mindestmaß an Medienkompetenz gebunden, so dass diejenigen, die alles anklicken, was wie ein Link aussieht, und dadurch einer Menge Menschen gelegentlich eine Menge Schaden zufügen, gezwungen wären, sich ein weniger schädliches Hobby zu suchen. Nebeneffekt: Die Spammerbranche würde ausgetrocknet. Dass Freiheit nicht vor Sicherheit gehe, ist ein viel zitiertes Memorandum der geschätzten Bundesregierung – und nie wäre seine Umsetzung willkommener als in diesem Kontext.

Aber die Regierung (nun: die Judikative) tut ihr gewohnt Bestes, die Verbreitung von Spam gesetzlich einzuschränken, indem sie zum Beispiel Verlinkungshaftung etabliert (selbstredend nur für die Anderen), was zumindest dem Abmahnunwesen einen neuen Aufwind verschaffen dürfte.

Ganz ungeachtet dessen, dass Verlinkungen sozusagen das Rückgrat eines wie auch immer gearteten Kommunikationsnetzes bilden, versteht sich.

Die Digitalisierung ist ein wertvolles Kulturgut? Je nach Definition von Kultur. Wenn meine Kloschüssel über des Nachbarn WLAN meinem Kühlschrank sagt, er solle schon mal mein Auto hochfahren, dann ist einiges im Argen. Aber auch das ist nur ein Symptom der Digitalisierung von Narren. Tatsächlich: sie war es einmal und sie könnte es wieder sein, schlösse man nur endlich die Kulturbanausen aus. Ein globales Kommunikationsnetz nationaler (Quatsch: regionaler, nämlich Hamburger) Jurisdiktion zu unterstellen ist jedenfalls in mehrfacher Hinsicht problematisch. Worüber soll ein deutsches Landgericht denn noch so entscheiden dürfen – Bundeswehreinsätze? TTIP? Klimaabkommen? Die Existenz eines Gottes gar? (Indes: Angesichts der bisherigen Historie des durchweg antiliberalen Landgerichts Hamburg wäre voraussichtlich nichts davon irgendwie zu begrüßen.)

Jaja, deutsches Internet muss unter deutschen Gesetzen stehen, sagen seine Juristen. Ich sage: Eine Entdigitalisierung der Welt in den Grenzen von 1973 würde wirklich viele Dinge sehr viel angenehmer machen. Das Grundrecht auf ein Internet sollte dort enden, wo die Rechte eines aufgeklärten, fortschrittlichen Menschen berührt werden.

Also irgendwo kurz vor Hamburg.

Nerdkrams
„Sicherer als Windows“ des Tages (6)

Na, auch Linux statt Windows zu Hause?

Dann patcht mal schön euren Kernel!

NerdkramsNetzfundstückePersönliches
Chaos Orchid Club: Der #33c3, ein teures Missverständnis?

Vorbemerkung: Ich bin mit voller Absicht weiterhin Mitglied des Chaos Computer Clubs, neige jedoch bei Dingen, die mir persönlich wichtig sind, mitunter zur Polemik. Folgender Text ist insofern keineswegs als Verkündung der einzig wahren Meinung zu verstehen und soll als Einladung zur Diskussion begriffen werden.


Nicht unbeeindruckt vom 32. Chaos Communication Congress schrieb ich im Januar d.J.:

Den wohl leider nur vorläufigen Höhepunkt der Umwandlung des Hackertums in ein Flauschnetz für Hobbyverletzte sehe ich mit der keynote des letztjährigen 32C3 erreicht (…): Es sprach eine Afrikanerin, als deren Qualifikation angegeben wurde, dass sie zweimal in ihrem Leben flüchten musste, darüber, dass Menschen netter zueinander sein sollten.

In einer Zeit, in der das Netz dringend einen erfahrenen Fürsprecher als Gegengewicht zu den quasi sträflich unbelesenen Laien von SPD und Digitalcourage braucht, befassen sich diejenigen, deren Profession ab Gründung die kreative Nutzung von Computertechnik – die drei „C“ in „CCC“ hatten irgendwann mal eine Bedeutung, die nichts mit Flüchtlingen und Geschlechterkampf zu tun hatte – zum Gebot erhob, lieber mit Raumfahrt und sozialer Gerechtigkeit. Jedes Jahr werden Platz und freie Eintrittskarten knapper, weil die Veranstalter es für eine gute Idee halten, Quantität der Qualität vorzuziehen: Natürlich ist man auch als Berufslabertasche mit seiner ganzen Familie willkommen, Fachkenntnis ist optional. Denen, die was können, wird schon was einfallen, aber Priorität hat der ganzheitliche Ansatz, denn die Nische, die die seit Jahren vor sich hinsterbende CeBIT hinterlässt, will gefüllt sein.

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NerdkramsProjekte
Mit Common Lisp gegen Webmüll (fortg.: jetzt mit noch mehr Web)

(Vorbemerkung: Es ist mal wieder Zeit für ein wenig Eigenwerbung. Weniger technikbegeisterte Leser sind herzlich dazu eingeladen, stattdessen etwas anderes zu lesen.)

Im März 2016 berichtete ich von einem von mir entwickelten Werkzeug, mit dessen Hilfe aus den meisten Websites RSS-Feeds erstellt werden können. In der Folge nutzte ich es zumindest selbst regelmäßig, die im Artikel vermerkte Möglichkeit, eine grafische Oberfläche bereitzustellen, verfolgte ich aber zunächst nicht weiter.

Eine Diskussion mit einem Interessenten erinnerte mich einige Zeit später daran, dass ich mir das durchaus einmal ansehen wollte; natürlich schlicht und schnörkellos und ohne die Komplexität unnötig zu erhöhen. Weiterlesen ‘Mit Common Lisp gegen Webmüll (fortg.: jetzt mit noch mehr Web)’ »

In den NachrichtenNerdkrams
Seid Terroristen!

Das „umstrittene“ (medialer Fachbegriff für „unvernünftig“) Gesetz zur Legalisierung des bisher wenigstens illegalen, künftig also nur noch abscheulichen Tuns des Bundesnachrichtendienstes wurde heute gegen, selbstverständlich, erbitterten Widerstand der Opposition mit ausdrücklicher Zustimmung der SPD – Projekt 18 läuft super – beschlossen. Ausspionieren unter Freunden ist unerwünscht, aber wir sind eben hier nicht bei Freunden. Damit ist weiterhin und bis auf Weiteres nicht davon auszugehen, dass das, was ihr im Internet so treibt, nur von Facebook, Google und eurem Betriebssystemhersteller mitgelesen werden kann. Es gilt: Private Kommunikation ist weiterhin nur privat, wenn ihr entsprechende Maßnahmen trefft. Wenn Verschlüsselung Terrorismus ist, dann kann das Netz viel von Terroristen lernen.

Ich hatte mich schon 2013 einmal mit effizienten Gegenmaßnahmen beschäftigt und finde es ein wenig erschreckend, wie aktuell manches bleibt; auch weiterhin gilt: Kommuniziert ihr über ein verschlüsseltes VPN, so versteht der Lauscher am DE-CIX nur Bahnhof. Das alles ist natürlich witzlos, wenn ihr trotzdem über fremde Dienste unverschlüsselt kommuniziert, deren Integrität in der Regel ja nicht transparent ist.

Verschlüsselt also so viel wie möglich, sowohl in eurem Messenger (XMPP, vulgo „Jabber“, mit der OTR-Verschlüsselung sollte sich als Standard allmählich durchsetzen) wie auch via E-Mail. Nutzt Mailprogramme, die eine standardisierte Verschlüsselung – bevorzugt GnuPG oder PGP – beherrschen, etwa Claws Mail, The Bat!, Pegasus Mail oder Wanderlust, keinesfalls aber Google Mail oder vergleichbare Dienste, denn eine zuverlässige, überprüfbare Einbindung von GnuPG oder PGP in einen Webmaildienst kann es schon architekturbedingt nicht geben.

Seid selbst die Terroristen. Seid unerwünscht nackt. Clownskostüm und Guy-Fawkes-Maske sind optional.

Wir sind Terroristen und wir sind extrem.
Heiter bis Wolkig: Terroristen

Nerdkrams
„Sicherer als Windows“ des Tages (5)

Na, auch Linux statt Windows zu Hause?

Dann patcht mal schön euren Kernel!

Nerdkrams
Warum Informatik kein Programmierunterricht ist

Was hat das Internet sich nicht wieder köstlich amüsiert: Die F.D.P. fordert das „Programmieren ab Grundschule“, stimmt aber im Landtag gegen ein Pflichtfach Informatik. Haha, die Pünktchenpartei immer. So inkonsequent.

Nur hat Programmieren mit Informatik zunächst mal so viel zu tun wie ein Horoskop mit Astrophysik: Irgendwas mit Computern, irgendwas mit Sternen, wird schon passen. Informatik als Vertiefung der Mathematik lehrt Logik, trockene Automatentheorie, allerdings nicht zwangsläufig ihre Anwendung – und selbst die geht weit über Programmieren hinaus.

Die Mehrzahl aller Informatikabsolventen kann nicht programmieren (und wenn, dann nur in Java), Informatik allgemein läuft super bis auf Programmieren. Als fertig studierter Informatiker mit einer leidlich akzeptablen Durchschnittsnote kann man einen Algorithmus schreiben, der sich in Internetforen über die schlechte Qualität seines Studiums beschwert, aber ihn eben nicht in der Praxis umsetzen, weil weder Algorithmik noch Platinenlöten nennenswerte Kenntnisse in einer Programmiersprache (außer, allenfalls, Assemblersprache oder Lernsprachen wie Python, die sowieso wie lauffähiger Pseudocode aussehen; und selbst das nur, wenn genug Begeisterung für das Thema besteht, weil man in keinem der beiden Fächer zwangsweise mit echtem Quellcode arbeiten muss oder auch nur sollte) mit sich bringen. Für die Wirtschaft sind Leute, die Ideen in verkaufstaugliche Programme einbauen können, allerdings langfristig wichtiger als solche, die sich ab und zu mal was ausdenken, weil sich Ideen eben verdammt schwer in Greifbares verwandeln lassen, wenn niemand da ist, der das tut; und selbst, wenn man von der Wirtschaft nicht viel hält: Wenn ich ein Programm zum Heimgebrauch entwickle, dann macht mir das Schreiben von Code oft deutlich mehr Spaß als das Erarbeiten der dahinter stehenden Logik. Dazu kommt: Kein Wissen aus der Informatik ist zur produktiven Arbeit hierbei zwangsläufig Voraussetzung, denn programmieren kann man auch ohne eine detaillierte Verschriftlichung der erwarteten Ergebnisse.

Richtig ist, dass mehr Menschen programmieren können sollten, denn Programmiertes löst oft Probleme, die man bis dahin für unausweichlich gehalten hatte. Mehr noch: Notwendig erscheint es mir, Medienkompetenz zu einem wichtigen Unterrichtsinhalt in Schule und Studium zu machen. Stimmt, was in Zeitungen und Schulbüchern steht? Wie vertrauenswürdig ist Facebook und womit verdienen die eigentlich ihr Geld? Nur ist auch dies nicht die Aufgabe der Informatik. Ein Informatiker kann eine lange Karriere vor sich haben, ohne jemals mit dem in Berührung zu kommen, was manche hierzulande einen Computer nennen. „Du bist doch Informatiker, du kannst doch sicher mein Auto reparieren, das ist doch heute alles mit Computer.“ (Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass es heißt, es gäbe zu wenig gut ausgebildete Informatiker: Man wäre schön blöd, das herumzuerzählen.)

Im Übrigen gibt es durchaus gute Gründe dafür, dass Informatik ein mehrjähriger Studiengang mit mehreren, einander faktisch ausschließenden Vertiefungen ist: Die wesentlichen Inhalte dieser Disziplin lassen sich nicht zwischen Sportunterricht und Erdkunde begreifen. Wer ein „Pflichtfach Informatik“ fordert, der hat offensichtlich ganz einfach das Wesen der Informatik nicht begriffen. Astrophysiker – da haben wir es wieder – sind ja auch nicht nach dem Abitur schon fertig.

Wer sich also über die eingangs erwähnte vermeintliche Inkonsequenz der F.D.P. amüsiert, dem stünde etwas mehr Unterricht vermutlich nicht schlecht zu Gesicht.


Produkttest des Tages: „Auf den ersten Blick hat Google vieles richtig gemacht: Das Pixel hat eine separate Kopfhörerbuchse und stand während meines fünftägigen Tests kein einziges Mal in Flammen. Für High-End-Smartphones ist das im Herbst 2016 nicht selbstverständlich.“

Nerdkrams
„Sicherer als Windows“ des Tages (4)

Na, auch Linux statt Windows zu Hause?

Dann patcht mal schön eure bash!

In den NachrichtenNerdkramsPiratenpartei
Liegengebliebenes vom 23. September 2016

Was ist besser – Ruby oder Python? Das kommt ganz darauf an.


Google hat einen neuen Spionagemessenger veröffentlicht. Wir sind alle recht überrascht und ein Stück weit betroffen.


Ist das vom „Postillon“? Nein, von „SPIEGEL ONLINE“: Die SPD steckt im Umfragetief, Arbeitsministerin Nahles will nun verstärkt auf soziale Gerechtigkeit setzen.


Schönes Fundstück auch: Blitz und Donner dem Kapitalismus, besuchen Sie uns auf Facebook!


Deutsch/Medien, Medien/Deutsch: Der Rücktritt eines Landesparteivorsitzenden nach einer verlorenen Wahl heißt „Erosion“.


Drei Tage vor seinem Übertritt zu den Brandenburger Grünen tönte der ehemalige Vorsitzende der Berliner Piratenpartei, er sehe das Ausscheiden aus dem Abgeordnetenhaus als Chance, jetzt außerparlamentarisch noch bessere Piratenpolitik zu machen. Meinen herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle an die Brandenburger Grünen zu ihrem moralisch integren Neuzugang. Selten habe ich einen geeigneteren Grünen gesehen.


Dazu auch und abschließend: Hadmut Danisch berichtet von Julia „Bomber Harris, Feuer frei!“ Schramms Facebookbeitrag, in dem sie die Piratenpartei als gefährlich für das menschliche Miteinander ihrer Mitglieder bezeichnet. Es ist schön, dass auch Julia Schramm – inzwischen, wie auch das Gros der ehemaligen Berliner Linkspiraten, bei der „Linken“ – eine humanistische Seite zu haben scheint, es ist nur etwas schade, dass sie die Transferleistung nicht erbringt.

In den NachrichtenNerdkrams
Über Technikverhinderungsprozessoren

Früher bedeutete eine neue Prozessorgeneration oft einen spürbaren Anstieg der gefühlten Leistung, ein quasi exponentielles Wachstum der Nennleistung bei gleichzeitig sinkenden Emissionen. Das ist lange her, Einzelkerngeschwindigkeiten von deutlich über drei Gigahertz sind physikalisch derzeit nicht mit vertretbarem Aufwand zu erreichen (wenn nicht gerade Stickstoffkühlung zum Standardmodell in einem PC oder gar Laptop wird). Werbekampagnen für neue Prozessoren müssen also irgendwie anders auffallen, um einen Neukauf zu rechtfertigen; der Wettbewerb um immer niedrigere Nanometerweiten verliert allmählich seinen Reiz.

Worauf also freut sich denn heute der geneigte Computerkäufer? Richtig: Bald schon gibt es viele neue Hardware mit Intels neuesten Prozessoren mit dem beknackten Codenamen „Kaby Lake“. Sie sollen aus gleichem Strom mehr von allem herausholen: Mehr Rechengeschwindigkeit, mehr Möglichkeiten, mehr Technikverhinderung:

Schließlich gibt es noch eine Erweiterung für Kaby Lake: einen neuen Medienverarbeitungskern. (…) Dieser Videokern erzwingt auch Anti-Piraterie-DRM-Schutz, wie er von den großen Studios vorausgesetzt wird. Hollywoodchefs wollten keine ultrahochauflösenden 4K-Filme aus der „Cloud“ streamen, ohne dass sicher gestellt ist, dass der gewöhnliche Mitschneider es schwer haben wird, und daher gab Intel den Unterhaltungsriesen, was sie wollten.

(Freie Übersetzung von mir.)

Wer sich in ein paar Monaten einen neuen Rechner kauft und nicht gerade auf AMD-Prozessoren zurückgreifen möchte, die in gehobenen Preisklassen durchaus recht selten geworden sind, der tauscht ein paar Cent Stromkosten im Wesentlichen gegen seine Freiheit ein, weil das Gerät, das vordergründig mit grandiosen Multimedialeistungen prahlt, tatsächlich nicht für ihn, sondern für Rechteverwerter gestaltet wurde, deren maßgebliches Interesse an neuer Hardware sich auf die Frage beschränkt, wie man deren Käufern möglichst viele Möglichkeiten nehmen kann, über die ihm zur Verfügung stehenden digitalen Medien frei zu verfügen.

Ohne diese Leute war das Internet irgendwie schöner.