Archiv für die Kategorie ‘Persönliches’.

Ich rede nicht gern über mich, aber manchmal schreibe ich. Und dann schreibe ich das hier.

Persönliches
Die Masken in ihren Köpfen

Da stehen sie und lächeln und man sieht, dass es nicht stimmt. Sie tragen Masken hinter ihrem Gesicht, denn mit Authentizität kommen sie in ihrem Streben nach möglichst viel Haben bei möglichst wenig Soll nicht weiter und sie wissen das. Ein käuflicher Charakter strahlt nur Kälte aus, diese Kälte kann man riechen.

Jäger sein oder Beute? Wer nicht jagt, dem lassen sie keine Chance. Dass man sich in Unternehmen anders, als es Hollywood vormacht, meist nicht hochschlafen kann, das haben sie schnell verstanden. Dass man sich stattdessen jedoch, sicherlich für alle wesentlich angenehmer, hochlügen kann, sei es beruflich oder gerade auch privat, das wussten sie im Grunde ihres steinernen Herzens seit ihrer Geburt. Sie sind Blender und dies ist ihre Chance.

Sie haben sich angepasst an das, was sie für eine Gesellschaft halten, in der sie leben möchten. Man solle doch mitmachen, sagen sie, und nicht immer so viele Fragen stellen, denn nur dann sei man willkommen. Die Gesellschaft habe halt Regeln, die seien jetzt halt so und niemand hat die Macht, sie zu ändern. Ob das nicht unaufrichtig sei? Na klar sei es das, aber man habe ja auch etwas davon, nämlich könne man sein Leben mit all den anderen Blendern verbringen und der Mensch sei nun mal ein soziales Wesen. Was das denn bedeute? Wie – das wisse man nicht? Dann sei ohnehin alles verloren.

Man erinnert sich an den Jungen in der Grundschule, der für ein bisschen zusätzliches Taschengeld Regenwürmer gegessen hatte, und lächelt wissend zurück.

Persönliches
Kopfverkatert.

(Was man, andererseits, offensichtlich schon wieder viel zu lange nicht mehr erlebt hatte, war es, Lektionen hin oder her, zu fühlen, wie das Leben eigentlich funktioniert. We teach old hearts to break. Der sich furchtlos erhebende Tag spendet Licht sowie Zerstreuung und fragt nicht, was besser dunkel bleiben sollte. Die Lebensmaxime „ja, aber“ weiß um ihren Reiz, sind Überzeugungen erst einmal flexibel. Il n’y a que la vérité qui blesse.

Die Rechnung bleibt unerbittlich. Wie viel Trink-Geld darf es sein? Es ist alles geliefert wie bestellt, insbesondere auch: man selbst. Dem Gefühlskater ist mit Aspirin nicht beizukommen. Man könne, heißt es, auf der zweiten Seite von Suchergebnissen eine Leiche verstecken, denn dort sehe niemand nach. Selbstbild als Suchmaschine.

Fehlfarben – Paul Ist Tot

Acht Jahre Midlifecrisis. Manche Fragen stellt man einfach nicht.)

NerdkramsPersönliches
Vero: Früher hieß unser soziales Netzwerk noch „rausgehen“.

Erinnert sich noch jemand an Minds?

Minds ist, ruft eine kurze Recherche zum Beispiel beim ebenfalls zu Recht wieder vergessenen Magazin „WIRED“ in Erinnerung, zwar „ein Social Network wie viele andere auch“, aber „etwas ist anders als bei Facebook oder Google+. Denn Minds wendet sich vor allem an Online-Aktivisten – und wird sogar von Anonymous unterstützt“, wer auch immer „Anonymous“ in diesem Fall jetzt eigentlich war. Das klingt interessant, ist aber egal: Wie auch bei Ello, GNU Social und Diaspora, wobei sich wenigstens Ello inzwischen eines zweiten Lebens als modernere Alternative zu DeviantArt erfreut, blieb auch für es der dauerhafte Zuspruch merklich geringer als der für das anfangs belächelte und zu spät entstandene, in der Androidwelt aber erstaunlich dominante Google+ es bis heute geblieben ist.

Man hätte daraus lernen können, dass es für nur wenige Menschen sinnvoll ist, das „soziale Netzwerk“, in dem sie sich einmal häuslich eingerichtet haben, ohne Not durch ein anderes zu ersetzen oder auch nur zu erweitern. Wer schon unbedingt Wildfremde damit belästigen möchte, welchen zuckrigen Kaffeeersatz er sich gerade reinpfeift oder in welcher Trendfarbe er sich heute angemalt hat (das nennt man dann „Influencer“, wenn ich das so weit richtig verstanden habe), der tut das zumeist dort, wo man mit dem geringsten Aufwand das Profitmaximum erreichen kann. Aktuell scheinen das Instagram und YouTube zu sein.

Ein tritt Vero. Vero, tippt man auf „heise online“ aus dem Waschzettel ab, ist ein nur auf Smartphones verfügbares und somit für die meisten normalen Menschen nur zeitweise brauchbares „soziales Netzwerk“, das drei Jahre lang unbeachtet herumlag, bis irgendwelche Lautsprecher („Influencer“) es auf Instagram plötzlich zu einem „Hype“ machten. Wenn etwas ein „Hype“ ist, nimmt man das einfach hin und fragt nicht mehr als nötig nach, wie es sich für ein gutes EDV-Fachmagazin gehört. Der Mehrwert liege, behauptet man dort, darin, dass angeblich keine intransparenten Algorithmen für die Sortierung der Inhalte sorgten, woran freilich gezweifelt wird, sondern der Nutzer sich wie einst bei Diaspora und Google+ en detail aussuchen könne, wer welchen seiner Beiträge sehen darf. Auf der Website von Vero faselte eine Vermarktungsnull gar etwas davon, dass überhaupt keine Algorithmen zum Einsatz kämen, was mich daran zweifeln lässt, dass die Macher von Vero überhaupt so genau wissen, was ein Algorithmus eigentlich ist.

Natürlich hat Vero auch eines dieser „Manifeste“ veröffentlicht, das dem Besucher in Majuskeln entgegenbrüllt, dass Vero das „natürliche Bedürfnis“ der Menschen zu stillen versuche, alles, was in ihrem Leben geschieht, mit allen anderen Menschen zu „teilen“, wie man das im echten Leben halt auch so mache, wofür aber diese allen anderen Menschen, anders als im echten Leben, auch mit einem Smartphone ausgestattet und auf Vero angemeldet sein müssen. Wie Leben, nur beschränkt. Vero selbst wirbt so konsequent wie dumm mit hipstergefilterten Fotos von zu teurer Hardware auf rustikalen Möbeln, damit auch diejenigen, die bisher gar kein Interesse an so einem Kram hatten, verstehen, worin der Einsatzzweck von Vero liege: im Teilen von hipstergefilterten Fotos von zu teurer Hardware auf rustikalen Möbeln natürlich. Dit is Berlin bzw. Libanon.

Vielleicht habe ich inzwischen das Alter erreicht, in dem mich solche Erfindungen nicht mehr locken, vielleicht hat mir aber auch einfach ohnehin immer schon das Mitteilungsbedürfnis gefehlt, um mich virtuell besser zu vernetzen als bloß meinen Stuss wie bisher einbahnstraßig ins Web zu kippen: Ich habe noch nie ein Foto auf Instagram hochgeladen, noch nie eine Website auf Knuddels gepflegt, noch nie ein Konto bei Ello besessen, und das bis heute Letzte, was mir in „sozialen Netzwerken“ einigermaßen nachhaltig Freude gemacht hat, war Gruscheln auf studiVZ, denn das war zwar damals eine schlecht gemachte Kopie des „Stupsens“ auf dem in Deutschland noch nicht verbreiteten Facebook, aber da war man halt, wenn man Langeweile zu vertreiben hatte. Da hing man aber auch nicht den ganzen Tag vor seinem Telefon ab und fotografierte mit ihm sein Essen, sondern schrieb – nicht einmal in Echtzeit – einander auf vernünftigen Tastaturen Nachrichten mit richtiger Grammatik und ohne Emojis, denn Emojis gab es auf vernünftigen Tastaturen noch nicht und ein Smartphone hatte allgemein noch kaum jemand – wofür auch? Den Sprung in die Zeit des ständig verfügbaren Taschengesprächs hätte studiVZ allerdings sicherlich geschafft, wenn es das nur gewollt hätte. Dass Dienste dieser Art nicht unsterblich sind, hatte noch vor der Gründung von studiVZ schon uboot.com (für Internetarchäologen vielleicht interessant) unter Beweis gestellt, das von den drei „VZs“, MySpace und schließlich auch Facebook selbst so nachdrücklich ausgepresst wurde, dass es vor fünf Jahren vollständig zu existieren aufhörte, obwohl dort auch irgendwann einmal jeder sein musste. Dass die Jugendlichen von damals – jedenfalls: ich – sich heute zu alt für Vero fühlen, gibt diesem Monolog eine bittere Note.

Aber zurück zu Vero: Der Wildwuchs an „sozialen Netzwerken“, den ein Einsteiger heute vorfinden kann, untergräbt die vollmundige Behauptung, Vero erfülle das „natürliche Bedürfnis“ der Menschen, alles ungefragt für ein erwähnenswertes Erlebnis zu halten, denn während diese Behauptung eigentlich von mir bisher nur aus Zügen und Bussen bezeugt werden kann, wiesen auch die bezeugten Ereignisse bislang die Eigenheit auf, dass der Adressat stets eine handverlesene Auswahl an Personen war, oft sogar nur eine einzige. Die Menschen – bezahlte Reklameschergen auf Instagram und YouTube einmal ausgenommen – teilen gern Dinge, die ihnen wichtig sind oder wenigstens zu sein scheinen, mit den Menschen, die ihnen wichtig sind oder wenigstens zu sein scheinen. Die Menschen teilen nicht gern irgendwelchen Firlefanz mit fremden Schuften. Bei Edeka am „schwarzen Brett“ hängt ja auch selten ein Foto von einem Gänseblümchen am Wegesrand. Man ist vielleicht manchmal auch einfach gern allein mit seiner Welt.

Früher hieß unser soziales Netzwerk noch „rausgehen“.

MontagsmusikPersönliches
201∞ // Atrorum – Menschsein

Es ist Montag, aber. In ungezählten Fernsehern laufen die immer gleichen drei Sketch- und Oldiesendungen, um Frustrierte zu beruhigen. Es ist ja alles gut, es ist ja alles wie 2017 und das ist auch schon das Problem.

Die weniger Bedachten lassen seit Tagen Sprengstoff detonieren, erstmals merklich, aber unwesentlich medial gestört, denn es könnte ja Feinstaub entstehen. Die Empörung über das Richtige aus den falschen Gründen hat Methode. Nichts erreicht, nichts gewonnen. Bleigießen, verkündete neulich „bento“, sei ein Spiel, das überraschend viel Blei enthalte. Unnütze Sorgen sind menschlich.

Mit jeder Rakete verpufft ein neuer Traum. Es ist keine Glanzleistung des entwickelten Menschen, dass er in seinen einsamsten Momenten am wenigsten vergessen kann. Wohin, glaubst du, verrinnen deine Tage? Mit einem „leichten Schwips“, schlug der „bento“-Autor vor, solle man einen Blick „in die Zukunft“ werfen. So viel, dass sie rosig aussieht, kann man allerdings kaum trinken. Der erste Gedanke des neuen Jahres ist der letzte des alten: ob es nämlich nicht besser gewesen wäre, wäre es nicht schon vor Jahren irgendwie anders gelaufen. Zeit heilt nicht mal einen Schnupfen. Irgendwo ergreift gerade jemand jemandes Hand. Wer könnte es ihnen verübeln?

Es ist Montag, aber man hat gar keine Lust auf Musik, auf die man morgen noch stolz sein kann.

Atrorum "Menschsein" (Official Audio – 2015, Apathia Records)

Prost Neujahr.

NerdkramsNetzfundstückePersönliches
Nachtrag zu #280Zeichen: Macht euch ein Blog, ihr Labertaschen.

Twitter kannich erwähnte es gestern – jetzt 280 Zeichen. Die Deutsche Bahn beschwerte sich vermeintlich selbstironisch, dass die Zeichen für die möglichen Gründe für eine Zugverspätung immer noch nicht reichen.

Selbstverständlich hält die Verdoppelung der Zeichenanzahl niemanden auf Twitter davon ab, Twitter gründlich misszuverstehen und seitenlange Selbstgespräche („Threads“) zu beginnen, jetzt noch länger als zuvor, worauf – je nach Thema – dann „Experten“ aus der vornehmlich linkspolitischen Szene (das kann natürlich auch ein Zufall sein) dergestalt reagieren, dass sie den Anfang dieses Selbstgesprächs verlinken und so kurz wie doof „Thread!“ oder „Thread.“ oder „Der ganze Thread.“ drüberschreiben, denn so spannend anmoderierte Vorträge besucht man doch gerne. Dass der großartige Android-Twitterclient Tweetings jüngst wie auch ZenTweet eine Option erhalten hat, Tweets, deren Länge 140 Zeichen überschreitet, gar nicht erst anzuzeigen, lindert die Idiotie zwar, löst es aber nicht.

Es sind – wenig überraschend – oft die gleichen Menschen, die sich einerseits darüber beschweren, dass Twitter sich hinsichtlich seiner neuen Funktionen nicht nach seiner nicht zahlenden Kundschaft richtet, andererseits den Dienst aber für etwas missbrauchen, wofür er gar nicht da ist. Die Zeichenbegrenzung, wie lang auch immer sie nun sein möge, sollte dazu anleiten, eben nicht diese „Tweetstürme“, wie sie im Englischen genannt werden, loszulassen, also einen Text auf eine mehrstellige Anzahl an einzelnen Tweets zu verteilen, sondern sich kurz zu fassen. Dass Twitteraccounts, die von irgendwelchen „linken“ Demonstrationen berichten, in der Regel vor dem eigentlichen Text noch die Uhrzeit nennen, als wären ihre Leser zu dämlich, eine Uhr zu benutzen, war schon wunderlich genug. – Einer meiner langjährigen Twitterkontakte monierte gestern, dass der Wechsel von „Tweetstürmen“ aus jeweils 140 zu bis zu 280 Zeichen Twitter schier unbenutzbar gemacht habe, weil das Kurze, Prägnante dieses Mikroblogsystems bis dahin das Hauptargument gewesen sei, wieso man dort statt zum Beispiel auf Google+ oder Instagram seine Kontakte pflege, und hat damit eigentlich völlig Recht.

Ich teile die Auffassung allerdings nicht, dass ein Wechsel der Plattform hin zu einem anderen fremdgehosteten System, das noch mehr Gelaber ermöglicht, die Fehlkonzeption von Twitter vergessen lässt. Es spricht nichts dagegen, dass längere Monologe eben nicht dort stattfinden, wo sie schwer zu durchschauen, zu zitieren und vor allem wiederzufinden sind, sondern in einem eigenen Blog oder Nichtblog festgehalten werden, dessen neue Beiträge man dann nach Belieben auch etwa auf Twitter und sonstwo automatisch verbreiten kann. Mit Medium gibt es, so ungern ich das auch zugebe, mittlerweile auch einen vergleichsweise unblöden Dienst, der einem das lästige Einrichten weitgehend abnimmt und auf dem man sozusagen sofort lostippen kann. Es gibt keine vernünftige Entschuldigung mehr für „Twitter-Threads“, die über die vorgeschobene Ausrede, dass man dort wenigstens gelesen werde (warum denn?), hinausgeht.

Jaja, Dinge im Web auszuformulieren ist nicht mehr modern, Informationen sind im Fluss, heute Abend interessiert es niemanden mehr, was man heute früh noch für wichtig hielt. Im weißen Rauschen der Twitterstürme bekommt man seine Viertelstunde Ruhm praktisch täglich, zumal sich selbst Tageszeitungen längst auf Twitter bedienen, wenn ihre Redaktionen mal wieder nicht wissen, womit sie die Seiten befüllen sollen. Es bedarf allerdings schon einer äußerst kurzen Aufmerksamkeit für das eigene Tun, wenn man auch nach über 60 Tweets, die allesamt zum selben Beitrag gehören, noch nicht bemerkt hat, dass das, was man gerade tut, für niemanden eine Bereicherung darstellt.

„Thread!“ ist, dieser Schluss drängt sich förmlich auf, ein Szenebegriff für „ich bin zu blöd für Blogs“ und gehört zu den Begriffen, die, wenn sie im eigenen Stummschaltfilter stehen, nicht zu Gesicht zu bekommen niemandem eine lesenswerte Information vorenthält.

Macht euch ein Blog, ihr Labertaschen.


In weiteren Nachrichten: Der Deutsche Tierschutzbund warnt: Tiere, die nur leben, damit wir sie umbringen und essen können, werden mitunter nicht artgerecht gehalten. Wie ärgerlich.

Persönliches
Die Welt ist zu laut.

Es klingt – wo immer man zu welcher Tageszeit auch ist – nach Menschen. Unzählige Verkehrsschilder, einander oft bedingend, aber trotzdem sicherheitshalber explizit separat aufgestellt seiend, bitten gleichermaßen um Beachtung wie das mediale Überangebot, das das Beiwerk stellt. Im „Wahlkampf“ (als sei es für irgendwen von Belang, welche Lüge in der laufenden Saison auf wessen Plakaten steht) nur noch von Pseudopolitik übertroffene Allgegenwart von Bildern und Animiertem und Funktionsmusik lässt kaum eine Gelegenheit zum Abschalten, zur Ruhe.

Auf Bahnhöfen wird man in viel zu kurzen Abständen durchweg darüber informiert, dass man sein Gepäck nicht unbeaufsichtigt lassen und – offensichtlich viel wichtiger – sein albernes Gequalme auf die gekennzeichneten Raucherbereiche beschränken solle, denn Rauch macht an gelben Linien bekanntlich immer Halt, weil er weiß, er darf da nicht raus. Diese Durchsagen erfolgen oft im Kanon, weil eine zeitliche Abstimmung offenbar nicht mehr ins Budget gepasst hat. So Durchsagen sind bestimmt teuer in der Herstellung, deswegen laufen sie in einer Schleife, die, wäre sie Warteschlangengeräusch am Telefon, sicherlich längst das passende Unternehmen in die Insolvenz getrieben hätte. Dieser unbedingte Drang nach Information, er ist, was Kommunikation unnötig zum Selbstzweck werden lasst.

Sunn O))) – Black Wedding

Die unterschätzte Tugend des Fressehaltens wird zunichte gemacht von der Werbebranche, für die immer und ausnahmslos gilt, dass nur Lautsein gewinnt, und es zählt längst nicht mehr das Produkt selbst. Heute fand wieder einmal eine Demonstration zum Schutz der Grundrechte statt und auf den einschlägigen Websites werden fleißig selfies geteilt, denn aus „Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Freiheit klaut“ ist längst ein „guck mal, Mutti, ich bin hier und ich bin laut“ geworden. Der Lärm als Selbstzweck, als Rauschmittel, nicht mehr mit Transportfunktion versehen.

In der Akte-X-Episode „Drei Wünsche“ galt vor sechzehn Jahren als Lösung für den Wunsch nach Weltfrieden, die Existenz aller Menschen zu beenden. Allmählich scheint mir das gar nicht mehr so zynisch zu sein. Bei der kommenden Bundestagswahl werde ich nur Parteien wählen, von denen ich bis jetzt noch nie etwas gehört habe, denn nur sie geben mir Ruhe.

PersönlichesPiratenpartei
Warum Basisdemokratie kein Blankoscheck sein darf

Davon, dass die zeitliche Nähe zwischen dem Niedergang der Hackerkultur und dem gesellschaftlichen Aufstieg von Leuten, deren wesentliches Interesse der Neudefinition ihres Geschlechts gilt, war hier bereits 2016 die Rede, ich stellte hierfür einen Zusammenhang zwischen dem Chaos Computer Club und der Piratenpartei her, wobei ich insbesondere die Folgen für ersteren Verein thematisierte. Aus aktuellem Anlass möchte ich heute einmal die andere Seite geringfügig genauer beleuchten.

Es gibt nämlich gute Gründe, dass es mehrere Parteien gibt, und diese liegen nicht nur darin, dass die Existenz nur einer Partei dem jedenfalls papiernen Anspruch der Repräsentation des ganzen heterogenen Volks zuwiderliefe, weswegen im Übrigen auch eine prozentuale „Hürde“ für den Einstieg in irgendein Parlament meiner Auffassung von Volksvertretung nicht entspricht. Es gibt, bewusst griffig verkürzt, mit den „Grünen“ eine Ökopartei, es gibt mit der SPD eine ehemalige Arbeiterpartei, es gibt eine BGE-Partei dieses Namens, es gibt eine erschreckend apolitische „Partei“ namens PARTEI, es gibt mit der „Union“ sogar zwei Parteien für den politisch apathischen Durchschnittsbürger; es gibt außerdem eine Partei, die sich für netzpolitische Belange einzusetzen pflegte, und ihr Name ist Piratenpartei.

Die Piratenpartei, aufgebaut in und dank der Annahme, jeder Beitrag sei eine große Hilfe bei der Umsetzung der politischen Pläne, was später als „Basisdemokratie“ zusammengefasst wurde, kämpfte überzeugend dafür, dass die Belange derer, die 2017 kollektiv beleidigend als „die Netzgemeinde“ bezeichnet werden, als sei das Netz eine abweichlerfreie Sekte und kein Kommunikationsmedium, eine größere Rolle in der Bundespolitik spielen sollten. Bedauerlicherweise wurde die Bereitschaft, keinen am Thema Interessierten abzuweisen, bald dergestalt fehlinterpretiert, dass davon ausgegangen wurde, dass jede noch so bescheuerte Idee, der in anderen Parteien nicht genug zugehört wurde, bei der Piratenpartei gut aufgehoben sei, von Kernkraftkritik über Radikalfeminismus bis hin zum leistungslosen Gratisgeld („BGE“).

Dass das klare und von allen anderen deutschen Parteien weit entfernte, somit einmalige Profil der Partei, die sich für eine politische Integration des Internets in gesellschaftliche Fragen einsetzt, seit 2011 zusehends mehr verwässert wurde, ist Teil des Problems, dessen Folgen sich in perverser Gesetzgebung und Vermehrung von Überwachungsmechanismen zeigen, und es gibt gute Gründe, daran denjenigen eine persönliche Schuld zu geben, die den Unterschied zwischen der Hilfe beim Aufbau einer schlagkräftigen Parteibasis und der Möglichkeit, seine eigene Agenda zu publizieren, nicht verstanden haben.

Ich erkläre das Problem einmal mit einer Analogie: Nehmen wir an, es gibt jemanden, der zu Hause „kein Internet“ hat und dessen Hobbys Rübenzucht und Taubenjagd sind. Welche Partei vertritt seine persönlichen Interessen am besten, in welcher würde er sich willkommen fühlen und gar mit seiner Expertise diese Partei voranbringen? In einer netzpolitischen, einer wirtschaftsorientierten gar?

Eine Partei, man verzeihe mir den Zirkelschluss, heißt Partei, weil sie Partei für eine bestimmte Gruppe (ihre Klientel, ihre Stammwählerschaft eben) ergreift, nicht aber zwangsläufig für jeden geistigen Totalausfall, der gerade was sagen will. Offene Arme für jeden Fantasten haben schon ganz andere Projekte als bloß eine Partei zerstört. Wenn jemand offensichtlich völlig andere politische Vorstellungen als ich selbst habe, dann nehme ich das zur Kenntnis, weiß aber auch, dass ein Konsens nicht funktionieren kann, weshalb ich diesen Jemand auch nicht „einzubinden“ und „teilhaben“ zu lassen versuche. Es ist ein gewaltiger Fehler, als Partei anzunehmen, dass jeder Knallkopf Gehör finden sollte, wofür Zeit geopfert werden müsste, die stattdessen auch in sinnvollere Tätigkeiten, zum Beispiel für den Kampf für anständige Netzpolitik, investiert werden könnte. Parteien sind keine Buchklubs.

Die Piratenpartei – Offenlegung: noch immer mit meiner Mitgliedschaft ausgestattet – ist konzeptionell eine netzpolitische Partei, zusammengesetzt zweifellos aus Menschen verschiedenster Art. Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden. Wer jedoch zwar vor vielfältigen Ideen nur so überschäumt, jedoch keinerlei Interesse an einer modernen Netz- oder wenigstens Urheberrechtspolitik hat, der ist in einer politischen, innerparteilichen Diskussion mit mir persönlich nicht willkommen, weil er anders als diejenigen, die wenigstens in den Themen, die der Piratenpartei überhaupt einen Grund zum Fortbestand verleihen, eine diskussionswürdige Meinung vertreten, lediglich ein Klotz am Bein wäre, denn er hat zur Umsetzung der Ziele, für die diese Partei überhaupt existiert, nichts beizutragen, was es wert wäre, gehört zu werden.

Eine Partei muss auch mal sagen: Leute, ihr seid uns hier echt im Weg.

(Zweitverwertet aus einer Diskussion auf Twitter.)

Persönliches
Selber hygge!

Nach Sondierung des diesmonatigen Angebots an Frauenzeitschriften – regelmäßige Leser dieser Website wissen um deren humoristische Qualitäten – ließ es sich nicht vermeiden, dass auch mir als von Trends nicht viel haltendem Wirrkopf das Hyggesein als Lebensstil begegnete, immerhin gerade mal ein halbes Jahr, nachdem es die „ZEIT“ umfangreich thematisierte. Was also ist ein Hygge?

So heißt Gemütlichkeit in Dänemark. Die halbe Welt will von den Dänen lernen, wie man es sich drinnen nett macht, wenn es draußen ungemütlicher wird.

Verstehe: Weil Deutschland seine Gemütlichkeitseit 1892 auch im anglophonen Raum ein Begriff – abhanden gekommen ist, versuchen wir es stattdessen mit einem Import aus einer anderen Gesellschaft als der unseren.

Um dieser Gemütlichkeit äußeren Nachdruck zu verleihen, wird der Pressemarkt mit Erzeugnissen wie dem Magazin „hygge“ aus der Verlagsgruppe „Deutsche Medien-Manufaktur“, die sonst auch Welterfolge wie die Küchenheftchen „essen & trinken“, „essen & trinken mit THERMOMIX“ und „flow“, als „eine Zeitschrift ohne Eile, über kleines Glück und das einfache Leben“ bereits eine etablierte Konkurrenz aus eigenem Hause, in ihrem Portfolio aufführt, und jedes Mal, wenn irgendein Kackunternehmen, in dem von Handarbeit noch kaum jemand auch nur etwas gehört hat, sich „Manufaktur“ nennt, empfinde ich ein bisschen weniger Gemütlichkeit als noch zuvor. Dagegen hilft auch kein nicht alkoholhaltiges Magazin dieses Landes mehr. Hat nur noch diese Zeitschrift gefehlt, als sei turnusmäßig reproduziertes, mehrseitiges Gequatsche ein wertvollerer Ratgeber als fünf einfache Worte.

Laut Amazon.de werden seit Herbst 2016 nicht nur ungezählte Zeitschriften, sondern vor allem auch Bücher über die jeweils beste Art zu hyggen publiziert, der dortige „Bestseller“ wie auch der der „Sunday Times“ und der „New York Times“ ist derzeit „The Little Book of Hygge: The Danish Way to Live Well“, einsortiert in die Kategorie „Skandinavische Küche“, als ginge es bloß ums Essen und nicht um eine quasi vollständige Lebensanleitung.

„Hyggelig“, faselte Alix Berber für „bento“, seien „auf dem Sofa Filme schauen“, „selbst backen“ und „klare Strukturen“, und beim Gebäck sei es nicht etwa irgendein Kuchen, sondern „eigens kreierte Zimtkekse mit gesundem Vollkornmehl“, und dazu ein vermutlich entkoffeinierter Kaffee aus handgerollten Kaffeebohnen und ein „Bildband über Wälder“. Früher nannte man das spröden Waldorfcharme oder Prenzlauer-Berg-Habitus, heute ist es eben „hyggelig“. Selten fand ich mein enttrendetes Leben so interessant.

Subjektive Gemütlichkeit herzustellen, indem man Feng-Shui-mäßige Einrichtungstipps von Fremden befolgt, erscheint mir jedenfalls nicht als ein verständiger Weg zum Glück. Das hat nun immerhin auch die Lebensstilvermarktungsbranche erkannt und meldet selbst Zweifel an der von ihr geschaffenen Hyggeblase an – denn schon bald ist alles hallyu.

:irre:

In den NachrichtenMontagsmusikPersönliches
Porcupine Tree – Arriving Somewhere But Not Here

Montagsstimmung (Symboleule)Es ist Montag, doch die schwere Menschlichkeit des Wochenendes sitzt noch tief unter der Haut. Niveauvoller Unsinn in guter Gesellschaft und völlige Verwirrung durch sonst sicherlich Gewöhnliches; davon zehrt ein Menschenskeptiker für Wochen. Bloß nicht nachlassen und dann aber eben doch wieder an der eigenen Unzulänglichkeit fast ersticken. Hoch zu pokern verleidet einem nur das Schachspiel. Leben, du alte Knackwurst. Denken wir ratlos an Antalya und tun wir unbeeindruckt.

Gute Nachrichten: In Wien wird laut österreichischer Presse das erste Wohnhaus des Landes gebaut, in dem Menschen aller sexuellen Orientierungen gleichzeitig wohnen dürfen. Bis jetzt mussten Schwule in Österreich anscheinend außerhalb von Häusern wohnen.

Derweil auf „SPIEGEL ONLINE“: „Trump-Gegner feiern politische Ideen aus dem 19. Jahrhundert“, schreibt Benjamin Moldenhauer, als sei dies ein geradezu revolutionärer Schritt in einem Staatenbund, dessen Verfassung im 19. Jahrhundert schon alt war und der sich in Teilen auf ein politisches System aus dem vorchristlichen Athen beruft. Anderswo fliegen währenddessen Fußballtrainer raus, weil sie zu erfolgreich sind. Gegner muss man auch mal gewinnen lassen, nämlich. Sonst sind sie traurig.

Did you ever imagine the last thing you’d hear as you’re fading out was a song?

Porcupine Tree – Arriving Somewhere But Not Here (Live)

Guten Morgen.

PersönlichesPolitik
Expertokratie als Ausweg aus der Maizière

Der derzeit noch als alternativlos beworbene Weg der parlamentarischen Demokratie, die vermeintliche Interessensvertretung des Volkes durch eine Regierung mit eigener Agenda, lässt sich inzwischen gesichert als gescheitert ansehen. Keine Alternative ist in direkter Demokratie zu sehen, denn schon die parlamentarische Demokratie scheitert daran, dass gerade diejenigen mit der geringsten politischen Bildung Gebrauch von ihrem Wahlrecht machen.

In einem Staat, der für Studium und Autofahren eine Reifeprüfung voraussetzt, sollte das Wählen, dessen Folgen noch weitaus schlimmer als ein gleichwie schwerer Autounfall sein können, erst recht einen Nachweis über die ausreichende geistige Reife zur Partizipation voraussetzen. Daraus lassen sich folgende Ideen für eine lebenswerte Zukunft der Gesellschaft ableiten:

  1. Das Wahlrecht sollte kein Grundrecht bleiben, vielmehr sollte es denen offenstehen, die eine wie auch immer geartete Befähigung zu progressivem Denken aufweisen.
  2. Die gleichzeitige Mitgliedschaft in einer religiösen Gemeinschaft und dem Wahlsystem des Landes muss ausgeschlossen bleiben, um die endlich notwendigen Anreize zur Trennung von Staat und Kirche zu schaffen und eine weitere Entsäkularisierung der Politik nachhaltig zu verhindern.
  3. Es muss engere Grenzen für Parteiprogramme geben. Eine Partei, die den digitalen Wandel programmatisch verschläft, ist als nicht gegenwartstauglich einzustufen.
  4. Video- und Datentransferüberwachung sind im Weiteren ausschließlich in den Geschäftsräumen der Landes- und Bundesregierungen gestattet.

Und dann warten wir einfach mal ab.

MontagsmusikPersönlichesPiratenpartei
Marteria, Yasha & Miss Platnum – Lila Wolken // Übrigens.

Das IST wach(Eigentlich Parteipolitik nicht besonders schätzen und deswegen erschöpfende Wochenenden mit ihr statt ihr verbringen; eigentlich Menschen nicht dauerhaft für einen geeigneten Umgang halten und deswegen mehr Zeit mit ihnen verbringen als gesellschaftlich mindestens akzeptabel; eigentlich laute Grölmusik für furchtbar halten und deswegen in einer Szenekneipe versanden; eigentlich zu alt sein für den Quatsch und deswegen nicht vor der Sperrstunde über den Heimweg nachdenken; es eigentlich besser wissen hätten sollen und deswegen nichts besser machen. Die Flasche Rufpolitur ist leer.)

Ach, was soll’s.

Marteria, Yasha & Miss Platnum – Lila Wolken (Offizielles Musikvideo)

Guten Morgen.

Persönliches
Tag der Lethargie

(… und dann, wie jedes Jahr, spricht der Volksmund wieder einmal vom „Tag der Liebe“, ganz so, als sei Liebe für die meisten Münder des Volkes das Gegenteil von Alltag und Romantik ein Konsumgut, und das stimmt dann einerseits ein wenig nachdenklich, hilft andererseits aber nur unwesentlich bei der Verwirklichung des eigenen Tagesplans, dessen erschwerte Bedingungen man sich obendrein noch selbst zuzuschreiben hat, denn noch vor wenigen Wochen hatte man sich den Februar derart ausgemalt, dass man zu wenigstens zweit irgendwo in der Wärme sich treiben lässt, auf dass der Resturlaub aus mehr als nur kalendarischen Gründen seiner Bestimmung zugeführt werden möge, aber man hat es auf gewohnt geistesabwesende Weise wie üblich mal wieder nicht weiter gebracht als bis eben an genau diesen Punkt, an dem alles wieder zu lange gut oder wenigstens nicht übermäßig grauenvoll zu sein schien. Alleinsein ist die Waffe derer, die ihr Pulver verschossen haben. Raute wasfehlt.)

PersönlichesSonstiges
Passengers (3D): Die Spannung ist kaum auszuhalten.

(Vorbemerkung: Es folgt eine Filmbeschreibung. Keine Sorge – der Film ist hinterher noch genau so spannend wie vorher.)

Aus Versehen sah ich gestern den Film „Passengers“ in der 3D-Fassung, mithin meinen ersten 3D-Film. Kinos aus Preis- und Qualitätsgründen weitgehend zu meiden bringt auch seine Besonderheiten mit sich.

Die Handlung ist schnell erzählt: Ein Mann aus der Mittelschicht lernt auf einem gestrandeten Raumschiff zufällig eine leidlich ansehnliche Frau aus besseren Verhältnissen kennen. Wahnwitzige Prognosen über den weiteren Filmverlauf abzugeben schien zu Unrecht verfrüht, denn der Film endet genau auf jene Weise, auf die Filme dieser Art nun einmal enden, wobei wider Erwarten die einzige leidlich spannende Teilhandlung in „Passengers“ kurz vor Ende des Films und selbstredend in letzter Sekunde abgebrochen wird.

Von einer Science-Fiction-Komödie war bezüglich „Passengers“ die Rede, allerdings werden sowohl Wissenschaft als auch Witzigkeit allenfalls angekratzt, niemals jedoch durchstoßen. Fiktion aber gibt es zuhauf, angefangen bei der reichlich unrealistischen Handlung an sich und längst nicht endend beim glücklichen und, ich erwähnte es bereits, unglaublich langweiligen Ende. Dass es diesen Film in 3D gibt, verleiht seiner Grauenhaftigkeit nochmals ein besonderes flair, denn nach der Einleitung des Films – die Sony-Animation gefällt mir in 3D bedauerlicherweise recht gut – gibt es praktisch keine Szene mehr, die von den supermodernen Supereffekten zu profitieren wüsste; stattdessen sieht man des Öfteren Chris Pratt ausdruckslos vor einem Hintergrund herumstehen. Wird es jemals eine deutsche Neuaufnahme geben, möchte ich schon jetzt Til Schweiger für diese Rolle vorschlagen.

Schön, so was mal gesehen zu haben. Man spart sich künftig so viel Frust.

In den NachrichtenMontagsmusikPersönliches
David Guetta – Memories

Was war DAS?Es ist Montag. Das Wochenende liegt noch schwer in den Knochen, man ist das Menschliche eben einfach nicht mehr gewohnt oder war es einfach noch nie. Zweifel und Misanthropie im Rausch zu ertränken lässt Wirrnis sich verschieben, während man noch ein Duell führt mit dem, was man für Wahrheit zu halten schien; Konsum, Konsum. Man ist so durch, wie man sich fühlt. Zur Perfektion allein genügt hätte, was selten so fehlte wie diesmal. Ein Königreich für einen Pelz.

Die Welt trägt das Ihre zur vollendeten Fassungslosigkeit bei. Sicherheitslücke im Herzschrittmacher, da hätte bestimmt einfach nur mehr Internet rein gemusst. Die Menschen werden ja auch nicht klüger, mit Bildung ist dem nicht mehr beizukommen: Schüler zu doof? Einfach Punkte schenken. Geben wir ihnen doch gleich einen Doktortitel und einen Vorstandsposten dazu, damit ihnen keine Nachteile entstehen gegenüber so Pack, das für seine Leistungen noch ehrliche Arbeit hätte verrichten müssen.

Wo es für Mathematik nicht reicht, braucht man auf sonstige geistige Tiefe auch nicht mehr zu hoffen: Randalierer behindern Hochschulvortrag eines AfD-Vertreters und freuen sich hinterher darüber, welch erlesenen Dienst sie dadurch der Meinungsvielfalt erwiesen haben. Den Ideen mancher Mitmenschen würde ein wenig Anstand durchaus mehr Gewicht verleihen.

Es ist, jedenfalls, Montag. Hey, hey.

David Guetta Feat. Kid Cudi – Memories (Official Video)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritikPersönliches
Kurzkritik // So melancholisch muss man erst mal sein: Halma – Granular

Manchmal – selten, aber mit steigender Frequenz -, wenn die Gesamtsituation den Verfasser dieser Zeilen zu mehr Trübsinn als Freude verleitet, greift er (also: ich) nicht unbedingt zur Flasche oder zum Texteditor, sondern in die Spielekiste, denn dann steht ein wunderbarer Kanal zur Gedankenreinigung offen: Halma spielen, um die Sehnsucht zu vertreiben.

Das Hamburger Quartett dieses Namens nämlich veröffentlichte 2015 mit „Granular“ (vgl. Amazon) bei der Plattenfirma von, natürlich, Nihiling ein wunderbares Slowcorealbum, dessen bassgeführtes Instrumentalfundament unter die Haut geht wie sonst nur Tätowierungen, aber sich als ihnen in jeder Hinsicht überlegen zeigt.

Halma – Granular [Full Album]

Der Musik gewordene Melancholieschwamm entschleunigt, ohne träge zu wirken. Klänge wie ein Herzschlag, das Album zum #wasfehlt-Hashtag. Von Krautrock ist gelegentlich die Rede, wird über dieses Album gesprochen. Selten war es so packend, dass das mal nicht stimmte. Eine tiefe Verbeugung nach Hamburg und ein Glas in die Höhe. Ich bin beeindruckend bedrückt.