Archiv für die Kategorie ‘Persönliches’.

Ich rede nicht gern über mich, aber manchmal schreibe ich. Und dann schreibe ich das hier.

PersönlichesSonstiges
Passengers (3D): Die Spannung ist kaum auszuhalten.

(Vorbemerkung: Es folgt eine Filmbeschreibung. Keine Sorge – der Film ist hinterher noch genau so spannend wie vorher.)

Aus Versehen sah ich gestern den Film „Passengers“ in der 3D-Fassung, mithin meinen ersten 3D-Film. Kinos aus Preis- und Qualitätsgründen weitgehend zu meiden bringt auch seine Besonderheiten mit sich.

Die Handlung ist schnell erzählt: Ein Mann aus der Mittelschicht lernt auf einem gestrandeten Raumschiff zufällig eine leidlich ansehnliche Frau aus besseren Verhältnissen kennen. Wahnwitzige Prognosen über den weiteren Filmverlauf abzugeben schien zu Unrecht verfrüht, denn der Film endet genau auf jene Weise, auf die Filme dieser Art nun einmal enden, wobei wider Erwarten die einzige leidlich spannende Teilhandlung in „Passengers“ kurz vor Ende des Films und selbstredend in letzter Sekunde abgebrochen wird.

Von einer Science-Fiction-Komödie war bezüglich „Passengers“ die Rede, allerdings werden sowohl Wissenschaft als auch Witzigkeit allenfalls angekratzt, niemals jedoch durchstoßen. Fiktion aber gibt es zuhauf, angefangen bei der reichlich unrealistischen Handlung an sich und längst nicht endend beim glücklichen und, ich erwähnte es bereits, unglaublich langweiligen Ende. Dass es diesen Film in 3D gibt, verleiht seiner Grauenhaftigkeit nochmals ein besonderes flair, denn nach der Einleitung des Films – die Sony-Animation gefällt mir in 3D bedauerlicherweise recht gut – gibt es praktisch keine Szene mehr, die von den supermodernen Supereffekten zu profitieren wüsste; stattdessen sieht man des Öfteren Chris Pratt ausdruckslos vor einem Hintergrund herumstehen. Wird es jemals eine deutsche Neuaufnahme geben, möchte ich schon jetzt Til Schweiger für diese Rolle vorschlagen.

Schön, so was mal gesehen zu haben. Man spart sich künftig so viel Frust.

In den NachrichtenMontagsmusikPersönliches
David Guetta – Memories

Was war DAS?Es ist Montag. Das Wochenende liegt noch schwer in den Knochen, man ist das Menschliche eben einfach nicht mehr gewohnt oder war es einfach noch nie. Zweifel und Misanthropie im Rausch zu ertränken lässt Wirrnis sich verschieben, während man noch ein Duell führt mit dem, was man für Wahrheit zu halten schien; Konsum, Konsum. Man ist so durch, wie man sich fühlt. Zur Perfektion allein genügt hätte, was selten so fehlte wie diesmal. Ein Königreich für einen Pelz.

Die Welt trägt das Ihre zur vollendeten Fassungslosigkeit bei. Sicherheitslücke im Herzschrittmacher, da hätte bestimmt einfach nur mehr Internet rein gemusst. Die Menschen werden ja auch nicht klüger, mit Bildung ist dem nicht mehr beizukommen: Schüler zu doof? Einfach Punkte schenken. Geben wir ihnen doch gleich einen Doktortitel und einen Vorstandsposten dazu, damit ihnen keine Nachteile entstehen gegenüber so Pack, das für seine Leistungen noch ehrliche Arbeit hätte verrichten müssen.

Wo es für Mathematik nicht reicht, braucht man auf sonstige geistige Tiefe auch nicht mehr zu hoffen: Randalierer behindern Hochschulvortrag eines AfD-Vertreters und freuen sich hinterher darüber, welch erlesenen Dienst sie dadurch der Meinungsvielfalt erwiesen haben. Den Ideen mancher Mitmenschen würde ein wenig Anstand durchaus mehr Gewicht verleihen.

Es ist, jedenfalls, Montag. Hey, hey.

David Guetta Feat. Kid Cudi – Memories (Official Video)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritikPersönliches
Kurzkritik // So melancholisch muss man erst mal sein: Halma – Granular

Manchmal – selten, aber mit steigender Frequenz -, wenn die Gesamtsituation den Verfasser dieser Zeilen zu mehr Trübsinn als Freude verleitet, greift er (also: ich) nicht unbedingt zur Flasche oder zum Texteditor, sondern in die Spielekiste, denn dann steht ein wunderbarer Kanal zur Gedankenreinigung offen: Halma spielen, um die Sehnsucht zu vertreiben.

Das Hamburger Quartett dieses Namens nämlich veröffentlichte 2015 mit „Granular“ (vgl. Amazon) bei der Plattenfirma von, natürlich, Nihiling ein wunderbares Slowcorealbum, dessen bassgeführtes Instrumentalfundament unter die Haut geht wie sonst nur Tätowierungen, aber sich als ihnen in jeder Hinsicht überlegen zeigt.

Halma – Granular [Full Album]

Der Musik gewordene Melancholieschwamm entschleunigt, ohne träge zu wirken. Klänge wie ein Herzschlag, das Album zum #wasfehlt-Hashtag. Von Krautrock ist gelegentlich die Rede, wird über dieses Album gesprochen. Selten war es so packend, dass das mal nicht stimmte. Eine tiefe Verbeugung nach Hamburg und ein Glas in die Höhe. Ich bin beeindruckend bedrückt.

Persönliches
Als sei die Welt morgen eine bessere // 2017 + 0

(Und schon wieder steht man auf verlorenem Posten und blickt in die lauter werdende Nacht, dort, wo sich manches schon ergab, momentan jedoch nur die, die auch mal loslassen können, das Beisammensein feiern, als begönne morgen eine neue Zeit und nicht nur ein neues Kalenderblatt, einander überbietend mit immer größerem und bunterem Feierzubehör. Das Morgen wird ein wunderbares sein; beziehungsweise nicht, weil das, was an Tagen wie diesem so sehr brennt wie sonst nie, unrettbar ist, weil man die Menschen und unter diesen insbesondere sich selbst einfach nicht versteht und man das Elend einfach irgendwann aufgibt, wenn man erst einmal alt genug ist. Manche Folge ist drückend, weil sie ohne Ausweg scheint, denn man hat nicht nur nicht alle beisammen, sondern ist es eben auch nicht, weil die sozialen Fassungslosigkeiten sich längst zu einem Totalschaden zusammengefügt haben. Bitte drücken, sich nachschenkend gedacht.

Leonard Cohen – Teachers

Silvester feiern zwischen Betonklötzen und Zäunen. Vintageparty wie früher, aber wieder einmal sind alle wesentlichen Jahresrückblicke außer dem eigenen schon geschrieben worden, bevor das Wichtige geschah, und vielleicht sollte man vom Rückblick auf Jahre allgemein Abstand nehmen, so dass die Leute sich wieder selbst an das erinnern müssen, wer und was sie bewegte, was einem selbst zumindest noch immer leicht fällt. Es ist sie. Es ist immer nur sie.

Irgendwo pfeift eine Rakete und erleuchtet die nun schweflige Nacht. Einige von denen, die ihre Hände behalten, werden heute, ihrem äußeren Zustand nach zu urteilen, ziemlich gut schlafen. Das Jahr kann man wechseln, dieses Gefühl aber nicht.

Auf ein Neues.)

NerdkramsNetzfundstückePersönliches
Chaos Orchid Club (Nachtrag): Der #33c3 und die Feigen_blätter.

Stefan Krempl („heise online“) findet, ich hätte ein Szeneblog, weil ich zufällig meinen Unmut über die politische Entwicklung des „Congresses“ zu einem passenden Zeitpunkt verschriftlichte. Das ist eigentlich ein bisschen unfair, weil ich es eigentlich zu vermeiden versuche, diese Webpräsenz zu einem dieser elenden Nerdblogs verkommen zu lassen; aber gut, „heise online“ („Das Erwachen der Macht: Star Wars ist endlich erwachsen“, 16. Dezember 2015 u.v.m.) hält sich ja auch für eine Fachpublikation.

Seit meinem Aufreger ist manche Zeit ins Land gegangen und seitdem nicht wieder aufgetaucht, währenddessen geschahen im Wesentlichen zwei Dinge: Zum Ersten wurde der vorläufige „Fahrplan“, also die Vortragsliste, veröffentlicht. Einer meiner Kommentatoren, Thomas Wallutis, zählte auf dieser Liste die Themenblöcke zusammen und stellte fest, dass der mit Abstand größte der Blöcke „Ethics, Society & Politics“ ist, mit 42 Vorträgen liegt dieser Sonderblock für Tagungstouristen, für die das Hackertum allenfalls noch lustige Folklore im Rahmenprogramm ist, sogar noch vor „Security“ (37) und sowieso weit vor „Science“ (17); Politik und Wohlfühlflauschiwatti sind eben wichtig, da sollen die Altnerds sich mal nicht so anstellen. Können ja auf Wahlpartys gehen, wenn sie was mit Computern machen wollen. In „Ethics, Society & Politics“ komme sogar am Rande mal was Technisches vor, stellte er fest, also mal Ruhe bewahren hier. Es werden ja immer noch ein paar EDV-relevante Vorträge reingelassen, so schlimm wird’s dann wohl nicht sein. Das Feigenblatt – Entschuldigung, Sie haben da noch etwas Hacken zwischen den Zähnen – ist von wohlfeiler Art.

Zum Zweiten hat der CCC (da kann man noch so wortreich die Unterschiede zwischen dem Chaos Computer Club und der „Congress“-Veranstaltungs-GmbH zu erklären versuchen) das „Awarenessteam“ für den kommenden „Congress“ noch einmal erklärt; zusammenfassend sind das ein paar Freiwillige, die Hilfe bei Seelenwehwehchen anbieten:

Sexismus, Rassismus, Homo- und Transfeindlichkeit, Ableismus und andere Diskriminierungsformen sind auch dann nicht okay, wenn sie unbeabsichtigt geschehen. (…) Das Awarenessteam steht euch insbesondere zur Seite, wenn:
– ihr euch belästigt oder diskriminiert fühlt
– eure persönlichen Grenzen missachtet wurden
– ihr (akute oder strukturelle) Diskriminierung von anderen Teilnehmenden wahrnehmt
– ihr euch unwohl fühlt und eine Person zum Reden braucht

„Ableismus“, wie Fefe 2014 einmal anschaulich erläutert hat, ist die vermeintliche Diskriminierung von Menschen, die nicht alles können, was man selbst kann; insofern heiße es (siehe ebd.) selbstverständlich „Stand_Sitz_Liegepunkt“ statt „Standpunkt“, denn nicht jeder Mensch ist des Stehens mächtig. Es sei übertrieben, davon zu reden, dass der „Congress“ von Leuten mit einer eher merkwürdigen Agenda in eine bestimmte Richtung gelenkt werde, gaben Leser meines vorherigen Beitrags zum Thema zu bedenken, aber so sicher bin ich mir da keinesfalls.

Wenn sich eines dieser zarten Pflänzchen, die unbedingt auf einem vermeintlichen „Hackerkongress“ sein zu wollen meinen, von einer vermeintlich rüden Zurückweisung, wie sie in introvertiert-technophilen Hackerkreisen durchaus nicht unüblich ist, derart verstört fühlt, dass ein ganzes Team nötig ist, um sein ansonsten irreparabel zerrüttetes Seelenheil wieder auf ein lebensfähiges Niveau zu hieven, dann hat etwas in seiner Entwicklung zu einem gesellschaftstauglichen Menschen dermaßen wenig funktioniert, dass der „Congress“ sich höchstwahrscheinlich eher nicht als geeigneter Therapieplatz anböte. Der da war nicht nett zu mir. Gehaltsverhandlungen mit den Betroffenen stelle ich mir ziemlich anstrengend vor.

Vor ein paar Jahren gab es mit den „Creepercards“ schon einmal eine Aktion, die das „Awarenessteam“ ins öffentliche Bewusstsein brachte, indem ebensolche Orchideen ihr ständiges Beleidigtsein in Kartenform mitbrachten, was zu geradezu bizarren Anschuldigungen führte, allerdings in den folgenden Jahren nicht mehr wiederholt wurde. Nein, die neuen Mittel sind subtiler.

Und sie wirken viel zu gut.

NerdkramsNetzfundstückePersönliches
Chaos Orchid Club: Der #33c3, ein teures Missverständnis?

Vorbemerkung: Ich bin mit voller Absicht weiterhin Mitglied des Chaos Computer Clubs, neige jedoch bei Dingen, die mir persönlich wichtig sind, mitunter zur Polemik. Folgender Text ist insofern keineswegs als Verkündung der einzig wahren Meinung zu verstehen und soll als Einladung zur Diskussion begriffen werden.


Nicht unbeeindruckt vom 32. Chaos Communication Congress schrieb ich im Januar d.J.:

Den wohl leider nur vorläufigen Höhepunkt der Umwandlung des Hackertums in ein Flauschnetz für Hobbyverletzte sehe ich mit der keynote des letztjährigen 32C3 erreicht (…): Es sprach eine Afrikanerin, als deren Qualifikation angegeben wurde, dass sie zweimal in ihrem Leben flüchten musste, darüber, dass Menschen netter zueinander sein sollten.

In einer Zeit, in der das Netz dringend einen erfahrenen Fürsprecher als Gegengewicht zu den quasi sträflich unbelesenen Laien von SPD und Digitalcourage braucht, befassen sich diejenigen, deren Profession ab Gründung die kreative Nutzung von Computertechnik – die drei „C“ in „CCC“ hatten irgendwann mal eine Bedeutung, die nichts mit Flüchtlingen und Geschlechterkampf zu tun hatte – zum Gebot erhob, lieber mit Raumfahrt und sozialer Gerechtigkeit. Jedes Jahr werden Platz und freie Eintrittskarten knapper, weil die Veranstalter es für eine gute Idee halten, Quantität der Qualität vorzuziehen: Natürlich ist man auch als Berufslabertasche mit seiner ganzen Familie willkommen, Fachkenntnis ist optional. Denen, die was können, wird schon was einfallen, aber Priorität hat der ganzheitliche Ansatz, denn die Nische, die die seit Jahren vor sich hinsterbende CeBIT hinterlässt, will gefüllt sein.

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Persönliches
Kurz notiert zu „Halloween“

Ah, der 1. November naht, mithin der Tag nach „Halloween“, dem Tag im Jahr, der nicht nur selbst einem Möchtegernaufgeklärten als willkommener Brückentag dient – denn den bedeutenden Vorteil, den die nervtötenden Bimmbammreligionen, über die man sich sonst vortrefflich aufzuregen vermag, der persönlichen Lebensqualität verschafft, den der zusätzlichen freien Tage nämlich, nimmt man doch gern mit und bemerkt nicht einmal, dass man dadurch zum Teil des Problems wird -, sondern der zudem als Ersatz für den in dieser vordergründig säkulären Zeit eher unbeliebten Reformationstag herhalten darf und dann aber eben doch religiösen Ursprungs, naturreligiösen nämlich, ist und an dem sich eine eigenartige Kälte im Land breitmacht, gekennzeichnet durch die Diskrepanz, dass diejenigen, die niemals auch nur auf die Idee kämen, einem Bedürftigen über den Winter zu helfen, im Supermarkt für zu viel Geld ungesunden Unsinn kaufen, damit die putzigen kleinen Strolche, die nicht einfach nur lieb bitten, sondern bei Nichtbeschenkung mit Saurem drohen, schon früh lernen, dass man im Leben eine Menge erreichen kann, wenn man einfach nur unverschämt genug ist.

Vielleicht sollten sich die frierenden Bettler einfach als niedliche Kürbisse verkleiden.

MusikkritikPersönliches
Umfassende Konzertkritik: King Crimson (3. Oktober 2016, Hamburg)

Alter.

Cirkus! Epitaph! Starless!

Einfach nur: Alter.

(Abb. ähnlich)

PersönlichesPolitik
Warum ich die PARTEI nicht wähle

Seit ihrem Bestehen hat die Partei „Die PARTEI“, die es mittlerweile bis ins Europäische Parlament geschafft hat, eine treue und noch wachsende Anhängerschar sogar unter vermeintlich Linken, die mich seit ebenso langer Zeit von der Großartigkeit dieser Partei zu überzeugen versucht. Warum ich sie wählen sollte? Nun, sie sei – ich zitiere – „sehr (!) gut“, das eingeklammerte Ausrufezeichen gehört offensichtlich zum Schlachtruf.

Ich nehme mir jetzt die Zeit, einmal darzulegen, warum das eine unfassbar dämliche Idee von mir wäre, und möchte danach nie wieder etwas davon hören.

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PersönlichesPiratenpartei
#bpt162

Was macht eigentlich die Piratenpartei?

AG Single Malt

NetzfundstückePersönliches
Anzüglichkeiten

(Vorbemerkung: Ich sehe im Anzug scheiße aus und trage trotzdem gern mal einen, und zwar aus freien Stücken.)

Im Unterblog kommentierte Dr. Horst Lüning, hauptberuflich Whiskytrinker und -verkäufer, vor einer Weile sein Verhältnis zu Herrenanzügen sinngemäß dergestalt, dass er nichts von ihnen halte, weil ihm ein Smoking für die meisten Anlässe zu förmlich erscheine; weil’s zwischen Polohemd und Smoking oder Frack anscheinend keine nennenswerten Abstufungen gibt.

Es dauerte selbstredend nicht lange, bis die ersten zustimmenden Kommentare zu lesen waren:

wer anzug trägt hat die kontrolle über sein leben verloren

Dabei hat, wer sich nicht nur einen Anzug leisten kann, sondern auch noch eine Gelegenheit findet, ihn zu angemessenem Anlass zu tragen, keineswegs die Kontrolle verloren; im Gegenteil: es bedarf einiger Lebenskontrolle, um an diesen Punkt zu gelangen und dort zu bleiben. Ein Anzug ist oft Resultat, nicht Auslöser, und längst nicht immer Ausdruck ausdrücklicher Bekleidungsvorschriften. Kleider machen Leute ist eben auch nur so halbrichtig, das Gegenteil ist das entscheidende Aber.

Aber so ganz ernst zu nehmen sind derlei Flapsigkeiten ja nur bedingt, springen wir also amüsiert zum nächsten bemerkenswerten und geringfügig durchdachteren Kommentar:

Krawatten tragen heute doch nur noch Vertreter (Vertreterschal) und verfilzte Politiker. Kenne kaum noch gestandene GF die sich diese Folter antun.

Nun, der Vorwurf der Verfilztheit ist ein beliebter, impliziert er doch, dass das, was die der Verfilztheit beschuldigte Person repräsentiert, regressiv und nicht mehr zeitgemäß sei, in diesem Fall also, dass jemand, der vom Volk gewählt wurde, damit gefälligst aufzuhören habe, weil das sooo letztes Jahrhundert sei; aber Mode allein nach Trends zu bewerten (dazu gleich noch mehr) ist doch etwas kurzsichtig. Wer sieht schon gern wie eine Vagina aus? – Es gilt, die zeitlose Mode zu finden, und dazu gehören zweifellos auch Anzüge, zumindest die normal und nicht trendig geschnittenen, gefärbten und sonstwie gefertigten.

Weiter: „Gestandene GF“ (Geschäftsführer, nicht Girlfriends, nehme ich an) tun sich also die „Folter“ einer Krawatte nicht mehr an. Leider verschweigt der Kommentator, woran man einen „gestandenen“ Geschäftsführer erkennt (vielleicht an der löchrigen Jeans?) und wie eng man seine Krawatte wohl binden muss, um sie als Folter auszumachen. Es gibt tatsächlich auch Mode, die ich als Folter empfinde, versehentlich bauchfreie Oberteile und Phil-Collins-Fanshirts gehören dazu. Ansonsten bin ich davon überzeugt, dass es eine Menge Dinge gibt, die auch körperlich mehr foltern als eine Krawatte: Nasenringe; Tätowierungen; Ohrentunnel, durch die man durchgucken kann; …

Eine Krawatte ist da doch deutlich ästhetischer. Vor allem eine mit Entchen drauf.

Was haben wir noch? Ach ja, einen Kommentator namens „AsgaiaMetal“, offenbar eine ganze Band voller mitteljunger Herren in schwarzen Shirts, was die Individualität der Bandmitglieder vermutlich gerade auf der Bühne auch optisch unterstreichen soll:

Im Anzug ist man ein grauschwarzes nichts. Unifomiert, der Individualiät, der Persönlichkeit beraubt.

Monty Python das Leben des Brian Individualität

Beziehungsweise (gleicher Autor):

Anzug sieht allgemein nicht gut aus. Es ist letztendlich Altherrenkleidung, die häßliche alte fette Körper kaschieren sollen.

Unabhängig von der Frage, ob ein Mädchen in einem dieser Länder, das als Schuluniform so was Ähnliches wie einen Anzug zu tragen hat, dadurch nun zu einem hässlichen alten fetten Altherrn wird: Das nehme ich als zumindest nicht übermäßig dicker Mann jetzt doch ein bisschen persönlich.

Dabei ist man in einem Anzug, wenn schon kein Nichts, nicht mal unbedingt grauschwarz. Dass man schwarze Anzüge nur als Kellner, Trauergast oder Zyniker tragen sollte, vermögen wenige Minuten Webrecherche einleuchtend zu erläutern; aber wie einfallslos muss man sein, um sich beim Anzugkauf ausgerechnet einen grauen auszusuchen? Natürlich gibt es Vorkommnisse wie die furchtbare PARTEI, deren gemeinsame Uniform nun mal ein billiger grauer Anzug ist, aber an Farb- und Stilauswahl mangelt es in der Anzugwelt wahrlich nicht.

Seine individuelle Persönlichkeit zeigt man durch den Einkauf von Massenware allerdings nur unzureichend, das gilt für Anzüge ebenso wie für schwarze Shirts, hoodies, bunte Haarfarbe vom Rossmann oder DM an der nächsten Straßenecke und für das iPhone in einer von vier Farben. Wer sich nur durch Dinge, die er kaufen muss, von seinen Mitmenschen abzuheben weiß, der hat vielleicht auch einfach einen entscheidenden Punkt nicht so richtig verstanden; den nämlich, dass Kleider zwar Leute machen, dass aber, wer überhaupt gemacht werden muss, in jedem Kleid nur ein graues, schwitzendes Nichts bleibt.

Es sind die Details.

(In T-Shirt und dreckiger Hose von der Stange geschrieben.)

NerdkramsPersönliches
Smartphoneblues

Seit ich im Jahr 2010 zufällig Androidnutzer wurde (ich berichtete), habe ich nur wenige Gedanken daran verschwendet, ob ich den eingeschlagenen Weg jemals verlassen würde. Klar, die Smartphones sind seitdem größer geworden, ihre CPUs und GPUs stärker und ihre Preise unverschämter, aber sonst ist doch alles fast wie früher.

Allein: Der derzeitige Smartphonemarkt ist geprägt von der Angst, interessant zu sein, fürchte ich.

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In den NachrichtenPersönliches
Neues vom Anfasszwang

Den Brauch, einander die Hand zu reichen, um einander zu beweisen, dass man zumindest in einer Hand keine Waffe trägt, kann ich zumindest historisch verstehen, wenngleich ich es aus hygienischen Gründen (ich fasse die meisten Menschen nur ungern an) selbst so häufig zu vermeiden versuche wie möglich, ihm nachzukommen. Selten traf ich bei begründet verweigerter Entgegennahme der so lax wie künstlich entgegengestreckten schweißnassen Hand auf Unverständnis, niemals allerdings traf ich bislang auf Spießer wie diese Lehrerin:

Vier Mal soll die Pädagogin der Schule in Berlin-Pankow den Geistlichen unter Hinweis auf deutsche Gebräuche nachdrücklich aufgefordert haben, ihr die Hand zu reichen. Der Imam legte stattdessen die Hand aufs Herz – dies sei die höchste in seiner Religion mögliche Respektbezeugung bei der Begrüßung einer Frau. Das habe der Lehrerin jedoch nicht ausgereicht, sie habe daraufhin das Gespräch abgebrochen.

Wer einander anzufassen sich weigert, verhalte sich frauenfeindlich, lautet die Argumentation; was in einer Zeit, in der der Feminismus gewohnt laut krakeelend versucht, nicht explizit genehmigte Berührungen zur Beinahevergewaltigung umzudefinieren, so manches aussagt. Wer eine Lehrerin nicht anfassen will, der verwirkt dadurch sein Recht darauf, dass sie ihren Pflichten nachkommt. Ist schließlich Deutschland hier. Hier wird gefälligst konservativ gewählt, Trottelsport bejubelt und einander bei jeder sich bietenden Gelegenheit angefasst. Da muss man sich schon integrieren oder man fliegt raus aus der Gesellschaft. So geht das ja nun nicht.

Bei Bonobos ist es übrigens Teil des sozial erwünschten Verhaltens, Spannungen durch Penisfechten abzubauen. Wir können viel von Bonobos lernen.


Apropos Beknackte: Nach der Räumung eines widerrechtlich besetzten Gebäudes zur Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge haben Linksextreme in Berlin mehrere Autos in Brand gesteckt. Das hat die Polizei jetzt davon.

Persönliches
Kurz angemerkt zur diesjährigen Europameisterschaft im Männerfußball

Bei allem Zynismus, den ich bei Themen wie diesem zur Schau zu stellen pflege: Mein Wunsch nach frühzeitigem – hihi – Ausscheiden der Mannschaft, die unsere Fußballfreunde zum Sieg grölen zu wollen scheinen, hat nicht im Geringsten etwas damit zu tun, dass ich deren hobby nicht teile. Ich teile auch das hobby des Musikmachens nicht und wünsche einigen meiner favorisierten Musiker dennoch noch eine lange weitere Karriere. Mein Wunsch hat vielmehr mit dieser Regelung zu tun:

Die Ordnungsämter wägen (…) für jeden Einzelfall zwischen dem besonderen öffentlichen Interesse an den Fußballspielen und dem Schutz der Nachtruhe ab.

Die Freizeitgestaltung einer bedauerlicherweise viel zu lauten Minderheit bekommt somit einen rechtlichen Sonderstatus, der es dieser Minderheit erlaubt, entgegen jedem Anstandsgebot Unbeteiligten nach Herzenslust – im Rahmen der Gesetze und sonstigen Verordnungen abzüglich des Grölverbots – aus Frust (Spiel verloren), Freude (Spiel gewonnen) oder sonstiger Stimmung (Alkohol) in ihrem persönlichen Lebensbereich (nicht schalldichte Wohnung) auch zur Schlafenszeit auf die Nerven zu gehen. Wenn das alle machen würden! Stundenlange Autokorsos mit Hupkonzerten nach gewonnenen Schachturnieren. Vielstimmige „Poooooooost!“-Chöre aus betrunkenen Kehlen auf nahezu allen inländischen Fernsehkanälen bei Erscheinen einer neuen Sonderbriefmarke. Dämliches Glockengebimmel im ganzen Ort, weil das heilige Buch einer kleinen Gruppe sektierender Spinner vorschreibt, dass sie bitteschön jetzt ihrem Herrn für die Ermordung seines Sohnes danken sollen. Moment, entschuldigt – ich bin in der Zeile verrutscht.

Mir wurde mitgeteilt, es sei asozial von mir, den Sportsfreunden den ausgelebten Spaß an ihrem gemeinsamen Interesse nicht zu gönnen. Aber das ist nicht wahr, eine solche Freude gönne ich jedem. Was ich aber nicht jedem gönne, ist es, mir mit seinem Nischeninteresse nachhaltig die Ruhe zu nehmen. Ich finde Fußball mindestens überflüssig, das macht mich aber noch nicht asozial; sobald ich mich einer größeren Menschengruppe anschließe und mit dieser gemeinsam mit der Straßenbahn fahre, beim Zusteigen von Fußballfans „Fußball ist scheiße“ brülle und dazu völlig taktfremd klatsche, während einer aus der Gruppe ihnen vor die Füße kotzt, dann können wir über das mit der Asozialität gern noch einmal sprechen.

Das hobby der meisten Menschen ist mir egal. Meinetwegen können sie, bei aller Tierliebe, in ihrer Freizeit Schweinen die Haut abziehen und eine Sexpuppe daraus nähen. Ich kann nur ganz gut darauf verzichten, dass sie nachts vor meinem Fenster laut und schief „Sex mit Schweinehaut, schalalalala!“ singen. Nicht, weil ich sexuelle Merkwürdigkeiten aus konservativen Erwägungen heraus doof fände, sondern, weil ich es für eine Tugend halte, ab und zu auch mal die Fresse zu halten, und Menschen, die diese ihnen fehlende Tugend überkompensieren, nicht zu den mir liebsten zählen.

Der Fußball, die Verbände, die Mannschaften und die Meisterschaft an sich sind mir herzlich egal. Es ist die Aura an menschlicher Debilität, die sie umgibt, die sich ohne merkliche Einbußen an Lebensqualität entbehren ließe.

Freut euch leise, ihr Pflaumen.

In den NachrichtenMontagsmusikPersönlichesPolitik
Anekdoten – Shooting Star // Der Gauland und die Leute

Montag, hicksEs ist Montag; ein Montag, der die ausgelassene Fröhlichkeit, die den Sonnabend einläutete, nur minder zu beeinträchtigen vermag. Ist das nicht wundervoll? („Nein, ist es nicht!“, ruft eine gesichtslose Stimme, wohl wissend, wie anders doch ein Montag sein kann, wenn nur der Sonntag ein gemeinsamer war. „Ach“, ruft man der Stimme zu, „du hast ja Recht.“) Vielleicht werde ich auch allmählich ein bisschen sentimental.

Klingeling, tüdeldüt, die Nachrichten, frisch aus dem sich abzeichnenden Sommerloch. 105’5 Spreeradio, Christian Teevs („SPIEGEL ONLINE“), Armin Laschet und Bernd Riexinger erklären es unisono wahlweise für Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit, dass der nun nicht unbedingt für kluge gesellschaftliche Analysen bekannte Alexander Gauland („AfD-Vize“, denn mehr als zwei Silben pro Wortteil, etwa in „stellvertretender Vorsitzender“ oder wenigstens das immer noch sackblöde, aber wenigstens erträglich sinnhafte „Vizevorstand“, möchte der Journalismus seinen Lesern lieber nicht mehr zumuten) angeblich suggerierte, „die Leute“ ständen einer möglichen Nachbarschaft zu Jérôme Boateng (Fußballspieler, deutsche Nationalmannschaft) eher kritisch gegenüber, versäumen es dabei jedoch, dem Publikum zu erklären, welcher Rasse oder Fremde dieser denn angehöre, denn die Voraussetzung für Rassen- oder Fremdenfeindlichkeit ist zunächst einmal deren Vorhandensein.

Sigmar Gabriel, designierter Insolvenzverwalter der SPD, sprach immer noch, aber anders falsch von „Deutschenfeindlichkeit“. Die Mehrheit der Befragten ist sich also einig, dass die postulierte Feststellung Alexander Gaulands, man (hier: „die Leute“) wolle Jérôme Boateng keinesfalls als Nachbarn wissen, so gar nicht gehe, unklar bleibt es dem Anschein nach aber, wogegen sie nun im Konsens eigentlich genau verstößt. Ich zum Beispiel gehe noch einen Schritt weiter und möchte keinesfalls neben irgendeinem Fußballspieler wohnen, denn aus Interviews mit Fußballspielern weiß ich, dass sie zu halbwegs vernünftigen Gesprächen samt und sonders nicht fähig scheinen. Vielleicht sollte man auch einfach die lästige Angewohnheit, jedem Hanswurst zu jeder denkbaren Gelegenheit ohne tagespolitisch relevanten Anlass ein Mikrofon unter die Nase zu halten, einmal kritisch zur Diskussion stellen.

Gibt es auch noch gute Nachrichten? Aber ja: Käpt’n Offensichtlich hat herausgefunden, dass Kameraüberwachung keine Straftaten verhindert. Wenn das doch nur jemand geahnt hätte!

Musik, zwei, drei, vier.

Anekdoten – Shooting Star (Until All The Ghosts Are Gone 2015)

Guten Morgen.