Archiv für die Kategorie ‘Computer’.

Alles, was eher die computeraffine Klientel interessieren könnte, wird hier abgelegt.

ComputerIn den Nachrichten
Das Internet ist kaputt und kein Nazi trägt daran die Schuld.

Waffennarretei und Einwanderungskritik, ließ dieser Tage das Essensportal Instagram seine Benutzer wissen, seien selbstredend gern gesehen, aber Fotos fetter Igel würden keineswegs geduldet und ihre Verbreitung führe versehentlich zum sofortigen Ausschluss des Verursachers.

Ob es insofern eine besonders gute Idee ist, Algorithmen statt Menschen über richtig und falsch, über legal und illegal, über den Unterschied zwischen Igelfotos und zum Beispiel Kinderpornografie entscheiden zu lassen, ist eine Frage, die sich unkritisch technikhörige, weil klickhungrige Massenmedien bedauerlicherweise viel zu selten stellen, was nicht nur Unsinn wie Instagram betrifft, sondern auch viel weiter reichende Auswirkungen hat, was wir nicht erst seit den Gesetz gewordenen Denkfehlern von Heiko Maas wissen. Bis zur endgültigen moralischen Klärung dieses Problems verbleiben immerhin noch Menschen an den Schalthebeln, denen der Konsens, der so etwas wie eine weltweite Vernetzung überhaupt erst sinnvoll machte, nicht ganz so wichtig ist wie ihr eigener moralischer Standpunkt, weshalb sie ohne Not auch schon mal an den Grundpfeilern des Internets rütteln, um das Böse angemessen zu besiegen.

„ZEIT ONLINE“ (unisono mit anderen zeitgenössischen Publikationen) berichtet heute etwa vom Kampf „des Internets“ gegen „die Nazis“:

Wer sich als Websitebetreiber von einem (…) Unternehmen benachteiligt fühlt, kann theoretisch einfach zu einem anderen gehen. Doch faktisch werden viele dieser acht Ebenen von sehr wenigen, sehr mächtigen Unternehmen kontrolliert. Wer ihre Dienste nicht nutzen kann, ist im Netz unsichtbar, schwer erreichbar, angreifbar, geschäftsunfähig.

Der Hintergrund des Artikels ist, dass der verschlüsselungskritische Netzdienstbetreiber Cloudflare, der noch 2015 so tat, als sei ihm wichtig, dass Domänensperrungen allenfalls auf judikatives Urteil hin erfolgen müssten, auf die Eskalation der US-amerikanischen Scharmützel zwischen alternativen Rechten und regressiven Linken (irgendwas mit einem Auto) dergestalt reagierte, dass er die reißerische Website „Daily Stormer“ aus der öffentlichen Erreichbarkeit entfernte. Derjenige, der diese Entscheidung getroffen hatte, nämlich der Vorstandsvorsitzende von Cloudflare, verteidigte sie zunächst mit der Begründung, dass er die Autoren des „Daily Stormer“ für Arschlöcher halte, veröffentlichte jedoch außerdem einen doppelzüngigen Blogartikel, in dem er zwar zugab, dass Cloudflare hier eingegriffen hatte, um den Verdacht, das Unternehmen unterstütze heimlich Neonazis, zu zerstreuen, es gleichzeitig aber bedauerte, dass Cloudflare das überhaupt könne; als sei der Vorwurf, dass ein für die Neutralität des Internets nicht völlig unwichtiges Unternehmen sich nicht für die richtige politische Seite entscheidet, ein Anlass, ebendiese Neutralität über den Haufen zu werfen.

Ob man nun die Meinungsfreiheit weit genug auslegt, um ihre Ausübung auch „den Nazis“ zuzugestehen, oder nicht, spielt bei der Bewertung des bedeutsamsten Problems in dieser Sache jedenfalls keine Rolle, das da nämlich lautet: Je intensiver „die Nazis“ (oder wer auch immer die aktuell meistverachtete Gruppierung sein mag) weggelöscht werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie irgendwann eine ausreichend große Schlagkraft entwickelt haben, um ihr eigenes unzensiertes Gegennetz aufzubauen; womit sie, „die Nazis“, letztlich gewonnen hätten, denn dem gesundkonsolidierten Wohlfühlinternet, in dem es Einhornkotze und Nutella regnet, stünde ihr Abgrund entgegen, der sicherlich seine Ecken und Kanten haben dürfte, was den Humanismus betrifft, aber nichtsdestotrotz frei wäre. Anders gesagt: Unternehmen wie Cloudflare werden, wenn sich die Netzpolitik in bestehender Weise weiter entwickelt, die Schuld daran tragen, dass die Letzten, die sich noch über ein freies Internet freuen dürfen, irgendwann „die Nazis“ sein werden, während hierzulande in enger Zusammenarbeit mit Übersee die SPD, der bescheuerte Axel-Springer-Verlag und GitHub ihr bedauerlicherweise Bestes tun, um einen schon in der bloßen Theorie fatalen Kompromiss aus globaler Freiheit und kleingärtnerischem Verständnis von Recht und Unrecht zu finden und zu etablieren, notfalls mit juristischer Gewalt. Kann, wem jedes Mittel gegen das Böse Recht ist, noch der Gute sein?

Ins Darknet kann man ja auch nicht mehr. Da sind jetzt auch eure Eltern.

Netzfundstücke
Lustige Berufe (2)

Heute:

Der 27-Jährige arbeitet als erster „Emoji-Übersetzer“ weltweit.

:wallbash:

ComputerIn den Nachrichten
Kurz verlinkt: Empörend: Öffentliche Dateiablage dient der öffentlichen Dateiablage!

Applekunden in New York sind erbost:

In New York missbrauchen offenbar Exhibitionisten das AirDrop-Feature und schicken wahllos iPhone-Nutzern im Zug Penis-Fotos. (…) Um den modernen Exhibitionisten zum Opfer zu fallen, muss AirDrop so eingestellt sein, dass man Daten von jedem Nutzer empfangen kann.

Früher war ein „Opfer“ ja noch jemand, der einen tatsächlichen Schaden davontrug, und niemand, dem Fremde in einen Ordner, den er absichtlich für die ganze Welt zum Schreiben freigegeben hat, irgendwelche Bilddateien legen, aber früher hatten unsere Telefone auch noch Schnur und Scheibe.

MontagsmusikNetzfundstücke
Googles eingebildetes Frauenproblem (Nachtrag)

Auf den Aufregertext eines mittlerweile gefeuerten Google-Mitarbeiters über die Probleme der bestehenden Diversitätspolitik innerhalb Googles hat der Feminismus eine prima Antwort gefunden:

Hören Sie auf, „Wissenschaft“ mit Wahrheit gleichzusetzen!

Wir haben immerhin 2017 und irgendwelche Männer glauben immer noch an diesen Wissenschaftsquark!

NerdkramsNetzfundstücke
Medienkritik CVII: t3ns sieben Tipps für eine schnellere Einordnung als schändlicher Spambot

E-Mail-Signaturen – kennta? -, in der Frühzeit der Kommunikation via E-Mail ein durchaus praktisches Hilfsmittel, um nicht jedes Mal händisch „Ruhe jetzt! Herzlichst, NAME“ drunterschreiben zu müssen, sind seit dem Aufkommen von HTML-formatierten E-Mails durch irgendwelches redundantes Werbergeschmeiß eigentlich nur noch dafür da, den Spamfilter zuverlässiger konfigurieren zu können: Je bunter die Signatur, desto unerwünschter die E-Mail.

Das hat sich wenig überraschend freilich noch nicht bis zu „t3n“ (Untertitel „digital pioneers“), deren Redaktions-E-Mails ich vermutlich auch lieber niemals erhalten möchte, herumgesprochen, denn dort gibt Andreas Weck derzeit sieben Tipps für eine bessere E-Mail-Signatur, bei deren Lesen man sich einigermaßen unsicher wird, ob die Signatur jetzt der Teil über oder unter dem Strich war. (Wieso Strich? – Eben!)

Also:

Wer eine smarte E-Mail-Signatur anlegen möchte, sollte diese sieben Tipps beachten.

Ah, smart also; wie ein Auto, das nicht mehr startet, wenn dem Smartphone mal das Netz ausgeht, oder ein sprachgesteuerter Salzstreuer – kurz gesagt: so was möchte man nicht haben, wenn man keinen gewaltigen Birnenschaden hat.

Das ist Andreas Weck allerdings offensichtlich egal, denn er fährt, albern-jovial duzend, unbeirrt mit den „sieben Tipps“ fort:

1. Arbeite mit Farben

Denn es ist wichtig, dass das Auge beim ersten Erfassen der E-Mail nicht etwa Zeit mit dem Text oben drüber verschwendet, sondern von Anfang an den wichtigsten Inhalt fokussiert, nämlich die Reklame vom – zumeist – Arbeitgeber des Absenders. Wäre ja blöd sonst!

2. Arbeite mit Bildern

(…) Am besten eignet sich beispielsweise eine weiße Wand, vor der sich die Person ablichten lässt.

Oder auch ein tanzender Jesus oder eine Nahaufnahme einer Wasserleiche. Soll sich ja „visuell einbrennen“ (ebd.), die Signatur. – Dass anständige Mailprogramme (also nicht unbedingt so Browserkram) eingebundene Bilder entweder direkt als Spammerkmal markieren oder die Bilder wenigstens als Anhang statt als direkt eingebundenes Bild herunterladen, so dass der Empfänger, falls er die E-Mail überhaupt zu sehen bekommt, noch einmal zusätzlich aktiv werden muss, nur um die langweilige Fresse eines Werbers, die er, falls er gerade mobil ist, auch noch kostenintensiv herunterladen musste, sehen zu dürfen, spricht prinzipiell ja schon dagegen, aber was weiß man bei „t3n“ schon von anständigen Mailprogrammen und/oder mobilen Netzen?

3. Priorisiere die Informationen

Es gilt immer, den begrenzten Platz nicht mit nutzlosen Informationen zu verschwenden.

Das ist prinzipiell richtig und dieser Tipp hätte, wäre es nach mir gegangen, der einzige Tipp sein sollen, denn er sagt im Wesentlichen aus, dass E-Mail-Signaturen nicht der richtige Ablageort für Werbescheiße sind; aber natürlich musste Andreas Weck das präzisieren:

Die persönliche E-Mail-Adresse sollte beispielsweise schnellstens aus der Signatur verschwinden, denn die braucht der E-Mail-Empfänger nicht mehr.

Richtig, denn in einem E-Mail-Header stehen protokollbedingt alle wesentlichen Informationen zur Person, darunter die Absenderadresse (sofern nicht gefälscht), der Absendername (sofern nicht gefälscht) und das Absendedatum. Alles Informationen, die nicht überflüssigerweise nochmals separat übermittelt werden müssten, damit mehr Platz für das Wesentliche (also hochauflösende Fotos von Wirtschaftspfeifen vor noch weißen Wänden) bleibt.

Andererseits:

4. Leite visuell durch die Informationen

(…) Der eigene Name könnte sich beispielsweise durch größere oder fette Buchstaben absetzen.

Der eigene Name, der sowieso schon darüber oder daneben steht, gehört rein, die Mailadresse aber nicht, weil sie sowieso schon darüber oder daneben steht? Ja, wie denn nun?

Sinnvoll ist beispielsweise auch, dass Texte neben einer der oben genannten Bilddateien zu finden sind. Das Bild wird das Augenmerk sofort auf sich lenken und die wichtigen Informationen stehen direkt daneben.

Denn die wichtigen Informationen in einer E-Mail stehen, wie jeder weiß, in der Signatur und nicht etwa über ihr. :ja:

5. Nutze Call-to-Actions

(…) Ein CTA sollte sich entlang der aktuellen Ziele orientieren. Wollt ihr beispielsweise euren neuen Snapchat-Channel pushen? Dann fügt einen Snapcode zum Abscannen ein.

Wenn ich mal von einem großen Internetkonzern gebeten werden sollte, ein neues E-Mail-Protokoll zu entwerfen, werde ich als ersten Schritt eingebundene Bilder als ungültig kennzeichnen. :motz:

6. Sag, wo Kunden dich auch persönlich treffen können

(…) Ein Satz wie „Ich werde vom 25. bis 26. Februar auf der Online-Marketing-Rockstars in Hamburg sein. Ich freue mich, dich dort zu sehen!“ könnte der Aufmacher für ein spannendes Gespräch sein.

Der Aufmacher für ein spannendes Gespräch mit einem potenziellen Kunden oder Geschäftspartner gehört nach meinem Verständnis ja in den verdammten E-Mail-Text und nicht auf die Werbefläche unten drunter, denn der Text ist in der Regel zumindest wenigstens teilweise anlassbezogen und wird nicht einfach gedankenlos weiterverwendet. Ich meine: Ich schließe nicht aus, dass Andreas Weck („Online- und Print-Redakteur“) sein Leben lang immer nur Signaturen, aber noch keinen einzigen Mailtext geschrieben hat und nicht einmal etwas dafür kann, weil man bei „t3n“ nur noch über Snapchat und nicht mehr über E-Mail miteinander redet. Dann möchte ich diesen Einwand zurückziehen. In allen anderen Fällen gibt es für die Annahme, den Aufmacher für ein Gespräch platziere man am besten an einer Stelle, die der Empfänger mit großer Wahrscheinlichkeit höchstens noch bis zur ersten halben Zeile lesen wird, keine vernünftige Ausrede.

7. Achte auf die Pflichtangaben

So nach den ersten drei Bildschirmseiten Signatur kann man ja getrost einmal darüber nachdenken, auch noch steuerrechtliche Quatschtexte in Schriftgröße 9 unterzubringen. Dann ist der Scrollbalken auch länger und der Empfänger freut sich gleich doppelt darüber, so viel schöne Signatur lesen zu dürfen. (Ich kreide dies ausdrücklich, jedoch ausnahmsweise, nicht Andreas Weck an, halte die rechtlichen Vorgaben, sofern sie in der Tat den beschriebenen Inhalt haben, aber für riesengroße Scheiße.)

Ich vermisse die Zeit, als man für eine Signatur, die mehr als drei Textzeilen umfasste, noch umgehend auf irgendwelchen killfiles landete.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt: Nichtspielplätze

Berlin, Prenzlauer Berg:

Letzte Woche war ich auf dem Spielplatz. (…) Die Kinder wollten in Ruhe spielen, aber für sie war wenig Platz, der Sandkasten war besetzt, ein paar Elternpaare konkurrierten im Sandburgenbau. (…) Nirgends sah ich spielende Kinder.

Und die sollen später mal einen Flughafen bekommen.

In den NachrichtenNerdkrams
Der menschliche Android-Trojaner

In den frühen 1990er Jahren machte sich im Usenet – für die Jüngeren: wie Chat, nur ohne Emojis, dafür mit richtiger Grammatik – der zur damaligen Zeit noch als Ausdruck von Kreativität geltende „Signaturvirus“ breit, der darin bestand, dass man zwecks dessen Ausbreitung einen Text, der übersetzt ungefähr „ich bin ein manueller Virus, bitte kopieren Sie mich“ lautete, in seine eigene Signatur übernehmen sollte. Wie die meisten einigermaßen amüsanten Meme aus der damaligen Zeit schaffte auch dieser „Signaturvirus“ per Mutation die Ausbreitung ins Web und tauchte in den folgenden Jahren – oft erweitert um „bitte löschen Sie eine oder mehrere Dateien“, denn das Web war von Anfang an reich an Benutzern, die feinsinnigen Humor lieber mit dem Holzhammer eingeprügelt bekommen wollten – als afghanischer, elbonischer, irischer, albanischer, schwedischer, polnischer, mexikanischer oder sonstwoher stammender „Virus“ immer mal wieder auf.

Es ist schön, dass diese Tradition nicht vergessen wird:

Eine (…) Variante das Banking-Trojaners Svpeng hat es auf Android-Geräte abgesehen und soll seit Juli auf der Jagd nach Banking- und Kreditkarten-Daten sein. (…) Eine Infektion ist nicht ohne weiteres möglich: Svpeng lauert als Flash Player getarnt auf Webseiten. Ein Opfer muss demzufolge gezielt eine derartige Seite aufrufen, den Schädling herunterladen und installieren. Anschließend muss es sogar noch den Zugriff auf die Accessibility Services des Android-Systems erlauben. (…) Erst wenn das alles erfüllt ist, kann Svpeng Daten abgreifen.

27 Prozent der erkannten Infektionen, heißt es, seien in Deutschland gefunden worden, was wieder einmal dafür spricht, dass es eine ziemlich bescheuerte Idee ist, hierzulande jedem ohne vorherige Reifeprüfung einen Internetzugang zu verkaufen.

Vielleicht sollten wir einfach abwarten, bis die Evolution dieses Problem gelöst hat.

ComputerIn den NachrichtenSonstiges
Liegengebliebenes vom 2. August 2017

Der weltgrößte Anbieter unerwünschter Reklame testet „ab sofort“ die Blockade unerwünschter Reklame aus anderer Hand als der eigenen. Große Freude ist im Publikum zu hören, denn wer würde nicht seinem Reklameanbieter vertrauen?


Was hat uns allen denn noch dringend gefehlt? Richtig: Ein Atomkrieg, schreibt die „FAZ“.


Das Brandenburger Oberlandesnudelgericht hat beschlossen, dass die dämliche „Kirche des fliegenden Spaghettimonsters“ keine Religionsgemeinschaft sei, weil „sie keine gemeinsame Sicht auf die Welt habe, aus der sie Werte ableite“, was im Umkehrschluss bedauerlicherweise jede Partei zu einer potenziellen Religion erklärt. Hoffentlich will die SPD nicht auch noch Kirchensteuern von Geringverdienern haben.


Es gibt tatsächlich Einundzwanzigjährige unter uns, die gegen die Überwachung Unschuldiger nichts einzuwenden haben, weil sie neue Überwachungstechniken so spannend finden. Wo bleibt die verdammte Apokalypse?


Überraschung des Tages: Internetfähiges Gerät mit Mikrofon drin könnte zur Übertragung von Gesprächen ins Internet genutzt werden,wundert man sich beim „Standard“.


💩, aber im Kino.

MontagsmusikNetzfundstücke
Flash the Readies – Kris

Ist noch Sonne?Montag. Ich meine: Juhu, Montag! Der verrückte Feiersommer nimmt kein Ende, in den USA wird hierfür eigens Schlamm gekauft, damit man was hat, um sich darin vollzusauen. Wohl dem, der keine Sau ist; wohl dem, der zum Beispiel ein Pandabär ist und unerkannt in Bäumen herumsitzt.

Dann kann einen auch der Feminismus linkster Natur kalt lassen, der ansonsten gerade im Internet herumSPONt, dass der herrische Umgangston, der die Nazis bislang in die Schranken weisen sollte, womöglich überhaupt erst den Erfolg der Nazis befeuert hat; um dann, weil die Denkstrecke wieder einmal unüberwindbar lang war, doch schnell das Gespenst der feministischen Querfront in Gestalt von Alice Schwarzer als Schuldigen auszumachen. Bloß nichts ändern, man könnte ja mal aus Versehen etwas verbessern.

Ein Problem, das die kaputte Linuxwelt zweifellos nicht hat, denn dort verbessert man nichts: Der Pwnie Award für die lahmste Antwort eines Softwarevertriebs ging in diesem Jahr an Lennart Poettering, den verdienten Zerstörer des kümmerlichen Rests von Linux‘ irgendwann einmal leidlich gutem Ruf. Unter Windows ist man wenigstens nur mit Unternehmen wie EaseUS gestraft, mit denen man vermutlich auch lieber nichts zu tun haben möchte.

Mit einem jedoch etwas zu tun zu haben wird hoffentlich niemals enden, nämlich Musik.

Flash the Readies – Kris (live CRO session)

Guten Morgen.

ComputerIn den Nachrichten
Kurz verlinkt: Nicht mal Zukunft kann dieses Paint!

Auf ausgerechnet „ZEIT ONLINE“ lästerte Eike Kühl am vergangenen Dienstag über das untote Bildbearbeitungsprogramm Microsoft Paint:

Erst mit Windows 98 gab es überhaupt standardmäßig die Option, Bilder als JPG oder GIF zu speichern.

Während natürlich all die Konkurrenzprogramme, die schon „Mitte der neunziger Jahre“ (ebd.) so viel besser waren als dieses „für anspruchsvolle Bildbearbeitung (…) nicht zu gebrauchende“ (dto.) Paint, das Dateiformat JFIF, das im November 1996 als Trägerformat für JPEG-Daten spezifiziert wurde, schon mindestens unter Windows 95, ach was!, Windows 3.11 unterstützten und nicht erst unter Windows 98, dessen erste Vorabversion im Dezember 1996 erschien.

Was macht Eike Kühl eigentlich beruflich?

Netzfundstücke
Amazon: Kunden fragen, Leser fasst es nicht.

Dass Amazon.de seit einigen Jahren seine Kunden nicht nur Tand kaufen, sondern auch noch kostenlos Produktunterstützung für diesen Tand leisten lässt, indem sie gelegentlich darum gebeten werden, Fragen anderer Kunden zu bestimmten Produkten zu beantworten, hat sich mittlerweile sicherlich schon ebenso herumgesprochen wie der Umstand, dass diese Herangehensweise des Unternehmens offensichtlich besser erklärt werden müsste.

Nicht mehr auszuschließen ist jedoch, dass Amazon.de für die oft ziemlich blöden Kundenfragen und -antworten nicht viel kann. Die Leute sind einfach doof.

Nehmen wir als einfaches Beispiel einmal das prägnant betitelte Produkt „Handy Halterung, Lamicall iPhone Dock : Handyhalterung, Handy Halter, Phone Ständer, Handy Ständer für“, einatmen, ausatmen!, „iPhone 7, 7 Plus, 6s 6 / Plus, SE, 5 5s 5c, Samsung A3 A5 J3 J5 J7 S6 S7 S8, Huawei P8 P9 P10 / Lite, Honor 6X, 8, Tisch Zubehör, Schreibtisch, E-Reader, andere Smartphone – Schwarz“, offensichtlich eingestellt von irgendeiner mentalen Knackwurst, die im SEO-Grundkurs gelernt hat, dass mehr Wörter unabhängig von ihrer Schreibweise grundsätzlich mehr Geld einbringen. Schon aus dem Titel – wenn man in der gesellschaftsüblichen Lesefaulheit schon darauf verzichtet, die eigentliche Beschreibung näher zu betrachten – sollte schnell hervorgehen, dass hier – im Gegensatz zu vielen anderen ähnlichen Vorrichtungen, die eine bestimmte Produktreihe voraussetzen – eine Halterung für irgendwie smartphoneförmige Geräte beinahe beliebiger Größe zum Verkauf steht.

Momentan gibt es 18 Fragen zu diesem Produkt, die ungefähr so lauten:

Für Blackberry geeignet?

Oder:

Geht die Halterung auch für samsung Galaxy s5mini und funktioniert es mit Schutzhülle

Oder:

ich kann den ständer ja auch für ein htc one m9 benutzen oder?

Oder:

Funktioniert die halterung auch für ein iphone se ?

Oder:

Geht Iphone 6s auch?

Oder:

Ist der Halter für das iPhone 5s kompatibel?

Oder:

Geht sie auch für das Huwai P8 ???

Oder:

Passt das iPhone 7 Plus auch in diese Halterung?

Oder:

Kann Mann die halte rung auch für eine Samsung galaxy s7 edge nutzen

Denn – hier absichtlich ungeachtet der mitunter nicht merklich klügeren Antworten – ein „Tisch Zubehör“ (sic!) mit ausdrücklicher Eignung für anscheinend jedes Smartphone, das dem Verkäufer beim Tippen gerade eingefallen ist, ist höchstwahrscheinlich für kein anderes Smartphone geeignet. Keines. Nie. Passt nicht. Kann gar nicht, steht nämlich nicht drauf.

keine Ursache

(Mit Dank an K.)

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 25. Juli 2017: Der Webcomics Rettung und anderes.

Gute Neuigkeiten: Zwar wird Microsoft Paint aus Windows 10 demnächst entfernt, jedoch war der Aufruhr so groß, dass es weiterhin zumindest angeboten werden wird. Die Szene der absichtlich laienhaft gestalteten Webcomics (man verstehe dies keineswegs ausnahmslos als Qualitätskritik) und ihrer Abonnenten ist eine durchsetzungskräftige, wie es scheint. Politische Parteien wären gut beraten, ließen sie in Wahlkampfdingen häufiger einmal langjährige Paintnutzer ihre Vorschläge einbringen.


Als stolzer Linux-Desktop-Nutzer – natürlich mit einer dieser Klickibunti-systemd-Distributionen ausgerüstet – hat man sein Portemonnaie gezückt, um ein Netflix-Abonnement abzuschließen, weil man sonst nichts mit seiner Freizeit anzufangen weiß? Dann wünsche ich viel Glück beim Streamen.


Endlich nie wieder in der eigenen Wohnung verlaufen! Der „Roomba“-Staubsauger verscherbelt künftig Raumpläne seiner „Besitzer“.


Ganz ohne Politik würde hier doch etwas fehlen: Was ist eigentlich ein Populist? Wer sich an das Grundgesetz halten möchte, sei ein Populist, behaupten die Fragesteller einer populären Bertelsmannstudie.

NerdkramsWirtschaft
Die Strafe der Spielgeldmillionäre

Eine der wenigen unbeschränkt gültigen Börsenweisheiten lautet ungefähr so: Investiere niemals Geld, das du nicht verlieren möchtest. Das gilt vor allem dann, wenn das Ziel der Investition keinen greifbaren Gegenwert besitzt.

Bezogen auf den greifbaren Gegenwert dessen, was versierte Schwafler als „Fiatgeld“ bezeichnen und was gewöhnlichen Menschen schlicht als Geld bekannt ist, besteht zweifelsohne kein besonders großer Diskussionsbedarf: Über gedrucktes oder geprägtes Geld, längst nicht mehr von Edelmetallen gedeckt, besteht inzwischen seit Jahrhunderten ein gesellschaftlicher Konsens, der ungefähr absehbar macht, gegen welche Waren man es in vielen Geschäften eintauschen kann. Es handelt sich somit eigentlich nur um staatlich akzeptierte Äquivalente zu Muscheln und Schafen. Dass die Umsetzung dieses Konzeptes mit steigender Inflation, sinkenden Zinsen und psychologisch wirkendem Unsinn wie dem Abzug eines Cents vom Preis, damit die Zahl vor dem Komma kleiner ist, bislang mindestens etwas unglücklich verlaufen ist, halte ich auch ohne selbst vorgenommene vorherige statistische Erhebung für einen Konsens der meisten Menschen, die in der wirtschaftlichen Nahrungskette nicht ganz hinten stehen.

Um zumindest einen Teil dieser konzeptionellen Herausforderungen zu umgehen, wurde zwischen 2008 und 2009 die dezentrale Währung „Bitcoin“ ins Leben gerufen. Bei Bitcoins handelt es sich im Wesentlichen um eine Art nicht papiernes Spielgeld ähnlich dem in „Monopoly“ verwendetes, dessen realer Gegenwert in den zur Erzeugung nötigen Stromkosten, die aufgrund der Art der „Berechnung“ neuer Bitcoins fortwährend steigen, besteht; man verschwendet also elektrische Energie, um gehashte Hexadezimalwerte in eine immer größer werdende verteilte Datenbank („Blockchain“) zu schreiben. Wie zum Beweis dafür, wie egal Menschen entgegen der allgemeinen Annahme realer Besitz wirklich ist, bekommt jemand, der einen dieser Hexadezimalwerte einer Bitcoin-Tauschbörse oder einem Mitmenschen verkauft, heute deutlich über 2.000 Euro dafür. Weil dieses Konzept so schön einfach umzusetzen und zu modifizieren ist, gibt es mittlerweile über 800 miteinander konkurrierende, teilweise voneinander abstammende „Blockchains“ beziehungsweise darin gespeicherte Arten von Hashwerten („Kryptowährungen“), von denen einige nach Großinvestition durch Banken und/oder EDV-Konzerne einen höheren Europreis erzielen können als andere. Der nennenswerte Unterschied zwischen Aktionären und Kryptoinvestoren besteht also darin, dass Kryptoinvestoren nichts zum Gelingen der realen Wirtschaft beitragen, sondern ihr Geld aus dem Fenster werfen und hoffen, dass unten jemand steht, der das Geld freiwillig verdoppelt und wieder zurückwirft, statt einfach damit wegzurennen, was manchmal funktioniert und meistens eben nicht. Die eigene Sammlung an Hashwerten wird in der Regel in so genannten wallets abgelegt, was Englisch ist und „Portemonnaie“ bedeutet, aber eigentlich nur eine lokal herumliegende Datei ist. Es gibt bekanntlich kaum einen besseren Ablageplatz für „Geld“ als eine lokal herumliegende Datei.

Um das Zurückwerfen des aus dem Fenster geworfenen Geldes schmackhafter zu machen, gibt es mit „ICOs“, „Initial Coin Offerings“, eine „Blockchain“-Alternative zur Erstzeichnung an einer Börse: Jemand würde gern eine neue „Blockchain“, eine Tauschplattform für Hashwerte, eine neue Hashwertart oder sonstigen virtuellen Krempel programmieren und sammelt zur Finanzierung dieser Unternehmung irgendwelche Hashwerte (derzeit wird gern eine Bezahlung in Ethereum, der momentan zweitplatzierten Hashwährung, verlangt) ein. Die Gegenleistung besteht nach Ablauf der Erstzeichnungsfrist dann meist in Anteilsscheinen in Form von oft wiederum neuartig gehashten Hexadezimalwerten zum Vorzugspreis, die dann vielleicht im Wert steigen und vielleicht auch nicht, was, abhängig von der erfolgten Verwendung des eingenommenen echten Geldes, dann ein riesiger Verlust ist oder vielleicht auch nicht. Scheiterte etwa ein „ICO“, dessen Einkünfte in die Förderung einer Pandapopulation fließen sollten, so wäre dies sicherlich bedrückender als das Scheitern manch anderer Geschäfte. Dass die „ICO“-Idee aus wirtschaftlicher Sicht, berücksichtigt man die andauernde Hyperinflation und -deflation der Wechselkurse zwischen den Hashwerten (allein Bitcoins gewinnen oder verlieren am Tag mitunter dreistellige Dollarbeträge pro „Stück“), eigentlich nur Idioten anziehen sollte, hat bekanntlich noch fast niemanden an irgendetwas gehindert: Allein im Ankündigungsforum des virtuellen Szenetreffs bitcointalk.org nähme das Trinkspiel, für jeden neuen „Smart Contract“, was das gegenwärtige Lieblingsquatschwort der Krypteria ist und ungefähr bedeutet, dass die Hashwerte, die man irgendwo hinschickt, beim Gegenüber weniger wahrscheinlich nicht ankommen als üblich, einen Schnaps frei wählbarer Menge zu trinken, binnen erschreckend kurzer Zeit ein tödliches Ende.

Überraschenderweise ist die dezentrale Schöpfung von gegenwertloser Handelsware über ein nicht nur von wohlwollenden Asketen genutztes Netz aus modifizierbaren Maschinen gar nicht mal aus Sicherheitsgründen eine überragend gute Idee. Ein Währungssystem mit menschlicher Beteiligung kann und wird früher oder später an der fehlenden Perfektion des Menschen zugrunde gehen; und die Unperfektesten sitzen meist am langen Hebel.

Eine der beliebteren wallet-Umsetzungen für Ethereum-Hashwerte trägt den Namen „Parity“ und läuft dort, wo reale Werte am schlechtesten aufgehoben wären, nämlich innerhalb der meistangegriffenen Komponente von Desktopcomputern, d.h. im Webbrowser. Als gäbe das noch nicht genug Anlass zum Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Mitglieder der um „Parity“ herum entstandenen Gemeinschaft, verfügt es obendrein um eine Funktion namens „Multi-Sig-Wallets“, die im Wesentlichen das Geschehen dadurch noch spannender macht, dass mehrere Leute auf das virtuelle „Portemonnaie“ zugreifen können. Eine grandiose Idee. Was kann da schon passieren?

Ach, richtig:

Unbekannte haben eine inzwischen geschlossene Sicherheitslücke im Ethereum-Client des Unternehmens Parity genutzt, um 153.000 Ether auf ihr eigenes Konto zu überweisen. Beim aktuellen Kurs der Kryptowährung sind das umgerechnet etwa 30 Millionen US-Dollar. Der Diebstahl und die Lücke wurden sofort entdeckt. Daraufhin tat sich spontan eine Gruppe namens White Hat Group zusammen und nutzte die gleiche Schwachstelle, um weitere 377.116 Ether aus noch nicht geplünderten Konten zu sichern.

Wie hier zu sehen ist, ist eine „Kryptowährung“ viel besser als anderes Geld, denn wenn irgendjemand an mein reguläres Portemonnaie herankommt, um etwas herauszunehmen, wird sich keine Gruppe zusammenfinden, die den Rest des Geldes in meinem Portemonnaie sichert; und wenn doch, dann hießen sie gleichfalls Diebe und nicht Sicherer. – Zum Glück gibt es mit „ICOs“ eine bequeme und sehr sichere Anlagemöglichkeit für die gesammelten Hashwerte, denn wer hat schon gern ständig ein volles Portemonnaie dabei? Das endet dann manchmal aber statt mit einer Pleite des Projekts auch so:

Unbekannte Angreifer hackten die Website des Projekts Coindash und änderten dort die Kryptogeld-Adresse, an die Investoren bei einem Crowdfunding Geld schicken sollten. Die falsche Adresse war nur wenige Minuten online – genug für einen Millionen-Coup.

(Beide Meldungen sind von heute.)

Wer sein Geld auf die Fensterbank legt, der sollte eben besser nicht im Erdgeschoss wohnen.

Dass die jeweils betroffene „Währung“ Ethereum trotzdem weiter im Wert steigt, spricht zumindest nicht für ein Problembewusstsein der Anleger, denn nach wie vor sind Webbrowser nicht vom Handel mit Kryptogedöns ausgeschlossen. Werfen wir einfach mehr Geld drauf. Dass das Draufwerfen von mehr Geld auf lange Sicht mehr zerstört als repariert, ist einem Zyniker wie mir da ein schwacher Trost: Möglicherweise wird sich in wenigen Wochen die auf großes Wachstum nicht vorbereitete Problemursache Bitcoin zweiteilen, wie es bei Ethereum schon im Juli 2016 – wenn auch, hihi, aus Sicherheitsgründen – passiert ist. Wenn das eintritt, werden diejenigen, die jetzt noch viel Zeit damit verschwenden, ihren Mitmenschen ungefragt von ihrem Reichtum und/oder ihrem guten Riecher zu erzählen, was eine Art Nebenwirkung von Bitcoinbesitz zu sein scheint, möglicherweise vorübergehend ein wenig leiser sein. Das wird schön.

Erinnert sich noch jemand an „Second Life“?

(Offenlegung: Ich habe gelegentlich den einen oder anderen Cent in eine dieser weniger medial beworbenen Spielwährungen investiert, die sich nach wie vor weigert, mich zu einem arroganten reichen Schnösel werden zu lassen. Das stört mich aus vorgenannten Gründen jedoch nicht im Geringsten.)

NerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt: „Programmierer“ / Chromefox‘ Googleanalyse

Was über Python-„Programmierer“ und GitHub-Nutzer im Übrigen noch zu verlinken bleibt:

Ein Python-Modul, das automatisch den erstbesten leidlich relevanten Code von StackOverflow.com herunterlädt und einbindet – besternt von über 1.400 GitHub-Konten.

:wallbash:


Die zivilisatorische Decke unter Datenschützern wird dünner: Firefox bindet Google Analytics ein.

"Genießen Sie den Browser mit den meisten integrierten Datenschutzfunktionen" (Quelle: https://www.mozilla.org/de/firefox/new/)

Da wächst zusammen, was zusammen gehört.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt: Penis!

Da hatte jemand Spaß:

Zerstörter Fels „Trollpenis“: Er steht wieder (…) Er wollte – ja, es ist wirklich nicht einfach, diese ganze Sache ohne Zoten zu erzählen – er wollte also den „Trollpenis“ wieder stehen sehen. (…) Nun muss die ganze Sache – sorry auch hier für die Wortwahl – noch ein paar Tage aushärten. (…) Die Touristen können also – und das ist jetzt wirklich die letzte zweideutige Formulierung dieses Textes – kommen.

„SPON“-Redakteure. Da steckt man auch nicht drin.