Archiv für die Kategorie ‘Computer’.

Alles, was eher die computeraffine Klientel interessieren könnte, wird hier abgelegt.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 25. April 2018

Bande benutzt den Finger eines toten Mannes, um dessen Smartphone zu entsperren.


Andreas Kemper „erklärt“, was Männerrechtler mit der NPD zu tun haben:

Und da gibt es ganz deutlich NPD-Positionen. Dazu gehört (…) ein illegaler Internet-Auftritt ohne gültiges Impressum usw.

Kein gültiges Impressum zu haben ist rechts! :hitler:


Die unfassbare PETA findet, dass man in Meuchelspielen angeln kann, sei Tierquälerei.


Andere Länder, andere Sitten: In Kanada wurde ein Amokfahrer von einem Polizisten zur Aufgabe gequatscht, weil dieser ihn nicht erschießen wollte.


Paul Ingedaay merkt zur Auflösung der Eta im Feuilleton der „FAZ“ (möchte wegen LSR nicht verlinkt werden) an:

Besonders zynisch ist die Unterscheidung zwischen zufälligen Todesopfern und denen, auf die Eta-Attentate tatsächlich zielten. Deren Angehörige werden nämlich nicht um Verzeihung gebeten, denn in den Augen der Terroristen richtete sich der „bewaffnete Kampf“ ja völlig zu Recht gegen die Urheber des „politischen Konflikts“.

Nur ein noch besondererer Zyniker würde ergänzen wollen, dass sich das ja eigentlich auch nicht wesentlich von der Vorgehensweise der Scheiß-NATO unterscheidet, deren „Krieg gegen den Terror“ ja auch das Umbringen der Urheber des „politischen Konflikts“ zum Ziel hat und manchmal halt aus Versehen Kollateralschäden anrichtet. Selbstverständlich ist dieser Vergleich aber unangemessen: Die sind, wissen Qualitätsmedien, nun mal „böse“.


In bayrischen Behörden sollen künftig noch mehr Kreuze hängen als bisher. Das soll wahrscheinlich die Begeisterung der dortigen Beamten für einen langen, schmerzhaften Leidensweg signalisieren.

Netzfundstücke
Den Kapitalismus einfach austrinken (2)

Was das „Neue Deutschland“ kann, kann „Telepolis“ schon lange:

Vor 50 Jahren begann nach der Entstehung der Hippiebewegung im Laufe der 1960er Jahre die von linker Gesellschaftskritik getragene Revolte der jungen Menschen, die Studentenrevolte. (…) Mit dem „68er-Kaffee“ wollen wir einen Blick zurückwerfen, auf Träume, Aufbruchswünsche, Utopien und eine Lust auf Revolte und Befreiung, die sich eher in Form von Nebenwirkungen gesellschaftlich durchgesetzt haben. (…) Wir beginnen mit zwei exklusiven Sorten: Patuca, einem Filterkaffe aus Honduras, und Boqueron, einen Espresso aus Brasilien, Peru und Mexiko.

Kaffché

Hasta la victoria siempre.
Ché Guevara

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz angemerkt zu 1.1.1.1

Natürlich kann man seinen DNS-Anbieter vom weltgrößten Anbieter von Onlinereklame – nämlich Google – zu einem US-amerikanischen Anbieter von so Cloudkram umziehen, wie es „heise online“ aktuell vorschlägt, weil die IP-Adresse so schön kleine Zahlen hat, aber aus Datenschutzsicht ist es die mindestens zweitdümmste Idee, einem Unternehmen, das einen Großteil der Tor-Nutzer für potenzielle Bösewichte hält und entsprechend aussperrt und gleichzeitig qua Gesetz eine Schnittstelle für US-amerikanische Geheimdienste anbieten muss, auf dass diese wissen mögen, welche Websites man denn so aufzulösen gedenkt, seine Surfgewohnheiten sozusagen frei Haus zu liefern.

Mir wird geschlechtMontagsmusikNetzfundstücke
Birth of Joy – You Got Me Howling

Der Osterhase hat eine Eule versteckt.Es ist Montag. Daran hat gestern mal wieder niemand gedacht und auch heute tun es nur wenige, denn es ist Feiertag. Irgendwo in Südeuropa standen zu viele Menschen und ließen einen alten Mann einen Zauberspruch aufsagen. Ab morgen gilt aber wieder, begleitet von täglichem Geläute, dass wir in einer aufgeklärten Zeit leben und Sekten im Wortsinne brandgefährlich sind und unbedingt gemieden werden sollen, denn nur Dumme lassen sich so leicht verführen, wenn’s nicht gerade der Papst versucht. Es irrt der Mensch, solang er strebt.

Gestern war im Übrigen der 1. April, sicherheitshalber habe ich also alle Qualitätsmedien ungelesen belassen und mir lediglich Blogs angesehen, denen jeder Humor völlig abgeht. Hierbei habe ich unter anderem ein Interview mit „Don Alphonso“ gelesen, dessen Lektüre zumindest erhellend ist. Es ist die Botschaft zu beurteilen und nicht der Bote, was in einer schnelllebigen Medienwelt oft die Schlagzeilerei erschwert. Ein bisschen blöder fühle ich mich hingegen nach dem Lesen dieser überraschenden Meldung: Ein Gericht hat herausgefunden, dass Google mit Android Geld verdient und es sich daher um ein kommerzielles Betriebssystem handelt.

Ebenso blöd: Franziska Giffey (natürlich SPD) habe in ihrer Eigenschaft als „junge Frau“ (F. Giffey, Jahrgang 1978, über F. Giffey), las ich anderntags und -orts („FAZ.net“), beklagt, dass eine Zwangsheirat, bei der Frauen allenfalls die Wahl zwischen verschiedenen Cousins haben, diese Frauen unterdrückte, wogegen man etwas tun müsse, als wäre es undenkbar, dass sich diese Cousins nicht freiwillig für ihre Zwangsfrauen entschieden hätten. Schlau ist allenfalls Brad Pitt, denn warum sollte eine moderne, aufgeklärte Feministin, die sich jede Beurteilung von Körperlichem verbittet, ihn sonst verehren?

Ohne Zweifel und ohne ein Aber verehrenswert bleibt ganz körperlos: Musik.

Birth of Joy – «You Got Me Howling»

Guten Morgen.

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
„ZEIT“ verleiht den Blockchainpreis.

Die „ZEIT“ könne man, befand ich erst gestern, auch nicht mehr ruhigen Gewissens lesen. Wohl dem, der – anders als ich selbst – diesem Rat Folge leistete, denn ihm blieb diese Eigenwerbung erspart:

Sie (…) setzen sich für eine weiblichere Raumfahrt ein oder beraten Regierungen in Sachen Gleichstellung: Frauen, die unsere Wirtschaft revolutionieren, so heißt der diesjährige Edition F Award, den das Onlinemagazin in Kooperation mit ZEIT ONLINE und dem Handelsblatt zum fünften Mal verleiht.

Eine „weiblichere Raumfahrt“ ist jetzt zunächst einmal nichts, worüber ich persönlich mich so sehr freuen würde, dass ich es für preiswürdig hielte, aber ich bin ja auch weder eine Frau noch ausreichend geistig entkernt, um einen Preis namens „Frauen, die unsere Wirtschaft revolutionieren (Edition F Award)“ o.vglb. als Belohnung und nicht als Verhöhnung zu betrachten. Und er hat noch einen zweiten Namen:

Die Jury des 25 Frauen Awards hat aus 500 Nominierungen eine Vorauswahl von 50 Frauen getroffen, die (…) unsere Wirtschaft verändern und mitgestalten.

Bindestriche sind anscheinend kein Frauending. – Nicht uninteressant ist diese Ersatzbenennung des Preises aber auch aus inhaltlicher Sicht, sagt sie doch nur aus, dass man eine von 25 Frauen war, die irgendwas gemacht haben. Da kann man den Enkeln später sicherlich eine total interessante Geschichte erzählen.

Wer also sind die 50 Delinquentinnen? Nun, zum Beispiel sie:

We are Kal heißt das von Catherine Allié gegründete Label, das handgesponnene und handgewobene Textilien aus Seide und Wolle herstellt.

Schon klar: Mit einem Innovationspreis kann die Frau nicht rechnen, eine Veränderung der Wirtschaft ist hier nicht auszumachen. (Darf man Frau Allié aufgrund ihrer Tätigkeit eigentlich „Spinnerin“ nennen oder bekommt man dann wieder Ärger?) Wenn aber jemand, der einen klassischen Handwerksberuf ausübt beziehungsweise ausüben lässt, bereits allein hierfür die Vorauswahl übersteht, dann wirft das auf die anderen 450 Nominierten ein eher ungutes Bild. Und dann behaupten Feministen jedwelchen Geschlechts, Frauen würden unterschätzt!

Weiterhin diese Dame:

Charlotte Bartels studierte Volkswirtschaftslehre (…). In ihrer Promotion, die mehrfach ausgezeichnet wurde, zeigte sie, dass der deutsche Sozialstaat immer weniger umverteilt.

„Die Armen werden immer ärmer.“
„Dafür bekommen Sie einen Preis!“

:bravo:

Auch sie ist dabei:

Ise Bosch ist eine Enkelin und Erbin des Unternehmers Robert Bosch. Mit ihrem Vermögen will sie anderen Menschen helfen und die Gesellschaft verändern. (…) Als Gründerin und Geschäftsführerin der Dreilinden gGmbH setzt sich Bosch gegen Diskriminierung und Gewalt aufgrund von Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung ein.

Ich würde ja unterstellen wollen, dass das Aufbauen einer Gesellschaft, die vor allem Geld verteilt, mit den Mitteln, die von einem erfolgreichen und produktiven männlichen Unternehmer geerbt (also ohne große Gegenleistung geschenkt worden) sind, sich für eine positive Veränderung der Wirtschaft und einen Frauenpreis nicht eignet, aber ich bin auch nicht in der Jury und ich vermute, ich kenne sogar den Grund dafür.

Zeichnet sich denn niemand der zu Ernennenden durch etwas anderes als Unsinn aus? Doch, natürlich, aber andere eben auch nicht:

Als Chief Financial Officer des US-Kreditkartenunternehmens Mastercard gilt Martina Hund-Mejean weltweit als eine der einflussreichsten Personen der Finanzbranche.

Dass sowohl die Gründer als auch die momentanen Vorsitzenden des Unternehmens MasterCard Männer sind und Frau Hund-Mejean in der englischsprachigen Wikipedia nicht erwähnt wird, lässt mich an ihrem Einfluss in der Wirtschaft zweifeln. Andererseits hat vermutlich jedes größere Unternehmen mindestens eine Frau, die dann seine einflussreichste ist. Die einzige gefundene Quelle für die Behauptung, sie sei „eine der einflussreichsten Personen der Finanzbranche“, ist jedenfalls „Treasury & Risk“, ein fragwürdiges Magazin, das besagte Wikipedia in keiner Sprache zu kennen scheint.

Vielleicht wird man in typischen „Frauendomänen“ eher fündig? Aber klar:

#Forward Beauty heißt das Strategieprogramm, mit dem Tina Müller, CEO und Vorsitzende der Geschäftsführung der Douglas GmbH, die Kosmetikindustrie verändern will. Um die Marke langfristig voranzutreiben, braucht es ihrer Meinung nach eine digitale und weibliche Neuausrichtung des Unternehmens.

Denn bekanntlich haftet Douglas der Ruf an, sich als Unternehmen vor allem an die Bedürfnisse von Männern zu richten – von Männern, die gern nach Blumenwiese duften. :ja:

Das soll natürlich nicht heißen, dass in der vorgefilterten Liste nicht auch Frauen zu finden sind, die sich auch von Männerthemen reizen lassen, zum Beispiel Bullshit:

Shermin Voshmgir ist Gründerin des Blockchain-Hubs, ein Informations-Hub und Thinktank in Berlin, der die weltweite Entwicklung der Blockchain-Technologie vorantreibt, kommuniziert und diskutiert. (…) Außerdem unterstützt sie Start-ups mit dem Schwerpunkt Blockchain.

Frau Voshmgir wird sich in der Abstimmung allein im Grad des Bullshits, der sie qualifiziert, allerdings geschlagen geben müssen, denn die Frau, die ich gerade übersprungen habe, übertrifft sie um Längen:

Henrike von Platen ist überzeugt, dass Frauen und Geld zusammengehören

Stimmt, denn welcher Mann hätte nicht gern beides gleichzeitig und nicht nur eines davon? – Ach, der Satz geht noch weiter:

Henrike von Platen ist überzeugt, dass Frauen und Geld zusammengehören und Lohngerechtigkeit schon morgen möglich wäre. Mit der Gründung von Fair Play Innovation Lab (…) möchte sie das Ziel der Lohngerechtigkeit für alle umsetzen.

Wenn Frau von Platen also dafür sorgen möchte, dass mehr Frauen sich künftig aktiv für technische Berufe interessieren, einen besseren Schulabschluss machen, länger im selben und größeren Unternehmen bleiben, Überstunden machen, nicht vor Schmutz zurückschrecken und Schichtarbeit leisten, dann wäre das sicherlich lobenswert.

Möchte sie aber gar nicht:

Deswegen setzt sie sich seit vielen Jahren für gerechte Bezahlung und die Vernetzung von berufstätigen Frauen weltweit ein und gründete einen Fraueninvestmentclub.

Na dann.

Die tags des „ZEIT“-Artikels sind „Digitalisierung“, „Award“, „Blockchain“, „Frauen“, „Auszeichnung“ und „Startups“. Hätte ich sie zuerst gelesen, hätten sie also am Anfang und nicht am Ende des Artikels Platz gefunden, so wäre mir die Lektüre und meinen Lesern dieser Artikel vermutlich erspart geblieben.

Selber schuld.

In den NachrichtenNerdkrams
Geteilte Daten sind doppelte Daten (2): Web-Anwender in der NZZ-Falle

Unter der ungewöhnlich wenig reißerischen Überschrift „Web-Anwender in der Tracker-Falle“ sülzte gestern Stefan Betschon für die „Neue Zürcher Zeitung“ sein eigenes Verständnis von der Herausforderung, die der mediale Umgang mit Facebook mit sich bringt, in ein unvorbereitetes Web hinein:

Auf Facebook könnte man notfalls verzichten. Aber ohne das Web kann man nicht leben.

Kann man nicht. Geht nicht. Ist nicht vorgesehen. Der Versuch ist garantiert tödlich. Deswegen sterben arme Kinder in fernen Ländern auch immer so früh: Kein Web. Kann man nix machen.

Und sobald man den Web-Browser aufstartet und Websites aufruft, lädt man sich kleine Progrämmchen (Scripts) in den Hauptspeicher, die meist ohne Wissen des Betroffenen und manchmal auch ohne Wissen des zuständigen Website-Betreibers personenbezogene Informationen sammeln. (…) Meist geht es darum, Web-Benutzer zu beobachten.

Diese sehr falsche Vorstellung von einer Website – als wären die Progrämmchen verpflichtend! – sei zur Referenz einmal vorgemerkt, ebenso übrigens die moralische Bewertung selbiger:

Das ist nicht unbedingt verwerflich. Solche Tracker können beispielsweise dazu beitragen, die Gestaltung von Websites zu verbessern, indem sie dem Website-Betreiber zeigen, wie die Benutzer bei der Informationssuche vorgehen. Manchmal aber folgen diese Tracker dem Benutzer von Website zu Website, nachdem sie (…) besondere Merkmale des Computers feststellen konnten. Manchmal zeichnen solche Tracker (…) sehr detailliert alle Aktionen eines Web-Nutzers auf, registrieren jede Bewegung der Maus und jede Eingabe mit der Tastatur[.]

Wie das „Vorgehen bei der Informationssuche“, gegen dessen Beobachtung Stefan Betschon offensichtlich nichts einzuwenden hat, sich von einer Aufzeichnung aller Aktionen, die Stefan Betschon offensichtlich zu Recht für eher unangenehm hält, unterscheidet, wird im vorliegenden Artikel leider nicht erklärt. Dafür wird einigermaßen ausführlich erklärt, wie viele Tracker denn ungefähr kursieren:

Laut den Informationen dieses Web Transparency and Accountability Project kommen in den USA auf den 50 populärsten Websites jeweils mehrere Dutzend Tracker zum Einsatz. Alles in allem haben die Forscher mehr als 80 000 Unternehmen beobachtet, die Tracker verwenden. (…) Die Tracker stehen meist im Dienst der Online-Werbung, laut Narayanan ist es aber leicht möglich, die Tracking-Infrastruktur für staatliche Überwachung umzufunktionieren.

Das klingt ja gefährlich! Ist etwa auch die „NZZ“ betroffen? Nein, das wäre ja sonst auch unredlich:

Im Rahmen der «nicht abschliessenden Untersuchung» wurden im März 374 populäre Schweizer Websites aufgerufen, und dabei hat man herausgefunden, dass mindestens 24% der Websites – darunter jene von Digitec, NZZ, Swiss und Zalando – Fingerprinting-Verfahren nutzen. (…) Bei der NZZ wurde das Fingerprinting vorübergehend eingesetzt im Bemühen, die kostenpflichtigen Online-Inhalte besser zu schützen. Das Verfahren wird inzwischen nicht mehr eingesetzt.

Genau, die NZZ macht das nicht mehr. Dann ist doch alles in bester Ordnung. Bis auf diesen Teil des Artikelquelltexts natürlich:

Und diesen:

Und diesen:

Von diesen Progrämmchen findet man noch manches, als Beispiele sollen die hier eingefügten jedoch einmal reichen. Auffällig sind neben „loadAd“, dessen Funktionsweise ich absehen zu können meine, die Aufrufe von „Audienzz“ beziehungsweise „adnz“. Dies ist, es sollte kaum überraschen, eine Reklamepartnerfirma der NZZ (vastehste, „AudieNZZ“) und hat unter anderem solches im Repertoire:

Detaillierte Informationen über Nutzer, Angebote und Nutzungsverhalten. Auswertungen nach Sprachregionen möglich. Internationale Vergleichbarkeit.

Es sei, zitiere ich abermals, „leicht möglich, die Tracking-Infrastruktur für staatliche Überwachung umzufunktionieren.“ Gemäß der NZZ ist es somit für die eigene Sicherheit einigermaßen gefährlich, die Website der „Neuen Zürcher Zeitung“ ohne besonderen Schutz gegen etwaige Progrämmchen – also Werbe- und Progrämmchen-Blockaden – zu besuchen.

Ob sie wohl auch bald – wie zuvor schon „SPIEGEL ONLINE“ – voller Unverständnis für diese Maßnahmen ihr Onlineangebot hinter einer Bezahlschranke versteckt?


Die „ZEIT“ kann man ja auch nicht mehr ruhigen Gewissens lesen.

ComputerIn den Nachrichten
Warum Christopher Lauer verstaatlicht werden muss

Christopher Lauer, gescheiterter Christopher-Lauer-Darsteller, nutzt die ihm nach seinem Rückzug aus der „Politik“ frei gewordene Zeit für Meinungen in Meinungsmedien, die sich im aktuellen Fall ungefähr mit diesem Zitat zusammenfassen lassen:

Laut einer Pew-Research-Studie aus 2017 nutzen 45 Prozent der US-Amerikaner Facebook als Nachrichtenseite, und wiederum 50 Prozent dieser Gruppe nutzen Facebook als einzige Nachrichtenquelle. (…) Facebook ist dafür verantwortlich, wie sich für seine Nutzer die Realität darstellt. (…) Die eigentliche, viel interessantere Frage ist, wie ein Gebilde wie Facebook verstaatlicht und unter demokratische Aufsicht gestellt werden kann.

Denn wenn Menschen die meisten Informationsquellen beiseite lassen und sich eine einzige als ihre Nachrichten einrichten, dann ist es doch offensichtlich, dass diese eine Informationsquelle die alleinige Schuld daran trägt und man diesem Umstand nur mit mehr Staat beikommen kann.

Für die Menschen hingegen, die den „Tagesspiegel“ als einzige Nachrichtenquelle nutzen, stellt sich eine Realität dar, in der so ein Quark als „Gastbeitrag“ angenommen und so verbreitet wird, was einen Einfluss darauf hat, wie sich für seine Leser die Realität darstellt. Die Frage muss also lauten, wie ein Gebilde wie Christopher Lauer verstaatlicht und unter demokratische Aufsicht gestellt werden kann.

ComputerIn den Nachrichten
Medienkritik extern: Geteilte Daten sind doppelte Daten.

Zur Causa bzw. Nichtcausa „Facebook bekommt Daten geschenkt“ und dem erstaunlichen Umgang der Medien mit den gewonnenen Erkenntnissen ist eigentlich inzwischen schon alles gesagt worden, unter anderem von mir, aber das themenbezogene Interview von „Meedia“ mit Fefe möchte und werde ich dennoch nicht ohne mindestens dieses Zitat beiseitelegen:

Man kann nicht jahrelang das Kleingedruckte wegklicken und irgendwelchen wildfremden Apps aus dem Internet seinen Haustürschlüssel in die Hand drücken, aber dann Zeter und Mordio schreien, wenn was wegkommt.

Dass „Meedia“, das natürlich nicht über HTTPS erreichbar ist und auf dessen Website ohne technischen Anlass ein Facebook-Datensammler eingebunden ist, vor wenigen Stunden einen Artikel nachschob, dessen Verfasser sich bitterlich beklagt, dass das Zurückziehen von Facebook zu beruflichen Nachteilen führe, spricht im Übrigen nicht unbedingt für das Arbeitsklima bei „Meedia“.

ComputerIn den NachrichtenPolitik
Liegengebliebenes vom 20. März 2018: Foltern mit Word.

Derzeit in den Stellenanzeigen: Ein Land, das vernünftige Kryptografie verbieten möchte, braucht Hilfe bei der Spionageabwehr gegen ein Land, das vernünftige Kryptografie auch verbieten möchte.


Dazu auch „heise online“: „Industrie und öffentliche Institutionen liefern sich heute ein Wettrüsten mit Angreifern, die versuchen, kryptografische Sperren zu entriegeln“, gefordert wird daher ein „EU-Expertenrat für Kryptografie“. Wenn man ein Rudel sich mit dem Internet nicht befassen wollender Politiker, die funktionierende Verschlüsselung für ein Werkzeug des Terrors halten, damit beauftragt, sich Regeln für eine vernünftige Verschlüsselung auszudenken, dann wird das sehr bald sehr ärgerlich werden, fürchte ich.


Schade: Keinen Computer zu haben schützt in Ghana nicht vor Microsoft Word.


Lustig: Eine Menschenrechtsorganisation in dem Land, das die Schurkenstaaten Israel und Türkei partnerschaftlich mit Waffen beliefert und dessen Presse den US-amerikanischen Präsidenten, der, um eine Wahl zu gewinnen, gelogen hat, er würde ein Foltergefängnis auf Kuba schließen lassen, dann aber ein paar neue Kriege entfachen ließ, auch nach dessen Amtsabtritt noch als jemanden feiert, der den Friedensnobelpreis irgendwie verdient habe, fordert die Festnahme der designierten CIA-Direktorin aufgrund ihrer Teilnahme an solchen Foltereien. Vor der eigenen Tür ist niemals ein Staubkorn zu sehen.


Bizarr: „Eine Auswahl ohne echten Wettbewerb“ sei „leider keine echte Auswahl“, klagen nach dem Sieg Putins in der russischen Präsidentschaftswahl Experten aus demselben Land, in dem die bloße Existenz von Gegenkandidaten zu eigentlich bereits als gewählt geltenden Politikern bereits eine „Kampfkandidatur“ genannt wird.

Nerdkrams
Mobil zuletzt!

Dass das, was irgendwelche lichtscheuen Gestalten „mobile first!“ nennen, also die Fokussierung auf winzige Bildschirme als einzig relevante Ausgabeeinheit, einigermaßen scheußlich ist, habe ich anderswo ja schon erklärt. Mir bisher neu war allerdings der Ansatz des „mobile last!“, wie man ihn zum Beispiel bei InformIT findet.

Scrollt man dort nämlich hinunter, so bekommt man eine immerhin nicht völlig absurde Buchempfehlung eingeblendet, die zwar keinen „Schließen“-Knopf hat, aber rechts neben dem Text auf vernünftigen Bildschirmen zumindest genug Platz hat, um nicht allzu störend aufzufallen.

Außer, man hat ein Smartphone.

Mobile last!

(Pfeile von mir, defekte Grafikskalierung nicht von mir.)

Der Untertitel von „InformIT“ („the trusted technology learning source“) bedeutet übersetzt so viel wie „die vertrauenswürdige Quelle zum Lernen von Technik“. Von Webdesign steht da ja nichts.

ComputerIn den Nachrichten
Lautsprecher, aber Leishörer (2)

Apropos:

Auf diese Weise zeichnen Geräte wie die smarten Lautsprecher Google Home und Amazon Echo Ausschnitte aus Alltagsgesprächen unerwünscht auf und senden sie an Google und Amazon.

Ein Gerät, das Gespräche unerwünscht aufzeichnet, weiterhin einen „Lautsprecher“ zu nennen zeugt von manchem, nur nicht unbedingt von einer Qualifikation als Technikredakteur eines vermeintlichen Fachverlages.

Nerdkrams
Tüte Krypto dazu?

Aus der Reihe „unfassbar bescheuerte Werbesprüche“:

Gpg4win bringt Krypto auf Ihren Desktop!

Andererseits: Wenigstens kein Cyber.

Mir wird geschlechtNetzfundstückePolitik
Liegengebliebenes vom 9. März 2018

So widerwärtig wie erhellend: Matthias Streitz („SPIEGEL ONLINE“, Chefredaktion) erläutert in nur einem Tweet zugleich die wesentliche Aufgabe von Onlinejournalismus und warum er sich weitere Verweise auf „SPIEGEL ONLINE“ verbittet.


Die designierte Gedönsministerin Dorothee Bär lässt wissen, welche Impulse von ihr im Land von Datenschutz, EDV-Sicherheit und Breitband in den nächsten Jahren zu erwarten sind: Fliegende Taxis und die Pflicht zum Programmieren für noch mehr stumpfe, aber wirtschaftlich nützliche Bildschirmarbeit nämlich. Was bringt ein Flugtaxi mit Internet in Edge-Geschwindigkeit? (Vorsicht: t3n!)


„Die SPD lebt heute von einem Erbe, zu dem sie nichts mehr beitragen kann.“


Gute Nachrichten für Hamburg und Berlin: Gewaltfreundliche Flachpfeifen, die Autos anzünden, sollen künftig als Terroristen gelten.

Schlechte Nachrichten für Hamburg und Berlin: Das gilt bis auf Weiteres nur für „Rechte“.


Berufsfrau Katarina Barley (SPD) hält es für eine „gravierende Fehlentwicklung“, dass die AfD Gleichstellung (nicht aber Gleichberechtigung) kritisch gegenübersteht, und möchte dies mit einer Entdemokratisierung des Bundestags mittels einer Frauenquote entgegenwirken, als wäre sie nicht selbst ein gelungener Beleg dafür, dass man viele weibliche Abgeordnete besser nicht haben sollte.


„Wenn Gehorsam und Mensch aber gegeneinander stehen, entscheide dich immer für den Menschen!“

ComputerIn den Nachrichten
Ministerium für Computergedöns

Im Land der staatlich gewünschten Infektion von privaten Computern bei gleichzeitiger durch die aus mir unbekanntem Grund noch immer nicht aufgehobene Teilverstaatlichung des tragikomischen Konzerns Deutsche Telekom verursachter Abwesenheit von Bandbreite, die diesen Namen auch verdient, verkündet die EDV-Presse ohne jedes sichtbare Anführungszeichen:

Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, soll CSU-Chef Horst Seehofer bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) durchgesetzt haben, dass seine Partei den Posten eines Staatsministers für Cyber Digitales im Kanzleramt erhält.

Um die Eignung der momentan favorisierten Kandidatin für diesen Posten soll es mir nicht gehen, geeignete Minister wählt man hierzulande sowieso nirgendwo hin; spannender ist die Frage, wofür nun eigentlich ein „Staatsminister für Digitales“ in einer Zeit und Gegend, in der selbst Klodeckel versmartet und damit digital sind, genau zuständig sein soll: Für alles mit Computer drin oder wieder nur für programmierende Sechsjährige?

Und warum kann das eigentlich kein Roboter übernehmen?

NerdkramsPersönliches
Vero: Früher hieß unser soziales Netzwerk noch „rausgehen“.

Erinnert sich noch jemand an Minds?

Minds ist, ruft eine kurze Recherche zum Beispiel beim ebenfalls zu Recht wieder vergessenen Magazin „WIRED“ in Erinnerung, zwar „ein Social Network wie viele andere auch“, aber „etwas ist anders als bei Facebook oder Google+. Denn Minds wendet sich vor allem an Online-Aktivisten – und wird sogar von Anonymous unterstützt“, wer auch immer „Anonymous“ in diesem Fall jetzt eigentlich war. Das klingt interessant, ist aber egal: Wie auch bei Ello, GNU Social und Diaspora, wobei sich wenigstens Ello inzwischen eines zweiten Lebens als modernere Alternative zu DeviantArt erfreut, blieb auch für es der dauerhafte Zuspruch merklich geringer als der für das anfangs belächelte und zu spät entstandene, in der Androidwelt aber erstaunlich dominante Google+ es bis heute geblieben ist.

Man hätte daraus lernen können, dass es für nur wenige Menschen sinnvoll ist, das „soziale Netzwerk“, in dem sie sich einmal häuslich eingerichtet haben, ohne Not durch ein anderes zu ersetzen oder auch nur zu erweitern. Wer schon unbedingt Wildfremde damit belästigen möchte, welchen zuckrigen Kaffeeersatz er sich gerade reinpfeift oder in welcher Trendfarbe er sich heute angemalt hat (das nennt man dann „Influencer“, wenn ich das so weit richtig verstanden habe), der tut das zumeist dort, wo man mit dem geringsten Aufwand das Profitmaximum erreichen kann. Aktuell scheinen das Instagram und YouTube zu sein.

Ein tritt Vero. Vero, tippt man auf „heise online“ aus dem Waschzettel ab, ist ein nur auf Smartphones verfügbares und somit für die meisten normalen Menschen nur zeitweise brauchbares „soziales Netzwerk“, das drei Jahre lang unbeachtet herumlag, bis irgendwelche Lautsprecher („Influencer“) es auf Instagram plötzlich zu einem „Hype“ machten. Wenn etwas ein „Hype“ ist, nimmt man das einfach hin und fragt nicht mehr als nötig nach, wie es sich für ein gutes EDV-Fachmagazin gehört. Der Mehrwert liege, behauptet man dort, darin, dass angeblich keine intransparenten Algorithmen für die Sortierung der Inhalte sorgten, woran freilich gezweifelt wird, sondern der Nutzer sich wie einst bei Diaspora und Google+ en detail aussuchen könne, wer welchen seiner Beiträge sehen darf. Auf der Website von Vero faselte eine Vermarktungsnull gar etwas davon, dass überhaupt keine Algorithmen zum Einsatz kämen, was mich daran zweifeln lässt, dass die Macher von Vero überhaupt so genau wissen, was ein Algorithmus eigentlich ist.

Natürlich hat Vero auch eines dieser „Manifeste“ veröffentlicht, das dem Besucher in Majuskeln entgegenbrüllt, dass Vero das „natürliche Bedürfnis“ der Menschen zu stillen versuche, alles, was in ihrem Leben geschieht, mit allen anderen Menschen zu „teilen“, wie man das im echten Leben halt auch so mache, wofür aber diese allen anderen Menschen, anders als im echten Leben, auch mit einem Smartphone ausgestattet und auf Vero angemeldet sein müssen. Wie Leben, nur beschränkt. Vero selbst wirbt so konsequent wie dumm mit hipstergefilterten Fotos von zu teurer Hardware auf rustikalen Möbeln, damit auch diejenigen, die bisher gar kein Interesse an so einem Kram hatten, verstehen, worin der Einsatzzweck von Vero liege: im Teilen von hipstergefilterten Fotos von zu teurer Hardware auf rustikalen Möbeln natürlich. Dit is Berlin bzw. Libanon.

Vielleicht habe ich inzwischen das Alter erreicht, in dem mich solche Erfindungen nicht mehr locken, vielleicht hat mir aber auch einfach ohnehin immer schon das Mitteilungsbedürfnis gefehlt, um mich virtuell besser zu vernetzen als bloß meinen Stuss wie bisher einbahnstraßig ins Web zu kippen: Ich habe noch nie ein Foto auf Instagram hochgeladen, noch nie eine Website auf Knuddels gepflegt, noch nie ein Konto bei Ello besessen, und das bis heute Letzte, was mir in „sozialen Netzwerken“ einigermaßen nachhaltig Freude gemacht hat, war Gruscheln auf studiVZ, denn das war zwar damals eine schlecht gemachte Kopie des „Stupsens“ auf dem in Deutschland noch nicht verbreiteten Facebook, aber da war man halt, wenn man Langeweile zu vertreiben hatte. Da hing man aber auch nicht den ganzen Tag vor seinem Telefon ab und fotografierte mit ihm sein Essen, sondern schrieb – nicht einmal in Echtzeit – einander auf vernünftigen Tastaturen Nachrichten mit richtiger Grammatik und ohne Emojis, denn Emojis gab es auf vernünftigen Tastaturen noch nicht und ein Smartphone hatte allgemein noch kaum jemand – wofür auch? Den Sprung in die Zeit des ständig verfügbaren Taschengesprächs hätte studiVZ allerdings sicherlich geschafft, wenn es das nur gewollt hätte. Dass Dienste dieser Art nicht unsterblich sind, hatte noch vor der Gründung von studiVZ schon uboot.com (für Internetarchäologen vielleicht interessant) unter Beweis gestellt, das von den drei „VZs“, MySpace und schließlich auch Facebook selbst so nachdrücklich ausgepresst wurde, dass es vor fünf Jahren vollständig zu existieren aufhörte, obwohl dort auch irgendwann einmal jeder sein musste. Dass die Jugendlichen von damals – jedenfalls: ich – sich heute zu alt für Vero fühlen, gibt diesem Monolog eine bittere Note.

Aber zurück zu Vero: Der Wildwuchs an „sozialen Netzwerken“, den ein Einsteiger heute vorfinden kann, untergräbt die vollmundige Behauptung, Vero erfülle das „natürliche Bedürfnis“ der Menschen, alles ungefragt für ein erwähnenswertes Erlebnis zu halten, denn während diese Behauptung eigentlich von mir bisher nur aus Zügen und Bussen bezeugt werden kann, wiesen auch die bezeugten Ereignisse bislang die Eigenheit auf, dass der Adressat stets eine handverlesene Auswahl an Personen war, oft sogar nur eine einzige. Die Menschen – bezahlte Reklameschergen auf Instagram und YouTube einmal ausgenommen – teilen gern Dinge, die ihnen wichtig sind oder wenigstens zu sein scheinen, mit den Menschen, die ihnen wichtig sind oder wenigstens zu sein scheinen. Die Menschen teilen nicht gern irgendwelchen Firlefanz mit fremden Schuften. Bei Edeka am „schwarzen Brett“ hängt ja auch selten ein Foto von einem Gänseblümchen am Wegesrand. Man ist vielleicht manchmal auch einfach gern allein mit seiner Welt.

Früher hieß unser soziales Netzwerk noch „rausgehen“.