Archiv für die Kategorie ‘Computer’.

Alles, was eher die computeraffine Klientel interessieren könnte, wird hier abgelegt.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 23. Februar 2018

Passagier furzte: Flieger musste in Wien notlanden.


Gerhard Schröder empfiehlt der SPD, mehr zu schrödern.


Endlich tut mal einer was gegen die Gewalt in den USA (1): Parlament in Florida erklärt Pornografie für gefährlich.


Endlich tut mal einer was gegen die Gewalt in den USA (2): Kirche in Pennsylvania bittet Paare, demnächst mal ihre halbautomatischen Waffen zwecks Segnung vorbeizubringen. Gotteskrieger ohne Allah – Sachen gibt’s.


FreeBSDs neu gefundener Feminismus trägt Früchte: Die, die Software für es portieren, wollen den Mist auch nicht haben, und machen sich vom Acker.

Netzfundstücke
Lustige Berufe (3)

Heute:

Ein Interview mit dem ersten professionellen Coach für LSD-Microdosing.

:roll:

NetzfundstückeSonstiges
Medienkritik in Kürze: Erinnern an „neunzehn100“.

Am Bahnhofskiosk sah ich kürzlich ein Magazin, das mich ungewöhnlich erfreut hat. Es heißt „neunzehn100“, wurde „Magazin der Erinnerungsanlässe“ betitelt und trägt den Untertitel „Das Magazin für alle, die sich gern erinnern und Freude an schönen alten Dingen haben“. Ich erinnere mich gern und habe Freude an schönen alten Dingen, auch an solchen, deren Ursprungsjahr dem 20. Jahrhundert entstammt. Daher der Name:

Der Magazinname neunzehn100 spielt darauf an, dass die Zielgruppe (…) Erinnerungen an Erlebnisse und Ereignisse im letzten Jahrhundert hat – eben in Jahren und Jahrzehnten, die mit „neunzehnhundert…“ beginnen.

Wer jetzt Weltkriege erhofft hat, der wird enttäuscht: Diesen nahe kommt man vielleicht noch mit dem Titelthema „Der treue Kadett“ aus der zweiten und aktuellen Ausgabe, wenngleich es dort um das Auto und nicht etwa um einen Fahnenjunker geht. Stattdessen dreht sich das Erzählte um Audiokassetten, Helgoland, groteske Brillen und Fackeln. Fackeln? Fackeln!

Fackeln!
Über eine Tradition, bei der einem warm ums Herz wird

Na gut, vielleicht doch ein bisschen Weltkrieg.

Wer so was liest? Genau das scheint das Problem zu sein:

[D]ie erreichten Verkaufszahlen lassen eine Fortsetzung des Titels für einen so kleinen Verlag wie unseren einfach nicht zu. Die zum 23. Februar angekündigte dritte Ausgabe wird daher nicht erscheinen. (…) Wenn wir wissen, ob und wie es weitergeht, werden Sie es an dieser Stelle lesen können.

Das ist doch mal ein schöner Erinnerungsanlass.

Netzfundstücke
Gedanken und Gebete: Das Spiel.

Der landestypische Umgang mit größeren Attentaten in den USA besteht zumeist darin, dass für die Gemeuchelten fleißig gedacht und gebetet wird, auf dass sie künftig nicht noch einmal gemeuchelt werden mögen.

Wer die Absurdität dieses Tuns noch nicht verstanden hat, dem kann nun geholfen werden: Gedanken und Gebete gibt es auch als Strategiespiel.

Mir wird geschlechtNerdkramsNetzfundstücke
Open Source schläft ein und der Feminismus trägt die Schuld daran.

Im August 2017 beschrieb ich unter anderem mein ausbleibendes Verständnis für große Technikkonzerne, die sich einen diversity genannten Klotz mitsamt Verwaltungsaufwand und letztendlich auch unnötigen Kosten ans Bein binden. Die Gesellschaft hat sich seitdem weiter um sich selbst gedreht, gebessert hat sie sich jedoch nicht.

In einer vernünftigen Welt (wie auch in meinen eigenen Projekten) gilt im Wesentlichen der Verdienstkodex: Wer was kann, der darf mitmachen, wer nicht, der nicht, und persönliche Wehwehchen mögen bitte irgendwo ausgelassen werden, wo es dem Rest des Projektteams nicht weiter auf die Nerven geht.

Leider ist die Welt der Open-Source-Software nicht vernünftig, sondern stark emotionsgetrieben (das mag den enormen Windowshass in einschlägigen Foren erklären, als wäre das verwendete Werkzeug für irgendeine Aufgabe ein Politikum, dessen ethisch korrekte Auswahl jede Personaldebatte in Parlamenten oder auch nur Parteien in den Schatten stellte). Infolgedessen wurde ich heute mit der Information belästigt, dass selbst das FreeBSD-Projekt, das sich vor Jahren ein besonders anstrengendes Beispiel für den Dunning-Kruger-Effekt eingetreten hatte, sich ja nun positiv durch einen neuen Verhaltenskodex bemerkbar mache.

In diesem Kodex, den das FreeBSD-Team gemäß dem Dokument selbst im Wesentlichen aus dem „Geek Feminism Wiki“ – geek feminists bilden einen Teil des Kerns jener sich gemeinhin als weiße Ritter verstehenden Krawallschachteln, die auch den Chaos Communication Congress (ich berichtete mehrfach) schon totgequatscht haben – abgetippt hat, wird in viel zu vielen Zeilen erläutert, dass es die Projektaufsicht ungern sieht, wenn Teammitglieder sich anderen Menschen gegenüber wie jemand verhalten, dem grundlegende Höflichkeitsformen fremd sind. Man sollte meinen, so etwas sei auch ohne festgeschriebene Regeln vernünftig unterbindbar, aber an der Vernunft scheitert es bei denen, die wertvolle Zeit anderer Leute mit dem Zusammenschreiben und stolzen Herumzeigen von Dingen, von denen sie sich total belästigt fühlen, verschwenden, nun mal von vornherein. Da wundert es auch nur noch wenig, dass sich ein paar der besonders bescheuerten Punkte im Kodex auch in den Verhaltenskodizes von zergenderten Plattformen wie GitHub wiederfinden, die die Idiotie mit der Feststellung, für „Privilegierte“, also für die viel zitierten „weißen Männer“, gelte der Schutz vor Belästigung aus Prinzip nicht, bislang auf die Spitze treiben. Mal gucken, wann das FreeBSD-Projekt sie überbietet.

Als strafbewehrt werden seinerseits nämlich außer Dingen, die ohnehin illegal sein dürften, unter anderem Drohung mit Gewalt, und halbwegs verdienstorientierte Dinge wie die „nachhaltige Störung von Diskussionen“ auszugsweise auch folgende Ärgernisse beschrieben (Wortnutzung wie im Original):

  • Absichtliches Fehlgendern.
  • Die absichtliche Nutzung abgelegter Namen.
  • Simulierter physischer Kontakt, etwa „*knuddel*“.
  • Kommentare, die die systemische Unterdrückung in Bezug auf das Geschlecht, Neurodiversität, Religion und so weiter (gekürzt, A.d.V.) wieder in Kraft setzen.

Vor wenigen Tagen habe ich in einem computerbezogenen Forum gelesen, dass es merkwürdig sei, dass seit Jahrzehnten, abgesehen von (und selbst nur bedingt in) Smartphones, keine nennenswerte Innovation auf dem Betriebssystemmarkt mehr gefunden werden konnte. Ich habe eine Ahnung, woran das liegen könnte: Die Innovativen sind damit beschäftigt, nicht versehentlich an der systemischen Unterdrückung teilzunehmen.

Zu meiner Zeit hätte man denen ja einfach den Computer weggenommen.

Es ist heutzutage recht üblich, Menschen sagen zu hören: „Ich fühle mich davon ein wenig verletzt“, als ob ihnen das irgendwelche Rechte einräumte. Es ist nicht mehr als Flennen. Es hat keine Bedeutung, es hat keinen Zweck, es hat keinen Grund, um als Phrase respektiert zu werden. „Ich fühle mich davon verletzt.“ Na und – was, verdammt?
Stephen Fry

In den NachrichtenMir wird geschlechtNerdkrams
Kurz verlinkt: „Halt! Algorithmenkontrolle!“ (2)

Wie nennt man das eigentlich, wenn es Menschen afroamerikanischer Abstammung und/oder weiblichen Geschlechts entweder wegen fehlender Ahnung oder fehlenden Interesses nicht gebacken bekommen, eine eigene Gesichtserkennungssoftware zu programmieren, und die vorhandene daher am besten bei denen funktioniert, die den Löwenanteil der Arbeit (einschließlich der Tests) geleistet haben?

Richtig: Rassistisch-sexistische Algorithmen!

Zum einen sind Algorithmen nur so klug wie die ihnen zur Verfügung gestellten Daten – und spiegeln deren rassistische oder sexistische Tendenzen wider. (…) Das Ergebnis: die Algorithmic Justice League, ein Projekt, das sich dem Problem widmen soll.

Die Liga der algorithmischen Gerechtigkeit, demnächst auch als Musical. :irre:

Es war im Nachhinein offensichtlich ein Fehler, Computertechnik aus dem universitären Umfeld zu extrahieren.

Mir wird geschlechtNetzfundstückePolitik
Winter abschaffen!

Zu den inzwischen nur mehr als Treppenwitz tauglichen Personalsperenzchen in der SPD mitsamt den rechtlichen und feministischen Implikationen („SPD: 16,5 Prozent“ verkündete neulich das INSA; na also, geht doch) fällt selbst mir heute nur noch ein müdes Achselzucken ein, während mir zu der Nachricht, dass der Feminismus in New York antisemitische Motive zur Demütigung von Männern verwendet, zwar durchaus etwas einfiele, der treffende Kommentar, der Mann werde hier als „Judensau der Postmoderne“ präsentiert, leider aber schon gemacht wurde.

Stattdessen sei mir ein Hinweis auf Antje Kapek gestattet. Antje Kapek sitzt für die Grünen einen Stuhl im Berliner Abgeordnetenhaus durch, retweetet neben MeToo-Fanatismen unter anderem auch Anteilnahme am Ableben von Radfahrern, die rücksichtslos und ohne Helm nah an haltenden Autos vorbeizurasen pflegen, und hat am gestrigen 12. Februar zur Veranschaulichung der Erklärung, warum man die Grünen im Jahr 2018 immer noch unbedingt wählen sollte, ein Foto getwittert, auf dem der Berliner Alexanderplatz mitsamt entlaubten Bäumen zu sehen ist. Sie schrieb dazu (mit mehreren Hashtags, die ich hier zur besseren Übersichtlichkeit weglasse):

Was auch immer für den Alexanderplatz plant, es braucht mehr grün.

Die auffallend entmenschlichende Sprache („was“ und „es“ für den zuständigen Stadtplaner jedwelchen Geschlechts) sollte selbsterklärend sein, so dass das Wesentliche herausgearbeitet werden kann: Kein Grün an den Bäumen! Im Februar! Danke, Merkel!

:wallbash:

Die Grünen sind in der oben erwähnten INSA-Umfrage als Bevorteilte des Scheiterns der SPD zu erkennen. Da wächst zusammen, was zusammen gehört.

ComputerIn den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Aquaserge – Tintin on est bien mon Loulou

Flauschigkeit als Lösung für die Probleme unserer ZeitEs ist Karneval Fasching Montag. Helau! Auf Twitter trendete gestern Puddinghaut (das Lebensmittel, nicht das Schönheitsproblem), und das nur kurz, nachdem bekannt geworden war, dass die NSA über Twitter verschlüsselte Kommunikation betreibt. Verdächtig, verdächtig. Über jeden Verdacht erhaben bleiben Pandabären: Die sitzen einfach nur herum und essen. Dürfen Pandabären eigentlich Minister werden?

Verdient hätten sie es, zumal die vorhandenen Minister nicht zu klugen Entscheidungen neigen: Die bisherige und mit nur noch wenig Pech auch zukünftige Verteidigungsministerin erwägt noch ein paar Soldaten in den Angriffskrieg gegen „den Terror“ zu schicken. Dass dort außer „dem Terror“ auch zwei andere Parteien einander erbittert bekriegen, sei nicht so schlimm, sülzt „SPIEGEL ONLINE“, denn Deutschland sei „mit beiden Seiten verbündet“. Dann ist ja alles in Ordnung. – Anderswo brechen Welten zusammen: MeToo-Wortführerin der sexuellen Übergriffigkeit beschuldigt, das ist ja ungeheuerlich; man könnte meinen, Frauen seien gar nicht qua Geschlecht bessere Menschen. Wenn sich das herumspräche!

Ein Blick in die Softwarewelt: Nach OpenBSD verzichtet nun auch das illumos-Projekt dankend auf die Patenttrolle vom Pale-Moon-Browser. Freie Software mit Sternchen dran, aber moralisch hält man sich auch weiterhin für überlegen. Urheberrecht schlägt Freiheit. Zum Glück kann man heutzutage vieles per Kauf in seinen Besitz übergehen lassen und es damit zumindest weitgehend fremdem Zugriff entziehen

Zum Beispiel auch Musik.

Aquaserge – Tintin on est bien mon Loulou

Guten Morgen.

Netzfundstücke
Medienkritik CXII: Beschränktes Horizont.

Der weltgrößte Vermarkter von Onlinereklame befand nun, dass ein „sicheres Web“ gekommen sei, um zu bleiben, was auch immer das nun heißen mag: Dass Werbung eine Website auch mit Schlösschen dran schnell in glühende Kohlen verwandeln kann, sollte inzwischen bekannt sein.

Dass die Welt der Werber eine ganz eigene ist, erfährt man kaum irgendwo besser als auf „Horizont“, einer übrigens problemlos via klassischem HTT-Protokoll erreichbaren Nachrichtenseite für derlei Gestalten, die es offenbar seit inzwischen über dreißig Jahren auch in einer Druckausgabe gibt. Wer würde nicht auch gern am Frühstückstisch die neuesten Nachrichten aus der Welt der Werbung lesen können? Eben.

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In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 8. Februar 2018

Deutschland hat die Türkei im Zensieren überholt.


Der teure „elektronische Personalausweis“ ist ein Wahnsinnserfolg: 2017 wurde er allein in Berlin ganze 516-mal benutzt.


Die geplante und offensichtlich sexistische „große Koalition“ – warum auch immer die immer noch so heißen darf – würde gern verhindern, dass Frauen unnötigerweise danach beurteilt werden, was sie können.


Unter dem Titel „do not track“ gibt es „eine personalisierte Web-Serie über das Geschäft mit unseren Daten“. Diese „Web-Serie“ verwendet Google Analytics zur Besuchererfassung. :wallbash:


Ein Firefoxentwickler entschuldigt die inkonsequente Sicherheit des neuen Firefox mit den Bedürfnissen der Reklameindustrie.


Es gibt 157 neue Emojis, bei der Verwendung im Umgang mit Chinesen sollte man jedoch vorsichtig sein.

Netzfundstücke
Wie man Netzneutralität nicht erklärt

Ein Teil der vermeintlich technikerfreuten Bloggeria freut sich: Vor dem Gebäude der US-amerikanischen Rundfunkkommission hat ein Aktivist den Verkehr aufgehalten und Geld dafür verlangt, den Weg freizugeben. Die Intention dahinter sei es gewesen, aufzuzeigen, wieso Netzneutralität wichtig sei, weshalb er fehlende Netzneutralität vom Internet- auf den Straßenverkehr abbilde.

So weit, so lustig, die Reaktionen der Betroffenen sind auch ausreichend entzückend. Das Blöde an der Sache ist aber, dass sie dem guten und richtigen Anliegen, Netzneutralität durchzusetzen, im Prinzip einen Bärendienst erweist, denn der Vergleich, den Rob Bliss hier zu ziehen versucht, ist ein falscher. Fehlende Netzneutralität besagt eben nicht, dass irgendein Paket den ganzen Verkehr aufhält, bis man noch ein paar Groschen in den Schlitz wirft: Die anderen Pakete (hier: die Fahrzeuge hinter ihm) kämen nämlich nicht langsamer, sondern vor ihm an.

Realistischer wäre es, würde stattdessen Geld dafür verlangt, überholen zu dürfen, denn darum geht es bei der Netzneutralität: Bestimmte Dienste würden ohne sie Vorrang vor anderen bekommen. Mir scheint fast, das Problem der Verfechter freier Kommunikation sei ihre fehlende Expertise.

Aber Hauptsache, der Witz funktioniert.

In den NachrichtenNetzfundstückePolitikWirtschaft
Liegengebliebenes vom 27. Januar 2018

Die University of Oxford hat herausgefunden, dass auch längere Prüfungsdauern nichts daran ändern, dass Frauen – statistisch gesehen – schlechter in Mathematik und EDV als Männer und dafür vermutlich besser in Kuschelwuschel und Knuddelwuddel sind. Vielleicht könnte man das mit einer Quote lösen.


Christopher Lauer hat was in Medien reingevloggt und Hadmut Danisch platzt der Kragen: „Bedingungsloses Grundeinkommen, freie Drogen und Pornos von ARD und ZDF? Wozu sollt Ihr noch gut sein?“


Dazu (irgendwie) auch Jan Fleischhauer, der auf „SPIEGEL ONLINE“ feststellt, dass die Linken die Nähe zu denen, für deren Rechte sie zu streiten behaupten, vollends verloren haben.


Was wir von anderen Staaten lernen können: In Indien ist das Internet verstopft, weil dort einander jeder einen guten Morgen wünschen möchte.


Lesenswert: „Wie die FAZ im redaktionellen Gewand die Botschaften ihrer Auftraggeber an den Leser bringt“.

Nerdkrams
„Sicherer als Windows“ des Tages (8)

Na, auch Linux statt Windows zu Hause?

Dann patcht mal schön euren Virenscanner!

ComputerMusik
Medienkritik in Kürze: The Fall – an Brotkrumennavigation verschluckt.

Zwecks – immer für Suchmaschinen, niemals für Menschen – besserer Strukturierung bilden viele Nachrichtenportale im Web auf der Einzelartikelansicht mitunter eine Strukur ab, der gemeinhin als „Brotkrumennavigation“ bekannt ist: Es wird sozusagen der „Pfad“ zum aktuellen Artikel dargestellt. Wenn in den Medien davon die Rede ist, dass irgendeine poplige Sportlerin einen Ball schneller auf die andere Seite geschlagen hat als ihre Gegnerin, dann findet man solche Meldungen zumeist in einem „Pfad“, der ungefähr wie „Startseite > Nachrichten > Sport > Tennis > Dingsda hat gewonnen“ aussieht. Der Vorliebe von dem weitläufigen Ressort der Unterhaltung zugewiesenen Journalisten für Schubladisierung aller verwertbaren Informationen kommt das zupass.

Schubladisierung ist auch in der Musik leider nicht unbeliebt, was eine unvoreingenommene Bewertung von Musikalben gelegentlich erschwert: Was etwa als „Schlager“ beworben („rezensiert“) wird, das ruft in mir auch dann keinen Kauf-, sondern einen Laufwunsch, nämlich: weg, hervor, wenn es eigentlich gar nicht so schlimm ist. Hinzu kommt, dass die besagte Schubladisierung ihre Grenzen nicht nur bei der Motivation des Einordnenden, sondern auch bei der Technik hat. Eine einzeilige Navigationshilfe auf Websites ist nun einmal nur zweidimensional. Ein aktuelles Beispiel präsentierte gestern „SPIEGEL ONLINE“.

Denn wohin muss man navigieren, um dort den Artikel darüber zu finden, dass der fantastische Mark E. Smith von den kaum weniger fantastischen The Fall gestern verstarb? Die korrekte Antwort ist verblüffend offensichtlich: 1996 veröffentlichte die Schrammelband – nicht, dass ich was gegen Schrammeln hätte! – Tocotronic auf ihrem dritten Studioalbum „Wir kommen um uns zu beschweren“ das Lied „Ich habe geträumt, ich wäre Pizza essen mit Mark E. Smith“. Das war anscheinend die Rettung für „SPIEGEL ONLINE“, denn für The Fall hatte man dort zuvor selten ein paar Zeilen übrig und daher auch noch keine Schublade vorbereitet, für Tocotronic aber schon:

Nachrichten > Kultur > Musik > Tocotronic > Mark E. Smith: Sänger der Band "The Fall" gestorben

Hauptsache, das SEO stimmt.

NerdkramsNetzfundstücke
Datengefährdung dank Digitalcourage

Was macht eigentlich der digitalcourage e.V. (Themen: EU-Datenschutz, Vorratsdatenspeicherung, Feminismus usw.) gerade so? Nun, er wird mal wieder durch die Medien getrieben, weil er trotz allem noch immer als in Datenschutzdingen halbwegs standfest gilt. Der aktuelle Anlass scheint eine zwei Jahre alte Pressemitteilung zu sein, der zufolge noch 2018 in Wolfsburg Grundschüler verwanzt werden sollen, um nicht überfahren zu werden.

Für den soeben verlinkten Artikel wurden zwei Auskenner aus dem „Verein, der sich seit 1987 für Grundrechte und Datenschutz einsetzt“ (ebd.), nach ihrer Meinung zu diesem Projekt gefragt. Um den Inhalt soll es mir hier aber nicht gehen, sondern um den Verein selbst. Diesen hatte ich vor etwa einem Jahr zum letzten Mal wirklich bewusst zur Kenntnis genommen – damals empfahl der Verein auf seiner Website, man möge die Installation von Ubuntu, das gerade erst wegen massiver Datenschutzärgernisse, nämlich eingebauter Amazon-Spyware, in die Kritik geraten war, anstelle von Windows in Erwägung ziehen. Es handelt sich also fraglos um einen Verein, der mitunter populistischen Aktionismus (was auch seine medial beachtete Verleihung der „Big Brother Awards“ belegt) überlegtem Raisonnement vorzieht und dabei auch Schaden im eigenen Lager in Kauf nimmt. Kurz gesagt: Was den Datenschutz betrifft, traue ich dem digitalcourage e.V. (der mir unter dem alten Namen „FoeBuD“ wenigstens klanglich sympathischer war) nicht über den Weg und würde dies auch niemandem empfehlen.

Aufgrund des Artikels begutachtete ich die inzwischen – offenbar nach „mobile first“, auf einem vernünftigen Bildschirm sieht sie also zum Speien aus – neu gestaltete Website allerdings doch noch einmal, um mich zu vergewissern, dass meine Vorbehalte nicht plötzlich veraltet sind; das Gute im Menschen beziehungsweise im Verein sei ja nicht gänzlich in Abrede gestellt. Natürlich war das ein Fehler.

Denn zwar wird nun die weniger grundfalsche Linuxdistribution Tails statt Ubuntu empfohlen und auch an anderen Stellen zeigt der Verein zumindest, woher sein weitgehend guter Ruf eigentlich ursprünglich einmal stammte, aber eine konsequente Umsetzung der eigenen Empfehlungen ist dem digitalcourage e.V. auch weiterhin nicht gegeben. Wasser predigen, Cognac saufen.

Auf der Seite über „Anti-Tracking-Tools“ wird nämlich zu Recht darauf hingewiesen, dass es eine saudämliche Idee ist, Websites ohne vernünftigen Grund das Ausführen von Code auf dem eigenen Rechner („JavaScript“) zu erlauben. Leider wird jemand, der sich dessen bewusst ist, diesen Hinweis nicht so leicht finden wie etwas dümmere Menschen, denn wenn man mit ausgeschaltetem JavaScript auf der auf vernünftigen Bildschirmen grotesk gigantischen „Menü“-Schaltfläche herumdrückt, passiert genau gar nichts, denn das „Menü“ (im Wesentlichen aus dem unteren Teil der Seite bestehend) wird nicht etwa mit CSS oder einem einfachen HTML-Verweis auf eben diesen unteren Teil, sondern per JavaScript eingeblendet. Das mag auf mobilen Geräten, auf denen die Aktivierung grundlegender Sicherheitsmaßnahmen oft nicht einmal vorgesehen ist, kein großes Problem darstellen, wenn man auf die Datensicherheit seiner Besucher keinen besonderen Wert legt; aber eben auch nur dann. Dass vor diesem Hintergrund die vollmundige Behauptung aus der Datenschutzerklärung, in der unter anderem auch steht, der Server speichere meine Browserversion (wofür eigentlich?), dass „grundsätzlich“ weder „Tracking“ noch „aktive Inhalte“ (verstehe schon: JavaScript ist eben nicht aktiv genug) verwendet werden, sich als heiße Luft entpuppt, spielt da schon fast keine Rolle mehr.

Vielleicht ist es aber auch nur Unfähigkeit und nicht etwa Unwissen:

Eine Ausnahme stellt das has_js-Cookie dar, mit dem während der Sitzung festgehalten wird, ob im Browser „Javascript“ eingeschaltet ist. Diese Information wird von unserem Content Management System „Drupal“ genutzt, um die Seiten-Darstellung in Ihrem Browser zu optimieren.

Mensch, das mit der Optimierung funktioniert ja richtig klasse! Inwiefern es die Seitendarstellung zu verbessern vermag, wenn man stattdessen JavaScript aktiviert, steht natürlich nicht dabei. Bis auf eine Sammlung dann bewegter Bilder und einer endlich mal funktionierenden Navigationsleiste unter der dafür vorgesehenen Schaltfläche konnte ich jedenfalls gerade keinen Unterschied erkennen. Mir wäre es das ja nicht unbedingt wert.

An verschiedenen Stellen auf seiner Website verkündet der Verein:

Digitalcourage setzt sich für Ihre Privatsphäre und Grundrechte ein. Unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende oder mit einer Fördermitgliedschaft.

Ich hatte noch nie so wenig Lust, einem Verein beizutreten.