Es ist Montag. Von der „tagesschau“ lernen wir derzeit (Archivversion): Mord heißt „gezielte Tötung“, sobald „Moskau“ die Tötung „Mord“ nennt. Ist ja bloß Sprache.
Wie ja anders auch bloß ist. Der Fall Ulmen inspiriert gerade ungefähr jeden Knallfrosch, der dringend ein paar Däumchenhochs haben möchte, zu merkwürdigen Forderungen. Die Einen verkünden, dass Deutschland dringend Gesetze zum Schutz der Würde von Menschen im Internet brauche (gibt es, nennt sich Grundgesetz), die Anderen geifern im Merz’schen Duktus nach einer Klarnamenpflicht im Internet. Nun hilft eine Klarnamenpflicht vermutlich gegen die vorliegenden Übel genau so gut wie ein Tempolimit (Witz hier geklaut), das kommt aber trotzdem nicht. Welche Folgen eine Klarnamenpflicht im Internet nicht nur für den öffentlichen Diskurs, sondern auch für Journalisten, Anwälte, OnlyFans-Models und vergleichbare Gruppen hätte, wird von denen, die sie gern hätten, freilich als Kollateralschaden betrachtet.
Sie sind ja nicht auf OnlyFans. (Hoffentlich.)
Nun verhält es sich ja aber auch so, dass die Wahlergebnisse der letzten Monate kaum Anlass zu der Vermutung geben, dass nicht noch zu unseren Lebzeiten eine politisch eher rustikale Partei irgendwo mitregieren wird. Natürlich kann man davor warnen, die AfD regieren zu lassen, aber dabei so sackblöd zu sein, für — wenn schon nicht die traditionell radikalen Innenminister aus eigenen Reihen, dann wenigstens für — die AfD schon mal einen Staat mit Klarnamenpflicht im Internet (Melderegisterauskünfte existieren) zu hinterlassen, ist ein respektables Level an Impertinenz, das ich bis vor kurzem nicht mal der saarländischen SPD zugetraut hätte. Respekt.
Aber gut. Deren Bundeszentrale heißt ja auch nicht Herbert-Frahm-Haus.
Weiter im Text: Der völlig zu Recht von fast jedermanns Radar verschwundene Musiker Afroman ist auf selbigem wieder aufgetaucht, indem er ein unglaublich bescheuertes Gerichtsverfahren gewonnen hat, das ungefähr wie folgt ablief: Ein paar Polizisten haben seine Haustür eingetreten und nach Beweisen für eine Straftat gesucht, die er nicht begangen hat, woraufhin er Lieder über diese Polizisten aufgenommen hat, in denen er unter anderem behauptet hat, er habe Beischlaf mit der Ehefrau eines der Polizisten gehabt. Die Polizisten fanden das doof, haben ihn vor Gericht hierfür verurteilen lassen wollen und verloren; unter anderem konnte besagter Polizist nicht mit Sicherheit sagen, dass Afroman tatsächlich nicht seine Frau beschlafen habe. Das ist lustig.
Versteh’ ich nicht: Ein Fußballspieler lötet sich achtarmig ein paar viele Feierabendbierchen rein, fährt dann Auto und muss zur Strafe Warnwesten kaufen (Archivversion), damit Kinder von besoffenen Autofahrern besser gesehen werden. Als bestünde das Problem darin, dass die Unfallopfer nicht leuchten! (Apropos Probleme: Warum schickt DHL eigentlich Pakete für Seniorinnen an appgesteuerte Packstationen?)
Gute Nachrichten: Microsoft möchte in künftigen Windowsversionen „weniger Werbung“ anzeigen lassen. Frage: Warum nicht gar keine?
Nie zu viel gibt es dagegen von: Musik.
Guten Morgen.



Hab selber im Winter bei Minus 5 Grad 30 Min. lang versucht, aus einer DHL Packstation mein Paket zu bekommen. Das Display zeigte mir ständig eine falsche Versandnummer an. Eine 81 Jahre alte Nachbarin musste 3 Stationen mit dem Bus zur DHL Station fahren und stellte dort fest, dass sie nur mit einem Smartphone ihr Paket bekommen konnte. Sie hat aber keins.
Aber es gibt Hoffnung: https://www.golem.de/news/paketversand-vzbv-verklagt-dhl-paket-gmbh-wegen-app-zwang-2603–206399.html
Ähnlich verhält es sich mit der Einsichtnahme in die ePa und die Schufa. Ohne NFC-fähiges Smartphone kein Zugang. So etwas wird den Veerbrauchern als Neuerung verkauft. Ganz große Verarsche, denn die DS GVO verlangt den barrierefreien Zugang zu diesen Daten.
Privat zugestellte — also nicht gewerbliche — Sendungen dürfen laut DHL gar nicht in rein App-bediente Packstationen abgelegt werden, sondern müssen in einer Filiale oder Packstation landen, die sich mittels des Barcodes der Zustellbenachrichtigung öffnen lässt. Alternativ kann “der Kunde” in so einem Fall gegen Angabe seiner Daten eine erneute Zustellung beauftragen. Ob und wie das funktioniert, blieb mir im anekdotischen Fall erspart, da rein zufällig ein Angestellter von DHL mir just zur Zeit des Abholens das Fach der Packstation öffnen konnte.
Musik: Warum eigentlich nicht mal was von Afroman?
Weil das erbärmliche Beschallung ist.