Archiv für die Kategorie ‘Netzfundstücke’.

Das, was andere als eigenes Blog betreiben, ist bei mir nur eine Kategorie wert. :)

NetzfundstückeWirtschaft
Medienkritik CX: Von den Learnings eines Affiliates

Dass Websites, die teils altbekannte, teils neue, dafür aber quietschblöde „Inhalte“ mit möglichst vielen Werbelinks versehen und unter reißerischen Titeln anpreisen, in einer vernünftigen Gesellschaft mitsamt ihren Erschaffern geächtet würden, ist eine Wahrheit, die mit der momentanen Realität jedoch kollidiert statt kollaboriert. Weil die meisten imbezilen Knallfrösche, die die aberdutzendste Auflistung von Katzenvideos, Schauspielertratsch und/oder Pflegeprodukten für eine wertvolle Ergänzung des Webs halten, wahlweise zu doof oder zu gierig sind, sich eine eigene Präsenz aufzubauen, hängen sie sich wie Saugwürmer an einen einladenden Wirt. Der einladendste Wirt von allen ist 2017 die vom Unternehmen Facebook bereitgestellte „Plattform“ gleichen Namens, die bekanntermaßen allein damit einigermaßen viel Geld einbringt, dass ihre Nutzer keine Medienkompetenz mitbringen und darum so etwas wie eine „Website“ gar nicht mehr kennen wollen.

Einen ganz besonders speziellen Fall von doof und gierig präsentierte dieser Tage das dadaistisch nützliche Blog „OMR“, für das Torben Lux unter der Huffington-Post-würdigen Überschrift „Dieser 26-Jährige Affiliate baut seit zehn Jahren Facebook-Pages – das sind seine Learnings“ (im Original natürlich in Großbuchstaben) einen Schulabbrecher dafür bewundert, dass dieser in Ermangelung vernünftiger Bildung lieber für zu viel Geld Reklame auf Facebook macht; denn wer braucht schon Zukunft oder wenigstens einen Rest Anstand, wenn er auch Spammer werden kann?

Der Artikel beginnt vorgeblich sachlich:

Eigentlich will Markus David König aus Schörfling am Attersee in Oberösterreich sein Abitur machen. Weil erste gemeinsam mit einem Freund gestartete Blog- und Facebook-Projekte aber so gut laufen, bricht er es 2010 ab. Seitdem fokussiert er sich komplett auf den Aufbau und die Monetarisierung von Facebook-Seiten.

Obwohl es angemessen erscheint, Markus David König für dieses, wie man auf Neudeutsch sagt, mindset auf allerniedrigstem Niveau auszulachen, wird er stattdessen zum Gespräch gebeten. Das Konzept von „OMR“, das anderswo Wörter wie „Präse“ verwendet, um SEO-Esoterik zu empfehlen, und auf dem schon wieder Torben Lux seiner Enttäuschung darüber, dass ein groteskes YouTube- und Instagram-„Model“ nicht mal für viel Geld seine Brüste rausholt, in zu vielen Absätzen zu viel Ausdruck geben darf, scheint es im Allgemeinen nicht zu sein, lästige Mitmenschen als solche erkennbar zu machen, vielmehr scheint das Gegenteil der Fall zu sein.

Besagter Markus David König hat dem Artikel zufolge schon früh nichts verstanden:

„Mit einem Kollegen habe ich während der Schulzeit angefangen, Webseiten mit Googles Dienst Blogger aufzusetzen. Damals waren wir 15 oder 16 Jahre alt“, erinnert sich Markus David König im Gespräch mit OMR.

Webseiten „aufzusetzen“ (wie Mützen oder zum Beispiel heißes Wasser) bedeutete, als ich 15 oder 16 Jahre alt war, ja noch nicht, sich irgendwas bei Googlediensten zusammenzuklicken, aber wer nichts mitteilen, sondern nur etwas verkaufen will, dem ist Qualität eben auch ziemlich egal (vgl. „SPIEGEL ONLINE“). Da jenes Alter beim Objekt der Betrachtung zeitlich mit dem Aufstieg Facebooks zusammenfiel, haben wir hier immerhin einen interessanten Fall von der Gnade irgendeiner Geburt vorliegen:

Schon damals habe es Firmen und Agenturen gegeben, die größere Fanseiten schlicht nach Reichweite aufgekauft haben. Auch König schlägt zu und übernimmt eine kleine Page für 600 Euro. „Als ich die dann mit 19 Jahren für 20.000 Euro weiterverkaufen konnte, wusste ich, dass ich diesen Weg weiterverfolgen muss. Das hat mich nachträglich auch noch einmal in der Entscheidung bestätigt, das Abitur abzubrechen.“

Hätte es das nicht, dann wäre das bestimmt sehr betrüblich geworden, aber wer braucht schon Bildung, wenn er Geld haben und sich dafür von einer Website, deren Grammatik auch nicht die beste ist („OMR Updates direkt an Dich“, sic!), als Vorzeigespammer darstellen lassen kann? Klar: Als Spammer würde er sich ungern bezeichnen lassen, denn immerhin ist er ein seriöser („Die (…) größte Seite im Portfolio von Markus David König ist „Atemberaubende Tattoo Ideen“. Es folgen (…) „DAS WILL ICH HABEN“ (25.300 Fans) und „Hunde-Wau“ (10.300 Fans).“, T. Lux über M. D. König) Geschäftsmann, der sein Handwerk fast so gut beherrscht wie seine Muttersprache („Super Weihnachts Geschenkideen“, zitiert aus: „DAS WILL ICH HABEN“) und mit Spam selbstverständlich nichts zu tun haben will:

Wenig später reinvestiert König einen Teil seines Gewinns und kauft eine Facebook-Seite mit rund 900.000 Fans, die aber offenbar vor allem aus indischen Fake-Profilen besteht. Er erklärt: „Wir haben sehr viel ausprobiert und wollten auch solche recht eindeutigen Spam-Seiten testen. (…)“

Das Geld, das er mit fremden Inhalten („Wir bekommen wirklich sehr viel Material geschickt, das wir natürlich sehr gerne nutzen.“) verdient, ist meist kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern besteht derzeit überwiegend aus Amazon-Gutscheinen. Es ist Markus David König zu wünschen, dass Supermarkt und Vermieter Amazon-Gutscheine als Zahlungsmittel akzeptieren, sonst ist sein Erfolg, mittelfristig gesehen, gar kein ausreichender. Dass er die Amazongutscheine im Wesentlichen dafür erhält, dass er diverse „Seiten“ – darunter auch „recht eindeutige Spam-Seiten“ – auf Facebook mit „Produktempfehlungen“ vollklebt, macht ihn noch nicht zu einem Reklameheini, denn dafür müsste er, wie er sagt, erst sein Portfolio um Videoreklame erweitern:

„Klar gibt es Produkte in Videos, die perfekt zu Themen wie Tattoos oder Inneneinrichtung passen. Trotzdem ist es immer ein schmaler Grat und wirkt schnell wie Spam.“

Während jemand, der mit „Clickbait-Seiten“ („OMR“), auf denen auch mal öder „IKEA“-Krempel, wie im Artikel zu sehen, mit „Wow, schaut mal was für tolle Einrichtungsideen es hier gibt!“ beworben wird, natürlich nicht wie ein lästiger Spammer, sondern wie ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft wirkt, zu dem es aufzuschauen gilt, denn er lebt unser aller Traum: Mit möglichst wenig Bildung möglichst viel „Geld“ von möglichst einfältigen Menschen („Facebook-Fans“ von „Hunde-Wau“ et al.) zu bekommen.

Unter dem Artikel sind derzeit die ersten Kommentare von konkurrierenden Spammern seriösen Geschäftsleuten zu lesen, die behaupten, der artikelweise Gepriesene habe „Videos geklaut“. Hoffentlich lassen sie sich in Gutscheinen bezahlen.

Netzfundstücke
Lecker Lammsäure

Das befürchtete Dönerverbot – von der „WELT“ anderswo als Niedergang ausgerechnet deutscher Esskultur schwarzgemalt – sollte niemanden schrecken, die Craft-Beer-Szene weiß Rat:

Lammsäure

Prost Mahlzeit.

MusikNetzfundstücke
Man stelle sich vor, „kein Besitz“ sei im Besitz.

Gute Nachrichten: Beim Android-Cheeseburger-„Emoji“ – was auch immer das mit Gefühlen zu tun haben mag – liegt der Käse jetzt, also in der neuesten Android-Version, endlich an der richtigen Stelle. Da die wichtigen Probleme der Welt damit vorerst gelöst sein dürften, können wir uns jetzt endlich mal wieder dem Kapitalismus zuwenden, dem musikalischen diesmal.

Vor etlichen Jahren nämlich sang John Lennon, Schmusesänger und Frisurenträger, in einem seiner langweiligeren und deshalb bekannteren Lieder ungefähr, man möge sich eine Welt vorstellen, in der es keinen Besitz gibt, in der jeder alles mit jedem teilt und wie schön diese Welt doch sicherlich sei. So schön wie Venezuela, merkte bereits 2016 ein frecher Zyniker an, den Geträume nicht besonders beeindruckt zu haben scheint. Die Urheberrechte an diesem Lied wurden im Juni 2017 jedenfalls zur Hälfte John Lennons Witwe Yoko Ono, selbst erfreulich erfolglose Musikerin und ansonsten vor allem dafür bekannt, fremdes Geld auszugeben, zugeschlagen, was formell (ich selbst kenne die Geschichte des Liedes nicht aus erster Hand) vor allem bedeutet, dass sie Geld bekommt. Geld kann man ja immer mal brauchen. Stellt euch vor, es gebe keinen Besitz – traurige Zeiten wären das für manchen Künstler, wie es scheint.

Wie ich ausgerechnet heute darauf komme? Nun, ich wurde heute auf einen drei Tage alten Tweet aufmerksam gemacht, in dem ein Autor und Produzent von so Sitcoms die Bemerkung anbrachte, ihm sei unlängst rechtlich untersagt worden, eine seiner Figuren sagen zu lassen, man möge sich keinen Besitz vorstellen; anscheinend handelt es sich bei dieser Phrase auch dann um eine urheberrechtlich geschützte, wenn sie nicht im Liedkontext erscheint. Während ich das aus Ironiesicht einigermaßen begeisternd finde, beneide ich die zuständigen „Juristen“ nicht, immerhin ist es anscheinend Teil ihres Berufs, triviale Liedtexte auswendig zu lernen, um Übereinstimmungen in allerlei Texten zu finden.

Ob Rammstein und Scooter wohl auch solche Anwälte beschäftigen?

Netzfundstücke
Fotoshooting (optimiert)

Womit entfernt Ihr unerwünschte Objekte auf Euren Fotos?

Ich hab immer ’ne Knarre im Hosenbund dabei. Falls die unerwünschten Objekte sich nicht freiwillig entfernen, helf ich damit ein bisschen nach. :ugly:

(Quelle; apropos)

Netzfundstücke
Den Kapitalismus einfach austrinken

Das, sozialistische Tageszeitung „Neues Deutschland“, ist eigentlich auch alles, was man über den Marxismus noch sehen oder lesen muss:

Seufz; bzw. saufz.

NerdkramsNetzfundstückePersönliches
Nachtrag zu #280Zeichen: Macht euch ein Blog, ihr Labertaschen.

Twitter kannich erwähnte es gestern – jetzt 280 Zeichen. Die Deutsche Bahn beschwerte sich vermeintlich selbstironisch, dass die Zeichen für die möglichen Gründe für eine Zugverspätung immer noch nicht reichen.

Selbstverständlich hält die Verdoppelung der Zeichenanzahl niemanden auf Twitter davon ab, Twitter gründlich misszuverstehen und seitenlange Selbstgespräche („Threads“) zu beginnen, jetzt noch länger als zuvor, worauf – je nach Thema – dann „Experten“ aus der vornehmlich linkspolitischen Szene (das kann natürlich auch ein Zufall sein) dergestalt reagieren, dass sie den Anfang dieses Selbstgesprächs verlinken und so kurz wie doof „Thread!“ oder „Thread.“ oder „Der ganze Thread.“ drüberschreiben, denn so spannend anmoderierte Vorträge besucht man doch gerne. Dass der großartige Android-Twitterclient Tweetings jüngst wie auch ZenTweet eine Option erhalten hat, Tweets, deren Länge 140 Zeichen überschreitet, gar nicht erst anzuzeigen, lindert die Idiotie zwar, löst es aber nicht.

Es sind – wenig überraschend – oft die gleichen Menschen, die sich einerseits darüber beschweren, dass Twitter sich hinsichtlich seiner neuen Funktionen nicht nach seiner nicht zahlenden Kundschaft richtet, andererseits den Dienst aber für etwas missbrauchen, wofür er gar nicht da ist. Die Zeichenbegrenzung, wie lang auch immer sie nun sein möge, sollte dazu anleiten, eben nicht diese „Tweetstürme“, wie sie im Englischen genannt werden, loszulassen, also einen Text auf eine mehrstellige Anzahl an einzelnen Tweets zu verteilen, sondern sich kurz zu fassen. Dass Twitteraccounts, die von irgendwelchen „linken“ Demonstrationen berichten, in der Regel vor dem eigentlichen Text noch die Uhrzeit nennen, als wären ihre Leser zu dämlich, eine Uhr zu benutzen, war schon wunderlich genug. – Einer meiner langjährigen Twitterkontakte monierte gestern, dass der Wechsel von „Tweetstürmen“ aus jeweils 140 zu bis zu 280 Zeichen Twitter schier unbenutzbar gemacht habe, weil das Kurze, Prägnante dieses Mikroblogsystems bis dahin das Hauptargument gewesen sei, wieso man dort statt zum Beispiel auf Google+ oder Instagram seine Kontakte pflege, und hat damit eigentlich völlig Recht.

Ich teile die Auffassung allerdings nicht, dass ein Wechsel der Plattform hin zu einem anderen fremdgehosteten System, das noch mehr Gelaber ermöglicht, die Fehlkonzeption von Twitter vergessen lässt. Es spricht nichts dagegen, dass längere Monologe eben nicht dort stattfinden, wo sie schwer zu durchschauen, zu zitieren und vor allem wiederzufinden sind, sondern in einem eigenen Blog oder Nichtblog festgehalten werden, dessen neue Beiträge man dann nach Belieben auch etwa auf Twitter und sonstwo automatisch verbreiten kann. Mit Medium gibt es, so ungern ich das auch zugebe, mittlerweile auch einen vergleichsweise unblöden Dienst, der einem das lästige Einrichten weitgehend abnimmt und auf dem man sozusagen sofort lostippen kann. Es gibt keine vernünftige Entschuldigung mehr für „Twitter-Threads“, die über die vorgeschobene Ausrede, dass man dort wenigstens gelesen werde (warum denn?), hinausgeht.

Jaja, Dinge im Web auszuformulieren ist nicht mehr modern, Informationen sind im Fluss, heute Abend interessiert es niemanden mehr, was man heute früh noch für wichtig hielt. Im weißen Rauschen der Twitterstürme bekommt man seine Viertelstunde Ruhm praktisch täglich, zumal sich selbst Tageszeitungen längst auf Twitter bedienen, wenn ihre Redaktionen mal wieder nicht wissen, womit sie die Seiten befüllen sollen. Es bedarf allerdings schon einer äußerst kurzen Aufmerksamkeit für das eigene Tun, wenn man auch nach über 60 Tweets, die allesamt zum selben Beitrag gehören, noch nicht bemerkt hat, dass das, was man gerade tut, für niemanden eine Bereicherung darstellt.

„Thread!“ ist, dieser Schluss drängt sich förmlich auf, ein Szenebegriff für „ich bin zu blöd für Blogs“ und gehört zu den Begriffen, die, wenn sie im eigenen Stummschaltfilter stehen, nicht zu Gesicht zu bekommen niemandem eine lesenswerte Information vorenthält.

Macht euch ein Blog, ihr Labertaschen.


In weiteren Nachrichten: Der Deutsche Tierschutzbund warnt: Tiere, die nur leben, damit wir sie umbringen und essen können, werden mitunter nicht artgerecht gehalten. Wie ärgerlich.

NetzfundstückeWirtschaft
Medienkritik CIX: Lobbykampf in SPIEGELs Klassenzimmer

Ende Oktober SPONte die vom krawalligen „Hamburger Abendblatt“ abgestiegene Redakteurin Verena Töpper („believes in gender equality“, V. Töpper über V. Töpper), die bei ihrem inzwischen auch nicht mehr ganz neuen Arbeitgeber unter „Leben und Lernen“ ansonsten zum Beispiel über Menstruationsprobleme „schreibt“, sichtlich besorgt über das Engagement von EDV-Unternehmen in Schulen, die es doch tatsächlich wagen, ihre eigenen Produkte als Unterrichtsmaterialien vorzuschlagen:

Die wollen doch nur helfen – oder?

So sieht eine journalistische Überschrift aus – oder?

Ich erspare versehentlichen Lesern einmal den ersten Teil des Artikels und verweise stattdessen auf den Kommentar von Spreeblick zum gleichen Ursprungstext. Bemerkenswert finde ich aber, was weiter unten noch steht:

„Wir beobachten eine massive Zunahme von Lobbyismus an Schulen“, sagt René Scheppler von der Lehrergewerkschaft GEW. „Vor allem IT-Firmen nutzen die Unterfinanzierung des Bildungssystems für Marketingzwecke. (…) Wird das eine Apple- oder eine Microsoft-Schule?“ (…) Mit Macht drängt vor allem Google weltweit in Klassenzimmer.

Und zwar so:

Fast sieben Millionen Euro hat Google nach eigenen Angaben seit 2011 in Lehrer- und Schüler-Workshops, den für den Informatikunterricht entwickelten Kleinstcomputer Calliope und in die Programmierplattform Open Roberta gesteckt.

Der Spannung wegen möchte ich hier einen kurzen Exkurs einschieben: Als ich noch ein kleiner, fröhlicher Junge war, besuchte ich selbstverständlich auch manche Schule, gelegentlich sogar als Schüler. Während ich – wie jeder gute Akademiker – sämtliche Lehrinhalte bis heute wieder vergessen habe, kann ich mir die Namen der meisten Schulbuchverlage, die mir in dieser Zeit bezüglich einer unbedingten Kaufempfehlung über den Weg liefen, noch bis heute merken, denn es waren nicht besonders viele.

Als besonders penetrant habe ich den Cornelsen-Verlag („Cornelsen Verlag“, von denen lässt man sich doch gern was beibringen) in Erinnerung, der im Wechsel mit Klett und Westermann die Zeit vor dem Studium praktisch im Alleingang bestritt und dabei kaum Platz neben sich ließ. Das ist durchaus auch wörtlich gemeint, denn Schultaschen sollten ja vor eigentlichem Gebrauch auch erst einmal gepackt werden. Dieser Verlag hat seine Bekanntheit in Schulen, die ihm dafür jahrzehntelang Einnahmen garantieren, vermutlich eher nicht durch irgendeinen Zufall erhalten, sondern durch etwas, was Verena Töpper sich wahrscheinlich von irgendwem als Lobbyismus bezeichnen lassen würde, wenn sie nicht so sehr auf Technikkonzerne – sie benutzt laut Twitters Metadaten übrigens ein iPhone, aber es wäre höchst unsachlich von mir, daraus eine bestimmte Haltung gegenüber Technik abzuleiten – fixiert wäre: Der „Computerwettbewerb“ (Quelle: Internet) zum Thema Frankophonie etwa, ausgerichtet vom Cornelsen-Verlag („Cornelsen Verlag“, kreisch!) und unterstützt von Fernsehsendern und Kultusministerien, ist mal in Hameln, mal in Hessen, mal selbst in Oldenburg zu finden.

Da hilft man einander doch gern und schaut auch einmal darüber hinweg, dass der Cornelsen-Verlag kein wohltätiges, sondern ein kommerziell interessiertes Unternehmen ist, das sich in den Klassenkampf zwischen Google, Apple und Microsoft nur allzu gern einmischt: „Der deutsche Schulbuchverlag Cornelsen setzt auf die Cloud-Lösung Office 365 für Bildungseinrichtungen des Software-Konzerns Microsoft. Auf der Online-Plattform scook können Lehrer und Schüler Lehrmaterialen beziehen und sich digital vernetzen.“ (Kommune21) – das sind dann wohl allesamt Microsoft-Schulen. Dies soll freilich nicht heißen, dass Cornelsen irgendwie parteiisch wäre: Neben Konkurrenzunternehmen wie Google und SAP – beide von Verena Töpper als schreckliche Lobbyisten identifiziert, vor deren Einfluss sich ein um die Bildung besorgter Bürger fürchten sollte, ist an der Entwicklung des „Kleinstcomputers Calliope“ (V. Töpper, der Exkurs ist überraschend vorüber) auch der Cornelsen-Verlag („Cornelsen Verlag“, ich kriege hier noch einen Haschmich) beteiligt.

Oben hatte ich geschrieben, der Cornelsen-Verlag arbeite mit verschiedenen Kultusministerien und Fernsehsendern zusammen. Gibt es an dieser Stelle schon Vermutungen, mit welchen Unternehmen der Cornelsen-Verlag sonst noch so zusammenarbeitet? Richtig:

In Kooperation mit dem Spiegel-Verlag ist die erste Unterrichtseinheit mit Inhalten aus Dein Spiegel im Lehrkräfte-Portal von Cornelsen erschienen.

Verdammter massiver Lobbyismus immer.

Verena Töpper beendet ihren Artikel mit einem der üblichen „journalistischen“ Kniffe von Redaktionen wie der ihren, nämlich mit einer Sorge um unsere Zukunft:

Und wie subtil sich das Sponsoring in die Köpfe der Kinder schleicht, zeigt eine Szene am Rand der Eröffnung von Googles neuer Zukunftswerkstatt in München: Als ein kleiner Junge die Musiknote G in einem Programm auswählt, sagt er ganz selbstverständlich: „Ich nehme jetzt das G wie Google.“

Unfassbar: Ein Kind auf einer Google-Veranstaltung, das weiß, dass „Google“ mit einem „G“ anfängt, und, vermutlich umgeben von allerlei Googlewerbung, bei „G“ auch zuerst an „Google“ denkt – und die Regierung guckt nur zu!

Verena Töpper will doch nur helfen – oder?

MontagsmusikNetzfundstücke
Hammock – Things of Beauty Burn

Brückentag (Symboleule)Es ist Montag, ein „Brückentag“, was ungefähr bedeutet, dass viele behaupten, es sei ein freier Tag, aber beinahe keiner frei zu haben scheint. Klar: Morgen ist Gedenktag Martin Luthers, da gibt es nichts mehr einzukaufen und ohne tägliches Einkaufen drehen die Leute schier durch, was vom Wetter bedauerlich begünstigt wird. Wir lieben die Stürme, aber doch bitte nur in der Musik und nicht auf der Bahnstrecke! – Amazon kommt bald zur Tür rein, was kann da schon passieren?

Brandstifter hat Angst vor Feuer: „Telekom-Chef“, schreibt „heise online“, macht sich Sorgen darum, ob mögliche Käufer der Staatsanteile der Telekom „Interesse an der Infrastruktursicherheit“ hätten. Infrastruktur, die Älteren erinnern sich, ist das, was die Telekom nur ungern bereitstellt. Ohne diese Infrastruktur sind manche Geschäftsmodelle aber nur schwer umzusetzen: Minijobber sollen Kinderpornos sichten, allerdings für Geld. Ganz schön unbedacht von der Polizei, es gibt doch wahrlich genug Menschen, die das völlig gratis täten, eine Rangliste mit Sternchen gäbe es sozusagen frei Haus dazu.

Gibt es auch frei Haus, hört sich aber besser an: Musik.

Hammock – Things of Beauty Burn

Guten Morgen.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 27. Oktober 2017

Politischer Diskurs (2017): Politiker wird aus Protest mit Flaggen beworfen.


Schlechte Nachrichten für t3n: Auch und gerade für geschäftliche Massenmails ist Reintext effizienter als unnötig kompliziert formatierte HTML-Vorlagen.


Auf „ZEIT ONLINE“ wird der bescheuerten Behauptung, Gendergedöns sollte Allgemeinbildung sein, widersprochen: „Genauso gut könnte man es peinlich nennen, wenn jemand nichts über Neurowissenschaften weiß.“


Apropos Diskriminierung, apropos „ZEIT ONLINE“:

Je sexualisierter die Lebenswelt wird, je pornografischer die Werbung, je exhibitionistischer die Selbstpräsentation des Erfolgs, desto verbohrter, kleingeistiger und prüder wird die Moral, die all die Schweineställe angeblich zusammenhält.


Das CERN hat herausgefunden, dass das Universum eigentlich gar nicht existieren kann. Schade.


„flatter“ benennt Freund und Feind im medialen Diskurs:

Zuletzt gab es eine „gemäßigte Opposition“ von „Rebellen“ in Syrien, die sich kurz nach dieser medienweiten Einheitsbezeichnung dabei haben erwischen lassen, wie sie einem Teenager gemäßigt den Kopf abgeschnitten haben.

Zum Glück keine Extremisten.

Netzfundstücke
Hengameh Yaghoobifarah abschaffen!

Unter dem Namen „NO HATE SPEECH“ betreibt eine internationale „Bewegung“ in Deutschland eine geradezu schmerzhaft bunte (gibt es eigentlich „visuelle Hassrede“?) Website, auf der „für gegen“ (ebd.) unfreundliche soziale Interaktion im Netz kampagniert wird. Es gibt zudem einen zugehörigen Twitteraccount, der unter anderem mit solchen Weisheiten Bytes verschwendet und so (mittels der Nebenwirkungen des EDV-„Zeitalters“) Bäume tötet:

Wir denken, dass #HateSpeech sich vor allem gegen bereits gesellschaftlich Benachteiligte richtet.

„Wir“, das tapfer anonyme Häuflein, zu dessen „Unterstützern“ laut Website auch die SPD-Noch-Ministerin Katarina Barley gehört, brachten damit zum Ausdruck, dass eine „Hassrede“ nur gegen diejenigen eine „Hassrede“ sein kann, die vom System schlechter behandelt werden als andere Menschen. Der zitierte Tweet war eine Antwort auf die Anfrage eines anderen Twitter-Teilnehmers, ob eine Kolumne auf „taz.de“, der Hasswebsite, auf der 2011 auch Deniz Yücel (zurzeit in etwas Besserem als Deutschland wohnhaft) die bemerkenswerte Vermutung, etwas Besseres als Deutschland finde sich allemal, aufgestellt hat, nicht womöglich die notwendigen Kriterien für „Hassrede“ erfülle.

Die inkriminierte Kolumne unter dem bescheuerten Namen „Habibitus“ – früher hatte ein „habibi“ ja noch etwas mit Freunden und nicht viel mit Menschenhass zu tun – stammt von der in Kiel geborenen und natürlich in Berlin lebenden, somit ziemlich deutschen und laut gängiger Definition gesellschaftlich bevorteilten freien Autorin Hengameh Yaghoobifarah, die ihren geradezu einladend selbstverleugnend als „Deutsche, schafft Euch ab!“ überschriebenen Text mit einem Absatz einleitet, der zum Glück weit davon entfernt ist, irgendeine „Hassrede“ darzustellen, und in dem sie einen konkurrierenden Texteschreiber erst mal so richtig durchbeleidigt:

Dass Sarrazin ein rechter Lauch ist, der gerne viel Scheiße labert, wenn der Tag lang genug ist, wissen wir bereits.

Mit Gemüse scheint es Frau Yaghoobifarah allgemein sehr liberal zu halten, denn in ihrer kottriefenden Schmähschrift nennt sie ihre Landsleute fast durchgehend inkonsequent „Kartoffeln“, ein Gemüse, das ursprünglich aus der Gegend um Peru stammt. Wer damit rechnet, dass sich das Niveau noch einmal verbessern würde, der unterschätzt den rassischen Hass, den das urdeutsche Fallobst mit dem dämlichen Namen („Hengameh“) in sich trägt:

Der deutsche Hass auf Muslim_innen und die Paranoia vor einer (…) Islamisierung der deutschen (wortwörtlich) Dreckskultur hält Kartoffeln davon ab, ein schöneres Leben zu führen.

Nun kann man es sich natürlich leicht machen und „den Deutschen“ vorwerfen, „die Moslems“ mitsamt ihrer „(wortwörtlich) Dreckskultur“ (ebd.) allesamt und ohne jede Nuancierung „zu hassen“, um sich hinterher darüber zu ärgern, dass man für dieses niveaulose Gerotze keinen Zuspruch seitens der Berotzten („random Almans“) bekommt, aber schlau ist man dann natürlich nicht unbedingt. Ich zum Beispiel war bis zum Lesen dieses faschistoiden Mülls nicht einmal auf die Idee gekommen, dass ich die Autorin vielleicht „hassen“ könnte, jetzt hingegen habe ich das dringende Bedürfnis, irgendwann einmal ihr Grab, wo immer es dereinst liegen wird, zu besuchen und ihm mit geradezu entweihendem Gesichtsausdruck beide Mittelfinger zuzuwenden, wofür ihre Religion, sofern sie mit „Muslim_innen“ auch sich selbst meint, nicht einmal irgendetwas kann. Scheiße sein kann man auch und gerade konfessionsübergreifend.

Worauf die geschmacklose Kolumnistin eigentlich hinaus will, lässt sie zwischen diversen Kommafehlern und Eigentoren („[w]eder aus den Fehlern anderer, noch aus ihren eigenen können und wollen sie lernen“, sic!) zumindest schwach durchscheinen: Die Deutschen wollen nicht, dass jede Religion ihre eigenen Feiertage bekommt, sonst wäre der Kalender ziemlich grau.

Lieber einen Tag mehr arbeiten als ein muslimischer Feiertag im Kalender.

Ich als jemand, der auch noch nie außerhalb eines Urlaubs anderswo als in Deutschland gewohnt hat, verstehe das Problem nicht: Ich möchte gar keine religiösen Feiertage in meinem Kalender haben, Religion zeichnet sich nämlich in jedem mir bekannten Fall durch einen Schwund an Ratio aus und neigt historisch eher nicht zu unterstützenswerten Errungenschaften. Wahrscheinlich ist dieser Fall in der Kartoffellogik im Quatschkopf von Frau Yaghoobifarah aber schlicht nicht vorgesehen: Wer aus Deutschland kommt, der muss Weihnachten und den anderen pseudoreligiösen Kalenderstuss für wichtig halten, weil Christentum und so weiter und so fort. Im Umkehrschluss bedeutete das freilich, dass sie selbst als aus Deutschland Kommende das Christentum als die einzig richtige Religion anerkennen sollte, was allerdings keineswegs erfolgt zu sein scheint. Merkwürdig!

Der erbärmliche Schwachsinn streift dabei immerhin noch die rhetorische Frage, was denn eigentlich „deutsch“ sei:

In ihren liebsten griechischen Restaurants oder Döner-Buden modifizieren die Köch_innen ihre originalen Gewürzpaletten auf die deutschen Geschmäcker hin, damit es den Kartoffeln schmeckt. Aber wehe, jemand wagt es, deutsche Gewohnheiten und Traditionen in Frage zu stellen.

Auf die Idee, dass „die Deutschen“, wenn sie „griechisch“ oder „türkisch“ essen möchten, womöglich zu einem bedeutenden Teil gar kein Interesse daran haben, dort ohne gesonderte Kennzeichnung etwas vorgesetzt zu bekommen, was „auf die deutschen Geschmäcker hin“ angepasst wurde, was auch immer ein „deutscher Geschmack“ jetzt genau sein soll, kommt sie natürlich nicht, denn rassistische Vorurteile sind ohne Verstand viel leichter zu halten.

Aus falschen Annahmen kann man sicherlich auch irgendwelche Schlüsse ziehen, die Autorin jedenfalls diesen:

Sarrazin hat auf 464 Seiten Verantwortliche für die Abschaffung Deutschlands gesucht, aber die größte Problemkindergruppe vergessen: die Deutschen selbst. Sie schaffen sich selber ab. Ich hoffe, sie beeilen sich.

Wo bleibt das verdammte Verlagssterben?

Netzfundstücke
„Schade.“

Es bedauert Chan-jo Jun, „Rechtsanwalt“, auf Twitter bei zumindest manchem Zuspruch:

Der CCC ist gemeinsam mit der AfD gegen das #Netzdg. Schade.

Denn ein aufrechter antifaschistischer Demokrat weiß: nur, was der AfD zuwider ist, kann gut sein. Diesem rüpelhaften Computerclub muss Einhalt geboten werden. Anfänge. Wehren. Wissenschon.

Netzfundstücke
Wasser im Kopf

Müsste ich drei Dinge aufzählen, die typisch weiblich sind, ich zählte ein geradezu manisches Faible für eine esoterische Ernährung dazu. Neben der altbekannten Homöopathie, also seelischer Reinigung bei Krankheiten wie Krebs oder abfallenden Gliedmaßen durch Beschwörungstänze und Zuckerzusätze, zählt dazu, wie der geneigte Leser von Frauenzeitschriften längst weiß, auch Ayurveda, die „indische Heilkunst“ (Quelle: Internet), die die drei Typen Vata, Pitta und Kapha kennt, für die es insgesamt drei verschiedene Arten vorsieht, Wasser zu kochen; je nach Typ werden aus zwei Litern Wasser zwischen 1 und 1,75 Liter, indem man es länger oder weniger lange kocht.

Der Sinn dahinter sei es, die „Zirkulationskanäle“ in ihrer „Ausscheidung anzuregen“; klar: wer mehr Wasser trinkt, mit Limettensaft oder nicht, muss häufiger aufs Klo, und wer derweil weniger isst, der nimmt dabei auch noch ab und fühlt sich wohler, weil ihm irgendwer gesagt hat, dass Dicksein nicht so gut ist. Mir ist wirklich unklar, wieso Männer viel häufiger als Frauen irgendwelche Vorstandsposten bekommen.

Eine etwas, haha, eingekochte Beschreibung dieser Wasserbehandlung fand dieser Tage der Twitternutzer @waldenmonk, dessen Fundstück sogleich zu einem Erfolg wurde und sogar in ausländischen Medien zitiert wurde. Nicht jedem aber war es vergönnt, die Entdeckung zu würdigen, denn manchen ist der Bote noch immer wichtiger als die Botschaft:

Der Typ, dessen homöopathiekritischen-Tweet über gekochtes Wasser ihr grade alle fleißig teilt, ist AfDler und Antifeminist.

(Rechtschreibung wie im Original.)

32 Herzchen (früher, als Twitter noch nicht bescheuert war, „Favoritensterne“) hat dieser Tweet zur Stunde bekommen, es sind also, sofern es sich nicht um Mehrfachkonten handelt, mindestens 32 Personen, darunter mehrere, die sich selbst als der „Anarchie“, dem „Queersein“ und/oder dem Veganismus nahe stehend beschreiben, ausreichend dankbar für diese Information, denn ohne sie hätten sie versehentlich beinahe noch über den Ursprungstweet gelacht. Als sollte nur gelesen werden, was in der eigenen „Filterblase“ vor sich geht! – Gleichzeitig werfen Menschen aus ähnlichen oder gar identischen Dunstkreisen US-amerikanischen Politikern vor, selbst in einer „Filterblase“ zu leben, denn überraschenderweise sind sie fähig, diese dort als eher schädlich zu erkennen, wo es sie nicht selbst betrifft. Mit Nazis lacht man nicht und wer ein „Nazi“ ist, bestimmen hier immer noch wir.

Und so ähnlich ist das bei Ayurveda auch.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Dreimal kurz verlinkt: Gotteskrieger, Hollywood und Tod durch den Wetterbericht

Der Herr gibt es den Seinen im Schlaf (Psalm 127,2): US-amerikanische Kirche verlost Sturmgewehre.


Schlimmer, freilich, wären Filme aus Hollywood und/oder Videospiele, denn die, verkündete der oberste Waffenprediger desselben Landes, seien schuld an Massenmorden, nicht etwa Waffen und ihre lautstarken Befürworter.


Es ist ja nicht alles schlecht; was wenigstens im Inland noch tödlicher ist als Hollywoodfilme, ist der Wetterbericht.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 24. September 2017

Genau mein Humor: Ein hochrangiger Kirchenvertreter findet, man solle die Wirklichkeit nicht verzerren.


Jungs sind besser in Physik, weil sie häufiger einen Penis anfassen. Das klingt, als könnte man das soziale Gefälle hier ziemlich einfach begradigen.


Eilmeldung des Tages: Konkurrenz macht den Penis länger. Allerdings bei Enten.


„Corey Doctorow slowly beings to realize that the internet, like everything else, exists at the convenience of people with money.“


Formel 1 zu leise? Hilfe ist unterwegs!

NetzfundstückeSonstiges
Medienkritik in Kürze: Großmaul fickt gut.

Die „Cosmopolitan“, das fröhliche Magazin, auf dessen Oktoberausgabe schon wieder Jessica Alba zu sehen ist, was über die „Cosmopolitan“ freilich mehr aussagt als über Jessica Alba, enttäuscht den Freund absurder Textkombinationen nur selten.

Auch diesmal nicht:

Denn neben der Befassung mit den typischen Problemen, die man als Frau so hat („Macht Smog Falten?“) wird einerseits für Smartsein geworben [1], denn Smartsein mache besseren Sex, gleichzeitig aber davor gewarnt, dass es Leute gibt, die sich smarterweise für eine Wohnung mit Sex bezahlen lassen möchten [2] (sind wohl auch „Cosmopolitan“-Leser); es werden Anleitungen gegeben, „Großmäulern“ aufgrund deren Seitenhieben „elegant den Mund zu stopfen“ [3], gleichzeitig aber auch solche, selbst großmäulig Seitenhiebe zu verteilen [4]. Ob es einen Zusammenhang zwischen der „Kunst, Seitenhiebe wortlos zu kontern“, und der Frage, ob man als „Traumjob“ nicht vielleicht doch lieber „Influencer“ sein (also sein Geld statt im Team stattdessen damit verdienen, allein im heimischen Keller irgendwelche Dinge in so Netzwerken zu verteilen) sollte, gibt, kann ich leider nur raten.


Spektralnetzwerke und ihre Tücken: Auf „Golem“ wies Tobias Költzsch gestern einen halben Artikel lang merklich ungehalten darauf hin, dass das Mikroblognetz Gab.ai „Figuren vom rechten Rand“ (für „Naziärsche“ war wohl doch noch zu viel Restjournalismus da) ein „Spektrum“ biete, wie auch immer man „ein Spektrum bieten“ kann; als sollte ein Internetdienst grundsätzlich immer und bitteschön genau wie die Figur vom Golem-Rand werten, statt neutral zu sein; es sei, versteht sich, denn, man (hier: Költzsch) versteht unter Netzneutralität nur schnelles Herunterladen von schlechter Musik und nicht etwa, dass die Freiheit des Netzes eine linkspolitische zu sein hat, denn dann ist seine fehlende Haltung sicherlich zwar immer noch beknackt, aber wenigstens begründet.