Archiv für die Kategorie ‘Netzfundstücke’.

Das, was andere als eigenes Blog betreiben, ist bei mir nur eine Kategorie wert. :)

In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 25. April 2018

Bande benutzt den Finger eines toten Mannes, um dessen Smartphone zu entsperren.


Andreas Kemper „erklärt“, was Männerrechtler mit der NPD zu tun haben:

Und da gibt es ganz deutlich NPD-Positionen. Dazu gehört (…) ein illegaler Internet-Auftritt ohne gültiges Impressum usw.

Kein gültiges Impressum zu haben ist rechts! :hitler:


Die unfassbare PETA findet, dass man in Meuchelspielen angeln kann, sei Tierquälerei.


Andere Länder, andere Sitten: In Kanada wurde ein Amokfahrer von einem Polizisten zur Aufgabe gequatscht, weil dieser ihn nicht erschießen wollte.


Paul Ingedaay merkt zur Auflösung der Eta im Feuilleton der „FAZ“ (möchte wegen LSR nicht verlinkt werden) an:

Besonders zynisch ist die Unterscheidung zwischen zufälligen Todesopfern und denen, auf die Eta-Attentate tatsächlich zielten. Deren Angehörige werden nämlich nicht um Verzeihung gebeten, denn in den Augen der Terroristen richtete sich der „bewaffnete Kampf“ ja völlig zu Recht gegen die Urheber des „politischen Konflikts“.

Nur ein noch besondererer Zyniker würde ergänzen wollen, dass sich das ja eigentlich auch nicht wesentlich von der Vorgehensweise der Scheiß-NATO unterscheidet, deren „Krieg gegen den Terror“ ja auch das Umbringen der Urheber des „politischen Konflikts“ zum Ziel hat und manchmal halt aus Versehen Kollateralschäden anrichtet. Selbstverständlich ist dieser Vergleich aber unangemessen: Die sind, wissen Qualitätsmedien, nun mal „böse“.


In bayrischen Behörden sollen künftig noch mehr Kreuze hängen als bisher. Das soll wahrscheinlich die Begeisterung der dortigen Beamten für einen langen, schmerzhaften Leidensweg signalisieren.

Netzfundstücke
Den Kapitalismus einfach austrinken (2)

Was das „Neue Deutschland“ kann, kann „Telepolis“ schon lange:

Vor 50 Jahren begann nach der Entstehung der Hippiebewegung im Laufe der 1960er Jahre die von linker Gesellschaftskritik getragene Revolte der jungen Menschen, die Studentenrevolte. (…) Mit dem „68er-Kaffee“ wollen wir einen Blick zurückwerfen, auf Träume, Aufbruchswünsche, Utopien und eine Lust auf Revolte und Befreiung, die sich eher in Form von Nebenwirkungen gesellschaftlich durchgesetzt haben. (…) Wir beginnen mit zwei exklusiven Sorten: Patuca, einem Filterkaffe aus Honduras, und Boqueron, einen Espresso aus Brasilien, Peru und Mexiko.

Kaffché

Hasta la victoria siempre.
Ché Guevara

Mir wird geschlechtMontagsmusikNetzfundstücke
Birth of Joy – You Got Me Howling

Der Osterhase hat eine Eule versteckt.Es ist Montag. Daran hat gestern mal wieder niemand gedacht und auch heute tun es nur wenige, denn es ist Feiertag. Irgendwo in Südeuropa standen zu viele Menschen und ließen einen alten Mann einen Zauberspruch aufsagen. Ab morgen gilt aber wieder, begleitet von täglichem Geläute, dass wir in einer aufgeklärten Zeit leben und Sekten im Wortsinne brandgefährlich sind und unbedingt gemieden werden sollen, denn nur Dumme lassen sich so leicht verführen, wenn’s nicht gerade der Papst versucht. Es irrt der Mensch, solang er strebt.

Gestern war im Übrigen der 1. April, sicherheitshalber habe ich also alle Qualitätsmedien ungelesen belassen und mir lediglich Blogs angesehen, denen jeder Humor völlig abgeht. Hierbei habe ich unter anderem ein Interview mit „Don Alphonso“ gelesen, dessen Lektüre zumindest erhellend ist. Es ist die Botschaft zu beurteilen und nicht der Bote, was in einer schnelllebigen Medienwelt oft die Schlagzeilerei erschwert. Ein bisschen blöder fühle ich mich hingegen nach dem Lesen dieser überraschenden Meldung: Ein Gericht hat herausgefunden, dass Google mit Android Geld verdient und es sich daher um ein kommerzielles Betriebssystem handelt.

Ebenso blöd: Franziska Giffey (natürlich SPD) habe in ihrer Eigenschaft als „junge Frau“ (F. Giffey, Jahrgang 1978, über F. Giffey), las ich anderntags und -orts („FAZ.net“), beklagt, dass eine Zwangsheirat, bei der Frauen allenfalls die Wahl zwischen verschiedenen Cousins haben, diese Frauen unterdrückte, wogegen man etwas tun müsse, als wäre es undenkbar, dass sich diese Cousins nicht freiwillig für ihre Zwangsfrauen entschieden hätten. Schlau ist allenfalls Brad Pitt, denn warum sollte eine moderne, aufgeklärte Feministin, die sich jede Beurteilung von Körperlichem verbittet, ihn sonst verehren?

Ohne Zweifel und ohne ein Aber verehrenswert bleibt ganz körperlos: Musik.

Birth of Joy – «You Got Me Howling»

Guten Morgen.

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
„ZEIT“ verleiht den Blockchainpreis.

Die „ZEIT“ könne man, befand ich erst gestern, auch nicht mehr ruhigen Gewissens lesen. Wohl dem, der – anders als ich selbst – diesem Rat Folge leistete, denn ihm blieb diese Eigenwerbung erspart:

Sie (…) setzen sich für eine weiblichere Raumfahrt ein oder beraten Regierungen in Sachen Gleichstellung: Frauen, die unsere Wirtschaft revolutionieren, so heißt der diesjährige Edition F Award, den das Onlinemagazin in Kooperation mit ZEIT ONLINE und dem Handelsblatt zum fünften Mal verleiht.

Eine „weiblichere Raumfahrt“ ist jetzt zunächst einmal nichts, worüber ich persönlich mich so sehr freuen würde, dass ich es für preiswürdig hielte, aber ich bin ja auch weder eine Frau noch ausreichend geistig entkernt, um einen Preis namens „Frauen, die unsere Wirtschaft revolutionieren (Edition F Award)“ o.vglb. als Belohnung und nicht als Verhöhnung zu betrachten. Und er hat noch einen zweiten Namen:

Die Jury des 25 Frauen Awards hat aus 500 Nominierungen eine Vorauswahl von 50 Frauen getroffen, die (…) unsere Wirtschaft verändern und mitgestalten.

Bindestriche sind anscheinend kein Frauending. – Nicht uninteressant ist diese Ersatzbenennung des Preises aber auch aus inhaltlicher Sicht, sagt sie doch nur aus, dass man eine von 25 Frauen war, die irgendwas gemacht haben. Da kann man den Enkeln später sicherlich eine total interessante Geschichte erzählen.

Wer also sind die 50 Delinquentinnen? Nun, zum Beispiel sie:

We are Kal heißt das von Catherine Allié gegründete Label, das handgesponnene und handgewobene Textilien aus Seide und Wolle herstellt.

Schon klar: Mit einem Innovationspreis kann die Frau nicht rechnen, eine Veränderung der Wirtschaft ist hier nicht auszumachen. (Darf man Frau Allié aufgrund ihrer Tätigkeit eigentlich „Spinnerin“ nennen oder bekommt man dann wieder Ärger?) Wenn aber jemand, der einen klassischen Handwerksberuf ausübt beziehungsweise ausüben lässt, bereits allein hierfür die Vorauswahl übersteht, dann wirft das auf die anderen 450 Nominierten ein eher ungutes Bild. Und dann behaupten Feministen jedwelchen Geschlechts, Frauen würden unterschätzt!

Weiterhin diese Dame:

Charlotte Bartels studierte Volkswirtschaftslehre (…). In ihrer Promotion, die mehrfach ausgezeichnet wurde, zeigte sie, dass der deutsche Sozialstaat immer weniger umverteilt.

„Die Armen werden immer ärmer.“
„Dafür bekommen Sie einen Preis!“

:bravo:

Auch sie ist dabei:

Ise Bosch ist eine Enkelin und Erbin des Unternehmers Robert Bosch. Mit ihrem Vermögen will sie anderen Menschen helfen und die Gesellschaft verändern. (…) Als Gründerin und Geschäftsführerin der Dreilinden gGmbH setzt sich Bosch gegen Diskriminierung und Gewalt aufgrund von Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung ein.

Ich würde ja unterstellen wollen, dass das Aufbauen einer Gesellschaft, die vor allem Geld verteilt, mit den Mitteln, die von einem erfolgreichen und produktiven männlichen Unternehmer geerbt (also ohne große Gegenleistung geschenkt worden) sind, sich für eine positive Veränderung der Wirtschaft und einen Frauenpreis nicht eignet, aber ich bin auch nicht in der Jury und ich vermute, ich kenne sogar den Grund dafür.

Zeichnet sich denn niemand der zu Ernennenden durch etwas anderes als Unsinn aus? Doch, natürlich, aber andere eben auch nicht:

Als Chief Financial Officer des US-Kreditkartenunternehmens Mastercard gilt Martina Hund-Mejean weltweit als eine der einflussreichsten Personen der Finanzbranche.

Dass sowohl die Gründer als auch die momentanen Vorsitzenden des Unternehmens MasterCard Männer sind und Frau Hund-Mejean in der englischsprachigen Wikipedia nicht erwähnt wird, lässt mich an ihrem Einfluss in der Wirtschaft zweifeln. Andererseits hat vermutlich jedes größere Unternehmen mindestens eine Frau, die dann seine einflussreichste ist. Die einzige gefundene Quelle für die Behauptung, sie sei „eine der einflussreichsten Personen der Finanzbranche“, ist jedenfalls „Treasury & Risk“, ein fragwürdiges Magazin, das besagte Wikipedia in keiner Sprache zu kennen scheint.

Vielleicht wird man in typischen „Frauendomänen“ eher fündig? Aber klar:

#Forward Beauty heißt das Strategieprogramm, mit dem Tina Müller, CEO und Vorsitzende der Geschäftsführung der Douglas GmbH, die Kosmetikindustrie verändern will. Um die Marke langfristig voranzutreiben, braucht es ihrer Meinung nach eine digitale und weibliche Neuausrichtung des Unternehmens.

Denn bekanntlich haftet Douglas der Ruf an, sich als Unternehmen vor allem an die Bedürfnisse von Männern zu richten – von Männern, die gern nach Blumenwiese duften. :ja:

Das soll natürlich nicht heißen, dass in der vorgefilterten Liste nicht auch Frauen zu finden sind, die sich auch von Männerthemen reizen lassen, zum Beispiel Bullshit:

Shermin Voshmgir ist Gründerin des Blockchain-Hubs, ein Informations-Hub und Thinktank in Berlin, der die weltweite Entwicklung der Blockchain-Technologie vorantreibt, kommuniziert und diskutiert. (…) Außerdem unterstützt sie Start-ups mit dem Schwerpunkt Blockchain.

Frau Voshmgir wird sich in der Abstimmung allein im Grad des Bullshits, der sie qualifiziert, allerdings geschlagen geben müssen, denn die Frau, die ich gerade übersprungen habe, übertrifft sie um Längen:

Henrike von Platen ist überzeugt, dass Frauen und Geld zusammengehören

Stimmt, denn welcher Mann hätte nicht gern beides gleichzeitig und nicht nur eines davon? – Ach, der Satz geht noch weiter:

Henrike von Platen ist überzeugt, dass Frauen und Geld zusammengehören und Lohngerechtigkeit schon morgen möglich wäre. Mit der Gründung von Fair Play Innovation Lab (…) möchte sie das Ziel der Lohngerechtigkeit für alle umsetzen.

Wenn Frau von Platen also dafür sorgen möchte, dass mehr Frauen sich künftig aktiv für technische Berufe interessieren, einen besseren Schulabschluss machen, länger im selben und größeren Unternehmen bleiben, Überstunden machen, nicht vor Schmutz zurückschrecken und Schichtarbeit leisten, dann wäre das sicherlich lobenswert.

Möchte sie aber gar nicht:

Deswegen setzt sie sich seit vielen Jahren für gerechte Bezahlung und die Vernetzung von berufstätigen Frauen weltweit ein und gründete einen Fraueninvestmentclub.

Na dann.

Die tags des „ZEIT“-Artikels sind „Digitalisierung“, „Award“, „Blockchain“, „Frauen“, „Auszeichnung“ und „Startups“. Hätte ich sie zuerst gelesen, hätten sie also am Anfang und nicht am Ende des Artikels Platz gefunden, so wäre mir die Lektüre und meinen Lesern dieser Artikel vermutlich erspart geblieben.

Selber schuld.

Mir wird geschlechtNetzfundstückePolitik
Liegengebliebenes vom 9. März 2018

So widerwärtig wie erhellend: Matthias Streitz („SPIEGEL ONLINE“, Chefredaktion) erläutert in nur einem Tweet zugleich die wesentliche Aufgabe von Onlinejournalismus und warum er sich weitere Verweise auf „SPIEGEL ONLINE“ verbittet.


Die designierte Gedönsministerin Dorothee Bär lässt wissen, welche Impulse von ihr im Land von Datenschutz, EDV-Sicherheit und Breitband in den nächsten Jahren zu erwarten sind: Fliegende Taxis und die Pflicht zum Programmieren für noch mehr stumpfe, aber wirtschaftlich nützliche Bildschirmarbeit nämlich. Was bringt ein Flugtaxi mit Internet in Edge-Geschwindigkeit? (Vorsicht: t3n!)


„Die SPD lebt heute von einem Erbe, zu dem sie nichts mehr beitragen kann.“


Gute Nachrichten für Hamburg und Berlin: Gewaltfreundliche Flachpfeifen, die Autos anzünden, sollen künftig als Terroristen gelten.

Schlechte Nachrichten für Hamburg und Berlin: Das gilt bis auf Weiteres nur für „Rechte“.


Berufsfrau Katarina Barley (SPD) hält es für eine „gravierende Fehlentwicklung“, dass die AfD Gleichstellung (nicht aber Gleichberechtigung) kritisch gegenübersteht, und möchte dies mit einer Entdemokratisierung des Bundestags mittels einer Frauenquote entgegenwirken, als wäre sie nicht selbst ein gelungener Beleg dafür, dass man viele weibliche Abgeordnete besser nicht haben sollte.


„Wenn Gehorsam und Mensch aber gegeneinander stehen, entscheide dich immer für den Menschen!“

Netzfundstücke
Deutschland, deine Allegorien! (12)

Ein neuer Aufbruch (ca. 1095)

(Quelle)

In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 23. Februar 2018

Passagier furzte: Flieger musste in Wien notlanden.


Gerhard Schröder empfiehlt der SPD, mehr zu schrödern.


Endlich tut mal einer was gegen die Gewalt in den USA (1): Parlament in Florida erklärt Pornografie für gefährlich.


Endlich tut mal einer was gegen die Gewalt in den USA (2): Kirche in Pennsylvania bittet Paare, demnächst mal ihre halbautomatischen Waffen zwecks Segnung vorbeizubringen. Gotteskrieger ohne Allah – Sachen gibt’s.


FreeBSDs neu gefundener Feminismus trägt Früchte: Die, die Software für es portieren, wollen den Mist auch nicht haben, und machen sich vom Acker.

Netzfundstücke
Lustige Berufe (3)

Heute:

Ein Interview mit dem ersten professionellen Coach für LSD-Microdosing.

:roll:

NetzfundstückeSonstiges
Medienkritik in Kürze: Erinnern an „neunzehn100“.

Am Bahnhofskiosk sah ich kürzlich ein Magazin, das mich ungewöhnlich erfreut hat. Es heißt „neunzehn100“, wurde „Magazin der Erinnerungsanlässe“ betitelt und trägt den Untertitel „Das Magazin für alle, die sich gern erinnern und Freude an schönen alten Dingen haben“. Ich erinnere mich gern und habe Freude an schönen alten Dingen, auch an solchen, deren Ursprungsjahr dem 20. Jahrhundert entstammt. Daher der Name:

Der Magazinname neunzehn100 spielt darauf an, dass die Zielgruppe (…) Erinnerungen an Erlebnisse und Ereignisse im letzten Jahrhundert hat – eben in Jahren und Jahrzehnten, die mit „neunzehnhundert…“ beginnen.

Wer jetzt Weltkriege erhofft hat, der wird enttäuscht: Diesen nahe kommt man vielleicht noch mit dem Titelthema „Der treue Kadett“ aus der zweiten und aktuellen Ausgabe, wenngleich es dort um das Auto und nicht etwa um einen Fahnenjunker geht. Stattdessen dreht sich das Erzählte um Audiokassetten, Helgoland, groteske Brillen und Fackeln. Fackeln? Fackeln!

Fackeln!
Über eine Tradition, bei der einem warm ums Herz wird

Na gut, vielleicht doch ein bisschen Weltkrieg.

Wer so was liest? Genau das scheint das Problem zu sein:

[D]ie erreichten Verkaufszahlen lassen eine Fortsetzung des Titels für einen so kleinen Verlag wie unseren einfach nicht zu. Die zum 23. Februar angekündigte dritte Ausgabe wird daher nicht erscheinen. (…) Wenn wir wissen, ob und wie es weitergeht, werden Sie es an dieser Stelle lesen können.

Das ist doch mal ein schöner Erinnerungsanlass.

Netzfundstücke
Gedanken und Gebete: Das Spiel.

Der landestypische Umgang mit größeren Attentaten in den USA besteht zumeist darin, dass für die Gemeuchelten fleißig gedacht und gebetet wird, auf dass sie künftig nicht noch einmal gemeuchelt werden mögen.

Wer die Absurdität dieses Tuns noch nicht verstanden hat, dem kann nun geholfen werden: Gedanken und Gebete gibt es auch als Strategiespiel.

Mir wird geschlechtNerdkramsNetzfundstücke
Open Source schläft ein und der Feminismus trägt die Schuld daran.

Im August 2017 beschrieb ich unter anderem mein ausbleibendes Verständnis für große Technikkonzerne, die sich einen diversity genannten Klotz mitsamt Verwaltungsaufwand und letztendlich auch unnötigen Kosten ans Bein binden. Die Gesellschaft hat sich seitdem weiter um sich selbst gedreht, gebessert hat sie sich jedoch nicht.

In einer vernünftigen Welt (wie auch in meinen eigenen Projekten) gilt im Wesentlichen der Verdienstkodex: Wer was kann, der darf mitmachen, wer nicht, der nicht, und persönliche Wehwehchen mögen bitte irgendwo ausgelassen werden, wo es dem Rest des Projektteams nicht weiter auf die Nerven geht.

Leider ist die Welt der Open-Source-Software nicht vernünftig, sondern stark emotionsgetrieben (das mag den enormen Windowshass in einschlägigen Foren erklären, als wäre das verwendete Werkzeug für irgendeine Aufgabe ein Politikum, dessen ethisch korrekte Auswahl jede Personaldebatte in Parlamenten oder auch nur Parteien in den Schatten stellte). Infolgedessen wurde ich heute mit der Information belästigt, dass selbst das FreeBSD-Projekt, das sich vor Jahren ein besonders anstrengendes Beispiel für den Dunning-Kruger-Effekt eingetreten hatte, sich ja nun positiv durch einen neuen Verhaltenskodex bemerkbar mache.

In diesem Kodex, den das FreeBSD-Team gemäß dem Dokument selbst im Wesentlichen aus dem „Geek Feminism Wiki“ – geek feminists bilden einen Teil des Kerns jener sich gemeinhin als weiße Ritter verstehenden Krawallschachteln, die auch den Chaos Communication Congress (ich berichtete mehrfach) schon totgequatscht haben – abgetippt hat, wird in viel zu vielen Zeilen erläutert, dass es die Projektaufsicht ungern sieht, wenn Teammitglieder sich anderen Menschen gegenüber wie jemand verhalten, dem grundlegende Höflichkeitsformen fremd sind. Man sollte meinen, so etwas sei auch ohne festgeschriebene Regeln vernünftig unterbindbar, aber an der Vernunft scheitert es bei denen, die wertvolle Zeit anderer Leute mit dem Zusammenschreiben und stolzen Herumzeigen von Dingen, von denen sie sich total belästigt fühlen, verschwenden, nun mal von vornherein. Da wundert es auch nur noch wenig, dass sich ein paar der besonders bescheuerten Punkte im Kodex auch in den Verhaltenskodizes von zergenderten Plattformen wie GitHub wiederfinden, die die Idiotie mit der Feststellung, für „Privilegierte“, also für die viel zitierten „weißen Männer“, gelte der Schutz vor Belästigung aus Prinzip nicht, bislang auf die Spitze treiben. Mal gucken, wann das FreeBSD-Projekt sie überbietet.

Als strafbewehrt werden seinerseits nämlich außer Dingen, die ohnehin illegal sein dürften, unter anderem Drohung mit Gewalt, und halbwegs verdienstorientierte Dinge wie die „nachhaltige Störung von Diskussionen“ auszugsweise auch folgende Ärgernisse beschrieben (Wortnutzung wie im Original):

  • Absichtliches Fehlgendern.
  • Die absichtliche Nutzung abgelegter Namen.
  • Simulierter physischer Kontakt, etwa „*knuddel*“.
  • Kommentare, die die systemische Unterdrückung in Bezug auf das Geschlecht, Neurodiversität, Religion und so weiter (gekürzt, A.d.V.) wieder in Kraft setzen.

Vor wenigen Tagen habe ich in einem computerbezogenen Forum gelesen, dass es merkwürdig sei, dass seit Jahrzehnten, abgesehen von (und selbst nur bedingt in) Smartphones, keine nennenswerte Innovation auf dem Betriebssystemmarkt mehr gefunden werden konnte. Ich habe eine Ahnung, woran das liegen könnte: Die Innovativen sind damit beschäftigt, nicht versehentlich an der systemischen Unterdrückung teilzunehmen.

Zu meiner Zeit hätte man denen ja einfach den Computer weggenommen.

Es ist heutzutage recht üblich, Menschen sagen zu hören: „Ich fühle mich davon ein wenig verletzt“, als ob ihnen das irgendwelche Rechte einräumte. Es ist nicht mehr als Flennen. Es hat keine Bedeutung, es hat keinen Zweck, es hat keinen Grund, um als Phrase respektiert zu werden. „Ich fühle mich davon verletzt.“ Na und – was, verdammt?
Stephen Fry

Mir wird geschlechtNetzfundstückePolitik
Winter abschaffen!

Zu den inzwischen nur mehr als Treppenwitz tauglichen Personalsperenzchen in der SPD mitsamt den rechtlichen und feministischen Implikationen („SPD: 16,5 Prozent“ verkündete neulich das INSA; na also, geht doch) fällt selbst mir heute nur noch ein müdes Achselzucken ein, während mir zu der Nachricht, dass der Feminismus in New York antisemitische Motive zur Demütigung von Männern verwendet, zwar durchaus etwas einfiele, der treffende Kommentar, der Mann werde hier als „Judensau der Postmoderne“ präsentiert, leider aber schon gemacht wurde.

Stattdessen sei mir ein Hinweis auf Antje Kapek gestattet. Antje Kapek sitzt für die Grünen einen Stuhl im Berliner Abgeordnetenhaus durch, retweetet neben MeToo-Fanatismen unter anderem auch Anteilnahme am Ableben von Radfahrern, die rücksichtslos und ohne Helm nah an haltenden Autos vorbeizurasen pflegen, und hat am gestrigen 12. Februar zur Veranschaulichung der Erklärung, warum man die Grünen im Jahr 2018 immer noch unbedingt wählen sollte, ein Foto getwittert, auf dem der Berliner Alexanderplatz mitsamt entlaubten Bäumen zu sehen ist. Sie schrieb dazu (mit mehreren Hashtags, die ich hier zur besseren Übersichtlichkeit weglasse):

Was auch immer für den Alexanderplatz plant, es braucht mehr grün.

Die auffallend entmenschlichende Sprache („was“ und „es“ für den zuständigen Stadtplaner jedwelchen Geschlechts) sollte selbsterklärend sein, so dass das Wesentliche herausgearbeitet werden kann: Kein Grün an den Bäumen! Im Februar! Danke, Merkel!

:wallbash:

Die Grünen sind in der oben erwähnten INSA-Umfrage als Bevorteilte des Scheiterns der SPD zu erkennen. Da wächst zusammen, was zusammen gehört.

Netzfundstücke
Medienkritik CXII: Beschränktes Horizont.

Der weltgrößte Vermarkter von Onlinereklame befand nun, dass ein „sicheres Web“ gekommen sei, um zu bleiben, was auch immer das nun heißen mag: Dass Werbung eine Website auch mit Schlösschen dran schnell in glühende Kohlen verwandeln kann, sollte inzwischen bekannt sein.

Dass die Welt der Werber eine ganz eigene ist, erfährt man kaum irgendwo besser als auf „Horizont“, einer übrigens problemlos via klassischem HTT-Protokoll erreichbaren Nachrichtenseite für derlei Gestalten, die es offenbar seit inzwischen über dreißig Jahren auch in einer Druckausgabe gibt. Wer würde nicht auch gern am Frühstückstisch die neuesten Nachrichten aus der Welt der Werbung lesen können? Eben.

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In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 8. Februar 2018

Deutschland hat die Türkei im Zensieren überholt.


Der teure „elektronische Personalausweis“ ist ein Wahnsinnserfolg: 2017 wurde er allein in Berlin ganze 516-mal benutzt.


Die geplante und offensichtlich sexistische „große Koalition“ – warum auch immer die immer noch so heißen darf – würde gern verhindern, dass Frauen unnötigerweise danach beurteilt werden, was sie können.


Unter dem Titel „do not track“ gibt es „eine personalisierte Web-Serie über das Geschäft mit unseren Daten“. Diese „Web-Serie“ verwendet Google Analytics zur Besuchererfassung. :wallbash:


Ein Firefoxentwickler entschuldigt die inkonsequente Sicherheit des neuen Firefox mit den Bedürfnissen der Reklameindustrie.


Es gibt 157 neue Emojis, bei der Verwendung im Umgang mit Chinesen sollte man jedoch vorsichtig sein.

Netzfundstücke
Wie man Netzneutralität nicht erklärt

Ein Teil der vermeintlich technikerfreuten Bloggeria freut sich: Vor dem Gebäude der US-amerikanischen Rundfunkkommission hat ein Aktivist den Verkehr aufgehalten und Geld dafür verlangt, den Weg freizugeben. Die Intention dahinter sei es gewesen, aufzuzeigen, wieso Netzneutralität wichtig sei, weshalb er fehlende Netzneutralität vom Internet- auf den Straßenverkehr abbilde.

So weit, so lustig, die Reaktionen der Betroffenen sind auch ausreichend entzückend. Das Blöde an der Sache ist aber, dass sie dem guten und richtigen Anliegen, Netzneutralität durchzusetzen, im Prinzip einen Bärendienst erweist, denn der Vergleich, den Rob Bliss hier zu ziehen versucht, ist ein falscher. Fehlende Netzneutralität besagt eben nicht, dass irgendein Paket den ganzen Verkehr aufhält, bis man noch ein paar Groschen in den Schlitz wirft: Die anderen Pakete (hier: die Fahrzeuge hinter ihm) kämen nämlich nicht langsamer, sondern vor ihm an.

Realistischer wäre es, würde stattdessen Geld dafür verlangt, überholen zu dürfen, denn darum geht es bei der Netzneutralität: Bestimmte Dienste würden ohne sie Vorrang vor anderen bekommen. Mir scheint fast, das Problem der Verfechter freier Kommunikation sei ihre fehlende Expertise.

Aber Hauptsache, der Witz funktioniert.