Archiv für die Kategorie ‘Musik’.

Liedzitate und Erinnerungen an gute Lieder säumen meine Artikel. Jedenfalls diejenigen in dieser Kategorie.

In den NachrichtenMontagsmusik
Collapse Under The Empire – Dark Water

Huiiiiiiiiiiiii!Es ist Montag. Überraschenderweise fällt im Dezember Schnee; damit hat niemand gerechnet, auch die Deutsche Bahn zeigte sich überrascht, indem sie erst mal ein paar Züge anhielt. Auf ungewöhnlich normales Wetter vorbereitet zu sein ist im temperaturbezogen wankelmütigen Deutschland eine völlig überzogene Erwartung. Ein gepolsterter Po würde vieles erleichtern, aber man ist nun mal als Mensch geboren. Das ist nicht immer schön.

Man hat ja auch nur völlig absurde Vorbilder zur Verfügung: Ein „Influencer“ musste vor kurzem von der Feuerwehr gerettet werden, weil er zugunsten von irgendwelchen Werbeeinnahmen seinen Kopf in ein zementgefülltes Mikrowellengerät gesteckt hatte und sich nicht mehr befreien konnte. Zu meiner Zeit haben Vorbilder wenigstens noch Drogen genommen und hatten deswegen eine erträgliche Ausrede für etwaigen Schwachsinn, aber Drogen nimmt man ja heute auch nicht mehr, weil die eigene Gesundheit von falschen Idealen gelenkt wird.

Die Ersatzdrogen sind natürlich keine besseren, was den Killcount, wie wir zu meiner Zeit sagten, betrifft: Erst neulich hat der Feminismus wieder umgebracht, indem eine junge Frau, die selbst über ihre Sexualität bestimmen wollte, für dieses Vergehen in den Tod getrieben wurde. Soziale Gerechtigkeit bedeutet eben auch, dass jemand, der sein Geld mit Bumsen verdient, diese Arbeit gefälligst jedem Menschen unabhängig von seiner sexuellen Orientierung zugutekommen zu lassen hat, sonst Nazi. Ist das „links“ oder kann das aus anderen Gründen weg?

Ein CDU-Vertreter findet, die SPD solle weniger Forderungen stellen, wenn sie mitregieren wolle. Possenspieler am närrischen Hofe zu sein will wohl verdient werden.

Was stattdessen viel mehr gespielt werden sollte: Musik.

Collapse Under The Empire – Dark Water (official music video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Atlanter – Light

Hm, Bambus.Es ist Montag. Die Jugend ist pervers und lieblos geworden, aber das wussten schon unsere Großeltern und haben trotzdem immer wieder neue Jugend gemacht. Ein Gutes hat die Kawaiisierung der künftigen Flaschensammler allerdings: Im kommenden Jahr kommen wieder Pandabären in die Kinos. Pandabären sind klasse.

Nicht ganz so klasse ist wie gewohnt die Politik. Am vergangenen Wochenende etwa hielt die AfD ihren Bundesparteitag in der langweiligsten Stadt Deutschlands ab. Zur Auflockerung wurden die Delegierten von irgendwelchen Knalltüten, die nie im Leben auf die Idee kämen, zwecks Verbesserung der Gesellschaft stattdessen die rechtspopulistische SPD zu bestreiken, angeblich körperlich angegriffen, während auf „SPIEGEL ONLINE“ der offensichtlich völlig schamlose Severin Weiland postulierte, zu den Anträgen vom sonstwie gefährlichen „rechten Flügel“ (ebd.) der AfD zähle auch einer, der die Genitalverstümmelung von Jungen ablehnt, denn das richte sich ganz klar gegen jüdische und muslimische Jungen. Es ist nicht leicht, die AfD angemessen blöd zu finden, wenn ihre Gegner einander noch immer zu unterbieten vermögen.

Schauen wir zwecks Entspannung mal in die Techniknachrichten: Bitcoinbörsen sind, für kaum jemanden überraschend, mitunter betrügerisch. Dass Venezuela nun eine eigene „Kryptowährung“ bekommen soll, passt bislang ganz gut in mein Bild von diesem Kryptokram. Aber der Fortschritt ist nicht aufzuhalten: Demnächst gibt es ein Blockchaintelefon. Anrufe werden dort bei regelmäßiger Nutzung etwa eine Stunde später eingehen als bisher.

Eminem ist traurig, Eminem will auf den Arm: Donald Trump höre ihm gar nicht zu, klagt er. Rap ist allerdings vielleicht auch nicht Donald Trumps bevorzugter Singstil – wer kann es ihm verübeln? Der musikalisch und politisch etwas andere Altrocker – sagt man das noch: „Altrocker“? – Neil Young hat währenddessen, von der Öffentlichkeit trotz andersartiger musikalischer Vorlieben (siehe auch: Hitparaden) für ganz gut befunden, hinter leider zu viel JavaScript sein Gesamtwerk ins Web gekippt. Da hat man als Sammler was zu tun.

Aber es ist Montag, montags wird nicht gesammelt, montags wird gejagt, nämlich Kaffee zum Einen, Zerstreuung zum Anderen. Es empfiehlt sich, hierfür zu guter Musik zu greifen. Dies ist mein Vorschlag:

Atlanter – Light (live in studio)

Guten Morgen.

MusikNetzfundstücke
Man stelle sich vor, „kein Besitz“ sei im Besitz.

Gute Nachrichten: Beim Android-Cheeseburger-„Emoji“ – was auch immer das mit Gefühlen zu tun haben mag – liegt der Käse jetzt, also in der neuesten Android-Version, endlich an der richtigen Stelle. Da die wichtigen Probleme der Welt damit vorerst gelöst sein dürften, können wir uns jetzt endlich mal wieder dem Kapitalismus zuwenden, dem musikalischen diesmal.

Vor etlichen Jahren nämlich sang John Lennon, Schmusesänger und Frisurenträger, in einem seiner langweiligeren und deshalb bekannteren Lieder ungefähr, man möge sich eine Welt vorstellen, in der es keinen Besitz gibt, in der jeder alles mit jedem teilt und wie schön diese Welt doch sicherlich sei. So schön wie Venezuela, merkte bereits 2016 ein frecher Zyniker an, den Geträume nicht besonders beeindruckt zu haben scheint. Die Urheberrechte an diesem Lied wurden im Juni 2017 jedenfalls zur Hälfte John Lennons Witwe Yoko Ono, selbst erfreulich erfolglose Musikerin und ansonsten vor allem dafür bekannt, fremdes Geld auszugeben, zugeschlagen, was formell (ich selbst kenne die Geschichte des Liedes nicht aus erster Hand) vor allem bedeutet, dass sie Geld bekommt. Geld kann man ja immer mal brauchen. Stellt euch vor, es gebe keinen Besitz – traurige Zeiten wären das für manchen Künstler, wie es scheint.

Wie ich ausgerechnet heute darauf komme? Nun, ich wurde heute auf einen drei Tage alten Tweet aufmerksam gemacht, in dem ein Autor und Produzent von so Sitcoms die Bemerkung anbrachte, ihm sei unlängst rechtlich untersagt worden, eine seiner Figuren sagen zu lassen, man möge sich keinen Besitz vorstellen; anscheinend handelt es sich bei dieser Phrase auch dann um eine urheberrechtlich geschützte, wenn sie nicht im Liedkontext erscheint. Während ich das aus Ironiesicht einigermaßen begeisternd finde, beneide ich die zuständigen „Juristen“ nicht, immerhin ist es anscheinend Teil ihres Berufs, triviale Liedtexte auswendig zu lernen, um Übereinstimmungen in allerlei Texten zu finden.

Ob Rammstein und Scooter wohl auch solche Anwälte beschäftigen?

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Buffy Sainte-Marie – Starwalker // Lebenszeitminister

Was fehltEs ist Montag. In antiken Gesellschaften wäre man für die Überbringung einer derart schlechten Nachricht längst auf mehr oder weniger kreative Weise entleibt worden, aber schier zu erfrieren ist ja auch eine angemessene Bestrafung. Verdammte Erderwärmung immer, die lässt sich echt Zeit.

Palim-palim, die Nachrichten: „Der französische Präsident Emmanuel Macron will Frauen besser vor Gewalt schützen. Sein Land soll außerdem mehr Geld für Gleichberechtigung ausgeben“ („ZEIT ONLINE“), da wächst zusammen, was zusammen gehört, nämlich Feminismus und politische Dummheit. – Französische Politiker andererseits wollen immerhin noch Politik machen, Anke Domscheit-Berg – aus irgendeinem Grund als Parteilose für die „Linke“, anscheinend die einzige Partei, die gar keine Aufnahmebeschränkungen hat, in Berlin meine Steuern wegsesselfurzend – hingegen will im Bundestag etwas ablegen können. Ich habe die nicht gewählt.

Bei anderen will es aber auch keiner gewesen sein: Unter der Überschrift „SPD stellt Union Bedingungen“, die Pointe also immerhin richtig erkannt habend, zitiert „SPIEGEL ONLINE“ Angela Merkel, die gesagt habe, die „Politiker hätten von den Wählern das Mandat zu einer Regierungsbildung erhalten“ und die „geschäftsführende Bundesregierung unter ihrer Führung sei handlungsfähig.“ Wahlen sind ja auch immer blöd, die nehmen Menschen ihre gut bezahlten Posten weg. Warum also überhaupt noch wählen? Es sind doch alle Posten besetzt und die Amtsinhaber können sie auch allesamt noch mit ausreichendem Eifer ausüben. Das hat in Angela Merkels Jugend ja auch schon funktioniert, Genosse Honecker konnte es ja auch noch, da spart man sich doch den Trubel mit der Wählerei gleich ganz.

In etwa einem Monat findet der schon jetzt unsägliche 34. „Chaos Communication Congress“ statt. Ich werde dazu beizeiten meine gewohnt nüchtern formulierte Kritik anbringen, stelle aber schon jetzt fest, dass die Gerüchte bezüglich des Congresses nicht gerade das Bild einer liberalen Veranstaltung zeichnen. Schwer gezeichnet sind auch Cloud-Rapper, Vertreter eines mir bisher unbekannten Subgenres des Hip-Hops, das offenbar eine Menge mit Drogen zu tun hat. Ich finde die Genrebezeichnung einerseits treffend, das Tun andererseits befremdlich. Nüchterne Tonaufnahmen können doch auch ganz gut sein.

Zum Beispiel von Buffy Sainte-Marie.

Buffy Sainte-Marie live performance of Starwalker

Guten Morgen.

Musikkritik
A.R. & Machines – Die grüne Reise

A.R. & Machines - Die grüne ReiseDieser Tage ist in der Presse zu lesen, dass Achim Reichel, bekannt für Scheißmusik, um 1970 herum auch mal gut war, was er mittlerweile auch selbst eingesehen hat und dem Abfeiern seiner Experimentalphase aktiv zuarbeitet. Für die beste Platte dieser Schaffensphase, die mit dem treffend benannten Album „Erholung“ 1975 endete und anschließend ohne merklichen Übergang durch besagte Scheißmusik verdrängt wurde, wird „Die grüne Reise“ von 1971 (Amazon.de, TIDAL) gehalten. Weil mich das musikalisch Obskure meist reizt, habe ich mal reingehört.

Auf die Ohren gibt es keine Seemannslieder und keinen Beatblödsinn, sondern jahres- und landesübliche Drogenmusik, wie sie zur gleichen Zeit auch aus diversen Hippiekommunen zu hören war. Die Legende besagt, dass der Komponist nur versehentlich auf einen ihm unbekannten Knopf an seinem Effektgerät gekommen war und plötzlich eine Eingebung hatte, aus der diese Musik entstand, aber darum mag es gerade mal nicht gehen. – Die „grüne Reise“ ist tatsächlich aufgebaut wie eine solche, sich über zehn Stücke, von denen die meisten recht kurz sind, allmählich steigernd und in den nicht uninteressanten Fastzwölfminüter „Truth And Probability (A Lexicon For Self-Knowledge)“ mündend. „Die grüne Reise“, das sei gesagt, ist bilingual, die Texte, sofern gegeben, sind englischsprachig.

A.R. & Machines – Globus (Globe) (Die Grüne Reise)

„Die grüne Reise“ ist, vermutlich nicht zuletzt wegen seiner Entstehungslegende, ziemlich repetitiv und damit trotz seiner angenehmen Kanten weniger seltsam als manche zeitgenössische Konkurrenz, was keineswegs heißen soll, dass es nicht genau das richtige Maß an „was war das denn gerade?“ bietet, wenn man in so einer Laune ist. Dabei ist das eröffnende „Globus“, soeben zu hören gewesen, mit seiner Flirrigkeit noch beinahe ein wenig untypisch für das Album: Drei der vier „Station“-Stücke, deren erstes beinahe gewöhnlichen Rock ins Klangbild integriert, legen vor dem Hörer eine elektronische Landschaft im Geiste von Tangerine Dream u.a. aus, mittig unterbrochen von dem beinahe Can-tauglichen Gesangsstück „I’ll Be Your Singer. You’ll Be My Song“. Und dann wäre da noch das letzte Stück (auf späteren Fassungen von zwei weiteren Stücken aus späteren Veröffentlichungen, nämlich den recht entspannenden Titeln „Gute Reise“ und „Atmosphere“, verfolgt), eine für diesen Künstler und selbst dieses Jahr vergleichsweise bekloppte Darbietung dessen, was man aus einer Gitarre, ein paar Echoeffekten und, wie ich einfach einmal annehmen möchte, ordentlich Drogen so herausholen kann, Hühnergeräusche eingeschlossen:

Achim Reichel & Machines – Truth And Probability (A Lexicon For Self-Knowledge)

Ich bin insgesamt einigermaßen verblüfft über die mediale Rezeption dieses Albums ausgerechnet im Jahr 2017, mir selbst aber auch noch nicht ganz sicher, was ich von dem Gehörten halten soll. Als Wertung möchte ich obiges „nicht uninteressant“ einfach mal stehen lassen.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Kamchatka – Tango Decadence // Ausgeschwampelt.

Guck mal, wie der guckt!Es ist so was von Montag, da brauchen wir gar nicht drüber zu diskutieren; machen wir auch nicht, ist ja kein Chat hier. Gibt es noch was zu Pandabären in den Nachrichten? Natürlich, denn Pandabären sind immer gefragt: Melania Trump hat sich Pandas angeguckt. Drollige Wesen scheinen in ihrem Leben eine große Rolle zu spielen.

Apropos Politiker: Während in Dänemark Hipsterverbote zur Diskussion stehen, verlief die hiesige politische Diskussion in den letzten Tagen etwas zäh. Die Koalitionsbildung der dreieinhalb angeblich mit einem Regierungsauftrag ausgestatteten Parteien anlässlich der Neubildung des kommenden Bundestags gestaltete sich Medienberichten zufolge ungefähr so schwierig wie angenommen, was schließlich und endlich in einen Verzicht seitens der F.D.P. mündete. Wäre es nicht für jeden Wähler eine weitaus angenehmere Entscheidung, man verzichtete auf irgendwelche Klüngeleien und setzte die Parteien stattdessen in dem Wahlergebnis entsprechenden Anteilen nebeneinander in diesen Bundestag? – Ach, das wäre dann Volkswille. Mein Fehler!

Manchmal steht Nutzen eben vor coolness. Bei „heise online“ versteht man das nicht, dort preist man den ollen Chromefox 57 dafür, dass er „wieder cool“ sei, und plötzlich meldet sich schmerzhaft das Alter und weist darauf hin, dass man solchen Kriterien beim Installieren von Krams nichts mehr abgewinnen kann. Gute Nachrichten währenddessen: Betteln ist auch ein Beruf. Da möchte man fast gewalttätig werden, zum Glück fällt einem noch rechtzeitig ein, dass Gewalt gerade nicht so gefragt ist, nicht einmal in einem Heer aus Menschen, deren Beruf es ist, mit Geräten, die allein zu Gewaltzwecken erfunden und gebaut wurden, in irgendwelchen Ländern herumzurennen. Was, Meucheln ist jetzt verpönt? Nein, natürlich nicht – nur sexuelle Gewalt wird nicht gern gesehen, findet man im Feuilleton („Nachrichten“).

Was man im Feuilleton nicht so findet, ist gute Musik gut. Aber dafür bin ich ja da.

Kamchatka – Tango Decadence ( OFFICIAL VIDEO )

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Elephant9 & Reine Fiske (live) // Kleine dicke Männer ziehen sich was an.

Hinter dieser Eule hat sich ein Panda versteckt.Es ist Montag. Die ausbleibende Erderwärmung lässt zweifeln, ob das Begehen dieses Tages außerhalb des schützenden Inneren eine besonders gute Idee wäre, aber Pelzigkeit ist nur den Guten gegeben. Vielleicht zählt es ja schon als krisenerprobt, wenn man ständig eine Krise hat.

Wenn auch nur persönliche, denn diplomatische Krisen überlässt man lieber den Könnern: Der kleine Fettsack hat mich alt genannt! Früher hätte es das nicht gegeben, früher hätte man da direkt das Militär vorbeigeschickt. Man wird sich noch nach der Zeit zurücksehnen, als der US-amerikanische Präsident noch schrieb statt focht. Auch andere fechten mit Schrift statt Schwert: Auf „SPIEGEL ONLINE“ stellt Jan Fleischhauer fest, dass man in Deutschland schneller drin ist als draußen; das mag es von seinem östlichen Vorgängerstaat übernommen haben.

Die Welt der Technik ist auch nicht mehr die Welt der Schlauen: Die Bildschirme der 2017 erschienenen Android-Flaggschiffe der einschlägigen Smartphonehersteller weisen allesamt, wie Medien berichten, aus irgendwelchen unklaren Gründen quasi als Nachfolgeformat von „16:9“ ein Größenverhältnis von 2:1 auf, das jedoch als „18:9“ vermarktet wird. Eine in verschiedenen Foren und Blogs zu findende Erklärung für diesen mathematischen Unsinn ist, dass die Menschen auf diese Weise die Änderung zu vorher besser verstehen, weil sie den Unterschied zwischen „16:9“ und „2:1“ nicht so offensichtlich erkennen können; was die Vermutung, dass Smartphones ihre Benutzer oft dümmer machen, fraglos unterstreicht. Dazu passt die Meldung, dass einer Firma, die vernetztes Fickspielzeug herstellt, ein kleiner Fehler unterlaufen ist, so dass es ständig Daten durch die Gegend schickte. Ist halt smart, ist halt modern.

Auf „ZEIT ONLINE“ faselt die merklich weniger smarte Barbara Kuchler davon, dass Frauen aufhören sollten, schön sein zu wollen, indem sie sich zum Beispiel endlich mal was anziehen, und behauptet, Männer hätten so etwas ja auch nicht nötig, übersieht dabei aber, dass nicht alle Männer oder solche, die es gern wären, sich zum Beispiel in Anzüge oder Muskelshirts immer nur deshalb zwängen, weil diese so ein angenehmes Tragegefühl bieten, sondern manche, von denen ich mich schon aus Niveaugründen lieber distanziert sehen möchte, mitunter auch, weil es eine ganz bestimmte Art Frau gibt, die darauf jeweils „steht“. Ich für meinen Teil habe zwar einen angeblich fragwürdigen Sinn für Mode, fände es allerdings durchaus ästhetisch und optisch bereichernd, würde der Markt für groteske Gesichtsbemalung ausgetrocknet, und sei es nur aus falsch verstandenem Kampf gegen „den Sexismus“.

Akustisch bereichernd ist derweil auch heute der gute alte (bzw. neue) Jazzrock.

Elephant9 with Reine Fiske – I Cover the Mountain Top (Live)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Kettlespider – Evolution

Ein Eulchen sitzt im Händchen, ganz still und stummEs ist Montag, aber das zählt wahrscheinlich nur, wenn man nicht frei hat. Ist das Leben so blass oder wird es nur Winter? Bald ist Weihnachten, man kann nicht früh genug die Nase voll davon haben. Zwei Tage nach dem Vollmond ist man immer noch ganz mitgenommen, aber vielleicht ist man auch immer so. Man weiß genau, was fehlt.

Apropos Blässe: Es scheint insbesondere in den USA eine Art homöopathische Glaubensgemeinschaft zu geben, die Kindern Chlorbleiche gegen Krankheiten verabreicht. Dabei ist das gar nicht so lächerlich, wie es klingt: Nach ein paar Litern Chlorbleiche sind irgendwelche Krankheiten voraussichtlich das geringste Problem der Delinquenten. Wer seine Kinder wirksam schützen will, der überlässt sie dem Satanischen Tempel.

Hierzulande sind die Sorgen um den Nachwuchs geringer, so lange er nicht gerade Killerspiele spielt. Es soll nur niemand annehmen, das Gewese um Killerspiele sei überzogen: Wie sich herausstellte, gehörte zu den Killerspielern auch Osama bin Laden. – Neben Counter-Strike befanden sich in seiner Spielesammlung unter anderem auch Super Mario Bros. und Dragon Ball Z. Wahrscheinlich hat er heimlich geübt, wie man auf Schildkröten springt.

Zu niemandes Überraschung wurde kürzlich eine Aktualisierung des Tor-Browsers veröffentlicht, die nur für Linux und macOS existiert, weil die Windows-Version nicht so kaputt ist wie die anderen beiden. Zu jedenfalls meiner Überraschung hat derweil Martin Schulz (SPD, muss man nicht kennen) angemerkt, dass die Parteispitze künftig regulär von allen Mitgliedern statt, wie bisher, von wenigen Ausgesuchten ernannt werden könnte; es scheint, als wäre eine verlorene Wahl ein Geschenk für die Motivation der SPD. Es ist also offensichtlich empfehlenswert, ihr bei möglichst vielen Wahlen keine Stimme zu geben.

Offensichtlich empfehlenswert ist darüber hinaus: Musik.

Kettlespider – "Evolution". Live at Black Pearl.

Guten Morgen.

MontagsmusikNetzfundstücke
Hammock – Things of Beauty Burn

Brückentag (Symboleule)Es ist Montag, ein „Brückentag“, was ungefähr bedeutet, dass viele behaupten, es sei ein freier Tag, aber beinahe keiner frei zu haben scheint. Klar: Morgen ist Gedenktag Martin Luthers, da gibt es nichts mehr einzukaufen und ohne tägliches Einkaufen drehen die Leute schier durch, was vom Wetter bedauerlich begünstigt wird. Wir lieben die Stürme, aber doch bitte nur in der Musik und nicht auf der Bahnstrecke! – Amazon kommt bald zur Tür rein, was kann da schon passieren?

Brandstifter hat Angst vor Feuer: „Telekom-Chef“, schreibt „heise online“, macht sich Sorgen darum, ob mögliche Käufer der Staatsanteile der Telekom „Interesse an der Infrastruktursicherheit“ hätten. Infrastruktur, die Älteren erinnern sich, ist das, was die Telekom nur ungern bereitstellt. Ohne diese Infrastruktur sind manche Geschäftsmodelle aber nur schwer umzusetzen: Minijobber sollen Kinderpornos sichten, allerdings für Geld. Ganz schön unbedacht von der Polizei, es gibt doch wahrlich genug Menschen, die das völlig gratis täten, eine Rangliste mit Sternchen gäbe es sozusagen frei Haus dazu.

Gibt es auch frei Haus, hört sich aber besser an: Musik.

Hammock – Things of Beauty Burn

Guten Morgen.

FotografieMusikkritik
Kurzkritik: The Narcotic Daffodils – Summer Love

The Narcotic Daffodils ist eine fünfköpfige Rockband aus Belgien, deren drittes Album „Summer Love“ (Amazon.de, TIDAL) erst im Mai 2017 veröffentlicht wurde. Obwohl „Summer Love“ genau so klingt, wie es heißt, ist es jedoch auch Ende Oktober keine schlechte Wahl.

Zu hören gibt es Hippierock, der, um wieder einmal das Phrasenschwein zu erleichtern, den Geist der 60er atmet, mit Sitar („Atomic 56“) und Hammondorgel („You Can’t Get“) dabei jedoch nicht darauf verzichtet, mehr als bloß Abziehbild zu sein. Über dem nicht bloß soliden Instrumentalfundament schwebt hallend vorrangig die Stimme von Sängerin „Luna“ (heißt allerdings vermutlich wirklich so), die nicht nur gelegentlich an Gongs bedauerlicherweise mittlerweile verstorbene Gilli Smyth erinnert, was stilistisch dann auch wieder ganz gut passt.

The Narcotic Daffodils "Summer Love"

Ein anderer Rezensent befand dieses Album für „groovy“. Ich stimme freudig zu.

ComputerIn den NachrichtenMontagsmusik
White Moth Black Butterfly – Tempest

Ich bin zu Eul für den Quatsch.Es ist Montag und genau so fühlt man sich auch. Zu alt für den Quatsch ist man jedes Jahr ein bisschen früher (bzw. später) und kann es, dem Hedonismus geschuldet, dann doch nicht lassen. Leben ist, wo Menschen und Pandabären sind, vielleicht ist Leben auch deshalb so unerfreulich. Das alles war schon mal einfacher.

Einfacher hatte es auch der Feminismus schon einmal (Allergikerwarnung: konservative Quelle): „Wir sind eine empfindliche Gesellschaft geworden, in der jeder seine persönlichen Befindlichkeiten als Anlass für die Notwendigkeit großer gesellschaftlicher Debatten nimmt.“ Ich zum Beispiel habe gerade Hunger und die Regierung tut nichts dagegen. Sie ist freilich auch ausreichend beschäftigt, sie muss das Darknet missverstehen: Ist es das neue Internet oder hat der Autor nur einfach das Internet konzeptionell nicht verstanden? Fragen über Fragen.

Das Internet ist ohnehin ein gefährlicher Ort. Über eine überschätzte Lücke im WPA2-Standard wurde so viel geschrieben, aber so wenig verstanden; als wäre WLAN jemals die großartigste Verbindungsart bei der Fernkontoführung gewesen! „Irgendwas an meinem Internet ist kaputt“ ist andererseits genau diejenige Schlagzeile, mit der fachfremde „Journalisten“ dank fachfremden Publikums ihr Gehalt verbessern können. „Russische Hacker“, im Zweifelsfall. Dass eine Sicherheitslücke heutzutage immer Logo und Website haben muss, um ernst genommen zu werden, kommt diesem Spiel natürlich gelegen. Vielleicht wäre es im Allgemeinen gut, würden solche Sicherheitsthemen künftig wieder nur noch in langweiligen technischen Texten behandelt, denn dann würden diejenigen, denen für so was ohnehin Interesse und Ahnung abkömmlich sind und die belogote Webseiten wie jene nur aus Sensationslust überhaupt besuchen, uns in Ruhe arbeiten lassen.

Apropos Arbeit: Arbeit bei Facebook gefunden? Kündigen! Die freie Zeit kann man ja dann anders füllen – zum Beispiel mit Musik.

White Moth Black Butterfly – Tempest (from Atone)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
The Dream Syndicate – 80 West

Oktober (Symboleule)Es ist Montag. Das Ausbleiben von Pelztieren verblüfft offensichtlich selbst die Natur, versehentlich bekäme man wetterbedingt beinahe Lust auf Strand und Getränke mit so einem albernen Schirmchen darin, besinnt sich aber schnell darauf, dass man Strände nur in homöopathischer Dosierung mag, denn oft sind dort rüpelhafte Touristen zugegen. Kauz müsste man sein.

Stattdessen wurde schon wieder gewählt, und zwar gleich mehrfach. Ganz schön langweilig auf Dauer, aber zum Glück ist jetzt erst einmal Ruhe. Christian Lindner, der einzige zeitgenössische deutsche Politiker ohne Vollmeise, begrüßte ungewohnt unbeholfen das österreichische Wahlergebnis, bei dem sich abermals herausstellte, dass junge Menschen nicht unbedingt mehr progressive Politik ins Land tragen; als wäre das per se wünschenswert. Auch die Landtagswahl in Niedersachsen, bei der diejenige Partei zweitstärkste Kraft wurde, die vorschlug, man solle WLAN-Access-Points auf Feuer testen, blieb ohne Befund, wie renommierte Experten sich reimender Namen ausführlich erklärten. Die Piratenpartei – nullkommazwei Prozent – kommt derweil vielleicht allmählich zu der Einsicht, dass Netzpolitik vielleicht doch irgendwie mehr Menschen begeistern kann als Geldverschenken fürs Nichtstun. Von anderen Politikern wünschte man sich indessen mehr Nichtstun: Offensichtlich hat Deutschland Israel zwecks Kriegs nicht nur U-Boote, sondern auch noch Geld verkauft. Jaja, diese Lage da in der Gegend, die ist wirklich beunruhigend. Champagner?

Herausgestellt hat sich auch, dass es offensichtlich eine lautstarke Teilmenge in der Pöblerszene gibt, die es für eine grandiose Idee hält, als Austragungsort für Scheingefechte zwischen linker und rechter Idiotie ausgerechnet die Frankfurter Buchmesse zu wählen, als wäre es nicht offensichtlich genug, dass sie beidseitig kein Buch der letzten fünfzig Jahre mehr gelesen haben. Der intellektuelle Marxismus ist eine ebensolche Farce (cf. Julia Schramm) wie sein literarischer Kontrahent, als Leitmotiv in toto jedenfalls denkbar ungeeignet.

Denkbar geeignet hingegen zu jeder Gelegenheit: Musik.

The Dream Syndicate – "80 West" (Full Album Stream)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: L’Effondras – Les Flavescences

Les FlavescencesEine dieser Bands, die sich live zu sehen übrigens wahrscheinlich auch lohnt, ist L’Effondras aus dem Osten Frankreichs, die sich selbst lieber als Symbol ⊙ zu schreiben scheint (womit ich freilich recht falsch liegen könnte, denn mein Französisch ist scheiße), mit einem hier nicht weiter erwähnenswerten anderen Künstler, der das ähnlich machte, aber wunderbar wenig zu tun hat.

Das Trio spielt auch auf dem im März 2017 erschienenen Album „Les Flavescences“ (Stream auf Bandcamp.com) einen ziemlich beeindruckenden, weil nicht wie die aberhundertste Kopie bekannter Genregrößen klingenden instrumentalen Postrock, gesungen wird also nicht, wofür ich französischen Musikern grundsätzlich sehr dankbar bin, stattdessen werden walls of sound aufgeschichtet, die aber nicht nur blöde in der Gegend rumstehen, sondern hinter denen das Nachtleben tobt, mal etwas zurückhaltender …

L'Effondras – X – Les Rayons De Cendre

…, mal geräuschvoll:

L'Effondras – XI – Lux Furiosa

Dabei sind drei von vier Stücken eigentlich egal, denn das abschließende „Le Serpentaire“ nimmt mit über 34 Minuten Dauer, von denen die letzten zehn quasi als Kontrast îm Wesentlichen aus Naturgeräuschen bestehen, eine Menge Raum nicht weg, sondern ein. Anderen Bands würde das für anderthalb Alben reichen, L’Effondras verschwenden aber nichts, schon gar nicht die Zeit des geneigten Hörers.

„Les Flavescences“ ist bei Weitem auch musikalisch nicht das Schlechteste, was in diesem Jahr aus Frankreich kam. Empfehlung hiermit erteilt.

ComputerIn den NachrichtenMontagsmusikPolitik
King Gizzard & The Lizard Wizard – Rattlesnake

Was fehltEs ist Montag. Kaum herbstet es zwei Wochen, ist die Schwermut schon am Siedepunkt. Bei welcher Temperatur Schwermut genau siedet, möchte man da lieber auch nicht mehr herausfinden; gefühlt jedenfalls: Eiskalt, gerade auch drinnen. Natürlich kann es schlimmer kommen und das wird es dann eben auch. Ich weiß, was zu tun ist, ich hab ein Buch gelesen („SpongeBob Schwammkopf“). Jeder nur ein Argh.

Nachrichten, Naaachrichten, als wäre die Welt dann eine bessere, aber Abtauchen in etwas, was eben auch nicht besser ist, befreit vielleicht und eventuell den Geist, also mal auf „heise online“ nachgesehen: Firefox kommt jetzt mit einer Überraschung in jedem siebten Ei beziehungsweise hundertsten Download, denn wenn eins noch dringend reinmusste in den „Browser“, dann ja wohl Aktivitätsauswertung durch deutsche Verlage. Mozilla kann gar nicht noch tiefer fallen? Ha – Herausforderung angenommen! Selbstbild als Mozilla. Die meisten Menschen möchten gar nicht verdatet und ausgewertet werden, fand eine Umfrage heraus, aber wenn Umfragen eine Rolle spielten, lebten wir nicht in einem Rechtsstaat, sondern im Einhornwunderland. Wen interessiert schon das Geschwätz des Käuferpöbels?

Andere sind über diesen Punkt längst hinweg: Die hessischen „Grünen“ sind jetzt auch Trojanerpartei. Ist die Partei erst etabliert, regiert’s sich gänzlich ungeniert. Arschlöcher, mit Verlaub.

Hat all das einen Sinn? Vermutlich nicht, Enttrübung jedenfalls fand nicht statt. Was aber, der Technik sei’s gedankt, noch immer über sonstwie herbstige Tage half: Musik.

King Gizzard & The Lizard Wizard – Rattlesnake (Official Video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Needlepoint – Aimless Mary // Asterix bei den Franzosen

Sehe ich aus, als hätte ich Brückentag?Es ist Montag. Der Aufschwung ist da, Krieg wird jetzt moderner. Schade: Keine Weltraumschlachten. Noch schader: Kein Pandabär. Ist doch Käse mit Käse obendrauf. Vielleicht hilft ein kurzer Winterschlaf.

Was Mode ist, vermodert: Die „Washington Post“ findet, die Modeindustrie sollte wirklich mal was dagegen unternehmen, dass politisch eher rechts stehende Demonstranten sich wie auch die hiesigen Knalltüten von der „PARTEI“ um einen attraktiven Kleidungsstil bemühen. Vielleicht wird bald die Losung ausgerufen, dass echte Demokraten sich künftig dadurch von den Bösewichten abzugrenzen haben, dass sie sich absichtlich scheiße anziehen. Geschmack ist Nazi!

Von anderen unliebsamen Demonstranten berichtete gestern das nicht seriös arbeitende Käseblatt „SPIEGEL ONLINE“, dem zufolge in Katalonien als Strafe dafür, dass die dort lebenden Menschen überwiegend ungern Spanier sind, selbige Menschen beim Versuch, dieser Meinung per Wahl Ausdruck zu verleihen, von der spanischen Polizei „angemessen und professionell“ (ebd.) verdroschen wurden. Ein Land weiter war gestern allerdings ebenfalls wieder Stimmung: Ein Attentäter verübte ein Attentat und der „Islamische Staat“ teilte hinterher mit, es habe sich um einen der Seinen gehandelt, wie er das eben des Öfteren so macht. Im Jahr 1979 erschien der „Asterix“-Band „Asterix bei den Belgiern“, dessen Handlung darin besteht, dass die Belgier mit den heftüblichen Galliern darum wetteifern, welcher denn der Tapferere von beiden Stämmen sei, indem sie Römerlager verwüsten und den Verprügelten jeweils nach erfolgter Verprügelung mitteilen, welchem der beiden Stämme sie denn angehörten, damit sich das auch zuverlässig herumsprechen möge. Ich weiß auch nicht, wie ich jetzt gerade auf Asterix komme.

Apropos „kommen“: Es gibt einen neuen Hackersport namens „Screwdriving“, bei dem man im Wesentlichen irgendwelches Sexspielzeug aus relativer Ferne zum Vibrieren bringt. Diese Digitalisierung ist schon drollig.

Musik!

Needlepoint – Aimless Mary

Guten Morgen.