Archiv für die Kategorie ‘Musik’.

Liedzitate und Erinnerungen an gute Lieder säumen meine Artikel. Jedenfalls diejenigen in dieser Kategorie.

In den NachrichtenMontagsmusik
Blueneck – Sirens

Montag (Symboleule)Es ist Montag und genau so fühlt es sich auch an. Man fühlt sich wie gerädert, dabei ist das Rädern völlig aus der Mode gekommen. Das hat man mit ihm gemein, nur abgeschafft ist man noch nicht. In den USA wird gegenwärtig ergebnisoffen über die Abschaffung von Waffen diskutiert, man selbst hat nur die Anschaffung von Waffeln im Sinn. Mit denen könnte man sich, wenn man gut zielen kann, sicherlich auch angemessen verteidigen.

Andere verteidigen gar nicht erst: In Berlin haben linke Aktivistin, von der Polizei nicht weiter daran gehindert, die Grundrechte demonstrierender Frauen massiv verletzt, als hießen Grundrechte nur so, weil man sie nicht grundlos ausüben darf. Ein Plakat zur Ankündigung dieser „Gegendemonstration“ hatte eine Frau in religiös erzwungenem und somit nicht gerade als Sinnbild für Freiheit geeignetem Kostüm, jedoch überdies bewaffnet mit einem Brandsatz, als Motiv, als wollte der Grafiker ausdrücken, dass man Frauen auch unterdrücken kann, ohne rechts sein zu müssen. Wenn es leicht wäre, könnte es ja auch ein Mann machen. Mir fehlt vielleicht einfach nur der Zugang zu diesem modernen „Progressivismus“, aber immer, wenn ich über solche Nachrichten stolpere, fühle ich mich gleich ein bisschen weniger links.

Die Freilassung des allseits geschätzten Boulevardkolumnisten („taz“, „WELT“) Deniz Yücel aus türkischer Haft befeuert, wie erwartet, vor allem die Wirtschaft: Die Türkei will jetzt mehr Panzer haben, um damit voraussichtlich Kurden zu meucheln. Kurden sind (wie auch Palästinenser) eher schlechte Kunden für die deutsche Rüstungsindustrie, da guckt man auch mal weg, wenn ihnen ein wichtiger Handelspartner mit deutscher Wertarbeit das Land kaputtschießt. Mir drängt sich der Eindruck auf, das sei es vielleicht doch nicht unbedingt wert gewesen.

Aus der Welt der Technik dringt folgender Wahnwitz: In einem der zahllosen Applegebäude rennen dauernd Leute gegen die Glastüren, weil diese (die Türen, nicht die Leute) so unauffällig gestaltet wurden. Function follows form.

Wo die Form allein aber auch weiterhin das einzig wichtige Kriterium bleiben soll und wird: Musik.

Guten Morgen.

ComputerIn den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Aquaserge – Tintin on est bien mon Loulou

Flauschigkeit als Lösung für die Probleme unserer ZeitEs ist Karneval Fasching Montag. Helau! Auf Twitter trendete gestern Puddinghaut (das Lebensmittel, nicht das Schönheitsproblem), und das nur kurz, nachdem bekannt geworden war, dass die NSA über Twitter verschlüsselte Kommunikation betreibt. Verdächtig, verdächtig. Über jeden Verdacht erhaben bleiben Pandabären: Die sitzen einfach nur herum und essen. Dürfen Pandabären eigentlich Minister werden?

Verdient hätten sie es, zumal die vorhandenen Minister nicht zu klugen Entscheidungen neigen: Die bisherige und mit nur noch wenig Pech auch zukünftige Verteidigungsministerin erwägt noch ein paar Soldaten in den Angriffskrieg gegen „den Terror“ zu schicken. Dass dort außer „dem Terror“ auch zwei andere Parteien einander erbittert bekriegen, sei nicht so schlimm, sülzt „SPIEGEL ONLINE“, denn Deutschland sei „mit beiden Seiten verbündet“. Dann ist ja alles in Ordnung. – Anderswo brechen Welten zusammen: MeToo-Wortführerin der sexuellen Übergriffigkeit beschuldigt, das ist ja ungeheuerlich; man könnte meinen, Frauen seien gar nicht qua Geschlecht bessere Menschen. Wenn sich das herumspräche!

Ein Blick in die Softwarewelt: Nach OpenBSD verzichtet nun auch das illumos-Projekt dankend auf die Patenttrolle vom Pale-Moon-Browser. Freie Software mit Sternchen dran, aber moralisch hält man sich auch weiterhin für überlegen. Urheberrecht schlägt Freiheit. Zum Glück kann man heutzutage vieles per Kauf in seinen Besitz übergehen lassen und es damit zumindest weitgehend fremdem Zugriff entziehen

Zum Beispiel auch Musik.

Aquaserge – Tintin on est bien mon Loulou

Guten Morgen.

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Kurzkritik: Altare Thotemico – Sogno Errando

Wer meinen bisherigen Musikrezensionen ein paar Minuten Aufmerksamkeit geschenkt hat, dem mag aufgefallen sein, dass es bei mir sehr selten vorkommt, dass ich italienischen Gesang für erträglich halte. Die Sprache klingt gesungen einfach meist scheiße. Um so erfreulicher ist es, wenn diese Regel eine Ausnahme findet. So ist es zum Beispiel beim bolognesischen Sextett Altare Thotemico, dessen zweites Album namens „Sogno Errando“ (Amazon.de, TIDAL) 2013 veröffentlicht worden ist und so klingt, wie es heißt, nämlich nach einer Traumwanderung.

Zwar wird auf „Sogno Errando“ eine Menge gesungen und in den wenigen furchtbaren Momenten klingt es dann auch nach einer üblichen italienischen Operette, aber dieses Ächz wird schnell unter einem großen Hurra bnegraben, denn Sänger Gianni Venturi kann mit der landestypischen Knödelei offensichtlich so wenig anfangen wie ich und bietet stattdessen eine gar nicht mal allzu gewollt wirkende Interpretation Peter Hammills dar, was zur hier gehörten Musik auch deshalb gut passt, weil das Saxophon – mal melodisch singend, mal avantgardesque brodelnd bis eskalierend – hier zusammen mit dem Klavier eine führende Rolle übernimmt. Ich höre hier eine Menge Jazz, allgegenwärtig sind aber eben auch seine Zöglinge von Van der Graaf Generator, auffallend nah insbesondere in „Le Correnti Sotteranee“ und dem Titelstück „Sogno Errando“.

ALTARE THOTEMICO ' LE CORRENTI SOTTERANEE'

In erstgenanntem Stück bin ich mir zudem ziemlich sicher, die frühen King Crimson wiederzuerkennen, und auch Weltmusik und Kammerrock, wie sie unter anderem After Crying vor Jahrzehnten schon in Harmonie gebracht haben, sind den Musikern nicht fremd. Dass in den Stücken, die einen englischen Titel tragen, nämlich in „Broken Heart“ und dem angemessen verrückten „Neuro Psycho Killer“, mit für manche Ohren amüsantem Akzent auf Englisch gesungen wird, fällt tatsächlich auch nicht mehr auf: Erfreut von der jazzrockigen Wucht des Albums bemerkt man die Sprache schon längst nicht mehr.

ALTARE THOTEMICO " Broken heart" Live in studio!

Italien: Warum nicht gleich so, warum nicht immer? Perlen wie diese sind es, die mir die Musik nicht langweilig werden lassen. Gern mehr davon!

In den NachrichtenMontagsmusik
Constantines – Shine A Light // Friendly Auto-Fire!

Nur noch fünf Minuten!Es ist Montag. Neue Woche, neues Achduschreck. Es scheint geschneit zu haben, die paar Sonnenstrahlen waren aber auch wirklich genug Sommer für dieses Jahr. Wohl dem, der ein dickes, schwarzweißes Fell hat.

Klingeling, die Nachrichten. Schlappe neun Jahre, nachdem im Rahmen einer Veranstaltung der „taz“ das Anzünden von teuren Autos unter lautem Beifall als angemessen bezeichnet wurde, worauf allerlei Brandanschläge gegen „die da oben“ wie auch gegen „rechte“ Politiker folgten, wird in Berlin dieser Tage um Solidarität gebeten: Sobald Autos von „Linken“ brennen, hält sich ihr Jubel doch sehr in Grenzen. Zu jubeln gibt es auf anderen Ebenen schon etwas: Christopher Lauer hat sich aus der „Politik“ verabschiedet, lässt aber eine Rückkehr offen – leider auch, bei welcher Partei. Fest steht inzwischen wenigstens: Pflanzen haben mehr Bewusstsein als die SPD.

In den USA verschwinden gerade Musik-CDs aus den Läden. Das ist, obwohl auf einschlägigen Kanälen von einer „Bedrohung“ gesprochen wird, gut, denn dann ist mehr Platz für Schallplatten.

Zum Beispiel für solche von den Constantines.

Constantines – Shine A Light (Live)

Guten Morgen.

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Kurzkritik: Sonar – Black Light

Cuneiform Records kennen regelmäßige Leser meiner Musikbesprechungen möglicherweise als die Plattenfirma von Thinking Plague. Wer – wie ich – auf diese Angabe üblicherweise kaum achtet, falls nicht eine bemerkenswerte Verpackung um den Tonträger drumrum ist oder der Verlag wie einst Charisma Records sein auffälliges Logo raumgreifend direkt auf die Platten stempelt, dem sei zumindest subjektiv versichert, dass sich in der bisherigen Liste der Künstler, die vertraglich an Cuneiform gebunden sind, kein einziger Totalausfall finden lässt, stattdessen sieht man dort unter anderem Bent Knee, Gilgamesh, Art Zoyd und Miriodor.

Das lässt das Vorurteil gegenüber Musik aus der Schweiz – außer Monkey3 und Patrick Moraz fiele mir gerade kein positives Beispiel ein – immerhin ausreichend schwinden, dass ich an das ebenfalls von Cuneiform verlegte Schweizer Quartett Sonar mit der gleichen Erwartung herangehen kann wie an jeden anderen act – das heißt doch heute noch act, oder? – auch: Hauptsache, klingt geil.

Sonar – Black Light

Und das tut es wahrlich: Auf ihrem 2015 veröffentlichten dritten und bisher anscheinend letzten Studioalbum „Black Light“ (Bandcamp.com) spielen die vier Musiker einen herrlichen Mathrock, der kühle Präzision mit einem gefährlich grollenden und gerade deshalb bewegenden Bass.

Sonar featuring Andi Pupato – Orbit 5.7 Andi Pupato Remix (Official Music Video)

Im Internet wird das hier zu Hörende beschrieben, es klinge, als nähme man einen Topf immer wieder kurz vor dem Kochen vom Herd und stellte ihn anschließend wieder auf die heiße Platte, was ein treffendes Bild ist, denn „Black Light“ brodelt, ohne jemals unnötig auszubrechen.

Musik für untenrum.

MontagsmusikSonstiges
Bent Knee – Terror Bird // Lügenhumanismus

Montag (Symboleule)Es ist Montag. Kein Panda, stattdessen Präsidenten: Donald Trump hat in Davos von „Lügenpresse“ gesprochen und die öffentlich-rechtliche ARD hat diesen Vorwurf für sich selbst sogleich bestätigt. Das ist angesichts der horrenden Gebühren für diesen Fernsehstuss immerhin angemessen ehrlich.

Spannender ist allerdings das Inland: In Berlin haben ein paar geschichtsvergessene Schwachköpfe beschlossen, dass eine Auflistung von Personen und Dingen sexistisch sei und daher getilgt gehöre. Eine Zeitlang habe ich mich gefragt, wieso ausgerechnet in Berlin offenbar so viel Idiotie auf so engem Raum zu finden ist, auf „WELT ONLINE“ fand ich jedoch vorgestern einen eher berlinzentrischen Artikel, in dem der wahre Satz steht, für „Mainstream“ bekomme man „keine Retweets, keine Hashtags, keine Demonstrationen“ und müsse schon deswegen die Welt mit Dingen nerven, die an irgendeinem soziokulturellen Rand liegen, um aufzufallen. Lästigkeit als Antwort auf nicht gestellte Fragen unserer Zeit – prima Stadtmotto eigentlich.

Eine Lösung für das Langeweileproblem könnte man unbedarft in der Politik suchen, aber die Politik redet sich mit Humanismus heraus. Es gibt mittlerweile tatsächlich mehrere miteinander konkurrierende Parteien, die den Humanismus als Leitlinie übernommen zu haben behaupten. Das ist selbstverständlich Unsinn: Parteipolitik widerspricht Humanismus schon aufgrund ihres taktisch fraglos sinnvollen Anspruchs auf Allgemeingültigkeit, denn zu gelebtem Humanismus gehört immer auch die Frage, ob nicht vielleicht der Gegner weniger Unrecht hat als man selbst. Eine politische Partei, die sich in einem Wahlkampf, in dem sie ihre eigenen Ideen als die einzig sinnvollen herauszustellen versucht, humanistisch nennt, belügt diejenigen, die sie wählen sollen, von vornherein entweder aus Dummheit oder mit Absicht und sollte sich schämen.

Dummheit erklärt in der Politik aber manches: Seitens der EU sollen demnächst Uploadfilter vorgeschrieben werden, auf dass das Hochladen von vermeintlich urheberrechtlich geschütztem Zeug automatisiert abgewiesen werden kann. Ich halte das für eine gewohnt seltsame Idee und empfehle eine Unterstützung gegnerischer Aktionen. Während man dies tut, kann man ja Musik hören.

Zum Beispiel diese:

BENT KNEE – Terror Bird (Live at The Record Co.)

Guten Morgen.

ComputerMusik
Medienkritik in Kürze: The Fall – an Brotkrumennavigation verschluckt.

Zwecks – immer für Suchmaschinen, niemals für Menschen – besserer Strukturierung bilden viele Nachrichtenportale im Web auf der Einzelartikelansicht mitunter eine Strukur ab, der gemeinhin als „Brotkrumennavigation“ bekannt ist: Es wird sozusagen der „Pfad“ zum aktuellen Artikel dargestellt. Wenn in den Medien davon die Rede ist, dass irgendeine poplige Sportlerin einen Ball schneller auf die andere Seite geschlagen hat als ihre Gegnerin, dann findet man solche Meldungen zumeist in einem „Pfad“, der ungefähr wie „Startseite > Nachrichten > Sport > Tennis > Dingsda hat gewonnen“ aussieht. Der Vorliebe von dem weitläufigen Ressort der Unterhaltung zugewiesenen Journalisten für Schubladisierung aller verwertbaren Informationen kommt das zupass.

Schubladisierung ist auch in der Musik leider nicht unbeliebt, was eine unvoreingenommene Bewertung von Musikalben gelegentlich erschwert: Was etwa als „Schlager“ beworben („rezensiert“) wird, das ruft in mir auch dann keinen Kauf-, sondern einen Laufwunsch, nämlich: weg, hervor, wenn es eigentlich gar nicht so schlimm ist. Hinzu kommt, dass die besagte Schubladisierung ihre Grenzen nicht nur bei der Motivation des Einordnenden, sondern auch bei der Technik hat. Eine einzeilige Navigationshilfe auf Websites ist nun einmal nur zweidimensional. Ein aktuelles Beispiel präsentierte gestern „SPIEGEL ONLINE“.

Denn wohin muss man navigieren, um dort den Artikel darüber zu finden, dass der fantastische Mark E. Smith von den kaum weniger fantastischen The Fall gestern verstarb? Die korrekte Antwort ist verblüffend offensichtlich: 1996 veröffentlichte die Schrammelband – nicht, dass ich was gegen Schrammeln hätte! – Tocotronic auf ihrem dritten Studioalbum „Wir kommen um uns zu beschweren“ das Lied „Ich habe geträumt, ich wäre Pizza essen mit Mark E. Smith“. Das war anscheinend die Rettung für „SPIEGEL ONLINE“, denn für The Fall hatte man dort zuvor selten ein paar Zeilen übrig und daher auch noch keine Schublade vorbereitet, für Tocotronic aber schon:

Nachrichten > Kultur > Musik > Tocotronic > Mark E. Smith: Sänger der Band "The Fall" gestorben

Hauptsache, das SEO stimmt.

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Kurzkritik: Half Past Four – Land of the Blind

Half Past Four - Land Of The BlindUm halb fünf Im Jahr 2016 veröffentlichte die fünfköpfige kanadische Band Half Past Four ihr drittes und bislang letztes Studioalbum „Land of the Blind“ (Amazon.de, Bandcamp). Von sich selbst behaupten die Musiker, sie seien „eine der besten Progressive-Rock-Bands aus Kanada“, was zumindest eine mutige Behauptung ist, wenn man sowohl Rush als auch die diversen Sprosse von Godspeed You! Black Emperor dem Progressive Rock zurechnet, denn dann wird es knapp mit der Bewertung.

Stilistisch sehen sich Half Past Four allerdings sowieso anderswo:

Seit nahezu zwei Jahrzehnten haben sie einen einmaligen Klang entwickelt, der traditionellen Progrock neben anderen mit Folk, Country, Jazz und klassischen Genres verbindet.

In der Tat ist Eintönigkeit hier nicht gegeben. Schon im eröffnenden „Mathematics“ wird die Retroprog-Schiene von Beardfish bis echolyn auf- und abgewandert, von einem offensichtlichen Rückgriff auf Genesis und die unvergessenen Gentle Giant unterscheidet Half Past Four hier fast nur Sängerin Kyree Vibrant, deren Kunst ich allerdings für beachtlich halte.

Half Past Four – Mathematics (Official Video)

Während in „Toronto Tontos“ die Exzentriker von Primus wahlweise zitiert oder persifliert werden, vermag ich das textlich bemerkenswerte „Mood Elevator“ keiner anderen Band zuzuordnen. Sommerlicher Bluesrock’n’Roll, wenn’s denn ein Genre sein muss.

Half Past Four – Mood Elevator (Official Video)

Mit dem Stimmungsfahrstuhl fahre ich erst einmal nach oben. Ich bin erfreut und hoffe auf Fortsetzung.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Hammock – Clarity // 44 Prozent rational.

EulmeldungEs ist Montag. Durch Deutschland sollte etwas gehen, am besten ein Pandabär, denn Pandabären sind eine wertvolle Ergänzung für jede Gesellschaft; zumal eine Gesellschaft, der der kritische Rationalismus völlig fehlt, den Menschen kein Gewinn sein kann. Mehr Karl Popper (und mehr Pandabären) wagen!

Kein Wochenende ohne Politikschmerzen: Die SPD hat „gewählt“ und zu 56 Prozent kein Interesse mehr an ihrem eigenen Geschwätz von gestern. Wenn die 44 Prozent Restbehirnten in der SPD zur nächsten Bundestagswahl eine eigene Partei gründeten, könnten sie, wie ich vermute, anschließend ohne Zweifel die Regierung führen. Tun sie das nicht, dann sind auch sie schuld an dem, was kommt. Dass Martin Schulz zwecks Anregung von Zugehörigkeitsgefühl irgendwas über ein „sozialdemokratisches Europa“ delirierte und dabei ignorierte, dass „Sozialdemokratie“ in ganz Europa niemand mehr so wirklich irgendwo hinwählen will, ist ziemlich sprechend. – Es ist erwiesen: Berlin macht doof. Ob da ein Zusammenhang besteht?

Ein Blick ins Ausland: In Großbritannien ist die beim Bumsen meistgenannte Person angeblich Donald Trump. Die Menschen haben Geschmack. Im anderen Ausland, in Thüringen, sind sich Medien derweil unsicher, ob man bei einem Verhältnis von 76 zu 75 nun von einer Mehrheit oder einer Gleichheit reden sollte; entschieden hat man sich überwiegend für zweitere Formulierung, was journalistisch bestimmt irgendwie begründbar ist.

Es ist Montag und damit ist es Zeit für Musik. Döpdapdöpdöppieps! Ansonsten hören wir doch einfach ein wenig Hammock.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Black Bombaim & La La La Ressonance – Kin

Ich seh schwarzEs ist Montag. Bim bim bim! Für ein paar Lacher eignet sich jeder Philosoph, tiefer muss man ja nicht bohren. Gott ist tot und man selbst kommt heute auch nicht so recht aus dem Bett.

In anderer Hinsicht sollte man wachen Auges sein: Antivirusfirmen haben Microsoft verklagt, weil die Sicherheitsmaßnahmen von Windows Vista sie nicht mehr in den Kernel gelassen haben. Das Problem mit der Computersicherheit, das sei ergebnisoffen festgestellt, ist offensichtlich nicht, dass die Leute keinen Virenscanner einsetzen, sondern, dass sie diesen Firmen immer noch Geld (oder wenigstens Reklameeinnahmen) bezahlen wollen.

Zu jedermanns Lieblingsthema, der Innenpolitik, gibt es leider Neuigkeiten zu vermelden: „CSU-Landesgruppenchef Dobrindt“, heißt es beim Deutschlandfunk, habe den SPD-Vorsitzenden aufgefordert, „die Kritik an den Sondierungsergebnissen zu beenden“ – die sollen froh sein, überhaupt mitregieren zu dürfen! Gute Nachrichten derweil aus Großbritannien: Die Insel wird Europa geografisch nicht verlassen, versprach Minister David Jones.

Gibt’s doch nicht? Doch, es gibt anscheinend alles schon: Um ein Problem zu lösen, habe ich am Wochenende ein Programm geschrieben. In einem Forum wurde ich sodann darauf hingewiesen, dass dieses Problem schon vor Jahren viel besser gelöst wurde. Bestimmt gibt es dafür auch eine Moral oder dergleichen.

Was es aber niemals zu geben aufhören sollte: Musik.

Black Bombaim & La La La Ressonance – "Kin" (B1)

Guten Morgen.

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Kurzkritik: Bardo Pond – AcidGuruPond

Bardo Pond - AcidGuruPondVor inzwischen über vier Jahren befand ich das Album „Peace on Venus“ der US-amerikanischen Band Bardo Pond für unbedingt hörenswert. Danach hatte ich selbst die Gruppe zu meinem Bedauern ein wenig aus den Augen (und Ohren) verloren.

Eher zufällig lief ich daher unlängst ihrem 2016er Album „AcidGuruPond“ (Bandcamp, Amazon.de) quasi über den Weg, das eine – wenn auch nicht die erste – musikalische Zusammenarbeit mit den landesüblich verrückten Japanern Acid Mothers Temple und der Krautrockkonstante Guru Guru ist und genau so klingt, nämlich wie das, was man sich wohl vorstellte, sollte man sich eine drogenumwölkte Geistesreise vorstellen.

Das Album ist weitgehend instrumental, der effektgeladene seltene Gesang eher eine zusätzliche Tranceschicht; auf die Ohren gibt es kosmischen Kraut (klar: Guru Guru) und jede Menge Psychedelia zwischen Hippiegitarre („Purple“) und Drones („Blue“). Dass die fünf Stücke wie Farben heißen, passt ausgezeichnet, denn wie ein Kaleidoskop projiziert sie herrliche Bilder in den Verstand.

Bardo Pond ‎- Acid Guru Pond

Bardo Pond sind inzwischen weitergezogen, im Februar wird ihr neues Album „Volume 8“ veröffentlicht werden und ihr gleichfalls famoses Nebenprojekt Curanderos war auch nicht untätig. Ich allerdings verweile noch etwas, bin erfreut und empfehle.

In den NachrichtenMontagsmusik
Alpha Male Tea Party – You Eat Houmous, Of Course You Listen To Genesis

Nach dem Kaffee - vor dem KaffeeEs ist Montag, Montag ist – in einer besseren Welt – Pandatag. Eine Partei, die einen solchen verspräche, hätte mich als Wähler gewonnen.

Stattdessen trafen sich am Wochenende Parteigranden vielerlei Hintergrunds zwecks Eigenlobs und um noch einmal zu versichern, dass man selbst immer die besten Ideen von allen habe. Dass dabei manches weggelassen wird, mag der Zeit zuschulden kommen; der Vorsitzende und Außenhändler der F.D.P. etwa verliert über Steuersenkungen kein Wort mehr. Der Grund für das gesammelte Auftreten von Parteitreffen zu dieser Jahreszeit liegt kalendarisch im Tag der „drei Könige“ Caspar, Melchior und Balthasar begründet, es ist von „Dreikönigstreffen“ die Rede. Von Parteien, die ein „Dreikönigstreffen“ abhalten und so weltliche Entscheidungen wenigstens terminlich an religiösen Spinnereien ausrichten, möchte ich im Übrigen auch nie wieder etwas zum Thema Säkularisierung lesen müssen.

Das andere große politische Thema dieser Tage, die lästige Digitalisierung, leidet nicht nur am miserablen Technikverständnis heutiger Computernutzer, sondern auch an dem wohl auch mit diesem begründbaren Irrglauben, es sei empfehlenswert, so viele Dinge miteinander zu vernetzen wie möglich. Die Strafe folgt schneller als erhofft: Wer des „Raubkopierens“ bezichtigt wird, dem macht der eigene Zugangsanbieter dann halt die Wohnung kalt. Da muss mehr Internet rein. Wir haben 2018, da macht man das eben so.

Was mit einem Mindestmaß an Verständnis auch vermeidbar wäre: Angebliche „Sicherheitssoftware“ verhindert, dass Sicherheitsupdates eingespielt werden können. Der fehlende Nutzen von Virenscannern wird nur noch von ihrer Gefährlichkeit übertroffen.

Ganz und gar nicht gefährlich: Musik.

Alpha Male Tea Party – You Eat Houmous, Of Course You Listen To Genesis

Guten Morgen.

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Kurzkritik: Noseholes – EP

Noseholes EPAus der, wie ich finde, schönsten Stadt Deutschlands, nämlich aus Hamburg, kommt die kürzeste EP, die mir bisher untergekommen ist, nämlich die im letztjährigen April erfolgte erste Veröffentlichung von Noseholes, einer bisher versehentlich übersehenen Gruppe aus anscheinend vier Musikern, deren anscheinend fehlendes Interesse an Stilgrenzen mit meinem recht kompatibel ist. Die drei Lieder erreichen zusammen nicht einmal sieben Minuten Länge und das stört mich nicht im Geringsten.

Das hier Gebotene ist ein großartiges Durcheinander aus Hamburger Schule („Bed Smoker“), Postpunk, Krautigem (das immerhin dreiminütige „Drug Owner“ mit Lo-Fi-Bluesrockgitarre und ängstlichem Saxophon) und Freiform-Jazz. Für ein Video hat es allerdings noch gereicht, das selbst ohne Ton genau so wirkt wie das zu Hörende:

Noseholes / Bed Smoker (official Video)

Im Februar 2018, verkündet Bandcamp, soll das Debütalbum „Danger Dance“ erscheinen, auf das es zumindest „Bed Smoker“ auch noch mal geschafft hat. Meine Vorbestellung ist trotz des scheußlichen Coverbilds jedenfalls raus.

MontagsmusikPersönliches
201∞ // Atrorum – Menschsein

Es ist Montag, aber. In ungezählten Fernsehern laufen die immer gleichen drei Sketch- und Oldiesendungen, um Frustrierte zu beruhigen. Es ist ja alles gut, es ist ja alles wie 2017 und das ist auch schon das Problem.

Die weniger Bedachten lassen seit Tagen Sprengstoff detonieren, erstmals merklich, aber unwesentlich medial gestört, denn es könnte ja Feinstaub entstehen. Die Empörung über das Richtige aus den falschen Gründen hat Methode. Nichts erreicht, nichts gewonnen. Bleigießen, verkündete neulich „bento“, sei ein Spiel, das überraschend viel Blei enthalte. Unnütze Sorgen sind menschlich.

Mit jeder Rakete verpufft ein neuer Traum. Es ist keine Glanzleistung des entwickelten Menschen, dass er in seinen einsamsten Momenten am wenigsten vergessen kann. Wohin, glaubst du, verrinnen deine Tage? Mit einem „leichten Schwips“, schlug der „bento“-Autor vor, solle man einen Blick „in die Zukunft“ werfen. So viel, dass sie rosig aussieht, kann man allerdings kaum trinken. Der erste Gedanke des neuen Jahres ist der letzte des alten: ob es nämlich nicht besser gewesen wäre, wäre es nicht schon vor Jahren irgendwie anders gelaufen. Zeit heilt nicht mal einen Schnupfen. Irgendwo ergreift gerade jemand jemandes Hand. Wer könnte es ihnen verübeln?

Es ist Montag, aber man hat gar keine Lust auf Musik, auf die man morgen noch stolz sein kann.

Atrorum "Menschsein" (Official Audio – 2015, Apathia Records)

Prost Neujahr.

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Musik 12/2017 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 19 von 19 der Serie Jahresrückblick

Ein seltsames Jahr 2017 ist fast zu Ende und hat in seiner zweiten Jahreshälfte noch schnell ein paar einflussreiche Musiker, darunter die Hälfte von Can (Jaki Liebezeit und Holger Czukay), John Abercrombie, Walter Becker und Charles Manson, den jeweils nächsten Tag nicht mehr erleben lassen. Zum Glück wachsen immer wieder neue Musiker nach, die sich auf alte Tugenden besinnen. Von einigen von ihnen soll heute anlässlich des zweiten Teils der besten Musikalben 2017 die Rede sein.

Da der erste Teil merklich kürzer als üblich geraten war, blieb für den zweiten natürlich eine Menge Musik übrig. Vorzeitig befasst hatte ich mich seit Juli bereits mit den aktuellen Alben von Ex Eye, OHHMS, Hundredth, Reflections in Cosmo, Igorrr, L’Effondras und The Narcotic Daffodils. Dennoch war das Jahr noch produktiv genug für eine lange Liste an noch unausgesprochenen Empfehlungen.

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