Archiv für die Kategorie ‘Musik’.

Liedzitate und Erinnerungen an gute Lieder säumen meine Artikel. Jedenfalls diejenigen in dieser Kategorie.

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The Dream Syndicate – 80 West

Oktober (Symboleule)Es ist Montag. Das Ausbleiben von Pelztieren verblüfft offensichtlich selbst die Natur, versehentlich bekäme man wetterbedingt beinahe Lust auf Strand und Getränke mit so einem albernen Schirmchen darin, besinnt sich aber schnell darauf, dass man Strände nur in homöopathischer Dosierung mag, denn oft sind dort rüpelhafte Touristen zugegen. Kauz müsste man sein.

Stattdessen wurde schon wieder gewählt, und zwar gleich mehrfach. Ganz schön langweilig auf Dauer, aber zum Glück ist jetzt erst einmal Ruhe. Christian Lindner, der einzige zeitgenössische deutsche Politiker ohne Vollmeise, begrüßte ungewohnt unbeholfen das österreichische Wahlergebnis, bei dem sich abermals herausstellte, dass junge Menschen nicht unbedingt mehr progressive Politik ins Land tragen; als wäre das per se wünschenswert. Auch die Landtagswahl in Niedersachsen, bei der diejenige Partei zweitstärkste Kraft wurde, die vorschlug, man solle WLAN-Access-Points auf Feuer testen, blieb ohne Befund, wie renommierte Experten sich reimender Namen ausführlich erklärten. Die Piratenpartei – nullkommazwei Prozent – kommt derweil vielleicht allmählich zu der Einsicht, dass Netzpolitik vielleicht doch irgendwie mehr Menschen begeistern kann als Geldverschenken fürs Nichtstun. Von anderen Politikern wünschte man sich indessen mehr Nichtstun: Offensichtlich hat Deutschland Israel zwecks Kriegs nicht nur U-Boote, sondern auch noch Geld verkauft. Jaja, diese Lage da in der Gegend, die ist wirklich beunruhigend. Champagner?

Herausgestellt hat sich auch, dass es offensichtlich eine lautstarke Teilmenge in der Pöblerszene gibt, die es für eine grandiose Idee hält, als Austragungsort für Scheingefechte zwischen linker und rechter Idiotie ausgerechnet die Frankfurter Buchmesse zu wählen, als wäre es nicht offensichtlich genug, dass sie beidseitig kein Buch der letzten fünfzig Jahre mehr gelesen haben. Der intellektuelle Marxismus ist eine ebensolche Farce (cf. Julia Schramm) wie sein literarischer Kontrahent, als Leitmotiv in toto jedenfalls denkbar ungeeignet.

Denkbar geeignet hingegen zu jeder Gelegenheit: Musik.

The Dream Syndicate – "80 West" (Full Album Stream)

Guten Morgen.

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Kurzkritik: L’Effondras – Les Flavescences

Les FlavescencesEine dieser Bands, die sich live zu sehen übrigens wahrscheinlich auch lohnt, ist L’Effondras aus dem Osten Frankreichs, die sich selbst lieber als Symbol ⊙ zu schreiben scheint (womit ich freilich recht falsch liegen könnte, denn mein Französisch ist scheiße), mit einem hier nicht weiter erwähnenswerten anderen Künstler, der das ähnlich machte, aber wunderbar wenig zu tun hat.

Das Trio spielt auch auf dem im März 2017 erschienenen Album „Les Flavescences“ (Stream auf Bandcamp.com) einen ziemlich beeindruckenden, weil nicht wie die aberhundertste Kopie bekannter Genregrößen klingenden instrumentalen Postrock, gesungen wird also nicht, wofür ich französischen Musikern grundsätzlich sehr dankbar bin, stattdessen werden walls of sound aufgeschichtet, die aber nicht nur blöde in der Gegend rumstehen, sondern hinter denen das Nachtleben tobt, mal etwas zurückhaltender …

L'Effondras – X – Les Rayons De Cendre

…, mal geräuschvoll:

L'Effondras – XI – Lux Furiosa

Dabei sind drei von vier Stücken eigentlich egal, denn das abschließende „Le Serpentaire“ nimmt mit über 34 Minuten Dauer, von denen die letzten zehn quasi als Kontrast îm Wesentlichen aus Naturgeräuschen bestehen, eine Menge Raum nicht weg, sondern ein. Anderen Bands würde das für anderthalb Alben reichen, L’Effondras verschwenden aber nichts, schon gar nicht die Zeit des geneigten Hörers.

„Les Flavescences“ ist bei Weitem auch musikalisch nicht das Schlechteste, was in diesem Jahr aus Frankreich kam. Empfehlung hiermit erteilt.

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King Gizzard & The Lizard Wizard – Rattlesnake

Was fehltEs ist Montag. Kaum herbstet es zwei Wochen, ist die Schwermut schon am Siedepunkt. Bei welcher Temperatur Schwermut genau siedet, möchte man da lieber auch nicht mehr herausfinden; gefühlt jedenfalls: Eiskalt, gerade auch drinnen. Natürlich kann es schlimmer kommen und das wird es dann eben auch. Ich weiß, was zu tun ist, ich hab ein Buch gelesen („SpongeBob Schwammkopf“). Jeder nur ein Argh.

Nachrichten, Naaachrichten, als wäre die Welt dann eine bessere, aber Abtauchen in etwas, was eben auch nicht besser ist, befreit vielleicht und eventuell den Geist, also mal auf „heise online“ nachgesehen: Firefox kommt jetzt mit einer Überraschung in jedem siebten Ei beziehungsweise hundertsten Download, denn wenn eins noch dringend reinmusste in den „Browser“, dann ja wohl Aktivitätsauswertung durch deutsche Verlage. Mozilla kann gar nicht noch tiefer fallen? Ha – Herausforderung angenommen! Selbstbild als Mozilla. Die meisten Menschen möchten gar nicht verdatet und ausgewertet werden, fand eine Umfrage heraus, aber wenn Umfragen eine Rolle spielten, lebten wir nicht in einem Rechtsstaat, sondern im Einhornwunderland. Wen interessiert schon das Geschwätz des Käuferpöbels?

Andere sind über diesen Punkt längst hinweg: Die hessischen „Grünen“ sind jetzt auch Trojanerpartei. Ist die Partei erst etabliert, regiert’s sich gänzlich ungeniert. Arschlöcher, mit Verlaub.

Hat all das einen Sinn? Vermutlich nicht, Enttrübung jedenfalls fand nicht statt. Was aber, der Technik sei’s gedankt, noch immer über sonstwie herbstige Tage half: Musik.

King Gizzard & The Lizard Wizard – Rattlesnake (Official Video)

Guten Morgen.

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Needlepoint – Aimless Mary // Asterix bei den Franzosen

Sehe ich aus, als hätte ich Brückentag?Es ist Montag. Der Aufschwung ist da, Krieg wird jetzt moderner. Schade: Keine Weltraumschlachten. Noch schader: Kein Pandabär. Ist doch Käse mit Käse obendrauf. Vielleicht hilft ein kurzer Winterschlaf.

Was Mode ist, vermodert: Die „Washington Post“ findet, die Modeindustrie sollte wirklich mal was dagegen unternehmen, dass politisch eher rechts stehende Demonstranten sich wie auch die hiesigen Knalltüten von der „PARTEI“ um einen attraktiven Kleidungsstil bemühen. Vielleicht wird bald die Losung ausgerufen, dass echte Demokraten sich künftig dadurch von den Bösewichten abzugrenzen haben, dass sie sich absichtlich scheiße anziehen. Geschmack ist Nazi!

Von anderen unliebsamen Demonstranten berichtete gestern das nicht seriös arbeitende Käseblatt „SPIEGEL ONLINE“, dem zufolge in Katalonien als Strafe dafür, dass die dort lebenden Menschen überwiegend ungern Spanier sind, selbige Menschen beim Versuch, dieser Meinung per Wahl Ausdruck zu verleihen, von der spanischen Polizei „angemessen und professionell“ (ebd.) verdroschen wurden. Ein Land weiter war gestern allerdings ebenfalls wieder Stimmung: Ein Attentäter verübte ein Attentat und der „Islamische Staat“ teilte hinterher mit, es habe sich um einen der Seinen gehandelt, wie er das eben des Öfteren so macht. Im Jahr 1979 erschien der „Asterix“-Band „Asterix bei den Belgiern“, dessen Handlung darin besteht, dass die Belgier mit den heftüblichen Galliern darum wetteifern, welcher denn der Tapferere von beiden Stämmen sei, indem sie Römerlager verwüsten und den Verprügelten jeweils nach erfolgter Verprügelung mitteilen, welchem der beiden Stämme sie denn angehörten, damit sich das auch zuverlässig herumsprechen möge. Ich weiß auch nicht, wie ich jetzt gerade auf Asterix komme.

Apropos „kommen“: Es gibt einen neuen Hackersport namens „Screwdriving“, bei dem man im Wesentlichen irgendwelches Sexspielzeug aus relativer Ferne zum Vibrieren bringt. Diese Digitalisierung ist schon drollig.

Musik!

Needlepoint – Aimless Mary

Guten Morgen.

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Rhys Chatham – Pythagorean Dream (Part Two) // Bundestagsqual

"... und dann haben sie DAS gewählt!"Es ist Montag, der Tag danach; ein Tag, den allenfalls ein Pandabär noch retten könnte, denn das langweilige Deutschland hat gewählt.

Gewonnen, so viel sei gesagt, haben ganz unabhängig vom Wahlergebnis der Sozialabbau, die Rentenstreichungen, die immerhin (spät) sanktionierte Altersarmut, die Bundeswehr – verloren aber hat, Medienberichten zum Trotz, keineswegs der Rechtspopulismus, denn der stellt auch 2017 noch hochrangige Minister, sondern der Wähler, den das Schreckgespenst AfD abermals erfolgreich davon abgehalten hat, die Zukunft sinnvoll mitzugestalten. Etwa 87 Prozent der Wähler haben nicht die AfD gewählt, etwa 90 Prozent nicht die Grünen und immer noch fast 70 Prozent nicht die Kanzlerin, dennoch bestimmt das Geschehen eine mögliche Koalition, die im Median von einer deutlichen Mehrheit nicht gewählt wurde. Koalitionen sind aus demokratischer Sicht tout compte fait allerdings grundsätzlich eine Katastrophe, eine richtige im Falschen ist nicht auszumachen. Der moralische Sieger bekommt beim Wettrennen ja auch nur noch einen Trostpreis. – Man stelle sich vor, das Volk träfe nicht nur alle vier Jahre, sondern pausenlos dumme Entscheidungen. Man sehe sogleich: Nur Volksabstimmungen könnten das alles noch schlimmer machen.

Bringt alles nichts. Ich habe jedenfalls beschlossen, über die Beschlüsse der kommenden Bundesregierung in dieser Publikation bis zur nächsten Bundestagswahl kein Wort mehr zu verlieren. Das schont die Nerven insbesondere zum Wochenbeginn und lässt mehr Zeit für Schönes, nämlich für Musik. Und danach kommen wir noch mal auf den Pandabären zurück.

Rhys Chatham – Pythagorean Dream (Part Two)

Guten Morgen und viel Glück.

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Kurzkritik: Igorrr – Savage Sinusoid

Igorrr - Savage SinusoidIgorrr!

Schon der Name – leider ohne Ausrufezeichen – ist so klangvoll, dass man es leicht verschmerzt, dass hier nicht auf Russisch musiziert wird. Statt Kalinka wird der akustische Angriff besungen, stilecht eingeleitet durch einen Kriegsschrei („Viande“), der sogleich in donnernden Metal übergeht. Warum kleckern, wenn man klotzen kann? „Savage Sinusoid“ (Amazon.de, TIDAL), das laut Internet sechste Album der Franzosen, weckt seit Juni dieses Jahres vermutlich so manchen Toten auf.

Igorrr – ieuD [OFFICIAL VIDEO]

Gelegentliche Elektronika und Effekte lassen Etikettierung sowieso nicht sinnvoll zu, zumal nicht einmal hier ein Stillstand auszumachen ist: Gautier Serre, die treibende Kraft hinter Igorrr, hat Spaß an Experimenten und lässt den Hörer das auch merken. Wo eben noch das wilde nordische Leben tobte, erfolgt gleich die Umschaltung in den musikalischen Balkan, während der Vokalist sich allmählich heiser zu schreien scheint. Plötzlicher Themenwechsel: Krautiger Artpop wechselt sich mit strukturell haggardesquem Brüll- einer- und Postmetal andererseits mit prima Operngesang von Laure Le Prunenec ab, mannigfaltig elektronisch manipuliert – „ieuD“ bringt in fast vier Minuten mehr Stile unter als viele andere Künstler auf drei Studioalben.

Igorrr – Cheval [OFFICIAL VIDEO]

Ein Stück wie dieses auf „Savage Sinusoid“ dabei nicht einmal eine besondere Ausnahme; „Houmous“ integriert Kirmes-, 8-Bit- und Weltmusik in ein alles andere als enges Mathrockkorsett, andere Stücke wie „Apopathodiaphulatophobia“ tragen ihre völlige Abgedrehtheit schon im Namen. Ich finde ja mitunter durchaus Gefallen an Abgedrehtem.

Große Klasse.

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Toundra – Kitsune // Sechs Tage ahnungslos.

Es wird Herbst, die Eulen verlieren ihre Blätter.Es ist Montag; womit die Welt das verdient hat, ist jedoch leider unklar. Beruhigend aber ist es, dass sie ihren Humor nicht verloren hat: Am vergangenen Donnerstag wurde ein Gespräch mit Hillary Clinton von einem Video eines niesenden Pandas unterbrochen, anschließend aber leider fortgesetzt. Einen präsidialen Pandabären würde ich jedenfalls wählen.

Falls es überhaupt so weit kommt, denn das politische System ist auch hierzulande irritierend. In nur einer Woche hätte es wieder keiner ahnen wollen, denn Demoskopie geht meist vom frei erfundenen Idealfall aus, nämlich davon, dass Menschen stringent handeln und Wahlprogramme irgendetwas mit Realpolitik zu tun haben. Dann wird wieder irgendjemand betroffen in irgendeine Kamera gucken und verkünden, dass die Populisten zwar „leider“ irgendwo „drin“ seien, aber immerhin isoliert, denn tatsächlich hat in der beinahe unvermeidlichen knappen Mehrheit für die rechtspopulistische Koalition aus dem unheiligen Bündnis aus CDU und CSU sowie der Partei des Sozialabbaus (PdS, ehem. SPD) niemand sonst ein Wörtchen mitzureden, was ungefähr der Politik der vergangenen vier Jahre entspricht: Die Isolation der Mehrheit als Bewahrung der Demokratie. Was dann kommen wird, ist absehbar: In Medien, die nicht verlinkt werden möchten, forderte dieser Tage der heute seinen 75. Geburtstag feiernden (weil „begehenden“ doch recht uncharmant wäre) Wolfgang Schäuble eine Rente ab 70 Jahren. Ich bin ja selten seiner Meinung, finde aber, er hat Rente wirklich dringend nötig.

Neues aus der Geschlechterforschung: Autisten beiderlei Geschlechts haben besonders männliche Gesichter, von einer Autistenquote in Führungspositionen ist daher vermutlich gleich doppelt Abstand zu nehmen. Andererseits: Um irgendwo als Chief Security Officer anfangen zu dürfen, reicht ja auch ein Musikstudium aus.

Passt ja, für Logik sind sich sowieso die meisten Branchen zu fein: Der Nutzlosdienst Golem.de behauptete gestern, bei „Alexa“ und „Google Assistant“ handele es sich um „smarte Lautsprecher“, während zu meiner Zeit Geräte, in die man reinspricht und die dann irgendwas machen, noch „Mikrofone“ (wenn sichtbar) oder „Wanzen“ (wenn nicht so offensichtlich sichtbar) hießen. Geräte, die smarter sind als diejenigen, die über sie berichten: Das ist wohl diese Zukunft, von der immer alle reden.

Da halte ich mich doch lieber an die Vergangenheit, zum Beispiel an das Jahr 2016.

Guten Morgen.


In eigener Sache: Ich habe mein WordPress-Plugin WP-WahlBlackout für die anstehende Bundestagswahl ein bisschen überarbeitet, unter anderem mit etwas sinnvolleren Verweisen auf der mitgelieferten, aber immer noch zweckmäßig gestalteten Abschaltseite. Wer es nutzen möchte, der möge das tun.

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Anakdota – Different Views

A-Nak-dota?Es ist Montag. Mit dem Freitag noch immer in den Knochen und im Hals ist der Wochenbeginn, als würde er gar nicht stattfinden, was in diese verrückte Zeit ansonsten prima passt. Dennoch: Wie üblich kein Fell, außer eben im Kopf. Bitte etwas leiser brennen, wir wollen uns hier konzentrieren.

Keine Sorge, bald ist Krieg, es geht gegen den Terror und dagegen hat ja wohl niemand etwas, der nichts zu verbergen hat. Leider sind „Hacker“ so lange damit beschäftigt, Stuss zu reden und sich in „Qualitätsmedien“ über kurze Passwörter zu beömmeln. Haha, diese Trottel! Eine eigene, fehlerfreie Lösung hat der Chaos Computer Club hierbei natürlich nicht anzubieten. Das wird lustig auf der diesjährigen Studenten-CeBIT in Leipzig.

Die Politik macht aber auch alles falsch, was für die kommende Wahl zwischen Schwarz-Rot und Schwarz-Gelb aber nicht entscheidend sein wird. Die ehemalige Bürgerrechts-Piratenpartei hat derweil, beflügelt vom „Erfolg“ – Umfragen sprechen von erstaunlichen zwei Prozent und früher wäre der Piratenpartei das wenigstens noch peinlich gewesen – der PARTEI (es geht zwar nicht um den Bundestag, aber um Geld, da sind Ideale eben auch mal zweitrangig), satirisch dazu aufgerufen, die Privatsphäre von Regierungspolitikern zu missachten. Ich fürchte, die Kristallkugel sagt ihnen trotzdem ein schlechtes Ergebnis voraus.

Nachrichten von gestern (Quatsch: von letzter Woche): Der Betreiber von StudiVZ ist insolvent. Vielleicht ist dies ein guter Zeitpunkt, nochmals daran zu erinnern, dass Myspace noch wohlauf ist und sich augenscheinlich noch immer als Musiknetzwerk durchsetzen möchte, was ich sehr begrüße, denn Musik ist wundervoll.

Zum Beispiel diese:

Anakdota – Different Views

Guten Morgen.

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Kurzkritik: Reflections in Cosmo

Reflections in CosmoUnter den bisherigen musikalischen Erscheinungen des Jahres 2017 sind in meinen Ohren nur vergleichsweise wenige Studioalben eine positive Ausnahmeerscheinung. Das Debütalbum von Reflections in Cosmo (Amazon.de, TIDAL) zählt trotz des bescheuerten Coverbilds (für diese Schriftart würde ich den Gestalter feuern und verklagen) ganz klar dazu.

Reflections in Cosmo ist eine Musikgruppe, die von der Presse vermutlich „Supergroup“ genannt würde, denn sie ist ein Quartett aus dem Motorpsycho-Umfeld, in dem neben deren Hans Magnus Ryan auch der Keyboarder Ståle Storløkken, der Saxophonist Kjetil Møster und der mir bisher zumindest unbekannte Schlagzeuger Thomas Strønen gemeinsam Mitglied sind.

Aus der Besetzung ließe sich folgern, dass hier ordentlich freegejazzt wird, aus dem Bandnamen hingegen, dass Spacerock hier die Oberhand hat, aber das ist nicht einmal unbedingt der Fall; stattdessen ist hier, ähnlich wie auf dem diesjährigen, leider etwas langweiligeren Album „Signal 9“ der Kanadier Miriodor, eine durchaus packende Spielart des instrumentalen Jazzrocks zu hören.

Reflections In Cosmo – Balklava

Die vier Musiker spielen gekonnt mit natürlich Spacerock, integrieren aber auch Jazzmetal und Stoner Rock wie selbstverständlich in ihre Musik. Ihr Jazzhintergrund wird dabei immer wieder deutlich, was nicht zuletzt auch Kjetil Møsters Dominanz zu verdanken ist. Das geht gut ins Ohr, das erfreut die Sinne.

Dazu passen: Herbst, Kopfhörer und Bier.

Prost.

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Current 93 – I Remember the Berlin Boys

Was blüht denn da?Es ist Montag, schon jetzt nur schwer zu ertragen. Hier kommt man nur mit Kaffee raus. Der alte Trott muss dennoch wiedergefunden werden, sonst glauben die Leute noch, hier gäbe es immer nur so geilen Scheiß wie vorgestern. Hausgemachte Enttäuschungen sind die besten, das kennt man hier, man will es so.

Wenigstens politisch ist alles in diesem Land im Lot: Teile der deutschen Bundesregierung denken darüber nach, ob es vielleicht allmählich mal Zeit werden könnte, eine etwas weniger nachgiebige Haltung gegenüber der türkischen Innenpolitik – als ginge diese die deutsche Bundesregierung etwas an – walten zu lassen. Wenn es in dieser Geschwindigkeit weitergeht, erhält vielleicht der übernächste türkische Präsident einen vorsichtig formulierten Brief mit der leisen Bitte um Mäßigung.

Der linken Twitteria geht inzwischen, salopp gesagt, voll einer ab, weil Vertreter der lustigen PARTEI das Grundrecht auf Privatheit und informationelle Selbstbestimmung des politischen Gegners missachteten und sich unerlaubt in deren Facebookgruppen ausbreiteten. Andersherum wäre das vermutlich gemeinhin als Protofaschismus und/oder als sonstwie ungut wahrgenommen worden, aber wenn man „Satire“ draufklebt, wird es zum Witz. Es ist beängstigend, wer heutzutage alles wählen darf. Die gerechte Strafe allerdings lässt nicht lange auf sich warten: „Klar bürgen wir für jemanden. Was? Dann haben wir Pflichten?“

Was jedenfalls ich noch immer lieber wähle als Parteien: Musik.

Current 93 – I Remember the Berlin Boys

Guten Morgen.

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Slowdive – Sugar for the Pill

Man kann nicht genug Käuzchen haben.Es ist Montag. Noch alle Tassen im Schrank zu haben klingt wie eine Drohung, kein Buch im Haus zu haben wie Ungemach. Ist dies das echte Leben oder ist das Kunst? Computerspiele sind Kulturgut, kommen gegen Pandabären aber trotzdem nicht an.

Tüdeldü, die Nachrichten: Die Welt ist verrückt geworden. Wer braucht fliegende Autos, wenn er stattdessen auch Personen über das Internet elektrokutieren kann? Die Visionäre von einst stellen gleichfalls ungern fest, dass das Netz überrannt wird von Trotteln, Deppen, bärtigen Hipstern. Schön und gut, dass Sie Krebs geheilt haben, aber ohne Verhaltenskodex bleiben Sie draußen!

Der stellvertretende rechtspolitische Sprecher der „Union“ findet derweil, die Warnungen George Orwells vor einem allsehenden Überwachungsstaat ängstigten nur die Richtigen. Genau so habe ich mir Rechtspolitik – also die rechte Politik von CDU/CSU – immer vorgestellt.

Musik ist heute völlig überzogen, völlig überreizt.

Slowdive – Sugar for the Pill (Official Video)

Guten Morgen.

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Kurzkritik: Skinny Puppy – VIVIsectVI

Skinny Puppy - VIVIsectVIIch höre aber auch immer einen Scheiß.

Auf einem meiner Streifzüge durch die Wikipedia wegen eines eigentlich ganz anderen Themas – ich kann niemandem empfehlen, die Wikipedia zu durchstreifen – stieß ich aus Versehen auf die kanadische Post-Industrial-Band Skinny Puppy und bekam urplötzlich Lust, die Tauschbörse meines Vertrauens nach ihr zu fragen. Das erstbeste Ergebnis war deren Album „VIVIsectVI“ (Amazon.de), was, vermutlich, irgendwas mit „666“ zu tun hat, von 1988, und es ist so grauenhaft, dass es mir schon wieder erschreckend gut gefällt.

VX Gas Attack – Skinny Puppy

Tonband- und effektlastige elektronische Tanzmusik, von beteiligten Musikern selbst als „Psychedelic Industrial“ bezeichnet, mit verzerrt vorgetragenen Texten über Naturschutz, Vergewaltigung und Chemiewaffen, als hätten Throbbing Gristle versehentlich mal die falschen Drogen genommen, bricht hier über den sonst jazzumschmeichelten Rezensenten herein.

Was ist das und warum kann ich es nicht einfach wegmachen?

Human Disease (S.K.U.M.M.) – Skinny Puppy

All is a disease. Die Texte, angeblich via Bewusstseinsstrom und somit eigentlich unabsichtlich entstanden, sind mindestens so verstörend wie ihre Verpackung und vielleicht ist das ein Teil der Anziehungskraft, die „VIVIsectVI“ ausübt. Man sollte ja stets den Horizont, den Tellerrand und so weiter zu weiten bereit sein, bis nur noch ein großes Loch übrig bleibt. In so Serien kommt aus großen Löchern ja gern einmal allerlei Ungemach.

Dreams amaze me, time escapes me („Dogshit“).

Man wird ziemlich blöd davon. Auch mal schön.

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Katie Von Schleicher – Move Through

Eines Tages.Es ist Montag. Laut einer Eilmeldung, die wohl leider nicht noch ein paar Minuten warten konnte, muss jedenfalls Jerry Lewis das nicht mehr miterleben, während man selbst gern den Tag erleben würde, an dem nur noch das eine Eilmeldung ist, was unverzügliches Handeln erfordert. Sowieso im Verzug: Man selbst. Montags ist die Melancholie meist am lautesten.

Apropos Zweisamkeit – es gibt gute Nachrichten für alle, die gefährdet sind, den Glauben an die Vernunft des Menschen zurückzubekommen: Es gibt jetzt Sexroboter, die man so einstellen kann, dass sie überhaupt keinen Sex wollen, jubelt das Genderportal „ze.tt“; so lebensecht waren die Dinger vermutlich noch nie.

Weniger lebensecht: Google lässt jetzt „künstliche Intelligenz“ auf „Hassverbrechen“ (also unhöfliche Onlinekommunikation) los, denn Computer sind bekanntlich unfehlbar. Das harmoniert prächtig mit der Forderung der Umweltwissenschaftlerin Jennifer Jacquet, die in der „Süddeutschen Zeitung“ (möchte aus Leistungsschutzgründen nicht verlinkt werden) für das US-amerikanische Verständnis von sozialer Gerechtigkeit, nämlich die namentliche öffentliche Bloßstellung („Pranger“) von Missetätern, wirbt, eingebettet in ein „Gespräch“ darüber, warum Donald Trump so ist, wie er zu sein scheint, leider jedoch ohne Referenz darauf, dass seine bisherige politische Bilanz noch immer mehr verspricht als sein Vorgänger zu halten vermochte. Die Bewertung ausländischer Präsidenten in ausgerechnet deutschen Medien, andererseits, ist des Mantels des Schweigens schon immer würdig gewesen. Wie lächerlich „der Typ“ eigentlich sei, fragt Timur Vermes auf „SPIEGEL ONLINE“ und lässt mich plötzlich genau die gleiche Frage stellen. Zufälle gibt’s!

Ganz und gar nicht lächerlich ist und bleibt: Musik.

Katie Von Schleicher | Blue Room | ThrdCoast

Guten Morgen.

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North Sea Radio Orchestra – Vishnu Schist

Hellwach (Symbolbild)Es ist Montag, ein Tag voller Ungemach. Pandabären sind fantastisch, jedoch noch nicht ausreichend verbreitet; ein Zustand, den zu ändern es gilt, so lange das Leben noch schwelt. Zunächst jedoch ist Müdigkeit Dominanz. In der Ferne ein Schweif.

Was in der Ferne, nämlich an den USA, dem Staatenbund mit den smarten Haustüren, völlig unverständlich ist, sind ja auch die Nachrichten. Fox News zum Beispiel zeigt auf YouTube ein Video, auf dem zu sehen ist, dass ein Auto in eine Menschenmenge fährt, was also offensichtlich nicht so schlimm ist – der Ausruf „Fuck!“ hingegen, den ein Passant angemessenerweise tätigt, wurde überpiept. Tote sind schade, aber Fluchen ist tabu!

Zur gestrigen Feier des Jahrestags des Mauerbaus gab das Auswärtige Amt auf Twitter bekannt, dass es froh sei, dass wir in der EU heute ohne Mauern auskämen, und hat damit nicht einmal Unrecht, denn die Außengrenzen der EU bestehen vor allem aus Wasser und hohen Zäunen. So fortschrittlich war die DDR nicht.

Die „Frankfurter Allgemeine Woche“ titelte unlängst, keine Droge werde so sehr verharmlost wie Cannabis. Während sich die folgenden Diskutanten weitgehend darüber einig waren, dass die eigentlich furchtbarste verharmloste Droge Alkohol sei, saß ich total high mit der einzigen Droge herum, deren Glücksgefühl schon ab der Geburt legal zu erzielen ist: Musik.

North Sea Radio Orchestra: Vishnu Schist [Official Video]

Guten Morgen.

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Kurzkritik: Hundredth – Rare

Zu den angenehmen Überraschungen des Jahres 2017 zählt nunmehr auch das neueste Studioalbum „Rare“ des US-amerikanischen Shoegaze-Quartetts Hundredth (Amazon.de). Im Klanggewand der 80-er Jahre entfaltet sich eine erfreulich breitwandige musikalische Landschaft, auf der das Gras nicht bloß grün, sondern auch noch voller wild sitztanzender, vielfarbener Kühe ist.

Das ist so natürlich Quatsch, geschrieben im Überschwang. Fest steht aber, dass die mir bisher unbekannten Hundredth, sich laut Internet mit „Rare“ musikalisch neu erfindend, das Kunststück schaffen, grauenhafte – ich höre tatsächlich Placebo und die Pet Shop Boys heraus – Einflüsse zu im positiven Sinne bemerkenswerter Musik zu kombinieren.

Hundredth – Youth (Visual)

Das kann daran liegen, dass die dekadenüblichen Spielzeugkeyboards auf „Rare“ keine nennenswerte Rolle spielen, denn stattdessen gibt es mal aggressive, mal überzeugt hüpfende, oft mehrschichtige Gitarrenklänge zu kraft- und damit druckvollem Rhythmus aus selbstsicherem Bass und erfreulich wenig zurückhaltendem Schlagzeug; post-hardcore nennt sich das in den einschlägigen Werbetexten und post ist oft gut. Post-Punk und New Wave kreisen hier neugierig in immer engeren Kreisen umeinander, die Stimmung ist eigenartig; die Dichte fördert Melancholie, die Darbietung jedoch animiert verschiedene Körperteile des Konsumenten zur autarken Bewegung. Kann man bedrückt sitztanzen? Ich versuche es einfach mal.

Hundredth – Neurotic (Official Music Video)

„Rare“ ist ein fraglos im dunklen Jahrzehnt verwurzeltes Album, das trotzdem modern klingt und Spaß macht – wahrlich: so was ist selten. Und deswegen ist es gut.