Archiv für die Kategorie ‘Musik’.

Liedzitate und Erinnerungen an gute Lieder säumen meine Artikel. Jedenfalls diejenigen in dieser Kategorie.

In den NachrichtenMontagsmusikNetzfundstücke
Renaissance – Song of Scheherazade // Absurdes für die Wissenschaft

Montagsgefühl (ca.)Es ist Montag. Die Krise hält uns fest in ihrem gierigen Griff. Das gelobte Land der Pasta Bologna, deren Akademiker sich glücklich schätzen können, wenigstens noch irgendwo eine freie Stelle als Taxifahrer zu finden, weil immer mehr schlecht ausgebildete Leute mit immer weniger wertvollen Abschlüssen sich vor ehrlicher Arbeit verstecken (Fachkräftemangel am Arsch), marschierte für die Wissenschaft, angeführt von Gendersprallos, Windkraftlobbyisten und sonstigen Nieten, die es bis heute nicht zu Wissen schafften. Man hätte kochen können vor Scham und Gram, aber zu zweit wäre das doch deutlich interessanter gewesen; Montagsmelancholie, wie üblich wenig überraschend.

Was für eine Überraschung aber: Lädt man sich ein Programm mit einem verdächtig klingenden Namen („System Update“) herunter, dann ist da vielleicht Schadsoftware drin. Als wäre es ein Grafiktreiber oder eine „sichere“ Schnittstelle in einer Googleanwendung – völlig absurd!

Ein absurdes, aber den Schadenfrohen durchaus befriedigendes Geschäftsmodell auch: Nespresso für Saft. Als sei es irgendwie erstrebenswert, Filterkaffee oder Fruchtsaft durch irgendwelchen Kapsel- oder Tütenquatsch zu ersetzen.

Sehr wohl erstrebenswert hingegen: Musik.

RENAISSANCE – Song Of Scheherazade (Live 2011)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
SVIN – Maharaja // Demokraten, hüben wie drüben

OstereuleEs ist Montag. Der Witz, keiner jedoch gehe hin, ist genau so müde wie man selbst; müde vom Weltgeschehen und nicht zuletzt von der Erkenntnis, dass, was fehlt, fehlt. Allmählich beginnt man sich dem Nichts zu ergeben, aufmerksam beobachtet von Kauz und Mond, nickend, doch schweigend.

Keineswegs nichts: Während in der Bürgerschaft kräftig gegen den Populismus gewettert wird, der irgendeine Demokratie oder Freiheit oder so gefährdet, unterhöhlt unser aller Lieblingsregierung, nämlich die aus CDU/CSU und SPD, ein weiteres Mal das ohnehin schon brüchige Fundament der „Grundrechte“. Das Briefgeheimnis wird abgeschafft (sofern die Briefe elektronisch sind). Die NSA guckt uns derweil beim Bezahlen zu. Ob man sie wohl anrufen kann, wenn man seine IBAN vergessen hat?

Warum ich neulich empfahl, nur noch schlaue Menschen wählen zu lassen, führt übrigens aktuell die Türkei vor, deren Wählerschaft unter anderem mit einer Mehrheit der in Deutschland lebenden Türken – mit Präsidialsystemen kennen wir uns aus – eine aus klassisch demokratischer Sicht eher fragwürdige Verfassungsänderung zu befürworten scheint. Für die Schlauen unter den Wählern, die die Pläne nicht verwirklicht sehen möchten, aber hat sich der Präsident schon etwas ausgedacht: Erdoğan stellt Wiedereinführung der Todesstrafe in Aussicht, damit er endlich auf gleicher Augenhöhe mit dem Westen verhandeln kann. Es ist das Wesen von solchen Siegen, dass sie, ob nun in Texas oder in der Türkei, mit dem Tod der Unterlegenen enden.

Und alles, was uns bleibt, ist Musik.

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Moulettes – Constellations

Moulettes - ConstellationsDas englische Kammerrockquintett Moulettes ist regelmäßigen Lesern vielleicht bereits aus einer Montagsmusik bekannt. Mit dem Album „Constellations“ haben die Damen und Herren im Jahr 2014 meiner bescheidenen wie selbstredend objektiven Meinung nach ihr bisheriges Meisterwerk vorgelegt.

Das einzigartige Klangbild, das die Moulettes zeichnen, wird auf „Constellations“ perfektioniert: Chorpassagen und Kammermusik mit mancherlei Holzinstrumenten stehen neben beschwingtem Art- und sogar Postrock. Ein Musikinstrument so zu benutzen, wie es ursprünglich einmal vorgesehen war, nimmt dem Ergebnis viel von seiner Wirkung.

Moulettes – Lady Vengeance (Live in Paris)

Als Gast wirkt unter anderem der nicht gänzlich unbekannte Bassist Herbie Flowers (in „Land of the Midnight Sun“) mit, völlig allein sind die Moulettes, die mit diesem Album Anisa Arslanagic als neues Mitglied aufnahmen und damit wieder eine Frauenquote von 3:2 vermelden mussten, also nicht. Diese Personalie sollte indes nicht davon ablenken, dass mit dem Bassisten Jim Mortimore ein anderer bekannter Familienzweig längst zur Stammbesetzung gehört.

Moulettes – Constellations

„Constellations“ ist zweifellos ein Album, das – schon wieder diese schlimme Schublade – im positiven Sinne Spaß macht. Für die angehenden warmen Monate muss es ja nicht immer nur der neueste Sommerhit sein.

Möge die Freude nicht nur meinerseits bleiben.

In den NachrichtenMontagsmusik
Sleep – Dragonaut

Hmpf.Oh, ein Montag! Gleich mal dran verzweifeln, weil man, wäre man zwanzig Jahre jünger, jetzt Ferien hätte und weil der Sonntag so vieles verloren hat; und dann wird es auch noch warm und sonnig draußen, traditionell folgen nun die gewohnten drei Wochen sommerähnlichen Zustands, in denen Drinsein noch angenehmer sein wird als bisher. Selten wurde schlechter Geschmack so sehr gefürchtet.

Wovor sich sonst so gefürchtet wird: Die Männlichkeit des Internets. Alles Patriarchen mit gewaltigen Penissen hier, die Frauen die Erfindung des Internets verbieten wollen, weil es das Internet blöderweise schon gibt. Aufschrei! – Was es im Internet im Übrigen auch gibt, ist Schadsoftware. Wer immer noch glaubte, dass ihn irgendwelche Programme davor schützen, der verkennt den Ernst der Lage: Ein paar Forscher von zwei niedersächsischen Universitäten haben jüngst ein Forschungsergebnis präsentiert, demzufolge klug programmierte Schadsoftware den so genannten „Virenscanner“ dazu bringen kann, Schadcode überhaupt erst auszuführen. Mancher Menschen Vorstellung scheint das nicht für möglich zu halten.

Andere haben sich dann auch mal vorgestellt: Nach der Ermordung einiger Menschen in Syrien hat der bodenständige US-amerikanische Präsident Donald Trump natürlich auf Twitter den Beteiligten gratuliert, weil sie die USA („und die Welt“, D. Trump) so toll vertreten haben. Diejenigen, die mir früher beibringen wollten, wie man sein Land im Ausland bevorzugt vertreten sollte, haben mir diesen Teil natürlich verschwiegen. Frechheit.

Ganz und gar nicht frech: Ein wenig Stoner Rock.

Sleep – "Dragonaut" [Live @ Scion Rock Fest 2012] (Scion AV)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusik
Der „Echo“ schallt zurück.

Der seelenlose Fernsehkasper Jan Böhmermann, dessen Geltungsdrang in einer besseren Welt als valider Grund für die Befreiung vom Rundfunkbeitrag gälte, hat vor ein paar Tagen etwas gesagt, was so nachdrücklich wirkte, dass es auch in meinen Nachrichtenlisten auftauchte:

Böhmermann hatte kurz vor der Gala in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ von „seelenloser Kommerzkacke“ gesprochen, die der Echo immer wieder ehre.

Den zugehörigen Sendungsausschnitt, in dem unter anderem die österreichische Sängerin Christina Stürmer „dem deutschen Pop“ zugerechnet wurde, was über Jan Böhmermann nun auch wieder mehr aussagt als über Christina Stürmer oder „den deutschen Pop“, fügte man bei „SPIEGEL ONLINE“ dem Artikel bei, was erfreulich ist, denn man bekommt ja sonst überhaupt nichts mehr mit von Jan Böhmermann.

Echopreisträger „Campino“ („Die Toten Hosen“, nach eigener Aussage „Punk, so lange Johnny Thunders lebt“, was also etwa 1991 endete), bekannt geworden durch Trinklieder und bekannt geblieben durch Gitarrenschlager, trug dazu folgendes uncooles Zeitgeistgeplapper vor:

„Lieber uncool sein als ein cooles Arschloch, das sich nicht konstruktiv einbringen kann.“ Er sprach auch von „Böhmermannschem Zeitgeistgeplapper“.

Das Coolsein der Toten Hosen endete nach meinem Dafürhalten ungefähr mit der Veröffentlichung des Weltschmerzalbums „Unsterblich“, was ihm also zumindest genug Übung eingebracht haben dürfte, um aus Erfahrung zu sprechen.

Das Problem am „Echo“ ist aber nicht, dass er ein kommerziell orientierter Musikpreis, unter dem Applaus von Dummen vergeben von Kapitalisten an Uncoole, ist, das Problem ist, dass kommerzieller Erfolg nur schrecklicher Musik beschieden ist. Eine Hitparade, deren Hitgaranten überwiegend gleich aussehen und sich musikalisch wie inhaltlich auch noch gleich anhören, ist keine Hitparade, sondern langweilig; weder Parade noch Hits. Dass diese Hitmusik überdies sich nicht nennenswert von dem unterscheidet, was die Großeltern nach dem Krieg zur Beruhigung hörten, nämlich irgendwelche Liebeschansons („Schlager“), verleiht Musikpreisen wie dem „Echo“ zwar eine gewisse Beständigkeit, lässt mich aber am Daseinszweck dieser Preise zweifeln.

Sicherlich ist in der Musik sozusagen alles schon einmal da gewesen, neu sind allenfalls Effekte und Instrumente, und sicherlich wird es immer wieder eine Generation von jungen Menschen geben, die den abertausendsten Neuaufguss von Nicole, Udo Jürgens oder, wenn’s denn sein muss, Annett Louisan für ihr Ding, Ausdruck ihres langweiligen Hippielebensgefühls und sonstwie preisverdächtig halten; sicherlich kann man es sich dann aber auch sparen, jahrzehntelang ganze Bildschirmseiten mit einer Berichterstattung darüber zu füllen, wie der diesjährige Tim Bendzko heißt, oder darüber, wie furchtbar langweilig und austauschbar die dort ausgezeichneten Melodien eigentlich sind, weshalb ich dies nun zumindest meinerseits abbrechen möchte, nicht ohne zuvor konstatiert zu haben: Qualität zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht verstanden wird.

Wer die Masse bewegen möchte, der sollte eben zunächst seine Klasse aufgeben.

In den NachrichtenMontagsmusik
We Lost The Sea – A Gallant Gentleman // Aprilscherzkater

Frühling. Mist.Es ist Montag – endlich darf man wieder den Trott hinter sich lassen und etwas für die Wirtschaft tun, noch gänzlich perplex wegen des weiterhin ausbleibenden Sonntags. So nicht arbeiten zu können ist ein beliebter Volkssport, mithin: oft auch der einzige. Sich stolpernd aus dem Bett zu quälen verbraucht einfach nicht genug Kalorien.

Wenigstens in der Politik bewegt sich was: Großbritannien will riesigen Wassergraben ausheben, um sich von EU abzugrenzen. Ein Aprilscherz? Quatsch! – Wie es sich eben auch in diesem Jahr sowieso wieder angeboten hat, dem Trubel in den Medien einen Tag lang fernzubleiben, weil sie einander wie gewohnt darin zu überbieten versucht haben, wer seine Leser am lustigsten anlügen kann. Einen ganzen Tag lang finden sie fake news gut und richtig, weil die Tradition das so will, und schon am Tag darauf war sicherlich wieder vielerorts zu lesen, wie hinterhältig doch der Russe unwahre Behauptungen in die Medien bringt. April, April! Nicht alles ist immer, wie es scheint; und auch das, was ganz und gar nicht scheint, bleibt oft ersonnen: Dunkle Materie gibt es vielleicht gar nicht. Und wenn doch, dann versteckt sie sich ziemlich gut.

Kein Scherz auch: Überraschenderweise gilt bei Onlinewerbung gar nicht „viel hilft viel“, denn jemand, der mehr Werbung schaltet, bekommt oft trotzdem nicht mehr Besucher auf seiner ollen Wurstwebsite. Verdammte Werbeblocker immer.

Keineswegs Wurst: Musik.

We Lost The Sea – A Gallant Gentleman – Live at Studios 301 (Official Video)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: All Them Witches – Sleeping Through the War

Sleeping Through the WarLange nichts Gutes aus den USA mehr gehört. Zeit, dass sich das ändert!

Ebendort nämlich entsprang vor einigen Jahren das Quartett All Them Witches, das derzeit beinahe in der klassischen Rockbesetzung miteinander musiziert, jedoch zusätzlich verschiedenfach ein Mellotron (oder gar mehrere) einsetzt, was, wie der erfahrene Musikfreund längst weiß, meist ein sicheres Zeichen für etwas bessere Musik ist, es sei denn, es steht „Genesis“ auf der Platte.

All Them Witches

Mit „Sleeping Through the War“ erschien im Februar dieses Jahres das aktuelle Album von All Them Witches in besagter Besetzung, und tatsächlich ist das hier Dargebotene von erfrischender Unblödheit.

All Them Witches – "Alabaster" [Audio Only]

Der erwartete Psychedelic Rock („3-5-7“) und der tatsächlich erfreuliche Bluesrock („Internet“) auf „Sleeping Through the War“ werden hier mit dissonanten Ausbrüchen an den richtigen Stellen versehen, was in einem Freund des Schrägen wie den Verfasser dieses Textes die positive Grundhaltung noch zu steigern vermag. All Them Witches verbinden modernen Noiserock mit dem, was ein Radiosender, der nicht lügt, mit Recht als „das Beste der 70er“ ankündigen ließe. Ich mag das.

All Them Witches – "Bruce Lee" [Official Video]

Erfreulich ist überdies, dass „Sleeping Through the War“ auf Bandcamp.com angehört werden kann. CD, Kassette und Vinyl vom Album sind dort allerdings, weil ich offensichtlich nicht der Einzige bin, der es mag, längst ausverkauft; der Raubtierkapitalist Amazon.de möge Linderung verschaffen. Angenehmes Hören!

MontagsmusikPersönlichesPiratenpartei
Marteria, Yasha & Miss Platnum – Lila Wolken // Übrigens.

Das IST wach(Eigentlich Parteipolitik nicht besonders schätzen und deswegen erschöpfende Wochenenden mit ihr statt ihr verbringen; eigentlich Menschen nicht dauerhaft für einen geeigneten Umgang halten und deswegen mehr Zeit mit ihnen verbringen als gesellschaftlich mindestens akzeptabel; eigentlich laute Grölmusik für furchtbar halten und deswegen in einer Szenekneipe versanden; eigentlich zu alt sein für den Quatsch und deswegen nicht vor der Sperrstunde über den Heimweg nachdenken; es eigentlich besser wissen hätten sollen und deswegen nichts besser machen. Die Flasche Rufpolitur ist leer.)

Ach, was soll’s.

Guten Morgen.

MusikNetzfundstücke
Schwarzkopierer schwarzmalen gegen das Internet

Ein reichlich überzogenes Verfahren, seinem Ärger über das Verhalten manches Musikkonsumenten Luft zu machen, wählte Trent Reznor (Nine Inch Nails), der in einem Interview im Januar 2017 seinen Missmut darüber beklagte, dass das Internet zu vielen Leuten eine zu dominante Plattform für destruktive Musikkritik biete, bei der Verteilung eines Bonuspakets für Käufer der im vergangenen Jahr erschienenen EP „Not the Actual Events“: Dieses scheint allerlei Text- und Bildbeilagen zu enthalten, überdies ein eigenartiges schwarzes Pulver, das die Fingerabdrücke desjenigen, der das Paket öffnet, unweigerlich auf seinen Inhalt bannt. Es ließe sich also durchaus daraus folgern, dass hier ein besonders effizienter Kopierschutz vorliegt: Wer versucht, den Inhalt auf so Tauschbörsen hochzuladen, hinterlässt dabei auch eindeutige Spuren, die unter Umständen seine eindeutige Identifizierung erlauben.

Gerüchten zufolge hat Sony Entertainment, die Firma, die in ihren Gefechten gegen unlizenzierte Medienkopien auch schon mal mit Schadsoftware, Kundentäuschung und juristischen Repressionen arbeitet, diese Idee begeistert aufgenommen und plant in kommende CD-Veröffentlichungen ihrer Künstler winzige Skalpelle zu integrieren, um abfotografierte CD-Cover anhand der Blutspuren eindeutig zurückverfolgen zu können.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusikPolitik
Dot Legacy – Story of Fame

Kann ich rauskommen?Es ist Montag, aber man muss nicht raus, was ihm, dem Montag, beinahe jeden Schrecken raubt (außer vielleicht: wieder beginnt ein Tag des Lebens, an dem man eigentlich so vieles könnte, wenn man nur wollte). Ein Tag ohne Grund, ohne Mond noch dazu.

Apropos Können und Wollen: Das börsennotierte Unternehmen Siemens erwägt in wenigen Jahren Fahrzeugfabriken ganz ohne lästige, weil kostenintensive menschliche Arbeitskräfte zu betreiben, was in diese Zeit des politischen Aufschwungs der SPD (die, Ironie der Geschichte, eigentlich schon immer im Betriebsrat von Siemens herumsaß und Luft wegatmete) prima passt. Von einem börsennotierten Unternehmen ohne lästige, weil kostenintensive menschliche Vorstände ist bis auf Weiteres aber nur zu träumen.

Genug Zeit bleibt bis dahin also, um die frei erfundene Gehaltslücke zwischen Mann und Frau, Quatsch: schlechter und besser qualifiziertem Arbeitnehmer endlich zu schließen. Zahlen wir doch einfach jedem dahergelaufenen Kasper grundlos das gleiche Geld, wie es die sozialromantische und leistungsfeindliche Träumerei von einem „bedingungslosen Grundeinkommen“ suggeriert, und freuen wir uns auf eine Welt, in der auf eine anständige Arbeit keiner mehr Lust hat. Übrig bleiben wie gewohnt die Doofen.

Überleitung? Später vielleicht. Zitat jedenfalls: Der DHL-Paketbote [müsse] also DHL Paketbote heißen, damit man ihn weltweit einheitlich falsch schreiben kann. So weit ist es schon. Wofür ist so ein Schulabschluss mit Deutschpflicht eigentlich noch gut, wenn ihn später keiner mehr benutzt?

Was aber dringend benutzt werden sollte, schon zwecks Beruhigung: Musik.

Dot Legacy – Story Of Fame

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusikNetzfundstückePolitik
Liegengebliebenes vom 18. März 2017

Verfassungsfeind des Tages: Heiko Maas, SPD.


Na, ist auch euer Tag zu kurz, um all die spannenden „neuen“ Fernseh- oder Internetserien angemessen aufmerksam verfolgen zu können? Dann guckt sie doch einfach doppelt so schnell!


Brüller des Tages: Das gleiche Mozilla, das erst neulich gegen den Willen der meisten Stammnutzer und langjährigen Erweiterungsentwickler XUL aus Firefox zu entfernen ankündigte, bittet diese Entwickler jetzt in einem Blogeintrag darum, sie mögen doch bitte an das Wohl der Nutzer denken.


Jens Balzer („SPIEGEL ONLINE“) mag Rammstein nicht und hält die Band (womöglich deshalb) für eine Keimzelle des Rechtspopulismus, nennt Rammsteins offensichtliche musikalische Vorbilder Laibach aber im gleichen Text „eine radikale, aus den Siebzigerjahren bis in die Gegenwart reichende Avantgarde, von der die Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts ebenso reflektiert wurden wie das totalitäre Potenzial der postmodernen Massenmedien“. Wofür ich derweil Jens Balzer halte, möge sich der in Kraftausdrücken bewanderte Leser bitte selbst ausmalen.


Türkische Viehproduzenten wollen niederländische Kühe protestierend in deren Heimatland zurückschicken. Niederländische Ziegen dürfen, wie man hört, jedoch auch weiterhin in der Türkei bleiben.


Heute vor 10 Jahren: Niedersachsens Pferdeapfelkampagne.


Wie lange braucht so ein Linux eigentlich, um eine kritische Sicherheitslücke zu finden und zu beheben? Ist ja freie Software und das alles. Ist ja sicherer als Windows und so. – Richtig: über sieben Jahre.

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Krobak – Broken // Diktatoren mit Bärten, Frauen mit Nägeln

Frühling, oh nein.Es ist Montag, ein Tag, von dem eine Entfremdung lohnenswerter scheint als von anderen Dingen des Lebens. Es wird Frühling, die Hormone treiben Unfug und das Draußensein wird so auch ästhetisch wieder zur Qual. Wohl dem, der drin sein kann und sich wundern.

Keineswegs drin ist EU-Beitrittskandidat Türkei, dessen Häuptlings ständige Präsidentenschnappatmung dazu führte, dass die dort Verfolgten auch hierzulande nicht mehr gern gesehen sind: Das Innenministerium bekämpft auch weiterhin die Gegner des Islamischen Staates, auf dass der Friede zwischen Deutschland und der Türkei auch weiterhin nicht in Frage stehen möge. Richtig machen es unsere westlichen Nachbarn, die sich traditionell nur sehr ungern von einem bärtigen Diktator auf den Tulpennasen herumtanzen lassen. Nach der anstehenden Wahl in den Niederlanden, der der Rechtspopulismus nun wohl gelassen entgegen blicken kann, wird es dann wieder allerorten von den Dächern trompeten, die Nazis seien zu beliebt geworden. Wohl dem, der Ursache und Wirkung nicht der Wirtschaft zuliebe verwechselt.

Von der Weltöffentlichkeit zum Glück weitgehend unbemerkt wurde aus dem Kreise derer Twitterfrauen, deren bisherige Lebensleistung (in erster Linie nämlich diverse Twitter-Hashtags) auf dem Geld anderer Leute errichtet wurde und die sich medial bislang vor allem mit gemeinsamem Niederbrüllen derer, die besser sind als sie, hervorgetan haben, das „Feministische Netzwerk“ gegründet. Interessant am Logo des „Feministischen Netzwerks“ finde ich, dass es drei stilisierte Hände von benagellackten und vor allem dünnen Frauen zeigt. Sind dicke Frauen ohne Nagellack (oder gar, buäh!, feministische Männer) in Feministenkreisen unbeliebt? Ich finde das ziemlich unterdrückend von den beteiligten Frauen, die damit zweifelsohne dem Patriarchat in die Hände spielen.

Mindestens genau so unangenehm übrigens: Ohrwürmer von erschreckend okayer Popmusik, die man eigentlich gar nicht mögen dürfte. Schnell ein Gegenmittel!

Krobak – Broken (official video)

Guten Morgen.

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Godspeed You! Black Emperor – Moya

Es ist Montag; was für ein grauenvoller Tag, was für ein grauenvoller Start in eine Woche, deren Zufriedenstellung so von vornherein zum Scheitern verurteilt scheint, weil selbst der Sonntag nur so lange erfreulich schien, bis man versehentlich aufwachte. So wird das nichts mit der Weltherrschaft und/oder der Rückkehr der Zweisamkeit; geht das nicht auch vom Bett aus?

Apropos Weltherrschaft: Für die „taz“ hat die einstige Beschriftungsbeauftragte der Berliner Piratenpartei, Anne Helm, ihre politische Qualifikation einmal zusammengefasst, nämlich ihr Geschlecht: „Auch als Frau fühlt sie sich bei den Linken besser aufgehoben als in der männerdominierten Piratenpartei“, na, mehr muss man nicht können bei den Linken. Selbstverständlich wird netzpolitische Expertise auch auf politischer Ebene weiterhin gebraucht, und das auch, so lange Medien wie „SPIEGEL ONLINE“ bei Formulierungen wie „bei Stadtverwaltung und Internetnutzern“, als seien dies zwei einander ausschließende Gruppen, kein Knoten im Kopf platzt. Ich schreibe ja auch nicht „Journalisten und Leute vom ‚SPIEGEL'“; obwohl das allmählich doch angemessen zu erscheinen beginnt.

Derselbe „SPIEGEL“ allerdings, dessen Onlineredaktion sich solche Texte ausdenkt und sich dafür nicht einmal zu schämen scheint:

Der US-Präsident will den Verteidigungshaushalt um 54 Milliarden Dollar (…) erhöhen. (…) Er fügte hinzu: „Wir müssen wieder Kriege gewinnen.“

Genau so habe ich mir „Verteidigung“ ja immer vorgestellt; und der inländische Verteidigungsetat, der im Inland kaum Anwendung findet, dürfte allenfalls in absoluten Zahlen weniger furchtbar sein. Verteidigt wird sich meist gegen die, die sich wehren. Warum man im offiziellen Duktus dann nicht gleich vom „Friedensetat“ spricht, wenn es ohnehin nur um die größtmögliche Verachtung der Betroffenen geht, ist mir nicht klar.

Klar ist aber: Es ist Montag. Ein Montag sollte nicht nur damit beginnen, sich aufzuregen, sondern auch und vor allem mit etwas Musik.

Godspeed You! Black Emperor Live at The Metropolis – Moya (Gorecki) – Par La Bande

Guten Morgen.

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Kurzkritik: Owls Are Not – isnot

Kann ich euch zwischendurch für ein wenig bemerkenswerte Musik begeistern?

Ha, was für eine Frage, deshalb seid ihr ja hier. Was haltet ihr von Eulen? Ihr mögt Eulen? Dann geduldet euch noch ein wenig, denn hier geht es um eine Band, die sich jeden Zusammenhang mit Eulen verbittet, nämlich um „Owls Are Not“, eine dreiköpfige Musikgruppe aus Polen. Polen kennt man sonst als Heimat von nicht ganz uninteressanten Vertretern des ausladenden Progressive Rocks wie SBB und Riverside, Owls Are Not aber sind in ihrem Stil so eigen wie ihr Name, statt Gelegenheitswohlklang wird hier die Freude am Geräusch geradezu lustvoll ausgelebt.

Owls Are Not – Isnot a Human (Atypeek Music)

Auf „isnot“, ihrem derzeit vorletzten Studioalbum (es folgte im Januar dieses Jahres das „Malawian Crash Mixtape 1“), gibt es Stücke namens „-“ (davon gleich drei), „isnot a human“, „isnot a dog“ und vergleichbare zu hören, die im Wesentlichen höchst verstörende Geräuschcollagen, angereichert mit Bass, Elektronik und Schlagzeug sowie weiterer Sprachbeigabe, aus mancherlei Quelle sind, surreal in ihrer Beschaffenheit und von easy listening angenehm weit entfernt.

Owls Are Not – isnot a dog (Atypeek Music)

Selbstverständlich hat all das auch eine Botschaft; so erzählt „arc de triomphe“ etwa, glaubt man der offiziellen Beschreibung, die Geschichte einer apokalyptischen Welt, das eröffnende „la prison“ indes berichtet von einem beklemmenden Gefühl des Eingesperrtseins durch einen Überfluss an Informationen. Folgerichtig wirkt die schiere breite Geräuschmasse, die das Album maßgeblich dominiert, auf unvorbereitete Ohren wie etwa die meinen zunächst etwas befremdlich, sie überrollt den Hörer mit Größe und Dichte. Ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber ich meine hier Überragendes auszumachen.

Während ich also noch ein wenig darüber sinniere, was es genau ist, das mich an „isnot“ in geradezu nennenswert positivem Maße beeindruckt, empfehle ich für Stream und Kauf das gewohnte Bandcamp.com. Möge es auch euch einen Dienst erweisen.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Boris – Pink

Ausschlafen statt Karneval!Es ist Montag, Rosenmontag noch dazu. In voraussichtlich drei Tagen sind die Jecken und die Narren wieder brave Biedermänner, bis dahin jedoch erduldet Mitmensch Rational still leidend, dass die Illusion, die Narretei beschränke sich auf den Bereich zwischen Mainz und Köln, nicht allzu lange anhielt. Uff-tata. Sich mindestens einmal im Jahr so richtig zum Affen zu machen scheint vielen Menschen sehr wichtig zu sein. Können die nicht stattdessen in die Politik gehen oder so? – Ausgelassenheit war durchaus schon mal leichter. Was fehlt: Gewohntes. Verdammte Menschlichkeit. Wird sich nie durchsetzen.

Apropos Politik: Laut Kommentatoren auf tagesspiegel.de stehe ich auf einer ideologischen Stufe mit Cicero (dort schreibt u.a. Kai Diekmann) und irgendwelchen Männerrechtsblogs. Das ehrt mich einerseits, irritiert mich andererseits jedoch. Ich habe mir die kruden Vorschläge der Feministen (man erlaube mir eine Pauschalisierung zu dramaturgischen Zwecken) ja keineswegs ausgedacht, um damit irgendwas zu beweisen, das können die schon ganz allein; sei es nun die steile These, Arbeitnehmer müssten irgendwen „repräsentieren“, sei es nun das große Ganze, wenn Feminismus und politische Korrektheit sich gemeinsam in Realsatire üben, wenn etwa die einschlägig bekannte Amadeu-Antonio-Stiftung fremde (US-amerikanische) Kultur dazu missbraucht, die Adaption fremdkultureller Bräuche anzuprangern. Ich habe mir das wirklich nicht ausgesucht, ich nehme es, die Hand fest an der Stirn, einfach nicht ganz kommentarlos zur Kenntnis.

Und sonst so? Die Hannoveraner Hipsterbude „t3n“, die offen fordert, man möge doch bitte auf ihrer Website essenzielle Sicherheitsmechanismen des Browsers (zum Beispiel die Werbeblockade) abschalten, konstatiert, dass die Rettung des dezentralen Netzes dringend notwendig sei, also eine Rückbesinnung auf ein Web (ich mag jetzt nicht schon wieder den Unterschied zwischen „dem Netz“ und „dem Web“ erklären müssen) ohne allgegenwärtige Großkonzerne wie Google; nicht ohne allein auf der Seite, auf der diese Forderung zu finden ist, laut Messung ganze zehn Scripts und sonstige Verfolger von Doubleclick, Google, Facebook und so weiter einzubinden. Die Autoren von „t3n“ sind Teil des Problems, dessen Lösung sie fordern. Ich hätte da ja einen Vorschlag, wie sie das Netz besser machen könnten, aber ich fürchte, dieser bliebe ungehört.

Was hingegen dringend gehört werden sollte: Musik.

Boris — "Pink" — MTV Iggy Live

Guten Morgen.