Archiv für die Kategorie ‘In den Nachrichten’.

Wenn ich Nachrichten sehe, höre oder lese, muss ich darüber schreiben, sonst werde ich sauer.

In den NachrichtenPiratenparteiPolitik
Das Wesen einer Wahl: Ralf Stegner und die Piratenpartei treffen sich im Schulzbus

„Wahl, die: Entscheidung zwischen zwei oder mehr Möglichkeiten, Dingen, Personen, Auswahl“
Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache


Am vergangenen Sonntag trat Martin Schulz, dessen Beliebtheit wohl nur damit zu erklären ist, dass er wahlweise nicht Angela Merkel oder nicht Sigmar Gabriel ist, mit 605 von 605 möglichen Delegiertenstimmen letzteres Herrn Nachfolge an der Spitze der ehemaligen Arbeiter- und heutigen Arbeitgeberpartei SPD an. Medial wurde das breitflächig so oder ähnlich dargestellt:

Ein Bundesparteitag wählte den 61-Jährigen in Berlin ohne Gegenstimme zum Nachfolger von Sigmar Gabriel. Es ist das beste Ergebnis der Nachkriegszeit.

Lassen wir den üblichen SPIEGEL’schen Superlativknaller im zweiten Satz einmal außer Acht, denn auch vor 1945 hat dieser gleichwie heilige Martin Schulz niemals mehr als 100 Prozent irgendwelcher Stimmen bekommen, seine Partei nach 1945 in Ostdeutschland auch nur, als sie schon SED hieß, so lautet die wesentliche Information, dass die SPD abermals ihren Vorsitzenden mit einer derart überzogenen Begeisterung ausgetauscht hat, als seien die bisherigen Wahl- und Umfrageergebnisse der rechtspopulistischen SPD allein die Schuld des nunmehr im Außenministerium ein überzogenes Gehalt beziehenden ehemaligen Vorsitzenden und nicht etwa der menschenfeindlichen Politik, die von der Parteibasis mitgetragen und von Parteiministern wie Andrea Nahles und Frank-Walter Steinmeier aktiv vorangetrieben wurde und wird.

Zusätzlich aber ist hier von einer „Wahl“ die Rede. Dass das sozialdemokratische Verständnis von diesem Grundpfeiler einer Demokratie nicht das beste ist, ist spätestens seit Ende August 2006, als der damalige SPD-Vizekanzler und Minister für „Arbeit“ und „Soziales“, Franz Müntefering, postulierte, es sei „unfair“, eine Koalition an ihren Wahlversprechen zu messen, nur noch von jenen glaubwürdig zu leugnen, die zu spät geboren sind und/oder im Wahljahr für ein Medium wie „SPIEGEL ONLINE“ irgendwelche Artikel schreiben müssen.

Ja, 2017 ist wieder ein Wahljahr, ein Superwahljahr gar, und die Angst vor der AfD ist so groß, dass sich sogar das ehemalige Fachmagazin „heise online“ nicht zu blöd vorkommt, in einem Artikel darauf hinzuweisen, dass die Piratenpartei auch ganz bestimmt tot ist. Die für den nächsten Schritt nötige geistige Transferleistung zu erbringen wäre, zugegeben, für den durchschnittlichen Internetjournalisten auch wirklich zu viel verlangt. Aber auch sonst scheint die Piratenpartei – mit der AfD will man es sich offenkundig nicht allzu sehr verscherzen, Rechtspopulisten sind gern beisammen – gerade ein willkommenes Ziel von Leuten zu sein, denen die Demokratie nicht besonders nahe ist. Martin Schulz‘ Stellvertreter Ralf Stegner etwa pöbelte auf Twitter darüber, dass ein Mitglied der Piratenpartei („1%Partei“, Rechtschreibung wie im Original) die zahlreichen Nebeneinkünfte von Berufspolitikern als das Vollmachen von Taschen bezeichnete, weil sich so, so Ralf Stegner, sonst nur „Demokratiefeinde“ und „Rechtspopulisten“ ausdrückten, womit er offensichtlich keineswegs sich selbst meinte.

Nun entlarvt das anscheinend diffamierende Betonen der momentanen Umfragewerte der Piratenpartei, als sei eine Partei mit wenigen Stimmen plötzlich ein weniger wertvolles Mitglied des demokratischen Spektrums und als sollten ihre Mitglieder darum besser schweigen, Ralf Stegner, wenn schon nicht unbedingt als einen Rechtspopulisten, wenigstens als einen Demokratiefeind, womit er in der SPD gut aufgehoben ist. War die Kurznachricht auf Twitter womöglich gar anerkennend gemeint? Wird Twitter das jemals erfahren?

Und wer war in diesem hochdemokratischen Komplex SPD in der so genannten „Wahl“ des neuen Parteivorsitzenden eigentlich der Gegenkandidat von Martin Schulz?

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Dot Legacy – Story of Fame

Kann ich rauskommen?Es ist Montag, aber man muss nicht raus, was ihm, dem Montag, beinahe jeden Schrecken raubt (außer vielleicht: wieder beginnt ein Tag des Lebens, an dem man eigentlich so vieles könnte, wenn man nur wollte). Ein Tag ohne Grund, ohne Mond noch dazu.

Apropos Können und Wollen: Das börsennotierte Unternehmen Siemens erwägt in wenigen Jahren Fahrzeugfabriken ganz ohne lästige, weil kostenintensive menschliche Arbeitskräfte zu betreiben, was in diese Zeit des politischen Aufschwungs der SPD (die, Ironie der Geschichte, eigentlich schon immer im Betriebsrat von Siemens herumsaß und Luft wegatmete) prima passt. Von einem börsennotierten Unternehmen ohne lästige, weil kostenintensive menschliche Vorstände ist bis auf Weiteres aber nur zu träumen.

Genug Zeit bleibt bis dahin also, um die frei erfundene Gehaltslücke zwischen Mann und Frau, Quatsch: schlechter und besser qualifiziertem Arbeitnehmer endlich zu schließen. Zahlen wir doch einfach jedem dahergelaufenen Kasper grundlos das gleiche Geld, wie es die sozialromantische und leistungsfeindliche Träumerei von einem „bedingungslosen Grundeinkommen“ suggeriert, und freuen wir uns auf eine Welt, in der auf eine anständige Arbeit keiner mehr Lust hat. Übrig bleiben wie gewohnt die Doofen.

Überleitung? Später vielleicht. Zitat jedenfalls: Der DHL-Paketbote [müsse] also DHL Paketbote heißen, damit man ihn weltweit einheitlich falsch schreiben kann. So weit ist es schon. Wofür ist so ein Schulabschluss mit Deutschpflicht eigentlich noch gut, wenn ihn später keiner mehr benutzt?

Was aber dringend benutzt werden sollte, schon zwecks Beruhigung: Musik.

Dot Legacy – Story Of Fame

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusikNetzfundstückePolitik
Liegengebliebenes vom 18. März 2017

Verfassungsfeind des Tages: Heiko Maas, SPD.


Na, ist auch euer Tag zu kurz, um all die spannenden „neuen“ Fernseh- oder Internetserien angemessen aufmerksam verfolgen zu können? Dann guckt sie doch einfach doppelt so schnell!


Brüller des Tages: Das gleiche Mozilla, das erst neulich gegen den Willen der meisten Stammnutzer und langjährigen Erweiterungsentwickler XUL aus Firefox zu entfernen ankündigte, bittet diese Entwickler jetzt in einem Blogeintrag darum, sie mögen doch bitte an das Wohl der Nutzer denken.


Jens Balzer („SPIEGEL ONLINE“) mag Rammstein nicht und hält die Band (womöglich deshalb) für eine Keimzelle des Rechtspopulismus, nennt Rammsteins offensichtliche musikalische Vorbilder Laibach aber im gleichen Text „eine radikale, aus den Siebzigerjahren bis in die Gegenwart reichende Avantgarde, von der die Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts ebenso reflektiert wurden wie das totalitäre Potenzial der postmodernen Massenmedien“. Wofür ich derweil Jens Balzer halte, möge sich der in Kraftausdrücken bewanderte Leser bitte selbst ausmalen.


Türkische Viehproduzenten wollen niederländische Kühe protestierend in deren Heimatland zurückschicken. Niederländische Ziegen dürfen, wie man hört, jedoch auch weiterhin in der Türkei bleiben.


Heute vor 10 Jahren: Niedersachsens Pferdeapfelkampagne.


Wie lange braucht so ein Linux eigentlich, um eine kritische Sicherheitslücke zu finden und zu beheben? Ist ja freie Software und das alles. Ist ja sicherer als Windows und so. – Richtig: über sieben Jahre.

In den Nachrichten
Kurz notiert zur schamanischen Techniker-Krankenkasse

Dieser Tage lag ein Thema im Trend, das man sonst nicht in unserer Filterblase der durchschnittlich gesunden Gebildeten mittleren Alters erwartet hätte, nämlich Krankenkassen – nicht irgendeine Krankenkasse, versteht sich, sondern Deutschlands derzeit mitgliederstärkste Krankenkasse, nämlich die forschungskritische Techniker-Krankenkasse, deren Twitterbeauftragter forsch fragte, warum denn diese Krankenkasse nicht die Mitgliedsbeiträge auch für die Förderung von Homöopathie verschwenden dürfe und ob es etwa wissenschaftliche Belege dafür gebe, dass Homöopathie unwirksam sei, was, wie sich schnell herausstellte, natürlich der Fall ist, aber der eigentliche Skandal hierbei ist offensichtlich, dass sich hier eine Krankenkasse für die Finanzierung von Quatsch damit herausredet, dass Homöopathie gerade beliebt und verbreitet sei, während nachweislich tatsächlich hilfreiche, beliebte und verbreitete Heilmittel wie medizinisches Cannabis (wie auch neumodisches Zeug wie Brillen, Zahnersatz und so weiter) höchstens nach Zuzahlung im Leistungsumfang liegen, weil da weniger Leute dran glauben; und vielleicht ist das Konzept der gesetzlichen Krankenkassen auch einfach eines, über das man in politischem Rahmen einmal ganz unverbindlich nachdenken sollte.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt: Der Schut im Lande des Bontwerkers

Was macht eigentlich ein Präsident eines vorgeblich weltlich-islamischen Landes, das sich in den letzten Jahren unter seiner eisernen Faust vor allem durch die Bekämpfung ethnischer Minderheiten, das Wegsperren gleichwie bedenklicher Pressevertreter, die allmähliche Monarchisierung und ein permanentes Beschimpfen von Ländern, aus denen verhaltene Kritik ertönt, als Nationalsozialisten oder deren Nachkommen, hervorgetan hat, wenn es einem der übrigen Länder auch mal reicht mit dem kranken Mann am Bosporus?

Richtig:

Der türkische Präsident Erdogan will das Auftrittsverbot für seine Minister in den Niederlanden vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bringen.

Was auch sonst? :aufsmaul:

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusikPolitik
Krobak – Broken // Diktatoren mit Bärten, Frauen mit Nägeln

Frühling, oh nein.Es ist Montag, ein Tag, von dem eine Entfremdung lohnenswerter scheint als von anderen Dingen des Lebens. Es wird Frühling, die Hormone treiben Unfug und das Draußensein wird so auch ästhetisch wieder zur Qual. Wohl dem, der drin sein kann und sich wundern.

Keineswegs drin ist EU-Beitrittskandidat Türkei, dessen Häuptlings ständige Präsidentenschnappatmung dazu führte, dass die dort Verfolgten auch hierzulande nicht mehr gern gesehen sind: Das Innenministerium bekämpft auch weiterhin die Gegner des Islamischen Staates, auf dass der Friede zwischen Deutschland und der Türkei auch weiterhin nicht in Frage stehen möge. Richtig machen es unsere westlichen Nachbarn, die sich traditionell nur sehr ungern von einem bärtigen Diktator auf den Tulpennasen herumtanzen lassen. Nach der anstehenden Wahl in den Niederlanden, der der Rechtspopulismus nun wohl gelassen entgegen blicken kann, wird es dann wieder allerorten von den Dächern trompeten, die Nazis seien zu beliebt geworden. Wohl dem, der Ursache und Wirkung nicht der Wirtschaft zuliebe verwechselt.

Von der Weltöffentlichkeit zum Glück weitgehend unbemerkt wurde aus dem Kreise derer Twitterfrauen, deren bisherige Lebensleistung (in erster Linie nämlich diverse Twitter-Hashtags) auf dem Geld anderer Leute errichtet wurde und die sich medial bislang vor allem mit gemeinsamem Niederbrüllen derer, die besser sind als sie, hervorgetan haben, das „Feministische Netzwerk“ gegründet. Interessant am Logo des „Feministischen Netzwerks“ finde ich, dass es drei stilisierte Hände von benagellackten und vor allem dünnen Frauen zeigt. Sind dicke Frauen ohne Nagellack (oder gar, buäh!, feministische Männer) in Feministenkreisen unbeliebt? Ich finde das ziemlich unterdrückend von den beteiligten Frauen, die damit zweifelsohne dem Patriarchat in die Hände spielen.

Mindestens genau so unangenehm übrigens: Ohrwürmer von erschreckend okayer Popmusik, die man eigentlich gar nicht mögen dürfte. Schnell ein Gegenmittel!

Krobak – Broken (official video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenNerdkrams
Überraschende Erkenntnisse aus Vault 7

Es gibt wieder einmal einen neuen Spionagefall, den einen Spionageskandal zu nennen sich allenfalls diejenigen Medien und -konsumenten trauen, deren Blauäugigkeit diese Spionage überhaupt erst ermöglicht: Russische Hacker Informanten unklarer Herkunft haben der Enthüllungsplattform WikiLeaks geheime Dokumente zugesteckt, die den US-amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA überraschenderweise auf eine mit der, auf der die NSA in der öffentlichen Wahrnehmung gerade steht, vergleichbare Stufe heben bzw. senken.

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In den NachrichtenNerdkrams
Reklame, verlegerisch bestätigtes Bollwerk des guten Linksseins

Wisst ihr, warum ihr die sog. „Schuld“ daran tragt, dass Donald Trump der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten wurde?

Weil ihr Werbung blockiert. Denn nur durch das Angucken von Werbung ist die rechte Gefahr noch zu bändigen. Doch, wirklich!

Und Reklame sei immerhin eine wertvolle Ergänzung der journalistischen Qualitätserzeugnisse:

„Anzeigen sind Nachrichten – es sind inhaltliche Informationen im Kernbereich der Pressefreiheit.“ Unabhängig von der Qualität ihres Beitrages hätten „die Annoncen einen informations-, meinungs- und bildungsfördernden Einfluss auf den Leser hinsichtlich des jeweiligen Sachgebietes“.

So weit ist es schon gekommen mit dem Journalismus, dass er bunter Schadsoftware inhaltliche Qualität auf wenigstens eigenem Standard bescheinigt. Werbung gucken gegen Trump.

Mir gehen allmählich die Emotionsausdrücke aus.


Nachtrag vom 8. März 2017, bzw.: Die Trojaner, die Sie sich möglicherweise wegen unserer Lügen einfangen, sind Ihr Problem, nicht unseres.

In den NachrichtenWirtschaft
Traumberuf Arbeitsloser

Was die gegenwärtige Lichtgestalt der Hartz-IV-, Agenda-2010- und Angriffskrieg-im-Kosovo-Partei SPD, die seit lächerlichen 19 Jahren mit nur vier Jahren Unterbrechung das Arbeitsministerium („für Arbeit und Soziales“, so die offizielle Bezeichnung) besetzt, übrigens sonst so fordert: Eine Weiterbildung zum Langzeitarbeitslosen. :D

Schulz will längeres Arbeitslosengeld - Laut seinem Plan sollen sich Arbeitslose dafür weiterbilden lassen

Denn, Wortspiel einmal beiseite gelassen, die Bilanz aus 19 Jahren SPD-Regierung lautet eben auch und vor allem Fachkräftemangel – den Fachkräften mangelt es an Arbeit und damit an Geld. Dank eines florierenden Niedriglohnsektors und der praktischen Einrichtung „Hartz IV“, dank derer man selbst jene, denen es über Jahre hinweg an fast allem mangelt, nicht mehr als bitteschön in Lohn und Brot zu versetzende Arme berücksichtigen muss, kann eine Partei, die dieselbe soziale Gerechtigkeit, die sie beinahe jahrzehntelang systematisch abgeschafft hat, alle Wahljahre wieder propagiert, in den einschlägigen Umfragen große Erfolge bei denen erzielen, die sich eine Veränderung – Hauptsache, mal ’n anderer Kanzler – erhoffen, ohne dass diese Jenigen auch nur eine vage Vorstellung davon haben, dass das politische Klima, das sie zu Ausgegrenzten gemacht hat, von jenen drei Parteien gedüngt und gegossen wurde, die auch dieses Jahr wieder von Aufbruch, Zukunft und Sozialsystem quatschen, nämlich von der Regierung aus SPD und Grünen einer- und der Regierung aus CDU, CSU und SPD andererseits.

Dass, wer aus Überzeugung statt aus taktischen Gründen wählt, seine Stimme quasi verschenkt, ist ein Märchen, dessen Ausgang die Entrechtungsparteien längst perfektioniert haben und an dem sie auch in einer Zeit, in der eine gleichwie politisch einfarbige Partei der Unzufriedenen sich in die Landtage facebooken lässt, festhalten, denn es hat sich – Schulz! Schulz! – als wirksame Waffe gegen bewegte Graswurzelei bewährt.

Vermutlich, damit der Russe nicht gewinnt.

In den NachrichtenMontagsmusik
Godspeed You! Black Emperor – Moya

Es ist Montag; was für ein grauenvoller Tag, was für ein grauenvoller Start in eine Woche, deren Zufriedenstellung so von vornherein zum Scheitern verurteilt scheint, weil selbst der Sonntag nur so lange erfreulich schien, bis man versehentlich aufwachte. So wird das nichts mit der Weltherrschaft und/oder der Rückkehr der Zweisamkeit; geht das nicht auch vom Bett aus?

Apropos Weltherrschaft: Für die „taz“ hat die einstige Beschriftungsbeauftragte der Berliner Piratenpartei, Anne Helm, ihre politische Qualifikation einmal zusammengefasst, nämlich ihr Geschlecht: „Auch als Frau fühlt sie sich bei den Linken besser aufgehoben als in der männerdominierten Piratenpartei“, na, mehr muss man nicht können bei den Linken. Selbstverständlich wird netzpolitische Expertise auch auf politischer Ebene weiterhin gebraucht, und das auch, so lange Medien wie „SPIEGEL ONLINE“ bei Formulierungen wie „bei Stadtverwaltung und Internetnutzern“, als seien dies zwei einander ausschließende Gruppen, kein Knoten im Kopf platzt. Ich schreibe ja auch nicht „Journalisten und Leute vom ‚SPIEGEL'“; obwohl das allmählich doch angemessen zu erscheinen beginnt.

Derselbe „SPIEGEL“ allerdings, dessen Onlineredaktion sich solche Texte ausdenkt und sich dafür nicht einmal zu schämen scheint:

Der US-Präsident will den Verteidigungshaushalt um 54 Milliarden Dollar (…) erhöhen. (…) Er fügte hinzu: „Wir müssen wieder Kriege gewinnen.“

Genau so habe ich mir „Verteidigung“ ja immer vorgestellt; und der inländische Verteidigungsetat, der im Inland kaum Anwendung findet, dürfte allenfalls in absoluten Zahlen weniger furchtbar sein. Verteidigt wird sich meist gegen die, die sich wehren. Warum man im offiziellen Duktus dann nicht gleich vom „Friedensetat“ spricht, wenn es ohnehin nur um die größtmögliche Verachtung der Betroffenen geht, ist mir nicht klar.

Klar ist aber: Es ist Montag. Ein Montag sollte nicht nur damit beginnen, sich aufzuregen, sondern auch und vor allem mit etwas Musik.

Godspeed You! Black Emperor Live at The Metropolis – Moya (Gorecki) – Par La Bande

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt: Grüne Agendaverdreher

Neues aus der Reihe „Die Grünen waren schon immer gegen (Sache), haben sich aber aufgrund parlamentarischer Zwänge anders entschieden“:

Die Spitzenkandidatin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt will schon 2003 für einen Mindestlohn gekämpft haben. (…) Die Doppelspitze im Parlament warb stattdessen voller Überzeugung für die Agenda 2010. Sie begründe „ein neues Verständnis von Gerechtigkeit und das richtige Verhältnis von Solidarität und Freiheit, von Eigenverantwortung und Gemeinsinn“, schrieb Göring-Eckardt im Mai 2003.

Die größte Hoffnung für SPD und Grüne ist das kurze Gedächtnis ihrer Wähler.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Boris – Pink

Ausschlafen statt Karneval!Es ist Montag, Rosenmontag noch dazu. In voraussichtlich drei Tagen sind die Jecken und die Narren wieder brave Biedermänner, bis dahin jedoch erduldet Mitmensch Rational still leidend, dass die Illusion, die Narretei beschränke sich auf den Bereich zwischen Mainz und Köln, nicht allzu lange anhielt. Uff-tata. Sich mindestens einmal im Jahr so richtig zum Affen zu machen scheint vielen Menschen sehr wichtig zu sein. Können die nicht stattdessen in die Politik gehen oder so? – Ausgelassenheit war durchaus schon mal leichter. Was fehlt: Gewohntes. Verdammte Menschlichkeit. Wird sich nie durchsetzen.

Apropos Politik: Laut Kommentatoren auf tagesspiegel.de stehe ich auf einer ideologischen Stufe mit Cicero (dort schreibt u.a. Kai Diekmann) und irgendwelchen Männerrechtsblogs. Das ehrt mich einerseits, irritiert mich andererseits jedoch. Ich habe mir die kruden Vorschläge der Feministen (man erlaube mir eine Pauschalisierung zu dramaturgischen Zwecken) ja keineswegs ausgedacht, um damit irgendwas zu beweisen, das können die schon ganz allein; sei es nun die steile These, Arbeitnehmer müssten irgendwen „repräsentieren“, sei es nun das große Ganze, wenn Feminismus und politische Korrektheit sich gemeinsam in Realsatire üben, wenn etwa die einschlägig bekannte Amadeu-Antonio-Stiftung fremde (US-amerikanische) Kultur dazu missbraucht, die Adaption fremdkultureller Bräuche anzuprangern. Ich habe mir das wirklich nicht ausgesucht, ich nehme es, die Hand fest an der Stirn, einfach nicht ganz kommentarlos zur Kenntnis.

Und sonst so? Die Hannoveraner Hipsterbude „t3n“, die offen fordert, man möge doch bitte auf ihrer Website essenzielle Sicherheitsmechanismen des Browsers (zum Beispiel die Werbeblockade) abschalten, konstatiert, dass die Rettung des dezentralen Netzes dringend notwendig sei, also eine Rückbesinnung auf ein Web (ich mag jetzt nicht schon wieder den Unterschied zwischen „dem Netz“ und „dem Web“ erklären müssen) ohne allgegenwärtige Großkonzerne wie Google; nicht ohne allein auf der Seite, auf der diese Forderung zu finden ist, laut Messung ganze zehn Scripts und sonstige Verfolger von Doubleclick, Google, Facebook und so weiter einzubinden. Die Autoren von „t3n“ sind Teil des Problems, dessen Lösung sie fordern. Ich hätte da ja einen Vorschlag, wie sie das Netz besser machen könnten, aber ich fürchte, dieser bliebe ungehört.

Was hingegen dringend gehört werden sollte: Musik.

Boris — "Pink" — MTV Iggy Live

Guten Morgen.

In den NachrichtenNerdkrams
Das Internet kaputtgesunden mit Sitte und Anstand

Unter dem, nun, Künstlernamen „Jigsaw“ – zu Deutsch „Puzzle“ – erprobte in der „Saw“-Filmreihe ein offenbar sadistischer Täter eine Serie reichlich unkonventioneller Tötungsarten. „Jigsaw“ ist außerdem der Name der Erfindergruppe („Think Tank“, zu Deutsch „Denkpanzer“) einer neuen Zensursoftware der allseits beliebten Hippiekommune Google. „SPIEGEL ONLINE“ berichtet:

Beleidigungen machen viele Diskussionen im Netz ungenießbar. Eine Google-Tochter will jetzt die Lösung gefunden haben: Eine selbstlernende Software soll das Gift aus Kommentarspalten saugen.

Ich habe ja die vage Vermutung, dass Artikelautor Fabian Reinbold – das war, langjährige Leser mögen sich ungern erinnern, der hier – „das Netz“, „das Web“ und „das Internet“ nicht so recht voneinander unterscheiden kann, aber gut, ist ja auch nur das Ressort „Netzwelt“ auf „SPIEGEL ONLINE“ und nichts, wofür man irgendwas wissen müsste, um da zu schreiben. Passenderweise ist der Artikel einsortiert unter „Netzwelt -> Web -> Internet“, denn bekanntlich ist das Internet im Web drin und nicht andersrum. Ein dreifach Hoch dem Qualitätsjournalismus.

Worum geht es? Um Anstand natürlich:

Trolle vertreiben Andersdenkende, töten damit die Diskussion. (…) Jigsaws Lösung: Eine selbstlernende Software namens „Perspective“ soll die Pöbeleien automatisch erkennen und aussortieren. (…) Jigsaw-Leiter Jared Cohen verkauft sein Projekt mit dem Satz: „Wir wollen ein gesünderes Internet.“

(Hervorhebung von mir.)

„Andersdenkende“, für die Guten ein beliebter Kampfbegriff, um ihre ethischen Gegner zu katalogisieren und stigmatisieren, sollen also nicht mehr von „Trollen“ – basierend auf dem Krakeel der Masse, denn wie schon auf Twitter sind die, die am lautesten „der da ist böse“ brüllen, immer die, die Recht haben bekommen – an einer friedlichen und vor allem ungestörten Diskussion (vulgo „Filterblase“) gehindert werden, was erfahrungsgemäß dann ungefähr so aussieht, dass die rücksichtslosesten Besucher eines Kommentarbereichs diejenigen sind, die entscheiden, worüber diskutiert werden darf:

Gespeist wurde seine Datenbank mit Beiträgen aus der „New York Times“-Kommentarspalte und aus Wikipedia-Diskussionen, die noch von Menschen als unanständig gebrandmarkt wurden. (…) Das Programm soll jeden Kommentar mit einem Giftwert von 0 bis 100 kennzeichnen – und diese automatische Einordnung soll Medien, die Perspective einsetzen, entlasten.

(Hervorhebung erneut von mir.)

Über Anstand diskutiert man nicht, nein, nein; den unpuritanischen Auswüchsen dieser Diskussionsunkultur möge alsbald Einhalt geboten werden. Die reden da über Sex vor der Ehe, pfui! – Je nachdem, welcher Partei Stammwähler man fragt, dürfte die Definition von „Anstand“ eine sein, über die sich untereinander popcornwürdigst gestritten werden kann.

Nun ist das Web („Netz“, F. Reinbold) und mit ihm die Garagenklitsche Google keineswegs deshalb so groß geworden, weil sich Menschen gern dort aufhalten, wo man sie an der unmoderierten Äußerung provokanter (wo nicht justiziabler, was hier ausdrücklich ausgeschlossen werden darf), dem Zeitgeist widersprechender Behauptungen hindert, sondern deshalb, weil ihnen das „Internet“ eine Plattform zum ungezügelten Austausch gewährte, den weder Ochs‘ Schäuble noch Eselin von der Leyen zu begrenzen vermochten. Die US-amerikanische Vorstellung von „giftiger Sprache“ (die US-Amerikaner sind dasjenige Volk, welches gegen die Todesstrafe, Mordinstrumente in jedem Haushalt und Lastwagen fahrende Kinder nichts einzuwenden hat, aber umgehend wütende Zuschauermails verfasst, wenn jemand im Fernsehen vom Saugen spricht) würde ich in all meiner Naivität jedenfalls keinesfalls zur Maxime erhoben sehen wollen, auch und gerade nicht unter den gegebenen Umständen, dass die für meine Entwürdigung derzeit zuständige Bundesregierung im Kampf gegen unhöfliches Miteinander im „Internet“ gemeinsame Sache mit „Schnieptröten“ (N. Hermann, anderer Zusammenhang) wie Julia Schramm, die gegen ein paar klare Worte noch nie etwas einzuwenden hatte, macht.

Gewöhnlich sind es die Vergnügungen, in denen die guten Sitten zu Fall kommen.
Lü Buwei

In den NachrichtenPolitik
Der Unterschied zwischen dem Irak und Deutschland

Was passiert, wenn ein deutscher Soldat Kriegsverbrechen begeht:

Georg Klein ist bei der Bundeswehr vom Oberst zum Brigadegeneral aufgestiegen – Klein war 2009 befehlshabender Offizier beim Luftangriff nahe Kunduz mit vielen Toten.

Was passiert, wenn ein irakischer Soldat Kriegsverbrechen begeht:

In Berlin hat am Mittwoch der Prozess gegen einen mutmaßlichen Kriegsverbrecher aus dem Irak begonnen.

Wär‘ das auch mal geklärt.

In den NachrichtenPolitik
Für wie kompetent halten Sie Menschen in einer Einkaufsstraße in Potsdam?

„ZEIT ONLINE“ – natürlich„berichtet“ heute:

Für wie kompetent halten Sie Donald Trump? Wir haben Menschen in einer Einkaufsstraße in Potsdam nach ihrer Einschätzung (…) gefragt.

Man könnte allmählich eine Sitcom daraus machen.