Archiv für die Kategorie ‘Wirtschaft’.

Von Wirtschaft habe ich keine Ahnung, aber mir scheint, das würde aus mir einen grandiosen Staatsmann machen. Das ist eigentlich ziemlich ärgerlich.

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Unverschuldet verprasst

28. Januar 2018: Deutsche Bank zahlt offenbar mehr als eine Milliarde Boni
2. Februar 2018: Deutsche Bank macht halbe Milliarde Euro Verlust

„Hilfe, wir sind unverschuldet in Not geraten!“

:wallbash:

Fast hätte ich mich schon darüber geärgert, absehbar bald abermals eine Bank retten zu dürfen, und das Geschehen entsprechend vorgeblich kapitalismuskritisch kommentiert, aber zum Glück quakte Claudia Roth heute wieder einmal einen der zahlreichen Belege dafür heraus, warum man Linken lieber keine größeren Geldsummen anvertraut, sondern denen mal schön ihre Bitcoins lässt:

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) hat die Einrichtung eines staatlichen Hilfsfonds für Flüchtlingshelfer gefordert, die wegen ihrer Bürgschaften in Finanznöte geraten sind.

Ach, ja, Mensch, Bürgschaften bedeuten, dass man finanziell in Gänze für den Verbürgten haftet?

„Wir bürgen mit unserem Geld für diesen Herrn.“
„Dann bekommen wir nun Geld von Ihnen.“
„Hilfe, wir sind unverschuldet in Not geraten!“

:wallbash:

Hoffentlich sind das wenigstens zum Teil dieselben Leute, die auch ihr Haus gegen Bitcoins eingetauscht haben. Sonst wäre ich vom Karma ein bisschen enttäuscht.

Wirtschaft
6 Prozent Profitdenken

Die IG Metall plakatiert derzeit manche Plakatwand plakativ mit ihren Plakaten voll. Das bietet Gelegenheit, sich einmal kurz anzusehen, worum es in ihrer aktuellen „Tarifrunde“ (also: in ihren jährlichen Nötigungsversuchen gegenüber Arbeitgebern) eigentlich geht; die Antwort ist erstaunlich:

Profitdenken

„Die Arbeitgeber denken nur an Profit – wir denken an die Menschen: sechs Prozent mehr Geld“ (Satzzeichen von mir), diese sechs Prozent hätten die Arbeitgeber zwar auch gerne zusätzlich, aber die sind halt nicht in einer zäh verhandelnden Gewerkschaft. Schön blöd!

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Liegengebliebenes vom 27. Januar 2018

Die University of Oxford hat herausgefunden, dass auch längere Prüfungsdauern nichts daran ändern, dass Frauen – statistisch gesehen – schlechter in Mathematik und EDV als Männer und dafür vermutlich besser in Kuschelwuschel und Knuddelwuddel sind. Vielleicht könnte man das mit einer Quote lösen.


Christopher Lauer hat was in Medien reingevloggt und Hadmut Danisch platzt der Kragen: „Bedingungsloses Grundeinkommen, freie Drogen und Pornos von ARD und ZDF? Wozu sollt Ihr noch gut sein?“


Dazu (irgendwie) auch Jan Fleischhauer, der auf „SPIEGEL ONLINE“ feststellt, dass die Linken die Nähe zu denen, für deren Rechte sie zu streiten behaupten, vollends verloren haben.


Was wir von anderen Staaten lernen können: In Indien ist das Internet verstopft, weil dort einander jeder einen guten Morgen wünschen möchte.


Lesenswert: „Wie die FAZ im redaktionellen Gewand die Botschaften ihrer Auftraggeber an den Leser bringt“.

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Annexion bitte nur gegen Bares

Im August vergangenen Jahres nörgelte die damalige Bundesregierung anlässlich der Übereignung der Krim an Russland folgendermaßen herum:

Danach werde die russische Annexion der ukrainischen Krim als ein Bruch des Völkerrechts betrachtet, der die europäische Friedensordnung infrage stelle. (…) Staatliche Grenzen müssten akzeptiert werden.

Warum das von der ekligen NATO sicherheitshalber bedrohte Russland fortan übermäßig sanktioniert wurde, wird klar, wenn man aktuelle Nachrichten liest, zu deren Zustandekommen es seitens der Bundesregierung allenfalls ein entrüstetes Schütteln des Zeigefingers zu lesen gab, nämlich zum Beispiel diese:

Israel erweitert laut mehreren ortsansässigen Quellen seinen Einfluss auf das von der Opposition besetzte südliche Syrien. (…) Die Erweiterung der Sicherheitszone kennzeichnet eine Bewegung hin zu einer tieferen Einmischung Israels in Syriens Bürgerkrieg. (…) Israel macht sich nicht nur Sorgen wegen des Irans und dessen Allierten im Libanon, sondern auch um seine Kontrolle über die Golanhöhen. Israel hat das 1.200 km² große Gebiet 1967 eingenommen und hält es seitdem besetzt. Anders als die anderen von ihm besetzten Gebiete hat Israel die Golanhöhen 1981, von der internationalen Gemeinschaft verurteilt, offiziell annektiert.

(Nicht besonders textnahe Übersetzung von mir.)

Während Fefe noch rhetorisch spekuliert, ob die amtierende Bundesregierung wenigstens diesmal auch das israelische Verschieben fremder staatlicher Grenzen sanktionieren würde, habe ich eine Vermutung, warum bei völkerrechtswidrigen Abscheulichkeiten seitens der Türkei und eben Israels von spürbaren Strafen seitens der internationalen Gemeinschaft abgesehen wird: Anders als Russland sind diese Staaten zwar nur mittelmäßig zuverlässige Verbündete, aber wenigstens leidlich zahlungskräftige Kunden.

Daran, dass Deutschland Israel zwecks effizienter Vorwärtsverteidigung auch noch mit Kriegswaffen beliefert, stört die Politik daher auch nicht, dass damit Kriegsdinge getan werden, sondern, was die Innenpolitik des Empfängers sonst so macht: „Es gibt nach wie vor Korruptionsvorwürfe gegen Benjamin Netanjahu und sein Umfeld. Das ist nicht ausgeräumt.“ Seine eigenen Grenzen auf der Landkarte herumzuschieben wäre unter der Bedingung, dass die deutsche Rüstungswirtschaft davon finanziell profitiert, ja völlig legitim, aber bei Korruption hört das Verständnis auf. Da geht es immerhin um Geld!

Braucht Russland eigentlich noch ein paar Panzer?

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Spielgeld IV: Wie Geld, nur defekt.

Am 2. Januar 2018 veröffentlichte Pseudonymus „Mr. Money Mustache“ einen trotz des Namens recht lesenswerten kritisch-analytischen Blogartikel, in dem er wie viele andere vor ihm schlüssig aufzeigte, wieso der frei erfundene „Wert“ eines Bitcoins schon daher überzogen ist, weil der Betrag, der neben „BTC in USD“ steht, erst mal von irgendwem bezahlt werden müsste, um nicht bloß in einer Sackgasse zu enden. (Dass der Autor bei der Bildbeschreibung Twitter und reddit miteinander verwechselt, sei ihm verziehen.) Es sei der Neid der Besitzlosen der Antrieb des Autors und seiner Mitmeiner, unkte es hierauf in den Kolumnen, denn wenn Bitcoin wirklich eine solche Blase wäre, wäre es längst geplatzt.

Zur allgemeinen Überraschung stellte sich nur wenige Tage später heraus, dass der frei erfundene „Wert“ eines Bitcoins auch nach unten gehen kann. Das Wehklagen war groß, manche setzten für dieses Spielgeld immerhin ihre Existenz aufs Spiel, verbitten sich aber auch aus der Gosse heraus noch die Behauptung, sie hätten sich „verzockt“: Auf reddit wird seit Tagen gemahnt, dass, wer verkaufte, das schon bald bereute. Das kennt man noch von der Immobilienblase vor ein paar Jahren: Alles Feiglinge, das. HODL, prost! Dass mit dem Bitcoin, für dessen Fall wirtschaftlich naive Meinungsmedien unter anderem China verantwortlich machen, das das „Schürfen“ von Spielgeld angeblich erheblich zu sanktionieren gedenkt, auch alternative „Währungen“ wie Ripple große Kursverluste hinnehmen mussten und müssen, die man überhaupt nicht „generieren“ kann, weil es alle „verfügbaren“ Einheiten bereits gibt, sagt über das Finanzverständnis derer, die das Spiel begeistert mitgespielt haben, mehr aus als über diejenigen, die als Ewiggestrige und als Büttel des Finanzsystems verschrien werden.

Es sei, befand der Nachtwächter, sehr sprechend, dass diejenigen, die das Geldsystem ersetzen wollen, sich vor allem Sorgen darüber machen, dass ihr Spielgeld nicht mehr so viel rückständiges Echtgeld „wert“ ist. Die Revolution will heim zu Mutti.

Es nennt sich Kommunist, wer kämpft, damit der Staat ihm eine bürgerliche Existenz sichert.
Nicolás Gómez Dávila

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Liegengebliebenes vom 11. Januar 2018: Gefahren, überall Gefahren!

Gefahr für die Terrorabwehr: FBI-Chef Christopher Wray mahnt, dass starke Verschlüsselung auf elektronischen Geräten mittlerweile eine „dringende Angelegenheit für die öffentliche Sicherheit“ darstelle. Sofort verbieten und präventiv verhaften!


Gefahr für die Reklamemafia: Apples neuer Safari-Privatsphärenschutz kostet Werber richtig Geld, als sei das das wichtigste Kriterium für Software: dass sie Werbern nützt.


Gefahr für die Klarheit der wirtschaftlichen Berichterstattung: Steuerbetrug heißt jetzt Steuertricks.


Gefahr für das politische Wertesystem: „Die Grünen sollten die führende Kraft der linken Mitte werden“, empfiehlt Anton Hofreiter, verrät aber leider nicht, was dann mit der mittleren und halbrechten Mitte passieren soll.


Gefahr für die Bitcoinblase: Auf „ZEIT ONLINE“ hat man festgestellt, dass das Investieren in Firmen, die Eistee herstellen, sich aber irgendwas mit „Blockchain“ nennen, nicht der klügste Schachzug der Börsenspieler ist.


Keine Gefahr hingegen besteht, jubiliert wiederum „ZEIT ONLINE“, für die Wirtschaft:

Die deutsche Wirtschaft ist 2017 so schnell gewachsen wie seit Jahren nicht mehr. Der Haushaltsüberschuss stieg zum vierten Mal in Folge – auf einen Rekordwert. (…) Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist historisch gut.

Im März 2017 schrieb das Fanfarenmagazin „Huffington Post“, es sei von etwa 400.000 Obdachlosen in Deutschland auszugehen. Sollen die sich halt eine Arbeit suchen!

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Schmalhans des Tages: Uffa Jensen, TU Berlin.

Dieser Artikel ist Teil 15 von 15 der Serie Schmalhans des Tages

(Vorbemerkung: Oh, ein heißes Eisen. Gleich mal anfassen!)

Auf „SPIEGEL ONLINE“ trompetete gestern Uffa Jensen vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin zwecks Interviews anlässlich muslimischer Beschwerden über die Ernennung Jerusalems zur israelischen Hauptstadt unter anderem folgende Anmerkungen über das Antisemitismusproblem, das hierzulande ja eigentlich kein besonders großes mehr sei, heraus:

Wir haben in Deutschland bereits ein sinnvolles Gesetzeswerk, wie etwa das Verbot der Holocaustleugnung und andere Paragraphen, um uns gegen Feinde der Demokratie zu schützen.

Darüber, ob es aus demokratischer Sicht sinnvoll ist und irgendeinen größeren Schaden in der Zukunft verhindern kann, das Lügen über Polithistorisches gesetzlich zu ahnden, wird voraussichtlich noch zu diskutieren sein. Dass der Holocaust nicht das Gegenteil, sondern ein zulässiges Extrem der Demokratie (wenn schon nicht der Menschenrechte) war, darf hingegen nicht übersehen werden: Ist eine Masse von Menschen erst einmal erhitzt genug für menschlich unfeine Entwicklungen, dann wird die Demokratie ihnen kein Keil, sondern der Motor sein. Demokratie funktioniert nur wie ursprünglich gewünscht, wenn es der legislativen Mehrheit nicht an der Bildung für kluge Entscheidungen fehlt. Placebodemokratisch legitimiert ist jedenfalls auch das andauernde zahlreiche Ertrinken im Mittelmeer. Die größten Feinde einer funktionierenden Demokratie sind meist jene, die behaupten, ein Parlament aus aufstrebenden Mittelsmännern sei demokratisch gewünscht.

Dass die plötzliche Existenz des Staates Israel ausgerechnet auf dem sehr unjüdischen Gebiet Palästinas seit seiner Gründung im Jahr 1948 die demokratischen Rechte der damals deutlichen muslimischen Mehrheit, die ihr Überleben durch fortwährende Angriffe einer von Dritten installierten Minderheit zu Recht gefährdet sieht (das nennt man dann „Nahostkonflikt“, als wäre der Zweite Weltkrieg auch bloß ein „Europakonflikt“ gewesen), verletzt, wird auf „SPIEGEL ONLINE“ natürlich nicht thematisiert. Macht man nicht als deutschsprachiges Leitmedium, wäre ja rechts. Ein von der fortwährenden Zerfetzung seines Nachwuchses durch israelische Abwehr befreites Palästina passt nicht zur westlichen Diskussionskultur.

Die Kurve zur Relativierung muslimischer Israelfeindlichkeit bekommt Uffa Jensen aber schnell; darauf angesprochen, dass sich in Deutschland lebende Juden vor allem vor dieser fürchteten, weiß er zu antworten:

Zumal die Bedrohung für Juden in Deutschland vor islamistischen Terrorangriffen real ist. Fakt ist aber auch, dass in Deutschland die überwiegende Mehrzahl der antisemitisch motivierten Straftaten von Rechtsextremen verübt wird.

Der Fachmann von der TU Berlin erkennt hier messerscharf, dass Islamisten und Rechtsextreme zwei vollkommen unterschiedliche Gruppen von Menschen sind; was natürlich Blödsinn ist, denn Extremismus ist kein von deutscher Kultur bedingtes Phänomen, sondern ein menschliches. Der Ku-Klux-Klan stammt ja auch nicht aus Gelsenkirchen.

Man möge, nachdem das klargestellt ist, nur nicht zwecks Abgrenzung auf die Idee kommen, zwischen Antisemitismus und Antizionismus zu unterscheiden, indem man irgendwelche Wörter erfinde, denn das durchschaut Uffa Jensen sofort:

„Israelkritik“ als Wort selbst ist einmalig. Es gibt keinen entsprechenden Begriff für ein anderes Land. Niemand spricht doch zum Beispiel von „Spanienkritik“.

Nun ist Uffa Jensen natürlich nicht immer in der Nähe eines recherchetauglichen Geräts und kann daher nicht wissen, dass sowohl „Deutschlandkritik“ ein medial verwendetes Wort ist, das in letzter Zeit gern im Zusammenhang mit dem ungeliebtesten US-amerikanischen Präsidenten seit George W. Bush genannt wird, als auch das Wort „USA-Kritik“ nicht nur existiert, sondern bei einer großen deutschen Suchmaschine gar als ein anderes Wort für Antiamerikanismus aufgeführt ist – der, um den Kreis zu schließen, laut verschiedenen Quellen angeblich oft gemeinsam mit Antisemitismus auftritt, woraus ungeübte Leser vielleicht einen Umkehrschluss ziehen möchten, sofern ihnen denn danach zumute ist. Wie israelische Antisemiten in den Plan passen, erläutern Uffa Jensen und „SPIEGEL ONLINE“ an dieser Stelle nicht.

Der „Nahostkonflikt“ jedenfalls ist ein wirtschaftliches Problem, keinesfalls ein kulturelles und auch nur ein geringfügig politisches, wenngleich er von einer rein politischen Entscheidung überhaupt erst ausgelöst wurde. Die Verzweiflung über diese Kurzsichtigkeit spült schließlich das Gewäsch von Uffa Jensen direkt in den Nachrichtenleser; so weit ist es schon. Worum es überhaupt geht? Um Solidarität mit hässlicher Gesellschaft hier oder mit traditionell Aufgescheuchten dort? Quatsch: Um Reflektion natürlich. Anderen Ländern den Frieden einzuprügeln (oder einzuubooten) hat noch keinen Staat zum Lichtbringer gemacht. Der Schuldige ist meinerseits ausgemacht: Die Überkompensation eher nicht so guter gesellschaftspolitischer Entwicklungen in den 1930ern und 1940ern durch eine internationale Wertegemeinschaft wird allmählich teuer.

Was würde Kishon tun?

In den NachrichtenWirtschaft
Spielgeld erreicht Rekordwerte, geldkritische Kapitalisten sind entzückt.

Es besteht kein Anlass, sich von den jüngsten Schreckensmeldungen, der Straßenpreis für ein Stück Bitcoin könnte möglicherweise bald wieder weniger mondige Preise erreichen, davon abhalten zu lassen, sein Erspartes in solche Stücke zu stecken. Es ist ja auch nicht verboten, sein Geld in großen Scheinen vom Bankkonto abzuheben und anschließend anzuzünden.

Einer „Währung“, die nicht nur das Geldproblem nicht löst, sondern überdies für jede Zahlung im echten Leben aufgrund immer weiter steigender Transaktionsdauer ganz unabhängig von der Akzeptanz dieser Währung beim Wurstpeter völlig untauglich ist, hilft jedwelches neue Paradigma – hier Jedihandgeste einfügen – auch nicht mehr weiter. Das Geldsystem verändern zu wollen, indem man sich ihm andient, genügt euch schon als Revolution? Springt!

So viel Geld lässt sich, weiß Gott, nicht mit etwas Gutem verdienen.
Friedrich von Schiller: Kabale und Liebe

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Medienkritik CX: Von den Learnings eines Affiliates

Dass Websites, die teils altbekannte, teils neue, dafür aber quietschblöde „Inhalte“ mit möglichst vielen Werbelinks versehen und unter reißerischen Titeln anpreisen, in einer vernünftigen Gesellschaft mitsamt ihren Erschaffern geächtet würden, ist eine Wahrheit, die mit der momentanen Realität jedoch kollidiert statt kollaboriert. Weil die meisten imbezilen Knallfrösche, die die aberdutzendste Auflistung von Katzenvideos, Schauspielertratsch und/oder Pflegeprodukten für eine wertvolle Ergänzung des Webs halten, wahlweise zu doof oder zu gierig sind, sich eine eigene Präsenz aufzubauen, hängen sie sich wie Saugwürmer an einen einladenden Wirt. Der einladendste Wirt von allen ist 2017 die vom Unternehmen Facebook bereitgestellte „Plattform“ gleichen Namens, die bekanntermaßen allein damit einigermaßen viel Geld einbringt, dass ihre Nutzer keine Medienkompetenz mitbringen und darum so etwas wie eine „Website“ gar nicht mehr kennen wollen.

Einen ganz besonders speziellen Fall von doof und gierig präsentierte dieser Tage das dadaistisch nützliche Blog „OMR“, für das Torben Lux unter der Huffington-Post-würdigen Überschrift „Dieser 26-Jährige Affiliate baut seit zehn Jahren Facebook-Pages – das sind seine Learnings“ (im Original natürlich in Großbuchstaben) einen Schulabbrecher dafür bewundert, dass dieser in Ermangelung vernünftiger Bildung lieber für zu viel Geld Reklame auf Facebook macht; denn wer braucht schon Zukunft oder wenigstens einen Rest Anstand, wenn er auch Spammer werden kann?

Der Artikel beginnt vorgeblich sachlich:

Eigentlich will Markus David König aus Schörfling am Attersee in Oberösterreich sein Abitur machen. Weil erste gemeinsam mit einem Freund gestartete Blog- und Facebook-Projekte aber so gut laufen, bricht er es 2010 ab. Seitdem fokussiert er sich komplett auf den Aufbau und die Monetarisierung von Facebook-Seiten.

Obwohl es angemessen erscheint, Markus David König für dieses, wie man auf Neudeutsch sagt, mindset auf allerniedrigstem Niveau auszulachen, wird er stattdessen zum Gespräch gebeten. Das Konzept von „OMR“, das anderswo Wörter wie „Präse“ verwendet, um SEO-Esoterik zu empfehlen, und auf dem schon wieder Torben Lux seiner Enttäuschung darüber, dass ein groteskes YouTube- und Instagram-„Model“ nicht mal für viel Geld seine Brüste rausholt, in zu vielen Absätzen zu viel Ausdruck geben darf, scheint es im Allgemeinen nicht zu sein, lästige Mitmenschen als solche erkennbar zu machen, vielmehr scheint das Gegenteil der Fall zu sein.

Besagter Markus David König hat dem Artikel zufolge schon früh nichts verstanden:

„Mit einem Kollegen habe ich während der Schulzeit angefangen, Webseiten mit Googles Dienst Blogger aufzusetzen. Damals waren wir 15 oder 16 Jahre alt“, erinnert sich Markus David König im Gespräch mit OMR.

Webseiten „aufzusetzen“ (wie Mützen oder zum Beispiel heißes Wasser) bedeutete, als ich 15 oder 16 Jahre alt war, ja noch nicht, sich irgendwas bei Googlediensten zusammenzuklicken, aber wer nichts mitteilen, sondern nur etwas verkaufen will, dem ist Qualität eben auch ziemlich egal (vgl. „SPIEGEL ONLINE“). Da jenes Alter beim Objekt der Betrachtung zeitlich mit dem Aufstieg Facebooks zusammenfiel, haben wir hier immerhin einen interessanten Fall von der Gnade irgendeiner Geburt vorliegen:

Schon damals habe es Firmen und Agenturen gegeben, die größere Fanseiten schlicht nach Reichweite aufgekauft haben. Auch König schlägt zu und übernimmt eine kleine Page für 600 Euro. „Als ich die dann mit 19 Jahren für 20.000 Euro weiterverkaufen konnte, wusste ich, dass ich diesen Weg weiterverfolgen muss. Das hat mich nachträglich auch noch einmal in der Entscheidung bestätigt, das Abitur abzubrechen.“

Hätte es das nicht, dann wäre das bestimmt sehr betrüblich geworden, aber wer braucht schon Bildung, wenn er Geld haben und sich dafür von einer Website, deren Grammatik auch nicht die beste ist („OMR Updates direkt an Dich“, sic!), als Vorzeigespammer darstellen lassen kann? Klar: Als Spammer würde er sich ungern bezeichnen lassen, denn immerhin ist er ein seriöser („Die (…) größte Seite im Portfolio von Markus David König ist „Atemberaubende Tattoo Ideen“. Es folgen (…) „DAS WILL ICH HABEN“ (25.300 Fans) und „Hunde-Wau“ (10.300 Fans).“, T. Lux über M. D. König) Geschäftsmann, der sein Handwerk fast so gut beherrscht wie seine Muttersprache („Super Weihnachts Geschenkideen“, zitiert aus: „DAS WILL ICH HABEN“) und mit Spam selbstverständlich nichts zu tun haben will:

Wenig später reinvestiert König einen Teil seines Gewinns und kauft eine Facebook-Seite mit rund 900.000 Fans, die aber offenbar vor allem aus indischen Fake-Profilen besteht. Er erklärt: „Wir haben sehr viel ausprobiert und wollten auch solche recht eindeutigen Spam-Seiten testen. (…)“

Das Geld, das er mit fremden Inhalten („Wir bekommen wirklich sehr viel Material geschickt, das wir natürlich sehr gerne nutzen.“) verdient, ist meist kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern besteht derzeit überwiegend aus Amazon-Gutscheinen. Es ist Markus David König zu wünschen, dass Supermarkt und Vermieter Amazon-Gutscheine als Zahlungsmittel akzeptieren, sonst ist sein Erfolg, mittelfristig gesehen, gar kein ausreichender. Dass er die Amazongutscheine im Wesentlichen dafür erhält, dass er diverse „Seiten“ – darunter auch „recht eindeutige Spam-Seiten“ – auf Facebook mit „Produktempfehlungen“ vollklebt, macht ihn noch nicht zu einem Reklameheini, denn dafür müsste er, wie er sagt, erst sein Portfolio um Videoreklame erweitern:

„Klar gibt es Produkte in Videos, die perfekt zu Themen wie Tattoos oder Inneneinrichtung passen. Trotzdem ist es immer ein schmaler Grat und wirkt schnell wie Spam.“

Während jemand, der mit „Clickbait-Seiten“ („OMR“), auf denen auch mal öder „IKEA“-Krempel, wie im Artikel zu sehen, mit „Wow, schaut mal was für tolle Einrichtungsideen es hier gibt!“ beworben wird, natürlich nicht wie ein lästiger Spammer, sondern wie ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft wirkt, zu dem es aufzuschauen gilt, denn er lebt unser aller Traum: Mit möglichst wenig Bildung möglichst viel „Geld“ von möglichst einfältigen Menschen („Facebook-Fans“ von „Hunde-Wau“ et al.) zu bekommen.

Unter dem Artikel sind derzeit die ersten Kommentare von konkurrierenden Spammern seriösen Geschäftsleuten zu lesen, die behaupten, der artikelweise Gepriesene habe „Videos geklaut“. Hoffentlich lassen sie sich in Gutscheinen bezahlen.

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Medienkritik CIX: Lobbykampf in SPIEGELs Klassenzimmer

Ende Oktober SPONte die vom krawalligen „Hamburger Abendblatt“ abgestiegene Redakteurin Verena Töpper („believes in gender equality“, V. Töpper über V. Töpper), die bei ihrem inzwischen auch nicht mehr ganz neuen Arbeitgeber unter „Leben und Lernen“ ansonsten zum Beispiel über Menstruationsprobleme „schreibt“, sichtlich besorgt über das Engagement von EDV-Unternehmen in Schulen, die es doch tatsächlich wagen, ihre eigenen Produkte als Unterrichtsmaterialien vorzuschlagen:

Die wollen doch nur helfen – oder?

So sieht eine journalistische Überschrift aus – oder?

Ich erspare versehentlichen Lesern einmal den ersten Teil des Artikels und verweise stattdessen auf den Kommentar von Spreeblick zum gleichen Ursprungstext. Bemerkenswert finde ich aber, was weiter unten noch steht:

„Wir beobachten eine massive Zunahme von Lobbyismus an Schulen“, sagt René Scheppler von der Lehrergewerkschaft GEW. „Vor allem IT-Firmen nutzen die Unterfinanzierung des Bildungssystems für Marketingzwecke. (…) Wird das eine Apple- oder eine Microsoft-Schule?“ (…) Mit Macht drängt vor allem Google weltweit in Klassenzimmer.

Und zwar so:

Fast sieben Millionen Euro hat Google nach eigenen Angaben seit 2011 in Lehrer- und Schüler-Workshops, den für den Informatikunterricht entwickelten Kleinstcomputer Calliope und in die Programmierplattform Open Roberta gesteckt.

Der Spannung wegen möchte ich hier einen kurzen Exkurs einschieben: Als ich noch ein kleiner, fröhlicher Junge war, besuchte ich selbstverständlich auch manche Schule, gelegentlich sogar als Schüler. Während ich – wie jeder gute Akademiker – sämtliche Lehrinhalte bis heute wieder vergessen habe, kann ich mir die Namen der meisten Schulbuchverlage, die mir in dieser Zeit bezüglich einer unbedingten Kaufempfehlung über den Weg liefen, noch bis heute merken, denn es waren nicht besonders viele.

Als besonders penetrant habe ich den Cornelsen-Verlag („Cornelsen Verlag“, von denen lässt man sich doch gern was beibringen) in Erinnerung, der im Wechsel mit Klett und Westermann die Zeit vor dem Studium praktisch im Alleingang bestritt und dabei kaum Platz neben sich ließ. Das ist durchaus auch wörtlich gemeint, denn Schultaschen sollten ja vor eigentlichem Gebrauch auch erst einmal gepackt werden. Dieser Verlag hat seine Bekanntheit in Schulen, die ihm dafür jahrzehntelang Einnahmen garantieren, vermutlich eher nicht durch irgendeinen Zufall erhalten, sondern durch etwas, was Verena Töpper sich wahrscheinlich von irgendwem als Lobbyismus bezeichnen lassen würde, wenn sie nicht so sehr auf Technikkonzerne – sie benutzt laut Twitters Metadaten übrigens ein iPhone, aber es wäre höchst unsachlich von mir, daraus eine bestimmte Haltung gegenüber Technik abzuleiten – fixiert wäre: Der „Computerwettbewerb“ (Quelle: Internet) zum Thema Frankophonie etwa, ausgerichtet vom Cornelsen-Verlag („Cornelsen Verlag“, kreisch!) und unterstützt von Fernsehsendern und Kultusministerien, ist mal in Hameln, mal in Hessen, mal selbst in Oldenburg zu finden.

Da hilft man einander doch gern und schaut auch einmal darüber hinweg, dass der Cornelsen-Verlag kein wohltätiges, sondern ein kommerziell interessiertes Unternehmen ist, das sich in den Klassenkampf zwischen Google, Apple und Microsoft nur allzu gern einmischt: „Der deutsche Schulbuchverlag Cornelsen setzt auf die Cloud-Lösung Office 365 für Bildungseinrichtungen des Software-Konzerns Microsoft. Auf der Online-Plattform scook können Lehrer und Schüler Lehrmaterialen beziehen und sich digital vernetzen.“ (Kommune21) – das sind dann wohl allesamt Microsoft-Schulen. Dies soll freilich nicht heißen, dass Cornelsen irgendwie parteiisch wäre: Neben Konkurrenzunternehmen wie Google und SAP – beide von Verena Töpper als schreckliche Lobbyisten identifiziert, vor deren Einfluss sich ein um die Bildung besorgter Bürger fürchten sollte, ist an der Entwicklung des „Kleinstcomputers Calliope“ (V. Töpper, der Exkurs ist überraschend vorüber) auch der Cornelsen-Verlag („Cornelsen Verlag“, ich kriege hier noch einen Haschmich) beteiligt.

Oben hatte ich geschrieben, der Cornelsen-Verlag arbeite mit verschiedenen Kultusministerien und Fernsehsendern zusammen. Gibt es an dieser Stelle schon Vermutungen, mit welchen Unternehmen der Cornelsen-Verlag sonst noch so zusammenarbeitet? Richtig:

In Kooperation mit dem Spiegel-Verlag ist die erste Unterrichtseinheit mit Inhalten aus Dein Spiegel im Lehrkräfte-Portal von Cornelsen erschienen.

Verdammter massiver Lobbyismus immer.

Verena Töpper beendet ihren Artikel mit einem der üblichen „journalistischen“ Kniffe von Redaktionen wie der ihren, nämlich mit einer Sorge um unsere Zukunft:

Und wie subtil sich das Sponsoring in die Köpfe der Kinder schleicht, zeigt eine Szene am Rand der Eröffnung von Googles neuer Zukunftswerkstatt in München: Als ein kleiner Junge die Musiknote G in einem Programm auswählt, sagt er ganz selbstverständlich: „Ich nehme jetzt das G wie Google.“

Unfassbar: Ein Kind auf einer Google-Veranstaltung, das weiß, dass „Google“ mit einem „G“ anfängt, und, vermutlich umgeben von allerlei Googlewerbung, bei „G“ auch zuerst an „Google“ denkt – und die Regierung guckt nur zu!

Verena Töpper will doch nur helfen – oder?

In den NachrichtenWirtschaft
Gehaltsmäßig völlig abgehoben.

„FINANCE Magazin“, 5. Mai 2017:

Air Berlins Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem CEO können sich bis Ende Januar 2021 auf maximal 4,5 Millionen Euro summieren. (…) Teuer war für Air Berlin auch der Abschied von Ex-CEO Stefan Pichler, wie sich jetzt zeigt: Ihm zahlte Air Berlin eine Gesamtabfindung von 1,45 Millionen Euro.

„ZEIT ONLINE“, 2. November 2017:

Die Fluggesellschaft Air Berlin hat nach Aussage des Insolvenzverwalters wahrscheinlich zu wenig Geld, um den Überbrückungskredit der Bundesregierung zurückzuzahlen.

Möglicherweise ist es an der Zeit, statt einer Vergütung über eine Aufwandsentschädigung für Geschäftsführer und Markenchefs von Großunternehmen nachzudenken; mit Benzingeld und einem Stundenlohn im Rahmen jeweils branchenüblicher Tarife sollten bei einem vernünftigen Umgang mit dem Gehalt alle anfallenden Rechnungen gezahlt werden können.

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Abrüstung wäre supi, aber ein Glückwunsch ist auch schön.

„ZEIT ONLINE“, 6. Oktober 2017:

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) zur Auszeichnung mit dem Friedensnobelpreis gratuliert.

„ZEIT ONLINE“, auch 6. Oktober 2017:

Der größte Erfolg der Kampagne mit Sitz in Genf ist der UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen (…). Er verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen. Allerdings hatten die neun Atommächte sowie fast alle Nato-Staaten – darunter Deutschland – die Verhandlungen boykottiert.

Der gute Wille zählt, nicht wahr?

In den NachrichtenMir wird geschlechtWirtschaft
Medienkritik in Kürze: Forscher finden zweierlei Maß.

Wofür brauchen wir eigentlich Volkswirte? Na, damit sie Erstaunliches herausfinden können:

Wie Volkswirt Thomas Strobel von der italienischen Bank Unicredit ermittelt hat, steigen die Preise auf dem Oktoberfest beispielsweise in diesem Jahr um 3,1 Prozent – und liegen damit deutlich über der Entwicklung der sonstigen Verbraucherpreise. (…) Die Maß Bier auf der Wiesn kostet inzwischen bis zu 10,95 Euro und damit im Schnitt 25 Cent mehr als vor einem Jahr.

Wie, außerhalb des Oktoberfests kostet ein Dreiviertelliter Bier gar nicht so viel? Man überreiche dem studierten Herrn einen hoch dotierten (wg. Bank) Preis!


Vermessen auch: Auf „taz.de“ findet „AutorIn“ (muss man wohl nicht so genau wissen) Tanya Falenczyk es sichtlich unschön, wenn eine Partei auf Plakaten darauf hinweist, dass auch Väter vor dem Gesetz gleich seien, was offensichtlich automatisch dem Feminismus zuwiderläuft (im Artikel grob als „Antifeminismus“ zusammengefasst); was wiederum über den Feminismus ekelhaft vieles aussagt.

In den NachrichtenWirtschaft
Abschließend angemerkt zum Abgasskandälchen und seinen Folgen

So bescheuert, als Reaktion darauf, dass sich überraschend herausgestellt hat, dass die eigene Annahme, ein Auto mit Auspuff hinten dran gehe vergleichsweise schonend mit der Umwelt um, völlig hirnrissig war, nicht etwa über sein Verhältnis zu Autos und/oder der Umwelt, sondern darüber, wen man nun wie für diesen Hirnriss verklagen kann, nachzudenken, muss man ja auch erst mal sein.

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Das auch mit Spielgeld nicht gelöste Problem: Ein Nachtrag.

In meinem Exkurs über den Bitcoin- und Ethereumwahnsinn habe ich versehentlich einen Teilaspekt zu beleuchten vergessen, der etwa zur gleichen Zeit wieder tagesaktuell wurde. Mir sei gestattet, dies an dieser Stelle nachzuholen.

Eine wichtige Schwäche der vorhandenen Zahlungsmittel nämlich, da gebe ich den Ideenhabern der „Kryptowährungen“, wenn auch ungern, Recht, ist die zentralistische Struktur der damit verbundenen Konten, was bedeutet, dass es als übliche Konstellation gilt, dass das Schicksal des irgendwo gelagerten Geldes in den Händen einer einzigen Person oder wenigstens Institution liegt, der damit zumindest – von einschlägigen Gesetzen abgesehen, möglichen Übeltätern nämlich sind Gesetze oft nicht unbedingt die wichtigsten Regelwerke – die Möglichkeit gelassen wird, besagtes Geld an sich zu nehmen oder den Geldtransfer Einzelner zu unterbinden. Dies wäre mit einer verteilten Bezahlinfrastruktur lösbar, wird aber ausgerechnet von „Kryptowährungen“ beibehalten: Klaut mir jemand die virtuelle Geldbörse, kommt künftig ihm sämtlicher Geldfluss in diese virtuelle Geldbörse zugute. Ohne eine Kontrollinstanz, die mir diese virtuelle Geldbörse nach wie auch immer gearteter Autorisierung wieder zurückgeben kann, könnte ich sehr schnell sehr große wenigstens finanzielle Probleme bekommen.

Die De-facto-Alternativen zu Bargeld oder Schuldscheinen in Form einer Kreditkarte sind zumindest im Web derzeit die frühere eBay-Tochter PayPal, die dafür bekannt geworden ist, ihren Kunden das Ersparte wegzunehmen, weil ihren Entscheidern nicht gefällt, was die Kunden damit tun, und Patreon, eine Art Vermittlungsdienst zwischen Künstlern und Kunstfreunden. Dass die mediale Diskussion über die Geschäftspraktiken solcher Dienste stark von politischen Vorlieben statt von objektiver Ethik geprägt ist, dass die faktische Enteignung von Wikileaks durch PayPal und Amazon also empörte Reaktionen hervorrief, die dieswöchige faktische Enteignung einer YouTuberin aus vorgeschobenen Gründen durch Patreon jedoch Schadenfreude, ist unangenehm menschlich, lenkt aber auch von dem vermutlich einzig bedeutsamen Fakt ab: Das Internet braucht heute nötiger als bislang ein nicht an jeweils einen einzigen Anbieter gebundenes Protokoll zur Übertragung von gesetzlichen Zahlungsmitteln.

Sicher ist, dass eine Erweiterung des Zahlungsmittelbegriffs um irgendwelche „Coins“ dieses Bedürfnis nicht stillt.