Es ist ja nun, ungeachtet meiner gelegentlichen Ausführungen zur Schwachsinnigkeit des Bestrebens, insgesamt zufriedene Windowsnutzer ungebeten mit Linux zu nerven, auch nicht so, dass ich Mitglied der Betriebssystemtaliban wäre.
Wie bereits vor kurzem anderweitig erwähnt, begab es sich jedoch, dass ich mit halbem Verstand nach einer eleganten Möglichkeit Ausschau hielt, ohne große Ablenkung Prosa zu schreiben. Das ständige Geblinke und Gebenachrichtige von Smartphones und Alltagslaptops ist der Konzentration nicht eben zuträglich. Ende 2025 bekam ich zu meiner sowohl Überraschung als auch Freude von jemandem, der Windows für seine tägliche Arbeit benötigt, einen voll funktionsfähigen Acer-Travelmate-Laptop sozusagen vererbt, weil Windows 11 darauf nicht mehr so recht installierbar sein wollte. Zufälle gibt’s.
Regelmäßige Leser wissen, dass ich zu denjenigen (wenigen) Menschen gehöre, die WordStar und Artverwandtes für eine hervorragende Option halten, das Texteschreiben und „Bloggen“ betreffend. Blöderweise unterstützt der Entwickler von WordTsar für selbiges offiziell nur Windows, macOS und Linux, und weil ich die Reiseschreibmaschine ausschließlich zum Schreiben nutzen können und möglichst jede Prokrastination ausschließen möchte, ist Patchen und Selbstkompilieren mit Einrichtung der bevorzugten Programmierumgebung diesmal keine Option.
Also muss es Linux sein. Blöd.
Vor ein paar Jahren, bevor ich einen Kopfsprung in die Applewelt gewagt hatte (mein Kopf ist übrigens immer noch in bester Verfassung, jedenfalls von außen), nutzte ich für unterwegs und unter anderem auch den „Congress“, den ich damals noch ertragen wollte, einen Laptop, auf dem die längste Zeit mal Gentoo, mal Void Linux lief. Es war nicht mal ein subversiv politisch gemeinter Aufkleber darauf. Ich mache auch immer alles falsch bzw. sehr richtig. – Über den aktuellen Zustand von Void Linux bin ich mir nicht im Klaren, die Entwicklung von Gentoo hingegen verfolge ich konsequent. Es ist die einzige mir bekannte Linuxdistribution, mit der zumindest ich keine abenteuerlichen Shellverrenkungen machen muss, um damit vernünftig arbeiten zu können, und von einem Upgrade des Kernsystems trotzdem keine üblen Überraschungen (systemd ist optional und ich nutze es nicht) zu erwarten habe, mit überdies selbst von den BSDs schwer zu schlagender, ungekannt hilfsbereiter IRC-community.
Ich hatte mir, zugegeben, die Arbeit schon früher etwas leichter gemacht und die zwei bis drei Befehle, mit denen man Gentoo auf den neuesten Stand bringt, in ein Script gegossen, aber es wird kaum genutzt. Man muss ja auch nicht ständig alles aktualisieren. – Mittlerweile ist vieles auch vorkompiliert verfügbar, nur die erste Installation dauert gerade mit nicht allzu neuen Prozessoren naturgemäß eine Weile, weil man den vorkompilierten Kernel erst auswählen kann, wenn man zuvor einen eigenen kompiliert hat. Das muss man aber nur einmal machen. Es ist nicht zwingend notwendig, immer alles auf die eigene Hardware zu optimieren. Ich will damit arbeiten und nicht auf dem Schulhof mit Zahlen prahlen.
Was ich nun also auf Reisen nutze, ist eine Umgebung aus Gentoo mit Window Maker (CDE, das meinen Sinn für Ästhetik ebenfalls trifft, bereitet mir ohne Maus nicht so recht Freude) und einer kleinen Auswahl an nicht nerviger Anwendungssoftware: xterm, WordTsar und – falls doch unterwegs eine kurze Recherche her muss – NetSurf. NetSurf „kann“ Recherche, aber kaum soziale Netzwerke. Perfekt. Auf E‑Mails verzichte ich auf diesem System im Übrigen gern.
Und dauernd über irgendwas benachrichtigen tut‘s mich daher eben auch nicht.



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Sehr cool 👍
Klingt ganz gut. Wie macht sich Musik darauf?
Gar nicht.
Unironisch Gentoo einsetzen wollen. Selten peinlich.