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In eige­ner Sache: Aus Word­Star in Mark­down kon­ver­tie­ren

Der Word­Press-Edi­tor ist schei­ße. Ich war­te mal den Applaus des Publi­kums ab, bevor ich wei­ter­schrei­be.

Also: Der Word­Press-Edi­tor ist schei­ße. Dass Auto­mat­tic ver­sucht, den wirk­lich schlim­men „Gutenberg“-Editor, der sich zwei­fel­los an Desi­gner und nicht an Autoren rich­tet, anstel­le des vor­han­de­nen (zuge­ge­ben: etwas lang­wei­li­gen) Text­fel­des, mit dem man ein­fach nur schrei­ben konn­te, als alter­na­tiv­los zu defi­nie­ren, min­dert die­ses Urteil in kei­ner Wei­se.

Als jemand, der ein­fach nur schrei­ben möch­te, kann ich mit die­sem anstren­gen­den Unver­ständ­nis davon, wie man schreibt, nur wenig anfan­gen. Nein, zum Schrei­ben brau­che ich kei­ne Con­tent-Crea­tor-Werk­zeu­ge, zum Schrei­ben brau­che ich ein Schreib­pro­gramm.

Schon län­ger set­ze ich unter macOS Ulysses, eine der weni­gen nam­haf­ten Anwen­dun­gen aus deut­scher Pro­duk­ti­on, ein, um län­ge­re Tex­te hier hin­ein­schrei­ben zu kön­nen, ohne voll­ends die Lust zu ver­lie­ren. Ulysses ist im Wesent­li­chen ein Mark­dow­nedi­tor, der auch eine „Ver­öf­fent­li­chen in WordPress“-Funktionalität bereit­stellt; ich schrei­be also mei­ne Tex­te in Mark­down, drücke dann einen Knopf und habe sie halb­wegs ver­nünf­tig for­ma­tiert im Word­Press-Edi­tor­feld vor mir. Das gin­ge zwar auch mit GNU Emacs, aber GNU Emacs funk­tio­niert auf dem Smart­phone, auf dem ich bis­wei­len Text­ent­wür­fe pfle­ge, nicht so gut.

Lei­der stellt Ulysses zwar eine weni­ger schlech­te Schrei­b­um­ge­bung als Word­Press selbst bereit, doch ist Mark­down nicht gera­de der hei­li­ge Gral der Text­ver­ar­bei­tung. Wie schön wäre es doch, könn­te man auch als Blog­ger Typ, der ins Inter­net rein­schreibt, von einer rich­ti­gen Text­ver­ar­bei­tung Gebrauch machen!

Gute Text­ver­ar­bei­tun­gen sind aller­dings kaum ver­brei­tet. In mei­nen Krei­sen üblich ist es, dass man sich ent­we­der mit dem schein­to­ten Libre­Of­fice oder mit dem scheuß­lich zu bedie­nen­den Micro­soft Office her­um­schlägt, doch beinhal­tet mein Ver­ständ­nis von guter Text­ver­ar­bei­tung kei­ne schreck­li­chen „Inno­va­tio­nen“ wie kon­text­ab­hän­gi­ge (also eben nicht intui­ti­ve) Sym­bol­lei­sten. Damit kom­men wir zu Word­Star, also zu der­je­ni­gen Text­ver­ar­bei­tungs­soft­ware, mit der Geor­ge R. R. Mar­tin unfass­bar lang­wei­li­ge Fan­ta­sy­schin­ken run­ter­lei­ert. Word­Star – genau­er: der freie Nach­bau Word­T­sar, über den ich mich schon 2021 freu­te (zu der Histo­rie des Pro­gramms führ­te ich dort Wei­te­res aus, der Ent­wick­ler mel­de­te sich selbst in den Kom­men­ta­ren zu Wort) – wäre eigent­lich ein geeig­ne­ter Kan­di­dat für eine sol­che rich­ti­ge Text­ver­ar­bei­tung. Word­Press kann aber mit Word­Star-Datei­en nichts anfan­gen (und mit RTF zum Glück auch nicht). Wie gut, dass ich pro­gram­mie­ren „kann“.

Ich ver­brach­te also etwas Zeit mit dem Stu­di­um des Word­Star-Datei­for­mats. Schnell war klar: Ich könn­te ein­fach regu­lä­re Aus­drücke über den Code lau­fen las­sen, aber ein Par­ser wäre dann doch ele­gan­ter. Das Ergeb­nis ist ws2markdown (im Aus­den­ken von Pro­gramm­na­men bin ich wirk­lich nicht gut, aber der Pro­gramm­na­me lässt sich belie­big ändern), das in Rust geschrie­ben ist, weil ich Pest mal aus­pro­bie­ren woll­te (hat geklappt). Die Gram­ma­tik ist sicher noch nicht als voll­stän­dig anzu­se­hen, deckt aber die Fähig­kei­ten von Mark­down mei­nes Erach­tens voll­stän­dig ab. Ergän­zun­gen – bevor­zugt mit rea­len Bei­spie­len – sind gern gese­hen. Gete­stet habe ich ws2markdown bis­her nur mit Word­T­sar 0.3.719, es ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass ande­re Ver­sio­nen von Word­Star ande­re Datei­for­ma­te haben.

Ein neu­er mög­li­cher work­flow (yo!) sieht also wie folgt aus: Der Text wird (abzüg­lich der Links und Bil­der, bei­des wird vom Word­Star-For­mat nicht unter­stützt) mit Word­T­sar geschrie­ben, mit ws2markdown kon­ver­tiert, anschlie­ßend in Ulysses (oder einem belie­bi­gen ande­ren Mark­dow­nedi­tor, der Word­Press „kann“) for­ma­tiert und hoch­ge­la­den.

Das klingt zwar unglaub­lich umständ­lich, geht einem aber immer noch weni­ger auf den Sack als der Word­Press-Edi­tor und kann theo­re­tisch sogar für sta­ti­sche Blogs genutzt wer­den, die nativ auf Mark­down set­zen. Viel­leicht kann es ja noch irgend­wer mal brau­chen.

Senfecke:

    • Das gleich­na­mi­ge Plug­in ist hier instal­liert (der Mensch mag sei­ne Gewohn­hei­ten), aber frei­lich immer noch weni­ger kom­for­ta­bel als eine rich­ti­ge Text­ver­ar­bei­tung. Wie lan­ge Auto­mat­tic es noch anbie­tet, ist auch noch offen.

  1. Zunächst ein Lob dem Koch! Ich ‚kann‘ nicht pro­g­ra­mie­ren, nur ein biss­chen in Codes herm­pfu­schen und gucken, was dann Lusti­ges pas­siert. „Clas­sic Edi­tor“ benut­ze ich auch (ich habe den Gens­fleisch buch­stäb­lich ange­brüllt), fra­ge mich aber, wann man wohl ein WP-Plug­in braucht, um über­haupt noch etwas schrei­ben zu kön­nen. Man braucht sicher irgend­wann ein Human Inter­face, um bei einem LLM bitt­e­bit­te sagen zu kön­nen, ob es wohl auch eige­ne – geschrie­be­ne – Tex­te zur Par­ty zulie­ße. Dann noch am Viren­checker vor­bei, weil ‚Text‘ ja immense Gefah­ren birgt, und kaum drei Tage spä­ter hat man die Geneh­mi­gung. Yeay!

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