Nerdkrams
WordTsar: Mehr als genug Textverarbeitung für 2021?

Wie die mei­sten ver­meint­lich nor­ma­len Menschen nut­ze auch ich gele­gent­lich Officepakete, denn zwar schrei­be ich sel­ten Briefe, wohl aber bin ich akti­ver Nutzer von Tabellenkalkulation. Während mei­ner im Wesentlichen seit 1996 lau­fen­den Vergleichstests in die­ser Kategorie habe ich zwei­er­lei Erkenntnisse gewon­nen: dass die Platzhirsche sel­ten die besten Lösungen anbie­ten und dass es nahe­zu immer ein Programm in Officepaketen gibt, das bes­ser ist als der fürch­ter­li­che Rest, wes­halb ich es sehr bedau­re, dass man etwa Microsoft Excel (das ande­rer­seits seit der „Version“ 2007 grau­en­voll zu bedie­nen ist) nicht mehr sepa­rat erwer­ben kann. Dürfte ich ein Officepaket selbst schnü­ren, ich wähl­te WordPerfect als Textverarbeitung, PlanMaker als Tabellenkalkulation und ein Präsentationsprogramm braucht nie­mand, der einen anstän­di­gen Beruf gelernt hat.

Da ich ein sol­ches Paket aber nicht bekom­me und auch nicht zusam­men­stel­len kann, ohne min­de­stens zwei doch recht sport­lich beprei­s­te Softwarekollektionen erwer­ben zu müs­sen, bleibt mir nur das klein­ste Übel: Wohl set­ze ich PlanMaker als mei­ne Tabellenkalkulation ein, für for­ma­tier­te Textdokumente aber gehe ich, wie so oft, einen eher unge­wöhn­li­chen Weg. Zwar bin ich Informatiker, aber LaTeX ist es nicht mehr. LaTeX ist als Textsatzsystem nicht zum Schreiben da und wer LaTeX nutzt, ohne des­sen Textsatzfunktionen wirk­lich sinn­voll ein­zu­set­zen, möch­te damit aus­schließ­lich visu­ell beein­drucken, stellt sich selbst dadurch aber als jemand dar, dem Blenden bereits als Qualität gilt.

Ich bekam vor ein paar Tagen das Leid geklagt, dass man damit kämp­fe, PDF-Dateien aus in Word erstell­ten Dokumenten mit bun­ten Bildchen („Screenshots“) drin zu erstel­len. Diese PDF-Dateien soll­ten eine „Hilfe“ sein. Meine Entgegnung, dass bun­te Bildchen eben­so wie bun­ter Text nicht in eine Textverarbeitung, son­dern höch­stens auf eine Website und auch das eher ungern, gehö­ren, ver­pack­te ich in einen Screenshot:

Eine Textverarbeitung ist - im direkten Vergleich mit LaTeX und sonstigem Schmutz, mit dem gegelte BWL-Erstsemester sich vom Prof verbal einen runterholen lassen - schon eine schöne Sache, schon weil ich gern selbst sofort sehe, was FETT und was KURSIV ist.  <img src='https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_smilenew.gif' alt=':-)' width='18' height='18' class='wpml_ico' />  Aber niemand braucht mehr als WordStar. (Naja, oder WordTsar.) Kann alles, was in ein Textdokument reingehört. Ganz einfache Regel: Ist es Text? Dann ja. Ist es Farbe, Bild oder sonstiger Datenmüll? Dann gehört das nicht in eine Textdatei, sondern ins Web, in ein DTP-Programm ("Publisher" oder so was gab es früher mal, aber ich bin natürlich auch schon sehr alt) oder, was weiß ich, schicks Mutti. Pfrml.<br />PDFs mit Screenshots. In/aus/mit Word. Dafür simmer 89 nicht auf die Straße! (Aus der Reihe "konservative Ansichten im 21. Jahrhundert"...)

Das Bild zeigt WordTsar, einen moder­nen Nachbau von WordStar. WordStar, die Älteren mögen sich erin­nern, war eine weit ver­brei­te­te Textverarbeitungssoftware, die schnell an Marktanteil ver­lo­ren hat­te, als WordPerfect, das unter ande­rem Pfeiltasten unter­stütz­te, Marktreife erlangt hat­te, bald aber von Microsoft Word, des­sen Hersteller ein­fach sehr viel Geld für Vermarktung und Vertrieb zur Verfügung hat­te und hat, weit­ge­hend ver­drängt wur­de. WordStar bedient man anstel­le von F-Tasten und inko­hä­ren­ten Tastenkombinationen im Wesentlichen über eine „dia­mant­för­mi­ge“ Navigation (Strg+E/S/D/X) sowie vie­le wei­te­re Strg-Kombinationen; die Menüführung (spä­ter unter ande­rem so ähn­lich in GNU nano und joe zu fin­den) macht die Befehle zumin­dest leicht auf­find-, wenn schon nicht immer sofort merk­bar. Hinreichend vie­le Autoren, dar­un­ter Robert J. Sawyer und George R. R. Martin, ver­wen­de­ten zumin­dest vor nicht lan­ger Zeit noch immer WordStar, obwohl es zuse­hends schwie­ri­ger wird, die­ses Programm auf neu­en Systemen zum Laufen zu bekom­men. Das ist ins­be­son­de­re ärger­lich, weil bis heu­te WordStar unter einer pro­prie­tä­ren Lizenz steht und der der­zei­ti­ge Besitzer an der kosten­frei­en Freigabe des seit 1994 nicht mehr aktua­li­sier­ten Programms offen­sicht­lich noch immer kein Interesse hat.

Gerald Brandt, noch so’n Autor, hat daher WordTsar (ich habe schon schlech­te­re Wortspiele gehört, teil­wei­se sogar von mir) als freie Software ent­wickelt. Zwar ist die Reihe an noch nicht imple­men­tier­ten Funktionen recht lang und die ein­zi­gen wirk­lich gut unter­stütz­ten Dateiformate - das wird wohl als näch­stes fea­ture ange­gan­gen - sind .WS (WordStar-7.0D-Dateien) und .RTF (kennt man wahr­schein­lich vor allem von WordPad), aber der Entwickler macht das ja eher neben­bei und die bis­he­ri­gen Funktionsupdates waren durch­aus oft recht voll an ange­neh­men Überraschungen. Wie man auf dem Bild sieht, ist auch alles, was man für Briefe und so wei­ter braucht, schon da: Man kann Text schrei­ben, Text for­ma­tie­ren (mit offen­sicht­li­cher Kennzeichnung der Formatierung - das kriegt so sonst nur WordPerfect wenig­stens ähn­lich gut hin) und Text laden, spei­chern und - momen­tan nur über den Umweg der Druckvorschau - drucken.

Hätte ich nicht hin­rei­chend vie­le ande­re Projekte, ich ver­such­te mich selbst dar­an, eini­ge der noch feh­len­den Funktionen von WordTsar fer­tig­zu­stel­len. So aber möch­te ich zumin­dest auf die Software hin­ge­wie­sen haben. Sie ist eigent­lich mehr als gut genug für die mei­sten „Ich brau­che for­ma­tier­ten Text“-Anliegen. Jetzt müss­te sie nur noch fer­tig wer­den. Aber wel­ches Programm ist das schon?


Nachtrag vom 9. August: Gerald Brandt wies mich in den Kommentaren dar­auf hin, dass Drucken sehr wohl funk­tio­niert, wenn man die Druckvorschau (^O-p) statt des Druckbefehls (^K-p) ver­wen­det. Das war mir selbst noch nicht auf­ge­fal­len, es ist jedoch wissenswert.

Senfecke:

  1. Danke für den Beitrag. Es ist tat­säch­lich extrem ernüch­ternd, wenn man rea­li­siert, was für Ideen schon von der Bühne ver­schwun­den sind, nur weil irgend­ein däm­li­cher „Zufall“ (gepaart mit einem Haufen $$$ (aka Marketing)) die Windrichtung vor­schrei­ben wollte.

    Unabhängig davon möch­te ich ankün­di­gen, dass ich - mit ent­spre­chen­der Quellenangabe (Verweis auf „tux0r“) - den Teilsatz hier und da zitie­ren wer­de: „und ein Präsentationsprogramm braucht nie­mand, der einen anstän­di­gen Beruf gelernt hat.“.

    • Ahoy Gerald,

      thank you for sho­wing up! Maybe I am just too inex­pe­ri­en­ced to under­stand how prin­ting is sup­po­sed to work, becau­se ^K-p is „not imple­men­ted yet“, neit­her is selec­ting a prin­ter, at least in the cur­rent alpha version.

      I know about the DOCX loading, but RTF sup­port - I know, we both hate that - is nota­b­ly more matu­re as of now as far as I can see.

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