Musikkritik
Kurzkritik: Mr Averell – Gridlock

Mr Averell - GridlockWas macht eigentlich David Jackson? Nun, seit seinem Ausstieg bei Van der Graaf Generator vor einigen Jahren blieb der Stil prägende Saxophonist nicht musikalisch untätig und tat sich mit verschiedenen anderen Künstlern zusammen. Einer dieser Künstler ist René van Commenée, ein niederländischer Künstler, der gelegentlich auch was mit Musik macht. Sein neuestes Projekt, eher liedorientiert, heißt Mr Averell (offenbar ohne den Punkt). Ich hab’s mir mal angehört.

Dass das Album mit der Geräuschcollage „Lock“ beginnt, ist zwar ein viel versprechender Anfang, leider fällt das Niveau schnell. Der Gesang Herrn van Commenées erinnert an Joe Cocker, Tom Waits und den späten Bob Dylan, jedoch deutlich jünger. So klingt „Break the mirror“ auch eher nach einem Seemannslied als nach einer Avantgardekomposition. Gelegentlich dürfen aber auch andere Personen ans Mikrofon, im folgenden „Kiss the girl!“ zum Beispiel die mir bislang unbekannte Lene Lovich. David Jackson steuert Doppelhornspiel dazu bei, neben ihm sind auf dem Album auch Hugh Banton (Orgel), Stuart Gordon (Geige, Elektronik), John Ellis (diverse Saiteninstrumente) und Judge Smith (Euphonium) zu hören, allesamt aus verschiedenen Inkarnationen von Van der Graaf Generator bekannt. „Kiss the girl!“ klingt entsprechend wie eine sehr fröhliche, beinahe dem Pop zugehörige Tanzversion von Van der Graaf Generator. (Warum wird so etwas eigentlich nie als Single veröffentlicht?)

Weite Strecken von „Gridlock“ werden von René van Commenées Akkordeon (Seemannslieder – da sind sie wieder) dominiert. Das klingt nur oberflächlich langweilig. Immer wieder wird der Hörer davor bewahrt, einzuschlafen, etwa mit dem belustigenden, plötzlichen Refrain von „Boxes“. René van Commenée kann aber auch den Hammill: Der schon vom Titel her hammillesque „The fear of dreaming (For Marijke)“ könnte ebenso wie das dreizehnsekündige „100 presents“ von dessen Solowerken stammen. Fröhlicher wird’s dann wieder im Titelstück („Gridlock“), in dem wiederum Lene Lovich Herrn van Commenées Duettpartnerin ist, und auch das abschließende „Rideehoo!!“ ist wohl fröhlich gemeint, klingt aber eher nach einer Mischung aus Kirmes- und Countrymusik.

Wer sich von der illustren Gästeliste hat täuschen lassen, der sei vor „Gridlock“ gewarnt. Für ein RIO-Album ist es zu liedorientiert, einem VdGG-Anhänger dürfte es deutlich an Spannung fehlen. Lichtblicke sind die seltenen starken Momente von David Jackson ebenso wie die Duette mit Lene Lovich, eine Frau, zu der ich wahrscheinlich auch mal Genaueres erlesen sollte; leider gibt es zu wenige von diesen.

Die Musikpresse findet „Gridlock“ ziemlich klasse. Aber was kann man von denen auch erwarten?

Senfecke:

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