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Musik 12/2023 — Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 27 von 29 der Serie Jahres­rück­blick

Ein Jahr ist vor­bei und ihr wisst, was das heißt: Die Liste mein­er bevorzugten Alben des Jahres bedarf wieder eur­er ungeteil­ten Aufmerk­samkeit. Es kön­nte das let­zte Mal sein, dass ich es euch so ein­fach mache: Der außeror­dentlich unhöfliche Konz­ern Song­tradr hat 2023 Band­camp hal­biert. Ich würde ja gern mit pos­i­tiv­en Aus­sicht­en das Musik­jahr 2023 ver­ab­schieden, aber ich kann nicht. Ich kann ein­fach nicht.

Steven Wil­son hat 2023 mit „The Har­mo­ny Codex“ ein weit­eres viel­gerühmtes Album mit Stampf­pop (na gut: art­pop) raus­ge­bracht. Die Rezensen­ten waren wie üblich hin und weg, weil man Musik von Steven Wil­son (Steven Wil­son!) ja nicht ein­fach ignori­eren darf. Ich wollte das Album eigentlich selb­st nicht hören (der Vorgänger „The Future Bites“ war wirk­lich schlimm, aber ich hat­te zu viel Zeit und fasse mich mal kurz: Ich wün­schte, Pop­musik würde mich inter­essieren. 2024 werde das „Jahr der Popfrauen“, mut­maßte die „Frank­furter All­ge­meine Son­ntagszeitung“ im Dezem­ber. Das hoffe ich doch ein­fach mal nicht.

Dass es im jüngst abge­laufe­nen Jahr trotz­dem ziem­lich gute Musik gab, sei hier den­noch nicht ver­schwiegen. Einiges davon, näm­lich die jew­eili­gen Alben von Uri­ah Heep, PoiL Ueda, scheissediebullen und Sig­ur Rós, hat­te ich schon früher im Jahr pos­i­tiv bew­ertet. Siebzehn weit­ere gelun­gene Werke fol­gen im Fol­gen­den. Es möge euch von Nutzen sein.


  1. Atsuko Chi­ba — Water, It Feels Like It’s Grow­ing

    Atsuko Chi­ba, der Name ver­rät es schon, stam­men aus Mon­tréal (Kana­da), sind also mit ein­er flo­ri­eren­den Postrock­szene ver­traut. „Water, It Feels Like It’s Grow­ing“ ist ihr drittes Stu­dioal­bum und war der erste wirk­liche Knaller des Jahres. Also nicht im Wortsinne jet­zt.

    Ich höre weit­ge­hend Rock­musik mit dem gewis­sen Etwas. Adjek­tiv? Tanzbar. Das Darge­botene ist vielschichtig, über­all und ständig passiert etwas, aber man schafft es kaum, sich darauf zu konzen­tri­eren, weil der Mahlstrom an Musik rhyth­misch vorantreibt. Nicht innehal­ten. Bewe­gen. Die immer noch unter­schätzten Crip­pled Black Phoenix fall­en mir als Ver­gle­ich (auf und) ein.

    Das Titel­stück fließt zum Abschluss des Albums eher zäh, jazz-trip­pig aus dem Kopfhör­er, ohne dabei Kom­plex­ität zu opfern. Ein Album, das sich zu kurz anfühlt. Atsuko Chi­ba ist eine Fig­ur aus dem japanis­chen Ani­me „Papri­ka“ (noch so ein japanis­ch­er Name) von 2006. Ich mag keine Ani­mes. Die Musik ist aber gut.

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  2. Hong Faux — Des­o­la­tion Years

    Hong, so sagt’s der Wis­senss­chatz, sei unter anderem eine Marienkäfer­art. Hong Faux, ein falsch­er Marienkäfer also? Das schwedis­che Quar­tett dieses Namens spielt jeden­falls eine Musik der­jeni­gen Art, die mit Marienkäfern wenig gemein hat.

    Irreführend ist auch der Beginn von „Des­o­la­tion Years“, des aktuellen Albums der vier Her­ren, denn das, was ich zunächst für grol­len­den Ston­er hielt, geht später über in gut gemacht­en Indie­rock mit mitunter mehrstim­migem Pow­erge­sang. Yeah. Die „VISIONS“ zitiert die Foo Fight­ers (offen­sichtlich in „Starkiller“), Clutch (mag ich) und Queens of the Stone Age (haben auch so ihre Momente) als Ein­flüsse. Dem zu wider­sprechen liegt mir fern. „Des­o­la­tion Years“, „trost­lose Jahre“ — der Titel deutet erdi­ge Klänge an und daran man­gelt es hier nicht. Trock­ene Musik für die trock­ene Wüste. Blöd, dass ich diese Rezen­sion im Win­ter zu Ende bringe. Aber das Album behalte ich ja noch etwas länger; im Som­mer kön­nte ich es noch mal brauchen.

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  3. MSPAINT — Post-Amer­i­can

    Wenn man MSPAINT heißt, dann muss man wahrschein­lich genau so was machen wie die Musik­gruppe gle­ichen Namens aus Mis­sis­sip­pi, die von sich behauptet, sie würde „Tanzpunk“ her­vor­brin­gen. Auf ihrem iro­nisch „Post-Amer­i­can“ genan­nten 2023er Album ist davon auch tat­säch­lich etwas zu hören, wobei der Tanz- dem Punk­fak­tor über­ge­ord­net scheint.

    Sich­er: Es gibt wütende Gitar­ren und zorni­gen Gesang (oft vielmehr: Gerufe), aber der Rezensent (= ich) erwis­cht sich doch öfter beim Mitwip­pen als beim Sitz­pogo. Das wirk­lich großar­tige „Delete It“, eins dieser Lieder, an denen ich mich immer noch vergebens sattzuhören ver­suche, ist eins von zwei Liedern auf diesem Album, auf denen Gast­musik­er zu hören sind — in „Delete It“ ist es Ian Shel­ton, Sänger der Post-Hard­core-Com­bo Mil­i­tarie Gun, auf „Decap­i­tat­ed Real­i­ty“ singt Pierce Jor­dan der mir bis­lang unbekan­nten Soul Glo. Eine gewisse stilis­tis­che Strin­genz ist dabei erkennbar, „Free From the Sun“ etwa glaube ich schon zuvor auf dem­sel­ben Album so ähn­lich gehört zu haben, aber das macht ja nichts, so lange es gut ist. In der Tat schwächeln MSPAINT auf „Post-Amer­i­can“ kaum, son­dern gehen gut ab. Das haben sie dem Mal­pro­gramm voraus.

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  4. Shem — III

    Das (ja, huch!) dritte Stu­dioal­bum des Stuttgarter Psy­che­del­ic-Kollek­tivs Shem — dessen Band­camp­seite witziger­weise „Shem­trails“ heißt, hehe, wegen Chem­trails — möge die jährliche Dosis Postrock ein­leit­en. Zwar spielt es nicht das alte Laut-leise-Spiel mit, doch ist die instru­men­tale Reise (im fast dreim­inüti­gen „Lamen­tum“, lei­der aus­ge­blendet mit einem blö­den fade-out, gibt es erst­mals text­losen Gesang, eben­so im abschließen­den „Refugium“) von Gitar­ren getra­gen.

    Die unklare Anzahl an Musik­ern (es han­delt sich immer­hin um ein „Kollek­tiv“) rührt kräftig im Topf der „Kos­mis­chen Musik“, bedi­ent sich dabei aber mod­ern­er Mit­tel. Der Hör­er wird mitgenom­men auf eine Klan­greise in den (men­tal­en) Wolken, natür­lich hat man das schon mal gehört.

    Das Album ist unter 40 Minuten lang, es fühlt sich nicht länger an als eine halbe Stunde. Schade eigentlich.

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  5. When Plagues Col­lide — An Unbib­li­cal Par­a­digm

    2023 erschienen manche gar nicht mal üble Alben, die in irgen­deine Met­al­corespielart einzu­sortieren sind. Dazu zählen Alben wie „Sil­hou­ettes of Dis­gust“ von Down­fall of Gaia, das hier sep­a­rat aufzuführen mir nur meine Faul­heit ver­bi­etet, noch viel mehr aber lohnt sich ein Blick auf das europäis­che Aus­land. Deutsche Musikalben wer­den hierzu­lande schon viel zu aus­führlich gewürdigt.

    2016 fan­den aus­gerech­net in Bel­gien fünf, nun, Musik­er zusam­men, um gemein­sam Geräusche her­vorzubrin­gen, die gemein­hin als „Sym­phon­ic Death­core“, „sin­fonis­ch­er Todeskern“ also, etiket­tiert wer­den. „Sym­phon­ic Death­core“ muss man sich unge­fähr wie fol­gt vorstellen: Man wohnt einem klas­sis­chen Konz­ert mit großem Orch­ester bei, hat aber in einem Ohr einen dieser unsäglichen Ohrsteck­er, in dem ein Met­al­gi­tar­rist stun­den­lang das­selbe Riff spielt, begleit­et von einem Schlagzeuger, der Hum­meln im Hin­tern hat und wirk­lich wütend auf seine Exfre­undin ist, deren neuen Fre­und er in Form eines Fotos auf seine Felle gek­lebt hat. Kurz nach Beginn des Konz­erts springt Bat­man aus dem­jeni­gen Par­al­lelu­ni­ver­sum, in dem er seit 50 Jahren Ket­ten­rauch­er und überdies leicht erkäl­tet ist, auf die Bühne und ver­sucht ein stör­risches, jedoch taub­s­tummes Kind dazu zu bewe­gen, endlich mal sein Zim­mer aufzuräu­men.

    Dieser Art von Musik, zumal deren Inter­pret „Wenn Pla­gen kol­li­dieren“ heißt, kommt eine anstren­gende Gesamt­si­t­u­a­tion wie die, in der die Welt sich im Zeitrah­men der Auf­nahme und der Veröf­fentlichung von „An Unbib­li­cal Par­a­digm“ (so heißt deren zweites Album) befand, freilich zupass und dem Ver­fass­er dieser Zeilen eben­so; gele­gentlich zieht es mich ja dazu, mich aus dem Kopfhör­er anbrüllen zu lassen. Das abschließende „In alle stilte“ (das ist Aus­ländisch und heißt „In aller Stille“) macht es mit seinem beina­he melodis­chen Wesen und dem dazu erzählten Text (es mag Flämisch sein, das kann ich nicht) fast kaputt; aber eben nur fast.

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  6. Ver­to­nen — Einige Schad­stoffe

    Ich halte nicht viel von der Ver­wen­dung des schreck­lichen Begriffs Liefern im Zusam­men­hang mit musikalis­chen oder son­sti­gen kün­st­lerischen Werken, denn zwar liefert mir ein Bote bisweilen neue Schallplat­ten, die Kün­stler selb­st liefern jedoch nur sel­ten. Das ist auch nicht ihre Auf­gabe.

    Daher werde ich hier auch nicht auf die For­mulierung zurück­greifen, die Helen Scars­dale Agency lief­ere zuver­läs­sig völ­lig kaputte Musik, obwohl ich diesen Ein­druck bere­its seit Jan­u­ar 2023 mit mir herum­trage. Mit Ver­to­nen — so nen­nt sich ein Avant­garde­musik­er aus Chica­go nicht ganz grund­los, obwohl ich nicht so genau weiß, was er eigentlich ver­tont — hat die “Agency” einen weit­eren Musik­er im Pro­gramm, der völ­lig kaputte Musik her­vor­bringt. Gut, was habe ich von einem Album auch erwartet, das „Einige Schad­stoffe“ heißt?

    Aufgenom­men wurde das Album 2022, veröf­fentlicht wurde es trotz­dem erst im April 2023. Als Musikin­stru­mente kom­men ein Syn­the­siz­er, Fel­dauf­nah­men, Kurzwellengeräte und Alt­met­all zum Ein­satz. Was ver­tont wurde, ver­mag ich nicht zu beurteilen; Banau­sen wür­den jet­zt “ganz klar ein Autoun­fall” schreiben, aber ich bin ja kein Banause, son­dern mag Krach. Das Album sei eine Hom­mage an die klas­sis­che Phase des Indus­tri­al Noise, erzählt der Pres­se­text (welche Presse auch immer man mit dieser Art von Musik erre­ichen will). Das kann dur­chaus sein. Bezug genom­men wird unter anderem auf Throb­bing Gris­tle und Mau­r­izio Bianchi. Dem kann ich nicht wider­sprechen. „Einige Schad­stoffe“ ist ein Album mit lose struk­turi­erten Geräuschen, das mich überdies mitunter an „Rav­vi­van­do“ von Faust denken lässt. Ab und zu gibt es Sprach­fet­zen, die zu ver­ste­hen ich ger­ade zu ein­genom­men von der auf mich ein­pras­sel­nden Atmo­sphäre bin. Völ­lig kaputt. Großar­tig.

    Das Album gibt es nur als Down­load und auf Kas­sette. Passt.

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  7. Orsak:Oslo — In Irons

    Orsak:Oslo ist eine Musik­gruppe aus, nun ja, haupt­säch­lich Oslo. „Orsak“ ist Schwedisch und heißt Ursache oder Grund. Ich finde, Oslo ist ein akzept­abler Grund.

    Die Gruppe heißt also gar nicht so selt­sam wie ihre Stücke. Auf dem zweit­en Stu­dioal­bum „In Irons“ set­zen Orsak:Oslo ihre auf 13 EPs und dem Debü­tal­bum begonnene Tra­di­tion, ihre Lieder zu num­merieren (und das nicht mal kon­se­quent), jeden­falls fort: Die fünf Stücke heißen „068 The Swell“, „079 Dutchman’s Wake (Part I)“, „069 In What Way Are You Dif­fer­ent“, „078 The Mute (Part II)“ und „074 Hadal Blue“. Angenom­men, es wäre hier eine gewisse Chronolo­gie verewigt, was Sinn ergäbe (auf der Debüt-EP war Num­mer 8 drauf), gebührt den Musik­ern schon wegen ihrer Pro­duk­tiv­ität meine Hochachtung.

    Zu hören ist, die Länge („Hadal Blue“ schafft es als mit Abstand läng­stes Stück auf nahezu 17 Minuten Laufzeit) kön­nte es ver­rat­en haben, keine gewöhn­liche All­t­agsmusik. Die vier Her­ren haben tief ins Kraut­glas gegrif­f­en und präsen­tieren zu vortr­e­f­flich poltern­dem Bass und dem guten, alten Motorik­beat mal klas­sis­che Can-Rem­i­niszen­zen, mal gitar­renori­en­tierten Postrock á la Mog­wai. Zur Ver­an­schaulichung: „079 Dutchman’s Wake (Part I)“ ist zu einem nen­nenswerten Teil ein ver­siertes Gitar­ren­so­lo, das dem psy­che­delis­chen Grund­mo­tiv nicht etwa zuwider­läuft, son­dern es vielmehr unter­stre­icht. Texte gibt es kaum, sieht man von etwas mit­ten­drin Gesproch­en­em ab, auf das ich aber nicht geachtet habe, weil ich zu sehr damit beschäftigt war, mich von der Wirkung ein­nehmen zu lassen. Andere nehmen Dro­gen, ich höre solche Musik. Legal­ize it.

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  8. Mutoid Man — Mutants
    I’m in love with my grave­keep­er / I said, “Hey, make that hole deep­er” (Grave­yard Love)

    Mutoid Man ist der Name ein­er dreiköp­fi­gen und sech­sarmi­gen New York­er super­group, beste­hend aus Mit­gliedern von Cave In, Con­verge und High On Fire. Die schon oft gese­hene Beset­zung (Gitarre/Gesang, Schlagzeug, Bass) deutet, ver­bun­den mit den Stamm­bands der Musik­er, völ­lig zu Recht in eine gewisse stilis­tis­che Rich­tung: Met­al­core, Punk, irgend­wie so; und tat­säch­lich: Wirbel­nde Gitar­ren­läufe tra­gen auf „Mutants“ kom­plexe Rock­musik mit Bewe­gungswillen.

    Im Inter­net wurde geschrieben, der Musik von Mutoid Man fehle eigentlich nur noch Mike Pat­ton. Stimmt schon; zumal manche Lieder auch das richtige Maß an Witz aufweisen, etwa das ein­gangs zitierte „Grave­yard Love“.

    Mir gefällt übri­gens das Cover­bild. Es ist so far­ben­froh und energiere­ich wie das Gehörte und es hat sog­ar was mit dem Titel des Albums zu tun. Zum eröff­nen­den Stück „Call of the Void“ gibt es ein selt­sames Musikvideo, es legt nicht die schlecht­este Grund­lage für den Kon­sum von „Mutants“. Ein Album für diejeni­gen Momente, in denen quirliger Gitar­renkrach das Einzige ist, was den Tag noch ret­ten kön­nte.

    Zum Glück sind die Wei­h­nachtsmärk­te erst mal wieder vor­bei.

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  9. Kvel­er­tak — Endling

    Kvel­er­tak aus Nor­we­gen spie­len instru­men­tal­en Hardrock“ wollte ich eigentlich schreiben, aber dann set­zte nach schlap­pen vier Minuten der Sänger ein. Also noch mal von vorn: Kvel­er­tak aus Nor­we­gen tourten vor ein­er Weile unter anderem mit Mutoid Man und spie­len — insofern kaum über­raschend — ganz nor­malen Hardrock mit Met­al- und Punkan­lei­hen. Ich habe keine Ahnung, worum es in den nor­wegis­chsprachi­gen Tex­ten geht. Hof­fentlich nicht um Schweinkram, ange­blich um his­torische und zeit­genös­sis­che ster­bende Völk­er in Nor­we­gen. Gutes textlich­es Motiv für eine Hardrock­band.

    Zumin­d­est in der ersten Hälfte des Albums dominiert der instru­men­tale Bestandteil der Musik deut­lich, dann kommt der­jenige Aspekt zum Tra­gen, der die Auf­nahme in diese Liste zur Folge hat­te: Kvel­er­tak rock­en, und das wirk­lich gut mit ordentlich groove. Ein- und aus­ge­blendet wird das Album mit einem Rauschen, was immer­hin weniger blöd als das heutzu­tage immer noch übliche bloße Aus­blenden ist. Hin­sichtlich der Instru­mente, die hier zum Ein­satz kom­men, ste­ht diversen Gitar­ren auch ein Ban­jo („Døgenik­tens Kvad“) zur Seite. Das amüsiert mich.

    „Tanzbar“ sei „Endling“, las ich ander­swo, und ich kann ja sog­ar zu Walz­er nicht tanzen und bew­erte das daher erst mal nur als Infor­ma­tion.

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  10. [ B O L T ] — ( 0 5 )

    Die Wieder­ent­deck­ung der Langsamkeit ist in hek­tis­chen Zeit­en wie den unsri­gen von so großer Wichtigkeit wie sel­ten zuvor. Da kom­men die Duis­burg­er von [ B O L T ] mit ihrem 2023er Album „( 0 5 )“ ger­ade recht.

    Die ver­hal­tene Perkus­sion schon zu Beginn des Albums („[ 3 2 ]“, die Stücke tra­gen nicht chro­nol­o­gisch sortierte Num­mern und sel­ten zusät­zliche Titel) trügt: Haupt­säch­lich spie­len die drei Her­ren — zwei am Bass, ein­er am Schlagzeug — „Black Drone Met­al“, das ein Genre sein soll und ein biss­chen wie eine Früh­lingsver­sion von Sunn O))) klingt. Die Leerze­ichen im Gesamten sind so tre­f­fend, dass die Musik­er eigentlich alles Übrige auch weglassen kön­nten. Das von mir als Kern­stück des Albums iden­ti­fizierte „[ 3 7 ]“, fast 22 Minuten lang, wäre in nor­maler Geschwindigkeit wahrschein­lich radiokom­pat­i­bel (wenn auch sich­er nicht ‑tauglich), den­noch würde ich nichts kürzen oder beschle­u­ni­gen wollen. Das Stück — das Album — klingt wie ein Som­mer­mor­gen nach dem Krieg, ein „schiz­o­phrenes Szenario“ (Mike Langer). Den­nis Strillinger trom­melt in die kako­phonis­che Dystopie hinein, die die ger­ade abge­zo­ge­nen Mar­o­deure von der einst blühen­den Stadt, die in den Melo­di­en noch zu erah­nen ist, übrig gelassen haben.

    Irgend­wo in der Musik sei ein Zeichen der Hoff­nung zu find­en, wort­salatiert der Pres­se­text (haha, welche Presse?) zum Album. Dieses Zeichen kommt spät („[ 4 0 ] / Petite fleur des champs“), aber es kommt mit Wucht: Hin­ter dem schlep­pen­den Dröh­nen singt und flüstert Sura Sol, die ich immer­hin bis­lang auch nicht kan­nte, für mich aus Abmis­chgrün­den schw­er Ver­ständlich­es, doch schön Klin­gen­des, in mir unbekan­nter Sprache. Mit Gesang hat­te ich an dieser Stelle nicht gerech­net, aber er passt. Das Lied klingt san­ft, beina­he sakral, aus und geht ins eben­so ruhig begin­nende let­zte Stück „[ 2 9 ]“ über. Die Ruhe nach dem Sturm mag keine Aufre­gung. Das kann ich ver­ste­hen. Nach etwa zwei Minuten entschließt sich „[ 2 9 ]“ dann aber doch dazu, den Mitwipp- und Mit­nick­fak­tor zu vervielfachen. Vie­len Dank. Schönes Album, schönes Ende.

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  11. Aki­ra Saka­ta, Toshi­maru Naka­mu­ra, Raiga Hayashi — Kin­jo no Tabibito

    Aki­ra Saka­ta (Alt­sax­ophon und Klar­inette) ist ein Free-Jazz-Musik­er, Toshi­maru Naka­mu­ra (Mis­ch­pult) ist ein Impro­vi­sa­tion­s­musik­er und Raiga Hayashi ist — darüber schweigt die Wikipedia — zumin­d­est hier ein Schlagzeuger. Zu dritt nah­men die drei Japan­er vor ein paar Monat­en unter anderem das Album „Kin­jo no Tabibito“ auf, das man wahrschein­lich unge­fähr 近所 の旅人 schreiben sollte, was unge­fähr „Reisende in der Nach­barschaft“ bedeutet.

    Die Ton­qual­ität erin­nert nicht zufäl­lig an eine Livesi­t­u­a­tion: Aufgenom­men wur­den bei­de Stücke, die überdies „1st Set“ und „2nd Set“ heißen, am 5. März live in Tokio. Das hier ver­wen­dete Mis­ch­pult weist die Beson­der­heit auf, dass es keine exter­nen Eingänge hat, so dass das son­stige Gespielte eben nicht gemis­cht wird, son­dern vielmehr ein Spiel mit elek­tro­n­is­chen Klän­gen betrieben wird. Auf Band­camp gibt es einen (englis­chsprachi­gen) Artikel über das Instru­ment (bzw. das Eben-nicht-Instru­ment), den weit­er zu zitieren möglicher­weise den Rah­men dieses Textes spren­gen würde, weshalb ich darauf verzichte.

    Die im Titel des Albums erwäh­nte Reise führt über hol­pri­gen Unter­grund, stelle ich fest: Auf die Ohren gibt es vor allem hek­tis­chen Instru­men­tal­jazz, worüber Aki­ra Saka­ta gele­gentlich eine japanis­chsprachige Geschichte murmelt. Man sehe mir nach, dass ich die Texte beim Hören nicht sofort zu über­set­zen imstande war. Es ist den Musik­ern zu wün­schen, dass in der Nach­barschaft Jazz zumin­d­est nicht uner­wün­scht ist. Ich mag Jazz.

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  12. Kraan — Zoup

    Zu den weni­gen angenehmen Din­gen, die 2023 passiert sind, gehört auch, dass viele der Alten gezeigt haben, dass sie es musikalisch immer noch kön­nen. Die deut­lich ver­jüngte Mannschaft von Gong brachte eben­so ein neues ganz gutes Album raus wie die deutsche Krautrock­le­gende Guru Guru, die immer noch den „Elek­trolurch“ auf ihren Alben schwin­gen.

    Deren Weg­be­gleit­er und Land­sleute von Kraan, die es — zehn Jahre Pause eingeschlossen — auch schon seit 1970 gibt, scheinen aber noch eben­so hun­grig zu sein, so dass es 2023 zu einem neuen Album namens „Zoup“ kam. Das heißt Suppe, glaube ich. Das Cover­bild ver­ste­he ich nicht. Gibt es Vogel­suppe? Zutat­en: Soft Machine, Car­a­van, ein paar Ess­löf­fel Camel („Plain Vanil­la“) und eine Prise AOR („Twist­ed“).

    Wie bei einem guten Ein­topf kön­nen die Musik­er hier insofern wenig falsch machen, denn sie bleiben bei ihrem bewährten Konzept. Die einge­brock­te Suppe auszulöf­feln sät­tigt nicht, aber schmeckt. Ich wün­sche guten Appetit.

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  13. Cit­rus Cit­rus — Albe­do Mas­si­ma

    Wie es der Titel des Albums für uns Viel­gereiste schon vorschlägt, ist Cit­rus Cit­rus eine Musik­gruppe aus Ital­ien, auf „Albe­do Mas­si­ma“ zu fün­ft. Die Plat­ten­fir­ma Sula­tron Records, bekan­nt für aller­lei Psy­che­delis­ches, hat Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen (31. Dezem­ber 2023: zurzeit lei­der im Urlaub­smodus) zum Titel des Albums (es geht um Pome­los) für diejeni­gen, die Triv­ia sam­meln, doch erfasst es das Musikalis­che kaum.

    Das Album rotiert ger­ade bei mir wie eine Pome­lo im Mix­er, als frisch­er Ein­druck klebt an mir wie eine matschige Frucht ein wahrer Smooth­ie aus Indi­en (eine Sitar ist zu hören), Griechen­land und 70er-Hardrock, Orgel inklu­sive. Gesun­gen (wenig) wird auf Englisch, was ich gut finde, weil ich den Klang der ital­ienis­chen Sprache noch nie mochte und auch weit­er­hin nicht mag. In „Fetonte“ mache ich gar ein wenig Krautrock aus, Mar­co Buf­fet­tis Schlagzeug treibt hier ein musikalis­ches Kalei­doskop voran. Fetonte ist der ital­ienis­che Name von Phaethon, einem Sohn der griechis­chen Son­nengöt­tin Eos. Iro­nis­cher­weise klingt dieses Stück über­haupt nicht griechisch. Das ist in Ord­nung.

    Eine wahrlich vit­a­m­in­re­iche Mis­chung tis­chen Cit­rus Cit­rus hier auf.
    Nicht schlecht geeignet für kalte Abende.

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  14. Princess Thai­land — Gold­en Frames

    Apro­pos gute Musik­grup­pen aus sprach­lich benachteiligten Län­dern: Princess Thai­land ist ein (klar, was auch son­st?) franzö­sis­ches Quar­tett, deren Sän­gerin erfreulicher­weise eben­falls auf Englisch singt; wobei Gesang in dem genre, in dem Princess Thai­land sich herumtreiben, ein gewagtes Wort ist. Auf dem weit­en Feld zwis­chen Post­punk und Noise, zwis­chen Sav­ages und Son­ic Youth qua­si, tanzen sie einen Reigen, von dem Daniel Thomas von der „VISIONS“ (6 von 12 Punk­ten) ganz schwindlig gewor­den ist.

    Die lakonisch vor­ge­tra­ge­nen Vokalbeiträge — mal sin­gend, sel­ten („Imper­a­tor“) raunend, oft eher ener­gisch sprechend, wie’s sich in der Stil­rich­tung eben gehört — fügen sich indes ins Gesamte ein. Wüten­des Schlagzeug und grol­len­der Bass leg­en das Fun­da­ment des Gewohn­ten, das Übrige ist mal nervös­er Krach, mal von san­fter­er Art, aber trotz des ver­meintlich auserzählten Stils (wenig­stens mich) musikalisch beein­druck­end. Gele­gentlich wer­den Motive wieder aufge­grif­f­en, das freut den Rezensen­ten, der son­st mitunter den Ein­druck hat, dass das eigene Gedächt­nis nicht mehr das beste sei. Es belegt, dass zumin­d­est Wieder­erken­nen noch funk­tion­iert. Die Lieder kön­nten länger sein, aber das ist ja fast immer so.

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  15. Sev­en Impale — Sum­mit

    Noch mal Jazz, damit ihr euch nicht unter­fordert fühlt, und schon wieder was aus Nor­we­gen und mit griechis­chen Sagengestal­ten: Sev­en Impale sind sechs Musik­er mit klas­sis­chem und/oder Jaz­zhin­ter­grund, die nach „Con­tra­pas­so“ von 2016 mit „Sum­mit“ 2023 endlich ein neues Album „raus­ge­bracht“ haben. Enthal­ten sind vier Stücke namens „Hunter“, „Hydra“, „Ikaros“ und „Sisyphos“. Aus welch­er Sage Hunter stammt, weiß ich nicht. Vielle­icht ist ja auch der Kom­mis­sar aus den Micky-Maus-Geschicht­en gemeint.

    Die Stilzusam­men­fas­sung „Jazz“ ist allerd­ings auch zu kurz gegrif­f­en: „Avant-Prog-Anlei­hen und die jazz­ig einge­färbten Arrange­ments (…) brachiale Met­al-Riffs (…) Ston­er Rock-Momente“, Motorpsy­cho passt als Ver­gle­ich schon. Der Schlagzeuger spielt ange­blich auch schon wieder irgend­wo auf diesem Album Ban­jo. Gehört habe ich davon nichts. Das ist gut, ich finde den Klang von Ban­jos näm­lich scheiße.

    Hier aber finde ich fast alles gut. Nur „Sisyphos“, das let­zte und mit etwas über 13 Minuten auch läng­ste der vier Stücke, plätschert etwas ent­täuschend („leicht opti­mistisch klin­gend“, metal.de, aber das hätte es hier nicht gebraucht) aus, das gibt Abzüge in der B‑Note. Die A‑Note ist trotz­dem immer noch überzeu­gend und gibt eine Empfehlung aus.

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  16. Frankie and The Witch Fin­gers — Data Doom

    Wenn ein Musikpro­jekt beliebiger Größe sich schon „Frankie and The Witch Fin­gers“ nen­nt, dann erwartet unsere­ins (also: erwarte ich) ein Min­dest­maß an Unter­hal­tungswert vom Darge­bote­nen. Und tat­säch­lich: „Data Doom“, das neueste Album des US-amerikanis­chen Quar­tetts dieses Namens, macht Spaß. Dass es textlich — mehr oder weniger — um die zusam­men­brechende Zivil­i­sa­tion unser­er Zeit geht, ste­ht dem nicht ent­ge­gen. Man kann den Nieder­gang der Men­schheit bedauern und dabei trotz­dem tanzen. Gut, außer mir. Ich kann ja nicht tanzen.

    Über sich selb­st sagt die Band (oder lässt die Band sagen, man — also ich — weiß es nicht), sie sei „a con­stant source of pri­mor­dial groove“, also / eine ständi­ge Quelle des ursprünglichen Grooves/. Das ist nicht hil­fre­ich. Das Inter­net zieht King Crim­son als Ver­gle­ich her­an, wegen des Sax­o­phonein­satzes in „Burn Me Down“, aber auch das trifft den Kern nicht. Vielle­icht ver­suche ich es doch mal mit Stilzuschrei­bun­gen: Desert (ZZ Top?) und Ston­er Rock wer­den hier ver­mählt mit Funk („Mild Davis“, passender Titel auch) und erstaunlich klas­sis­chem Rock’n’Roll. Ich gehe davon aus, ich sollte mir diese Gruppe ein­mal live anse­hen. Ich ver­mute, ich hätte Spaß.

    Ein Wer­mut­ströpfchen (obwohl: ich mag Wer­mut): Das Album ist etwas zu kurz und wird am Ende lang­weilig aus­ge­blendet. Aber der Weg bis dahin gefällt.

    Rein­hören: Amazon.de, TIDAL, Bandcamp.com.

  17. David Eugene Edwards — Hyacinth

    Für Fre­unde der Musik von Nick Cave sei „Hyacinth“, das aktuelle Album von David Eugene Edwards (auch bei und mit der Gruppe Woven Hand aktiv), geeignet, riet man mir. Diese Gruppe enthält mit­tler­weile auch mich, daher hörte ich mal rein.

    David Eugene Edwards sei ein sehr religiös­er Coun­try­musik­er, erk­lärte mir das Inter­net. Ich finde religiösen Coun­try zwar scheiße, kann hier aber beruhigt ver­melden, dass das Inter­net mit Gen­rezuschrei­bun­gen fast so schlecht umge­hen kann wie der Musikjour­nal­is­mus. Auf seinem ersten Soloal­bum, näm­lich diesem hier, wer­den tat­säch­lich nur am Rande Chris­ten­tum und Coun­try gestreift, vielmehr gibt es sonoren Exper­i­men­tal-Folk mit geringer Instru­men­tierung, im Fokus ste­hen elek­tro­n­is­che Perkus­sion und die ver­stärk­te (nicht verz­er­rte) Gitarre, ins Ohr. Keine Ahnung, ob Gast­musik­er zu hören sind oder ob der Kün­stler alle Instru­mente selb­st einge­spielt hat, die Band­camp­seite zum Album schweigt dazu und eine schnelle Recherche blieb erfol­g­los.

    Ich höre — ja — Nick Cave („Bright Boy“), aber auch Leonard Cohen und bisweilen („Lion­i­sis“) auch Sis­ters of Mer­cy. Gute Ref­eren­zen. „Hyacinth“ wolle „mit dem Herzen ergrün­det wer­den“, schrieb ander­swo Dominik Maier. Dem kann ich nicht wider­sprechen. Das Album schließt mit „The Cuck­oo“, ein­er Cov­erver­sion eines Folkklas­sik­ers, wie aber­mals das Inter­net (dies­mal wohl zutr­e­f­fend) mitzuteilen weiß. Ein schönes Ende, dem einzig neg­a­tiv zu attestieren ist, dass es viel zu früh kommt. Die Zeit verge­ht mit „Hyacinth“ im Ohr erschreck­end schnell.

    Aber man kann es ja dann ein­fach noch mal von vorn hören.


Das soll’s erst mal gewe­sen sein. Wie immer gilt: Alben, die ich sträflich ver­nach­läs­sigt haben kön­nte, sind als Kom­men­tar gern willkom­men. Chee­rio.

Jahresrückblick

Musik 12/2022 — Favoriten und Analyse Musik 12/2024 — Favoriten und Analyse
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Senfecke:

  1. Die lang erwartete (von mir, aus­re­ichend) neue Plat­te von Patio. Saudummes Video zur Sin­gle, so erstickt man mögliche Kar­ri­eren im Keim. Bess­er erst­mal hier: https://www.youtube.com/watch?v=93yd79yrfD8 Die Bassistin macht irgend­was. Paßt dann irgend­wie doch ins Gesamt“bild”. Mes­merisierend.
    Fro­hes Neues.

  2. In meinen Vorlesungen/Seminaren habe ich den Stud­is immer erk­lärt, daß man seine per­sön­liche Lieblingsmusik nur unter schw­er­sten Ver­lus­ten anderen Mithörend*innen nahe­brin­gen kann, weil das eben (aus Grün­den, die hier den Rah­men spren­gen wür­den) schlicht und ergreifend unmöglich ist. Trotz­dem habe ich jeden einzel­nen Link hier durchge­hört, obwohl die Mucke von meinem Musik­plan­eten aus gese­hen wirk­lich eine kom­plett andere Baustelle ist.

    Klar­er Test­sieger sind die Fla­men: wenn Musik (was sie nie oder nur dann tut, wenn sie schlecht ist) irgen­det­was “Reales” in der “Welt” wider­spiegelt, dann ist der flämis­che akustis­che Kom­men­tar das einzige, was den andauern­den Krieg, den medi­alen wie den realen wie auch den sub­til ver­steck­ten, halb­wegs adäquat “wiedergibt”.

    Das Flämis­che ist zwar meine Lieblingssprache, aber alles habe ich auch nicht kapiert. Nur so unge­fähr (und im Orig­i­nal wirk­lich sprachge­waltig):

    Der Tot als der Lehrer der Stille. Als anonymer Tot infil­tri­ert er die Gedanken der Wachen­den, der Wach-Seien­den, er wartet ab, bis seine kalte Hand zufassen kann, in aller Stille. Er umgibt uns, als einzige tat­säch­liche Regel, ohne Aus­sicht auf Besserung etc. pp.

    Über allem schweben musikalisch (in my not so hum­ble opin­ion) wirk­lich nur Bach, Richard Strauss, Mes­si­aen, Woody Shaw, Rob Mad­na und Bob Brook­mey­er.

    Aber mit den ästhetis­chen Urteilen ist das, wie gesagt, so eine Sache, denn wie sagt der alte Königs­berg­er doch so tre­f­fend: “Um zu unter­schei­den, ob etwas schön sei oder nicht, beziehen wir die Vorstel­lung nicht durch den Ver­stand auf das Objekt zum Erken­nt­nisse, son­dern durch die Ein­bil­dungskraft (vielle­icht mit dem Ver­stande ver­bun­den) auf das Sub­jekt und das Gefühl der Lust oder Unlust des­sel­ben.”

    Bach:

    https://www.youtube.com/watch?v=3EnosoXeTWI&pp=ygUlYmFjaCB3b2hsdGVtcGVyaWVydGVzIGtsYXZpZXIgcmljaHRlcg%3D%3D

    Zu Risiken und Neben­wirkun­gen etc.:

    Mes­si­aen:
    https://www.youtube.com/watch?v=RJ_x_8o80TI

    Und ein paar Leck­er­li, extra für Sie/Dich eingepackt.

    https://www.mediafire.com/file/veo59dtibm0th6m/tux0r.zip/file

    Keine Sorge, das Zeug “ver­ste­hen” vielle­icht ein halbes Dutzend Leute auf der Welt (und ich selb­st auch nur, wenn ich einen guten Tag habe). Muß man aber auch nicht “ver­ste­hen”, ein­fach ohne Vorurteile und Voran­nah­men wirken lassen.

    Wie sagte größte Geist, dem ich jemals begeg­nen durfte, der Dom­baumeis­ter des Köl­ner Doms, Prof. Dr.-Ing. Arnold Wolff mal, als ich ihm eine von diesen Auf­nah­men (auf denen ich sel­ber mit­spiele) vorge­spielt habe: “Das gefällt mir zwar nicht, ist aber außeror­dentlich gut!”

    Mehr braucht man nicht zu wis­sen… ;-)

    In diesem Sinne ein fro­hes Neues Jahr!

    • Gebe ich mir mal in ein­er ruhi­gen Minute. Tat­säch­lich fahre ich meinen Musikkon­sum ger­ade ein biss­chen zurück — ich habe in den let­zten Wochen so viel davon gehört, dass ich son­st Angst hätte, dass sie mir zum Bin­ge­lis­ten­ing verkommt. Danke, auch für die Erk­lärung des Textes. :)

      Ich erwarte gar nicht, dass jed­er mag, was mir gefällt. Ich höre auch manch­mal Dinge, die ich nicht mag (Ban­jo…). Hor­i­zont. Weite. Ich finde Dinge gern begrün­det doof, grund­los kann jed­er.

  3. Das mit Band­camp war mir neu und gefällt mir gar nicht. Das was du über Her­rn Wil­son schreib­st ist ganz schön gemein. Anson­sten ist dein Musikgeschmack, nun ja, beängsti­gend. Ich habe ger­ade mal einiges neugierig angek­lickt und bin froh, das ich mor­gen meinen Ter­min beim See­len­klemp­n­er habe. Ein fro­hes neues Jahr :-)

    • Kennst mich doch… :) … vielle­icht werde ich ein­fach zu alt für Steven Wil­son. So kann’s gehen. Auch fro­hes Neues!

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