KaufbefehleMusikkritik
Musik 12/2023 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 27 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Ein Jahr ist vor­bei und ihr wisst, was das heißt: Die Liste mei­ner bevor­zug­ten Alben des Jah­res bedarf wie­der eurer unge­teil­ten Auf­merk­sam­keit. Es könn­te das letz­te Mal sein, dass ich es euch so ein­fach mache: Der außer­or­dent­lich unhöf­li­che Kon­zern Songtradr hat 2023 Band­camp hal­biert. Ich wür­de ja gern mit posi­ti­ven Aus­sich­ten das Musik­jahr 2023 ver­ab­schie­den, aber ich kann nicht. Ich kann ein­fach nicht.

Ste­ven Wil­son hat 2023 mit „The Harm­o­ny Codex“ ein wei­te­res viel­ge­rühm­tes Album mit Stampf­pop (na gut: art­pop) raus­ge­bracht. Die Rezen­sen­ten waren wie üblich hin und weg, weil man Musik von Ste­ven Wil­son (Ste­ven Wil­son!) ja nicht ein­fach igno­rie­ren darf. Ich woll­te das Album eigent­lich selbst nicht hören (der Vor­gän­ger „The Future Bites“ war wirk­lich schlimm, aber ich hat­te zu viel Zeit und fas­se mich mal kurz: Ich wünsch­te, Pop­mu­sik wür­de mich inter­es­sie­ren. 2024 wer­de das „Jahr der Popf­rau­en“, mut­maß­te die „Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Sonn­tags­zei­tung“ im Dezem­ber. Das hof­fe ich doch ein­fach mal nicht.

Dass es im jüngst abge­lau­fe­nen Jahr trotz­dem ziem­lich gute Musik gab, sei hier den­noch nicht ver­schwie­gen. Eini­ges davon, näm­lich die jewei­li­gen Alben von Uriah Heep, PoiL Ueda, schei­sse­die­bul­len und Sigur Rós, hat­te ich schon frü­her im Jahr posi­tiv bewer­tet. Sieb­zehn wei­te­re gelun­ge­ne Wer­ke fol­gen im Fol­gen­den. Es möge euch von Nut­zen sein.


  1. Ats­uko Chi­ba – Water, It Feels Like It’s Gro­wing

    Ats­uko Chi­ba, der Name ver­rät es schon, stam­men aus Mon­tré­al (Kana­da), sind also mit einer flo­rie­ren­den Post­rock­sze­ne ver­traut. „Water, It Feels Like It’s Gro­wing“ ist ihr drit­tes Stu­dio­al­bum und war der erste wirk­li­che Knal­ler des Jah­res. Also nicht im Wort­sin­ne jetzt.

    Ich höre weit­ge­hend Rock­mu­sik mit dem gewis­sen Etwas. Adjek­tiv? Tanz­bar. Das Dar­ge­bo­te­ne ist viel­schich­tig, über­all und stän­dig pas­siert etwas, aber man schafft es kaum, sich dar­auf zu kon­zen­trie­ren, weil der Mahl­strom an Musik rhyth­misch vor­an­treibt. Nicht inne­hal­ten. Bewe­gen. Die immer noch unter­schätz­ten Cripp­led Black Phoe­nix fal­len mir als Ver­gleich (auf und) ein.

    Das Titel­stück fließt zum Abschluss des Albums eher zäh, jazz-trip­pig aus dem Kopf­hö­rer, ohne dabei Kom­ple­xi­tät zu opfern. Ein Album, das sich zu kurz anfühlt. Ats­uko Chi­ba ist eine Figur aus dem japa­ni­schen Ani­me „Papri­ka“ (noch so ein japa­ni­scher Name) von 2006. Ich mag kei­ne Ani­mes. Die Musik ist aber gut.

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  2. Hong Faux – Deso­la­ti­on Years

    Hong, so sagt’s der Wis­sens­schatz, sei unter ande­rem eine Mari­en­kä­fer­art. Hong Faux, ein fal­scher Mari­en­kä­fer also? Das schwe­di­sche Quar­tett die­ses Namens spielt jeden­falls eine Musik der­je­ni­gen Art, die mit Mari­en­kä­fern wenig gemein hat.

    Irre­füh­rend ist auch der Beginn von „Deso­la­ti­on Years“, des aktu­el­len Albums der vier Her­ren, denn das, was ich zunächst für grol­len­den Stoner hielt, geht spä­ter über in gut gemach­ten Indie­rock mit mit­un­ter mehr­stim­mi­gem Power­ge­sang. Yeah. Die „VISIONS“ zitiert die Foo Figh­ters (offen­sicht­lich in „Star­kil­ler“), Clutch (mag ich) und Queens of the Stone Age (haben auch so ihre Momen­te) als Ein­flüs­se. Dem zu wider­spre­chen liegt mir fern. „Deso­la­ti­on Years“, „trost­lo­se Jah­re“ – der Titel deu­tet erdi­ge Klän­ge an und dar­an man­gelt es hier nicht. Trocke­ne Musik für die trocke­ne Wüste. Blöd, dass ich die­se Rezen­si­on im Win­ter zu Ende brin­ge. Aber das Album behal­te ich ja noch etwas län­ger; im Som­mer könn­te ich es noch mal brau­chen.

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  3. MSPAINT – Post-Ame­ri­can

    Wenn man MSPAINT heißt, dann muss man wahr­schein­lich genau so was machen wie die Musik­grup­pe glei­chen Namens aus Mis­sis­sip­pi, die von sich behaup­tet, sie wür­de „Tanz­punk“ her­vor­brin­gen. Auf ihrem iro­nisch „Post-Ame­ri­can“ genann­ten 2023er Album ist davon auch tat­säch­lich etwas zu hören, wobei der Tanz- dem Punk­fak­tor über­ge­ord­net scheint.

    Sicher: Es gibt wüten­de Gitar­ren und zor­ni­gen Gesang (oft viel­mehr: Geru­fe), aber der Rezen­sent (= ich) erwischt sich doch öfter beim Mit­wip­pen als beim Sitz­po­go. Das wirk­lich groß­ar­ti­ge „Dele­te It“, eins die­ser Lie­der, an denen ich mich immer noch ver­ge­bens satt­zu­hö­ren ver­su­che, ist eins von zwei Lie­dern auf die­sem Album, auf denen Gast­mu­si­ker zu hören sind – in „Dele­te It“ ist es Ian Shel­ton, Sän­ger der Post-Hard­core-Com­bo Mili­ta­rie Gun, auf „Deca­pi­ta­ted Rea­li­ty“ singt Pier­ce Jor­dan der mir bis­lang unbe­kann­ten Soul Glo. Eine gewis­se sti­li­sti­sche Strin­genz ist dabei erkenn­bar, „Free From the Sun“ etwa glau­be ich schon zuvor auf dem­sel­ben Album so ähn­lich gehört zu haben, aber das macht ja nichts, so lan­ge es gut ist. In der Tat schwä­cheln MSPAINT auf „Post-Ame­ri­can“ kaum, son­dern gehen gut ab. Das haben sie dem Mal­pro­gramm vor­aus.

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  4. Shem – III

    Das (ja, huch!) drit­te Stu­dio­al­bum des Stutt­gar­ter Psy­che­de­lic-Kol­lek­tivs Shem – des­sen Band­camp­sei­te wit­zi­ger­wei­se „Shem­trails“ heißt, hehe, wegen Chem­trails – möge die jähr­li­che Dosis Post­rock ein­lei­ten. Zwar spielt es nicht das alte Laut-lei­se-Spiel mit, doch ist die instru­men­ta­le Rei­se (im fast drei­mi­nü­ti­gen „Lamen­tum“, lei­der aus­ge­blen­det mit einem blö­den fade-out, gibt es erst­mals text­lo­sen Gesang, eben­so im abschlie­ßen­den „Refu­gi­um“) von Gitar­ren getra­gen.

    Die unkla­re Anzahl an Musi­kern (es han­delt sich immer­hin um ein „Kol­lek­tiv“) rührt kräf­tig im Topf der „Kos­mi­schen Musik“, bedient sich dabei aber moder­ner Mit­tel. Der Hörer wird mit­ge­nom­men auf eine Klang­rei­se in den (men­ta­len) Wol­ken, natür­lich hat man das schon mal gehört.

    Das Album ist unter 40 Minu­ten lang, es fühlt sich nicht län­ger an als eine hal­be Stun­de. Scha­de eigent­lich.

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  5. When Pla­gues Col­l­i­de – An Unbi­bli­cal Para­digm

    2023 erschie­nen man­che gar nicht mal üble Alben, die in irgend­ei­ne Metal­co­re­spiel­art ein­zu­sor­tie­ren sind. Dazu zäh­len Alben wie „Sil­hou­et­tes of Dis­gust“ von Down­fall of Gaia, das hier sepa­rat auf­zu­füh­ren mir nur mei­ne Faul­heit ver­bie­tet, noch viel mehr aber lohnt sich ein Blick auf das euro­päi­sche Aus­land. Deut­sche Musikal­ben wer­den hier­zu­lan­de schon viel zu aus­führ­lich gewür­digt.

    2016 fan­den aus­ge­rech­net in Bel­gi­en fünf, nun, Musi­ker zusam­men, um gemein­sam Geräu­sche her­vor­zu­brin­gen, die gemein­hin als „Sym­pho­nic Death­co­re“, „sin­fo­ni­scher Todes­kern“ also, eti­ket­tiert wer­den. „Sym­pho­nic Death­co­re“ muss man sich unge­fähr wie folgt vor­stel­len: Man wohnt einem klas­si­schen Kon­zert mit gro­ßem Orche­ster bei, hat aber in einem Ohr einen die­ser unsäg­li­chen Ohr­stecker, in dem ein Metal­gi­tar­rist stun­den­lang das­sel­be Riff spielt, beglei­tet von einem Schlag­zeu­ger, der Hum­meln im Hin­tern hat und wirk­lich wütend auf sei­ne Exfreun­din ist, deren neu­en Freund er in Form eines Fotos auf sei­ne Fel­le geklebt hat. Kurz nach Beginn des Kon­zerts springt Bat­man aus dem­je­ni­gen Par­al­lel­uni­ver­sum, in dem er seit 50 Jah­ren Ket­ten­rau­cher und über­dies leicht erkäl­tet ist, auf die Büh­ne und ver­sucht ein stör­ri­sches, jedoch taub­stum­mes Kind dazu zu bewe­gen, end­lich mal sein Zim­mer auf­zu­räu­men.

    Die­ser Art von Musik, zumal deren Inter­pret „Wenn Pla­gen kol­li­die­ren“ heißt, kommt eine anstren­gen­de Gesamt­si­tua­ti­on wie die, in der die Welt sich im Zeit­rah­men der Auf­nah­me und der Ver­öf­fent­li­chung von „An Unbi­bli­cal Para­digm“ (so heißt deren zwei­tes Album) befand, frei­lich zupass und dem Ver­fas­ser die­ser Zei­len eben­so; gele­gent­lich zieht es mich ja dazu, mich aus dem Kopf­hö­rer anbrül­len zu las­sen. Das abschlie­ßen­de „In alle stil­te“ (das ist Aus­län­disch und heißt „In aller Stil­le“) macht es mit sei­nem bei­na­he melo­di­schen Wesen und dem dazu erzähl­ten Text (es mag Flä­misch sein, das kann ich nicht) fast kaputt; aber eben nur fast.

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  6. Ver­to­nen – Eini­ge Schad­stof­fe

    Ich hal­te nicht viel von der Ver­wen­dung des schreck­li­chen Begriffs Lie­fern im Zusam­men­hang mit musi­ka­li­schen oder son­sti­gen künst­le­ri­schen Wer­ken, denn zwar lie­fert mir ein Bote bis­wei­len neue Schall­plat­ten, die Künst­ler selbst lie­fern jedoch nur sel­ten. Das ist auch nicht ihre Auf­ga­be.

    Daher wer­de ich hier auch nicht auf die For­mu­lie­rung zurück­grei­fen, die Helen Scar­sda­le Agen­cy lie­fe­re zuver­läs­sig völ­lig kaput­te Musik, obwohl ich die­sen Ein­druck bereits seit Janu­ar 2023 mit mir her­um­tra­ge. Mit Ver­to­nen – so nennt sich ein Avant­gar­de­mu­si­ker aus Chi­ca­go nicht ganz grund­los, obwohl ich nicht so genau weiß, was er eigent­lich ver­tont – hat die „Agen­cy“ einen wei­te­ren Musi­ker im Pro­gramm, der völ­lig kaput­te Musik her­vor­bringt. Gut, was habe ich von einem Album auch erwar­tet, das „Eini­ge Schad­stof­fe“ heißt?

    Auf­ge­nom­men wur­de das Album 2022, ver­öf­fent­licht wur­de es trotz­dem erst im April 2023. Als Musik­in­stru­men­te kom­men ein Syn­the­si­zer, Feld­auf­nah­men, Kurz­wel­len­ge­rä­te und Alt­me­tall zum Ein­satz. Was ver­tont wur­de, ver­mag ich nicht zu beur­tei­len; Banau­sen wür­den jetzt „ganz klar ein Auto­un­fall“ schrei­ben, aber ich bin ja kein Banau­se, son­dern mag Krach. Das Album sei eine Hom­mage an die klas­si­sche Pha­se des Indu­stri­al Noi­se, erzählt der Pres­se­text (wel­che Pres­se auch immer man mit die­ser Art von Musik errei­chen will). Das kann durch­aus sein. Bezug genom­men wird unter ande­rem auf Throb­bing Grist­le und Mau­ri­zio Bian­chi. Dem kann ich nicht wider­spre­chen. „Eini­ge Schad­stof­fe“ ist ein Album mit lose struk­tu­rier­ten Geräu­schen, das mich über­dies mit­un­ter an „Rav­vi­van­do“ von Faust den­ken lässt. Ab und zu gibt es Sprach­fet­zen, die zu ver­ste­hen ich gera­de zu ein­ge­nom­men von der auf mich ein­pras­seln­den Atmo­sphä­re bin. Völ­lig kaputt. Groß­ar­tig.

    Das Album gibt es nur als Down­load und auf Kas­set­te. Passt.

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  7. Orsak:Oslo – In Irons

    Orsak:Oslo ist eine Musik­grup­pe aus, nun ja, haupt­säch­lich Oslo. „Orsak“ ist Schwe­disch und heißt Ursa­che oder Grund. Ich fin­de, Oslo ist ein akzep­ta­bler Grund.

    Die Grup­pe heißt also gar nicht so selt­sam wie ihre Stücke. Auf dem zwei­ten Stu­dio­al­bum „In Irons“ set­zen Orsak:Oslo ihre auf 13 EPs und dem Debüt­al­bum begon­ne­ne Tra­di­ti­on, ihre Lie­der zu num­me­rie­ren (und das nicht mal kon­se­quent), jeden­falls fort: Die fünf Stücke hei­ßen „068 The Swell“, „079 Dutchman’s Wake (Part I)“, „069 In What Way Are You Dif­fe­rent“, „078 The Mute (Part II)“ und „074 Hadal Blue“. Ange­nom­men, es wäre hier eine gewis­se Chro­no­lo­gie ver­ewigt, was Sinn ergä­be (auf der Debüt-EP war Num­mer 8 drauf), gebührt den Musi­kern schon wegen ihrer Pro­duk­ti­vi­tät mei­ne Hoch­ach­tung.

    Zu hören ist, die Län­ge („Hadal Blue“ schafft es als mit Abstand läng­stes Stück auf nahe­zu 17 Minu­ten Lauf­zeit) könn­te es ver­ra­ten haben, kei­ne gewöhn­li­che All­tags­mu­sik. Die vier Her­ren haben tief ins Kraut­glas gegrif­fen und prä­sen­tie­ren zu vor­treff­lich pol­tern­dem Bass und dem guten, alten Moto­rik­beat mal klas­si­sche Can-Remi­nis­zen­zen, mal gitar­ren­ori­en­tier­ten Post­rock á la Mog­wai. Zur Ver­an­schau­li­chung: „079 Dutchman’s Wake (Part I)“ ist zu einem nen­nens­wer­ten Teil ein ver­sier­tes Gitar­ren­so­lo, das dem psy­che­de­li­schen Grund­mo­tiv nicht etwa zuwi­der­läuft, son­dern es viel­mehr unter­streicht. Tex­te gibt es kaum, sieht man von etwas mit­ten­drin Gespro­che­nem ab, auf das ich aber nicht geach­tet habe, weil ich zu sehr damit beschäf­tigt war, mich von der Wir­kung ein­neh­men zu las­sen. Ande­re neh­men Dro­gen, ich höre sol­che Musik. Lega­li­ze it.

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  8. Muto­id Man – Mutants
    I’m in love with my gra­ve­kee­per / I said, „Hey, make that hole deeper“ (Gra­vey­ard Love)

    Muto­id Man ist der Name einer drei­köp­fi­gen und sechs­ar­mi­gen New Yor­ker super­group, bestehend aus Mit­glie­dern von Cave In, Con­ver­ge und High On Fire. Die schon oft gese­he­ne Beset­zung (Gitarre/Gesang, Schlag­zeug, Bass) deu­tet, ver­bun­den mit den Stamm­bands der Musi­ker, völ­lig zu Recht in eine gewis­se sti­li­sti­sche Rich­tung: Metal­co­re, Punk, irgend­wie so; und tat­säch­lich: Wir­beln­de Gitar­ren­läu­fe tra­gen auf „Mutants“ kom­ple­xe Rock­mu­sik mit Bewe­gungs­wil­len.

    Im Inter­net wur­de geschrie­ben, der Musik von Muto­id Man feh­le eigent­lich nur noch Mike Pat­ton. Stimmt schon; zumal man­che Lie­der auch das rich­ti­ge Maß an Witz auf­wei­sen, etwa das ein­gangs zitier­te „Gra­vey­ard Love“.

    Mir gefällt übri­gens das Cover­bild. Es ist so far­ben­froh und ener­gie­reich wie das Gehör­te und es hat sogar was mit dem Titel des Albums zu tun. Zum eröff­nen­den Stück „Call of the Void“ gibt es ein selt­sa­mes Musik­vi­deo, es legt nicht die schlech­te­ste Grund­la­ge für den Kon­sum von „Mutants“. Ein Album für die­je­ni­gen Momen­te, in denen quir­li­ger Gitar­ren­krach das Ein­zi­ge ist, was den Tag noch ret­ten könn­te.

    Zum Glück sind die Weih­nachts­märk­te erst mal wie­der vor­bei.

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  9. Kve­ler­tak – End­ling

    Kve­ler­tak aus Nor­we­gen spie­len instru­men­ta­len Hard­rock“ woll­te ich eigent­lich schrei­ben, aber dann setz­te nach schlap­pen vier Minu­ten der Sän­ger ein. Also noch mal von vorn: Kve­ler­tak aus Nor­we­gen tour­ten vor einer Wei­le unter ande­rem mit Muto­id Man und spie­len – inso­fern kaum über­ra­schend – ganz nor­ma­len Hard­rock mit Metal- und Punk­an­lei­hen. Ich habe kei­ne Ahnung, wor­um es in den nor­we­gisch­spra­chi­gen Tex­ten geht. Hof­fent­lich nicht um Schwein­kram, angeb­lich um histo­ri­sche und zeit­ge­nös­si­sche ster­ben­de Völ­ker in Nor­we­gen. Gutes text­li­ches Motiv für eine Hard­rock­band.

    Zumin­dest in der ersten Hälf­te des Albums domi­niert der instru­men­ta­le Bestand­teil der Musik deut­lich, dann kommt der­je­ni­ge Aspekt zum Tra­gen, der die Auf­nah­me in die­se Liste zur Fol­ge hat­te: Kve­ler­tak rocken, und das wirk­lich gut mit ordent­lich groo­ve. Ein- und aus­ge­blen­det wird das Album mit einem Rau­schen, was immer­hin weni­ger blöd als das heut­zu­ta­ge immer noch übli­che blo­ße Aus­blen­den ist. Hin­sicht­lich der Instru­men­te, die hier zum Ein­satz kom­men, steht diver­sen Gitar­ren auch ein Ban­jo („Døge­nik­tens Kvad“) zur Sei­te. Das amü­siert mich.

    „Tanz­bar“ sei „End­ling“, las ich anders­wo, und ich kann ja sogar zu Wal­zer nicht tan­zen und bewer­te das daher erst mal nur als Infor­ma­ti­on.

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  10. [ B O L T ] – ( 0 5 )

    Die Wie­der­ent­deckung der Lang­sam­keit ist in hek­ti­schen Zei­ten wie den uns­ri­gen von so gro­ßer Wich­tig­keit wie sel­ten zuvor. Da kom­men die Duis­bur­ger von [ B O L T ] mit ihrem 2023er Album „( 0 5 )“ gera­de recht.

    Die ver­hal­te­ne Per­kus­si­on schon zu Beginn des Albums („[ 3 2 ]“, die Stücke tra­gen nicht chro­no­lo­gisch sor­tier­te Num­mern und sel­ten zusätz­li­che Titel) trügt: Haupt­säch­lich spie­len die drei Her­ren – zwei am Bass, einer am Schlag­zeug – „Black Dro­ne Metal“, das ein Gen­re sein soll und ein biss­chen wie eine Früh­lings­ver­si­on von Sunn O))) klingt. Die Leer­zei­chen im Gesam­ten sind so tref­fend, dass die Musi­ker eigent­lich alles Übri­ge auch weg­las­sen könn­ten. Das von mir als Kern­stück des Albums iden­ti­fi­zier­te „[ 3 7 ]“, fast 22 Minu­ten lang, wäre in nor­ma­ler Geschwin­dig­keit wahr­schein­lich radio­kom­pa­ti­bel (wenn auch sicher nicht ‑taug­lich), den­noch wür­de ich nichts kür­zen oder beschleu­ni­gen wol­len. Das Stück – das Album – klingt wie ein Som­mer­mor­gen nach dem Krieg, ein „schi­zo­phre­nes Sze­na­rio“ (Mike Lan­ger). Den­nis Stril­lin­ger trom­melt in die kako­pho­ni­sche Dys­to­pie hin­ein, die die gera­de abge­zo­ge­nen Maro­deu­re von der einst blü­hen­den Stadt, die in den Melo­dien noch zu erah­nen ist, übrig gelas­sen haben.

    Irgend­wo in der Musik sei ein Zei­chen der Hoff­nung zu fin­den, wort­sa­la­tiert der Pres­se­text (haha, wel­che Pres­se?) zum Album. Die­ses Zei­chen kommt spät („[ 4 0 ] / Peti­te fleur des champs“), aber es kommt mit Wucht: Hin­ter dem schlep­pen­den Dröh­nen singt und flü­stert Sura Sol, die ich immer­hin bis­lang auch nicht kann­te, für mich aus Abmisch­grün­den schwer Ver­ständ­li­ches, doch schön Klin­gen­des, in mir unbe­kann­ter Spra­che. Mit Gesang hat­te ich an die­ser Stel­le nicht gerech­net, aber er passt. Das Lied klingt sanft, bei­na­he sakral, aus und geht ins eben­so ruhig begin­nen­de letz­te Stück „[ 2 9 ]“ über. Die Ruhe nach dem Sturm mag kei­ne Auf­re­gung. Das kann ich ver­ste­hen. Nach etwa zwei Minu­ten ent­schließt sich „[ 2 9 ]“ dann aber doch dazu, den Mit­wipp- und Mit­nick­fak­tor zu ver­viel­fa­chen. Vie­len Dank. Schö­nes Album, schö­nes Ende.

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  11. Aki­ra Saka­ta, Toshi­ma­ru Naka­mu­ra, Rai­ga Haya­shi – Kin­jo no Tabi­bi­to

    Aki­ra Saka­ta (Alt­sa­xo­phon und Kla­ri­net­te) ist ein Free-Jazz-Musi­ker, Toshi­ma­ru Naka­mu­ra (Misch­pult) ist ein Impro­vi­sa­ti­ons­mu­si­ker und Rai­ga Haya­shi ist – dar­über schweigt die Wiki­pe­dia – zumin­dest hier ein Schlag­zeu­ger. Zu dritt nah­men die drei Japa­ner vor ein paar Mona­ten unter ande­rem das Album „Kin­jo no Tabi­bi­to“ auf, das man wahr­schein­lich unge­fähr 近所 の旅人 schrei­ben soll­te, was unge­fähr „Rei­sen­de in der Nach­bar­schaft“ bedeu­tet.

    Die Ton­qua­li­tät erin­nert nicht zufäl­lig an eine Live­si­tua­ti­on: Auf­ge­nom­men wur­den bei­de Stücke, die über­dies „1st Set“ und „2nd Set“ hei­ßen, am 5. März live in Tokio. Das hier ver­wen­de­te Misch­pult weist die Beson­der­heit auf, dass es kei­ne exter­nen Ein­gän­ge hat, so dass das son­sti­ge Gespiel­te eben nicht gemischt wird, son­dern viel­mehr ein Spiel mit elek­tro­ni­schen Klän­gen betrie­ben wird. Auf Band­camp gibt es einen (eng­lisch­spra­chi­gen) Arti­kel über das Instru­ment (bzw. das Eben-nicht-Instru­ment), den wei­ter zu zitie­ren mög­li­cher­wei­se den Rah­men die­ses Tex­tes spren­gen wür­de, wes­halb ich dar­auf ver­zich­te.

    Die im Titel des Albums erwähn­te Rei­se führt über holp­ri­gen Unter­grund, stel­le ich fest: Auf die Ohren gibt es vor allem hek­ti­schen Instru­men­tal­jazz, wor­über Aki­ra Saka­ta gele­gent­lich eine japa­nisch­spra­chi­ge Geschich­te mur­melt. Man sehe mir nach, dass ich die Tex­te beim Hören nicht sofort zu über­set­zen imstan­de war. Es ist den Musi­kern zu wün­schen, dass in der Nach­bar­schaft Jazz zumin­dest nicht uner­wünscht ist. Ich mag Jazz.

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  12. Kra­an – Zoup

    Zu den weni­gen ange­neh­men Din­gen, die 2023 pas­siert sind, gehört auch, dass vie­le der Alten gezeigt haben, dass sie es musi­ka­lisch immer noch kön­nen. Die deut­lich ver­jüng­te Mann­schaft von Gong brach­te eben­so ein neu­es ganz gutes Album raus wie die deut­sche Krautrock­le­gen­de Guru Guru, die immer noch den „Elek­tro­lurch“ auf ihren Alben schwin­gen.

    Deren Weg­be­glei­ter und Lands­leu­te von Kra­an, die es – zehn Jah­re Pau­se ein­ge­schlos­sen – auch schon seit 1970 gibt, schei­nen aber noch eben­so hung­rig zu sein, so dass es 2023 zu einem neu­en Album namens „Zoup“ kam. Das heißt Sup­pe, glau­be ich. Das Cover­bild ver­ste­he ich nicht. Gibt es Vogel­sup­pe? Zuta­ten: Soft Machi­ne, Cara­van, ein paar Ess­löf­fel Camel („Plain Vanil­la“) und eine Pri­se AOR („Twisted“).

    Wie bei einem guten Ein­topf kön­nen die Musi­ker hier inso­fern wenig falsch machen, denn sie blei­ben bei ihrem bewähr­ten Kon­zept. Die ein­ge­brock­te Sup­pe aus­zu­löf­feln sät­tigt nicht, aber schmeckt. Ich wün­sche guten Appe­tit.

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  13. Citrus Citrus – Albe­do Mas­si­ma

    Wie es der Titel des Albums für uns Viel­ge­rei­ste schon vor­schlägt, ist Citrus Citrus eine Musik­grup­pe aus Ita­li­en, auf „Albe­do Mas­si­ma“ zu fünft. Die Plat­ten­fir­ma Sulatron Records, bekannt für aller­lei Psy­che­de­li­sches, hat Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen (31. Dezem­ber 2023: zur­zeit lei­der im Urlaubs­mo­dus) zum Titel des Albums (es geht um Pome­los) für die­je­ni­gen, die Tri­via sam­meln, doch erfasst es das Musi­ka­li­sche kaum.

    Das Album rotiert gera­de bei mir wie eine Pome­lo im Mixer, als fri­scher Ein­druck klebt an mir wie eine mat­schi­ge Frucht ein wah­rer Smoothie aus Indi­en (eine Sitar ist zu hören), Grie­chen­land und 70er-Hard­rock, Orgel inklu­si­ve. Gesun­gen (wenig) wird auf Eng­lisch, was ich gut fin­de, weil ich den Klang der ita­lie­ni­schen Spra­che noch nie moch­te und auch wei­ter­hin nicht mag. In „Feton­te“ mache ich gar ein wenig Kraut­rock aus, Mar­co Buf­fet­tis Schlag­zeug treibt hier ein musi­ka­li­sches Kalei­do­skop vor­an. Feton­te ist der ita­lie­ni­sche Name von Phaethon, einem Sohn der grie­chi­schen Son­nen­göt­tin Eos. Iro­ni­scher­wei­se klingt die­ses Stück über­haupt nicht grie­chisch. Das ist in Ord­nung.

    Eine wahr­lich vit­amin­rei­che Mischung tischen Citrus Citrus hier auf.
    Nicht schlecht geeig­net für kal­te Aben­de.

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  14. Prin­cess Thai­land – Gol­den Frames

    Apro­pos gute Musik­grup­pen aus sprach­lich benach­tei­lig­ten Län­dern: Prin­cess Thai­land ist ein (klar, was auch sonst?) fran­zö­si­sches Quar­tett, deren Sän­ge­rin erfreu­li­cher­wei­se eben­falls auf Eng­lisch singt; wobei Gesang in dem gen­re, in dem Prin­cess Thai­land sich her­um­trei­ben, ein gewag­tes Wort ist. Auf dem wei­ten Feld zwi­schen Post­punk und Noi­se, zwi­schen Sava­ges und Sonic Youth qua­si, tan­zen sie einen Rei­gen, von dem Dani­el Tho­mas von der „VISIONS“ (6 von 12 Punk­ten) ganz schwind­lig gewor­den ist.

    Die lako­nisch vor­ge­tra­ge­nen Vokal­bei­trä­ge – mal sin­gend, sel­ten („Impe­ra­tor“) rau­nend, oft eher ener­gisch spre­chend, wie’s sich in der Stil­rich­tung eben gehört – fügen sich indes ins Gesam­te ein. Wüten­des Schlag­zeug und grol­len­der Bass legen das Fun­da­ment des Gewohn­ten, das Übri­ge ist mal ner­vö­ser Krach, mal von sanf­te­rer Art, aber trotz des ver­meint­lich aus­er­zähl­ten Stils (wenig­stens mich) musi­ka­lisch beein­druckend. Gele­gent­lich wer­den Moti­ve wie­der auf­ge­grif­fen, das freut den Rezen­sen­ten, der sonst mit­un­ter den Ein­druck hat, dass das eige­ne Gedächt­nis nicht mehr das beste sei. Es belegt, dass zumin­dest Wie­der­erken­nen noch funk­tio­niert. Die Lie­der könn­ten län­ger sein, aber das ist ja fast immer so.

    Rein­hö­ren: TIDAL, Bandcamp.com.

  15. Seven Impa­le – Sum­mit

    Noch mal Jazz, damit ihr euch nicht unter­for­dert fühlt, und schon wie­der was aus Nor­we­gen und mit grie­chi­schen Sagen­ge­stal­ten: Seven Impa­le sind sechs Musi­ker mit klas­si­schem und/oder Jazz­hin­ter­grund, die nach „Con­tra­pas­so“ von 2016 mit „Sum­mit“ 2023 end­lich ein neu­es Album „raus­ge­bracht“ haben. Ent­hal­ten sind vier Stücke namens „Hun­ter“, „Hydra“, „Ika­ros“ und „Sisy­phos“. Aus wel­cher Sage Hun­ter stammt, weiß ich nicht. Viel­leicht ist ja auch der Kom­mis­sar aus den Micky-Maus-Geschich­ten gemeint.

    Die Stil­zu­sam­men­fas­sung „Jazz“ ist aller­dings auch zu kurz gegrif­fen: „Avant-Prog-Anlei­hen und die jaz­zig ein­ge­färb­ten Arran­ge­ments (…) bra­chia­le Metal-Riffs (…) Stoner Rock-Momen­te“, Motor­psy­cho passt als Ver­gleich schon. Der Schlag­zeu­ger spielt angeb­lich auch schon wie­der irgend­wo auf die­sem Album Ban­jo. Gehört habe ich davon nichts. Das ist gut, ich fin­de den Klang von Ban­jos näm­lich schei­ße.

    Hier aber fin­de ich fast alles gut. Nur „Sisy­phos“, das letz­te und mit etwas über 13 Minu­ten auch läng­ste der vier Stücke, plät­schert etwas ent­täu­schend („leicht opti­mi­stisch klin­gend“, metal.de, aber das hät­te es hier nicht gebraucht) aus, das gibt Abzü­ge in der B‑Note. Die A‑Note ist trotz­dem immer noch über­zeu­gend und gibt eine Emp­feh­lung aus.

    Rein­hö­ren: Amazon.de, TIDAL, Bandcamp.com.

  16. Fran­kie and The Witch Fin­gers – Data Doom

    Wenn ein Musik­pro­jekt belie­bi­ger Grö­ße sich schon „Fran­kie and The Witch Fin­gers“ nennt, dann erwar­tet unser­eins (also: erwar­te ich) ein Min­dest­maß an Unter­hal­tungs­wert vom Dar­ge­bo­te­nen. Und tat­säch­lich: „Data Doom“, das neue­ste Album des US-ame­ri­ka­ni­schen Quar­tetts die­ses Namens, macht Spaß. Dass es text­lich – mehr oder weni­ger – um die zusam­men­bre­chen­de Zivi­li­sa­ti­on unse­rer Zeit geht, steht dem nicht ent­ge­gen. Man kann den Nie­der­gang der Mensch­heit bedau­ern und dabei trotz­dem tan­zen. Gut, außer mir. Ich kann ja nicht tan­zen.

    Über sich selbst sagt die Band (oder lässt die Band sagen, man – also ich – weiß es nicht), sie sei „a con­stant source of pri­mor­di­al groo­ve“, also / eine stän­di­ge Quel­le des ursprüng­li­chen Grooves/. Das ist nicht hilf­reich. Das Inter­net zieht King Crims­on als Ver­gleich her­an, wegen des Saxo­phon­ein­sat­zes in „Burn Me Down“, aber auch das trifft den Kern nicht. Viel­leicht ver­su­che ich es doch mal mit Stil­zu­schrei­bun­gen: Desert (ZZ Top?) und Stoner Rock wer­den hier ver­mählt mit Funk („Mild Davis“, pas­sen­der Titel auch) und erstaun­lich klas­si­schem Rock’n’Roll. Ich gehe davon aus, ich soll­te mir die­se Grup­pe ein­mal live anse­hen. Ich ver­mu­te, ich hät­te Spaß.

    Ein Wer­muts­tröpf­chen (obwohl: ich mag Wer­mut): Das Album ist etwas zu kurz und wird am Ende lang­wei­lig aus­ge­blen­det. Aber der Weg bis dahin gefällt.

    Rein­hö­ren: Amazon.de, TIDAL, Bandcamp.com.

  17. David Euge­ne Edwards – Hya­c­in­th

    Für Freun­de der Musik von Nick Cave sei „Hya­c­in­th“, das aktu­el­le Album von David Euge­ne Edwards (auch bei und mit der Grup­pe Woven Hand aktiv), geeig­net, riet man mir. Die­se Grup­pe ent­hält mitt­ler­wei­le auch mich, daher hör­te ich mal rein.

    David Euge­ne Edwards sei ein sehr reli­giö­ser Coun­try­mu­si­ker, erklär­te mir das Inter­net. Ich fin­de reli­giö­sen Coun­try zwar schei­ße, kann hier aber beru­higt ver­mel­den, dass das Inter­net mit Gen­re­zu­schrei­bun­gen fast so schlecht umge­hen kann wie der Musik­jour­na­lis­mus. Auf sei­nem ersten Solo­al­bum, näm­lich die­sem hier, wer­den tat­säch­lich nur am Ran­de Chri­sten­tum und Coun­try gestreift, viel­mehr gibt es sono­ren Expe­ri­men­tal-Folk mit gerin­ger Instru­men­tie­rung, im Fokus ste­hen elek­tro­ni­sche Per­kus­si­on und die ver­stärk­te (nicht ver­zerr­te) Gitar­re, ins Ohr. Kei­ne Ahnung, ob Gast­mu­si­ker zu hören sind oder ob der Künst­ler alle Instru­men­te selbst ein­ge­spielt hat, die Band­camp­sei­te zum Album schweigt dazu und eine schnel­le Recher­che blieb erfolg­los.

    Ich höre – ja – Nick Cave („Bright Boy“), aber auch Leo­nard Cohen und bis­wei­len („Lio­ni­sis“) auch Sisters of Mer­cy. Gute Refe­ren­zen. „Hya­c­in­th“ wol­le „mit dem Her­zen ergrün­det wer­den“, schrieb anders­wo Domi­nik Mai­er. Dem kann ich nicht wider­spre­chen. Das Album schließt mit „The Cuckoo“, einer Cover­ver­si­on eines Folk­klas­si­kers, wie aber­mals das Inter­net (dies­mal wohl zutref­fend) mit­zu­tei­len weiß. Ein schö­nes Ende, dem ein­zig nega­tiv zu atte­stie­ren ist, dass es viel zu früh kommt. Die Zeit ver­geht mit „Hya­c­in­th“ im Ohr erschreckend schnell.

    Aber man kann es ja dann ein­fach noch mal von vorn hören.


Das soll’s erst mal gewe­sen sein. Wie immer gilt: Alben, die ich sträf­lich ver­nach­läs­sigt haben könn­te, sind als Kom­men­tar gern will­kom­men. Chee­rio.

Jah­res­rück­blick

Musik 12/2022 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se Musik 12/2024 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se
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Senfecke:

  1. Die lang erwar­te­te (von mir, aus­rei­chend) neue Plat­te von Patio. Sau­dum­mes Video zur Sin­gle, so erstickt man mög­li­che Kar­rie­ren im Keim. Bes­ser erst­mal hier: https://www.youtube.com/watch?v=93yd79yrfD8 Die Bas­si­stin macht irgend­was. Paßt dann irgend­wie doch ins Gesamt„bild“. Mes­me­ri­sie­rend.
    Fro­hes Neu­es.

  2. In mei­nen Vorlesungen/Seminaren habe ich den Stu­dis immer erklärt, daß man sei­ne per­sön­li­che Lieb­lings­mu­sik nur unter schwer­sten Ver­lu­sten ande­ren Mithörend*innen nahe­brin­gen kann, weil das eben (aus Grün­den, die hier den Rah­men spren­gen wür­den) schlicht und ergrei­fend unmög­lich ist. Trotz­dem habe ich jeden ein­zel­nen Link hier durch­ge­hört, obwohl die Mucke von mei­nem Musik­pla­ne­ten aus gese­hen wirk­lich eine kom­plett ande­re Bau­stel­le ist.

    Kla­rer Test­sie­ger sind die Fla­men: wenn Musik (was sie nie oder nur dann tut, wenn sie schlecht ist) irgend­et­was „Rea­les“ in der „Welt“ wider­spie­gelt, dann ist der flä­mi­sche aku­sti­sche Kom­men­tar das ein­zi­ge, was den andau­ern­den Krieg, den media­len wie den rea­len wie auch den sub­til ver­steck­ten, halb­wegs adäquat „wie­der­gibt“.

    Das Flä­mi­sche ist zwar mei­ne Lieb­lings­spra­che, aber alles habe ich auch nicht kapiert. Nur so unge­fähr (und im Ori­gi­nal wirk­lich sprach­ge­wal­tig):

    Der Tot als der Leh­rer der Stil­le. Als anony­mer Tot infil­triert er die Gedan­ken der Wachen­den, der Wach-Sei­en­den, er war­tet ab, bis sei­ne kal­te Hand zufas­sen kann, in aller Stil­le. Er umgibt uns, als ein­zi­ge tat­säch­li­che Regel, ohne Aus­sicht auf Bes­se­rung etc. pp.

    Über allem schwe­ben musi­ka­lisch (in my not so hum­ble opi­ni­on) wirk­lich nur Bach, Richard Strauss, Mes­siaen, Woo­dy Shaw, Rob Mad­na und Bob Brook­mey­er.

    Aber mit den ästhe­ti­schen Urtei­len ist das, wie gesagt, so eine Sache, denn wie sagt der alte Königs­ber­ger doch so tref­fend: „Um zu unter­schei­den, ob etwas schön sei oder nicht, bezie­hen wir die Vor­stel­lung nicht durch den Ver­stand auf das Objekt zum Erkennt­nis­se, son­dern durch die Ein­bil­dungs­kraft (viel­leicht mit dem Ver­stan­de ver­bun­den) auf das Sub­jekt und das Gefühl der Lust oder Unlust des­sel­ben.“

    Bach:

    https://www.youtube.com/watch?v=3EnosoXeTWI&pp=ygUlYmFjaCB3b2hsdGVtcGVyaWVydGVzIGtsYXZpZXIgcmljaHRlcg%3D%3D

    Zu Risi­ken und Neben­wir­kun­gen etc.:

    Mes­siaen:
    https://www.youtube.com/watch?v=RJ_x_8o80TI

    Und ein paar Lecker­li, extra für Sie/Dich ein­ge­packt.

    https://www.mediafire.com/file/veo59dtibm0th6m/tux0r.zip/file

    Kei­ne Sor­ge, das Zeug „ver­ste­hen“ viel­leicht ein hal­bes Dut­zend Leu­te auf der Welt (und ich selbst auch nur, wenn ich einen guten Tag habe). Muß man aber auch nicht „ver­ste­hen“, ein­fach ohne Vor­ur­tei­le und Vor­an­nah­men wir­ken las­sen.

    Wie sag­te größ­te Geist, dem ich jemals begeg­nen durf­te, der Dom­bau­mei­ster des Köl­ner Doms, Prof. Dr.-Ing. Arnold Wolff mal, als ich ihm eine von die­sen Auf­nah­men (auf denen ich sel­ber mit­spie­le) vor­ge­spielt habe: „Das gefällt mir zwar nicht, ist aber außer­or­dent­lich gut!“

    Mehr braucht man nicht zu wis­sen… ;-)

    In die­sem Sin­ne ein fro­hes Neu­es Jahr!

    • Gebe ich mir mal in einer ruhi­gen Minu­te. Tat­säch­lich fah­re ich mei­nen Musik­kon­sum gera­de ein biss­chen zurück – ich habe in den letz­ten Wochen so viel davon gehört, dass ich sonst Angst hät­te, dass sie mir zum Bin­ge­li­stening ver­kommt. Dan­ke, auch für die Erklä­rung des Tex­tes. :)

      Ich erwar­te gar nicht, dass jeder mag, was mir gefällt. Ich höre auch manch­mal Din­ge, die ich nicht mag (Ban­jo…). Hori­zont. Wei­te. Ich fin­de Din­ge gern begrün­det doof, grund­los kann jeder.

  3. Das mit Band­camp war mir neu und gefällt mir gar nicht. Das was du über Herrn Wil­son schreibst ist ganz schön gemein. Anson­sten ist dein Musik­ge­schmack, nun ja, beäng­sti­gend. Ich habe gera­de mal eini­ges neu­gie­rig ange­klickt und bin froh, das ich mor­gen mei­nen Ter­min beim See­len­klemp­ner habe. Ein fro­hes neu­es Jahr :-)

    • Kennst mich doch… :) … viel­leicht wer­de ich ein­fach zu alt für Ste­ven Wil­son. So kann’s gehen. Auch fro­hes Neu­es!

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