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Kurzkritik: MaidaVale – Tales of the Wicked West

MaidaVale - Tales of the Wicked WestMaida Vale ist eine Haltestelle der Londoner U-Bahn sowie der Name eines Studiokomplexes der BBC, in dem unter anderem John Peel regelmäßig aufnahm. Eine Band danach zu benennen ist, je nachdem, entweder zumindest ungewöhnlich oder entsetzlich banal. Das schwedische Frauenquartett MaidaVale, gegründet 2012, hat es trotzdem gewagt und legte erst im kürzlich vergangenen August mit seinem Debütalbum „Tales of the Wicked West“ eines dieser Alben vor, deren Grandiosität eine Würdigung mehr als nur verdient hat.

Der häufig im Internet zu findende Vergleich mit den Blues Pills, ebenfalls eine schwedische Retro-Band mit Sängerin, ist ein bisschen unfair, ABBA haben mit MaidaVale ja auch nicht viel gemeinsam. Wo Blues Pills es mit Retro-Rock versuchen, gibt es von MaidaVale sozusagen die volle Breitseite: Psychedelischer Bluesrock (Led Zeppelin, Jimi Hendrix) trifft auf drogenschweren 70-er Krautrock; die Gitarre singt aus vollem Hals, das Schlagzeug treibt sie voran, dazu spielt Linn Johannesson einen knackigen Bass mit ordentlich groove, während Matilda Roth mit einer unglaublich passenden, in den letzten Jahrzehnten leider viel zu selten gewordenen Stimme von „Rassismus, Kriegswahn und zwischenmenschlichen Minenfeldern“ (Jochen König) singt.

MaidaVale – (If You Want The Smoke) Be The Fire

Den musikalischen trip halten also nur die Texte vom Entstehen ab, so dass man immerhin die Wahl hat, ob man verreisen oder sich über die Welt aufregen möchte. Zwei Alben in einem also – wo sonst gibt es das? Kleine Experimente wie das einminütige „Truth/Lies“, ein verzerrtes Experimentalstück in irgendwie Talk-Talk-Tradition, ergänzen das Album ganz gut, aber hauptsächlich bleibt keine Zeit zum Ausruhen. Das ist gut, denn so kann man „Tales of the Wicked West“ – die subtile Spitze im Titel wird erst im Zusammenspiel mit den Themen offensichtlich – vorbehaltlos in sich aufnehmen und wirken lassen.

MAIDAVALE – DIRTY WAR (Live in Studio Underjord)

Das abschließende „Heaven and Earth“, das es angeblich nicht auf alle Versionen des Albums geschafft hat, lässt auf elf Minuten Länge erstmals und schließlich Raum zum Durchatmen. Etwaige Erinnerungen an das Yes-Album gleichen Namens sind kurzzeitig auszublenden. Gesungen wird hier nicht mehr, stattdessen versuchen MaidaVale sich an einer Art „Post-Bluesrock“: Eine einfache Gitarrenmelodie in acht Takten beginnt und zieht sich bis zum Ausklang des Stücks und damit des Albums durch, es setzt die spacige Gitarre ein und soliert in einer Weise, dass dem geneigten Hörer die Sinne ejakulieren. Ein musikalischer Wochenendausflug ans Wildwasser mit einer Pfeife in der Hand. Eine sehr angenehme Reise.

Auf Bandcamp gibt es das komplette Album zum Anhören und Kaufen, Vinylfreunde werden momentan allerdings nur auf Amazon.de fündig.

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