KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Jim Hay­nes – incon­se­quen­ti­al

Jim Haynes - inconsequential

Lan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Einer­seits könn­te ich heu­te nur Jazz hören. Ande­rer­seits hat Jim Hay­nes gestern, maß­geb­lich inspi­riert von dem Mann­hei­mer Irgend­was-mit-Indu­stri­al-Musik­pro­jekt Anenze­pha­lia, sein neu­es Album „incon­se­quen­ti­al“ (Bandcamp.com) – schon sein zwei­tes in die­sem Jahr – mit dem genau­en Gegen­teil von Jazz (d.h. mit elek­tro­ni­schen Geräu­schen und gele­gent­lich Spra­che vom Ton­band) nach vier Jah­ren Arbeit an sel­bi­gem raus­ge­bracht.

Ich höre Autos im Stau, Hub­schrau­ber im Ein­satz, Kon­to­aus­zugs­drucker, ein Säge­werk, kochen­des Was­ser, eine alte Stand­uhr, einen Indu­strie­staub­sauger und schlech­ten Ana­log­emp­fang in einer Maschi­nen­fa­brik. Das letz­te Stück trägt über­setzt den Titel „18 Fil­me über Ted Seri­os, Kapi­tel 5, Ver­si­on 2“ und klingt auch so. Ein indu­stri­ell stamp­fen­der Rhyth­mus mit pochen­dem Bass beglei­tet wäh­rend des hal­ben Stücks aller­lei elek­tro­ni­sches Sir­ren, Hupen und Rum­peln, bevor nach etwas über sechs Minu­ten ein Sprach­sam­ple eine lan­ge (und auf die­sem Album ein­ma­li­ge) Ambi­ent-Klang­flä­che ein­lei­tet, wäh­rend derer jemand in der Fer­ne spricht und ver­sucht, einen Radio­sen­der ein­zu­stel­len, was nach zehn Minu­ten dann auch fast klappt.

Ein dys­to­pisch kal­tes, klau­stro­pho­bie­för­den­des Album, mit dem jede Insel schön ein­sam wird. Wahr­schein­lich könn­te man nicht mal auf Sylt was dazu sin­gen. Ich mag das.

Senfecke:

  1. Mhh, Ein­stür­zen­de Neu­bau­ten in ganz schlecht.
    Wenn ich was die Rich­tung hören möch­te, dann Mini­stry (mit Musik und Melo­die!) oder The User (dezent melo­disch) Wenn man jetzt Mini­stry und The User mixen wür­de, mhh.

    Der Krach da oben spricht mich über­haupt nicht an.

  2. Incon­ti­nen­ti­al machen ganz schön was her.
    Da sind schon ein paar Per­len dabei.

  3. Herr Hay­nes ist irgend­wie eine Art ame­ri­ka­ni­scher Cou­sin von Frau Viae­ne. Etwas anders gela­gert (mehr syn­the­ti­sches Mate­ri­al), aber ähn­lich gut. Hat sich die alten Recken aus den 60ern rein­ge­zo­gen (Mader­na, Xena­kis, Ear­le Brown, Kal­le Stock­hausen und vor allem B.A. Zim­mer­mann), aber in rich­tig. Erstaun­lich für die­sen Kram: Kei­ne schwa­chen Stel­len, nichts bricht weg oder ab. Hier und da ist das Stück sogar viel zu *früh* zu Ende. Für mei­nen Geschmack über­haupt nicht dys­to­pisch oder das ande­re lan­ge Adjek­tiv mit k, das­mir­jetzt­viel­zu­müh­sam­zu­tip­pen­ist. Hay­nes hört sich in Echt­zeit beim Den­ken in Klän­gen zu (das auch ger­ne mal Jah­re andau­ern kann), und bringt das „Stun­den­pro­to­koll“ (gezwun­ge­ner­ma­ßen) in eine x‑minütige Form. So hört jeder seins – das ist ja das Schö­ne. Das Zeug ist verf**** kom­plex; kein Wun­der, das der da so lan­ge dran sitzt. Ein guter Mann. Dan­ke!

    • Ger­ne wie­der. Stock­hausen ist eine Refe­renz, die mir gera­de selbst ent­fal­len war. Ich wer­de nach­läs­sig. (Ande­rer­seits sagt mir Frau Viae­ne gera­de mal über­haupt nichts. So geht die Welt zugrun­de.)

  4. Den Els Viae­ne-Link habe ich unter dem Ein­trag „Tanz­mu­sik“ am 10.7. hin­ter­las­sen. Anson­sten habe ich jetzt gera­de drei Stun­den lang Hay­mes gehört. Vie­len Dank auch, Herr tux0r!https://tuxproject.de/blog/wp-content/plugins/wp-monalisa/icons/smiley_emoticons_aufsmaul.gif
    Was zum *Run­ter­kom­men*: Fore­ver Young (Els Viae­ne)
    https://kunstradio.at/2018B/30_12_18en.html

    • Ah! Da sieht man mal, wie schnell ich Namen ver­ges­se. Aber ja, ist zumin­dest ähn­lich.
      (Grund­sätz­lich: Alles von der Helen Scar­sda­le Agen­cy. Da hat man ein paar Tage was zu tun. Bit­te­schön.)

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