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Musik 12/2018 — Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 21 von 29 der Serie Jahres­rück­blick

Ach je, schon wieder haben wir es mit einem Jahre­sende zu tun! In ein­er Zeit schwinden­der Gewis­sheit­en bleibt jeden­falls die, dass dies eine gute Gele­gen­heit ist, um zum zweit­en Mal in diesem Jahr auf die empfehlenswertesten Musikalben 2018 zurück­zublick­en. Während die Jugend immer noch Pod­casts hört, die doch heutzu­tage eigentlich Phonecasts heißen müssten, gebe ich mich lieber der wahren Kul­tur hin. “Nicht jedes Gequiek”, befand ein­mal Ulrich Erck­en­brecht, “ist Musik”. So halte ich es selb­stver­ständlich eben­falls.

Der Kalen­der hin­derte mich erneut nicht daran, im verge­hen­den Hal­b­jahr ungeduldig und darum vorzeit­ig auf die aktuellen Stu­dioal­ben von Abra­ham, Árstíðir, Mono­phon­ist, VAK und Trä­den hinzuweisen. Kun­den, die das kauften, kauften auch…

Zum Glück sind noch genug andere Musikalben übrig geblieben, näm­lich die fol­gen­den. Fan­gen wir an.

1. Neues von heute.

  1. Spurv — Myra

    Wenn wir es hier schon mit solchen Tem­per­a­turen zu tun haben, dann wollen wir wenig­stens auch die richtige Musik dazu hören. Spurv — das bedeutet “Spatz” auf Nor­wegisch — ist daher eine dur­chaus ansprechende For­ma­tion aus Oslo, deren jüng­stes Stu­dioal­bum “Myra” allerd­ings bere­its im Mai 2018 erscheinen durfte. Als Gast­musik­er sind auf “Myra” unter anderem Mit­glieder von Ulver zu hören. Nicht immer sind solche Hil­f­sar­beit­en ein Ver­such des name­drop­pings, das haben Spurv nicht nötig. Auf dem Cover­bild knud­delt eine Frau ein Ren­tier. Ich wäre sehr albern, leit­ete ich daraus etwas über Nor­we­gen ab.

    Trotz­dem erfüllen Spurv wenig­stens das Klis­chee, dass Musik­grup­pen aus der Gegend bitteschön vor allem so was wie Postrock zu spie­len haben, denn in Nor­we­gen ist es bekan­ntlich immer dunkel. So auch hier: Zwar nen­nen sich die Musik­er selb­st eine Post­met­al­band, ich aber weigere mich, mich dieser Selb­st­beze­ich­nung anzuschließen, und verorte sie stur im Shoegaze, Abteilung Instru­men­tal­musik. Tja! Zu hören gibt es flächige Gitar­ren mit Cel­lo und Geige. Aus solchen ein­fachen Zutat­en sind sehr gute Alben gemacht und auch “Myra” ist ein sehr gutes Album.

    Flächig geht es gele­gentlich nicht nur in die Bre­ite, son­dern auch in die Höhe, so etwa im beina­he doom­tauglichen “Fra Myrtem­pelet” und im fan­tastis­chen “Fra dypet under ste­nen”, das, obwohl es auf ein Ver­glühen hin­crescendiert, mit entspan­ntem Klavier ausklingt. Huch! In “Allt­ing får sin ende, også nat­ten” lassen die Musik­er Hei­deg­ger zu Klavier­be­gleitung über die Sterblichkeit des Men­schen dozieren, anschließend bricht Postrock­ge­wit­ter (“Post-Met­al”) los.

    Eigentlich schade, dass nor­male Spatzen nur so blöde Piepgeräusche machen.

    Rein­hören: Auf Bandcamp.com gibt es einen Kom­plettstream, auf Amazon.de Hör­proben und Kauf.

  2. Kōen­ji Hyakkei — Dhorimviskha
    “Vee­dem quid­has twl­liees immi­daval­ly” (Phlesst­tighas)

    Nach­dem die franzö­sis­che Aus­nah­meer­schei­n­ung Mag­ma das John-Coltrane-Gedächt­nis­genre Zeuhl — wohl unge­fähr “Söhl” aus­ge­sprochen; ver­rück­te Fran­zosen immer! — erfun­den und eine Zeit­lang allein aus­ge­füllt haben, ent­standen irgend­wann auch außer­halb Frankre­ichs erste Musikpro­jek­te, die diesem Stil etwas abgewin­nen kon­nten, etwa Univers Zéro aus Bel­gien. Nicht alle über­nah­men die Kun­st­sprache Kobaïanisch oder den viel­stim­mi­gen Chorge­sang, ihnen allen sind aber die dom­i­nante, jaz­zna­he Rhyth­mik und das Spiel mit der hyp­no­tis­chen Wieder­hol­ung gemein. Bis heute bleibt Frankre­ich der Mit­telpunkt der inter­na­tionalen Zeuhlszene, als stark­er Konkur­rent hat sich aber inzwis­chen Japan her­aus­gestellt.

    In Japan, regelmäßi­gen Lesern mein­er Rückschauen sowieso längst als Land der pos­i­tiv bek­loppten Musik bekan­nt, grün­dete Schlagzeuger und Sänger Tat­suya Yoshi­da bere­its 1985 das Duo Ruins, dessen Musik mit Text zu beschreiben nicht ganz ein­fach ist, Zeuhl auf Koks in der Achter­bahn träfe es aber ganz gut. Weil so ein Duo einen japanis­chen Musik­er aber nicht aus­lastet, ist Tat­suya Yoshi­da neben­bei auch noch ander­weit­ig beschäftigt, unter anderem in Pro­jek­ten mit Mit­gliedern der gle­ich­falls bish­er nicht durch wenig Aktiv­ität aufge­fal­l­enen Acid Moth­ers Tem­ple. Außer­dem grün­dete er 1991 die Band Kōen­ji Hyakkei, von deren Grün­dungsmit­gliedern nur noch er selb­st mit­macht, obwohl sie auf “Dhorimviskha”, ihrem ersten Stu­dioal­bum seit 2005, schon wieder zu sechst ist.

    Weil man zu sechst auch andere Musik machen kann als zu zweit, unter­schei­det sich dieselbe auf “Dhorimvish­ka”, was bes­timmt irgend­was heißt, recht deut­lich von dem, was von Ruins nor­maler­weise zu hören ist. Neben diesen und Mag­ma höre ich hier jeden­falls, vor allem in den text­losen Gesangspas­sagen, auch Yes. Natür­lich gibt es hier weit­ge­hend, bis in das abschließende Titel­stück hinein, auch Zeuhlrhyth­mik und meist komisch über­dreht­en repet­i­tiv­en Gesang mit und ohne Text, zumeist von Sän­gerin “Ah”, zu hören, aber Funk und Jazz kämpfen hart um die Aufmerk­samkeit des Hör­ers. In “Lev­horm” meine ich gar Lat­in­musik auszu­machen. Das für Band­ver­hält­nisse ungewöhn­lich ruhig groovend begin­nende “Pal­beth Tis­si­laq” woan­ders als im reinen Jaz­zrock zu verorten schiene mir auch falsch.

    Klar: Wer Mag­ma nicht mag, der wird mit “Dhorimviskha” voraus­sichtlich auch nicht zufrieden sein. Wer aber gele­gentlich eine Dosis Zeuhl ver­tra­gen kann, den wer­den Kōen­ji Hyakkei kaum ent­täuschen. Den Ver­such ist es wert.

    Rein­hören: Amazon.de hat Down­load und Hör­proben im Sor­ti­ment.

  3. Body/Head — The Switch
    “Scream to the wind” (Last Time)

    Wir wech­seln ele­gant das Land: Body/Head sind ein US-amerikanis­ches Gitar­ren­duo. Wer der Kör­p­er und wer der Kopf ist, weiß ich nicht. Das ist angesichts der Herkun­ft der bei­den Musik­er aber auch völ­lig uner­he­blich, denn wenig­stens einen Namen ken­nt man: Kim Gor­don war von 1981 bis 2011 Teil der erfreulichen Band Son­ic Youth, die mit ihrer Tren­nung von Thurston Moore zu existieren aufge­hört hat, seit 2012 ist sie mit Bill Nace zusam­men auf musikalis­chen Pfaden unter­wegs. Bill Nace wiederum ken­nt man bish­er nur vom 2013er Debü­tal­bum von Body/Head, “Com­ing Apart”, aber man sollte ihn sich ver­mut­lich endlich mal merken.

    Dass Body/Head trotz dieses Neuan­fangs und der min­i­malen Beset­zung — offiziell sind nur Gesang (Kim Gor­don) und zwei Gitar­ren (bei­de) als Beteiligte genan­nt — eigentlich wie eine Fort­set­zung von Son­ic Youth klin­gen, über­rascht kaum. “The Switch” ist ein min­i­mal­is­tisch-exper­i­mentelles Album voller “No Wave”. Das hat man ja auch schon länger nicht mehr gehört. Enthal­ten sind fünf Stücke, aber die haben es in sich.

    Die Gitarre schwingt und schweigt im eröff­nen­den “Last Time”, nach drei Minuten ertönt gedehn­ter Gesang. Es klingt wie die frühen Kraut-Psy­che­del­ic-Exper­i­mente und ich würde mir einen Exper­i­men­tal­film mit dieser Unter­malung ver­mut­lich aus Prinzip gern anse­hen. Wieso ger­ate ich eigentlich in let­zter Zeit immer wieder an dieses Avant­garde-Zeug? Mir soll’s ja auch recht sein. Unbeachtet schwellen die Instru­mente zu Kam­mer­musik mit Stre­ich­er­stakka­to an. Unwillkür­lich denkt man darüber nach, was die Bea­t­les aus der heuti­gen Stu­diotech­nik gemacht hät­ten, wenn sie noch intakt wären. In “You Don’t Need” wird die Kam­mer­musik fort­ge­set­zt. Es baut sich eine bedrohliche, dichte, beina­he indus­trielle, wie von einem alten Ton­band abge­spielt klin­gende Atmo­sphäre mit dün­nem, fast unterge­hen­dem, aber wieder krauti­gen Gesang auf. Damals war Gesang ja auch sel­ten gut. Das Stück endet plöt­zlich.

    Es fol­gt “In The Dark Room”: Der Beginn klingt wie der Verbindungsauf­bau eines alten Modems, geht dann aber über in eine ver­gle­ich­bar ster­ile Umge­bung. Genau so würde ich einen dun­klen Raum auch ver­to­nen, wenn ich ein biss­chen Ahnung von Stim­mung und Musik­machen hätte. Elek­tro­n­isch erzeugte Klang­ef­fek­te, darunter ein unklares Kratzen, lassen mich aber­mals aufhorchen, wie es eigentlich immer passiert, wenn ich mich an das noch immer ziem­lich geile “asia” von boris (hier ent­lang) erin­nert füh­le. Hier gibt es keinen Gesang, hier gibt es nur Stim­mung. Hui! “Change My Brain” ist anfangs eigentlich fast das gle­iche Stück, aber mit nois­iger Gitarre statt bloßer Effek­te. Nach zwei Minuten set­zt aber­mals der melodiefreie Gesang Kim Gor­dons ein. Gegen 4:30 Minuten inten­siviert sich dieser aber erst­mals auf dem Album in ein­er Art Refrain, bevor der Instru­men­tal­teil wieder ein­set­zt. Irgend­was ist mit meinem Hirn bere­its jet­zt passiert. “Change My Brain” ist 10:41 Minuten lang und damit eigentlich immer noch zu kurz.

    Zum Schluss — “Reverse Hard” — haut das Duo dem Hör­er noch ein­mal Dro­nege­wit­ter, dann wieder indus­trielle Elek­tron­ik um die Ohren. Nach fast fünf Minuten ertönt Gesang, der wie durch ein Wasser­glas gesun­gen klingt, dazu schnei­dende Gitar­ren. Nach sechs Minuten ist es vorb- nein, doch nicht, ein neuer Teil begin­nt: Eine verz­er­rte Gitarre bre­it­et eine Wüste vor dem geisti­gen Auge aus. Kak­teen entste­hen, hin und wieder ein bedrohlich­es Lebe­we­sen, hier gespielt von einem Bass, der wahrschein­lich auch wieder so ein Gitar­ren­ef­fekt ist. Erneut undeut­lich­er “Wasser”-Gesang. Das Stück wird zum Ende hin schneller, die Stimme bellt nun eher als sie singt. Das Stück verklingt instru­men­tal mit verz­er­rter Elek­tron­ik.

    Was war das? “The Switch” braucht unbe­d­ingt einen zweit­en, wenn nicht gar einen drit­ten Hör­durch­lauf, bevor es sich erschließt. Ich weiß es zu würdi­gen, dass hier ober­fläch­lich nur wenig passiert, während sich das Album kaum merk­lich ins Ner­ven­sys­tem bohrt. Es muss ja nicht immer schep­pern.

    Rein­hören: “The Switch” gibt es auf Bandcamp.com und TIDAL als Kom­plettstream, auf Amazon.de auszugsweise und zum Kauf.

  4. H E X — H E X

    Apro­pos Schep­pern.

    H E X, die anscheinend mit Leerze­ichen geschrieben wer­den möcht­en, sind eine Schweiz­er Band und heißen wie ein Album von Bark Psy­chosis, aber das kann Zufall sein. Musikalisch und auch son­st ist wenig Gemein­samkeit festzustellen, sieht man davon ab, dass ich bei­de Bands zu ken­nen nicht für Zeitver­schwen­dung halte.

    Die Band selb­st nen­nt ihre Musik “Psy­che­del­ic Indus­tri­al”, was sich eige­nar­tig genug vorstellen lässt. Dominiert wird das Album, das anscheinend wie die Band heißt und sog­ar nur aus vier (wenn auch ver­gle­ich­sweise lan­gen) Stück­en zusam­menge­set­zt ist, allerd­ings von einem mitunter monot­o­nen groove, der vor allem (uns) von Faust und Can Begeis­terte verzückt. Die Musik ist ziem­lich dicht und klingt manch­mal wie eine über­wiegend instru­men­tale Vari­ante von Laibach mit weniger goth­ic. Jau.

    Über­wiegend instru­men­tal? Naja: In “Col­lid­er” taucht erst­mals kaum ver­ständlich­er Gesang auf, viel zu leise, um ver­standen zu wer­den, was Absicht sein kön­nte. “High­rise” ist wieder ein Gesangsstück, jedoch wird auch hier der Gesang von der Indus­tri­al-Wucht schi­er erdrückt und dient daher vielmehr als melodis­ch­er Gegen­punkt. Apro­pos “Col­lid­er”: Lässt sich dieses Liedlein noch als Post­punk kat­e­gorisieren und gräbt “Process” tief im Indus­tri­al, so ver­mei­det der dro­nege­ladene Postrock, den man son­st auch von Isis so oder so ähn­lich schon mal gehört hat, ein Schwarzweiß­bild, was das Kat­e­gorisieren bet­rifft. Ich gäbe für so etwas grund­sät­zlich Bonus­punk­te, wenn ich hier über­haupt irgendwelche Punk­te verteilte.

    Da ich darauf aber gern verzichte, bleibt mir in Rein­text die Erken­nt­nis, dass “H E X” eine willkommene Abwech­slung in der son­st doch sehr gitar­ren­rock­o­ri­en­tierten Liste dieses Semes­ters ist. Man sollte aber in der richti­gen Stim­mung sein — für Früh­ling oder gar Som­mer ist das hier nichts, auch wenn’s bere­its im Mai dieses Jahres erschien. Zu heute passt es allerd­ings aus­geze­ich­net.

    Rein­hören: Stream und Kauf stellen H E X via Bandcamp.com bere­it, anson­sten mag’s Amazon.de tun.

  5. Prairie — After the Flash Flood

    Wir bleiben bei Drones. Bei Prairie, so ist im Inter­net zu lesen, han­delt es sich um “das Pro­jekt” des aus Brüs­sel stam­menden, aber in den Nieder­lan­den wurzel­nden Mul­ti­in­stru­men­tal­is­ten und Pro­duzen­ten Marc Jacobs, der live noch mehr Musik­er um sich schart und zuvor bere­its Musik beim Berlin­er Ver­lag Shitkat­a­pult, der zwar schön heißt, mir aber bish­er namentlich unbekan­nt war, unter­brin­gen kon­nte. Wenn das hier jedoch Scheiße ist, dann kann Marc Jacobs daraus Gold machen und gehört erst recht erwäh­nt.

    Eine Eiswüste türmt sich auf, von fern don­nert floy­desque Perkus­sion auf und verklingt: Mit “Flash Flood” begin­nt das Album “After the Flash Flood” unge­fähr wie angenom­men, hat man erst ein­mal einen Blick auf das Cover­bild gewor­fen. Das The­ma “Eiswüste” wird später auch mit Geräuschen bers­ten­den Eis­es (“Hard Water:Cracked Ice”) nochmals in Erin­nerung gerufen. Der geneigte Rezensent kommt nicht umhin, ein wenig zu frieren, was derzeit — Mitte Sep­tem­ber — keine Selb­stver­ständlichkeit, dafür jedoch sehr angenehm ist.

    Der Rest des Albums, der nach “Flash Flood” ertönt, ste­ht diesem hin­sichtlich der Inten­sität und Dichte nicht nach; mal wird mit Sprach­fet­zen und Störg­eräuschen eine bek­lem­mende Atmo­sphäre geschaf­fen (“Rain­deaf”), mal bre­it­en Prairie mit vielschichti­gen drones aber­mals eine, nun ja, akustis­che Prärie vor dem Hör­er aus. Auch leise, mitunter indisch ange­hauchte Momente find­en sich auf dem Album (“A Per­ma­nent War Econ­o­my”, “Ele­phants Will Rise Again”). Was jedoch nicht auf­taucht, ist Gesang. Brauch’mer des? Nein, in diese Stim­mung reinzusin­gen wäre gehäs­sig.

    “After The Flash Flood” belohnt Geduld mit Tiefe. Wer keine solche (also Geduld, nicht Tiefe) mit­bringt, der möge dieses Album beim unver­mei­dlichen Kauf all mein­er Empfehlun­gen aus­lassen. Allen anderen möge es ein Genuss sein wie mir.

    Rein­hören: Auf Bandcamp.com gibt es — ungewöhn­licher­weise — nur Auszüge aus “After the Flash Flood” zu hören, Amazon.de und TIDAL besor­gen den Rest.

  6. Oh Sees — Smote Revers­er

    Endlich mal wieder eine Band mit Geschichte — obwohl die gar nicht beson­ders lang ist.

    Von 1997 bis 2003 existierte das kali­for­nische Punkrock­duo Pink and Brown, beste­hend aus den bei­den schon zuvor aufeinan­der getrof­fe­nen Musik­ern John Dwyer (Gesang, Gitarre) und Jef­frey Rosen­berg (Schlagzeug). Erster­er war eben­falls ab 1997 als Solo­musik­er unter dem Pro­jek­t­na­men Ori­no­ka Crash Suite (kurz OCS) tätig, von 2001 bis 2005 außer­dem mit der Gara­gen­rock­band Coach­whips beschäftigt. 2002 grün­dete er zudem Zeigen­bock Kopf, eine vorge­blich deutsche Par­ty­band mit Schwu­len­im­age, die ver­mut­lich bis heute existiert.

    Nach der Auflö­sung von Pink and Brown trat Jef­frey Rosen­berg vorüberge­hend OCS bei, das offizielle Debü­tal­bum “1” wurde 2003 veröf­fentlicht. John Dwyer machte danach erst allein, dann mit Schlagzeuger Patrick Mullins weit­er und nahm so bis 2005 drei weit­ere Alben auf. Anschließend wurde Sän­gerin Brigid Daw­son Band­mit­glied, von 2006 bis 2007 hieß die Band erst The Ohsees, was eine mögliche Aussprache von “OCS” zu sein scheint, dann The Oh Sees, schließlich bis 2016 Thee Oh Sees. Das “Thee” wurde 2017 fall­en gelassen, es erschien erst “Orc” als Oh Sees, dann “Mem­o­ry of a Cut Off Head” als OCS. Wie die Band aktuell heißt, wage ich gar nicht nachzuschla­gen, als The Oh Sees wurde im Mai 2018 jeden­falls das noch aktuelle Album “Smote Revers­er” veröf­fentlicht, das, zählt man nur die Stu­dioal­ben und nicht auch die EPs, das 21. dieser Gruppe seit 2003 ist, was recht sportlich ist. Ich mag aber keinen Sport.

    Wom­it ich hinge­gen eine Menge anfan­gen kann, ist — das sollte bekan­nt sein — gute Musik. Und “Smote Revers­er” ist dur­chaus nicht schlecht darin, solche zu bieten. In meinen Noti­zen zum Album ste­ht “ordentlich Groove”. Ordentlich! Im Okto­ber dieses Jahres wurde “Moon Bog”, vom “Rolling Stone” als Wel­traum­bal­lade beschimpft, von mir als Mon­tagsmusik aus­gewählt, aber obwohl sich auf “Smote Revers­er” mit “Last Peace” noch mehr Stil­ver­wandtes find­en lässt, greifen Oh Sees auf jede Menge Erfahrung und damit auch Vielfalt zurück: Dank der zurzeit bei­den Schlagzeuger rhyth­misch aufge­laden­er Pro­gres­sive Met­al (“Sen­tient Oona”), Elek­tron­ik, die mitunter ver­spielt sein darf (“Anthemic Aggres­sor”), Stoner/Hardrock (“Enrique El Cobrador”, “Abysmal Urn”) und der seit über zwanzig Alben irgend­wie vorhan­dene Gara­gen­rock funk­tion­ieren hier großar­tig zusam­men. Andere Bands — gern aus Großbri­tan­nien — kriegen nicht mal zwanzig Jahre lang mehr als einen Stil hin.

    Rein­hören: Auf TIDAL und Bandcamp.com ist neben anderen Alben von Oh Sees auch dieses zu find­en.

  7. Fire Down Below — Hymn of the Cos­mic Man
    Every­thing I’ve ever known means noth­ing” (Ignition/Space Cruis­er)

    Im Jahr 2016 veröf­fentlichte die bel­gis­che Ston­er-/Psy­che­del­ic-Rock-Band Fire Down Below ihr Debü­tal­bum “Viper Vix­en God­dess Saint”, das von Kri­tik­ern als nicht schlecht wahrgenom­men wurde. 2018 fol­gte das Fol­geal­bum “Hymn of the Cos­mic Man”, in dem der Stil weit­ge­hend beibehal­ten, aber um Space­rock erweit­ert wurde. Wie sollte es bei diesem Titel auch anders sein?

    Die hier gehörte Musik erin­nert mich anfangs ein wenig an das klar unter­schätzte “Lulu”, allerd­ings ohne Gesangs­beitrag. Wie dieses ist auch “Hymn of the Cos­mic Man” ein Konzep­tal­bum, es geht textlich im Wesentlichen um einen recht trau­ri­gen Her­rn, der sich im Weltall, ver­mut­lich von der nack­ten Dame auf dem Cover­bild, gefan­gen fühlt. Musikalisch dominiert grol­len­der Space/Thrash Met­al mit kräftig verz­er­rter Gitarre, also so, wie ich ihn mag. Gele­gentlich (“Ascen­sion”) darf es aber auch mal ein­fach­er Hardrock sein.

    Ab dem zweit­en Stück “Ignition/Space Cruis­er” ertönt auch Gesang, der zwar recht gewöhn­lich (also beina­he sta­dion­tauglich) daherkommt, aber trotz­dem nicht den Ein­druck erweckt, sich beson­ders an Radio­hör­er zu richt­en. Dafür spricht auch das abschließende “Adrift in a Sea of Stars”, das mit sein­er Länge von über elf Minuten im derzeit­i­gen For­ma­tra­dio nicht mal zwis­chen zwei Wer­bepausen passen würde. Das Inter­net find­et stilis­tis­che Übere­in­stim­mungen mit Tool und Kyuss. Ich kann das ver­ste­hen.

    Beim “Angry Met­al Guy” heißt es:

    If you like your prog psy­ched up, and your ston­er rock prog­gy, this is your album.

    Passt.

    Rein­hören: Bandcamp.com ist eine gute erste Anlauf­stelle, anson­sten kön­nten Amazon.de und TIDAL nüt­zlich sein.

  8. Rolo Tomas­si — Time Will Die And Love Will Bury It

    Rolo Tomas­si, benan­nt nach ein­er Fig­ur aus dem Film L.A. Con­fi­den­tial, ist ein englis­ches Math­rock­quin­tett, das seit sein­er Grün­dung im Jahr 2005 mehr Alben, Sin­gles und EPs veröf­fentlicht hat als manch ältere Band in drei Jahrzehn­ten und mit “Time Will Die And Love Will Bury It” ein fan­tastis­ches Shoegaze-nah­es Stu­dioal­bum unter die Leute zu brin­gen ver­sucht. Die Gen­rekol­le­gen 65daysofstatic, mit denen Rolo Tomas­si auch schon mal zusam­men (bzw. nacheinan­der) aufge­treten sind, haben vor eini­gen Jahren eines ihrer Stücke remixt. Die Welt ist klein.

    Wobei “Shoegaze” auch zu ein­fach gedacht ist: Nach­dem der instru­men­tale open­er “Towards Dawn” eben­so wie das leicht­gängige Lied “After­math” mich nach­se­hen ließen, was Toc.Sin eigentlich ger­ade machen (lei­der nichts mehr), und ich mich also ger­ade in ein­er entspan­nten Stim­mung befinde, brüllt mich die Band in “Rit­u­als” mit Gitar­rengeschep­per und Growlgeschrei an. Huch!

    “The Hol­low Hour” macht nach einem gefäl­li­gen (wenn auch hek­tis­chen) Postrock­in­tro genau so weit­er. Zeit wird ster­ben und so klingt das auch. Selb­st schuld, wer seine Rezen­sio­nen nach ger­ade mal zwei Stück­en für ein­fach hält. Das Gesangs­duo aus James und Eva Spence (ver­mut­lich ver­wandt) schal­tet im Weit­eren zwis­chen “zuck­er­süßen” (Quelle: Inter­net) vocals und Screamo-Aggres­sion wie selb­stver­ständlich um, Schön­klang prägt “Time Will Die and Love Will Bury It” nur als Ali­bi. So wütend muss man erst mal sein.

    Eine Ver­schnauf­pause gewährt erst­mals das siebte Stück “A Flood of Light”, das für wenige Tak­te am Anfang und am Ende eine ambi­ent-Land­schaft errichtet, bevor erneut der Zorn (“Whis­pers Among Us”) durch­bricht. “Risen” been­det das Album mit Gesang und Klavierk­län­gen dann beina­he ver­söhn­lich.

    Hui!

    Rein­hören: Wenig über­raschend ist, dass auch dieses Album auf Bandcamp.com (lei­der nur noch als CD und Down­load) zu haben ist, zum Rein­hören eignen sich aber auch Amazon.de und TIDAL.

  9. The STOCK — Human­ize
    “The white light is danc­ing like a morse code” (Kro­nos)

    Komis­ch­er Name, komis­ches Cover­bild.

    The STOCK ist, wie man her­aus­find­en kann, ein Trio aus Bad Cam­berg, das in Hes­sen liegt und trotz­dem auf Fotos ganz gut aussieht. Anscheinend hat es seit sein­er Grün­dung im Jahr 2010 bish­er erst ein einziges Album aufgenom­men, näm­lich dieses. Auf “Human­ize”, als “Langzeit­pro­jekt” nach drei­jähriger Pro­duk­tion­szeit Anfang 2018 erschienen, wer­den drei Stücke von elfein­halb bis etwas über 20 Minuten geboten. Schon wieder nichts fürs Radio.

    Dessen ungeachtet ver­suchen die drei Musik­er es mit soli­dem Alter­na­tive Rock mit mehr gesproch­enen als gesun­genen lyrics. Dass sie musikhis­torisch einiger­maßen bewan­dert sind, lässt sich allerd­ings nicht leug­nen, vor allem in der süd- und west­deutschen Musik der 1970er Jahre scheint man zu Hause zu sein. Das, was ander­swo Krautrock geschmäht wird, klingt auf “Human­ize” gar nicht so furcht­bar. Gut: über den nach meinem Empfind­en zu sehr in den Vorder­grund gemis­cht­en Gesang von Rain­er Lud­wig ließe sich tre­f­flich stre­it­en, aber so ist das im klas­sis­chen Krautrock ja auch.

    Dass staub­trock­en­er Ston­er Rock (“Kro­nos”) das Album eröffnet, soll darüber nicht hin­wegtäuschen. Das zweite Stück, “Pro­le­tar­i­an Sui­cide” (wun­der­voller Titel auch), klingt streck­en­weise nach ein­er Coun­tryver­sion von Faust, ist ins­beson­dere also schlagzeug- und rhyth­mus­getrieben. Auch das abschließende “Puz­zles” begin­nt mit krautig-elek­tro­n­is­chen Klang­ex­per­i­menten, die immer wieder aufge­grif­f­en wer­den, koket­tiert aber dur­chaus auch mit bowiesquem Art­pop. Dem gesamten Album “Human­ize” ist den­noch eine Ungeschlif­f­en­heit zu eigen, die für alle Fälle eine Brücke zur Gara­gen­musik offen hält. Man weiß ja nie. Men­schlich klin­gen The STOCK jeden­falls auch ohne Hil­fe. Kann man auch mal hören, so was.

    Rein­hören: Auch The STOCK veröf­fentlichen Musik auf Bandcamp.com.

  10. Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs — King of Cow­ards
    “I talk a lot.” (Gloamer)

    Apro­pos “komis­ch­er Name”: Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs haben auch einen, den sog­ar die Band selb­st gele­gentlich als “Pigsx7” abkürzt, etwa bei der Auswahl ihrer Web­do­main. Beim Schreiben ihres 2018er Albums “King of Cow­ards” in ein­er umge­baut­en Sche­une auf dem Land seien, behauptet die Band, tat­säch­lich auch Schweine anwe­send gewe­sen.

    Anders als auf dem Vorgänger­al­bum “Feed the Rats” gehen Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs hier nicht mehr vor allem auf Länge, keines der sechs Stücke ist über neun Minuten lang. Erst­mals in der Band ist Schlagzeuger Chris Mor­ley, der zuvor unter anderem für Gnod trom­meln, hihat­ten usw. durfte. Beim “Guardian” sprach man mit Bezug auf “King of Cow­ards” von “zugänglichem Met­al”, aber das ist ja noch keine qual­i­fizierte Aus­sage. Geht es nach Sänger, Key­board­er und “kreativem Schwamm” (Andreas Schiff­mann) Matt Baty, so ist “King of Cow­ards” ein Konzep­tal­bum über die sieben Tod­sün­den, die auch als Pik­togramme auf dem Cover­bild zu sehen sind, was zahlen­mäßig doch erstaunt. Da hätte es gern ein Stück mehr sein dür­fen.

    Was ander­swo mal Sludge, mal “zugänglich­er Met­al” heißt, heißt bei mir dann doch eher Psychedelic/Hardrock. Hin­ter schw­eren, schlep­pen­den Rhyth­men und gele­gentlich ein­er schreien­den Gitarre spie­len Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs Pigs zwis­chen Motör­head und Hawk­wind, der heis­ere Gesang beziehungsweise — in “Gloamer” — das heis­ere Gesprech darf sich über viel Hall freuen oder, je nach Vor­liebe, ärg­ern. Ich ärg­ere mich nicht, ich höre und empfehle weit­er.

    Schwein gehabt.

    Rein­hören: Stream und Kauf haben Bandcamp.com und Amazon.de anzu­bi­eten, Kun­den von TIDAL bekom­men eben­falls einen Stream.

  11. San­guine Hum — Now We Have Pow­er

    Vor elf Jahren, im Juli 2007, veröf­fentlichte die Joff Winks Band, gegrün­det von dem auch im Jazz nicht unbekan­nten Musik­er Joff Winks, das einzige Album in voller Länge unter diesem Namen, nan­nte sich anschließend ein paar­mal um und ist inzwis­chen ein Trio namens San­guine Hum. Das diesjährige Album von San­guine Hum heißt “Now We Have Pow­er” (“Jet­zt haben wir Kraft”), ist das Nach­fol­geal­bum von “Now We Have Light” (“Jet­zt haben wir Licht”, 2015) und lässt neugierig wer­den, was die drei Her­ren kün­ftig noch alles haben wer­den.

    Derzeit haben sie vor allem die Fähigkeit, gute Melo­di­en mit aus­re­ichen­der Fähigkeit zur Instru­mentenbe­di­enung zu verbinden. Gele­gentlich denke ich an Gen­e­sis aus der Zeit, bevor Phil Collins sich für einen akzept­ablen Sänger hielt, aber wirk­lich qual­i­ta­tiv hochw­er­tig klingt das ja nun auch nicht, also nehme ich das zurück. Joff Winks ist hinge­gen ein Sänger, der sich ein biss­chen nach zeit­genös­sis­chen Pop­sängern, also nicht über­mäßig inter­es­sant, anhört, sich aber ganz gut in den Band­kon­text ein­fügt. Musikalisch präsen­tiert sel­biger vor allem dichte Klavier­melo­di­en (gespielt von Matt Baber), entspan­nend und angenehm zum Genießen. Ein wenig Jazz schwingt immer mit, auch wenn die Hand­lung hin­ter den Tex­ten — ein Mann ist von ein­er riesi­gen schweben­den Blase run­terge­fall­en — ver­gle­ich­sweise hanebüchen ist. Aber ist das wichtig?

    Die beschwingte stilis­tis­che Mis­chung, in der ich die Ein­flüsse von atmo­sphärischem Artrock, san­ftem Can­ter­bury-Prog, dem “klas­sis­chen” Prog und Jazz zu ent­deck­en glaube, lässt alle textlichen Konzepte zweitrangig erscheinen. Stel­len­weise scheinen die geschmack­vollen Piano‑, Syn­the­siz­er- oder E‑Pi­ano-Beiträge die führende Rolle zu übernehmen. Sobald die Gitarre hinzukommt, herrscht wieder das per­fek­te Gle­ichgewicht in den Arrange­ments, das in sel­te­nen Fällen sog­ar zu rock­igeren Momenten führen kann. Gele­gentlich (wie in „Sky­dive“) sind zudem Vibraphon­klänge zu vernehmen, die natür­lich den Leichtigkeits­fak­tor des Gebote­nen bedeu­tend erhöhen. In zwei Stück­en sorgt zudem ein Gast­trompeter für jazz­ige und kam­mer­musikalis­che (“Flight of the Uber­loon”) Akzente.

    Eben.

    Rein­hören: Mit Amazon.de, Bandcamp.com und TIDAL gibt es hierzu hin­re­ichend viele Gele­gen­heit­en.

  12. Self Defense Fam­i­ly — Have You Con­sid­ered Punk Music

    Schon mal über Punkmusik nachgedacht?

    Das ist schön, aber hier nicht ganz so wichtig, denn mit rohem Gek­loppe hat “Have You Con­sid­ered Punk Music”, das diesjährige Stu­dioal­bum von Self Defense Fam­i­ly, höch­stens the­ma­tisch etwas zu tun: Sänger Patrick Kind­lon, der beim Sin­gen immer ein biss­chen verzweifelt klingt, sprach ander­norts, das Album han­dle davon, “sich mit ein­er Sache inten­siv zu beschäfti­gen”, wobei man bemerk­te, “dass sich der Rest der Welt einen Scheiß­dreck dafür inter­essiert”. Punk, yo.

    Nee, das hier ist Indie (was immer das schon wieder ist). Ver­gle­iche sind dies­mal recht ein­fach zu ziehen, denn Self Defense Fam­i­ly sind stolz auf ihre Vor­bilder; so heißt es etwa in “Have you con­sid­ered any­thing else”:

    You’re big on word­play
    Into the arms of Nick Cave (…)
    You want new thoughts
    Kate Bush on ready

    Das sind nur zwei der Namen, die genan­nt wer­den, und sie bei­de passen zur rel­a­tiv melan­cholis­chen Grund­stim­mung. Man solle das Album “als Verb im Prä­ter­i­tum begreifen”, schwafelte ein Banause für die “VISIONS” und hat damit natür­lich völ­lig Unrecht, denn “Have You Con­sid­ered Punk Music” find­et jet­zt statt, immer jet­zt, so post der Punk und so psy­che­del­ic der Rock auch sein mag. Nach über dreißig gemein­samen Veröf­fentlichun­gen ken­nt man seine Rich­tung und/oder Pap­pen­heimer. Es ist, so viel sei noch geschrieben, unge­fähr die meine.

    Rein­hören: Es gibt zurzeit (Mitte Dezem­ber 2018) noch Stream und Kauf von LP und/oder “dig­i­talem Album” (also so Dateien) via Bandcamp.com, anson­sten wie üblich Amazon.de bzw. TIDAL kon­sul­tieren.

  13. Tan­gled Thoughts of Leav­ing — No Teth­er

    Wir bleiben im Genre, wech­seln aber den Kon­ti­nent: Das in Aus­tralien heimis­che Quar­tett Tan­gled Thoughts of Leav­ing (Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier) veröf­fentlichte im Juli 2018 nach fast drei Jahren ohne neues Album ihr neuestes namens “No Teth­er”.

    In den bish­er zehn Jahren ihres Beste­hens haben Tan­gled Thoughts of Leav­ing sich in ein­er Szene ein­gerichtet, in der es schw­er scheint, noch pos­i­tiv her­auszustechen, aber die gemein­samen Touren und Auf­nah­men mit Kol­le­gen wie Russ­ian Cir­cles und sleep­makeswaves haben gezeigt, dass es auch im gele­gentlich von außen aus­ge­lutscht wirk­enden Psychedelic/Postrock noch möglich ist, aufz­u­fall­en. “Doom Jazz”, “Post-Jazz” gar, wird die hier zu hörende Musik im Inter­net auch genan­nt, aber Doom klingt anders.

    Den Jaz­zan­teil kann aber selb­st ich nicht leug­nen, gele­gentlich aus­gedehnte Klavier­pas­sagen (“Inner Dis­so­nance”, “Bina­ry Col­lapse”) lassen das mit ihrer Inten­sität kaum zu. Dazwis­chen bleibt die Musik dicht und effek­t­ge­laden (“The Alarmist”) und voller über­raschen­der Wech­sel zwis­chen Flächigkeit und ordentlich Wumms. Wem das alte Laut-Leise-Spiel jemals zu lang­weilig wird, der hat keine Seele mehr. Vor eini­gen Tagen sprach Bela B. im Inter­view mit der “ZEIT” darüber, dass die all­ge­meine Ver­füg­barkeit von Musik­stream­ing der Musik dieselbe genom­men habe, aber zum Glück haben Tan­gled Thoughts of Leav­ing das noch nicht gele­sen.

    “Cav­ern Rit­u­al” beein­druckt mich mit genau richtig einge­set­zten Län­gen, die Span­nung wird bis zum Ende des Stück­es an der Berst­gren­ze gehal­ten. Gele­gentlich denke ich hier an die let­zten Siebzig­er­al­ben von King Crim­son und ger­ate ein wenig ins Träu­men. — Apro­pos Ende: Auch das zwölfein­halb­minütige Titel­stück (“No Teth­er”), mit dem “No Teth­er” endet, schafft es noch ein­mal, eine bek­lem­mende Atmo­sphäre nicht nur aufzubauen, son­dern auch zu hal­ten. Postrock ist Musik zum Film im Kopf. Dieser hier ist in Schwarz-Weiß gedreht und ein wahres Kunst­werk.

    “In diesen Höhlen”, schrieb jemand auf “a clos­er lis­ten”, könne man sich “leicht verir­ren”. Es bleibt aber immer das Licht am Ende des Tun­nels. Nur Mut!

    Rein­hören: Bandcamp.com, Amazon.de, TIDAL. Weit­er im Text.

  14. Wang Wen — Invis­i­ble City

    Postrock zum Drit­ten? Aber gern!

    Woher eine Band, die sich Wang Wen (eigentlich 惘闻) nen­nt, kom­men mag, bedarf kein­er großen Erk­lärung, welche Art von Musik sie macht, wom­öglich aber doch. Sie sei die “führende Postrock­band” ihres Lan­des, spekulieren Medi­en, aber das ist ja auch wieder zu kurz for­muliert.

    Das Sex­tett hat unter anderem schon gemein­sam mit pg.lost Musik aufgenom­men und veröf­fentlicht, was ja auch ein Qual­ität­skri­teri­um sein kann. Aus dem Tonaus­gabegerät schwillt jeden­falls flächiger Psychedelic/Postrock, bei dem sich mir Ver­gle­iche mit Pink Floyd anbi­eten, zu denen ich nicht Nein sage, obwohl ich Pink Floyd hin und wieder als zäh­es Gewaber wahrnehme. Immer­hin singt Roger Waters hier nicht.

    Über­haupt wird wenig gesun­gen, denn “Invis­i­ble City” ist ein weit­ge­hend instru­men­tales Album, sieht man vom stark verz­er­rten und somit für uns alte Leute nicht mehr ver­ständlichen Gesang in “Stone Scis­sors” ab. Im osteu­ropäisch anklin­gen­den “Lost in Train Sta­tion” wird auch ein wenig gesprochen. Als Instru­ment kommt unter anderem das Horn zum Ein­satz, gemein­sam mit einem Klavier oder etwas, das klingt wie ein Klavier, lebt unter anderem “Silenced Dalian” von Tiefe statt von Instru­men­tal­wän­den. Von wegen, Postrock geht nur mit Brachial­gi­tar­ren! — Ich meine am Ende von “Stone Scis­sors” auch ein wenig typ­isch asi­atis­che Klänge (vgl. Jam­bi­nai) auszu­machen. Bei “Sput­nikmu­sic” wurde “Invis­i­ble City” als exzel­lent bew­ertet. Ich schließe mich vor­be­halt­los an.

    Rein­hören: Ist ja 2018, also sind Wang Wen mit­samt ihrer Musik auch auf Bandcamp.com zu find­en. Amazon.de scheint derzeit lei­der keine Hör­proben zu haben, Kun­den von TIDAL hinge­gen wer­den eben­falls fündig.

  15. Toby Dri­ver — They Are the Shield

    Den Her­rn hat­te ich ja auch ganz vergessen. Obwohl ich vor neun Jahren das damals neue Album sein­er Band maudlin of the Well emp­fahl und deren Nach­fol­ge­for­ma­tion Kayo Dot ab und zu mal in mein­er Wahrnehmung auf­tauchte, blieb Toby Dri­ver weit­ge­hend unauf­fäl­lig. Das scheint schade zu sein, denn wenn das, was er in der Zwis­chen­zeit so angestellt hat, die Qual­ität von “They Are the Shield” — wovon ich aus­ge­he — wenig­stens teil­weise erre­icht, muss ich dem­nächst wohl etwas nach­holen.

    Grund­sät­zlich treibt sich der Musik­er, der hier von fünf Gästen (davon zwei Vio­lin­is­ten) unter­stützt wird, nach wie vor in eher ruhi­gen musikalis­chen Gewässern herum. Ich höre weit­ge­hend Ambi­ent­musik, der dur­chaus nicht üble Gesang sucht die Nähe zu Bands wie a‑ha einer‑, Peter Gabriel und Ian Cur­tis ander­er­seits. Das ist alles gar nicht so seicht und die Musik ist es noch weniger: Mit dank lang gehal­tener Noten aus­ge­bre­it­eten Klangflächen begin­nt “They Are the Shield” mit dem imposan­ten “Anam­ne­sis Park”, dem läng­sten Stück auf dem Album. Wer die späten Talk Talk oder die wenig­stens mit­tleren Pink Floyd mag, der wird sich hier bere­its pudel­wohl fühlen. Wie dieses Stück zeich­net sich auch das fol­gende, “Glyph”, durch aller­lei Stre­icherk­länge aus. Erst­mals macht sich eine enorme Melan­cholie bemerk­bar. Auch “470 Nanome­ters” find­et eher im Artrock statt, wenn auch weit­er­hin in ein­er angenehm unaufgeregten Art. Das Solow­erk von Steven Wil­son — nur deut­lich bess­er — erscheint mir als geeigneter Ver­gle­ich.

    “Scaf­fold of Dig­i­tal Snow” ist wieder etwas ruhiger, set­zt sich selb­st aber mit dem leicht­en Spiel mit Mis­stö­nen beina­he in RIO-Gegen­den. Das hätte ich nicht erwartet, heiße es aber her­zlich willkom­men. Brid­get Bellavia, mir son­st bish­er unbekan­nt, steuert unpein­lichen Gesang bei, Toby Dri­ver hält sich dies­mal etwas zurück. Wieder anders ist “Smoke-Scent­ed Myceli­um”: Das Schlagzeug stolpert vor­wärts, im Hin­ter­grund verz­er­ren Geigen. Es gibt keinen offen­sichtlichen Refrain, das Warten darauf schürt in beachtlichem Maße die Span­nung. Mit ähn­lich­er Tech­nik, wir erin­nern uns, arbeit­eten früher auch maudlin of the Well. Apro­pos “früher”: Ich höre hier auch Anklänge an Nico. Ein tiefes Danke dem­jeni­gen, der mir erk­lären kann, warum.

    Mit dem nick­caveesquen “The Knot”, mit ger­ade mal 4:12 Minuten Laufzeit dem kürzesten Stück auf “They Are the Shield”, klingt das Album aus und fast wieder an. Das einzig Willkommene an dig­i­tal­en Dar­re­ichungs­for­men ist bekan­ntlich, dass man nicht so lange warten muss, um wieder von vorn anz­u­fan­gen.

    Rein­hören: Lei­der nur als CD und Stream gibt es “They Are the Shield” auf Bandcamp.com zu kaufen, Vinyl gibt Amazon.de her. Kun­den von TIDAL wer­den auch bedi­ent.

  16. Julia Holter — Aviary

    Julia Holter, unge­fähr in meinem Alter, ist eine US-amerikanis­che Musik­erin mit the­o­retis­ch­er Ahnung von (“Sie selb­st machte ihren Abschluss in Elek­tro­n­is­ch­er Musik am Cal­i­for­nia Insti­tute of the Arts”, Wikipedia) und prak­tis­ch­er Erfahrung mit Musik: “Aviary” ist ihr inzwis­chen acht­es Stu­dioal­bum.

    Es war auch wirk­lich höch­ste Zeit, das Album (das es immer­hin auch als Dop­pel-LP gibt) ist mit fast 90 Minuten an Musik sozusagen rand­voll; und keine Minute ist ver­schwen­det. Von ein­er Autorin des “Guardian” wurde das hier Gehörte in die Nähe der sowieso unerr­e­icht­en The Vel­vet Under­ground gerückt, weil es mitunter dröhne, aber das ist selb­st im Ver­gle­ich zu meinen eige­nen Ver­gle­ichen, die ich manch­mal ziehe, zu wenig hil­fre­ich. The Vel­vet Under­ground haben ja nie Musik gemacht, die man guten Gewis­sens wider­spen­sti­gen Kam­mer­pop nen­nen kön­nte.

    “Aviary” hinge­gen klingt genau so, wie man sich wider­spen­sti­gen Kam­mer­pop vorstellen sollte: Schon vom ersten Moment an (“Turn the Light On”) durch­set­zt eine ordentliche Por­tion an RIO/Avant die eigentlich san­fte Musik. Das aus­ge­lutschte, abgeklap­perte, durch­genudelte (kann fort­ge­set­zt wer­den) Imag­inär­genre “Singer/Songwriter”, obwohl’s ja nur eine Tätigkeits­beschrei­bung ist, lernt hier endlich eine neue Nuance ken­nen. Nicht schlecht. “I Shall Love 2”, das über­raschend in der Albumsab­folge vor “I Shall Love 1” ste­ht, und “Words I Heard” waren, wie her­auszufind­en ist, Sin­gles zu diesem Album. Schade, dass die meis­ten Radiosender so ver­schnar­cht sind. Die Lieder aber wirken unruhig, als fürchteten sie einen her­aufziehen­den Sturm. Gele­gentlich (“Chaitius”) rufen Orgelk­länge eine sakrale Stim­mung her­vor, dann klingt “Aviary” fast wie eine rauschfre­undlichere Vari­ante von Anna von Hauss­wolff. Ihre sechs Mit­musik­er (über­wiegend Stre­ich­er und Bläs­er) leis­ten gute Arbeit, das sind hier keine Instru­mente zum bloßen Selb­ster­halt, das ist feine Kun­st. Die deutsche Beze­ich­nung für ein aviary ist “Vogel­haus”. Der Rabe ist hier aber näher als der Papagei. Nim­mer­mehr.

    Rein­hören: Außer auf Bandcamp.com — allmäh­lich mache ich mir Sor­gen darum, was passiert, wenn Band­camp mal die Tore schließt — ist “Aviary” auch auf TIDAL zu hören und auf Amazon.de zu kaufen.

  17. Me El-Ma — Bow­ing Cross­es

    In den 1970-er Jahren, so viel erfährt man aus halb­wegs sicheren Quellen, war Me El-Ma, ein israelis­ch­er Schlagzeuger, in der Pro­gres­sive-Rock-Gruppe Atmos­phera, die leg­endär gewe­sen sei, von der ich aber trotz­dem bish­er nichts kenne, aktiv. Anschließend ver­schlug es ihn zunächst zu anderen Musik­ern, dann nach Deutsch­land und 2002 schließlich wieder zurück nach Israel, wo er immer noch aktiv ist. “Bow­ing Cross­es” dürfte also ein Soloal­bum — mit Gesang von Vir­ja, was ein Frauen­name zu sein scheint — sein.

    Im Online­fo­rum “Pro­gres­sive Ears” wurde darüber spekuliert, dass “Vir­ja” stattdessen auch “Vir­JA”, virtueller Jon Ander­son also, heißen kön­nte. Die gesan­gliche Nähe zwis­chen Vir­ja und besagtem früherem Sänger von Yes möchte ich auch gar nicht abstre­it­en, obwohl ich nicht so weit wie einige Diskus­sion­steil­nehmer gehen würde, die hier eine Per­son­ali­den­tität annehmen. Ger­ade das fünfminütige “Please do as You please” — Großschrei­bung anscheinend beab­sichtigt — wäre auf “Relay­er” sein­erzeit kaum aufge­fall­en, obwohl Me El-Ma rhyth­misch noch über die Exper­i­mente der offen­sichtlichen Vor­bilder hin­aus­ge­ht; und immer nur so weit, dass es noch nicht zu viel des Guten wird. Das muss man heutzu­tage ja auch mal pos­i­tiv anmerken.

    Bei den Vor­bildern für seine Polyrhyth­mik scheint sich der Musik­er vielmehr bei den 90er-“ProjeKcts” von King Crim­son (“Per­cep­tion Per­fec­tion Sat­is­fac­tion”, Titel­stück “Bow­ing Cross­es”) zu bedi­enen. Vieles ist recht tech­nisch, kühl und ger­adezu Kopf ver­drehend ver­wor­ren — nicht ohne sich selb­st wieder aufzulösen. Dafür braucht man mehr als bloß einen Kopfhör­er, dafür braucht man Tal­ent; und ger­ade in Kom­bi­na­tion mit dem Gesang, den King Crim­son selb­st nur auf dem Album “Lizard”, auf dem Jon Ander­son selb­st gastierte, in dieser Weise in ihre damals noch weniger aus­gereiften Arrange­ments ein­fließen lassen kon­nte, ist das trotz der Wieder­erken­nun­gen ein über­raschend orig­inelles Werk gewor­den, von denen es klar zu wenige gibt.

    Für “mehr vom sel­ben” ist er sich selb­st in Alben­länge zu schade: Wenn er nicht ger­ade avant­gardesque Rock­spek­takel ver­anstal­tet, spielt Me El-Ma in den ruhigeren Momenten (“Eter­ni­ty Heart”) auch mal Art­pop — und auch das großar­tig: Es guckt mal David Bowie, mal Kate Bush um die Ecke. Anderen Bands nachzueifern ist unkreativ? The­o­retisch ja, prak­tisch kann es begeis­tern. Wenn schon “klingt wie…”, dann wie “Bow­ing Cross­es”!

    Rein­hören: Bandcamp.com scheint zurzeit die alleinige Ver­trieb­splat­tform für “Bow­ing Cross­es” zu sein (und bietet lei­der nur die “dig­i­tale” Ver­sion ohne Ton­träger an).

  18. Earth Ship — Res­o­nant Sun

    Kom­men wir nun zu etwas völ­lig anderem.

    Earth Ship waren auch schon mal in Deutsch­land und sind es wahrschein­lich auch immer noch, denn es han­delt sich um ein Berlin­er Trio (Gitarre/Gesang, Schlagzeug, Bass). “Res­o­nant Sun” ist ihr inzwis­chen fün­ftes Album und sicher­lich kein schlecht­es, sofern man mit stark verz­er­rten Gitar­ren­riffs und ungestümem “Gebrüll”, wie man es früher nan­nte, kein großes Prob­lem hat: Earth Ship sind eine tech­nisch ver­sierte Sludge­band und haben nicht vor, das zu ver­steck­en. Auf dem Cover­bild macht ein Wolf im Kapuzen­pul­li ein self­ie von sich. Ver­steh’ ich nicht.

    Dass das Album mit “A Hand­ful of Flies”, einem, um es zurück­hal­tend auszu­drück­en, schw­er zu schla­gen­den Stück, begin­nt, ist vielle­icht der einzige Kri­tikpunkt, denn die anderen sieben (bis neun) Stücke erre­ichen dessen Qual­ität nicht ganz, aber der musikalis­che Kern bleibt erhal­ten: Wah­n­witzige Gitar­ren­soli und sel­ten clean­er, meist heis­er geschriener Gesang liegen über bass­lastigem Ston­er-Met­al mit wenig Doomein­satz. Die Zahl der enthal­te­nen Liedlein ist abhängig vom For­mat, in der “dig­i­tal­en Ver­sion” ist unter anderem auch eine (wenig bere­ich­ernde) Cov­erver­sion von “Chil­dren of the Rev­o­lu­tion” enthal­ten, die ich nach Kon­sum (nicht: Genuss) für verzicht­bar halte. Konzen­tri­eren wir uns aber auf das Gute, näm­lich auf die Grun­dausstat­tung von “Res­o­nant Sun”, so bleibt genug übrig, was es zu würdi­gen gilt:

    (…) wum­mern­der E‑Bass trifft auf dynamis­ches Schlagzeugspiel trifft auf sägende Gitar­ren trifft auf bein­harte Reibeisen­stimme.

    Wohl dem, der jet­zt trotz­dem nicht an Tor­frock denkt.

    Rein­hören: Auf Amazon.de gibt es Hör­proben, wie auch auf TIDAL sind die zuvor erwäh­n­ten Bonusti­tel hier ver­füg­bar. Nur Bandcamp.com lässt sie weg. Ich enthalte mich ein­er Wer­tung.

  19. Pin­ioL — Bran Coucou

    Apro­pos Met­al — oder doch nicht? Ich bin jeden­falls ein biss­chen ent­täuscht von mir: Ich hat­te angenom­men, ich hätte zu PoiL in der Ver­gan­gen­heit schon etwas geschrieben, dem scheint aber nicht so zu sein.

    Dann hole ich das kurz nach: PoiL ist ein franzö­sis­ches Trio, das bis 2014 drei an schrägem Avant-Zeuhl reiche Stu­dioal­ben, danach die ersten bei­den Stu­dioal­ben noch mal zusam­men (“L’ire des papes / Dins o cuol”) veröf­fentlicht hat­te. Anschließend tat­en sich die drei Her­ren mit dem ein­heimis­chen Quar­tett ni, das bish­er nur ein einziges “volles” Album (“Les insurgés de Romil­ly”, 2015) mit ähn­lich ver­rück­ter Musik veröf­fentlicht hat­te, zusam­men und nen­nen sich in dieser For­ma­tion Pin­ioL, was zwar unvernün­ftig ist, weil die Rei­hen­folge der Buch­staben nicht mehr stimmt, aber wenig­stens ganz gut klingt. In dieser For­ma­tion nen­nen sich die Musik­er ein “abscheulich­es Mon­ster, das vor nichts Angst hat”. Puh!

    Unvernün­ftig, aber ganz gut klin­gend ist das hier Gehörte ins­ge­samt und sowieso, was so weit geht, dass selb­st der franzö­sis­che (das ist doch Franzö­sisch, oder?) Gesang sich hier nicht mal in der Scat­form scheiße anhört. Das eröff­nende “Pilon Bran Coucou”, das anscheinend also als “Titel­stück” durchge­hen kön­nte, wiegt den Rezensen­ten zwar erst mal in Sicher­heit, indem Pin­ioL eine sich steigende Krautrock­salve im Stil ein­er lei­der so nie passierten Allianz von Neu! mit Faust abfeuern, bevor sie einen abrupten Wech­sel in eine Art 80er-Avant­dis­co vol­lziehen, die auch später (“Mimolle”) noch mal aufge­grif­f­en wird. Ganz schön viel “Avant” für ein Album? Ja, eben! — Wer bei dieser Beschrei­bung an ver­gle­ich­bar irre franzö­sis­che Musik­grup­pen denkt, dem kann ich ver­sich­ern, dass er damit nicht allein ist. Mir kom­men sowohl Pryapisme als auch Sebkha-Chott in den Sinn, allerd­ings zeigen sich Pin­ioL weniger an Brachial­ität inter­essiert als Let­zt­ge­nan­nte. An Gitar­ren ist “Bran Coucou” den­noch nicht arm, in Stück­en wie das vierzehn­minütige Math­core-Brett “Shô Shin” oder dem nur zum Schein erfreulich jaz­zrock­i­gen “François 1er” bekommt die dop­pelte Rock­bandbe­set­zung (zwei Gitar­ren, zwei Bässe, zwei Schlagzeuge, sechs Mikro­fone, ein Key­board) hin­re­ichend viel Gele­gen­heit, die unvergesse­nen The Dillinger Escape Plan nicht mehr ganz so schmer­zlich ver­mis­sen zu lassen, was sog­ar vorüberge­hend gelingt. Direkt vorm Ein­schlafen sollte man es aber wahrschein­lich trotz­dem nicht hören. Meine Ner­ven!

    Ob das Pro­jekt Pin­ioL von Dauer sein wird, ob es also zu weit­eren Alben kom­men wird, wird sich zeigen müssen. Für kom­menden März wollen ni erst ein­mal wieder allein eines raus­brin­gen. Min­destens das empfehle ich jeden­falls genauestens zu beobacht­en; und “Bran Coucou” natür­lich auch. Im kom­menden April treten die zweiein­halb Bands in Berlin sozusagen zusam­men auf. Das kön­nte inter­es­sant wer­den.

    Rein­hören: Amazon.de (natür­lich), TIDAL (natür­lich), Bandcamp.com (natür­lich).

  20. Soft Machine — Hid­den Details

    Vor fün­fzig Jahren, 1968 also, veröf­fentlicht­en die nach dem visums­be­zo­ge­nen Ausstieg Dae­v­id Allens vorüberge­hend zum Trio gewor­de­nen Soft Machine, neben Car­a­van eine der bei­den Nach­fol­ge­bands der Wilde Flow­ers, ihr Debü­tal­bum, das sich musikalisch im Psy­che­del­ic Rock verorten ließ und damit damals ganz dem Zeit­geist entsprach. Auf­grund ver­traglich­er Verpflich­tun­gen fan­den sie sich anschließend für weit­ere Alben zusam­men, wech­sel­ten aber mehrfach die Beset­zung. Der hier­bei größte Ein­schnitt war ver­mut­lich die Tren­nung von Robert Wyatt, der nach dem vierten Album Soft Machine ver­ließ, deren zuse­hends jaz­zori­en­tiert­ere Aus­rich­tung (ohne Gesang) er als sanges­freudi­ger Schlagzeuger nicht mehr unter­stützen wollte, und Match­ing Mole grün­dete, was ein Wort­spiel mit “machine molle” und gar nicht mal so blöd ist. Im Juni 1973 fiel er aus einem Fen­ster und seit­dem gibt es Match­ing Mole nicht mehr.

    Soft Machine haben aber bis heute weit­er gemacht, wenn auch unter wech­sel­nden Namen, die alle­samt mit “Soft” began­nen. Obwohl das let­zte Grün­dungsmit­glied Mike Ratledge bere­its während der Auf­nah­men zu “Softs” (1976) die Band ver­lassen hat­te, nan­nte man sich irgend­wann Soft Machine Lega­cy und seit 2015 schließlich wieder Soft Machine. Das dien­stäl­teste Mit­glied John Mar­shall saß immer­hin seit 1971 für mehrere Ver­sio­nen der Gruppe an Schlagzeug und Perkus­sion, was ja im Jahr 2018 doch schon erwäh­nenswert ist. “Hid­den Details” ist also das erste Stu­dioal­bum unter dem Namen Soft Machine seit dem mauen “Land of Cock­ayne” von 1981; damals bestand die Band aus John Mar­shall und Karl Jenk­ins, die bei­de vor ihrem Beitritt bei den lei­der inzwis­chen aufgelösten Nucle­us spiel­ten.

    Wer die Bandgeschichte hin­re­ichend aufmerk­sam ver­fol­gt hat, der ahnt inzwis­chen ver­mut­lich, wie “Hid­den Details” wohl klingt: Seit spätestens 1971 ste­ht den Jazzern bei Soft Machine kein Gegengewicht mehr ent­ge­gen, sie kön­nen sich also nach Herzenslust aus­to­ben. “Hid­den Details” ist ein solides instru­men­tales Jaz­zrock­album mit — dem auch schon seit Jahrzehn­ten aktiv­en Bassis­ten Roy Bab­bing­ton sei Dank — viel groove, das die Wurzeln der Band in Ehren hält. Ob in der mal quirli­gen, mal (“Ground Lift”) fle­hen­den Gitarre, ob in den gele­gentlich avant­gardis­tis­chen “exper­i­mentellen” Aus­brüchen (“Life on Bridges”), an denen Saxophonist/Flötist/Pianist Theo Travis (zuvor unter anderem bei Gong und diversen Pro­jek­ten von Steven Wil­son, derzeit auch bei The Tan­gent aktiv) wom­öglich nicht unschuldig ist: der can­ter­bury sound begleit­et “Hid­den Details” ohne Unter­lass. Die Brücke zum Altwerk schla­gen Neuein­spielun­gen von “The Man who Waved at Trains”, ursprünglich auf “Bun­dles” von 1975 erschienen, und “Out-Bloody-Rageous” vom fan­tastis­chen “Third” (1970). Abgerun­det wird das Album nicht zulet­zt von dem von Theo Travis und dem drit­ten Alt­mit­glied John Etheridge, immer­hin seit 1975 an Bord, geschriebe­nen Bonusstück “Night Sky”, das, san­ft und aus­ladend Son­nenauf­gangs­land­schaften mal­end, das (wenig­stens “dig­i­tale”) Album abschließt.

    Was wir hier haben, ist also sicher­lich nicht das schlecht­este aller Alter­swerke. Beson­dere Über­raschun­gen im Jaz­zrock zu erwarten wäre inzwis­chen kaum noch von Erfolg gekrönt, aber wer mit dieser Spielart der Musik etwas anfan­gen kann, der ist bei Soft Machine im Jahr 2018 so gut aufge­hoben wie seit langer Zeit nicht mehr. Das ist doch auch mal schön.

    Rein­hören: Man ist nie zu alt für Bandcamp.com; und für Amazon.de und TIDAL sowieso nicht.

  21. Domado­ra — Lacu­na

    Auf dem diesjähri­gen Stu­dioal­bum der Fran­zosen gibt es funkel­nden heavy psych in aus­laden­der Jam­form mit angriff­s­lustiger Gitarre zu hören, dessen einziger Neg­a­tivpunkt zu sein scheint, dass ich ihn noch nicht live erleben kon­nte; aber Kon­serve ist ja auch mal schön. Band­camp.

  22. Yuka & Chrono­ship — Ship

    Eines der besten Sym­phon­ic-Prog-Alben des ausklin­gen­den Jahres 2018 legt aus­gerech­net die japanis­che Gruppe um Sän­gerin und Key­board­erin Yuka Funakoshi vor, die auf dem Konzep­tal­bum über die Arg­onaut­en­sage alle Reg­is­ter zwis­chen Camel und Rush zu ziehen imstande ist. Amazon.de.

  23. Car Crash Weath­er — Sec­ondary Drown­ing

    Weit­ge­hend instru­men­taler Pro­gres­sive Met­al mit mal bret­tern­den, mal sin­fonis­chen, in “The End” sog­ar stark von New Wave bee­in­flussten Ein­drück­en, die bleiben. Bandcamp.com.

  24. Umphrey’s McGee — It’s Not Us

    Wer (wie ich) tanzbar­er Indie-Rock-Musik aus kul­turell son­st eher abge­hängten Staat­en etwas abgewin­nen kann und ganzjährig nichts gegen die mit­tels ihrer ent­standene gute Laune einzuwen­den hat, der ist auch im Win­ter mit “It’s Not Us” mit Sicher­heit glück­lich zu machen. Amazon.de.

  25. Automa­tism — From The Lake

    Auf “From The Lake”, dem aktuellen Musikalbum des Stock­holmer Quar­tetts Automa­tism, ist im Stu­dio impro­visiert­er, jedoch lei­der nach­bear­beit­eter, stel­len­weise recht dreck­iger und run­dum gelun­gener Psy­che­del­ic Rock ohne jeden Gesang, dafür mit drei Gast­musik­ern, zu hören. Bandcamp.com.

  26. Argos — Uniden­ti­fied Dying Objects

    Dass der Can­ter­bury noch nie für über­ra­gende Sänger bekan­nt war, kommt den deutschen Aus­nah­metal­en­ten Argos nur gele­gen, die auf ihrem fün­ften Stu­dioal­bum “Uniden­ti­fied Dying Objects” eigentlich auch nur das machen, was son­st auch machen (näm­lich guten Can­ter­bury Style mit dem szene­typ­is­chen Humor her­vor­brin­gen), das aber in noch immer steigen­der Qual­ität und gle­ich­bleiben­der Freude am Spiel. Bandcamp.com.

  27. Homuncu­lus Res — Del­la stes­sa sostan­za dei sog­ni

    Eben­falls Can­ter­bury, dies­mal jedoch mit nicht mal furcht­barem, son­dern sehr angenehm melodis­chem, teil­weise sog­ar mehrstim­migem Gesang in der Lan­dessprache, brin­gen Homuncu­lus Res aus Ital­ien mit, wobei sie zweifel­sohne auch das Gesamtwerk von Gen­tle Giant und Car­a­van min­destens schon mal gehört haben. Bandcamp.com.

  28. a bro­ken sail

    Die allse­mes­trige Dosis Postrock ver­voll­ständigt am Ende des Jahres 2018 das Debü­tal­bum des aus­tralis­chen Instru­men­talquar­tetts a bro­ken sail, das die Welt in fünf Stück­en zwis­chen zwei und zwölf Minuten Länge — lei­der momen­tan nicht als physis­ch­er Ton­träger zu haben -, die Titel wie “tall build­ings col­lide” (2018 geht das endlich wieder) tra­gen, um langsam dahin­treiben­den Shoegaze mit wär­mend fließen­dem Bass bere­ichert. Bandcamp.com.

  29. Inter­pol — Maraud­er

    Inter­pol, eine dieser erst vor weni­gen Jahren pop­ulären Indie-Rock-Bands mit schnei­den­den Gitar­ren­melo­di­en, gehört zu den weniger ver­wüstlichen ihrer Gat­tung und beein­druckt 2018 mit ihrem immer­hin sech­sten Stu­dioal­bum “Maraud­er”, auf dem selb­st einem Hol­zohr wie mir sich schw­er entzieht, warum Joy Divi­sion ein häu­fig gewählter Ver­gle­ich bei denen sind, die beru­flich gern Bands miteinan­der ver­gle­ichen. Amazon.de.

  30. Art Brut — Wham! Bang! Pow! Let’s Rock Out!

    In gewohnt exaltiert­er Manier singt Eddie Argos gele­gentlich beziehungs‑, oft — zum Teil sog­ar auf Deutsch — berlin­be­zo­gene Lieder voller Selb­stre­f­eren­zen (“She Kissed Me (And It Felt Like a Hit)”), begleit­et von ein­er wieder ein­mal umbe­set­zten Band, die mit unver­min­dert­er Spiel­freude die ban­deigene Vorstel­lung von Indie-Rock nicht bloß spie­len, son­dern leben: “Everyone’s lookin’ at the tick­et machine / like it’s the most com­pli­cat­ed thing that they’ve ever seen”, hihi. Amazon.de.

So viel zu diesem Jahr. Und früher?

2. Gutes von gestern.

  • Vor vierzig Jahren erschien neben dem Debü­tal­bum der damals noch enorm pro­duk­tiv­en Sän­gerin Kate Bush auch das einzige Album der Band Baby­lon, die in ein­er Zeit des vorüberge­hend ster­ben­den Pro­gres­sive Rocks vielle­icht ein­fach nur zu spät dran waren; ander­er­seits blieb ihnen so ein Schick­sal als schreck­liche 80er-Pop­band erspart, wie es anderen zeit­genös­sis­chen Grup­pen, darunter Yes, deren schlimm benan­ntes Tor­ma­to schon den fol­gen­den Ärg­er erah­nen ließ, lei­der wider­fahren ist. Die franzö­sis­che Zeuhl-Insti­tu­tion Mag­ma war mit Attahk immer­hin auch schon auf dem Weg dor­thin, kam einem endgülti­gen Ver­sumpfen aber mit ihrer Auflö­sung zuvor.
  • Vor dreißig Jahren, die “neue deutsche Welle” blühte fröh­lich vor sich hin, sang der später als (großar­tiger) Schrift­steller bekan­nt gewor­dene Max Goldt als Teil des Duos Foy­er des Arts auf dem Album Ein Kuss in der Irrtum­stav­erne unter anderem von dem Zusam­men­spiel von Penis und Vagi­na, was manche (hier: mich) bis heute amüsiert. Ser­iös­er ging es bei Ter­mi­nal Cheese­cake zu, deren EP Blad­der­sack nicht nur den Grund­stein für ihre Kar­riere, son­dern auch den für Wii­i­ja Records legte, die danach unter anderem auch Ther­a­py? bekan­nt macht­en und heute trotz­dem nicht mehr existieren. So schnell kann’s gehen.
  • Vor zwanzig Jahren war der Prog zwar schon beerdigt, erfreute sich im Unter­grund aber noch bester Gesund­heit: Fred Frith etwa, ein­er der Grün­der von Hen­ry Cow, ließ sich nach deren Tren­nung in New York nieder und nahm an ungezählten musikalis­chen Pro­jek­ten teil, darunter an der von ihm gegrün­de­ten Exper­i­men­tal­gruppe Mas­sacre (nicht mit der gle­ich­nami­gen Death-Met­al-Band zu ver­wech­seln), die 1998 schließlich ihr zweites Stu­dioal­bum Fun­ny Valen­tine veröf­fentlichte. Sein Lands­mann und zeitweis­er Mit­musikant Robert Wyatt — der mit dem Fen­ster — blieb in Europa, sang und blech­blies gele­gentlich für andere Kol­le­gen und über­raschte den Markt mit ein­er Neuab­mis­chung seines Albums Don­destan von 1991 namens Don­destan (revis­it­ed). Während Musik aus Deutsch­land 1998 Kraut & Rüben (WIZO) blieb, bracht­en auch die Finnen es auf beachtliche Leis­tun­gen: Mit ihrem eigentlichen Debü­tal­bum Pingvin macht­en Ektro­verde, wie erstaunlich viele andere finnis­che Bands auch ein Neben­pro­jekt von Cir­cle, mit ihrem jaz­zge­färbten Postrock von sich reden. Dass seit 2003 kein neues Album mehr von ihnen erschienen ist, lässt aber lei­der nicht auf weit­ere Auf­nah­men hof­fen.
  • Vor zehn Jahren — apro­pos Postrock — stand sel­biger in voller Blüte: Nicht nur die famosen Sig­ur Rós bere­it­eten mir, wie schon damals erläutert, mit ihrem ungewöhn­lichen Með suð í­ eyrum við spilum endalaust Vergnü­gen, auch Mis­use (inzwis­chen anscheinend inak­tiv), Maybeshewill (inzwis­chen lei­der aufgelöst) und Russ­ian Cir­cles (immer­hin noch exis­tent) spiel­ten mit neuen Alben auf. Am anderen Ende der Skala debütierte die Post-Hard­core-Band La Dis­pute mit Some­where at the Bot­tom of the Riv­er Between Vega and Altair, mit­ten­drin bah­nte sich das, was regelmäßig “Indie” genan­nt wird, als sei das eine Stilbeschrei­bung, seinen Weg: Kon­stan­tin Grop­per set­zte als Get Well Soon mit Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon Nuan­cen, Stephen Malk­mus (vorher bei Pave­ment) nahm gle­ich zwei Alben auf, näm­lich Real Emo­tion­al Trash mit den Jicks und Look­out Moun­tain, Look­out Sea mit den Sil­ver Jews. Auf ein Album, näm­lich Nar­row Stairs, beschränk­ten sich Death Cab for Cutie. Der Autor dieser Zeilen nutzte das Jahr weniger sin­nvoll und fing bere­its im Juni mit diesen Jahres­rückschauen an. Das haben wir jet­zt alle davon.

Das soll erst mal reichen. Ich bitte wie üblich um weit­ere Empfehlun­gen und wün­sche anson­sten eine gute Reise — ich warte hier.

Jahresrückblick

Musik 06/2018 — Favoriten und Analyse Musik 06/2019 — Favoriten und Analyse
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Senfecke:

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