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Musik 12/2017 - Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 19 von 23 der Serie Jahresrückblick

Ein selt­sa­mes Jahr 2017 ist fast zu Ende und hat in sei­ner zwei­ten Jahreshälfte noch schnell ein paar ein­fluss­rei­che Musiker, dar­un­ter die Hälfte von Can (Jaki Liebezeit und Holger Czukay), John Abercrombie, Walter Becker und Charles Manson, den jeweils näch­sten Tag nicht mehr erle­ben las­sen. Zum Glück wach­sen immer wie­der neue Musiker nach, die sich auf alte Tugenden besin­nen. Von eini­gen von ihnen soll heu­te anläss­lich des zwei­ten Teils der besten Musikalben 2017 die Rede sein.

Da der erste Teil merk­lich kür­zer als üblich gera­ten war, blieb für den zwei­ten natür­lich eine Menge Musik übrig. Vorzeitig befasst hat­te ich mich seit Juli bereits mit den aktu­el­len Alben von Ex Eye, OHHMS, Hundredth, Reflections in Cosmo, Igorrr, L’Effondras und The Narcotic Daffodils. Dennoch war das Jahr noch pro­duk­tiv genug für eine lan­ge Liste an noch unaus­ge­spro­che­nen Empfehlungen.

Nämlich für diese:

1. Lang und breit.

  1. Bröselmaschine - Indian Camel

    Bevor Helge Schneider sich dem Klamauk, wie man heu­te so schön sagt, opfer­te, war die Profession, mit dem ihn die Menschen wohl am mei­sten ver­ban­den, die eini­ger­ma­ßen seriö­se Musik, für die er heu­te zu Unrecht ver­gleichs­wei­se wenig bekannt ist. In den 1970-er Jahren etwa spiel­te er in der schon nament­lich ziem­lich can­na­bi­sum­wölk­ten - im Wortsinne - Krautrockband Bröselmaschine, zu der er spä­ter, zuletzt im Jahr 2005, gele­gent­lich wie­der zurückkehrte.

    Die Band Bröselmaschine aus aus­ge­rech­net Duisburg, aus deren Mitte vor allem der Gitarrist Peter Bursch, des­sen Lehrbücher zwecks Erlernens des Gitarrenspiels wohl eine gewis­se Bekanntheit erlangt haben, sich immer mal wie­der auf aller­lei Bühnen zu sehen ist, hat­te ihr vier­tes und bis dato letz­tes Studioalbum „Graublau“ 1985 ver­öf­fent­licht, seit­dem gab es zwar noch man­che Konzerte, jedoch kei­ne neu­en, all­ge­mein erhält­li­chen Stücke mehr. Mit „Indian Camel“ wur­de die­ser Umstand nun kor­ri­giert: 32 Jahre nach dem Vorgängeralbum hat sich eine sie­ben­köp­fi­ge Besetzung, dar­un­ter die erst 2014 ein­ge­stie­ge­ne Sängerin Liz Blue, mit drei Gästen, zu denen auch Helge Schneider am Saxophon statt, wie einst, als Organist gehört, zusam­men­ge­fun­den, um einen ver­ton­ten Haschtag - nicht: hash­tag - auf­zu­neh­men, der die­se Rückschau ange­nehm ent­spannt ein­lei­ten darf.

    Dass mit „Children of the Revolution“ ein Lied von T.Rex, mit denen Bröselmaschine vor Jahrzehnten bereits gemein­sam auf­ge­tre­ten waren, als Coverversion auf „Indian Camel“ zu fin­den ist und bei der Gelegenheit als pri­ma Rockmusikstück auch beredt Zeugnis über die Wandlungsfähigkeit der Gruppe ablegt, ändert nichts an der Eigentümlichkeit, die „Indian Camel“ umgibt. Im Titelstück wird wie auch an ande­rer Stelle - pas­send zum Namen - Indisches mit Weltmusik und Blues mit aku­sti­scher Gitarre ver­bun­den. Irgendwo im Web ist von einem „hyp­no­ti­schen Trip“ die Rede, von einer „Nummer für die Geschichtsbücher“ gar, und ich mag ange­sichts man­cher klang­li­cher Grausamkeit des Jahres 2017 da auch gar nicht widersprechen.

    Reinhören: Schnipsel gibt es auf Amazon.de, den Rest auf TIDAL.

  2. Ulver - The Assassination of Julius Caesar
    „Sigh, my heart, but do not break“ (Coming Home)

    Über den alt­rö­mi­schen Feld- und Kriegsherrn Julius Cäsar, anfangs bestechen­der, schließ­lich ersto­che­ner Herrscher des Römischen Reiches kurz vor der sog. „Zeitenwende“, ist man­ches gesi­chert bekannt, man­ches jedoch roman­ti­sier­te Erfindung. Der Romantisierung sel­ten ver­däch­tigt wird das nor­we­gi­sche Sextett Ulver, das sei­nen anfäng­li­chen typisch skan­di­na­vi­schen Black Metal schon bald nach sei­ner Gründung diver­si­fi­zier­te. Sein dies­jäh­ri­ges Studioalbum „The Assassination of Julius Caesar“, anders­wo als das „ein­zi­ge rele­van­te Depeche-Mode-Album“ des Jahres bezeich­net, schafft das Kunststück, gleich­zei­tig für Metal- und Pop-Blogs von Interesse zu sein, wofür die Musik nicht ein­mal unbe­dingt etwas kann.

    Tatsächlich wird hier klang­lich tief in die New-/Dark-Wave-Kiste gegrif­fen. Den gezo­ge­nen Vergleich tei­le ich per­sön­lich nicht, denn wo Depeche Mode zäh wabern, haben es Ulver mehr mit düste­rem Dröhnen. In einer ein­fa­che­ren Welt wäre dies hier ver­mut­lich schlicht „elek­tro­ni­sche Tanzmusik“, aber die­ses Etikett ist seit der Discowelle untaug­lich gewor­den. Ich höre die jüng­ste, düster­ste Inkarnation von Crippled Black Phoenix („So Falls The World“) eben­so wie - in den frei­för­mi­ge­ren Momenten - Faust und Neu! („Rolling Stone“). Textlich ist die Zeit der Cäsaren nur ein Teil des Umfassten, es geht um man­cher­lei pro­mi­nen­ten Tod der ver­gan­ge­nen Jahrzehnte und Jahrtausende, dar­un­ter auch die Morde der „Family“ des vor kur­zem ver­stor­be­nen Charles Manson („1969“). Anspruch darf es ja immer auch noch sein.

    Natürlich täuscht das nicht dar­über hin­weg, dass Ulver hier eine Kiste ent­stau­ben, die man meist lie­ber geschlos­sen lässt, näm­lich die der musi­ka­li­schen 80-er Jahre, aber sie tun es mit Stil und ohne Käsekeyboards, was allein schon eine Erwähnung wert wäre; dass Ulver es ins­ge­samt schaf­fen, dass mir ein Album, des­sen Inhalt anders­wo schlicht als „Synthie-Pop“ beschrie­ben wird, gut gefällt, tut ein Übriges. Das Beste aller­dings bleibt, dass nicht abzu­se­hen ist, wie das Nachfolgealbum klin­gen wird, denn Ulver blei­ben ungern ste­hen. Ich jeden­falls emp­feh­le ein kur­zes Innehalten zwecks Genusses die­ses Albums.

    Reinhören: Ulver strea­men auf Bandcamp.com, aber auch Amazon.de ermög­licht kur­zes Anhören und Kauf.

  3. Gnod - Just Say No To The Psycho Right-Wing Capitalist Fascist Industrial Death Machine

    Gelegentlich schlen­de­re ich durch Geschäfte, die tat­säch­lich Filialen besit­zen, also „off­line“ exi­stie­ren, und schaue dort die ein­schlä­gi­gen Vinylangebote an. Manchmal begeg­ne ich inter­es­san­ten Neuauflagen sehr geschätz­ter Altwerke, sel­ten aber auch mir bis dahin völ­lig unbe­kann­te Alben, deren Aufmachung allein mich neu­gie­rig macht. So ging es mir auch bei „Just Say No To The Psycho Right-Wing Capitalist Fascist Industrial Death Machine“ von Gnod: Würde das Enthaltene wirk­lich so lie­bens­wür­dig schlecht sein wie es den Anschein hat?

    Überraschend stellt sich her­aus: Das ist tat­säch­lich der Fall. Gnod - Debütalbum: „Ingnodwetrust“, Spaß an der Sache brin­gen die Musiker also mit - ist eine bri­ti­sche Band, der trotz ihrer Selbstbeschreibung als „Psych-Electronic-Combo“ und ihrer Herkunft von man­chen Rezensenten das Etikett „Krautrock“ ange­hef­tet wird, was über das Prinzip der Etikettierung selbst man­ches aus­sagt. Musikalisch stecken außer Faust und Can hier näm­lich durch­aus ande­re Überraschungen drin: Trotz beacht­li­chen Wortreichtums ist das Gebotene im Prinzip pri­ma Postpunk.

    Man möge sich von die­ser schlich­ten Beschreibung nicht irre­lei­ten las­sen, denn Gnod, eine „Band unhei­li­ger Kakophonie“ (Benjamin Bland, „Drowned in Sound“) geben in der Tat mehr Musik preis als die Genrekollegen Sleaford Mods, deren kar­ges Tun regel­mä­ßi­gen Lesern bereits im Juli begeg­net sein könn­te, und machen auch vor einem Genreübergriff in den Industrialbereich nicht Halt. Thematisch wie musi­ka­lisch ist „Just Say No To The Psycho Right-Wing Capitalist Fascist Industrial Death Machine“ ein Album der tota­len Verweigerung, grif­fi­ge Mitbrüll-Protestmusik ist hier nicht zu erwar­ten. Gnod begeg­nen ihrer feind­li­chen Umwelt statt­des­sen mit fünf teils lan­gen Stücken („Stick In the Wheel“ ist über 12 Minuten lang) in recht unter­schied­li­cher Manier: „Bodies For Money“ beginnt mit jau­len­der Gitarre und klas­si­schem Garagen-Punk, geht dann über in einen bei­na­he jaz­zi­gen Mittelteil, in dem der Refrain unge­dul­dig klin­gend gespro­chen wird, eska­liert schließ­lich aber anschwel­lend in ein fabel­haf­tes Instrumentenspektakel. Während das zehn­mi­nü­ti­ge „People“ auch mit sei­nem erneut total durch­dre­hen­den Endteil eher im New Artrock zu Hause ist, bewe­gen sich „Paper Error“ und „Real Man“ augen­schein­lich im schlich­ten Punkrock, fal­len aber auf den zwei­ten Blick bezie­hungs­wei­se Hör dadurch auf, dass die Band neben dem, was viel­leicht anders­wo Geschrammel hie­ße, eher einen psy­che­de­lisch-repe­ti­ti­ven Hardrock spielt, der in der Klischeepunkkneipe nicht ver­stan­den wür­de. Sänger Neil Francis drängt sich nie­mals in den Vordergrund, was eine ange­neh­me Abwechslung zu manch ande­rer Brüllpunkband, etwa aus Düsseldorf, darstellt.

    „Stick In the Wheel“ schließ­lich ver­mengt vor allem in den ersten drei Minuten Postpunk mit Industrial, um dann plötz­lich einen instru­men­ta­len, „krau­ti­gen“ RIO/Avant-Teil ein­zu­läu­ten, der so schnell ver­schwun­den wie gekom­men ist, um Platz für acht Minuten aus­ge­dehn­ten Elektrojazzes zu machen, der (viel­leicht unbe­wusst) rhyth­misch Talk Talks ein­ma­li­ges „Desire“ eben­so zitiert wie latein­ame­ri­ka­ni­sche Tänze. Ein Stock im Rad der Genrefetischisten? Möglich wär’s. Einfach „Nein“ sagen? Ich sage „Ja“ - jeden­falls zu Gnod.

    Reinhören: Stream und Kauf stellt die Band auf Bandcamp.com zur Verfügung, auf YouTube kann man einen Auszug aus einem ihrer Liveauftritte ansehen.

  4. Circle - Terminal

    Die wuse­li­ge Gruppe Circle ist jeden­falls mir zuerst Ende 2011 begeg­net. Die umtrie­bi­ge fin­ni­sche Band über­rascht nach wie vor mit einer enor­men Veröffentlichungsfrequenz: Seit der Gründung im Jahr 1991 erschien eine Vielzahl an EPs, Live- und Studioalben, man benann­te sich für die Dauer eines Albums (näm­lich „Frontier“ von 2013) in Falcon um und wie­der zurück. „Terminal“ ist der erstaun­lich lan­ge erwar­te­te Nachfolger des 2015 ver­öf­fent­lich­ten Albums „Pharaoh Overlord“ und nach kon­ser­va­ti­ver Schätzung - also abzüg­lich des teil­wei­se aus älte­ren Singles zusam­men­ge­setz­ten „Kollekt“ - das 31. Studioalbum der Band.

    Momentan hat sie sie­ben Mitglieder, nach wie vor an Bord ist Gründer, Bassist und Sänger Jussi Lehtisalo, der sich neben Circle als Mitglied oder wenig­stens Gast noch ver­schie­de­ne ande­re Bands (dar­un­ter die beacht­li­chen Kirvasto, Grumbling Fur und Ektroverde) hielt oder noch hält. Andere zeit­ge­nös­si­sche Musiker brin­gen es nicht ein­mal auf eine ein­zi­ge, sind aber bekann­ter und belieb­ter. Kreativität wird nicht mehr belohnt. Das ist scha­de für Circle, denn so ent­geht ihnen eine Menge ver­dien­ter Aufmerksamkeit.

    Natürlich gibt es auf „Terminal“, man möge nicht von plötz­li­chem Identitätsverlust aus­ge­hen, gewohn­te Circle-Kost, näm­lich vor­züg­li­chen Stoner- und Spacerock, der auch dies­mal wie­der nicht klingt wie etwas, was man schon hun­dert­mal gehört hat. Intensive, hyp­no­tisch-repe­ti­ti­ve Rhythmen mit eben­so inten­si­vem Gesang (und Geschrei) des unver­än­dert groß­ar­ti­gen Mika Rättö domi­nie­ren die knap­pe Dreiviertelstunde Laufzeit, durch­setzt mit span­nen­den Einfällen; in „Rakkautta al den­te“ etwa scheint auch mal fol­ki­ger Mittelaltermetal durch.

    Eigentlich ist auf „Terminal“ also alles wie immer - und es ist wie immer prima.

    Reinhören: Auf Amazon.de kann man in „Terminal“ hin­ein- und es auf TIDAL voll­stän­dig hören.

  5. Bask - Ramble Beyond

    Wir wech­seln nun wie­der das Land und mit ihm den Kontinent: Aus Nordamerika, näm­lich North Carolina, stammt das Quartett Bask, was auf Deutsch ent­we­der „Sonnen“ und „Aalen“ oder gar nichts bedeu­tet, weil das Übersetzen von Eigennamen ja immer so eine Sache ist. Erfahrene Sprachbenutzer wis­sen, dass mit so Sachen bes­ser nicht leicht­fer­tig ver­fah­ren wer­den sollte.

    Auf „Ramble Beyond“ gibt es in sechs Stücken, natur­ge­mäß alle­samt nicht gera­de in Supermarktradioformat, don­nern­de Musik zu hören, die weit­ge­hend als eini­ger­ma­ßen psy­che­de­li­scher Hard-/Stoner-Rock („unver­fälsch­ter Rock“ schreibt Nadine Schmidt auf „Metal.de“) zu iden­ti­fi­zie­ren ist, wenn­gleich „The Lonesome Sound“ pas­sen­der­wei­se eher als aller­dings recht ener­gie­rei­cher Bluesrock durch­ge­hen mag. Ab Beginn („Asleep in the Orchard“) ver­neh­me ich erfreut, dass der Gesang hier nicht unnö­tig domi­nant gemischt ist, son­dern sich statt­des­sen sozu­sa­gen als stimm­li­che Leadgitarre in das Gesamtkonzept ein­fügt. Es herr­schen melo­die­freu­di­ge Gitarrenspiele und Rhythmus, als sei­en Post- und Hardrock eine Allianz ein­ge­gan­gen, die jeden­falls ich so reif und kan­ten­los auch noch nie wahr­ge­nom­men habe. Ich mag das.

    Andreas Schiffmann notier­te zu „Ramble Beyond“:

    „Ramble Beyond“ ist (…) ein in sich stim­mi­ges, nach­hal­ti­ges und epi­sches, vor allem aber sehr eigen­stän­di­ges Werk im Kontext des andau­ern­den Vintage-Rock-Treibens, irgend­wo zwi­schen Prog, Post und Weltraum, falls das Sinn ergibt.

    Das kann ich so ste­hen lassen.

    Reinhören: Bandcamp.com stellt Stream und Kauf zur Verfügung.

  6. The Electric Family - Terra Circus

    The Electric Family ist ein 1996 von Tom Redecker gegrün­de­tes kom­mu­n­en­ähn­li­ches - daher wohl der Name - Musikprojekt, an dem sich immer mal wie­der ver­schie­de­ne Musiker aus unter­schied­lich­stem Umfeld, dar­un­ter die mitt­ler­wei­le ver­stor­be­nen Volker „Mist“ Kahrs (Grobschnitt) und Hagen Liebing (unter ande­rem Die Ärzte), betei­ligt haben. „Terra Circus“ ist nach einer Veröffentlichungspause von etwa zehn Jahren das fünf­te Studioalbum der Band, die neben ihren Eigenkompositionen auch gele­gent­lich Lieder ande­rer Künstler neu ein­spie­len. Auf „Terra Circus“ sind es zwei - aber fan­gen wir vorn an.

    „Vorn“, das ist in die­sem Fall das eröff­nen­de „Movin‘ “, das ein­gän­gi­ger, aber sehr gefäl­li­ger Mitwippbluesrock ist. Fast wäre es radio­taug­lich, wäre das Stück nicht dop­pelt so lang wie Radiosender es heut­zu­ta­ge zulas­sen. Der Gesang wirkt auf mich etwas über­pa­the­tisch, aber dar­an soll es nicht schei­tern. Es folgt die erste Coverversion: „Lucrecia, My Reflection“ ist genau das, wovon der musi­ka­lisch erfah­re­ne Leser sofort beim Lesen aus­geht, wenn auch mehr an Elvis Presley oder dem Blues-/Country-Rock von Bela B als an den Sisters of Mercy ori­en­tiert. Anders Becker ent­lockt der Elektronik man­ches Space-Zirpen, ein aus­ge­dehn­tes Gitarrensolo bestimmt die zwei­te Hälfte des Stücks.

    Auch „When Dizzyness Comes Around“ lässt sich die Vorliebe der Musiker für Artverwandtes deut­lich anmer­ken: Velvet Undergrounds oft ver­ges­se­nes „Squeeze“, die Soloalben von Bela B und die ersten zwei Alben von Roxy Music exi­stie­ren hier präch­tig neben­ein­an­der. Das fol­gen­de „Mary, Mary, so Contrary“ ist eben­falls eine Coverversion eines Klassikers, aller­dings eines noch älte­ren, denn das Original erschien auf dem offi­zi­el­len Debütalbum „Monster Movie“ der Krautrockpioniere Can. Die ver­rück­te Psychedelik die­ses Originals weicht in der Version von The Electric Family einer som­mer­lich-leich­ten Stimmung, was zum übri­gen Album frag­los gut passt. Eigenständigkeit geht eben auch mit Coverversionen.

    „Landmark Visions II“ ist sozu­sa­gen die Fortsetzung von „Landmark Visions“ vom 2002 auf­ge­nom­me­nen „Ice Cream Phoenix“, dies­mal jedoch nicht ganz so lang. Die bei The Electric Family all­ge­gen­wär­ti­ge Gitarre soliert, lei­der nur sehr kurz, hier ange­nehm dis­har­mo­nisch. Apropos „sehr kurz“: „Santuario“ ist ein nicht ein­mal drei Minuten lan­ges elek­tro­ni­sches Zwischenspiel, das unge­fähr so klingt, wie man sich indi­sche Housemusik vor­stel­len wür­de, wenn man - wie der Schreiber die­ser Zeilen - Housemusik nicht so gut kennt. „Terra Circus“ endet schließ­lich mit „Name the Dreamboat“, das aber­mals schön unge­dul­di­ger Gitarrenbluesrock ist, aber sich eines Postpunkeinschlags nicht erweh­ren kann. Statt Gesangs wird hier gespro­chen - nicht die ein­zi­ge Gemeinsamkeit mit den unver­gleich­li­chen The Fall und allein schon ein Grund, in „Terra Circus“ ein­mal bewusst hineinzuhören.

    Reinhören: Und zwar ent­we­der auf Amazon.de oder auf TIDAL.

  7. The Hirsch Effekt - Eskapist
    „Lustlos, acht­los / fällt ihm denn nicht mal was Neues ein?“ (Xenophotopia)

    Das bedau­er­li­cher­wei­se aus Hannover stam­men­de Trio The Hirsch Effekt, für das sich bezahl­te Schreibschergen irgend­wann ein­mal das Nonsensgenre „Artcore“ über­legt haben, hat mich mit jedem sei­ner ersten drei Alben in dop­pel­tem Sinne vom Stuhl gehau­en. Feinsinn ist langweilig.

    Nach dem Abschluss der „Holon“-Trilogie im Jahr 2015 wei­ger­te sich die umbe­setz­te Gruppe, sich völ­lig neu auf­zu­stel­len. Warum auch? „Eskapist“, der Titel deu­tet es an, ist eine Flucht nach vorn, eine Verbindung zwi­schen den orche­stra­len Teilen der ersten und dem wil­den Brett der letz­ten „Holon“-Platte. Die Titel sind so gewohnt kryp­tisch wie die Melodien, sur­rea­le Grafik ist zu sehen und zu hören.

    Es wird also dem Djent, dem tech­ni­schen Metal, dem Math-Wasauchimmer gefrönt. Gesang, Geschrei, Growls wech­seln ein­an­der ab, ohne unab­sicht­lich pein­lich zu sein. Die Stücke - auch das kennt man von frü­her gehen zum Teil inein­an­der über. Von den zwölf ent­hal­te­nen Kleinoden grei­fe ich ein­fach mal qua­si will­kür­lich sechs her­aus, die trotz­dem bei­spiel­haft für die gan­ze Band ste­hen: Da wäre „Xenophotopia“, das text­lich und eben auch melo­disch immer noch an „Holon“ anknüpft; das 42 Sekunden lan­ge Artpop-Instrumental „Coda“, das „Natans“ und „Berceuse“ ver­bin­det; das fast zwei­mi­nü­ti­ge „Tardigrada“, das gegen Ende ver­mut­lich absicht­lich wie eine lei­ern­de Schallplatte klingt; das Streicherstück „Nocturne“, das als Einleitung „Aldebaran“ vor­an­steht; das Artrocklied „Inukshuk“ mit dann doch wie­der typisch bret­tern­dem Bandsound zum Ende; end­lich „Lysios“, das 14:14 Minuten fein­sten Metals bie­tet, von den Musikern aller­dings mit stei­gen­der Laufzeit zu einem wah­ren RIO-Feuerwerk hoch­ge­peitscht wird. Die Lust am Lärm ist eine rei­che, soll aber kei­nes­wegs ver­ber­gen, dass das „Eskapist“ beherr­schen­de Thema die Fassungslosigkeit über eine Gesellschaft, die nur mehr exi­stiert statt lebt, ist: „Warum kommt es mir so vor, als ob die hal­be Welt ein­fach Schafe zählt?“ („Berceuse“), was die rich­ti­ge Frage zum immer­wäh­rend rich­ti­gen Zeitpunkt ist und bleibt.

    Zum Abschluss von „Eskapist“ ver­blüf­fen The Hirsch Effekt noch­mals mit einer ihrer trotz­dem typisch dys­to­pi­schen Wunderlichkeiten, mit denen ihre Studioalben, stets als Gesamtwerk kon­zi­piert, meist enden: „Acharej“ ist eher im New Age als in der wil­den Gitarrenmusik zu Hause, der sau­ber, also unge­brüllt, into­nier­te Text ist genau das Erwartete, was auch immer man erwar­tet, wenn man „Acharej“ liest, von The Hirsch Effekt aber bis­her nichts kann­te: „Kein Zurück mehr (…) ich bin der Einzige hier.“ Ob der Nachfolger von „Eskapist“ wohl dar­an anknüp­fen wird?

    Die Vinylversion von „Eskapist“ kommt mit einer CD-Beilage und auf­ge­druck­ten Texten, was gleich zwei­mal prak­tisch ist: Man muss die LP nicht selbst digi­ta­li­sie­ren und kann, sofern man nicht gera­de in fei­ner Gesellschaft ist, auch unge­straft mit­brül­len. Immer nur fili­gran zu sein ist nicht befreiend.

    Reinhören: Angemessen depri­mie­ren­de Videos zu „Lifnej“, „Berceuse und „Inukshuk“ hat die Band selbst auf YouTube zur Verfügung gestellt oder stel­len las­sen oder so.

  8. Katie Von Schleicher - Shitty Hits

    Katie Von Schleicher - mit Schmidtchen Schleicher, bekannt aus der Folklore, ver­mut­lich weder ver­wandt noch ver­schwä­gert - ist eine jun­ge US-ame­ri­ka­ni­sche Künstlerin, die seit 2015 - ihr eigen­pro­du­zier­tes eigent­li­ches Debüt „Silent Days“ von 2012 ein­mal außer Acht gelas­sen - all­jähr­lich einen Tonträger befüllt mit dun­kel­ster Popmusik, von der „Spex“ etwas über­trie­ben „Rumpelkammerpop“ genannt, ver­öf­fent­licht bezie­hungs­wei­se ver­öf­fent­li­chen lässt. Es mag die Echtheit von „Shitty Hits“ augen­schein­lich beschä­di­gen, dass es, anders als sei­ne bei­den Vorgänger, nicht (oder noch nicht) auf Audiokassette erhält­lich ist, denn eigent­lich ist so eine Kassette für ein Album wie „Shitty Hits“ die idea­le Darreichungsform.

    Auf „Shitty Hits“ ist ent­ge­gen des Titels weder etwas schei­ße noch ein wirk­lich radio­taug­li­cher Hit, statt­des­sen wird über die Dauer von elf Stücken eine drücken­de, aber doch inti­me Atmosphäre auf­ge­baut, mal bedroh­lich knar­zend („Nothing“), mal ver­letz­lich („Mary“); selbst das tat­säch­lich beat­les­que „Life’s a Lie“ - „Portishead tref­fen auf die Beatles“ unter­ti­tel­te man beim „Guardian“ die­ses Album und wur­de damit eigent­lich nie­man­dem gerecht - besitzt eine klang­li­che Sperrigkeit, die mit Worten zu beschrei­ben nicht eben eine ein­fach zu lösen­de Aufgabe ist. Zola Jesus - die hat­te ich hier schon mal - wür­de sich in mei­nem Kopf gern als Vergleich bewer­ben, also ver­wei­se ich erst ein­mal auf sie.

    Die Künstlerin fasst auf ihrer Bandcamp-Seite die ent­hal­te­ne Musik der­zeit so zusammen:

    Die Lieder sind schreck­lich und müs­sen par­tout so laut sein.

    Man kann sie aber auch lei­se hören.

    Reinhören: Naja, Bandcamp halt.

  9. Nick Prol & The Proletarians - Loon Attic

    Bei Nick Prol schrei­ben sich die Namenswitze sozu­sa­gen von allein, des­we­gen macht er gleich selbst einen: Als selbst­be­nann­ter „Lärmmacher“ steht er dem Quartett The Proletarians vor, das neben ihm aus zwei Dritteln des Experimental-Rock-Trios The Mercury Tree (das drit­te Drittel, Oliver Campbell, ist auf „Loon Attic“ aller­dings als Gast zu hören) sowie Dave Newhouse von den Muffins besteht. Er selbst, Nick Prol, hat wohl kein rei­ches Bandportfolio vor­zu­wei­sen, das aber auch nicht nötig: „Loon Attic“ wur­de von ihm ursprüng­lich allein auf­ge­nom­men, die Proletarians wur­den erst für die Neuaufnahme zwecks Veröffentlichung ins Leben gerufen.

    Als Musik, die denen gefällt, die „Loon Attic“ mögen, emp­fiehlt Bandcamp.com außer den ver­mut­lich wenig über­ra­schen­den The Mercury Tree auch Bent Knee und Aquaserge. Ich selbst - beim Versuch, die unglaub­lich viel­sei­ti­ge Musik auf „Loon Attic“ zu ord­nen - ent­decke Cheer-Accident, Utopianisti, Primus, Henry Cow und Caravan; will sagen: schlicht ist nicht. Jazz-Artrock, Canterbury („8th Wonder“), Hardrock („Nameless“) und nicht auf blo­ßes Ufftata zu redu­zie­ren­de Zirkusmusik über­ra­schen in jedem Takt. Zu den wei­te­ren Gastmusikern auf „Loon Attic“ zäh­len unter ande­rem Dave Willey (Hamster Theatre, Thinking Plague), der in „8th Wonder“ diver­se Instrumente bedient, und Thymme Jones (Cheer-Accident; Schlagzeug, Trompete und Moog in „Shiny and Round“), was dann auch wie­der groß­ar­tig passt.

    Was man an „Loon Attic“ offen­sicht­li­cher­wei­se kri­ti­sie­ren könn­te, wenn man das denn möch­te, ist, dass statt weni­ger umfang­rei­cher lie­ber vie­le kur­ze Stücke ent­hal­ten sind: Die ins­ge­samt 23 Lieder sind mit nur zwei Ausnahmen jeweils (oft deut­lich) unter vier Minuten lang. Umso erfri­schen­der ist es zu hören, was die Musiker aus der kur­zen Spielzeit her­aus­ho­len kön­nen. Das Verständnis von Musik als Komik ist in den letz­ten Jahrzehnten der Professionalisierung vie­ler Genres lei­der ein wenig abhan­den­ge­kom­men. Nick Prol trägt sei­nen Teil dazu bei, dass der Canterbury-Stil (cf. Matching Mole) mehr ist als eine blo­ße klang­li­che Einsortierung: „Loon Attic“ ist - im ein­fa­chen Wortsinne - ein komi­sches Album. Prima!

    Reinhören: Anscheinend wer­den Interessierte der­zeit nur auf Bandcamp.com fündig.

  10. Black Country Communion - BCCIV
    „Sometimes quick and some­ti­mes slow“ (The Crow)

    Zurück zu etwas erdi­ge­rer Musik.

    Von 2009 bis Anfang 2013 exi­stier­te eine Hardrockband namens Black Country Communion, die mit Glenn Hughes (vor­her bei Deep Purple und Black Sabbath), Jason Bonham (unter ande­rem bei UFO, Foreigner und Led Zeppelin), Derek Sherinian (Dream Theater) und dem Bluesrock-Solisten Joe Bonamassa das abge­nutz­te Etikett „Supergroup“ trotz­dem nicht zu Unrecht trug. Nachdem Black Country Communion sich infol­ge des Soloerfolges von Joe Bonamassa nach ihrem drit­ten Studioalbum „Afterglow“ vor­über­ge­hend getrennt hat­ten, das Nachfolgeprojekt California Breed jedoch schnell ein Ende gefun­den hat­te, dau­er­te es nur weni­ge Monate, bevor eine erneu­te Zusammenarbeit der vier Musiker für das Jahr 2017 bekannt gege­ben wur­de. Das Ergebnis heißt schlicht „BCCIV“ (über den Namen müs­sen hier kei­ne wei­te­ren Worte fal­len) und ist ein Hören durch­aus wert.

    Dass die Beteiligten sich das Recht auf eine Inszenierung als das, was man im Schnodderrock „Poser“ nennt, längst ver­dient haben, wis­sen sie und las­sen die­ser Inszenierung mit gro­ßen, aus­la­den­den musi­ka­li­schen Gesten („The Cove“) frei­en Lauf. Der Blues- und Folk-Anteil ist gering, kra­chen­der Hardrock („Sway“) über­wiegt. Das soll natür­lich nicht hei­ßen, dass Joe Bonamassa nicht an den Liedern mit­ge­wirkt hät­te: In sei­nem pas­send beti­tel­ten „The Last Song for My Resting Place“, das so klingt, wie es heißt, ist sogar eine Fiddle zu hören. Der Mann ver­steht sein Handwerk und bleibt prä­gnant: „BCCIV“ ist mehr Deep Purple als AC/DC und das ist, wie ich ein­fach mal anneh­men möch­te, auch sein Verdienst.

    „BCCIV“ ist ein erfreu­li­ches Album, die Wiederkehr von Black Country Communion erfolg­te ohne erkenn­ba­ren Qualitätsverlust. Warum ande­re zeit­ge­nös­si­sche Musikgruppen das nicht auch schaf­fen, weiß ich nicht. Ich könn­te mich dar­über geson­dert auf­re­gen, aber ich habe mir fest vor­ge­nom­men, über Musikalben, die nicht gut sind, im hier gege­be­nen Rahmen kei­ne wei­te­ren Zeilen zu ver­schwen­den, wes­halb ich das jetzt auch ein­fach las­se. Keineswegs las­sen soll­te jedoch jeder Leser ein Reinhören in „BCCIV“.

    Reinhören: Wer TIDAL-Abonnent ist, der wird dort fün­dig, anson­sten gibt es Amazon.de.

  11. Boris - Dear
    „Nobody wants to pick up that nost­al­gia“ (Memento Mori)

    Boris sind zurück und tra­gen ihre Drones aus limi­tier­ten Kleinstauflagen (sie­he „asia“) mit ihrem erst 22. Studioalbum „Dear“ wie­der in die Masse, sofern man bei der Zielgruppe, die hier bedient wird, über­haupt von „Masse“ spre­chen soll­te und nicht von Klasse.

    Von Zugänglichkeit kann wei­ter­hin kei­ne Rede sein, das über­las­sen die drei Japaner dann doch ihren Alter Egos, die gele­gent­lich zumin­dest gefäl­li­ge Standard-Rockalben ver­öf­fent­li­chen. Beim Hören von „Dear“ der­weil füh­le ich mich immer wie­der an das hörens­wer­te „Soused“ von Sunn O))) erin­nert, denn hier tref­fen Gitarrenerdwälle auf ent­rück­ten, wenn auch merk­lich weni­ger exal­tier­ten Gesang als ihn Scott Walker auf vor­ge­nann­ter Scheibe zum Besten gab: mal geflü­stert, mal geru­fen, aber immer hal­lend, denn Hall ist gut.

    Keine Zeit zum Ausruhen: Es bro­delt, pol­tert und dröhnt, von irgend­wo zer­reißt ein Schlagzeug die Augenblicke. Rockmusik? Unsinn: „DEADSONG“ ist ein Lied, aber was für eines! Wie ein auf hal­ber Geschwindigkeit abge­spiel­tes, lei­ern­des Tonband, das absicht­lich neu ein­ge­spielt wur­de, ist die­ses Stück ange­nehm ver­wir­rend. Mit dem unver­mit­telt ein­set­zen­den „Absolutego“ wird das Ohr des­je­ni­gen, der weni­ger Experimente gewohnt ist, mit einer doch recht gut abge­hen­den Fassung einer Lenny-Kravitz-trifft-Rammstein-Fiktion (im Internet wer­den Alice in Chains genannt und damit hat das Internet völ­lig recht) vor­über­ge­hend zurück­ge­won­nen, bis es schließ­lich merk­lich an Geschwindigkeit ver­liert und in Schreien über schlep­pen­dem Rhythmus aus­klingt. Die Abwechslung zwi­schen Brummen mit Gesang (groß­ar­tig auch: „Kagero“), Art- („Biotope“) und avant­gar­des­quem Noiserock wirkt dabei nicht ein­mal zer­ris­sen, son­dern um so stimmiger.

    „Easy Listening“? Bei Liedlängen zwi­schen vier­drei­vier­tel („Memento Mori“) und fast 12 („Dystopia - Vanishing Point“) Minuten ist davon nicht aus­zu­ge­hen. Wo Boris drauf­steht, ist, par­don!, Boris meist auch drin - auch 2017 wirkt das noch bes­ser als jedes Qualitätssiegel; jeden­falls, so lan­ge es das Qualitätssiegel „ohne Phil Collins“ noch nicht gibt. Ein durch­weg schlech­tes Album von Boris exi­stiert nicht. Isso.

    Reinhören: Wer bis hier­hin durch­ge­hal­ten hat, der ahnt, was kommt - ein Link zu TIDAL und ein Link zu Amazon.de nämlich.

  12. Lunatic Soul - Fractured
    „And the bro­ken hearts will not break through my mind“ (Battlefield)

    Wenn schlech­te Musiker nicht aus­ge­la­stet sind, wei­hen sie Möbelhäuser ein oder fan­gen die Schauspielerei an. Wenn hin­ge­gen gute Musiker nicht aus­ge­la­stet sind, rufen sie neue Musikprojekte ins Leben. Mariusz Duda, Sänger und Bassist der pol­ni­schen Progressive-Rock-Band Riverside, die erst 2016 das selt­sa­me Album „Eye of the Soundscape“ ver­öf­fent­licht hat, gehört zwei­fel­los letz­te­rer Gruppe an. Sein haupt­säch­li­ches Nebenprojekt heißt Lunatic Soul.

    Falls man annimmt, dass nicht alles, was so Musiker tun, in einer frei erfun­de­nen Gedankenwelt statt­fin­det, so ist Lunatic Soul ein wesent­lich inti­me­res Projekt als Riverside. Dass letz­te­rer Band 2016 der Gitarrist Piotr Grudziński eben­so wie in den Jahren zuvor diver­se Menschen aus Mariusz Dudas Umfeld mit­tels Sterbens abhan­den­ge­kom­men war, ist laut ver­schie­de­nen Interviews einer der Gründe, war­um das Konzeptalbum „Fractured“, das, pas­send zum Titel, größ­ten­teils ziem­lich zer­brech­lich („Anymore“) klingt, so eine nach­denk­li­che Stimmung verbreitet.

    Die Ohren - die Seele sowie­so - wer­den auf „Fractured“ mit einem merk­wür­di­gen Jazz-Elektro-Dance-Rock, der Musikhörer, die schon etwas län­ger dabei sind, an die frü­hen 1990er Jahre erin­nert, kon­fron­tiert, der oft nach The Notwist und Depeche Mode, manch­mal (etwa im Titelstück) auch nach Eloy klingt. Als Quintessenz des Albums aber mache ich „A Thousand Shards of Heaven“ aus, das nicht nur mit trau­ri­gen Streichern, son­dern auch mit einem Text über­zeugt, der schon beim Lesen Fragiles zeigt:

    You can say that I am yearning
    for some­thing that’s alrea­dy gone
    but I am not a prisoner

    Uff.

    Reinhören: Warum nicht mal Amazon.de oder TIDAL? Zum ganz guten „Anymore“ (YouTube), zum Titelstück und zu „Moving On“ (YouTube) gibt es im Übrigen auch offi­zi­ell schei­nen­de Musikvideos.

  13. The Dream Syndicate - How Did I Find Myself Here?

    Im Jahr 1963 grün­de­te der US-ame­ri­ka­ni­sche Komponist und Musiker La Monte Young das Theatre of Eternal Music, ein Kollektiv zur Umsetzung mini­ma­li­sti­scher Kompositionen, in deren Fokus Drones stan­den. Zu den frü­hen Mitgliedern des Ensembles gehör­ten die spä­te­ren Velvet-Underground-Musiker John Cale, Angus MacLise und Sterling Morrison eben­so wie Terry Riley. Das Theatre of Eternal Music löste sich erst 2003 auf, war bis dahin aber längst auch unter dem Namen The Dream Syndicate bekannt gewor­den, was ver­mut­lich mit der Serie von frü­hen Musikaufnahmen namens „Inside the Dream Syndicate“ zu tun hat.

    1981 stell­te der auf­stre­ben­de Gitarrist Steve Wynn gemein­sam mit sei­ner dama­li­gen musi­ka­li­schen Weggefährtin Kendra Smith eine Band zusam­men, die sich infol­ge einer Anregung des Schlagzeugers Dennis Duck eben The Dream Syndicate nann­te. Das ist in so Tauschbörsen manch­mal etwas ver­wir­rend: John Cale spielt hier nicht mit. Bassistin Kendra Smith sang auf dem hör­bar von Neil Young und natür­lich The Velvet Underground beein­fluss­ten Debütalbum, mit dem The Dream Syndicate den „Paisley Underground“, eine Art musi­ka­li­scher Szene in Los Angeles, die den Psychedelic Rock, den Pop und vor allem die Velvet Underground der 1960er Jahre kul­tisch ver­ehr­te, sozu­sa­gen unab­sicht­lich aus der Taufe hoben, das famo­se „Too Little, Too Late“ und ver­ließ die Band bereits 1983, der Rest der Gruppe blieb nach Personalwechsel bis 1989 aktiv, um dann 2012 von Steve Wynn wie­der ins Leben geru­fen zu wer­den. Aus der letz­ten Besetzung von 1989 übrig geblie­ben sind neben ihm Dennis Duck und der 1984 ein­ge­stie­ge­ne Bassist Mark Walton, neu hin­zu­ge­kom­men ist Gitarrist Jason Victor.

    Im Februar 2017 wur­de das erste neue Studioalbum von The Dream Syndicate seit 1988 ange­kün­digt, es erschien schließ­lich im September unter dem Namen „How Did I Find Myself Here?“. Verlernt haben sie nichts, das Quartett schafft es noch immer, die Musik von damals nicht nur zu kon­ser­vie­ren, son­dern auf­zu­be­rei­ten: Die spä­ten The Velvet Underground, spä­ter bekannt­lich vor­züg­lich imi­tiert von den Dandy Warhols, stan­den hier hör­bar Pate, im Titelstück klingt auch mal Pink Floyd an. Im Oktober kür­te ich das Lied „80 West“ zur Montagsmusik und hat­te mir dabei schon etwas gedacht, denn des­sen Kontrast zwi­schen bass­ge­trie­ben schep­pern­dem Indierock und den guten, alten Drones bringt „How Did I Find Myself Here?“ kom­pri­miert auf den Punkt. „Like Mary“ ist tat­säch­lich noch älter, es ent­sprang frü­hen Bandproben und wur­de erst nach über 30 Jahren für die­ses Album erst­mals offi­zi­ell aufgenommen.

    Heimlich ist auch Kendra Smith wie­der zurück: Das letz­te Lied „Kendra’s Dream“ wur­de nicht nur von ihr (laut Internet als Bewusstseinsstrom) ver­fasst, son­dern wird auch von ihr vor­ge­tra­gen. Dass mich das Lied in der ersten Hälfte auf­fal­lend an „All Tomorrow’s Parties“ erin­nert, mag zum Teil an Kendra Smiths tie­fer gewor­de­ner Stimme lie­gen, vor allem aber wahr­schein­lich an der musi­ka­li­schen Darbietung selbst, die nach einem ziem­lich rocki­gen Album noch trip­pi­ger, noch mehr am Funk ori­en­tiert ist.

    Ich habe „How Did I Find Myself Here?“ einem Härtetest unter­zo­gen, indem ich es aus­ge­rech­net auf dem Weg nach Hannover erst­mals hör­te. Ich hat­te beim Aussteigen immer noch gute Laune, das Album hat den Test also bestan­den. Endlich mal wie­der ein wür­di­ger Vertreter für mein bevor­zug­tes Topalbenattribut „Geile Scheibe“ und even­tu­ell durch­aus mein Album des Jahres 2017.

    Reinhören: Die Plattenfirma selbst hat sämt­li­che Stücke des Albums auf YouTube hoch­ge­la­den, wor­aus ich fol­ge­re, dass es dort kom­plett zu hören emp­foh­len ist.

  14. Pingvinorkestern - Look - no hands!
    „Close / clo­se / clo­se the door!“ (Happy)

    Auch beim Pingvinorkestern haben wir es - das ist tat­säch­lich nur Zufall, schschwör - mit einer Band zu tun, die sich zumin­dest gering­fü­gig mit der Modernisierung alter Meister befasst: Das im Internet als „exzen­trisch“ bekann­te Penguin Cafe Orchestra, das ursprüng­lich von 1972 bis 1997 exi­stier­te und sich nach dem Tod ihres Gründers Simon Jeffes in ver­schie­de­nen Besetzungen ver­schie­de­ne Namen gab, inspi­rier­te das per­so­nell unab­hän­gi­ge schwe­di­sche Quintett zu sei­nem Namen.

    An der Besetzung fällt auf, dass alle fünf Musiker sowohl slag­verk als auch uku­le­le spie­len. Popmusik sieht zum Glück ganz anders aus. Laut Selbstbeschreibung spielt das Pingvinorkestern „popori­en­tier­te post­mo­der­ne Kammermusik mit humo­ri­sti­schen Untertönen“, was sich irgend­wie nach dem Original anhört, aber die­se Band hier ist anders, erin­nert sie mich doch viel mehr an die glo­rio­se Kammerrockband broken.heart.collector. Man möge aller­dings auch hier dar­auf ver­zich­ten, mit dem Genreetikettendrucker unvor­sich­tig zu han­tie­ren: Abwechslung muss sein!

    Dem Penguin Cafe Orchestra nicht unähn­lich sind immer­hin das Titelstück und „Stora moerdar­backen“, was immer das hei­ßen mag: RIO und instru­men­ta­le Klezmermusik fin­den hier wie selbst­ver­ständ­lich zuein­an­der. Bei „Stay“, „Free Fall“ und „Save Me“ han­delt es sich um beacht­li­chen Artpop mit Gesang, wobei ins­be­son­de­re letz­te­res Stück mit nach mei­nem unmaß­geb­li­chen Geschmack wun­der­schö­nem Chorgesang über­zeugt. Am kraft­vol­len und sti­li­stisch über­ra­schen­den Rockstück „Happy“ kann ich nur kri­ti­sie­ren, dass es mit unter zwei Minuten deut­lich zu kurz ist.

    Folk- und Countryfreunde wer­den womög­lich mit „Walk Slowly“ und „Honk“ höchst zufrie­den sein, unser­eins kommt zu einem ande­ren Zeitpunkt wie­der her­ein: „If You’re a Dreamer, Come In“ klingt mal wie­der so, wie es heißt: Die Band baut mit reich­lich Perkussion eine psy­che­de­li­sche, nahe­zu pink­floy­des­que Wunderwelt auf, aus der man am Ende mit einem Türklingeln auf­ge­schreckt wird. Humor? Oh ja.

    Reinhören: Stream und Kauf gibt es via Bandcamp.com.

  15. Cobra Family Picnic - Magnetic Anomaly

    Ein Album wie eine Mondlandung, das sich in die Reihe der Musikalben, die so hei­ßen, wie sie klin­gen, ganz gut ein­reiht, haben die fünf­ein­halb US-Amerikaner von Cobra Family Picnic im Mai 2017 her­vor­ge­bracht. Groovender, in den 1960er Jahren wur­zeln­der Spacerock mit elek­tro­ni­schem Flirren, schwe­ben­dem Gesang und hyp­no­ti­schem Bass, irgend­wo nahe Hawkwind einer- und Baby Woodrose ande­rer­seits ange­sie­delt, bestimmt die 38 bezie­hungs­wei­se (in der aus unkla­rem Grund etwas län­ge­ren CD-Fassung) 47 Minuten.

    „Magnetic Anomaly“ ist aller­dings auch ein Album der Gegensätze, was den drei Zwischenspielen namens „Interplanetary Travel“, die wohl eine Art Rahmenhandlung dar­stel­len sol­len, geschul­det ist, die, wie der ver­sier­te Mathematiker und/oder Informatiker weiß, fälsch­lich als „001“, „011“ und „111“ num­me­riert sind und ver­schie­den schwe­re Klanglandschaften abbil­den. In „Interplanetary Travel 011“ ertönt sogar Vogelgezwitscher, was im Weltraum gleich mehr­fach merk­wür­dig ist. Der Gesamtqualität von „Magnetic Anomaly“ scha­det die­se rüde Unterbrechung jedoch nur geringfügig.

    Der Schreiber die­ser Zeilen jeden­falls ver­brach­te die 47 Minuten Spielzeit von „Magnetic Anomaly“ völ­lig los­ge­löst von der Erde und emp­fiehlt, den nun ent­stan­de­nen Ohrwurm schnellst­mög­lich wie­der zu ver­ges­sen und sich statt­des­sen auf die Verstandesreise zu bege­ben, die „Magnetic Anomaly“ ist.

    Ganz famos.

    Reinhören: Ich schla­ge aber­mals Bandcamp.com vor, Amazon.de ist aber auch in Ordnung.

  16. Hibushibire - Freak Out Orgasm!

    „Alter!“

    Das war die erste Notiz, die ich beim Anspielen der vor­lie­gen­den Musik ver­schrift­licht habe, und wie­der­hol­te Leser mei­ner Texte neh­men ver­mut­lich zu Recht an, dass ich nicht ohne einen guten Grund dazu nei­ge, mei­ne Sprache alters­mä­ßig der­ma­ßen weit zurück­zu­dre­hen, aber es gibt tat­säch­lich musi­ka­li­sche Werke, denen eine sonst­wie erwach­se­ne Sprache nicht gerecht würde.

    Wenn ein Tonträger schon „Freak Out Orgasm!“ heißt, dann erwar­tet man meist ent­we­der eine Frank-Zappa-Reverenz oder anders­ar­tig total durch­ge­knall­ten Hörgenuss. Hier haben wir es mit Letzterem zu tun, was ich gut fin­de, weil ich total durch­ge­knall­te Hörgenüsse mag und Frank Zappa nicht.

    „Hibushibire“ heißt laut Quellen, deren Japanisch zumin­dest bes­ser ist als mei­nes, unge­fähr „Geheimnis der Taubheit“, was ich nicht ver­ste­he, weil ich bis­lang annahm, Geheimnisse sei­en nur dann als Geheimnisse qua­li­fi­ziert, wenn man sie nicht per Lautsprecherwagen durch rege wuseln­de Großstädte trans­por­tiert und sie über­dies mit „Achtung, hier kommt ein Geheimnis!“ anmo­de­riert, wobei das Japanische natür­lich eine der­ma­ßen hin­ter­sin­ni­ge Sprache ist, dass „Hibushibire“ in einem, glaubt man dem vir­tu­el­len Waschzettel zu „Freak Out Orgasm!“, alten japa­ni­schen Pornodialekt - ich fin­de es etwas scha­de, dass mir gera­de kein alter deut­scher Pornodialekt ein­fällt, von Sächsisch ein­mal abge­se­hen - auch „Ausrastorgasmus“, „freak out orgasm“ also, hei­ßen kann. Japaner sind merk­wür­dig. Die drei hier betei­lig­ten Musiker „hei­ßen“ Chang Chang, Ryu Matsumoto und 821, was ein so schö­ner Name ist, dass ich ernst­haft hof­fe, nie­mals eine Frau zu fin­den, die möch­te, dass ich ihrem Kind einen Namen gebe, denn sonst wird das Kind mich spä­ter has­sen, und bei „Freak Out Orgasm!“, fünf Jahre nach der Gründung des Trios ver­öf­fent­licht, han­delt es sich laut ver­schie­de­nen Quellen ent­we­der um das Debütalbum oder um den/die/das Debüt-EP der Gruppe, also noch nicht ein­mal ein rich­ti­ges Album, aber in einer Zeit, in der Musikalben ohne­hin kaum noch mehr als eine hal­be Stunde lang sein müs­sen, ins­be­son­de­re dann nicht, wenn es um irgend­wel­che Geldesel geht, die es zu mel­ken gilt, wes­halb wenig „Musik“ auf so vie­le sepa­ra­te Verkaufseinheiten ver­teilt wird wie es irgend­wie mög­lich ist, ohne dass die Schar der Anhänger all­zu schnell ver­är­gert ist und ihr Taschengeld nicht mehr her­aus­rückt, sind EPs von 39:18 Minuten Länge schon aus wirt­schaft­li­cher Sicht bemer­kens­wert. Wie lang das erste Vollzeitalbum wohl sein wird? Wie lang ist so eine japa­ni­sche Vollzeit?

    Die vier ent­hal­te­nen Stücke, angeb­lich an nur einem Tag auf­ge­nom­men, hei­ßen „Lucifer’s My Friend“ (die Krautrockband ähn­li­chen Namens ist an die­ser Stelle völ­lig egal), „Hallucination Valley Blues - Flying Shiva Attack - Hallucination Valley Blues (Reprise)“, „Trepanation Breakdown“ und „Deep Throat River Holy Mountain High“, wobei letz­te­res Stück mit fast 20 Minuten Länge eigent­lich zusam­men­ge­fasst schon völ­lig rei­chen wür­de, um jedem Leser die­ses Absatzes, der einen mit dem mei­nen ver­gleich­ba­ren musi­ka­li­schen Vogel hat, sozu­sa­gen die Ohren wäss­rig zu machen (oder wie heißt das, wenn man eif­ri­ge Lust auf etwas zum Hören statt etwas zum Essen bekommt?), wes­halb ich es jetzt noch­mals höre und davon erzäh­le, war­um mir dabei, um juve­nil zu blei­ben, voll einer abgeht: Weil es näm­lich den mit auf­ge­dreh­tem Lautstärkeregler gespiel­ten Stilmix aus psy­che­de­lisch fuz­zge­tränk­tem Bluesrock, japa­ni­scher Folkmusik und unge­zü­gel­tem RIO/Avant, der Hibushibires Debütwerk aus­macht, nicht bloß wie­der­holt, son­dern auf die Spitze treibt, indem näm­lich zunächst wie einst bei den Beatles fern­öst­li­che Klänge ertö­nen, den ein text­lo­ser Chor beglei­tet, dann eine ner­vö­se Gitarre über Bass und Schlagzeug soliert, bevor Gitarrist und Sänger Chang Chang in einer mir unbe­kann­ten Sprache so etwas wie Strophen zu den zuvor gehör­ten fern­öst­li­chen Klängen singt. Die effekt­ge­la­de­ne Gitarre walzt nach Abschluss die­ses Gesangsteils das sich auf­bäu­men­de und hek­tisch um sich schla­gen­de Schlagzeug mit schlich­ter Lautstärke sozu­sa­gen ein­fach platt. Sieben Minuten sind vor­über: Nach einem kur­zen Intermezzo wett­strei­ten die ent­fes­sel­ten Instrumente, per Studionachbearbeitung aber­mals um hier­zu­lan­de eher sel­ten anzu­tref­fen­de Instrumente wie Zurna und Santur erwei­tert, bis zur Klimax (Ohrgasmus eben) dar­um, wel­ches wohl das domi­nan­te blei­ben mag. Es folgt die Ruhe vor dem erneu­ten Sturm, ein Klangteppich mit Perkussion, von dem eine unbe­stimm­te Gefahr eben­so aus­zu­ge­hen scheint wie eine unbe­stimm­te Hoffnung, zu dem sich nach eini­ger Zeit wie­der der text­lo­se Chor gesellt. - Schnitt! Unbekannte Instrumente spie­len eine beru­hi­gend-hyp­no­ti­sche Melodie, deren Rhythmus man gera­de zu fin­den glaubt, als das gesam­te Instrumentalinventar ohne lan­ge Vorrede wie­der völ­lig durch­dreht und jeden Gedanken an eine Orientierung ver­ges­sen lässt. Wer braucht Takte, wenn er statt­des­sen auch den Verstand ver­lie­ren kann? Es bratzt und hupt und bret­tert und knat­tert herr­lichst und schein­bar ohne jeden Halt, bis plötz­lich das Schlagzeugmotiv völ­lig unbe­merkt wie­der eine Regelmäßigkeit ent­wickelt hat und die letz­te Strophe auf­grund der über­haupt nicht an etwas Zurückhaltung zu den­ken schei­nen­den Instrumente mehr geru­fen als gesun­gen wird. Dem an schließt sich ein ener­gie­ge­la­de­nes Hardrocksolo, das nur so lan­ge an Black Sabbath erin­nert, bis einem der Name die­ser Band wie­der ein­ge­fal­len ist, denn sofort zer­streut die Sprengung der Hardrockklischees mit­tels instru­men­ta­ler Eskalation die Irritation. „Deep Throat River Holy Mountain High“ endet mit einem Ausblenden der Melodie vom Anfang und ist laut Plattenfirma ein „reprä­sen­ta­ti­ves Lied“ von Hibushibire, das oft auf Konzerten gespielt wer­de. Ich emp­fin­de plötz­lich das unbe­ding­te Verlangen, mich davon eines Tages selbst zu über­zeu­gen, falls ich bis dahin mei­ne Sprache wie­der­ge­fun­den habe. Alter!

    Als Einflüsse nen­nen die Musiker unter ande­rem Can, Acid Mothers Temple und deren Nebenprojekte, King Crimson, Hawkwind und Träd, Gräs och Stenar. Wem das - wie mir - weder fremd noch unheim­lich ist, der wird mit „Freak Out Orgasm!“ auf eine fan­ta­sti­sche Weise voll auf sei­ne Kosten kommen.

    Reinhören: Videos, Stream und Kauf emp­feh­len sich über Bandcamp.com.

  17. Buffy Sainte-Marie - Medicine Songs
    „And now our histo­ry gets writ­ten in a liar’s scrawl“ (Bury My Heart at Wounded Knee)

    Zur Abwechslung haben wir es hier mit Musik zu tun, die älter ist als sie klingt: Buffy Sainte-Marie wur­de im Februar 1941 in einem kana­di­schen Reservat für Cree-Indianer gebo­ren und ist seit ihrer Kindheit musi­ka­lisch aktiv. In den 1960er Jahren hing sie, so will es die Legende, mit ande­ren jun­gen kana­di­schen Künstlern her­um, dar­un­ter Leonard Cohen, Neil Young und Joni Mitchell, die sie ver­mut­lich nicht unbe­ein­druckt lie­ßen. In den fol­gen­den Jahrzehnten schrieb Buffy Sainte-Marie man­ches Lied und ver­öf­fent­lich­te - mit einer sech­zehn­jäh­ri­gen Pause bis 1992 - man­ches Album. 2017 gesell­te sich „Medicine Songs“ hin­zu, auf dem sich auch Lieder befin­den, die von ihr schon vor Jahrzehnten erst­mals gespielt wur­den. Von einem blo­ßen kom­merz­ori­en­tier­ten „Best-of“-Album zu reden liegt mir aber fern.

    Buffy Sainte-Marie klingt wie eine india­ni­sche Rockversion von Joni Mitchell und/oder Joan Baez: Es gibt sitz­tanz­taug­li­che Folkmusik mit typisch india­ni­schen Gesängen, mal elek­tro­ni­scher („The War Racket“, „Power in the Blood“), mal aku­sti­scher, dyl­anes­que gar (etwa „Universal Soldier“ und „My Country ‚tis Of Thy People You’re Dying“, eine Art kana­di­sches Volkslied, das Buffy Sainte-Marie bereits 1966 auf­ge­nom­men hat­te); es gibt Schlager („Fallen Angels“ oder das für Menschen, die Amerika mit den USA gleich­set­zen, unge­wöhn­li­che „America The Beautiful“), aber auch mal Gitarrenrock („Bury My Heart at Wounded Knee“, „Generation“). Mitunter ähnelt das der Musik, die in Deutschland in den 70ern und frü­hen 80ern („Starwalker“) oder ein hal­bes Jahrzehnt spä­ter („The Priests of the Golden Bull“) in die Hitparaden geschos­sen wur­de („Pop“), aber für Radio klingt das viel zu prima.

    Zweifellos sind dem Radio Liedtexte in frem­den Sprachen auch egal (immer­hin spielt man dort auch gleich­gül­tig „Walk On The Wild Side“), sonst wäre Buffy Sainte-Marie für die öffent­li­che Wahrnehmung ver­mut­lich auch zu kri­tisch: Textlich befas­sen sich die „Medicine Songs“ wie auch der über­wie­gen­de übri­ge Teil des Gesamtwerks der Sängerin mit der Verständigung zwi­schen Indianern und dem wei­ßen Mann. Protestmusik eben - nur aus einer ande­ren Perspektive als der Westen das mög­li­cher­wei­se gewohnt ist. Jaja: Wer hört schon den Texten zu? Texte sind nur span­nend, wenn sie gegen den Richtigen gerich­tet sind. Trump. „Nazis“ und so. Aber doch nicht gegen uns!

    Ach, ach.

    Reinhören: Wie wär’s mit TIDAL?

    Keine Sorge, wir sind bald fer­tig. Ich fas­se mich jetzt ein wenig kür­zer, so viel Zeit haben wir ja alle nicht mehr.

  18. Yowie - Synchromysticism
    Yowie (allein der Name schon!) spie­len instru­men­ta­len Frickel-Shoegaze mit schweiß­trei­ben­dem Schlagzeugspiel, wovon es frag­los so man­chen Vertreter geben mag, wes­halb klei­ne Perlen wie die­se immer wie­der ein Leuchten her­vor­brin­gen, was ja gera­de im Winter nicht unwill­kom­men ist. Amazon.
  19. Godspeed You! Black Emperor - Luciferian Towers
    Die viel­köp­fi­ge kana­di­sche Postrockinstitution begrün­det mit Musik gewor­de­nem fran­zö­si­schem Kino zwi­schen Drama und Tierdokumentation auch in die­sem Jahr wie­der, war­um auf sie an lan­gen Winterabenden nicht ver­zich­tet wer­den soll­te. TIDAL.
  20. Mediabanda - Bombas en el aire
    Endlich mal Latinomusik, die zu gut ist, um bloß Telenovelas zu unter­ma­len, weil sie nicht nur ziem­lich gut abgeht, son­dern über­dies für Radiotauglichkeit deut­lich zu ambi­tio­niert ist, was sich nicht nur aus Prinzip, son­dern auch und gera­de beim Hören sehr ange­nehm aus­wirkt. Amazon.
  21. Kaiser Franz Josef - Make Rock Great Again
    Hardrock aus natür­lich Österreich, der sich bei AC/DC, den White Stripes und den Strokes eben­so bedient wie bei den ein­schlä­gi­gen Vertretern der absur­den Britpopwelle vor ein paar Jahren; was, frei­lich, eher wie 2007 als wie 2017 klingt, aber von die­sem 2007 kann es noch nicht genug geben. Amazon.
  22. Monolord - Rust
    Aus Schweden, Gegend der dunk­len Metalbands, stammt auch die dunk­le Doom-Metal-Band Monolord, deren aktu­el­les Album „Rust“ erst im September erschien und sich mit schlep­pen­den Rhythmen und viel­fa­cher Verzerrung exem­pla­risch für eine Vorführung als Antwort auf die gele­gent­lich zu stel­len­de Frage, was man an sol­cher Musik eigent­lich so gut fin­de, eig­net, denn die Mitwippwahrscheinlichkeit ist hier gen­re­ty­pisch bemer­kens­wert hoch. Bandcamp.
  23. Kettlespider - Kettlespider
    Auf ihrem zwei­ten, trotz­dem nach sich selbst benann­ten Studioalbum bril­liert das austra­li­sche Instrumentalquintett Kettlespider mit jazz­kom­pa­ti­blem, den­noch gitar­ren­fo­kus­sier­tem Progressive Rock, der in den ruhi­gen Momenten King Crimson, in den ener­ge­ti­sche­ren Rush nicht ein­fach kopiert, son­dern im Fluss aus bra­vou­rö­sen Rhythmen mit­zie­hen lässt. Bandcamp.
  24. In Search Of Sun - Virgin Funk Mother
    Dass ich Spaß an dem habe, was Jeavestone ein­mal recht tref­fend als „Prog’n’Roll“ beschrie­ben, bei Quatschjournalisten ver­mut­lich „Alternative Rock“ hie­ße und unge­fähr klingt wie hüp­fen­de, krumm­t­ak­ti­ge Sommerhits von Leuten, die ihr bevor­zug­tes Instrument noch selbst spie­len und nicht am Computer simu­lie­ren, bestä­ti­gen 2017 die Briten von In Search Of Sun, die mit ihrem „unge­stü­men Genre-Cocktail“ (Marco Götz, „METAL HAMMER“) auch an käl­ter wer­den­den Abenden eine gewis­se Freude an Bewegung auf­kom­men las­sen. Amazon.
  25. I Am the Manic Whale - Gathering the Waters
    Wer glaub­te, dass das Thema Retroprog in Yes’scher Tradition 2017 kei­ne gro­ße Rolle mehr spie­le, der unter­schätz­te die Begeisterung immer neu­er Musiker für die alten Meister, wie auch die vier Herren von I Am the Manic Whale, einer sehr schön hei­ßen­den bri­ti­schen Band mit aus­ge­wie­se­ner Freude an der Musik von Big Big Train, (den alten) Yes, Rush und Artverwandten, auf ihrem erfreu­li­chen Zweitling „Gathering the Waters“, der bei aller Siebzigerei frisch und knackig aus dem Kopfhörer schallt, berei­chernd bele­gen. Bandcamp.
  26. Pere Ubu - 20 Years in a Montana Missile Silo
    Auch nach 42 Jahren weiß die musi­ka­li­sche Konstante - inzwi­schen zum Nonett ange­wach­sen - die bewähr­te, aber nie­mals lang­wei­li­ge Verbindung aus Bluesrock, Rock’n’Roll und Avantgardesquem, die von Tom Waits bis Henry Cow eigent­lich bei­na­he alles, was eini­ger­ma­ßen, aber noch nicht über­trie­ben schräg ist, als hör­ba­ren Einfluss ver­eint, zu einem Genuss zu machen, was wohl auch an der wand­lungs­fä­hi­gen Stimme des letz­ten ver­blie­be­nen Bandgründers David Thomas lie­gen mag, des­sen Vokalkünste allein schon eine Kenntnisnahme emp­feh­len. Amazon.
  27. Lesser Men - Biding Time
    Die Musik auf „Biding Time“ ist im Kern melo­di­scher Brüllmetal zwi­schen Dream Theater, Tool und A Silver Mt. Zion („2305“), der die inne­re Verzweiflung des Hörers (lies: Verfassers die­ser kur­zen Rezension) aus­rei­chend anre­gen, dass er sich zum Mitbrüllen ani­miert fühlt, lei­der ken­ne ich aber den Text (und die Melodie) noch nicht gut genug, habe mir aber vor­ge­nom­men, das in näch­ster Zeit bei sich bie­ten­der Gelegenheit zu kor­ri­gie­ren. Bandcamp.
  28. Ufomammut - 8
    Das ziem­lich ita­lie­ni­sche, ziem­lich bär­ti­ge Stoner-Doom-Metal-Trio mit dem wohl­klin­gen­den Namen Ufomammut weiß auch nach acht­zehn Jahren Bandgeschichte auf ihrem aus acht Stücken bestehen­den ach­ten Studioalbum, der Einfachheit zugun­sten schlicht „8“ („Acht“) benannt, noch posi­ti­ve Überraschungen bereit­zu­hal­ten. Bandcamp.
  29. The Flying Eyes - Burning Of The Season
    The Flying Eyes prä­sen­tie­ren soli­den, moder­nen Rock’n’Roll mit ange­nehm bret­tern­der Gitarre, galop­pie­ren­dem Schlagzeug und gen­re­un­ty­pisch unpein­li­chem Gesang und sind eine wert­vol­le Ergänzung für den Plattenschrank jedes Musikfreundes, der fin­det, dass die­se Gitarrenbands heut­zu­ta­ge ins­ge­samt viel zu viel Popmusik machen. Bandcamp.
  30. Orpheus Nine - Transcendental Circus
    Das beste Transatlantic-Album des Jahres 2017 haben Orpheus Nine ver­öf­fent­licht: Retro-Prog mit deut­li­cher Canterburynote kann auch frisch und unpein­lich klin­gen - gern mehr davon. Bandcamp.

So! Was machen wir jetzt? Ah, rich­tig: Eine Rückschau auf fuff­zich Jahre Musikgeschichte. Das fällt mir jedes Mal ein biss­chen schwe­rer, weil der Abstand zwi­schen heu­te und vor 50 Jahren mir immer kür­zer vor­kommt. Alt zu wer­den ist anstren­gend, man möge es mir nicht nachmachen.

2. Alt und stark.

  • Vor 50 Jahren:

    Über 1967 muss man musi­ka­lisch nicht mehr vie­le Worte ver­lie­ren, denn das mei­ste (Beatles, Velvet Underground, Beach Boys) ist zur Genüge bekannt. Ansonsten geschah unter ande­rem dies: Im Fernsehen lief „Daktari“, die Musik zur Serie wur­de so beliebt wie die Serie selbst. Marvin Gaye erhol­te sich noch von dem Erfolg sei­ner Coverversion von „I Heard It Through the Grapevine“ und ließ erst ein­mal das zusam­men mit der jun­gen, aller­dings nicht mehr all­zu lan­ge leben­den Sängerin Tammi Terrell auf­ge­nom­me­ne Album United ver­öf­fent­li­chen. Der Schnulzensänger Neil Diamond nann­te sein zwei­tes, nicht all­zu übles Vollzeitalbum, auf dem die mei­sten Lieder, die man von ihm halt so kennt, drauf sind, „Just For You“, die Bee Gees ihr drit­tes irri­tie­ren­der­wei­se Bee Gees‘ 1st. Auch die Sängerin Nico, die 1966 im Film „Chelsea Girls“ mit­ge­spielt hat­te, begann im glei­chen Jahr mit Chelsea Girl ihre, wie ich fin­de, zu kur­ze Solokarriere, wäh­rend Leonard Cohen offen­bar gar nicht wuss­te, dass er noch bis 2016 eine Menge Musik machen wür­de, und sein eben­falls 1967 erschie­ne­nes Debütalbum schlicht Songs of Leonard Cohen nann­te. Lustig wäre es gewe­sen, hät­te er ein­fach jedes Album so genannt, denn es waren ja in der Regel alle­samt sei­ne Lieder. Dann eben nicht.

  • Vor 40 Jahren:

    1977, das Jahr des unter­ge­hen­den Progressive Rock, zer­rie­ben von Punk- und Discomusik? Fast! Die natür­lich bri­ti­sche Band England, die es seit weni­gen Jahren gab, zeig­te mit ihrem ersten und letz­ten regu­lä­ren Album Garden Shed noch ein­mal, dass es ein Fehler sein wür­de, Drei-Akkorde-Musik dem ele­gi­schen „Prog“ der spä­ten Sechziger vor­zu­zie­hen, ist damit jedoch lei­der nicht beson­ders weit gekom­men. Univers Zero debü­tier­ten mit 1313, Van der Graaf Generator kaschier­ten den Weggang von David Jackson und Hugh Banton, indem sie den Generator aus ihrem Namen stri­chen und mit dem Neumitglied Graham Smith an der Violine und dem Altbassisten Nic Potter das stim­mi­ge The Quiet Zone / The Pleasure Dome prä­sen­tier­ten. Peter Gabriel ver­ar­bei­te­te sei­nen Ausstieg bei der ner­vi­gen Inselband Genesis inzwi­schen, indem er mit dem lang­wei­lig benann­ten Album I sei­ne Solomöglichkeiten zu erfor­schen begann. Mit dem fünf­ten Album namens So (1986) hör­te er dann auch end­lich auf, sei­ne Alben ein­fach nur durchzunummerieren.

  • Vor 30 Jahren:

    Wer hat zwei Daumen und möch­te nicht mehr über die Unmusik der 1980er reden? - 1987 war selbst dort, wo einst Großes geschaf­fen wor­den war, so scheuß­lich wie erwar­tet: Yes wider­ten die Welt mit Big Generator an, Michael Jackson ver­ton­te sein Bad, selbst Marillions letz­tem Album mit dem fan­ta­sti­schen Sänger Fish namens Clutching at Straws wohn­te kein Zauber mehr inne. Aus der Deckung trau­te sich Enya, deren Debüt lei­der genau so hieß, jedoch mach­ten Pop Will Eat Itself (Box Frenzy) und Värttinä (Debütalbum Värttinä) Hoffnung, dass das nicht alles gewe­sen sein würde.

  • Vor 20 Jahren:

    Na also, es ging doch: Die ver­rück­ten Japaner Acid Mothers Temple & the Melting Paraiso U.F.O. ent­fern­ten 1997 den Genitivapostroph aus ihrem Bandnamen und ver­öf­fent­lich­ten drei Alben, Morphine über­zeug­ten auf dem erfolg­rei­chen Like Swimming noch ein­mal mit ihrem unver­gleich­li­chen jazz noir, die irgend­wie ähn­li­chen Tindersticks leg­ten das fei­ne Curtains vor. In Kanada ent­fal­te­ten sich Godspeed You! Black Emperor mit ihrem ersten Album F♯ A♯ ∞, das von zeit­ge­nös­si­scher Kritik für sei­ne, ver­gli­chen mit dem Rest der 1990er, bemer­kens­wer­te Schönheit gewür­digt wur­de, die schot­ti­schen - mehr oder weni­ger - Genrekollegen Mogwai debü­tier­ten mit Mogwai Young Team. Schönheit ist ja immer auch eine Frage der Relation: Die ein­sti­gen Anarchopunks Chumbawamba lan­de­ten mit Tubthumper und dem Quasi-Titellied „Tubthumping“ einen ärger­li­chen Welthit, hin­ter dem ihre übri­gen Werke zu Unrecht fast ver­schwan­den und heu­te so gut wie ver­ges­sen sind. Konsequent ver­öf­fent­lich­te eben­falls 1997 die eng­li­sche Band Blur, die so heißt wie das Geräusch, das man macht, wenn man sie hört, ihr fünf­tes Album, das so heißt wie das Geräusch, das man macht, wenn man es hört, näm­lich Blur.

  • Vor 10 Jahren:

    Ein neu­es Jahrtausend, eine neue Musik. „Neu“? Nun ja, es wur­de vie­les schon gesagt, nur noch nicht von jedem: Starcastle waren mit Song of Times wie­der zurück und mach­ten - wenn auch auf beacht­lich hohem Niveau - immer noch den Progressive Rock der 1970er nach, Rush spiel­ten auf Snakes & Arrows Musik, die nach Rush klingt, und Porcupine Tree, deren Frontmann Steven Wilson ich die Behauptung, es sei jede Musik schon gemacht wor­den, eigent­lich ent­lie­hen habe, setz­ten auf Nil Recurring ihren damals aktu­el­len Stil ein­fach fort. Mit Fornika sta­gnier­ten auch Die Fantastischen Vier, auf den fol­gen­den Alben ging es erschreckend schnell berg­ab. Wagemutiger zeig­te sich Nick Cave, des­sen gewal­ti­ge Noiserockband Grinderman 2007 ein­drucks­voll im Studio debü­tier­te, eben­so wie das Augsburger Postrockwunder Dear John Letter, des­sen hand­ge­kleb­te EP2007 auch heu­te noch, obwohl die Band längst Carpet heißt und mich lang­weilt, einen Ehrenplatz in mei­nem aus­ge­dünn­ten CD-Regal hat.

Durch? Durch! Die näch­ste Rückschau wird es, falls nichts dazwi­schen­kommt, etwa zur Halbzeit 2018 an die­ser Stelle geben. Ich hof­fe, 2018 wird in musi­ka­li­scher Hinsicht min­de­stens genau so inter­es­sant wie 2017 werden.

Nun bleibt es mir eigent­lich nur, mich bei allen Lesern für die Geduld, bis hier­hin gele­sen zu haben, zu bedan­ken und ihnen eine ertrag­rei­che Reise durch das hier Vorgestellte zu wün­schen. Wie immer bit­te ich um Ergänzung, soll­te ich ein inter­es­san­tes Album ver­ges­sen haben - ich rei­che es dann gege­be­nen­falls spä­ter nach.

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