ComputerIn den Nachrichten
Nachtrag zum #34c3: Fünfzehntausend Sailor Moons ver­sto­ßen gegen die Hackerethik.

Dieser Artikel ist Teil 5 von 14 der Serie Congresskrise(n)

Auf Twitter wur­de ich nach mei­nem Ablästern über den der­zeit voll abge­hen­den „Congress“, von dem Außenstehende vor allem mit­be­kom­men, dass Teilnehmer vie­le Bilder von bun­ten Lichtern auf Twitter hoch­la­den, als wäre mei­ne Vermutung, die mei­sten Besucher kämen nur dort­hin, um sich bun­te Lichter anzu­gucken, weil ihr Verständnis von Technik bei sol­chen bun­ten Lichtern bereits endet, gar nicht all­zu abwe­gig gewe­sen, ver­schie­den­fach ankla­gend gefragt, wie­so ich „Bengel“ (ebd.) mir denn die Behauptung erlau­be, dass die Anwesenden gar kei­ne Hacker sei­en, und ich „Opa“ sol­le doch bit­te „das Maul hal­ten“ (eben­falls ebd.), als sei­en die Linuxkasper mit den MacBooks heut­zu­ta­ge die neu­en Hacker und die alten Hacker sei­en kei­ne mehr.

Zur Definition von „Hacken“ soll­te ich, wur­de mir ent­ge­gen­ge­schleu­dert, doch bit­te mal im Duden nach­gucken, aber das war nicht sehr ergie­big, wes­halb ich mich im wei­te­ren Verlauf wie­der auf die Folklore stütz­te. Was einen Hacker zufol­ge die­ser Folklore vor allem aus­macht, ist neben dem krea­ti­ven Umgang mit Technik - Sozialarbeiter, ich wie­der­ho­le mich, sind eben kei­ne Hacker - auch und gera­de das Befolgen der Hackerethik, in der laut offi­zi­el­ler Verlautbarung des Chaos Computer Clubs unter ande­rem dies steht:

Beurteile einen Hacker nach dem, was er tut, und nicht nach übli­chen Kriterien wie Aussehen, Alter, Herkunft, Spezies, Geschlecht oder gesell­schaft­li­che Stellung.

Dies ist, wie regel­mä­ßi­ge Leser mei­ner Ausführungen zum „Congress“ genervt erken­nen soll­ten, eine ver­qua­ste Ausdrucksweise für Meritokratie: Kannste was, dann bis­te was, alle wei­te­ren Eigenschaften dei­ner Person sind dei­ne Privatangelegenheit. So weit, so pri­ma. Nun hat sich gestern ein groß­ar­ti­ger Troll auf Twitter dahin­ge­hend geäu­ßert, dass mit ihm „die Identitären“, die lamb­da­tra­gen­den Buhmänner irra­tio­na­ler „Linker“, auf dem „Congress“ zuge­gen sei­en. Hei, da war die Stimmung am Sieden: Die Genossen vor Ort mögen eine gute Jagd haben und die Nazis weg­klat­schen. „Hacker“, kom­mu­ni­zier­te man mir gegen­über, hät­ten sich ja schon immer gegen Mörder und Pack gestellt, was geschicht­lich natür­lich frag­wür­dig, im gege­be­nen Kontext aller­dings auch eine Antwort auf eine über­haupt nicht gestell­te Frage ist, denn der gei­sti­ge Sprung von „sym­pa­thi­siert mit Identitären“ zu „bringt Leute um“ ist doch schon einer, für den man ein ziem­lich schie­fes Weltbild haben muss. Hacker hat­ten schon immer ein schie­fes Weltbild.

Ich habe kei­ne Ahnung, was die­je­ni­gen, die nun gau­lan­des­que zum Wegklatschen von jeman­dem auf­ru­fen, des­sen ein­zi­ges Vergehen es sein soll, ihre poli­ti­schen Werte nicht zu tei­len, nun zu sein glau­ben - mit der Hackerethik jeden­falls kol­li­die­ren sie in einem wich­ti­gen Punkt: Werte tut man nicht, Werte hat man. Ein ver­nünf­ti­ger „Congress“ wür­de Verstöße gegen die Hackerethik mit einem Hausverbot ahn­den, aber einen ver­nünf­ti­gen „Congress“ sucht man vergebens.

Was zu bewei­sen war.


Nachtrag vom 30. Dezember 2017: Warum sind „Hacker“ auf einem „Congress“ eigent­lich immer so sehr von bun­ten Lichtern begei­stert? Na, wegen der Kopfschmerzen natürlich.

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Senfecke:

  1. Nun, die­se kogni­ti­ve Dissonanz löst sich ganz schnell: Meinungsfreiheit ist das ober­ste Gebot, aber Faschismus ist kei­ne Meinung, son­dern ein Verbrechen (und was Faschismus ist, ent­schei­den wir).

    Das hat ja auch durch­aus Tradition: „We hold the­se truths to be self-evi­dent, that all men are crea­ted equal, that they are endo­wed by their Creator with cer­tain unali­en­ab­le Rights, that among the­se are Life, Liberty and the pur­su­it of Happiness.“ - Das gilt uni­ver­sell, aber natür­lich nicht für Untermenschen, ist ja klar.

  2. #auf­schrei TL;DR Sie sind, mit Verlaub, ein Arschloch. Ein Leser mehr! Jehova! Jehova! FAIL! ERSTER! Was für ein sel­ten bescheu­er­ter Beitrag.

  3. Hätte man nicht war­ten kön­nen?! Ich mag Wurst. Hä? TL;DR Full ACK! Jehova! Jehova! Ein Leser mehr! Gefällt mir. OMG Was für ein sel­ten bescheu­er­ter Beitrag.

  4. > …die mei­sten Besucher kämen nur dort­hin, um sich bun­te Lichter anzugucken,

    Was habt Ihr gegen eine Flacker - LED, die
    mit „Alle mei­ne Entchen schwim­men auf dem See“ betrie­ben wird? ;-)

  5. Vlt soll­ten die hacker sich nach­stes Jahr ein­fach mal fern­hal­ten und schau­en was passiert?

  6. Musste lei­der auch schwer schlucken als ich auf dem 34c3 die­se häss­li­che Antifaflage sehen muss­te. Wäre mal eine Untersuchung wert seit wann der CCC von die­sen Linksfaschisten über­nom­men ist oder gera­de wird!? 8O

  7. Ich hät­te zu ger­ne einen Vortag von Markus Fiedler (real hacker?) über die Manipulation in der Wikipedia gehört und die dafür ver­an­wort­li­chen Netzwerke. Da wär das CCC Awareness-Team sicher zum Einsatz gekom­men. :aufsmaul:

  8. > …Hmm. Fiona wür­de in so ein Awarenessteam super passen…

    Als Haeckse oder als Fotografin?

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