ComputerIn den Nachrichten
Nachtrag zum #34c3: Fünfzehntausend Sailor Moons verstoßen gegen die Hackerethik.

Dieser Artikel ist Teil 5 von 9 der Serie Congresskrise(n)

Auf Twitter wurde ich nach meinem Ablästern über den derzeit voll abgehenden „Congress“, von dem Außenstehende vor allem mitbekommen, dass Teilnehmer viele Bilder von bunten Lichtern auf Twitter hochladen, als wäre meine Vermutung, die meisten Besucher kämen nur dorthin, um sich bunte Lichter anzugucken, weil ihr Verständnis von Technik bei solchen bunten Lichtern bereits endet, gar nicht allzu abwegig gewesen, verschiedenfach anklagend gefragt, wieso ich „Bengel“ (ebd.) mir denn die Behauptung erlaube, dass die Anwesenden gar keine Hacker seien, und ich „Opa“ solle doch bitte „das Maul halten“ (ebenfalls ebd.), als seien die Linuxkasper mit den MacBooks heutzutage die neuen Hacker und die alten Hacker seien keine mehr.

Zur Definition von „Hacken“ sollte ich, wurde mir entgegengeschleudert, doch bitte mal im Duden nachgucken, aber das war nicht sehr ergiebig, weshalb ich mich im weiteren Verlauf wieder auf die Folklore stützte. Was einen Hacker zufolge dieser Folklore vor allem ausmacht, ist neben dem kreativen Umgang mit Technik – Sozialarbeiter, ich wiederhole mich, sind eben keine Hacker – auch und gerade das Befolgen der Hackerethik, in der laut offizieller Verlautbarung des Chaos Computer Clubs unter anderem dies steht:

Beurteile einen Hacker nach dem, was er tut, und nicht nach üblichen Kriterien wie Aussehen, Alter, Herkunft, Spezies, Geschlecht oder gesellschaftliche Stellung.

Dies ist, wie regelmäßige Leser meiner Ausführungen zum „Congress“ genervt erkennen sollten, eine verquaste Ausdrucksweise für Meritokratie: Kannste was, dann biste was, alle weiteren Eigenschaften deiner Person sind deine Privatangelegenheit. So weit, so prima. Nun hat sich gestern ein großartiger Troll auf Twitter dahingehend geäußert, dass mit ihm „die Identitären“, die lambdatragenden Buhmänner irrationaler „Linker“, auf dem „Congress“ zugegen seien. Hei, da war die Stimmung am Sieden: Die Genossen vor Ort mögen eine gute Jagd haben und die Nazis wegklatschen. „Hacker“, kommunizierte man mir gegenüber, hätten sich ja schon immer gegen Mörder und Pack gestellt, was geschichtlich natürlich fragwürdig, im gegebenen Kontext allerdings auch eine Antwort auf eine überhaupt nicht gestellte Frage ist, denn der geistige Sprung von „sympathisiert mit Identitären“ zu „bringt Leute um“ ist doch schon einer, für den man ein ziemlich schiefes Weltbild haben muss. Hacker hatten schon immer ein schiefes Weltbild.

Ich habe keine Ahnung, was diejenigen, die nun gaulandesque zum Wegklatschen von jemandem aufrufen, dessen einziges Vergehen es sein soll, ihre politischen Werte nicht zu teilen, nun zu sein glauben – mit der Hackerethik jedenfalls kollidieren sie in einem wichtigen Punkt: Werte tut man nicht, Werte hat man. Ein vernünftiger „Congress“ würde Verstöße gegen die Hackerethik mit einem Hausverbot ahnden, aber einen vernünftigen „Congress“ sucht man vergebens.

Was zu beweisen war.


Nachtrag vom 30. Dezember 2017: Warum sind „Hacker“ auf einem „Congress“ eigentlich immer so sehr von bunten Lichtern begeistert? Na, wegen der Kopfschmerzen natürlich.

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Senfecke:

  1. Nun, diese kognitive Dissonanz löst sich ganz schnell: Meinungsfreiheit ist das oberste Gebot, aber Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen (und was Faschismus ist, entscheiden wir).

    Das hat ja auch durchaus Tradition: „We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.“ – Das gilt universell, aber natürlich nicht für Untermenschen, ist ja klar.

  2. #aufschrei TL;DR Sie sind, mit Verlaub, ein Arschloch. Ein Leser mehr! Jehova! Jehova! FAIL! ERSTER! Was für ein selten bescheuerter Beitrag.

  3. Hätte man nicht warten können?! Ich mag Wurst. Hä? TL;DR Full ACK! Jehova! Jehova! Ein Leser mehr! Gefällt mir. OMG Was für ein selten bescheuerter Beitrag.

  4. > …die meisten Besucher kämen nur dorthin, um sich bunte Lichter anzugucken,

    Was habt Ihr gegen eine Flacker – LED, die
    mit „Alle meine Entchen schwimmen auf dem See“ betrieben wird? ;-)

  5. Musste leider auch schwer schlucken als ich auf dem 34c3 diese hässliche Antifaflage sehen musste. Wäre mal eine Untersuchung wert seit wann der CCC von diesen Linksfaschisten übernommen ist oder gerade wird!? 8O

  6. Ich hätte zu gerne einen Vortag von Markus Fiedler (real hacker?) über die Manipulation in der Wikipedia gehört und die dafür veranwortlichen Netzwerke. Da wär das CCC Awareness-Team sicher zum Einsatz gekommen. :aufsmaul:

  7. > …Hmm. Fiona würde in so ein Awarenessteam super passen…

    Als Haeckse oder als Fotografin?

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