Nerdkrams
Öde Events: Es droht der #35c3.

Dieser Artikel ist Teil 6 von 14 der Serie Congresskrise(n)

Nur noch weni­ge Wochen bis zum näch­sten Gewaltexzess in Leipzig: Auch in die­sem Jahr fin­det wie­der ein „Chaos Communication Congress“ statt, tra­di­tio­nell ein Treffen aller­lei bun­ter Figuren; selbst Demonstranten, die wünsch­ten, „Merkel“ sol­le „weg“, tra­gen noch Jahre spä­ter stolz Shirts vom „Congress“. Man wird sehen, ob „Ahkahkah“ (medi­al dümm­li­cher Spitzname für Annegret Kramp-Karrenbauer) von den­sel­ben Menschen hin­sicht­lich ihres Wegmüssens auf­ge­klärt wer­den wird. Ich wür­de mir ja wün­schen, dass auch der eher links­ge­rich­te­te Block auf sol­chen Demonstrationen mal mit „Congress“-Klamotten statt im iden­ti­tä­ren Einheitsschwarz auf­läuft. Das wäre wit­zig, wenn die dann ein­an­der vermöbeln.

Sie haben ja auch nichts gelernt, sie haben noch immer wenig Interesse dar­an, Menschen, die den Unterschied zwi­schen „Linux instal­lie­ren“ und „Hacker sein“ ver­ste­hen, einen Mehrwert zu bie­ten, der über ein paar mäßig inter­es­san­te Videos, die man spä­ter zu Hause durch­skip­pen kann und danach ent­we­der genervt oder gelang­weilt ist, hin­aus­geht. In der Liste der „Events“ - Vorträge wäre wohl ein furcht­bar trocke­nes Wort dafür, dass auf der Bühne ein Ödling mit einem MacBook steht und mit einem schreck­li­chen Akzent, denn die Vereinsmeier mögen lie­ber gebro­chen eng­li­sches Genuschel als über­zeu­gend vor­ge­tra­ge­ne Beiträge in einer flüs­sig gespro­che­nen Sprache, PDFs vor­liest - ste­hen ohne­hin wie­der ein­mal ein paar Beispiele für schlech­ten Geschmack und vor allem gei­sti­ge Distanz von der Hackerethik. Es soll­te mich kaum wun­dern, blie­be der Saal, in dem die­se erklärt wird, weit­ge­hend leer.

Ich könn­te mich jetzt posi­tiv dazu äußern, dass es auf dem dies­jäh­ri­gen „Congress“ ein paar Vorträge („Events“, argh) geben wird, die beru­hi­gend viel mit dem zu tun haben, was mich ursprüng­lich mal zum CCC geführt hat­te, näm­lich dies­mal tat­säch­lich alle in „Science“ und „Security“, aber das wäre erstens nicht beson­ders inter­es­sant zu lesen und zwei­tens wur­den auch dies­mal die ande­ren tracks, vor allem „Ethics, Society & Politics“, mit Dingen voll­ge­macht, die mit an Sicherheit gren­zen­der Wahrscheinlichkeit nicht nur wei­te­ren schö­nen „Science“- und „Security“-Vorträgen den Platz weg­neh­men, son­dern auch eine Gruppe von Menschen anzieht, die sich mit mei­nem Sodbrennen bestens verstehen.

Bereits am Donnerstag, dem 27. Dezember, erläu­tert Caro Keller das Selbstverständnis derer, die sich dort frei­wil­lig einfinden:

Das zu lei­sten ist unse­re Aufgabe: die Aufgabe der Gesellschaft, die Aufgabe einer anti­fa­schi­sti­schen und anti­ras­si­sti­schen Linken.

NSU hier, AfD da, auch Nico Semsrott darf über den „Rechtsruck“, bekannt­lich sein ein­zi­ges Thema, dozie­ren. Biste nicht „links“ genug, bis­te kei­ner von uns. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie die dies­jäh­ri­ge Nomenklatur deut­scher Qualitätsmedien auf­ge­stellt ist, aber ich fürch­te, ein Trinkspiel mit dem Wort „Hackerkongress“ wäre auch die­ses Jahr wie­der töd­lich. Nüchtern ertra­gen das Elend aber nicht ein­mal die Teilnehmer selbst, was immer­hin erklärt, war­um in den letz­ten Jahren auf der Seite „Dating“ im Congresswiki, auf der es grund­sätz­lich nicht nur ums Ficken, son­dern um jede Art von Suchen und Finden geht („Hacker sucht Hardware“, „Hacker sucht Software“, „Hacker sucht Hacker“ und so wei­ter), der Abschnitt für wil­li­ge Drogenkäufer (33C3, 34C3, älte­re Seiten wur­den bereits aus Datenschutzgründen gelöscht) immer unter den voll­sten war. Vortragen wer­den daher auch die Organisatoren der sau­dum­men Aktion „AfD weg­bas­sen“, die mit ihrem Auftritt die Hoffnung ver­bin­den, „ein ande­res, viel­leicht gar neu­es Level von Aktivismus zu errei­chen“. Welche Art von Geräuschen wohl die näch­ste sein wird, mit der sie Politik besin­gen werden?

Es soll jetzt nicht der Eindruck ent­ste­hen, dass es auf dem „Congress“ bloß um „die Rechten“ gehen soll, denn immer­hin sind die treue­sten Besucher weder Hacker noch lin­ke „Chaoten“ (so nennt Annegret Kramp-Karrenbauer die­je­ni­gen ver­ach­tens­wer­ten Arschlöcher, die im Protest gegen das böse Geld Dinge in Hamburg ange­zün­det haben), son­dern Vertreter jener Gruppe, deren Geschlecht einen ICD-10-Code hat und über die bei Novo im September 2018 stand:

Die zu LSBTI*QA mutier­te – ja ent­grenz­te – Formel mar­kiert nicht mehr ein poli­ti­sches, son­dern ein iden­ti­tä­res Programm, das nicht mehr nach Politiken, nach Rechten und Rechtslagen fragt, son­dern nach Einverständnis mit einer Welt, in der die Geschlechter sich auf­lö­sen, nur noch als Konstruierte schei­nen – und alles abge­lehnt wird, was irgend­wie schlicht und ergrei­fend hete­ro­se­xu­ell oder homo­se­xu­ell sich äußert.

Schon wie­der Identitäre! Dieser Rechtsruck ist nicht auf­zu­hal­ten, ich erwar­te stünd­lich Berichte über orga­ni­sier­te Antifa-Kaffeefahrten zwecks Eierwurfs auf die Leipziger Messe. - Keine Sorge, die Geschlechtspolizei kommt auch zu Wort: Zunächst darf Anne Roth über „digi­ta­le Gewalt“ reden, was nicht bedeu­tet, dass man ein­an­der spit­ze Bits an den Kopf wirft, son­dern für digi­ta­le Entsprechungen (Bingo!) von „Stalking, Kontrolle, Bedrohung, Erpressung, Beleidigung, Überwachung“ steht. Was hat das mit dem Geschlecht zu tun? Nun, Anne Roth wäre nicht Anne Roth, wenn sie all­ge­mein etwas gegen „digi­ta­le Gewalt“ ein­zu­wen­den hät­te: Es geht nur um digi­ta­le Gewalt gegen Frauen. Diese Einschränkung muss sein, alles ande­re wäre nicht inklu­siv, neh­me ich an. Wenn ich jetzt schrei­be, was ich davon hal­te, tau­che ich in dem Vortrag bestimmt als schlech­tes Beispiel auf. Am Folgetag talkt Sophie Hiltner dar­über, dass Männer und Frauen ver­schie­de­ne Körper haben, was in der Medizin sehr wich­tig sei, will das aber anschei­nend mit der Behauptung ver­bin­den, dass ein gen­der als sozia­les Geschlecht trotz­dem exi­stie­re. Ich bin unsi­cher, was ich davon hal­ten soll, gucke mir also nach dem Vortrag lie­ber erst mal die Reaktionen auf Twitter an.

Vielleicht wird er auch am Abend schon the­ma­ti­siert, denn dann fin­det eine Podiumsdiskussion über „femi­ni­sti­sche Perspektiven“ statt, in der ver­schie­de­ne Initiativen, Frauen in der Technikbranche zu empowern, Reklame für sich machen dür­fen. Jeder Hacker weiß: Wenn es auch nur eine ein­zi­ge Eigenschaft ande­rer Technikaffiner gibt, die von größ­ter Bedeutung ist, dann ist es ihr Geschlecht. Bloß nicht nach dem Können gehen, immer schön das Geschlecht - oder, noch bes­ser für den Ruf, die Geschlechter - in den Vordergrund stel­len. Zu blöd für ele­men­ta­res Schaltungsverständnis sein, aber schon mit­tags 72 Geschlechter gehabt haben. Empowerment!

„B.Rant“ hat­te Recht, die Kinder des „Congresses“ sind am Heranwachsen und anschei­nend gera­de in der Pubertät. Es wäre denk­bar, ihnen, wäh­rend ech­te Hacker tagen, irgend­wo in Leipzig ein Bällebad auf­zu­bau­en oder ihnen gar eine ganz eige­ne Halle zu mie­ten, in der sie vier Tage lang Hassparolen gegen „die Nazis“, „die Männer“ und gute Musik grö­len kön­nen, statt sich wei­ter unter Wissenschaftler und Sicherheitsforscher zu mischen. Wenn das nur am Geld schei­tert, wäre ich sogar zu einer Spende bereit. - Vielleicht soll­ten wir um den „Congress“ aber auch ein­fach einen Schutzwall errich­ten. Und Mexiko wird dafür bezahlen.


Nachtrag vom 28. Dezember 2018: Auch wei­ter­hin besteht sei­tens der Veranstalter kein Interesse an der Durchsetzung der Hackerethik.

Seriennavigation« Nachtrag zum #34c3: Fünfzehntausend Sailor Moons ver­sto­ßen gegen die Hackerethik.Nachtrag zum #35c3: Wahrheit ist rechts, Parteien sind gut. »

Senfecke:

  1. Was für ein sel­ten bescheu­er­ter Beitrag. Ich ver­ste­he nicht, was Du eigent­lich sagen willst.

  2. Ich spa­re mir ja seit Jahren immer Urlaub dafür auf. Um dann nicht hin­zu­ge­hen und was schö­nes mit mei­ner Familie zu machen …

  3. Die grü­ne Jugend mastur­biert gegen Nahtsis. Der Kongress wichst (so als Anlehnung an ‚der Kongress tanzt).

  4. Ob du es glaubst oder nicht, die Teilnahme am Kongress ist kom­plett frei­wil­lig. Und wenn du etwas über Rechnersicherheit und Wissenschaft ler­nen willst, gibt es auch ande­re bes­se­re Konferenzen. Aber das Niveau wäre wahr­schein­lich zu hoch für dich und du könn­test des­we­gen auch kei­ne Blogartikel dar­über schreiben.

      • Keiner zwingt jeman­den, dei­ne Artikel zu lesen, aber du bie­test eine Kommentarfunktion an, also darf sie wohl genutzt wer­den. Wenn du das nicht willst, dann kannst du sie deak­ti­vie­ren. Wenn du nicht willst, dass Leute dei­ne Artikel lesen, dann musst du kei­ne schreiben.

        • Ebenso impli­ziert nie­mand, dass ich am Congress teil­neh­men müss­te. Wenn du nicht willst, dass ich mich drü­ber auf­re­ge, mach den Congress halt weni­ger scheiße.

          • Habe ich doch geschrie­ben, dass es frei­wil­lig ist. Und mit dem Congress habe ich wenig zu tun. Keine Ahnung wie du dar­auf kommst, dass ich in irgend einer Weise dafür ver­ant­wort­lich wäre.

            Es scheint mir so, dass dir ein wenig Liebe und Anerkennung im Leben fehlt.

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