Nerdkrams
Öde Events: Es droht der #35c3.

Dieser Artikel ist Teil 7 von 20 der Serie Congresskrise(n)

Nur noch wenige Wochen bis zum näch­sten Gewal­texzess in Leipzig: Auch in diesem Jahr find­et wieder ein “Chaos Com­mu­ni­ca­tion Con­gress” statt, tra­di­tionell ein Tre­f­fen aller­lei bunter Fig­uren; selb­st Demon­stran­ten, die wün­scht­en, “Merkel” solle “weg”, tra­gen noch Jahre später stolz Shirts vom “Con­gress”. Man wird sehen, ob “Ahkahkah” (medi­al dümm­lich­er Spitz­name für Annegret Kramp-Kar­ren­bauer) von densel­ben Men­schen hin­sichtlich ihres Weg­müssens aufgek­lärt wer­den wird. Ich würde mir ja wün­schen, dass auch der eher links­gerichtete Block auf solchen Demon­stra­tio­nen mal mit “Congress”-Klamotten statt im iden­titären Ein­heitss­chwarz aufläuft. Das wäre witzig, wenn die dann einan­der ver­mö­beln.

Sie haben ja auch nichts gel­ernt, sie haben noch immer wenig Inter­esse daran, Men­schen, die den Unter­schied zwis­chen “Lin­ux instal­lieren” und “Hack­er sein” ver­ste­hen, einen Mehrw­ert zu bieten, der über ein paar mäßig inter­es­sante Videos, die man später zu Hause durch­skip­pen kann und danach entwed­er gen­ervt oder gelang­weilt ist, hin­aus­ge­ht. In der Liste der “Events”Vorträge wäre wohl ein furcht­bar trock­enes Wort dafür, dass auf der Bühne ein Ödling mit einem Mac­Book ste­ht und mit einem schreck­lichen Akzent, denn die Vere­ins­meier mögen lieber gebrochen englis­ches Genuschel als überzeu­gend vor­ge­tra­gene Beiträge in ein­er flüs­sig gesproch­enen Sprache, PDFs vor­li­est — ste­hen ohne­hin wieder ein­mal ein paar Beispiele für schlecht­en Geschmack und vor allem geistige Dis­tanz von der Hack­erethik. Es sollte mich kaum wun­dern, bliebe der Saal, in dem diese erk­lärt wird, weit­ge­hend leer.

Ich kön­nte mich jet­zt pos­i­tiv dazu äußern, dass es auf dem diesjähri­gen “Con­gress” ein paar Vorträge (“Events”, argh) geben wird, die beruhi­gend viel mit dem zu tun haben, was mich ursprünglich mal zum CCC geführt hat­te, näm­lich dies­mal tat­säch­lich alle in “Sci­ence” und “Secu­ri­ty”, aber das wäre erstens nicht beson­ders inter­es­sant zu lesen und zweit­ens wur­den auch dies­mal die anderen tracks, vor allem “Ethics, Soci­ety & Pol­i­tics”, mit Din­gen voll­gemacht, die mit an Sicher­heit gren­zen­der Wahrschein­lichkeit nicht nur weit­eren schö­nen “Sci­ence”- und “Security”-Vorträgen den Platz weg­nehmen, son­dern auch eine Gruppe von Men­schen anzieht, die sich mit meinem Sod­bren­nen bestens ver­ste­hen.

Bere­its am Don­ner­stag, dem 27. Dezem­ber, erläutert Caro Keller das Selb­stver­ständ­nis der­er, die sich dort frei­willig ein­find­en:

Das zu leis­ten ist unsere Auf­gabe: die Auf­gabe der Gesellschaft, die Auf­gabe ein­er antifaschis­tis­chen und anti­ras­sis­tis­chen Linken.

NSU hier, AfD da, auch Nico Sem­srott darf über den “Recht­sruck”, bekan­ntlich sein einziges The­ma, dozieren. Biste nicht “links” genug, biste kein­er von uns. Ich bin mir nicht ganz sich­er, wie die diesjährige Nomen­klatur deutsch­er Qual­itätsme­di­en aufgestellt ist, aber ich fürchte, ein Trinkspiel mit dem Wort “Hack­erkongress” wäre auch dieses Jahr wieder tödlich. Nüchtern ertra­gen das Elend aber nicht ein­mal die Teil­nehmer selb­st, was immer­hin erk­lärt, warum in den let­zten Jahren auf der Seite “Dat­ing” im Con­gress­wi­ki, auf der es grund­sät­zlich nicht nur ums Fick­en, son­dern um jede Art von Suchen und Find­en geht (“Hack­er sucht Hard­ware”, “Hack­er sucht Soft­ware”, “Hack­er sucht Hack­er” und so weit­er), der Abschnitt für willige Dro­genkäufer (33C3, 34C3, ältere Seit­en wur­den bere­its aus Daten­schutz­grün­den gelöscht) immer unter den voll­sten war. Vor­tra­gen wer­den daher auch die Organ­isatoren der saudum­men Aktion “AfD weg­bassen”, die mit ihrem Auftritt die Hoff­nung verbinden, “ein anderes, vielle­icht gar neues Lev­el von Aktivis­mus zu erre­ichen”. Welche Art von Geräuschen wohl die näch­ste sein wird, mit der sie Poli­tik besin­gen wer­den?

Es soll jet­zt nicht der Ein­druck entste­hen, dass es auf dem “Con­gress” bloß um “die Recht­en” gehen soll, denn immer­hin sind die treuesten Besuch­er wed­er Hack­er noch linke “Chaoten” (so nen­nt Annegret Kramp-Kar­ren­bauer diejeni­gen ver­acht­enswerten Arschlöch­er, die im Protest gegen das böse Geld Dinge in Ham­burg angezün­det haben), son­dern Vertreter jen­er Gruppe, deren Geschlecht einen ICD-10-Code hat und über die bei Novo im Sep­tem­ber 2018 stand:

Die zu LSBTI*QA mutierte – ja ent­gren­zte – Formel markiert nicht mehr ein poli­tis­ches, son­dern ein iden­titäres Pro­gramm, das nicht mehr nach Poli­tiken, nach Recht­en und Recht­sla­gen fragt, son­dern nach Ein­ver­ständ­nis mit ein­er Welt, in der die Geschlechter sich auflösen, nur noch als Kon­stru­ierte scheinen – und alles abgelehnt wird, was irgend­wie schlicht und ergreifend het­ero­sex­uell oder homo­sex­uell sich äußert.

Schon wieder Iden­titäre! Dieser Recht­sruck ist nicht aufzuhal­ten, ich erwarte stündlich Berichte über organ­isierte Antifa-Kaf­feefahrten zwecks Eier­wurfs auf die Leipziger Messe. — Keine Sorge, die Geschlecht­spolizei kommt auch zu Wort: Zunächst darf Anne Roth über “dig­i­tale Gewalt” reden, was nicht bedeutet, dass man einan­der spitze Bits an den Kopf wirft, son­dern für dig­i­tale Entsprechun­gen (Bin­go!) von “Stalk­ing, Kon­trolle, Bedro­hung, Erpres­sung, Belei­di­gung, Überwachung” ste­ht. Was hat das mit dem Geschlecht zu tun? Nun, Anne Roth wäre nicht Anne Roth, wenn sie all­ge­mein etwas gegen “dig­i­tale Gewalt” einzuwen­den hätte: Es geht nur um dig­i­tale Gewalt gegen Frauen. Diese Ein­schränkung muss sein, alles andere wäre nicht inklu­siv, nehme ich an. Wenn ich jet­zt schreibe, was ich davon halte, tauche ich in dem Vor­trag bes­timmt als schlecht­es Beispiel auf. Am Fol­ge­tag talkt Sophie Hilt­ner darüber, dass Män­ner und Frauen ver­schiedene Kör­p­er haben, was in der Medi­zin sehr wichtig sei, will das aber anscheinend mit der Behaup­tung verbinden, dass ein gen­der als soziales Geschlecht trotz­dem existiere. Ich bin unsich­er, was ich davon hal­ten soll, gucke mir also nach dem Vor­trag lieber erst mal die Reak­tio­nen auf Twit­ter an.

Vielle­icht wird er auch am Abend schon the­ma­tisiert, denn dann find­et eine Podi­ums­diskus­sion über “fem­i­nis­tis­che Per­spek­tiv­en” statt, in der ver­schiedene Ini­tia­tiv­en, Frauen in der Tech­nikbranche zu empow­ern, Reklame für sich machen dür­fen. Jed­er Hack­er weiß: Wenn es auch nur eine einzige Eigen­schaft ander­er Tech­nikaffin­er gibt, die von größter Bedeu­tung ist, dann ist es ihr Geschlecht. Bloß nicht nach dem Kön­nen gehen, immer schön das Geschlecht — oder, noch bess­er für den Ruf, die Geschlechter — in den Vorder­grund stellen. Zu blöd für ele­mentares Schal­tungsver­ständ­nis sein, aber schon mit­tags 72 Geschlechter gehabt haben. Empow­er­ment!

“B.Rant” hat­te Recht, die Kinder des “Con­gress­es” sind am Her­anwach­sen und anscheinend ger­ade in der Pubertät. Es wäre denkbar, ihnen, während echte Hack­er tagen, irgend­wo in Leipzig ein Bälle­bad aufzubauen oder ihnen gar eine ganz eigene Halle zu mieten, in der sie vier Tage lang Has­s­parolen gegen “die Nazis”, “die Män­ner” und gute Musik grölen kön­nen, statt sich weit­er unter Wis­senschaftler und Sicher­heits­forsch­er zu mis­chen. Wenn das nur am Geld scheit­ert, wäre ich sog­ar zu ein­er Spende bere­it. — Vielle­icht soll­ten wir um den “Con­gress” aber auch ein­fach einen Schutzwall erricht­en. Und Mexiko wird dafür bezahlen.


Nach­trag vom 28. Dezem­ber 2018: Auch weit­er­hin beste­ht seit­ens der Ver­anstal­ter kein Inter­esse an der Durch­set­zung der Hack­erethik.

Congresskrise(n)

Nach­trag zum #34c3: Fün­fzehn­tausend Sailor Moons ver­stoßen gegen die Hack­erethik. Nach­trag zum #35c3: Wahrheit ist rechts, Parteien sind gut.

Senfecke:

  1. Was für ein sel­ten bescheuert­er Beitrag. Ich ver­ste­he nicht, was Du eigentlich sagen willst.

  2. Ich spare mir ja seit Jahren immer Urlaub dafür auf. Um dann nicht hinzuge­hen und was schönes mit mein­er Fam­i­lie zu machen …

  3. Die grüne Jugend mas­tur­biert gegen Naht­sis. Der Kongress wichst (so als Anlehnung an ‘der Kongress tanzt).

  4. Ob du es glaub­st oder nicht, die Teil­nahme am Kongress ist kom­plett frei­willig. Und wenn du etwas über Rech­n­er­sicher­heit und Wis­senschaft ler­nen willst, gibt es auch andere bessere Kon­feren­zen. Aber das Niveau wäre wahrschein­lich zu hoch für dich und du kön­ntest deswe­gen auch keine Blog­a­r­tikel darüber schreiben.

      • Kein­er zwingt jeman­den, deine Artikel zu lesen, aber du bietest eine Kom­men­tar­funk­tion an, also darf sie wohl genutzt wer­den. Wenn du das nicht willst, dann kannst du sie deak­tivieren. Wenn du nicht willst, dass Leute deine Artikel lesen, dann musst du keine schreiben.

        • Eben­so impliziert nie­mand, dass ich am Con­gress teil­nehmen müsste. Wenn du nicht willst, dass ich mich drüber aufrege, mach den Con­gress halt weniger scheiße.

          • Habe ich doch geschrieben, dass es frei­willig ist. Und mit dem Con­gress habe ich wenig zu tun. Keine Ahnung wie du darauf kommst, dass ich in irgend ein­er Weise dafür ver­ant­wortlich wäre.

            Es scheint mir so, dass dir ein wenig Liebe und Anerken­nung im Leben fehlt.

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