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Mehr AfD dank weniger Jazz

Wenn am morgigen Sonntag die AfD, ob nun mit oder ohne Hühnerkostüme, in Berlin für ihr Wahlprogramm demonstriert, wird diese gebeutelte Stadt es noch schwerer haben als sowieso schon, denn über sie wird eine Horde bizarr gekleideter Krawalltouristen mit erkennbar niedrigem Bildungsstand und erschreckend rückständigem Musikgeschmack herfallen.

Unter dem bemerkenswert behämmerten Motto „AfD wegbassen“ nämlich rufen zahlreiche Berliner Tanzschuppen mit Ausnahme des „Berghains“ („außer das Berghain“, radebrechte Julia Kopatzki in den Online-„Tagesspiegel“ hinein) dazu auf, unter Zuhilfenahme von Geräuschen, die schon vor Jahrzehnten aus der Mode gekommen sind, Ausgrenzung und Intoleranz gegenüber politischen Minderheiten weiter voranzutreiben.

Der Protest soll laut, aber friedlich sein. „(…) Wir sind progressiv, queer, feministisch, antirassistisch, inklusiv, bunt und haben Einhörner“, schreiben die Veranstalter[.] (…) Statt in dunklen Clubs sollen alle Tanzwütigen und -wütenden ihre Afterhour nach Mitte verlegen, los geht es um 12 Uhr am Potsdamer Platz, und dann wird lautstark durch die Innenstadt getanzt.

„Die Demo-Veranstalter“, steht ferner im Text, „rechnen mit mehr als 10.000 Musikfans am Sonntag“, lassen jedoch offen, wieso sie das für eine gute Idee halten: Ein „Musikfan“, der sich zwischen einer dumpfen Bumsmusik- und einer AfD-Demonstration entscheiden müsste, wählte fraglos letztere. Wenn Einhörner und Gewackel zu dumpfer Bumsmusik jedoch schon alles sind, was die Berliner Queerenszene (als sei die sexuelle Ausrichtung jemals als positive Eigenschaft zu gebrauchen!) dem ängstlichen Zorn einer sich politisierenden Menge entgegenzusetzen weiß, dann sollte es mich nicht im Mindesten wundern, wenn bis dahin politisch agnostische Anwohner noch am gleichen Tag gleichfalls tanzwütend, nämlich wütend über die Tänzer, in die AfD eintreten, denn anscheinend ist eine Mitgliedschaft in der AfD ein sichtbares Zeichen des Protests gegen schlechte Musik, was ein ehrenwertes und unbedingt zu unterstützendes Anliegen ist.

Mit Jazz wäre das nicht passiert.

Senfecke:

  1. Dann könnten die Anderen das ja auch als Stilmittel nutzen. Z. B. Wagner. Ich vermute aber, ein AFD-Jazzfestival wird es dort auch nicht geben. Und wie war das noch mit den 50 €?

  2. Ich habe auf Seiten der AfD demonstriert (aber kaum gebrüllt) und mich mit The Mars Volta und Bachs Mondscheinsonate eingestimmt. So etwas läuft hier aber eh jeden Morgen.

    Passt das?

:) 
:D 
:( 
:o 
8O 
:? 
8) 
:lol: 
:x 
:aufsmaul: 
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