KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Tony Con­rad & Faust – Out­side the Dream Syn­di­ca­te

Tony Conrad & Faust - Outside the Dream SyndicateLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Im Jahr 1963 ent­stand, wie auf­merk­sa­me Leser längst wis­sen, in den USA das von La Mon­te Young geführ­te Theat­re of Eter­nal Music, ein Kol­lek­tiv von Musi­kern, das mini­ma­li­sti­sche Kom­po­si­tio­nen dar­bot. Drei ihrer Auf­nah­men wur­den spä­ter in der Rei­he „Insi­de the Dream Syn­di­ca­te“, über­wie­gend unter dem Namen John Cales, der eben­falls ein Mit­glied des „Thea­tres“ war, her­aus­ge­bracht.

Eini­ge der „Theatre“-Musiker, dar­un­ter Tony Con­rad und John Cale, spiel­ten ab 1964 außer­dem mit dem Stu­dio­mu­si­ker und Lied­schrei­ber Lou Reed in wech­seln­der Beset­zung und unter ver­schie­de­nen Namen zusam­men. In Tony Con­rads ehe­ma­li­ger Woh­nung fan­den Mit­glie­der der Grup­pe, die inzwi­schen aus John Cale, Ster­ling Mor­ri­son, Angus MacLi­se und Lou Reed bestand, spä­ter das Buch „The Vel­vet Under­ground“ von Micha­el Leigh und nann­ten sel­bi­ge anschlie­ßend so. Tony Con­rad selbst wand­te sich statt­des­sen dem Film zu.

Der Pro­du­zent der deut­schen Avant­gar­de­band Faust, Uwe Net­tel­beck, zeig­te jedoch Inter­es­se an sei­ner bis dahin her­vor­ge­brach­ten Musik und lud ihn nach Ham­burg ein, um gemein­sam mit Faust etwas auf­zu­neh­men. So ent­stand 1972 „Out­side the Dream Syn­di­ca­te“ (Amazon.de, TIDAL), das bis heu­te in ver­schie­de­nen Ver­sio­nen ver­öf­fent­licht und aus­zugs­wei­se 1995 auch live gespielt wur­de.

Zu hören ist natür­lich mini­ma­li­sti­sche Musik, die weit über das hin­aus­geht, was vie­le ver­mut­lich unter „mini­mal“ ver­ste­hen wür­den. Im ersten Stück („From the Side of Man and Woman­kind“, auf der CD von 1993 zusätz­lich in einer alter­na­ti­ven, etwas kür­ze­ren Ver­si­on als „The Side Of Woman And Man­kind“ zu hören) ver­ur­sacht Tony Con­rads Vio­li­ne Dro­nes zu ein­fach­stem Rhyth­mus­fun­da­ment (hier von „Zap­pi“ Dier­mai­er, der abwech­selnd auf Becken und Bas­strom­mel schlägt, und Jean-Her­vé Péron, der fort­wäh­rend den glei­chen Ton auf dem Bass spielt, errich­tet), das sich kaum merk­lich ver­än­dert. Das Stück dau­ert 27 Minu­ten. Das kann sehr lang sein, ist aber durch­aus loh­nens­wert.

Tony Con­rad with Faust – From the Side of Man and Woman­kind (1973) HQ

Etwas mehr pas­siert danach („From the Side of the Machi­ne“): Hyp­no­ti­sche, jedoch vari­ie­ren­de Per­kus­si­on unter­mau­ert aber­mals sich zum Ende hin merk­lich ver­dich­ten­de Gei­gen­dro­nes, mit­ge­tra­gen vom Bass, der auch mal mehr als nur eine Note her­vor­brin­gen darf. Ist das noch Mini­ma­lis­mus? Im Hin­ter­grund erzeugt ein Syn­the­si­zer (Rudolf Sosna) aller­lei Geräu­sche. Aus Sicht der Maschi­ne ist anschei­nend mehr los. Auch die­ser Teil belegt eine gan­ze LP-Sei­te.

The Side of the Machi­ne

Und er ist, wie ich fin­de, jede Minu­te wert. Musi­ka­li­sche Ent­schleu­ni­gung – war­um nicht öfter? :ja:

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Senfecke:

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