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Musik 12/2014 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 14 von 23 der Serie Jahresrückblick

2015? Da war doch was? Mir war, als hät­te ich etwas ver­ges­sen. Nein, ver­ges­sen wohl nicht, aber es gibt tat­säch­lich noch etwas aus dem Vorjahr zu ver­mel­den, näm­lich den zwei­ten Teil der Liste der wun­der­voll­sten Musikalben von 2014. Auch, wenn dies­mal nicht noch in letz­ter Minute neue Alben dazu­ge­kom­men sind, da ich mir genug Zeit genom­men hat­te, erhebt natür­lich auch die­se Liste nicht den Anspruch auf Vollständigkeit; schon weil mit Bent Knees Debütalbum ein fre­ne­tisch gefei­er­tes Album fehlt, was nicht dar­an läge, dass es schlecht ist (es ist gut), son­dern schlicht dar­an, dass die Band stu­dio­sei­tig weit unter ihren Möglichkeiten agiert. Eine Konzert-DVD wäre willkommen.

Draußen blei­ben muss­ten über­dies Heino („Schwarz blüht der Enzian“) und Unheilig aus Qualitätsgründen, im Gegenzug ver­zich­te­te ich auf die Mehrfachnennung der bereits anders­wo von mir gewür­dig­ten neu­en Alben von Boris, Margin und den Fantastischen Vieren. Das ziem­lich gute „Goodnight Civilization“ von Zu muss lei­der eben­falls feh­len - als EP gelingt ihm das Hineinmogeln in die­se Liste dies­mal nicht.

Nichtsdestoweniger schlie­ße ich nicht aus, auch schlicht etwas ver­ges­sen zu haben. Euch fehlt ein rele­van­tes Album? Kommentiert’s hier gern unten drunter!

Auf die Plätze, fertig, …

1. Los!

  1. Cosmograf - Capacitor
    „When I go through this door / I can’t take any more“ (The Reaper’s Song)

    Den Anfang macht bedroh­li­ches Grollen. Cosmograf - das sind kei­ne Normannen - las­sen sich Zeit.

    Der nach Spacerock klin­gen­de Bandname ist kein Zufall, aber Multiinstrumentalist Robin Armstrong hat für das aktu­el­le Album sei­nes Soloprojekts Cosmograf neben sei­nen bewähr­ten Weggefährten Nick D’Virgilio (Schlagzeug, sonst bei Big Big Train und zuvor auch Spock’s Beard) und Steve Dunn (Bass, Also Eden) auch Unterstützung von Colin Edwin (Bass, Porcupine Tree), Nick Beggs (Bass, Steven Wilson und Lifesigns) sowie Matt Stevens (Gitarre, The Fierce And The Dead) erhal­ten; zudem ist Andy Tillison (The Tangent, Parallel or 90 Degrees) in „The Drover“ an den Keyboards zu hören; die­ses Personal wirkt sich natür­lich dar­auf aus, wohin die musi­ka­li­sche Reise geht.

    Laut Eigenbeschreibung der Band ist sie „ver­wur­zelt im Classic Rock der 1970er mit einem zeit­ge­mä­ßen und pro­gres­si­ven twist, jedoch ist auch hier nicht vom aber­dut­zend­sten Genesis-Klon aus­zu­ge­hen, dafür ist es dann doch zu modern. Vielmehr deu­tet alles in Richtung der eher elek­tro­ni­schen Seite des New Artrocks. Porcupine Tree und Spock’s Beard klin­gen stets mit.

    Apropos Genesis: Vor Phil-Collins-Gesang muss man sich hier nicht fürch­ten, viel­mehr über­wiegt das gespro­che­ne Wort; auch dann, wenn ein Stück einen Titel wie „The Reaper’s Song“ trägt, des­sen lyrics neben­bei das gute alte „I Am The Walrus“ der Beatles (Waiting for the train to come) in Erinnerung rufen. Von wegen Unheilig - der Cosmograf ist besser.

    Damit wäre die Messlatte für Wortspiele im Übrigen dann auch mal gesetzt.

    Hörproben: Per Bandcamp.com gibt’s Stream und Kaufdownload, eine CD- oder Vinylversion indes scheint momen­tan nicht zu existieren.

  2. CHROMB! - „II“

    CHROMB! Gesundheit! Franzosen, natür­lich. Das Wort scheint nur als Eigenname zu exi­stie­ren und ist damit erfreu­li­cher­wei­se unüber­setz­bar. CHROMB! haben sich bereits Abende mit Bands wie James Chance & The Contortions und den Landsleuten von Magma geteilt. Das sind gute Voraussetzungen.

    Mit „II“ - die Anführungszeichen gehö­ren offen­bar zum Titel - liegt nun das zwei­te Album der Combo vor. (Für eif­ri­ge Leser: Ratet mal, wie das erste hieß.) Dass es gar nicht nach Magma klingt und die Zeuhl-Anleihen sich trotz des kam­mer­mu­si­ka­li­schen Beginns auf allen­falls kur­ze Momente („La Saulce“ ent­hält sol­che Momente) beschrän­ken, stört nur wenig.

    Die Keyboards von Camille Durieux sind hier domi­nant. Gitarre? Gibt es nicht, brau­chen wir nicht. Das klingt bunt, das klingt so:

    Da wer­den mun­ter Klassik-Rock-Einlagen mit Jazz, RIO und sogar Pop (gele­gent­lich sind Disco-Rhythmen zu hören) ver­mengt, alles frei­lich in einer kom­plett über­dreh­ten Variante und prak­tisch durch­weg auf Speed. Hämmerndes Klavier, quiet­schi­ge Synthies, rum­peln­der Bass, furio­ses Schlagzeug und trö­ti­ges Saxophon (kei­ne Gitarre!) prä­gen die Musik, die bestän­di­ge Kapriolen schlägt, mun­ter von einem Stil zum ande­ren springt.

    Franzosen. Schon selt­sam manchmal.

    Hörproben: Das Quartett ist auf Bandcamp prä­sent; dies­mal gibt es auch CD und Vinyl zu kaufen.

  3. iamt­he­morning - Belighted
    „How come that I still brea­the?“ (The Howler)

    Auch selt­sam manch­mal: Russen. iamt­he­morning sind für regel­mä­ßi­ge Leser inzwi­schen alte Bekannte, erst im Juli 2014 war „Miscellany“ als Kurzzeitalbum eine Empfehlung wert. Ich kün­dig­te zu die­sem Anlass an:

    Pünktlich am 1. Januar 2014 erschien die­se EP von etwas über 23 Minuten Spieldauer in Vorbereitung auf das zwei­te Vollzeitalbum, das ich dann mal in mei­nem schier gren­zen­lo­sen Optimismus noch in die­sem Jahr erwarte.

    Seitdem haben sich in unse­rem Verhältnis zu Russland eini­ge Änderungen erge­ben, was als Rache für t.A.T.u. nicht mehr ganz so gro­tesk über­zo­gen scheint.

    Aber hier soll’s nicht um schreck­li­chen Pop, son­dern um pri­ma sphä­ri­schen Artrock gehen. iamt­he­morning legen nun immer­hin seit über einem Jahr Musik von gleich­blei­bend hoher Qualität vor, was ande­re nicht mal für die Dauer eines ein­zi­gen Albums schaf­fen. Nun also „Belighted“. Soll noch einer sagen, das klin­ge alles gleich; mehr denn je zuvor grei­fen iamt­he­morning zum Wechsel zwi­schen sanf­tem Windsäuseln und ker­ni­gem Rock. Manchmal aller­dings kommt es einem doch spa­nisch vor, wenn iamt­he­morning etwa an Flamenco erin­nern­de Rhythmen in ihre eige­ne Klangwelt ein­we­ben wie in einen viel zu wert­vol­len Teppich. Man greift nach neu­en Welten und doch auf sei­nem Pfad.

    Die „eclip­sed“ wuss­te im Oktober zu mutmaßen:

    Mit „Belighted“ gehen die rus­si­schen Artrocker iamt­he­morning einer strah­len­den Zukunft entgegen

    Das, frei­lich, nur, wenn der Zeitgeist begei­stert bleibt. Daran indes zweif­le ich nicht im Geringsten.

    Hörproben: Hören und sich hübsch ver­packt nach Hause lie­fern las­sen kann man „Belighted“ zum Beispiel auf Bandcamp.

  4. Acid Mothers Temple & The Melting Paraiso U.F.O. - Astrorgasm From The Inner Space

    Wiederum beschwing­ter geht es beim japa­ni­schen Acid Mothers Temple zur Sache. Acid Mothers Temple haben in den dem­nächst zwan­zig Jahren ihres Bestehens in ver­schie­de­nen Besetzungen bis­lang ins­ge­samt 72 Studio- und 34 Livealben sowie diver­se EPs und son­sti­ge Veröffentlichungen ein­ge­spielt, machen das hier also nicht zum ersten Mal. Dass ich sie trotz­dem bis­her völ­lig igno­riert habe, ist allein mein Verschulden. Offensichtlich habe ich dabei sowie­so etwas Großes verpasst.

    Überwiegend ist die Band um den Gitarristen und Sänger Kawabata Makoto dabei unter dem Namen Acid Mothers Temple & the Melting Paraiso U.F.O. aktiv, arbei­tet aber auch mit Krautrockbands wie Guru Guru (Acid Mothers Guru Guru) und Artverwandten wie Gong (Acid Mothers Gong) zusam­men. Im Allgemeinen spielt sie dabei Space- und Psychedelic Rock mit gele­gent­li­chem „Heavy“-Einschlag. Die Studioalben tra­gen mit­un­ter die Popkultur refe­ren­zie­ren­de Titel wie „41st Century Splendid Man“ (2002), „Son of a Bitches Brew“ (2012) und „Absolutely Freak Out (Zap Your Mind!!)“ (2001), die so gut wie nie auch nur annä­hernd nach den refe­ren­zier­ten Alben klin­gen. Dies nur als Einführung. Seid ihr schon ver­wirrt? Dann hört lie­ber gar nicht erst rein.

    Diesmal trägt das Album zumin­dest einen Titel, der andeu­tet, wohin die - tat­säch­lich - Reise führt. Krautrock, Kammerprog und Spacerock sind aus­zu­ma­chen, mit­un­ter, etwa am Ende von „Pleasure Mantra of Sorrows“, wird es auch ambi­ent­ar­tig. Von wel­chem der vie­len Alben titels „irgend­was from Outer Space“ der „Astrorgasmus“ abge­lei­tet ist, konn­te ich aller­dings nicht herausfinden.

    Erfreulicherweise wer­den die Texte von einer gewis­sen Frau Cotton Casino nicht stöh­nend dekla­miert, son­dern tat­säch­lich gen­re­üb­lich geflü­stert oder wie damals innen Sechzigern zu Gitarrenbegleitung sau­ber ein­ge­sun­gen („Dark Star Blues“). Übrigens ist auch so ein Liedtitel nicht aus­sa­ge­kräf­tig, der „Dark Star Blues“ ist näm­lich eigent­lich gar kei­ner, son­dern viel­mehr ein Psychedelic-/Spacerock-Lied mit frei dre­hen­dem Ende (Vibravoid-Fans: auf­ge­merkt!). Ähnliches gilt indes auch für die übri­gen drei Stücke, wenn­gleich der Gesang oft völ­lig in den Hintergrund tritt. Zwischen etwa 16 und fast 20 Minuten lie­gen die jewei­li­gen Spieldauern, die mit vie­ler­lei elek­tro­ni­schem Zirpen ange­rei­chert wer­den, und das nicht nur in „Kiss in the Tangerine Dream House“.

    Gute Überleitung eigent­lich: Anfang 2015 ver­starb über­ra­schend Edgar Froese, mit Tangerine Dream einer der Pioniere der deut­schen Krautrock-Szene. Vielleicht wür­de er, wenn er ein ver­rück­ter Japaner gewe­sen wäre, heu­te so ähn­lich klin­gen. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so wich­tig, denn in jedem Fall ist das, was die Musiker hier ertö­nen las­sen, ein Fest für die Ohren.

    Sozusagen ein Ohrgasmus.

    Hörproben: Der „Dark Star Blues“ auf YouTube ist ein emp­feh­lens­wer­ter Einstieg in die­ses Album.

  5. Camera - Remember I Was Carbon Dioxide
    „We collec­ted the white stones and split them into boxes“ (To the Inside)

    Apropos Spacerock.

    Als ich die­ses Album zum ersten Mal gehört hat­te und davon erzähl­te, wur­de ich mit der über­rasch­ten wie über­ra­schen­den Entgegnung kon­fron­tiert, ich höre dann wohl Hipstermusik. Mit Hipstermusik hat­te ich bis dahin nur Loungejazz und irgend­wel­chen Indie-Blödsinn in Verbindung gebracht, nicht aber Musik wie die von Camera. Als ich erleich­tert fest­ge­stellt hat­te, dass mir weder Schal noch Jutebeutel gewach­sen waren, beschloss ich die­ses Album in die­se Liste aufzunehmen.

    Camera klingt ja zunächst wie ein Bandname aus den ver­rock­ten 70-ern, ver­birgt aber ein jun­ges Berliner Trio, das 2014 mit „Remember I Was Carbon Dioxide“ erst sein zwei­tes Album vor­ge­legt hat. Michael Rother (ehe­mals Kraftwerk), so heißt es, war posi­tiv über­rascht und dräng­te nach dem Debüt von 2012 auf Zusammenarbeit, aber so sehr nach Autobahn und Model klingt es gar nicht. Die drei Herren - nebst Gastmusikern, dar­un­ter eine Sängerin - prä­sen­tie­ren viel­mehr einen schnör­kel­lo­sen, dafür her­aus­ra­gen­den Krautrock der Marke Neu! und Amon Düül II, ange­rei­chert mit noch wei­ter rei­chen­der kos­mi­scher Musik sowie einer Dosis The Fall.

    Über wei­te Strecken instru­men­tal, aber immer fes­selnd kommt die­se höchst hörens­wer­te Mischung aus dem Kopfhörer. Man setzt auf Entspannung, ist sich aber auch für eine gele­gent­li­che Portion Gitarrenfeedback („Vortices“) nicht zu scha­de. Das ver­mag zu gefallen.

    Das letz­te Stück („Hallraum“) und damit das Album endet übri­gens mit Plätschern. Nicht, dass noch jemand in den Klangwelten ertrinkt: Dieses Album ist ein Rettungsboot. Frauen und Kinder dür­fen auch mit­fah­ren. Volle Kraft voraus.

    Hörproben: Schnipsel gibt es auf Amazon.de, das gan­ze Album zum Beispiel per WiMP.

  6. Cast - Arsis

    Nach so viel Weltraum dann doch mal wie­der etwas Erdiges zur Reinigung, zur Katharsis gleichermaßen.

    Religiös wol­len wir nun aber nicht mehr wer­den, statt­des­sen geht’s zum Mexikaner. Es gibt eine US-ame­ri­ka­ni­sche Band namens Arsis, die ver­meint­lich melo­di­schen Metal spielt. Damit haben Cast - der Ziege sei’s gedankt - indes nichts am Hut.

    Das Klaviersolo, das das Album eröff­net, mag den Metalfan aller­dings noch hof­fen las­sen, instru­men­ta­les under­state­ment ist ein belieb­tes Stilmittel in ein­schlä­gi­gen Kreisen. Die nach­ein­an­der ein­set­zen­den Musiker an Schlagzeug und Bass sowie die hard­rocken­de Gitarre machen eine Genredistanzierung nicht leicht, wenn man was auf Genres gibt. Das Internet spricht von „Retro-Prog“ und ver­gleicht „Arsis“ mit Musik der Flower Kings, aber so lang­wei­lig ist es nun wahr­lich nicht.

    Wir haben es mit einem Dreiteiler („La Iliada“, 30:13 Minuten; „The Old Travel Book“, 9:10 Minuten; „El Puente“, 18:32 Minuten) zu tun, wie üblich auf­ge­teilt in ein­zel­ne „Kapitel“. Man neigt zunächst dazu, sich an eine folk­be­ein­fluss­te Variante von Rush erin­nert zu füh­len, die ja ihrer­seits ihren fei­nen Hardrock oft als „Prog“ eti­ket­tiert sehen müs­sen. Gesungen wird anfangs nicht viel, was dem Kenner gefällt, denn wie auch Italienisch ist die spa­ni­sche Sprache kei­ne sanf­te, Gesang in ihr ist oft ein eher nega­ti­ver Faktor beim Musikgenuss. Erst in „Old Travel Book“ wird Sänger Bobby Vidales aktiv, zunächst auf Englisch, in „El Puente“ schließ­lich doch noch auf Spanisch. Zwar klingt es etwas gepresst, aber auf irgend­ei­ne Weise doch in posi­ti­ver Weise einmalig.

    Hervorzuheben sei exem­pla­risch ins­be­son­de­re das letz­te Kapitel „Valle de los Sueños“, das von einem von text­lo­sem Gesang (Lupita Acuna könn­te man sich auch mal mer­ken) beglei­te­ten New-Artrock-Teil in - oh doch - gitar­ren­fi­xier­ten Progressive Metal über­geht, der über­dies der­art abgeht, dass man ihn gar nicht mit­be­kommt und plötz­lich - das Album dau­ert ja nach Einsetzen die­ses Stücks nicht mehr lan­ge - über­ra­schend ver­misst; ein über­ra­schen­des, aber wür­di­ges Ende für ein gutes Album.

    Hörproben: Zu „El Puente“ gibt es einen Live-Videoclip auf YouTube. Er ist gut.

  7. Heisskalt - Vom Stehen und Fallen
    „Ihr habt es nicht anders gewollt“ („Nicht anders gewollt“)

    Mir wird heiß und kalt: Heisskalt ist ein Bandname wie aus der düste­ren Mädchengothicszene (Eisbrecher, Eisblume, Unheilig), dahin­ter ver­birgt sich indes eine reiz­vol­le Mischung aus Surrogat’schem Deutschrock und der Nachdenklichkeit von Sport, gesang­lich dar­ge­bo­ten mit einer Intensität, die wahl­wei­se von Ira! oder (oder?) The Hirsch Effekt aus­ge­lie­hen sein könn­te; bezie­hungs­wei­se:

    Mal laut, mal lei­se sto­chern wahl­wei­se clea­ne oder noi­sig ange­crunch­te Gitarren auf brü­chi­gem Terrain. Entsteht ein Loch, bricht die Hölle los. Plötzlich wird geschrien, statt gere­det, wäh­rend sich schep­pernd pro­du­zier­tes Lo-Fi-Chaos aus­brei­tet, das jedem Freund har­mo­ni­scher Klänge den Angstschweiß auf die Stirn treibt. (…) Heisskalt machen ihrem Bandnamen alle Ehre. Hier gibt es kaum Grauzonen. Entweder es brennt lich­ter­loh oder es zwängt sich eine Schicht aus Eis durch die Boxen.

    Ich mag Wermut, des­we­gen benut­ze ich das Wort „Wermutstropfen“ nicht beson­ders häu­fig, aber einen sol­chen (im wie auch immer nega­ti­ven Sinne) gibt es schon: Heisskalt gehö­ren zu Sony. Böse Plattenfirma, Kunden ver­ach­ten­de Scheißkerle, aber das Album ist es dann doch bei­na­he wert. Die vier Stuttgarter, wenn­gleich nicht voll­ends fan­ta­stisch, lie­fern zumin­dest ein fan­ta­sti­sches Debütalbum ab, das deut­sche Bands der­art klas­se schon viel zu lan­ge nicht mehr hin­be­kom­men haben.

    Zumal: „So lan­ge der Club nicht vol­ler ist als wir“ („Alles gut“), also Feiern. Kopf in Nick- und Beine in Zappelstellung und los geht’s. Paady, Bitsch. Alles gut?

    Hörproben: Amazon.de ist halb­mi­nü­tig hilf­reich, bei WiMP gibt’s einen Komplettstream.

  8. Alternative 4 - The Obscurants

    Etwas Entspannung nach so viel Rockmusik kann nicht scha­den. „The Obscurants“, das - wie so oft in die­sem Jahr - zwei­te Studioalbum von Alternative 4, eig­net sich dafür ziem­lich gut.

    Alternative 4, wohl ohne jeden Bezug zur AfD, ist ein bri­ti­sches Trio, deren Gründer Duncan Patterson sich vor­her bei Anathema, Antimatter und Íon einen Namen gemacht hat­te, ent­spre­chend klingt „The Obscurants“ nach einer ent­schleu­nig­ten Version von Anathema, was wie­der­um passt, denn Letztere haben 1998, in dem Jahr der Trennung von Duncan Patterson, ein Album namens „Alternative 4“ ver­öf­fent­li­chen las­sen, womit sich der Kreis schließt.

    Sänger Simon Flatley erin­nert mich stimm­lich an aus­ge­rech­net Campino in den schreck­li­chen Balladen der Toten Hosen, was hier erstaun­lich gut passt und klingt, dar­über­hin­aus wird aber fein­ste kla­vier­la­sti­ge Musik zwi­schen Ambient und Alternative prä­sen­tiert. Mit Rauheit wird gegeizt. Geil.

    Alternative 4 zau­bern (…) ein wun­der­vol­les Album, das (…) in sei­ner Gesamtheit dem gewill­ten Hörer wun­der­schö­ne Momente berei­ten kann.

    Wer die Gutelaunemusik der wei­ter oben genann­ten Projekte mag und auch auf „The Obscurants“ erwar­tet, der wird beim Genuss ver­mut­lich ent­täuscht wer­den. Den unvor­ein­ge­nom­me­nen Hörer erwar­tet eine ange­neh­me Überraschung.

    Hörproben: Amazon.de hält sich lei­der ein wenig zurück, WiMP jedoch bie­tet das kom­plet­te Album als Stream an.

  9. Aranis - Made in Belgium II
    „Das Einzige, was ich mir noch wün­sche / ist, so frei zu sein wie ein tol­les [Wiehern]“ (Tolles pferd)

    Völlig anders klin­gen wie­der­um Aranis. Aranis aus - ihr ahnt es - Belgien neh­men seit eini­gen Jahren Musik auf, die ein biss­chen nach Jazz klingt, aber eigent­lich gar kein Jazz ist. Üblicherweise wird das, was auf die­sem zwei­ten install­ment von „Made in Belgium“ zu hören ist, als „Kammerrock“ eti­ket­tiert, aber so genau neh­men wir es hier ja sowie­so nicht mit den Genres.

    Ich höre jeden­falls diver­se Streicher, ein Klavier, wenig Gesang. Klassik-Rock ganz ohne Geschepper. Freunde von Univers Zéro und Eclipse Sol-Air kom­men hier glei­cher­ma­ßen auf ihre Kosten. Wer dar­über hin­aus auf die Texte ach­tet, dem begeg­net hier sogar klas­si­sches deut­sches Liedgut:

    Nein, ich möch­te kein Eisbär sein!

    „Tolles pferd“ heißt das Stück und klingt mit deut­li­chem bel­gi­schem Akzent noch ulki­ger als sowie­so. Nicht, dass sie nicht auch ernst­haft könn­ten! Gesang wird außer­halb die­ses Stücks näm­lich tat­säch­lich rar gemacht und nicht ver­misst. Er ver­sperrt bei aller Komik doch nur den Blick auf’s Wesentliche, näm­lich die Arrangements; die man dann auch für sich spre­chen las­sen möge. Ein Album für den Ohrensessel, mit Kennerblick und einem fei­nen Whiskey genossen.

    Hörproben: Per Bandcamp.com gibt’s „Made in Belgium II“ zum Hören und Kaufen.

  10. Aviator - Head in the Clouds, Hands in the Dirt
    „This isn’t what we signed up for.“ (Dig Your Own Grave (and Save))

    So sehr ich - regel­mä­ßi­ge Leser wis­sen das - auch auf Schönklang bedacht bin: Manchmal über­kommt auch den Freund gedie­ge­ner Klänge der drin­gen­de Wunsch nach dem Rausschreien des Weltschmerzes; oder des Rausschreienlassens, denn das lässt die Stimmbänder ent­spannt. „Head in the Clouds, HandsiIn the Dirt“ der Band Aviator scheint prä­de­sti­niert, die­se Rolle zu übernehmen.

    Aviator (weder die Pop- noch die Progressive-Rock-Band glei­chen Namens) ist laut Eigenbeschreibung eine „emo­tio­nal hard­core band“ aus Boston, Massachusetts, also irgend­was mit Emocore. Mag ja sein. A year’s worth of memo­ries poi­so­ning every dream („Head Noise“). Vertonter Aber: Genres sind Wischiwaschi.

    Wie’s mir eben auch gera­de jetzt nicht dar­um geht, die­ses Album theo­re­tisch zu beschrei­ben. Die Gefühle zur Musik ken­nen kein Aber. Axtmusik, Herzmusik, Zerschmettermusik, wie’s beliebt.

    Always thought Aviator should get more atten­ti­on. Das wäre dann erledigt.

    Hörproben: Auf YouTube musi­zie­ren die Herren sogar sicht­bar; Audiostream und -kauf gibt’s per Bandcamp.com.

2. Fast ohne Worte.

  1. Univers Zéro - Phosphorescent Dreams

    Die Belgier von Univers Zéro sind auch im brut­to 40. Jahr ihres Bestehens, wohl nicht zuletzt begün­stigt vom sich dre­hen­den Personalkarussell, noch immer nicht müde, hoch­klas­si­gen instru­men­ta­len Kammerprog (man­che mögen’s RIO nen­nen) auf­zu­neh­men; sehr schön, sehr rhyth­misch, sehr hörenswert.

  2. Pavees Dance - There’s Always the Night

    Auf die­sem halb­stün­di­gen Album, auf dem auch Malcolm Mooney (ehe­mals Can) end­lich wie­der ein­mal sin­gend zu hören ist, ver­mengt das Projekt Pavees Dance um den Schlagzeuger Sean Noonan aller­lei Stile von Weltmusik bis Psychedelic Rock zu einem famo­sen Jazzfunk-Werk, wie es 2014 lei­der nur viel zu sel­ten zu fin­den war.

  3. Electric Orange - Volume 10

    Wie bereits 2003 erfreu­en Electric Orange den Hörer mit krau­ti­gem Psychedelic Rock. Geändert hat sich seit­dem nur der Schlagzeuger, der jetzt Georg Monheim heißt, anson­sten ist die­ses (tat­säch­lich) zehn­te Studioalbum gewohn­te Kost - und das ist posi­tiv gemeint. Augen zu und eingetaucht.

  4. Scott Walker + Sunn O))) - Soused

    Vor eini­ger Zeit tra­fen Sunn O))), ihres Zeichens US-ame­ri­ka­ni­sche Drone-Doom-Musiker von Weltruhm, sich mit dem ähn­lich bekann­ten, aber mit einem gänz­lich ande­ren musi­ka­li­schen Hintergrund ver­se­he­nen Solisten Scott Walker (frü­her Mitglied der Walker Brothers) in einem Studio, um mit „Soused“ eins der durch­ge­knall­te­sten Alben des Jahres 2014 auf­zu­neh­men; nicht im schril­len Popsinne zwar, wohl aber bedingt durch die Verschiedenartigkeit der unglei­chen Partner. Das bei­na­he kingcrim­sones­que Ergebnis (affek­tier­ter Gesang zu sich kaum von der Stelle bewe­gen­dem Brummen, nur gele­gent­lich von Gitarrenriffen unter­bro­chen) ist schockie­rend und - wie alles von Sunn O))) - laut noch bes­ser. Maximum volu­me yiel­ds maxi­mum results. Ein guter Rat.

3. Kost‘ ja nix.

  • The Echelon Effect - Pacific / Sierra

    The Echelon Effect, mir zuerst 2011 auf­ge­fal­le­nes Soloprojekt von David Walters, bleibt hoch­ak­tiv: 2014 erschien neben der EP „Sierra“ auch das Album „Pacific“, letz­te­res in Dreierbesetzung (Steve Tanton half an Schlagzeug und Perkussion aus, Noah Champoux steu­er­te spo­ken words bei).

    Eine Wüste, ein Meer: Sprechend sind die Titel tat­säch­lich. The Echelon Effect steht wei­ter­hin für atmo­sphä­ri­schen, teils hyp­no­ti­schen musi­ka­li­schen Genuss zwi­schen den Genres; und auch wei­ter­hin will David Walters dafür kein Pflichtgeld sehen.

    „Sierra“ und „Pacific“ gibt’s daher auf eMule sowie per Bandcamp.com ab 0 Euro. Das trifft sich gut, denn gute Musik ist stets eigent­lich unbe­zahl­bar. Wer kann, soll­te den­noch spen­den. Wert ist’s das schon längst.

  • Antethic - Origin

    Fast wäre der Postrock in die­sem Jahr unter­ge­gan­gen. Gerade noch bemerkt! Antethic kom­men aus Russland und haben mit „Origin“ 2014 ihr aktu­el­les Album für lau dem dür­sten­den, dar­ben­den Publikum vor­ge­stellt. Laut Eigenbeschreibung han­delt es sich wahl­wei­se um „Cinematic Rock“, Math Rock, Postrock, Shoegaze oder Ambient-Musik und somit um eine schlech­te Eigenbeschreibung.

    North Atlantic Oscillation und Pink Floyd die­nen anders­wo als Vergleich. Ich mei­ner­seits füge viel­leicht noch etwas Mike Oldfield und Explosions In The Sky hin­zu. Der unbe­kann­te Bassist spielt sich mit­un­ter sou­ve­rän in den Vordergrund, ohne auf­dring­lich zu wer­den, wäh­rend Schlagzeug und Gitarre(n?) duet­tie­ren, ver­mag aber auch den Rhythmus zu stär­ken, der­weil der Rest der Band hart abrockt. Stücke wie „This Game Has No Name“ ver­set­zen den Hörer so schon nach weni­gen Minuten in eine Trance, in der es nur noch die Melodien gibt und alles um sie her­um unwirk­lich erscheint.

    „Cinematic Rock“, ein Kino im Kopf. Ein tol­les Album mit Suchtpotenzial und Tripgefahr. Guten Flug!

4. Deep Shit.

Es ist nicht alles Gold, was tönt. Auch 2014 war da kei­ne Ausnahme:

  • Pink Floyd - The Endless River
    Endloses Plätschern. Man schläft ganz gut zu „The Endless River“.
  • Eatliz - All Of It
    Belangloser Schönpop ohne Kanten, Bandcamp rettet’s auch nicht. Die neue Sängerin ist scheiße.
  • Gazpacho - Demon
    Der Dämon des Schlafs überwältichhhhhrrrr…
  • Transatlantic - Kaleidoscope
    Offenbar gibt es Kaleidoskope auch ganz ohne Muster und Farben. Toll!
  • Archive - Axiom
    Spannend wie der Mathematikunterricht.
  • Flaming Row - Mirage - A Portrayal Of Figures
    So klingt es also, wenn man unmo­ti­viert ver­sucht Retroprog zu spie­len. Nicht zur Nachahmung empfohlen.

5. Aaaaaaaaaalt!

  • Vor 40 Jahren:
    Lou Reed - Sally Can’t Dance

    Denk‘ ich an 1974, denk‘ ich an Richard Nixon (Rücktritt), Helmut Schmidt (Antritt) und Rockmusik. Zwar mach­ten Led Zeppelin in die­sem Jahr eine Veröffentlichungspause, dafür trau­ten sich Kiss mit ihrem Debütalbum Kiss in die Läden. Die damals bereits eta­blier­ten Rolling Stones wie­gel­ten ab: It’s Only Rock’n’Roll. Kein Rock’n’Roll hin­ge­gen kam von Yes, deren Sänger Jon Anderson in einer Fußnote der „Autobiografie eines Yogi“ einen Hinweis auf die hei­li­gen Schriften des Hinduismus‘ gefun­den hat­te und dazu inspi­riert wur­de, ein Album the­ma­tisch auf ihnen basie­ren zu las­sen. Tales from Topographic Oceans, vor­über­ge­hend das letz­te Album mit dem Keyboarder Rick Wakeman, ist ein Doppelalbum mit vier Stücken, was also 4 LP-Seiten ent­spricht; selbst für Yes‘ dama­li­ge Verhältnisse ein der­art ambi­tio­nier­tes Werk, dass die Musikpresse sich mit Lob deut­lich zurück­hielt. Letztere hat­te mit Lou Reed ohne­hin einen unge­ahn­ten neu­en Favoriten: Sally Can’t Dance erreich­te die „Top 10“ der Hitparade, was nach dem düste­ren Berlin im Vorjahr wie­der­um über­rasch­te. Dass die Plattenfirma RCA die­sen Karriereschub aus­nut­zen woll­te und ein bal­di­ges Nachfolgealbum for­der­te, war aus heu­ti­ger Sicht eine kom­mer­zi­ell blö­de Idee: Mit Metal Machine Music folg­te 1975 ein aus­ge­streck­ter musi­ka­li­scher Mittelfinger; doch dazu spä­ter mehr.

  • Vor 30 Jahren:
    Dalbello - whomanfoursays

    1984 war nicht bloß eine Anleitung oder wenig­stens ein Buch, son­dern in der Musikwelt viel­mehr auch ein Jahr des Schreckens. Von Barclay James Harvest gab es das grau­en­vol­le Victims of Circumstance, das sei­ne Mäßigkeit schon als Titel trägt, Grobschnitt mach­ten sich mit Kinder und Narren zu Letzteren. Talk Talk befan­den sich mit It’s My Life auf dem kom­mer­zi­el­len Höhepunkt ihrer Karriere, hat­ten außer Mainstream-Pop aber noch nicht viel bei­zu­tra­gen. Und dann war da noch Dalbello, eine jun­ge Frau mit einer famo­sen Stimme und einer eben­sol­chen Frisur. Das schon mal erwähn­te Album who­man­four­says war zugleich ihre Rückkehr ins Musikgeschäft und ihre Erneuerung, denn vom Discopop wand­te sie sich nun­mehr ab und dem Alternative Rock zu, was das Plastikjahrzehnt dann doch noch ein biss­chen zu ret­ten half.

  • Vor 20 Jahren:
    Subway to Sally - Album 1994

    Weder mit Yes (Talk) noch mit den Rolling Stones (Voodoo Lounge) war zwan­zig Jahre danach noch viel zu gewin­nen. Das für lan­ge Zeit letz­te Studioalbum von Pink Floyd, The Division Bell, zeug­te noch von der ein­sti­gen Größe von Bands, deren Mitglieder ihre Instrumente nicht nur eini­ger­ma­ßen gera­de in die Kamera hal­ten, son­dern auch noch bedie­nen kön­nen; ande­re Musikstile waren jedoch bereits auf dem Vormarsch: Hyper Hyper, die zwei­te Single von Scooter, mag dabei eine geschicht­lich rele­van­te Rolle gespielt haben, jedoch wur­de auch der Metal als Abkömmling des Hardrocks grö­ßer: Dimmu Borgirs Debütalbum For all tid wur­de zum Eckpfeiler der skan­di­na­vi­schen Black-Metal-Szene, gen­re­üb­lich mit Verweisen auf Satans Reich („Det nye riket“), etwas wei­ter süd­lich ver­öf­fent­lich­te eine Band, die wohl noch nichts davon ahn­te, ein­mal für ein Genre zu ste­hen, das der Volksmund als „Mittelalter-Metal“ kennt, eben­falls ihr Debütalbum: Subway to Sallys Erstlingswerk Album 1994, auf dem Eric Fish noch nicht die Rolle des Frontmanns und Sängers inne­hat, ver­bin­det mit sei­nen über­wie­gend eng­lisch­spra­chi­gen Texten noch nicht viel mit spä­te­ren Klassikern wie MCMXCV oder Herzblut, wohl aber leg­te es den Grundstein für ihre spä­te­re Karriere und wohl auch die jener Bands, die maß­geb­lich von ihnen beein­flusst wur­den. Es hät­te schlim­mer kom­men können.

  • Vor 10 Jahren:
    Yezda Urfa - Boris

    Es kam tat­säch­lich schlim­mer: Die Jammerpopband Placebo ver­such­te es noch ein­mal mit Gefühl und warf die schreck­li­che Resteverwertung Once More with Feeling auf den Markt, die übri­gen Massen wur­den wahl­wei­se mit Franz Ferdinand, Tyrannosaurus Hives, dem Album Louden Up Now der von ihren Anhängern oft für weiß­wie unter­grün­dig gehal­te­nen Band !!! oder dem unter­schätz­ten D12 World beglückt. Zumindest Haggard hiel­ten mit Eppur Si Muove den Metal noch hoch. Diejenigen, die nicht nach immer schlich­te­ren und schlech­te­ren Tönen such­ten, such­ten statt­des­sen ihre Zukunft in der Vergangenheit: Yezda Urfa, eine einst ver­schmäh­te US-ame­ri­ka­ni­sche Progressive-Rock-Band der mitt­le­ren 1970-er Jahre, tra­ten 2004 auf dem NEARfest auf (seit 2010 gibt es mit Yezdaurfalive einen Beleg dafür zu kau­fen), zufäl­lig ist seit jenem Jahr auch Boris, das von Plattenfirmen einst ver­schmäh­te Debütalbum von 1975, das in sei­nen Grundzügen 1976 als Sacred Baboon einer zwei­ten (Nicht-)Veröffentlichung harr­te, für den Plattenkäufer frei erhält­lich. Honi soit. Trotz der Wirren um die Veröffentlichung und das etwas schlech­te timing, immer­hin schien 1975 der Progressive Rock bereits ange­zählt, platz­te die­ses Album 2004 äußerst gün­stig in die Retrowelle hin­ein. Im Internet beschreibt man Yezda Urfa als „Yes meets Gentle Giant mit Hummeln im Hintern“. Trocken ist die­se Musik sicher­lich nicht, die Augen blei­ben es auch nur schwer­lich. Ernsthafter hat der Progressive Rock sich selbst nie wie­der per­si­fliert. Sänger Rick Rodenbaugh, der auf dem NEARfeat bereits nicht mehr dabei war, ver­starb 2008, seit­dem hat man von Yezda Urfa nur noch wenig wahr­ge­nom­men. Daran hät­ten sich ande­re Bands die­ses Jahres zumin­dest ein Beispiel neh­men können.

So - haben wir’s.

Habe ich ein rele­van­tes Album über­se­hen oder eines zu Unrecht ver­ris­sen? Kommentare und Ergänzungen sind gern gese­hen. Ansonsten ste­hen die­ses Jahr ja bereits eini­ge neue bedeut­sa­me Musikalben in den Regalen. Ich freue mich schon auf die näch­ste Rückschau.

Danke für die Aufmerksamkeit.

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Senfecke:

  1. sin­ce 1976.

    oder, bes­ser noch: seit dem moment als „the spoon“ in einem dur­bridge lief … ;-P

    ernst­haft: ich war gera­de ver­sucht einen arti­kel von 76 aus einer alten urks zu posten, aber er ist noch nicht gescannt, in der ich einen fuchs­teu­fel­wil­den rant über leu­te rei­te, die ande­ren die säcke damit voll­ma­chen, wie cool sie zap­pa fin­den. den hip­ster gab’s schon immer und ich den­ke mal, das ist die­ses typisch puber­tä­re ver­hal­ten, mit dem man sei­ne posi­ti­on in der peer­group zu defi­nie­ren sucht. das ist nur „use­ful“, wenn man eine sol­che braucht ;-)

    wie auch immer: ist ja alles auch eine fra­ge, was man mag oder nicht. oder eine von geschmack, weil es eben sachen gibt, die jen­seits von „mag ich oder nicht“ bemer­kens­wert sind … und came­ra ist eben bemer­kens­wert, wes­halb ich mir ja die erste genau­so umge­hend gekauft habe wie ich „puta’s fever“ von manu negra 1989 (damals noch als import) kau­fen muss­te, weil es am sams­tag ene sen­dung in swf2 über die band lief. man hört es, man liebt es ab dem ersten moment eben liebt. so ging’s mir halt auch sei­ner­zeit auch mit yello und came­ra. ist das hip? ist mir egal … sind alle in mei­nen 1001 records gelan­det, neh­me ich mit auf ne insel

    ach ja, vor zwei mona­ten bin ich übri­gens über han­ni el kathib gestol­pert, klingt nach was ori­en­ta­li­schem, ist aber eine coo­le palä­sti­nen­sisch-stäm­mi­ge gitar­ren­sau aus la. die g*ttlich-kurze & vor allem schrä­ge soli spielt.

    kon­zert: https://www.youtube.com/watch?v=uANYiHx4Vgs (kon­zert ist immer das wichtigste …)
    melt me: https://www.youtube.com/watch?v=hsdh4-jHs4o
    moon­light: https://www.youtube.com/watch?v=e00xgN3ER_I

    viel­leicht­hast du ja auch spaß an so was

    • Orientalisch nervt. Mit Yello konn­te ich auch noch nie was anfan­gen, da fin­de ich Devo deut­lich inter­es­san­ter. ;)

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