KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/​2014 – Favo­ri­ten und Analyse

Die­ser Arti­kel ist Teil 13 von 25 der Serie Jah­res­rück­blick

Huch, schon Mit­te Juli! Hät­tet ihr mir nicht was sagen können?

Ein hal­bes Jahr ist längst vor­bei, und ihr wisst, was das bedeu­tet: Hier gibt’s Musik satt – alles, was bis Ende Juni so in mei­ner Besten­li­ste gelan­det ist – zu lesen. Ent­ge­gen der öffent­li­chen Mei­nung ist die Num­me­rie­rung aller­dings will­kür­lich gewählt. Rang­li­sten sind Firlefanz.

Auch dies­mal sind meh­re­re Musik­al­ben, die eine Erwäh­nung ver­dient haben, bereits an ande­rer Stel­le gewür­digt wor­den, so dass ich mich dar­auf beschrän­ken möch­te, Fuck Off Get Free We Pour Light on Ever­ything von Thee Sil­ver Mt. Zion Memo­ri­al Orche­stra und 64 von Last Remai­ning Pin­nacle an die­ser Stel­le unbe­dingt auch noch mal emp­foh­len zu haben. Aus der Wer­tung fällt im Übri­gen auch der als sol­cher aller­dings her­vor­ra­gen­de Sam­pler 2014 der hörens­wer­ten Her Name Is Cal­la. Ein nen­nens­wer­tes Jubi­lä­um folgt erst 2015, dann ist die Hill­bil­ly-Band Skil­let Lickers, momen­tan mit Enkel und Uren­kel ihres Grün­ders Gid Tan­ner, seit 90 Jah­ren im Geschäft.

Wie üblich besteht die­se Rück­schau aus meh­re­ren Tei­len, nach einer Über­sicht über die Kauf­be­feh­le für den Herbst wird es auch wie­der ein paar Rein­fäl­le, aber auch einen Griff in die Musik­ge­schich­te geben. Ich freue mich jetzt schon darauf.

Viel Ver­gnü­gen!

1. Ins Töpf­chen

  1. Mog­wai – Rave Tapes
    „And thanks for all this /​ Try­ing to listen /​ Remem­be­ring a kill.“ (Blues Hour)

    Nach dem Sound­track zu „Les Reven­ants“ im Vor­jahr legen Mog­wai 2014 mit „Rave Tapes“ schon wie­der ein neu­es Stu­dio­al­bum – ihr sieb­tes – vor. Die­se Schot­ten gei­zen nicht.

    Mog­wai erfin­den sich immer wie­der neu, ohne dabei wie vie­le ihrer Mit­strei­ter irgend­wann ihren Mar­ken­kern auf­zu­ge­ben. Dabei las­sen sie sich immer wie­der etwas Neu­es ein­fal­len. Nein, kei­ne Sor­ge; trotz des Namens wird hier kein Love-Para­de-Unfug geco­vert.

    Gespielt wird statt­des­sen wei­ter­hin hoch­qua­li­ta­ti­ver Post­rock vor­wie­gend instru­men­ta­ler Natur, ledig­lich in „Repe­lish“ und „Blues Hour“ sind Tex­te zu hören, mal gespro­chen, mal gar gesun­gen; „Blues Hour“ erin­nert den geneig­ten Rezen­sen­ten nicht nur des­we­gen an die viel zu früh zer­streu­ten Aereo­gram­me. Mog­wai waren schon immer groß dar­in, ihr sti­li­sti­sches Reper­toire sub­til zu erweitern.

    Dass Mog­wais Kom­po­si­tio­nen immer kür­zer zu wer­den schei­nen und auch auf „Rave Tapes“ kein neu­es „Mog­wai Fear Satan“ oder „Ste­reodee“ zu hören ist, sei hier auch mal geschenkt. Die Kunst, in kur­zer Zeit ohne Wor­te viel zu erzäh­len, beherr­schen Mog­wai immer noch vor­züg­lich, obwohl die ange­schla­ge­nen Töne doch lei­ser gewor­den sind. Wäh­rend die Gen­re­kol­le­gen von A Sil­ver Mt. Zion immer aus­schwei­fen­der wer­den, brei­ten Mog­wai ihre Klang­flä­chen statt­des­sen ein­fach auf immer grö­ße­ren Lein­wän­den aus. Das wirkt im Kopf und ver­schwen­det kei­ne Zeit. Wie schön.

    Hör­pro­ben:
    Auf You­Tube gibt es unter Ande­rem gute Live­ver­sio­nen von „Remur­de­red“ und „Blues Hour“ (letz­te­re aller­dings mit unan­ge­nehm wacke­li­gem Kame­ra­bild), Freun­de von Strea­ming­dien­sten wer­den bei WiMP, Groo­veshark sowie aus­zugs­wei­se auf Amazon.de fündig.

  2. Karokh – Karokh

    Ich schät­ze Musik­grup­pen, die direkt mit denen, die ihren out­put kon­su­mie­ren, kom­mu­ni­zie­ren, sehr.

    Neben echo­lyn gehö­ren auch Karokh – nicht mit der afgha­ni­schen Stadt Karukh zu ver­wech­seln – aus Oslo zu denen, die offen­bar gele­gent­lich Twit­ter nach Rele­van­tem durch­su­chen; mei­ne Emp­feh­lung des Lie­des „Flowers Every Day“ ent­ging ihnen jeden­falls nicht.

    Dass Karokh erst seit 2010 exi­stie­ren, ver­schafft ihnen die ange­neh­me Frei­heit, noch kei­ne Erwar­tun­gen erfül­len zu müs­sen. Viel­leicht auch des­halb über­ra­schen sie mich posi­tiv: Neue Bands, die irgend­was mit Jazz machen, schaf­fen es sel­ten, ein durch­weg star­kes Album zu prä­sen­tie­ren. Dass ein Stück auf dem Album „Surf Deca­dence (Ooh Ooh)“ heißt, soll­te nie­man­den abschrecken (oder viel­leicht absicht­lich doch); auf „Karokh“ von Karokh gibt es ande­rer­seits immer­hin auch ein Stück namens „Karokh“.

    „Irgend­was mit Jazz“ ist wahr­schein­lich eine ziem­lich prä­zi­se Gen­re­schub­la­di­sie­rung für „Karokh“. Ich fin­de Schub­la­den ja prin­zi­pi­ell zu unprä­zi­se. So auch diesmal:

    (…) Karokh bie­ten viel­schich­ti­ge und intel­li­gen­te Kom­po­si­tio­nen, die auch bei anfäng­li­cher Abnei­gung meh­re­re Anläu­fe ver­die­nen. (…) Obwohl Karokh, von der Trom­pe­te abge­se­hen, gene­rell mit Rock-typi­scher Instru­men­tie­rung agie­ren, die neben Gesang aus Gitar­re, Bass und Schlag­zeug besteht, sind auch zwei Syn­the­si­zer Teil des Line-Ups. Die­se glän­zen eben­falls mit sub­ti­lem Ein­fluss – es gibt zum Glück kei­ne kit­schi­gen Hor­ror-Syn­th-Lini­en. Viel­mehr stüt­zen die Syn­the­si­zer die Stim­mung der Songs, steu­ern unty­pi­sche Klän­ge bei, oder tra­gen auch mal mit einem Retro-Solo (Surf Deca­dence) zum Reper­toire bei.

    Unty­pisch ist auch Ina Sags­tu­ens Gesang, der mal im Vor­der­grund steht, mal („Once More No Bear“) sich wie ein wei­te­res Instru­ment im Geflecht ein­fügt. Frau Sags­tu­en säu­selt („Into The Wild“), singt und stöhnt sich durch die bis­wei­len gera­de­zu abge­fah­re­ne Musik, die ihre sechs Band­kol­le­gen ihr kre­den­zen, dass es eine wah­re Won­ne ist.

    „Gen­re: /​alternative/​rock/​“ ist auf einer der Inter­net­prä­sen­zen von Karokh zu lesen, und wenn das Rock ist, so will ich fort­an Kevin hei­ßen. Nein, Karokh steu­ern treff­si­cher an jeder Stil­schub­la­de vor­bei, und auch, wenn eine Trom­pe­te allein noch kei­ne gro­ße Kunst erschafft (auch die selt­sa­men Touch and Go hat­ten ihren bis­lang größ­ten Erfolg ja mit einer sol­chen), bleibt unbe­strit­ten, dass man hier guten Gewis­sens die Theo­rie begra­ben und sich ganz auf das Gehör­te ein­las­sen soll­te. Eyal Hare­u­ve­ni nann­te „Karokh“ ein „höchst beein­drucken­des Debüt­al­bum mit einer bemer­kens­wer­ten Sän­ge­rin“. Ich fin­de das unter­trie­ben. Ganz, ganz groß.

    Hör­pro­ben:
    „Flowers Every Day“ ist eben­so auf You­Tube zu fin­den wie „Into The Wild“. Auf Amazon.de gibt es „Karokh“ lei­der nur in der MP3-Fas­sung, der Strea­ming­dienst WiMP zumin­dest auch in HiFi-Qualität.

  3. Dawn – Darker
    „I’m cool.“ (Cold)

    Nichts pas­siert. Oder doch?

    Das aktu­el­le Album „Dar­ker“ des Schwei­zer Quar­tetts Dawn beginnt mit lei­sen Orgel­tö­nen. „Yesterday’s Sor­ry“, das Eröff­nungs­stück, lässt sich Zeit zur Ent­fal­tung. Nach etwa einer Minu­te setzt kingcrim­sones­ques Spiel (ent­we­der haben sich die vier Her­ren ein Mello­tron zuge­legt oder Nico­las Ger­ber ist ein wah­rer Key­board­vir­tuo­se) im Stil derer ersten bei­den Alben, ergänzt durch Star­cast­le-Key­boards, ein.

    Zuge­ge­ben: Neu ist das alles nicht. Maril­li­on-Fans mag der locke­re Retro-Prog von Dawn bekannt vor­kom­men, wir Freun­de des Pro­gres­si­ve Rocks wis­sen auch den gele­gent­lich (etwa in „Cold“) hohen Gesang von René Dego­u­mois zu schätzen.

    Aber an Abwechs­lung soll es nicht man­geln – von King Crim­son (ins­be­son­de­re „Cold“) aus geht die Rei­se noch wei­ter. Fällt mir im Instru­men­tal­stück „Lul­la­bies for Gut­ter­flies“ noch das Pen­gu­in Cafe Orche­stra ein, so sind im mehr­tei­li­gen Neun­zehn­mi­nü­ter „8945“ Pink Floyds „Echoes“ nicht weit: Auf einen pink­floy­des­quen Anfangs­teil mit affek­tier­tem Gesang folgt ein träu­me­ri­scher Gitar­ren­so­lo­part, in den nach einer Wei­le die ande­ren Instru­men­te ein­stim­men, unter­bro­chen durch den Refrain. Nach einem viel zu kur­zen postrocki­gen Zwi­schen­spiel nach etwa zehn Minu­ten wird vom Key­board wie­der­um das The­ma vom Anfang aufgegriffen.

    „8945“ endet schließ­lich in einem furio­sen Fina­le mit Cli­max, die im Pro­gres­si­ve Rock ja durch­aus üblich ist, aber hier beson­ders gut passt: Am 9. August 1945 wur­de die Atom­bom­be „Fat Boy“ über Naga­sa­ki gezün­det, wovon in „8945“ gele­gent­lich ein Spre­cher erzählt; wie man so liest, wur­de das Stück nach die­sem Ereig­nis benannt. Zum Glück gibt es kei­ne Toten.

    Das Album „Dar­ker“ hin­ge­gen ist eine Bom­be. Ihr soll­tet euch das nicht ent­ge­hen lassen.

    Hör­pro­ben:
    Anspie­len und kau­fen lässt sich „Dar­ker“ auf Amazon.de, die ein­schlä­gi­gen Strea­ming­dien­ste sind zur­zeit (Stand: 8. Juli 2014), wie so oft, eher ratlos.

  4. Descend – Wither
    „I am fear, wie­l­der of the black darkness.“ (Con­fi­ned by Evil)

    Kom­men wir zu fröh­li­che­ren Din­gen: Metal. \m/​

    Descend stam­men aus Schwe­den und haben im Janu­ar 2014 mit „Wither“ ihr zwei­tes Stu­dio­al­bum raus­ge­bracht, auf dem sie dem Pro­gres­si­ve Metal mit aller­lei Mathrock­spie­le­rei­en frö­nen. Das ist zwar alles schon mal dage­we­sen, aber sel­ten wirk­lich beacht­lich gut; auf „Wither“ aller­dings schon.

    Für das Album haben sie sich ein biss­chen Zeit gelas­sen, auf­ge­nom­men wur­de es bereits 2012. Pro­gres­si­ve Death Metal (Quel­le: Inter­net) ist eben kein Zuckerschlecken.

    Ver­glei­che gefäl­lig? Bit­tes­ehr:

    So gibt es in „The Ran­co­rous Para­digm“ erst hef­tig­ste Poly­rhyth­mik zu hören, und anschlie­ßend wer­den die Strophe[n] und die Zwi­schen­spie­le mit gera­de­zu hyp­no­ti­schen Rhyth­men und träu­me­ri­schen Har­mo­nien unter­legt. Letz­te­res Stil­mit­tel wird auch in „Dia­bo­lic“ bedient, wohin­ge­gen, „Sever­an­ce“ lädt zwi­schen­zeit­lich, wenn nicht gera­de mal wie­der Rase­rei (…) ange­sagt ist, immer wie­der mal zum genüss­li­chen Abzäh­len der Takt­zah­len ein[.] Drauf gekom­men? Rich­tig, auf „Wither“ hal­ten auch Djent und Math Ein­zug in den Stil von Descend. Und tat­säch­lich fügen sich die­se Kom­po­nen­ten bestens ins bis­he­ri­ge Bild ein – was zwar nicht über­ra­schen soll­te, aber eine kon­kre­te Ver­bin­dung aus Opeth und krea­ti­ven Mes­hug­gah-Epi­go­nen ist mir bis­lang noch nicht untergekommen.

    Mes­hug­gah beschrieb ich 2012 als eine Musik­grup­pe, die wenig dezent agiert, ver­gli­chen mit Descend aller­dings sind sie gera­de­zu filigran.

    Anders gesagt: Descend hau­en auf die Kacke. Klot­zen statt Kleckern. Von Stak­ka­torhyth­men über Lied­ti­tel wie „From Grace to Gra­ve“ bis hin zu gen­re­ty­pi­schem grow­ling ist alles dabei. Aber die Ach­ter­bahn steigt nicht nur hin­ab, son­dern fährt auch mal berg­auf, und wäh­rend Chri­stoph Meul dem „Sanft-hef­tig-sanft-hef­tig-Sche­ma“ (ebd.) nicht viel abge­win­nen kann, berei­ten sie mir als einem Lieb­ha­ber gepfleg­ten, auch mal här­te­ren Postrocks hin­ge­gen Freu­de, geben sie dem anson­sten dunk­len „Wither“ doch ein paar schö­ne Farb­tup­fer. Oder ist Hell­schwarz gar kei­ne Farbe?

    Musik zum Abre­agie­ren. Gar nicht mal schlecht!

    Hör­pro­ben:
    Wäh­rend Amazon.de 30-sekün­dig her­um­schnip­selt, ist zumin­dest WiMP zu einer Kom­plett­vor­schau fähig. Ein voll­stän­di­ges Kon­zert von 2012, auf dem auch „Con­fi­ned by Evil“ gespielt wur­de, hat You­Tube im Repertoire.

  5. Holy Moun­tain – Anci­ent Astronauts

    Heilig’s Blech­le (bezie­hungs­wei­se: hei­li­ger Berg), aus­ge­rech­net die „Intro“ hat mir da was Schö­nes vorgespielt:

    Holy Moun­tain rei­sen mit Psy­che­de­lic Rock durchs All. Der Klang der Band aus Glas­gow lässt sich grob im äuße­ren Grenz­be­reich von Hawk­wind oder Black Sab­bath ver­or­ten, lieb­äu­gelt jedoch auch mit Art Rock und Jazz.

    Jazz? Mein Stich­wort! Auf­merk­sa­me Leser haben mög­li­cher­wei­se bemerkt, dass sich mein musi­ka­li­scher Schwer­punkt in den letz­ten Jah­ren ein wenig ver­scho­ben hat. Eine spo­ra­di­sche Lese­rin mei­ner Tex­te ließ sich unlängst zu der Bemer­kung hin­rei­ßen, sie has­se Jazz, und viel­leicht ist „Anci­ent Astro­nauts“ das idea­le Album für sie, denn so jaz­zig ist’s eigent­lich gar nicht; ich höre dis­codro­gen­taug­li­chen Space-/Stoner-Rock mit klas­se Rhyth­mik und einer Gitar­ren­ar­beit, die auch ande­re Rezen­sen­ten beeindruckt:

    Holy Moun­tain have a rough-hewn but artisan’s skill in one endu­ring musi­cal pro­duct: fashio­ning thun­king gre­at slabs of riffage.

    Sei­tens des Tri­os wird gerifft, dass es eine wah­re Freu­de ist, von Colour Haze über Deep Pur­p­le bis zu, ja, Black Sab­bath rei­chen die Asso­zia­tio­nen des begei­ster­ten Hörers. Gesang gibt es auch, der aber mit sei­ner Ver­zerrt­heit wahr­schein­lich gar nicht so wich­tig ist, weil’s auf „Anci­ent Astro­nauts“ inklu­si­ve dem Titel­stück um den Kopf­nick­ef­fekt und nicht nur um tief­grün­di­ge Lyrik geht.

    Nein, „Anci­ent Astro­nauts“ hat einen ande­ren Schwer­punkt. Fei­er­mu­sik für Stoner. Und, lie­be Leser und Hörer, dar­in sind sie wirk­lich gut. Gute Reise!

    Hör­pro­ben:
    Wäh­rend Amazon.de wie­der ein­mal 30 Sekun­den für aus­sa­ge­kräf­tig hält, hält immer­hin WiMP die Lang­ver­si­on des Albums vorrätig.

  6. Lena Bloch Quar­tet – Feathery

    Damit ihr nicht aus der Übung kommt, noch mal etwas Jazz.

    Lena Bloch ist eine rus­si­sche Saxo­pho­ni­stin, die nach ihrer Aus­wan­de­rung 1990 durch Euro­pa und Ame­ri­ka rei­ste, um den Jazz zu ler­nen, und das nicht ohne Erfolg.

    Schon 1994 gewann sie den „Out­stan­ding Per­for­mance Award“ (also den „Her­vor­ste­chen­der-Auf­tritt-Preis“), 1999 erwarb sie als Pro­te­gé von Keith Cope­land und John Mar­shall an der Hoch­schu­le für Musik und Tanz in Köln das Künst­ler­di­plom „mit Lob“ (cum lau­de). Bis 2006 lern­te sie ihr Hand­werk noch bei vie­len wei­te­ren bekann­ten Jazz­mu­si­kern. Die Theo­rie also ist ihr kei­nes­falls fremd.

    Und die Pra­xis? So man­cher Festi­val­be­su­cher soll­te Frau Blochs Schaf­fen bereits selbst gehört haben, sei es wäh­rend der Lever­ku­se­ner oder Ingol­städ­ter Jazz­ta­ge 2001, sei es wäh­rend der „Temp­le Of The Arts Jazz Festi­vals“ der letz­ten paar Jah­re. So weit die Eckdaten.

    Auf ihrem dies­jäh­ri­gen Album „Fea­the­ry“ hat sie sich neben ihrem Tenor­sa­xo­phon auch wei­te­re Musi­ker zuge­legt, nament­lich Dave Mil­ler (Gitar­re), Came­ron Brown (Bass) und Bil­ly Mintz (Schlag­zeug). Letz­te­re bei­den eröff­nen das erste Stück „Hi-Lee“ (am Ende des Albums als „Hi-Lee (repri­se)“ fort­ge­setzt) mit einem sehr ange­neh­men Duett, bevor Saxo­phon und ein­zel­ne Gitar­ren­tö­ne in den Rhyth­mus ein­stei­gen und ein ziem­lich luf­ti­ges Jazz­stück for­men. „Hi-Lee“ ist Lee Konitz, Freund und Men­tor von Lena Bloch, gewid­met, und wäre ich Lee Konitz, so errö­te­te ich ange­hörs des Stücks.

    Am song­wri­ting (ein fürch­ter­li­cher Begriff, denn gesun­gen wird hier eben­so wenig wie es sich um leich­te Lied­chen han­delt) waren alle vier Musi­ker betei­ligt: Die über elf­mi­nü­ti­ge „Baby Suite“ stammt von Came­ron Brown, des­sen Bass die Ein­lei­tung des Stücks domi­niert, das all­mäh­lich an Fahrt gewinnt und schließ­lich mal frei­för­mig, mal struk­tu­riert schon durch das Schlag­zeug einen groo­ve ent­wickelt, den man im „moder­nen Jazz“ abseits der Jazz­rock- und Zeu­hl­pfa­de so immer noch viel zu sel­ten zu hören bekommt. In „Ruba­to“ ist sein Kom­po­nist Dave Mil­ler häu­fi­ger zu hören, im musi­ka­li­schen Lie­bes­brief „Beau­ti­ful You“ jedoch nicht Bil­ly Mintz, der mit die­sem Titel bereits 2004 von sich reden mach­te; Schlag­zeug und natür­lich Saxo­phon sind auf „Fea­the­ry“ ohne­hin allgegenwärtig.

    Dass es sich bei „Fea­the­ry“ eigent­lich um ein Debüt­al­bum han­delt, was Lena Bloch doch bis­lang nur als Mit­mu­si­ke­rin in Erschei­nung getre­ten, schmä­lert die Qua­li­tät nicht. Alle vier Instru­men­ta­li­sten wis­sen, was sie tun, sie ver­zich­ten auf Effekt­ha­sche­rei oder Anbie­de­rung. „Fea­the­ry“ macht Spaß und ent­spannt. Wohl­fühl­jazz ohne auf­fäl­li­gen Makel. Toll!

    Hör­pro­ben:
    Wer sich nicht mit den halb­mi­nü­ti­gen Aus­schnit­ten auf Amazon.com zufrie­den­ge­ben möch­te, der kann „Fea­the­ry“ momen­tan (Stand: 12. Juli 2014) auf ThirteenthNoteRecords.com in vol­ler Län­ge hören.

  7. Kam­chat­ka – The Search Goes On
    „No more lost, tired and lonely /​ no more begging plea­se“ (Tan­go Decadence)

    Apro­pos Opeth, übri­gens.

    In den spä­ten 1990-er Jah­ren war auch ich – wie vie­le Men­schen mei­nes Alters – dem Punk von Bands wie Bad Reli­gi­on und The Off­spring gegen­über noch auf­ge­schlos­se­ner als heu­te. Irgend­wann ver­lor die­se Sze­ne für mich aller­dings deut­lich an Reiz und ich wand­te mich ande­ren Beschäf­ti­gun­gen als dem Ver­such, beim Rau­chen cool aus­zu­se­hen und die pas­sen­de Musik zu hören, zu, wirk­lich gefal­len hat­te es mir ja sowie­so nie.

    Was ich am Punk aller­dings zu schät­zen wuss­te, war die Ange­wohn­heit, die Gitar­re zu miss­han­deln. Das Lau­te, Schnel­le, Hek­ti­sche ist es auch, das ich bis heu­te inter­es­sant fin­de; und so begann mei­ne Ent­deckungs­rei­se in die Welt der sin­gen­den Gitar­ren weit­ge­hend unauf­fäl­lig, führ­te mich aber inzwi­schen zum Stoner Rock, Blues­rock und Post­rock und wie­der zurück.

    Inso­fern ver­setzt mich „The Search Goes On“ von Kam­chat­ka in Ent­zücken. Das schwe­di­sche Trio Kam­chat­ka – wie die Insel – spielt auch auf sei­nem fünf­ten Stu­dio­al­bum „The Search Goes On“ einen ziem­lich erdi­gen, ziem­lich guten Blues­rock. Und, tat­säch­lich, die Gitar­re singt im Duett mit ihrem Besit­zer Tho­mas Anders­son vor­treff­li­che Liedlein.

    Die Suche geht wei­ter. Wonach wird gesucht? Viel­leicht nach den Wur­zeln, gräbt man doch tief in den spä­ten 1960-er und frü­hen 1970-er Jah­ren nach sei­nen Quel­len. Dazu wür­de zumin­dest das cover pas­sen, das eini­ge sin­ken­de Tau­cher zeigt. Gele­gent­li­che Anlei­hen am Stoner Rock („Thank You For Your Time“) sind für das hier Dar­ge­bo­te­ne jeden­falls eine Berei­che­rung, Ver­glei­chen mit Deep Pur­p­le hal­ten die drei haa­ri­gen Her­ren – Per Wiberg, ehe­mals unter Ande­rem bei Opeth, hat inzwi­schen Roger Öjers­son am Bass abge­löst – pro­blem­los stand.

    Anders gesagt:

    Ein ech­tes 70ies-Groove’n’Roll-Monster was das Trio Kam­chat­ka da auf CD haben pres­sen lassen!

    Ent­fes­selt das Mon­ster! Kei­ne Angst, es war­tet nicht unter eurem Bett, es will nur spie­len; näm­lich hörens­wer­te Rock­mu­sik mit Pfef­fer. Guten Appetit!

    Hör­pro­ben:
    Zu „Tan­go Deca­dence“ gibt es ein Musik­vi­deo. Wem ein kur­zer Aus­schnitt reicht, der möge die ande­ren Stücke auf Amazon.de pro­be­hö­ren, anders­ar­ti­ge Inter­es­sen­ten kön­nen zum Bei­spiel zu WiMP greifen.

  8. END – Peop­le of the Stream’s Mouth
    „Don’t waste your days and focus now, then the future should be bright“ (Tigh­tro­pe Wal­kers on the Run)

    Nico findet’s gut, und auch Peter lob­pries die Schwei­zer END bereits im März:

    Coo­ler Breit­wand-Pop, geschmack­vol­ler Alter­na­ti­ve-Rock, “Peop­le of the Stream’s Mouth” ist eine Wun­der­tü­te prickeln­der Ideen, hand­werk­lich her­vor­ra­gend umge­setzt und von hohen Unter­hal­tungs­wert. (…) End, das sind flir­ren­de Gitar­ren, Melo­dien satt, mehr­stim­mi­ger Gesang und Ideen für eine gan­ze Hand­voll respek­ta­bler Debüts. Gutes Album, mei­ne Her­ren, weitermachen.

    Da kann natür­lich auch ich nicht wider­ste­hen und höre mal rein; und mein strö­men­der Mund steht stau­nend offen: Was da nicht alles drin­steckt! Die unver­meid­li­chen Beat­les, klar, aber auch: Oasis und aller­lei „Indie-Rock“, was auch immer man dar­un­ter im Ein­zel­fall ver­ste­hen möchte.

    Auf „Peop­le of the Stream’s Mouth“ pas­siert zumin­dest eine Men­ge, was man von ande­ren Ver­tre­tern die­ser Spar­te nicht unbe­dingt behaup­ten soll­te. Allein schon das Stück „Alas­ka“ ist atmo­sphä­risch unglaub­lich dicht, gleich­zei­tig beklem­mend und befrei­end wie auch das zuge­hö­ri­ge Video. Sonst so? Pla­ce­bo-Pop­rock („Adrift“), Folk­rock („Dis­con­nec­ted“), fet­zi­ges Gitar­ren­durch­ein­an­der („Tigh­tro­pe Wal­kers on the Run“), schö­ne Bass­rhyth­men („In Amber“), Welt­raum­key­boards („Levi­ta­te“, wie passend!).

    Man­kos? Schwie­rig. Ich äußer­te an ande­rer Stel­le, der Gesang sei etwas ner­vig, aber Luca Dani­els (Mikro­fon und Gitar­re) Ein­satz ist eigent­lich gar nicht mal schlecht. Gele­gent­lich erin­nert mich das alles an Pla­ce­bo, mög­li­cher­wei­se hat das Abwehr­re­fle­xe her­vor­ge­ru­fen. END, das sind Pla­ce­bo ohne Kopf­schmer­zen und aus der Schweiz. Ein präch­ti­ges Land.

    Wofür der Band­na­me END steht, weiß ich übri­gens nicht. Am Ende ist das aber wahr­schein­lich auch nicht wichtig.

    Hör­pro­ben:
    Das Album ist momen­tan (13. Juli 2014) per Sound­Cloud in gan­zer Län­ge hör­bar, auf You­Tube gibt es schicke Vide­os zu „Adrift“ und wei­te­ren Liedern.

  9. Pixies – Indie Cindy
    „Give me the pow-wow, give me the hexe!“ (Blue Eyed Hexe)

    Wer übri­gens auch immer noch da ist, sind die Pixies, die schon in den 1980-er Jah­ren ziem­lich auf­ge­dreht haben.

    Seit ihrer jüng­sten Refor­ma­ti­on im Jahr 2004 hat die beein­drucken­de Bas­si­stin und Sän­ge­rin Kim Deal die Pixies lei­der ver­las­sen, ihr Ersatz Kim Shat­tuck von den Muffs sprang nur vor­über­ge­hend ein (sie ist auf „Indie Cin­dy“ zu hören) und wur­de noch im glei­chen Jahr wie­der gefeu­ert; seit Ende 2013 ist die Argen­ti­nie­rin Paz Len­chan­tin die Frau am Bass.

    Und eigent­lich fehlt auch nichts, die Pixies klin­gen immer noch frisch wie damals, Charles Thomp­sons Alter Ego Black Fran­cis hat von sei­ner Ener­gie nur wenig ein­ge­büßt. Mit „What Goes Boom“ beginnt „Indie Cin­dy“ stan­des­ge­mäß mit kräf­ti­ger Gitar­re, die Rhyth­mus­grup­pe tritt mit Schmackes voll in die Eisen, wäh­rend ihr Front­mann gewohnt mehr­deu­ti­ge Tex­te rezi­tiert. Der Refrain – wie einst „Deba­ser“ oder „Hey“ – ist einprägsam:

    Make
    Some
    Room
    What
    Goes
    Boom

    Kann man sich mer­ken, kann man auch zu fort­ge­schrit­te­ner Stun­de noch mit­brül­len. Höchst erfreu­lich für uns, die wir es bis­wei­len ja doch auf die fron­ta­le Breit­sei­te der Pixies abge­se­hen haben und lei­se Töne gar nicht erst erwarten.

    Dabei kön­nen sie auch anders: Nick Cave & The Bad Seeds kom­men – wäre da nicht der schlim­me Wee­zer-Gedächt­nis­re­frain – im Titel­stück in den Sinn, an wen mich das super­be „Bag­boy“, das zunächst auf der „EP1“ als erstes Stück nach Kim Deals Weg­gang ver­öf­fent­licht wur­de, mit sei­nem Wech­sel­ge­sang (cover your breath, polish your speech!) erin­nert, weiß ich nicht; viel­leicht am Ehe­sten noch an die Pixies selbst. Sie zu covern sei schwie­rig, heißt es, und auch im Jahr 2014 stel­len die Pixies wie­der unter Beweis, was (neben obsku­ren Lied­ti­teln wie „Blue-Eyed Hexe“) wir eigent­lich an ihnen haben.

    Das ist vor allem eine Men­ge Spaß.

    Hör­pro­ben:
    Ein annehm­ba­res Live­vi­deo zu „What Goes Boom“ gibt es auf You­Tube, ein Musik­vi­deo zu „Bag­boy“ auf Vimeo zu sehen. Auf Amazon.de könnt ihr „Indie Cin­dy“ als Dop­pel­vi­nyl mit CD kau­fen und drei­ßig­s­ekün­dig rein­hö­ren, per WiMP und Groo­veshark auch in vol­ler Länge.

  10. Car­la Bozu­lich – Boy
    „Why do you think that I sing about the­se things that I do?“ (Ain’t No Grave)

    In Pro­gres­si­ve-Rock-Krei­sen sind zwei Car­las mitt­ler­wei­le welt­be­kannt: Die US-ame­ri­ka­ni­sche Vio­li­ni­stin Car­la Kihl­stedt arbei­te­te schon mit John Zorn und Fred Frith zusam­men, regel­mä­ßi­ge Leser mei­ner Rezen­sio­nen ken­nen auch ihr Pro­jekt The Book of Knots, deren Album „Trai­nea­ter“ ich 2011 lobend her­vor­hob.

    Auf „Trai­nea­ter“ ist die ande­re Car­la am Mikro­fon zu hören: Car­la Bozu­lich, erst­mals im Umfeld von Slee­py­ti­me Goril­la Muse­um auf­ge­taucht und seit­dem mit diver­sen Musik­grup­pen wie etwa ihrer eige­nen Band Evan­ge­li­sta zugan­ge, hat mit „Boy“ nach eini­gen Jah­ren wie­der ein­mal ein Solo­al­bum unter ihrem eige­nen Namen auf­ge­nom­men. Solo? Nun ja, zu hören sind neben Frau Bozu­lich ein Schlag­zeu­ger, ein Key­boar­der und ein Hin­ter­grund­chor, aber alle Betei­lig­ten waren offen­bar damit ein­ver­stan­den, ihren Namen nicht pro­mi­nent auf das Album drucken zu lassen.

    Die Musik von Evan­ge­li­sta wag­te schon immer den Spa­gat zwi­schen Zer­brech­lich­keit und Aggres­si­on, sie ist sanft und zugleich rau. Mit „Boy“ pflegt Car­la Bozu­lich ihren gewohn­ten Stil wei­ter. Müss­te ich Ver­glei­che bemü­hen, ich wähl­te „Tom Waits in weib­lich“, was bei­den Künst­lern gegen­über zutiefst unfair wäre, wes­halb ich dank­bar bin, dass das gar nicht nötig ist.

    Zumal Frau Bozu­lich auch wesent­lich zurück­hal­ten­der musi­ziert, die Aggres­si­on, die in Tom Waits‘ Schaf­fen immer wie­der her­vor­scheint, fehlt hier. Das eröff­nen­de „Ain’t No Gra­ve“, das die dezen­te Avant­gar­de von Evan­ge­li­sta erah­nen lässt, ist noch eins der här­te­ren Stücke, aber es bleibt still. In der Ruhe liegt die Kraft; die dann auch „Deeper Than The Well“ und „One Hard Man“ aus­strah­len, wäh­rend eine Gitar­re und aller­lei Elek­tro­ni­sches beglei­tend schep­pern. Die Bad Seeds tref­fen auf broken.heart.collector und las­sen Gwen Ste­fa­ni auch mal sin­gen. Kam­mer­prog, Jazz­pop. Gen­res sind für’n Arsch.

    Egal, wie mör­de­risch die Tex­te sind („I’m gon­na stop kil­ling today, make bet­ter use of my hands“, in: „Gon­na Stop Kil­ling“), Car­la Bozu­lich bleibt gelas­sen. Beäng­sti­gend und des­halb fas­zi­nie­rend. „Boy“ sei ihr „Popal­bum“, behaup­tet das Bei­heft zur CD. Ich habe Pop viel schlim­mer in Erin­ne­rung. – Erwähn­te ich, dass ich den Gesang mag?

    Hör­pro­ben:
    Ama­zon. WiMP. Groo­veshark. Völ­lig egal. Live? „One Hard Man“. Noch ver­rück­ter als auf dem Album, stil­echt mit Ker­zen­licht. Hörbefehl!

  11. Clo­sure In Mos­cow – Pink Lemonade
    „Do you know you’re a lovely old soul?“ (Seeds of Gold)

    Mit „Pink Lemo­na­de“ – die­ser Name! – schließ­lich legen die Austra­li­er Clo­sure In Mos­cowdie­ser Name! – eines der abwechs­lungs­reich­sten Musik­al­ben der ersten Jah­res­hälf­te vor.

    Geprägt ist das Album von einer Zer­ris­sen­heit, die auch RIO/A­vant-Bands wie Sebkha-Chott aus­zeich­net, obwohl Clo­sure In Mos­cow weni­ger albern agie­ren und auch einen deut­lich gerin­ge­ren Metal­an­teil haben. Mehr noch als Sebkha-Chott kom­men dem geneig­ten Rezen­sen­ten aller­dings die guten alten Mr. Bung­le in den Sinn, die ihrer­zeit musi­ka­li­sche Spä­ße wie „Egg“ und „Girls of Porn“ aufnahmen.

    Zwar haben Clo­sure in Mos­cow kei­nen Mike Pat­ton als Sän­ger, den­noch schaf­fen sie es, mit ins­ge­samt sechs Gast­sän­gern (deren Bei­trag dann auch schon mal als „Vocals and gene­ral ado­rableness“ beschrie­ben wird) ziem­lich nen­nens­wer­te Lei­stun­gen zu voll­brin­gen. Dass sich die Ver­trackt­heit von „Pink Lemo­na­de“ hin­ter Wohl­klang ver­birgt, steht außer Fra­ge, und dass Titel wie „Mau­er­bau­er­trau­rig­keit“ (sic!) genau so klin­gen, wie sie hei­ßen, ist höchst will­kom­men; dann steht eben schon mal das Indie-Rock-Pop-Lied „Seeds of Gold“ neben der Psy­che­de­lic-Suite „That Brah­ma­tron Song“. Na und?

    „That Brah­ma­tron Song“ (was genau ein Brah­ma­tron sein soll, konn­te ich bis­lang nicht in Erfah­rung brin­gen) ist ohne­hin ein gutes Bei­spiel, wie’s auch gehen kann: Nach einem weit­ge­hend unauf­fäl­li­gen intro folgt zunächst ein Alter­na­ti­ve-Rock-Teil, in dem der „Brah­ma­tron Song“ als nicht gött­lich, eher sata­nisch beschrie­ben wird. Brah­ma, der hin­du­isti­sche Schöp­fungs­gott, ist wahr­schein­lich also nicht betei­ligt. Das Stück geht zum Ende hin in ein ziem­lich psy­che­de­li­sches, über­dreh­tes Fina­le über.

    Ach, über­dreht? Schal­ten wir mal zwei Stücke zurück: „Neo­pre­ne Byzan­ti­ne“ klingt wie von einer noch brei­te­ren Ver­si­on von The Mars Vol­ta, und auch das Titel­stück schlägt in die­se Ker­be. Unter­schie­de? Es gibt mehr Sän­ger bei­der­lei Geschlechts, mehr Psy­che­de­li­sches, mehr Effek­te, mehr Spaß. Mir waren The Mars Vol­ta immer etwas zu hek­tisch, Clo­sure In Mos­cow dosie­ren ihre Mit­tel hin­ge­gen genau rich­tig. Mas­sen­wa­re ist „Pink Lemo­na­de“ nicht, eher im Gegenteil:

    Wer sich etwas Unge­wöhn­li­ches, teil­wei­se abge­fah­ren Prog­gi­ges antun möch­te, der soll­te mal Clo­sure in Mos­cow antesten.

    Ein­fach mal was aus­pro­bie­ren. Schlie­ßung in Mos­kau, Tanz auf den Tischen.

    „ピンクレモネード“, so heißt das letz­te Lied, ist übri­gens Japa­nisch und bedeu­tet so viel wie – ihr ahnt es – rosa Limo­na­de. Prost!

    Hör­pro­ben:
    Zu „Seeds of Gold“ gibt es ein Video auf You­Tube, zum Anfi­xen mag’s genügen.

2. In Kür­ze

War das schon alles? Aber nein! Die­se drei Alben möch­te ich zumin­dest noch kurz erwäh­nen, bevor es zum näch­sten The­ma geht:

  1. Sub­way to Sal­ly – Mitgift

    Die ost­deut­sche Mit­tel­al­ter-Metal-Com­bo Sub­way to Sal­ly, die ab Mit­te der 1990-er Jah­re ein paar (im Wort­sin­ne) fabel­haf­te Musik­al­ben auf­ge­nom­men hat, bevor sie es vor­über­ge­hend mit mehr Elek­tro­nik und weni­ger Authen­ti­zi­tät ver­sucht hat­te, hat mit dem Kon­zept­al­bum „Mit­gift“ – Unter­ti­tel: „Mör­der­ge­schich­ten“ – zu alter Form und Stär­ke zurück­ge­fun­den. „Was uns einst von Gott gege­ben, wird uns auch der Tod nicht neh­men“ („Schwar­ze Sei­de“). Bit­ter­süß und wunderbar.

  2. iamt­he­morning – Miscellany

    Das rus­si­sche Duo iamt­he­morning – jeden­falls behaup­tet das Inter­net, sie sei­en im Kern zu zweit – ist für regel­mä­ßi­ge Leser mei­ner Rezen­sio­nen ein bekann­tes, sein Album „~“ fand ich 2013 ja wort­reich gut. Nun also statt eines kryp­ti­schen Titels ein eben­falls nicht ziel­füh­ren­der. „Mis­cel­la­ny“, „Ver­misch­tes“. Pünkt­lich am 1. Janu­ar 2014 erschien die­se EP von etwas über 23 Minu­ten Spiel­dau­er in Vor­be­rei­tung auf das zwei­te Voll­zeit­al­bum, das ich dann mal in mei­nem schier gren­zen­lo­sen Opti­mis­mus noch in die­sem Jahr erwar­te. Zu hören gibt es über­wie­gend schö­nen unplug­ged-Kam­mer­rock mit vie­ler­lei Strei­chern und umwer­fen­dem Gesang (Vor­der- und Hin­ter­grund) von Mar­ja­na Sem­ki­na. Es gibt auch einen Stream. Augen zu und hinein!

  3. We Insist! – We Insist!

    Ein Album, das wie die Band heißt. Aus­druck man­geln­der Krea­ti­vi­tät? Manch­mal schon, aber auf We Insist! trifft das nicht zu. Saxo­pho­nist Fran­çois Wong und zwei­ter Gitar­rist Juli­en Divi­sia sind weg, zurück bleibt ein Trio mit zwei Gast­sän­gern und einem Gast­ak­kor­deo­ni­sten. Rudi­men­tär musi­zie­ren die Her­ren den­noch nicht, schon das eröff­nen­de „While the West is Fal­ling“ über­fällt den Hörer mit fet­zi­gem Mathrock und einer ange­neh­men Dosis RIO/​Avant, „First Draft“ über­zeugt mit nach vorn pre­schen­den Stro­phen und einem zer­ris­se­nen Rhyth­mus, der jedes stu­pi­de Mit­klat­schen qua­si ver­bie­tet. „Grin­ding Down The Pole“ klingt sogar mit einem Ban­jo dreckig. Mathrock, wie er sein muss. Ich mag die Rich­tung, in die sich die Band ent­wickelt. Rein­hö­ren!

3. Ins Down­load­ver­zeich­nis

  • Taci­ta Inte­sa – Taci­ta Intesa

    Auch Ita­li­en weiß in die­sem Jahr zu über­zeu­gen: Taci­ta Inte­sa („Still­schwei­gen­des Ein­ver­ständ­nis“) aus der Tos­ka­na legen zwei Jah­re nach ihrer Grün­dung mit ihrem Debüt­al­bum ein kurz­wei­li­ges Psy­che­de­lic-Rock-Werk vor, das den Spu­ren von Pink Floyd und Gene­sis bleibt, gleich­wohl mehr bie­tet als eine blo­ße Kopie.

    Der „Val­zer del­la Mor­te“ ist tat­säch­lich ein sol­cher, im kur­zen „Port­man­te­au“ klingt (sanft) Hard­rock an, „Coro­na“ ist ein floy­des­kes Stück, dem Danie­le Stoc­chi (Key­boards und Syn­the­si­zer) eben­so mar­kant sei­nen Stem­pel auf­drückt wie auch dem Rest des Albums. Der (natür­lich ita­lie­ni­sche) Gesang von Gitar­rist und Sän­ger Ales­san­dro Gra­nel­li run­det „Taci­ta Inte­sa“ ab.

    „Taci­ta Inte­sa“ ist ein sehr ita­lie­ni­sches Album, und ich mei­ne das posi­tiv: Zwar ori­en­tiert es sich wie vie­le ita­lie­ni­sche Musik­al­ben der letz­ten Jah­re mit­un­ter stark am klas­si­schen Pro­gres­si­ve Rock, aber die fünf Musi­ker tra­gen über das blo­ße Nach­ah­men hin­aus eine Spiel­freu­de mit sich, die bei­na­he ansteckend ist. Ich bin gespannt, was da noch kommt.

    Run­ter­ho­len:
    „Taci­ta Inte­sa“ gibt es auf Bandcamp.com als Stream und zum Her­un­ter­la­den und Kau­fen, aber auch via eMu­le wer­det ihr fündig.

4. Ins Kröpf­chen

Es ist nicht alles rund, was sich dreht, und wenn die Medi­en etwas gut fin­den, dann haben sie nur all­zu oft Unrecht. Plat­ten anhand ihrer Bewer­tun­gen auf Amazon.de zu kau­fen. Ein neu­es Jahr, ein neu­es „hät­tet ihr mal lie­ber nicht“. Natür­lich möge ein jeder Musi­ker das tun, was ihm Spaß macht, und wie auch der Rest die­ser Liste ist mei­ne Aver­si­on gegen man­ches eine sehr per­sön­li­che Auf­fas­sung von dem, was gute und weni­ger gute Musik ausmacht.

Ich mache jeden­falls bei fol­gen­den dies­jäh­ri­gen Musik­al­ben und EPs aus:

  • Cara­van – Para­di­se Filter
    Die wohl lang­le­big­ste Grup­pe aus dem Can­ter­bu­ry-Umfeld ist immer noch da. All­mäh­lich fra­ge ich mich nur, wofür das gut ist.
  • Empi­re Years – Come Alive
    Kostet (auf Wunsch) nichts und wäre wirk­lich eine ziem­lich pri­mae Post­punk­schei­be, wenn man nicht stän­dig die­sen schreck­li­chen Unhei­lig-Gedächt­nis­ge­sang im Ohr hätte.
  • Phar­rell Wil­liams – G.I.R.L.
    War­um One-Hit-Wun­der – „Hap­py“ macht mich gar nicht mehr fröh­lich – immer gan­ze Alben auf­neh­men müs­sen, ist mir unklar. Man weiß doch, wie es endet.
  • The Melo­dic – Eff­ra Parade
    Hier ist bei­na­he alles drauf, was auf Alben von Bel­le and Seba­sti­an zu hören ist, lei­der jedoch nichts von dem, was auf Alben von Bel­le and Seba­sti­an hörens­wert ist.
  • Kau­ka­sus – I
    Dies wäre groß­ar­ti­ger Retro-Folk-Prog von Mit­glie­dern von Äng­la­gård, Motor­psy­cho und Opi­um, wenn der Gitar­rist nicht auch ver­su­chen wür­de zu sin­gen. Sehr schade.
  • Yes – Hea­ven & Earth
    Nach dem eigent­lich recht guten „Fly from Here“ von 2011 legen die guten alten Yes mit schon wie­der neu­em Sän­ger jetzt eine unglaub­li­che Schei­ße vor. Chris Squi­re sag­te im „eclipsed“-Interview, ihr Ziel sei­en die welt­wei­ten Hit­pa­ra­den. Nun denn.

Aber genug von heu­te. Wie war’s gestern?

5. Aus der Geschichte

  • Vor 40 Jahren:
    1974 – Erich Käst­ner starb, die Jack­son Five erklom­men gera­de die US-ame­ri­ka­ni­sche und Suzi Qua­tro die deut­sche Hit­pa­ra­de – war ein Jahr der letz­ten Male für den Pro­gres­si­ve Rock. In Deutsch­land beweg­ten sich Grob­schnitt mit ihrem zwei­ten Album Bal­ler­mann, ins­be­son­de­re mit dem ent­hal­te­nen Live­klas­si­ker „Solar Music“, auf den Höhe­punkt ihrer Kar­rie­re zu, King Crim­son ver­öf­fent­lich­ten mit Red und Starless and Bible Black zwei ihrer besten Stu­dio­al­ben, bevor sie sich – nicht zum letz­ten Mal – vor­erst trenn­ten. Auch bei den Can­ter­bu­ry-Urge­stei­nen Cara­van, die ihren Bas­si­sten John Per­ry durch Mike Wedgwood ersetz­ten, und den RIO/A­vant-Pio­nie­ren Hen­ry Cow gab es Ände­run­gen: Mit Unrest erschien das letz­te regu­lä­re Hen­ry-Cow-Album mit John Grea­ves; nach dem anschlie­ßen­den Zusam­men­schluss mit Slapp Hap­py ver­ließ der Bas­sist die Band, die sich 1978 schließ­lich auf­lö­ste. Yes, deren Key­boar­der Rick Wak­e­man es ein­mal solo ver­su­chen woll­te, konn­ten den Per­so­nal­wech­sel bes­ser ver­kraf­ten, lie­hen sich Patrick Moraz von Refu­gee aus und nah­men das für ihre Ver­hält­nis­se recht raue, spa­ci­ge Album Relay­er mit dem aus­ufern­den „The Gates of Deli­ri­um“, das lose auf Tol­stois „Krieg und Frie­den“ basiert, auf, das in mei­ner per­sön­li­chen Yes-Besten­li­ste weit vor dem Kon­sen­sal­bum Clo­se To The Edge steht und eini­ge groß­ar­ti­ge Text­zei­len („Cha cha cha /​ cha cha“, „Sound Cha­ser“) für die Ewig­keit kon­ser­vier­te. Rick Wak­e­man kehr­te für das Fol­ge­al­bum Going For The One wie­der zurück, Relay­er bleibt jedoch unver­gäng­lich. Das ist sehr nett von Yes.
  • Vor 30 Jahren:
    1984 war kei­ne Anlei­tung! Wofür auch? Dafür pas­sier­te viel zu viel: Richard von Weiz­säcker wur­de Bun­des­prä­si­dent, der Apple Mac­in­tosh wur­de ein­ge­führt, Die Ärz­te ver­öf­fent­lich­ten mit Debil – zuvor gab es bereits eine EP sowie das Mini­al­bum Uns geht’s pri­ma… – ihr erstes, Die Toten Hosen mit Unter fal­scher Flag­ge ihr zwei­tes Album. RIO hat­te sich auch in die­ses Jahr her­über­ge­ret­tet: Chris Cut­ler von Hen­ry Cow mach­te mit Cas­si­ber wei­ter und nahm mit die­sen das impro­vi­sier­te, sym­pa­thisch schrä­ge Album Beau­ty and the Beast auf. King Crim­son zer­streu­ten sich der­weil nach Three of a Per­fect Pair wie­der ein­mal in alle Win­de. Die Red Hot Chi­li Pep­pers ver­öf­fent­lich­ten ihr Debüt­al­bum und Her­bert Grö­ne­mey­er das Mit­gröl­al­bum 4630 Bochum („Alko­hol“, „Flug­zeu­ge im Bauch“). Mag­ma brach­ten mit Mer­ci ein ver­zicht­ba­res Album zu Gehör, Maril­li­on indes mach­ten es bes­ser: Dem Debüt­al­bum Script for a jester’s tear lie­ßen die fünf Bri­ten, nach­dem sie den etwas holp­rig spie­len­den Schlag­zeu­ger Mick Poin­ter aus­ge­tauscht hat­ten, das kriegs­kri­ti­sche Fuga­zi fol­gen, das zum Mei­len­stein des „Neo-Progs“ wur­de. Bis zu „Kayl­eigh“ war es dann aber lei­der nicht mehr weit.
  • Vor 20 Jahren:
    „Man muss sich ganz schön ein­schrän­ken, wenn Krieg ist“ stell­ten Die Gol­de­nen Zitro­nen auf dem 1994 erschie­ne­nen Das biß­chen Tot­schlag lapi­dar fest. An Krieg man­gel­te es ja auch in die­sem Jahr nicht, ins­be­son­de­re in Ruan­da wur­de hart gekämpft. Dazu pass­te das Album The Down­ward Spi­ral der Nine Inch Nails, das vom „Rol­ling Stone“ zutref­fend als musi­ka­li­sche Exi­stenz­angst beschrie­ben wur­de, im Grun­de eben­so gut wie Defi­ni­te­ly May­be, das Debüt­al­bum von Oasis, von denen ich immer Kopf­weh krieg. Heu­te heißt’s immer­hin „Nie wie­der Oasis“, 1994 hin­ge­gen for­der­te die Erste All­ge­mei­ne Ver­un­si­che­rung: Nie wie­der Kunst. Des­sen unge­ach­tet nah­men die ver­rück­ten Japa­ner Kōen­ji Hyak­kei mit ihrem Debüt­al­bum Hund­red Sights of Kōen­ji Kunst zwar nicht auf’s Korn, aber auf. Irgend­wann im März des Jah­res lösten sich Nir­va­na auf, ihr Front­mann Kurt Cobain hat­te aber nicht mehr viel davon. „Me and my fuck­ing gun“ (Nine Inch Nails, „Big Man With A Gun“) – so fügt sich alles zusammen.
  • Vor 10 Jahren:
    Ähn­lich, wie 1974 ein Jahr der letz­ten Male war, war 2004 ein Jahr der Anfän­ge. Mark Zucker­berg, Dustin Mosko­vitz, Chris Hug­hes und Edu­ar­do Saverin grün­de­ten Face­book, ein paar Ver­eins­mei­er grün­de­ten Wiki­me­dia Deutsch­land, selbst­be­ti­tel­te Debüt­al­ben gab es unter Ande­rem von BIO, dem Kam­mer-Jazz­rock-Quar­tett Far Cor­ner, Ste­ven Wil­sons unge­zähl­tem Neben­pro­jekt Black­field (mit Aviv Gef­fen) und der Schwei­zer Stoner-Rock-Band Monkey3. 2004 beleb­te im Übri­gen Gra­ham Sut­ton die Band Bark Psy­cho­sis, die nach der Ver­öf­fent­li­chung ihres Debüt­al­bums HEX zehn Jah­re zuvor aus­ein­an­der­ge­bro­chen war, wie­der. Für das Album ///CODENAME:dustsucker hol­te er neben dem Urmit­glied Mark Sim­nett (Schlag­zeug) auch vie­le Gast­mu­si­ker ins Stu­dio, mit denen Bark Psy­cho­sis zum Teil bereits frü­her zusam­men­ge­ar­bei­tet hat­ten, dar­un­ter Lee Har­ris (Talk Talk, .O.rang). Das Ergeb­nis hat es unter Ande­rem in die Liste der „250 besten unbe­kann­ten Plat­ten“ im „Musik­ex­press“ (aktu­el­le Aus­ga­be) geschafft, kann sich aber auch sonst hören las­sen: „Eine wun­der­ba­re Schei­be“ für Freun­de von Mark Hol­lis‘ Musik lie­ge hier vor, Post­rock von sei­ner zer­brech­li­chen Sei­te. Seit 2005 haben Bark Psy­cho­sis aller­dings nur wenig Akti­vi­tät gezeigt. Ich hof­fe, sie kom­men zurück.

Dass sich seit Ende Juni noch eini­ge wei­te­re Musik­al­ben ange­sam­melt haben, die ich hier nicht berück­sich­tigt habe, spricht dafür, dass es im Dezem­ber mit einer wei­te­ren Rück­schau wei­ter­ge­hen wird. Kri­tik, Anmer­kun­gen und Ergän­zun­gen sind willkommen.

Bis dann!

(Für S.)

Seri­en­na­vi­ga­ti­on« Musik 12/​​2013 – Favo­ri­ten und Ana­ly­seMusik 12/​​2014 – Favo­ri­ten und Analyse »

Senfecke:

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