KaufbefehleMusikkritik
The Book of Knots – Traineater

Während ich heute mein freitägliches Lauschpensum absolvierte, erreichte außer einer Menge belanglosen Zeugs auch dieses eine Album meine Ohren und ließ mich interessiert aufhorchen.

The Book of Knots ist ein Musikerkollektiv aus New York, das sich für (vorerst) drei Alben mit einigen Gastmusikern zusammengefunden hatte, mit „Garden of Fainting Stars“ in diesem Jahr den Abschluss der Trilogie veröffentlichte und nun vielleicht weiter existiert, vielleicht aber auch nicht. „Traineater“, „Zugesser“, ist das zweite Album und erschien 2007.

Die beteiligten Musiker stammen überwiegend aus dem Avantgarde-Metal-Sektor um die mittlerweile aufgelösten Sleepytime Gorilla Museum. Als Gastmusiker sind unter anderem Tom Waits und Trey Spruance zu hören, woraus man bei entsprechendem Hintergrundwissen schon erahnen kann, wie das Album so klingt. Besitzt man dieses Hintergrundwissen nicht, so fällt die Beschreibung etwas ausführlicher aus:

Im Kern besteht The Book of Knots aus Matthias Bossi (unter anderem Schlagzeug und Gesang), Joel Hamilton (unter anderem Gitarren und Gesang), Tony Maimone (diverse Bässe und Gesang) und seit „Traineater“ auch Carla Kihlstedt (unter anderem Geigen und Gesang), nicht zu verwechseln mit Carla Bozulich, die, wenn ich nicht irre, hier lediglich als Gastmusikerin den Gesang in „View From The Watertower“ übernimmt.

Das zentrale Thema von The Book of Knots lautet „Niedergang“. Handelten die Texte auf dem Debüt von dem Niedergang der US-amerikanischen Fischerdörfe, so ist es auf „Traineater“ der „Rostgürtel“, der nordamerikanische „Ruhrpott“ also, dessen langsames Siechen hier besungen wird. (Einige Leser kennen dieses Prinzip vielleicht von der Band Big Big Train, die auch gern ein paar Jahrzehnte in die Vergangenheit zurückgreift, allerdings in die britische.) Anders (etwas esoterischer) ausgedrückt:

The Book Of Knots erzählen auch auf ihrem zweiten Album nicht etwa die pathetische Science Fiction einer Revolution der Maschinen, sondern inszenieren die stoische Zerstörungskraft einer riesigen, außer Kontrolle geratenen Hurrikan-Apparatur, der es herzlich egal ist, ob sie Rosenfelder niedermäht oder irgendeinen Cyborg zum nächstbesten Bauernopfer zermatscht.

Das klingt geschrieben so radikal wie gehört, besticht aber gerade auch durch seine melodiösen, beinahe ruhigen Momente, die dem Hörer zwischendurch auch mal ein wenig Verschnaufpause gewähren. Es muss ja nicht immer hoch hergehen. Belege gefällig?

Auf YouTube gibt es zum Beispiel das großartige „Pray“ mit dem bereits erwähnten Tom Waits zu hören und das eröffnende „View From The Watertower“ ohne Tom Waits in einer nicht üblen Liveversion zu sehen. Wer es mag, der möge es kaufen. Der Rest möge die Augen verdrehen, „was für ein schrecklicher Lärm!“ skandieren und sich wieder seiner Easy-Listening-Radiobeschallung zuwenden. Aber zumindest ist er dann um eine Erfahrung reicher.

Senfecke:

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