KaufbefehleMusikkritik
Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra – Fuck Off Get Free We Pour Light on Everything

Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra - Fuck Off Get Free We Pour Light on EverythingDie Band mit dem elend langen Namen, der in seiner aktuellen Form noch nicht einmal der längste der Bandgeschichte ist (diesen Rekord dürfte „Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band with Choir“ im Jahr 2003 bis auf Weiteres halten), ist eines der unzähligen weiteren Musikprojekte, die aus dem als Dronetrio gegründeten und quasi nebenbei weiterhin aktiven Kollektiv Godspeed You! Black Emperor (kurz GY!BE) hervorgingen. Der „Choir“ im ehemaligen Bandnamen ist allerdings immer noch da, alle fünf derzeitigen Bandmitglieder bedienen gelegentlich auch mal das Mikrofon. Nach vier Jahren gibt es nun also wieder ein neues Studioalbum.

Schon auf dem Vorgängeralbum „Kollaps Tradixionales“ von 2010 reicherten die Musiker den musikalischen Weltschmerz, der bis dahin überwiegend als Schwermut und Trauer daherkam, mit zorniger Verzweiflung an; seit der Geburt von Ezra, dem gemeinsamen Sohn zweier Bandmitglieder, ist diese Verzweiflung, wie man weiß, schierer Wut gewichen; Wut auf die Politik im Besonderen, die dem friedfertigen Miteinander der Menschen Steine in den Weg zu legen pflegt. So wütend wie auf „Fuck Off Get Free We Pour Light on Everything“ hat man Efrim Menuck seit dem „GY!BE“-Debüt „f#a#∞“ von 1997 nur selten gehört.

Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra - What We Loved Was Not Enough (Live at Lee's Palace)

Die von Ezra gesprochene Zeile am Anfang des Albums – „We live on the island called Montreal, and we make a lot of noise because we love each other!“ – gibt also auch dessen Richtung vor: Hier wird die Liebe der Menschen zueinander mit Musik verteidigt. Verteidigt werden muss sie offenbar zumindest gegen die Politik, nicht gegen die Kirche, denn jüdischer Glaube bleibt ebenso ein Antrieb wie die Vaterschaft:

Lord, let my son live long enough to see that mountain torn down!
Austerity Blues

Mit „f#a#∞“, der vertonten Apokalypse, hat „Fuck Off Get Free We Pour Light on Everything“ insofern auch die Endzeitstimmung gemeinsam: And the day has come when we no longer feel („What We Loved Was Not Enough“), mechanisch agiert ein Mensch in fremder Dunkelheit eben anders. Befreit euch, wir begießen alles mit Licht.

Großartige Musik.

Senfecke:

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