KaufbefehleMusikkritik
Gen­res sind soo 90er: Boris – Noise

Boris - NoiseBei „Boris“ denkt man­cher viel­leicht an Russ­land, manch ande­rer an Ten­nis. Die japa­ni­sche For­ma­ti­on, die sich eben­falls Boris nennt, hat mit „Noi­se“ aller­dings eines der bemer­kens­wer­te­sten Musik­al­ben des Jah­res 2014 ver­öf­fent­licht. Auf dem Cover­bild seht ihr einen Stuhl. Setzt euch erst mal hin!

Nun ist ein neu­es Boris-Album kei­ne Über­ra­schung, immer­hin erscheint ein sol­ches seit der Band­grün­dung 1996 bei­na­he jähr­lich. Abnut­zungs­er­schei­nun­gen aber sind den drei Musi­kern fremd, sie blei­ben krea­tiv. Was wird gespielt? „Dro­ne Metal“ und „Pro­gres­si­ve Rock“ ste­hen im Inter­net als Eti­ket­ten dran, und Eti­ket­ten sind, wie der geneig­te Leser weiß, nur Feigenblätter.

Laut Pres­se ist’s mit Gen­res auch nicht getan:

[Noi­se] ver­stärkt Boris‘ end­lo­ses Stre­ben nach musi­ka­li­schen Extre­men und lässt zugleich aggres­si­ven, inten­si­ven Rock in neue Gebie­te vor­drin­gen. Die Band ver­mengt hier mei­ster­haft Sludge-Rock, Bla­sen bil­den­den Crust­punk, schim­mern­den Shoe­ga­ze, episch don­nern­den Doom, psy­che­de­li­sche Melo­dien und so ziem­lich alles, was sie je gemacht haben.

Dabei beginnt „Melo­dy“ noch behut­sam mit lei­ser Gitar­re und Syn­the­si­zer, wenig spä­ter aber bricht der rock los, es gibt Elek­tro­nik und Indie und ordent­lich Bass:

Boris pre­schen nach vorn. Mit Pro­gres­si­ve Rock, wie man ihn sich vor­stellt, hat das nicht viel zu tun, und das ist nicht schlimm. Im fol­gen­den „Vanil­la“ win­ken die guten alten Mars Vol­ta aus der Mot­ten­ki­ste und brin­gen eine Ladung Metal mit. Wer es lie­ber behä­big und rhyth­misch mag, der kommt in „Ghost of Romance“ und in „Hea­vy Rain“, des­sen Anfang ich irgend­wo­her – Red Hot Chi­li Pep­pers? – zu ken­nen glaube.

Was kann da noch kom­men? Japa­ni­scher Gitar­ren­pop! „Tai­yo no baka“. Ich ver­ste­he kein Wort. Ver­hall­ter Gesang aus allen Rich­tun­gen, dazu trei­ben­de Gitar­re und ein Die Ärz­te wür­di­ger Surf­rock-Refrain. Eiderdaus.

Boris – 太陽のバカ (Tai­yo no Baka)

Ande­re Bands wür­den mit so etwas ein Album begin­nen oder been­den, Boris sind aber nicht ande­re Bands. Wenn ihr eine Band wärt und hin­ter einem drei­ein­halb­mi­nü­ti­gen Poprock­lied noch Platz auf dem Album hät­tet, was wür­det ihr noch in die track­list auf­neh­men wollen?

Rich­tig: Einen „Long­track“. Ein lan­ges Stück eben. „Angel“, 18:41 Minu­ten lang, ist allein ein über­zeu­gen­der Grund, „Noi­se“ wert­zu­schät­zen. Behä­bi­ger Post­rock, Shoe­ga­ze, sucht euch was aus. Der Musik­freund sitzt mit Kopf­hö­rern und geschlos­se­nen Augen davor und nickt mit dem Beat. Ver­glei­che? dear john let­ter fal­len mir ein, auch God­speed You! Black Emperor und Mog­wai. Gesang ist Nebensache.

Moment, war nicht von Dro­ne Metal die Rede? Der kommt im Anschluss: „Quick­sil­ver“, noch mal 9:50 Minu­ten lang, lebt sechs­ein­halb Minu­ten lang vom Häm­mern des Schlag­zeugs und dem Krei­schen von Sän­ger und Gitar­re; die dann all­mäh­lich aus­klingt und dro­nes weicht. Sunn O))) sei­en nahe, heißt es, aber auf so etwas ist bei Boris kein Ver­lass. Gen­res? Kon­stan­ten? Wofür?

Wo der arme Saturn-Mit­ar­bei­ter die­ses Album ein­sor­tie­ren wird, ist also wahr­schein­lich allein dem Zufall über­las­sen. Schnel­ler wer­det ihr woan­ders fün­dig: „Noi­se“ könnt ihr strea­men oder kau­fen; wenn ihr Bandcamp.com aus irgend­wel­chen Grün­den mei­den wollt, gibt’s das Album auch auf Amazon.de. Gefällt mir.

Senfecke:

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