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Dalbello – whomanfoursays

Dalbello - whomanfoursaysDas ansonsten weitgehend unauffällige, mir aber genehme Musikmagazin „eclipsed” wies mich in seiner aktuellen Ausgabe auf „whomanfoursays” von Dalbello hin, ein Musikalbum aus dem dunklen Jahrzehnt, was allein schon so seltsam ist, dass ich es mir nicht nehmen lassen wollte, doch mal reinzuhören. Das war gut so.

Die Musikindustrie ist schäbig, sie ist es in den schlimmen 1980-ern aber auch schon gewesen. Gleichform, Gleichklang. Synthesizer. New Wave. Postpunk. Langweilig. Und mitten in den schlimmen 1980ern – 1984 – taucht da eine Kanadierin auf, die vorher unter ihrem echten Namen Lisa Dal Bello trotz einer gewonnenen Auszeichnung als Most Promising Female Vocalist (Juno Award 1978) seltsamen Discopop unter die Leute brachte, und macht erst mal ein komisches Wortspiel. „Who man four says”. „Human forces”. Ohweh.

Einige Jahre zuvor war Mick Ronson, unter anderem Gitarrist für David Bowie und Lou Reed, eher zufällig auf die gerade pausierende Sängerin aufmerksam geworden und überredete sie zu einem weiteren Album. Für dieses Album hat er offenbar einige seiner eigenen musikalischen Einflüsse eingebracht, denn vom Discopop wandte sich Frau Dal Bello ebenso ab wie von ihrem Vornamen und dem störenden Leerzeichen. Die viel versprechende Stimme hielt ihr Wort, die Frisur auch.

Lisa Dalbello – Gonna Get Close to You – live

Texte? Ach, Texte. Eighties, bitch. Da konnt’ man froh sein, wenn nicht jedes zweite bis dritte Wort „heart” war. Man glaubt das irgendwo im Radio schon mal gehört zu haben, aber wahrscheinlich war’s dann doch Kate Bush. Die feinen Nuancen machen’s interessant und hörenswert, und die alten Marillion waren ja auch nicht so viel anders. Oder Madonna; es war ja nicht alles schlecht.

Dalbello live at Rockpalast 1985 – part 2 – Devious Nature

Die 80er sind dran, sie wollen ihre Musik zurück. Aber Dalbello bleibt hier.

Senfecke:

  1. ah, okay, die dalbello habe ich immer irgendwie mit toyah wilcox verwechsel, der gattin von robert fripp. von der war mir eigentlich nur dieser halbschräge rockpalast in erinnerung, aber danke für den hinweis auf mick ronson, einem meiner helden seit 1972 oder so. lieblingsspider, partner von ian hunter und vor allem wegen der beiden wunderbaren alben von 1974/75. muss ich mir also glatt noch mal anhören, die dalbello. weil mick ronson da mitspielt, die frau verwechsele ich in zukunft dann doch lieber wieder mit toyah ;-)

      • ich glaube nicht, dßa dir da groß was entgeht, ich würde eh (thema: eighties) die erste von den motels vorziehen, aber hey, du verwendest das cover von „court of the crimson king” als avatar, da sollte bei robert fripp ein groschen gefallen sein ,,, toyah ist seine frau und ich habe beide (toyah / dalbello) immer irgendwie verwechselt.

        die 80er btw. sind sooo langweilig nicht, ist halt eher eine frage, auf was man guckt. interessante alben für den zeitraum kannst du ja hier

        http://hinterwaldwelt.blogspot.com/2013/02/fandom-1001-records.html

        nachgucken, obwohl ich für die zwei jahrzehnte zuvor „besser sortiert” bin.

        • Robert Fripp kenne ich, nur seine Frau halt nicht. :) Von Laurie Anderson kenne ich ja auch nichts.

          Hm, ich habe ja in meinen halbjährlichen Rückschauen immer auch was aus den Achtzigern drin. Natürlich gibt es da was. Aber erschreckend wenig.

              • also, in jenen fernen tagen, in denen es so etwas wie „rockmusik” noch nicht gab, da gab es zwei männer, die jünglinge ausbildeten, die dann später so etwas wie cream (eric clapton, er lernte bei john mayall’s bluesbreakers) oder ua. led zeppelin (robert plant) bzw. die rolling stones gründen sollten.

                den einen (john mayall) nannte man damals (und wohl sehr GB-zentriert) „den könig des weissen blues” und den anderen den „vater des weissen blues” … aber, das gehört eigentlich zum grundschulwissen, wenn man sich mit so etwas wie rockmusik befasst ;-) fällt mir ein bißchen leichter, ich bin damit sozialisiert worden … und liebe eigentlich die platten von deep purple, die vor der „in rock” erschienen sind mehr als alles danach …

                http://www.allmusic.com/artist/john-mayall-mn0000238495/biography
                http://www.allmusic.com/artist/alexis-korner-mn0000001020/biography

                von mayall würde ich dir ad hoc bare wires oder blues from laurel canyon ans herz legen, von korner seine arbeit mit CCS oder „R & B at the cavern” von 1962 …

  2. [..] langweilig

    hey, ich finde die 27 cd box king crimson „starless” gerade auch „spannender”, aber … hey „bare wire” ist weit jenseits von cotton fields blues und definitiv niemals so langweilig wie dieser fake dingenskirchen elektronikkram, mit dem mich meine kiddies die woche gequält haben … der war langweilig ;-)

    • und das, was die „the strypes” da gerade so machen, das ist doch im grunde haargenau das, was die frühen stones gemacht haben.ist aber eh geschmackssache (sagte der affe und biss in die seife)

    • 27 CDs, tjaja. Drunter machen sie’s nicht. Aber den immergleichen Aufguss in verschiedenen Qualitätsstufen brauch’ ich nicht.

      Elektronikkrams? Du meinst diesen unsäglichen Popunfug?

      • [..] 27 cd’s

        hihi, ich fand schon „road to red” superspannend … es sind halt alles konzerte, aber als eingefleischter fan der grateful dead bin ich das gewohnt bzw. ziehe eh konzerte studioaufnahmen vor. wie gesagt superspannend, aber das muss nicht jeder mögen.

        [..] popunfug

        ganz ganz ganz schrecklich, musik als tapete.

        ich krieg’ da irgendwie platzangst. dann schon lieber 25 konzerte …

        • Ich besitze auch Konzertmitschnitte von KC, sogar legal im Schrank – aber dann doch bitte wenigstens ein abwechslungsreiches Set. Das Nervigste an KC-Konzerten ist, dass sie die Perlen aus ihrem Katalog kaum je spielen und immer nur den gleichen Elephant Talk und vielleicht mal irgendwas aus der Larks-Tongues-Reihe (meist „Red”) runternudeln.

          „Fallen Angel” wäre mal nett.

          • [..] fallen angel

            definitiv. ist halt auf der „red” und die erste box heisst eben „on the road to red” und die einzige version, die ich live von ihnen vom stück habe, findet sich auf „1972-10-13 Live at the Zoom Club, Frankfurt”. mich irritiert eher die besetzungspolitik und das sich auflösen in atomare projeckt’s. da ist bei den boxen einfach mehr konsistenz. und, allgemein, ist nach „three of a perfect pair” für mich jedenfalls ein bißchen die luft raus.

            aber, wir fachsimpeln … na gut, über eine der interessantesten band, immerhin ;-)

            • John Wetton tourt manchmal mit interessanten Nachwuchsbands, die teilweise sehr gute Versionen der alten KC-Stücke aufführen – das ist die einzige Version, die ich kenne.

              Hier ist Platz für Fachsimpelei, oder?

              • [..] fachsimpeln

                aber gerne doch: ich lege dir mal die 21st Century Schizoid Band ans herz, schön ist auch das Crimson Jazz Trio, die mit dem material so umgehen wie jazz is dead mit dem meiner lieblings- und hausband, den grateful dead, sprich sie kitzeln den jazz aus beidem heraus.

                king crimson habe ich übrigens mal in den 90ern in frankfurt, alte oper, gesehen mit dem california guitar trio. da waren sie schon in diesem erweiterten modus, sehr schön, obwohl wie gesagt, ich die ganz alten noch mit greg lake oder eben die wiedergeborenen mit adrian belew am meisten schätze.

                neben denen besteht eigentlich (imho) nur noch gentle giant den test of time, das sind dinge, die werden nie „alt” oder verlieren den reiz, nur weil die hochphase von so was wie progRock vorbei ist.

                • Gentle Giant touren ja auch noch unter wechselnden Namen. Auf die aktuelle Inkarnation von King Crimson – ohne Adrian Belew – werde ich erst mal warten, „The Power to Believe” war aber sterbenslangweiliger Schrott (außer „Happy With…”).

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