KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2008 — Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 1 von 29 der Serie Jahres­rück­blick

Hal­lo,

im Über­schwang meines derzeit enorm hohen Musikkon­sums habe ich beschlossen, schon jet­zt eine Hal­b­jahre­sanalyse aufzustellen:

Was hat der Musik­markt in diesem Jahr an Perlen zu bieten?

Einiges davon habe ich in früheren Ein­trä­gen schon ver­wurstet, bei Inter­esse bitte dort nach­le­sen.
Auf die charts möchte ich aus hof­fentlich ver­ständlichen qual­i­ta­tiv­en Grün­den nicht einge­hen. Zur Erstel­lung der ersten Top 5 der ersten bei­den Quar­tale 2008 dient mir meine eigene playlist, die doch recht prall gefüllt ist.

Anzumerken sei vor­weg, dass nur Alben berück­sichtigt wer­den, die ich ger­ade vor­liegen habe; außer­dem erhebt die Liste keinen Anspruch auf Voll­ständigkeit, das kommt dann erst am Ende des Jahres. Da sich Tex­tein­drücke in ein­er Kurzrezen­sion — für aus­führliche Rezen­sio­nen fehlt mir schlicht die Kom­pe­tenz — nur schw­er ein­fan­gen lassen, habe ich aus jedem Album eine möglichst aus­sagekräftige Textzeile her­aus­ge­sucht. Ich hoffe, das Exper­i­ment gelingt.

Zudem:
2008 bedeutet auch 40 Jahre “’68”. Die Entwick­lung der Musik anhand der jew­eils aktuellen gesellschaftlichen Struk­turen lässt sich anhand eines willkür­lich gewählten, doch markan­ten Beispiels anschaulich nachvol­lziehen, dazu jedoch unten mehr. Und vielle­icht find­et ja ein­er von euch neben­bei auch eine Geschenkidee für musikbe­sessene Fre­unde und Bekan­nte. (Wäre natür­lich ein net­ter Neben­ef­fekt.)

Es fol­gen die Top 5, num­meriert nach per­sön­lich­er Wer­tung:

  1. Dear John Let­ter — Between Leaves | Fore­stal
    “Final­ly time eras­es time, and all I can do is hide” (Clear­ing | Leav­ing)
     
    Ich hat­te es ja vor zwei Beiträ­gen schon angedeutet, daher hier nur die um einige Hörein­drücke erweit­erte Zusam­men­fas­sung:

    Nach der bzw. dem an sich schon wun­der­baren EP der Augs­burg­er Dear John Let­ter fol­gt nun­mehr ein Album, das mit einem gewohnt aufwändi­gen art­work aus der Masse der Plas­tikhüllen-CDs her­aussticht und zudem das erwäh­nte Erstlingswerk an Ton­qual­ität noch zu übertr­e­f­fen ver­mag.

    Die unge­fähre Dreivier­tel­stunde an Musik geht auch wie im Flug vor­bei:
    Wen­ngle­ich Dear John Let­ter sich nur ungern in ein Gen­reko­rsett zwän­gen lassen wollen, so ist hier doch der Postrock all­ge­gen­wär­tig. Gitar­ren­wände schwillen an und ebben ab, immer wieder set­zt der emo­tion­al hochw­er­tige Gesang ein und wieder aus. Keine Sekunde wird ver­schwen­det, auch end­los wirk­ende Schlagzeug­soli wer­den mit Bedacht einge­set­zt. Hier wird nicht gelärmt oder gar gerockt, hier wird musiziert. Die großen Vor­bilder Ocean­size, aber auch Mog­wai lassen in fast jedem Takt grüßen.

    Apro­pos Gesang: Der ist nicht lediglich schmück­endes Bei­w­erk, son­dern trägt auch wesentlich zur Stim­mung bei. So ist nicht nur die verträumt, aber auch verzweifelt wirk­ende Stimme des Her­rn Fis­ch­er ein prä­gen­des Ele­ment des Albums, auch die Texte kön­nen überzeu­gen. Nichts mit “I love you baby”, hier geht’s seel­isch-schmerzvoll zur Sache.

    Hör­probe:
    Ein­drücke vom Album sowie von der/dem EP kann man auf MySpace sam­meln.

    Und wenn man sich nach dem let­zten der ins­ge­samt sechs Stücke von dreiein­halb bis 11 Minuten Spielzeit in ein­er anderen Welt wiederfind­et und sich selt­sam leicht, aber auch leer fühlt, ist es Zeit für ein wenig Abwech­slung:

  2. Nick Cave & the Bad Seeds — Dig Lazarus Dig!!!
    “Pro­lix! Pro­lix! Noth­ing a pair of scis­sors can’t fix.” (We call upon the author)
     
    Der ehe­ma­lige Fürst der Fin­ster­n­is Nick Cave hat Blut geleckt. Nach­dem er schon mit seinem Neben­pro­jekt Grin­der­man ordentlich auf die Kacke gehauen hat, gibt’s mit Dig Lazarus Dig!!! auch wieder eine dur­chaus offen­sichtlich davon bee­in­flusste Scheibe der Bad Seeds zu kaufen.

    Reime sucht man, wie bei Cave üblich, fast vergebens, nur hier und da wird gedichtet; aber Fre­unde dieser Art von Musik, gen­retech­nisch zwis­chen Blues, Rock und Dark Wave einzuord­nen, erfreuen sich ohne­hin ver­mut­lich mehr am zynis­chen Sprechge­sang und düsteren Klang (noch ein Reim!) des Alt­meis­ters als an den Tex­ten.

    Die sind indes bis­sig bis belan­g­los, doch wen kümmert’s?
    Nach mehreren Durch­läufen macht’s Klick, und es wer­den Rem­i­niszen­zen erkan­nt, unter anderem an das fast schon leg­endäre The Gift von den noch leg­endär­ereren Vel­vet Under­ground. Düstere Erzäh­lun­gen im Vorder­grund, und im Hin­ter­grund gibt’s Rück­kop­plun­gen, “Lärm” en masse. Eine willkommene Abwech­slung zu all dem rosaroten Weich­spülpop im Radio.

    Hör­probe:
    Bei YouTube lässt sich der oben angedeutete Ver­gle­ich zwis­chen The Gift und We call upon the author anhand zweier Live­v­ideos hof­fentlich nachvol­lziehen.

    Und wem das dann doch zu anstren­gend ist, für den hält auch der erfreulicher­weise kon­stant aufgew­ertete Indie-Markt einiges bere­it, was zwar dur­chaus radio­tauglich wäre, aber sich gegen Super­stars, Pop­stars und ähn­lich arme Würstchen nur schw­er zu behaupten weiß:

  3. Black­mail — Tem­po Tem­po
    “You might die from med­ica­tion, but it’ll sure­ly kill the pain” (False Med­ica­tion)
     
    Black­mail aus Koblenz sind ein weit­er­er Beleg dafür, dass die deutsche Musikszene weitaus mehr zu bieten hat als nur Dieter Bohlen und die Flip­pers. Auf Tem­po Tem­po gibt’s zwar für Black­mail-Ken­ner keine Über­raschun­gen, aber soli­den Poprock zu hören, der kaum Erwartun­gen offen lässt.

    Ken­ner wür­den vielle­icht bessere Ver­gle­iche find­en, ich jedoch würde Black­mail irgend­wo zwis­chen The Killers und den Dandy Warhols einord­nen. Der Gesang bewegt sich zwis­chen den Spätwerken der Bea­t­les, Place­bo und Under the Influ­ence of Giants, während Bass- und Schlagzeugspiel mit den Gitar­ren­bret­tern Schritt zu hal­ten ver­suchen. Hier und da blitzt sog­ar Postrock auf, bspw. die Laut-Leise-Wech­sel in Speed­luv. Ins­ge­samt also solide Som­mer­musik für anspruchsvolle Musik­fre­unde, denen auch Place­bo-ähn­liche Texte, wie sie auf diesem Album dominieren, nichts aus­machen.

    Hör­probe:
    Das Video zu Shshshame (welch ein Titel!) gibt’s, wie üblich, bei YouTube.

    Und falls das zu anspruch­s­los ist: Im Jahr 2008 wird auch wieder mächtig gefrick­elt.

  4. The Tan­gent — Not as good as the book
    “It’s half past nine on Tues­day morn­ing, and still nobody“â„¢s land­ed yet on Mars” (Not As Good As The Book)
     
    Da nun das geplante Büh­nen-Come­back der Pro­gres­sive-Rock-Dinosauri­er Yes auf unbes­timmte Zeit ver­schoben wer­den muss, trifft es sich gut, dass die britis­che For­ma­tion The Tan­gent wie bish­er jedes Jahr ein neues Album veröf­fentlicht hat.

    Und das hat’s in sich:
    Über 94 Minuten Spielzeit, verteilt auf zwei CDs und konzip­iert als ein, nun ja, Konzep­tal­bum. Das Konzept des Albums zu ver­ste­hen fällt mit der Spe­cial Edi­tion ver­mut­lich am leicht­esten, enthält diese neben den CDs zusät­zlich eine 85-seit­ige Sci­ence-Fic­tion-Geschichte, die die Hin­ter­gründe der Lied­texte umfasst und erweit­ert.

    Diese Geschichte ist abstrus genug, aber schnell erzählt:
    Der Pro­tag­o­nist Dave, in den 70-ern Pro­gres­sive-Rock-Anhänger, ver­nichtet am 20. Juni 2008 (scheint also tat­säch­lich nur Sci­ence Fic­tion zu sein) verse­hentlich mit dem Album Relay­er von Yes die Welt. 80.000 Jahre später ver­suchen His­torik­er, mith­il­fe von 298 CDs aus unser­er Zeit zu rekon­stru­ieren, wie die Men­schen im 21. Jahrhun­dert gelebt haben.

    Hierzu wird inhaltlich fleißig zitiert und ange­spielt, es geht unter anderem um Microsoft, Mobil­tele­fone, Yes und Gen­e­sis. Durch Yes und Gen­e­sis scheinen auch die acht beteiligten Musik­er inspiri­ert wor­den zu sein, die die Inspi­ra­tio­nen mit mas­sig Can­ter­bury-Prog, Jaz­zrock und schep­pern­dem 70-er-Jahre-Rock ver­mis­cht und in einzelne Stücke ver­packt haben, die gen­re­typ­isch zwis­chen fast vier und über zwanzig Minuten lang sind.

    Dabei schaf­fen sie das Kun­st­stück, dass selb­st das Stück The full Gamut über die gesamte Spielzeit von 22:42 Minuten wie ein ein­heitlich­er Klangkos­mos klingt und immer wieder zum Kern­the­ma zurück­find­et — Ken­ner dieser Musikrich­tung wer­den sich an YesTales from topo­graph­ic oceans erin­nern.

    Aber hier gilt wie schon bei Dear John Let­ter:
    Dieses Album ist nicht fürs Aut­o­fahren, Buch­le­sen oder für die Hausar­beit geeignet. Man muss sich darauf ein­lassen, denn auch beim zehn­ten Hör­durch­lauf sind hier und da noch neue Details, neue Anspielun­gen und Zitate zu ent­deck­en.

    Hör­probe:
    Das erste Lied A cri­sis in mid life, das zwar eingängig­ste, aber durch die 80-er-Jahre-Key­boards auch untyp­is­chste Stück des Werkes, gibt es bei YouTube zu hören.

    Zu fröh­lich? Bitte sehr, Abhil­fe schafft fol­gen­des Werk:

  5. Thee Sil­ver Mt. Zion Memo­r­i­al Orches­tra & Tra-La-La Band — 13 Blues For Thir­teen Moons
    “We’re build­ing train wrecks in the set­ting sun” (Black Waters Blowed/Engine Broke Blues)
     
    Allein schon der Name der Gruppe, aus ver­ständlichen Grün­den oft zu A Sil­ver Mt. Zion gekürzt, ist eine Auf­nahme in diese Liste wert.

    Nie gehört? Dur­chaus ver­ständlich, han­delt es sich doch um ein Neben­pro­jekt der zurzeit für eine unbes­timmte Dauer auf Eis liegen­den und alles andere als radiokom­pat­i­blen Postrock-Heroen God­speed You! Black Emper­or. Während die Musik von GY!BE, so die offizielle Abkürzung des Namens, jedoch eben­so sper­rig ist wie der Name selb­st und mehr mit Sig­ur Rós als mit Ocean­size gemein hat, ist es bei A Sil­ver Mt. Zion eher umgekehrt:

    Der Name des Albums ist Pro­gramm. Blues, wen­ngle­ich in ein­er zap­paesk schrä­gen Dar­bi­etungs­form, gibt’s hier reich­lich, gepaart mit brachialen Wut- und Verzwei­flungsaus­brüchen sowohl der Instru­mente als auch des Sängers. Anders aus­ge­drückt: Hier wird rück­gekop­pelt, draufge­hauen und gejam­mert, dass es eine wahre Freude ist. Die vier Lieder, zwis­chen 13 und fast 17 Minuten lang, beschwören eine Nico-ähn­liche Stim­mung her­auf; das Wort “beschwören” scheint angesichts der bewusst her­beige­führten Trost­losigkeit und Verzwei­flung indes fast schon lächer­lich.

    Auf den Baby­blauen Seit­en wird dies tre­f­fend beschrieben:

    Die zer­brech­liche Schön­heit, die noch die ersten Alben der Band bes­timmt hat, ist über weite Streck­en einem des­per­at-melan­cholis­chen Gitar­ren-Stre­ichergelärme gewichen, in dem sich ab und zu auch noch Orgel- und Trompe­ten­klänge ger­ade noch aus­machen lassen. Wie sich E‑Gitarren und elek­trisch ver­stärk­te Stre­ich­er aneinan­der reiben und schep­pern, erin­nert gele­gentlich an die Briten von High Tide, die vor über 35 Jahren eigentlich ganz andere Musik gemacht haben.

    Hör­probe:
    Bei YouTube gibt’s Livev­er­sio­nen von 13 Blues For Thir­teen Moons und Engine Broke Blues zu hören und zu sehen. Die sind zwar aus qual­i­ta­tiv­en Grün­den nicht so druck­voll wie die CD-Ver­sio­nen, aber genü­gen für einen Ein­blick. Fes­thal­ten!

Ohne Bew­er­tung, für Inter­essierte zum Rein­hören, nur der Voll­ständigkeit wegen:

  • Van der Graaf Gen­er­a­tor — Tri­sec­tor
     
    Als Van der Graaf Gen­er­a­tor sich 2005 nach über 20 Jahren Pause mit einem neuen Album zurück­gemeldet hat­ten, weck­te dies Hoff­nun­gen auf ein neues H to He who am the only one; die Gruppe um den charis­ma­tis­chen Sänger Peter Ham­mill mit dem markan­ten Klang von David Jack­sons Sax­o­fon hat­te die Entwick­lung des Pro­gres­sive Rock mit diesem Album maßge­blich bee­in­flusst. Nun haben sie ihr zweites Album nach der Wiedervere­ini­gung veröf­fentlicht, und erst­mals seit 1968 wurde das Sax­o­fon durch E‑Gitarre und ver­stärk­ten Orgelein­satz erset­zt. Die Gründe für die Tren­nung von ihrem Sax­o­fon­is­ten will die Gruppe noch immer nicht bekan­nt­geben, jedoch ste­ht außer Frage, dass die neue Instru­men­tal­isierung den typ­is­chen VdGG-Klang stark bee­in­flusst.

    Tat­säch­lich ist von dem son­st all­ge­gen­wär­ti­gen Klang der frühen Meis­ter­w­erke Killer und Pio­neers over c. außer Ham­mills Stimme nicht mehr viel übrig, dafür haben die nun­mehr drei Musik­er neben dem bewährten Rock (Drop Dead) jet­zt auch Can­ter­bury-ähn­liche Klänge (The Hurly­burly) für sich ent­deckt, teil­weise wirkt das Album gar uner­wartet radiokom­pat­i­bel (All that before).

    Hör­probe:
    Vor allem für Ein­steiger, aber auch für etwas erfahrenere VdGG-Hör­er ist vor dem Blind­kauf ein Ver­gle­ich des Klas­sik­ers Killer mit dem neuen All that before zu empfehlen.

  • Radius Sys­tem — Escape / Restart
     
    Ich hat­te bere­its in eini­gen Foren sowie hier auf diese grandiose Musik­gruppe hingewiesen, möchte daher nurmehr erneut Peter von den Schall­gren­zen zitieren:

    Mächtige Gitar­ren­wände wer­den hochge­zo­gen, hin und wieder wieder ein­geris­sen und von neuem tür­men sich Sounds auf Sounds. Große Vor­bilder der Fran­zosen dürfte Ocean­size sein. Eben­so kom­pro­miss­los wie die Briten wer­den die üblichen Struk­turen über Bord gewor­fen und mit Gitarre, ambi­en­ten Elek­tron­iksounds, Sam­ples und wuchtigem Rhyth­mus­fun­da­ment Songs fürs Leben gemeißelt.

    Hör­probe:
    Fällt dies­mal aus, den Spaß gibt’s kom­plett kosten­los ohne Verpflich­tun­gen oder dubiose Umwege.

  • The Kills — Mid­night Boom
     
    Was ist das für ein Stil? Min­i­mal­is­tic-Elec­tro-Poprock? Egal, die spex find­et das Duo The Kills klasse, und ich als eigentlich bevorzugt rock­affin­er Audio­philer stelle fest, dass mich die ein­fachen Klänge des Albums auch mitreißen. Warum? Wer weiß! Ist jeden­falls mal was anderes, ver­gle­ich­bar allen­falls mit dem, was die über­tolle Sendung Tracks all­wöchentlich emp­fiehlt.

    Und so bleibt mir auch nur ein Ver­weis auf die Hör­probe:
    Auf YouTube gibt’s das meines Eracht­ens über­aus gute Lied Sour Cher­ry zu hören, inklu­sive Text zum Mitsin­gen.

  • King’s X — XV
     
    Irgend­wo zwis­chen Pro­gres­sive Met­al und Hardrock musiziert das tex­anis­che Trio King’s X. Und obwohl die Gen­reeinord­nung sowohl eine Nähe zu Tool als auch zu Rush umfasst, so schafft diese Gruppe es den­noch seit über 25 Jahren, trotz des sel­ten vari­ierten typ­is­chen King’s X-Klanges nie nach der eige­nen Cover­band, son­dern immer wieder frisch und neu zu klin­gen. Benei­denswert.

    Musikalisch geht’s hier gewohnt zur Sache, nur der Gesang nervt mich per­sön­lich ein wenig. Stellt euch eine Met­alver­sion von Rush mit viel, viel Head­bang­ing (Deutsch: Kopf­bum­sen, Hirn­fick qua­si) und einem dem Gothrock entstam­menden Sänger vor, der bisweilen wie Rod (Die Ärzte bzw. Abwärts) klingt (Pray).

    Aber das ist zum Glück Geschmackssache, und darüber lässt sich bekan­ntlich nicht immer stre­it­en. Daher als Kom­pro­miss die let­zte Hör­probe:
    Auf Amazon.de lässt sich jedes Lied auf dem Album auss­chnittsweise probe­hören.

Rückschau:

  • Vor 40 Jahren:
    The Unit­ed States of Amer­i­ca — The Unit­ed States of Amer­i­ca
     
    In die Zeit der Stu­den­te­nauf­stände fiel auch die ver­stärk­te hal­luzino­gen­er Dro­gen zur Erweiterung der eige­nen Kreativ­ität und des Bewusst­seins. Zu den bekan­ntesten von LSD bee­in­flussten Grup­pen zählen Grate­ful Dead und Quick­sil­ver Mes­sen­ger Ser­vice.
    Das einzige Album der Gruppe The Unit­ed States of Amer­i­ca, erschienen zur Hochzeit der LSD-Ver­bre­itung, ist ein musikalis­ch­er Dro­gen­trip mit Bea­t­les-Gesang und schweben­den Psy­che­del­ic-Klän­gen. Die Gruppe exper­i­men­tiert mit Klang­col­la­gen und Syn­the­siz­ern und per­fek­tion­iert qua­si neben­bei das Konzept eines Musikalbums als in sich geschlossenes Gesamtkunst­werk.
    2004 erschien eine Neuau­flage des Albums mit zehn zusät­zlichen Liedern.
     
  • Vor 30 Jahren:
    Hinn í­slenski Þur­saflokkurinn — Hinn í­slenski Þur­saflokkurinn
     
    Gegen Ende der 70-er Jahre waren Vertreter von Psy­che­del­ic und Pro­gres­sive Rock an einem kreativ­en Tief­punkt ange­langt. Es gab, so schien es, nichts mehr zu sagen, und während Yes sich in gefäl­ligere Rock­ge­filde begaben und King Crim­son sich erst­mals kom­plett auflösten — es soll­ten noch mehrere Auflö­sun­gen fol­gen -, wandte sich die Zuhör­erschaft dem Folk zu.
    Und davon gab es reich­lich: In Deutsch­land ver­trat­en Ougen­wei­de den Mit­te­lal­ter-Folk, in Großbri­tan­nien bracht­en Jethro Tull dem Pub­likum die Flö­ten­töne bei, und in Island schließlich nahm sich Hinn í­slenski Þur­saflokkurinn, der isländis­che Troll­haufen, klas­sis­ches Liedgut vor.
    Vielle­icht ist es die isländis­che Sprache, die dem Album seinen Zauber ver­lei­ht, vielle­icht ist es auch die für Folkrock unge­wohnte, vor­wiegend akustis­che Instru­men­tierung, aber es ent­fal­tet eine befremdliche Schön­heit schon in den ersten paar Minuten. Die Traumwelt isländis­ch­er Folk­lore wird in diesem Album einge­fan­gen und kom­prim­iert, und der Chorge­sang tut ein übriges. Schade, dass die Gruppe trotz aller Ambi­tio­nen keine Bekan­ntheit erzie­len kon­nte.
     
  • Vor 20 Jahren:
    Die Toten Hosen — Ein kleines biss­chen Hor­rorschau
     
    Im Jahr 1988 wurde das damals bere­its 26 Jahre alte Buch A Clock­work Orange an den Kam­mer­spie­len Bad Godes­berg mit Beteili­gung der Toten Hosen aufge­führt. Passend hierzu ent­stand auch dieses Album, das zwar nur schw­er­lich mit der damals aktuellen poli­tis­chen Sit­u­a­tion in Verbindung zu brin­gen ist, jedoch die musikalis­che Entwick­lung jen­er Jahre wider­spiegelt:
    Nach Rock (60-er Jahre), Pro­gres­sive Rock und Dis­cofieber (70-er Jahre) sowie Syn­thie-Pop und NDW (80-er Jahre) hat­te man genug von den musikalis­chen Exper­i­menten. Der Stel­len­wert der Musik änderte sich: Sie diente nicht mehr als Aus­drucks­form von Protest und als Iden­ti­fika­tion­sin­stru­ment einzel­ner Grup­pen, son­dern wurde zunehmend massen­tauglich. Die Toten Hosen bilde­ten als etablierte (also auch “massen­taugliche”) Punkrock-Gruppe da keine Aus­nahme, allein der inhaltlich exper­i­mentelle Charak­ter dieses Albums, das A Clock­work Orange nacherzählt, lässt noch ein wenig musikalis­chen Wage­mut erah­nen.
     
  • Vor 10 Jahren:
    Die Ärzte — 13
     
    Das Ende der 90-er Jahre stand im Zeichen von Baller­mann und Kom­merz. Alle innen­poli­tis­chen Katas­tro­phen schienen über­wun­den, den Kampf gegen die Poli­tik der USA hat­te man aufgegeben, als jugendlich­er “Rebell” wollte man im All­ge­meinen nur noch seinen Spaß haben.
    Das belegt auch dieses Album, dessen bekan­nteste Lieder Män­ner sind Schweine und Rebell gesellschafts- und musikkri­tisch als direk­te Ref­eren­zen herange­zo­gen wer­den kön­nen. “Punk” gab’s nur noch in Verbindung mit “Fun” — keine Gewalt, keine Pro­voka­tion und vor allem keine Poli­tik mehr. Fun­punk-Grup­pen wie Die Ärzte hat­ten hier ihre musikalis­che und vor allem auch kom­merzielle Blütezeit. Und erst gegen Mitte unseres Jahrzehnts began­nen die Ansprüche an musikalis­che Qual­ität mit der Brit­pop- und Indiewelle wieder zu wach­sen…

Jahresrückblick

Musik 12/2008 — Favoriten und Analyse
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Senfecke:

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