KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2008 - Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 1 von 25 der Serie Jahresrückblick

Hallo,

im Überschwang mei­nes der­zeit enorm hohen Musikkonsums habe ich beschlos­sen, schon jetzt eine Halbjahresanalyse aufzustellen:

Was hat der Musikmarkt in die­sem Jahr an Perlen zu bieten?

Einiges davon habe ich in frü­he­ren Einträgen schon ver­wur­stet, bei Interesse bit­te dort nachlesen.
Auf die charts möch­te ich aus hof­fent­lich ver­ständ­li­chen qua­li­ta­ti­ven Gründen nicht ein­ge­hen. Zur Erstellung der ersten Top 5 der ersten bei­den Quartale 2008 dient mir mei­ne eige­ne play­list, die doch recht prall gefüllt ist.

Anzumerken sei vor­weg, dass nur Alben berück­sich­tigt wer­den, die ich gera­de vor­lie­gen habe; außer­dem erhebt die Liste kei­nen Anspruch auf Vollständigkeit, das kommt dann erst am Ende des Jahres. Da sich Texteindrücke in einer Kurzrezension - für aus­führ­li­che Rezensionen fehlt mir schlicht die Kompetenz - nur schwer ein­fan­gen las­sen, habe ich aus jedem Album eine mög­lichst aus­sa­ge­kräf­ti­ge Textzeile her­aus­ge­sucht. Ich hof­fe, das Experiment gelingt.

Zudem:
2008 bedeu­tet auch 40 Jahre „’68“. Die Entwicklung der Musik anhand der jeweils aktu­el­len gesell­schaft­li­chen Strukturen lässt sich anhand eines will­kür­lich gewähl­ten, doch mar­kan­ten Beispiels anschau­lich nach­voll­zie­hen, dazu jedoch unten mehr. Und viel­leicht fin­det ja einer von euch neben­bei auch eine Geschenkidee für musik­be­ses­se­ne Freunde und Bekannte. (Wäre natür­lich ein net­ter Nebeneffekt.)

Es fol­gen die Top 5, num­me­riert nach per­sön­li­cher Wertung:

  1. Dear John Letter - Between Leaves | Forestal
    „Finally time era­ses time, and all I can do is hide“ (Clearing | Leaving)
     
    Ich hat­te es ja vor zwei Beiträgen schon ange­deu­tet, daher hier nur die um eini­ge Höreindrücke erwei­ter­te Zusammenfassung:

    Nach der bzw. dem an sich schon wun­der­ba­ren EP der Augsburger Dear John Letter folgt nun­mehr ein Album, das mit einem gewohnt auf­wän­di­gen art­work aus der Masse der Plastikhüllen-CDs her­aus­sticht und zudem das erwähn­te Erstlingswerk an Tonqualität noch zu über­tref­fen vermag.

    Die unge­fäh­re Dreiviertelstunde an Musik geht auch wie im Flug vorbei:
    Wenngleich Dear John Letter sich nur ungern in ein Genrekorsett zwän­gen las­sen wol­len, so ist hier doch der Postrock all­ge­gen­wär­tig. Gitarrenwände schwil­len an und ebben ab, immer wie­der setzt der emo­tio­nal hoch­wer­ti­ge Gesang ein und wie­der aus. Keine Sekunde wird ver­schwen­det, auch end­los wir­ken­de Schlagzeugsoli wer­den mit Bedacht ein­ge­setzt. Hier wird nicht gelärmt oder gar gerockt, hier wird musi­ziert. Die gro­ßen Vorbilder Oceansize, aber auch Mogwai las­sen in fast jedem Takt grüßen.

    Apropos Gesang: Der ist nicht ledig­lich schmücken­des Beiwerk, son­dern trägt auch wesent­lich zur Stimmung bei. So ist nicht nur die ver­träumt, aber auch ver­zwei­felt wir­ken­de Stimme des Herrn Fischer ein prä­gen­des Element des Albums, auch die Texte kön­nen über­zeu­gen. Nichts mit „I love you baby“, hier geht’s see­lisch-schmerz­voll zur Sache.

    Hörprobe:
    Eindrücke vom Album sowie von der/dem EP kann man auf MySpace sammeln.

    Und wenn man sich nach dem letz­ten der ins­ge­samt sechs Stücke von drei­ein­halb bis 11 Minuten Spielzeit in einer ande­ren Welt wie­der­fin­det und sich selt­sam leicht, aber auch leer fühlt, ist es Zeit für ein wenig Abwechslung:

  2. Nick Cave & the Bad Seeds - Dig Lazarus Dig!!!
    „Prolix! Prolix! Nothing a pair of scis­sors can’t fix.“ (We call upon the author)
     
    Der ehe­ma­li­ge Fürst der Finsternis Nick Cave hat Blut geleckt. Nachdem er schon mit sei­nem Nebenprojekt Grinderman ordent­lich auf die Kacke gehau­en hat, gibt’s mit Dig Lazarus Dig!!! auch wie­der eine durch­aus offen­sicht­lich davon beein­fluss­te Scheibe der Bad Seeds zu kaufen.

    Reime sucht man, wie bei Cave üblich, fast ver­ge­bens, nur hier und da wird gedich­tet; aber Freunde die­ser Art von Musik, gen­re­tech­nisch zwi­schen Blues, Rock und Dark Wave ein­zu­ord­nen, erfreu­en sich ohne­hin ver­mut­lich mehr am zyni­schen Sprechgesang und düste­ren Klang (noch ein Reim!) des Altmeisters als an den Texten.

    Die sind indes bis­sig bis belang­los, doch wen kümmert’s?
    Nach meh­re­ren Durchläufen macht’s Klick, und es wer­den Reminiszenzen erkannt, unter ande­rem an das fast schon legen­dä­re The Gift von den noch legen­dä­re­re­ren Velvet Underground. Düstere Erzählungen im Vordergrund, und im Hintergrund gibt’s Rückkopplungen, „Lärm“ en mas­se. Eine will­kom­me­ne Abwechslung zu all dem rosa­ro­ten Weichspülpop im Radio.

    Hörprobe:
    Bei YouTube lässt sich der oben ange­deu­te­te Vergleich zwi­schen The Gift und We call upon the aut­hor anhand zwei­er Livevideos hof­fent­lich nachvollziehen.

    Und wem das dann doch zu anstren­gend ist, für den hält auch der erfreu­li­cher­wei­se kon­stant auf­ge­wer­te­te Indie-Markt eini­ges bereit, was zwar durch­aus radio­taug­lich wäre, aber sich gegen Superstars, Popstars und ähn­lich arme Würstchen nur schwer zu behaup­ten weiß:

  3. Blackmail - Tempo Tempo
    „You might die from medi­ca­ti­on, but it’ll surely kill the pain“ (False Medication)
     
    Blackmail aus Koblenz sind ein wei­te­rer Beleg dafür, dass die deut­sche Musiksze­ne weit­aus mehr zu bie­ten hat als nur Dieter Bohlen und die Flippers. Auf Tempo Tempo gibt’s zwar für Blackmail-Kenner kei­ne Überraschungen, aber soli­den Poprock zu hören, der kaum Erwartungen offen lässt.

    Kenner wür­den viel­leicht bes­se­re Vergleiche fin­den, ich jedoch wür­de Blackmail irgend­wo zwi­schen The Killers und den Dandy Warhols ein­ord­nen. Der Gesang bewegt sich zwi­schen den Spätwerken der Beatles, Placebo und Under the Influence of Giants, wäh­rend Bass- und Schlagzeugspiel mit den Gitarrenbrettern Schritt zu hal­ten ver­su­chen. Hier und da blitzt sogar Postrock auf, bspw. die Laut-Leise-Wechsel in Speedluv. Insgesamt also soli­de Sommermusik für anspruchs­vol­le Musikfreunde, denen auch Placebo-ähn­li­che Texte, wie sie auf die­sem Album domi­nie­ren, nichts ausmachen.

    Hörprobe:
    Das Video zu Shshshame (welch ein Titel!) gibt’s, wie üblich, bei YouTube.

    Und falls das zu anspruchs­los ist: Im Jahr 2008 wird auch wie­der mäch­tig gefrickelt.

  4. The Tangent - Not as good as the book
    „It’s half past nine on Tuesday morning, and still nobody“â„¢s lan­ded yet on Mars“ (Not As Good As The Book)
     
    Da nun das geplan­te Bühnen-Comeback der Progressive-Rock-Dinosaurier Yes auf unbe­stimm­te Zeit ver­scho­ben wer­den muss, trifft es sich gut, dass die bri­ti­sche Formation The Tangent wie bis­her jedes Jahr ein neu­es Album ver­öf­fent­licht hat.

    Und das hat’s in sich:
    Über 94 Minuten Spielzeit, ver­teilt auf zwei CDs und kon­zi­piert als ein, nun ja, Konzeptalbum. Das Konzept des Albums zu ver­ste­hen fällt mit der Special Edition ver­mut­lich am leich­te­sten, ent­hält die­se neben den CDs zusätz­lich eine 85-sei­ti­ge Science-Fiction-Geschichte, die die Hintergründe der Liedtexte umfasst und erweitert.

    Diese Geschichte ist abstrus genug, aber schnell erzählt:
    Der Protagonist Dave, in den 70-ern Progressive-Rock-Anhänger, ver­nich­tet am 20. Juni 2008 (scheint also tat­säch­lich nur Science Fiction zu sein) ver­se­hent­lich mit dem Album Relayer von Yes die Welt. 80.000 Jahre spä­ter ver­su­chen Historiker, mit­hil­fe von 298 CDs aus unse­rer Zeit zu rekon­stru­ie­ren, wie die Menschen im 21. Jahrhundert gelebt haben.

    Hierzu wird inhalt­lich flei­ßig zitiert und ange­spielt, es geht unter ande­rem um Microsoft, Mobiltelefone, Yes und Genesis. Durch Yes und Genesis schei­nen auch die acht betei­lig­ten Musiker inspi­riert wor­den zu sein, die die Inspirationen mit mas­sig Canterbury-Prog, Jazzrock und schep­pern­dem 70-er-Jahre-Rock ver­mischt und in ein­zel­ne Stücke ver­packt haben, die gen­re­ty­pisch zwi­schen fast vier und über zwan­zig Minuten lang sind.

    Dabei schaf­fen sie das Kunststück, dass selbst das Stück The full Gamut über die gesam­te Spielzeit von 22:42 Minuten wie ein ein­heit­li­cher Klangkosmos klingt und immer wie­der zum Kernthema zurück­fin­det - Kenner die­ser Musikrichtung wer­den sich an YesTales from topo­gra­phic oce­ans erinnern.

    Aber hier gilt wie schon bei Dear John Letter:
    Dieses Album ist nicht fürs Autofahren, Buchlesen oder für die Hausarbeit geeig­net. Man muss sich dar­auf ein­las­sen, denn auch beim zehn­ten Hördurchlauf sind hier und da noch neue Details, neue Anspielungen und Zitate zu entdecken.

    Hörprobe:
    Das erste Lied A cri­sis in mid life, das zwar ein­gän­gig­ste, aber durch die 80-er-Jahre-Keyboards auch unty­pisch­ste Stück des Werkes, gibt es bei YouTube zu hören.

    Zu fröh­lich? Bitte sehr, Abhilfe schafft fol­gen­des Werk:

  5. Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band - 13 Blues For Thirteen Moons
    „We’re buil­ding train wrecks in the set­ting sun“ (Black Waters Blowed/Engine Broke Blues)
     
    Allein schon der Name der Gruppe, aus ver­ständ­li­chen Gründen oft zu A Silver Mt. Zion gekürzt, ist eine Aufnahme in die­se Liste wert.

    Nie gehört? Durchaus ver­ständ­lich, han­delt es sich doch um ein Nebenprojekt der zur­zeit für eine unbe­stimm­te Dauer auf Eis lie­gen­den und alles ande­re als radio­kom­pa­ti­blen Postrock-Heroen Godspeed You! Black Emperor. Während die Musik von GY!BE, so die offi­zi­el­le Abkürzung des Namens, jedoch eben­so sper­rig ist wie der Name selbst und mehr mit Sigur Rós als mit Oceansize gemein hat, ist es bei A Silver Mt. Zion eher umgekehrt:

    Der Name des Albums ist Programm. Blues, wenn­gleich in einer zap­paesk schrä­gen Darbietungsform, gibt’s hier reich­lich, gepaart mit bra­chia­len Wut- und Verzweiflungsausbrüchen sowohl der Instrumente als auch des Sängers. Anders aus­ge­drückt: Hier wird rück­ge­kop­pelt, drauf­ge­hau­en und gejam­mert, dass es eine wah­re Freude ist. Die vier Lieder, zwi­schen 13 und fast 17 Minuten lang, beschwö­ren eine Nico-ähn­li­che Stimmung her­auf; das Wort „beschwö­ren“ scheint ange­sichts der bewusst her­bei­ge­führ­ten Trostlosigkeit und Verzweiflung indes fast schon lächerlich.

    Auf den Babyblauen Seiten wird dies tref­fend beschrie­ben:

    Die zer­brech­li­che Schönheit, die noch die ersten Alben der Band bestimmt hat, ist über wei­te Strecken einem despe­rat-melan­cho­li­schen Gitarren-Streichergelärme gewi­chen, in dem sich ab und zu auch noch Orgel- und Trompetenklänge gera­de noch aus­ma­chen las­sen. Wie sich E-Gitarren und elek­trisch ver­stärk­te Streicher anein­an­der rei­ben und schep­pern, erin­nert gele­gent­lich an die Briten von High Tide, die vor über 35 Jahren eigent­lich ganz ande­re Musik gemacht haben.

    Hörprobe:
    Bei YouTube gibt’s Liveversionen von 13 Blues For Thirteen Moons und Engine Broke Blues zu hören und zu sehen. Die sind zwar aus qua­li­ta­ti­ven Gründen nicht so druck­voll wie die CD-Versionen, aber genü­gen für einen Einblick. Festhalten! 

Ohne Bewertung, für Interessierte zum Reinhören, nur der Vollständigkeit wegen:

  • Van der Graaf Generator - Trisector
     
    Als Van der Graaf Generator sich 2005 nach über 20 Jahren Pause mit einem neu­en Album zurück­ge­mel­det hat­ten, weck­te dies Hoffnungen auf ein neu­es H to He who am the only one; die Gruppe um den cha­ris­ma­ti­schen Sänger Peter Hammill mit dem mar­kan­ten Klang von David Jacksons Saxofon hat­te die Entwicklung des Progressive Rock mit die­sem Album maß­geb­lich beein­flusst. Nun haben sie ihr zwei­tes Album nach der Wiedervereinigung ver­öf­fent­licht, und erst­mals seit 1968 wur­de das Saxofon durch E-Gitarre und ver­stärk­ten Orgeleinsatz ersetzt. Die Gründe für die Trennung von ihrem Saxofonisten will die Gruppe noch immer nicht bekannt­ge­ben, jedoch steht außer Frage, dass die neue Instrumentalisierung den typi­schen VdGG-Klang stark beeinflusst.

    Tatsächlich ist von dem sonst all­ge­gen­wär­ti­gen Klang der frü­hen Meisterwerke Killer und Pioneers over c. außer Hammills Stimme nicht mehr viel übrig, dafür haben die nun­mehr drei Musiker neben dem bewähr­ten Rock (Drop Dead) jetzt auch Canterbury-ähn­li­che Klänge (The Hurlyburly) für sich ent­deckt, teil­wei­se wirkt das Album gar uner­war­tet radio­kom­pa­ti­bel (All that befo­re).

    Hörprobe:
    Vor allem für Einsteiger, aber auch für etwas erfah­re­ne­re VdGG-Hörer ist vor dem Blindkauf ein Vergleich des Klassikers Killer mit dem neu­en All that befo­re zu empfehlen.

  • Radius System - Escape / Restart
     
    Ich hat­te bereits in eini­gen Foren sowie hier auf die­se gran­dio­se Musikgruppe hin­ge­wie­sen, möch­te daher nur­mehr erneut Peter von den Schallgrenzen zitieren:

    Mächtige Gitarrenwände wer­den hoch­ge­zo­gen, hin und wie­der wie­der ein­ge­ris­sen und von neu­em tür­men sich Sounds auf Sounds. Große Vorbilder der Franzosen dürf­te Oceansize sein. Ebenso kom­pro­miss­los wie die Briten wer­den die übli­chen Strukturen über Bord gewor­fen und mit Gitarre, ambi­en­ten Elektroniksounds, Samples und wuch­ti­gem Rhythmusfundament Songs fürs Leben gemeißelt.

    Hörprobe:
    Fällt dies­mal aus, den Spaß gibt’s kom­plett kosten­los ohne Verpflichtungen oder dubio­se Umwege.

  • The Kills - Midnight Boom
     
    Was ist das für ein Stil? Minimalistic-Electro-Poprock? Egal, die spex fin­det das Duo The Kills klas­se, und ich als eigent­lich bevor­zugt rock­af­fi­ner Audiophiler stel­le fest, dass mich die ein­fa­chen Klänge des Albums auch mit­rei­ßen. Warum? Wer weiß! Ist jeden­falls mal was ande­res, ver­gleich­bar allen­falls mit dem, was die über­tol­le Sendung Tracks all­wö­chent­lich empfiehlt.

    Und so bleibt mir auch nur ein Verweis auf die Hörprobe:
    Auf YouTube gibt’s das mei­nes Erachtens über­aus gute Lied Sour Cherry zu hören, inklu­si­ve Text zum Mitsingen.

  • King’s X - XV
     
    Irgendwo zwi­schen Progressive Metal und Hardrock musi­ziert das texa­ni­sche Trio King’s X. Und obwohl die Genreeinordnung sowohl eine Nähe zu Tool als auch zu Rush umfasst, so schafft die­se Gruppe es den­noch seit über 25 Jahren, trotz des sel­ten vari­ier­ten typi­schen King’s X-Klanges nie nach der eige­nen Coverband, son­dern immer wie­der frisch und neu zu klin­gen. Beneidenswert.

    Musikalisch geht’s hier gewohnt zur Sache, nur der Gesang nervt mich per­sön­lich ein wenig. Stellt euch eine Metalversion von Rush mit viel, viel Headbanging (Deutsch: Kopfbumsen, Hirnfick qua­si) und einem dem Gothrock ent­stam­men­den Sänger vor, der bis­wei­len wie Rod (Die Ärzte bzw. Abwärts) klingt (Pray).

    Aber das ist zum Glück Geschmackssache, und dar­über lässt sich bekannt­lich nicht immer strei­ten. Daher als Kompromiss die letz­te Hörprobe:
    Auf Amazon.de lässt sich jedes Lied auf dem Album aus­schnitts­wei­se probehören. 

Rückschau:

  • Vor 40 Jahren:
    The United States of America - The United States of America
     
    In die Zeit der Studentenaufstände fiel auch die ver­stärk­te hal­lu­zi­no­ge­ner Drogen zur Erweiterung der eige­nen Kreativität und des Bewusstseins. Zu den bekann­te­sten von LSD beein­fluss­ten Gruppen zäh­len Grateful Dead und Quicksilver Messenger Service.
    Das ein­zi­ge Album der Gruppe The United States of America, erschie­nen zur Hochzeit der LSD-Verbreitung, ist ein musi­ka­li­scher Drogentrip mit Beatles-Gesang und schwe­ben­den Psychedelic-Klängen. Die Gruppe expe­ri­men­tiert mit Klangcollagen und Synthesizern und per­fek­tio­niert qua­si neben­bei das Konzept eines Musikalbums als in sich geschlos­se­nes Gesamtkunstwerk.
    2004 erschien eine Neuauflage des Albums mit zehn zusätz­li­chen Liedern.
     
  • Vor 30 Jahren:
    Hinn í­slenski Þursaflokkurinn - Hinn í­slenski Þursaflokkurinn
     
    Gegen Ende der 70-er Jahre waren Vertreter von Psychedelic und Progressive Rock an einem krea­ti­ven Tiefpunkt ange­langt. Es gab, so schien es, nichts mehr zu sagen, und wäh­rend Yes sich in gefäl­li­ge­re Rockgefilde bega­ben und King Crimson sich erst­mals kom­plett auf­lö­sten - es soll­ten noch meh­re­re Auflösungen fol­gen -, wand­te sich die Zuhörerschaft dem Folk zu.
    Und davon gab es reich­lich: In Deutschland ver­tra­ten Ougenweide den Mittelalter-Folk, in Großbritannien brach­ten Jethro Tull dem Publikum die Flötentöne bei, und in Island schließ­lich nahm sich Hinn í­slenski Þursaflokkurinn, der islän­di­sche Trollhaufen, klas­si­sches Liedgut vor.
    Vielleicht ist es die islän­di­sche Sprache, die dem Album sei­nen Zauber ver­leiht, viel­leicht ist es auch die für Folkrock unge­wohn­te, vor­wie­gend aku­sti­sche Instrumentierung, aber es ent­fal­tet eine befremd­li­che Schönheit schon in den ersten paar Minuten. Die Traumwelt islän­di­scher Folklore wird in die­sem Album ein­ge­fan­gen und kom­pri­miert, und der Chorgesang tut ein übri­ges. Schade, dass die Gruppe trotz aller Ambitionen kei­ne Bekanntheit erzie­len konnte.
     
  • Vor 20 Jahren:
    Die Toten Hosen - Ein klei­nes biss­chen Horrorschau
     
    Im Jahr 1988 wur­de das damals bereits 26 Jahre alte Buch A Clockwork Orange an den Kammerspielen Bad Godesberg mit Beteiligung der Toten Hosen auf­ge­führt. Passend hier­zu ent­stand auch die­ses Album, das zwar nur schwer­lich mit der damals aktu­el­len poli­ti­schen Situation in Verbindung zu brin­gen ist, jedoch die musi­ka­li­sche Entwicklung jener Jahre widerspiegelt:
    Nach Rock (60-er Jahre), Progressive Rock und Discofieber (70-er Jahre) sowie Synthie-Pop und NDW (80-er Jahre) hat­te man genug von den musi­ka­li­schen Experimenten. Der Stellenwert der Musik änder­te sich: Sie dien­te nicht mehr als Ausdrucksform von Protest und als Identifikationsinstrument ein­zel­ner Gruppen, son­dern wur­de zuneh­mend mas­sen­taug­lich. Die Toten Hosen bil­de­ten als eta­blier­te (also auch „mas­sen­taug­li­che“) Punkrock-Gruppe da kei­ne Ausnahme, allein der inhalt­lich expe­ri­men­tel­le Charakter die­ses Albums, das A Clockwork Orange nach­er­zählt, lässt noch ein wenig musi­ka­li­schen Wagemut erahnen.
     
  • Vor 10 Jahren:
    Die Ärzte - 13
     
    Das Ende der 90-er Jahre stand im Zeichen von Ballermann und Kommerz. Alle innen­po­li­ti­schen Katastrophen schie­nen über­wun­den, den Kampf gegen die Politik der USA hat­te man auf­ge­ge­ben, als jugend­li­cher „Rebell“ woll­te man im Allgemeinen nur noch sei­nen Spaß haben.
    Das belegt auch die­ses Album, des­sen bekann­te­ste Lieder Männer sind Schweine und Rebell gesell­schafts- und musik­kri­tisch als direk­te Referenzen her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen. „Punk“ gab’s nur noch in Verbindung mit „Fun“ - kei­ne Gewalt, kei­ne Provokation und vor allem kei­ne Politik mehr. Funpunk-Gruppen wie Die Ärzte hat­ten hier ihre musi­ka­li­sche und vor allem auch kom­mer­zi­el­le Blütezeit. Und erst gegen Mitte unse­res Jahrzehnts began­nen die Ansprüche an musi­ka­li­sche Qualität mit der Britpop- und Indiewelle wie­der zu wachsen…
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Senfecke:

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