KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2008 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 1 von 23 der Serie Jahresrückblick

Hallo,

im Überschwang meines derzeit enorm hohen Musikkonsums habe ich beschlossen, schon jetzt eine Halbjahresanalyse aufzustellen:

Was hat der Musikmarkt in diesem Jahr an Perlen zu bieten?

Einiges davon habe ich in früheren Einträgen schon verwurstet, bei Interesse bitte dort nachlesen.
Auf die charts möchte ich aus hoffentlich verständlichen qualitativen Gründen nicht eingehen. Zur Erstellung der ersten Top 5 der ersten beiden Quartale 2008 dient mir meine eigene playlist, die doch recht prall gefüllt ist.

Anzumerken sei vorweg, dass nur Alben berücksichtigt werden, die ich gerade vorliegen habe; außerdem erhebt die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit, das kommt dann erst am Ende des Jahres. Da sich Texteindrücke in einer Kurzrezension – für ausführliche Rezensionen fehlt mir schlicht die Kompetenz – nur schwer einfangen lassen, habe ich aus jedem Album eine möglichst aussagekräftige Textzeile herausgesucht. Ich hoffe, das Experiment gelingt.

Zudem:
2008 bedeutet auch 40 Jahre „’68“. Die Entwicklung der Musik anhand der jeweils aktuellen gesellschaftlichen Strukturen lässt sich anhand eines willkürlich gewählten, doch markanten Beispiels anschaulich nachvollziehen, dazu jedoch unten mehr. Und vielleicht findet ja einer von euch nebenbei auch eine Geschenkidee für musikbesessene Freunde und Bekannte. (Wäre natürlich ein netter Nebeneffekt.)

Es folgen die Top 5, nummeriert nach persönlicher Wertung:

  1. Dear John Letter – Between Leaves | Forestal
    „Finally time erases time, and all I can do is hide“ (Clearing | Leaving)
     
    Ich hatte es ja vor zwei Beiträgen schon angedeutet, daher hier nur die um einige Höreindrücke erweiterte Zusammenfassung:

    Nach der bzw. dem an sich schon wunderbaren EP der Augsburger Dear John Letter folgt nunmehr ein Album, das mit einem gewohnt aufwändigen artwork aus der Masse der Plastikhüllen-CDs heraussticht und zudem das erwähnte Erstlingswerk an Tonqualität noch zu übertreffen vermag.

    Die ungefähre Dreiviertelstunde an Musik geht auch wie im Flug vorbei:
    Wenngleich Dear John Letter sich nur ungern in ein Genrekorsett zwängen lassen wollen, so ist hier doch der Postrock allgegenwärtig. Gitarrenwände schwillen an und ebben ab, immer wieder setzt der emotional hochwertige Gesang ein und wieder aus. Keine Sekunde wird verschwendet, auch endlos wirkende Schlagzeugsoli werden mit Bedacht eingesetzt. Hier wird nicht gelärmt oder gar gerockt, hier wird musiziert. Die großen Vorbilder Oceansize, aber auch Mogwai lassen in fast jedem Takt grüßen.

    Apropos Gesang: Der ist nicht lediglich schmückendes Beiwerk, sondern trägt auch wesentlich zur Stimmung bei. So ist nicht nur die verträumt, aber auch verzweifelt wirkende Stimme des Herrn Fischer ein prägendes Element des Albums, auch die Texte können überzeugen. Nichts mit „I love you baby“, hier geht’s seelisch-schmerzvoll zur Sache.

    Hörprobe:
    Eindrücke vom Album sowie von der/dem EP kann man auf MySpace sammeln.

    Und wenn man sich nach dem letzten der insgesamt sechs Stücke von dreieinhalb bis 11 Minuten Spielzeit in einer anderen Welt wiederfindet und sich seltsam leicht, aber auch leer fühlt, ist es Zeit für ein wenig Abwechslung:

  2. Nick Cave & the Bad Seeds – Dig Lazarus Dig!!!
    „Prolix! Prolix! Nothing a pair of scissors can’t fix.“ (We call upon the author)
     
    Der ehemalige Fürst der Finsternis Nick Cave hat Blut geleckt. Nachdem er schon mit seinem Nebenprojekt Grinderman ordentlich auf die Kacke gehauen hat, gibt’s mit Dig Lazarus Dig!!! auch wieder eine durchaus offensichtlich davon beeinflusste Scheibe der Bad Seeds zu kaufen.

    Reime sucht man, wie bei Cave üblich, fast vergebens, nur hier und da wird gedichtet; aber Freunde dieser Art von Musik, genretechnisch zwischen Blues, Rock und Dark Wave einzuordnen, erfreuen sich ohnehin vermutlich mehr am zynischen Sprechgesang und düsteren Klang (noch ein Reim!) des Altmeisters als an den Texten.

    Die sind indes bissig bis belanglos, doch wen kümmert’s?
    Nach mehreren Durchläufen macht’s Klick, und es werden Reminiszenzen erkannt, unter anderem an das fast schon legendäre The Gift von den noch legendärereren Velvet Underground. Düstere Erzählungen im Vordergrund, und im Hintergrund gibt’s Rückkopplungen, „Lärm“ en masse. Eine willkommene Abwechslung zu all dem rosaroten Weichspülpop im Radio.

    Hörprobe:
    Bei YouTube lässt sich der oben angedeutete Vergleich zwischen The Gift und We call upon the author anhand zweier Livevideos hoffentlich nachvollziehen.

    Und wem das dann doch zu anstrengend ist, für den hält auch der erfreulicherweise konstant aufgewertete Indie-Markt einiges bereit, was zwar durchaus radiotauglich wäre, aber sich gegen Superstars, Popstars und ähnlich arme Würstchen nur schwer zu behaupten weiß:

  3. Blackmail – Tempo Tempo
    „You might die from medication, but it’ll surely kill the pain“ (False Medication)
     
    Blackmail aus Koblenz sind ein weiterer Beleg dafür, dass die deutsche Musikszene weitaus mehr zu bieten hat als nur Dieter Bohlen und die Flippers. Auf Tempo Tempo gibt’s zwar für Blackmail-Kenner keine Überraschungen, aber soliden Poprock zu hören, der kaum Erwartungen offen lässt.

    Kenner würden vielleicht bessere Vergleiche finden, ich jedoch würde Blackmail irgendwo zwischen The Killers und den Dandy Warhols einordnen. Der Gesang bewegt sich zwischen den Spätwerken der Beatles, Placebo und Under the Influence of Giants, während Bass- und Schlagzeugspiel mit den Gitarrenbrettern Schritt zu halten versuchen. Hier und da blitzt sogar Postrock auf, bspw. die Laut-Leise-Wechsel in Speedluv. Insgesamt also solide Sommermusik für anspruchsvolle Musikfreunde, denen auch Placebo-ähnliche Texte, wie sie auf diesem Album dominieren, nichts ausmachen.

    Hörprobe:
    Das Video zu Shshshame (welch ein Titel!) gibt’s, wie üblich, bei YouTube.

    Und falls das zu anspruchslos ist: Im Jahr 2008 wird auch wieder mächtig gefrickelt.

  4. The Tangent – Not as good as the book
    „It’s half past nine on Tuesday morning, and still nobody“â„¢s landed yet on Mars“ (Not As Good As The Book)
     
    Da nun das geplante Bühnen-Comeback der Progressive-Rock-Dinosaurier Yes auf unbestimmte Zeit verschoben werden muss, trifft es sich gut, dass die britische Formation The Tangent wie bisher jedes Jahr ein neues Album veröffentlicht hat.

    Und das hat’s in sich:
    Über 94 Minuten Spielzeit, verteilt auf zwei CDs und konzipiert als ein, nun ja, Konzeptalbum. Das Konzept des Albums zu verstehen fällt mit der Special Edition vermutlich am leichtesten, enthält diese neben den CDs zusätzlich eine 85-seitige Science-Fiction-Geschichte, die die Hintergründe der Liedtexte umfasst und erweitert.

    Diese Geschichte ist abstrus genug, aber schnell erzählt:
    Der Protagonist Dave, in den 70-ern Progressive-Rock-Anhänger, vernichtet am 20. Juni 2008 (scheint also tatsächlich nur Science Fiction zu sein) versehentlich mit dem Album Relayer von Yes die Welt. 80.000 Jahre später versuchen Historiker, mithilfe von 298 CDs aus unserer Zeit zu rekonstruieren, wie die Menschen im 21. Jahrhundert gelebt haben.

    Hierzu wird inhaltlich fleißig zitiert und angespielt, es geht unter anderem um Microsoft, Mobiltelefone, Yes und Genesis. Durch Yes und Genesis scheinen auch die acht beteiligten Musiker inspiriert worden zu sein, die die Inspirationen mit massig Canterbury-Prog, Jazzrock und schepperndem 70-er-Jahre-Rock vermischt und in einzelne Stücke verpackt haben, die genretypisch zwischen fast vier und über zwanzig Minuten lang sind.

    Dabei schaffen sie das Kunststück, dass selbst das Stück The full Gamut über die gesamte Spielzeit von 22:42 Minuten wie ein einheitlicher Klangkosmos klingt und immer wieder zum Kernthema zurückfindet – Kenner dieser Musikrichtung werden sich an YesTales from topographic oceans erinnern.

    Aber hier gilt wie schon bei Dear John Letter:
    Dieses Album ist nicht fürs Autofahren, Buchlesen oder für die Hausarbeit geeignet. Man muss sich darauf einlassen, denn auch beim zehnten Hördurchlauf sind hier und da noch neue Details, neue Anspielungen und Zitate zu entdecken.

    Hörprobe:
    Das erste Lied A crisis in mid life, das zwar eingängigste, aber durch die 80-er-Jahre-Keyboards auch untypischste Stück des Werkes, gibt es bei YouTube zu hören.

    Zu fröhlich? Bitte sehr, Abhilfe schafft folgendes Werk:

  5. Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band – 13 Blues For Thirteen Moons
    „We’re building train wrecks in the setting sun“ (Black Waters Blowed/Engine Broke Blues)
     
    Allein schon der Name der Gruppe, aus verständlichen Gründen oft zu A Silver Mt. Zion gekürzt, ist eine Aufnahme in diese Liste wert.

    Nie gehört? Durchaus verständlich, handelt es sich doch um ein Nebenprojekt der zurzeit für eine unbestimmte Dauer auf Eis liegenden und alles andere als radiokompatiblen Postrock-Heroen Godspeed You! Black Emperor. Während die Musik von GY!BE, so die offizielle Abkürzung des Namens, jedoch ebenso sperrig ist wie der Name selbst und mehr mit Sigur Rós als mit Oceansize gemein hat, ist es bei A Silver Mt. Zion eher umgekehrt:

    Der Name des Albums ist Programm. Blues, wenngleich in einer zappaesk schrägen Darbietungsform, gibt’s hier reichlich, gepaart mit brachialen Wut- und Verzweiflungsausbrüchen sowohl der Instrumente als auch des Sängers. Anders ausgedrückt: Hier wird rückgekoppelt, draufgehauen und gejammert, dass es eine wahre Freude ist. Die vier Lieder, zwischen 13 und fast 17 Minuten lang, beschwören eine Nico-ähnliche Stimmung herauf; das Wort „beschwören“ scheint angesichts der bewusst herbeigeführten Trostlosigkeit und Verzweiflung indes fast schon lächerlich.

    Auf den Babyblauen Seiten wird dies treffend beschrieben:

    Die zerbrechliche Schönheit, die noch die ersten Alben der Band bestimmt hat, ist über weite Strecken einem desperat-melancholischen Gitarren-Streichergelärme gewichen, in dem sich ab und zu auch noch Orgel- und Trompetenklänge gerade noch ausmachen lassen. Wie sich E-Gitarren und elektrisch verstärkte Streicher aneinander reiben und scheppern, erinnert gelegentlich an die Briten von High Tide, die vor über 35 Jahren eigentlich ganz andere Musik gemacht haben.

    Hörprobe:
    Bei YouTube gibt’s Liveversionen von 13 Blues For Thirteen Moons und Engine Broke Blues zu hören und zu sehen. Die sind zwar aus qualitativen Gründen nicht so druckvoll wie die CD-Versionen, aber genügen für einen Einblick. Festhalten!

Ohne Bewertung, für Interessierte zum Reinhören, nur der Vollständigkeit wegen:

  • Van der Graaf Generator – Trisector
     
    Als Van der Graaf Generator sich 2005 nach über 20 Jahren Pause mit einem neuen Album zurückgemeldet hatten, weckte dies Hoffnungen auf ein neues H to He who am the only one; die Gruppe um den charismatischen Sänger Peter Hammill mit dem markanten Klang von David Jacksons Saxofon hatte die Entwicklung des Progressive Rock mit diesem Album maßgeblich beeinflusst. Nun haben sie ihr zweites Album nach der Wiedervereinigung veröffentlicht, und erstmals seit 1968 wurde das Saxofon durch E-Gitarre und verstärkten Orgeleinsatz ersetzt. Die Gründe für die Trennung von ihrem Saxofonisten will die Gruppe noch immer nicht bekanntgeben, jedoch steht außer Frage, dass die neue Instrumentalisierung den typischen VdGG-Klang stark beeinflusst.

    Tatsächlich ist von dem sonst allgegenwärtigen Klang der frühen Meisterwerke Killer und Pioneers over c. außer Hammills Stimme nicht mehr viel übrig, dafür haben die nunmehr drei Musiker neben dem bewährten Rock (Drop Dead) jetzt auch Canterbury-ähnliche Klänge (The Hurlyburly) für sich entdeckt, teilweise wirkt das Album gar unerwartet radiokompatibel (All that before).

    Hörprobe:
    Vor allem für Einsteiger, aber auch für etwas erfahrenere VdGG-Hörer ist vor dem Blindkauf ein Vergleich des Klassikers Killer mit dem neuen All that before zu empfehlen.

  • Radius System – Escape / Restart
     
    Ich hatte bereits in einigen Foren sowie hier auf diese grandiose Musikgruppe hingewiesen, möchte daher nurmehr erneut Peter von den Schallgrenzen zitieren:

    Mächtige Gitarrenwände werden hochgezogen, hin und wieder wieder eingerissen und von neuem türmen sich Sounds auf Sounds. Große Vorbilder der Franzosen dürfte Oceansize sein. Ebenso kompromisslos wie die Briten werden die üblichen Strukturen über Bord geworfen und mit Gitarre, ambienten Elektroniksounds, Samples und wuchtigem Rhythmusfundament Songs fürs Leben gemeißelt.

    Hörprobe:
    Fällt diesmal aus, den Spaß gibt’s komplett kostenlos ohne Verpflichtungen oder dubiose Umwege.

  • The Kills – Midnight Boom
     
    Was ist das für ein Stil? Minimalistic-Electro-Poprock? Egal, die spex findet das Duo The Kills klasse, und ich als eigentlich bevorzugt rockaffiner Audiophiler stelle fest, dass mich die einfachen Klänge des Albums auch mitreißen. Warum? Wer weiß! Ist jedenfalls mal was anderes, vergleichbar allenfalls mit dem, was die übertolle Sendung Tracks allwöchentlich empfiehlt.

    Und so bleibt mir auch nur ein Verweis auf die Hörprobe:
    Auf YouTube gibt’s das meines Erachtens überaus gute Lied Sour Cherry zu hören, inklusive Text zum Mitsingen.

  • King’s X – XV
     
    Irgendwo zwischen Progressive Metal und Hardrock musiziert das texanische Trio King’s X. Und obwohl die Genreeinordnung sowohl eine Nähe zu Tool als auch zu Rush umfasst, so schafft diese Gruppe es dennoch seit über 25 Jahren, trotz des selten variierten typischen King’s X-Klanges nie nach der eigenen Coverband, sondern immer wieder frisch und neu zu klingen. Beneidenswert.

    Musikalisch geht’s hier gewohnt zur Sache, nur der Gesang nervt mich persönlich ein wenig. Stellt euch eine Metalversion von Rush mit viel, viel Headbanging (Deutsch: Kopfbumsen, Hirnfick quasi) und einem dem Gothrock entstammenden Sänger vor, der bisweilen wie Rod (Die Ärzte bzw. Abwärts) klingt (Pray).

    Aber das ist zum Glück Geschmackssache, und darüber lässt sich bekanntlich nicht immer streiten. Daher als Kompromiss die letzte Hörprobe:
    Auf Amazon.de lässt sich jedes Lied auf dem Album ausschnittsweise probehören.

Rückschau:

  • Vor 40 Jahren:
    The United States of America – The United States of America
     
    In die Zeit der Studentenaufstände fiel auch die verstärkte halluzinogener Drogen zur Erweiterung der eigenen Kreativität und des Bewusstseins. Zu den bekanntesten von LSD beeinflussten Gruppen zählen Grateful Dead und Quicksilver Messenger Service.
    Das einzige Album der Gruppe The United States of America, erschienen zur Hochzeit der LSD-Verbreitung, ist ein musikalischer Drogentrip mit Beatles-Gesang und schwebenden Psychedelic-Klängen. Die Gruppe experimentiert mit Klangcollagen und Synthesizern und perfektioniert quasi nebenbei das Konzept eines Musikalbums als in sich geschlossenes Gesamtkunstwerk.
    2004 erschien eine Neuauflage des Albums mit zehn zusätzlichen Liedern.
     
  • Vor 30 Jahren:
    Hinn í­slenski Þursaflokkurinn – Hinn í­slenski Þursaflokkurinn
     
    Gegen Ende der 70-er Jahre waren Vertreter von Psychedelic und Progressive Rock an einem kreativen Tiefpunkt angelangt. Es gab, so schien es, nichts mehr zu sagen, und während Yes sich in gefälligere Rockgefilde begaben und King Crimson sich erstmals komplett auflösten – es sollten noch mehrere Auflösungen folgen -, wandte sich die Zuhörerschaft dem Folk zu.
    Und davon gab es reichlich: In Deutschland vertraten Ougenweide den Mittelalter-Folk, in Großbritannien brachten Jethro Tull dem Publikum die Flötentöne bei, und in Island schließlich nahm sich Hinn í­slenski Þursaflokkurinn, der isländische Trollhaufen, klassisches Liedgut vor.
    Vielleicht ist es die isländische Sprache, die dem Album seinen Zauber verleiht, vielleicht ist es auch die für Folkrock ungewohnte, vorwiegend akustische Instrumentierung, aber es entfaltet eine befremdliche Schönheit schon in den ersten paar Minuten. Die Traumwelt isländischer Folklore wird in diesem Album eingefangen und komprimiert, und der Chorgesang tut ein übriges. Schade, dass die Gruppe trotz aller Ambitionen keine Bekanntheit erzielen konnte.
     
  • Vor 20 Jahren:
    Die Toten Hosen – Ein kleines bisschen Horrorschau
     
    Im Jahr 1988 wurde das damals bereits 26 Jahre alte Buch A Clockwork Orange an den Kammerspielen Bad Godesberg mit Beteiligung der Toten Hosen aufgeführt. Passend hierzu entstand auch dieses Album, das zwar nur schwerlich mit der damals aktuellen politischen Situation in Verbindung zu bringen ist, jedoch die musikalische Entwicklung jener Jahre widerspiegelt:
    Nach Rock (60-er Jahre), Progressive Rock und Discofieber (70-er Jahre) sowie Synthie-Pop und NDW (80-er Jahre) hatte man genug von den musikalischen Experimenten. Der Stellenwert der Musik änderte sich: Sie diente nicht mehr als Ausdrucksform von Protest und als Identifikationsinstrument einzelner Gruppen, sondern wurde zunehmend massentauglich. Die Toten Hosen bildeten als etablierte (also auch „massentaugliche“) Punkrock-Gruppe da keine Ausnahme, allein der inhaltlich experimentelle Charakter dieses Albums, das A Clockwork Orange nacherzählt, lässt noch ein wenig musikalischen Wagemut erahnen.
     
  • Vor 10 Jahren:
    Die Ärzte – 13
     
    Das Ende der 90-er Jahre stand im Zeichen von Ballermann und Kommerz. Alle innenpolitischen Katastrophen schienen überwunden, den Kampf gegen die Politik der USA hatte man aufgegeben, als jugendlicher „Rebell“ wollte man im Allgemeinen nur noch seinen Spaß haben.
    Das belegt auch dieses Album, dessen bekannteste Lieder Männer sind Schweine und Rebell gesellschafts- und musikkritisch als direkte Referenzen herangezogen werden können. „Punk“ gab’s nur noch in Verbindung mit „Fun“ – keine Gewalt, keine Provokation und vor allem keine Politik mehr. Funpunk-Gruppen wie Die Ärzte hatten hier ihre musikalische und vor allem auch kommerzielle Blütezeit. Und erst gegen Mitte unseres Jahrzehnts begannen die Ansprüche an musikalische Qualität mit der Britpop- und Indiewelle wieder zu wachsen…
SeriennavigationMusik 12/2008 – Favoriten und Analyse »

Senfecke:

Comments are closed.

:) 
:D 
:( 
:o 
8O 
:? 
8) 
:lol: 
:x 
:aufsmaul: 
:P 
:ups: 
:cry: 
:evil: 
:twisted: 
mehr...
 

Erlaubte Tags:
<strong> <em> <pre> <code> <a href="" title=""> <img src="" title="" alt=""> <blockquote> <q> <b> <i> <del> <span style=""> <strike>

Datenschutzhinweis: Ihre IP-Adresse wird nicht gespeichert. Details finden Sie hier.