KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/​2019 – Favo­ri­ten und Analyse

Die­ser Arti­kel ist Teil 22 von 25 der Serie Jah­res­rück­blick

Lan­ge nichts mehr über Musik geschrieben.

Das erste hal­be Jahr 2019 ist vor­bei – schon jetzt bie­tet sich daher eine Gele­gen­heit, ein paar Wor­te über die pas­sa­bel­sten Musik­al­ben des Jah­res zu ver­lie­ren. Wie üblich erhe­be ich kei­nen Anspruch dar­auf, eine voll­stän­di­ge Liste vor­zu­le­gen, zumal noch – zum Zeit­punkt des Ver­fas­sens die­ses Absat­zes – ein hal­bes Jahr vor uns liegt. Natür­lich war ich wie meist unge­dul­dig und habe bereits die dies­jäh­ri­gen Stu­dio­al­ben von Mono, The Clay­po­ol Len­non Deli­ri­um und Sunn O))) kurz bewer­tet, wes­halb sie hier nicht mehr auftauchen.

Die ande­ren Musik­wer­ke die­ses ersten hal­ben Jah­res sind aber auch nicht unbe­dingt schlecht. Das wären die­se hier:

  1. Itha­ca – The Lan­guage of Injury
    „I’m not here to make friends.“ (Youth vs. Wisdom)

    Zur Ein­stim­mung auf das, was folgt, begin­ne ich dies­mal mit etwas Metal- und Math­core­mu­sik. Das aus Lon­don stam­men­de Quin­tett Itha­ca, dem Bre­x­it trot­zend, über­zog Euro­pa 2019 mit ihrem ersten eigent­li­chen Stu­dio­al­bum „The Lan­guage of Inju­ry“, nach­dem sie mit eini­gen kür­ze­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen schon mal einen Vor­ge­schmack gewährt hat­ten. Die hier ent­hal­te­nen Stücke sind recht kurz, aber das ist nicht schlimm.

    „The Lan­guage of Inju­ry“ erreich­te die Märk­te im Febru­ar, also bei eher unschö­nen Tem­pe­ra­tu­ren, aber die ent­hal­te­ne Musik hält hin­rei­chend warm. Dja­mi­la Azz­ouz, die eine Frau ist, aber gar nicht so klingt, schraubt ihre Schrei­stim­me in aber­wit­zi­ge Inten­si­tät hin­ein, wäh­rend Schlag­zeu­ger James Lewis sei­ne Band­kol­le­gen (zwei­mal Gitar­re, ein­mal Bass) maschi­nen­ge­wehr­ar­tig zur Höchst­lei­stung an. Nach der Auf­nah­me von „The Lan­guage of Inju­ry“ wur­de Bas­sist Drew Hay­cock aller­dings ersetzt, was ich bedau­re, denn sein Spiel auf die­sem Album sagt mir zu. „The Lan­guage of Inju­ry“ wird im Inter­net als „chao­tisch und aggres­siv“ beschrie­ben, was nur die hal­be Wahr­heit ist.

    Den takt­ver­setz­ten, gitar­ren­bret­tern­den Grow­lin­g­at­tacken näm­lich ste­hen Momen­te wie das instru­men­ta­le „(No Trans­la­ti­on)“ oder auch Tei­le des Titel­stücks ent­ge­gen, in denen es gera­de­zu sphä­risch und sanft zugeht. Das ver­deckt aller­dings – zum Glück – nicht, dass die her­aus­ge­schrie­ne Ein­sam­keit die Essenz ist, die die­ses Album bil­det. Jedem, dem auch manch­mal zum Schrei­en zumu­te ist, ist es sicher­lich ein Genuss; mir zum Beispiel.

    Ein Banau­se ist, wer noch sit­zen bleibt.

    Rein­hö­ren: Stream und Kauf gibt es auf Amazon.de und Band­camp.

  2. Juleah – Desert Skies
    „High on junk, that’s what we are.“ (Ana­lo­gue)

    Den Regel­mä­ßi­gen mei­ner Leser ist die oft son­nen­be­brill­te Öster­rei­che­rin Juleah eine alte Bekann­te: Nicht nur war „Straw­ber­ry Shake“ von ihrem aktu­el­len Album „Desert Ski­es“ im Febru­ar 2019 wie schon 2015 ihr Lied „Beau­ti­ful for you“ zur Mon­tags­mu­sik avan­ciert, auch ihr Album „Melt Insi­de The Sun“ ende­te bereits auf einer mei­ner Jahreslisten.

    Viel­leicht kann man etwas dar­aus fol­gern, dass auch „Desert Ski­es“ hier in die­ser Liste auf­taucht, min­de­stens jedoch, dass es Musi­ker zu geben scheint, die einen Qua­li­täts­ver­lust ableh­nen. Alles, was Juleah dafür tun muss­te, war es, so zu blei­ben, wie sie war. „Desert Ski­es“ ist ein Album vol­ler Psy­che­de­lic Rock. Der „Fal­ter“ nann­te es „Dream­pop“ und ich mag immer noch kei­ne Gen­re­na­men. Das Album ist unge­fähr 39 Minu­ten lang, kommt mir aber kür­zer vor.

    Natür­lich domi­niert die Gitar­re die­ses Album, wie sich das für anstän­di­ge Rock­mu­sik eben gehört, aber die Mul­ti­in­stru­men­ta­li­stin streut auch gern mal ande­re Töne, etwa die einer Orgel („Catch-22“), ein, was zu einem Gesamtsound führt, der zeit­ge­nös­si­sche Rezen­sen­ten zu der Bemer­kung ver­an­lass­te, The Bri­an Jone­stown Mas­sa­c­re habe hier offen­bar sei­ne Spu­ren hin­ter­las­sen. Auch Blues­rock, ins­be­son­de­re über den herr­li­chen Bass, und Folk wer­den gekonnt ein­ge­floch­ten. Auch die Stim­me, viel­schich­tig hal­lend gemischt und ein biss­chen frech klin­gend, ent­täuscht noch immer nicht. Sie habe Gesangs­un­ter­richt genom­men, erzähl­te sie in einem Inter­view anläss­lich der Ver­öf­fent­li­chung von „Desert Ski­es“. Zum Glück singt Juleah wei­ter­hin auf Eng­lisch. Öster­rei­chisch wäre doch wirk­lich eine Verschwendung.

    Rein­hö­ren: Man könn­te sich das Video zu „Straw­ber­ry Shake“ rein­zie­hen; und sich dann, natür­lich das gan­ze Album gön­nen, etwa auf Amazon.de oder Band­camp.

  3. Cabi­nets of Curio­si­ty – The Cha­os Game

    Bei Cabi­nets of Curio­si­ty hand­le es sich, las ich soeben, um die „bekann­te­ste Prog­band in Bor­den­town, New Jer­sey“. Den Wahr­heits­ge­halt die­ser Aus­sa­ge kann ich nicht objek­tiv beur­tei­len, sub­jek­tiv ist es zumin­dest zutref­fend, dass mir gera­de kei­ne ande­re Pro­gres­si­ve-Rock-Band bekannt ist, die sich in Bor­den­town, New Jer­sey, befin­det. Für die Beur­tei­lung als „Prog­band“ gibt es aber Anhalts­punk­te: Sän­ge­rin Nat Horn­yak nahm um den Jah­res­wech­sel von 2018 auf 2019 her­um an einem die­ser Wett­be­wer­be auf Twit­ter teil, indem sie ein paar Musik­al­ben nann­te, die ihr etwas bedeu­ten. Dar­un­ter konn­te der inter­es­sier­te Leser auch etwas von Gene­sis, Jet­hro Tull und Yes – und kei­nes­wegs die schlech­te­sten ihrer Alben – fin­den. Sän­ge­rin­nen set­zen sich oft durch, ich ver­bu­che das also als gutes Zeichen.

    „The Cha­os Game“ ist dabei das Debüt-Voll­zeit­al­bum von Cabi­nets of Curio­si­ty. Dem Inter­net ist ein/​eine unbe­ti­tel­te EP von Mai 2016 bekannt, seit­dem wur­de in der sie­ben­köp­fi­gen Beset­zung ledig­lich der Key­boar­der aus­ge­tauscht. Eine gewis­se Rei­fe im Zusam­men­spiel der Band ist also anzunehmen.

    Und die ist tat­säch­lich gege­ben: Nach „Death, She Walks On“, einer Art A‑Cap­pel­la-Gesang der Sän­ge­rin mit sich selbst (bekannt gewor­den durch den „Prophet’s Song“ von Queen) exer­ziert die Band den Can­ter­bu­ry durch. Dabei ist „Angu­lar Ste­ri­li­ty“ eigent­lich bloß Jazz­rock mit abge­dreh­tem Gesang, der aller­dings in einen gut gefüll­ten Eimer Beard­fi­sh und, der Flö­te von Kri­sti­na Bacich sei’s gedankt, Camel getaucht wur­de. Beim Gesang kom­men mir zumeist die Sto­len Babies in den Sinn, was auch eine Art Qua­li­täts­merk­mal ist. „Frac­tals & Coast­li­nes“, über 12 Minu­ten lang, ist eine Art Suite, deren ein­zel­ne Tei­le jedoch nicht inein­an­der über­ge­hen, son­dern nur – etwas ein­falls­los – hin­ter­ein­an­der hän­gen. Zu hören sind Gent­le Giant, Hat­field & the North und, ver­mut­lich vor allem dank der mir mit jeder Minu­te etwas bes­ser gefal­len­den Sän­ge­rin, Thin­king Pla­gue, bevor das Stück aber­mals mit gemal­ten Camel-Land­schaf­ten aus­klingt. Etwas aus dem Rah­men des übri­gen Albums fällt „In A Day“, das ein Solo­stück von Nat Horn­yak an Kla­vier und Mikro­fon zu sein scheint, obwohl es meh­re­re Gesangs­spu­ren gibt. Ich den­ke an Tina Tur­ner und bin nicht unzu­frie­den damit.

    Es gibt einen com­pa­n­ion zu „The Cha­os Game“, in dem Tex­te und eine Art Kon­zept drin­ste­hen. Auf schnel­len Erfolg haben sie es nicht unbe­dingt abge­se­hen. Das Album lebt von der Kom­bi­na­ti­on aus der ein­drucks­vol­len Stim­me von Nat Horn­yak und dem ver­spiel­ten Jazz­rock ihrer Mit­mu­si­ker, unge­ach­tet des Umstan­des, dass das Wort „Mit­mu­si­ker“ nie­mals ver­wen­det wer­den sollte.

    Das Ziel von Cabi­nets of Curio­si­ty, las ich, sei es, das Zeit­al­ter des klas­si­schen Progs wie­der zum Leben zu erwecken. (Wie tötet man eigent­lich Zeit­al­ter?) Das Ziel haben sie nicht verfehlt.

    Rein­hö­ren: Bandcamp.com scheint die bevor­zug­te Anlauf­stel­le zu sein, auf Amazon.de gibt es wenig­stens einen Down­load und die übli­chen Hörschnipsel.

  4. ni – Pantophobie

    Im Dezem­ber 2018 befand ich „Bran Cou­cou“, das anschei­nend bis­her ein­zi­ge Album von Pini­oL, für ange­nehm ver­rückt. Pini­oL ist ein Zusam­men­schluss von PoiL und ni, von letz­te­rer Band gab es bis­her nur ein ein­zi­ges eige­nes Studioalbum.

    Dies ist ihr zweites.

    Es wird unter ande­rem als RIO und Jazz­core bewor­ben, was nach „Bran Cou­cou“ recht nahe liegt und Asso­zia­tio­nen mit King Crim­son weckt. In der Tat beginnt das erste der neun Titel, „Hélio­pho­bie“, so instru­men­tal und zer­ris­sen, wie es auch die Pro­jeKcts auf­zu­neh­men imstan­de waren. Pan­to­pho­bie ist die Angst vor allen Din­gen, dass alle neun bis elf – der erste („Pho­no­pho­bie“) und der letz­te („Apé­i­ro­pho­bie“) Titel schei­nen in der Band­camp­va­ri­an­te nicht vor­han­den zu sein – Stücke eine Pho­bie benen­nen, ist daher nur kon­se­quent. Nach etwa vier Minu­ten gibt es erst­mals geschrie­ne Vokal­ein­wür­fe und das Album bleibt anschlie­ßend kan­tig irre.

    Das Quar­tett flackert zwi­schen Metal und Jaz­zi­gem umher, zer­reibt Struk­tu­ren im Cha­os. Nach mei­nen Erfah­run­gen beim Zusam­men­stel­len die­ser fast regel­mä­ßi­gen Listen ist es nicht ver­fehlt, von typisch fran­zö­si­scher Avant­gar­de­mu­sik zu spre­chen; eben „RIO/​Avant“ im besten Sin­ne. Micha­el Boh­li zieht das Fazit:

    “Pan­to­pho­bie” pas­siert, und zwar zu jeder Sekunde.

    Und wer braucht Tak­te und Ord­nung, wenn er statt­des­sen ein Gesche­hen haben kann?

    Rein­hö­ren: Vinyl, Down­loads, CDs und Hör­pro­ben bie­tet Amazon.de feil, anson­sten gäbe es noch Band­camp.

  5. David Torn/​Tim Berne/​Ches Smith – Sun of Goldfinger

    David Torn ist ein US-ame­ri­ka­ni­scher Jazz­gi­tar­rist, der bereits mit David Bowie, Bill Bruford, Tony Levin und Don Cher­ry zusam­men­ge­ar­bei­tet hat. Gemein­sam mit dem Saxo­pho­ni­sten Tim Ber­ne sowie dem unter ande­rem von Secret Chiefs 3 bekann­ten Schlag­zeu­ger Ches Smith hat er ein Album namens „Sun of Gold­fin­ger“ auf­ge­nom­men. Alle drei Musi­ker sind ein­an­der nicht unbe­kannt und hal­fen ein­an­der auch in der Ver­gan­gen­heit bereits aus. Man ver­zei­he mir, dass ich als gele­gent­lich erfreu­ter Expe­ri­men­tal­jazz­hö­rer die­sem Album man­che Vor­schuss­lor­bee­re in den Hals stopfte.

    Es hat sie alle geschluckt.

    Wie zu erwar­ten war, han­delt es sich bei „Sun of Gold­fin­ger“ um ein rein instru­men­ta­les Album. „Jazz­Trail“ sprach von einem Pflichtal­bum für Anhän­ger neu­er Musik, derer einer ich frag­los bin. Es gibt drei Stücke mit einer Län­ge zwi­schen 22 und 24 Minu­ten, was „Sun of Gold­fin­ger“ nicht nur rela­tiv lang (aber kei­nes­wegs län­gen­hal­tig) macht, son­dern auch ahnen lässt, wohin die Rei­se geht: Ich höre vor allem Frei­form-Jazz, in dem das Impro­vi­sie­ren hoch gehal­ten wird, aber auch eine in kei­ner Sekun­de kit­schi­ge Spiel­art der Welt­mu­sik, vor allem in der zwei­ten Hälf­te von „Spar­tan, Befo­re It Hit“. Sicher: Wer dem unge­fäh­ren beschrie­be­nen Stil noch nie viel abge­win­nen konn­te, der kann die­ses Album über­sprin­gen, ohne befürch­ten zu müs­sen, viel ver­passt zu haben. Wer aber grund­sätz­lich für Jazz offen ist, dem scheint kei­ne Minu­te die­ses Albums eine Ver­schwen­dung von Zeit zu sein – auch und gera­de nicht mir.

    Als „Debüt­al­bum“ wird es weit­hin benannt, was in die­ser Kon­stel­la­ti­on ver­mut­lich nicht falsch ist. Zwar ist im Jazz wech­seln­de Zusam­men­ar­beit nicht unge­wöhn­lich, ich hof­fe den­noch, „Sun of Gold­fin­ger“ blei­be nicht das erste und letz­te gemein­sa­me Album der drei Herren.

    Rein­hö­ren: Amazon.de (kurz), TIDAL (lang).

  6. De Staat – Bub­ble Gum

    Von De Staat, einer nie­der­län­di­schen Pop­grup­pe, berich­te­te ich zuletzt 2016, als ihr ange­neh­mes Album „O“ ver­öf­fent­licht wor­den war:

    (…) chan­neln De Staat mal Pri­mus (…), mal die Pet Shop Boys, schwin­gen im Kos­mos von Tanz­pop (…), New Wave und Groo­ve her­um, ohne sich dabei in irgend­wel­che Gren­zen zwän­gen zu lassen.

    Muss denn auf jedem Album ein ganz neu­er Stil her? Ich fin­de: Nein. Und so ist auch „Bub­ble Gum“ trotz sei­nes Titels zwar ein Album mit Pop­mu­sik gewor­den, aber Kau­gum­mi­pop sucht man wei­ter­hin ver­ge­bens. Gewürzt wird „Bub­ble Gum“ mit Früh-90er-Elek­tro­nik („Pika­chu“) und einer beein­drucken­den Ein­gän­gig­keit, anson­sten neh­men sie wei­ter­hin die besten Pri­mus-Alben auf, die nicht von Pri­mus selbst stam­men. „Bub­ble Gum“ ist ein sehr leben­di­ges Album, das auch mal in Text und Stil Boy­bands („Fake It Till You Make It“) per­si­fliert. Man soll­te den Humor die­ser Band mögen, anson­sten kann man De Staat nicht gänz­lich genie­ßen. Ich mag ihn und genie­ße, Tanz­pop hin oder her. Mein Bedarf an Kurz­weil bedankt sich artig für die Reverenz.

    Auf dem Niveau können’se ger­ne noch etwas bleiben.

    Rein­hö­ren: Es gibt ein gewohnt selt­sa­mes Video zum eröff­nen­den „KITTY KITTY“, im Übri­gen hel­fen Amazon.de und TIDAL womög­lich weiter.

  7. Kuhn Fu – Chain The Snake

    Wir blei­ben in den Niederlanden.

    Von dort, aus Gro­nin­gen näm­lich, kom­men außer De Staat auch Kuhn Fu. Weil im deut­schen Sprach­raum der Name „Kuhn“ viel­leicht Ver­glei­che weckt, die nicht unbe­dingt ange­mes­sen sind, sei hier dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Name eigent­lich falsch ist, denn der Gitar­rist und Sän­ger die­ses Quar­tetts heißt Chri­sti­an Kühn. Nach zwei Alben, die eben­falls irgend­was mit „Kuhn“ hie­ßen, ist „Chain the Sna­ke“ nun das drit­te Stu­dio­werk der seit dem letz­ten Album „KUHNSPIRACY“ (2017) ledig­lich am Schlag­zeug umbe­setz­ten Gruppe.

    In „Trak­tus“ wird auf Deutsch geflucht, anson­sten ist der mal komö­di­an­ti­sche („Wolf’s Mucken­ko­gel“), meist aber wenig­stens irgend­wie schrä­ge („Mar­co Mes­sy Mil­lion­aire“) Gesang auf Eng­lisch gehal­ten. Weil das ein­falls­los ist, spielt die Band dazu um so bemer­kens­wer­te­re Musik: Es wird, kräf­tig unter­stützt von Ziv Tau­ben­feld an der Bass­kla­ri­net­te, blä­ser­ori­en­tier­ter Jazz­rock her­vor­ge­bracht, der wie­der ein­mal in guter, alter RIO-Tra­di­ti­on steht. Ver­setz­te Rhyth­men („Gar­ga­mel“) tref­fen auf crim­sones­que Stücke („Gustav Grinch“)

    Auf den „Baby­blau­en Sei­ten“ befand Sig­gy Zielin­ski im März 2019, Kuhn Fu sei­en „ein hei­ßer Tipp für die Freun­de von Avant-Jazz-Punk-Prog“. Ich füh­le mich ange­spro­chen und bin nicht enttäuscht.

    Rein­hö­ren: Das kom­plet­te Album gibt es als Stream bei TIDAL und Band­camp, bei letz­te­rer Anlauf­stel­le sowie bei Amazon.de auch auf phy­si­schem Ton­trä­ger zum Verkauf.

  8. Inter Arma – Sul­phur English

    Inter Arma ist zwar Latein, bezeich­net jedoch ein recht haa­ri­ges Quar­tett aus Rich­mond. Die­sem sei beschei­nigt, dass es auf sei­nem selt­sam benann­ten Stu­dio­al­bum „Sul­phur Eng­lish“ Sludge Metal spielt, der so gut ist, dass sogar ich ihn mag.

    Schril­les Pfei­fen, dump­fe Schlä­ge von fern: Mit „Bum­gard­ner“ beginnt „Sul­phur Eng­lish“ rät­sel­haft, bevor nach einer Minu­te schlep­pen­der Doom Metal ein­setzt. Lyrics gibt es noch nicht, wohl aber im fol­gen­den „A Waxen Sea“, in das „Bum­gard­ner“ über­geht, wenn­gleich man sie aku­stisch kaum ver­steht: „I rai­se my hands to the sea beyond, into­xi­ca­ted by the winds that whip up from her fair shores“, genau so klingt das hier Gehör­te auch. Schön­klang? Pah, Gebrüll – inmit­ten des Stücks gar: Gekreisch – zu Instru­men­tal­ru­del­bums! Man hat ja hier einen Ruf zu ver­lie­ren (einen schlechten).

    Wer jetzt noch nicht tot aus dem Ses­sel gefal­len oder panisch aus dem Fen­ster gesprun­gen ist, dem sei ver­si­chert, dass das Album die­ses Niveau bis zum Ende durch­hält, mit­un­ter berei­chert von Zwi­schen­spie­len wie einem uner­war­te­ten, aus­ge­dehn­ten Psy­che­de­lic-Hard­rock-Gitar­ren­so­lo („Cita­del“), Doom- („Blood on the Lupi­nes“) und Shoe­ga­ze­mo­men­ten („How­ling Lands“). Dabei schwei­fen sie auch schon mal aus – das läng­ste Stück „The Atavist’s Meri­di­an“ ist mit­samt Span­nungs­auf­bau und Kli­max über zwölf­ein­halb Minu­ten lang -, kei­nes­falls aber las­sen sie es dabei lang­sam ange­hen. Inter Arma hal­ten sich nicht mit Bit­ten auf, sie ver­tei­len „rei­ni­gen­de Kopf­nüs­se“ (Jake Wal­ters) und das zu Recht.

    Dass das war­me „Still­ness“, getra­gen von Schlag­zeug und Aku­stik­gi­tar­re, in sei­ner ersten Hälf­te neben den Spät­al­ben von Pink Floyd nur auf­grund sei­ner selt­sa­men Unru­he beson­ders auf­fal­len wür­de, wider­spricht die­ser Erkennt­nis nicht, denn die zwei­te Hälf­te erin­nert wie­der dar­an, womit wir es hier zu tun haben. Mich amü­siert der geschrie­ne Titel des Stücks. Anschei­nend gibt es auch eine Text-Klang-Schere.

    „Sul­phur Eng­lish“ ist ein lau­tes, bru­ta­les Album. Es hat sei­nen Platz in die­ser Liste red­lich ver­dient. Bit­te nicht schießen!

    Rein­hö­ren: Zu „How­ling Lands“ gibt es ein Musik­vi­deo, anson­sten könn­ten Amazon.de, TIDAL und Bandcamp.com weiterhelfen.

  9. Drah­la – Useless Coordinates
    „Have you ever seen a neon glo­be flicker?“ (Sti­mu­lus for Living)

    Weni­ger bru­tal geht Drah­la, eine bri­ti­sche Post­punk­band, zu Wer­ke. Nach eini­gen kür­ze­ren Ver­öf­fent­li­chun­gen hat sie es 2019 end­lich geschafft, ihr Debüt­al­bum „Useless Coor­di­na­tes“ einer über­rasch­ten Öffent­lich­keit zu prä­sen­tie­ren. Ihre Her­kunft hat unter ande­rem den Vor­teil, dass Sän­ge­rin Luciel Brown die schö­ne­re Form des Eng­li­schen von sich gibt, näm­lich das Bri­ti­sche mit herr­lich gedehn­ten Voka­len. Selbst schuld, wer den US-ame­ri­ka­ni­schen Dia­lekt wert­schätzt, denn hier ent­geht ihm was. Die Dame ist nie laut und auf­ge­regt, immer eher locker-luf­tig. Fein.

    Und die Musik selbst taugt auch was. „Gil­ded Cloud“ etwa weist ein lan­ges, immer wie­der unter­bro­che­nes intro auf. „Sere­ni­ty“ führt den stil­ty­pi­schen Sprech­ge­sang ein, erst­mals sind hier auch die Saxo­phon­ein­wür­fe von Gast­mu­si­ker Chris Duf­fin zu hören, die spä­ter immer wie­der vor­kom­men. Mit­un­ter („Sero­to­nin Level“) den­ke ich an die­je­ni­ge Beset­zung von Van der Graaf Gene­ra­tor, in der noch David Jack­son mit­spie­len woll­te, obwohl wir uns hier in einem ganz ande­ren Gen­re bewe­gen. Auch im fol­gen­den „Pyra­mid Estate“ spielt das Saxo­phon neben dem domi­nan­ten Bass – den ich bei Post­punk­plat­ten sehr schät­ze – eine gewich­ti­ge Rol­le und bekommt sogar eine Solo­pas­sa­ge. Anders­wo („Sti­mu­lus for Living“, „Pri­mi­ti­ve Rhythm“) ver­sucht sich die Band an Grunge. Fast bin ich der Ansicht, Sonic Youth zu hören. Ich mag Sonic Youth.

    Das im Inter­net als zen­tra­les Stück der Plat­te beschrie­be­ne „React/​Revolt“ ist ein aus ande­ren Grün­den erfreu­li­ches: Saxo­phon und Bass lei­ten mit instru­men­ta­lem Free Jazz ein, bevor nach zwei­ein­halb Minu­ten gitar­ren­ge­trie­be­ner Post­punk über­nimmt, wie er auch spä­ter („Sero­to­nin Level“) wie­der zu hören sein wird. Das anson­sten recht nor­mal post­pun­ken­de „Twel­ve Divi­si­ons of the Day“ über­rascht mit­tig mit einem erstaun­lich lau­ten und druck­vol­len Teil mit ange­nehm schrä­gen Zwi­schen­tö­nen. Kei­ne Sor­ge, ein­ge­schla­fen wäre ich auch sonst nicht. Dass Drah­la aus der eher lin­ken „Sze­ne“ stam­men, ruft das letz­te Lied „Invi­si­ble Sex“ noch­mals in Erin­ne­rung, in dem es mit bedrücken­der Stim­mung um erfun­de­ne Geschlech­ter geht. In Ber­lin könn­te man damit auch erfolg­reich werden.

    Ins­ge­samt domi­nie­ren hier aller­dings ver­gleichs­wei­se lan­ge Instru­men­tal­pas­sa­gen, die für die gele­gent­lich sehr grü­nen Tex­te mehr als ent­schä­di­gen. Plat­ten wie die­se höre ich sel­ten wegen ihres lyri­schen Anspruchs, aber die Melo­dien, die Melo­dien! Da sieht man (also: sehe ich) auch dar­über hin­weg, dass Lie­der und Album ver­gleichs­wei­se kurz aus­fal­len. Bonus­punk­te gibt es im Übri­gen für das schön schlech­te Cover­bild, das dar­auf hin­weist, was drin ist. So was wird heut­zu­ta­ge ja viel zu sel­ten gemacht.

    Rein­hö­ren: Das Album gibt es auf Amazon.de, Bandcamp.com und TIDAL.

  10. Boltz­mann Brain – Spaces­quid Brain

    Ein Boltz­mann-Gehirn, dar­über infor­mie­ren ver­schie­de­ne Publi­ka­tio­nen, bezeich­net das mensch­li­che Gehirn, das in einem belie­big gro­ßen Uni­ver­sum in einem belie­bi­gen Zeit­raum irgend­wann durch quan­ten­phy­si­ka­li­sche Zusam­men­hän­ge unwei­ger­lich ent­ste­hen wird. Boltz­mann Brain kom­men trotz­dem aus Ilmen­au. Das Uni­ver­sum erlaubt sich eigen­ar­ti­ge Scherze.

    Dem Namen des Albums ent­spre­chend haben wir es hier mit Spa­ce­rock zu tun, aller­dings nicht in sei­ner unver­fälsch­ten Form, denn Boltz­mann Brain mögen das Spiel mit den Sti­len und las­sen sich vom Kraut­rock eben­so inspi­rie­ren wie vom 70er-Fusi­on. Schon „Good­bye, Mr. Cloo­ney“ (neun­ein­halb Minu­ten lang), das erste der nur vier Stücke, beginnt mit einem lan­gen expe­ri­men­tel­len Instru­men­talin­tro und gewährt erst nach über vier­ein­halb Minu­ten Lauf­zeit etwas Ent­span­nung. Eine stark ver­zerr­te Stim­me spricht ener­gie­ge­la­den Tex­te, die ich erst mal nach­le­sen müss­te, aber nicht will. Das erin­nert mich an Faust und ich bin bereits ent­zückt. Eher an der Früh­pha­se von Can ist das fol­gen­de „Infi­ni­ty“ ori­en­tiert, das auf eine Jazz­grund­la­ge auf­ge­baut ist. Der Sän­ger dreht all­mäh­lich durch, bellt und brüllt mal pun­kig, mal grungig, mal blue­sig unver­än­dert ver­zerrt ins Mikro­fon. „I tried to see /​ what you show­ed to me“, ach so, naja.

    Pun­kig ist auch „Suc­q­mah“, das anfangs aus zu Punk­rock durch­ge­führ­ten Elek­tro­nik­ex­pe­ri­men­ten besteht, sich aber anschlie­ßend dem Jazz­rock zuwen­det. Das Stück ist instru­men­tal. Das Inter­net behaup­tet, der Text zum Lied lau­te „oh“, aber das ist natür­lich kein Text und das Inter­net soll­te sich schä­men. Falls jemand nicht so viel Zeit hat, wis­sen Boltz­mann Brain Rat: „Until“ ist , musi­ka­lisch betrach­tet, eigent­lich eine Zusam­men­fas­sung der ersten drei Stücke mit ein biss­chen Text drin. Lang sind die Tex­te auf „Spaces­quid Brain“ aller­dings alle­samt nicht. Das macht nichts, dafür ist Spa­ce­rock auch nicht so gut geeignet.

    Rein­hö­ren: Amazon.de hat Schnip­sel und Bezahl­stream, Mög­lich­kei­ten zu Kauf und Kom­plett­stream gibt es anson­sten auf Bandcamp.com.

  11. BIG|BRAVE – A Gaze Among Them

    Die Stadt Mon­tré­al ken­nen wir Musik­lieb­ha­ber vor allem daher, dass God­speed You! Black Emperor sowie ein hal­bes Dut­zend per­so­nell ver­wand­ter Grup­pen, zumeist mit Postrock­hin­ter­grund, sich dort behei­ma­tet sehen. Bei meh­re­ren von ihnen spielt unter ande­rem Thier­ry Amar (Bass und Kon­tra­bass) mit.

    Sel­bi­ger gastiert auch auf „A Gaze Among Them“, dem vier­ten Voll­al­bum von BIG|BRAVE aus der­sel­ben Stadt, zur­zeit anschei­nend bestehend aus Robin Wat­tie (Gitar­re, Bass, Gesang), Mathieu Ball (Gitar­re) und Loel Camp­bell (Schlag­zeug). Das Album besteht aus fünf Stücken, grund­sätz­lich ein gutes Zeichen.

    Dass BIG|BRAVE trotz­dem kei­nen schwer­mü­ti­gen Post­rock auf­neh­men, son­dern sich etwas abseits tum­meln, tut der Abwechs­lung ja durch­aus gut. Mehr als ein­mal wer­de ich trotz des extro­ver­tiert-auf­ge­dreh­ten Gesangs an Sigur Rós‘ „Bren­ni­steinn“ erin­nert. Ich höre Noi­se­rock, Post­me­tal und Psy­che­de­lic Rock, umwo­ben von und ver­floch­ten mit Gitar­ren­dro­nes. Das zwei­te und zweit­läng­ste Stück „Hol­ding Pat­tern“ fällt dabei fast ein wenig aus der Rei­he: Es beginnt ambi­ent, geht dann aber wie­der in beklem­mend elek­tro­ni­sche Psy­che­de­lic mit einem unge­wöhn­li­chen, aber nicht stö­ren­den Stampf­beat über. Wenn ich etwas kri­ti­sie­ren müss­te, dann, dass die Abmi­schung von „A Gaze Among Them“ für einen etwas ver­wa­sche­nen Klang sorgt, der die gedach­te Punkt­zahl aber auch nicht deut­lich senkt. Erfreu­lich ist es jedoch, dass ich das gar nicht muss und es des­we­gen auch sein lasse.

    Rein­hö­ren: Amazon.de, TIDAL und Bandcamp.com sind von mir emp­foh­le­ne Rein­hör- und zum Teil auch Kaufgelegenheiten.

  12. The War­locks – Mean Machi­ne Music

    Von einer Band, die so heißt, wie sie heißt, weil The Vel­vet Under­ground irgend­wann auch mal so hie­ßen, wird schon vor dem Hören eini­ges erwar­tet, jeden­falls von mir. Dass sie ein Album her­aus­bringt, das „Mean Machi­ne Music“ heißt, ver­stärkt die­sen Effekt.

    Dass „Mean Machi­ne Music“ von The War­locks trotz­dem kei­ne Kopie von Lou Reeds „Metal Machi­ne Music“ ist, ver­zei­he ich ihr gern, denn ihrer Vor­bil­der ist sie sich trotz­dem bewusst. Die gemein­sa­me Lie­be zu Rock & Roll habe sie zusam­men­ge­führt, behaup­tet die Bio­gra­fie auf der Band­camp­sei­te, aber dahin­ter steckt mehr als Elvis Pres­ley. „Rock & Roll“ legt die Band auch groß­zü­gig aus, denn wäh­rend ich die wohl bekann­te­ste Rock-and-Roll-Band, die nur ein Album lang wirk­lich „Rock & Roll“ – eines der Lie­der hieß sogar so – zu spie­len ver­sucht hat, im Nuschel­ge­sang eben­so wie­der­erken­ne wie in den mono­to­nen Rhyth­men, die den Fuzz- und Dro­ne­schü­ben zugrun­de lie­gen, ist vie­les auf „Mean Machi­ne Music“ doch eher dem Post­punk zuzu­ord­nen, wor­an der grol­len­de Bass, der mal von Sän­ger und Front­mann Bob­by Hecks­her, meist aber von Chri­sto­pher DiPi­no bedient wird, sei­nen ange­mes­se­nen Anteil ein­zu­for­dern wohl berech­tigt wäre.

    Genau genom­men ist „Mean Machi­ne Music“ sogar zwei Alben, denn das Album ist sowohl in sei­ner nor­ma­len als auch in einer redu­zier­ten, instru­men­ta­len Ver­si­on (also ohne Gesang) zu hören; nach „Tri­bu­te to Hawk­wind“, das auch genau so klingt, wie es heißt, begin­nen die repri­ses jedes der fünf Stücke. In der Beschrei­bung ist dazu, frei über­setzt, zu lesen:

    Inspi­riert von allem zwi­schen Ste­reo­lab, Kraut­rock und Death-Rock prä­sen­tiert die­ses Album fünf neue Kom­po­si­tio­nen und sucht die­se Lie­der dann für instru­men­ta­le Wie­der­auf­nah­men erneut auf, die tie­fe Schich­ten vol­ler Melo­die und Atmo­sphä­re offenbaren!

    Das mit der „Melo­die und Atmo­sphä­re“ klappt tat­säch­lich sehr gut. Der erste Teil des Albums begei­stert mit dem Rück­griff auf den bes­se­ren Teil der Rock­mu­sik der 1960er Jah­re, der zwei­te Teil wiegt sich groo­vend ins Gehör und ins Inne­re. Ein Album zum Schwelgen.

    Rein­hö­ren: Wie inzwi­schen gewohnt ste­hen Amazon.de, TIDAL und Bandcamp.com bereits bereit. Offen­bar ist die Instru­men­tal­ver­si­on von „Tri­bu­te to Hawk­wind“ jedoch nicht über­all ent­hal­ten, ich emp­feh­le dar­auf zu achten.

  13. Die Gol­de­nen Zitro­nen – More Than a Feeling
    „Ihr dürft hier bald gar nichts mehr dür­fen!“ (20x20)

    Dass die Gol­de­nen Zitro­nen, vor vie­len Jah­ren Spaß­punk­band, wenig spä­ter Punk­sa­ti­ri­ker, seit­dem Elek­trotanz­was­wei­ßich, immer noch neue Sät­ze fin­den, die sie noch nicht ver­tont haben, über­rascht mich auf jedem Album wie­der. Dem sei bei­gefügt, dass auch Über­ra­schun­gen vor­her­seh­bar sein kön­nen. Die letz­ten paar Stu­dio­wer­ke haben mich tat­säch­lich etwas ermü­det zurück­ge­las­sen: Zu fest­ge­fah­ren schie­nen die Ham­bur­ger Schü­ler in ihrer Achtzigerästhetik.

    Auf „More Than a Fee­ling“, Album Num­mer 13, gelingt ihnen jedoch der text­li­che und melo­di­sche Brücken­schlag zwi­schen ihren jün­ge­ren Wer­ken und Glanz­ta­ten wie „Scha­fott zum Fahr­stuhl“. Dich­te Spät-80er-Elek­tro­nik gibt es auch wei­ter­hin, anson­sten hat die Grup­pe ihre musi­ka­li­schen Gren­zen in dem eigen­ar­ti­gen Drei­eck zwi­schen Trip-Hop, Indie-Pop („Nütz­li­che Kata­stro­phen“) und dem, was text­lich kli­schee­haft albern und musi­ka­lisch den Punk­rock ver­spot­tend jedem Gen­re trotzt und was ich daher Zitro­nen­stil nen­nen möch­te („Kata­kom­be“), anschei­nend noch längst nicht abschlie­ßend abge­steckt. Text­lich sind sie unbe­irrt in Hoch­form, wie man nicht erst in „Mau­ern bau­en (test­wei­se)“ belu­stigt fest­stel­len darf: „Was mei­nen sie mit ‚Volk‘? (…) Mei­nen sie damit, dass sie (…) um die Schwei­ne, die sie essen wol­len, die Schrit­te, die sie mar­schie­ren wol­len, etwas her­um bau­en wol­len?“ Dazu wun­der­vol­le Neo­lo­gis­men wie „Mit­dem­schwanz­we­de­lung“ („In der Schlei­fe“) und der einst­mals ent­täusch­te Hörer (ich) kehrt freu­dig zurück.

    Ihre deut­li­che poli­ti­sche Hal­tung – heut­zu­ta­ge ist ja alles eine Hal­tung – fließt frei­lich aus jedem Moment auf die­sem Album, begin­nend bei „Es nervt“, vor­ge­tra­gen von „LaToya Man­ly-Spain von der Schwar­zen Femi­ni­sti­schen Bewe­gung“ („musik­ex­press“), die die Ver­ein­nah­mung ihrer Posi­tio­nen sei­tens der Guten kri­ti­siert, gip­felnd im Abschluss­stück „Die alte Kauf­manns­stadt, Juli 2017“, in dem die aus­geufer­ten G20-Demon­stra­tio­nen vor zwei Jah­ren zusam­men­ge­fasst wer­den: „Wer vom Fach war, der wuss­te, was pas­sie­ren wür­de.“ Die Gol­de­nen Zitro­nen müs­sen es wis­sen, sie waren als musi­ka­li­scher act mit­ten­drin. Frag­lich ist, ob die Demon­stran­ten die hier vor­ge­tra­ge­ne Kri­tik an ihrer Bere­chen­bar­keit als eine sol­che ver­ste­hen würden.

    „More Than a Fee­ling“ bläst dem immer­hin nur schein­bar müde gewor­de­nen Zitro­nen­schiff also wie­der Wind in die Segel. Ihm sei all­zeit eine Hand­breit Was­ser unter dem Kiel zuteil.

    Rein­hö­ren: Zu „Es nervt“ gibt es ein gewohnt selt­sa­mes Video. Des Wei­te­ren sind Amazon.de und TIDAL sehr freund­lich zu inter­es­sier­ten Kon­su­men­ten, ande­re Strea­ming­dien­ste bit­te ich bei Bedarf selbst zu konsultieren.

  14. Per Wiberg – Head Without Eyes

    Bei Durch­sicht mei­ner bis­he­ri­gen Besten­li­sten habe ich über­rascht fest­ge­stellt, dass unter den­je­ni­gen Bands, von denen ich annahm, sie wären bereits dar­in vor­ge­kom­men, womit ich jedoch falsch lag, auch die schwe­di­sche Prog­me­tal­grup­pe Opeth ist. Aus nahe­lie­gen­den Grün­den ände­re ich das auch heu­te nicht, denn das dies­jäh­ri­ge Album von Opeth – „In Cau­da Venen­um“ – ist noch gar nicht erschie­nen. Statt­des­sen möch­te ich ein wenig in ihrer Geschich­te herumwühlen.

    Die­se ist geprägt von ste­ti­gem Wan­del: Bereits drei Jah­re vor Ver­öf­fent­li­chung ihres Debüt­al­bums „Orchid“ (1995) war das letz­te Grün­dungs­mit­glied David Isberg nicht mehr dabei, seit­dem führt Gitar­rist und Sän­ger Mika­el Åker­feldt die Band an. 2005 stieß Key­boar­der Per Wiberg dazu, der drei Live- und zwei Stu­dio­al­ben lang dabei blieb. Neben sei­ner Aus­hil­fe bei ande­ren Künst­lern und sei­ner Mit­glied­schaft bei den Spi­ri­tu­al Beggars hat­te er jetzt sogar noch Zeit, ein erstes Solo­al­bum auf­zu­neh­men. Es heißt „Head Without Eyes“ und ist nicht schlecht.

    Im Inter­net wird es für sei­nen Abwechs­lungs­reich­tum gewür­digt und das nicht unbe­rech­tigt. In sechs Stücken, teil­wei­se („Any­whe­re the Blood Flows“) über 11 Minu­ten lang, höre ich vor allem atmo­sphä­risch dich­ten Hard-/Spa­ce­rock. Wer Hawk­wind mag, dem soll­te „Head Without Eyes“ gleich­falls gefal­len. Anders­wo gibt es mal Doom („Pile of Not­hing“), mal Nick-Cave-taug­li­che Musik mit dazu pas­sen­den lyrics zu genie­ßen: „I don’t trust the light any­mo­re“ („Fader“) – so muss das sein. Der Pres­se­text zum Album schwa­felt was von Van der Graaf Gene­ra­tor und Talk Talk, aber Pres­se­schrei­ber inter­es­sie­ren sich auch meist nicht beson­ders für Musik.

    Wer einen Kopf hat, der höre. Gucken muss er ja nicht, das Cover­bild ist ohne­hin kei­nes der schö­ne­ren die­ses Jahres.

    Rein­hö­ren: TIDAL hat – wie oft – einen Kom­plett­stream im Sor­ti­ment, für Kauf und Rein­hö­ren scheint Amazon.de geeig­net zu sein.

  15. Mag­ma – Zëss

    Hur­ra! Mag­ma sind im fünf­zig­sten Jahr ihres wenig­stens ideel­len Bestehens zurück und füh­ren ein Werk mit sich, an dem seit wenig­stens 1977 gear­bei­tet wurde.

    Das jahr­zehn­te­lan­ge Per­fek­tio­nie­ren bereits live auf­ge­führ­ter Roh­fas­sun­gen hat dem erfreu­ten Rezen­sen­ten bereits eini­ge sehr schö­ne Musik­al­ben die­ser Grup­pe zu Gehör gebracht. Soll­te es jetzt womög­lich das letz­te Mal sein? Vor inzwi­schen zehn Jah­ren hat­te Band­chef und ‑grün­der Chri­sti­an Van­der in einem Inter­view mit­ge­teilt, „Zëss“ wer­de das letz­te Stück sein, das er jemals auf­neh­men wer­de. Inzwi­schen hat er die­se Ein­schät­zung zwar revi­diert, aber ihn dar­an zu mes­sen erscheint mir trotz­dem nicht ver­kehrt. Mag­ma haben sich selbst von Anfang an – mit einer kur­zen Unter­bre­chung („Mer­ci“, 1984) – immer wie­der zu über­tref­fen ver­sucht und sind damit sel­ten gescheitert.

    „Zëss“ ist, viel­leicht gibt es auch des­halb erst im Sep­tem­ber eine nach­ge­scho­be­ne Vinyl­aus­ga­be, ein ein­zi­ges Stück von 37:57 Minu­ten Län­ge. Inhalt­lich gehe es, das lässt sich her­aus­fin­den, um grie­chi­sche Mytho­lo­gie und um den letz­ten Tag vor dem gro­ßen Nichts. Zumeist lässt die Gestal­tung der Alben von Mag­ma ja Schlüs­se auf die ihnen zugrun­de­lie­gen­de Mytho­lo­gie zu und auch dies­mal ist der Schrift­zug „Zëss“ unge­fähr so gestal­tet, wie man Tex­te eben so gestal­tet, wenn man einen Bezug zu Grie­chen­land her­stel­len will. Der Unter­ti­tel von „Zëss“, sogar auf dem Album selbst zu lesen, ist „le jour du néant“, also „der Tag des Nichts“. Chri­sti­an Van­der, sonst vor allem am Schlag­zeug sit­zend, zieht es in „Zëss“ seit über vier­zig Jah­ren vor zu sin­gen, sei­ne Ver­tre­tung über­nimmt Mor­gan Ågren von Mats/​Morgan. Neben sie­ben wei­te­ren Voka­li­sten, dar­un­ter die anschei­nend unver­wüst­li­che Isa­bel­le Feuillebo­is, sowie den zur­zeit nur noch sechs Mag­mamusi­kern selbst nahm auch das Pra­ger Phil­har­mo­nie­or­che­ster an der Auf­nah­me teil. Thea­tra­lik stand Mag­ma schon immer gut.

    Apro­pos Unter­ti­tel: Das Stück besteht aus sie­ben Tei­len, die aus­nahms­wei­se neben einem kobaïa­ni­schen auch einen fran­zö­si­schen Titel tra­gen. Das letz­te die­ser sie­ben Tei­le heißt „Düm­gëhl Blaö (Glas Ulti­me)“, was, wie zuvor schon „Šlağ Tanz“ (2015), wahr­schein­lich nur im Deut­schen wit­zig klingt. Ich bin unver­min­dert froh dar­über, dass Mag­ma mit weni­gen Aus­nah­men dar­auf ver­zich­ten, die Spra­che ihres Hei­mat­lan­des Frank­reich zu der ihren zu machen. Schön ist es auch, dass auf „Zëss“ anfangs die Stär­ken der klas­si­schen Mag­ma-Pha­se, näm­lich das Düste­re und Hym­ni­sche, wie­der über das all­zu Beschwing­te („Féli­ci­té Thösz“, 2012) sie­gen. Pop­mu­sik ist nicht von Dauer.

    „Ẁöhm dëhm Zeu­hl sta­di­um“, unter­ti­telt als die „Hym­ne des Nichts“, läu­tet das Album inso­fern sehr will­kom­men ein, näm­lich getra­gen mit Kla­vier und ton­lo­sem Chor­ge­sang. Nach zwei­ein­halb Minu­ten setzt der Chef per­sön­lich mit warm vor­ge­tra­ge­nem Kobaïa­nisch ein, jedoch nur kurz, denn der Chor über­nimmt schnell wie­der. „Da Zeu­hl Ẁortz dëhm Ẁrëhntt“ über­rascht dann doch: Zu einem mono­to­nen Kla­vier­rhyth­mus und trei­ben­dem Jazz­schlag­zeug wird ein fran­zö­si­scher Mono­log gehal­ten. Ich bin ver­wirrt, zumal es nicht mal scheuß­lich, son­dern sogar sehr stim­mig klingt. Chri­sti­an Van­der fehlt viel­leicht das Krat­zig-Küh­le, das ich bis­lang für eine Vor­aus­set­zung gehal­ten hat­te, um fran­zö­si­scher Sän­ger sein zu dür­fen. Der naht­lo­se Über­gang in „Dï Ẁööhr Sprašer“, „la voix qui par­le“ („die spre­chen­de Stim­me“), fällt auch nur durch den Wech­sel der Spra­che auf, denn ohne Stil­bruch fährt der Sän­ger, immer orche­stra­ler beglei­tet, auf Kobaïa­nisch fort, das immer wie­der, viel­leicht nicht zufäl­lig, wie eine wenig­stens gelun­ge­ne Par­odie des Deut­schen klingt: „Und wir am wer­den Stür­men sein“, was man trotz des geroll­ten Rs wahr­schein­lich aber ganz anders schreibt. Die zwei­te Hälf­te die­ses Teils wird im Wesent­li­chen bei gehal­te­nem Kla­vier­rhyth­mus mit Scat­ge­sang bestrit­ten. Nie­mand soll behaup­ten, Mag­ma hät­ten ihre Jazz­wur­zeln verdrängt.

    Nach einem kur­zen hym­ni­schen Zwi­schen­spiel mit erneu­tem text­lo­sem Chor­ge­sang schließt „Štre­üm Ündets Ẁëhëm“ an, in dem das Orche­ster, wohl über­wie­gend strei­chend, end­lich ein­mal auf­dre­hen darf. Dem Kla­vier­rhyth­mus wird hier ein vor­über­ge­hen­des Ende gesetzt, Blas­in­stru­men­te über­neh­men. „Zëss Mahn­tëhr Kan­töhm“ ist eine Fort­set­zung von „Dï Ẁööhr Sprašer“ mit einem noch dich­te­ren Orche­ster und domi­nan­tem Chor. Einen Stil­wech­sel kann erst „Zï Ïss Ẁöss Štëhëm“, in dem der Chor Jesus Chri­stus – Sanc­tus! Sanc­tus! – besingt, wie­der auf­wei­sen, was nicht nur text­lich auf­fällt, denn man kennt Mag­ma nicht unbe­dingt als beson­ders christ­li­che Band. Tat­säch­lich scheint „Zëss“ andau­ernd jubeln­der und fröh­li­cher zu wer­den. Und das Blö­de ist: Mir gefällt das sogar.

    Aber Moment: Plötz­lich ver­stum­men die Instru­men­te. Wenig Orche­ster und ein zurück­hal­ten­des Kla­vier bestim­men das abschlie­ßen­de „Düm­gëhl Blaö“, das bei­na­he als Schla­ger durch­gin­ge, wenn­gleich als außer­ge­wöhn­lich beschwö­ren­der und über­dies auf Kobaïa­nisch gesun­ge­ner. Zwar wird so der Bogen zum Beginn des Albums geschla­gen, aber die­ses Her­aus­rei­ßen aus dem Beschwing­ten erfolg­te doch etwas unversehens.

    Mein Fazit? Nun, „Zëss“ ist selbst im sowie­so nicht gera­de gewöhn­li­chen Gesamt­werk von Mag­ma ein auf­fäl­li­ges Album, das kon­se­quent auf dem auf den letz­ten paar Alben ein­ge­schla­ge­nen Weg fort­schrei­tet, ohne den Ursprung aus den Augen zu ver­lie­ren. Als Ein­stieg in den Zeu­hl mag es unge­eig­net sein, aber Spaß macht’s dann eben doch. Soll­te es das letz­te Stu­dio­al­bum Mag­mas blei­ben, so war es wenig­stens ein wür­di­ger Abschied.

    Rein­hö­ren: Über­rascht stel­le ich fest, dass sowohl Stream als auch Ama­zon­schnip­sel sich zur­zeit noch rar machen bezie­hungs­wei­se gemacht wer­den. Auf You­Tube gibt es jedoch eine Wie­der­ga­be­li­ste mit einer etwas älte­ren, aber bereits sehr guten Auf­füh­rung von „Zëss“.

    Was sagt der Kalen­der? Ah, spät dran. Dann machen wir den Rest im Schnelldurchlauf:

  16. Peli­can – Night­time Stories

    Die­je­ni­gen, die sich an ener­gie­ge­la­de­nem instru­men­ta­lem Post­me­tal erfreu­en kön­nen, ver­lei­tet die Ankün­di­gung eines neu­en Albums der vier Her­ren von Peli­can gele­gent­lich zu Aus­drücken der Freu­de, die auch an „Night­time Sto­ries“, ihr angriffs­lu­stig riff­en­des, doo­men­des und dröh­nen­des sech­stes Stu­dio­al­bum, nicht ver­schwen­det sind. Amazon.de.

  17. Lost in Kiev – Persona

    „Per­so­na“ ist effekt­ver­zier­ter, gitar­ren­ge­trie­be­ner Kon­zept-Post­rock aus Frank­reich mit genau rich­tig ein­ge­setz­ten gespro­che­nen Tex­ten, für den tief in den Archi­ven von Rus­si­an Cir­cles und Explo­si­ons in the Sky gewühlt wur­de und der 2019 zu den bis­her besten der Deka­de gezählt wer­den kann. Band­camp.

  18. Spot­lights – Love & Decay

    Hin­ter die­sem unauf­fäl­li­gen Titel ver­birgt das Trio aus New York schön dich­ten Doom/​Shoegaze, der es sich, ver­fei­nert mit bemer­kens­wert sanf­tem Gesang, auf dem opti­ma­len Platz zwi­schen Schwe­re und Melo­die gemüt­lich gemacht hat. Band­camp.

  19. Lost World Band – Sphe­res Aligned

    Nach Auf­nah­men in Mos­kau und New York erfreut die­se rus­si­sche Band den Freund klas­si­schen Pro­gres­si­ve Rocks sowie öst­li­cher Folk­lo­re mit einer gelun­ge­nen Kom­bi­na­ti­on aus bei­dem, dar­ge­bo­ten mit Flö­te, Gei­ge, brum­men­dem Bass, schnei­den­der Gitar­re und einer ange­mes­se­nen Men­ge an schön zurück­hal­ten­den Vokal­ein­la­gen. Band­camp.

  20. Kara­ko­rum – Fables and Fairytales

    Fast blei­ben wir im Gen­re: Kara­ko­rum kre­den­zen eine vor­treff­li­che Creme aus Retro­prog, Can­ter­bu­ry und Clas­sic Rock in einer Dar­bie­tung, die mit per­len­dem Bass und rau­chi­gem Gesang besticht. Band­camp.

  21. Lab­irin­to – Divi­no Aff­lan­te Spiritu

    Heißt ita­lie­nisch, kommt aber aus Bra­si­li­en: Das im Febru­ar ver­öf­fent­lich­te „Divi­no Aff­lan­te Spi­ri­tu“, aus unkla­ren Grün­den mit Groß­buch­sta­ben vor jedem Wort, ver­eint bret­tern­den Post­me­tal mit end­lich mal pas­sen­dem Gesang, näm­lich hei­se­rem Grow­ling, obwohl das Album weit­ge­hend instru­men­tal statt­fin­det. Band­camp.

  22. The Moth Gathe­rer – Eso­te­ric Oppression

    Was die­ser Liste ja auch noch gefehlt hat, war ein wenig Post­me­tal, und The Moth Gathe­rer ser­vie­ren ihn auf einer reich­hal­tig gefüll­ten Plat­te mit Haupt­gän­gen in den Geschmacks­rich­tun­gen Dro­ne, Ambi­ent und Black­me­tal mit gebrüll­ten lyrics („The Dro­ne King­dom“); da ver­zeiht man auch das Über­neh­men der schreck­li­chen Unsit­te, ein Album mit­tels fade­out ein­fach aus­zu­blen­den („Phos­pho­re­scent Blight“), statt sich ein gutes Ende zu über­le­gen. Band­camp.

  23. Cities of Mars – The Horologist

    Einen noch für den Weg: Das schwe­di­sche Trio Cities of Mars ver­öf­fent­lich­te im April 2019 ihr zwei­tes Voll­län­gen­stu­dio­al­bum „The Horo­lo­gist“, bewor­ben als eine Art Kon­zept­al­bum über die mythi­sche Geschich­te des Pla­ne­ten Mars, auf dem sie – manch­mal ein biss­chen zu aus­schwei­fend und mono­ton („The Last Elec­tric Dream“), aber den­noch beach­tens­wert – dem Hörer einen her­vor­ra­gen­den smoot­hie aus Stoner Rock und Sludge prä­sen­tie­ren, wenn­gleich mein Lieb­lings­stück auf dem Album – „Work Song“, das sich auf ein mehr­stim­mi­ges Folk-intro stützt und all­mäh­lich aus­ufert – eigent­lich gar nicht ins Kon­zept passt. Band­camp.

Mehr – und die Rück­schau auf die letz­ten paar Jahr­zehn­te in der Musik – gibt es wie gewohnt in etwa einem hal­ben Jahr an gewohn­ter Stel­le zu lesen.

Man blei­be ein­an­der gewogen.

Seri­en­na­vi­ga­ti­on« Musik 12/​​2018 – Favo­ri­ten und Ana­ly­seMusik 12/​​2019 – Favo­ri­ten und Analyse »