Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
Im Januar 2024 ließ das russische Postrockquartett 417.3 – langjährige Leser meiner Beiträge erinnern sich sicher an es – mit einem nur 25 Minuten langen Album namens „Strela“, was unter anderem „Pfeil“ bedeutet (Amazon.de, TIDAL, Bandcamp.com), von sich hören. Da deren jüngste Alben und EPs die Titel „34“ (2016), „40“ und „47“ (beide 2022) beziehungsweise „Live 2021“ (2023) hießen, lässt dieser Name aufhorchen.
Die Musiker kündigen an, dass es auch das letzte Aufhorchen sei:
Unsere Band beendet ihre Aktivitäten, dies ist unser letztes Album. Es ist untypisch für uns, da es nur aus Improvisationen besteht, die auf eine „Garagenart“ aufgenommen wurden, und die Stücke darauf sind mit Worten benannt.
Es gebe zwar in Zukunft ein „neues Projekt“, doch betrübt mich die Information hinsichtlich der Gruppenzerstreuung ein wenig, denn Musikgruppen, die ich mag, neigen selten dazu, nach ihrer Umprojektierung noch Musikalben hervorzubringen, die ich mag.
Also sauge ich „Strela“ in mich auf. Die Stücke, das fällt auf, sind im Genrevergleich recht kurz, die etwa 25 Minuten Laufzeit ist fünfgeteilt. Das Titelstück – eben „Strela“ – ist mit 6:39 Minuten noch das längste, kondensiert aber die Qualität der vier Musiker hinreichend eindrucksvoll:
Sicher: Alles schon mal da gewesen? Jede Melodie ist schon gespielt, jede Gitarrenwand errichtet und wieder zerschlagen worden, doch wird täglich das gleiche dumpfe Poplied vielfach neu eingespielt. Da kann es nicht schaden, dem mit bewährter Gitarrenmusik entgegenzutreten.
Zumal 417.3 bis zum Ende ihre ganz eigene Finesse, die, was sie tun, für mich immer schon interessanter als einige ihrer Kollegen gemacht hat, beibehalten: Das abschließende „Moroz“ klingt wie ein Ausrufezeichen hinter die Karriere (wie klingen eigentlich Ausrufezeichen?) und bringt in nicht mal sechs Minuten das Laut-leise-Spiel und die von mir so geschätzten (wenn auch künstlichen) Streicherklänge ein letztes Mal zusammen.
Es muss ja auch nicht immer alles neu und aufregend sein.


Genau, es muss nicht immer alles neu und aufregend sein. Einach zurücklehnen, durchatmen, diese wunderbare Musik hören und vom Weltfrieden träumen. Tut richtig gut!