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Karokh — Needle, Thread & Nail Polish

Karokh - Needle, Thread & Nail PolishWisst ihr noch, Karokh? Waren sie 2014 noch eine Über­raschung für mich, so hat­te ich sie im Fol­ge­jahr doch wieder völ­lig aus den Augen ver­loren. Um so erfreulich­er ist ihre Rück­kehr in zumin­d­est mein Bewusst­sein.

Nur 31:31 Minuten lang ist das mit einem kurzen Tweet angekündigte zweite Album der sieben Oslo­er, dafür gibt es außer MP3 auch Vinyl dazu. “Nadel, Faden und Nagelpoli­tur”, früher haben sich nur schlimme Folk­bands solche Titel aus­gedacht, aber früher gab es auch viel zu viele davon. Dies jedoch ist Karokh. Karokh ist gut. Hören wir doch mal rein.

“Poke” begin­nt mit zurück­ge­hal­tenem Gitar­ren­rhyth­mus, es klingt nach Süd­see und ein biss­chen Grunge. Es set­zen Trompete und Syn­the­siz­er ein — ah, doch keine Karibik-CD, son­dern fein­er Jaz­zrock mit Gen­reaus­flü­gen in inter­es­sante Rich­tun­gen. Ina Sagstuen ist noch immer eine beein­druck­ende Sän­gerin mit Tal­ent zur Vokalakro­batik, über­haupt ist Gle­ich­för­migkeit für das Septett noch immer nicht von Bedeu­tung. Wohl kalkulierte Mis­stöne erin­nern daran, dass man dem RIO (mitunter: Think­ing Plague) näher ist und bleiben will als dem Beliebigkeit­spop. Dass weite Streck­en des Liedes mit einem eingängi­gen Kopfnick­rhyth­mus unter­legt sind, kon­trastiert das schräge Haupt­pro­gramm, dessen gefühlte Dis­so­nanz es nahezu unmöglich macht, diesem Drang nachzugeben, vortr­e­f­flich. Ich mag das.

Apro­pos Kon­traste: Lasst euch von “Smile”, etwa vier Minuten lang ein qua­si min­i­mal­is­tis­ches, hyp­no­tis­ches Stück, nicht in falsch­er Sicher­heit wiegen; seine ver­störende zweite Hälfte, eine recht wilde Schlacht der Instru­mente, lässt keine Ein­wände mehr gel­ten. Dage­gen klingt “Boo­gies” teils ger­adezu düster nach einem sur­realen Traum, in dem Primus und Devo gemein­sam Peter Ham­mill cov­ern (oder umgekehrt), wäre da nicht der wider­spen­stige Bass, der sich in die Wahrnehmung fräst und wie zum Trotz auch als let­zter Ton abklingt. Leichte Kost ist ja dann doch eher was für “SPIEGEL ONLINE” als für unsere­inen; das haben wir jet­zt davon.

Das Titel­stück als vor­let­ztes: Ah, Sechziger-Jahre-Rock. Oder? Nein, eine Explo­sion:

Karokh — Nee­dle, Thread and Nail Pol­ish

Das viere­in­halb­minütige und in sein­er Eingängig- und Kan­ten­losigkeit beina­he sin­gle­taugliche “Chude”, das das Album beschließt, run­det es zugle­ich würdig ab. Karokh haben sich auf ihrem Zweitling nicht ein­fach “weit­er­en­twick­elt”, wie man es ja gern umschreibt, son­dern sind noch exper­i­menteller, noch ver­spiel­ter gewor­den. So kann es bleiben.

Die Plat­ten­fir­ma für das Album heißt “No Fore­vers”. Hof­fentlich ist das nicht ernst gemeint.

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Senfecke:

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