Musikkritik
Das scheußliche Cover: Magma – Attahk

(Vorbemerkung: Auf Schallgrenzen.de gibt es die lose Reihe „Das schöne Cover„, in der neu interpretierte Lieder älteren Ursprungs vorgestellt werden. Meine Replik „Das scheußliche Cover“ hingegen ist beinahe rein visuell und befasst sich mit eher wenig sehenswerten Schallplatten- und CD-Aufdrucken eigentlich ziemlich guter Musikgruppen. Dies nur als Erläuterung, damit es nicht zu Verwirrungen kommt.)

Der französischen Musikgruppe Magma, von mir an anderer Stelle bereits ausführlich gewürdigt, stand um das Jahr 1977 herum nach ziemlich großartigen, Weg weisenden Alben wie Mekanïk Destruktïw Kommandöh und Wurdah Ïtah der Sinn nach weniger schrullig-sphärischer Esoterik und mehr Pop.

So sieht das Titelbild des in der Folge erschienenen Albums „Attahk“ auch aus.

Von der eigenartigen, rätselhaften Bildsprache der Vorgängeralben ist nichts mehr geblieben, stattdessen posieren zwei Avatare, die nordkoreanischen Diktatoren einigermaßen ähnlich sehen und mit „Gorgo“ und „Ourgon“ auch ziemlich dämliche Namen tragen, vor den albernen Schriftzügen „Magma“ und „Attahk“.

So reißerisch-anbiedernd das Titelbild damals gewesen sein mag, so einfallslos ist der gebotene Zeuhl, denn was bis dahin majestätisch wirkte, ist auf „Attahk“ zu einer bloßen Parodie auf sich selbst verkommen. Der peinliche Höhepunkt – wenn man das so nennen darf, ohne von seinen Lesern der Irreführung bezichtigt zu werden – ist das Liebeslied (Liebeslied!; nicht unbedingt vorstellbar im Rahmen der von Magma erdachten mythischen Welt von Kobaïa) „Dondaï“:

Magma "Dondai (To the eternal love)"

Dass dieser Weg Magma in eine Sackgasse führen würde, war wohl bald auch den Musikern selbst bewusst. Das folgende Studioalbum „Merci“ erschien 1984 und war als Soloalbum von Schlagzeuger Christian Vander und einigen Mitmusikern etikettiert, erst 2001 folgte dann das nächste reguläre Magma-Studioalbum „K.A.“ und mit ihm eine Rückbesinnung auf einstige Stärken.

Nun könnte man argumentieren, dass so ein Titelbild eigentlich nicht viel über die Musik aussagt, von vermeintlich wenigen Ausnahmen abgesehen. Das Titelbild von „Attahk“ aber ist ebenso wie die auf dem Album enthaltene „Musik“ allenfalls eine Zerstörung erworbener Meriten. Zum Glück hat man daraus gelernt – leider aber nicht auf die Neuauflage von „Attahk“ anlässlich der Sammelbox „Studio Zünd“ verzichtet.

Aber CDs hängt man sich ja auch nicht an die Wand.

Senfecke:

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