MusikIn den NachrichtenNerdkrams
Blö­de Propheten

Als ich als noch jun­ger Zeit­ge­nos­se ein­mal einen Dia­log mit dem damals belieb­ten Pop-Schön­ling Gil Ofa­rim (was macht der eigent­lich jetzt so?) sah, wäh­rend des­sen er unter ande­rem bekannt­gab, an neu­en – lies: zukünf­ti­gen – weib­li­chen Bekannt­schaf­ten für was auch immer inter­es­sie­re ihn nicht zuletzt die Körb­chen­grö­ße (seit­dem habe ich die­ses Wort im Fern­se­hen übri­gens nie wie­der gehört). schäm­te ich mich, denn genau des­halb, so glaub­te ich damals, sei­en Män­ner grund­sätz­lich als Machos ver­schrien. Ich war aber auch ent­setzt, denn trotz (oder wegen?) die­ser offen erzähl­ten Ober­fläch­lich­keit schien Gil Ofa­rim in der Damen­welt nicht unbe­liebt zu sein.

Von einem ähn­li­chen Ent­set­zen befal­len und tüch­tig durch­ge­schüt­telt wur­de ich ges­tern, als sich die­se Mel­dung zu Goo­gles neu­em Fir­le­fanz über den Bild­schirm erstreckte:

Aber sowie die Maschi­ne mir, noch wäh­rend ich tip­pe, im Ein­ga­be­feld nicht nur das Wort, son­dern einen sinn­vol­len Kon­text in wei­te­ren Begrif­fen vor­schlägt, und ich zugleich unmit­tel­bar unter dem Such­feld die ent­spre­chen­den Resul­ta­te sehe, wer­de ich anfan­gen mei­ne Abfra­ge kom­ple­xer aus­zu­ge­stal­ten – ohne dazu etwas tip­pen oder ankli­cken zu müs­sen, allein mit Hil­fe der Vor­schlä­ge, aber auch gegen sie.

Goog­le will also, ver­ein­facht aus­ge­drückt, sei­ne Benut­zer behut­sam dazu brin­gen, das zu tun, was es gern hät­te, statt das zu tun, was man übli­cher­wei­se von einer Such­ma­schi­ne erwar­tet, näm­lich nach (!) der Ein­ga­be eines Such­be­grif­fes Such­ergeb­nis­se zu lie­fern; und wenn sie, die Such­be­grif­fe, doof sind, dann bekommt der Nut­zer eben auch nur doo­fe Ergeb­nis­se zu sehen. So lernt er, dass er Such­an­fra­gen stets mit Bedacht for­mu­lie­ren soll­te, um mög­lichst tref­fen­de Ergeb­nis­se zu erhal­ten. Der Benut­zer wird also in die Lage ver­setzt, im Umgang mit dem Inter­net ein wenig schlau­er, mit­hin an Erfah­run­gen rei­cher zu wer­den, was nicht zuletzt auch bei der Ver­mei­dung von Mal­ware­be­fall von Bedeu­tung ist.

Goo­gles „Instant Search“ – ich muss da immer an Tee den­ken – aber, das, neben­bei sei’s ange­merkt, die auto­ma­ti­sche Ver­voll­stän­di­gung von Such­be­grif­fen dahin­ge­hend kon­ter­ka­riert, dass es genau das Gegen­teil, näm­lich kür­ze­re Such­ter­mi­ni, för­dert, läuft die­sem Kon­zept zuwi­der, indem es den Benut­zer bewusst dumm hält. Zurück­leh­nen und dem Such­an­bie­ter das Den­ken über­las­sen; Goog­le sagt mir, was ich suchen soll, nicht umge­kehrt. Ich glau­be, das Stich­wort hier heißt Medienkompetenz.

Zumal die Sofort­su­che nicht ein­mal unbe­dingt etwas zur Such­ge­schwin­dig­keit bei­trägt, son­dern, im Gegen­teil, mit all­zu lang­sa­mer Inter­net­an­bin­dung die Mit­ar­beit ver­wei­gert, wo doch gera­de bei die­ser eine wie auch immer gear­te­te Beschleu­ni­gung von immenser Wich­tig­keit wäre; indes: Wenn sich mit jedem Zei­chen, das ich tip­pe, die Such­ergeb­nis­se völ­lig ändern, bekom­me ich davon bes­ten­falls Kopf­schmer­zen. Eine Such­ma­schi­ne rufe ich meist auf, wenn ich bereits unge­fähr min­des­tens ein Wort, nach dem ich zu suchen beab­sich­ti­ge, ken­ne. Es ist nicht sinn­voll, jeden Buch­sta­ben die­ses Wor­tes als Such­be­griff zu wer­ten; wenn ich nach „Pin­gui­nen“ suche, dann weiß ich das, dann möch­te ich aber auch nicht im Ver­lauf des Ein­ga­be­vor­gangs auto­ma­tisch über die Kreis­zahl Pi und die Far­be Knall­ro­sa infor­miert werden.

Sinn­voll wäre zweierlei:

Zum Einen zwar eine der­ar­ti­ge Sofort­su­che, die jedoch erst nach Kom­ma oder Leer­zei­chen aktiv wer­den soll­te, um unnö­ti­gen Ver­kehr und vor allem die für Epi­lep­ti­ker ver­mut­lich nicht son­der­lich ange­neh­me Dau­er­ak­tua­li­sie­rung zu ver­mei­den; zum Ande­ren wäre das qua­si genau das, was wirk­lich gute Such­ma­schi­nen wie etwa Clus­ty, inzwi­schen Yip­py, bereits seit Jah­ren anbie­ten, näm­lich das Clus­te­ring von Such­ergeb­nis­sen. Wer nach Pin­gui­nen sucht, sucht sel­ten auch nach Pi und Ping­pong, aber mög­li­cher­wei­se nach Pin­gui­nen UND Ant­ark­tis. „Mein­ten Sie: Pin­gui­ne Antarktis?“

So etwas, lie­be Such­ma­schi­nen­ent­wick­ler, wäre ein Schritt in die rich­ti­ge Rich­tung. Goog­le als Berg, der sich Pro­phe­ten, die ihn bis­her absicht­lich gemie­den haben, gera­de­zu auf­zu­drän­gen ver­sucht, macht es noch schnel­ler, noch bun­ter, noch fla­ckern­der, noch Webzweinul­ler; und somit genau falsch.
Wie immer eben.

MusikSonstigesKaufbefehle
„Not if I wrap mys­elf in nylon …“

Ich hät­te ja wirk­lich furcht­bar gern etwas über das wun­der­ba­re Album „Made Fle­sh“ von Extra Life, der­zeit Tipp des Monats auf den Baby­blau­en Sei­ten, geschrie­ben, das mich heu­te in der Post erwar­te­te. Beim unge­dul­di­gen Aus­pa­cken jedoch bekam ich plötz­lich Lust, über etwas ande­res zu refe­rie­ren, näm­lich über die Ver­pa­ckung selbst.

Ich mei­ne, dass opti­sche Ton­trä­ger eines gewis­sen Schut­zes gegen äuße­re Ein­flüs­se durch­aus bedür­fen; wenn aber eine fili­gra­ne, bei­na­he selbst zum Kunst­werk taug­li­che CD-Hül­le (dazu auch hier mehr) der­ma­ßen in eine durch­sich­ti­ge Plas­ti­kum­man­te­lung ein­ge­schweißt wird, dass man sie als Mensch ohne spe­zi­ell hier­für gepfleg­te Fin­ger­nä­gel nur noch unter Zuhil­fe­nah­me exter­ner Hilfs­mit­tel (Sche­re, Mes­ser, Gabel­stap­ler) und somit unter der Gefahr, blei­ben­de Schä­den zu hin­ter­las­sen, so mir etwa gesche­hen bei dem Album „Ele­gies to Les­sons Lear­nt“ von iLi­KET­RAiNS, ihres Schut­zes zu ent­rei­ßen ver­mag, dann treibt das auch einer sanft­mü­ti­gen Krea­tur, etwa mir, die Zor­nes­rö­te in die Fresse.

War­um müs­sen der­lei Ton­trä­ger immer sozu­sa­gen feu­er­fest ver­sie­gelt wer­den, bevor sie in den frei­en Han­del gelan­gen, auf dass man sie unbe­scha­det nur noch an die Wand tackern und anstar­ren möge? Staub­schutz ist ja wahr­lich ein nobles Unter­fan­gen, aber so etwas, ich erin­ne­re mich, hat­ten mei­ne Spiel­zeug­au­tos in jun­gen Jah­ren eben­falls. Es war, zuge­ge­ben, etwas breit­for­ma­ti­ger, ließ sich aber mit einem sanf­ten Druck pro­blem­los öff­nen. Herrscht Platz­man­gel in den Lagern der gro­ßen Handelsunternehmen?

Vor­bild­lich macht es übri­gens die Musik­grup­pe Wive; deren Album PVLL erwarb ich in einem Saturn-Markt in Düs­sel­dorf. Es war eben­falls mit einer Plas­ti­kum­man­te­lung ver­se­hen, und es befin­det sich noch heu­te dar­in. Der Unter­schied besteht ledig­lich dar­in, dass eben­die­se Plas­ti­kum­man­te­lung oben mit einer selbst kle­ben­den Lasche ver­se­hen ist, so dass man das Album bei Bedarf jeder­zeit ent­neh­men und wie­der der schüt­zen­den Hül­le über­ge­ben kann.

Möge die­ses Bei­spiel end­lich Schu­le machen!

(Und jetzt muss ich erst ein­mal die Plas­tik­res­te zwi­schen den Zäh­nen entfernen.)

Projekte
Tiny­To­do build 20100905 (für Ungeduldige)

Auch, wenn es der­zeit nicht danach aus­sieht: Die Arbeit an Tiny­To­do wird unver­än­dert fortgesetzt.

Die neue Ver­si­on 20100905, zu fin­den nach einem Klick auf das Bild unten, hat immer noch kei­ne schö­ne­re Bedien­ober­flä­che, aber immer­hin schon mal eine Edi­tie­ren-Funk­ti­on für Auf­ga­ben und Kate­go­rien zu bie­ten; hier­für genügt ein Dop­pel­klick auf eine Kate­go­rie oder eine Auf­ga­be. (Der Ein­fach­heit hal­ber wer­den geän­der­te Auf­ga­ben der­zeit noch kom­plett neu ange­legt, weil das nach mei­nem der­zei­ti­gen Kennt­nis­stand weni­ger SQLi­te-Anwei­sun­gen benö­tigt als das direk­te Ändern. Even­tu­ell wird das spä­ter noch verbessert.)

Da mir seit Tagen die Neu­ig­kei­ten rund um ähn­li­che Pro­jek­te wie Remem­ber The Milk im Feed­le­ser auf die Ner­ven gehen, hat­te ich ges­tern oben­drein die Idee, Tiny­To­do eine Art Web­ober­flä­che zu spen­die­ren, dass man qua­si sei­ne Auf­ga­ben via Inter­net mit jeder ande­ren Tiny­To­do-Instal­la­ti­on der Welt abglei­chen kann, Benut­zer­na­me und Pass­wort vor­aus­ge­setzt. Hier­für bräuch­te ich vor allem Ser­ver­ka­pa­zi­tät und viel Lan­ge­wei­le, und da bei­des knapp ist, fra­ge ich mal direkt drauflos:

Bestün­de über­haupt ein Inter­es­se an der­lei Spie­le­rei­en, oder soll ich mich dar­auf kon­zen­trie­ren, die Kern­funk­tio­nen in den Griff zu bekommen?

Ich bedan­ke mich schon mal für jede Rück­mel­dung. :)

Nach­trag von 18:17 Uhr:
Aus Test­grün­den hat die hier ver­link­te Ver­si­on anders als die vori­ge Ver­si­on vom 11. August bereits die oben ange­zeig­ten Ein­trä­ge in der Daten­bank. Ihr dürft sie natür­lich gern löschen und/oder edi­tie­ren. (Ob eine Mit­nah­me der bestehen­den Daten funk­tio­niert, habe ich bis­her nicht getes­tet, da Kom­pa­ti­bi­li­tät mit Vor­ver­sio­nen noch kei­ne Prio­ri­tät hat. Die Struk­tur der Daten­bank wird vor­aus­sicht­lich ohne­hin in Bäl­de noch­mals geändert.)

PolitikNetzfundstücke
Respekt mit 361 Grad (min­des­tens)

Wie mir im Ver­lauf der ver­gan­ge­nen Nacht zuge­tra­gen wur­de, hat unse­re knuf­fi­ge Fami­li­en­mi­nis­te­rin da wie­der was total Tol­les zum För­dern gefunden:

Wie sieht eure Welt mit 361° Grad Respekt aus? Was bewegt euch und was möch­tet ihr den Men­schen in unse­rem Land mit eurem Video mit­tei­len? Was kön­nen und soll­ten wir für ein tole­ran­tes und respekt­vol­les Mit­ein­an­der tun? Zeigt uns, was 361° Respekt für euch bedeutet.

Im Vor­jahr habe die­se Akti­on „361° Tole­ranz“ gehei­ßen, sal­ba­dert man im You­Tube-Kanal, und das sei „weni­ger wert“ als Respekt; und, mal abge­se­hen davon, dass „Tole­ranz“ immer auch Aus­gren­zung bedeu­tet (was man „tole­riert“, betrach­tet man den­noch als fremd), viel bes­ser ist auch „361° Respekt“ nicht.

Dass die Erfin­der die­ses däm­li­chen Namens von mathe­ma­ti­schen, nicht von Tem­pe­ra­tur­gra­den (einen belie­bi­gen Witz über Kre­ma­to­ri­en mag jeder Leser hier selbst erdich­ten) rede­ten, kann sich ein schlau­er Mensch gera­de noch den­ken. „Pro­zent­an­ga­ben wären ja auch lang­wei­lig, also neh­men wir halt irgend­was anderes.“

Mathe­ma­ti­sche Gra­de las­sen sich am bes­ten in Kreis­form dar­stel­len. Kreis kennta:

Jetzt stel­le man sich vor, man stün­de dort, wo die bei­den Gera­den sich kreu­zen, in der Mit­te des Krei­ses also, und dreh­te sich.
Nach etwa der Hälf­te sind 180 Grad geschafft; wenn man sich immer wei­ter dreht, bis man wie­der die Aus­gangs­stel­lung ein­ge­nom­men hat, so hat man sich dann um 360 Grad, einen vol­len Kreis, gedreht.

Anders aus­ge­drückt: 360 Grad bewir­ken in dem Zustand des Gedreh­ten kei­ne Ände­rung. Mit 180 Grad Respekt hät­te man ver­mut­lich das gewünsch­te Ziel erreicht, näm­lich eine Kehrt­wen­de; mit 360 Grad Respekt hat man aber nichts gewon­nen, sich nur unnö­tig ange­strengt und einen Dreh­wurm bekommen.

Aber es geht noch wei­ter: So viel mathe­ma­ti­sche Kennt­nis, um zu bemer­ken, dass 360 Grad in die­sem Kon­text eini­ger­ma­ßen sinn­los sind, haben die För­de­rer dann offen­bar auch noch gera­de so. Statt aber 180 Grad anzu­pei­len, mach­ten sie’s noch schlim­mer. Kann sich jeder von euch, lie­be Leser, 361 Grad (was, wie wir oben gelernt haben, wie­der­um 1 Grad ent­spricht) unge­fähr bild­lich vor­stel­len? Ich mir auch nicht, und dar­um illus­trie­re ich es im Fol­gen­den mal:

Das ist gut; denn so viel Respekt habe ich gera­de noch übrig.
Müh­sam nährt es sich, das Eich­hörn­chen; auf dass es irgend­wann viel­leicht 362° wer­den mögen.

MusikSonstigesNetzfundstücke
Kurz ver­linkt XXV: Ein Leben im Schnell­durch­lauf (und zwi­schen­durch: Sex)

Ein fei­nes Fres­schen für die Freun­de selt­sa­mer Sta­tis­ti­ken kre­denzt der­zeit unter ande­rem die HAZ:

Ver­gli­chen mit der letz­ten Erhe­bung von 2005 sank bei den 14-jäh­ri­gen Mäd­chen der Anteil derer, die bereits Geschlechts­ver­kehr hat­ten, deut­lich von zwölf auf sie­ben Pro­zent, bei den gleich­alt­ri­gen Jun­gen sogar von zehn auf vier Pro­zent. Bei den 17-jäh­ri­gen Mäd­chen redu­zier­te sich der Anteil der­je­ni­gen mit Sex-Erfah­run­gen von 73 auf 66 Pro­zent, bei den Jun­gen die­ser Alters­grup­pe blieb er mit 65 Pro­zent nahe­zu kon­stant. Das bedeu­tet, dass bis zu einem Alter von 17 Jah­ren mehr als ein Drit­tel der jun­gen Frau­en und Män­ner noch kei­nen Geschlechts­ver­kehr hatten.

Ange­sichts der feh­len­den Zah­len, wie vie­le der Befrag­ten nun genau männ­li­chen und wie vie­le weib­li­chen Geschlechts waren, kann ich über die genaue Aus­sa­ge die­ser Wer­te nur spe­ku­lie­ren; aber ich ver­mu­te, die sie­ben Pro­zent der Mäd­chen sind deut­lich grö­ßer als die vier Pro­zent der Jun­gen, ähn­lich, wie auch die 65 Pro­zent der Jun­gen die 66 Pro­zent der Mäd­chen nicht ansatz­wei­se errei­chen dürfte.

Damit zeigt sich zwar eine Ände­rung, aber die Ver­hält­nis­se blei­ben den­noch erhal­ten: Mäd­chen wer­den im Durch­schnitt frü­her ent­jung­fert, bevor­zugt von älte­ren Kna­ben, die zu die­sem Zeit­punkt schon zwei oder drei Bezie­hun­gen hin­ter sich haben, und die Aus­nah­men von der Regel wer­den für ihre Stand­haf­tig­keit bewun­dert. Ist man hin­ge­gen als Jun­ge von 17 oder 18 Jah­ren noch uner­fah­ren, wird man gemein­hin als Schlapp­schwanz gebrand­markt; ficken is‘ eben cool und Gefüh­le sind was für Mäd­chen und Milch­bu­bis. Und da wun­dert man sich noch dar­über, dass sich immer mehr Leu­te gera­de in jun­gem Alter für bezie­hungs­un­fä­hig halten?

Übri­gens kann man sich nun nach sei­nem Tod auch zur Schall­plat­te pres­sen las­sen. Mei­ne Lied­wahl steht weit­ge­hend fest. Welt­wei­ter Ver­trieb inbe­grif­fen; viel­leicht als Bonus­track dann noch irgend­ei­nen obsku­ren Lärm, um die Leu­te noch ein biss­chen zu ärgern. Hihi.

Nerdkrams
Drei Lis­ten­ver­wal­tun­gen für You­Tube im Test

Seit eini­ger Zeit nutz­te ich die Fire­fox-Erwei­te­rung You­Play­er, um der Viel­zahl der von mir zur spä­te­ren Ver­wen­dung vor­ge­merk­ten You­Tube-Vide­os Herr zu blei­ben, gleich­sam als play­list-Ver­wal­tung. Nun jedoch wird die­se Erwei­te­rung seit Jah­ren nicht mehr aktiv gepflegt und besitzt durch­aus eini­ge Ecken und Kan­ten; so ist es zum Bei­spiel nicht mög­lich, meh­re­re Abspiel­lis­ten anzulegen.

Ges­tern nun stell­te ich betrübt fest, dass eini­ge mei­ner Lieb­lings­vi­de­os von You­Tube gelöscht wor­den waren, ohne dass der You­Play­er dies bemerkt hät­te, und ande­re wie­der­um sich mehr­fach in der Lis­te tum­mel­ten. Ich beschloss also, den You­Play­er auf das Alten­teil zu schi­cken, leg­te in mei­nem not­dürf­tig anony­mi­sier­ten You­Tube-Kon­to meh­re­re Play­lis­ten an, auf die ich die noch nicht gelösch­ten Vide­os ver­teil­te, und begab mich auf die Suche nach einer alter­na­ti­ven Ver­wal­tungs­soft­ware, die zumin­dest unter Win­dows lauf­fä­hig sein soll­te; denn die Lis­ten­ver­wal­tung von You­Tube ist schreck­lich zu bedienen.

Ich schränk­te mei­ne Suche nicht dar­auf ein, ob eine Anwen­dung als Fire­fox-Erwei­te­rung oder als sepa­ra­tes Pro­gramm ver­füg­bar war, denn ich bedie­ne You­Tube ohne­hin via Fire­fox. Was mir aller­dings wich­tig war, war eine über­sicht­li­che Lis­ten­ver­wal­tung, opti­ma­ler­wei­se mit Anbin­dung an das eige­ne You­Tube-Kon­to, um nicht wie­der sepa­ra­te, schnell ver­al­te­te Lis­ten pfle­gen zu müs­sen. Von zwei­te­rem Wunsch muss­te ich mich aller­dings schnell ver­ab­schie­den; kei­ne der von mir getes­te­ten Lösun­gen konn­te damit aufwarten.

Nach dem Durch­fors­ten schier end­los erschei­nen­der Auf­lis­tun­gen mög­li­cher Alter­na­ti­ven kamen drei kos­ten­lo­se Anwen­dun­gen in die enge­re Aus­wahl; und zwar diese:


1. Muzi­ic

Muzi­ic ist, das muss ich zuge­ben, eine durch­aus inter­es­san­te Soft­ware mit Unter­stüt­zung von Skins und Wie­der­ga­be­lis­ten. Man kann You­Tube durch­su­chen, hat diver­se „sozia­le“ Funk­tio­nen zur Ver­fü­gung und bekommt die Wie­der­ga­be­lis­ten direkt unter dem Video ange­zeigt, sofern ange­legt. Eigent­lich fehl­te die­sem Pro­gramm nur noch eine Anbin­dung an das eige­ne You­Tube-Kon­to zur Per­fek­ti­on, wären da nicht die klei­nen Unschönheiten:

Die Skin­un­ter­stüt­zung bringt es näm­lich mit sich, dass das Haupt­fens­ter von Muzi­ic sich mit­un­ter selt­sam ver­hält. Ein lee­res Fens­ter, nicht akti­vier­ba­re Menüs und ähn­li­che Din­ge trü­ben lei­der den Genuss ein wenig; zumal das Haupt­fens­ter direkt nach dem Start ver­däch­tig nach Wer­bung aussieht:

Auf einen umfas­sen­de­ren Test habe ich daher aus­nahms­wei­se ein­mal ver­zich­tet. Soll­te sich aller­dings an mei­nen Kri­tik­punk­ten etwas ändern, so bit­te ich die­je­ni­gen von euch, lie­be Leser, die Muzi­ic bereits ein­set­zen, um einen kur­zen Hin­weis; denn eigent­lich ist es, wie bereits erwähnt, eine pri­ma kon­zi­pier­te Anwendung.


2. Web­Mu­six

Web­Mu­six ist ein hüb­sches deutsch­spra­chi­ges Pro­gramm mit einer hüb­schen deutsch­spra­chi­gen Web­site, das, anders als Muzi­ic, nicht ver­sucht, vor allem mit sei­ner uni­ver­sel­len Ver­wend­bar­keit auf sich auf­merk­sam zu machen, son­dern das sei­ne auf­ge­räum­te, gera­de­zu mini­ma­lis­ti­sche Ober­flä­che für sich spre­chen lässt. Vor allem für Viel­nut­zer inter­es­sant ist sicher die Mög­lich­keit, Vide­os aus der selbst zusam­men­ge­stell­ten Wie­der­ga­be­lis­te – unten rechts im Pro­gramm­fens­ter – ein­zeln oder ins­ge­samt als Audio- oder Video­da­tei herunterzuladen.

Als net­tes Extra kann man bei der Suche auch zwi­schen Vor­schau­bil­dern und einer rei­nen Text­lis­te umschalten.

In mei­nem Test stürz­te Web­Mu­six übri­gens ein­mal ab, als ich die Ein­stel­lun­gen für die Suche wäh­rend des Abspie­lens änder­te. Ein Klick auf „Wei­ter“ ließ die Feh­ler­mel­dung jedoch ver­schwin­den; ich gebe dem .net-Frame­work, auf dem Web­Mu­six basiert, die Schuld, da dies auch in ande­ren Anwen­dun­gen oft ähn­lich auftritt.
Auch Web­Mu­six bie­tet übri­gens kei­ne Anbin­dung an das eige­ne You­Tube-Kon­to an, der Ent­wick­ler teil­te mir aller­dings auf Anfra­ge mit, dass dies geplant sei, die Imple­men­tie­rung aller­dings in abseh­ba­rer Zeit vor­aus­sicht­lich nicht statt­fin­den wer­de. Den­noch emp­feh­le ich jedem Leser, der eben­falls auf der Suche nach einem geeig­ne­ten Pro­gramm ist, die Ent­wick­lung von Web­Mu­six hin und wie­der auf­merk­sam zu verfolgen.


3. You­tube Music Player

Als ein­zi­ge Fire­fo­xer­wei­te­rung im brei­ten Test­spek­trum schaff­te es der You­tube Music Play­er (YMP) in die Final­run­de. Er inte­griert sich voll­stän­dig in den Brow­ser, blen­det etwa in der Sta­tus­leis­te Wie­der­ga­be­infor­ma­tio­nen ein, unter­stützt aller­dings nur eine ein­zi­ge Wie­der­ga­be­lis­te. Für den Ein­stei­ger wich­tig ist das deutsch­spra­chi­ge Tuto­ri­um zum YMP, das die nicht immer intui­ti­ve Bedie­nung erklärt.

Als Beson­der­heit kann der YMP sowohl mit Last.fm kom­mu­ni­zie­ren („scrob­blen“) als auch für die Wie­der­ga­be auto­ma­tisch auf die bes­te ver­füg­ba­re Video­qua­li­tät („High Qua­li­ty“) umschal­ten. Die Wie­der­ga­be­lis­ten las­sen sich via Sei­ten-Kon­text­me­nü auch direkt aus You­Tube her­aus befüllen.

Eine Ver­bin­dung mit dem eige­nen You­Tube-Kon­to und damit den eige­nen Abspiel­lis­ten ist laut Ent­wick­ler eben­falls für eine zukünf­ti­ge Ver­si­on geplant. Auf dem SVN-Ser­ver für YMP ist bereits ein Ver­zeich­nis für Ver­si­on 5.0 beta ange­legt, das unter ande­rem eine Auf­ga­ben­lis­te ent­hält, die ein „Main rewri­te“, eine völ­li­ge Über­ar­bei­tung also, ankün­digt. Ich bin gespannt, was die­se Über­ar­bei­tung mit sich brin­gen wird. Für die­je­ni­gen mei­ner Leser, die ihren Brow­ser als Medi­en­zen­tra­le ein­set­zen möch­ten und etwa auch mit ihm twit­tern, flick­rn, blog­gen und ähn­li­ches tun, ist der YMP bereits jetzt eine gute Wahl.


Für Ergän­zun­gen und kon­struk­ti­ve Kri­tik bin ich immer offen; wer kennt wei­te­re Alter­na­ti­ven, auf die ich ein­mal einen Blick wer­fen soll­te? :)

LyrikSonstigesNetzfundstücke
Von Blog­gern, Blogs und Gurus. (Eines wie jedes.)

(Da sich die Blog­ger der­zeit in gegen­sei­ti­ger Hul­di­gung üben, dazu wei­ter unten mehr, hal­te ich als Nicht­blog­ger es für fäl­lig, dass jemand auch mal anmerkt, dass die deutsch­spra­chi­ge Blogo­sphä­re nicht nur aus beden­ken­los Lesens­wer­tem besteht. Die­ser Jemand will gern ich sein.)

Mit­un­ter ver­brin­ge ich ein wenig Zeit damit, mir auf­grund irgend­wel­cher Twit­ter­bei­trä­ge, Ver­lin­kun­gen in Ver­lin­kun­gen von Ver­lin­kun­gen oder auch nur irgend­wie anders auf­ge­fal­le­ne, bis­lang unbe­ach­te­te Web­logs und Nicht­web­logs heim­zu­su­chen. Die meis­ten ver­las­se ich wegen gro­ben Unfugs, schlecht geschrie­be­ner Nich­tig­kei­ten oder blo­ßer Inhalts­lee­re ratz­fatz, hol­ter­di­pol­ter und vor allem fol­gen­los wie­der, nur eini­ge weni­ge schaf­fen es, sich in mei­ner Abon­ne­ment­lis­te wiederzufinden.

Zu ers­te­rer Grup­pe gehört unter ande­rem auch die Inter­net­prä­senz der ansons­ten eigent­lich beacht­li­chen und unter ande­rem von Herrn hae­kel­schwein bereits gewür­dig­ten Twit­ter­da­me eine_wie_keine. Bestehen ihre Tweets nicht sel­ten aus hüb­schen Scherz­chen, die man gern in Lang­form lesen wür­de, ist ihr Blog im direk­ten Ver­gleich so rich­tig blöd.

Ich neh­me mal den ers­ten Absatz aus einem befrie­di­gend aktu­el­len Bei­trag hier­aus als Grund­la­ge für das fol­gen­de Geme­cker und blen­de aus Grün­den blo­ßer Sub­jek­ti­vi­tät den Rest aus:

Gefüh­le ken­nen wir alle, haben wir alle und füh­len sie alle. Denn Gefühl kommt von fühlen.

Gram­ma­tik­in­kon­sis­tenz im ers­ten Satz, unvoll­stän­di­ge Ety­mo­lo­gie im zwei­ten Satz, dem oben­drein der Anschluss fehlt; da hat man doch jetzt schon eigent­lich kei­ne Lust mehr, sich des Tex­tes anzu­neh­men. Und tat­säch­lich besteht er in Gän­ze aus der­ar­ti­gen Plat­ti­tü­den und Papier­ro­man­tik. Die Gute ist, wie sich unschwer recher­chie­ren lässt, der­zeit so unge­fähr 17 Jah­re alt. Nun bit­te ich den geneig­ten Leser, sich ein­mal vor­zu­stel­len, wie ein Blog einer schwer roman­ti­schen Jung­da­me unge­fähr aus­sieht. So – jetzt habe ich euch einen unnö­ti­gen Klick erspart. Gern geschehen.

(Bevor das nun wie­der falsch auf­ge­fasst wird: Mei­net­hal­ben darf jeder ins Inter­net rein­schrei­ben, was er möch­te; ich gehe die­ser Tätig­keit ja gleich­falls nach. Und man muss ja nun auch nicht alles gut fin­den, was ande­re gut fin­den (das viel ver­link­te Nerd­core bspw. hal­te ich per­sön­lich für wahn­sin­nig ein­falls­los). Aber im Inter­net geht es auch nicht viel anders zu als in der Welt der Bücher: Wer zu viel Unsinn schreibt, pro­vo­ziert die Igno­ran­ten. (Das, immer­hin, ver­bin­det eine_wie_keine und mich.))

Zumal es ja mit dem Ins­in­ter­net­rein­schrei­ben ohne­hin manch­mal nicht ganz leicht ist. Der Nacht­wäch­ter hat es tref­fend zusam­men­ge­fasst: Qua­li­tät ist irrele­vant, der Pöbel will bloß unter­hal­ten wer­den; und, wohl die wich­tigs­te Regel, legt man es lang­fris­tig auf Erfolg an: Sex geht immer. (Der mit Bedeu­tungs­ebe­nen bei­na­he über­sät­tig­te Titel die­ser mei­ner Inter­net­prä­senz jeden­falls lädt Besu­cher von Such­ma­schi­nen, deren Betrei­ber Dekli­na­ti­on und Kon­ju­ga­ti­on für uner­läss­lich hal­ten, zu, wie ich an den Such­be­grif­fen erken­nen kann, völ­lig fal­schen Prä­mis­sen ein; die meis­ten von ihnen blei­ben zum Glück nicht lan­ge.) Die Auf­merk­sam­keit eines Lesers wird nicht durch wohl­do­sier­ten Humor oder Elo­quenz geför­dert, son­dern durch mög­lichst pene­tran­te Ver­lin­kung mög­lichst vie­ler mög­lichst quietsch­bun­ter so genann­ter Blogs so genann­ter A‑Blogger unter­ein­an­der. „Auf Nerd­core steht …!“

Ja, der­lei Blog­ger machen es „rich­tig“: Sie betrei­ben eine Platt­form, auf der sie unre­gel­mä­ßig Netz­fund­stü­cke kom­men­tie­ren, num­me­rier­tes Erbro­che­nes als „Mani­fest“ ver­öf­fent­li­chen und sich ansons­ten lüs­tern in der Viel­zahl ihrer Fol­lower wäl­zen. Sie ver­die­nen ihr Geld nicht mit Schrei­ben, son­dern mit belang­lo­sem Unfug wie etwa Wer­bung für scheuß­li­che Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men, oder wan­deln ihre Schreib­platt­form direkt in eine KG um und grün­den gemein­sam mit ers­te­ren Blog­gern Unter­neh­men, deren Geschäfts­mo­dell es ist, das Inter­net der ande­ren Leu­te eben mit Wer­bung voll­zu­kle­is­tern. Nicht etwa als blö­de Nerv­dep­pen, son­dern als „Social Media Gurus“ beschimpft man der­lei Leu­te dann und lädt sie auf Kon­fe­ren­zen ein, auf denen die ande­ren Ein­ge­la­de­nen im Kreis sit­zen und an den Lip­pen des Gurus hän­gen, der dann ein wenig über das „Inter­net der Zukunft“ redet und dafür viel Geld, Applaus, Blu­men und ver­mut­lich Sex erhält. „Guru“ bedeu­tet etwa „geis­ti­ger Füh­rer“; und nicht nur des­we­gen kann ich mich des Ein­dru­ckes beim bes­ten Wil­len nicht erweh­ren, dass die­ser Pos­ten wie zum Spott stets von denen belegt wird, deren gesam­mel­te geis­ti­ge Ergüs­se selbst nicht ein­mal zum Blu­men­gie­ßen genü­gen würden.

Und sie glau­ben allen Erns­tes, dass das nie­mand merkt. ‘Von Blog­gern, Blogs und Gurus. (Eines wie jedes.)’ weiterlesen »

PersönlichesPiratenpartei
#pptnds10 II (außer­dem: Düs­te­res Halle)

Der lei­der eta­blier­te Sen­der RTL berich­tet über den zwei­ten Tag des PPTNDS10; Grund genug, noch ein paar Zei­len dar­ob niederzuschreiben:

Es war noch recht ertrag­reich, alle Anträ­ge wur­den bis Sonn­tag kurz nach 16 Uhr umfas­send behan­delt. Die in der Nacht zwi­schen Sonn­abend und Sonn­tag ange­reg­te Ver­kür­zung der Rede­zeit bzw., genau­er gesagt, die Beschrän­kung der Red­ner­lis­te pro Antrag, um die tra­di­tio­nell aus­ufern­den Dis­kus­sio­nen in einem gewis­sen Rah­men zu hal­ten, mag ihren Teil dazu bei­getra­gen haben, dass es bei­na­he gesit­tet zuging, auch, dass die für 15 Uhr ange­setz­te Pres­se­kon­fe­renz wegen aus Grün­den nicht anwe­sen­der Pres­se ent­fiel. Aber was wäre die Pira­ten­par­tei ohne die ihr eige­ne Non­kon­for­mi­tät? Sie wäre über­flüs­sig, mei­ne ich.

Auf­se­hen erreg­te die bereits am spä­ten Sonn­abend beschlos­se­ne For­de­rung nach einer Reform der Dro­gen­po­li­tik, die auf, hihi, brei­te Zustim­mung stieß. Die Pira­ten­par­tei Nie­der­sach­sen ist nun­mehr im Besitz nicht nur einer der­zeit ein­zig­ar­ti­gen basis­de­mo­kra­ti­schen Struk­tur, son­dern auch eines umfas­sen­den Pro­gramms. An die­ser Stel­le auch noch­mals ein Dank nebst Applaus (stellt ihn euch ggf. vor) und Cha­peau an die Orga­ni­sa­to­ren und alle Anwe­sen­den! (Ich hof­fe, mit mei­ner teils minu­tiö­sen Bericht­erstat­tung via Twit­ter nicht all­zu vie­le Abon­nen­ten ver­schreckt zu haben.)

Heu­te indes trieb ich mich arbeits­be­dingt in Hal­le, der selt­sa­men Stadt in einem Teil Deutsch­lands, über den man den Man­tel des Schwei­gens sel­ten schnell genug zu brei­ten ver­mag, her­um. War mir in mei­ner Kind­heit nicht bekannt, war­um man jenen Teil auch „Dun­kel­deutsch­land“ nann­te, so wur­de es uns, die wir uns viel­sa­gend ansa­hen, heu­te klar; Tou­ris­ten in die­ser Stadt erkennt man am Lächeln. Sicher trägt eine Stadt, deren Fas­sa­den in einem hüb­schen ein­heit­li­chen Grau gefärbt sind, nicht zu einem hei­te­ren Lebens­stil ihrer Bewoh­ner bei, aber auf­fäl­lig war’s dann doch.

(Auch nicht gänz­lich unamü­san­tes Detail: Die Bedie­nung in der Wirt­schaft, in die wir ein­kehr­ten, war nicht über­zeugt davon, dass wir das obli­ga­to­ri­sche „Ja“ auf die Fra­ge, ob es gemun­det habe, ehr­lich mein­ten. Viel­leicht hät­ten wir nicht lächeln sol­len; das macht in Hal­le offen­bar kei­nen guten Eindruck.)

So blieb das Erfreu­lichs­te an der Rei­se dann auch, dass ich das Lied „Kids“ von MGMT mal wie­der im Radio hören konn­te. Eigent­lich ein hüb­sches Stück Musik (apro­pos hübsch). Con­trol yours­elf, take only what you need from it. Wenn das nur immer so ein­fach wäre!

FotografiePiratenpartei
#pptnds10

An die­sem Wochen­en­de übri­gens fin­det in Wol­fen­büt­tel der PPTNDS10, der dies­jäh­ri­ge Pro­gramm­par­tei­tag der Pira­ten­par­tei, statt; und wer immer noch nicht glaubt, dass das mit der Basis­de­mo­kra­tie nicht zwangs­läu­fig zu heil­lo­sem Cha­os füh­ren wird, der hat wäh­rend der gesam­ten Dau­er die Mög­lich­keit, über den Video-Live­stream einen Blick auf das heil­lo­se Cha­os Gesche­hen zu wer­fen. (Außer­dem gibt es dort pri­ma Kaffee.)

Ich bin eben­falls anwe­send. Wer mich also auch mal dabei erle­ben möch­te, wie ich von den tra­di­tio­nell zahl­rei­chen Geschäfts­ord­nungs­an­trä­gen Kopf­weh bekom­me, der möge wäh­rend der Ver­an­stal­tung ein­mal hineinschauen.

Impres­sio­nen vom ers­ten Tag:

(Was einen Pira­ten­par­tei­tag übri­gens von einer Ver­eins­sit­zung eines eigent­lich belie­bi­gen Sport­ver­eins unter­schei­det, ist das Ergeb­nis.)

Bei Inter­es­se folgt mor­gen ein etwas län­ge­rer Text – ich neh­me an, es wird sich noch eini­ges ergeben.
Das Wiki zum Pira­ten­par­tei­tag ist bis dahin hier zu fin­den; Ergeb­nis­se inklusive.

Klar zum Ändern!

Nerdkrams
Twit­ter ent­deckt das Web 1.0

Apro­pos über­fäl­li­ge Erfin­dun­gen dann auch: Der Micro­blog-Dienst Twit­ter, sei­nes Zei­chens wohl ein­zi­ge „sozia­le Platt­form“ ohne jeg­li­che auf­dring­li­che sozia­le Inter­ak­ti­on, sieht man ein­mal von dem pene­tran­ten „Ret­wee­ten“, also Nach­plap­pern, und dem „Fol­lo­wen“, also dem jedes Gestam­mel eines ein­zel­nen ande­ren Benut­zers unge­fragt Ver­fol­gen, also eigent­lich dem Stal­ken, ab, hat wie­der ein­mal in sei­nen dunk­len Denk­kam­mern eine total tol­le Idee ersin­nen las­sen, die, wie schon die Vor­schlags­funk­ti­on, bestimmt vie­le Freun­de gewin­nen wird:

Als Alter­na­ti­ve zu nur der bis­he­ri­gen „Time­line“ näm­lich, der hän­disch oder halb­au­to­ma­tisch zu aktua­li­sie­ren­den Über­sicht über das aktu­el­le Geplap­per der unge­fragt Gestalk­ten, gibt es nun auch „User Streams“, Benut­zer­flüs­se, und wäh­rend die „Time­line“, inde­ed, fast nichts mit einem Zeit­strahl gemein hat, ist das mit dem Benut­zer­fluss schon anschaulicher.

Statt die Twit­ter­da­ten, wie der­zeit noch üblich, etwa mit einem Twit­ter­cli­ent stück­wei­se in regel­mä­ßi­gen Inter­val­len abzu­ho­len, kann ein Twit­ter­nut­zer künf­tig sofort sehen, wenn ein von ihm Gestalk­ter etwas durch die Lei­tun­gen schiebt, ein kon­ti­nu­ier­li­cher Fluss von Nach­rich­ten eben. („Echt­zeit“, allein das Wort schon!)

Pres­se und Rund­funk sind begeistert:

  • techcrunch.com: „I’m not sure I can use any other Twit­ter app again wit­hout this real­time data stream.“
  • netzwertig.com: „Schnallt euch an für einen Echt­zeit­stream, der sei­nen Namen wirk­lich verdient.“
  • blog.tweetdeck.com: „Tri­al­ling Twit­ter At The Speed Of ‚Wow!‘ “
  • bwana.org: „Seems cool right?“

Aber, Moment ein­mal: Ein fort­lau­fen­der Schwall in der Län­ge stark begrenz­ter Nach­rich­ten belie­big vie­ler Teil­neh­mer mit Ant­wort- und Zitat­funk­ti­on; so etwas habe ich, wenn ich mich recht ent­sin­ne, bereits im Jahr 2001 genutzt. Es war in Java imple­men­tiert, beherrsch­te gra­fi­sche Emo­ti­cons eben­so wie farb­li­che Nuan­cen im eige­nen Geschrie­be­nen und trug einen ein­präg­sa­men, kur­zen, noch heu­te ver­brei­te­ten Namen:

Chat.

Inklu­si­ve „Flüs­ter“- und PLONK-Funk­tio­nen, ver­steht sich.

Comm­ents, cli­ches, com­men­ta­ry, controversy,
Chat­ter, chit-chat, chit-chat, chit-chat,
Con­ver­sa­ti­on, con­tra­dic­tion, criticism
It’s only talk, cheap talk

– King Crims­on: Ele­phant Talk

NetzfundstückeIn den NachrichtenPolitik
Kurz ver­linkt XXIV: The Oatmeal

Zur Erhei­te­rung ver­wei­se ich euch, lie­be Leser, wäh­rend mei­ne Krea­ti­vi­tät der­zeit ein hof­fent­lich nur noch kur­zes Nicker­chen macht, heu­te mal auf eine mei­ner Lieblings-Bildwitzseiten:

Das, wie ich mei­ne, zum Brül­len komi­sche, wenn auch eng­lisch­spra­chi­ge Archiv The Oat­me­al hält neben sprach­li­chen Fines­sen (bei­spiels­wei­se Apo­stro­ph­re­geln) vie­ler­lei Amu­se­ment parat, unter ande­rem die ver­mut­lich blö­des­ten Wit­ze der Welt (mit Tusch!) und eine Ver­deut­li­chung, wie sehr sich ver­meint­lich klei­ne Unter­schie­de auswirken.

Ein Aus­zug zum The­ma „Groß­buch­sta­ben im Internet“:

Hihi!

(Apro­pos „hihi“, noch einer für zwi­schen­durch: peti­te girl takes on two mons­ter cocks at once. Dan­ke an S.!)


Übri­gens: Thi­lo Sar­ra­zin habe wie­der etwas gesagt, pol­tert es durch Fern­se­hen und Inter­net. Thi­lo Sar­ra­zin kön­ne es, das Sagen also, nicht las­sen, pol­tert es durch Fern­se­hen und Inter­net. Thi­lo Sar­ra­zin sei ein Het­zer, ein Ras­sist oder jeden­falls ein Sym­pa­thi­sant, pol­tert es durch Fern­se­hen und Internet.

Nun, weder habe ich mir detail­liert notiert, was genau er von sich gab, noch wage ich es, Ver­mu­tun­gen dar­über anzu­stel­len, war­um er es äußer­te; aber eins fra­ge ich mich dann doch:

Habt ihr alle nichts bes­se­res zu tun?

NetzfundstückeNerdkrams
Medi­en­kri­tik XXXV: Kos­ten­lo­se Gra­tis­ge­schen­ke für alle!

Mit­un­ter tref­fe ich auf mei­nen Rei­sen durch das WWW und das IRC auf Hin­wei­se auf das Com­pu­ter­ma­ga­zin „PC-WELT“, zu des­sen Lesern, ich gebe es zu, auch ich ein­mal gehörte.

Nun ist es recht zeit­auf­wän­dig und Ner­ven rau­bend, jedes Mal wie­der eine höf­li­che Ant­wort auf die Fra­ge, wes­halb ich von dem fort­ge­setz­ten Genuss die­ses Print­pro­dukts absah, zu for­mu­lie­ren, dar­um bit­te ich die­sen Bei­trag als Refe­renz zur spä­te­ren Erwäh­nung zu betrachten.

Mei­ne Abkehr vom PC-WELT-Leser­tum hat­te drei Ursachen.

Zunächst ein­mal war ich irgend­wann zu erfah­ren, um noch zu deren Kli­en­tel zu gehö­ren. Sicher gab es ab und zu ein­mal wirk­lich gute Tipps, aber sie neig­ten dazu, sich ermü­dend zu wie­der­ho­len. Mei­ne aktu­ells­te PC-WELT-Aus­ga­be ist dem­nach nun auch bald zehn Jah­re alt.

Wie­der­ho­lun­gen sind eine gute Über­lei­tung zur zwei­ten Ursa­che: Die meis­ten aktu­el­len Com­pu­ter­ma­ga­zi­ne erstrei­ten die Gunst neu­er Leser­schaft, indem sie zumin­dest im Ansatz ver­su­chen, bereits auf den Titel­sei­ten dar­auf hin­zu­wei­sen, dass sich die betei­lig­ten Schrei­ber­lin­ge beim Recher­chie­ren neu­er The­men auch ein wenig ange­strengt und etwa neue Ent­wick­lun­gen ent­deckt haben. Nicht so die PC-WELT, die im Zeit­schrif­ten­re­gal auf ihrem total auf­wän­dig gestal­te­ten wei­ßen Titel­blatt stän­dig markt­schreie­risch die „geheims­ten Hacker­be­feh­le“ („Hacker-Befeh­le“) anpreist, „jetzt noch gehei­mer, ille­ga­ler und ver­bo­te­ner“, weil legal zwar sach­lich rich­ti­ger wäre, sich aber auch weni­ger toll ver­kau­fen ließe.

Und drit­tens hat die Redak­ti­on der PC-WELT in ihre Arti­kel selbst außer Markt­schreie­rei auch nicht viel Gehirn­schmalz gesteckt. Soeben fand ich, mehr zufäl­lig, auf ihrer Inter­net­sei­te einen so genann­ten Pro­dukt­test, der einen Gra­fik­be­trach­ter für Win­dows zum The­ma hat­te. Ich mag Tests von Anwen­dun­gen, die ich noch nicht aus­wen­dig beherr­sche, zwar durch­aus, aber in die­sem Fall blieb mein Blick weni­ger auf dem Test selbst als viel­mehr auf sei­ner For­mu­lie­rung haf­ten; ich erlau­be mir, um kei­ne Zita­te aus dem Zusam­men­hang zu rei­ßen, den Test in Ori­gi­nal­schreib­wei­se und ‑zei­chen­set­zung anzufügen:

Die Free­ware FastStone Image View­er ist ein Bild­be­trach­ter, mit dem Sie ihre Bil­der auch bear­bei­ten können.

Der Gra­tis FastStone Image View­er kann mit den gän­gigs­ten For­ma­ten wie BMP, JPEG, JPEG 2000, GIF, PNG, PCX, TIFF, WMF, ICO, TGA und auch mit RAW For­ma­ten (CRW, CR2, NEF, PEF, RAF, MRW, ORF, SRF und DNG) umgehen.
Das kos­ten­lo­se Bild­be­ar­bei­tungs­pro­gramm FastStone Image View­er ist kann ohne Ein­schrän­kun­gen im Funk­ti­ons­um­fang run­ter­ge­la­den wer­den kann. Wir stel­len Ihnen die­ses Pro­gramm und eini­ge ande­re Bild­be­trach­ter hier aus­führ­lich vor. In der aktu­el­len Ver­si­on des FastStone Image View­ers wur­de u.a. die Ober­flä­che in 15 neue Spra­chen über­setzt. Wei­te­re Neue­run­gen fin­den Sie hier. Um einen Test des kos­ten­lo­sen FastStone Image View­ers zu lesen, kli­cken Sie ein­fach hier.

Wer es schafft, beim ers­ten Lesen – den Ver­weis auf die Klick­stre­cke unter dem Test zäh­le ich nicht mit – alle Hin­wei­se auf den Preis des kos­ten­lo­sen Free­ware-Pro­gramms (gra­tis) zu fin­den, bekommt ein Fleißbienchen.
Dem IDG-Ver­lag stün­de, glau­be ich, ein Lek­tor gut zu Gesicht.

PersönlichesNetzfundstückeFotografie
Impres­sio­nen: Roman­ti­sche Betrach­tung eines Nach­mit­tags im Spät­som­mer (Ver­such 4)

Man schlen­dert eines Nach­mit­tags durch die rege beleb­te Ein­kaufs­stra­ße der Stadt. Lem­min­gen gleich wuseln Men­schen um einen her­um. Die Son­ne kann sich nicht recht ent­schei­den, ob sie ihrer Kraft Aus­druck ver­lei­hen möch­te. Die Män­tel und die Eltern sind zu dick, die Shirts und die Mäd­chen sind zu dünn.

Unge­wiss wie das Wet­ter ist auch die Sze­ne. Men­schen kom­men aus dem Nichts und gehen ins Nir­gend­wo. Gleich­sam als Kon­tra­punkt summt der klei­ne Mann im Ohr Edie Bri­ckells „Good Times“. Spär­lich beleuch­te­te Häu­ser­fas­sa­den schei­nen wie im Traum im Takt dazu zu wip­pen. Über­wäl­tigt von den Ein­drü­cken muss man sich erst ein­mal set­zen und ver­gisst, was man eigent­lich mit der frei­en Zeit anfan­gen woll­te; statt­des­sen stiert man wort­los auf das Schau­spiel der Emo­tio­nen und ver­säumt es tat­säch­lich, mitzuschreiben.

You don’t even have to try, here comes easy for you.

Drau­ßen wer­den die Jacken wie­der län­ger, drin­nen indes brei­tet sich eine selt­sa­me Wär­me aus.
Das Leben kann so schön sein, wenn man nicht dar­über nachdenkt.

(Fast vom Stuhl gekippt wäre ich übri­gens auch, als ich die­se Schlag­zei­le las: „Hor­ror-Schock“, na, aber min­des­tens; drun­ter machen sie’s nicht mehr. Neben­bei bemerkt und weil ich noch ein wenig Platz in der Klam­mer habe: Will­kom­men auf dem neu­en Ser­ver, lie­be Leser!)

Internes
In eige­ner Sache: Sei­ten­aus­fäl­le (Ana­ly­se und Ausblick)

Hoch­ver­ehr­tes Publikum,

in den letz­ten Tagen war die­se Inter­net­prä­senz erst­mals seit über einem Jahr zunächst nur ein wenig trä­ge, schließ­lich aber auch mehr­fach nicht erreich­bar, bevor­zugt nachts ent­schloss sie sich dazu, ihre Mit­ar­beit kurz­zei­tig zu ver­wei­gern, was vor allem unan­ge­nehm des­halb ist, weil der Bei­trag über Eli­za Orvind, in Foren und Blogs viel­fach ver­linkt und bis­lang etwa vier­hun­dert­mal gele­sen, ihr erst­mals eine nicht gerin­ge Bekannt­heit ein­ge­bracht hat.

Statt der gewohn­ten gram­ma­ti­ka­li­schen Fines­sen und aus­ge­feil­ten Spit­zen erwar­te­te den geneig­ten Leser jedoch mit­un­ter nur ein Lade­bal­ken und dann eine lee­re („wei­ße“) Sei­te, wie mir, der ich natür­lich nicht stän­dig selbst alles auf kor­rek­tes Funk­tio­nie­ren prü­fe, mehr­mals zuge­tra­gen wurde.

Unfreu­dig schrieb ich zunächst eine E‑Mail an den (übri­gens über­aus freund­li­chen und kom­pe­ten­ten) Kun­den­dienst des für die­se Sei­te zustän­di­gen Ser­ver­be­trei­bers, der mir unter ande­rem den Tipp gab, mit­tels fol­gen­den Ein­trags in der Datei .htac­cess eine Feh­ler­ana­ly­se vor­zu­neh­men (den Datei­pfad habe ich wohl­weis­lich aus dem Code entfernt):

php_flag log_errors on
php_value error_log "/www/htdocs/.../errorlog.txt"

Die erzeugte Datei sammelte in den nächsten Tagen einige Informationen, anhand derer ich unter anderem vorläufig das offenbar inkorrekt arbeitende Plugin deaktivierte, das hier bislang für die Anzeige ähnlicher Beiträge zuständig war. Vorhin nun tauchte in der Datei errorlog.txt schließlich die eigentliche Ursache für die Ausfälle auf:

[22-Aug-2010 00:17:40] WordPress-Datenbank-Fehler MySQL server has gone away für Abfrage (...)
Nun ist "... has gone away" natürlich eine Meldung, die mich zum Lächeln zu bringen vermochte; im IRC witzelte ich, der Datenbankserver sei vermutlich kurz einkaufen gegangen, kontaktierte aber auch erneut den Serverbetreiber. Nach einem kurzen Dialog kann ich euch, liebe Leser, nun die erhoffte Lösung präsentieren: In der kommenden Nacht ab 2 Uhr wird diese Internetpräsenz auf einen anderen Server innerhalb des Rechenzentrums umgezogen (in dieser Zeit, vermutlich wird es wenige Stunden dauern, wird die Seite erneut nicht erreichbar sein), um dem bisherigen Server ein wenig Entlastung zu verschaffen. Sollte dies keinen dauerhaften Erfolg haben, so werde ich auf lange Sicht wohl ein wenig Geld für die Miete eines eigenen Servers - bislang verließ ich mich auf Shared-Hosting-Lösungen - beiseite legen müssen. Es ist furchtbar. Ich bedanke mich bei meinen aufmerksamen Lesern für die Hinweise. :)

Sonstiges
Drei Jah­re sind eine Ewig­keit. In Hannover.

Drei Jah­re ist es jetzt etwa her, dass das bis dahin sich reger Beliebt­heit erfreu­en­de, weil nicht auf Nach­rich­ten rund um Han­no­ver beschränk­te Forum der Han­no­ver­schen All­ge­mei­nen Zei­tung, das HAZ-Forum (hier eine archi­vier­te Fas­sung kurz vor der Abschal­tung), geschlos­sen und durch eine Funk­ti­on ersetzt wur­de, die Nach­rich­ten auf der Inter­net­sei­te der Zei­tung bloß zu kommentieren.

Was hat­ten wir für einen Spaß in „unse­rem“ Forum; selbst ich als Nicht-Han­no­ve­ra­ner betei­lig­te mich begeis­tert an dem einem Fami­li­en­le­ben nicht unähn­li­chen Zusam­men­spiel von humor­vol­ler Mode­ra­ti­on, erns­ten Gesprä­chen über Leben und Poli­tik und vor allem vie­len zu Spä­ßen auf­ge­leg­ten Schreibern.

Viel­leicht war es aber zu viel ver­langt, dem Schwall an oft aus­ufern­den, aber näch­te­lang belus­ti­gen­den Off-Topic-Dis­kus­sio­nen und Mehr­fach­an­mel­dun­gen eigent­lich auf Lebens­zeit gesperr­ter Mit­dis­ku­tan­ten Ein­halt zu gebie­ten. Viel­leicht hat die Ver­lags­grup­pe Madsack, eine deut­sche Gesell­schaft zu ihrem Glück, sich gedacht, HAZ.de wäre eine ernst zu neh­men­de Alter­na­ti­ve zu SPIEGEL.de, wenn man den Benut­zern eben­so wie dort jede Mög­lich­keit, unmo­de­riert auch über absei­ti­ge The­men zu dis­ku­tie­ren, nimmt. Viel­leicht woll­ten sie sich auch ein­fach nur das Gehalt für die Mode­ra­to­ren (damals homo­fa­ber und Tai) spa­ren; jeden­falls erschien eines Tages eine Ankün­di­gung, das Forum wer­de in Bäl­de geschlos­sen und durch einen Kom­men­tar­be­reich ersetzt. Zucker­brot ist aus, Peit­schen haben wir aber noch.

Nun, die Benut­zer fan­den es weni­ger lus­tig und zogen sich pikiert zurück; ver­ständ­lich, denn wenn man der Sug­ges­ti­on gewahr wird, dass kein Inter­es­se an der über meh­re­re Jah­re gepfleg­ten Dis­kus­si­ons­kul­tur besteht, dann hat man selbst eben­falls kein gro­ßes Inter­es­se mehr dar­an, ihr in all­zu ein­ge­schränk­ter Form wei­ter­hin zu frönen.

Nach fast drei Jah­ren darf das Expe­ri­ment nun also getrost als geschei­tert ange­se­hen wer­den, da es eben der Dis­kus­si­ons­kul­tur (es fehl­te gemäß Twit­ter „etwas Dis­zi­plin“) nicht auf die Sprün­ge half, den Off-Topic-Bereich zu strei­chen. Die ent­spre­chen­den Dis­kus­sio­nen wur­den statt­des­sen eben im Arti­kel­be­reich geführt.

Inso­fern ist es trotz aller Unken­ru­fe als Fort­schritt zu sehen, dass die Madsack-Grup­pe inzwi­schen ver­ges­sen (oder ver­drängt?) hat, dass sie sich vor eini­gen Jah­ren durch die Schlie­ßung und Ver­nich­tung des Forums qua­si selbst ins Bein geschos­sen hat­te, und mit gro­ßem Tam­tam ein neu­es Forum ins Leben rief, das zwar in Bezug auf die Auf­tei­lung und das design noch in den Kin­der­schu­hen steckt, in dem sich aber schon eini­ge der alten Recken wie­der ange­mel­det haben, um es mit neu­em Leben zu befüllen.

It’s a place whe­re the past and the good things will last.
– Julie Andrews: The Val­ley That Time Forgot

Nun denn:
Auf ein Neues!