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Medienkritik XXXVI: Hauptsache, aufs Maul.

(Pro­log: Ich bin unverän­dert Pirat und wün­sche jeglich­er radikaler Strö­mung poli­tis­ch­er und/oder religiös­er Natur min­destens Mar­cell d’Avis an den Hals.)

Nor­maler­weise verzichte ich dank­end darauf, dem gefährlichen Pop­ulis­mus der bei­den ein­schlägig bekan­nten Autoren von FickM­BR (ich weigere mich kon­se­quent, den Namen nicht zu ver­ball­hor­nen) mit­tels Ver­linkung weit­ere Klien­tel zu ver­schaf­fen, aber in diesem Fall kann, nein, muss er gar als Beispiel dienen, nach­dem selb­st Politblogger.eu allzu zahm berichtet:

Aaron König, ehem. Bun­desvor­standsmit­glied der Piraten­partei Deutsch­land, hat nun, passend zu all dem Aufhebens um Thi­lo Sar­razin, dessen Buch offen­bar auch noch nie­mand, der sich über seine Inhalte beschw­ert, über­haupt gele­sen hat, gemein­sam mit zwei anderen Men­schen eine neue kon­ser­v­a­tive Partei gegrün­det. Ihr Name ist “Die Frei­heit” und ihre poli­tis­chen Ziele sehen unter anderem so aus:

Wir set­zen uns für eine Gesellschaft ein, deren Mit­glieder ein Höch­st­maß an Frei­heit genießen kön­nen. Darunter ver­ste­hen wir unter anderem die Mei­n­ungs­frei­heit, die Frei­heit der Presse, die Ver­samm­lungs­frei­heit, die Frei­heit vor Krim­i­nal­ität und Gewalt, die Frei­heit der Part­ner­wahl und die Reli­gions­frei­heit (die auch die Frei­heit ein­schließt, keine Reli­gion zu haben).

Diese Frei­heit­en gel­ten für alle Men­schen, unab­hängig von Herkun­ft, Haut­farbe, Geschlecht oder sex­ueller Ori­en­tierung.

Das sollte eigentlich alles eine Selb­stver­ständlichkeit sein, ist es aber nicht; Frei­heit ist in diesem Land die Frei­heit der Mehrheit. Da wer­den auch schon mal legit­ime Ver­anstal­tun­gen von so genan­nten “Wahrern der Demokratie” behin­dert, die sich hin­ter­her gegen­seit­ig dazu beglück­wün­schen, wie sehr sie heute wieder die Demokratie gewahrt haben, jeden­falls die eigene. Es wäre ja noch schön­er, wenn die Grun­drechte auch für die blö­den Neon­azis gäl­ten; wo kämen wir da hin?!

Und die Forderun­gen der Partei “Die Frei­heit” haben inhaltlich vielle­icht — in den Augen der Mach­er von FickM­BR (s.o.) — das Prob­lem, dass sie Frei­heit für rig­oros alle bein­hal­ten, Mei­n­ungs­frei­heit für Thi­lo Sar­razin und Eva Her­man eingeschlossen, und dass die drei Parteigrün­der dem recht­en poli­tis­chen Spek­trum nahe ste­hen. Autor Chris­t­ian Sick­endieck dumm­sülzt in seinem triefend­en Pam­phlet gle­ich mehrfach:

Die Nazi-Scher­gen haben eine neue Heimat.

Und weit­er:

Anders sieht es auf den Pub­lika­tio­nen aus, die fast über­wiegend vom Ver­fas­sungss­chutz beobachtet wer­den. Egal, wie sie heißen, Polit­i­cal­ly Incor­rect oder auch Gesamtrechts – über­all über­schla­gen sich die freudi­gen Artikel. Man kann förm­lich spüren, wie die Kom­men­ta­toren auf die Tas­tatur onanieren.

FickM­BR sollte man allerd­ings auch mal vom Ver­fas­sungss­chutz beobacht­en lassen, denn jemand, der so kon­se­quent mit der Nazikeule um sich schlägt, scheint von eini­gen Grun­dregeln unser­er Demokratie auch nicht viel zu hal­ten, Respekt vor der Mei­n­ung ander­er ein­mal eingeschlossen. Als Aaron König noch in der Piraten­partei war, verun­stal­teten die bei­den Komik­er eine Flagge des Drit­ten Reich­es, indem sie anstelle der Swasti­ka das Piratensegel platzierten. Sehr lustig — und von Volksver­het­zung nicht weit ent­fer­nt.

Und man kon­nte im Kom­men­tar­bere­ich förm­lich spüren, wie die Haush­er­ren, arro­gant wie üblich, auf die Tas­tatur onanieren.

Ach, Piraten­partei; ohne kann er’s echt nicht:

Ste­fan Aaron König hat die Katze aus dem Sack gelassen, die Piraten­partei muss sich die Frage gefall­en lassen, wie sie so eine Type jemals in den Vor­stand hat wählen kön­nen.

Auch, wenn ich auf eine Antwort ver­mut­lich vergebens warten darf: Nein, muss sie nicht — warum?
Aaron König, ehe­mals gegen wed­er das Grundge­setz noch die Satzung der Piraten­partei ver­stoßen­des Vor­standsmit­glied, hat eine neue Partei gegrün­det, die Frei­heit auch für islamkri­tis­che Äußerun­gen zulässt. Was für eine “Type” ist er nun?

Ach ja, richtig: Ein “Nazi-Scherge”. Hat­te ich über­lesen; aber du, Chris, schrieb­st es ja nicht nur mehrfach, son­dern zudem auch noch in Fettdruck, wie es die BILD eben auch macht, wenn sie irgendwelchen verquas­ten Müll als ganz beson­ders wichtig her­vorheben will.

(Abge­se­hen davon ist der Begriff ohne­hin unsin­nig; um ein “Nazi-Scherge”, ein Erfül­lungs­ge­hil­fe der Nation­al­sozial­is­ten also, zu wer­den, wäre Herr König ein paar Dekaden zu spät dran.)

Weit­er unten in den Forderun­gen der “Frei­heit” ist übri­gens zu lesen:

gegen die Aus­bre­itung total­itär­er Ide­olo­gien, ins­beson­dere den poli­tis­chen Islam

Herr Sick­endieck macht daraus:

Ärg­er­lich ist, dass wieder ein­mal der Begriff Frei­heit von ein­er poli­tis­chen Split­ter­gruppe miss­braucht wird. Wann immer in der Geschichte total­itäre Sys­teme Men­schen unter­drückt haben, geschah es im Namen der Frei­heit. So auch offen­sichtlich auch in diesem Fall. Frei­heit hört beim islamis­chen Glauben auf. Die bish­eri­gen Aus­sagen von Stadtke­witz, Doll und König sind als Bull­shit zu bew­erten. Es geht einzig und allein gegen den Islam.

So weit ist’s in diesem Land gekom­men mit dem selb­ster­nan­nten Jour­nal­is­mus; man hat eine unge­fähre Ahnung, wo man recher­chieren muss, lässt es aber sein und bew­ertet ein Unter­fan­gen anhand sein­er Teil­nehmer. Es geht “gegen den Islam”, weil ein­er der Grün­der neben­bei im islamkri­tis­chen Weblog “Polit­i­cal­ly Incor­rect” mit­tippt und das allein entschei­dend ist; wie halt die Piraten­partei auch eine doofe Nazi­partei war, weil Aaron König in seinem pri­vat­en Weblog den schweiz­erischen Volk­sentscheid gegen den Bau von Minaret­ten als demokratis­chen Akt gut­ge­heißen hat, und wie Eva Her­man ver­mut­lich in ihrer Freizeit Aus­län­der­jun­gen erwürgt, lies: gar nicht.

Die Partei “Die Frei­heit” hat klare Aus­sagen zu ihren Forderun­gen gemacht. Sie pauschal als Mumpitz abzu­tun, weil sie nicht so schön in das eigene wirre Welt­bild passen, ist genau das, näm­lich Mumpitz. Aber Haupt­sache, der Anfänge wehren; Haupt­sache, “Nazis aufs Maul”, weil eben alles, was man nicht ver­ste­ht, schon ziem­lich naz­i­haft ist und es nicht sein kann, dass aus­gerech­net jet­zt ger­ade eine Partei aufs Par­kett geführt wird, die Reli­gion­skri­tik nicht mit Frem­den­feindlichkeit ver­wech­selt.

“Gegen den Islam” wäre in der Tat nicht allzu pri­ma; aber das haben die “Freiheit“ler auch nie gefordert. Dazwis­chen ste­ht noch ein Wort und davor ste­hen noch mehrere. “[G]egen die Aus­bre­itung total­itär­er Ide­olo­gien” mag man bei FickM­BR als direk­te Kamp­fansage ver­ste­hen, ist man doch seit Jahren ein­er der Vor­re­it­er total­itär­er Pro­pa­gan­da in der deutschsprachi­gen Blo­gosphäre, aber dann sollte man mal darüber nach­denken, ob der Fehler tat­säch­lich bei der “Frei­heit” zu suchen ist. “Nazi-Scher­gen­tum” jeden­falls ist in ein­er Partei, die sich gegen total­itäre Ide­olo­gien ausspricht, nicht drin.

Die For­mulierung ist, zugegeben, etwas schwach; “poli­tis­ch­er Islam” existiert so nur in der öffentlichen Wahrnehmung. Erset­zen wir es ein­mal mit dem Gemein­ten, näm­lich “Islamis­mus”. Schon sieht das anders aus. Die Partei “Die Frei­heit” spricht sich (eben­so wie übri­gens Thi­lo Sar­razin) dage­gen aus, dass die Vertreter der “Reli­gion des Friedens” sich mit Gewalt Gehör zu ver­schaf­fen ver­suchen und die Vertreter des tol­er­an­ten West­ens das als “religiöse Mei­n­ungs­frei­heit” missver­ste­hen. Leute aus religiösen Grün­den mit ein­er Axt ermor­den oder mit einem Mess­er auf­schlitzen zu wollen ist nicht akzept­abel, auch wenn sie Gott, Jesus, Mohammed oder die eigene Mut­ter als Karikatur in irgendwelchen Zeitun­gen abdruck­en lassen.

Vielle­icht, Chris, ver­stehst du es bess­er, wenn man es dir mit einem Zitat von Rosa Lux­em­burg ver­sucht zu erk­lären:
“Frei­heit ist immer Frei­heit der Ander­s­denk­enden.”

(Und ich freue mich schon sehr darauf, dass du mich ob dieses Textes nun wieder als niveaulosen Sym­pa­thisan­ten beze­ichnest; was du, wie ich ver­mute, nicht hier, son­dern auf deinem Blog tun wirst, wo du unge­hin­dert Gift und Galle spuck­en kannst und deine Jünger klatschend im Kreis um dich ver­sam­melt sitzen, wenn du ihre Mei­n­ung BILDest. Wom­it sich der Kreis dann auch schon schließt.)

Senfecke:

  1. Guter Artikel, ich würde aber solchen Linksnazis wie Sick­endieck keine Beach­tung schenken, ein­fach links liegen lassen, wie Hun­de­haufen auf dem Gehweg.

  2. Das habe ich lange ver­sucht und hat­te Erfolg; aber es gibt Momente, in denen es raus muss, und wenn ger­ade kein ander­er da ist, schreibe ich’s halt hier.
    Hun­de­haufen sind auch ekel­haft, aber die wer­den wenig­stens nicht von 90 Prozent aller von mir gele­se­nen deutschen Blogs ver­linkt… ;-)

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