Als ich als noch junger Zeitgenosse einmal einen Dialog mit dem damals beliebten Pop-Schönling Gil Ofarim (was macht der eigentlich jetzt so?) sah, während dessen er unter anderem bekanntgab, an neuen — lies: zukünftigen — weiblichen Bekanntschaften für was auch immer interessiere ihn nicht zuletzt die Körbchengröße (seitdem habe ich dieses Wort im Fernsehen übrigens nie wieder gehört). schämte ich mich, denn genau deshalb, so glaubte ich damals, seien Männer grundsätzlich als Machos verschrien. Ich war aber auch entsetzt, denn trotz (oder wegen?) dieser offen erzählten Oberflächlichkeit schien Gil Ofarim in der Damenwelt nicht unbeliebt zu sein.
Von einem ähnlichen Entsetzen befallen und tüchtig durchgeschüttelt wurde ich gestern, als sich diese Meldung zu Googles neuem Firlefanz über den Bildschirm erstreckte:
Aber sowie die Maschine mir, noch während ich tippe, im Eingabefeld nicht nur das Wort, sondern einen sinnvollen Kontext in weiteren Begriffen vorschlägt, und ich zugleich unmittelbar unter dem Suchfeld die entsprechenden Resultate sehe, werde ich anfangen meine Abfrage komplexer auszugestalten – ohne dazu etwas tippen oder anklicken zu müssen, allein mit Hilfe der Vorschläge, aber auch gegen sie.
Google will also, vereinfacht ausgedrückt, seine Benutzer behutsam dazu bringen, das zu tun, was es gern hätte, statt das zu tun, was man üblicherweise von einer Suchmaschine erwartet, nämlich nach (!) der Eingabe eines Suchbegriffes Suchergebnisse zu liefern; und wenn sie, die Suchbegriffe, doof sind, dann bekommt der Nutzer eben auch nur doofe Ergebnisse zu sehen. So lernt er, dass er Suchanfragen stets mit Bedacht formulieren sollte, um möglichst treffende Ergebnisse zu erhalten. Der Benutzer wird also in die Lage versetzt, im Umgang mit dem Internet ein wenig schlauer, mithin an Erfahrungen reicher zu werden, was nicht zuletzt auch bei der Vermeidung von Malwarebefall von Bedeutung ist.
Googles “Instant Search” — ich muss da immer an Tee denken — aber, das, nebenbei sei’s angemerkt, die automatische Vervollständigung von Suchbegriffen dahingehend konterkariert, dass es genau das Gegenteil, nämlich kürzere Suchtermini, fördert, läuft diesem Konzept zuwider, indem es den Benutzer bewusst dumm hält. Zurücklehnen und dem Suchanbieter das Denken überlassen; Google sagt mir, was ich suchen soll, nicht umgekehrt. Ich glaube, das Stichwort hier heißt Medienkompetenz.
Zumal die Sofortsuche nicht einmal unbedingt etwas zur Suchgeschwindigkeit beiträgt, sondern, im Gegenteil, mit allzu langsamer Internetanbindung die Mitarbeit verweigert, wo doch gerade bei dieser eine wie auch immer geartete Beschleunigung von immenser Wichtigkeit wäre; indes: Wenn sich mit jedem Zeichen, das ich tippe, die Suchergebnisse völlig ändern, bekomme ich davon bestenfalls Kopfschmerzen. Eine Suchmaschine rufe ich meist auf, wenn ich bereits ungefähr mindestens ein Wort, nach dem ich zu suchen beabsichtige, kenne. Es ist nicht sinnvoll, jeden Buchstaben dieses Wortes als Suchbegriff zu werten; wenn ich nach “Pinguinen” suche, dann weiß ich das, dann möchte ich aber auch nicht im Verlauf des Eingabevorgangs automatisch über die Kreiszahl Pi und die Farbe Knallrosa informiert werden.
Sinnvoll wäre zweierlei:
Zum Einen zwar eine derartige Sofortsuche, die jedoch erst nach Komma oder Leerzeichen aktiv werden sollte, um unnötigen Verkehr und vor allem die für Epileptiker vermutlich nicht sonderlich angenehme Daueraktualisierung zu vermeiden; zum Anderen wäre das quasi genau das, was wirklich gute Suchmaschinen wie etwa Clusty, inzwischen Yippy, bereits seit Jahren anbieten, nämlich das Clustering von Suchergebnissen. Wer nach Pinguinen sucht, sucht selten auch nach Pi und Pingpong, aber möglicherweise nach Pinguinen UND Antarktis. “Meinten Sie: Pinguine Antarktis?”
So etwas, liebe Suchmaschinenentwickler, wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Google als Berg, der sich Propheten, die ihn bisher absichtlich gemieden haben, geradezu aufzudrängen versucht, macht es noch schneller, noch bunter, noch flackernder, noch Webzweinuller; und somit genau falsch.
Wie immer eben.



Schönen Gruß aus Hannover. Da gibt es auch schöne T‑Shirts: http://meta.rrzn.uni-hannover.de/
Ich gebe zu, für Hannover ist das schön.
Mehr aber auch nicht.
Mal im Ernst: Was hältst Du von der Suchmaschine? Hast Du mit ihr aufgrund Deines Studiums etwas zu tun? Nebenbei: ich würde wieder gerne Email-Benachrichtigungen erhalten.
Ehrlich: Ich auch.
War Metager die Suchmaschine mit dem Umlautproblem, oder velwechsere ich das gerade mit Ixquick?
Keine Ahnung: Ich bin ja Google-Fanboy.
Ach ja. Richtig. Entschuldigung.
Du schreibst heute aber viel. Ich in Deinem Alter war ich freitags zur Vorbereitung der Buggy zum Eintrinken in diversen Kneipen unterwegs. Irgendwie erinnerst Du mich an Bud Bundy.
Ich bin schon zu groß für einen Buggy. Wer ist Bud Bundy?
Bud ist der Sohn Al Bundys. Bud Bundy muss freitags/samstags abends immer zu Hause bleiben, weil kein Mädchen mit ihm ausgehen will. http://de.wikipedia.org/wiki/Bud_Bundy#Bud_Bundy
Allah ist groß.
DIe Mädchen würden ja wollen, aber ich nicht. Ätsch.