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Neunundachtzig Null

Beza­ubernd ist es ja schon, wenn man früh­mor­gens, also gegen 10 Uhr, mit dem ÖPNV fährt und, statt sich ander­weit­ig zu beschäfti­gen, aus­nahm­sweise den laufend­en Radiosendun­gen lauscht. Um diese Zeit ist Wer­bung, abge­se­hen von der ständi­gen akustis­chen Erin­nerung daran, welchen Sender man ger­ade ertra­gen muss (für wie blöd hal­ten die ihre Zuhör­erschaft eigentlich?), noch nicht Hauptbe­standteil der Beschal­lung, aber wer denkt, damit wäre der kul­turellen Bere­icherung genü­gend Vorschub geleis­tet, der irrt:

Es ist ja dur­chaus nicht zu bean­standen, dass Mod­er­a­toren ver­suchen, das Pub­likum bei Laune zu hal­ten, doch allzu blöde Witze der Machart “er so und sie dann so, hihi­hi” (sich­er nicht zufäl­lig wer­den Radiosendun­gen zumeist von Männlein und Weiblein mod­eriert) wer­den nicht bess­er, wenn man sie täglich, unwesentlich mod­i­fiziert und min­derqual­i­ta­tiv pointiert, gluck­send wieder­holt.

Und über­haupt die Musik bzw. apro­pos wieder­holen:
Min­destens ein­mal wöchentlich erscheint kom­merziell nen­nenswerte Musik radio­tauglich­er (also fraglich­er) Qual­ität im Han­del. War­i­um zum Geier wer­den dann “Satel­lite”, “Heavy Cross” und ähn­lich­er out­put jeden Tag aufs Neue bis zum Erbrechen wieder­holt? Hal­ten es Plat­ten­fir­men nicht für nötig, ihre aktuellen Erzeug­nisse dergestalt zu bewer­ben?

Ander­er­seits ist’s ver­mut­lich auch bess­er so. (Schade, dass die Schall­gren­zen so sel­ten aus­ges­trahlt wer­den.) Ab und zu sollte man mal Radio hören, um sich wieder daran zu erin­nern, warum man das son­st nicht tut.

(Was man allerd­ings auch son­st derzeit ver­mei­den sollte, ist ein Blick in die Anzeigetafeln der so genan­nten “Gotteshäuser”, die über­schwänglich­er Hor­mone Freude über die bevorste­hen­den Ein­schu­lun­gen Aus­druck ver­lei­hen. “Ein­schu­lungs­gottes­di­en­ste” eröff­nen hierzu­lande tra­di­tionell die Schul­lauf­bahn. Anders gesagt: Das Erste, was ein Schüler lernt, ist es, einem höheren Wesen unklar­er Beschaf­fen­heit zu dienen, übri­gens ungeachtet eventueller Vorkomm­nisse, die mit Priestern und Kindern zu tun haben; und, dass blind­er Glaube immer noch für ein wichtiges und vor allem pos­i­tives Per­sön­lichkeitsmerk­mal gehal­ten wird, weil’s eben alle machen. Der Gedanke daran, eines trüben Tages eventuell selb­st mal ein Kind dieser kranken Gesellschaft auszuset­zen, erscheint täglich abstoßen­der.)

PolitikProjekteNetzfundstückeIn den Nachrichten
Schockierend: Mitglied einer legitimen Partei darf Sportverein trainieren!

(Im Voraus der übliche Hin­weis; muss man ja heute immer dran­schreiben, wenn man sich dummes Geschwätz von Ewiggestri­gen ers­paren möchte: Ich bin unverän­dert Pirat und habe nicht vor, zum Anti­semitismus überzutreten.)

Unfass­bar dann auch ein Artikel wie dieser:

In Sach­sen-Anhalts klein­er Ortschaft Laucha hat die NPD bei der ver­gan­genen Kom­mu­nal­wahl 13,5 % bekom­men. Eines ihrer Mit­glieder trainiert seit langem die Jugend­mannschaft des lokalen Fußbal­lvere­ins.

Im April hat nun ein­er der von ihm trainierten Jugendlichen einen Israeli (apro­pos und würg auch Israel) tätlich ange­grif­f­en, und schon sprin­gen Lan­dess­port­bund und Jour­nal­is­ten entrüstet auf; es dürfe nicht sein, dass ein NPD-Mit­glied einen Sportvere­in repräsen­tiert, weil die NPD näm­lich voll blöd sei, und über­haupt:

LSB-Chef Andreas Sil­ber­sack hat jet­zt angekündigt, auf der näch­sten Sitzung des Gremi­ums im August eine Satzungsän­derung vorzule­gen, nach der Vere­ine, die recht­sex­treme Train­er beschäfti­gen, aus dem Sport­bund aus­geschlossen wer­den kön­nen. Auch Fördergelder wür­den ihnen in einem solchen Fall gestrichen.

Kün­ftige Train­er in Sach­sen-Anhalt müssen also wom­öglich erst nach­weisen, in den let­zten vier oder fünf Leg­is­laturpe­ri­o­den keine Sym­pa­thie mit rechts­gerichteten Parteien gezeigt zu haben, wom­it wir dann irgend­wie doch wieder da wären, wo Sach­sen-Anhalt vor zwei Dekaden eigentlich schon nicht mehr sein sollte: Links oder Feind?

Ach, und selb­stver­ständlich nicht nur die Train­er, son­dern auch die Trainierten sind eine poten­ziell hochge­fährliche Spezies:

Der Ver­fas­sungss­chutz von Sach­sen-Anhalt hat schon im Feb­ru­ar auf das Beispiel des ASG Vor­wärts Dessau ver­wiesen. Im Vere­in seien Spiel­er aktiv, die “klar der recht­en Szene zuzuord­nen sind, zum Teil auch freien Kam­er­ad­schaften”, wie Ver­fas­sungss­chützer Hilmar Stef­fen damals erk­lärte.

Und da haben wir doch auch schon den eigentlich inter­es­san­ten Punkt gefun­den.

Die Logik von Presse und Sport­bund geht unge­fähr so:
Ein Jugendlich­er ver­prügelt einen Aus­län­der, klar, daran ist der Train­er schuld, raus mit dem Kerl! Weil halt: NPD.

Das deckt sich — was Wun­der — dann auch mit den Ansicht­en des Recht­sex­trem­is­mus-Experten (wie wird man das eigentlich?) Thomas Hah­nel:

Sein Ratschlag: “Am effek­tivsten wäre es, die Eltern wür­den ihre Kinder ein­fach nicht mehr zum Train­ing bei Bat­tke schick­en und somit deut­lich zeigen, dass sie eine solche Per­son nicht akzep­tieren.”

Es ist beza­ubernd, für wie naiv die poli­tisch kor­rek­ten Geifer­er ihr Pub­likum hal­ten; aber, Herr Hah­nel, haben Sie mal drüber nachgedacht, dass nicht alle Eltern beim The­ma Recht­sex­trem­is­mus den Ver­stand in den Leer­lauf schal­ten, son­dern erst ein­mal selb­st nach­denken, bevor sie undif­feren­ziert in die Gesänge ein­stim­men? Was haben Sie denen eigentlich als Anlass genan­nt, den Train­er, der ange­blich nicht ein­mal schlechte Arbeit leis­tet, ent­fer­nen lassen zu wollen? Eben­falls “weil NPD”?

Ein­mal ganz abge­se­hen davon, dass eine For­mulierung wie “eine solche Per­son” über­aus wider­wär­tig ist und von Ihnen, käme Sie von, sagen wir mal, einem Anti­semiten, sich­er auch nicht akzep­tiert würde.

(Auch hüb­sch, neben­bei bemerkt, ist die Emo­tion Markup Lan­guage. Möge sie eine weite Ver­bre­itung find­en und grot­ti­gen Unfug wie Q___Q und T___T für immer aus dem Inter­net vertreiben! (via))


Die Arbeit an TinyTo­do ist heute schon ein wenig vor­angeschrit­ten:

Aktuell sind noch 11 Punk­te auf der Liste der Dinge, die ich noch zu imple­men­tieren gedenke, offen. Einen Zeitrah­men für die Veröf­fentlichung spare ich mir zu set­zen. Lassen wir uns über­raschen!

Danke an Didi für die Stiltipps und das Testen.

MusikMusikkritik
Relative Halbwertszeit

Betra­chtet man die Musikgeschichte der let­zten 60 Jahre, so stellt man schnell einen Zusam­men­hang zwis­chen der “Lebens­dauer” ein­er Musik­gruppe und ihrem Ein­fluss auf spätere Musik­er fest. Nicht jedoch bedeutet, wie man meinen sollte, eine län­gere erstere auch eine größere zweit­ere, vielmehr ist das Gegen­teil der Fall.

Nehmen wir das Beispiel die Comets, seit 1948 im Geschäft, mithin die dien­stäl­teste Rock­band: Einst lan­de­ten sie Erfolge mit Bill Haley (“Rock Around the Clock”), aber hat das nach­haltig Ein­druck bei späteren Kün­stlern hin­ter­lassen? Eben­so die Rolling Stones: Seit 1962 mit wech­sel­n­dem kom­merziellem Erfolg aktiv, als musikalis­ches Vor­bild jedoch nie in größerem Maße in Erschei­n­ung getreten. Eine Chance, trotz lan­gen Zusam­men­spiels bleiben­den Ein­druck zu hin­ter­lassen, hat man eigentlich nur, wenn man nach drei oder vier wirk­lich ern­sthaften Alben in die Beliebigkeit abdriftet, so etwa Yes nach “Going For The One” und Bob Dylan nach “Blonde On Blonde”. (Oder kann ein­er von euch, liebe Leser, spon­tan ein Bob-Dylan-Stück aus den 70-ern sum­men? Ich kann es nicht.)

Wie anders dage­gen die Bea­t­les (1960 bis 1970), The Vel­vet Under­ground (1965 bis 1971) und Gen­tle Giant (1970 bis 1980)! Ohne sie keine Oasis, keine Blur, keine High Wheel, keine Flower Kings, keine Strokes, keine The Fall, keine Son­ic Youth, keine Bauhaus, nicht zulet­zt auch: Kein Goth­ic Rock und keine Brit­pop-Welle. Ob das in jedem Fall ein Ver­lust ist, lasse ich offen, aber auch hier: Paul McCart­ney, Ringo Starr, Ker­ry Min­n­ear, Lou Reed, Mau­reen Tuck­er und John Cale sind alle­samt seit dem Ende ihrer jew­eili­gen Stamm­band solo aktiv, wen jedoch haben sie selb­st musikalisch bee­in­flusst?

Schnell leben, jung ster­ben als Formel für unsterblichen Ruhm. Was vergänglich ist, bleibt.
Musikalis­che Vor­bilder als Sta­tussym­bol.

Und so heißt das neue kom­mende Ding derzeit anscheinend Arcade Fire, seit acht Jahren exis­tent und an jeden­falls mir bis­lang spur­los vor­beig­er­auscht. Ein­flüsse: The Beach Boys (immer­hin 1961 gegrün­det), anson­sten der übliche verquaste Main­stream. R.E.M., Joy Divi­sion, Bruce Spring­steen. Eine Band, die der Welt also mal so gar nichts mitzuteilen hat. Gut zu wis­sen — spart Geld.

NerdkramsProjekteNetzfundstücke
Neues Projekt: TinyTodo

Als Fre­und plat­tfor­munab­hängiger, pri­ma doku­men­tiert­er Anwen­dungssoft­ware — etwa Vim — bin ich in let­zter Zeit ver­mehrt auf Pro­gramme aufmerk­sam gewor­den, die auf dem Adobe-AIR-Frame­work auf­set­zen, vor­rangig Twit­ter-Clients wie etwa DestroyTwit­ter, jedoch hat­te ich nie die Muße, mich damit näher zu befassen.

Nun hat­te ich neulich drin­gen­den Bedarf nach ein­er einiger­maßen brauch­baren, schlicht­en Auf­gaben­liste als Ergänzung zu dem von mir ver­wen­de­ten Noti­zenkat­a­log KeyNote-NF, um beim Sys­tem­start die wichtig­sten anfal­l­en­den Auf­gaben im Blick zu haben, und wurde dank Nils fündig: Mini­Task trifft genau meine Anforderun­gen und ist aus­gerech­net eine AIR-Anwen­dung.

Allerd­ings hat es einige Unschön­heit­en, zum Beispiel geht mir die offen­bar nicht abschalt­bare Ani­ma­tion beim Auf- und Zuk­lap­pen der Kat­e­gorien schon ein wenig auf den Weck­er. Und damit es nicht immer nur heißt, Infor­matik­stu­den­ten seien unab­hängig von eventuellen Ferien eh nur faule Säcke, habe ich beschlossen, mich auch mal an einem solchen Pro­gramm zu ver­suchen. Eigentlich wollte ich hier­für das gute, alte Visu­al Stu­dio ver­wen­den, aber da die Gestal­tungsmöglichkeit­en von Ober­flächen dort doch ver­gle­ich­sweise beschränkt sind und da ich meine irssi-Dis­tri­b­u­tion bis auf Weit­eres einge­stampft und somit wieder Kapaz­itäten frei habe, nutze ich diese Gele­gen­heit, selb­st ein­mal eine AIR-Anwen­dung zu entwick­eln. (Kenne deinen Feind!)

Das Ergeb­nis ein­er Nacht, die größ­ten­teils damit ver­bracht wurde, sich mit der Imple­men­tierung von AIR auseinan­derzuset­zen, sieht bish­er so aus:

An Ideen man­gelt es nicht, das Ausse­hen ist eben­falls noch lange nicht fer­tig durch­dacht. Wenn ich alles umge­set­zt bekomme, was ich umzuset­zen plane, kann Mini­Task ein­pack­en. Aber wo wären wir ohne die Vielfalt?

Ich halte euch, wenn gewün­scht, über die Entwick­lung selb­stver­ständlich auf dem Laufend­en. Über Anre­gun­gen bin ich schon jet­zt dankbar; ein­fach in den Kom­men­tar­bere­ich sen­fen.

(War ein­er von euch in den let­zten Wochen mal in einem dieser mod­er­nen “Super­märk­te”? Die Auswirkun­gen des ver­di­en­ten Ver­sagens bei der Fußball-Welt­meis­ter­schaft 2010 sind noch immer spür­bar. Deutsch­land ist im Ausverkauf, Nation­al­stolz für den Grabbeltisch. Bis zur näch­sten EM. Es ist zum Kotzen.)

SonstigesNetzfundstücke
Empfohlen: Sommer ohne Kino.

Was blafaselt da der zuständi­ge RTL-Wer­be­heinz wieder in den Äther?

Der “RTL Kinosom­mer”, wahlweise auch “RTL Kino-Som­mer” und immer­hin bish­er nicht “RTL Kino Som­mer”, solle dem willfähri­gen Zuschauer beste Unter­hal­tung bieten, während es draußen heizt.

Nun sehen wir mal, was der “RTL Kinosom­mer” inklu­sive der bere­its gesende­ten Filme 2010 so span­nen­des zu bieten hat: Es sind, dies trompetet der Wer­be­film, “Amer­i­can Dreamz”, “Ich, du und der andere”, “Vielle­icht, vielle­icht auch nicht”, “Die Insel der Aben­teuer”, “Die Super Ex” und ähn­liche, soll heißen: im Durch­schnitt vier Jahre alte Mach­w­erke, gut abge­hangen, längst von allen Inter­essen­ten aus­re­ichend rezen­siert, auf DVD erwor­ben und auswendig gel­ernt, somit eben eigentlich, wie auch der gesamte Sender RTL, völ­lig über­flüs­sig; “ein Som­mer voller Lei­den­schaft” heißt das im Sender­jar­gon, nun, die Lei­den­schaft für’s Cineast­is­che dürfte wohl kaum gemeint sein.

Was dann natür­lich auch den “Kinosom­mer” erk­lärt. Die Lang­fas­sung lautet schätzungsweise so:

“Liebes RTL-Stamm­pub­likum, draußen ist so her­rlich­es Wet­ter, dass wir es für gut und richtig hal­ten, in den näch­sten Wochen statt abge­drosch­enen sog. ‘Comedy’-Unfugs mit den beliebten deutschen Komik­ern Cindy aus Marzahn und Mario Barth auch mal ver­mehrt Filme zu zeigen, die Sie eh schon ken­nen. Somit bieten wir Ihnen die Gele­gen­heit, Ihren arbeit­slosen Arsch mal von Ihrem ver­sifften Sofa ins Kino zu tra­gen, wo manch­mal Filme laufen, die noch nicht so schreck­lich abge­lutscht sind. Wir wün­schen Ihnen viel Vergnü­gen!”

Wie passend jeden­falls, dass die “Kinosommer”-Reihe 2009 einen Film mit einem sprechen­den Titel bein­hal­tete:
Dabei sein ist alles”.

Apro­pos “passend”, die Web­site Wik­iLeaks hat ja unlängst einige interne Infor­ma­tio­nen über den umgangssprach­lichen Krieg in Afghanistan pub­liziert. Mit­tler­weile hat das US-amerikanis­che Mil­itär jeman­den entsandt, dem eine schlaue Antwort darauf partout nicht ein­fall­en wollte, und so sagte er stattdessen, das Veröf­fentlichen der Dat­en gefährde das Leben von Sol­dat­en und Zivilis­ten, de fac­to habe der Grün­der von Wik­iLeaks Blut an den Hän­den; weil Sol­dat­en und Zivilis­ten in Afghanistan sich näm­lich seit 2001 schon nur gemütlich zum Kaf­fee tre­f­fen wollen, ohne irgendwelch­es Leben (bspw. das von Tal­iban) zu gefährden, so sieht das näm­lich aus. Und dann kommt so eine Inter­net­seite und behauptet frech, die Sol­dat­en hät­ten da eigentlich gar nichts ver­loren. Wenn das nur keine Ver­let­zten gibt! (via Fefe)

Beina­he ver­let­zt habe ich mich übri­gens auch beim eher zufäl­li­gen Lesen der Rezen­sio­nen zu Chelsea Cains Thrll… Thril… Span­nungs­buch “Gretchen”. Da ste­ht näm­lich:

“(…) Die psy­chol­o­gis­chen Spielchen in Gretchen lassen dem Leser die Haare zu Berge ste­hen.”
dpa (07.01.2010)

“Die psy­chis­chen Spielchen lassen dem Leser die Haare zu Berge ste­hen.”
Lübeck­er Nachricht­en (10.01.2010)

Ob das nun immer gut ist, ein Buch zu lesen, von dessen Inhalt einem die Haare zu Berge ste­hen, und wieso es offen­bar keinen Unter­schied zwis­chen psy­chis­chen und psy­chol­o­gis­chen Spielchen gibt, mag ein ver­siert­er­er Lit­er­aturkri­tik­er als ich beant­worten wollen. (Auch ein hüb­sches Spielchen eigentlich: Eigentlich harm­lose Begriffe mit “bizarre Spielchen” umfassen. “Bizarre Lesespielchen”, das klingt doch gle­ich viel hüb­sch­er.)

MusikLyrikIn den Nachrichten
Weltsicht, gelb und sauer (Versuch und Irrtum)

Man hätte es wis­sen kön­nen.

Man hätte wis­sen kön­nen, dass das, was passieren sollte, passieren sollte. Dass es so passieren sollte, wie es passieren sollte. Sie wussten es, alle wussten es. Wer sagte, dass die, die es wussten, es nicht wussten, der log. Wissentlich, um sich selb­st zu scho­nen, wissentlich auch wider besseren Wis­sens.

Man hätte wis­sen kön­nen, dass hin­ter­her wieder alle sagen wür­den, sie hät­ten es schon immer gewusst, aber kein­er habe ihnen zuge­hört. Schlimm sind immer nur die anderen. Die anderen, das sind die, die sagen, tja, das ist der Lauf der Dinge. Anpassen und Klappe hal­ten. Sie sagen “haha, das war lustig” und lachen nicht. Sie sagen “endlich sagt’s mal ein­er” und bleiben selb­st stumm, man kön­nte ja die Leute ver­schreck­en, die sie nie inter­essiert haben. Und über­haupt, Indi­vid­u­al­is­mus ist so 90er.

Man hätte wis­sen kön­nen, dass das, was sie tat­en, nicht falsch war. Dass die Art, wie sie es tat­en, zur Lage nichts beitrug. Was empörte, war, was sie nicht tat­en, und so sahen sie sich selb­st taten­los beim Nicht­stun zu, während um sie herum die Welt explodierte. Das Let­zte, was sie sahen, war ein Schul­terzuck­en, und sie zuck­ten zurück, weil sie ihr ganzes Leben schon nur gezuckt hat­ten. Zuck­end in den Unter­gang, und man bleibt sich treu.

Man hätte es wis­sen kön­nen, ja, ja, hätte. Alles Schwarz­maler und Faschis­ten, Ewiggestrige, Reak­tionäre. Ich weiß, dass ich nichts weiß, wis­sen Sie? Uralt, ken­nt man, nichts zu danken, bis bald mal wieder.

Aber hin­ter­her hat es wieder kein­er wis­sen wollen.


(Haspelt doch vorhin eine sichtlich unentspan­nte Frau fraglichen Alters, die an irgen­dein­er frag­würdi­gen Aktion von attac teilgenom­men hat­te, in die erst­beste Nachricht­enkam­era, es sei “echt toll” gewe­sen, unter freiem Him­mel zu schlafen. Darum, werte Frau, wer­den Sie Hun­derte von Obdachlosen benei­den, dessen bin ich mir fast sich­er. Ander­er­seits hät­ten Sie das auch ein­fach­er haben kön­nen.)

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt XXII: Von Terror und Trauer

Heute mal wieder nur eine kleine Nachricht­enum­schau:

Das The­ma Lovepa­rade beherrscht noch immer die Medi­en, und endlich kom­men auch mal andere Men­schen als nur die ewig in jedes bere­it­ste­hende Mikro­fon heulen­den Ange­höri­gen (na, man muss ja Pri­or­itäten set­zen, Pietät ist wurscht; Haupt­sache, mal mit der Presse reden!) zu Wort, die mir doch so langsam auf die Ner­ven gehen.

So schreibt etwa HD Schell­nack über die sub­jek­tive Verk­lärung des Vor­falls:

Die 19 Todes­opfer von gestern sind ganz sich­er unfass­bar… aber sie nehmen sich beschei­den aus gegen die 4152 Men­schen, die 2009 auf Deutsch­lands Straßen im Verkehr ums Leben kamen (und diese Zahl ist ein his­torisch­er Tief­s­tand). Der plöt­zlich ein­tre­tende, unfal­lar­tige, uner­wartete Tod bet­rifft und stärk­er als das schle­ichende, uhrw­erkar­tige Risiko, das wir einge­hen, wenn wir eine Auto­bah­nauf­fahrt her­ab­fahren. Das ist so schreck­lich wie ver­ständlich, der unsicht­bare tröpfel­nde Tot von fast 5000 Einzel­nen bleibt unsicht­bar­er, 19 Opfer in einem medi­alen Spek­takel sind präsen­ter.

In die gle­iche Kerbe schlägt André F. Lichtschlag vom Mag­a­zin eigen­tüm­lich frei:

Am 29. Mai 1985 star­ben 39 Men­schen beim Europa­pokalend­spiel im Brüs­sel­er Hey­sel-Sta­dion. Schlägereien zwis­chen Fußball-Hooli­gans hat­ten eine Massen­panik aus­gelöst. In den fol­gen­den Wochen wurde umfan­gre­ich über das Wesen fanatis­ch­er Fußball­fans und ihre Mitver­ant­wor­tung an der Katas­tro­phe disku­tiert. (…) 25 Jahre später ster­ben 19 Men­schen bei ein­er ver­gle­ich­baren Katas­tro­phe in Duis­burg anlässlich der Lovepa­rade. Eige­nar­tiger­weise find­et eine Diskus­sion über eine mögliche Mitver­ant­wor­tung der Teil­nehmer auch im Ansatz nicht statt.

Zählt nur Tod, der sich dank anwe­sender Presse medi­al auss­chlacht­en lässt, noch etwas? Wird ein Men­sch zu ein­er Per­son öffentlichen Inter­ess­es, wenn die Zahl der Men­schen, inmit­ten der­er er stirbt, aus­re­ichend groß ist? Tod verkauft sich gut, fast bess­er noch als Brüste.

Zur Abwech­slung mal eine ganz andere Mel­dung gibt es auf netzpolitik.org zu lesen:
Ein franzö­sis­ch­er “Ter­ror­is­mu­s­ex­perte” (erstaunlich, wofür es inzwis­chen “Experten” gibt; ist das ein anerkan­nter Hochschu­la­b­schluss?) ver­sucht, die Gefahren von “Al-Qai­da-Hand­büch­ern im Inter­net” zu illus­tri­eren, und hält ein ara­bis­ches Hand­buch in die Kam­era.

Ein C++-Hand­buch.

Für so lustig ich das auch befinde (Infor­matik­er, die neuen Ter­ror­is­ten?), so erhel­lend ist es auch; erk­lärt es doch, woher unsere Poli­tik­er die zahlre­ichen Gefahren des Inter­nets nehmen, die außer ihnen nur wenige Men­schen nachvol­lziehen kön­nen: Gefährlich ist, was man nicht ver­ste­ht.

(Nicht umson­st beherrscht die vor allem für den Auf­bau von Inter­net­präsen­zen wie etwa dieser hier genutzte Inter­preter­sprache PHP den Befehl die(), also stirb! [Den Witz habe ich schon lange nicht mehr gemacht.])

Nach­trag:
Ger­ade flim­mert über den Fernsehschirm wieder ein­mal ein Bericht über die Lovepa­rade, wie immer wird vergebens nach den Grün­den gefragt. Mein Lieblingssatz, der die Imper­ti­nenz aller Beteiligten hüb­sch illus­tri­ert: “[Die Raver] tre­f­fen sich hier zum Trauern.” — Das klingt nach einem aufre­gen­den Flash­mob.

MusikProjekteIn den Nachrichten
“Me, you, fuck, fuck”

Dies und “me, you, kiss” soll Cris­tiano Ronal­do, recht bekan­nter Fußball­typ, geäußert haben, um eine Kell­ner­in herumzubekom­men; und er hat­te Erfolg mit dieser Meth­ode.

Nun zerpflückt der Boule­vard genüsslich sein (C. Ronal­dos) mis­er­ables Englisch und seine vorge­blich schlecht­en Manieren, aber dieser Ansatz ist in meinen Augen falsch. Natür­lich ist der Wun­sch nach gemein­samem Beis­chlaf mit einem Men­schen, der die eigene Mut­ter­sprache ver­mut­lich nicht spricht, diesem gegenüber nur schw­er­lich auszu­drück­en, ohne auf Intim­vok­ab­u­lar (zum Beispiel eben “fuck”) zurück­zu­greifen, aber als Gen­tle­man schob er immer­hin noch “me, you, kiss” hin­ter­her. Herrschaften, dieser Men­sch, Cris­tiano Ronal­do, hat­te nicht vor, eine ern­sthafte Liai­son mit dem Objekt der Begierde einzuge­hen, denn dann wäre das wohl tat­säch­lich ein eher frag­würdi­ger Ansatz. Ihm aber ging es um bloßen, ani­malis­chen Sex, und den hat er bekom­men.

Wom­it wir wiederum beim eigentlich inter­es­san­ten Aspekt dieser Mel­dung wären, näm­lich, dass “me, you, fuck, fuck” eine erfol­gre­iche Meth­ode ist, neue Bekan­ntschaften zum Geschlechtsverkehr mit dem Sprech­er dieser Worte zu bewe­gen, jeden­falls, wenn man zufäl­lig Cris­tiano Ronal­do ist. Nicht das Ver­hal­ten des Her­rn Ronal­do ist hier bemerkenswert, son­dern das der Kell­ner­in. Auch wenn sich nun ver­mut­lich wieder die Frauen­recht­lerin­nen, Emanzin­nen und son­stige Sek­tier­er zusam­men­rot­ten und gemein­sam zum Boykott mein­er Texte aufrufen wer­den: Eine Frau, die Cris­tiano Ronal­do nach ein­er Anrede wie der bere­its zitierten willig ins Netz geht, ist nicht etwa das Opfer anachro­nis­tis­chen Macho­tums, son­dern eine ober­fläch­liche, dumme Kuh.

Sich­er erscheint es reizvoll, auf­grund bloßer Ober­fläch­lichkeit­en Erfolg bei ein­er nun gle­ich­falls nicht allzu grausig ausse­hen­den Per­son mit gut und regelmäßig befüll­tem Bankkon­to und annäh­ernd weltweit­er Bekan­ntheit zu haben, wie auch immer man als Han­del­nder selb­st diesen Erfolg definiert. Man muss sich dann als Han­del­nder (bei ein­vernehm­lichem Geschlecht­sakt gibt es keine Pas­siv­ität, so gern sie sich der Boule­vard auch her­beifan­tasiert) aber auch die Frage gefall­en lassen, was dazu bewog, auf die niederen Gelüste des Gegenübers einzuge­hen.

“You know that we are liv­ing in the mate­r­i­al world, and I am a mate­r­i­al girl” sang Madon­na 1984, und wur­den diese Worte damals vielle­icht als scham­lose Pro­voka­tion gedeutet, so zeigt sich doch immer wieder, dass in den Augen mod­ern­er Frauen der ero­tis­chste Kör­perteil an einem Mann sein Bankkon­to ist. Da braucht es wed­er Stil noch Ausstrahlung, noch Elo­quenz. Der Lebensweg ist nicht von Bedeu­tung; Fußballer, Musik­er oder Schaus­piel­er, was darf’s sein? Ein Cris­tiano Ronal­do, ein John­ny Depp oder ein Lenny Kravitz jeden­falls kämen, dessen bin ich mir sich­er, auch mit einem schlicht­en “Äh, du hast Haare!” ans Ziel. Benei­denswert eigentlich.

(Und es muss natür­lich “You, me, fuck, fuck” heißen, zefix.)

Die Idee zu diesem Text basiert auf diesem Artikel von Bet­ti­na Weber, gefun­den im Spree­blick. Für dreist von dort geklaute Witze übernehme ich keine inhaltliche Haf­tung.

(Nach­trag für Inter­essierte: Gamers.IRC 5.32 ist fer­tig.)

In den Nachrichten
Medienkritik XXXIII: The Art Of Love. (Guckt mal, Leichen!)

Als Pro­log und Anlass für diesen Artikel darf heute mal fol­gen­der Auss­chnitt aus einem Dia­log her­hal­ten, den ich soeben führte:

[Kuole] was gibts son­st neues?
[ich] berichte über die love parade auf spiegel.de
[Kuole] zusam­men­fas­sung? ^^
[ich] alles voll trau­rig und schreck­lich und grausam, und auf den fol­gen­den zehn seit­en sehen Sie, liebe leser, exk­lu­siv nahauf­nah­men der leichen (oder so)
[ich] wie immer halt

Ihr habt es, liebe Leser, sich­er mit­bekom­men: Gestern star­ben bei ein­er Massen­panik auf der Love Parade einige Per­so­n­en. Auch wenn es für mich schw­er ist, das übliche Treiben auf dieser Fes­tiv­ität von ein­er Massen­panik zu unter­schei­den, so hat wohl laut übere­in­stim­menden Zeu­ge­naus­sagen tat­säch­lich eine solche stattge­fun­den, Stam­pede mit Todes­folge inklu­sive.

So unan­genehm das auch ist (wer eigentlich zum Feiern und/oder Bum­sen und/oder Rauschgiftkauf in den Ruhrpott reist, der erwartet nor­maler­weise, einiger­maßen unbeschadet wieder heim­fahren zu kön­nen, nehme ich an), so gewöhn­lich bleibt die Berichter­stat­tung.

Als Beispiel nehme ich ein­mal den Nachrich­t­entick­er von SPIEGEL Online her­an, den ich seit einiger Zeit abon­niert habe und der mir somit Recherc­hear­beit spart. Ab 18:02 Uhr (“Zehn Tote bei Massen­panik auf Love Parade”) trafen dort immer wieder neue Berichte von den über­wiegend gle­ichen Autoren ein, illus­tri­ert mit zunächst weit­ge­hend harm­losen Abbil­dun­gen. Hier­bei wurde außer der Zahl der bekan­nten Toten nur wenig geän­dert, was die Inten­tion der Autoren ohne­hin bere­its frag­würdig macht; wollte man nur immer wieder ganz oben in den Nachrich­t­entick­ern ste­hen? Ich greife mal willkür­lich eine der vie­len Zahlen her­aus, um zu illus­tri­eren, was ich meine.

18:02 Uhr (“zehn Tote”):
Die Bun­de­spolizei war mit über 1200 Polizeibeamten im Ein­satz. Die Love Parade wurde rund um das Gebi­et des alten Duis­burg­er Güter­bahn­hofs gefeiert.

19:32 Uhr (“viele Tote”):
1200 Polizis­ten waren in Ein­satz, aber die Zahl der Raver, die in Duis­burg ihren Spaß sucht­en, lag bei rund ein­er Mil­lion.

22:04 Uhr (“min­destens 19 Men­schen gestor­ben”):
Zeu­gen schildern, dass (…) 1200 Polizis­ten nicht genug seien, um ein solch­es Ereig­nis mit mehr als ein­er Mil­lion Teil­nehmern zu sich­ern.

Was genau will man eigentlich bei SPIEGEL Online mit diesen Zahlen anfan­gen — etwa eine Sta­tis­tik erstellen?
Wer übri­gens eben­falls hin und wieder auf SPIEGEL Online herum­li­est und den Livet­ick­er von der Massen­panik schon für eine sen­sa­tion­slüsterne Per­ver­sion hielt, der hat die bish­erige Kli­max des Grauens (damit meine ich nicht den Vor­fall an sich) noch nicht gese­hen:

Seit 00:43 Uhr ist ein Artikel mit Zeu­ge­naus­sagen, allerd­ings ohne die Zahl der anwe­senden Polizis­ten (vergessen?), online, in alter BILD-Manier mit reißerischem Titel verse­hen (“Neben mir ist ein Mäd­chen gestor­ben”); jed­er Klick bringt Geld, so läuft das im Jour­nal­is­mus, nich’ wahr? Und was da für ekliger Unfug zitiert wird!

Udo, n‑tv-Kam­era­mann und Zeuge: Über­all lagen Men­schen auf dem Boden herum. So stelle ich mir Krieg vor, na, als n‑tv-Kam­era­mann sollte man eigentlich wis­sen, wie Krieg aussieht. Noch neu in dem Geschäft?

Ja, es ist wahrlich grausam anzuse­hen, wenn Men­schen tot­ge­tram­pelt wer­den, und es ist ein ganz großes Unglück. Und was macht man, wenn man für ein großes deutsches Nachricht­en­medi­um arbeit­et und irgend­wie illus­tri­eren soll, wie grausam das Grausame so ist? Richtig: Man baut in jeden der bis­lang sechs weit­ge­hend redun­dan­ten Berichte zu dem Ereig­nis eine Klick­strecke mit ganz vie­len bun­ten Fotos ein. Sech­sundzwanzig Stück. Leichte Unter­hal­tung für den beque­men Voyeur.

Apro­pos BILD-Manier: BILD.de kon­sum­iere ich übri­gens nach wie vor nicht, laut Men­schen, die damit anders ver­fahren, sieht es dort jedoch nicht viel bess­er aus.

Schöne, neue Medi­en­welt.

(Nach­trag von 22:08 Uhr: Die Ver­anstal­ter trifft keine Schuld, der Tun­nel war groß genug!11!1elf)

PolitikNetzfundstücke
Kurz verlinkt XXI: Rotationseuropäer

Beim Nachtwächter fand ich ger­ade einen Ver­weis auf diesen Artikel und spuck­te beina­he mein Getränk auf den Bild­schirm.

Es geht dort unter anderem, kurz zusam­menge­fasst, um die “kul­tursen­si­ble Sprache”, die Aygül Özkan (CDU, also wohl von Berufs wegen bek­loppt) gern hätte und die allem Anschein nach auch nur ein Euphemis­mus für lück­en­los­es Gen­dern mit inte­gri­ert­er P.C. sein soll. SPIEGEL Online weiß hierzu:

Jour­nal­is­ten sollen laut Plä­nen des Sozialmin­is­teri­ums im August eine “Medi­en­char­ta für Nieder­sach­sen” unter­schreiben. Darin will Sozialmin­is­terin Aygül Özkan (CDU) die Medi­en des Lan­des auf einen gemein­samen Kurs in der Berichter­stat­tung über Inte­gra­tion fes­tle­gen.

Und wer glaubt, die “kul­tursen­si­ble Sprache” ende bei “Zige­uner heißen nicht Zige­uner, son­dern fahren­des Volk” oder ähn­lichem Zeigefin­ger schwin­gen­den Unfug, der hat sich zu früh gefreut:

gesamtrechts.wordpress.com:

Der Ersatz für das Wort “Zige­uner” beste­ht aus den ein­fall­slosen Erfind­un­gen “Per­so­n­en mit häu­fig wech­sel­n­dem Aufen­thalt­sort” oder “Mobilen eth­nis­chen Min­der­heit­en“ oder kurz: „Mems“.

faz.net:

Als jüng­ster Begriff hat sich nun die For­mulierung “Rota­tion­seu­ropäer” durchge­set­zt.

Zum Mit­sprechen: Ro-ta-ti-ons-eu-ro-pä-er.
Das meinen die ernst!

8O

Und die Schweiz mache es, so der Artikelver­fass­er, auch nicht bess­er:

Und auch die Liste der “diskri­m­inieren­den Wörter” ist länger. Statt Vater oder Mut­ter sollte man laut Bund bess­er “der Eltern­teil” oder “das Elter” schreiben. “Der Leit­faden ist für amtliche Pub­lika­tio­nen verbindlich”, sagt Isabel Kam­ber, Stel­lvertre­tende Lei­t­erin Zen­trale Sprach­di­en­ste, Sek­tion Deutsch.

Lei­t­erin der was? (Und warum muss ich schon wieder an die unsäglichen Piratin­nen denken?)

Wer schon immer mal wis­sen wollte, was “Weltk­nall” bedeutet:
Genau das.

MusikNetzfundstücke
Chaccaron Maccarón

Eine von mir sehr geschätzte, bild­hüb­sche, lustige und auch son­st total tolle unregelmäßige Leserin des von mir hier abgeson­derten Ser­mons ließ mir heute dankenswert­er­weise dieses Video zukom­men, das mich Trä­nen lachen machte und daher nicht uner­wäh­nt bleiben soll:

chac­caron

Ulale­lauela laua­ia­ia alir­i­u­lon laoulau­raluo alauaus, olu­alala slaoe­laoele­laou lauautisu lirau­sou, tal­gaoausus ula­suria laou­ru­ta; lau­turi ritis­la­gaou lauaoau­at slauao­sus auso­gusari riaitl, lauao­tut asri­sis ulu­alou lau­sisle aoauau­re. Lati­sorosi lau­ruis ouatal tlau­so­su uola­susi alsoslelr iroslaol­so.

Oulaus­lus uola­susi, lar­i­si­o­laol itl­so ltosirls olroaisu, laosol­ru ual­suia laoru alil­uron alsorl luronalal ural­suslsu lau­siara alsilt gual­so alsoslru ulaueia 2006 uola­susi uaoslosi lau­reia tis­laoue saoau­to asris­us. Olsuaus alsoel slaosle eilaost slaeil, also­su soal­su­to ulaul slaisoelt slaot (“aaaaaalt!”) usoaul lau­tieis, dagu ualtisi gal­sudus oleos gaga dudu banana.

Chacar­ron, Chacar­ron, alilul­iron.

Und jet­zt alle!

NetzfundstückePiratenpartei
NPD-Blog: Mit den Kraken auf Piratenjagd

Pro­log: Die so genan­nte “antifaschis­tis­che Bewe­gung” erfreut sich auch mehrere Dekaden nach dem gewalt­samen Ableben ihrer erwählten Lieblings­dä­mo­nen unverän­dert großer Beliebtheit, und so ist es nicht ver­wun­der­lich, dass auch das “Web 2.0”, wie auch immer man es definiert, über ein “antifaschis­tis­ches Netz” ver­fügt, zu dessen deutschsprachi­gen Knoten unter anderem Indy­media und das NPD-Blog gehören.

Let­zteres behauptet von sich, ein wach­sames Auge auf den Aktiv­itäten der NPD und ähn­lich aus­gerichteter Grup­pierun­gen zu hal­ten, damit halt nicht eines Tages jemand Hitler wieder zusam­men­klebt und zum Kan­zler wählt oder so ähn­lich. Niemals wieder, und wenn doch, dann jet­zt gle­ich.

Seit einiger Zeit haben die weltweit­en Piraten­parteien die Ini­tia­tive “Stopp ACTA” als unter­stützenswert gepriesen, die sich gegen das ACTA richtet. Piraten­parteien, wir erin­nern uns, ste­hen für andere Ide­ale als das abge­lutschte Fa- und Antifa-Geblub­ber der etablierten Parteien und haben fol­gerichtig Mit­glieder aus jed­er poli­tis­chen Strö­mung in ihren Rei­hen, die alle­samt ähn­liche Ziele vertreten. Als Logo für “Stopp ACTA” haben die Piraten­parteien das Sym­bol eines Krak­en erwählt, der mit seinen Ten­takeln die Erde umk­lam­mert. Dieses Sym­bol wird seit mehreren Gen­er­a­tio­nen von Karika­tur­is­ten ver­wen­det, um eine gierige All­macht auszu­drück­en, zum Beispiel eben auch so:

Um die Bedeu­tung dieses Sym­bols weiß man auch beim NPD-Blog und wid­met ihr einen Satz. Und was ste­ht nur einen Satz zuvor?

Die Bild­kom­po­si­tion ist fak­tisch iden­tisch, mit ein­er Darstel­lung aus dem Jahr 1938, die in der anti­semi­tis­che Wochen­zeitung “der Stürmer” pub­liziert wurde.

Ein Krake umk­lam­mert die Erde, das ist ein­deutig anti­semi­tisch!
Das ist ein­deutig ein Judenkrake! Doofe Pirat­en!

So also entste­hen heutzu­tage oft ver­link­te Blog­beiträge: Man fängt irgend­wo mit­ten­drin an, schreibt dort den ersten Satz und ver­ste­ht ihn her­nach selb­st nicht mehr. Würde ich bloggen, würde ich es mir merken.

Man nehme ein Bild, reiße es aus dem Zusam­men­hang, set­ze es in einen völ­lig anderen Kon­text und rege sich dann über diesen Kon­text auf; ich weiß auch nicht, welchen Begriff das Vok­ab­u­lar eines NPD-Blog­gers für der­ar­tige Berichter­stat­tung vor­sieht, aber “Stürmer-Stil” wäre doch ger­adezu prädes­tiniert. Gegen­vorschläge?

(Merke: Krake und Auto­bahn gehen mal so gar nicht.)

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Sexkillerspiele

Auf Ame­land ereignete sich unlängst eine Geschichte unter Beteili­gung sex­uellen Miss­brauchs.

Und wer sich angesichts solch­er Schlagzeilen immer wieder fragt, wie ein Men­sch über­haupt auf die Idee zu der­lei Unternehmungen kommt, dem fehlt ein­fach nur die nötige Fan­tasie; richtig macht es zum Beispiel Beate Merk, CSU, die schon fast so toll fan­tasieren kann wie Frau von der Leyen.

Die Schuld trü­gen näm­lich, so sprach Beate Merk, “Killer­spiele”, die F.D.P. und die viele Kinder­pornografie im Inter­net, auss­chnittsweise so for­muliert:

“Wenn man sich ansieht, welche Fol­gen der Kon­sum von schädlichen Videos haben kann, ist die Lais­sez-faire-Poli­tik der FDP bei Kinder­pornos im Netz grob fahrläs­sig”, sagte die stel­lvertre­tende CSU-Vor­sitzende laut dpa. Die Miss­brauch­stat­en Jugendlich­er zeigten Ver­ro­hung­s­ten­den­zen, die “auch deshalb geschehen, weil man heutzu­tage im Netz prob­lem­los alle erden­klichen For­men von Gewalt und Pornografie anse­hen kann”, sagte Merk.

Eigentlich schade, dass Frau Merk in ihrer Aufzäh­lung die Piraten­partei vergessen hat. Aber apro­pos, was für eige­nar­tige Spiele spielt man denn eigentlich im Hause Merk, die dazu anre­gen, anderen Men­schen große, nicht gen­i­tale Gegen­stände in den Po zu steck­en? (Und wo kann man sie kaufen?)

Aber sich­er wird jeglich­er Sex­u­al- und Gewalt­trieb aus der men­schlichen Psy­che ver­schwinden, wenn man dem Inter­net so einen großen roten Knopf spendieren würde; ver­mut­lich würde es auch helfen, ein­fach ein biss­chen mit ihm zu schimpfen. “Bös­es, bös­es Inter­net! Zeig nicht immer so eklige Sachen!”

Selb­st, wenn es da irgen­deinen wie auch immer geart­eten Zusam­men­hang gäbe, so wäre zudem die Frage zu stellen, inwieweit das Sper­ren von Inhal­ten eine wirk­samere Maß­nahme als ihre Löschung darstellte, was ich dann hier­mit auch getan habe.

Die Logik von Beate Merk ist die des Reflex­es: Wenn etwas Entset­zlich­es passiert, muss man han­deln, und zwar, indem man etwas anderes, was man selb­st entset­zlich find­et, möglichst schnell aus der Welt schafft, oder das wenig­stens öffentlichkeitswirk­sam fordert. (…) Den Opfern sex­ueller Gewalt wird mit solchen Forderun­gen nicht geholfen, im Gegen­teil: Sie wer­den auf plumpe Weise instru­men­tal­isiert, um dif­fuse Gefüh­le zu bedi­enen, die man inner­halb der eige­nen Wäh­ler­schaft ver­mutet.

Ein tre­f­fend­er Schluss, SPIEGEL Online!

MusikIn den NachrichtenFotografie
Miley Cyrus. (inkl.: Schreib Kultur!)

(Für Lisa.)

Miley Cyrus, wir erin­nern uns, ist vor­rangig bekan­nt als zweitk­las­sige Laien­darstel­lerin, mit­telmäßig begabtes Pop­sternchen, qual­i­fiziert hier­für allein auf­grund ihrer Eigen­schaft als Tochter des ungle­ich besseren Bil­ly Ray Cyrus.

Miley Cyrus mache jet­zt Elec­tro-/Dance-Musik, sagt meine Schwest­er; weil das halt alles irgend­wie kün­stlich klinge und so gar nicht mehr nach richti­gen Instru­menten, also eigentlich dann doch unverän­dert, und weil zwis­chen Elec­tro und Dance ja auch kein allzu großer Unter­schied beste­he. Wer war noch mal Kraftwerk?

Miley Cyrus habe ja ohne­hin schon lange keinen Pop­mist (apro­pos Pop­mist) mehr gemacht, son­dern Rock, sagt meine Schwest­er; weil da eben Gitarre und Schlagzeug vorkä­men und das schon genüge, um Rock zu sein, egal, ob die Instru­mente aus dem Com­put­er kom­men oder ob da tat­säch­lich jemand eine Gitarre nicht nur lei­dlich ger­ade hal­ten, son­dern oben­drein auch noch auf ihr spie­len kann.

Miley Cyrus habe gesagt, sie wolle ihre Aktiv­itäten, darunter bis­lang noch ihre wer­be­wirk­same Per­sön­lichkeitsab­spal­tung Han­nah Mon­tana, kün­ftig auf die Film­branche beschränken, sagt meine Schwest­er; soll heißen: auf jegliche Abson­derung ver­meintlich musikalis­ch­er Töne kün­ftig verzicht­en. Na, Gott sei Dank.


Ach, du meine Güte übri­gens:

(Und da ich ger­ade diese Fotografie ein­band, habe ich die Ehre, anmerken zu dür­fen, dass ich nun­mehr offiziell Rund­funk mache. Falls ein­er der Ver­ant­wortlichen mitli­est: Wo genau muss ich meine Kon­to­dat­en zwecks Ein­nah­men­verteilung hin­ter­legen?)

NetzfundstückeNerdkrams
Die 10 anderen gefährlichsten Windows-Befehle

Dem Inter­net, diesem Hort der Unzucht, ist derzeit als wer­be­wirk­same Klick­strecke zu ent­nehmen, dass zu den “zehn gefährlich­sten Win­dows-Befehlen” das Kopieren von Dateien, das Nutzen von Dateisys­temverknüp­fun­gen (wo doch aber nor­male Verknüp­fun­gen offen­bar viel gefährlich­er sind!) und das “Killerkom­man­do” (sic!) robo­copy zählen.

Ver­fasst wurde diese Grütze “in Koop­er­a­tion mit PC-Welt”, was dann immer­hin auch erk­lärt, warum die ver­ständlicher­weise nicht genan­nten Autoren Kon­solen­be­fehle, Mausklicks und Tas­tenkürzel in einen Topf schmeißen, “sind ja alles irgend­wie Befehle”, na, meinen Glück­wun­sch. Sich­er ist es “brandge­fährlich”, Dateien zu kopieren, weil man dabei verse­hentlich andere Dateien über­schreiben kön­nte; aber Win­dows fragt net­ter­weise vorher, ob es über­schreiben darf. Nicht der Befehl ist der Bösewicht, das Prob­lem sitzt auch hier vor dem Bild­schirm. (Ich frage mich ohne­hin, wie viele Leute erst auf­grund dieses Artikels über­haupt auf die Idee gekom­men sind, mit besagten “Befehlen” herumzus­pie­len.)

Aber bitte­sehr, liebes Web.de, wenn ihr euch seit neuestem für möglichst kom­plizierte und ver­schwurbelte Meth­o­d­en inter­essiert, dem unbe­darften Win­dows-Nutzer das mitunter lei­der nötige “Augen auf beim Rumk­lick­en, Idiot!” ins Gesicht zu brüllen, ste­he ich euch doch gern als freier, unter­bezahlter Autor zur Ver­fü­gung und ergänze weit­ere zehn gefährliche Win­dows-Killer­be­fehle:

ERSTENS: Die Win­dows-Kon­sole.

In der Win­dows-Kon­sole (der so genan­nten “Eingabeauf­forderung”, mitunter auch “Ter­mi­nal” genan­nt) ste­hen neben eini­gen angenehmen auch brandge­fährliche Killer­be­fehle zur Ver­fü­gung, unter anderem del, das in der Lage ist, Dateien ohne Rück­frage zu löschen, und cacls (in neueren Win­dowsver­sio­nen auch ica­cls), mit dem man sich selb­st Lese- und Schreibrechte auf seine eige­nen Dateien entziehen kann. Achtung also beim Nutzen der Kon­sole! Wer auf Num­mer Sich­er gehen will, der sollte nur noch die grafis­che Ober­fläche benutzen, wo diese gefährlichen Befehle nicht plöt­zlich aus dem Nichts auf­tauchen.

ZWEITENS: For­matieren.

War man es bei Disket­ten noch gewohnt, sie zunächst zu for­matieren, bevor man damit etwas anderes anstellt, so sollte man es tun­lichst ver­mei­den, eine Fest­plat­te, die ger­ade in Benutzung ist, zu for­matieren. Was Microsoft erst ver­rät, nach­dem man diese unschein­bare Killer­funk­tion bere­its aufgerufen hat: Das For­matieren gibt den Geräten nicht etwa, wie man denken kön­nte eine andere Form, son­dern löscht sämtliche Dat­en auf der zu löschen­den Fest­plat­te, und oft ist es sehr aufwändig, diese zurück­zugewin­nen. Vor­sicht also! Wer auf Num­mer Sich­er gehen will, der sollte zudem alle Mag­neten aus dem Haus ver­ban­nen.

DRITTENS: Steck­er ziehen.

Möchte man den Com­put­er auss­chal­ten, ver­wen­det man hierzu in der Regel den Befehl “Herun­ter­fahren”. Was Microsoft ver­schweigt: Anders als mit diesem Befehl fehlt die Möglichkeit, noch nicht gespe­icherte Dat­en vorher zu sich­ern, wenn man ein­fach die Stromzu­fuhr unter­bricht. Hier beste­ht drin­gend Nach­holbe­darf! Wer auf Num­mer Sich­er gehen will, bis Microsoft einen Patch für dieses drin­gende Prob­lem veröf­fentlicht hat, der sollte davon abse­hen, den Com­put­er vom Stromkreis zu tren­nen.

VIERTENS: Die Taste Entf/Del.

Unter fortschrit­tlichen Betrieb­ssys­te­men wie Microsoft Win­dows ist es Usus, alle anfal­l­en­den Auf­gaben mit der Maus und Menüs bzw. Sym­bol­leis­ten zu erledi­gen. Die Tas­tatur, auf die manche ver­meintliche “PC-Profis” schwören, ist abseits von Alpha­bet, Son­derze­ichen und Umschalt­taste ein Teufel­swerk, und man sollte sich hüten, andere Tas­ten zu benutzen. Meist oben rechts befind­et sich etwa die Löschtaste (meist mit “Entf”, “Del” oder “Delete” beschriftet), die, was die PC-Her­steller sel­ten expliz­it erwäh­nen, nicht nur Text, son­dern auch Dateien ins Nir­wana schieben kann. Schnell ist dann mal die unwieder­bringliche Ket­ten­mail, an der man tage­lang gear­beit­et hat, auf Nim­mer­wieder­se­hen ver­schwun­den. Brandge­fährlich! Wer auf Num­mer Sich­er gehen will, der lösche auch Text kün­ftig nur noch mit der Maus.

FÜNFTENS: Die Tas­tenkom­bi­na­tion Alt-F4.

Außer der bere­its erwäh­n­ten “Entf”- besitzen aktuelle Com­put­er­tas­taturen auch zahlre­iche weit­ere Tas­ten unklar­er Bedeu­tung. Die Taste F4 jedoch hat in Microsoft Win­dows vornehm­lich eine Bedeu­tung in Kom­bi­na­tion mit der Alt-Taste: Diese Verbindung schließt das jew­eils aktive Fen­ster fast sämtlich­er Anwen­dun­gen, in etlichen Pro­gram­men auch ohne Bestä­ti­gung, so dass unter Umstän­den wertvolle Arbeit­szeit ver­loren geht. Ein Und­ing in der heuti­gen Zeit! Wer auf Num­mer Sich­er gehen will, der sollte die Killer­taste F4 mit einem Schrauben­zieher ent­fer­nen und weg­w­er­fen.

SECHSTENS: Die Tas­tenkom­bi­na­tion Strg-Alt-Entf.

Landläu­fig ken­nt man diese Tas­tenkom­bi­na­tion auch als “Affen­griff”, als “Notlö­sung” für PC-Prob­leme gar. Microsoft Win­dows ist jedoch oft so kon­fig­uri­ert, dass nach einem Druck auf Strg-Alt-Entf der Win­dows-Taskman­ag­er erscheint, in dem ein falsch­er Klick genügt, um ganze Pro­gramm­bäume ohne Rück­frage zu been­den, nach zweima­ligem Druck gar ein sofor­tiger Neustart des Com­put­ers erfol­gt. Ein unver­ständlich­er Patzer! Wer auf Num­mer Sich­er gehen will, dem sei (auch wegen 4.) nahe gelegt, die Taste Entf eben­so wie bere­its die Taste F4 gän­zlich zu ent­fer­nen.

SIEBTENS: Die Fest­stell­taste.

Bere­its auf der Schreib­mas­chine fris­tete diese Taste, mit der man das Schreiben von Großbuch­staben dauer­haft aktivieren und deak­tivieren kann, ein Schat­ten­da­sein, unter Microsoft Win­dows ist sie zu einem gefährlichen Accoun­tkiller gewor­den. Trifft man sie verse­hentlich, bemerkt man dies nicht immer sofort, und die dreima­lige Eingabe eines fälschlicher­weise in Großbuch­staben geschriebe­nen Pass­wortes kann zur dauer­haften Sper­rung führen, was erhe­bliche Ein­bußen der Leben­squal­ität mit sich brin­gen kann. Halb­herzige Lösun­gen wie etwa das Deak­tivieren dieser Taste mit­tels Zusatzan­wen­dun­gen sind mit Vor­sicht zu genießen, da sie im entschei­den­den Moment ver­sagen kön­nen. Mitunter ste­ht vieles auf dem Spiel! Wer auf Num­mer Sich­er gehen will, dem sei dazu ger­at­en, auch diese Taste rück­stand­s­los zu entsor­gen.

ACHTENS: Der Reg­istrierungs-Edi­tor (reged­it).

Seit Microsoft mit Win­dows 95 anstelle der bis dahin üblichen .ini-Dateien die sys­temweite Reg­istrierungs­daten­bank (“Reg­istry”) einge­führt hat, sind Änderun­gen in ihr oft ein Grund für unbrauch­bare Win­dows-Instal­la­tio­nen gewor­den, da sie gegen verse­hentlich­es Löschen von Ein­trä­gen kein­er­lei über eine sim­ple Dialo­gabfrage hin­aus gehende Schutzvor­rich­tun­gen besitzt. Hochbrisant! Wer auf Num­mer Sich­er gehen will, sollte den Zugriff auf den gefährlichen Reg­istrierungs-Edi­tor sper­ren. Da hierzu selb­st ein Ein­griff in die Daten­bank notwendig wäre, ist stattdessen dazu zu rat­en, einen Tro­jan­er herun­terzu­laden, der diese Auf­gabe übern­immt.

NEUNTENS: Das Sys­temkon­fig­u­ra­tionspro­gramm (mscon­fig).

Hin­ter dem mit Win­dows 98 bzw. XP einge­führten Befehl mscon­fig ver­birgt sich ein Pro­gramm, dessen ein­steiger­fre­undliche, aufgeräumte Ober­fläche trügerisch davon ablenkt, dass ein falsch­er Klick das Sys­tem unbrauch­bar machen kann. Unter dem aktuellen Win­dows 7 etwa kann man dort mit einem ein­fachen Klick wichtige Sys­tem­di­en­ste deak­tivieren und gar den für den Sys­tem­start benötigten Ein­trag im Boot­man­ag­er gän­zlich löschen. In den falschen Hän­den eine tödliche Waffe! Wer auf Num­mer Sich­er gehen will, der sollte diesen Befehl schnell wieder vergessen und auf keinen Fall jemals aus­führen.

ZEHNTENS: Der Edi­tor (notepad).

Mit notepad schließlich, das in seinen Grundzü­gen bere­its so alt ist wie Win­dows selb­st, hat Microsoft Win­dows das mit Abstand gefährlich­ste Killer­w­erkzeug stan­dard­mäßig beige­fügt. Auch, wenn der Name anderes ver­muten lässt, so kann man mit notepad nicht nur Noti­zen bear­beit­en, son­dern etwa auch die Sys­tem­start­datei boot.ini und jede Binär­datei, also etwa auch winword.exe. Tut man dies verse­hentlich, ist die betr­e­f­fende Anwen­dung meist nicht mehr lauf­fähig; han­delt es sich um eine Sys­tem­datei, so muss das ganze Sys­tem unter Umstän­den neu aufge­set­zt wer­den. Eine fatale Fehlentschei­dung von Microsoft! Wer auf Num­mer Sich­er gehen will, der sollte das Pro­gramm notepad.exe von seinem Com­put­er löschen und auf das Bear­beit­en von ver­meintlichen Text­dateien kün­ftig verzicht­en; allzu oft genügt ein falsch­er Klick.

Facepalm

Eventuelle Hon­o­rarange­bote nehme ich gern ent­ge­gen.

(Und als näch­stes Titelthe­ma bitte “Die zehn gefährlich­sten Tode­sarten”, abgemacht, Web.de?)