Wer mich kennt, der weiß, dass Kaffee und Musik zwei essenzielle Bestandteile meines morgendlichen Erwachensritus’ sind. Während mir also gestern die neuesten Werke von The Boiler und Harmful die Ohren quasi wegbliesen (mehr dazu traditionsgemäß am Jahresende), begann mein Tag heute mit einem eigentlich völlig anderen Album.
Das Album nennt sich “The Struggle for Utopia”, zu Deutsch also “Der Kampf um Utopia”, und wurde nach meinen Informationen bereits Ende 2009 von der britischen Musikgruppe Project: KOMAKINO veröffentlicht. (Jetzt wollte ich noch irgendwo einen geschickt platzierten Verweis auf die Schallgrenzen reinschmuggeln, dann ist mir aufgefallen, dass ich offenbar den Hinweis auf diese Band sogar ursprünglich dort fand. Prima, dann muss ich weniger schummeln.)
“The Struggle for Utopia” ist ein vielschichtiges Album. Man könnte auf den Zug derer aufspringen, die es in Schubladen zu stecken versuchen, aber das wäre allzu banal. Nicht nämlich vertritt es eine Stilrichtung, sondern erschafft eine eigene Melange aus mehreren Genres, die nach etwas klingt, was man zwar schon mal gehört hat, aber noch nicht in dieser Intensität.
Es beginnt mit wabernden Synthesizer- und Gitarrenklängen, dazu ein wenig dezenter Rhythmus. Psychedelischer Spacerock, irgendwo zwischen Gong und den frühen Pink Floyd. Gemächlich drehen die Musiker die Spannung auf; blitzt da eine Prise Mogwai hervor? Ja, sie tut’s.
Und kaum hat man sich also in das psychedelische Netz fallen lassen, das das Quintett gespannt hat, entreißt es es dem ahnungslosen Zuhörer, nur um gleich wieder ein neues zu flicken. New-Wave-artige Strophen (The Cure fallen mir da ein) mit gelegentlichen erneuten Spacerock-Ausflügen untermalen den Gesang, der auch den Sisters of Mercy, als sie noch gut waren (dann eben doch!), gehören könnte. Auf “In the temple of love…” warte ich, obwohl das vorletzte Stück “Temple” heißt, jedoch vergebens, stattdessen gibt es Resignation und Weltschmerz zu hören. Things are happening, they’re always happening to me.
Musik (auch) für laue Nächte auf der Veranda. (Als hätte ich eine Veranda.)
Komakino? Kopfkino!
(So ungefähr sieht es übrigens aus, wenn man einem unvorbelasteten Leser dieses Album beschreiben will, verehrte Schreiberlinge in den Redaktionen dieses Landes; nicht aber so, wie ihr es laut der von mir bevorzugten Suchmaschine übereinstimmend tut: “Klingt wie Joy Division. Nächstes Album bitte.” Banausen.)
Übrigens, für die Arbeit an TinyTodo fehlt mir derzeit, studienbedingt, die rechte Inspiration. Aber ich verspreche, es wird weitergehen.



Du und Deine Versprechen…
Ich habe ja durchaus selbst Interesse daran.