In den Nachrichten
Mops­fi­de­le Diebestour

Fol­gen­de dpa-Mel­dung (der­weil auf diver­sen Nach­rich­ten­sei­ten zu fin­den) wur­de mir heu­te zugespielt:

Mit ent­blöß­tem Busen hat eine 14-Jäh­ri­ge in Paris ihr Opfer wehr­los gemacht und ihm 300 Euro gestoh­len. Das Mäd­chen habe gemein­sam mit einer Freun­din und einem zwölf Jah­re alten Jun­gen mehr­fach auf die­se Wei­se Kun­den an Geld­au­to­ma­ten über­rum­pelt, berich­te­te die Zei­tung „Le Pari­si­en“. Einem der Opfer soll sie auch zwi­schen die Bei­ne gefasst haben, um ihn abzu­len­ken. Die bei­den Mäd­chen wur­den einem Jugend­rich­ter vor­ge­führt, dann aber frei­ge­las­sen. Der Zwölf­jäh­ri­ge kam in ein Heim.

Dass vie­le Mäd­chen bereits mit 14 ein selbst mir als eher pro­gres­siv-libe­ra­lem Unkon­ser­va­ti­ven ego­zen­trisch und ver­quer anmu­ten­des Ver­hält­nis zur eige­nen Sexua­li­tät ent­wi­ckelt haben und freu­dig pfle­gen, ist alt­be­kannt und an sich nicht zu ver­ur­tei­len; eigent­lich sind hier indes meh­re­re ande­re Aspek­te beson­ders bemerkenswert.

Ers­tens:
Anhand der Eigen­schaft, einen Geld­au­to­ma­ten bedient zu haben, als erwach­sen bekann­te Män­ner wur­den „mit ent­blöß­tem Busen … wehr­los gemacht“, und zwar nicht etwa nur einer (Mann, nicht Busen), son­dern gleich meh­re­re (immer­hin offen­bar nach­ein­an­der); wie genau hat man sich das vor­zu­stel­len, also das mit der Wehr­lo­sig­keit, nicht den Busen? Ich mei­ne, jeman­den, der sich allein durch den Anblick von Kin­der­bu­sen der­ma­ßen aus der Fas­sung brin­gen lässt, dass man ihm unge­hin­dert sein sau­er ergau­ner­tes Geld abneh­men kann, habe jeden­falls ich noch nicht per­sön­lich ken­nen­ge­lernt, und aus der jün­ge­ren Lite­ra­tur­ge­schich­te ist zumin­dest mir da auch nur Pro­fes­sor Hum­bert Hum­bert bekannt (der, neben­bei wer­tungs­frei ange­merkt, übri­gens auch Fran­zo­se war).

Zwei­tens:
Zwei Mäd­chen, eines von ihnen unkla­ren Alters, besteh­len rou­ti­ne­mä­ßig lüs­ter­ne Geld­ab­he­ber, indem sie sie sexu­ell beläs­ti­gen, und kom­men unge­scho­ren davon. Ein Jun­ge, der ihnen auf irgend­ei­ne Wei­se assis­tiert hat, wobei ich bezwei­feln möch­te, dass sei­ne Hand­lun­gen auch nur annä­hernd ein der­art tie­fes Niveau erreicht haben, wird ver­gleichs­wei­se hart bestraft. Da all dies in Frank­reich statt­ge­fun­den hat, geht die Sub­ti­li­tät des fol­gen­den Sat­zes lei­der zu einem gro­ßen Teil flö­ten, aber ich möch­te ihn den­noch (oder gera­de des­we­gen) nicht unge­schrie­ben las­sen: Der Jugend­rich­ter ist bestimmt Franzose!

(Zwei­punkt­eins: Ande­re Län­der, ande­re Sit­ten! Geschä­he ein Vor­fall die­ser Art in Deutsch­land, kämen die Täter zwar eben­falls nahe­zu straf­frei davon, die Beraub­ten indes müss­ten sich den Vor­wurf der Pädo­phi­lie gefal­len las­sen, sonst hät­ten sie ja Anzei­ge erstat­tet und/oder weg­ge­guckt. Und wer trü­ge wie­der die Schuld? Das Internet!)

Elle les fasci­ne, les hyp­no­ti­se, ses yeux sont magiques,
ils hal­lu­ci­n­ent, puis ils dépri­ment; quels fan­tas­mes tragiques!

– Ste­reo Total: Loli­ta Fantôme

PolitikIn den Nachrichten
Dis­ku­tan­ten­auf­stand

Da freue ich mich doch gera­de wie ein Erd­fer­kel, dass ich vor­hin kei­nen Kaf­fee trank, denn ich hät­te ihn ver­mut­lich vor Schreck ver­schüt­tet. Denn was wur­de da von einer nicht näher benann­ten Sen­de­an­stalt in die Emp­fangs­ge­rä­te geschallt?

Die vor etwa einem Jahr auf sämt­li­chen Kanä­len the­ma­ti­sier­te Bom­bar­die­rung zwei­er Tank­las­ter in Afgha­ni­stan, der ziem­lich vie­le Tote folg­ten, habe „in Deutsch­land Dis­kus­sio­nen … aus­ge­löst“, mit der Beto­nung auf „Dis­kus­sio­nen“, als sei­en Dis­kus­sio­nen hier­zu­lan­de prä­gnan­ter als jede nur denk­ba­re Revo­lu­ti­on; „Gefahr, Herr König, sie dis­ku­tie­ren bereits!“

In der Hoff­nung, dass dies eine pein­li­che For­mu­lie­rungs­pan­ne sein soll­te, ver­ge­wis­ser­te ich mich im Inter­net, dass dies nicht so ist. Allent­hal­ben war in den Tagen und Wochen nach dem Bom­bar­de­ment von „Dis­kus­sio­nen“ die Rede, die jetzt total plötz­lich ent­stan­den waren und nicht etwa schon seit dem Marsch­be­fehl exis­tiert hat­ten, unter ande­rem in die­sem Arti­kel (sehr lobens­wer­te Über­schrift auch, Herr Blum!).

Nein, kei­nes­falls hat die zweck­freie, völ­ker­recht­lich ver­mut­lich auch nicht unbe­dingt als total pri­ma ein­zu­stu­fen­de Tötung von Zivi­lis­ten irgend­wel­che „Dis­kus­sio­nen“ um Sinn und Unsinn des Kampf­ein­sat­zes „aus­ge­löst“. Man hat­te sich zu die­sem Zeit­punkt bereits seit Jah­ren dar­auf geei­nigt, dass eine deut­sche Armee da unten nichts ver­lo­ren hat. Allein: Hät­te das deut­sche Volk nicht längst das Wis­sen um und die Bereit­schaft zu die und der Durch­füh­rung eines anstän­di­gen Auf­stan­des, wie er in Frank­reich noch immer als hohes Kul­tur­gut gepflegt wird, ver­lo­ren, so gäl­te die Dis­kus­si­on nicht als aggres­sivs­tes Pro­test­me­di­um. Was die Men­schen, bei denen man „Dis­kus­sio­nen aus­ge­löst“ hat, woll­ten, war der Rück­tritt die­ses beklopp­ten Kriegs­trei­ber­hau­fens. Da gab es gar nichts zu diskutieren.

Andern­falls hat der 2. Welt­krieg eben­falls „Dis­kus­sio­nen aus­ge­löst“, aber lus­ti­ger­wei­se wird das in den Geschichts­bü­chern nie erwähnt.

(Da wir gera­de bei Poli­tik waren, noch zwei Kur­ze: Das Innen­mi­nis­te­ri­um von Rhein­land-Pfalz hat nicht nur beschlos­sen, den Bun­destro­ja­ner ein­zu­füh­ren (via Fefe), son­dern kann auch ganz offen­sicht­lich „dass“ und „das“ nicht aus­ein­an­der­hal­ten. Wie lau­tet eigent­lich noch mal der Fach­be­griff für die Herr­schaft der Blöden?)

NetzfundstückeNerdkrams
„It’s magic.“

Ach, was hat Apple denn da wie­der für pri­ma Spiel­zeug im Ange­bot?

Ein „Magic Track­pad“, eine magi­sche Spur­auf­la­ge also, als furcht­bar inno­va­ti­ven Mausersatz.

Wahr­lich ein auf­re­gen­der Name, der vor Geheim­nis­voll­i­tät nur so leuchtet!
Und was kann man damit so alles machen?

Kauft man sich ein Magic Track­pad, kann man die eige­nen Fin­ger benut­zen, um durch Sei­ten zu scrol­len und zu klicken.
Boah, ey.

Als hät­te man eine rich­ti­ge Maus!
Dan­ke, Apple! Dar­auf hat die Welt gewartet.

Spaß mit Spam
Ich will dich bes­ser ken­nen zu ler­nen, ich bin von OAE.

Unter die­sem Betreff traf gegen 18 Uhr eine Spam­mail in einem mei­ner Post­fä­cher ein, und er mach­te mich lachen; spon­tan muss­te ich an „ich kom­me in Frie­den“ und „kei­ne Sor­ge, ich bin Arzt“ den­ken. Was genau ein OAE ist, wuss­te ich aller­dings nicht, also beschloss ich, mich wie­der ein­mal inhalt­lich mit der Mail aus­ein­an­der­zu­set­zen. Dies folgt:

Hal­lo mein lie­ber Freund.

Guten Tag, Mensch mit mise­ra­bler Zeichensetzung.

Mein Name ist Eli­za Orvind. Ich kom­me aus Dubai, Ver­ei­nig­te Ara­bi­sche Emirate.

Das sagt ja der Name schon; klingt wahr­lich sehr ara­bisch. Woh­nen in den VAE (ach so: Oer­ei­nig­te Ara­bi­sche Emi­ra­te! Natür­lich!) nicht eigent­lich vor­wie­gend Mus­li­min­nen, die, sofern sie über­haupt ins Inter­net dür­fen, sicher bes­se­res zu tun haben als sich dort Ker­le aus Deutsch­land zu angeln?

Zunachst ein­mal moch­te ich sagen, wenn ich Ihre Mail-Adres­se hat.

Ja?

Nun bin ich auf mei­nem Weg zu einem guten Mann fur mich zu fin­den, mei­nen zukunf­ti­gen Ehe­mann. Um ehr­lich zu sein kann ich nicht fin­den Such­man hier in Dubai, weil es fast alle Mus­li­me sind und sie haben eine ande­re Defi­ni­ti­on von Fami­lie und Frau.

(Sag ich doch!)

Such­man klingt aller­dings auch eher nach einem tür­ki­schen Vor­na­men, da wür­de ich auch nicht unbe­dingt in Dubai anfan­gen zu suchen. Eher in Ber­lin-Kreuz­berg. „Guten Tag, wo kann ich Such­man fin­den?“ – „Ey, was will­stu oder was?“

Übri­gens mag ich sub­ti­len Ras­sis­mus, dass er mir aller­dings in einer Spam­mail begeg­net, ist dann doch mal ein erfri­schen­des Erlebnis.

Ich habe nichts dage­gen, aber es ist nicht mei­ne Art, wenn sie vie­le Frau­en zu haben.

Muss es ja auch nicht, Mädel; ist deren Pro­blem, das sie sich da auf­hal­sen, nicht deines!

Also beschloss ich, hier ver­wen­den Sie eine inter­na­tio­na­le Tagung Agen­tur und sie bie­ten mir dein Pro­fil, das Ich mag sehr viel, und beschlos­sen, Ihnen zu schrei­ben. Sie nah­men alle sicht­bar, wie ich aus ver­schie­de­nen Inter­net-Sit­zung zu ver­ste­hen ange­sie­delt, wo sie ihren Managern.
Und von einem sol­chen Sei­ten Ihres Pro­fils abge­nom­men wurde.

Hä? Ähm, ich mein­te natür­lich: Wie bitte?

Der ers­te Satz ist noch halb­wegs ein­fach zu ent­rät­seln: Eine inter­na­tio­na­le Tagungs­agen­tur (was genau ver­mit­teln die eigent­lich – Tagun­gen?) hat mein „Pro­fil“ (eine von der Sei­te geschos­se­ne Foto­gra­fie oder doch eher eine Art „Steck­brief“?) durch die Gegend gesen­det und neben­bei noch mei­ne Mail­adres­se (nicht ein­mal mei­ne pri­mä­re übri­gens) dazu­ge­schrie­ben. Aber was bedeu­tet der zwei­te? Kann mir jemand hel­fen? Und was sind das für eigen­ar­ti­ge Mana­ger, die anschei­nend ihr Geld damit ver­die­nen, ande­ren Leu­ten ihr Pro­fil abzu­neh­men oder so ähn­lich? (Und wo kann man sich für die Stel­le bewer­ben? Das klingt nach einem inter­es­san­ten Aufgabenfeld.)

Ursprung­lich bin ich in Schwe­den, als ich 4 Jah­re alt war, zog ich hier in Dubai mit mei­nen Eltern.
Jetzt arbei­ten sie hier, und ich arbei­te auch hier.

Boah. Das nen­ne ich mal eine auf­re­gen­de Lebens­ge­schich­te. Sind die Film­rech­te schon verkauft?

Und jetzt bit­te jeg­li­ches Getränk weg­stel­len, lie­be Leser; ich möch­te nicht für Bild­schirm­scha­den ver­ant­wort­lich sein. Der fol­gen­de Satz ist ein Kra­cher. Nicht wegen der Wor­te, son­dern wegen der wohl­weis­lich gesetz­ten Emo­ti­cons. Ach­tung, hier kommt er:

Ich bin 28 Jah­re alt. Also mei­ne Eltern und ich ver­ste­he, da? ich ein guter Ehe­mann bereits zu fin­den, um gluck­lich zu leben und Fami­lie:) new­phes machen:)

„Ich such Mann :) für Stamm­hal­ter­zeu­gen :) so mit Sex :) und so.“

(Also jetzt mal ganz lang­sam: „new­phes“, ver­mut­lich „nephews“, zu zeu­gen, also „Nef­fen“ auf gut Deutsch, soll die Auf­ga­be des zu suchen­den Man­nes sein. Eigent­lich wäre die sinn­volls­te Fra­ge hier, wie das gehen sol­le, aber ande­rer­seits bin ich über die Fami­li­en­ver­hält­nis­se in Dubai nicht son­der­lich gut infor­miert und bin auch auf fast nüch­ter­nem Magen nicht erpicht dar­auf, Details in Erfah­rung zu bringen.)

Aber wie ich schon sag­te, gibt es vie­le Mus­li­me hier und ich kann nicht fin­den, guter Mann fur mich.

Nazi!!1!11!elf

Also, wenn ich nicht storen, und Sie sind an mir interessiert.
By the way Ich bin sehr net­tes Mad­chen, 172 cm, 55 kg Gewicht.

Nein, ich bin füh­le mich nicht gestört, eher belus­tigt. Aller­dings habe ich auch kei­ner­lei Inter­es­se dar­an, Clowns zu heiraten.

Ich kann nicht her­aus­fin­den, wie ich mein Foto hier anhan­gen, also wer­de ich es Ihnen schi­cken, wenn du mich wie­der zu beant­wor­ten, mit mei­nem Email-Pro­gramm zu Hause.

Bit­te schrei­ben Sie mir wie­der hier, dies ist mein Werk Mail-Adres­se …@y.…com , also wer­de ich es bald wie­der zu uberprufen. 

Die­ser rasan­te Wech­sel zwi­schen förm­lich und ver­trau­lich berei­tet mir Schwin­del. (Ach, so ver­bringt man in Dubai also einen Arbeits­tag: Hun­dert­fach Mails an deut­sche Män­ner schi­cken. Und damit kann man Geld ver­die­nen? Ande­rer­seits: So eine Tagungs­agen­tur scheint ja auch genug Geld ein­zu­neh­men, um bestehen zu können.)
Neben­bei bemerkt kommt die Mail ursprüng­lich von einer ita­lie­ni­schen Mail­adres­se. Dubai, das flo­rie­ren­de Weltwirtschaftszentrum!

Ich hät­te die Mail ja bei­na­he beant­wor­tet, aber da Eli­za es nicht für nötig hielt, sich anstän­dig zu ver­ab­schie­den (nicht ein­mal für „Lie­be Grü­ße“ hat es gereicht! Pah!), bin ich jetzt ein­ge­schnappt. Doo­fe Stoffelin.

(Soll­te einer von euch, lie­be Leser, Inter­es­se an die­ser Dame haben und glaubt, ihren Ansprü­chen zu genü­gen, mel­det euch ein­fach. Ich las­se euch die Daten gegen ein klei­nes Ent­gelt zukom­men; ich habe gehört, das Geschäfts­mo­dell sei in Dubai gera­de erfolgreich.)

PersönlichesMusik
Mein Musik­fa­schis­mus

„Ich wür­de mich als einen Musik­fa­schis­ten bezeichnen.“

Dies ist mei­ne Ant­wort, wenn in gesel­li­ger Run­de das eigent­lich unver­meid­li­che The­ma der musi­ka­li­schen Vor­lie­ben aufs Tapet kommt. Und obgleich nie­mand bis­lang die­se Ant­wort zum Anlass nahm, mir einen gefähr­li­chen Hang zu Grö­ßen­wahn, Welt­krie­gen und Völ­ker­mord zu unter­stel­len, möch­te ich dem doch an die­ser Stel­le ein wenig Erläu­te­rung zuteil wer­den lassen.

Mei­ne musi­ka­li­sche Sozia­li­sie­rung fand über vie­le Umwe­ge statt. Ich wuchs auf in einer Welt zwi­schen NDR 1 Radio Nie­der­sach­sen, das im Auto mei­nes Opas lief, wenn ich dort mit­fuhr, und das war recht oft der Fall, und NDR 2, das die mor­gend­li­che Früh­stücks­be­schal­lung bil­de­te, lan­ge, bevor es das anfangs lobens­wer­te Radio 21 und ähn­li­che Kon­kur­renz gab. So gern ich auch als Kind schräg mit­sang („Palo­so­ma Gei­er, oh oh oh oh oh“), so wenig wür­de ich die Akzep­tanz die­ser Beschal­lung als „Musik­ge­schmack“ bezeich­nen. Die Titel­me­lo­die des Sand­männ­chens ist ja eben­falls sel­ten Bestand­teil irgend­ei­nes „Musik­ge­schmacks“.

Im Alter von etwa 13 Jah­ren ent­deck­te ich, mehr durch Zufall, dass es noch mehr Sen­der gibt. Das, was man gemein­hin als „Jugend­kul­tur“ bezeich­net, drang in Form von N‑Joy Radio an mein Ohr. Dass die Mode­ra­to­ren sich selbst für unglaub­lich lus­tig hiel­ten, erschien mir damals zwar auch schon eher bizarr, aber hat kaum gestört; der Musik­an­teil war aus­rei­chend groß, und es wur­de nicht stünd­lich der glei­che Unrat gespielt. (Im Ver­lauf mei­ner spä­te­ren Jugend schaff­te es nur noch BFBS 1, als Radio­sen­der von mir für hörens­wert befun­den zu wer­den.) Von N‑Joy Radio zu dum­men Ideen ver­lei­tet kauf­te ich mir etwa zu die­ser Zeit auch mei­ne ers­ten bei­den Ton­trä­ger, die Sin­gle „It’s Like That“ von Run‑D.M.C. „vs“ Jason Nevins – das „vs“ ver­ste­he ich bis heu­te nicht – und eine der „Just The Best“-Kompilationen, gleich­sam mein Ein­stieg in die Welt der BRA­VO-Hits-CDs. Hät­te man mich zu die­ser Zeit nach mei­nem „Musik­ge­schmack“ befragt, ich hät­te ver­mut­lich „Radio“ geant­wor­tet. In dem Alter war ich so schreck­lich leicht zu beein­dru­cken. Ich wur­de tat­säch­lich eines Tages, eini­ge Jah­re spä­ter, nach mei­nen Lieb­lings­mu­si­kern gefragt. Mei­ne Ant­wort „Otto und Jür­gen von der Lip­pe“, über deren von der Gitar­re beglei­te­te Blö­de­lei­en ich mich noch sche­ckig lachen konn­te, wur­de mit einem Blick, der mich sicht­lich als Spin­ner titu­lier­te, und Kopf­schüt­teln bedacht. Obwohl ich also durch­aus schon für Musik im wei­te­ren Sin­ne zu begeis­tern war, fehl­te mir noch immer ein eigent­li­cher Musik­ge­schmack. Ich „moch­te“ vie­les, hat­te auch schon man­cher­lei schreck­li­che Ton­trä­ger im Regal ste­hen, jedoch war der „Aha“-Moment bis dahin ausgeblieben.

Die­ser Moment kam mit mei­ner ers­ten Lebens­ab­schnitts­part­ne­rin, die nicht nur ver­ge­bens ver­such­te, mich zu einem halb­wegs nor­ma­len Men­schen zu machen, son­dern mir auch die Welt der Musik jen­seits stu­pi­der Unter­hal­tungs­mu­sik erschloss. Am Tele­fon spiel­te sie mir „Venus in Furs“ oder „Hero­in“ – ich weiß es nicht mehr so genau – von The Vel­vet Under­ground vor, was mich schau­dern ließ, weil die, wie der ver­sier­te Musik­freund längst weiß, Weg wei­sen­den Klän­ge am Tele­fon wahr­lich nicht nach Musik klan­gen. Über mein Miss­fal­len war sie recht ent­täuscht. Nun war es die Zeit von KaZaA und Audio­ga­la­xy, und so gewähr­te ich The Vel­vet Under­ground spä­ter eine zwei­te Chan­ce, die dann auch zum gewünsch­ten Erfolg führ­te; das Debüt­al­bum der Band war der Ein­stieg in die Welt der wirk­lich guten Musik. Aber war es ein „Musik­ge­schmack“? Sioux­sie and the Bans­hees fin­de ich nach wie vor öde, Sonic Youth nur in eini­gen Momen­ten wirk­lich gran­di­os (etwa auf ihrem Album „Goo“), und auch all die ande­ren Grup­pen, die The Vel­vet Under­ground als ihre Vor­bil­der bezeich­nen und mit­un­ter immer­hin ähn­lich klin­gen wol­len, haben mich bis­lang, anders als die­se, nicht in blin­den Kauf­rausch ver­set­zen können.

Von The Vel­vet Under­ground führ­te der Weg durch das Inter­net mich über die spä­ten Beat­les zum Pro­gres­si­ve Rock; The Vel­vet Under­ground waren ja auch bereits pro­gres­siv, nur eben anders, da sind die Ver­bin­dun­gen trotz des doch recht ande­ren musi­ka­li­schen Prin­zips erstaun­lich schnell geknüpft. Erst stieß ich auf die eigent­lich unver­meid­li­chen Yes, dann alles, was wie Yes klang (Yez­da Urfa, Star­cast­le, …), dann Gent­le Giant und Van der Graaf Gene­ra­tor, King Crims­on folg­te schließ­lich mit eini­ger Ver­zö­ge­rung. Nur Gene­sis fand ich immer schon ein wenig ner­vig. Ist Pro­gres­si­ve Rock ein „Musik­ge­schmack“? Als Sam­mel­be­griff nur schwer­lich taug­lich, zumal mir vie­le Prot­ago­nis­ten des Pro­gres­si­ve Rock (The Flower Kings, The Mars Vol­ta, …) bis heu­te schlicht­weg auf die Ner­ven gehen. Also blieb mir auch in der Yes-Sam­mel­pha­se ein eige­ner Musik­ge­schmack ver­wehrt. Was sich statt­des­sen ent­wi­ckel­te, war eine Aver­si­on gegen die Hel­den mei­ner Jugend. Die neue Klang­welt, in die ich täg­lich ein­tauch­te und die mich mit­nahm auf eine Rei­se durch sur­rea­le Land­schaf­ten (immer­hin habe ich so letzt­lich viel Geld für hal­lu­zi­no­ge­ne Dro­gen gespart), hielt mich der­ma­ßen gefan­gen, dass mich der Gru­sel­pop etwa eines Elton John und eines Meat Loaf tat­säch­lich zu schmer­zen begann. Ich hielt gewöhn­li­che Mas­sen­mu­sik nicht mehr aus. Irgend­ein Quatsch­blatt hat ein­mal sinn­ge­mäß gefragt: Kann Musik eine Dro­ge sein? Nun: Sie kann.

(Da Musik mehr ist als Melo­die und Kon­gru­enz, soll an die­ser Stel­le nicht uner­wähnt blei­ben, dass ich trotz der wun­der­ba­ren Gefühls­welt, die sich mir mit den Klang­wel­ten erschloss, auch wei­ter­hin Neben­pfa­de beschritt, etwa in Gesell­schaft von Damen, die nicht immer offen waren für mei­ne skur­ri­len musi­ka­li­schen Vor­lie­ben. Dien­ten die­se von Beginn an der Erkun­dung neu­er Pfa­de, so blieb noch Platz für Musik zur Bewäl­ti­gung eher welt­li­cher Gefüh­le. Mit dem „Sound­track mei­nes Lebens“ – so etwas soll­te eigent­lich jeder Mensch besit­zen – untrenn­bar ver­bun­den sind und blei­ben so die Tex­te der Ärz­te, der Toten Hosen und der Fan­tas­ti­schen Vier. Aber das ist eine ande­re Geschichte.)

Der nächs­te und bis­lang letz­te Schritt auf dem Weg durch pro­gres­si­ve Traum­wel­ten führ­te mich zum Post­rock von Mog­wai, Oce­an­si­ze und Dear John Let­ter, qua­si als Ergän­zungs­dro­ge: Sind The Vel­vet Under­grounds und Yes‘ Stu­dio­wer­ke für den schnel­len Schuss auf dem Sofa geeig­net, so muss es bei den Postro­ckern ein Kon­zert oder min­des­tens eine Live­auf­nah­me sein. Es ist weni­ger ein Trip, mehr eine inten­si­ve Trance; doch auch die­se Dro­gen­me­ta­pher soll nicht davon ablen­ken, dass es letzt­lich auch nur Musik bleibt. Ist nun also Post­rock end­lich ein „Musik­ge­schmack“, mit dem ich mich iden­ti­fi­zie­ren kann? Wie­der­um muss ich die­se Fra­ge ver­nei­nen; zu viel­schich­tig ist der Post­rock, zu sel­ten weiß mich eine bis dahin unge­hör­te Musik­grup­pe aus dem Gen­re zu begeistern.

Die Suche nach einem Musik­ge­schmack blieb somit bis­lang erfolg­los, brach­te aber einen neu­en Wesens­zug mit sich: Der Spaß an einem gemüt­li­chen Bei­sam­men­sein stell­te sich bei mir nicht mehr ein, wenn schreck­li­che Musik lief. Vor ein paar Jah­ren nahm ich an einer Abschluss­fei­er teil. Es war eine herr­li­che Ver­an­stal­tung, bis ein Teil­neh­mer beschloss, es sei eine gute Idee, uns alle mit Rap­mu­sik (kei­nes­falls die oben erwähn­ten Fan­tas­ti­schen Vier, viel­mehr stand einer der niveau­lo­sen Ver­tre­ter zur Dis­kus­si­on) zu erfreu­en. Ich hör­te mich sagen: „Mach das an und ich bin weg.“ Sicher, ich war zu vor­ge­rück­ter Stun­de bereits nicht mehr unein­ge­schränkt nüch­tern und somit noch weni­ger anstän­dig als dies übli­cher­wei­se der Fall ist, aber die­se Erin­ne­rung wirft die Fra­ge nach dem eigent­li­chen Beweg­grund auf. Inzwi­schen mei­ne ich eine wenig absur­de Erklä­rung gefun­den zu haben: Wer ein­mal die Bedeu­tung der Musik erkannt hat, der sieht die Lärm­be­läs­ti­gung durch die so genann­te „Jugend­kul­tur“ fort­an mit ande­ren Augen bzw. hört sie mit ande­ren Ohren. Eine qua­si­mi­li­tan­te Ableh­nung von Klän­gen, die nicht dem eige­nen Qua­li­täts­stan­dard ent­spre­chen: Ich wür­de dies als Musik­fa­schis­mus bezeichnen.

„Ich über­ge­be dem Feu­er die Klän­ge von Bushi­do, DJ Mot­te und Han­nah Montana!“

Mei­ne Geschwis­ter haben inzwi­schen ein Alter erreicht, in dem auch sie auf der Suche sind nach dem „Aha“-Moment, dem Ohr­gas­mus sozu­sa­gen. Der­zeit irren sie zwi­schen BRA­VO-Titel­fi­gu­ren und Deutsch­rock her­um und las­sen mich mit­un­ter dar­an teil­ha­ben. Ich bin zwar dar­ob nur sel­ten unge­hal­ten, stel­le aber doch fest, dass eben der Musik­fa­schis­mus kei­ne zeit­wei­li­ge Erschei­nung blieb. Im Grun­de ist er die Kon­se­quenz aus mei­nen Erleb­nis­sen wäh­rend mei­ner ers­ten Geh­ver­su­che mit The Vel­vet Under­ground, aus der von dem Gru­sel­pop etwa eines Elton John und eines Meat Loaf erlit­te­nen Pein. So neu war der Wesens­zug also nicht ein­mal; er hat­te sich nur gefestigt.

Ich habe noch immer kei­nen „Musik­ge­schmack“. Es wäre mit­un­ter ange­nehm und ver­mut­lich deut­lich preis­wer­ter, hät­te ich einen.
So aber blei­ben mir die gesun­de Aver­si­on gegen­über man­cher­lei Ton­auf­nah­men und der stän­di­ge Durst nach Neu­em. Der­zeit im Zen­trum mei­nes Inter­es­ses ste­hen Live­auf­nah­men von Bob Dylan aus der Zeit um 1966.

Fort­set­zung folgt.

In den NachrichtenPersönlichesPolitik
War­um nicht gleich eine Bettel-Card?

Ich könn­te mich jetzt nach der CDU auch mal wie­der über die SPD aus­las­sen, aber alles, was es zu die­sem lächer­li­chen, ehe­mals wenigs­tens noch in Ansät­zen zur Par­tei taug­li­chen Hau­fen noch zu schrei­ben gibt, hat Fefe freund­li­cher­wei­se schon übernommen.

Also erwäh­ne ich doch noch mal eben die CDU. (Ich hof­fe in eige­nem Inter­es­se, dass das in nächs­ter Zeit nicht mehr so oft vor­kommt.) Ihre Vor­den­ke­rin (nennt man das bei der CDU noch so, „Den­ken“?) U.v.d.L., vom Fami­li­en- ins Arbeits­mi­nis­te­ri­um straf­ver­setzt, kann von ihrem ehe­mals bevor­zug­ten Arbeits­be­reich, den Kin­dern, ein­fach nicht die Fin­ger lassen:

Kin­dern aus finan­zi­ell nicht all­zu gut situ­ier­ten Fami­li­en sol­le künf­tig eine Bil­dungs-Card (als wäre nicht der Name allein schon blöd genug) zuteil wer­den, fan­ta­sier­te sie pres­se­wirk­sam, mit denen sie, die Kin­der, dann künf­tig Zugang zu Bil­dungs­maß­nah­men haben soll­ten; eine Art Essens­mar­ke für Bil­dung, ein Bil­dungs­gut­schein quasi.

Außer­dem sol­le den Kin­dern künf­tig auch die Arbeits­agen­tur beläs­ti­gend zur Sei­te ste­hen, um dar­auf zu ach­ten, dass die Kin­der gefäl­ligst nach der Grund­aus­bil­dung nicht noch unnö­tig auf ein teu­res Stu­di­um hin­ar­bei­ten, wie etwa auf SPIEGEL Online doku­men­tiert. U.v.d.L. schwa­dro­nier­te wei­ter­hin näm­lich wie folgt:

Die Job­cen­ter sol­len die­se Hil­fen sicher­stel­len. „Dazu wird künf­tig ein Fami­li­en­lot­se im Job­cen­ter die Auf­ga­be über­neh­men, das Amt mit allen Sozial‑, Kul­tur- und Betreu­ungs­ein­rich­tun­gen vor Ort zu ver­net­zen“, sag­te von der Ley­en dem Nachrichtenmagazin.

Es ist sicher nicht ver­kehrt, dass sich die Regie­rung zur Abwechs­lung auch mal um die sozia­len Pro­ble­me die­ses Lan­des schert (auch, wenn mir nicht so recht ein­leuch­ten mag, was das Arbeits­mi­nis­te­ri­um mit dem Bil­dungs­we­sen zu tun hat); indes wer­fe ich dann ande­rer­seits aber auch die Fra­ge in den Raum: War­um bedarf es für halb­wegs akzep­ta­ble Lösungs­an­sät­ze für eini­ge der Pro­ble­me sozi­al eher schwa­cher Fami­li­en einer omi­nö­sen „Card“, auf der Daten unkla­rer Natur gespei­chert wer­den? War­um ist es auch der inzwi­schen zwei­ten Regie­rung nach der Schre­ckens­herr­schaft der ehe­mals sozi­al­de­mo­kra­ti­schen SPD noch nicht mög­lich, den alten Krem­pel (aber nicht nur, haha, sich selbst) ein­fach per Dekret zu ent­sor­gen und eine brauch­ba­re sozia­le Struk­tur zu errich­ten? (Und war­um heißt das Ding „Card“ und nicht „Kar­te“?)

(Apro­pos Kar­te, kennt ihr den schon? Kommt eine Mut­ter mit ihrer im Ersti­cken begrif­fe­nen Toch­ter – etwa neun oder zehn Jah­re alt – in die Arzt­pra­xis, guckt die Emp­fangs­da­me die Toch­ter an, die all­mäh­lich beginnt, im Gesicht eine unan­ge­neh­me Far­be anzu­neh­men, und sagt zur Mut­ter sinn­ge­mäß dies: „Ja, nun, haben Sie die Kran­ken­kas­sen­kar­te dabei? Andern­falls müs­sen Sie lei­der unver­rich­te­ter Din­ge wie­der gehen.“ Das ist so tat­säch­lich pas­siert. Ange­sichts sol­cher Erleb­nis­se freue ich mich immer noch, im Super­markt auch ohne „Deutsch­land-Card“, „Pay­back-Card“ („pay­back“ heißt auf Deutsch übri­gens „Rache“, sie­he hier­zu etwa auch den ent­spre­chen­den Auf­tritt von Hen­nes Ben­der) und sons­ti­gen Unfug nahe­zu unbe­hel­ligt zur Kas­se vor­ge­las­sen zu wer­den; auch, wenn die blö­de Fra­ge­rei unnö­tig Zeit kostet.)

Nun, ich schwei­fe ab. Das ist auch gut so, denn so hat­te ich ein wenig Zeit, tief Luft zu holen. Tat­säch­lich ist mir wäh­rend des Atem­vor­gangs noch eine wei­te­re Fra­ge ein­ge­fal­len: Die­se „Card“ wird mit Geld bestückt, das aus dem Nichts appa­riert oder irgend­wie anders exis­tiert, zumin­dest ist dem Arti­kel nicht mehr über die genau­en Umstän­de zu ent­neh­men. Was aber soll pas­sie­ren, wenn das ima­gi­nä­re Geld auf der „auf­ge­la­de­nen“ Kar­te ver­braucht ist? Wer­den die Kin­der, die sie anzu­wen­den ver­su­chen, dann von den ent­spre­chen­den Auto­ma­ten als Kin­der „bes­ser­ver­die­nen­der“ Eltern erkannt oder, anders­her­um, als „zu arm für Armenförderung“?

Wie auch immer die Ant­wor­ten auf die Fra­gen lau­ten mögen: Die Dreis­tig­keit, mit der die jeweils amtie­ren­de Regie­rung raten­wei­se den Sozi­al­staat ver­hö­kert, ist alt­be­kannt, aber dass das Volk das nicht nur ein­fach hin­nimmt, son­dern sich oben­drein mit blo­ßem Plas­tik als Ersatz für eine tat­säch­li­che Ver­bes­se­rung der Lebens­qua­li­tät abspei­sen lässt, ver­schlägt mir dann doch die Spra­che. So ungern ich mich auch vul­gär aus­drü­cke: Ich glau­be, die­ses Land kann gar nicht so tief in der Schei­ße ste­cken, dass sei­ne Bür­ger nicht lächelnd den Kopf­stand machten.

What in the world has hap­pen­ed to the world?
– King Crims­on: Cage


Und da ich gera­de so schön in Rage war, habe ich mich dar­an erin­nert, dass ich einst als Neu­stu­dent an der Hoch­schu­le eines Frau­en- und Gleich­stel­lungs­bü­ros gewahr wur­de, des­sen Per­so­nal aus fünf Frau­en und null Män­nern bestand und noch immer besteht, und mir ist ein­ge­fal­len, dass ich es bis­lang ver­säumt habe, die Exis­tenz­grund­la­ge die­ses Büros dort anzu­zwei­feln, wo es über­haupt Notiz davon neh­men kann. Dies hol­te ich nun mit fol­gen­der, hier aus Daten­schutz­grün­den teil­wei­se zen­sier­ter E‑Mail nach:

Schö­nen guten Abend, Frau Unleserlich,

als Stu­dent männ­li­chen Geschlechts – somit als Ange­hö­ri­ger der schänd­li­chen Män­ner­welt – nahm ich soeben eher zufäl­lig zur Kennt­nis, dass mei­ne Rech­te als Mann an der Hoch­schu­le O. offen­bar aus­schließ­lich von fünf Frau­en ver­tre­ten werden.

Wie passt das zu Ihrem Anspruch als „Gleich­stel­lungs­bü­ro“, bei­den Geschlech­tern eine adäqua­te Behand­lung zukom­men zu las­sen? Ich sehe Sie in der Pflicht, zumin­dest annä­hernd 50% Ihrer Arbeit auch der Gleich­be­hand­lung von Män­nern zukom­men zu las­sen, was sich auch in Ihrem Per­so­nal äußern soll­te; „Gleich­stel­lung“ bedeu­tet nicht „sys­te­ma­ti­sche Bevor­zu­gung des total unter­drück­ten Geschlechts und so“.

Ich hof­fe, dass sich in abseh­ba­rer Zeit die­ses Bild wan­delt. Ich füh­le mich als Mann so kei­nes­falls vertreten!

Soll­te sich die Emp­fän­ge­rin von dem zu erwar­ten­den Lach­an­fall erholt haben und sich zu einer Ant­wort-E-Mail her­ab­las­sen, wer­de ich dies hier selbst­ver­ständ­lich fröh­lich in die Gegend trompeten.

NetzfundstückePiratenparteiPersönlichesPolitik
Kurz ver­linkt XXIII: Der moder­ne Konservativismus

Einer der ful­mi­nan­tes­ten Kom­men­ta­re zur bun­des­wei­ten Ein­füh­rung von Liquid Feed­back war aus­ge­rech­net eine Sati­re:

Poli­tik soll­te man bes­ser den ech­ten stu­dier­ten Pro­fis mit lan­ger Par­tei­er­fah­rung über­las­sen und nicht Hinz und Kunz die ohne Sinn und Ver­stand ein­fach irgend­was abstim­men. Genau des­halb wäh­le ich auch die CDU, denn dort wer­den alle Ent­schei­dun­gen von einer Kom­pe­ten­ten Par­tei­spit­ze getrof­fen die sich nicht von den Popu­lis­ti­schen wün­schen der Mehr­heits­be­völ­ke­rung unter Druck set­zen lässt.

Schließ­lich müs­sen Ent­schei­dun­gen im Inter­es­se des Vol­kes getrof­fen wer­den, das ein­fa­che Volk mit sie­ner oft­mals schlech­ten Bil­dung weis aber nicht wel­che Ent­schei­dun­gen die bes­ten sind. Des­halb soll­te man dies ganz ein­fach der Füh­rung der jeweils regie­ren­den Par­tei überlassen.

Es scheint dies, so bewusst blö­delnd es zunächst auch klin­gen mag, tat­säch­lich mit dem Selbst­ver­ständ­nis der CDU als „Par­tei des moder­nen Kon­ser­va­ti­vis­mus‘ “ ein­her­zu­ge­hen. Lion Edler schreibt zu die­sem The­ma unter anderem:

Nicht bewährt hat sich die Benut­zung des Gehirns. Nach dem Schul-Amok­lauf von Win­nen­den frag­te die CDU-„Integrationsbeauftragte“ der Bun­des­re­gie­rung besorgt bei den Behör­den in Baden-Würt­tem­berg an, ob der Täter etwa gezielt auf Kin­der aus „Migranten“-Familien geschos­sen habe. Die ehe­ma­li­ge Ber­li­ner CDU-Aus­län­der­be­auf­trag­te Bar­ba­ra John wirft Thi­lo Sar­ra­zin „Ras­sis­mus“ vor und bezeich­net ihn als „ver­ba­len Trieb­tä­ter“. Die Ham­bur­ger CDU-Poli­ti­ke­rin Vivia­ne Speth­mann wünscht sich einen Luxus-Knast mit Com­pu­ter, Gar­ten und eige­ner Küche für Schwer­ver­bre­cher. Man denkt bei sol­chen Äuße­run­gen an den Buch-Titel von Man­fred Lütz: „Irre – wir behan­deln die Falschen.“

Die­ser Arti­kel, lie­be Leser, ist die wohl bes­te Abhand­lung über die ver­que­re Denk­wei­se der CDU („Was für ein ver­kom­me­ner, arm­se­li­ger, jäm­mer­li­cher Hau­fen. Abscheu, Ekel, Schau­der.“), die jeden­falls mir in den letz­ten Jah­ren unter­ge­kom­men ist. Ich emp­feh­le, Lion Edler den nächst­bes­ten Poli­tik­preis auf Lebens­zeit ans Revers zu hef­ten, und wün­sche, bis das ent­spre­chen­de Gre­mi­um sich hier­für zusam­men­ge­fun­den hat, eine belus­tig­te Wochen­end­lek­tü­re! ‘Kurz ver­linkt XXIII: Der moder­ne Kon­ser­va­ti­vis­mus’ weiterlesen »

NetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Stra­ßen­gu­cken 2.0

Goog­le Street View erhitzt die Gemü­ter, Für und Wider trom­pe­ten dem generv­ten Leser der­zeit von jeder Nach­rich­ten­sei­te und aus jedem Web­log ent­ge­gen. Man­che (via) machen sich über die ver­meint­li­che Para­noia lus­tig, ande­re stim­men in den gefähr­li­chen Dumm­schwall eines Mark Zucker­berg (Face­book immer­hin) mit ein, der ein­mal sag­te, wer nicht wol­le, dass er im Inter­net erscheint, sei selbst dafür ver­ant­wort­lich, Daten­schutz sei eh von gestern:

Wer nicht will, dass das Bild sei­nes Hau­ses bei Goog­le Street View erscheint, der hät­te sein Haus nicht an eine öffent­li­che Stra­ße bau­en sol­len. So ein­fach ist das.

Anders, mit­hin etwas niveau­lo­ser, aber prä­gnan­ter aus­ge­drückt: Wer nicht will, dass sich mit einer Kame­ra bewaff­ne­te Unter­arm­fe­ti­schis­ten täg­lich einen auf sei­nen Anblick run­ter­ho­len, soll­te kei­ne T‑Shirts mehr tra­gen. Auch das ehe­ma­li­ge Nach­rich­ten­ma­ga­zin SPIEGEL Online geizt nicht mit der­lei Plat­ti­tü­den: Sor­ge um den Daten­schutz sei in einer offe­nen, glo­bal ver­netz­ten, kom­mu­ni­ka­ti­ven Welt nicht zeit­ge­mäß. Also wei­ter CDU wäh­len. (Das steht da aller­dings nicht.)

Man muss aber auch zuge­ben, dass die Pro­test­ler sich in der Öffent­lich­keit oft ziem­lich däm­lich anstel­len:

„Ich sehe gar nicht ein, dass jemand ohne mein Ein­ver­ständ­nis mein Haus foto­gra­fiert“, sagt Lud­wig Hil­le­sheim aus Wersten.

Wem das Haus gehört, vor dem er auf der ange­füg­ten Foto­gra­fie zu sehen ist, geht aus dem Arti­kel nicht her­vor, es soll­te mich aber auch nicht son­der­lich erstau­nen, ist es das sei­ne. (Dass Goog­le den Arti­kel mit sei­nem Namen und sei­nem Bild längst indi­ziert haben dürf­te, wage ich bei­na­he schon gar nicht mehr zu erwähnen.)

Zu mei­ner Zeit hat­te man noch Spaß am Rei­sen, erforsch­te die gro­ßen Städ­te die­ser Welt per pedes und nicht per Com­pu­ter. Dass kein hoch auf­lö­sen­der Bild­schirm die­ser Welt die­se Ein­drü­cke auch nur annä­hernd ver­mit­teln kann, ist eigent­lich selbst­ver­ständ­lich, den­noch ist das häu­figs­te Argu­ment, das mir bis­lang ent­ge­gen­scholl, dass man jetzt auf Besich­ti­gungs­tour gehen kön­ne, ohne sei­nen Hin­tern vom Sofa erhe­ben zu müs­sen, „man hat ja noch ande­res zu tun“, zum Bei­spiel bei Goog­le rumklicken.

Netzwertig.com nennt Street View „Per­len vor die Säue wer­fen“, also etwas Exzel­len­tes einem unwer­ten Pöbel kre­den­zen – mit „Pöbel“ mei­nen die uns – und rät: „Die sind’s nicht wert. Goog­le, lass es ein­fach sein“.
Nun, das sind wir uns in der Tat nicht wert. Goog­le, lass es ein­fach sein.

Dan­ke im Voraus.


Nach­trag: Wer hat eigent­lich die unsin­ni­ge Mode ein­ge­führt, alles, was einem Zweck dient, als „Tool“ zu bezeich­nen? For­mu­la­re auf Web­sei­ten wer­den nun­mehr als „Online-Tool“ dekla­riert; wie nen­nen die­se Leu­te dann eigent­lich Fens­ter? „Raus­guck-Tools“?

Sonstiges
Vier Varia­tio­nen einer Rumwerbung

Kennt man:

Kennt man weniger:

Ver­steht man oft erst beim zwei­ten oder drit­ten Hin­schau­en und ist auch eher so lala:

Ist gar kein Captain:

(Was mich ja an die­ser Wer­bung auf­regt, ist die­ser schreck­lich genu­schel­te Spruch am Ende. Gad­delid­del, Käpt’n Inju? Zu mei­ner Zeit hieß der noch Iglo. Hin­weis: Das ers­te Bild oben ent­stammt nicht mei­ner Feder, son­dern dem ent­spre­chen­den Wer­be­film auf YouTube.com.)

Projekte
Tiny­To­do build 20100811 (für Ungeduldige)

Nach­dem ich mehr­fach dar­auf ange­spro­chen wurde:

Ja, Tiny­To­do wird immer noch wei­ter­ent­wi­ckelt; aller­dings nicht so schnell wie erhofft. Nichts­des­to­trotz ist es weit genug fort­ge­schrit­ten, um euch heu­te in einer halb­wegs öffent­lich­keits­taug­li­chen Ver­si­on prä­sen­tiert zu werden.

Und zwar nach einem Klick auf das Bildschirmfoto:

Vor­aus­ge­setzt wird eine Instal­la­ti­on des AIR-Frame­works ab Ver­si­on 2; das soll­te aber bei den meis­ten mei­ner Leser ohne­hin der Fall sein. Nati­ve Binär­pa­ke­te fol­gen even­tu­ell später.

Was schon geht:
Das Hin­zu­fü­gen und Löschen von Kate­go­rien und Auf­ga­ben, das Mar­kie­ren als „erle­digt“, brand­neu auch das Defi­nie­ren von „Dead­lines“, „heu­ti­ge“ Ter­mi­ne wer­den zum Bei­spiel als „fäl­lig“ markiert.

Was noch fehlt:
Eine Edi­tier­funk­ti­on für Kate­go­rien und Auf­ga­ben (work­around: Löschen und neu anle­gen), gra­fi­scher Schnick­schnack (Tiny­To­do sieht im Moment noch ziem­lich beschä­mend aus), Anzei­ge zukünf­ti­ger Ter­mi­ne, Popup-Benach­rich­ti­gun­gen, Ani­ma­tio­nen, Klän­ge und ähn­li­ches. Gedul­det euch, kommt noch alles.

Dies nur als Zwi­schen­stand. Rück­mel­dung neh­me ich trotz­dem gern entgegen.

SonstigesNetzfundstückeIn den NachrichtenPolitik
Bes­ser, weil anders.

Manch­mal begeg­net man Din­gen und Ereig­nis­sen und denkt sich: „Was haben die sich nur dabei gedacht?“. Beson­ders oft habe ich der­lei Erleb­nis­se in letz­ter Zeit, wenn ich durch die Stra­ßen fla­nie­re und die Wer­bung am Weges­rand flüch­tig wahrnehme.

So fuhr kürz­lich ein Wer­be­fahr­zeug des Unter­neh­mens Küchen Aktu­ell an mir vor­über, das den wohl schöns­ten slo­gan (Freun­de des beson­ders kniff­li­gen Wort­spiels sind dazu ein­ge­la­den, an die­ser Stel­le ihr ety­mo­lo­gi­sches Lexi­kon ent­spre­chend zu bedie­nen) aller Küchen­aus­stat­ter mit sich her­um­trug. Er lau­te­te: „Anders als Andere“.

Das ist gera­de­zu brillant!
War­um nur ist Ste­ve Jobs das noch nicht eingefallen?

(Lie­ber ver­mut­lich ande­rer Wer­be­tex­ter, der du übri­gens die gran­dio­se Idee hat­test, ein Müs­li mit der Eigen­schaft „wenig süß“ zu beschrif­ten: Mal mit einem The­sau­rus versucht?)


Noch wäh­rend ich an dem obi­gen Abschnitt fei­le, taucht bei Fefe etwas auf, das ich dann auch nicht unkom­men­tiert las­sen möch­te, näm­lich das hier:
Da besu­chen ein paar NPD’­ler ein Spiel von Han­sa Ros­tock bzw. haben dies vor und wer­den vor­zei­tig raus­ge­wor­fen, weil halt NPD.

Noch bevor das Spiel gegen die TuS Koblenz ange­pfif­fen wur­de, ver­dräng­ten etwa 150 Fans des FC Han­sa Ros­tock die Rechts­extre­men vom Ein­gang des Sta­di­ons. Wäh­rend die offen­sicht­li­chen Mit­glie­der des Supt­ras-Fan­clubs „Nazis raus“ rie­fen, war es Udo Pas­törs, dem Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den der Lan­des-NPD, unmög­lich, die Are­na zu betreten.

„20 Leu­te, zu denen auch Herr Pas­törs gehör­te, befan­den sich am Ein­gang Süd­be­reich, wo sie von Anhän­gern gese­hen wur­den, die dar­auf­hin die Grup­pe am Ein­lass hin­der­ten“, sag­te Poli­zei­spre­che­rin Dör­te Lembke den Nord­deut­schen Neu­es­ten Nachrichten.

(…) „Jeder Ver­such, unse­ren Ver­ein und sei­ne Fan­sze­ne poli­tisch zu beein­flus­sen oder kom­plett zu miss­brau­chen, ist zum Schei­tern verurteilt!

Genau, ein ech­ter Fuß­ball­fan lässt sich nicht poli­ti­sie­ren. Außer gegen die NPD natür­lich. Und, Her­vor­he­bung von mir:

(…) Der Auf­tritt die­ser Per­so­nen ohne jeg­li­chen Bezug zu Han­sa Ros­tock stell­te schlicht und ergrei­fend eine dreis­te und dum­me Pro­vo­ka­ti­on dar und fand ein dem­entspre­chend schnel­les Ende.“

Die Begrün­dung ist so der­ma­ßen däm­lich, da möch­te man sich nur noch schrei­end an den Kopf fassen.

„Das Den­ken fand man bis heu­te nicht.“
(Hoel­der­lin, 1972, in einem ganz ande­ren Zusammenhang.)

PersönlichesSonstigesFilmkritik
Star Wars Epi­so­de I bis III: Eine sel­ten däm­li­che Trilogie.

So, das muss­te ich erst ein­mal sacken las­sen. Aber jetzt:

Ich gebe zu, ich bin nicht immer auf der Höhe der Zeit, was die neu­es­ten Ent­wick­lun­gen auf dem Film­markt betrifft. Ich bevor­zu­ge Hand­lung und Anspruch gegen­über blo­ßer Effekt­hei­sche­rei; von Shrek 3D und Ava­tar ken­ne ich fol­ge­rich­tig bis­lang nicht ein­mal die Film­pla­ka­te. Nun begab es sich aber, dass ich wäh­rend der ver­gan­ge­nen Tage erst­mals, eher ver­se­hent­lich, Zeu­ge der Aus­strah­lung der drei Pro­lo­ge der alten Star-Wars-Tri­lo­gie („Epi­so­de I“ bis „Epi­so­de III“, eine wun­der­li­che Benen­nung, gab es so etwas wie „Epi­so­de I“ bis „Epi­so­de III“ doch schon vor meh­re­ren Jahr­zehn­ten) wur­de, um die, als sie in den Kinos Pre­mie­re fei­ern lie­ßen, ein Rie­sen­bo­hei gemacht wur­de, „weil halt Star Wars“.

Indes: Ich war nie ein gro­ßer Freund des Sci­ence-Fic­tion-Gen­res, fand Star Trek schon immer ein­schlä­fernd und die „alte“ Star-Wars-Tri­lo­gie auch viel zu lang­at­mig, was mich eigent­lich aus jeg­li­cher Dis­kus­si­on um die „Qua­li­tät“ der Film­rei­he auf Lebens­zeit aus­schlie­ßen soll­te, aus der Gemein­schaft der Nerds ohne­hin, zwin­ker, zwin­ker. Nun bin ich bereit, ohne Vor­ur­tei­le an mir unbe­kann­te Medi­en her­an­zu­tre­ten – auch Woo­dy Allen hat zwi­schen­drin tod­lang­wei­li­gen Murks gedreht – und ihnen eine Chan­ce zu gewäh­ren. Jeden­falls: Ich bin enttäuscht.

Epi­so­de I, mit gro­ßem Tam­tam und Törööö ange­kün­digt, war der ers­te neue Star-Wars-Film nach diver­sen Deka­den vol­ler Wie­der­ho­lun­gen und Ver­klä­rung der doch recht simp­len Geschich­te, in der viel zu vie­le Neben­hand­lun­gen vor­kom­men, damit es nicht so schreck­lich auf­fällt, wie sim­pel die Geschich­te eigent­lich ist. Ent­spre­chend „auf­re­gend“ ist dann auch Epi­so­de I, zum Ver­ständ­nis der Tri­lo­gie womög­lich durch­aus von Belang, aber eher auf spa­ßi­ge Effek­te aus. Ver­gli­chen mit der Figur des Darth Maul hal­te ich Jar Jar Binks, neben­bei bemerkt, für rela­tiv unblöd. Zudem apro­pos Inhalt: Jun­ger Jedi spielt Wett­flie­gen in komi­schen Flug­ge­rä­ten und gewinnt. Habe ich das nicht schon mal irgend­wo gese­hen? So ungern ich auch auf die Aus­sa­gen von Maga­zi­nen gos­sen­haf­ter Qua­li­tät zurück­grei­fe: Nun ja, für Fans ist dies viel­leicht ein zufrie­den­stel­len­des, wenn auch äußerst ober­fläch­li­ches Spek­ta­kel, für den Sci­ence­fic­tion-Film ist es aber sicher­lich kein Gewinn.

Epi­so­de II ist der Mit­tel­teil. Immer­hin bleibt man sich hier treu: Für Ver­lauf der Geschich­te ist der zwei­te Teil der ein­zig ent­schei­den­de, also eigent­lich auch der ein­zi­ge, der so etwas wie Inhalt den spek­ta­ku­lä­ren Effek­ten vor­zieht. Das bedeu­tet: Mehr ödes Geschwa­fel bedeu­tungs­schwan­ge­re Dia­lo­ge (sehr schön per­si­fliert in der Simpsons-Fol­ge „Mar­ge im Suff“), weni­ger Bumm und Zisch und Wiuuu. Ach, ja, die Lie­bes­ge­schich­te. Han Solo und Leia, Ana­kin und Ami­da­la. (Mich beschlich zu die­sem Zeit­punkt erst­mals der Ein­druck, die neue Tri­lo­gie sei nicht nur völ­lig über­la­den mit irgend­wel­chen Spe­zi­al­ef­fek­ten, son­dern auch inhalt­lich völ­lig über­flüs­sig.) Und nur der Voll­stän­dig­keit hal­ber: Auch, wenn Didi sich in die Rei­he der gei­fern­den Grei­se ein­reiht, die sie über­ein­stim­mend für „schnu­cke­lig“ befin­den, gefällt mir Nata­lie Port­man in dem Film mal so gar nicht. Zu der über­aus blas­sen Erschei­nung kommt eine aus­ge­spro­chen blas­se Dar­stel­lung; eine blo­ße Sta­tis­ten­rol­le wäre leid­lich glaub­haft gewe­sen, als Auto­ri­täts­per­son bleibt sie hin­ge­gen augen­schein­lich eine Fehl­be­set­zung. Viel­leicht ist aber auch ein­fach nur das Kos­tüm doof.

Epi­so­de III ist die Epi­so­de, die zwi­schen dem Pro­log und den alt­be­kann­ten „klas­si­schen“ drei Star-Wars-Fil­men steht, deren Hand­lung bekannt ist. Hmm, was mag da wohl pas­sie­ren? Wir erin­nern uns an letz­te­re: Ana­kin Sky­wal­ker ist irgend­wann zu Darth Vader mutiert, zuvor hat er zwei Kin­der mit Ami­da­la gezeugt, die vor­zei­tig starb, und die Jedi haben den „Angriff der Klon­krie­ger“, der in Epi­so­de II droh­te, offen­bar über­lebt. Nun, was mag also in Epi­so­de III pas­sie­ren? Aus Rück­sicht auf euch, wer­te Leser­schar, die es bis­lang ver­säumt haben, Epi­so­de III zu kon­su­mie­ren, möch­te ich inhalt­lich nicht zu viel ver­ra­ten. Daher nur noch ein wenig Kri­tik zum Schluss des Films: Hat­ten die Betei­lig­ten kei­ne Lust mehr auf so etwas wie Text? Aus­blen­den – ein­blen­den – Kame­ra­schwenk – aus­blen­den – ein­blen­den – Kame­ra­schwenk – … es ist schön, dass Geor­ge Lucas am Ende der drit­ten Epi­so­de doch noch ein­ge­fal­len ist, dass sein vor­aus­sicht­li­ches Publi­kum ohne­hin schon weiß, wie die Geschich­te aus­ge­hen wird. Er hät­te sich aller­dings viel Arbeit spa­ren kön­nen, wenn ihm das ein paar Jah­re frü­her ein­ge­fal­len wäre.

Von wegen „Nerds müs­sen Star Wars mögen“.
Nicht beein­druckt ich bin.

(Das muss­te mal raus.)

(Nach­trag: „Medi­en­kri­tik XXXIV“, der eigent­lich kon­se­quen­te Unter­ti­tel die­ses Bei­trags, fehlt aus ästhe­ti­schen Grün­den. Soll­te jeden­falls jemand nach der Ver­öf­fent­li­chung der Medi­en­kri­tik XXXV danach suchen: Dies ist sie.)

KaufbefehleNerdkrams
Stampf­wer­bung: Machinarium

Ich weiß, dass hier nor­ma­ler­wei­se, auch wegen Des­in­ter­es­ses mei­ner­seits, wahr­lich nicht viel von Com­pu­ter­spie­len zu lesen ist, aber das muss ich dann (wie auch Caschy) doch drin­gend mal erwähnen:

Das gran­dio­se Spiel Machi­na­ri­um, Freun­den anspruchs­vol­le­ren Zeit­ver­treibs als blo­ßer öder Bal­le­rei mit rea­lis­ti­scher Gra­fik längst bekannt, gibt es nun für kur­ze Zeit für ein Vier­tel des Kauf­prei­ses, also 5 US-Dol­lar (etwa 4 Euro), zu kau­fen. Sieht unge­fähr so aus:

Der Grund für den Preis­nach­lass ist löb­lich: Das Spiel wur­de in etwa 90 Pro­zent der Fäl­le wegen feh­len­den Kopier­schut­zes unent­gelt­lich bezo­gen. Durch die befris­te­te Rabatt­ak­ti­on, die am 12. August endet, soll den betref­fen­den Nicht­käu­fern eine Mög­lich­keit gege­ben wer­den, ihr Gewis­sen reinzuwaschen.

Machi­na­ri­um ist, kurz zusam­men­ge­fasst, ein Point-&-Click-Adventure, ein Aben­teu­er­spiel also, bei dem man nicht doof durch die Gegend hüpft und Leu­te übern Hau­fen bal­lert, son­dern in einer wirk­lich sehr detail­ver­liebt gezeich­ne­ten apo­ka­lyp­ti­schen Umwelt als Robo­ter, der eine dro­hen­de Gefahr abwen­den muss, durch die Gegend stie­felt. Was wie ein Kin­der­spiel klingt, ist alles ande­re als das; zahl­rei­che Geg­ner müs­sen (gewalt­los) über­wun­den wer­den, und lus­tig ist das Spiel auch noch.

Und ich bit­te dar­um, die­sen Satz nicht als blo­ße Wer­bung um der Wer­bung wil­len denn viel­mehr als Aus­druck tie­fer Über­zeu­gung zu verstehen:
Macht Gebrauch von die­sem Ange­bot! Das ist’s alle­mal wert.

In den NachrichtenPiratenpartei
Über flüs­si­ge Demokratie

Na, da hat die Pres­se ja mal wie­der ein fei­nes Fresschen:

Liquid Feed­back, das in meh­re­ren Lan­des­ver­bän­den der Pira­ten­par­tei, unter ande­rem in mei­nem, bereits erfolg­reich ein­ge­setz­te Votie­rungs­werk­zeug (Stich­wort: Basis­de­mo­kra­tie), erhitzt die Gemü­ter, weil man sich dafür – logi­scher­wei­se – iden­ti­fi­zie­ren muss und Daten­schutz zwar gege­ben ist, aber die Teil­nah­me somit nicht mehr voll­stän­dig anonym verläuft.

Der Vor­stand ist’s ver­ständ­li­cher­wei­se inzwi­schen Leid, das The­ma Liquid Feed­back abzu­kas­pern, eines sei­ner Mit­glie­der hat ges­tern die Kon­se­quen­zen gezo­gen. Und ich habe mich bis­her aus dies­be­züg­li­chen Dis­kus­sio­nen auf Twit­ter und in diver­sen Blogs her­aus­ge­hal­ten, aber so lang­sam schwillt mir dann doch der Hals an.

Die Inten­ti­on hin­ter Liquid Feed­back (im Fol­gen­den, auf Twit­terisch, als LQFB abge­kürzt) war es ursprüng­lich, die pira­ti­ge For­de­rung nach Basis­de­mo­kra­tie auch inner­halb der Par­tei voll­ends zu erfül­len, indem Abstim­mun­gen und Dis­kus­sio­nen eben nicht mehr allein auf Par­tei­ta­gen, son­dern glo­bal über ein eigens dafür ent­wi­ckel­tes Werk­zeug statt­fin­den soll­ten. So weit ein löb­li­ches Unter­fan­gen, an dem es nichts zu bean­stan­den gab; bis jeman­dem auf­fiel, dass man sich dafür authen­ti­fi­zie­ren muss (logisch; Stimm­recht bleibt den Mit­glie­dern vor­be­hal­ten, und die Mit­glie­der­da­ten­bank steht zum Glück nicht offen im Inter­net her­um) und dass sich das mit dem pira­ti­gen Selbst­ver­ständ­nis nicht ver­ein­ba­ren lie­ße, weil man sei­ne Anony­mi­tät auf­ge­ben müs­se. Und das ist Käse.

Wer man als Pirat ist, weiß der Pira­ten­vor­stand natür­lich; immer­hin ver­teil­te er Mit­glieds­aus­wei­se und weiß, von wem er sei­ne Mit­glieds­bei­trä­ge bekommt. Das „Pro­blem“ besteht nun dar­in, dass man auch gegen­über den ande­ren Mit­glie­dern sei­ne Iden­ti­tät offen­ba­ren muss, wenn man sich Gehör ver­schaf­fen möch­te. Mei­ne lie­ben Beschwe­rer und Nörg­ler: Wie hät­tet ihr’s denn gern? Anony­me Betei­li­gung für jeden? Das wirk­lich Fei­ne an LQFB ist es, dass es eben wegen der ver­meint­li­chen „Iden­ti­täts­of­fen­le­gung“ voll­stän­di­ge Trans­pa­renz – unver­än­dert ein wich­ti­ges Ide­al der Pira­ten­par­tei – bie­ten und etwa­ige anony­me Mau­sche­lei so im Kern unter­bin­den kann.

Es steht zu befürch­ten, dass sich die, die lie­ber mit der Pres­se als mit den Ver­ant­wort­li­chen reden, nie auch nur im Ansatz mit dem Daten­schutz inner­halb LQFB („Ergeb­nis: ange­nom­men“ übri­gens) aus­ein­an­der­ge­setzt haben.

LQFB jeden­falls ist bereits in sei­nem aktu­el­len Zustand nicht weni­ger als eine Reform der Demo­kra­tie. Es wäre ein her­ber Ver­lust nicht nur für die Pira­ten­par­tei, wür­de das Pro­jekt vor­zei­tig ein­ge­stellt. Iso­topp schrieb in sei­nem (auch sonst sehr lesens­wer­ten) Arti­kel hierüber:

Wenn ich jeman­dem mei­ne poli­ti­sche Macht dele­gie­re, dann will ich wis­sen, wer das ist. Dann will ich ver­trau­en kön­nen. Ver­trau­en ist die Hoff­nung, daß das Ver­hal­ten einer Per­son in der Ver­gan­gen­heit ein unge­fäh­res Maß für das Ver­hal­ten die­ser Per­son in der Zukunft ist. Es setzt vor­aus, daß die Ver­gan­gen­heit offen­ge­legt wird (Trans­pa­renz), daß die Aktio­nen und Abstim­mun­gen die­ser Per­son unter einer Iden­ti­tät erfolgt sind (Ver­kett­bar­keit) und daß die­se Über­sicht voll­stän­dig ist. Weil das so ist, ist anony­me poli­ti­sche Betä­ti­gung ein Wider­spruch in sich – das Poli­ti­sche ist das Gegen­teil des Privaten.

Mir scheint, auch etwa vier Jah­re nach ihrer Grün­dung hat die Pira­ten­par­tei ein ziem­li­ches Pro­blem mit Leu­ten, die ihr nur ange­hö­ren, weil sie den Namen so geil fin­den. Sie haben es ein­fach nicht verstanden.

Musikkritik
Frogg Café – Bate­l­ess Edge

Heu­te fand ich in der Post wie­der ein­mal ein neu­es Musik­al­bum, des­sen bis­he­ri­ge Kri­ti­ken mir aus­rei­chend zuge­sagt hat­ten, wenn­gleich Blind­kauf (bzw. eben Taub­kauf) von Musikal­ben nach einem ziem­li­chen Rein­fall vor nicht all­zu lan­ger Zeit nicht mehr zu mei­nem bevor­zug­ten Kon­sum­ver­hal­ten zu zäh­len ist. Es erwar­te­te mich in dem gepols­ter­ten Umschlag das kürz­lich erschie­ne­ne Album „Bate­l­ess Edge“ von Frogg Café.

Den Baby­blau­en Sei­ten, dem all­ge­mein aner­kann­ten deut­schen Rezen­si­ons­por­tal für gute Musik, war „Bate­l­ess Edge“ den Tipp des Monats August 2010 wert, was ange­sichts der vor­he­ri­gen Tipps des Monats (Big Big Train, Dia­blo Swing Orches­tra, Induk­ti, …) eine um so grö­ße­re Ehre ist. Und tat­säch­lich hat man so etwas lan­ge nicht mehr gehört, und aus den nor­ma­ler­wei­se eher für seich­ten Neo­prog emp­fäng­li­chen Ju Es Äi schon mal gar nicht:

Nach Jah­ren des Daseins als zap­paes­ker „Geheim­tipp“, der sei­ne Live­en­er­gie nicht auf Ton­trä­ger zu ban­nen ver­mag, ist, wenn man der Fach­pres­se glau­ben darf (der­zeit durch­schnitt­lich 13 von 15 Punk­ten auf den Baby­blau­en Sei­ten, 5 von 5 Ster­nen auf Progarchives.com, immer­hin noch 7 von 10 Punk­ten auf den Dutch Pro­gres­si­ve Rock Pages), „Bate­l­ess Edge“ der gro­ße Wurf gewor­den, auf den eben­die­se Fach­pres­se gewar­tet hat. Wer eines der Vor­gän­ger­al­ben kennt, der hat immer­hin den Gesang von Nick Lie­to womög­lich noch im Ohr, der eigent­lich auch der ein­zig nen­nens­wer­te Kri­tik­punkt bleibt; auch auf „Bate­l­ess Edge“ bleibt er, wie ich fin­de, zu zag­haft. Mehr Ein­satz, der Herr!

Ansons­ten hat das Sex­tett kräf­tig am Stil­rad gedreht. Vor­bei ist’s mit mäan­dern­den Jazz­se­quen­zen und dem von Rezen­sen­ten auch schon mal zu Recht „unspek­ta­ku­lär“ bezeich­ne­ten Kan­sas-Gedächt­nis­prog, jetzt hau­en sie mal rich­tig auf die Kacke. Gen­re­schub­la­den gefäl­lig? Von RIO/Avant („Bel­gi­an Boo­gie Board“) über luf­ti­gen Retro­prog („Under Wuhu Son“) bis hin zu Jazz­rock („Ter­ra Sanc­ta“, auf der Sil­be „Jazz“ zu beto­nen), nur eben in umge­kehr­ter Stück­rei­hen­fol­ge, spie­len sich die Musi­ker quer­beet durch die Pro­gres­si­ve-Rock-Geschich­te, ohne anstren­gend lär­mig wie etwa The Mars Vol­ta oder all­zu ange­staubt wie etwa Trans­at­lan­tic zu klin­gen. Gera­de erst­ge­nann­tes Stück ist für mich per­sön­lich der Höhe­punkt des Albums, nicht unbe­dingt pri­mär, weil es ein Instru­men­tal­stück ist und Nick Lie­to sich also auf sei­ne Instru­men­te (Trom­pe­te, Flü­gel­horn, Kla­vier, Key­boards) beschränkt, son­dern weil es die deut­lichs­ten Akzen­te setzt. Hat­te ich bis zum Beginn die­ses Stü­ckes noch, leicht ent­rückt, rhyth­misch die Glied­ma­ßen in Zucken ver­setzt, so fiel ich bei „Bel­gi­an Boo­gie Board“ bei­na­he vom Sofa.

Nein, nicht etwa, weil es „Lärm“ der unan­ge­neh­men Form wäre. Viel­mehr steht die avant­gar­dis­ti­sche Kom­po­si­ti­on im Kon­trast zu den eher schwel­ge­ri­schen Klän­gen der vor­an­ge­hen­den Stü­cke. So wenig es sich aber auch in die Titel­fol­ge ein­fü­gen will, so pas­send ist es aber an die­ser Stel­le, direkt nach dem wohl zugäng­lichs­ten, bei­na­he unauf­fäl­li­gen Gesangs­stück „From the Fence“, plat­ziert. Ver­gleich­bar ist es als Ein­zel­stück wie auch im Kon­text des Albums nur schwer­lich, Par­al­le­len zu etwa Uni­vers Zero, wie sie bis­wei­len gezo­gen wer­den, wir­ken arg kon­stru­iert. Das Kon­zept eines Pro­gres­si­ve-Rock-Albums, das wirk­lich Wert auf das Wort „Pro­gres­si­ve“ legt, run­det „Bel­gi­an Boo­gie Board“ jeden­falls per­fekt ab. Sicher waren Hen­ry Cow immer ver­track­ter, Cara­van immer sanf­ter, Kan­sas immer ele­gi­scher als das, was dem Hörer hier im Frogg Café kre­denzt wird. Sicher ist avant­gar­dis­ti­scher Jazz­rock kei­ne spek­ta­ku­lä­re neue Erfin­dung. Frogg Café machen aber auf „Bate­l­ess Edge“ alles genau rich­tig. Sie erfin­den das Rad nicht neu, das erwar­tet auch nie­mand. Sie kon­stru­ie­ren hin­ge­gen aus dem, was die Hand­wer­ker vor­an­ge­gan­ge­ner Gene­ra­tio­nen zurück­ge­las­sen haben, ein eige­nes Rad, das so noch nie da gewe­sen ist. Und es macht ver­dammt viel Spaß, mit ihm zu fah­ren, auch, wenn es eine Stei­gung zu über­win­den gibt. Die grü­nen Wie­sen im Tal hin­ter der Stei­gung sind es alle­mal wert.

(Und da ich gera­de – fragt mich bit­te nicht nach dem Grund – die „Delu­xe Edi­ti­on“ von Bushi­dos aktu­el­lem Mach­werk betrach­te, deren 2., eben die „Delu­xe-“, CD aus Instrumental‑, also rap­lo­sen Ver­sio­nen der Stü­cke von der 1. CD besteht, möch­te ich doch mal posi­tiv her­vor­he­ben, dass offen­bar also auch die Plat­ten­fir­ma, die unter Bushi­do lei­den muss, es als „Luxus“ emp­fin­det, wenn er mal für die Dau­er einer kom­plet­ten Plat­te die Fres­se hält. Scha­de, dass die Auf­la­ge begrenzt ist.)