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Es lebe das Maultier!

(Aus aktuellem Anlass fol­gt ein etwas län­ger­er, auf­grund mein­er Arbeit an eMule beba dur­chaus auch partei­is­ch­er Text über Bit­Tor­rent, Gnutel­la und eMule. Wer “mit der Scheiße” “eh” “aufge­hört” hat, der ist her­zlich dazu ein­ge­laden, ihn nicht weit­erge­hend zur Ken­nt­nis zu nehmen.)

Während der ver­gan­genen Stun­den wurde die Mel­dung ver­bre­it­et, mit LimeWire sei eine der dien­stäl­testen P2P-Plat­tfor­men nun auch der RIAA zum Opfer gefall­en.

“Lime-was?”

LimeWire — die jün­geren Inter­net­nutzer aus der Gen­er­a­tion nach Nap­ster und Audio­galaxy ken­nen das ver­mut­lich gar nicht mehr — war, ähn­lich wie zur gle­ichen Zeit auch KaZaA, eine für das Tauschen von Musik­dateien opti­mierte Tauschbörse, die im Gnutel­la-Net­zw­erk heimisch war, wo unter anderem auch die noch immer aktiv­en Pro­gramme Shareaza und Frost­Wire (ein wer­be­freier, code­of­fen­er Nach­bau von LimeWire) zu find­en sind.

LimeWire sieht unge­fähr so aus:

Das Ende von LimeWire bedeutet keines­falls den Tod des Gnutel­la-Net­zw­erks, zumal unter anderem mit Frost­Wire und Shareaza einige vorzügliche Alter­na­tiv­en zur Ver­fü­gung ste­hen. Ist dies nun also tat­säch­lich ein weit­er­er Schritt zum Ende jeglichen File­shar­ings? Ich meine: Nein.

Abge­se­hen von Nap­ster, Audio­galaxy und Fast­Track (KaZaA, KaZaA Lite, später K‑Lite) ist inner­halb des let­zten Jahrzehnts kein nen­nenswertes Tauschnet­zw­erk qua­si aus­gestor­ben; und diese drei stell­ten sozusagen die Pio­niere dar. Bis heute aktiv ist neben den recht alten Net­zen Gnutel­la (als “Gnutel­la 2” in unter anderem Shareaza nochmals verbessert) und Soulseek (ver­bre­it­et ger­ade für unbekan­ntere Musik­stücke) auch und ger­ade die Kom­bi­na­tion aus eD2K (ehe­mals eDonkey2000) und Over­net (als Kadem­lia) in dem noch immer aktiv weit­er­en­twick­el­ten Tausch­pro­gramm eMule, let­zteres auch als Teil von Bit­Tor­rent (“DHT”).

Nun, Bit­Tor­rent ist ein eigentlich ziem­lich wurstig konzip­iertes Pro­tokoll und sich­er nicht als “Ersatz” für eMule, Gnutel­la et al. geeignet.

File­shar­ing ist kein File­trad­ing!

Bit­Tor­rent ist kein File­shar­ing-Pro­tokoll. Das Konzept des File­shar­ings, das die anderen genan­nten Net­zw­erke über­haupt bis heute am Leben hält, besagt, dass auf dem Verteilen von Dateien (“shar­ing files”, wie der Fran­zose sagt) das Haup­tau­gen­merk des Benutzers liegt. Let­ztlich ist ein eventuelles Herun­ter­laden, wom­öglich gar im Ver­hält­nis 1:1 oder höher, nur eine nette Neben­er­schei­n­ung, wichtig ist es, dass man sich als Teil eines großen Net­zes begreift, dessen primäres Ziel es ist, möglichst viele Dateien möglichst lange am Leben zu erhal­ten. Mit eMule funk­tion­iert das bis heute wun­der­bar, die durch­schnit­tliche Dateilebens­dauer über­trifft die in anderen Tauschbörsen bei weit­em.

Ganz anders dage­gen Bit­Tor­rent. Bit­Tor­rent-Track­er wer­ben mit der hohen Geschwindigkeit, die man auf ihnen erre­ichen kann. Und hier sind ein Denk­fehler und ein großer Nachteil von Bit­Tor­rent ver­steckt, denn auch Bit­Tor­rent kann nur so schnell herun­ter­laden wie die Net­zteil­nehmer hin­au­fladen. Wenn ich eine Datei herun­ter­laden möchte, die nur von drei Leuten mit ein­fach­er DSL-Geschwindigkeit ange­boten wird, dann kann ich sie wed­er via eMule noch via Bit­Tor­rent-Client mit “voller Geschwindigkeit” herun­ter­laden. Schlim­mer noch: Der ver­meintliche Geschwindigkeitsvorteil gegenüber anderen Tauschbörsen, der in der Prax­is in der Regel kein­er ist, wird erkauft mit gerin­ger­er Dateilebens­dauer und weniger Net­zteil­nehmern.

Geschwindigkeit ist nicht alles.

Ver­bre­it­et sind derzeit so genan­nte “Anti-Leech-Track­er” (kurz “ALT”), die ein gewiss­es Upload-Down­load-Ver­hält­nis auf Seit­en ihrer Nutzer zu forcieren ver­suchen und mit ver­meintlich­er Sicher­heit wer­ben, weil man für die Teil­nahme an ihnen “angemeldet” sein muss; dazu weit­er unten mehr. Diese auf­grund der benötigten (meist nicht offe­nen) Anmel­dung eher nutzer­ar­men “Track­er”, zen­trale Anlauf­stellen zum Auffind­en von Dateien (dazu eben­falls weit­er unten mehr), haben natür­lich auch weniger Dateien im Ange­bot. Weniger Benutzer, die gle­ichzeit­ig weniger Dateien herun­ter­laden möcht­en, verur­sachen natür­lich auch weniger Leitungsaus­las­tung bei den Gegenübern, das bedeutet, sie kön­nen diese weni­gen Dateien auch schneller herun­ter­laden. Ob das wirk­lich uneingeschränkt als Vorteil gew­ertet wer­den kann?

Mehr noch: Auf der Jagd nach immer den neuesten Dateien haben “alte” Dateien im Bit­Tor­rent-Sys­tem oft das Nach­se­hen. Über­trieben dargestellt: Ein Kinofilm, der bere­its nicht mehr in den “Top 10” ist, wird aus dem Netz ent­fer­nt, “will eh kein­er mehr haben”, und die frei gewor­dene Band­bre­ite ste­ht den neuesten Veröf­fentlichun­gen zur Ver­fü­gung. Der inter­essierte Nutzer ste­ht dann vor 0 Quellen (“Seed­ern”) und darf auf dem jew­eili­gen Track­er bet­teln (“requesten”) gehen, damit die Datei — für eine kurze Zeit — wieder zur Ver­fü­gung ste­ht.

Das mit der Geschwindigkeit ist ohne­hin so eine Sache. Oft gewor­ben wird auch mit “Seed­box­en” oder “Web­seeds”, also par­al­lelem Herun­ter­laden von schnell ange­bun­de­nen Web- und speziellen Bit­Tor­rent-Servern, die in irgen­deinem Rechen­zen­trum ste­hen. Nun ist diese Tech­nik nicht neu und schon gar kein her­aus­ra­gen­des Kri­teri­um von Bit­Tor­rent, denn zum Beispiel eMule beherrscht das Herun­ter­laden von Web­servern und einzugeben­den IP-Adressen, etwa einem in einem Rechen­zen­trum herum­ste­hen­den Serv­er mit aMule, schon lange; diese Quellen kön­nen in beliebiger Zahl Teil des ed2k-Links sein oder während der Laufzeit manuell hinzuge­fügt wer­den.

Sich­er ist sich­er.

Ich erwäh­nte im vorigen Abschnitt kurz die ver­meintliche Sicher­heit von “ALT”. Man sei ja unter sich, heißt es aus Bit­Tor­rent-Nutzerkreisen. “Unter sich”?
Bei der Anmel­dung auf einem solchen “ALT” wird sel­ten die Iden­tität des sich Anmelden­den über­prüft. Dass bis­lang offen­bar kein Recht­san­walt von unan­genehmen Konz­er­nen wie etwa Sony von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht hat, bedeutet nicht, dass dies auch zukün­ftig nicht passieren wird. Natür­lich: Bit­Tor­rent war nie dafür gemacht, Schwarzkopi­en zu verteilen; eMule allerd­ings eben­so wenig.

Zumal Bit­Tor­rent zwar verteilt, aber doch zen­tral­isiert arbeit­et, denn die Track­er, die die ini­tialen Quel­len­lis­ten oder auch nur die Mag­net-Links bere­i­thal­ten, sind abschalt­bar. Schal­tet man einen solchen Track­er also ab und hat nicht das Glück, dass auf ihm rück­ver­fol­gbare Spuren von Nutzern zu find­en sind (so ein “ALT” spe­ichert auch die Upload­rate eines Teil­nehmers, wie prak­tisch für poten­zielle Abmah­n­er!), so hat man doch zumin­d­est viele Dateien vor­erst ent­fer­nt, und viele Nutzer guck­en erst ein­mal in die Röhre und müssen sich nach ein­er anderen Quelle umse­hen. Ähn­lich ver­hielt es sich früher mit eMule und den eDon­key2000-Servern; seit eMule jedoch mit Kadem­lia ein voll­ständig dezen­trales Netz unter­stützt, das ohne jegliche Unter­stützung eines zen­tralen Servers mit anderen Benutzern kom­mu­nizieren kann, ist dieses Prob­lem hier eben­falls nicht von Bedeu­tung.

Wer jeden­falls die “Sicher­heit” eines Sys­tems, das im Wesentlichen darauf basiert, dass man sich gegen­seit­ig über die weltweit ein­deutige Anschlussken­nung, eben die IP-Adresse, iden­ti­fiziert, in Rela­tion zu einem anderen Sys­tem set­zt, das eben­falls so arbeit­et, der ist zumin­d­est als naiv anzuse­hen. Übri­gens funk­tion­iert das Herun­ter­laden von Web­servern auch nicht anders: Sofern sie nicht, wie ich, ihre Besuch­er anonymisieren, haben die Betreiber von Down­load­por­tal­en wie etwa Rapid­Share jed­erzeit Zugriff auf die ein­deutige Ken­nung, die benutzt wurde, um eine Datei mit nachvol­lziehbarem Namen zu einem nachvol­lziehbaren Zeit­punkt herun­terzu­laden, was meines Wis­sens bish­er indes noch nicht vorkam (ausgenom­men hier­von die Fälle, in denen Per­so­n­en, die Dateien dort veröf­fentlicht haben, rechtlich belangt wur­den, was immer­hin zeigt, dass dies nicht aus­geschlossen ist). (Schwachsinn ist es vor diesem Hin­ter­grund auch, sich unter Angabe sein­er Real­dat­en, unter anderem der Bankverbindung, einen so genan­nten “Pre­mi­u­mac­count” bei einem dieser Anbi­eter zu besor­gen, um sich so ein­fach­er die heiße Ware beschaf­fen zu kön­nen. Solche Leute wür­den wohl auch bewaffnet in eine Bank spazieren und unter Vor­lage ihres Per­son­alausweis­es die Her­aus­gabe der Kasse ver­lan­gen; aber ich schweife ab.)

Möchte man an der schö­nen Tauschwelt teil­haben, ohne seine Iden­tität preiszugeben, bleibt let­ztlich nur die Iden­titätsver­schleierung mit­tels VPN (Vir­tu­al Pri­vate Net­work, mehr dazu in der Wikipedia). Der­art anonymisiert ste­ht einem die Welt für jegliche Schand­tat­en offen. Warum nicht auch für eMule? (Eine umfassende bebilderte Anleitung, wie man eMule auf abse­hbare Zeit selb­st mit nur wenig Ahnung von der Materie abmahn­sich­er betreiben kann, habe ich vor nicht langer Zeit im gulli:board ver­fasst.)

Wer suchet, der find­et.

Was übri­gens haben Gnutel­la-Clients und eMule, was Bit­Tor­rent bis heute fehlt und wohl auch weit­er­hin fehlen wird?
Oben im Bild ist es zu sehen: Sie bieten die Möglichkeit an, nach Dateien direkt aus der Pro­gram­mober­fläche her­aus zu suchen.

Die unzulänglich dezen­tral­isierte Struk­tur von Bit­Tor­rent bringt es mit sich, dass es keine zen­trale Anlauf­stelle gibt, die nach Dateien und Quellen befragt wer­den kann. Sind es bei Gnutel­la und eD2K die Serv­er, so ist es bei Kadem­lia die verteilte Suchan­frage via Weit­er­leitung über die einzel­nen Net­zteil­nehmer. Bit­Tor­rent erlaubt dies mit­tels DHT eben­falls, bleibt allerd­ings auf den jew­eili­gen Track­er beschränkt. Will man via Bit­Tor­rent eine Datei herun­ter­laden, so ist zunächst eine Suche in den ein­schlägi­gen Foren und auf ver­schiede­nen Track­ern nötig; und wird man fündig, so ist es dur­chaus nicht unwahrschein­lich, dass man auf den Hin­weis “0 Seed­er” stößt. Dies ist, wie ich meine, das größte Manko von Bit­Tor­rent; denn Dateien, die ich nicht finde, kann ich nicht herun­ter­laden, völ­lig unab­hängig davon, mit welch­er Geschwindigkeit ich sie herun­ter­laden kön­nte, fände ich sie denn. Die Wichtigkeit des Konzepts File­shar­ing wird hier wieder deut­lich.

Ein wenig polemisierend schrieb ich als Kom­men­tar zu der ein­gangs erwäh­n­ten Nachricht, eMule habe nun­mehr ein weit­eres Tauschbörsen­pro­gramm über­lebt. Ich bin mir sich­er, es wird nicht das let­zte bleiben.

Und das mit gutem Grund.

(Oder hat schon ein­mal jemand von euch, liebe Leser, ein Plüschbit­tor­rent gese­hen?)

Senfecke:

    • Deine Augen­farbe ist mir nicht bekan­nt, aber ich werde dich mitunter daran erin­nern, wenn Dumm­bun­tu mal wieder nicht so will wie du … :)

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