PolitikIn den Nachrichten
Kurz verlinkt XLII: Auge um Auge…

Die Demokratie zu vertei­di­gen ist ein ehren­haftes Ansin­nen:

Am Sonnabend sagten Nato-Offiziere, die Allianz werde keine Gespräche führen, bevor die [libysche] Regierung aufhört, Zivilis­ten anzu­greifen.

Weil näm­lich:

[D]er libysche Dik­ta­tor habe “Waf­fen­ruhe ange­boten, nur um weit­er­hin grundle­gende Men­schen­rechte zu ver­let­zen.

Und statt Gesprächen machen sie dann halt so was:

Ein Nato-Luftschlag in Tripo­lis tötete den Sohn von Muam­mar al-Gaddafi, sagte ein libysch­er Regierungssprech­er.

Saif al-Arab und drei von Gaddafis Enkeln seien in ein­er Vil­la auf dem Bab al-Aziziya-Gelände gestor­ben.

Die sind ja auch sel­ber schuld, wenn ihr Opa Men­schen­rechte ver­let­zt! Da sehen sie mal, wie das ist!

Ich bin dann doch aus­nahm­sweise mal ein biss­chen stolz, dass Deutsch­land sich nicht zu ein­er klaren Entschei­dung durchrin­gen kon­nte.

(Über­schrift und Quelle: Fefe)

Fotografie
Teurer Spaß.

In einem spon­ta­nen, gle­ich­wohl über­raschen­den Anflug von Heit­erkeit ger­adezu pubertär­er Natur dachte der Vorüberge­hende:

“Bei den Preisen ist es ja kein Wun­der, dass die Zahl der Teenager­schwanger­schaften eben­so wie die Zahl der Armen kon­tinuier­lich steigt. Wirk­lich hart trifft die Preis­gestal­tung aber vor allem diejeni­gen, die trotz kleiner­er Maße den vollen Preis zahlen sollen.”

Musikkritik
Van der Graaf Generator — A Grounding in Numbers

Jüngst lauschte ich dem neuen Werk “A Ground­ing in Num­bers” der britis­chen Pro­gres­sive-Rock-Leg­ende Van der Graaf Gen­er­a­tor und sah Poten­zial für einen kurzen Ver­riss mein­er­seits. Er fol­gt:

Die Geschichte Van der Graaf Gen­er­a­tors ist bewegt, bedenkt man, dass die Band sich seit ihrem Beste­hen mehrfach aufgelöst und umbe­set­zt hat und zwis­chen zwei Stu­dioal­ben (“The Qui­et Zone/The Plea­sure Dome”, 1977, und “Present”, 2005) auch schon mal 28 Jahre vergin­gen. Anders als etwa King Crim­son, deren Geschichte ähn­lich ver­lief, hat­ten “VdGG” aber auch mit verän­dert­er Instru­men­tierung nie ihren Stil als Marken­ze­ichen, das leicht düster-the­atralis­che Dra­ma in Musik­form, aufgegeben, was wohl auch der Stimme Peter Ham­mills zu ver­danken ist, dem nicht umson­st unheil­volle Beina­men wie “King of Fear”, “König der Angst” also, angedichtet wer­den.

Nun also ist “A Ground­ing in Num­bers” das neue Album der zum Trio geschrumpften Band (Sax­o­phon­ist David Jack­son hat­te bere­its nach “Present” zum wieder­holten Mal aus unbekan­ntem Grund seinen Hut genom­men), und es ist ein Konzep­tal­bum zum The­ma Math­e­matik gewor­den.

Die Texte Van der Graaf Gen­er­a­tors waren ja schon immer etwas boden­ständi­ger als die von Gen­rekol­le­gen wie Yes, sieht man von deren Popaus­fällen ein­mal ab, insofern ist das eigentlich noch keine Erwäh­nung wert. Was aber “A Ground­ing in Num­bers” anzuhören ist, ist ein beina­he schon radikaler Schnitt in allem, was die Musik der Band einst ausze­ich­nete.

Rück­blende: Nach dem dro­gen­schwan­geren Psy­che­del­ic-Rock-Debüt “The Aerosol Grey Machine” von 1969 wandten sich “VdGG” in neuer Beset­zung dem Pro­gres­sive Rock zu und veröf­fentlicht­en eine Rei­he von leg­endären Alben wie “H to He who Am the Only One” von 1970, deren markan­testes Merk­mal die Instru­men­tierung (Orgel/Basspedal, Schlagzeug, Sax­ophon, sel­ten Gitarre) ist. Sax­o­phon­ist David Jack­son wurde später von einem Vio­lin­is­ten vertreten, wodurch die mitunter Angst ein­flößende Stimme von Peter Ham­mill noch apoka­lyp­tis­ch­er (ist das ein Wort?) wirk­te.

Und jet­zt also: “A Ground­ing in Num­bers”, nach “Tri­sec­tor” das zweite Album in Tri­obe­set­zung, aber was auf “Tri­sec­tor” noch wirk­te, näm­lich statt des Sax­ophons Gitarre und Orgel als Klang bes­tim­mende Instru­mente zu ver­wen­den, schlägt auf “A Ground­ing in Num­bers” fehl. In ein­er anderen Rezen­sion las ich, “A Ground­ing in Num­bers” sei in der “VdGG”-Diskografie so etwas wie “Road Salt One” in der von Pain of Sal­va­tion: Statt in epis­ch­er Bre­ite Geschicht­en zu erzählen, konzen­tri­ert sich die Band auf kurze Lieder und geht dabei so spär­lich wie möglich vor. In gewiss­er Weise hat “A Ground­ing in Num­bers” die Merk­male von Peter-Ham­mill-Soloal­ben, die auch stets eher zer­brech­lich als bedrohlich wirken.

Über­haupt ist mir nach Ablauf der fast 49 Minuten — und immer­hin 13 kurzen Stücke — nicht so ganz klar, was ich nun von dem Album hal­ten soll. Wäre da nicht das über­ra­gende, lei­der nicht repräsen­ta­tive “Mr. Sands”, ich hätte wohl besten­falls die Achseln gezuckt. Instru­men­tale Ambi­entstücke statt extro­vertiert­er Dra­matik; habe ich verse­hentlich das falsche Album im Spiel­er? Ich schaue noch ein­mal nach: Nein, es stimmt.

Ja, “A Groud­ing in Num­bers” ist Kun­st, ein Musikalbum, das sich mit der Math­e­matik befasst; sozusagen schon Metakun­st. Ich bin kein Kun­stken­ner und ich geste­he jed­er Kun­st zu, dass sie Meis­ter­w­erke her­vor­brin­gen kann. Kunst­werke, die ich nicht ver­ste­he, lobe ich allerd­ings auch nicht ehrfürchtig, son­dern ich lasse sie links oder rechts liegen und warte, bis irgendw­er sie wegräumt. Und genau so geht es mir mit diesem Album: Ich lasse es nun liegen und warte, bis es ver­staubt.

Vielle­icht werde ich es später noch ein­mal her­vorkra­men und den “Aha!”-Moment erleben, so ähn­lich ging es mir vor einiger Zeit ja auch mit King Crim­sons “Lizard”. Man schimpfe mich einen Banau­sen, aber hier und jet­zt ringt es mir nur ein Gäh­nen ab.

NetzfundstückeKaufbefehle
Adrenalin.

Da lese ich doch ger­ade bei Klopfer, dass tat­säch­lich eine Spieleschmiede einen Bauern­hof­sim­u­la­tor — “mit Schäfer Hein­rich” — an den Mann brin­gen will. Absurde Vorstel­lung!

Immer­hin sind die Ansprüche von Com­put­er­spie­len in den let­zten zwei Jahrzehn­ten sprung­haft gestiegen, von vere­inzel­ten “Hä?”-Ausfällen wie etwa Minecraft ein­mal ganz abge­se­hen. Es genügt eben als Spielziel nicht mehr, einen Bauern­hof zum Sieg zu führen. Man betra­chte nur ein­mal andere aktuelle Spieleti­tel wie zum Beispiel Por­tal 2 oder, äh …

…, ich hab nichts gesagt, entschuldigt die Störung.

(Mit spätem Dank auch an V.!)

Fotografie
Illusionen.

Ich mag es, gesam­melte Schmier­ereien aus mehreren Jahren Schulöd­nis zu lesen.

Nicht, weil mich Ästhetik oder wenig­stens Wort­ge­wand­heit überzeu­gen wür­den, son­dern, weil Fund­stücke wie dieses bildlich Auskun­ft über das Leben des Schreiben­den geben:

Der (ver­mut­lich) jun­gen Dame ging vor Ver­liebtheit verse­hentlich ihr deutsch­er Wortschatz flöten.
Ich frage mich, was sie heute denkt, wenn sie ihr Kunst­werk sieht.

Vielle­icht: “Jet­zt ist es beina­he auf den Tag genau zwei Jahre her, dass ich diesem einen Jun­gen mein ganzes Herzblut wid­mete. Und wo ist er heute? Fort mit all unser­er gemein­samen Geschichte!”

Vielle­icht auch: “Jet­zt kenne ich ihn schon über zwei Jahre lang und bin immer noch so glück­lich wie am ersten Tag, mein Leben mit einem so wun­der­vollen Men­schen teilen zu dür­fen.”

Vielle­icht aber auch: “Ich weiß selb­st nicht mehr, was damals in mich gefahren ist. So toll war das alles nicht. Hat mal jemand Tipp-Ex?”.

Manch­mal ist es schade, dass so ein Bus nicht sprechen kann.

Persönliches
Mitgefühl für Donald Duck

Kein Men­sch ist per­fekt. Per­fek­tion ist etwas, was den Men­schen wie ein unerr­e­ich­bares Ide­al eigentlich sein Leben lang ver­fol­gt; beziehungsweise, genau genom­men, ander­sherum. Und ger­ade, wenn man sich der eige­nen Unper­fek­tion bewusst ist, ist es ver­meintlich um so wichtiger, nicht im Still­stand zu ver­har­ren, son­dern sich immer wieder qua­si selb­st neu zu erfind­en.

Oft geht das aber gründlich schief. Vor Jahren gab es einen kurzen Don­ald-Duck-Com­ic, der unge­fähr so ging: Don­ald hil­ft sein­er Fre­undin Daisy dabei, ihr Haus umzugestal­ten, und fol­gt hierzu ihrer Bitte, das — natür­lich — schw­er­ste Möbel­stück des Zim­mers an eine andere Stelle zu rück­en. Jed­er neue Stellplatz aber miss­fällt Daisy, und schließlich, als Don­ald längst außer Atem ist, beschließt sie, dass er es wieder dort, wo es ursprünglich stand, hin­tra­gen solle, denn dort hat­te es ihr am besten gefall­en. Damit endet die Geschichte.

Manch­mal erlebt ein Men­sch Momente, von denen er sich wün­scht, dass sie nie verge­hen mögen. Sobald sie vorüber sind, erwächst in ihm der Wun­sch, diesen Moment noch ein­mal zu erleben. Wenn diese glück­lichen Momente aber Momente der Zweisamkeit sind, obliegt es nicht allein dem eige­nen inneren Schweine­hund, son­dern dem Kon­sens, einen ähn­lichen Zus­tand wieder her­beizuführen.

Wie gern ist man da geneigt, gewohnte Ver­hal­tensweisen, wenn nötig, abzule­gen! Wenn der selb­st vom Lauf der Zeit geze­ich­nete Part­ner, mit dem man gemein­sam nächte­lang das Leben genoss und, kaum war diese Zeit vorüber, wegen dessen man allein nächte­lang am Leben zer­brach, nun als Faustp­fand für die Ewigkeit erwartet, dass man sein Selb­st in den Dienst der Zweisamkeit stellt, dann wirft man nur allzu gern alle lieb gewor­de­nen Gewohn­heit­en über Bord, winkt doch zum Tausch gegen Alt­las­ten die Frei­heit des Herzens.

Was ist nun aber zu tun, wenn es let­zten Endes doch die abgelegten Alt­las­ten sind, die der Part­ner ver­misst?
Wenn jed­er Schritt im Bewusst­sein ander­er ein Schritt in die falsche Rich­tung ist, ist dann nicht der Still­stand der beste, weil einzig kom­pro­miss­fähige aller Lebenswege?

Aus dem Leben Don­ald Ducks, so fik­tiv es auch sein mag, kann man vieles ler­nen; und es bess­er machen.

PersönlichesNetzfundstücke
Dells Keingutschein

Pro­log: Im Reich der Leg­en­den gibt es immer wieder solche, die sich darum drehen, dass elek­tro­n­is­che Bedruck­ung nicht immer zu den gewün­scht­en Ergeb­nis­sen führt, wie etwa die Inter­net­seite The Dai­ly WTF gern zeigt, so etwa hier.

Kom­men wir zum The­ma: Vor ein­er Weile fragte mich ein Haushalt um Rat, welch­er Com­put­er­her­steller denn Geräte anbi­ete, deren Anschaf­fung sich qual­i­ta­tiv lohne. Arg­los emp­fahl ich Dell und bestellte ein geeignetes Mod­ell.
Gestern nun erre­ichte mich als Kon­se­quenz dieser Tat ein Wer­be­prospekt des Unternehmens, der mich zu meinem Kauf beglück­wün­schte und inliegende Son­derange­bote ver­sprach, Gutschein inklu­sive. Ich blät­terte nun also vorhin darin und suchte erfol­g­los nach dem ver­sproch­enen Gutschein.

Gutscheine in Prospek­ten erken­nt man meist schon beim Über­fliegen, sie wer­den meist deut­lich akzen­tu­iert gedruckt; jedoch fand ich zwar mehrfach einen Hin­weis auf den Rabatt, den mir der Gutschein für kün­ftige Anschaf­fun­gen gewähren sollte, nicht aber den Gutschein selb­st.

Darob frus­tri­ert wid­mete ich mich also dem edi­to­r­i­al und fand, was ich zuvor überse­hen hat­te:

“Wie trick­re­ich!”, sprach ich zu mir.
Auf einen solchen Gutschein­code würde so bald nie­mand kom­men.

Ob Dell damit ver­sucht, sub­til gegen die zahlre­ichen Inter­net­seit­en vorzuge­hen, die sel­bige ver­bre­it­en, weiß ich nicht; aber kreativ sind sie ja, das muss man ihnen lassen.

NetzfundstückeMusik
Der Wert der Musik

Was Musik wert sei, fragte Caschy und stellte sodann eine Behaup­tung auf:

Ich stelle mal eine Behaup­tung auf: vor uns liegt eine Zeit, in der wir pauschal für Kun­st bezahlen. Zumin­d­est Musik. Die großen Plat­ten­fir­men wer­den Verträge mit Apple, Google, Ama­zon, Microsoft & Co abschließen — und über jene Fir­men wer­den wir in irgen­dein­er Form unsere Mucke beziehen, bzw. beziehen wir unsere Tracks bere­its daher. Aber, vielle­icht wird es ja in Zukun­ft anders. Nicht mehr einzeln per Track – son­dern das kom­plette Ange­bot kann für eine pauschale Summe gehört wer­den.

Das alte The­ma der Musik­pauschale also ist es, das Caschy bewegt. Das ist ein dur­chaus wichtiges The­ma: Sollte die qua­si gegebene All­ge­gen­wär­tigkeit von Musik nicht auch neue geset­zliche Ver­trieb­smöglichkeit­en mit sich brin­gen? Die oft gescholtene “Gen­er­a­tion Down­load”, die, genau genom­men, gen­er­a­tionsüber­greifend ist, lädt bish­er auf legalem Wege hin und wieder ein paar Stücke herunter. Wie aber die Minu­ten­tar­ife der Inter­ne­tan­bi­eter irgend­wann fla­trates wichen, so wäre ein eben­solch­er Tarif auch für Musik, so argu­men­tieren manche, nur der näch­ste logis­che Schritt. Als “Fortschritt” wird es von diesen (tech­nis­chen Entwick­lun­gen gegenüber dur­chaus meist aufgeschlosse­nen) Leuten meist beze­ich­net, den Wert von Musik nicht mehr in Tantiemen per Minute oder Kilo­byte zu messen, son­dern die Ware für einen wie auch immer berech­neten Obu­lus gän­zlich von ihrem indi­vidu­ellen finanziellen Aspekt zu befreien. (Ich lege zur weit­eren Lek­türe die Abhand­lung “Gut kopiert ist halb gewon­nen” von Jens Seipen­busch neb­st dazu gehören­dem Kom­men­tar­bere­ich ans Herz.)

Eines ste­ht außer Frage: Will man sich ein­er bre­it­en (im Sinne ein­er zahlre­ichen) Zuhör­erschaft erschließen, sind dig­i­tale Ver­trieb­swege in jegliche Über­legun­gen mit einzubeziehen. Musik ist Kun­st, und sei es noch so schlechte Kun­st, und sie lebt von den Men­schen, nicht aber die Men­schen von ihrem Ausverkauf.

Es wird dem Wert der Musik also nicht gerecht, bez­if­fert man ihn in bloßer Währung. Tat­säch­lich reden die Ver­mark­ter von Wert und meinen Umsatz. Der Umsatz, den ein Pro­dukt gener­iert, ist aber in der Regel um ein Vielfach­es höher als der bloße (Material-)Wert. Musik wird hier also behan­delt wie Klei­dung und Lebens­mit­tel. Allein: Welchen Mate­ri­al­w­ert hat so ein Musik­stück? Es geht doch vielmehr um das “geistige Eigen­tum”, und das “geistige Eigen­tum” eines Liedes liegt nicht bei Sony oder son­sti­gen Schat­ten­riesen, es sei denn, der Konz­ern Sony hat es höch­st­selb­st erdacht. Kann man diesen “geisti­gen” Wert in Währung umrech­nen? (Wie ste­ht der Wech­selkurs?)

Nun gibt es zwei Arten von Musik­lieben­den: Jene, die Musik als Kunst­werk ver­ste­hen, und die schon erwäh­nte “Gen­er­a­tion Down­load”. Ersteren ist der Siegeszug der Schallplat­te und inzwis­chen der CD zu ver­danken, die den Musikver­mark­tern zu Villen und teuren Autos ver­holfen haben, und sie frö­nen ihrer Lieb­haberei meist jahrzehn­te­lang. Der Musikin­dus­trie aber ist das, so scheint es mir, weit­ge­hend hupe, sie haben sich auf die zweit­ere Gruppe fix­iert, denn von ihr kön­nen sie zwar nicht erwarten, dass sie in großen Stück­zahlen Musikalben erwer­ben, wohl aber, dass ihr Taschen­geld für “Remixe”, Klin­geltöne und vor allem einzelne Lieder in kaput­tkom­prim­iert­er Bitrate draufge­ht.

Ein noch nicht allzu anges­taubtes Beispiel: Im Jahr 2009 erschien das Gesamtwerk der Bea­t­les erst­mals kom­plett neu abgemis­cht und — auch die ersten Alben — in Stereo. Dass es von dieser “Box” unter anderem auch eine lim­i­tierte (und teurere) Auflage gibt, in der selb­st die Ton­träger, bekan­ntlich ein nicht uner­he­blich­er Aspekt eines Musikalbums, einem (immer­hin hüb­schen) USB-Stick weichen mussten, zeigt schon, wohin die Reise wohl gehen soll, aber ich möchte eigentlich auf etwas ganz anderes hin­aus, näm­lich auf die enthal­tene Musik selb­st.

In den Kom­mentaren auf Online­plat­tfor­men wie etwa Amazon.de zeigt sich ein Großteil der Käufer über das ihnen Offen­barte höchst erfreut; Plat­tfor­men, die naturgemäß zum Revi­er der “Gen­er­a­tion Down­load” gehören. Die Spanne der pos­i­tiv­en Anmerkun­gen reicht hier von “endlich muss man die Alben nicht mehr einzeln kaufen” bis “endlich kann ich die blö­den alten Bea­t­les-Schnulzen auch mal in Stereo hören”. Inter­es­sant ist es aber zu sehen, dass kein­er der Fünf­bestern­er sich über­haupt mit den Änderun­gen in punc­to Qual­ität dieser Stereo-Abmis­chun­gen befasst zu haben scheint, denn darüber ver­lieren sie kein Wort. Vere­inzelt melden sich dort aber auch jene zu Wort, die Musik als Kunst­werk ver­ste­hen, und ihr Faz­it ist ernüchternd: Detail­liert zwar, aber auch kraft­los klän­gen die neuen Fas­sun­gen, oben­drein fehle den meis­ten Stück­en die einst deut­lich zu hörende Dynamik. Es sei, als habe man ein­fach alles ein wenig lauter gedreht und das Über­ste­hende abgeschnit­ten.

Nur ist das keine Ein­bil­dung, son­dern, Musik­fre­unde bitte hin­set­zen, fes­thal­ten und auf einen Messer­griff beißen, beab­sichtigt. Die ver­ant­wortlichen Ton­tech­niker, denen ich von Stund an ungeachtet guter und richtiger Stel­lung­nah­men (“diese dum­men, kleinen Ohrsteck­er, die Apple, also die Com­put­er­fir­ma, mitliefert, sind offen gesagt völ­liger Schrott”) for­t­an keine ruhige Nacht mehr wün­sche, ver­melde­ten:

Wir lassen die Bea­t­les lediglich so klin­gen, wie man sie immer wahrgenom­men hat, nur bess­er denn je.

Detail­liert liest sich das so:

Let­ztlich mussten wir die neuen CD-Ver­sio­nen den heuti­gen Hörge­wohn­heit­en der bre­it­en Masse anpassen, die vor allem alles unglaublich laut und weniger dif­feren­ziert hören will. (…) Wir arbeit­en den Erwartun­gen der Plat­ten kaufend­en Öffentlichkeit zu.

Meines Empfind­ens sind Zitate wie diese aus­sagekräftig genug, um zu beschreiben, welchen Wert man, geht es nach dem Dafürhal­ten der Rechtev­er­w­ert­er, der Musik, ver­glichen mit dem ständi­gen weißen Rauschen, das uns umgibt, in dieser schnel­llebi­gen Zeit noch beimessen soll. Allein: Ich ver­weigere mich dem.

Es gibt zwei Arten von Musik­lieben­den. Ratet, welche von ihnen den Wert der Musik zu schätzen weiß.

Musik hat die Men­schen zu allen Zeit­en bere­ichert, sie durch gute und schlechte Zeit­en begleit­et. Musik berührt ihr Inner­stes und bringt ihr Äußeres zum Tanzen. Musik reißt Brück­en ein und baut dafür neue wieder auf. Musik ist die Sprache der Liebe und der Ein­samkeit; Musik ist eine Sprache, die jed­er ver­ste­ht. Musik ist der Weg und das Ziel zugle­ich. Das, nichts anderes, ist der Wert der Musik.

Spaß mit Spam
Natalya interessiert sich für eine.

Ein weit­er­er elek­tro­n­is­ch­er Liebes­brief trudelte ger­ade in meinem Liebes­brief-Sam­mel­post­fach ein. Warum er das tat, weiß ich nicht, denn die angegebene Adresse ist nicht meine; aber ich freue mich ja immer über etwas Zuwen­dung.

Eine gewisse “Natalya Small” bit­tet um meine Aufmerk­samkeit mit fol­gen­dem Anliegen:

Ich inter­essiere mich fur eine zuver­las­sige mannliche

Wäre ich ger­ade ein biss­chen zynis­ch­er, würde ich ja nun fra­gen, ob da das Wort “Putze” fehlt, aber es ist ja noch das Kar­woch­enende, und da soll man nicht immer tanzen, sin­gen und so böse sein, sagt der Papst, weil man dann in die Hölle kommt.

Aber stattdessen lese ich die Stel­lenbeschrei­bung, vielle­icht spricht mich das Ange­bot ja an?

Hal­lo!
Ich bin Natalya.

Hal­lo!
(Erstaunlich, auf was für lustige Absender-Mailaliase (in diesem Fall “bub_weymouth”) man so kommt, wenn man Natalya heißt. Aber ich sollte mich nicht bekla­gen, meine Mailadressen sind auch manch­mal ziem­lich selt­sam gewählt.)

Ich fullte ein Pro­fil im Dat­ing-Agen­tur vor Ort, und jet­zt habe ich ‘ve Ihre E‑Mail.

“Vor Ort” ist übri­gens ein Ter­mi­nus aus der Kriegs­berichter­stat­tung. Find­et man meine Mailadresse in Flirtzen­tren in umkämpften Land­strichen? Ach, Natalya, ich wüsste nur zu gern, wo ich Sie verorten kann!

Wom­öglich auch im All; bin ich doch sich­er nicht der einzige, dem “ich ‘ve” bekan­nt vorkommt.
Jar-Jar Binks, du bist ertappt!

Ander­er­seits:

Ich habe nicht dein Pro­fil oder Bild gese­hen, aber in der Agen­tur mar­rige sie Sie erzahlten mir, dass wir miteinan­der kom­pat­i­bel sind.

“Agen­tur mar­rige” klingt dann doch ziem­lich franzö­sisch; “aschen­tür mar­ri­esch”. Eine possier­liche Sprache eigentlich.
Sie, verehrte Natalya, irren übri­gens, denn ich erzählte Ihnen, glaube ich, noch gar nichts. Als dem Nerd­tum nicht grund­sät­zlich abgeneigter Empfänger muss ich übri­gens dann doch ein biss­chen kich­ern: Mann und Frau sind also “kom­pat­i­bel”. Plug-and-Play-Unter­stützung inklu­sive, nehme ich an.

Ach, einen Anhang hat die Gute auch mit­geschickt. Was mag das nur sein?
Es han­delt sich um eine Bild­datei. Zu sehen ist eine Aller­welts­blon­dine, Marke Nicht­mein­typ. Um wen es sich han­delt, kann ich nur rat­en, sofern ich jedoch richtig rate, legt sich meine Libido dann doch lieber noch ein paar Stun­den aufs Ohr, während ich weit­er begierig die Buch­staben ver­folge.

Ich glaube, Sie haben meine Fotos nicht gese­hen, und so bin ich Ihnen mein Bild.

Auch ich bin Ihnen mein Bild; und zwar bis auf Weit­eres schuldig.

Ich habe nicht Fre­und, und ich hoffe, dass wir inter­es­sante Dia­log haben.

Ist die Zuge­hörigkeit zu einem etwaigen Lebens­ge­fährten ein Grund, dass Dialoge weniger inter­es­sant sind? Nun, je nach Nei­gung ver­mut­lich schon. Aber einen inter­es­san­ten Dialog­be­ginn habe ich mir schon über­legt: Wie kommt es eigentlich, dass eine Aller­welts­blon­dine, Marke Nicht­mein­typ, unbekan­nter Herkun­ft so wenig Aus­sicht auf dauer­hafte Bindung in näher­er Umge­bung hat, dass sie sich eines solchen Mit­tels bedi­enen muss?

Dies ist meine pri­vate E‑Mail und Sie kon­nen mir schreiben.

Welche — die Absender­adresse oder die, die als Antwor­tadresse angegeben ist? Wom­öglich bei­de?
Sicher­heit­shal­ber sollte ich die Agen­tur danach fra­gen. Aber wie erre­iche ich die?

Ach, es ist alles so furcht­bar kom­pliziert!

Ich werde fur Ihre Antwort warten. Natalya Small

Das eigentlich Entspan­nende an dieser Mail ist ja, dass immer­hin die förm­liche Anrede kon­se­quent beibehal­ten wird, was dur­chaus nicht üblich ist in den Liebes­briefen dieser Tage.

Aber ich schätze, ich werde die Dame den­noch warten lassen.

PersönlichesNetzfundstückeNerdkrams
Last.fm und ich

Und da wir ger­ade beim Ver­linken waren:

Nicoro­la und daraufhin unter anderem der mir bis dahin völ­lig unbekan­nte Herr beet­FreeQ war­fen jüngst die Frage auf, warum wir ollen Musik­fa­natik­er — auch bei den Schall­gren­zen wird “gescrobbelt” — uns eines Dien­stes wie Last.fm bedi­enen, an den wir zwar mit fast sämtlichen Geräten, die wir so zum Musikhören nutzen, über­mit­teln kön­nen, was wir ger­ade so hören, der uns aber anson­sten keinen wirk­lichen Mehrw­ert bringt.

Das Prinzip von Last.fm ist eigentlich sim­pel: Man meldet sich an, gibt dann die Anmelde­dat­en in das Last.fm-fähige Gerät sein­er Wahl ein und weiß for­t­an genau, was man wann gehört hat. Das sieht zum Beispiel so aus, wenn man ich ist. Vor Jahren war das eine Inno­va­tion, inzwis­chen kann man sich vor Nachah­mern kaum mehr ret­ten. Der oft prophezeite “Tod” von Last.fm ist den­noch bis­lang aus­ge­blieben, und das ist gut, denn nicht jede Nis­che gewin­nt mit Konkur­renz. Der Vorteil von Last.fm war es bish­er, dass es eine gewisse Monopol­stel­lung inne hat­te. Das Mod­ell Last.fm mit “Empfehlun­gen” und “Grup­pen” funk­tion­iert nun ein­mal am besten, wenn die Nutzung des Dien­stes Kon­sens ist. Dien­ste mit ein paar hun­dert ver­streuten Leuten, für die es genug Alter­na­tiv­en gibt, sind zwar ganz nett und zeigen eventuell neue tech­nis­che Möglichkeit­en auf, aber soziale Ver­net­zung kann so nicht funk­tion­ieren.

Tja, warum nutze ich Last.fm? Ich hat­te mich dort vor vie­len Jahren angemeldet, weil es mir inter­es­sant erschien; gar eine eigene Gruppe (“Sgt. Pep­per Fanat­ics”) ini­ti­iert, mit der ich mich auch heute noch iden­ti­fizieren kann. Einige Leute, mit denen ich mehr oder weniger regelmäßi­gen Kon­takt habe oder jeden­falls hat­te, fan­den den Weg in meine “Fre­un­desliste”, und es war nur wenig erstaunlich, zu sehen, dass die “musikalis­che Übere­in­stim­mung” sel­ten allzu ger­ing war, tauscht man doch mit Freuden Musik aus, von der man glaubt, sie kön­nte auch dem Gegenüber gefall­en.

Anson­sten allerd­ings inter­essiert mich diese “Fre­un­desliste” unge­fähr so viel wie die mitunter als Argu­ment ange­führten “Kün­stler­bi­ografien”, die sel­ten mehr sind als Wikipedia-Zitate. Ich werde aber nicht sel­ten gefragt, “was für Musik” ich denn so höre, und da bietet sich ein Ver­weis auf mein Last.fm-Profil an, selb­st, obwohl mein heißgeliebter mobil­er Musik­spiel­er nicht mit Last.fm umzuge­hen weiß und ich nur wenig Freude an dem Gedanken habe, mein Mobil­tele­fon mit per­ma­nen­ter Inter­netverbindung und ein­er riesi­gen Musik­bib­lio­thek auszus­tat­ten und ebendieses Pro­fil somit zwar repräsen­ta­tiv, aber alles andere als voll­ständig ist. Zupass kommt manch einem Musik­in­ter­essierten übri­gens auch das Sys­tem der “Empfehlun­gen”, die Last.fm erteilt, denn nicht in jedem Genre, das man hört, hat man einen solchen Überblick über Artver­wandtes wie die Last.fm-Datenbank.

Die ver­meintliche “Konkur­renz” von Like.fm betra­chte ich übri­gens nicht als solche, denn, um bei dem Beispiel zu bleiben, ich selb­st nutze Like.fm. Like.fm bietet mir per­sön­lich den Vorteil, dass ich nicht nur meine ger­ade gespiel­ten Lieder bei Last.fm bekan­nt machen kann, son­dern oben­drein YouTube-Videos und ähn­liche Medi­en erfasst und gle­ich­falls pub­liziert wer­den kön­nen. Es ist also vielmehr eine Ergänzung als eine Konkur­renz, immer­hin ist die Anbindung an das eigene Last.fm- wie auch an ein etwaiges Face­book-Kon­to — wieso auch immer man das wollen sollte — bere­its vorge­se­hen.

“Web 2.0”, so las ich ein­mal, bedeute die Ver­net­zung von Men­schen, nicht mehr nur die von sta­tis­chen Inhal­ten. Jeden­falls mir fällt ger­ade nur wenig ein, was einen Men­schen bess­er beschreibt als sein Musikgeschmack.

Insofern ist Last.fm von seinem “Tod” sich­er weit ent­fer­nt, und auch, wenn er es dere­inst ereilt:
Der Dienst hat einen Markt begrün­det, der dem ganzen Gefasel von “sozialer Ver­net­zung” so nahe kommt wie kein ander­er vor ihm. Möge ihm noch ein langes Leben beschieden sein!

PolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Kurz verlinkt XLI: Wahre Finnen

“Wahre Finnen” (auch: “Bas­is­finnen”) heißt über­set­zt die finnis­che, ziem­lich erfol­gre­iche Partei, die seit Tagen die Kon­sens­fre­unde in Europa nicht mehr ruhig schlafen lässt, etwa Eva-Maria vom Polar­blog:

Was tun in dieser Stunde, in der die Nach­barn plöt­zlich gar nicht mehr so harm­los ausse­hen, son­dern wie sin­is­tere Charak­tere? Die es richtig gut fän­den, wenn Finn­land so täte, als sei es allein auf der Welt? Schot­ten schließen und raus aus dem Euro und den indiskutablen Por­tugiesen und Griechen den Stinkefin­ger zeigen? Weil wir ach so ordentlich sind und richtig rech­nen kön­nen? Ist das die Lösung?

Mit weniger Ironie, dafür ein­er beina­he schon über­triebe­nen Beto­nung auf den Umstand, dass die “wahren Finnen” recht­spop­ulis­tis­che Posi­tio­nen vertreten, ver­mut­lich, um die Gemüter der­er, die bei dem Wort “rechts” schon in Raserei ver­fall­en, einzus­tim­men, tönt der SPIEGEL:

Finn­lands Wahlsieger dro­hen Europa

Die “Dro­hung” sieht so aus, dass man in Finn­land offen­bar nicht mehr allzu viel Lust auf die Geld­schiebe­poli­tik der EU hat, die das Eurosys­tem über­haupt erst ermöglicht:

Soll­ten die “Wahren Finnen” tat­säch­lich in der kün­fti­gen Regierung sitzen und sich dort mit ihren Forderun­gen durch­set­zen, kön­nte Helsin­ki die EU-Ret­tung­shil­fen block­ieren.

“Ret­tung­shil­fen” ist eigentlich ein schön­er Euphemis­mus. Tat­säch­lich ist doch die EU, was wir nicht erst seit den diversen Staat­spleit­en der ver­gan­genen Jahre wis­sen, ein gescheit­ertes Mod­ell. Die Währung­sunion schien prak­tisch, war aber let­ztlich unnütz, gar kon­trapro­duk­tiv, denn die Mis­s­wirtschaft der bankrot­ten Staat­en änderte sich auch nach größeren Finanzspritzen der noch nicht ganz so bankrot­ten Staat­en nicht. (Wie auch immer man dieses “bankrott” eigentlich definiert, fast 2 Bil­lio­nen Euro Staatss­chulden genü­gen anscheinend jeden­falls nicht.) Von den eige­nar­ti­gen Ideen, die Deutsch­land der EU son­st noch so zu ver­danken hat, möchte ich in der Rubrik “Kurz ver­linkt” gar nicht erst anfan­gen, son­st wird es eine doch recht lange Ver­linkung.

Was an den Posi­tio­nen der “Bas­is­finnen” nun “recht­spop­ulis­tisch” sein soll, weiß man beim SPIEGEL lei­der eben­so wenig zu beant­worten wie Jens Berg­er, der zwar Europafeinde und Europaskep­tik­er detail­liert zu unter­schei­den weiß, aber Europaskep­sis auch mit bloßem Pop­ulis­mus aus irgendwelchen “Rich­tun­gen” ver­wech­selt.

Wir soll­ten, so meine ich, nicht mit dem aus­gestreck­ten Zeigefin­ger auf die Finnen zeigen, die mehr Mut zu eigen­ständi­gem Denken zeigen als unsere Wahlberechtigten, son­dern uns an ihnen ein Beispiel nehmen. Dass nation­al­staatlich­es Denken in Deutsch­land schnell Kri­tik­er auf den Plan ruft, ist wohl auch den Jahren bis 1945 geschuldet, sollte aber nicht davon ablenken, dass ein Staat, der zugun­sten hal­b­gar­er Inte­gra­tion in ein kul­turelles Pot­pour­ri die nationale Iden­tität — primär sind wir nun mal Deutsche und damit auch Europäer, nicht aber ander­sherum — ver­nach­läs­sigt, sich selb­st qua­si beliebig aus­tauschbar und hand­lung­sun­fähig macht.

Ist das die Lösung?

Nerdkrams
Nachtrag zu barcoo: Wer’s hat, der hat’s.

Vor eini­gen Wochen erwäh­nte ich lobend unter anderem die Anwen­dung “bar­coo” und dachte, damit erst ein­mal genug für die Würdi­gung des Android-Sys­tems getan zu haben.

Soeben allerd­ings sah ich geschwis­terbe­d­ingt Fernse­hwer­bung für das iPhone auf einem dieser trendi­gen Sender, die glauben, man fühlte sich als poten­zieller Kon­sument eher ernst genom­men, wenn man per­ma­nent geduzt wird, und da hieß es unter anderem:

“Wenn du kein iPhone hast, dann hast du auch nicht den App Store”, stimmt, ich habe stattdessen den Android Mar­ket und zahlre­iche alter­na­tive mar­kets, und damit auch keinen Zugriff auf die “größte Auswahl an apps”, was ich ja nun mal bezwei­fle, achtet Apple doch pein­lich genau darauf, was ins Töpfchen und was ins Kröpfchen wan­dert. Jeden­falls wurde als klar­er Plus­punkt für eben­je­nen App Store der Umstand genan­nt, dass es dort auch eine app gäbe, mith­il­fe der­er ich sehen kön­nte, was “in meinem Essen drin ist”, und damit war, natür­lich, bar­coo gemeint.

Ich musste ein wenig schmun­zeln, als der Schlusssatz fiel:

Wenn du kein iPhone hast…, dann hast du kein iPhone!

Ich schätze, dieser Satz wird bei mir noch eine Weile haften bleiben, spiegelt er doch das gesamte Ver­mark­tungskonzept von Apple (“wieder ein­mal alles anders”) sehr schön wieder. “Ja, es gibt Alter­na­tiv­en, aber, äh, die sind nicht von Apple!”

Danke, keine weit­eren Fra­gen.

In den Nachrichten
Minderheitenwitze

Apropos Minderheiten; Eintracht Braunschweig: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.In den let­zten Tagen ist ja einiges passiert. Ein schreck­lich­er Mod­er­a­tor des scheußlichen Radiosenders FFN (“ffn”) etwa wurde auf­grund in sein­er furcht­baren Sendung erzählter Ost­friesen­witze wegen Volksver­het­zung angezeigt. Heute nun, dem ÖPNV sei “Dank”, hörte ich aus­nahm­sweise selb­st diesen Sender und war erschüt­tert: Die Mod­er­a­toren dort macht­en sich über die offen­bar als lächer­lich emp­fun­dene Anzeige lustig, die anscheinend inzwis­chen zurück­ge­zo­gen wor­den war, erzählten den bean­stande­ten Witz gle­ich noch mal und begrün­de­ten die geschmack­liche Ent­gleisung damit, dass der­ar­tige Witze im Volk ver­bre­it­et seien. Zu Wort kam auch der fiese Volksver­het­zer (“ich habe mich schon auf den Knast gefreut, haha­ha”), und mir war irgend­wie mal so gar nicht danach, diesem Sender weit­er­hin meine wertvolle Aufmerk­samkeit zu wid­men.

Aber noch ein Aber: Witze über Min­der­heit­en sind nicht weniger frag­würdig allein dadurch, dass sie All­ge­meingut sind. Die qua­si beliebige Aus­tauschbarkeit von Ost­friesen, Blondi­nen und, sagen wir mal, Juden und der Umstand, dass in der Regel die Betrof­fe­nen selb­st am meis­ten Spaß an der­lei Witzen zu haben vorgeben, recht­fer­tigt sie noch nicht. (Huch, habe ich Juden geschrieben? Wie geschmack­los von mir!)

Ander­er­seits fol­gere ich aus der Entwick­lung, dass Witze über eth­nis­che und son­stige Min­der­heit­en nun­mehr der polit­i­cal cor­rect­ness, auf die die beliebte Femanzen­be­we­gung so gern pocht, voll entsprechen, was mir als Fre­und des gut gemacht­en Brachial­hu­mors sehr gele­gen kommt.

ffn-Pro­gram­mdi­rek­torin Ina Tenz meint: “Rand­grup­pen­witze eck­en immer an — vor allem bei den Rand­grup­pen. Mit ein biss­chen Humor erträgt sich’s leichter!”

Genau; nehmt mal alle euren Stock aus dem Hin­tern und werdet mal lock­er­er. Frau Tenz geht mit gutem Beispiel voran und erträgt selb­st vol­lkom­men niveaulose, unter jede Gürtellinie gehende, selb­st sex­is­tis­che Witze über sie mit ger­adezu stois­ch­er Gelassen­heit, nehme ich an, so als Rand­gruppe (“ffn-Pro­gram­mdi­rek­torin”) ist sie ja ger­adezu prädes­tiniert dafür.

Übri­gens, kan­ntet ihr den schon?:
Wie viele “ffn-Pro­gram­mdi­rek­torin­nen” braucht man, um eine Glüh­birne zu wech­seln? Keine einzige! Hihi.

(Na gut, war eher so mit­tel­lustig. Bessere Witze bitte als Kom­men­tar hin­ter­lassen.)

In den Nachrichten
Digitale Spießgesellen

Nur mal so ein Gedanke:

Wenn ich als einiger­maßen net­zbe­flis­sener Nicht­blog­ger, Viel­surfer und Pirat, als Klis­chee­bild des dig­i­tal­en Men­schen also, jet­zt eine Lob­byvere­ini­gung habe, die den Anspruch erhebt, bei Poli­tik­ern und ver­mut­lich auch Großin­dus­trie in meinem Namen zu sprechen, die wiederum sich sehr darüber freuen, dass sie für die bis dato abstrak­te dig­i­tale Gesellschaft jet­zt einen offiziellen Ansprech­part­ner haben:

Muss ich jet­zt eigentlich Mit­glieds­beiträge zahlen?

Netzfundstücke
Kurz verlinkt XL: Des Kraken Heil

Und da wir ger­ade bei frag­würdi­gen Weltan­schau­un­gen waren, bitte ich meine geneigten Leser aus­nahm­sweise, dieses eine Mal, bei Google — den URL bei Bedarf bitte selb­st recher­chieren — vor­beizuschauen (Proxy und deak­tivierte Cook­ies wärm­stens nahe gelegt) und sich mal eine hüb­sche Pointe für den total lusti­gen Witz zu über­legen, den sie da ger­ade machen:

Anschließend lege ich einen Besuch nebe­nan bei Mike nahe, der zu Recht fragt:

Hat schon ein­mal jemand von denen, die irgendwelche Google-ser­vices (oder andere Dien­ste ausser­halb von Google wie iwvbox, flat­tr, face­book, twit­ter, pay­pal und so weit­er und so weit­er) auf ihren Web­seit­en ein­binden, die AGB und die Daten­schutzbes­tim­mungen der betr­e­f­fend­en Dien­ste gele­sen? UND ver­standen?

Empfehlenswert ist das alle­mal.
Schönes Woch­enende!