MusikPolitik
Naziexport

(Vorbe­merkung: Im fol­gen­den Text ver­ar­beite ich die zurzeit wieder grassierende All­ge­gen­wart von Aufrufen zu Demon­stra­tio­nen “gegen Rechts”. Poli­tisch Desin­ter­essierte wer­den um höfliche Mis­sach­tung gebeten, poten­zielle Kri­tik­er ver­weise ich pro for­ma nochmals auf den Umstand, dass ich momen­tan unverän­dert pro­gres­siv-lib­eraler Pirat bin.)

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MusikIn den NachrichtenKaufbefehle
Lucien Dubuis Trio, außerdem: Neues von Yes!

Auf den Baby­blauen Seit­en fand ich heute Nacht das Lucien Dubuis Trio, ein instru­men­tales Trio (ach was?) aus der Schweiz. Die drei Musizis­ten spie­len einen Jaz­zrock, der dem Hör­er die Gehörgänge frei­pustet. Im Falle des Zweitlings “Tovo­rak” liest sich das zum Beispiel so:

Lucien Dubuis ent­lockt seinem Instru­ment die man­nig­faltig­sten Töne, die zu beschreiben keine Sprache der Welt genü­gend Wörter bere­i­thält. In allen Vari­a­tio­nen von Knur­ren, Brum­men, Tröten, Qui­etschen und Zwitsch­ern (tat­säch­lich!) wird das Sax­o­fon mal­trätiert, und es würde mich nicht wun­dern, wenn es während der Auf­nah­men geschmolzen wäre.

Gele­gentlich greift Lucien Dubuis auch zur Kon­tra-Bassklar­inette, ein Instru­ment, dessen Ausse­hen eher an ein Abflussrohr gemah­nt — und das auch genau so klingt! Ger­adezu unterirdisch sind die brum­menden, knur­ren­den, knarzen­den Töne, die er damit her­vor­bringt, und die dur­chaus mal mit lock­er swin­gen­den oder gar Reggea-arti­gen Rhyth­men kom­biniert wer­den. Eine orig­inelle Mix­tur!

Nun ist hier keineswegs ein Musik­er auf Egotrip unter­wegs, Dubuis’ Mit­stre­it­er sind alles andere als bloße Rhyth­mus­ge­ber. Roman Nowka lässt den Bass rumpeln, pumpen, hüpfen und poltern, Lionel Friedli wuselt beständig über die Felle. Dabei haben es die drei nicht per­ma­nent auf hals­brecherisches Tem­po oder ohren­betäuben­den Lärm abge­se­hen; zwar gibt es brachiale Attack­en wie das punkig-aggres­sive Insom­nie (dabei schläft man garantiert nicht ein!), das Trio hat aber auch leis­ere und langsamere Töne im Pro­gramm — nur dass diese genau so kantig, schroff und ver­trackt aus den Box­en purzeln und die Trom­melfelle des Hör­ers ver­knoten.

Die ersten bei­den Alben, “Sumo” und eben “Tovo­rak”, sind mit­tler­weile ausverkauft, dafür kann man sie gratis und legal von der Web­site der Band oder via eMule herun­ter­laden. Wärm­stens emp­fohlen!

Und da wir ger­ade bei Musik waren: Kür­zlich hat­te ich über das bis dato let­zte Stu­dioal­bum von Yes berichtet, jet­zt, zehn Jahre nach dessen Veröf­fentlichung, rat­tern die Nachrich­t­entick­er qua­si im Stun­den­takt und liefern Berichte über Neuigkeit­en im Yes-Uni­ver­sum.

Die Geschichte von Yes war schon immer, King Crim­son nicht unähn­lich, von Beset­zungswech­seln geprägt. Einzig Bassist Chris Squire ist seit der Grün­dung 1968 ohne Ausstieg dabei und drückt der Musik der Band seinen charak­ter­is­tis­chen Stem­pel auf. Rick Wake­man und Jon Ander­son, bei­de Teil der “klas­sis­chen Beset­zung”, sind bere­its seit eini­gen Jahren aus gesund­heitlichen Grün­den nicht mehr dabei, erset­zt wur­den sie von Oliv­er Wake­man, Sohn des “großen Blonden”, und Benoît David, einst — iro­nis­cher­weise — Sänger ein­er Yes-Cover­band.

Nun dreht sich das Beset­zungskarus­sell wieder. Wir erin­nern uns an die Zeit nach “Tor­ma­to”, das 1978 veröf­fentlicht wurde: Wegen anhal­tender schlechter Stim­mung ver­ließen Rick Wake­man und Jon Ander­son Yes, während die übri­gen Musik­er an neuen Stück­en arbeit­eten. (Ähn­lich­es passierte etwa zehn Jahre später, als “Ander­son, Bru­ford, Wake­man & Howe” sich von Yes tren­nten und ein vorzüglich­es Album auf­nah­men.) Im gle­ichen Stu­dio wie Yes musizierten auch die Bug­gles (Trevor Horn und Geoff Downes), die ger­ade mit “Video Killed The Radio Star” einiges Auf­se­hen erregt hat­ten, und fre­un­de­ten sich mit ihnen an. Als offen­sichtlich wurde, dass eine Reunion in abse­hbar­er Zeit nicht stat­tfind­en würde, über­nah­men sie die vakan­ten Posten des Sängers und des Key­board­ers. In dieser Beset­zung nah­men sie das Album “Dra­ma” auf, das 1980 erschien. Die Bug­gles gin­gen wenige Monate später wieder eigene Wege, Yes fan­den wieder zusam­men, damit schien das Kapi­tel abgeschlossen; jeden­falls für drei Jahrzehnte.

Während der Auf­nah­men zu “Dra­ma” war unter anderem ein Stück namens “We Can Fly From Here” übrig geblieben, das zwar auf eini­gen Konz­erten gespielt, aber nie für ein Stu­dioal­bum aufgenom­men wurde. Das hat Chris Squire einige Zeit später auch bemerkt, und so rief er Trevor Horn, mit­tler­weile ein gefragter Musikpro­duzent, an und bat ihn, als Pro­duzent an ein­er nun endlich geplanten Auf­nahme des Stück­es teilzunehmen. Zusam­men mit eini­gen anderen Stück­en, die laut Chris Squire alle­samt um die sechs Minuten lang sind, ent­stand so ein ganzes neues Album namens “Fly From Here”, in dessen Zen­trum nun das genan­nte Titel­stück ste­hen soll. Der andere Bug­gle, Geoff Downes, hat inzwis­chen ohne dessen Wis­sen Oliv­er Wake­man am Key­board abgelöst, während Jon Ander­son und Rick Wake­man sich mit Trevor Rabin, eben­falls ein Yes-Mit­stre­it­er früher­er Tage, ander­weit­ig betäti­gen. (“ABWH” lässt grüßen.)

Eine von Yes’ Stärken ist das Zusam­men­spiel von Steve Howe und Chris Squire. Rick Wake­man hat nach “Tor­ma­to” sin­ngemäß gesagt, die Stimme von Jon Ander­son sei das, was Yes aus­macht, und seinen Hut genom­men. Das Ergeb­nis, “Dra­ma”, ist das wohl meist­gelobte Album der “späten” Yes gewor­den. Nun also sind die Instru­men­tal­is­ten von damals wieder vere­int, ergänzt von einem wiederum neuen Sänger, den man auf Grup­pen­bildern sofort als Neuzu­gang erken­nt. Wie das Ergeb­nis klingt? “Ein biss­chen wie ‘Dra­ma’ ”, sagt Steve Howe, und spätestens im Juli wis­sen wir es genauer.

NerdkramsKaufbefehle
Sublime Text 2: Nicht besser, sondern anders

Auch überzeugte Vim-Nutzer wie ich beschränken sich ungern auf einen einzi­gen Edi­tor, denn es gibt immer wieder Anwen­dungs­fälle, in denen ein zweit­er Edi­tor gute Dien­ste leis­ten kann; sei es, um eine defek­te Vim-Kon­fig­u­ra­tions­datei zu kor­rigieren, sei es, weil man ger­ade an ein­er schrot­ti­gen Tas­tatur sitzt und somit ein GUI für zum Herumk­lick­en hil­fre­ich­er ist als Vims Tas­tenkürzel, sei es aus Freude am Herum­spie­len mit neuer Soft­ware.

Diesen Platz nahm bei mir bish­er Notepad++ ein, das wei­thin als bester kosten­los­er Texte­d­i­tor für Win­dows-Sys­teme gilt, aber abge­se­hen von seinem umfassenden Funk­tion­sum­fang ein eher unauf­fäl­liges Pro­gramm ist, ohne Eck­en und Kan­ten zwar, aber auch ohne visuellen Reiz. Auch bei uns Spar­tan­ern Puris­ten isst das Auge manch­mal mit, selb­st dann, wenn es nicht ums Essen geht.

Dann stieß ich bei Nils auf die ersten Testver­sio­nen des portablen Edi­tors Sub­lime Text 2 und bin inzwis­chen so begeis­tert, dass Notepad++, jahre­lang treues Arbeit­sti­er, das Feld räu­men musste.

Dass einige mein­er Leser zwar mit Gän­gel­sys­te­men wie Mac OS X oder Ubun­tu Lin­ux arbeit­en (müssen), mein­er Vor­liebe für Vim aber bis­lang nichts abgewin­nen kon­nten, ist mir bekan­nt. Erfreulicher­weise ist Sub­lime Text außer unter Win­dows auch unter diesen Sys­te­men ver­füg­bar. Im Fol­gen­den beschränke ich mich den­noch der Ein­fach­heit hal­ber auf die Bedi­enung unter Win­dows.

Als erstes fällt dem Benutzer ver­mut­lich die Bedienober­fläche auf, die kom­plett anpass­bar ist. Ich bevorzuge min­i­mal­is­tis­ches Ausse­hen ohne viel Schnickschnack, da passt es gut, dass Sub­lime Text mit einem Druck auf F11 wie viele aktuelle Web­brows­er in den Voll­bild­modus umgeschal­tet wer­den kann. Aber auch im Fen­ster­be­trieb ist Sub­lime Text viel­seit­ig anpass­bar, ob es nur um das Aus­blenden der Menüleiste (mit Alt holt man sie wieder zurück) oder um ein völ­lig anderes Farb­schema geht.

Auf diesem Bild zu sehen sind unter anderem die Möglichkeit, mehrere Dateien gle­ichzeit­ig (in Zeilen, Spal­ten oder als Git­ter) anzuzeigen, und die “Min­imap”, eine Art schnelle Über­sicht darüber, wo in der Datei man sich ger­ade befind­et, am recht­en Fen­ster­rand. Was optisch “fehlt”, ist die aus anderen Edi­toren bekan­nte Möglichkeit, Code­blöcke einzuk­lap­pen, aber da dies ohne­hin nor­maler­weise nicht automa­tisch geschieht, fällt dieser Ver­lust nicht ins Gewicht, zumal man ihn mit einem Plu­g­in kom­pen­sieren kann. (Es existiert auch eine Möglichkeit, für die Ein­führung dieser Funk­tion zu stim­men.) — Nach­trag: Mit Stand Juli 2012 ist das code fold­ing bere­its seit eini­gen Monat­en stan­dard­mäßig vorhan­den.

Apro­pos Plu­g­ins: Sub­lime Text 2 ist in der Sprache Python skript­bar, was den Edi­tor the­o­retisch beina­he so mächtig und flex­i­bel macht wie Vim. Einige Plu­g­ins, darunter auch eine Vim-Emu­la­tion, sind im Sub­lime-Text-Wiki beschrieben und herun­ter­lad­bar. Dass Sub­lime Text 2 neben­bei noch von Haus aus mit Com­pil­ern wie javac “reden” kann, ist beina­he schon selb­stver­ständlich, aber bei all dem Funk­tion­sum­fang fühlt sich das Pro­gramm oben­drein noch flink und flüs­sig an.

Ein Wer­mut­stropfen bleibt: Sub­lime Text ist Share­ware, eine Lizenz kostet derzeit stolze 59 US-Dol­lar, also unge­fähr 40,75 Euro; Men­genra­batt gibt es im Zehn­er­paket. Entwick­ler Jon Skin­ner betreibt jedoch eine kun­den­fre­undliche Lizen­zpoli­tik, die nicht lizen­zierte Ver­sion ist momen­tan (“cur­rent­ly”) wed­er zeitlich noch funk­tion­al eingeschränkt.

(Apro­pos hüb­sche Pro­gramme: Unter Win­dows spiele ich derzeit twit­ternd mit MetroTwit herum. Ein wenig träge, aber ein Augen­schmaus und oben­drein funk­tion­sre­ich.)

SonstigesFotografie
Erstatten Sie?

Neulich im ser­vice cen­ter:

“Ich habe hier am Auto­mat­en diese Fahrkarte für 12 Euro gekauft, kann die Fahrt aber lei­der nicht mehr antreten, und sie war zu teuer, um sie ver­fall­en zu lassen, darum bitte ich um Erstat­tung.”
— “Macht drei Euro!”
— “Hier, bitte.”
— “Danke. Schö­nen Tag noch!”

(Mit Dank an den toll­sten Men­schen dieses Plan­eten, min­destens.)

Lyrik
Lobgesang des Popliteraten

Schon vieles habe ich ver­fasst in Prosa und als Reim,
doch wenige nur lesen es; zu trock­en soll es sein?!

Ich schreibe über Emo­tion, Hass, Ungerechtigkeit,
von Liebe, Sehn­sucht, Eifer­sucht, von Zwi­etra­cht und von Neid!

Das Föje­tong hat mich ent­deckt, verurteilt meinen Schrieb,
der “irgend­wie wie and’re” sei, ich also nur ein Dieb?

Nein!, sag ich, Banau­sen, schweigt! — oder, noch bess­er, brüllt,
denn des Dichters Eigen­lob wird durch Miss­gun­st erfüllt.

Ich schwimme auf dem reißend’ Strom der pop­ulären Dichter,
will kochen wie einst Hölder­lin und schreib doch bloß wie Lichter.

So bleib ich ohne Hin­ter­sinn und boshaftes Sub­til,
ich brauche keine Wort­ge­walt und keinen eig’nen Stil.

Wofür denn auch? Erfolg und Ruhm erscheinen nicht mehr weit,
ich träum vom Preis für Lit’ratur, wie man ihn mir ver­lei­ht.

(Und die Moral von der Geschicht’:
Jaud und Lobo liest man nicht.)

MusikSonstiges
Medienkritik L: Hand aufs Herz (oder: Tracy Chapmans Botschaft)

Dass ich mich von schnulzigem Kitsch fernzuhal­ten pflege, ist den meis­ten Lesern mein­er Texte ver­mut­lich geläu­fig, eben­so von allem, was in mir auch nur den leis­es­ten Ver­dacht erregt, dass schnulziger Kitsch nicht aus­bleibt. (Aus diesem Grund halte ich mich — mit Aus­nah­men — auch von gewis­sen Musik­blogs aus Berlin fern.)

Insofern ist es eigentlich ver­wun­der­lich, dass mir die derzeit wochen­tags auf Sat.1 aus­ges­trahlte Telen­ov­ela “Hand aufs Herz” nicht schlecht gefällt, soll heißen: Ich habe erst­mals seit dem Ende der “Wochen­show” wieder einen Grund, mich für das zu inter­essieren, was Sat.1 so zeigt.

Die Hand­lung ist nicht immer ein­fach zu durch­schauen; die Telen­ov­ela spielt in ein­er Schule, es herrscht jedes Rol­len­klis­chee: Vom läs­sig gelang­weil­ten Schulpflichti­gen über den Mäd­chen­schwarm bis zur intri­g­an­ten Schulz­icke kann sich jed­er Zuschauer vielle­icht mit irgend­je­man­dem iden­ti­fizieren, über­haupt lebt “Hand aufs Herz” von Intri­gen. Zusam­men gehal­ten wird die Geschichte von ein­er Art Rah­men­hand­lung: Eine einiger­maßen junge Lehrerin, früher Schü­lerin, kommt an die Schule und wird prompt des Mordes an ein­er Schü­lerin verdächtigt, woraufhin ihre Fre­unde und Ver­wandten nach Spuren suchen, um sie zu ent­las­ten. Zwar erfuhr der Zuschauer in dieser Woche, wer der Täter wirk­lich war, aber bis sich das auch in der Serie herumge­sprochen hat, kön­nte es noch einige Zeit dauern.

So weit noch nichts allzu ungewöhn­lich­es; aber so richtig inter­es­sant (lies: sehenswert) ist “Hand aufs Herz” für uns Musikver­rück­te vor allem wegen der “S.T.AG”. Einige der Schüler näm­lich bilden zusam­men eine Musikkapelle, die auch im Vorspann erscheint und somit ein tra­gen­des Ele­ment der Serie darstellt, und tat­säch­lich wird viel gesun­gen und sich mitunter — anfangs etwas unbe­holfen, später etwas weniger unbe­holfen — auch ein wenig dazu bewegt. Und anders, als man es bei der augen­schein­lichen Ziel­gruppe erwarten sollte, wird da keines­falls pein­lich­er Popquatsch zele­bri­ert, son­dern so richtig pri­mae Sachen wie “She Said” von Plan B oder zum Beispiel auch mal was von den Cardi­gans und, jet­zt habe ich doch endlich mal eine Über­leitung gefun­den, “Talkin’ ‘bout a Rev­o­lu­tion” von Tra­cy Chap­man.

“Wer ist Tra­cy Chap­man?”, höre ich da die Leute fra­gen, und ich ver­weise sie auf die Wikipedia, gern geschehen.

Diese Tra­cy Chap­man nun sang 1988 in dem erwäh­n­ten Lied von der Rev­o­lu­tion der Arbeit­erk­lasse, qua­si als Wider­stand gegen die unter­drück­ende Obrigkeit, und so ist es eine, wie ich meine, aus­geze­ich­nete Wahl, geht es darum, einen Schüler­streik anlässlich eines unsym­pa­this­chen neuen Schulleit­ers musikalisch in Szene zu set­zen:

Poor peo­ple are gonna rise up
and get their share.
Poor peo­ple are gonna rise up
and take what’s theirs.

Im deutschen Fernse­hen kommt es lei­der viel zu sel­ten vor, dass Ref­eren­zen auf Lieder mit inhaltlichem Tief­gang über­haupt beachtet wer­den, sofern man nicht ger­ade arte guckt; dass sie dann auch noch in einem passenden Kon­text und für die Jugend ansprechend auf­bere­it­et präsen­tiert wer­den, lässt mich hof­fen. Ich wün­sche den für die Liedauswahl der Serie zuständi­gen Per­so­n­en viel Gesund­heit und ein noch möglichst langes Leben, auf dass sie Nachah­mer find­en und noch lange in Arbeit und Brot ste­hen mögen!

Und man möge mich, um noch mal kurz auf das The­ma zurück­zukom­men, für den Rest meines Lebens mor­gens mit Place­bo und/oder Muse weck­en, wenn ich mich irre, aber ich halte die Cov­erver­sion doch für ein beein­druck­endes Stück Musik, das dem Orig­i­nal keines­falls nach­ste­ht.

(So, und jet­zt zurück an die Hal­b­jahres­liste 2011, es gibt noch viel zu tun.)

PolitikIn den NachrichtenPiratenpartei
Profis mit Profil

Da schau her, der Herr West­er­welle — ver­mut­lich der einzige Grund, dass die Pünk­tchen­partei mit all ihren Lob­byvertretern, ihrem fehlen­den Pro­fil und der heißen Luft, als die sich die Wahlver­sprechen auch bei der let­zten Bun­destagswahl, wie üblich, her­aus­gestellt haben, über­haupt noch einiger­maßen unbeschadet die 5‑Prozent-Hürde über­sprin­gen kann — ist nun, wie befürchtet, abge­treten.

Dass dieser Schritt drin­gend notwendig war, ist selb­stver­ständlich, denn:

Die FDP habe ein mas­sives Glaub­würdigkeit­sprob­lem, das nicht zulet­zt dem Führungsper­son­al geschuldet sei.

Dass die Glaub­würdigkeit nicht unbe­d­ingt steigt, wenn ein Nach­wuch­spoli­tik­er wie Philipp Rösler in seinem Amt als Gesund­heitsmin­is­ter seine einzige Her­aus­forderung, die Gesundheits-“Reform”, erst mal gründlich verkackt, hat sich eventuell noch nicht bis zur F.D.P. herumge­sprochen; eben­sowenig wohl der Umstand, dass sich ein Wäh­ler bei Wahlen nicht zwis­chen zwei, son­dern zwis­chen deut­lich mehr Parteien entschei­den kann:

[D]ie Lib­eralen müssten bei weit­eren Ver­lus­ten fürcht­en, “nicht die Grü­nen, son­dern die Piraten­partei als neuen poli­tis­chen Geg­n­er” zu bekom­men.

Die anderen Parteien, die Stim­men abbekom­men, die einst Stim­men für die F.D.P. waren, sind also keine poli­tis­chen Geg­n­er, son­dern qua­si im Welt­bild der F.D.P. gar nicht vorhan­den. Da weiß man, was man hat. (Dass die F.D.P. die Exis­tenz der Piraten­partei, dank der­er sie die Worte “Bürg­er­rechte” und “Trans­parenz” seit dem let­zten Bun­destagswahlkampf immer­hin the­o­retisch schon mal irgend­wo gehört hat, nun doch als ein biss­chen bedrohlich empfind­et, betra­chte ich als Lob für das bish­er Geleis­tete.)

Wer nun Her­rn West­er­welles Nach­folge antrat, schien lange — bis heute um kurz nach 14 Uhr — unklar, SPIEGEL Online huldigte aber sicher­heit­shal­ber schon mal eben jen­em Philipp Rösler und stellte es als Tat­sache hin, dass Angela Merkel kün­ftig an sein­er Seite regieren wird. Jour­nal­is­tis­che Sorgfalt sieht anders aus, aber is’ ja auch nur der SPIEGEL.

“Pro­fil­ieren” solle sich Philipp Rösler, so liest man in Depeschen wie der Berlin­er Mor­gen­post, indem er nicht nur den Posten des Parteigu­i­dos übern­immt, son­dern oben­drein des Wirtschaftsmin­is­ters, der dann halt stattdessen irgend­was anderes macht. Das ist eine eige­nar­tige Argu­men­ta­tion, denn er hat­te nun schon einige Jahre Zeit, sich als Kabi­nettsmit­glied zu pro­fil­ieren, und in all diesen Jahren hat er es lediglich geschafft, das Pro­fil der F.D.P. als Lob­by­is­ten­partei zu schär­fen, nicht aber sein eigenes.

Aber kann er das eine nicht, kann er das andere auch nicht (Urban Pri­ol), und so war eigentlich abzuse­hen, dass Herr Rösler uns die West­er­welle macht. Nur welche der Posten er übernehmen wird, ist noch nicht ganz klar: Parteivor­sitzen­der, Außen­min­is­ter und Vizekan­zler sind die drei Posten, die nun tat­säch­lich zu vergeben sind, wom­öglich wird ein­er davon also durch das Wirtschaftsmin­is­teri­um erset­zt. Dass die schwarz-gelbe Regierung Posten nicht nach Qual­i­fika­tion verteilt, son­dern nach Anse­hen, ist dem desig­nierten Egon Krenz der F.D.P. schon ein­mal zugute gekom­men:

In der heuti­gen Poli­tik reicht es schon aus, wenn man keine offen­sichtlichen Ese­leien macht und einiger­maßen fre­undlich auftritt, um die Kar­ri­ereleit­er hin­aufz­u­fall­en.

Eigentlich ist es schade, dass die Piraten­partei als Partei für mehr Bürg­er­rechte nun wohl bald allein da ste­ht.
Gui­do, wir wer­den dich ver­mis­sen.

NetzfundstückeMusikkritik
“Tuesday, Wednesday break my heart…”

Ein Inter­net­phänomen, vor allem in den auch son­st nicht unbe­d­ingt für Musikgeschmack bekan­nten USA von Bedeu­tung, kreuzte in den let­zten Tagen immer wieder meine Wege und ließ mich erschaud­ern. Die Rede ist von Rebec­ca Black, 13 Jahre alt, und ihrem “Lied” “Fri­day”, also “Fre­itag”. Zeitgenossen, die wie ich dem Musik­faschis­mus frö­nen, soll­ten sich auch in eigen­em Inter­esse von diesem Link fern­hal­ten.

Aber worum geht es über­haupt? Nun, die Wikipedia weiß mehr:

innen weniger Stun­den stiegen die Zugriff­szahlen auf über 100.000 und ARK Music erhielt Anfra­gen von Fernsehsendern nach dem Lied. Die Pop­u­lar­ität von Fri­day stieg ras­ant, sodass es bis zum 1. April 2011 über 73 Mil­lio­nen mal ange­se­hen wurde. (…) Zwis­chen­zeitlich wird das Lied als Klin­gel­ton ange­boten, in den iTunes-Charts stand es auf Platz 13.

Textlich geht es, wie ich vor einem spon­ta­nen Anflug von Kopfweh erlesen kon­nte, darum, dass man beim Aut­o­fahren vorn und hin­ten sitzen kann, dass Fre­itage auf Don­ner­stage fol­gen und dass Rebec­cas Clique an diesen Fre­ita­gen zwecks Feierns durch die Gegend gurkt.

Der mäßige Text wird mit einem mäßi­gen Gesang darge­boten, die dazu gehörende Melodie ist besten­falls belan­g­los. Manche Hör­er des Liedes kürten es gar zum schlecht­esten Lied aller Zeit­en, und wäre da nicht Chac­caron Mac­carón, wäre dieser Titel ver­mut­lich nur noch schw­er­lich antast­bar. Das Erschreck­ende ist: Die junge Frau Black meinte das Lied ernst.

Obwohl ihre Mut­ter an der Qual­ität des Textes zweifelte, gab sie dem Willen ihrer Tochter nach.

Vielle­icht bin ich auch nur nicht die Ziel­gruppe dieses Liedes, aber wer ist dann die Ziel­gruppe? Laut YouTube-Sta­tis­tiken (“über 1,5 Mil­lio­nen Mal neg­a­tiv und knapp 200.000-mal pos­i­tiv bew­ertet”) weiß die Ziel­gruppe das selb­st nicht oder ist auch nur zu klein. Natür­lich kann man über (Musik-)Geschmack nur schw­er­lich stre­it­en, das möchte ich hier auch nicht unbe­d­ingt tun; bedenkt man aber, dass die deutsche Kinder­com­bo “Rotz­nasen”, die augen­schein­lich einen ähn­lichen Alters­durch­schnitt hat­te, wenig­stens Lieder mit ein­er mes­sage (“ich bin ver­liebt, ich bin ver­liebt in dich”) sang, bin ich doch geneigt, “Fri­day” Sinnlosigkeit zu attestieren. Zwar kann man mit den Noten, die dem Men­schen zur Ver­fü­gung ste­hen, sozusagen unendlich viele Melo­di­en erschaf­fen, aber musste das wirk­lich sein?

Makes tick tock, tick tock, wan­na scream.

Nerdkrams
barcoo und Goggles: Wir scannen die Welt!

In der aktuellen Aus­gabe der Com­put­erzeitschrift c’t wird über mobile Anwen­dun­gen berichtet, die Bar­codes und Pro­duk­t­l­o­gos scan­nen. Als grund­sät­zlich an neuer Tech­nik inter­essiert­er Men­sch ließ ich es mir nicht nehmen, ein­mal die bei­den dort getesteten apps “bar­coo” und “Gog­gles”, bei­de im Android Mar­ket ver­füg­bar, zu testen.

Dabei gehen bei­de Anwen­dun­gen völ­lig unter­schiedliche Wege. Während bar­coo, wie der Name schon andeutet, auf das Lesen und Auswerten von Bar­codes (diese lusti­gen Strich­muster auf so Sachen aus dem Laden) spezial­isiert ist, ver­sucht Gog­gles, alles nur Erden­kliche, was dem Benutzer vor die Kam­era gerät, zu scan­nen. Vor­weg: Alle Bild­schirm­fo­tos für diesen Beitrag wur­den unter Android 2.3.3 ange­fer­tigt, es kann dur­chaus sein, dass einiges unter anderen Sys­te­men anders aussieht.

1. bar­coo

Nach der Instal­la­tion — für jedes unter­stützte Gerät gibt es eine eigene Ver­sion zum Down­load, selb­st für iPhones und anderen Schrott — lässt bar­coo keine Fra­gen offen, was es kann und wie es geht:

Ein Druck auf “Code Scan­nen” aktiviert die Kam­er­a­funk­tio­nen des jew­eili­gen Gerätes. “Ent­deckt” die Anwen­dung nun einen Bar­code, stellt sie das Bild scharf und betätigt den Aus­lös­er. Was dann fol­gt, dürfte vor allem Schnäp­pchen­jäger inter­essiert guck­en lassen, denn die Online­daten­bank von bar­coo “ken­nt” mehr als nur den Namen der erkan­nten Pro­duk­te:

bar­coo ist somit sozusagen ein mobil­er Preisver­gle­ich und ein umfan­gre­ich­er Pro­duk­tkat­a­log in einem. Keines­falls beschränkt sich die Funk­tion­al­ität dabei auf Lebens­mit­tel, Com­put­erzube­hör wird eben­so erkan­nt wie Büch­er und ver­mut­lich jedes andere Pro­dukt, das in einem Haushalt so herum­liegt. Die angezeigte “Lebens­mit­te­lam­pel” ist dann natür­lich hin­fäl­lig. Überdies kön­nen Benutzer der app das jew­eilige Pro­dukt bew­erten, und mitunter ist es erfreulich zu sehen, dass offen­bar kein­er­lei Mod­er­a­tion dieser Kom­mentare erfol­gt …

…, selb­st dann, wenn manch­er Kom­men­tar noch etwas unbe­holfen wirkt:

Zu fol­gern bleibt, dass bar­coo ein sehr lobenswertes Pro­gramm und auf jeden Fall einen Blick wert ist. :-)

2. Gog­gles

“Gog­gles”, zu Deutsch etwa “Schutzbrille” oder “Schwimm­brille” (bei­des passt nicht so recht), von (lei­der) Google geht da einen etwas anderen Weg. Die app, die eben­falls für Android und iOS ver­füg­bar ist, macht sich den Umstand zunutze, dass sich im Inter­net viel­er­lei Fotografien und Marken­na­men ange­sam­melt haben. Anstatt näm­lich auf Bar­codes ver­traut Gog­gles auf Algo­rith­men zur Text- und Bilderken­nung. Ein Bild vom Eif­fel­turm etwa würde, so die Ankündi­gung, Infor­ma­tio­nen zum Eif­fel­turm anzeigen.

Nun habe ich allerd­ings ger­ade keinen Eif­fel­turm herum­ste­hen, daher wich ich auf die Pro­duk­te aus, mit denen ich bar­coo getestet hat­te.

Die Bedienober­fläche von Gog­gles ist noch etwas aufgeräumter als die von bar­coo, denn es gibt keine, hat man erst ein­mal das anfängliche “Weit­er — Weit­er — … — Fer­tig” hin­ter sich gebracht: Der Benutzer sieht nur mehr das Kam­er­abild und zwei Schalt­flächen zum Fokussieren und “Fer­tig­stellen” des Bildes. Obwohl Gog­gles mit dem Erken­nen des Bild­mo­tivs grund­sät­zlich mehr Schwierigkeit­en zu haben scheint als bar­coo, ist die viel­seit­ige Erken­nung doch schon recht aus­gereift, bedenkt man, dass Gog­gles nicht auf ein­deutige Infor­ma­tio­nen wie Bar­codes, son­dern vor allem darauf angewiesen ist, dass es in sein­er großen Daten­bank — ich ver­mute die Google-Suche als tech­nis­chen Hin­ter­grund — ähn­liche Bilder find­et:

Zwar erken­nt Gog­gles auch Bar­codes und QR-Codes:

Es ver­fol­gt jedoch eine andere Strate­gie als bar­coo: Bei Gog­gles geht es nicht um Pro­duk­t­suche, son­dern um all­ge­meine Infor­ma­tio­nen. QR-Codes etwa führen in der Regel auf die dort “gespe­icherte” Web­seite, Pro­duk­t­fo­tos zu ein­er “nor­malen” Google-Suche nach diesem Pro­dukt:

Damit Gog­gles funk­tion­iert, benötigt man augen­schein­lich kein Google-Kon­to, was ein großes Plus ist, aber als Manko bleibt die unzu­ver­läs­sige Motiverken­nung, die auf­grund der Funk­tion­sweise jedoch lei­der unver­mei­dlich scheint.

Faz­it und Aus­blick

Jede der bei­den hier getesteten apps erfüllt einen vol­lkom­men anderen Zweck, ihnen gemein ist indes, dass sie ein­drucksvoll die Möglichkeit­en ein­er mobil ver­net­zten Gesellschaft aufzeigen. Der näch­ste Schritt und eines der buzz­words in den aktuellen Debat­ten über die Zukun­ft der mobilen Ver­net­zung ist die erweit­erte Real­ität, die aug­ment­ed real­i­ty, also das Ein­blenden von Infor­ma­tio­nen zum aktuellen Bild. Nav­i­ga­tion­s­geräte funk­tion­ieren so ähn­lich, viele mod­erne Mobil­tele­fone haben auch bere­its apps an Bord, die genau dies tun: Sie erfassen das (bewegte) Kam­er­abild und ver­suchen, anhand dessen Infor­ma­tio­nen über den aktuellen Stand­punkt oder das Gese­hene aus dem Inter­net abzu­rufen.

Über Pro und Kon­tra dieser Entwick­lung sind schon viele Diskus­sio­nen geführt wor­den, und allzu bald wer­den diese Diskus­sio­nen auch nicht ver­s­tum­men. Es ist in jedem Fall rat­sam, sie aufmerk­sam zu ver­fol­gen, und sei es mit Arg­wohn, denn so faszinierend die tech­nis­chen Möglichkeit­en auch sind, so viele Gefahren bergen sie doch. Aber das ist ein anderes The­ma, dem ich mich gegebe­nen­falls später aus­führlich­er wid­men werde.

Ich hoffe, eini­gen von euch, liebe Leser, kon­nte ich mit diesem Beitrag den­noch hil­fre­iche Infor­ma­tio­nen ver­mit­teln.
Habe ich etwas wichtiges überse­hen? Ich freue mich über eure Kom­mentare. :)

Fotografie
Gottes Krieger

Der Vorüber­fahrende dachte: Den from­men Spruch “Gott ist bei uns…” mit bedeu­tungss­chwan­geren Aus­las­sungspunk­ten und ins­beson­dere eini­gen Kreuzen, dem Sym­bol für Tod und religiös motivierte Kriege, zu verzieren kann nur eine Tat von Nar­ren­hand sein.

Netzfundstücke
Alibipornografie

Aus­nahm­sweise geht an dieser Stelle ein­mal ein Dankeschön an die Juris­terei für diese Empfehlung. Die com­put­er­foren­sis­che Abteilung manch­er Polizeila­bore näm­lich betra­chtet alle­in­ste­hende Män­ner, die überdies auf den Besitz von (herun­terge­lade­nen) Pornofil­men verzicht­en, als schreck­lich verdächtige Per­so­n­en:

Während der Unter­suchung fiel auf, dass die Par­ti­tion D frei von jeglichen pornografis­chen Darstel­lun­gen pp. ist. Dies ist (…) genau so ungewöhn­lich wie das Vorhan­den­sein kinder­pornografis­ch­er Dateien auf einem PC.

Was man also kün­ftig tun muss, um sich nicht ein­er Straftat verdächtig zu machen, ist, so Udo Vet­ter, sim­pel zu bew­erk­stel­li­gen:

Wir hal­ten also fest: Ein paar legale Pornos soll­ten stets auf der Fest­plat­te eines Mannes sein – schon um die Kripo nicht ins Grü­beln zu brin­gen.

Dass dieser gezielt an Män­ner gerichtete Rat nicht berück­sichtigt, dass auch Frauen mitunter Pornografie kon­sum­ieren (Sex­is­mus! Rhabar­ber, schwafel!), ist schade. Ich als Mann jedoch bin dankbar für diesen wertvollen Rat und sehe mich in der Bre­douille: Woher bekomme ich nun ent­las­ten­des Mate­r­i­al? Nicht auszu­denken, was passiert, wenn eines Tages auf­grund irgendwelch­er frag­würdi­ger Geset­ze mein Arbeits­gerät kon­fisziert wird und man bemerkt, dass ich den ani­malis­chen Urtrieben des Men­schen nicht viel abgewin­nen kann!

Sach­di­en­liche Hin­weise, lechz, nehme ich stel­lvertre­tend für alle inter­essierten Leser im Kom­men­tar­feld dank­end ent­ge­gen.

In den NachrichtenPiratenparteiPolitik
Durch die grüne Brille

Da schau her, in Baden-Würt­tem­berg haben die zweit- und drittstärk­ste Partei den Umstand, dass sie eben nicht die meist­gewählten Parteien sind, als “ein klares (sic!) Regierungsauf­trag” missver­standen und stellen nun “wohl” die Lan­desregierung. Eine “herbe Nieder­lage”, die sich dergestalt äußert, dass man weit­er­hin die stärk­ste Partei bleibt, würde ich, wäre ich Poli­tik­er, übri­gens auch gern ein­mal erlei­den.

Hüb­sch finde ich es da, dass Ste­fan Map­pus nun ent­ge­gen meinen Befürch­tun­gen doch endlich seinen Arsch (und sein Gesäß) aus dem beque­men Büroses­sel erheben und kün­ftig von sein­er kar­gen Alter­srente dahin­veg­etieren muss, sofern ihn kein großer Konz­ern im Auf­sicht­srat haben möchte. Weniger hüb­sch ist nun das Selb­stver­ständ­nis, mit dem die Anhänger von Clau­dia “Frosch” Roth sich präsen­tieren. Im IRC etwa meldete sich ein beken­nen­der Grün­er stolz zu Wort:

(@Sebi‘) die zukun­ft is grün
(@Sebi‘) und ihr kön­nt NIX dage­gen tun! :D
(@Sebi‘) heute stuttgart, bald berlin! :D

Die Mut­maßung, die ein Mitle­sender erwiderte, erscheint mir da beina­he wahrschein­lich:

(Exi­tus-_-) die zukun­ft wird krieg

Bei der grü­nen Vorstel­lung von “Zukun­ft” kommt mir spon­tan ein Lied in den Sinn: “Für eine bess’re Zukun­ft…”. Die Grü­nen haben von Anfang an eine Men­tal­ität als image gepflegt, die man vor allem dann zu wählen beab­sichti­gen sollte, wenn man sich ohne­hin tra­di­tionell für “das kleinere Übel” entschei­det. “Atom­kraft? Nein danke!”: So weit ist die Piraten­partei auch seit ihrer Grün­dung, allerd­ings sprechen die AntiAtom­Pi­rat­en von Anfang an vor allem die Gefahren der Atom­kraft an und protestieren nicht, anders als die Grü­nen, let­ztlich gegen ihr eigenes Wahl­pro­gramm.

Dass die Pünk­tchen­partei der­weil einige Stim­men ver­loren hat, wird wieder ein­mal als Anlass gew­ertet, direkt oder indi­rekt den Rück­tritt von Gui­do West­er­welle zu fordern. Auf die Idee, dass das mis­er­able Abschnei­den der Partei nicht daran liegt, dass die einzig schillernde Per­sön­lichkeit unter all den maus­grauen Lob­by­is­ten sich mitunter in der Wort­wahl ver­greift, son­dern daran, dass die Absicht­en der Partei kaum einem Bürg­er, von den Neolib­eralen ein­mal abge­se­hen, sym­pa­thisch erscheinen. Die fünf Kom­ma irgend­was Prozent, die der F.D.P. derzeit noch ange­tra­gen wur­den, sind, so meine ich, nur zus­tande gekom­men, weil der vor­laute Parte­ichef manchem Erst­wäh­ler sym­pa­thisch vorkam; dies vol­lkom­men unab­hängig von dem Senf, den er in die Umwelt trötet.

Als “Junior­part­ner” eines eben­falls tra­di­tionellen “Junior­part­ners” sind die Grü­nen nun nicht unbe­d­ingt ein Sym­bol für Änderung; auch, wenn sie Änderun­gen ja mit Vor­liebe an sich selb­st vornehmen, ist doch von der linken Kom­mu­nar­den­partei nur mehr ein kon­ser­v­a­tives Häu­flein ohne her­aus­ra­gende Per­sön­lichkeit­en übrig geblieben, die auf­grund par­la­men­tarisch­er Zwänge (bedeutet: zwecks Machter­halts) gern mal ihre früheren Ide­ale Ide­ale sein lassen.

So also stellt sich der deutsche Wäh­ler Erneuerung vor. Das wird ein Spaß!

MusikNetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkrams
Kurz verlinkt XXXIX: Von Wellen und Innovationen

Albern: Die öffentlich-rechtliche (also aus der Volk­skasse finanzierte) schweiz­erische Fernse­hanstalt SRF gedenkt der Vor­fälle in Japan, indem sie auf die Ausstrahlung der “Simp­sons” verzichtet:

Bei den Simp­sons gibt es viele solch­er Szenen, in denen Homer Simp­son, der von Atom­kraft unge­fähr so viel Ahnung hat wie ein Biber von Betrieb­swirtschaft­slehre (Zitat Homer: ” ‚Nuku­lar’. Das Wort heißt ‚nuku­lar’.”), das Leben der Bürg­er riskiert.

Blind­er Aktion­is­mus hil­ft lei­der nie­man­dem, wie auch die weit­ge­hende Radiosperre des Liedes “Per­fek­te Welle” der Pop­gruppe Juli anlässlich einiger Vor­fälle Ende 2004 nie­man­den wieder zum Leben erweckt wird. Eben­so wenig, wie das erwäh­nte Lied etwas mit Meer und Über­flu­tung zu tun hat, son­dern die “per­fek­te Welle” als Meta­pher für eine “geile Zeit” — wieder so ein Lied von Juli — beziehungsweise für einen wirk­lich glück­lichen Moment ste­ht, den man ein­fach genießen soll, ist es “pietät-” oder plump “geschmack­los”, im Fernse­hen eine Satire auf den sor­glosen Umgang mit der Kernen­ergie zu zeigen, wenn ger­ade ein Kernkraftwerk sich inmit­ten ein­er Havarie befind­et. Es ist auch eine beab­sichtigte Wirkung der Satire, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhal­ten; nicht etwa, um sich über sie lustig zu machen, son­dern, um sie vor den Fol­gen ihres Tuns zu war­nen. Ich empfehle eine gründliche Lek­türe des SRF-bezo­ge­nen Artikels und eine anschließende Würdi­gung der Sichtweise, dass keine Fernsehserie die US-amerikanis­che Gesellschaft so sub­til und gle­ichzeit­ig tre­f­fend per­si­fliert wie “Die Simp­sons”.

Die auf taz.de zitierte Szene gibt es übri­gens unter anderem auf YouTube zu sehen.


Inno­v­a­tiv: Microsoft bastelt an ein­er — natür­lich kostenpflichti­gen — Lösung zur Fer­n­wartung von Win­dowssys­te­men über den Web­brows­er. Zwar ist das mit der Fern­s­teuerung eine uralte Idee, machen manche heute als Schad­soft­ware eingestuften “Tro­jan­er” der ersten Stunde (Sub7 und Back Ori­fice etwa) auch nicht viel anderes, dass das auch über einen Web­brows­er möglich ist, hinge­gen noch nicht ganz so ver­bre­it­et; blöd nur, dass das eben­falls nicht mehr brand­neue Ultra­VNC diese Funk­tion eben­falls anbi­etet, allerd­ings kosten­frei. Mit den Inno­va­tio­nen ist es eben immer so eine Sache.

(Apro­pos Inno­va­tio­nen, ein Tipp für Fire­fox-4-Anwen­der, die mit Win­dows herumhantieren: Die neue Ver­sion unter­stützt das DirectWrite-API für die Anzeige von Schrif­tarten, das muss allerd­ings erst aktiviert wer­den: Unter about:config den Wert gfx.font_rendering.directwrite.enabled per Dop­pelk­lick auf “true” (“wahr”) set­zen, Fire­fox neu starten und sich freuen, weil die Schriften dann deut­lich bess­er — etwas sauber­er, vor allem aber bess­er les­bar — ausse­hen, selb­st ohne das scheußliche “ClearType” oder mitunter insta­bile Bib­lio­theken wie gdipp benutzen zu müssen. Zudem beschle­u­nigt diese Änderung ange­blich das Ren­der­ing. Eine Fein­justierung der Schrift­darstel­lung ist dann unter anderem mit der Erweiterung Anti-Alias­ing Tuner, gefun­den bei Caschy, möglich.)