Spaß mit Spam
Penispillendoping

(Vorbe­merkung: Nach den über­wiegend recht ern­sthaften Beiträ­gen der ver­gan­genen Tage fol­gt nun wieder ein­mal eine albern kom­men­tierte Spam-Mail.)

Eine während mein­er ersten zaghaften Gehver­suche im Inter­net angelegte Mailadresse bei einem namhaft-ver­rucht­en Anbi­eter kosten­los­er wie auch kostenpflichtiger E‑Mail-Dien­ste liegt beina­he brach. Um so erstaunlich­er ist es, dass in deren Spam­fil­ter neben der Eigen­wer­bung des Anbi­eters auch regelmäßig, qua­si täglich, ein­schlägige Mails lan­den, die mir wahlweise sex­uelles Inter­esse heißblütiger Osteu­ropäerin­nen bekun­den oder Ratschläge erteilen, wie ich mein­er offen­bar viel zu mick­ri­gen Potenz ent­ge­gen wirken soll. Wieso sich “Frauen”, die nicht ein­mal meine Sprache sprechen, nach einem solchen Mann sehnen, bleibt mir lei­der ver­bor­gen.

Derzeit bleiben Kon­tak­tauf­nah­men von “Frauen” zwar aus, jedoch scheint diese Adresse, offen­bar per Zufalls­gen­er­a­tor gezo­gen, in der Verteil­erliste ein­er “Onlin­eapotheke” zu ste­hen, die mal auf ein­er einiger­maßen tre­f­fend­en (“echte Ama­teure”), mal ein­er im Grunde vol­lkom­men bescheuerten (“Antifa-Net­zw­erk”) Domain liegt, denn eine Vielzahl einan­der nur wenig unter­schei­den­der Wer­be­texte dieser “Onlin­eapotheke” fand inzwis­chen ihren Weg zu mir und so, leicht gekürzt, jet­zt auch zu mein­er geschätzten Leser­schar:

Hy xxxx* !

Holdrio, mir unbekan­nter Spam­mer!

(* Anmerkung: Hier stand ursprünglich der Teil vor dem @.)

DARAUF HABEN WIR ALLE GEWARTET

Ich per­sön­lich jet­zt nicht unbe­d­ingt, aber Ein­sicht ist immer ein guter Anfang.

Direkt aus der EU: Potenzmit­tel für jed­er­mann !

Unfass­bar, wie lange wir warten mussten, bis endlich ein Unternehmen aus der EU Potenzmit­tel für jed­er­mann erfun­den hat! Bish­er war die Men­schheit anscheinend darauf angewiesen, auf US-amerikanis­che Erzeug­nisse wie etwa Via­gra zurück­zu­greifen, und das, liebe Fre­unde, ist doch kein angenehmer Zus­tand. Stattdessen haben wir jet­zt endlich das, worauf WIR ALLE GEWARTET HABEN:

Das Dop­ing für den Penis !

“Dop­ing” kommt übri­gens von “dope”, einem englis­chen Aus­druck für Cannabis. Bekan­nte Wirkun­gen von Cannabiskon­sum sind unter anderem Müdigkeit, ein gesenk­ter Blut­druck und die Inten­sivierung auch neg­a­tiv­er Empfind­un­gen. Ich weiß nicht, ob ich so ein Pro­dukt an meinem Penis testen möchte.

Man(n) muss ja keine Prob­lem mit der Stand­kraft haben. Dieses Wun­der­mit­tel ist für jed­er­mann! Damit die näch­ste Nacht auch der Frau in bleiben­der Erin­nerung bleibt.

Das Liebesleben der “Onlin­eapothek­er” stelle ich mir (lieber nicht) ziem­lich ein­tönig vor, wenn ihren Frauen daran keine bleibende Erin­nerung bleibt. Ob da allerd­ings noch ein Wun­der­mit­tel helfen kann?

Immer wieder hört man Sprüche wie “ich brauch ein Gegen­mit­tel”, denn zugeben will es Nie­mand, solche Geheimwaf­fen einzuset­zen. Kein­er nimmt es, aber alle wollen es

Waf­fen? Wie mar­tialisch; geht es doch beim Sex vor allem um friedlich­es Miteinan­der und nicht darum, dem anderen per Über­raschungsmo­ment eins überzubrat­en, auch nicht mit dem wer­weißwie poten­zierten Penis. Wer Sex allerd­ings mit Krieg ver­wech­selt, dessen uner­fülltes Liebesleben über­rascht mich kaum mehr.

Ja, die Rede ist von dem blauen Wun­der

Ein blaues Wun­der aus Europa?
Schlump­falarm!

und anderen Mit­telchen, welche dafür Sor­gen das nach dem “abspritzen” nicht gle­ich alles wieder vor­bei ist. Oder dafür Sor­gen das es schon gar­nicht zu einem vorzeit­i­gen Samen­er­gruss kommt. Dein Ding ste­ht und ste­ht und ste­ht…

… und lässt mich tage­lang nicht schlafen und ich muss wegen Kreis­laufzusam­men­bruchs mit ein­er riesi­gen Erek­tion ins Kranken­haus, oder wie soll ich mir das jet­zt vorstellen? So ein Samen­gruß Samen­er­guss hat dur­chaus seinen Sinn.

Mit diesen Wun­der­mit­telchen wird kün­ftig jede Frau von dir schwär­men.

Das stelle ich mir schon ziem­lich Ner­ven aufreibend vor, es würde mich allerd­ings auch schw­er wun­dern. (Ach, deshalb “Wun­der­mit­telchen”!)

- Länger Stand­haft bleiben
— kein vorzeit­iger Samen­er­guss
— mehr Pow­er im Bett

- Schlaf­störun­gen
— Durch­blu­tungsstörun­gen
— Kreis­lauf­prob­leme

Und nicht etwa ist diese “Wirkung” das eigentlich Erwäh­nenswerte, son­dern:

Das beste daran: Sie wer­den keine Prob­leme mit dem Ver­sand oder dem Zoll haben.

Die hat man übri­gens auch nicht, wenn man ein­fach in die näch­st­gele­gene Apotheke spaziert, aber das ist ver­mut­lich weniger aufre­gend.

Nochmal die Vorteile auf einen Blick:
— kein langes Warten

Ja, wie, ich dachte, das wäre ein­er der “Vorteile”?

Tipp: Bestellen Sie gle­ich für Ihre Fre­unde & Bekan­nte mit und sparen Sie durch den Kauf von Groß­pack­un­gen. Ide­al auch für Wiederverkäufer.

Pri­ma, so kann man sein­er Tante gle­ich ein schönes Ostergeschenk mitbestellen, falls noch die zün­dende Idee fehlte.

Tue, 22 Mar 2011 12:48:45 +1200

Don, 24. März 2011, 13:14 GMT+1

Wenn Sie keine weit­eren eMails erhal­ten wollen, senden Sie eine eMail mit dem Text AUSTRAGEN an: (…)

Die sich­er­ste Meth­ode, nie wieder Spam zu bekom­men, ist es, den Spam­mern zu sagen, dass man bitte nie wieder Spam haben möchte! So ein­fach kann die Welt sein.
Aber ich verzichte auf diese Möglichkeit; denn um meine tägliche Lek­türe wäre es schon ein wenig schade.

(Das erste, was der Junge heute tat, nach­dem er seine weib­liche Bekan­ntschaft mit inni­gen Küssen bedacht und ver­ab­schiedet hat­te, war es, ihren Geschmack durch den von Kau­gum­mi zu erset­zen. Sie hat es nicht gese­hen.)

In den Nachrichten
Knut und das mit dem Anstand

Ver­mut­lich haben es inzwis­chen alle bemerkt, also kann ich auch etwas dazu schreiben:
Eis­bär “Knut”, vom Medi­en­liebling zum Skan­dal­bären (ich berichtete damals) und wieder zurück ver­wan­delt wor­den, starb nach Bewusst­losigkeit, wohl infolge ein­er Hirn­erkrankung, im Alter von nur vier Jahren.

Was mich an dieser ohne­hin schon erschüt­tern­den Mel­dung vor allem nicht ruhig bleiben lässt, ist die unfass­bare Pietät­losigkeit, mit der die Öffentlichkeit sich dieses The­mas annimmt. Sich­er war Knut eine Fig­ur des öffentlichen Lebens, nicht umson­st hielt Berlins A- und AA-Promi­nenz ein Schaulaufen ab:

Neben Poli­tik­ern wie dem Regieren­den Bürg­er­meis­ter Klaus Wow­ere­it oder der Grü­nen-Spitzenkan­di­datin Renate Künast drück­ten auch zahlre­iche Bürg­er ihr Bedauern über den Tod des Eis­bären aus.

Da man Knut nun aber nicht mehr nur als Tier (hierzu bitte die Kom­mentare beacht­en), son­dern als Per­son betra­chtete, ver­schaffte ihm das Respekt — und Aufmerk­samkeit von den Falschen, näm­lich der Boule­vard­presse. Der Tod des Eis­bären näm­lich, gefilmt von einem der stets anwe­senden Besuch­er, die sich um Knuts Gehege scharten, fand schnell seinen Weg ins Inter­net. Eine große Video­plat­tform etwa hält die Aufze­ich­nung feil und lan­det so, sucht man nach dem Ereig­nis, auf vorderen Plätzen in Such­maschi­nen. Der Betra­chter kann dort unter anderem sehen, wie das Tier sich dreht und schließlich bewusst­los ins Beck­en fällt, wo es starb.

Beina­he so zynisch wie die anscheinend beliebige Anpass­barkeit schädlich­er Strahlen­werte und die weit­ge­hende Akzep­tanz des Umstandes, dass in Libyen ger­ade eine Demokratiebe­we­gung mit europäis­ch­er Bil­li­gung über den Haufen geschossen wird, erscheint es mir nun, wie mit dem Tod des Bären ver­fahren wird: Die Boule­vardzeitung, die dieses Video ver­bre­it­ete und am Son­ntag als Kau­fan­reiz (Kau­fan­reiz!, ich würde den Titelgestal­ter gern mal ganz fest drück­en) ein Bild des toten Eis­bären an promi­nen­ter Stelle druck­te und deren Namen ich hier bewusst ver­schweige, ist ein wider­wär­tiges Medi­um. “Dieses Bild (…) bricht uns Berlin­ern das Herz”, also zoomen wir noch ein biss­chen näher her­an, damit Trä­nen und Geld schneller fließen.

Tod ist etwas, das Men­schen berührt und berühren soll. Sobald Men­schen aufhören, solche Gefüh­le zu hegen, haben sie jeglichen Rest an Men­sch­sein ver­loren; und es lei­den meist die darunter, die sich am wenig­sten wehren kön­nen.

Knut ruhe in Frieden.

MusikPolitikNetzfundstückeIn den Nachrichten
Respektiert meine Autoritä!

Didi schrieb, es befremde ihn, wenn gereifte Her­ren die Musik der Jun­gen machen.
Wie aber sieht es aus mit jun­gen Men­schen, die alte Musik mit kon­ser­v­a­tiv­en Tex­ten inter­pretieren?

Und da wir ger­ade dabei sind, Autorität zu hin­ter­fra­gen: Wie kommt es eigentlich, dass, als die Laufzeitver­längerung deutsch­er Atom­kraftwerke beschlossen wurde, die Regierung sagte, Deutschlang brauche den Atom­strom, aber nun, da die ersten Reak­toren wegen der Vor­fälle in Japan abgeschal­tet wur­den, damit argu­men­tiert wird, dass wir ohne­hin zu viel Atom­strom hät­ten, ihn gar exportieren?

Haben wir das damals noch nicht getan?

Lyrik
Hintergedicht

Gedanken hin­ter Bäu­men.
Sie haben sich ver­steckt.
Zähl laut bis 20!

Träume hin­ter Glas,
schau sie, doch berühr sie nicht.
Der Notham­mer ist in deinem Herzen.

Wün­sche hin­ter Türen.
Du kannst sie erah­nen.
Drück die Klinke herab!

Sehn­sucht hin­ter Git­tern.
Einges­per­rt.
Urteil: Lebenslänglich.

Liebe hin­ter Zäunen.
Reiß die Zäune ab!
Du brauchst sie nicht mehr.

(Für C.)

Nerdkrams
Console2 und PyCmd: cmd für Fortgeschrittene

(Aus Grün­den fol­gt ein weit­er­er Beitrag aus der beliebten Rei­he “lang­weiliges Com­put­erkrams”. Ich bitte um fre­undliche Apathie.)

Lin­uxnutzer belächeln oft die Win­dows-Tex­tkon­sole com­mand bzw., in NT-basierten Ver­sio­nen, cmd, da sie funk­tion­al Unix-Shells wie der Z‑Shell (zsh) nicht viel ent­ge­gen­zuset­zen habe.

Dass auch überzeugte, Win­dows nur müde belächel­nde Lin­uxnutzer ohne externe Befehle wie grep, ack und ls, die übri­gens alle­samt auch für Win­dows ver­füg­bar sind (ls und grep etwa hier), nicht viel Freude an ihrer Shell hät­ten, wäre ein guter Ein­stieg in ein Stre­it­ge­spräch mit ihnen, da ich hier aber ger­ade keinen Lin­uxnutzer zur Hand habe, schreibe ich stattdessen etwas anderes.

Auf meinem Win­dowslap­top näm­lich bekomme ich cmd nur sel­ten zu sehen, allzu aufre­gend ist der Anblick auch wahrlich nicht:

Bere­its vor vie­len Monat­en aber fand ich Gefall­en an Console2. Console2 ist eine freie, alter­na­tive Ober­fläche für eine (ein­stell­bare) Shell unter Win­dows-Sys­te­men, die einige Zusatz­funk­tio­nen bietet, etwa zusät­zliche Tas­tenkürzel, umfan­gre­ich kon­fig­urier­bare Tabs, Alpha­trans­parenz und eine (abschalt­bare) Sym­bol­leiste. So ver­schafft man sich Bedi­enkom­fort, ohne sich umgewöh­nen zu müssen, denn Console2 sieht zwar nicht mehr aus wie cmd, fühlt sich aber genau so an:

Console2, mit­tels ac’­ti­vAid (ich erwäh­nte es hier schon ein­mal) auf eine gut erre­ich­bare Tas­tenkom­bi­na­tion gelegt, ist zwar ein dur­chaus nicht unkom­fort­a­bles Werkzeug, in der Stan­dard­kon­fig­u­ra­tion jedoch nur wenig funk­tion­sre­ich­er als das triste cmd. Hier tritt PyCmd auf den Plan. (Der arme Plan!)

PyCmd, so steht’s in der Datei README.txt, ist eine Erweiterung für die Eingabeauf­forderung von Win­dows (eben cmd) mit dem Ziel, einige der aus Unix bekan­nten Shell­funk­tio­nen wie eine “intel­li­gente” Befehlsver­voll­ständi­gung, ein Befehlsver­lauf auch über Sitzun­gen hin­weg und einige weit­ere bere­itzustellen. PyCmd ist im Wesentlichen eine Samm­lung kom­piliert­er Python-Skripte und lässt sich, Ken­nt­nisse in dieser Sprache voraus­ge­set­zt, qua­si beliebig erweit­ern.

Um es zu instal­lieren, genügt es, das .zip-Archiv in ein beliebiges Verze­ich­nis zu ent­pack­en, im Beispiel C:\Program Files\PyCmd. Startet man aus diesem Verze­ich­nis her­aus PyCmd, so wird man von einem irgend­wie anders ausse­hen­den Kon­solen­fen­ster über­rascht:

“PF” ste­ht hier für “Pro­gram Files”. PyCmd kürzt Pfad­na­men stan­dard­mäßig ab, um Platz zu sparen, was gutzuheißen ist, denn so bewahrt man auch in tief ver­schachtel­ten Verze­ich­nis­sen ein wenig Über­sicht, ohne verse­hentlich in ein­er falschen Verze­ich­nisebene zu arbeit­en. Die Funk­tio­nen, die PyCmd bere­it­stellt, sind für Umsteiger beein­druck­end und zu vielfältig, um sie an dieser Stelle angemessen würdi­gen zu kön­nen. Neben dem “dauer­haften” Befehlsver­lauf ist aber auch und vor allem die schnieke Pfad- und Befehlsver­voll­ständi­gung via Tab- bzw. Pfeil­taste zu nen­nen. Während näm­lich cmd nur die ersten Zeichen liest und den Benutzer bei Bedarf mit­tels Tab­u­la­tor­taste zwis­chen den dann noch möglichen Alter­na­tiv­en umschal­ten lässt, spendiert PyCmd direkt eine Befehlsüber­sicht und kann im Befehlsver­lauf auch Teil­tr­e­f­fer find­en:

Übri­gens funk­tion­ieren auch Platzhal­ter (*, ?). Nun haben wir ein mächtiges Kom­man­dozeilen­pro­gramm (PyCmd) und eine hüb­sche Ober­fläche, aber betra­chteten bish­er bei­des getren­nt voneinan­der. Allerd­ings erwäh­nte ich oben, der Inter­preter, den Console2 nutzt, sei ein­stell­bar. Da liegt es doch nahe, die bei­den Anwen­dun­gen miteinan­der zu verknüpfen.

Das geht direkt aus Console2 her­aus: Im Ein­stel­lungs­di­a­log (stan­dard­mäßig via Strg+S aufzu­rufen) unter “Con­sole” ist der voll­ständi­ge Pfad der Datei PyCmd.exe einzu­tra­gen.

For­t­an begrüßt den Anwen­der beim Start von Console2 der PyCmd-Prompt.

Etwaige Ergänzun­gen oder Anre­gun­gen bitte ich im Kom­men­tar­feld zu hin­ter­lassen. :)

In den Nachrichten
Medienkritik XLIX: Atomspaltereien

Schmer­zlich getrof­fen haben die Redak­tion des dieswöchi­gen SPIEGELs (“Katas­tro­phe in Taschenobyl”), die vor blin­dem Opti­mis­mus manch­mal frontal gegen die näch­ste Lat­er­ne ren­nt (atom­are Unfälle bieten anscheinend vor allem Chan­cen für die Solarindus­trie), die Explo­sio­nen im Atom­kraftwerk Fukushi­ma I nur kurzzeit­ig. Zwar “musste” der geplante Titel betr­e­f­fend die den Explo­sio­nen vor­ange­gan­genen Ereignisse — ver­mut­lich lautete er unge­fähr “Die Mon­ster­welle: Japans Unter­gang” — kurzfristig entsorgt wer­den (“die Druck­zylin­der … mussten durch einen frischen Satz mit ein­er noch drama­tis­cheren Sto­ry erset­zt wer­den”, Her­vorhe­bun­gen von mir), aber das Sur­ro­gat ist nur schw­er zu übertr­e­f­fen. Nicht weniger näm­lich, so behauptet der für die Über­schriften zuständi­ge Schreiber­ling, sei dieser Vor­bote des “Endes des Atom­zeital­ters” (ich frage mich, wie dann wohl das anschließende “Zeital­ter” heißen mag) als “Japans Tsch­er­nobyl”.

Darüber, dass diese Gle­ich­set­zung sach­lich schlicht Unfug ist, ist man sich weit­ge­hend einig; um so rät­sel­hafter sind die Beweg­gründe dafür, sie trotz­dem anzuwen­den. Eine kurze Gegenüber­stel­lung:

Tsch­er­nobyl:

  • ein Reak­tor­block ist explodiert
  • Tod bis heute ungezählter Men­schen infolge der Strahlen­be­las­tung
  • Aus­lös­er: Fehlbe­di­enung und Kon­struk­tions­fehler

Fukushi­ma:

  • vier Reak­tor­blöcke sind leicht beschädigt
  • bis­lang lediglich ein Fall erhöhter, nicht jedoch tödlich­er Strahlen­be­las­tung bekan­nt
  • Aus­lös­er: Naturkatas­tro­phe

Gemein­samkeit­en muss man mit der Lupe suchen, “ist halt auch was mit Atom­en”. Was die Fol­gen der Strahlung bet­rifft, ist das Unglück im AKW Fukushi­ma insofern besten­falls mit dem Kyschtym-Unfall zu ver­gle­ichen, aber damit kann man ver­mut­lich nicht so drama­tis­che Absatz­zahlen real­isieren.

Der Vor­wurf Kai Diek­manns, der SPIEGEL bedi­ene die gle­iche Klien­tel wie BILD (cf. SPIEGEL 9/2011), erscheint nur mehr wenig abwegig.


In eigen­er Sache: Im Ver­lauf eines infolge dieses hal­b­garen Artikels aus­ge­tra­ge­nen Maild­is­puts beschloss ich, den Daten­schutz dieser Inter­net­seite nochmals zu über­ar­beit­en. Auf Stat­Press verzichte ich nun­mehr gän­zlich, die “Ver­fol­gung” mit­tels des weit­er­hin auf die Spe­icherung per­so­n­en­be­zo­gen­er Dat­en verzich­t­ende Werkzeugs Piwik lässt sich browser­be­zo­gen via Cook­ie unterbinden. Hierzu bitte ich den geneigten Leser, auf der Seite “Daten­schutz” vor­beizuschauen und die dor­ti­gen Hin­weise zu beacht­en.


Auch hüb­sch übri­gens fand ich die als Teil eines Gesprächs einiger Jugendlich­er (“Opfers”) gestellte Frage: “Ey, bist du in Tina?”. Auf die Rep­lik “Ich bin derzeit in nie­man­dem” hätte ich als bis dahin stiller Beobachter mit Freude reagiert, lei­der antwortete der Gefragte aber nur “nää”. Diese Chance hat er ver­passt.

MusikKaufbefehleFotografiePersönliches
Anderthalb Konzertnächte.

Aufmerk­samen Lesern ist wom­öglich nicht ent­gan­gen, dass ich im März bis­lang eher zurück­hal­tend bin, was die Fre­quenz mein­er Veröf­fentlichun­gen bet­rifft. Hier­für gibt es mehrere Gründe, die alle aufzuzählen ich ger­ade nicht müßig genug bin; ein­er jeden­falls trägt Schwarz:

Da eine eigentlich vorge­se­hene Band­probe aus logis­tis­chen Grün­den aus­fiel, entsch­ied die tanzwütige Meute, das leg­endäre Braun­schweiger Nachtleben zu erforschen, was in zeitlich­er Hin­sicht ziem­lich pri­ma war, denn eine kurze Recherche offen­barte, dass ger­ade das diesjährige Reizwäsche-Schaulaufen “Fes­ti­val of Dark­ness” zu begin­nen im Begriff war, das, so ver­sprach die Ankündi­gung, für EBM-Fre­unde ein Ohren­schmaus sein sollte, und ich schloss mich inter­essiert an.

Erst etwa vier Stun­den nach Beginn des ersten Abends macht­en wir dem Fes­ti­val unsere Aufwartung und erschienen so erst nach den Auftrit­ten mir unbekan­nter Musik­grup­pen wie Dio­ra­ma mit­ten im Konz­ert von Frozen Plas­ma. Wer meine Musikrezen­sio­nen aufmerk­sam ver­fol­gt, der weiß, dass die dröh­nende über­wiegend elek­tro­n­is­che body music nor­maler­weise nicht meinen CD-Schrank ziert und dies so bald wohl auch nicht tun wird, aber ste­ht man vor der Bühne, ist das ein völ­lig anderes Erleb­nis.

“Kör­per­musik” ist es, frei über­set­zt, und tat­säch­lich spürt der Kör­p­er so manch­es. Vieles ist dem Postrock ähn­lich. Lei­der habe ich es am ersten Abend aus Zeit- und Organ­i­sa­tion­s­grün­den kaum geschafft, das Geschehen in Bildern und Worten zu fix­ieren, daher ist die fol­gende Zusam­men­fas­sung unvoll­ständig. Das ist ins­beson­dere schade, weil der erste Abend mit einem Auftritt der mir bis dato gle­ich­falls unbekan­nten Gruppe Com­bichrist endete, die mit mein­er Vorstel­lung von pri­ma elek­tro­n­is­ch­er Musik kom­pat­i­bel scheint. (Ich empfehle entsprechende Recherchen.)

Rechtzeit­ig informiert erschienen wir aber immer­hin pünk­tlich vor dem Ein­lass am zweit­en Abend, und der war min­destens eben­so angenehm:

Den Anfang machte Moon.74, ein im Fes­ti­val­we­sen noch weit­ge­hend unb­eleck­ter Kün­stler, der den weit­eren Abend dann auch im Zwiege­spräch am Auto­gramm­stand ver­brachte:

Louis Manke von Ter­mi­nal Choice, der an diesem Abend sein Solo­pro­jekt “Staubkind” mit ein­er kleinen Band zusam­men präsen­tierte, wusste nicht so recht, wo er war (Bochum, Braun­schweig; fängt halt auch mit “B” an), musizierte dann aber doch noch recht solide vor sich hin.

Die in den Lied­tex­ten des Kün­stlers ver­sierte Beglei­t­erin lobte die Lock­er­heit und Kom­mu­nika­tions­bere­itschaft des Kün­stlers, ich konzen­tri­erte mich auf die musikalis­che Ebene und begann im Laufe des Abends zu ver­ste­hen, wieso EBM auf Tanzver­anstal­tun­gen sich stetiger Beliebtheit erfreut. Die Rhyth­men näm­lich sind über­aus bewe­gend und ver­leit­en, dem Postrock nicht unähn­lich, dazu, selb­st unbe­merkt mit den Glied­maßen zu wack­eln, bis man spät in der Nacht fest­stellt, dass sel­bige dann doch allmäh­lich Ermü­dungser­schei­n­un­gen zeigen.

Spär­lich­er instru­men­tiert und mit an diesem Abend bere­its häu­figer zu sehen­den Pro­jek­tion­sprob­le­men — die Lein­wand zeigte eine Zeit­lang das Cyber­Home-Logo — trat dann Sven Friedrich mit seinem (gle­ich­falls) Solo­pro­jekt Solar Fake auf, der sofort wusste, wo er sich befand, und einige beein­druck­ende Musik­stücke aus dem eige­nen Reper­toire zum Besten gab. Als Fre­und des etwas weniger schmusi­gen Gesangs fand ich viel Gefall­en an dem let­zten Stück “Lies” (“Lügen”), das zwar schon ein wenig älter ist, aber recht druck­voll präsen­tiert wurde.

Zwis­chen Staubkind und Solar Fake trat­en Noisuf X (X‑Fusion) auf, die wir zwar hörten, aber nicht sahen; wis­st­ja, Verpflich­tun­gen:

Solar Fake fol­gte nach ein­er Umbau­pause die Sän­gerin Mina Hark­er neb­st Band, von der ich glaube, so etwas schon mal irgend­wo gehört zu haben, lei­der jedoch war ihr Mikro­fon zu leise. Ins­ge­samt erschien ihre Musik auch zu aus­tauschbar, so dass wir den Auftritt nach dem ersten Lied lieber ander­swo ver­bracht­en; wis­st­ja, Verpflich­tun­gen.

Der Auftritt von Nachtmahr, die das Fes­ti­val als let­zte Kün­stler ausklin­gen ließen und die, bitteschön, auch drin­gend toll gefun­den und mit CD-Käufen bedacht wer­den soll­ten, riss uns aus der Abwe­sen­heit, denn sie schep­perten in guter, alter Laibach-Manier los.

Aufge­lock­ert mit Pub­likum­sin­ter­ven­tion (“Ein Quiz: Was ist Indus­tri­al? — Du nicht!”) boten sich dem Zuschauer auf der Lein­wand mar­tialis­che Szenen im Stil von NSDAP-Pro­pa­gan­da, sich abwech­sel­nd mit weis­er Lyrik. “War is not the answer”, “Krieg ist nicht die Antwort” also, während die Her­ren hin­ter ihren Mac­books, denen sie den­noch erstaunlich annehm­liche Klänge ent­lock­ten, ver­har­rten und ihr Sänger, auf der Bühne herumwirbel­nd, Texte wie etwa den von “Feuer frei!” ins Mikro­fon schrie:

Neun Mil­lime­ter
direkt in dein Gesicht,
reini­gen­der Stahl
bei diesem Standgericht.

Einige stand­hafte, teils jedoch schon sichtlich ermüdete Besuch­er vergnügten sich anschließend noch weit nach Mit­ter­nacht auf dem Tanz­bo­den, während Nachtmahr an der Theke Platz nah­men.

Blöder­weise hat­te die Cock­tail­bar zu diesem Zeit­punkt bere­its geschlossen, ein blink­ender Wer­be­ban­ner warb aber weit­er­hin für die dort zu erwer­ben­den Leck­ereien. Meinen Verpflich­tun­gen musste ich also ander­weit­ig nachkom­men; wis­st­ja.

Das näch­ste “Fes­ti­val of Dark­ness” find­et, so gab eine weit­ere Pro­jek­tion beredt Auskun­ft, Ende März 2012 wiederum in Braun­schweig statt. Mir scheint, dass sich eine erneute Anwe­sen­heit lohnen wird.

PolitikIn den Nachrichten
Furchtbar: Zeitungen von 1933 gefunden!

Gar schröck­lich ist’s, was sich da in Chan­ty-Man­si­jsk ereignete:

Anlässlich der diesjähri­gen Biathlon-Welt­meis­ter­schaft näm­lich wur­den zur Deko­ra­tion Sträuße mit alten Zeitun­gen in ver­schiede­nen Sprachen zusam­mengestellt, und das ist eigentlich eine recht schnuck­e­lige Idee. Nicht so schnuck­e­lig ist es nun, dass inmit­ten der Zeitun­gen unbekan­nter Natur auch deutsche aus der Zeit während und nach dem Regierungswech­sel 1933 sich befan­den, und so ist das ein uner­hörter Fehlgriff, ver­ste­ht sich:

“Das hat­te keine poli­tis­chen Gründe”, sagt Iri­na Taschenko, die Gen­eraldirek­torin des Konz­ert- und The­ater­centers Ugra-Clas­sic, in dem die WM stat­tfind­et. Sie bat in einem Schreiben an den Biathlon-Weltver­band Ibu mehrmals um Entschuldigung.

Wie beruhi­gend, dass es sich lediglich um ein Miss­geschick han­delte. Alter­na­tiv hätte es auch poli­tis­che Gründe haben kön­nen, indem man zum Beispiel darauf hin­weist, wie harm­los Dik­taturen mitunter begin­nen kön­nen, dass das Volk nicht immer das Richtige tut oder ähn­liche Dinge, aber stattdessen kom­men Zeter und Mor­dio — nicht die bei­den Gespen­ster gle­ichen Namens aus den YPS-Comics — zu ihrem Recht.

Geschichte wieder­holt sich nicht “nie wieder”, indem man jede Erin­nerung an sie aus­löscht.

PersönlichesSonstigesNetzfundstücke
Allerweltsfilme

Aus Recherchegrün­den warf ich während der ver­gan­genen Tage wieder ein­mal einen Blick auf die Titel­seite ein­er Fernseh-Pro­gram­mzeitschrift. Unter dem dezent nach­bear­beit­eten Kon­ter­fei ein­er lei­dlich bekan­nten Schaus­pielerin wur­den dort zwei Filme angekündigt.

Die Älteren unter meinen Lesern erin­nern sich vielle­icht noch daran, dass im Abspann von Fil­men früher in der Regel die höch­ste Pri­or­ität auf dem Film selb­st lag. Dort hieß es dann etwa: “Sie sahen: Kehr zurück, kleine She­ba”, darunter dann gegebe­nen­falls die Verteilung der Rollen. Damals hätte man es ver­mut­lich besten­falls als stil­los emp­fun­den, wüsste man, wie längst üblich, erst nach zehn Minuten, wie der Film eigentlich heißt, oder läse es im Abspann erst nach zwei Papierk­ilo­me­tern.

Diese Rela­tion scheint allerd­ings in den let­zten Jahren per­vertiert wor­den zu sein; die ein­gangs erwäh­nte Pro­gram­mzeitschrift näm­lich kündigte auf besagter Titel­seite nicht etwa zwei beson­ders empfehlenswerte Filme an, son­dern die Schaus­pielerin Jen­nifer Anis­ton “mit” zwei Fil­men, was wiederum bedeutet: Der eigentliche Film tritt in den Hin­ter­grund, die Men­schen sollen ihn nicht etwa wegen der gewitzten Dialoge voller Pop­kul­turz­i­tate oder wegen der lehrre­ichen Moral sehen, son­dern, weil Jen­nifer Anis­ton in ihnen zu sehen ist.

Bere­its in mein­er Filmkri­tik zu “Inglou­ri­ous Bas­ter­ds” bemerk­te ich dieses Phänomen; dass Film­fre­unde dieser Tage eben vor allem das Kino auf­suchen, um bes­timmte Gesichter zu sehen, und auf den eigentlichen Film dann nicht mehr viel Wert leg­en. Wie son­st ist es zu erk­lären, dass etwa Til Schweiger mit sein­er Rolle als Macho, der im Ver­lauf des Films zu einem san­ften Schmuse­mann geläutert wird, in diesem Jahr (“Kokowääh”) schon wieder Mil­lio­nen Kinobe­such­er, einige von ihnen gar mehrmals, unter­hält? Die zweifel­sohne urkomis­chen Szenen, die einem irgend­woher bekan­nt vorkom­men, allein dürften es nicht sein, denn Keinohrhasen zum Beispiel ist nur mäßig witzig und war den­noch ein Pub­likums­mag­net. (Mir, dies sei als Spitze ange­merkt, ist kein Mann bekan­nt, der anlässlich des genan­nten Films auf eige­nen Wun­sch und ohne weib­liche Begleitung im Kino saß. Eine etwaige Kausal­ität möge sich der geneigte Leser selb­st erspin­nen.)

Zwar stimmt es, dass sich aus der Beset­zung eines Films die unge­fähre Hand­lung und das Genre oft erah­nen lassen, von löblichen Aus­nah­men wie eben “Inglou­ri­ous Bas­ter­ds” und “Angst und Schreck­en in Las Vegas” abge­se­hen, aber sie sollte nicht der Anlass sein, einen Film zu sehen. Jen­nifer Anis­ton etwa ist mir nur als Darstel­lerin durch­schnit­tlich­er Sit­coms in Erin­nerung, warum sollte ich das auf Film­länge sehen wollen? Geset­zt den Fall, die Frau hat sich inzwis­chen zu ein­er ser­iösen Schaus­pielerin entwick­elt und meine Frage geht von falschen Voraus­set­zun­gen aus: Warum tritt dann der eigentliche Film so sehr in den Hin­ter­grund?

Nicht jed­er dieser Schaus­piel­er, deren bloße Erwäh­nung für zalan­doeske Jubelschreie sorgt, fällt mit dem immer­gle­ichen plot auf, was die Her­vorhe­bung ihrer Per­son gegenüber der Hand­lung noch frag­würdi­ger macht. Woody Allen etwa, dessen frühe Filme (“Die let­zte Nacht des Boris Gruschenko”, “Im Bann des Jade-Sko­r­pi­ons”, “Der Stadt­neu­rotik­er” usw.) ich beina­he alle­samt als höchst betra­cht­enswert ein­stufe, weiß mich mit seinen neuesten Fil­men nur noch sel­ten zu überzeu­gen. Es scheit­ert aber anson­sten nicht an ihm, Woody Allen, oder der Beset­zung (zuver­läs­sig als Fehlbe­set­zun­gen zu beze­ich­nende Schaus­piel­er spie­len in seinen Fil­men ohne­hin nie mit), son­dern an der Hand­lung des Films. Ver­all­ge­mein­ert bedeutet das: Gefällt mir ein Film, gefällt mir nicht auch jed­er andere Film mit ähn­lich­er Beset­zung allein der Beset­zung wegen.

Insofern ist es absurd, dass Filmemach­er dieser Tage mehr mit Schaus­piel­ern als mit ihren eige­nen Fil­men zu prahlen scheinen, aber nur kon­se­quent. Seit­dem irgen­deine Flitzpiepe blöder­weise erfol­gre­ich aus­pro­biert hat, ob drei­di­men­sion­ale Effek­te über fehlende Hand­lung hin­wegtäuschen kön­nen, gle­icht der Gang ins Kino mitunter einem Toi­let­ten­gang mit Ver­stop­fung: Langfristige Freude kommt partout nicht auf, und man ver­spürt ein unan­genehmes Ziehen. Regelmäßige Kinogänger sind offen­bar einem selb­st aufer­legten Masochis­mus zum Opfer gefall­en. Tem­po­ra mutan­tur, et muta­mur in illis.

Fragte mich ein Film­pro­duzent, auf welchen Film ich mich am meis­ten freuen würde, so wortete ich ant: Ich hätte gern einen nicht zu seicht­en, fein pointierten, gern leicht bis schw­er sur­re­al­is­tis­chen Film, über dessen Anspielun­gen auf Pop­kul­tur und Zeit­geschehen es später viele Büch­er geben wird, mit denen alte, dick bebrillte Pro­fes­soren sich dumm und däm­lich ver­di­enen, und der im Genre der Komödie — die Tragikomödie eingeschlossen — zu verorten ist. Die Haup­trollen soll­ten bitte nicht mit John­ny Depp, Til Schweiger und Brad Pitt zu beset­zen sein, willkom­men wäre ein Engage­ment in nicht tra­gen­den Neben­rollen aber alle­mal. Die Film­plakate soll­ten kein­er­lei Namen tra­gen, höch­stens den des Pro­duzen­ten und vielle­icht den meinen neb­st URL mein­er Webpräsenz, denn ich mag es, Aufmerk­samkeit zu bekom­men.

Aber mich fragt nun ein­mal kein Film­pro­duzent, denn was ich von ihnen, den Pro­duzen­ten, erwarte, spielt keine Rolle, so lange ich brav den Brei fut­tere, den sie mir auf den Teller kotzen.
Habe ich erwäh­nt, dass ich in den let­zten vier oder fünf Jahren, sofern mich meine Erin­nerung nicht trügt, nur zweimal im Kino war?


Nach­trag zum The­ma “Tschüs­si, Herr zu Gut­ten­berg”:

Wie sehr mir der Tod “mein­er” Sol­dat­en nahe geht, ent­nehmen sie bitte der Tat­sache, dass ich dieses Ver­reck­en in mein­er gegen­wär­ti­gen Sit­u­a­tion noch dazu instru­men­tal­isiere, um Jour­nal­is­ten und andere Canaillen dafür ein schlecht­es Gewis­sen einzure­den, dass sie die Men­schen in der BRD darüber aufgek­lärt haben, was ich für ein Betrüger und Hochsta­pler bin.

Mehr beim Nachtwächter.

SonstigesFotografie
Zarter Geschmack

Manch­mal, Wer­ber, seid ihr so unfass­bar kreativ, dass sich unsere­ins nur noch vor Staunen auf dem Linoleum wälzt und kichert. So etwa wusste mich auch die Wer­be­abteilung von Burg­er King zu überzeu­gen, die nicht etwa für zarte Speisen oder guten Geschmack warb, son­dern …

… für solche, die zart und knus­prig schmeck­en.

“Wie schmeckt denn das?”
“Zart!”
“Nein, ich meinte: Wonach?”
“Knus­prig!”
“Ach, na dann…”

Wieso das Titel­bild der Zeitschrift Blonde (“es ist ein Modemäd­chen”, also eine Lifestyle-Trul­la, ein Opfer des Kap­i­tal­is­mus’, nehme ich an?) übri­gens eine Brünette zeigt, weiß wohl allein die Redak­tion allein.

PolitikSonstiges
Einen hab’ ich noch: Polylogoi (B)

Aus der Biografie ein­er Kom­mu­nistin: “Schon, als sie ihrer Mut­ter, die fragte, wie sie sich mit ihren neuen Klassenkam­er­aden ver­ste­he, ent­geg­nete, an der Uni­ver­sität gebe es keine Klassen, bemerk­te sie den rev­o­lu­tionären Funken, der in ihr glomm.”

Mit diesem schlecht­en Witz möchte ich die Rei­he der Wort­spiele ohne Ton fort­set­zen, die ich in mühevoller Kleinar­beit selb­st erar­beite und die hof­fentlich auch meine geschätzte Leser­schar zum Schmun­zeln zu brin­gen oder aber jeden­falls nicht zu vertreiben ver­mag. Nicht ohne Stolz also präsen­tiere ich Folge B der losen Serie “Poly­l­o­goi”:

Und — habt ihr es?

Der im ersten Teil gezeigte Vogel — die Lösung für den zweit­en Teil werde ich im drit­ten Teil ver­rat­en — ist inzwis­chen, das sei aus meinem imag­inären Nähkästchen geplaud­ert, ein tot­er solch­er. Ich hoffe, das liegt nicht an mir, denn anson­sten sehe ich schwarz für den dies­mal Gemein­ten.

Übri­gens ist in diesem Text ein nicht gekennze­ich­netes Zitat ver­steckt.
Wer es find­et, dem geste­he ich zu, mir eine Mit­glied­schaft in der CSU auf Lebzeit zu ver­weigern.

NetzfundstückeNerdkrams
Optimiert für Stromversorgung

Wie lange ist es her, dass die diversen blink­enden Grafiken der Bauart “Opti­miert für Inter­net Explor­er” und ähn­lich­er Fir­lefanz weit­ge­hend aus dem Inter­net ver­schwun­den sind, als die meis­ten Leute wohl endlich ver­standen hat­ten, dass der Inter­net Explor­er, damals noch in der Ver­sion 4 weit ver­bre­it­et, nicht unbe­d­ingt etwas ist, worauf man seine Web­seite “opti­mieren” muss und sollte? Der Ver­lust der Par­o­di­en war da leicht zu ver­schmerzen, eine davon fand sich auch auf mein­er ersten Inter­net­seite; denn wie kann man eine Web­seite am besten betra­cht­en? Richtig: Mit offe­nen Augen.

Daran musste ich sofort denken, als ich mir die Spez­i­fika­tio­nen von HPs neuer Elite­Book-Rei­he ansah. Nicht nur wer­den dort Funk­tio­nen wie Mul­ti­task­ing (unfass­bar, mit einem Elite­Book kann man tat­säch­lich alle Anwen­dun­gen benutzen, die das jew­eilige Betrieb­ssys­tem unter­stützt?) und ein­fach­es Aufladen (man muss nur ein Net­zteil hine­in­steck­en, das ist min­destens ein­ma­lig!) ange­priesen, son­dern es find­et sich dort auch das fea­ture “Opti­mized for Gen­uine Win­dows® 7 Pro­fes­sion­al”, und dieses “Gen­uine” wird in der kurzen Erk­lärung nochmals wieder­holt; “opti­miert für legal erwor­benes bzw. lizen­ziertes Win­dows 7 Pro­fes­sion­al” also.

Der Sub­text lautet, auf Deutsch über­set­zt, wie fol­gt:

Mit einem lizen­zierten Win­dows® 7 Pro­fes­sion­al erhal­ten Sie starke Prozes­sor­fähigkeit­en, Draht­los­funk­tio­nen und einen 15,6‑Zoll-HD-Bildschirm.

Was also darf ich daraus fol­gern?

Erstens: Win­dows 7 Ulti­mate ist auf einem Elite­Book eben­sowenig lauf­fähig wie Lin­ux oder gar das für näch­stes Jahr geplante (also eher nicht vor 2014 erscheinende) näch­ste Win­dows. (Ver­mut­lich sind die Vari­anten mit Free­DOS deshalb preiswert­er zu haben.)
Zweit­ens: Eine aus nicht ganz koscheren Quellen bezo­gene Win­dowskopie wird vom Elite­Book als eine solche erkan­nt und ver­sagt gle­ich­falls die rei­bungslose Zusam­me­nar­beit.
Drit­tens: Ver­sucht man es den­noch, so wird der Prozes­sor schwach, das WLAN deak­tiviert und der Bild­schirm klein­er. (Oder größer, das ste­ht da lei­der nicht, eben­so übri­gens auch nicht, wie man sich das vorzustellen hat. Rollt er sich ein?)

Vielle­icht hat HP aber auch nur ver­sucht, dem Konkur­renten Dell die Meis­ter­schaft im Bull­shit-Bin­go stre­it­ig zu machen.

PolitikIn den Nachrichten
Hitler hat wenigstens nicht plagiiert.

Ist ja schon gut, ich schreibe ja schon etwas dazu:

Karl-Theodor zu Gut­ten­berg hat heute Mit­tag sein “Amt” niedergelegt. Jet­zt kann man sich natür­lich bequem zurück­lehnen und sich freuen, man kann seine Abtrittsrede (etwa auf sueddeutsche.de zu lesen) aber auch analysieren und heute Nacht nicht mehr ruhig schlafen kön­nen.

Sel­bige Rede näm­lich war let­zten Endes nichts anderes als ein aufge­blasenes Gezeter, wie gemein doch alle zu ihm, dem Her­rn Min­is­ter, seien, weil sie ihn nicht mehr nur nach sein­er “Arbeit” bew­erteten, son­dern auch nach seinen pri­vat­en Ver­fehlun­gen. Andere an sein­er Stelle wären froh, wäre dem so, aber der Herr Min­is­ter bekommt ja nicht genug:

Ich trage bis zur Stunde Ver­ant­wor­tung in einem fordern­den Amt.

Das ist aber auch ein schreck­lich zeitaufwendi­ges Amt, dieses Vertei­di­gungsmin­is­teri­um. Deutsch­land wird von Fein­den ja ger­adezu umzin­gelt; jeden­falls dort, wo sich seine Sol­dat­en unter der Führung des Her­rn Vertei­di­gungsmin­is­ters aufhal­ten. Ihren Wun­sch, Ihr, Herr zu Gut­ten­berg, Tun auss­chließlich auf poli­tis­ch­er Ebene zu bew­erten, hät­ten Sie allerd­ings schon viel eher äußern sollen, zum Beispiel, als nach Ihrem Amt­santritt klar wurde, dass sich am Ster­ben für Deutsch­lands Frei­heit am Hin­dukusch nichts ändern würde.

Wohl nie­mand wird leicht, geschweige denn leicht­fer­tig, das Amt aufgeben wollen, an dem das ganze Herzblut hängt. Ein Amt, das Ver­ant­wor­tung für viele Men­schen und deren Leben bein­hal­tet.

“Herzblut”, Alter­spen­sion, ist doch alles der gle­iche Krem­pel. Aber danke nochmals, dass Sie, Herr zu Gut­ten­berg, das mit der Ver­ant­wor­tung noch mal erwäh­n­ten, denn so kann ich Sie nun fra­gen: Wo war denn Ihre Ver­ant­wor­tung, als jüngst weit­ere Sol­dat­en, die ihr unter­stellt waren, ihre sterbliche Hülle ver­ließen (vul­go: fie­len)?

Ich war immer bere­it, zu kämpfen, aber ich habe die Gren­zen mein­er Kräfte erre­icht.

Das war aber auch ein har­ter Kampf, allein mit der BILD gegen die eigene Moral zu kämpfen; und jet­zt hat die blöde Moral auch noch gewon­nen!
Das kann sich ein Poli­tik­er wahrlich nicht erlauben.

Insofern: Gute Entschei­dung!