Netzfundstücke
Das Selbstverständnis der Blogosphäre

Nur noch mal zur Verdeut­lichung dient dieser Beitrag:

Vor ein­er Weile ließ ich mich unter dem Titel “Von Blog­gern, Blogs und Gurus” über die selb­st ernan­nten “Blog­ger” aus, die ihre Haup­tauf­gabe darin sehen, andere “Blog­ger” zu ver­linken, als Quelle zu nutzen und sonst­wie mit virtuellen Sternchen zu verse­hen, um im Gegen­zug auch von diesen am virtuellen Bauch gepin­selt zu wer­den.

Heute nervte mich im Fee­dread­er dann auch mal wieder Caschy, der das zwar auch schon bemerkt hat, dass sich die “oberen Hun­dert” der deutschen “Blogs” ständig in gegen­seit­i­gen Lob­hudeleien ergießen (und sich selb­st ver­mut­lich auch über ihre Tas­tatur, Besuch­er­sta­tis­tiken und Wer­beein­nah­men machen’s möglich), was ihn als einen der häu­figer ver­link­ten “Blog­ger” aber nur periph­er zu scheren scheint. Vielmehr sieht er es sog­ar als selb­st aufzuer­legende Pflicht an, ein “Blog” der “Blo­gosphäre” wegen zu betreiben.

Alle Wege führen zurück zu Robert Basic, der in der Quin­tes­senz das­selbe ins Inter­net schmiert, es sich allerd­ings auch leis­ten kann, denn er ist ein­er der deutschen “Blog­ger”, die erfol­gre­ich missver­standen haben, worum es in einem Blog nor­maler­weise geht: 2009 ver­scher­belte er sein dama­liges Blog für 46.902 Euro. Da ist es nur wenig beruhi­gend, dass SPIEGEL Online das mit dem Bloggen damals auch schon nicht ver­standen hat­te, denn man nan­nte ihn “Deutsch­lands meistver­link­ten und damit doch irgend­wie auch wichtig­sten Blog­ger”. Robert Basic ist so unfass­bar wichtig, dass die Nen­nung bei Caschy das, wenn ich mich nicht irre, ins­ge­samt zweite Mal war, dass ich irgen­det­was von ihm in meinem Feedleser ver­linkt sah.

Caschy geht da auch gle­ich, Her­rn Basic Honig um das ver­gold­ete Maul schmierend, mit “gutem” Beispiel voran:

Auch wenn ich nicht alle ver­gan­genen Aus­sagen und Aktio­nen von Robert 1:1 unter­schreibe, so zeigt dieser Beitrag doch, dass er das bloggen beherrscht (und auch ein her­vor­ra­gen­der Gesprächspart­ner ist).

“Hach, das ist Bal­sam für die Seele!” wird Robert Basic da wohl denken und sich total darüber freuen, weil er jeden fre­undlichen Hin­weis auf seine Blog­gerei bes­timmt auch total wichtig find­et.

Aber Haupt­sache, man kann davon leben, dass man immer die gle­ichen Rüben­nasen seinem Leser als Leseempfehlung hin­rotzt, nur um die gesam­melte Rotze dann irgend­wann an den Meist­bi­etenden zu ver­hök­ern und mit dem gewonnenen Geld dann endlich auch mal so tun zu kön­nen, als hätte die Sekretkollek­tion jemals irgend­was bewirkt außer­halb des engen Korsetts aus den besten­falls zehn bis fün­fzehn Leuten, die, nicht hin­ter­fra­gend, jede Blähung des eige­nen Gedärms als Gotteswort preisen; amen.

Wie mich dieses Gewürm, das meint, mir vorschreiben zu kön­nen, wie und wann ich gefäl­ligst wen als Quel­lenangabe zu nutzen habe, anwidert! Wie “man Blogs” ver­linkt, weiß ich schon; man nehme den a-Tag und set­ze den URL hinein, gut ist’s, und wenn ich keine Lust habe, etwas zu ver­linken, dann muss ich das auch nicht tun, und ich habe sel­ten keine Lust, son­dern mich hal­ten eigentlich nur ethis­che Gründe davon ab, mancher­lei mit einem Direk­tlink zu verse­hen. Da bedarf es indes kein­er zehn wichtiger Regeln und Gründe von Leuten, die nicht ver­linkt wer­den, weil sie der Welt irgend­was neues mitzuteilen hät­ten, son­dern nur deswe­gen, “weil man das halt so macht”, weil sie Konifer­en Koryphäen ihrer Zun­ft sind und wir alle ohne sie ver­mut­lich nicht mal wüssten, was ein Blog ist; näm­lich eine in Byte gegossene Samm­lung nichtiger Plat­titü­den, die sich von anderen Web­seit­en nur dadurch unter­schei­det, dass sie mit min­destens neun anderen Samm­lun­gen nichtiger Plat­titü­den untrennbar ver­bun­den ist, ohne dass der Blick für’s Wesentliche — die Wer­beein­nah­men näm­lich — ver­loren gehen darf. So läuft das in der Rezes­sion, mhm.

(Anmerkung des Ver­fassers: Ich bitte die bei­den Ver­linkun­gen von deutschsprachi­gen Blogs keines­falls als Ver­such, an die “Blo­gosphäre” anzuknüpfen, zu werten. Hierzu bitte auch dem in der Seit­en­leiste hin­ter­legten Ver­weis “Dies ist kein Blog.” fol­gen.)


Nach­trag: Robert Basic hat mich einen “Blogver­ste­her” (“Blog-Ver­ste­her”) genan­nt und mich ver­linkt und meinte das, also das Nen­nen, ver­mut­lich abschätzig und ich glaube, ich werde nach­her ein biss­chen darob betrübt sein.

PolitikIn den Nachrichten
Dreimal CDU

(Alles via Fefe und als ergänzende Pointen zu ver­ste­hen.)

CDU zum Ersten:

“Wer durch eine Sitzblock­ade einen hoheitlich genehmigten Trans­port behin­dert und dadurch einen Schaden verur­sacht wie etwa Mehrkosten für den Polizeiein­satz, der darf nicht von vorn­here­in straf­frei bleiben”, sagte der nieder­säch­sis­che Jus­tizmin­is­ter Bernd Buse­mann (CDU) der “Frank­furter All­ge­meinen Son­ntagszeitung”.

Wer dem Steuerzahler unnötige Kosten verur­sacht, gehört bestraft; so weit ist das gut und richtig. Was Bernd Buse­mann vergessen hat: Damit beantragt er genau genom­men eine Strafe für sich selb­st und seines­gle­ichen, denn nie­mand liegt den Bürg­ern derzeit mehr und vor allem aus absur­deren Anlässen her­aus auf der Tasche als die Regierung. (Bonus­pointe: Kon­se­quenter­weise müsste Bernd Buse­mann Gefäng­nisin­sassen dafür bestrafen lassen, dass sie im Gefäng­nis sitzen, denn sie verur­sachen Mehrkosten für den Polizeiein­satz.)

CDU zum Zweit­en:

Der CDU-Bun­destagsab­ge­ord­nete Axel E. Fis­ch­er kri­tisiert die gängige Prax­is, sich in Inter­net-Diskus­sions­foren mit einem Fan­tasien­amen zu Wort zu melden.

Ken­nt ihr die Die-Simp­sons-Folge, in der Homer J. Simp­son ver­sucht, seinen zweit­en Vor­na­men zu erfahren? Ich bezwei­fle, dass Axel Fis­ch­er mit zweit­em Vor­na­men “Eeh” heißt. Geht das bere­its als Fan­tasien­ame durch? Wie man anson­sten her­aus­find­en soll, ob ein angegeben­er Name echt ist, lässt er offen. Der “ePer­so” wurde als Beispiel­tech­nik ange­führt; wenn diese zukun­ftssichere Erfind­ung kün­ftig also im deutschen Inter­net die Integrität eines Diskus­sions­fo­rums gewährleis­ten soll, kom­men noch spaßige Zeit­en auf uns zu.

CDU zum Drit­ten:

Char­lotte Roche hat Bun­de­spräsi­dent Chris­t­ian Wulff ein unmoralis­ches Ange­bot unter­bre­it­et: Die Best­seller­autorin bietet dem deutschen Staat­sober­haupt Sex an, wenn Wulff sein Veto bei der Laufzeitver­längerung der Atom­krafte gibt.

…, und nicht ein­mal mir würde ger­ade ein besseres Argu­ment ein­fall­en, die Laufzeitver­längerung zu unter­schreiben; zur Sicher­heit gle­ich dop­pelt, damit Frau Roche es auch mit­bekommt. Schauder­hafte Vorstel­lung!

Sonstiges
Medienkritik XLI: Das Beste kommt noch!

Meine Vor­liebe für Fahrten im öffentlichen Per­so­nen­nahverkehr ver­schafft mir nicht nur Ein­blicke in das Fam­i­lien­leben mir unbekan­nter Men­schen, son­dern mitunter auch einige for­mi­da­ble Fund­stücke, die oft auch lan­glebiger sind als die lei­dlich aktuellen YouTube-Auss­chnitte und ähn­liche Net­z­fund­stücke, die ich hier mit euch, liebe Leser, zu teilen pflege. So ist es beispiel­sweise auch noch 20 Jahre nach der Ein­heit belusti­gend, sich einen öster­re­ichis­chen Bus­fahrschein ein­mal genauer anzuse­hen:

Hier sind sogar zwei (ähnliche) Witze versteckt!

Heute jeden­falls fuhr ich wieder ein­mal mit dem Bus durch die Gegend und wurde auf eine dort acht­los liegen gelassene Broschüre aufmerk­sam gemacht, die vom “Mis­sion­swerk Wern­er Heukel­bach” her­aus­gegeben wor­den war und “Gedanken zum Älter­w­er­den” zu bein­hal­ten ver­spricht. Ihr Name lautet: “Das Beste kommt noch!”.

Das erste Kapi­tel nach dem Vor­wort (nicht von Wern­er Heukel­bach übri­gens) ist “Der Herr ist mein Hirte.” betitelt und bezieht sich auf Psalm 23, der bei christlich aufgewach­se­nen Jugendlichen samt und son­ders bere­its bei sein­er Erwäh­nung Augen­rollen verur­sachen dürfte, weil: irgend­wann is’ mal gut.

Und was da so als Bestes noch kom­men wird, das ver­heißen Abschnitte wie “Per­sön­liche Ein­ladung.” und “Gottes Geschenk für Sie!”, in denen mith­il­fe jew­eils ein­er Kreuz­fo­tografie nur wenig Zweifel daran gelassen wird, zu was für einem grandiosen Geschenk hier ein­ge­laden wer­den soll; zum Tod näm­lich:

Und wer jet­zt noch immer noch nicht bere­it ist, das “Mis­sion­swerk Wern­er Heukel­bach” für unzurech­nungs­fähig zu erk­lären, dem schicke ich auf Anfrage gern das voll­ständi­ge Pam­phlet zu, gemäß dessen unter anderem auch Kreb­skranke sich ihres Lebens freuen soll­ten, denn immer­hin sind sie keine Sün­der:

Das Beste kommt noch — na, Gott sei Dank!

(Mit Dank an V. für den Hin­weis, das Fund­stück und den wun­der­bar blö­den Humor.)

NetzfundstückeNerdkrams
Apple ist an allem schuld!

Peter hat auf seinem iPhone offen­bar die Kaf­fee­un­ter­set­zer-App aktiviert, und ich kön­nte jet­zt meter­lang darüber referieren, wieso er selb­st schuld ist, dass er sich wil­lens in die Hände eines skru­pel­losen Weltkonz­erns begeben hat, aber das habe ich ander­swo schon getan.

Stattdessen sollte die steigende Kom­plex­ität und gle­ichzeit­ig steigende Fehler­an­fäl­ligkeit mod­ern­er Kom­mu­nika­tion­s­mit­tel angesichts der kom­menden besinnlichen Zeit (dazu gegebe­nen­falls später mehr) ein Anlass sein, sich an die Ursprünge des dig­i­tal­en Nir­wanas zu erin­nern, um wenig­stens jeman­dem die Schuld geben zu kön­nen.

Und da ist es doch hüb­sch, dass ger­ade wieder ein Jubiläum anste­ht: Die Redak­tion von SPIEGEL Online feiert dieser Tage zum zweit­en Mal “20 Jahre WWW” und erläutert, wieso sie das noch mehrfach tun wird. Tat­säch­lich sind 20 Jahre dann auch eine eher grobe Schätzung:

Ende 1990 stellte Tim Bern­ers-Lee den von ihm und eini­gen Mitar­beit­ern am CERN entwick­el­ten Dienst erst­mals der Öffentlichkeit vor. Ursprünglich dien­ten seine Pläne für ein ver­net­ztes Sys­tem zum Wis­sensaus­tausch, das ist SPIEGEL Online zu ent­nehmen, allein ihm als Merkhil­fe, da er von sich behauptet, ein furcht­bar schlecht­es Gedächt­nis sein eigen zu nen­nen. Mit den Jahren aber reifte das “World Wide Web” her­an zu einem Sys­tem ähn­lich dem im Fol­ge­jahr einge­führten Gopher her­an und stellte mit HTTP und HTML wesentliche Ele­mente der heuti­gen dig­i­tal­en Kom­mu­nika­tion bere­it.

Die erste Inter­net­seite der Welt, in ein­er archivierten Ver­sion noch erhal­ten, war betont schlicht gehal­ten: Schwarze Schrift auf weißem Grund, for­matiert allein mit Über­schriften und Ein­rück­un­gen (das <dl>-Tag ken­nt heute auch kein so genan­nter “Web­de­sign­er” mehr wirk­lich, dessen “Arbeit” darin beste­ht, mith­il­fe ein­er lusti­gen bun­ten grafis­chen Ober­fläche Pix­el zu ver­schieben). Man betra­chte nur ein­mal den Quell­text! Beizeit­en kamen neue Ele­mente auf und ver­schwan­den oft auch wieder, mar­quee und blink haben sich zur all­ge­meinen Erle­ichterung langfristig nicht durch­set­zen kön­nen.

An der Schlichtheit früher­er Tage lässt es die heutige Vorstel­lung ein­er “mod­er­nen Inter­net­seite” indes lei­der völ­lig fehlen, der Grund­satz “HTML ist kein Papi­er” sollte in jedem HTML-Hand­buch dieser Welt in großen, roten Buch­staben auf jed­er Seite einge­fräst sein, damit das selb­stver­liebte Pack von “Medi­en­de­sign­ern” (als gäbe es keine anderen Medi­en, an denen sie sich aus­lassen kön­nen!) endlich aufhört, irgend­was von “fes­ter Bre­ite” zu blafaseln.

Und es wird nicht bess­er: “HTML 5” (das neue Bull­shit-Bin­go-Trumpf­wort, nach­dem sich “Web 2.0” offen­bar dankenswert­er­weise abgenutzt hat) hat mit ein­er “Hyper­text Markup Lan­guage” nicht mehr viel zu tun. Tat­säch­lich näm­lich dient es nur noch als Rah­men für Javascript- und CSS-Spiel­ereien, von denen nicht nur ich mich frage, was genau das im Inter­net ver­loren hat. Es stimmt, dass die Bedeu­tung Weg weisender Tech­nik oft verkan­nt wird, aber darauf, zu erfahren, welchen Weg diese Entwick­lung weisen wird, bin ich derzeit nicht son­der­lich erpicht.

Der erste Web­serv­er war übri­gens eben­so wie der Com­put­er, auf dem die Soft­ware entwick­elt wurde, ein NeXT-Rech­n­er. NeXT war ein Soft- und Hard­ware pro­duzieren­des Unternehmen eines gewis­sen Steve Jobs, der Apple (wo man heute unter anderem, ich erwäh­nte es, das furcht­bare iPhone entwick­elt) ver­lassen hat­te. 1996 kaufte Apple NeXT und machte das Betrieb­ssys­tem NeXTStep zu ein­er der tech­nis­chen Grund­la­gen für Mac OS 10 (“X”). So kann man mit Fug und Recht auch mit langem Blick zurück noch behaupten: Apple ist an allem schuld; selb­st an der Grün­dung von Google.

Ach, ich mag Kreise, die sich schließen.

Über­haupt ist das Jahr 2010 bish­er ein ganz großes Jahr.
Und was passt bess­er zu einem ganz großen Jahr als eine ganz große Würdi­gung lan­glebiger Klas­sik­er?

Etwas älter als das WWW, näm­lich inzwis­chen 26 Jahre alt, ist das Spiel “Tetris”, das mehrere Gen­er­a­tio­nen junger Kon­solen­spiel­er in der einen oder anderen Form auf ihrem Weg zur geisti­gen Rei­fung begleit­ete. Eben­so wie der SPIEGEL-Online-Beitrag zu zwei Dekaden WWW ist auch die Würdi­gung von Tetris inzwis­chen über ein Jahr alt, der ganz große Knall hat aber noch gefehlt.

Der kam mir nun mit Tetris HD (mit Dank an V., die unbe­d­ingt auch mal wieder erwäh­nt wer­den will) vor die Augen, und obwohl das Spiel auch bere­its aus dem Vor­jahr stammt, so lässt sich kaum leug­nen, dass es eine wirk­lich ganz große Würdi­gung ist.

Ich wün­sche viel Spaß.

Projekte
TinyTodo build 20101112 (für Ungeduldige)

Didi mag es eine “ewige Baustelle” nen­nen, und es sieht mitunter, zugegeben, auch so aus, als würde die Entwick­lung schlicht nicht mehr weit­erge­hen; aber ich habe es nun doch geschafft, den Anzeige­fehler von TinyTo­do bei mir zu beheben. Die Schuld trug gdipp, das sich manch­mal ein wenig merk­würdig ver­hält. Flugs eine Aus­nahme für die AIR-Bib­lio­theken einge­tra­gen und es kon­nte weit­erge­hen.

Und so präsen­tiere ich heute mit geschwol­len­er Brust und min­destens eben­solchem Kopf, Kopfweh sei’s gedankt, eine neue Testver­sion von TinyTo­do.

Herun­ter­laden kön­nt ihr, werte Leser, den ganzen Krem­pel wie üblich per Klick auf den Screen­shot. Neu ist vor allem die (angekündigte) Auf- und Zuk­lapp­funk­tion für Kat­e­gorien, wie auf dem Bild zu sehen. Die (gle­ich­falls angekündigte) Onlin­ean­bindung allerd­ings wird noch ein wenig länger dauern.

Ich wün­sche den­noch viel Spaß.

Nach­trag 1: Voraus­sichtlich in der kom­menden Ver­sion wer­den die Pfeile für auf- und zugeklappte Kat­e­gorien miteinan­der ver­tauscht, um dem all­ge­meinen Ver­ständ­nis, etwa in Dateiman­agern und Texte­d­i­toren, die gle­ich­falls Uni­codesym­bole für diesen Zweck ver­wen­den, ein wenig ent­ge­gen­zukom­men.

Nach­trag 2: In der aktuellen TinyTo­do-Ver­sion wird wiederum eine vor­be­füllte Daten­bank mit­geliefert, die die vorhan­dene Daten­bank über­schreibt. Ich empfehle, die vorhan­dene Daten­bank (im Pro­gram­mverze­ich­nis als TinyTodo.db gespe­ichert) zu sich­ern und nach erfol­gter Aktu­al­isierung zurück­zukopieren. Gle­ich­falls werde ich dies jedoch für die kom­mende Ver­sion ändern. Damit ste­ht ein­er prak­tis­chen Nutzung auch über Aktu­al­isierun­gen hin­weg kün­ftig nichts mehr im Weg.

PolitikNetzfundstückeIn den NachrichtenNerdkramsMir wird geschlecht
Kurz verlinkt XXIX: Feminismus und die AusweisApp

Unter­halt­same, jedoch nur bed­ingt vergnügliche Lek­türe hin­ter­ließ bere­its am Mon­tag Ste­fan Sasse im Weblog “Oeffin­ger Frei­denker”, indem er über die gegen­wär­ti­gen Strö­mungen des Fem­i­nis­mus’ referierte.

Zutr­e­f­fend stellt er beispiel­sweise fest:

Es kann kein Zweifel beste­hen, dass die rechtliche Gle­ich­berech­ti­gung längst erre­icht ist. Dies wird auch von der Frauen­be­we­gung nicht angezweifelt, nicht ein­mal von ide­ol­o­gis­chen ver­bohrten Alt­las­ten wie Alice Schwarz­er. Stattdessen erk­lärt die Frauen­be­we­gung, dass die „fak­tis­che Gle­ich­berech­ti­gung“ nicht erre­icht sei. Dazu gehört die Leg­ende von ein­er gläser­nen Decke, die es Frauen nicht erlaube, in Führungspo­si­tio­nen aufzusteigen, weil dort ja nur Män­ner sitzen, die unter sich bleiben wollen und Frauen deswe­gen nicht hochkom­men lassen wollen. Im gle­ichen Zusam­men­hang ste­ht die Behaup­tung, dass Frauen bei gle­ich­er Tätigkeit um ein Drit­tel schlechter bezahlt wer­den.

Resig­nierend kommt er zu dem Schluss, dass der Fem­i­nis­mus sich über die Jahrhun­derte von ein­er big­ot­ten Spielart des Ego­is­mus’ in der Ober­schicht zu ein­er auch vor radikalen Meth­o­d­en nicht zurückschreck­enden, aber gesellschafts­fähi­gen Form des Sex­is­mus’ gewan­delt hat.
Ein sehr wichtiges und richtiges Man­i­fest sein­er­seits und eine ständi­ge Leseempfehlung mein­er­seits. Bess­er wird es nicht.

Wer es übri­gens noch nicht mit­bekom­men hat:
Ein Pirat (Jan Schejbal, das war u.a. auch der hier) hat den neuen Per­son­alausweis gek­nackt.

Mit “gek­nackt” ist hier keines­falls gemeint, dass man nun seinen Ausweis selb­st fälschen kön­nte; vielmehr stellt die zum Ausweis gehörende “Ausweis­App” (ein scheußlich­er Name) eine gewaltige Sicher­heit­slücke für das Sys­tem dar, auf dem sie läuft:

Ein (…) Angreifer, welch­er den Net­zw­erkverkehr beliebig manip­ulieren kann, jedoch nicht in der Lage ist als sich­er gel­tende Ver­schlüs­selung zu brechen oder den Client des Opfers vorher zu manip­ulieren, kann somit auf­grund zweier Imple­men­tierungs­fehler in der Ausweis­App über die Auto-Update-Funk­tion Schad­soft­ware ein­spie­len.

Böse Zun­gen wür­den behaupten, das sei Absicht, denn eine ein­fachere Möglichkeit, heim­lich Überwachungsmech­a­nis­men auf den Com­put­ern möglichst viel­er Bürg­er zu instal­lieren, ist kaum vorstell­bar. Es kön­nte allerd­ings auch bloße Inkom­pe­tenz sein, wofür auch spräche, dass das ganze Ding in Java, der rück­ständi­gen und notorisch unsicheren Mehrzweck­pro­gram­mier­sprache, entwick­elt wurde. Was auch immer zutr­e­f­fen mag: Von “Kinderkrankheit­en” kann keine Rede mehr sein.

Et nunc, reges, intel­lig­ite; erudi­mi­ni, qui iudi­catis ter­ram.

NerdkramsSonstiges
Medienkritik XL: Skandal: Es gibt unlizenzierte Software!

Im August äußerte ich mich über die Wirre der Zeitschrift “PC-WELT” (nur echt mit Brüll­buch­staben), habe es aber ver­säumt, ein Bild davon anzufer­ti­gen. Heute stieß ich auf ein geeignetes Sur­ro­gat:

“Microsofts Geheim­plan” für “Win­dows 8” ist so schreck­lich geheim, dass er in ein­er der­maßen preiswerten Zeitschrift nur als Rand­no­tiz vorkommt; also ver­mut­lich wel­texk­lu­siv.

Viel mehr Auf­se­hen erregte bei “Europas großem Mag­a­zin für Win­dows-Anwen­der” dieses “Inter­net”, von dem alle in let­zter Zeit reden, denn dort, Skan­dal!, gibt es “über­all” eine “ille­gale Ver­sion” der “Hack­er-Edi­tion” von Win­dows 7. Und weil das so skan­dalös und ille­gal ist, verzichtet man bere­its auf dem Titel nicht darauf, auf die Risiken von Betrieb­ssys­temdis­tri­b­u­tio­nen aus zweifel­haften Quellen hinzuweisen, näm­lich, dass die “Hack­er-Edi­tion” “bess­er & schneller als das Orig­i­nal” sei (hierzu siehe auch meine Kri­tik an Win­dows 7), “[o]hne nervige Aktivierung” auskomme und sog­ar “Pho­to­shop & Co. vorin­stal­liert” habe, ins­ge­samt also sich­er nicht ein­mal die Suche nach Quellen wert sei.

(Ich nehme ohne­hin an, selb­st die Suche erle­ichtert “Europas großes Mag­a­zin für Win­dows-Anwen­der” mith­il­fe mehr oder min­der ein­deutiger Hin­weise. Allerd­ings war es mir die sieben Euro neu­nund­ne­un­zig — ein stolz­er Preis für, wie erwäh­nt, min­destens wel­texk­lu­sive War­nun­gen vor gefährlichen “ille­galen Ver­sio­nen” — dann doch nicht wert, diese These selb­st zu über­prüfen.)


Und dann war da noch das Strick­waren­fachgeschäft “Woll­rausch”, dessen Betreiber zwar ein Gespür für Wort­spiele zu haben scheinen, aber dann doch den Gedanken nicht zu Ende geführt haben; denn noch schön­er wäre es doch, hieße es “Woll-Lust”!
Nichts zu danken.

(Auch schön übri­gens: Heute im Super­markt sah ich eine Kleinanzeige, mit­tels der­er jemand ver­suchte, einen Dachge­bäck­träger an den Mann zu brin­gen. Klingt nüt­zlich!)

Spaß mit Spam
Schneller leben, schöner sterben

Spam­mer, der du mir und anderen Mit­men­schen, die du nicht per Blind­kopie adressiertest, vorhin ein Exem­plar dein­er Massen­mails zukom­men ließest:
Ich bedanke mich, ich habe her­zlich gelacht!

Denn unter der Über­schrift

Skan­dal Brit­ney Spears tot

erwartet man in seinem Postein­gang sich­er keinen lyrischen Erguss, damit allerd­ings hätte ich dann doch nicht gerech­net:

5, 10 oder sog­ar 25 Kilo weniger? Wer will das nicht! Nur schafft es kaum
ein Men­sch. Zumin­d­est nicht ohne Hil­fe.

Ver­suchen Sie! es sofort selbs$t, harte Tat­sachen beweisen mehr als
unza­ehlige Worte. Wenn Sie sehen, wie Ihre Pfunde schw#inden, wer­den Sie
eupho­risch sein. Noch nie war Gewicht ver­lieren so ein­fach!

Den belan­glosen fol­gen­den Werbeschmar­rn ein­mal bei­seite gelassen:
Stimmt! Keine Art, Gewicht zu ver­lieren, ist weniger anstren­gend als ein­fach — zu ster­ben.

Ob die Weight Watch­ers wohl auch eine Kopie erhal­ten haben?

PersönlichesMusikFotografie
Ein psychedelischer Genuss: Dear John Letter in Braunschweig

Da freut man sich seit drei Jahren darauf, Dear John Let­ter endlich mal live zu sehen, und dann fällt’s fast ins Wass­er. Mit mein­er Begleitung (dieselbe wie einst auf dem Nihiling-/Her­melin-Konz­ert vor — beina­he — exakt einem Jahr) an der Hal­testelle ange­langt stellte ich fest, dass in den näch­sten drei Stun­den kein Bus mehr fahren und der näch­ste Zug uns auch nicht rechtzeit­ig an den Zielort brin­gen würde. Ungern bestiegen wir also im strö­menden Regen eine (immer­hin preiswerte) ander­weit­ige Mit­fahrgele­gen­heit.

Das Konz­ert fand im Café Rip­tide, einem übri­gens sehr gemütlichen Plat­ten­laden in Braun­schweig, statt. Die Kul­tur­fab­rik in Hildesheim, so erfuhr ich später von Peter (reimt sich), lei­det derzeit unter finanziellen Schwierigkeit­en; ich wün­sche den Betreibern alles Gute. Das Café Rip­tide befind­et sich in Braun­schweig in ein­er obskuren Seit­en­gasse, auf die man als Ort­sex­tern­er nur zufäl­lig stößt, entsprechend irrten wir etwa zwanzig Minuten im weit­er­hin strö­menden Regen umher. Es war bere­its kurz nach 21 Uhr, als wir ein­trafen. Juliane, eben­falls bere­its auf o.g. Konz­ert in Hildesheim anwe­send, war auch da; ein dur­chaus angenehmer Zufall.

Das Quin­tett ließ sich indes Zeit, saß noch gemütlich in ein­er Ecke herum und unter­hielt sich. Der Konz­ert­be­ginn wurde auf etwa 21:45 Uhr ver­legt, “21 Uhr” war also eher ein grober Richtwert. Das war nicht vorauszuse­hen, gewährte mir aber die Gele­gen­heit, mich ein wenig aufs Sofa zu lüm­meln, ein wenig Bier zu trinken und mich mit den Fünf bekan­nt zu machen. Man gab sich erfreut über meine Anwe­sen­heit, lästerte noch ein wenig über die Rezen­sio­nen der VISIONS und begab sich als­bald in Rich­tung Bühne.

Den Schlagzeuger hat­ten sie baube­d­ingt hin­ter Möbeln ver­steckt, aber wenn man eine Gele­gen­heit fand, vorn zu ste­hen, kon­nte man ihn sehen, worauf im Laufe des Konz­erts expliz­it hingewiesen wurde. Nun — ich stand vorn.

Hin­ter den Musik­ern wur­den psy­che­delis­che Videose­quen­zen an eine Lein­wand gewor­fen, was die grund­sät­zlich ohne­hin psy­che­delis­che Musik (siehe Rezen­sion zum aktuellen Album) zusam­men mit der spär­lichen Beleuch­tung erst so richtig zur Gel­tung brachte. So gese­hen ist es nur kon­se­quent, dass mir während des Konz­erts nur ver­schwommene Bilder gelan­gen, denn sie illus­tri­eren die Atmo­sphäre bess­er als jedes Presse­fo­to:

Darge­boten wurde neben Stück­en von “Part & Frag­ment” auch “Tow­ers | Trees” vom Vorgänger­al­bum sowie zwei Stücke des Debüt-EPs. Live ist all das noch kraftvoller, mitreißen­der als auf den Ton­trägern, auch, wenn der Bass mitunter etwas zu sehr in den Vorder­grund gemis­cht wurde.

Nach Abschluss des Konz­erts gesell­ten wir uns noch Bier und Cola trink­end zu der illus­tren Diskus­sion­srunde (Peter, Dear John Let­ter), was eine gute Idee war, denn man forderte mich auf, sie zur Theke zu begleit­en, wo man Jäger­meis­ter verteilte. (Benei­det mich!)

(Links im Bild: Herr Schall­gren­zen.)

Bis kurz nach Mit­ter­nacht blieben wir noch dort und amüsierten uns prächtig.
Es ist schade, dass es drei Jahre gedauert hat, bis ich die Band endlich erleben durfte, und ich hoffe, es war nicht das let­zte Mal.

Bis Anfang Dezem­ber sind Dear John Let­ter noch auf Tour, und ich empfehle jedem, der ger­ade in der Nähe ist, sich dem akustis­chen Trip, auf den ihre Musik den Hör­er schickt, ein­mal auszuset­zen.

Ihr werdet es nicht bereuen.

Netzfundstücke
Werbung? Wollen wir nicht!

Wer hätte gedacht, dass Sony, bekan­nt für Rootk­its auf CDs, Inter­net­zen­sur und unver­schämte Forderun­gen im Fall ver­meintlich­er Ver­let­zun­gen des Urhe­ber­rechts, doch noch mal eine gute Idee haben würde?

Derzeit ist man dort wohl damit beschäftigt, das Inter­net von den eige­nen Wer­be­v­ideos zu befreien; und das ist doch lobenswert!

(via Fefe)

:lol:

MusikNetzfundstücke
Juhu!

(Unlängst ließ ich mich über die Ein­fall­slosigkeit gegen­wär­tiger Musikkopis­ten aus. Es fol­gt ein weit­er­er Aspekt, den ich, wie üblich, total übertreibe.)

Im Übri­gen meine ich, dass Kün­stler, die die Silbe “yeah” ein einem Lied mehrfach zur bloßen Über­brück­ung von Vokalpausen und nicht etwa als gestal­ter­isches Mit­tel (Die Ärzte: “Him­mel­blau”; Van der Graaf Gen­er­a­tor: “Killer”; J.B.O.: “Ka Alda, ka G’schrei”) ein­set­zen, aus den Titel­lis­ten zeit­genös­sis­ch­er Radiosender ver­ban­nt und dazu ange­hal­ten wer­den soll­ten, die Erlöse aus dem Verkauf der mit diesen Liedern bespiel­ten Ton­träger wohltäti­gen Zweck­en zuzuführen, damit diese Marotte ein Ende find­et.

“Sagt ‘yeah yeah yeah’ ” intonieren die Fan­tastis­chen Vier auf dem Album “Viel” und kon­terkari­eren damit eine Kul­tur, deren Teil sie sind, wom­öglich nur zufäl­lig. Seit die völ­lig über­be­w­erteten Bea­t­les ihrerzeit, frei nach Dieter Bohlen, sich mit dreimal yeah in den Hit­pa­raden platzierten, hat sich diese per se inhalt­sleere Silbe — man über­set­ze bei Unglauben ein­mal spaße­shal­ber jedes “Yeah!” durch ein “Ja!”, um festzustellen, dass von sein­er beja­hen­den Bedeu­tung nur mehr wenig übrig geblieben ist — auch im deutschsprachi­gen Raum bre­it gemacht, vor­läu­fig gipfel­nd in dem Mem “… und alle so: Yeeaah!” (wir erin­nern uns).

(Offen­sichtliche Per­si­fla­gen seien ein­mal außen vor gelassen; etwa “Tanzt das Brot”: “Hey, yeah — hey, hey, hey, yeah! Alle zusam­men: Tanzt das Brot!”)

Ein Beispiel: Wie ich mehrfach erwäh­nte, habe ich unter anderem eine jün­gere Schwest­er. Zu den Fernsehse­rien, die ich somit mitunter zu kon­sum­ieren nicht umhin komme, zählt “Han­nah Mon­tana”. Hier­bei han­delt es sich um eine Pseu­do­doku­men­ta­tion über das Leben von Miley Cyrus, deren Szenen von “Hör mal, wer da hämmert”-Gedächtnis-Lachern vom Band unter­malt wer­den, damit der Zuschauer weiß: Ah, ger­ade war wohl etwas amüsant. Der Über­gang zwis­chen den Szenen nun gestal­tet sich insofern, als er von ver­schiede­nen Klangein­spielun­gen seit­ens Miley Cyrus unter­malt wird, oft etwa nur “yeahyeah”, die so auch ihre Lieder bes­tim­men.

Wir erin­nern uns mit Grausen an Basis (“ich liebe mich, yeah, uh”) und vor allem auch Scoot­er (“yeah yeah yeah yeah yeah yeah yeah”). Ich würde jet­zt nicht so weit gehen, von Kul­turver­fall zu sprechen, denn mit Kul­tur hat dieses anspruch­slose Wort­gezap­pel nicht viel zu tun; aber schade ist es doch schon.


(Schon gewusst? Wer Flat­tr benutzt, sol­i­darisiere sich mit Faschis­ten, “schreibt” der olle Links­fascho Chris­t­ian Sick­endieck in sein­er jüng­sten “Satire”, ver­bit­tet sich wie üblich jeden kri­tis­chen Kom­men­tar und “belegt”, dass unter anderem Spree­blick, Netzpolitik.org und die linke “taz” übel­ste Naz­ime­di­en sind. Gut zu wis­sen.)

In den Nachrichten
Medienkritik XXXIX: Saddams Krater

Ach, wie schade: In Thürin­gen gab es gestern einen Erdrutsch.
Halt, nein, noch mal.

Ach, wie schade: In Thürin­gen gab es gestern einen Erdrutsch, und die Medi­en hat­ten ihre kreativ­en Mitar­beit­er ger­ade nicht im Haus. Stillschweigend vere­in­barten die Medi­en (leipzig-seiten.de, die Braun­schweiger Zeitung, SPIEGEL Online, Yahoo! Nachricht­en Deutsch­land und lei­der auch, unwider­sprochen, das BILD­blog), dass es sich wie bere­its bei ähn­lichen Vor­fällen vor weni­gen Monat­en (siehe zum Beispiel rp online, Welt Online usw.) um einen “Krater” han­dle, ver­mut­lich, weil das Wort so schön ono­matopo­et­isch ist, denn beim Aussprechen von “Kra-” reißt man seinen Schlund gle­icher­maßen kraterähn­lich auf.

Dass das, was die Medi­en tun, übri­gens eher an das Prinzip der “stillen Post” erin­nert, wird deut­lich, wenn man ein­mal die Angaben ver­gle­icht; ihnen zufolge ist das Resul­tat zwis­chen 12 (Braun­schweiger Zeitung, Finan­cial Times Deutsch­land) und “etwa 20” (u.a. Ham­burg­er Abend­blatt), mitunter gar “20 bis 25” Meter tief (SPIEGEL Online), na, wür­feln wir es mal aus, gle­ich is’ Mit­tagspause und da lohnt sich kein inves­tiga­tiv­er Jour­nal­is­mus mehr.

Dumm ist nur: Wenn die Erde rutscht, entste­ht kein Krater.

Die lang­weilige Ety­molo­gie, gemäß der­er übri­gens auch der Heilige Gral ein Krater ist, betont jedoch auf der zweit­en Silbe, möchte ich meinen noch geneigten Lesern ers­paren. Die 9. Auflage des Duden-Fremd­wörter­buchs jeden­falls besagt:

Kra|ter der; ‑s, — (gr.-lat.) 1. trichter- od. kes­selför­mige Öff­nung eines Vulka­ns. 2. trichter- od. kes­selför­mige Ver­tiefung im Erd- od. Mond­bo­den

Erstere Def­i­n­i­tion kann man­gels eines Vulka­ns get­rost ignori­ert wer­den, übrig bleibt noch die zweit­ere. Nun sieht man auf den bekan­nten Fotografien die Form des “Kraters” nicht, also müssen andere Quellen her. Die Wikipedia ken­nt mehrere Arten von Kratern, zutr­e­f­fend ist jedoch kein­er von ihnen. Da der “Krater” erwiesen­er­maßen nicht durch Mete­oritenein­schlag, eine Explo­sion oder vulka­nis­che Ereignisse ent­standen ist, ste­ht der Leser zunächst ein­mal rat­los da.

In den Kom­mentaren zu oben bere­its erwäh­n­tem Welt-Online-Artikel war zu lesen, dass man bei durch Erdrutsche ent­stande­nen Boden­ver­tiefun­gen von Karst­trichtern oder Dolinen spricht, bei­des Begriffe, die mir selb­st bis dato unbekan­nt waren. Aber ger­ade auch regelmäßige Kon­sumenten deutsch­er Medi­en ken­nen seit Dezem­ber 2003 eine bessere, weil weniger falsche Ter­mi­nolo­gie:

Sad­dam Hus­sein ver­steck­te sich im Erd­loch

Und plöt­zlich sind sie ganz still, die Jour­nal­is­ten, weil ihnen ein­fällt: huch, das haben wir ja damals selb­st geschrieben!

(Zur Verdeut­lichung: Man stelle sich vor, die Nachricht­en zur Ergrei­fung Sad­dam Hus­seins, anlässlich der­er viele Men­schen zum ersten Mal in ihrem Leben das Wort “Erd­loch” gehört haben, hät­ten “Sad­dam Hus­sein ver­steck­te sich im Krater” gelautet. Wer hätte da an nicht an Raum­fahrt oder zumin­d­est Vulka­ne gedacht?)

Richtig macht­en es übri­gens die Ad Hoc News und die anson­sten nicht zu empfehlende junge Welt; für sie ist der “Krater” schlicht ein Loch bzw., na bitte!, ein Erd­loch.

Warum nicht gle­ich so?


Übri­gens hat sich Kraft Foods anlässlich mein­er Kon­tak­tauf­nahme heute mit ein­er Stan­dard­mail gemeldet:

Auf jeden Fall haben wir Ihren Hin­weis an die zuständi­ge Abteilung weit­ergeleit­et und wir sind sich­er, dass man sich dort Gedanken darüber machen wird.

Umw­er­fend! :)

MusikFotografie
Kopiermusik und gelbe Plaumen

Dass ich heute früh während des gewohn­ten Musik­genuss­es mehrfach an “Cen­sored Col­ors” von Por­tu­gal. The Man, aber vor allem auch an den Choral­teil von Pure Rea­son Rev­o­lu­tions “Bright Ambas­sadors Of Morn­ing” vom bis heute lei­der nicht wieder erre­icht­en Album “The Dark Third” erin­nert wurde, hat­te keines­falls damit etwas zu tun, dass ich eines dieser bei­den musikalis­chen Werke hörte. Stattdessen erfüllte das zwei Jahre alte Werk “Embrace” von Silent Sun meinen pri­vat­en Äther.

Und während ich also dieser Melange aus irgend­wie bekan­nten Klän­gen (nur: was war zuerst da?) lauschte, fiel mir ein, dass ich mich schon des Län­geren nicht mehr über die Ein­tönigkeit heutiger Musik aus­ließ, wom­it ich das dann auch nach­holen möchte.

Sich­er kann man mit ein­er natür­lich begren­zten Anzahl an für das men­schliche Ohr hör­baren Tönen irgend­wann nichts mehr her­vor­brin­gen, was es nicht so schon ein­mal gegeben hätte, aber wie pen­e­trant darf man noch sein, um Erfolg zu haben?

Lady Gaga als die deut­lich schlechtere Gwen Ste­fani (mit, immer­hin, Kate-Bush-Tim­bre) dürfte das promi­nen­teste Beispiel sein, das Dutzend­pop mit gespiel­ter Eigen­ständigkeit und 90er-Jahre-Attitüde verbindet und, wie Ohren­zeu­gen ihrer Konz­erte mir gegenüber bestätigt haben, auf Ton­trägern trotz all der Elek­tron­ik deut­lich unter ihren Möglichkeit­en agiert. Wir erin­nern uns: In den späten 50-er Jahren sah man das Ende der Kul­tur nahen, indem der Rock’n’Roll sich von Bill Haley, Elvis Pres­ley und ähn­lichen Pro­tag­o­nis­ten Gehör ver­schaf­fen ließ. Allein: Diese Men­schen pro­bierten etwas Neues aus, so eben auch in den 80-ern die schreck­lichen New-Wave-“Künstler”. Bei­de hat­ten trotz ihrer qual­i­ta­tiv­en Unter­schiede etwas gemein­sam: Sie wussten mit ihren Instru­menten umzuge­hen und kreativ neue Wege in der Musik zu beschre­it­en. Seit­dem ist schlicht nichts mehr passiert.

Was 2010 die Musik­welt beherrscht: “Cast­ing­shows”, in denen die meist­geschmink­ten Tal­ent­freien irgen­deinen Beliebigkeit­s­text aufge­drückt bekom­men, den im Fol­ge­jahr jed­er vergessen haben dürfte; von anspruch­slosen so genan­nten “Jour­nal­is­ten” für den Super­star des (min­destens) Jahrhun­derts gehal­tene Restev­er­w­ert­er, die vor nicht ein­mal zwanzig Jahren ihren Vor­bildern nicht ein­mal sin­gend die Toi­lette hät­ten putzen dür­fen; “One-Hit-Won­der” wie etwa Arcade Fire und die Edi­tors, die nach einem Album, das meist als “Geheimtipp” plakatiert wird, wieder aus dem öffentlichen Bewusst­sein ver­schwinden und auch eher nach den späten Nach­wirkun­gen der Brit­pop-Welle als nach “voll so 2010” klin­gen; und über­haupt wird wieder mehr “Fick­beat” (c/o KTK‑G) unter ehe­mals gute Ideen gelegt, Pure Rea­son Rev­o­lu­tion (ich erwäh­nte sie bere­its) bere­it­en mir 2010 nur mehr Kopfweh. Um so schwieriger ist es, die Oliv­en auf der Piz­za zu find­en, je mehr Käse man auf sie legt. (Im Dezem­ber werde ich, wie jedes Jahr, es den­noch wieder ver­suchen.)

Mein heißgeliebter und eigentlich recht tol­er­an­ter Kopfhör­er Shure SRH240 hat mir übri­gens heute den Dienst ver­sagt. — Ver­mut­lich ertrug er das alles nicht länger.


Und weil das mit dem “Mit­mach­web” ger­ade irgend­wie so Mode zu sein scheint, präsen­tiere ich abschließend ein kleines Such­bild (mit Dank an V.):

Find­et den (oder die) Fehler, umkreist ihn (oder sie) mit einem wasser­festen Stift und sendet mir ein Foto (oder mehrere) eur­er Lösung (oder Lösun­gen).

:)

Lyrik
Lamento

In Gedanken am Leben
doch in Gedanken allein,
träu­mend nur glück­lich
bin ich armes Schwein!

Zu viel schon ver­loren,
ein Gewinn? Stets nur Schau!
Nur Regen, nie Sonne,
seh ich arme Sau!

Im Som­mer zu heiß,
im Win­ter zu kühl;
selb­st das Wet­ter treibt mit mir
ein hin­ter­hältig’ Spiel!

Keine Per­spek­tive,
kein Sinn mehr gegeben,
ich bin wirk­lich arm dran
mit meinem Leben.

Die Leute sind fröh­lich,
sie sind meist gut drauf,
nur ich bin schlecht drunter;
ich hör ja gle­ich auf!

Was mir liegt: Ver­sagen!
Was son­st: Ein­samkeit!
Nur eins liegt mir gar nicht
und zwar: Selb­st­mitleid.

NetzfundstückeNerdkrams
Dell: Antimatt.

(Ich wollte vor­erst keinen Text mehr über so Com­put­er­sachen schreiben. Keine Sorge; dies ist eigentlich kein­er.)

Wer sich dieser Tage einen neuen Lap­top zule­gen möchte, hat nur wenig Auswahl, wenn es darum geht, einen entspiegel­ten Bild­schirm zu erhal­ten. Inner­halb der let­zten Jahre hat sich herumge­sprochen, dass die Glare-Type-Bild­schirme, also die, auf denen man bei Hin­ter­grund­beleuch­tung seine eigene Vis­age mitunter bess­er sieht als den Bild­schirmin­halt, deut­lich preiswert­er zu pro­duzieren sind als die mit entspiegel­ter (“mat­ter”) Anzeige. Wen­ngle­ich die deutschen Richtlin­ien zumin­d­est fes­tle­gen, dass nicht entspiegelte Bild­schirme wegen der Schädlichkeit für die eigene Sehkraft nicht am Arbeit­splatz ges­tat­tet sind, so scheinen viele Lap­to­pher­steller doch ihr Ange­bot eher am Heiman­wen­der auszuricht­en. Selb­st ehe­mals geschäfts­fre­undliche Her­steller wie Dell ver­legten ihr Haup­tau­gen­merk mit­tler­weile auf spie­lende Heiman­wen­der; so kann zum Beispiel die anson­sten hochk­las­sige neue XPS-Serie, nach der sich die europäis­che Gemein­schaft der Lap­top­nutzer derzeit sämtliche Fin­ger leck­en dürfte, nur mit einem “True-Life-Dis­play”, also einem nicht nur spiegel­nden, son­dern wirk­lich sehr spiegel­nden Bild­schirm aufwarten.

Ich möchte auch gar nicht weit­er ins Detail gehen, son­dern euch, liebe ungeduldige Leser­schar, direkt zur Pointe führen:
Heute Mit­tag blät­terte ich wieder ein­mal in den aktuellen Dell-Ange­boten und wurde von Belus­ti­gung befall­en, als ich die Über­sichts­seite über Pre­ci­sion-Mod­elle sah:

Bitte was? Regie, kann ich das noch mal haben?

“Anti-Ent­blendung”? Fre­undlicher­weise wird dieser Ter­mi­nus nicht ein­mal im Kleinge­druck­ten erläutert.
Unter “Ent­blendung” ver­ste­he jeden­falls ich die Entspiegelung eines Bild­schirms, einen mat­ten eben­solchen eben.

Was also ist “Anti-Ent­blendung”? Eine spezielle Schicht, die das Entspiegeln ver­hin­dert?
(Das ist beina­he so blöd wie die geplante inte­gri­erte SIM-Karte von Apple.)

Meine Güte!